KaufbefehleMusikkritik
Eat­liz – Teasing Natu­re

Wie ange­droht schrei­be ich jetzt eine klei­ne Rezen­si­on von Eat­liz‘ Zweit­ling „Teasing Natu­re“ und bin da wohl der Erste, zumin­dest fin­de ich gera­de kei­ne Gegen­be­le­ge. Scha­de, zu vie­le Tex­te gibt es schon über wirk­lich schlech­te Musik, aber nur weni­ge über sol­che wie die von Eat­liz.

Eat­liz, manch­mal auch Eat­Liz, heißt auf Hebrä­isch „Schlacht­haus“, sieht aber nicht ganz so blut­rün­stig aus, wie Bil­der bele­gen. Das Debüt­al­bum „Vio­lent­ly Deli­ca­te“ von 2007, eini­ge Mona­te lang legal und ohne Mehr­ko­sten online zu bezie­hen, inzwi­schen wohl nicht mehr, hat mich eben­so wie der/die/das fol­gen­de EP „Deli­ca­te­ly Vio­lent“ an den Eiern gepackt und an die exqui­si­ten Sto­len Babies, deren zwei­tes Album irgend­wann 2011 eben­falls erschei­nen soll, erin­nert; ins­be­son­de­re die Stim­me von Sän­ge­rin Lee Trif­fon steht der von Domi­ni­que Per­si nur wenig nach. Isra­el scheint idea­le Bedin­gun­gen für die Geburt rich­tig guter Musi­ker zu bie­ten.

Und nun „Teasing Natu­re“, „die Natur sti­cheln“, was nach einem zweck­frei­en Unter­fan­gen aus­sieht.
Der Pres­se­text berei­tet Sor­ge:

Their new and exci­ting album, Teasing Natu­re, finds the band after a self reflec­ting and soul sear­ching pro­cess and it marks the begin­ning of a new way for them in a long and uncom­pro­mi­sing jour­ney. The album takes the band out of its com­fort zone by being expe­ri­men­tal main­ly becau­se it has no Metal ele­ments (that have been very domi­nant in the past albums), this has ope­ned the way for the band to use key­boards and elec­tro­nics.

Tat­säch­lich beginnt das eröff­nen­de „Your Hou­se“ zurück­hal­tend und bleibt es auch über den ersten Refrain hin­aus. Erst in der letz­ten Minu­te schep­pert es wie­der, wie der Volks­mund sagt, im Kar­ton. Apro­pos Refrain, der Refrain von „Your Hou­se“ ist zu mei­nem Bedau­ern ein ziem­lich ohr­wurm­i­ges Stück Musik mit Chor­ge­sang, bei­des nicht unbe­dingt Qua­li­tä­ten, die ich bis dato die­ser Band zuge­schrie­ben hät­te, aber: Sie können’s!

Und sonst so? Elek­tro­ni­ca („Ber­lin“, „Gol­die“), Indie-Pop/­Rock („O.K.“, „Lose This Child“), Kla­vier­bal­la­den („Got It“), Fun­ki­ges („Nine“), aber eben auch wei­ter­hin die gute alte Krach­mu­sik („Voice Over“). Neben „Your Hou­se“ stellt aber „Tears“, ein rhyth­mus­la­sti­ges Indie­rock­stück, das sich nach etwas mehr als zwei­ein­halb Minu­ten in einer wah­ren Geräusch­or­gie ent­lädt; es pfeift, es tutet, es dröhnt, es brummt, all­mäh­lich ver­hallt Frau Trif­fons hier recht bluesi­ge Stim­me, dann ist Schluss. Prä­di­kat: RIO/Avant. Klingt gut und wird viel zu sel­ten gespielt.

Ja, fort ist der Metal. Er ist einer sti­li­sti­schen Neu­aus­rich­tung gewi­chen, die ande­re Bands (I Like Trains, The Raveo­net­tes und ähn­li­che ehe­mals pri­ma Musi­ker) lei­der voll­kom­men ver­siebt haben (Peter sieht das anders).

Womit haben wir es auf „Teasing Natu­re“ also zu tun?

„Radio­kom­pa­ti­bel“ ist ein böses Wort, aber nach­dem Radio­sen­der nun bereits „Last Christ­mas“ ver­ban­nen, bin ich guter Din­ge, die­ses Adjek­tiv in abseh­ba­rer Zeit wie­der in posi­ti­vem Kon­text nut­zen zu kön­nen, ohne die fal­sche Kli­en­tel anzu­spre­chen. Der­weil beschrän­ke ich mich dar­auf, „Teasing Natu­re“ jeden­falls gefäl­lig und uner­war­tet ein­gän­gig zu nen­nen.

Wenn das die „neu­en Eat­liz“ sind, dür­fen die alten gern blei­ben, wo der Pfef­fer wächst.

NetzfundstückePiratenpartei
Wählt kei­ne Pira­ten!

Kaum über­lässt man die Radi­kal­feman­zen (ich berich­te­te unter ande­rem hier) mal für eine Wei­le sich selbst, bereut man es. Hät­te ich es nicht so spät in der Nacht erst gese­hen, ich hät­te mir ver­mut­lich vor Schreck irgend­was über die Hose geschüt­tet.

Bekannt­lich fin­den im kom­men­den Jahr eini­ge Land­tags­wah­len statt, für deren Resul­ta­te unter ande­rem die jewei­li­gen Lan­des­ver­bän­de der Pira­ten­par­tei als der­zeit am wenig­sten unwähl­ba­re Par­tei zur Wahl ste­hen. (Bedenkt: Wer nicht wählt, wählt CDU!) Das hät­te ich als nicht von jenen Wah­len Betrof­fe­ner wohl noch nicht bemerkt, hät­te „Isi“ nicht in ihrer bekann­ten Wei­se ein Hetz­pam­phlet gegen die Pira­ten­par­tei ver­öf­fent­licht, das sich selbst der­ma­ßen per­si­fliert, dass es eine wah­re Freu­de ist. Ich erlau­be mir ein­mal eini­ge Zita­te aus den „10 Grün­den, die Pira­ten­par­tei und deren Direkt­kan­di­da­ten NICHT zu unter­stüt­zen oder zu wäh­len“:

1. Die Pira­ten­par­tei besteht über­wie­gend aus poli­tisch Ein­fäl­ti­gen und ande­ren Heuch­lern.

Von Beginn an ste­hen die Mit­glie­der der Pira­ten­par­tei dazu, auf dem Feld der Poli­tik noch uner­fah­ren zu sein, poli­ti­sche Ein­falt ver­mis­se ich jedoch, denn die sam­melt ihre gan­ze Kraft in kon­ser­va­ti­ven Par­tei­en wie der CDU und den Grü­nen. Kon­ser­va­ti­vis­mus hat immer auch etwas rück­stän­di­ges an sich. Nein, „Isi“, nie­mand heu­chelt. Die Pira­ten­par­tei lässt ande­re Mei­nun­gen – aus jeg­li­chem poli­ti­schen Spek­trum – aus­drück­lich zu, so lan­ge sie mit der Sat­zung und dem Kodex kon­form gehen, und radi­kal­fe­mi­ni­sti­sches Her­um­ge­pö­bel im Forum der Pira­ten­par­tei zählt nicht dazu. Aber, „Isi“, wenn man dich („Sie“ bedingt Respekt, und Respekt ist kei­ne Got­tes­ga­be) mas­ku­li­stisch voll­pö­beln wür­de, du wür­dest bin­nen kür­ze­ster Zeit das Gespräch abbre­chen, nicht wahr? Du into­le­ran­ter Heuch­ler!

3. Pira­ten­po­li­tik ist sexi­stisch, wider­sprüch­lich und rea­li­täts­fern.

(…) Eine struk­tu­rel­le und direk­te Dis­kri­mi­nie­rung von Frau­en wird nicht nur ver­leug­net, son­dern selbst prak­ti­ziert. Den­noch behaup­ten, Pira­ten Sexis­mus bereits über­wun­den zu haben, ein­fach weil sie ihn neu defi­nie­ren und kri­ti­sche Hin­wei­se igno­rie­ren und als „Dis­kri­mi­nie­rung der Män­ner“ ver­ach­ten und aktiv mit einer par­tei­in­ter­nen AG Män­ner, die sich gezielt gegen die „Dis­kri­mi­nie­rung der Män­ner“ aus­spricht, bekämp­fen.

Wer Gleich­be­rech­ti­gung und Selbst­be­stim­mung wich­tig fin­det, wird kei­ne Pira­ten wäh­len.

Wer Gleich­be­rech­ti­gung und Selbst­be­stim­mung wich­tig fin­det, für den fängt Gleich­be­rech­ti­gung nicht mit geziel­ter Frau­en­för­de­rung an, son­dern damit, auch die Män­ner mal auf ihre gesell­schaft­lich gedul­de­te Unter­drückung hin­wei­sen zu las­sen. Sexis­mus beginnt dort, wo man Men­schen nach ihrem Geschlecht sor­tiert. (Die diver­sen „AG Frau­en“, zeit­wei­se drei an der Zahl, wur­den wohl ver­se­hent­lich in der Argu­men­ta­ti­on ver­ges­sen.)

4. Pira­ten sind Post­de­mo­kra­ten und beschüt­zen und ver­tei­di­gen Faschi­sten, Sozio­pa­then und Kri­mi­nel­le!

Faschi­sten wie die mei­sten Grün­dungs­mit­glie­der der CDU, Sozio­pa­then wie das sexi­sti­sche Feman­zen­duo „Isi“ und „Pira­ten­weib“, Kri­mi­nel­le wie die Kin­der­por­no-Vor­führt­an­te Ursu­la von der Ley­en – sie alle haben eins gemein­sam: Die Pira­ten­par­tei beschützt sie nicht.

Wer Anti­fa­schis­mus ernst nimmt, ist kein Mit­glied der Pira­ten­par­tei.

Wer Anti­fa­schis­mus in Zei­ten, in denen DVU und NPD sich wegen Mit­glie­der­man­gels zusam­men­schlie­ßen müs­sen, noch so ernst nimmt, dass er wie­der­holt zu anti­de­mo­kra­ti­schen Straf­ta­ten auf­ruft, ist mir weder ein will­kom­me­ner Mit­pi­rat noch habe ich all­ge­mein Inter­es­se dar­an, mit ihm auf dem­sel­ben Pla­ne­ten zu leben oder auch nur zu ster­ben.

6. Pira­ten­po­li­tik ist Stell­ver­tre­ter­po­li­tik.

Gra­tu­lie­re, „Isi“, du hast ver­stan­den, wie so ein Bun­des­tag eigent­lich funk­tio­niert. Da trifft sich nicht das Volk, da tref­fen sich die Poli­ti­ker. Das Volk darf aber, unab­hän­gig von sei­ner poli­ti­schen Prä­fe­renz, zuse­hen. Gehst du auch manch­mal hin und winkst, wenn die Onkels und Tan­ten von der Regie­rung zu dir gucken?

7. Die Pira­ten­par­tei hat kei­ne Ahnung vom Daten­schutz.

(…) Die Pira­ten­par­tei hat vom Daten­schutz soviel Ahnung wie eine Hen­ne vom Kla­vier spie­len.

Aber zum Glück haben wir die ande­ren Par­tei­en, deren Bestre­bun­gen dar­auf abzie­len, das Wort „Daten­schutz“ zum Ter­ror­ver­dacht umzu­de­kla­rie­ren. Pah, Pira­ten mit ihrem tech­ni­schen Dilet­tan­ten­tum!

9. Die Pira­ten­par­tei betreibt Lob­by­is­mus.

So ist das in der Poli­tik: Es wird immer eine Grup­pe von Men­schen geben, die von einer poli­ti­schen Ent­schei­dung pro­fi­tiert. Die AG Dro­gen beschließt, Lega­li­sie­rung von Can­na­bis ins Pro­gramm auf­neh­men zu las­sen? Ein­deu­tig Lob­by­ar­beit für Her­aus­ge­ber von Hanf­ma­ga­zi­nen! Die Lin­ke will mal wie­der Lich­ter­ket­ten gegen Rechts errich­ten? Klar: Lob­by­ar­beit für Ker­zen­pro­du­zen­ten! CSU-Funk­tio­nä­re auf dem Okto­ber­fest? Davon pro­fi­tie­ren doch wie­der nur die Braue­rei­en!

10. Die Pira­ten­par­tei ist nicht basis­de­mo­kra­tisch.

(…) Die beson­de­re „Basis­nä­he“ der Par­tei­füh­rung drückt sich übri­gens dar­in aus, die Hier­ar­chie von oben nach unten wir­ken zu las­sen und nicht umge­kehrt.

Die beson­de­re Basis­de­mo­kra­tie der Pira­ten­par­tei drückt sich übri­gens dar­in aus, dass auch schon mal ein Par­tei­vor­sit­zen­der von der Basis über­stimmt wird, das zwar nicht so toll fin­det, aber sich der Mehr­heit beugt. Das soll­ten ande­re Par­tei­en auch mal machen, also das mit der Mehr­heit.

Jeden­falls fas­se ich zusam­men:
Die Pira­ten­par­tei ist sexi­stisch, anti­fe­mi­ni­stisch, tole­rant selbst gegen­über Wirr­köp­fen, rea­li­täts­fern und vol­ler Idio­ten.

Das sind fünf Argu­men­te, war­um man sie als Volks­par­tei bezeich­nen soll­te, denn so nah am Volk ist kei­ne ande­re mir bekann­te Par­tei.
Und genau dar­um soll­te man sie wäh­len.

Tüdeldü, nicht ganz dicht.
– Leib­wäch­ter von The Who, c/o „Die Simpsons“

FotografieSpaß mit Spam
Zuver­läs­si­ges Per­so­nal ist schwer zu fin­den.

Ein Foto vom dies­jäh­ri­gen Han­no­ve­ra­ner Weih­nachts­markt, für das mir bis eben kein guter Kon­text ein­ge­fal­len ist:

Nun aber apro­pos „lan­ge Dicke“: Wäh­rend ich mich hier dem neu­en Album „Teasing Natu­re“ von Eat­liz wid­me (bei beson­de­rem Gefal­len mei­ner­seits folgt eine aus­führ­li­che­re Rezen­si­on), trifft eine Mail von Ari­na Chri­sten­sen, indi­sche Mail­adres­se, ein, der ein Foto bei­gefügt ist, des­sen Motiv zwar wie eine Ari­na, nicht aber wie eine Inde­rin aus­sieht. Und was möch­te die Gute von mir? Natür­lich nur mein Bestes!

Sie scheint aber an die fal­sche Adres­se geschrie­ben zu haben, wozu auch das „An“-Feld der E‑Mail passt, denn die dort notier­te Mail­adres­se gehört mir nicht:

Ich inter­es­sie­re mich fur einen zuver­las­si­gen Freund

An sich scheint die augen­schein­lich jun­ge Dame ande­rer­seits mit einer inter­es­san­ten Per­sön­lich­keit aus­ge­stat­tet zu sein. Wachen Blickes lese ich also:

Gret­tings! Wie sind Sie??

Ich muss­te die Anre­de tat­säch­lich mehr­mals lesen, bis ich sah, dass nach dem Wie, nicht nach dem Wer gefragt wur­de. Wer sie jeden­falls ist, ver­schweigt sie auch nicht:

Ich bin glück­lich, fröh­li­ches Mäd­chen.

Ich bedan­ke mich für die Infor­ma­ti­on, aber war­um dann die E‑Mail? Ach so, ja; weil da noch was fehlt:

Ich möch­te wirk­lich mei­ne zwei­te Hälf­te des Lebens fin­den!

Mit dem Alter lag ich wohl dane­ben, wenn die zwei­te Hälf­te des Lebens so drin­gend gesucht wird. Bei der aktu­el­len Lebens­er­war­tung geht die Gute sta­ti­stisch offen­bar doch schon auf die 40 zu. Na, posi­ti­ve Eigen­schaf­ten bringt sie immer­hin genug mit, man muss sie nicht beko­chen oder einen Urlaub mit ihr auf Bal­ko­ni­en befürch­ten:

Ich bin satt, sin­gle…
Ich habe vie­le Inter­es­sen, Ich mag Son­ne, Strand und Rei­sen.

Zudem ist Ari­na bele­sen und rezen­siert qua­si neben­bei ihren aktu­el­len Schmö­ker, lei­der ver­schweigt sie dabei, wel­cher es ist, so dass ich lei­der kei­ne Kauf­emp­feh­lung aus­spre­chen kann:

Ich mag auch unter einer war­men Decke sit­zen und lesen, was ein inter­es­san­tes Buch.

Und wie es sich für eine poly­glot­te Frau gehört, ist sie auch noch anthro­po­soph:

Ich mag auf unter­schied­li­che Men­schen ken­nen.

Und wie könn­te man die­sem Ziel schnel­ler nahe kom­men als mit­tels mas­sen­haf­ter Rund­post an unbe­kann­te Emp­fän­ger? Nicht nur talen­tiert und viel­sei­tig, auch krea­tiv ist sie, die Frau Chri­sten­sen. Ach, Freun­de, ich glau­be, ich bin über­wäl­tigt.

PersönlichesSonstiges
War­um Deutsch­land ver­blö­det

Für den kleinen Hunger zwischendurch(Den fol­gen­den Text wer­de ich ein­mal im Dia­lekt der mir nahe­zu täg­lich begeg­nen­den Jugend zu ver­fas­sen ver­su­chen, weil ich mal wis­sen will, wie das ist.)

Also ich geh so vor­ge­stern wie­der durch Han­no­ver über’n Weih­nachts­markt und vor­her so in den Zeit­schrif­ten­la­den im Bahn­hof und ich seh da so ’ne Men­ge Zeugs.

Neben Com­pu­ter­ma­ga­zi­nen, die voll den Mist schrei­ben („Rapids­hare leer­saugen“, sic!), hat­ten die auch Bücher und so.

(Herr­je, das fühlt sich schä­big an. Apro­pos schä­big. Ich unter­bre­che das Expe­ri­ment hier und fah­re wie gewohnt fort.)

Außer dem übli­chen Poli­tik­brei („Die Abwracker: Wie Zocker und Poli­ti­ker unse­re Zukunft ver­spie­len“, für Teil 2 schla­ge ich „Die Abzocker: Wie raff­gie­ri­ge Autoren damit Geld ver­die­nen“ vor) hat zu mei­ner Erschüt­te­rung der Anteil an Büchern über den Kul­tur­ver­fall Deutsch­lands zuge­nom­men. Eini­ge Bei­spie­le:

Eini­ge haben dar­aus gar eine Serie gemacht und ver­die­nen so gleich das Dop­pel­te:

Eini­ge Autoren nen­nen nicht nur Anek­do­ten, aus denen sie den Umstand her­lei­ten, dass „wir“ „ver­blö­den“, son­dern war­ten auch mit Ursa­chen für die­sen Umstand auf. Eini­ge benen­nen dabei das Fern­se­hen als Übel­tä­ter, ande­re die Poli­tik, wie­der ande­re kom­men auf ganz ande­re Ideen, aber eines ver­ges­sen sie alle­samt:

Ein Volk, das alle Jah­re wie­der sein durch Finanz­kri­sen und Krieg arg dezi­mier­tes kläg­li­ches Gehalt für Bücher aus­gibt, die es dar­über infor­mie­ren, dass es doof ist, wird die wah­ren Ursa­chen für den Kul­tur­ver­fall nie gänz­lich zu begrei­fen imstan­de sein.
Die Mut­ter der Idio­ten, so sagt man, gebiert täg­lich.

(Übri­gens habe ich in der Nacht von gestern auf heu­te erst­mals selbst erlebt, dass eini­ge Ver­kehrs­un­ter­neh­men jedes Mal völ­lig über­rascht sind, wenn es im Win­ter schneit.)

NetzfundstückeNerdkrams
Kurz ver­linkt XXXI: Bäu­me des Schreckens

Dass sich auch dem schreck­li­chen The­ma Weih­nach­ten noch etwas abge­win­nen lässt, das dem gequäl­ten Infor­ma­tik­stu­den­ten ein Schmun­zeln abringt, zeigt heu­te xkcd:

(Zu den Hin­ter­grün­den für Leu­te, die nicht vom Fach sind: Heap, Baum.)

Anson­sten unbe­dingt beach­tens­wert ist Das Doku­ment des Grau­ens, eine bis­lang zwei­tei­li­ge, unter der CC-BY-NC-Lizenz ver­öf­fent­lich­te (und somit freie) Doku­men­ta­ti­on der Hor­ror­film­ge­schich­te von 1896 bis 1945 mit vie­len Par­al­le­len zu den gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen; so wird etwa der Fall von Jack, dem Schlit­zer, als eine der Inspi­ra­tio­nen für der­lei Amu­se­ment auf­ge­führt. Es han­delt sich somit um ein umfas­sen­des Kom­pen­di­um, das auch die oft nur weni­ge Sekun­den lan­gen Film­ex­pe­ri­men­te aus der Anfangs­zeit der Kine­ma­to­sko­pen kurz erläu­tert und so auch für die­je­ni­gen mei­ner Leser, die von Hor­ror­schin­ken nicht viel hal­ten, inter­es­sant sein könn­te.

(Apro­pos „Doku­ment des Grau­ens“, habt ihr schon das Abstim­mungs­ver­hal­ten der Par­tei­en in den Land­ta­gen zu der Novel­lie­rung des JMStVs gese­hen? Alb­traum­haft!)

Sonstiges
Der Super­markt als Spie­gel der Wirk­lich­keit

Weih­nach­ten, die Zeit, in der die mei­sten Men­schen nicht mehr alle bei­sam­men haben bei­sam­men zu sein beab­sich­ti­gen, ist eigent­lich schon trau­rig genug, betrach­tet man ein­mal sei­ne Ver­eh­rer, die Fami­li­en­le­ben vom Kalen­der abhän­gig machen und Reli­gi­on mit blo­ßer Bereit­schaft zum Kon­sum gleich­set­zen. Die sich ange­sichts die­ser Umstän­de gera­de­zu auf­drän­gen­de Apa­thie wird jedoch immer wie­der auf eine har­te Pro­be gestellt, die Wirk­lich­keit ist im Dezem­ber zyni­scher als in den ande­ren elf Mona­ten.

Auf mei­nem heu­ti­gen Gang durch das loka­le Ein­kaufs­zen­trum such­te ich aus Grün­den unter ande­rem den dor­ti­gen Super­markt auf. Die­ser, ich berich­te­te, gibt sich weih­nacht­lich in der meist­ver­brei­te­ten, aber inak­zep­ta­bel­sten Defi­ni­ti­on von „weih­nacht­lich“, seit die Bäu­me sich all­mäh­lich ent­blät­ter­ten, und fährt nun­mehr rich­tig schwe­res Geschütz auf:

Neben Rega­len mit „weih­nacht­li­chem Gebäck“ (krü­me­li­gem über­zucker­tem Zimt­matsch), „weih­nacht­li­chen Spi­ri­tuo­sen“, „weih­nacht­li­cher Deko­ra­ti­on“ stand ein wei­te­res Regal, mit­tels des­sen der Betrei­ber des Super­mark­tes ein Fer­tig­ge­richt anprei­sen ließ. Es han­delt sich um die­ses offen­bar neue Fer­tig­ge­richt, das mir bis dato tat­säch­lich unbe­kannt war:

Miracolí Avanti

1 Portion

So kon­tra­stiert der Super­markt das Zerr­bild einer glück­li­chen Fami­lie, wie es die Fern­seh­sen­der alle Jah­re wie­der als Ide­al vor­be­ten, sub­til mit dem nur wenig fei­er­li­chen Hei­lig­abend gera­de der Zuschau­er, an die sich die­se Zur­schau­stel­lung exal­tier­ter Mensch­lich­keit wohl wen­den soll; Ein­zel­gän­ger und Jung­ge­sel­len inbe­grif­fen.

Eine Por­ti­on genügt. Fro­hes Fest.

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Info­kräääääg!

Ach­herr­gott­noch­eins,

wenn man den Nach­rich­ten glau­ben darf, wird die Mensch­heit in Bäl­de aus­ge­löscht wor­den sein, da der „Infor­ma­ti­ons­krieg“ um Wiki­Leaks „tobt“.

Ich weiß jetzt noch nicht, wel­chen Sinn das Wort nun hat; besteht der „Krieg“ dar­in, dass man sich gegen­sei­tig mit Infor­ma­tio­nen beschießt? Ist es ein „Krieg“ dar­um, wer die Infor­ma­tio­nen nun haben darf? Egal; Fakt ist, dass die Welt in kri­mi­nel­le Hacker (laut Inter­view mit Udo Vet­ter wie jemand, der Holz hackt, aus­zu­spre­chen, nicht also „Häcker“) und die USA zwei­ge­teilt ist und wir alle davon betrof­fen sind, weil irgend­wel­che Wurst­pro­jek­te wie PayPal („jetzt noch siche­re­re­rer­erusw.“) nicht mehr funk­tio­nie­ren und jeden­falls längst mit vir­tu­el­len Atom­bom­ben gedroht wird; tschüss, Abend­land.

Ja, im Inter­net ist was los, aber irgend­wie bezweif­le ich, dass der Nor­mal­bür­ger einen Ver­lust an Lebens­qua­li­tät zu befürch­ten hat. Wiki­Leaks ist erst wegen des Rie­sen­boh­eis nicht mehr abschalt­bar, der Rest des Inter­nets hat kaum etwas zu befürch­ten. Mit etwa­igen staat­li­chen Zen­sur­maß­nah­men wäre das Pro­blem nicht zu lösen, wes­halb sie nicht wahr­schein­li­cher sind als zuvor auch.

Aber die­ser gan­ze Auf­stand ist irri­tie­rend, weil die am lau­te­sten krä­hen, die vor­her nicht mal vom Gackern eine Ahnung hat­ten. Die bis­lang tref­fend­ste Poin­te hier­zu hat, wie so oft, xkcd im Titel­text unter­ge­bracht (ein­fach mit der Maus über den Bild­witz fah­ren); er lau­tet über­setzt:

Schü­ler rufen in Mas­sen Prä­si­dent John­son an, damit das Bom­bar­de­ment been­det wird, und es hat die Tele­fon­ver­mitt­lung blockiert. Könn­ten sie unse­re kri­ti­schen Tele­fon­sy­ste­me zum Kol­laps zwin­gen? Hat der erste Tele­fon­krieg begon­nen? Blei­ben Sie dran für wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu die­ser gefähr­li­chen neu­en Tech­nik.

Ob sol­che Schlag­zei­len wohl den Viet­nam­krieg beherrscht haben?
Ich bezweif­le es.

PolitikSonstigesIn den Nachrichten
Von wegen DDR

Zu einem poli­ti­schen Schen­kel­klop­fer zum Wochen­be­ginn lädt heu­te die Titel­sei­te der Süd­deut­schen Zei­tung ein.

Wir erin­nern uns: Wolf­gang Kubicki, sei­nes Zei­chens schles­wig-hol­stei­ni­scher Frak­ti­ons­chef der F.D.P., hat­te im Inter­view mit dem SPIEGEL sei­ne Par­tei mit der DDR ver­gli­chen, ein in letz­ter Zeit belieb­ter Frei­zeit­sport, oder genau genom­men eben nicht, aber genau so gebär­den sich die Par­tei­obe­ren und erle­di­gen das also selbst:

Genos­se Gui­do sitzt in sei­nem Gebraucht­wa­ren­la­den, das Pepi­ta­hüt­chen fest über die Ohren gezo­gen, ver­kün­det trotz­her­zig, den Libe­ra­lis­mus in sei­nem Lauf hiel­ten auch in den kom­men­den hun­dert Jah­ren weder Ochs noch Esel auf; aus dem Polit­bü­ro ertönt die Stim­me von Volks­wirt­schafts­mi­ni­ster Brü­der­le, der ver­ant­wor­tungs­lo­se Abweich­ler möge gefäl­ligst das Meckern ein­stel­len (…).

Und so berich­tet dann nun heu­te auch die Süd­deut­sche Zei­tung, in der F.D.P. sei man empört – empört!!11 – über die­sen Ver­gleich, denn die DDR sei, das steht aller­dings nicht im Text, wohl eher nicht so beliebt; dies im Übri­gen von der Par­tei, die mit Hans-Diet­rich Gen­scher einen der wich­tig­sten Prot­ago­ni­sten der so genann­ten deut­schen Ein­heit in ihren Rei­hen hat. (Fol­ge­rich­tig hät­te die Schlag­zei­le hei­ßen müs­sen: „Ehe­ma­li­ge DDR-Poli­ti­ker distan­zie­ren sich empört von der F.D.P.“; hieß sie aber nicht.)

Ich per­sön­lich hal­te es jeden­falls auch für abwe­gig, F.D.P. und DDR auch nur hypo­the­tisch zu ver­glei­chen. Der­art schlech­te Umfra­ge­er­geb­nis­se hät­te es in der DDR nie gege­ben.


(Sitzt doch heu­te im ÖPNV in Hör­wei­te so ein Real­schü­ler und macht, wäh­rend sei­ne Mit­schü­ler sich unter Zuhil­fe­nah­me der Hän­de gegen­sei­tig echauf­fie­ren, Geräu­sche, wie man sie einst von Bea­vis & Butt-Head ver­nahm, der­weil einer jener Mit­schü­ler „Ich schla­ge kei­ne Opfer“ dumm­schwall­te, sich wohl schreck­lich über­le­gen füh­lend, aber nicht bemer­kend, dass die­je­ni­gen, die er mit sei­nen Strei­chen trak­tier­te, dadurch eben doch sei­ne Opfer wur­den; man kann eben nicht alles haben.)

KaufbefehleMusikkritik
Musik 12/2010 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se

Die­ser Arti­kel ist Teil 6 von 29 der Serie Jah­res­rück­blick

Kaum dreht man sich kurz um, ist das Jahr schon wie­der vor­bei. Regel­mä­ßi­ge Leser die­ser Sei­te wis­sen, was sie erwar­tet, näm­lich Teil zwei der Rück­schau der unblö­de­sten Musikal­ben 2010 nebst Rück­blick auf 40 Jah­re Musik­ge­schich­te, womög­lich noch recht­zei­tig für das ein oder ande­re Gewinn­spiel.

Der Final­aus­schei­dung – ich woll­te euch kei­ne Rück­schau auf fünf­zig oder mehr Alben bie­ten, das läse doch kei­ner – fie­len unter ande­rem die Wise Guys zum Opfer, die mit „Klas­sen­fahrt“ zwar ein im Prin­zip nicht übles Album mit dem ziem­li­chen Kra­cher Ham­let ver­öf­fent­licht haben, aber eben doch nur auf hohem Niveau sta­gnie­ren. Wie immer habe ich es lei­der auch nicht immer geschafft, mich aus­rei­chend umfas­send mit eini­gen viel ver­spre­chen­den Wer­ken zu beschäf­ti­gen, unter ande­rem „Space­trip On A Paper Pla­ne“ von den Saha­ra Sur­fers; ich hof­fe, ihr fin­det den­noch Gefal­len an mei­ner Aus­wahl.

‘Musik 12/2010 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se’ wei­ter­le­sen »

SonstigesNetzfundstückeIn den NachrichtenPolitik
Medi­en­kom­pe-was?

Was mich an all der Bericht­erstat­tung über vor­geb­li­che Maß­nah­men zum Jugend­schutz ja auch erschüt­tert, ist ja die­se Wild-im-Kreis-ren­nen-Atti­tü­de, die­ses stän­di­ge „Kann denn nicht mal einer an die Kin­der den­ken?“, und zwar so, nicht so.

Nico Lum­ma, blog­gen­der SPD­ler, äußer­te sich nun auch zu den Neue­run­gen der kom­men­den JMStV-Ände­rung, und zur all­ge­mei­nen Belu­sti­gung zitie­re ich ihn mal:

Mal eben mul­ti­na­tio­na­le Ver­trä­ge zu schlie­ßen, um sich auf einen glo­ba­len Jugend­schutz­stan­dard für das Inter­net zu eini­gen, dürf­te auch ein paar Tage in Anspruch neh­men. Bis dahin muß der Gesetz­ge­ber aller­dings Rege­lun­gen prä­sen­tie­ren, um Kin­der und Jugend­li­che im Inter­net zu schüt­zen. Das erwar­ten die Bür­ger von ihm. Und ehr­lich gesagt hat mir auch noch nie­mand der über­all fröh­lich auf Maxi­mal­for­de­run­gen pochen­den Dis­ku­tan­ten gesagt, wie ein wir­kungs­vol­ler Schutz von Kin­dern und Jugend­li­chen im Inter­net erfol­gen soll. Der Hin­weis auf Medi­en­kom­pe­tenz allei­ne reicht nicht aus, denn nicht immer sind Eltern anwe­send, wenn Kin­der und Jugend­li­che Inhal­te im Inter­net kon­su­mie­ren oder erstel­len, und das wird mit der ver­stärk­ten mobi­len Nut­zung noch schwie­ri­ger wer­den.

Herr Lum­ma weiß also, dass die Geset­zes­än­de­run­gen im Grun­de zweck­fremd sind, aber so lan­ge kei­ner eine bes­se­re Lösung kennt, soll es wenig­stens so aus­se­hen, dass der Staat was tut. Eltern, so der Tenor, kann der Staat die Auf­sichts­pflicht nicht allein über­las­sen, denn sie kön­nen nicht rund um die Uhr auf­pas­sen, was ihre Kin­der so trei­ben, des­we­gen sei es die Auf­ga­be des Staa­tes. Was für ein hane­bü­che­ner Quark!

Wenn Kin­der in einem gewis­sen Alter, set­zen wir es ein­mal hypo­the­tisch auf 16 Jah­re, noch nicht aus­rei­chend geschult im Umgang mit Medi­en sind, um zu wis­sen, wovon man sich im Inter­net bes­ser fern­hal­ten soll­te, ist das durch­aus die Schuld ihrer Eltern, denn die­se kön­nen unmit­tel­ba­ren Ein­fluss dar­auf aus­üben, wie sie sich im Inter­net bewe­gen. Fehlt nun den Eltern Kom­pe­tenz oder Bereit­schaft, sich mit dem Medi­um Inter­net zu beschäf­ti­gen, so ist es auch kei­nes­falls die Sache des Staa­tes, die Erzie­hung ihrer Kin­der zu selbst­stän­dig den­ken­den Per­so­nen zu über­neh­men, son­dern soll­te viel­mehr die Eltern dazu anhal­ten, das zu ändern, damit sie ihrem Erzie­hungs­auf­trag gerecht wer­den kön­nen.

Genau genom­men ver­sucht der Staat erste­res ja noch nicht ein­mal, denn er will die mit­un­ter nicht gewähr­lei­ste­te Anwe­sen­heit von Eltern seit dem Schlie­ßen des JMStV (2003) dadurch kom­pen­sie­ren, dass er in die Erzie­hung zur Medi­en­kom­pe­tenz als wachen­de, mah­nen­de Instanz ein­greift, denn es kann ja sein, dass Kin­der heim­lich schlim­me Web­sei­ten angucken, wenn die Eltern nicht da sind. Mit die­ser Ein­stel­lung aber wird ein im Inter­net akti­ves Kind auch mit 16 oder 18 Jah­ren nicht zu einem mün­di­gen Inter­net­nut­zer. Anony­mus „FKTVTwi­psy“ schrieb rich­tig:

Medi­en­kom­pe­tenz bedeu­tet doch eher, dass eben nicht immer Eltern anwe­send sein müs­sen, son­dern die Kin­der allei­ne wis­sen, was sie kon­su­mie­ren soll­ten.
Mein Hund ist ja auch nicht dann stu­ben­rein, wenn ich ihm stän­dig eine Tüte ans Hin­ter­teil hal­ten muss.

Über­haupt wird dem Inter­net („Teu­fels­zeug“) hier eine völ­lig über­zo­ge­ne Bedeu­tung zuteil, denn im Inter­net nicht erfah­re­ne Kin­der sto­ßen auch nicht mal eben auf Sei­ten, die ihre Ent­wick­lung zu einem bra­ven Bür­ger nach­hal­tig schä­di­gen könn­ten; selbst ich bin noch nie „zufäl­lig“ auf zum Bei­spiel kin­der­por­no­gra­fi­sche Inhal­te gesto­ßen. (Inwie­weit Sexua­li­tät in einem Alter, in dem ein Kind selbst­stän­dig im Inter­net sur­fen kann, noch ein Tabu sein soll­te, fra­ge ich mich lie­ber nicht.) Was mich als neu­gie­ri­ges Kind ja viel mehr aus der Bahn wer­fen wür­de als eine nack­te Brust, sind die all­täg­li­chen Kriegs- und Mord­be­rich­te, die täg­lich in Zei­tung und Fern­se­hen zu fin­den sind. „Kei­ne Kriegs­be­richt­erstat­tung und Kri­mi­nal­fäl­le vor 22 Uhr“ wäre eine Rege­lung, mit der ich mich abfin­den könn­te, aber ich bin auch nicht in CDU oder SPD, son­dern in der Pira­ten­par­tei und somit, geht es nach der öffent­li­chen Wahr­neh­mung, ohne­hin ein ver­que­rer Spin­ner.

Nein, die Deut­schen brau­chen ihren Krieg. Nur das mit dem Inter­net geht mal so gar nicht.

(Ver­quer ist übri­gens auch die Idee zu einer Ver­fil­mung von The Sims [via].)

PolitikNetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Kurz ver­linkt XXX: Frei­heit, die ich mei­ne

Die USA – das sind die mit dem Wiki­Leaks-Pro­blem, das fin­det, Rele­vanz hin oder her, auch Austra­li­en – geben stolz bekannt, dass sie den Welt­tag der Pres­se­frei­heit 2011 aus­zu­rich­ten geden­ken. Doch, wirk­lich.

Bevor mich übri­gens die übli­chen Ver­däch­ti­gen dar­auf auf­merk­sam machen, mache ich das als unmit­tel­bar Betrof­fe­ner lie­ber selbst:

Auf der Inter­net­sei­te des Sati­re­ma­ga­zins TITANIC gibt es der­zeit fik­ti­ve Fra­gen und Ant­wor­ten über die Bolo­gna-Reform zu lesen. Aus­zü­ge:

Bis zum Bache­lor-Abschluß habe ich nur sechs Seme­ster Zeit. Ist das über­haupt zu schaf­fen, ohne kaputt zu gehen?
Zuge­ge­ben, die Stu­di­en­ab­läu­fe sind ein wenig gestrafft wor­den. Die dar­aus resul­tie­ren­den Schwie­rig­kei­ten sind bekannt, wes­we­gen ab die­sem Seme­ster auch in den Fächern Demon­strie­ren, Aus­schla­fen und Kif­fen Cre­dit Points ver­ge­ben wer­den.

Schön wär’s ja.
Demon­strie­ren als Wahl­pflicht­fach wäre aller­dings ange­nehm. Ich bin sel­ten aus­ge­schla­fen genug.

Ich habe trotz­dem etwas Angst vor mei­nem Stu­di­um. Zu Recht?
Tre­ten Sie opti­mi­stisch in Ihren neu­en Lebens­ab­schnitt ein, und schon nach weni­gen Jah­ren des Stu­di­ums – sei es der Ento­mo­lo­gie, der Phre­no­lo­gie oder des Trom­pe­ten­spiels – sind Sie qua­li­fi­ziert genug, um Deutsch­land zu ver­las­sen und Ihr wert­vol­les Wis­sen in die Tat umzu­set­zen.

Natür­lich; denn was soll­ten auch qua­li­fi­zier­te Kräf­te in einem Land, das sich kei­ne Arbeits­plät­ze mehr lei­sten möch­te, weil man in Ost­eu­ro­pa trotz der Trans­port­ge­büh­ren immer noch preis­wer­ter davon­kommt?

Mit der Pira­ten­par­tei wäre das wahr­schein­lich nicht pas­siert.

KaufbefehleMusikkritik
Värt­ti­nä – Sele­n­iko

Beim Sich­ten mei­nes Musik­be­stan­des für die anste­hen­de zwei­te Rück­schau 2010 (die erste gab’s hier) fiel mir aus noch unge­klär­ten Umstän­den das 1992er Album „Sele­n­iko“ der fin­ni­schen Folk­rock­popir­gend­was­mu­si­ker Värt­ti­nä in die Hän­de, und nach­dem ich u.a. bei Peter sel­ten ein posi­ti­ves Wort über skan­di­na­vi­sche Volks­mu­sik ver­lie­re, fällt es mir um so schwe­rer, zuzu­ge­ben, dass die­ses Album ein beacht­li­ches ist.

Värt­ti­nä – Leppiäi­nen

Ich ver­ste­he zwar kein Wort, aber offen­bar geht es um Bei­schlaf und Enten. (Bit­te nicht auf die furcht­ba­re Klei­dung ach­ten.)

Erfah­re­ne Musik­ken­ner erken­nen hier viel­leicht die Nähe zum Zeuhl und immer­hin eini­ge musi­ka­li­sche Gemein­sam­kei­ten mit der Folk­mu­sik der 68er-Bar­den. Weni­ger ana­ly­ti­sche Musik­freun­de kön­nen sich auch ein­fach über die gran­dio­se Dar­bie­tung fin­ni­scher Wei­sen freu­en.

Hät­te ich 1992 bereits eine Rück­schau auf die „Musik 1992“ geschrie­ben, so wäre das Album „Sele­n­iko“ aus ande­ren Grün­den ver­mut­lich nicht auf die Besten­li­ste gekom­men, zumal ich es damals noch nicht kann­te. Ich möch­te die­sen Bei­trag daher qua­si als Ersatz für den bis­lang nicht erschie­ne­nen Bei­trag „Musik 1992 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se“ ver­stan­den wis­sen.

Übri­gens erschien nach mei­nen Infor­ma­tio­nen 2002 eine Neu­auf­la­ge des Albums. Wenn zugrei­fen, war­um dann nicht jetzt?

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik XLIII: SPIEGEL Online unkon­trol­liert

(Der fol­gen­de Bei­trag ist, wie auch der vori­ge, pri­mär phi­lo­so­phi­scher Natur und kann fach­lich inkor­rekt sein.)

Noch eine sprach­li­che Eigen­heit der deut­schen Medi­en las ich gera­de eben­falls auf SPIEGEL Online:

Auf einer Land­stra­ße in Kala­bri­en hat ein ver­mut­lich unter Dro­gen­ein­fluss ste­hen­der Auto­fah­rer min­de­stens sie­ben Men­schen getö­tet. Bei einem Über­hol­ma­nö­ver ver­lor er die Kon­trol­le über sei­nen Wagen und raste in eine Rad­fah­rer­grup­pe.

Betrach­ten wir die­se Mel­dung allein aus der logi­schen Per­spek­ti­ve, so sehen wir fol­gen­den Ablauf vor unse­rem gei­sti­gen Auge (stel­le ich mir ja auch lustig vor, so ein gei­sti­ges Auge):

  • Mensch nimmt Dro­gem
  • Mensch setzt sich ans Steu­er des Fahr­zeugs
  • Mensch fährt umher
  • Mensch setzt zum Über­ho­len an
  • Mensch ver­liert die Kon­trol­le
  • Fahr­zeug fährt eini­ge ande­re Ver­kehrs­teil­neh­mer tot

Hier ist aber doch (außer der Fra­ge, woher man bei SPIEGEL Online die Gewiss­heit nimmt, dass das Auto­mo­bil „raste“, wenn doch aber eine nor­ma­le Geschwin­dig­keit zum Leu­te­tot­fah­ren völ­lig genügt) der her­vor­ge­ho­be­ne Teil ent­schei­dend:

Ver­liert ein Mensch die Kon­trol­le über ein Gerät, so ist er ab die­sem Zeit­punkt nicht mehr dafür ver­ant­wort­lich zu machen, was die­ses Gerät, nun­mehr unbe­dient, anrich­tet. Man beach­te mei­ne Wort­wahl: Kei­nes­falls hat der „ver­mut­lich unter Dro­gen­ein­fluss ste­hen­de“ Auto­fah­rer – SPIEGEL Online schreibt das, als sei­en Leu­te, die außer Tabak und Alko­hol auch ande­ren Rausch­mit­teln frö­nen, min­de­stens Kin­der­fres­ser – näm­lich jeman­den über­fah­ren; der Vor­gang des Über­fah­rens fand bereits ohne sein Zutun statt.

Somit ist doch aber auch das Vor­ha­ben, den Fah­rer wegen mehr­fa­chen Tot­schlags anzu­kla­gen, zumin­dest frag­wür­dig, denn das hat er nicht getan:

Tot­schlag (…) bezeich­net im Straf­recht eine Form der vor­sätz­li­chen Tötung eines Men­schen.

(Her­vor­he­bung von mir.)

Ich bin kein Jurist und über­zeugt davon, dass der hier mit­un­ter kom­men­tie­ren­de Jurist mir fach­lich nicht zustim­men wird, aber ich kann in dem geschil­der­ten Vor­fall kei­nen Anlass ent­decken, der mich anneh­men lie­ße, hier sei Vor­satz im Spiel gewe­sen. Fahr­läs­sig­keit wäre das rich­ti­ge Wort gewe­sen, fahr­läs­si­ge Tötung und Tot­schlag haben mit­ein­an­der eben nur im Ergeb­nis eine Gemein­sam­keit, näm­lich: Mensch tot.

(Dies ist aus­drück­lich nur auf die deut­sche Rechts­la­ge bezo­gen, dass die ita­lie­ni­sche da völ­lig anders ist oder dass SPIEGEL Online die ita­lie­ni­sche über­haupt kennt, bezweif­le ich aller­dings.)

Ein Bon­mot zum Schluss: In der Mel­dung steht „min­de­stens sie­ben Tote“, in der Über­schrift „acht Tote“. Ist eben so ziem­lich das glei­che, mit so gro­ßen Zah­len hat man’s bei SPIEGEL Online genau so wenig wie mit Juris­dik­ti­on, aber schließ­lich ist’s Sonn­tag, da wird man ja wohl mal …