In den NachrichtenWirtschaft
Anmerkungen zu Griechenland

(Vorbemerkung: Da populistische Kommentare zum Weltgeschehen offenbar genug Werbeeinnahmen bringen, um grauenhafte „Nachrichtenportale“ wie WELT.de – aus LSR-Gründen hier nicht verlinkt – am Leben zu halten, versuche ich es jetzt auch mal.)

Einer der Vorteile, in einem sich international gebenden Unternehmen zu arbeiten, besteht darin, dass man eine ganz andere Sicht auf gesellschaftliche Zusammenhänge in einigen Ländern bekommt, über die sonst nur Schmähschriften zu erscheinen scheinen. Damit meine ich ausnahmsweise nicht einmal Russland. Jüngst hatte ich etwa die Gelegenheit, mir einmal darlegen zu lassen, woran die griechische Wirtschaft eigentlich krankt. Ich war allerdings nicht bedeutsam überrascht, als mir offenbart wurde, die Schuld trage nicht etwa der schrecklich kommunistische Finanzminister, der übereinstimmend als „guter Troll“ bezeichnet wird, sondern die dortigen Steuerzahler.

Bereits im Februar schrieben Medien, es sei der „größte Test“ für den griechischen Premierminister Alexis Tsipras, sein Volk dazu zu bringen, Steuern zu zahlen, was sich seit Jahren als schwierig erweist.

Das fängt schon bei den Belegen für die Steuererklärung an. Die gehen gern mal „verloren“. Da gebe ein Unternehmen an, es habe vierzig Prozent seiner Waren defekt erhalten, leider gebe es aber keine Belege. Das hierfür geforderte Bußgeld sei noch immer niedriger als die Steuer. Damit das nicht auffällt, seien es jedes Jahr andere Waren, die leider, leider unbrauchbar seien. Ein System zur Digitalisierung der Belege hat sich nicht durchgesetzt, etwa, weil kaum ein Geschäft die erforderlichen Kartenleser verwendet.

Gibt es niemanden in Griechenland, der aufpasst, dass nicht alles völlig im Chaos versinkt? Doch, so wurde es mir erzählt, zum Beispiel würden Betreibern von Nachtclubs, die sich nicht an gesetzliche Vorschriften halten, Gefängnisstrafen auferlegt. Wohlgemerkt handele es sich dabei selten um den tatsächlichen Betreiber, vielmehr werden Menschen dort beschäftigt, deren einzige Aufgabe es sei, die Mindeststrafe von einem Tag in Haft abzusitzen. Das passiert also, wenn sich in einem Land der „zivile Ungehorsam“ durchsetzt, der hierzulande gelegentlich gefordert wird.

Andererseits nähert sich Griechenland in wirtschaftlicher Hinsicht gerade Russland an, was bekanntlich von einem Pakt mit dem Teufel sowieso nicht weit entfernt ist. ZEIT ONLINE freut sich zum Beispiel heute:

Russland wurde wegen der Annexion der Krim aus der Staatengruppe ausgeschlossen, die früher G8 hieß. Ihr gehören heute neben Deutschland und Frankreich die USA, Kanada, Italien, Großbritannien und Japan an.

Die friedlichen Westmächte um die Vereinigten Staaten und das kosovoverwöhnte Deutschland dulden niemanden in ihrer Mitte, der mit einer Armee in anderen Ländern seine Macht festigt. Den eigenen politischen Einflussbereich erweitern darf nur, wer einen guten Grund (Erdöl) vorzuweisen hat. Endlich tut mal jemand was für den Weltfrieden.

Hat Griechenland eigentlich Atomwaffen?


Blöde Idee des Tages: Ein Gürteltier erschießen wollen.

In den NachrichtenMontagsmusik
pg.lost – Vultures

Das IST fröhlichAch du Schreck, es ist Montag, traditionell ein hervorragend zur Dystopie geeigneter Tag. Immerhin: Boris Pistorius findet seine eigenen politischen Forderungen ermüdend beziehungsweisen andersherum beziehungsweise Geschwätz beziehungsweise Politiker eben. Denen man dann ja andererseits manches lieber nicht wünscht, man ist ja kein Unmensch und/oder bei den Grünen: Infusionen im Krankenhaus sind gelegentlich hackbar. Wenn es eins gibt, das dringend ans Internet angeschlossen werden muss, dann ja wohl Infusionen!

Weil’s ja eigentlich auch nichts bringt. Du könntest den Müll runterbringen. Das Leben zieht draußen vorbei, gehackt zu werden wäre immerhin eine skurrile Todesart. Mit ordinärem Herzkasper kommt man später nicht in die Zeitung, allenfalls in den Kleinanzeigen. Mit Käuzchen und Wölfen den Mond anheulen und dabei immer noch besser klingen als Dieter Bohlens „Superstars“, denen das aber andererseits dank Stimmverfremdung auch egal sein kann. Pech gehabt, verloren. Aber schwelgen, schwelgen; und schweigen.

pg.lost – Vultures live @YugongYishan, Beijing 2014

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Berufsverbot für Karl Lauterbach!

Toll: Salz mit weniger SalzImmer noch treibt das Flugzeugthema lächerliche Blüten, es wird allmählich ermüdend: Der Copilot habe wohl wegen seiner Eingeweihten seit längerer Zeit bekannten Depression erweiterten Selbstmord begangen. Warum er sich keine Therapie gesucht habe? Man müsse, bis zur Unterlippe vollgestopft mit awareness, solchen Leuten doch helfen, sonst machen sie später schlimme Popmusik oder schreiben Tageszeitungen mit Kolumnen voll.

Als wäre das ein Leichtes. Das Gesundheitssystem in Deutschland ist auch für psychische Umstände nicht mehr sonderlich gut geeignet, zu wenige Heilkundige treffen auf zu viele, die das soziale Netz nicht mehr allein tragen kann.

Diese Zuvielen sollten dann zumindest, so lange sie eine Therapie zu bekommen versuchen, angeschwärzt werden dürfen, um ihre gerechte Strafe zu erhalten: Der Absturz der Germanwings-Maschine hat (…) eine wenig qualifizierte bis sogar schädliche Diskussion über die ärztliche Schweigepflicht gegenüber Arbeitgebern ausgelöst, wobei bisher unklar blieb, wie die Arbeitgeber dann mit dieser Information umgehen sollen. Darauf kennt allerdings zumindest die Partei, wegen derer das Gesundheits- und Sozialsystem überhaupt in einem derart desolaten Zustand ist, ebenso wie ihr Seniorpartner eine Antwort:

Als Folge aus dem Germanwings-Absturz (…) hält Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ein Berufsverbot für Menschen mit Depressionen für denkbar. (…) SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach äußerte sich ähnlich. „Bei bestimmten Formen der Depression könnte ein Berufsverbot unter bestimmten Umständen notwendig sein“, sagte Lauterbach dem Magazin [Focus, A.d.V.].

Wahrscheinlich löst es irgendein Problem, Menschen mit Depression noch ein wenig Halt in Form ihrer Arbeitsstelle zu nehmen, sonst wäre der Vorschlag ja vollkommen dämlich. Aber der blinde Aktionismus ist super. Es war nicht völlig ungeschickt von der SPD, auch diesmal blass zu bleiben; der Spott und die Verärgerung werden im Netz vorwiegend über der CSU und Joachim Herrmann (ältere Leser kennen den Herrn noch vom Staatstrojaner) ergossen. Das Wählergedächtnis ist ein schlichtes.

Die Erkenntnis des bayerischen Innenministers, manche Menschen seien in ihrem Beruf eine Gefahr für andere, zeugt von hoher Selbstreflexion[.]
Enno Park


Apropos Medien: Aufstehen ist gesund. Please stand up. Unterschätzte Gefahr: Atmen. Viel Glück.

In den Nachrichten
Gift tötet

Ach, dafür zahlen wir Steuern an EU-Forschungsprojekte: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Bienen sterben, wenn sie Gift aufnehmen.

(via Schwerdfegr)

In den NachrichtenNerdkramsPolitik
iNetzpolitik / kboard

Kennt ihr eigentlich Netzpolitik.org? Netzpolitik.org, selbsternanntes Sprachrohr der Netzgemeinde und in letzter Zeit durch selbstgerechtes Geschwafel und aufdringliches Gebettel, man möge doch bitte per Dauerauftrag dabei helfen, den Betrieb der Website zu finanzieren, aufgefallen, hat – hier aus ethischen Gründen nicht verlinkt – mal wieder einen auf Twitter und anderswo hämisch begleiteten „Coup“ gelandet:

Letzten Monat berichtete der Spiegel über „interne E-Mails“ zwischen „Innenministerium und Interessenvertretern bei der EU-Datenschutzreform“. Die Redaktion erhielt diese „mithilfe des Informationsfreiheitsgesetzes des Bundes“. Diese E-Mails haben wir auch angefragt. (…) Das Innenministerium schickt uns eine CD mit einer EXE-Datei, die wir ausführen sollen. Aha. Das würden wir nach den Enthüllungen zum Staatstrojaner ja nicht mal mehr vom BSI akzeptieren.

Außerdem haben wir in unserem Büro gar keinen Windows-Rechner.

Eine CD? Was war das noch mal?

(Für die Jüngeren unter den Leser/innen (sic! A.d.V.): Das ist ein optisches Speichermedium aus dem letzten Jahrtausend. Euer iDevice hat dafür gar kein Lesegerät mehr.)

Für die Älteren unter euch: Offensichtlich ist die EDV-Ausstattung bei Netzpolitik.org auf Geräte der Firma Apple beschränkt, die für eine Kombination aus wenigen Funktionen (es fehlt mittlerweile anscheinend auch eine Möglichkeit, Musik-CDs wiederzugeben oder auch nur ins Gehäuse zu stecken) und irrwitzig hohem Preis bekannt sind.

Man verstehe mich nicht falsch: Natürlich darf sich ein jeder, dem der Sinn danach steht, in Datenschutz- und Netzpolitik-Fragen von jemandem vertreten lassen, der eine US-amerikanische, mit der NSA kooperierende Firma als seinen einzigen Hardwarelieferanten bekanntgibt. Ich meinerseits beginne zu verstehen, was mit den Spenden so passiert: Papa braucht einen neuen iPod. Aber, haha, die vom Innenministerium, hihi, schicken vertrauliche Daten auf einem nur lesbaren Datenträger. Hahaha. Hahahaha!

Ich bin nur mäßig erstaunt, wie leicht es der NSA gefallen ist, Sicherheitsmaßnahmen mancher Rechner zu umgehen.


Auch schön: kboard vereinfacht einsilbige Kommunikation unter Android. Nie wieder selbst „k.“ schreiben!

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Slomind – Throne of Volt

Kalt hier heuteWie hätten die NSU-Morde verhindert werden können? Vielleicht, indem man dem „Verfassungsschutz“ dieses armen SPD-gebeutelten Landes ein bisschen untersagt hätte, Söldner anzuwerben und mit ihnen mordend durch ebendieses Land zu ziehen; vielleicht auch, indem man diesen „Verfassungsschutz“ von vornherein als Relikt einer Zeit behandelt hätte, die wir überwunden zu haben hoffen; vielleicht aber auch, indem man einfach noch ein bisschen mehr anlasslosen Generalverdacht praktiziert, findet der Vorsitzende der ehemaligen Volks- und heutigen Lobbyistenpartei SPD:

SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel hat das Vorhaben der Großen Koalition bekräftigt, die Vorratsdatenspeicherung gesetzlich zu regeln. (…) „Hätten wir das bereits zum Zeitpunkt der ersten NSU-Morde gehabt, hätten wir weitere vermutlich verhindern können“, betonte der SPD-Chef.

Das allerdings hätten „wir“ vermutlich nicht, in Frankreich hat jedenfalls die dortige Vorratsdatenspeicherung sich im Januar dieses Jahres nicht gerade als ein Erfolg hinsichtlich der Prävention größerer Attentate herausgestellt. Mit ein bisschen mehr Überwachung des Bundestags allerdings hätten wir 2013 vielleicht Sigmar Gabriel verhindern können. Wieder einmal eine große Chance vertan.

Was soll’s. Es ist Ostermontag, die Schokolade vom Wochenende verklebt den Verstand. Der Iran ist nur noch zwei Jahre vom Bau einer Atombombe entfernt – seit Jahrzehnten. Schreien? Ach, nein. Rocken.

Slomind – Throne of Volt (official Video)

Guten Morgen.

MusikPersönliches
Vinyl <3 (2): Wir haben verloren.

Zur Einstimmung auf den diesjährigen Record Store Day – ischa bald – schlenderte ich heute durch eine Filiale eines großen Medienvertriebskonzerns und nahm erfreut war, dass selbst die Vinylabteilung in einem doch eher für Laufkundschaft attraktiv gemachten Ladens in den letzten Jahren zumindest quantitativ um ein Vielfaches angewachsen war. Ein genauerer Blick aber ließ mich erahnen, dass die Vermutung, dass man selbst bei denen, die Musik allein nach den damit erzielten Umsätzen bewerten, erkannt habe, dass wir Musikliebhaber ein bedeutsames Klientel sind, vielleicht etwas vorschnell getroffen worden war.

Eine Plattenfirma „Edel“ – laut Wikipedia ein „Independent-Label“ – zu nennen und dann ausschließlich schlimme Schaudermusiker unter Vertrag zu nehmen ist ja auch irgendwie gehässig. Tatsächlich aber scheint man dort eine Menge Geld dafür auszugeben, den langweiligen Quatsch, den man gern als „Hits“ deklariert sehen würde, auch denjenigen unterzujubeln zu versuchen, die um „den Mainstream“ bewusst und aktiv einen Bogen zu machen versuchen. Dass kein Vinylregal in großen Ketten ohne Johnny Cash und irgendwelche hippen Indie-Rock-Bands auskommt, kann ich aus wirtschaftlicher Sicht noch verstehen, dies wird oft zumindest ausgeglichen von Can- und Gong-Platten; aber was sollen die weit von jedem Dasein als absichtlicher Musikhörer entfernten Individuen in der Zielgruppe der Plattenfirma „Edel“ mit einer Vinylversion eines Albums einer dieser Uff-Tscha-Combos anfangen? Einen Plattenspieler haben die wohl nicht, die Vorteile einer 180-Gramm-Vinylpressung lassen die sich wohl kaum beibringen. Passt ja nicht mal in das iPhone rein, so’ne Platte.

Oder kann es sein, dass man hier seitens der Plattenfirma die drollige Sitte, Vinyl-LPs Downloadcodes für eine kaputtkomprimierte MP3-Version des Albums beizufügen, kreativ ausnutzt? „Seht her, für nur knapp 30 Piepen kriegt ihr das Album, das ihr euch sonst für ’nen Euro gemietet hättet, als MP3 und zum Indenschrankstellen.“ Die nächste Hipstergeneration wird ihren älteren Geschwistern sehr peinlich sein. Früher, als man noch ein Instrument spielen oder wenigstens einigermaßen erträglich singen können musste, um als Musiker wenigstens leidlich erfolgreich sein zu können, war eine „Generation“ ja noch als „einige Jahrzehnte“ definiert, aber da wurde auch noch nicht so früh so viel geschnackselt.

Can. Gong. Johnny Cash. Madonna. Eminem. Die Website des großen Medienvertriebskonzerns führt „Vinyl“ als eigenständige Kategorie neben „Pop“ und „Sonstige“ auf, weil’s eben völlig egal ist. Pop. Rock. Jazz. Vinyl. Stream. iPods. Papas Gruftimusik. CDs. Hauptsache, es ist ein Poster dabei.

Im Januar 2014 freute ich mich:

Dieter Bohlens „Superstars“ werden es vermutlich nie auf eine Schallplatte schaffen.

Ich fürchte, wir haben verloren.

In den NachrichtenPolitik
„… oder Essenswünschen“

Endlich tut mal einer was gegen den internationalen Flugzeugterrorismus:

Die „European Digital Rights“-Initiative (EDRi) warnt davor, dass französischen P2P-Nutzern mit dem geplanten EU-Sammelsystem für Flugpassagierdaten Schwierigkeiten drohen, wenn sie fliegen wollen. (…) Demnach könnten auch französische Nutzer, die illegal per Filesharing geschützte Inhalte aus dem Internet gesaugt haben, künftig von Flügen ausgeschlossen oder zumindest am Flughafen verschärft kontrolliert werden.

Ob man noch von „geschützten Inhalten“ reden sollte, wenn sie offen im Netz herumliegen, wage ich nicht juristisch zu beurteilen. Viel zu groß ist meine Erleichterung darüber, zu wissen, dass an Flughäfen künftig keine gefährlichen eMule-Nutzer mehr unbehelligt herumlaufen dürfen. Wie genau eine „verschärfte Kontrolle“ sich gegenüber den entwürdigenden Abtastungen regulärer Fluggäste auswirkt, konnte ich leider noch nicht herausfinden. Vielleicht bekommen sie zusätzlich eine Analsonde eingeführt, die nach geschmuggelten Datenträgern mit MP3-Dateien sucht; aber wenn’s der Terrorabwehr dient, bitteschön.

Wie eben auch (Hervorhebung von mir):

Nach dem Richtlinienvorschlag der EU-Kommission sollen Passenger Name Records (PNR) wie Namen, E-Mail-Adressen, Telefon-, Konten- und Kreditkartennummern oder Essenswünschen fünf Jahre aufbewahrt werden.

Wenn einer, der heute im Flugzeug einen Salat isst, in fünf Jahren jemanden innerhalb der EU ermordet, wird diese Aufzeichnung bei der Identifikation des Mörders helfen, nehme ich an. Warum sollte die EU-Kommission denn sonst so einen Beschluss fassen wollen?

„Big Data“ hatte ich mir ja immer etwas anders vorgestellt.


Apropos Big Data: Jetzt wollen sie auch noch unseren Whiskey überwachen! :aufsmaul:

In den NachrichtenPolitik
Dreimal kurz verlinkt: Knallköpfe!

Eine gute Nachricht: Die Bundeswehr tötet immer weniger wahrscheinlich irgendwen. Warum? Nein, nicht aus ethischen Gründen, die, seit der deutsche Kriegsminister von der „christlichen“ CDU/CSU gestellt wird, sowieso allenfalls ein Treppenwitz sind; vielmehr aus technischen Gründen:

Seit Monaten gibt es Zweifel am Standardgewehr der Bundeswehr. Jetzt haben technische Prüfungen nachgewiesen, dass das G36 ungenau wird, wenn es heiß geschossen ist.

Der Hersteller zeigt sich bestürzt:

Das Standardgewehr G36 habe bei „sachgerechtem Gebrauch keine maßgeblichen Einschränkungen der Einsatztauglichkeit“, erklärte das Unternehmen.

Zu „sachgerechtem Gebrauch“, wenn ich das jetzt richtig verstehe, gehört es also nicht, ein Dauerfeuer auf den Feind (i.e. den Iwan) zu eröffnen – gezielte, einzelne Schüsse auf für das Überleben wichtige Körperteile müssen genügen. Die Wirtschaft zumindest würde der sparsame Umgang mit Munition freuen, der deutsche Waffenexport ist ja, wie es heißt, im Rückgang. Wahrscheinlich werden die übrigen Tötungsmaschinen vom eigenen Land für die Befriedung so genannter Schurkenstaaten gebraucht. Friedenspanzer, wissenschon.


Macht die CDU denn alles falsch? Nicht ganz:

Das Netzwerk Digitalisierung der CDU Deutschlands hat sich unter der Leitung von Generalsekretär Peter Tauber konstituiert. (…) Dazu erklärte Nadine Schön: „Digitalisierung ist der Erfolgsschlüssel der Zukunft. Diese Chance wollen wir nutzen. Unser Ziel ist es, digitales Entwicklungsland Wachstumsland Nr. 1 zu werden. (…) Unser Ziel ist es Vorreiter zu sein. Unser Anliegen als CDU ist es, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um Unternehmen, Start-ups, Forschung, Gesellschaft und jedem Einzelnen die Chance zu geben, erfolgreich an der Digitalisierung teilzunehmen. (…)“

Die Einzelnen, die zum Teil seit über zwanzig Jahren an der Digitalisierung teilnehmen, freut das sicherlich, denn die „richtigen Rahmenbedingungen“ der CDU – wir erinnern uns an Zensursula, ACTA, Vorratsdatenspeicherung, den Umgang mit der NSA- und BND-Überwachung und nicht zuletzt Femen – sind genau das, was diesem gequälten Internet noch gefehlt hat.


Aber zum Glück gibt es ja noch das andere politische Ufer, die Linken. Endlich ist wenigstens in Thüringen wieder alles wie früher. Alles? Leider nicht:

Ein Beamter aus Thüringen wollte sich in den Ruhestand versetzen lassen, bei vollen Bezügen. Grund: Er mochte unter dem neuen linken Landesvater Bodo Ramelow nicht Dienst tun.

Man bekommt einfach kein anständiges Personal mehr.

Netzfundstücke
Akademiker (Symbolbild)

Herrje.

Akademiker

(Gefunden, ausgerechnet, auf ScienceBlogs.)

In den NachrichtenMontagsmusik
Pelican – Deny the Absolute

Guten Morgen, SonneEs ist Montag, eine Stunde früher als sowieso befürchtet. Uhrenumstellung nachts um drei, wenn allenfalls ein Käuzchen zuguckt. Das machen Uhren automatisch? Eure vielleicht! – Und fröhlicher wird man auch nicht, wenn man die Nachrichten liest: Luise F. Pusch findet, das Problem, dass Copiloten depressiv sein könnten, ließe sich umgehen, indem man einfach mehr Frauen ins Cockpit – hihi, cock – lässt. Dass Frauen von Depressionen weitaus häufiger betroffen sind als Männer, ist für die feministische Faktenfindung offenbar zweitrangig.

Ach, Flugzeugabstürze sind ja auch schon wieder old news. Die Welt dreht sich weiter. Man muss zum Beispiel gar nicht bei einem Mann ins Flugzeug steigen, um zu sterben; Zeuge im NSU-Untersuchungsausschuss zu sein genügt. Und was tut die Regierung? Von der ehemaligen Volkspartei SPD – das ist die, die mindestens seit den 1990er Jahren die Überwachungsverträge mit den USA maßgeblich gefördert hatte und sich auch jetzt für bessere Beziehungen zum Seniorpartner (i.e. USA) einsetzt – sind sogar die Linken enttäuscht.

Auf nichts ist mehr Verlass, unsere Werte stehen Kopf wie ein Flugzeug in Katastrophenfilmen. McDonald’s möchte Tischbedienung einführen. Vielleicht gibt es dort dann auch bald etwas zu essen. Wenn einem nicht vorher aus anderen Gründen schlecht wird: Kinderpornografie vom US-Militär. Das will doch keiner sehen.

Wegrocken. Einfach wegrocken.

Pelican – Deny the Absolute OFFICIAL VIDEO

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Godspeed You! Black Emperor – Asunder, Sweet and Other Distress

Godspeed You! Black Emperor - Asunder, Sweet and Other Distress„Nur auf Vinyl“ („eclipsed“) beziehungsweise als Vinyl-LP und Audio-CD (Amazon.de) erscheint morgen „Asunder, Sweet and Other Distress“, das neue Album des Postrockkollektivs Godspeed You! Black Emperor aus Montréal. 2014 haben einige der Mitglieder mit ihrem Projekt „Silver Mt. Zion“ wieder einmal beeindruckend gute Musik veröffentlicht, jetzt legen sie schon wieder mit einem neuen Werk ihrer Hauptband nach. Kanada scheint voller knutschender Musen zu sein; ganz schön anstrengend eigentlich.

Auf „Asunder, Sweet and Other Distress“ sind vier Stücke – fast möchte ich sie Kapitel nennen, gehen sie doch nahtlos ineinander über – zwischen sechs und vierzehn Minuten zu finden, laut Presseinformationen (also Eigenwerbung) bilden sie „die fokussierteste und bestklingende Aufnahme der Bandkarriere“. Als ginge es im Postrock um den Fokus und nicht um den Genuss an der Ausschweifung!

Godspeed You! Black Emperor – Asunder, Sweet And Other Distress (live) // East Hastings

Aber tatsächlich klingt das, was hier präsentiert wird, selbst im Stream trotz des arg neoproggigen Titels wirklich best: Mit den flirrenden Gitarren, der kraftvollen Violine und der beinahe dekadenten Rhythmussektion von „Peasantry Or ‚Light! Inside Of Light!'“ beginnt es fast wie ein zorniges understatement, um dann mit den droneschwangeren „Lambs‘ Breath“ und „Asunder, Sweet“ gleichsam zu wachsen, bis es in dem elegischen „Piss Crowns Are Trebled“ („Pisskronen werden verdreifacht“, ach so) schließlich explodiert. Gesungen wird, wie üblich, in diesem Projekt der Kanadier nicht, trotzdem vermisse ich auch als Textfreund nichts.

Das Titelbild des Albums zeigt eine Schafherde. Sind wir alle nur Schafe? Vermutlich ist das hier Gehörte tatsächlich nichts wirklich Neues, jemand hat schon mal Gitarren benutzt und sogar Drones damit erzeugt; trotzdem vermögen Godspeed You! Black Emperor ihre sowieso unangefochtene Stellung als Schöpfer großer Werke für das heimische Kopfkino. 2015 wäre ohne sie um ein wichtiges, farbenfrohes Album ärmer.

„Asunder, Sweet and Other Distress“: Ein Album wie das Gegenteil von James Last („vertonter Flokati“, ZEIT ONLINE). Stark.

In den NachrichtenNerdkramsPolitik
Wenn ein Administrator im Basketball versagt

Ich wedle feministisch mit den Händen vor meinem Gesicht herum, denn Simon Hurtz – hurz! – triumphiert auf Golem.de:

Weil ein automatisches Windows-Update länger dauert als gedacht, beginnt ein Heimspiel der Paderborner Basketballer mit Verspätung. Die Liga reagiert mit Punktabzug – der vermutlich den Abstieg der Paderborner besiegelt.

Groß ist die Häme in den einschlägigen Vorschulforen: Hahaha, Windoof! Macht einfach Updates! Mit Linux/Mac OS X/Stift und Papier wär‘ das und so weiter. – Nun könnte man allerdings auch davon ausgehen, dass so ein wichtiges System wie das betroffene gelegentlich auch einmal gewartet und nicht nur den Dingen freier Lauf gelassen wird. Versagt hat hier nicht, hahaha, Windoof, sondern derjenige, der für die Aufrechterhaltung der Infrastruktur zuständig ist. Ein Administrator, der ein Windowssystem so einrichtet, dass so etwas überhaupt passiert, ist nicht nur ein Versager in seinem Beruf, sondern offensichtlich auch ein Feigling, wenn er den Spekulationen darum, dass, hahaha, Windoof schuld an den Folgen seines Tuns sei, kein Eingeständnis entgegenstellt.

Andererseits: Wer würde sonst über Paderborner Basketball berichten? Linuxfreundliche deutsche Medien sind dankbare Bühnenbildner.


Zu diesen linuxfreundlichen Medien gehört bekanntlich auch „SPIEGEL ONLINE“, wo, wenn nicht gerade ein kläglicher Versuch passiert, über Technik berichten zu wollen, zumindest manchmal Lesenswertes über Politik publiziert wird, darunter aktuell diese Meldung:

Im Juli 2013 hatte das europäische Parlament einheitliche Strafen für kriminelle Hacker beschlossen. Nun ist die Bundesregierung dabei, die EU-Richtlinie in nationales Recht zu überführen. Am Donnerstag wird der Entwurf für das Gesetz zur Bekämpfung der Korruption in zweiter Lesung im Bundestag verhandelt. Darin enthalten: Für unter Paragraf 202c fallende kriminelle Hackeraktivitäten soll bald eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren verhängt werden können.

§ 202c StGB („Paragraf 202c“, genauer will es ein SPIEGEL-ONLINE-Leser wahrscheinlich selten wissen) bezieht sich hierbei insbesondere auf § 202b StGB, in dem es heißt:

Wer unbefugt sich oder einem anderen unter Anwendung von technischen Mitteln nicht für ihn bestimmte Daten (…) verschafft, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in anderen Vorschriften mit schwererer Strafe bedroht ist.

Der „Paragraf 202c“ bestimmt, dass jemand, der „Computerprogramme, deren Zweck die Begehung einer solchen Tat ist, herstellt, sich oder einem anderen verschafft, verkauft, einem anderen überlässt, verbreitet oder sonst zugänglich macht, (…) mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft“ wird; was eben zum Beispiel auch für die meisten aktuellen Linuxdistributionen gilt, die das 1337-h4xX0r-Werkzeug nmap zur Installation anbieten, was bereits 2009 Thema beim Bundesverfassungsgericht war. Wenn ich das damalige Urteil richtig verstehe, so gilt ein Betriebssystem, auf dem nmap installiert ist, nur dann nicht als Hackersoftware gemäß § 202c StGB, wenn es ausdrücklich der Sicherheit des eigenen Systems dient. Wer – wie ich – zum Beispiel ein bestimmtes Betriebssystem dieser Art nur deshalb einsetzt, weil es besser funktioniert als andere Systeme, der könnte sich, je nach Wohlwollen des Gerichts, möglicherweise strafbar machen. Insofern sind die Paderborner Basketballer vermutlich mit Windows, auf dem nmap selten installiert oder direkt installationsbereit ist, nicht schlecht beraten.

Ich bin etwas skeptisch, was die Zuversicht betrifft, dass eine Verlängerung der Haftstrafe auf zwei Jahre für die meisten Menschen, die Linux installieren (obwohl das einige andere Probleme lösen würde), dazu geeignet ist, die NSA davon abzuhalten, unsere private Kommunikation zu analysieren, aber ich bin vielleicht einfach nicht sozialdemokratisch genug, um dieses Gesetz zu verstehen. Snowden ist schon wieder zu lange her, es interessiert den Michel nicht mehr. So lange es gegen den Iwan (Putin, Wladimir) hilft, sind unsere ärgsten Gegner noch unsere Freunde. Das Recht auf Informationsfreiheit mag vielleicht nicht so wichtig sein, wenn man nicht weiß, wie man morgen seine Miete bezahlen kann, aber es ohne einen Mehrwert für Volk oder Demokratie beständig zu unterminieren ist nicht unbedingt eine logische Konsequenz.

Ich hab‘ die nicht gewählt!


Wer übrigens auch etwas für die Demokratie tut: Ehemalige Mitglieder der Piratenpartei. Endlich müssen Schwimmer ihr Becken nicht mehr mit Menschen ohne eindeutiges Geschlecht teilen!

In den NachrichtenSonstiges
Medienkritik in Kürze: Deutsche Überleichen

In Frankreich ist ein Flugzeug abgestürzt; aber keine Sorge, die Hinterbliebenen werden nicht im Stich gelassen: Die betroffenen Unternehmen setzten die Titelbilder ihrer Twitter- und Facebook-Accounts auf schwarzweiß. Betroffenheit stilvoll zu zelebrieren ist eine Kernkompetenz des modernen Deutschen, so lange es seinesgleichen (Nichtmuslime meist, bei Katastrophen wenigstens Deutsche) trifft: „Keine Überlebenden, viele deutsche Opfer“ beklagt SPIEGEL ONLINE, auch ZEIT.de betrauert „viele Deutsche“. Ausländische Medien wie 20min.ch scheren sich derzeit nicht um die Nationalität der Passagiere, wie’s auch SPIEGEL ONLINE nicht interessiert, woher Passagiere stammen, wenn sie nicht aus Deutschland kommen: An Bord des Airbus befinden sich 162 Menschen, na bitte, das ist journalistische Berichterstattung ohne Betroffenheitsgesülze (sieht man einmal von dem Breitbildaufmacher mit der weinenden Frau ab), aber das verkauft sich schlecht und hat wohl auch nicht so viele Leute interessiert.

Ein ausländisches Flugzeug stürzt im Ausland ab und kein einziger Deutscher kommt zu Schaden? Wie schade; denn dann muss Mitmensch „Journalist“ ja das eigentliche Geschehen (Flugzeugabsturz, materieller und menschlicher Schaden) zur Meldung machen. Ein beruflicher Glücksfall aber für jeden dieser Seelenverkäufer, wenn ein deutsches Flugzeug mit deutschen Passagieren in eine deutsche Wohnsiedlung fiele!

Ich befürchte, ich habe die Aufgabe eines Journalisten bisher völlig falsch verstanden.

Nachtrag vom 28. März 2015: Wer es lesen will, erfährt also, was das Pilotenschwein geträumt hat, warum der schon immer eine Sau war und man nur den gesunden Volkskörper hätte fragen müssen, wie man solche ausmerzt.


Schlechte Nachrichten: Jugendliche kommen vor lauter Internet gar nicht mehr zum Drogennehmen. Wie soll aus denen nur was werden?

In den NachrichtenMontagsmusik
Jimi Hendrix – All Along The Watchtower

Kaffee!Es ist Montag. Masturbierende Autisten hängen am Kronleuchter. Von wem Helene Hegemann diese Formulierung nun wieder geklaut hat, ist ja dann doch unerheblich, ’s ist halt die FAZ, die hat noch Restruf vom guten alten Frank Schirrmacher zu verschenken. Im heise-Verlag ist man zumindest thematisch schon weiter: Mitlesen des Datenverkehrs sei nur gegebenenfalls ein Grundrechtseingriff, gegebenenfalls könnte man auch einfach aufhören, die Nachrichten zu lesen, es wird ja doch nicht besser. Stattdessen irgendwas sprengen oder so.

Zumindest, allerdings, ist Frühling. Nutzt die gleichen Hashtags wie euer Schwarm, dumm fickt gut. Es ist deprimierend.

Vielleicht hilft Rockmusik.

Jimi Hendrix – 1968 All Along The Watchtower (Live) #20 Hit in US; #5 in UK

Na bitte, schon besser.

Guten Morgen.