Mir wird geschlechtNetzfundstückePolitik
Genitalverstümmelung muss deutsch bleiben!

Ronald Düker („ZEIT ONLINE“) wirkt ehrlich begeistert, dass ihm, äh, den Flüchtlingen endlich mal wer erklärt, wie Ficken geht:

Das Aufklärungsportal „Zanzu – Mein Körper in Wort und Bild“ richtet sich an Migranten. „Vor allem zu uns geflüchtete Menschen“, heißt es in einer amtlichen Mitteilung, „die noch nicht lange in Deutschland leben, erhalten hier einen diskreten und direkten Zugang zu Wissen in diesem Bereich.“

Man lernt dort: Sex ist ganz in Ordnung, wenn alle Beteiligten Spaß daran haben und niemandem etwas zustößt. Dabei gibt der Verantwortliche für das Schnackselportal, das Bundesministerium für Gesundheit, den väterlichen Ratgeber, verzichtet jedoch leider darauf, das mit den Gesetzen allzu genau zu nehmen:

Nur am Rande dräut Ärger durch Überschreitungen, die den Flüchtlingen dann doch zugetraut werden. Eigene Abteilung: Genitalverstümmelung, die „ist in Deutschland gesetzlich verboten“.

So weit, so Quatsch.

Ende Dezember 2012 hat die damalige Bundesregierung das gesetzliche Verbot von Genitalverstümmelung durch den Erlass von § 1631d BGB gelockert, in dem es heißt:

(1) Die Personensorge umfasst auch das Recht, in eine medizinisch nicht erforderliche Beschneidung des nicht einsichts- und urteilsfähigen männlichen Kindes einzuwilligen, wenn diese nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt werden soll. Dies gilt nicht, wenn durch die Beschneidung auch unter Berücksichtigung ihres Zwecks das Kindeswohl gefährdet wird.

Das heißt: Ein sorgeberechtigter Vormund, zum Beispiel eine nur heimlich geistesgestörte Mutter, hat hochoffiziös das Recht, aus nicht nennenswerten Gründen die Genitalien ihrer Söhne – natürlich nicht der Töchter, dieses Privileg steht in einem anständigen Patriarchat gefälligst nur Söhnen zu – verstümmeln zu lassen (denn was, wenn nicht Verstümmelung, ist das Abschneiden kleiner Körperteile wie Ohrläppchen, Fingerkuppen oder Vorhäuten?), so lange es jemand tut, der nachweislich ärztliche Kunst zu vollziehen vermag, und sei sie auch noch so abstrakt.

Es kommt noch schlimmer:

(2) In den ersten sechs Monaten nach der Geburt des Kindes dürfen auch von einer Religionsgesellschaft dazu vorgesehene Personen Beschneidungen gemäß Absatz 1 durchführen, wenn sie dafür besonders ausgebildet und, ohne Arzt zu sein, für die Durchführung der Beschneidung vergleichbar befähigt sind.

So genau muss man es mit der ärztlichen Kunst nicht nehmen: Ein für das Befassen mit Kindergenitalien besonders ausgebildeter (zum Beispiel katholischer) „dazu vorgesehener“ Heilsbringer darf – von notwendiger Einwilligung der Sorgeberechtigten spricht das Gesetz hier interessanterweise nicht – im ersten halben Lebensjahr dem Kind (lies: dem männlichen Kind) das Fortpflanzungsorgan zerschneiden. Ein paar Kunstfehler fallen in der Statistik kaum auf.

Man kann nur hoffen, dass diejenigen Flüchtlinge, die hier bleiben wollen, möglichst gottlose und anständige Eltern haben.

In den NachrichtenPolitik
Werte im Wind

In Hamburg sitzt seit 2015 die AfD, das in Deutschland umgehende Gespenst, in der Bürgerschaft herum, allerdings als schwächste der dortigen Parteien mit nur 6,1 Prozent der Stimmen. Erstaunlicherweise ist Hamburg seitdem noch immer nicht von schweren Krisen heimgesucht worden.

Zeit, das zu ändern, findet die Hamburger CDU:

Die Hamburger CDU will in öffentlichen Schulen in Hamburg die deutsche und die europäische Flagge hissen als „identitätsstiftende Symbole unserer Werteordnung“. (…) Es gehe dabei nicht um „Deutschtümelei oder nationalistische Überhöhung“, sagte Prien. Den Kindern solle hingegen ein „wertegebundener Patriotismus“ vermittelt werden.

Es ist insofern nur wenig überraschend, dass die CDU sich von der AfD distanziert. Mit Verrückten will man ja nichts zu tun haben.

MontagsmusikNetzfundstücke
Leonard Cohen – Store Room

Flügel schonend fliegen.Montag, du Wochentag gewordener ausgestreckter Mittelfinger. Wenn die Aufteilung der Woche Menschenwerk ist, ist die bloße Beschaffenheit des Montags ein weiterer Grund zur Misanthropie.

Zumal doch schon Leute, die einem nicht montags begegnen, an der Sinnhaftigkeit menschlichen Daseins zweifeln lassen: Heterotopie auf der Toilette, die Selbsterniedrigung durch Imitation ist in der Bildchengesellschaft mit beängstigend wenig Schamgefühl verbunden. Ich bin ja nicht konservativ, aber ein wenig weniger Gaga wäre der zugeknöpften Zeit wirklich angemessen. Apropos Erniedrigung; ein Blick nach links. Sprachverhunzer, Twittertrolle, Kapuzenheinis, Gendersprallos. Ist das ‚links‘? Kann man das „vereinen“? Will das irgendwer? Ist das Kunst oder kann das weg?

Grandiose Idee des Monats: WLAN in Herzschrittmachern, weil ein Gerät ohne WLAN kein gutes Gerät sein kann. Was kann schon schiefgehen? – Aber es heißt ja, ein Mensch sollte niemals die Mode ignorieren, auch nicht in der Küche. Für „SPIEGEL ONLINE“ ermittelte man, dass die Mode gerade autotherapeutisches Erkenntnisbacken umfasst. Ich backe verbrannten Kuchen, schon der Farbe wegen.

Erwähnte ich, dass Montag ist?

Leonard Cohen – Store Room (1967)

There’s nothing left to choose and there is so much more to lose.

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Karokh – Needle, Thread & Nail Polish

Karokh - Needle, Thread & Nail PolishWisst ihr noch, Karokh? Waren sie 2014 noch eine Überraschung für mich, so hatte ich sie im Folgejahr doch wieder völlig aus den Augen verloren. Um so erfreulicher ist ihre Rückkehr in zumindest mein Bewusstsein.

Nur 31:31 Minuten lang ist das mit einem kurzen Tweet angekündigte zweite Album der sieben Osloer, dafür gibt es außer MP3 auch Vinyl dazu. „Nadel, Faden und Nagelpolitur“, früher haben sich nur schlimme Folkbands solche Titel ausgedacht, aber früher gab es auch viel zu viele davon. Dies jedoch ist Karokh. Karokh ist gut. Hören wir doch mal rein.

„Poke“ beginnt mit zurückgehaltenem Gitarrenrhythmus, es klingt nach Südsee und ein bisschen Grunge. Es setzen Trompete und Synthesizer ein – ah, doch keine Karibik-CD, sondern feiner Jazzrock mit Genreausflügen in interessante Richtungen. Ina Sagstuen ist noch immer eine beeindruckende Sängerin mit Talent zur Vokalakrobatik, überhaupt ist Gleichförmigkeit für das Septett noch immer nicht von Bedeutung. Wohl kalkulierte Misstöne erinnern daran, dass man dem RIO (mitunter: Thinking Plague) näher ist und bleiben will als dem Beliebigkeitspop. Dass weite Strecken des Liedes mit einem eingängigen Kopfnickrhythmus unterlegt sind, kontrastiert das schräge Hauptprogramm, dessen gefühlte Dissonanz es nahezu unmöglich macht, diesem Drang nachzugeben, vortrefflich. Ich mag das.

Apropos Kontraste: Lasst euch von „Smile“, etwa vier Minuten lang ein quasi minimalistisches, hypnotisches Stück, nicht in falscher Sicherheit wiegen; seine verstörende zweite Hälfte, eine recht wilde Schlacht der Instrumente, lässt keine Einwände mehr gelten. Dagegen klingt „Boogies“ teils geradezu düster nach einem surrealen Traum, in dem Primus und Devo gemeinsam Peter Hammill covern (oder umgekehrt), wäre da nicht der widerspenstige Bass, der sich in die Wahrnehmung fräst und wie zum Trotz auch als letzter Ton abklingt. Leichte Kost ist ja dann doch eher was für „SPIEGEL ONLINE“ als für unsereinen; das haben wir jetzt davon.

Das Titelstück als vorletztes: Ah, Sechziger-Jahre-Rock. Oder? Nein, eine Explosion:

Karokh – Needle, Thread and Nail Polish

Das viereinhalbminütige und in seiner Eingängig- und Kantenlosigkeit beinahe singletaugliche „Chude“, das das Album beschließt, rundet es zugleich würdig ab. Karokh haben sich auf ihrem Zweitling nicht einfach „weiterentwickelt“, wie man es ja gern umschreibt, sondern sind noch experimenteller, noch verspielter geworden. So kann es bleiben.

Die Plattenfirma für das Album heißt „No Forevers“. Hoffentlich ist das nicht ernst gemeint.

Netzfundstücke
Nom.

Was hat uns allen denn noch gefehlt? Richtig:

Jessie ist Foodbloggerin und seit kurzem auch zu sehen bei Nom, einem neuen Streamingdienst für Essensvideos des YouTube-Gründers Steve Chen.

Vielleicht gründe ich nächste Woche „Klatsch“, einen neuen Streamingdienst für Videos, in denen sich Leute mit der flachen Hand ins Gesicht schlagen. Kostenlose Werbung dafür machen die Anderen schon jetzt.

In den NachrichtenPiratenparteiPolitik
Liegengebliebenes vom 16. März 2016

Prima Schlagzeile: Madonna fällt betrunken vom Dreirad.


Hurra, wir haben jemanden umgebracht!


Was passiert eigentlich, wenn man im CDU-Land Sachsen-Anhalt von der Polizei überfahren wird? Meistens nichts, aber für eventuelle Lackschäden hat man selbst aufzukommen.


Während das Fraunhofer-Institut gemeinsam mit der BND-Tochterfirma Telekom sich mit der Erfindung besonders schlecht konzipierter Verschlüsselung schmückt, hört man sogar von der Piratenpartei wieder Sinnvolleres: Die Störerhaftung in WLANs ist eine unzulässige Regelung, befindet man am Europäischen Gerichtshof.


„SPIEGEL ONLINE“, das Fachmagazin für Politikvermeidung, zeigt sich beruhigt: Wladimir Putin hat kein Bügelbrett im Arbeitszimmer.


Beruhigende Worte schließlich auch für das Föjetong: Wer am Wochenende nicht die AfD gewählt hat, hat Angela Merkel gewählt und damit – das bleibt im Dunkeln – die Partei, die die Außengrenzen der EU vor Flüchtlingen schützt.

In den NachrichtenMontagsmusikPersönlichesPolitik
Kein Fragment (Klammern). // Bryan Ferry – Bitter-Sweet

Käuzchen in mondloser Nacht(… und dann ist Montag und man hat wieder einmal versagt, weil man es oder wenigstens sich selbst nicht abwarten konnte und man vor Sichgutfühlen manchmal eben doch die Lage verkennt und zeigt, was man für mühsam unter Kontrolle bekommen hielt, weil man einfach nicht verstehen kann, was man hat und warum man es hat und dass nichts, aber auch gar nichts ein Zufall ist. Man bekommt, was man verdient.

Es ist Montag und man weiß genau, was daran falsch ist.

Bryan Ferry – Bitter-Sweet

Es ist immer zu früh, um einander verloren zu geben, und doch: man ahnt, wie sich ein Käuzchen fühlt; und schreit.)


Derweil kollabiert die Welt. Drei Bundesländer haben mit böser Miene Quatsch gewählt („Landtagswahlen sind eine Art kleine Bundestagswahl“, Hannelore Crolly, c/o „WELT ONLINE“) und Keith Emerson ist tot; Freitod, sagen sie und meinen wahrscheinlich nicht die drei Bundesländer. Weiter möchte man die Nachrichten auch gar nicht lesen und tut es dann doch. Die Märkte gehen durch die Decke, die Bosse tanzen Samba, alles flüchtet in Immobilien, der Makler reibt Hände ohne Ende, nur deine Lebensversicherung ist leider total im Arsch, Papi.

Die Kassen stimmen. Mittelstand, Geringverdiener? Das hat sich Erhard, seiner Partei zum Trotz, wahrscheinlich auch anders vorgestellt. Geht doch nach drüben. Uns geht es gut. Wir schaffen das, vor allem schaffen wir uns. Das gefällt nicht? Das macht nichts. Seht euch das Elend an und dann wählt etwas anderes. Die dehydrierten Greise, deren Verfall vom Gesundheitssystem in so enge Bahnen gelenkt wurde, dass es für ein Kreuzchen bei Scheißparteien alle zwei Jahre noch ausreicht, damit als Dankeschön mehr Geld zwecks Verprassens von ihrer Rente gestrichen werden kann, sind eure eigene Zukunft.

Diejenigen Wahlkreise in Sachsen-Anhalt, in denen die AfD nicht zur Wahl stand, gingen allesamt an die CDU; von der man aber auch genau das erwartet hätte. Die Politik von CDU und SPD wird keine bessere, wenn sie stattdessen von Grünen und AfD gemacht wird. Die Idiokratie frisst ihre Kinder.

Tief durchatmen. Sie werden kommen.

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Kurz notiert zu den Fernsehanalysen der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Parteipolitiker, die jede Zusammenarbeit mit einer Partei, die fast ein Viertel der Wähler vertritt, unter Missachtung der Mehrheitsverhältnisse ablehnen, sind der treibende Grund dafür, dass eine andere Partei als die ihre überhaupt fast ein Viertel der Stimmen auf sich vereinen konnte.

In den NachrichtenNerdkrams
Smartes Gucken (Nachtrag): Kopf aus, Licht an

Was übrigens auch dringend smart gemacht werden muss, indem man Android drauf installiert:

Lichtschalter.

Was kann schon schiefgehen?

ComputerPersönliches
Smartes Gucken im Aktivfernsehen

Dass der Mehrwert des Fernsehens für das tägliche Leben mit dem nach wie vor anhaltenden Anstieg an privat geführten Fernsehsendern nicht unbedingt gleichermaßen gestiegen ist, setze ich als bekannt voraus. Den Wettlauf um die schnellsten Informationen hat bis auf Weiteres das Echtzeitmedium Twitter – jetzt auch mit Schminkgesicht – gewonnen, was schon konzeptionell bedingt ist; wenn alle dreißig Minuten eine neue Nachrichtensendung produziert wird, passiert für irgendjemanden Spannendes eben gern auch mal dazwischen.

Die Lücken zwischen den Nachrichten vom Vortag füllen meist eher unspannende Sendungen, die irgendwas mit casting zu tun haben und in denen neue „Talente“ zum späteren Einsingen von Altenheimen und Möbelhäusern gekürt werden sollen, mitunter unterbrochen von wenigen Lichtblicken wie den „Simpsons“, die ich (allem Schlechterwerden zum Trotz) noch immer mag, wobei ich allerdings bisher nicht das Bedürfnis verspürte, mir für solche Ausnahmen ein eigenes Fernsehgerät zuzulegen; die Gefahr, zum falschen Zeitpunkt das Gerät einzuschalten und fortan in ein Delirium zu verfallen, wie Menschen, die fernsehaffine Verwandte und/oder Bekannte haben, es sicherlich bereits kennen, während das Hirn allmählich eine breiig-käsige Bewusstseinsform annimmt, ist gerade für uns Kopfarbeiter zu groß.

Mit dem Auftrieb von so genannten „Smart-TVs“, prinzipiell also Fernsehgeräten mit dauernd aktivierter Wohnzimmerkamera, die sich, weil es geht, mit euren Kühlschränken, Tresoren, Glühbirnen, Uhren und insbesondere mit ihrem Hersteller unterhalten können, hat die Fernsehtechnik sich zwar inzwischen auf so absurde Größen aufblasen lassen, dass man das schlimme Gesicht, das jeweils gerade dummes Zeug im laufenden Programm von sich zu geben überbezahlt wird, um ein Vielfaches vergrößert ertragen darf, allein: die Qualität hat sich nicht verbessert. Da aber die Geräte nicht nur Daten über’s Netz senden, sondern auch empfangen können, lassen sie es zumindest zu, dass man statt einer Dauerwerbesendung, die nur selten von zudem von offensichtlich intelligenzverachtenden Entscheidern entworfenem „Programm“ unterbrochen werden, auch Sendungen aus dem Internet beziehen kann, gern in Verbindung mit einem Abonnement von „Entertain“, „Netflix“ (das es zu meiner Überraschung auch einzeln, also ohne beigepacktes Chillen, zu geben scheint) oder ähnlichen Diensten, bei denen Serien zu mieten mir ähnlich ratsam erscheint wie meine Plattensammlung durch ein Spotify- oder TIDAL-Abonnement zu ersetzen statt sie allenfalls gelegentlich zu ergänzen, nämlich nicht im Geringsten. Dieses streaming aber verringert gerade auch, nachdem der Videotext vom Fernsehen auf andere Geräte umgezogen ist, gegebenenfalls den noch von früheren Generationen gelebten Brauch, ein allzu langweiliges Programm nicht etwa auszuschalten, um wieder am richtigen (gar: Familien-)Leben teilzunehmen, sondern zu zappen, also so lange die immer größer werdende Anzahl an Sendern auf ihren Gehalt zu überprüfen, bis etwas zu sehen war, was zumindest für einige Minuten nicht zu offensichtliche Langeweile verhieß. Beim „smarten“ Fernsehen sind die Gestaltungsmöglichkeiten etwas größer, man kann sich also eigentlich recht lange ohne nennenswerte Unterbrechung, sofern man das denn möchte, berieseln lassen.

Eigentlich.

Mein Fernseher hat sich gerade abgeschaltet, weil seit 4 Stunden keine Interaktion stattgefunden hat.

Es mag „abschaltbar“ sein, aber die Prämisse scheint unmissverständlich: Wer vier Stunden lang einfach nur fernsieht, ohne eigentlich anlasslos auf der Fernbedienung herumzudrücken, der wird von smarten Geräten für zumindest eingeschlafen gehalten, was über das Vertrauen derer, die solche Geräte herstellen, in das, was sie zeigen, mehr als das Nötigste aussagt, und wer sich mit einem smarten Fernseher über Stunden hinweg nicht knöpfchendrückend beschäftigt, der macht sich verdächtig. Interaktives Fernsehen mit Mitmachfaktor ist Gebot, nicht bloß Angebot. Wenn ich es auch als angenehm empfinde, wenn die Technik sanft darauf aufmerksam macht, dass Menschen, die mehr als vier Stunden am Stück quasi apathisch den ungesunden Müll in sich aufnehmen, der sich Fernsehprogramm nennen lässt, dringend etwas ändern sollten, was in einer weniger romantischen Darstellungsvariante auch einfach nur irgendwas mit Energieeffizienz (diese modernen Kernkraftersatzplacebos liefern eben nicht mehr genug Energie, um sie nach Herzenslust zu vergeuden) zu tun haben könnte, so bleibt doch die irritierende Erkenntnis, dass man sich, wollte man interagieren und nicht einfach glotzen, lieber eine Minibar als einen Fernseher gekauft hätte.

Die Rundfunkgebühr sollte Schmerzenssteuer heißen.

NetzfundstückePolitik
In Wort und Verschrift

Hier, CDU Hessen,

Vorher raussetzen (Quelle: CDU-Kommunalwahlprogramm 2016)

was habt ihr eigentlich gegen Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit?

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Marc Ribot Trio – Fat Man Blues

WachwachwachEs ist Montag, es ist Zeit, sich nochmals bevorzugt gemeinsam im Bett herumzudrehen (wenn nicht gar: zu wälzen), bevor die Pflicht ruft. Nachtschlafende Zeit harmoniert nicht mit Tageslicht.

Anderen ist die Fleischeslust eher fremd:

Über den freundlichen Wink an die Jungstudenten in Form von Kondomen herrschte ja noch ein leidlicher Konsens im Studentenrat. Doch dann kam der Plan zur Anschaffung von je 5 000 veganen Kondomen und 5 000 dem – so die Erläuterung – „sicheren Oralverkehr an Frauen“ gewidmeten Lecktüchern zur Abstimmung. Und wurde von der Mehrheit auch prompt gutgeheißen[.]

Denn wenn Erstsemester eins wirklich brauchen, dann sind es vegane Kondome und Lecktücher!

Aber wen interessieren schon solche Kinkerlitzchen, wenn es doch weit schlimmere Nachrichten zu vermelden gibt? Hessen hat gestern gewählt und die Rechtspopulisten haben gewonnen: Ungefähr vierzig Prozent der Wähler gaben CDU oder SPD ihre Stimme. Hessen hatte ich gar nicht als so rückständig in Erinnerung. Viel moderner versucht derweil „ZEIT ONLINE“ zu sein, die einen Artikel über das Zeichen „@“ anlässlich des Todes des Erfinders der E-Mail Ray Tomlinson „Very s@d news“ betitelt, „Very satd news“ also, was einerseits herrlich 90er, andererseits aber auch nicht weniger als dämlich ist.

Lasst uns ungeachtet all dessen beschwingt in die Woche starten.

Marc Ribot Trio Fat Man Blues

Guten Morgen.

In den NachrichtenNetzfundstückePolitikSonstiges
Liegengebliebenes vom 4. März 2016

Das Recht auf Waffenbesitz sei ein essenzieller Bestandteil der Freiheit jedes US-Amerikaners, heißt es aus einschlägigen Kreisen. Ich vertrete ja schon seit längerer Zeit die Meinung, dass Waffenbesitz Doofheit gleichzeitig voraussetzt und fördert. Beweisstück G:

Ein Mann aus dem US-Bundesstaat Washington wollte ein paar Fotos mit Waffe von sich machen. Beim letzten Selfie schoss er sich versehentlich in den Kopf.

Mit etwas mehr Bildung wäre das vielleicht nicht passiert; oder mit mehr Schlaf:

Ein 16-Jähriger hat im US-Bundesstaat Tennessee mehrfach auf seine Familie geschossen, als er von seiner Mutter geweckt wurde. Der Grund: Er war sauer, weil er nicht aufstehen und in die Schule gehen wollte.

:irre:

(unter anderem via Schwerdtfegr)


Ihr habt eine Vollmeise und wollt sie euch versilbern lassen, aber die Gender-Studies-Studiengänge sind leider schon voll? Keine Panik – es gibt nun auch einen Bachelorstudiengang für vegane Ernährung mitsamt dazu passender Stiftungsprofessur, damit aus euch doch noch was werden kann.


Zur Causa Volker Beck – nachdem selbst Hanfpflanzenbesitzer Cem Özdemir dessen Drogenkonsum als eines Grünen unwürdig beschrieb, was nach der Pädophiliegeschichte zumindest eine ziemlich niedrige Messlatte ist – sei allenfalls noch die „taz“ in falschem Kontext zitiert: Wo die Grünen regieren, ist es mit ihrer Moral nicht weit her.


Wenn es doch nur eine Schale für das Innere von Orangen gäbe! (Allergikerwarnung: Verweis geht zu Google+.)

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Terminal Function – Measuring the Abstract

Terminal Function - Measuring the AbstractWie geil ist das denn?

Aus Gründen, die für mich selbst gerade nicht offensichtlich sind, fand ich auf meinem digitalen Musikwühltisch kürzlich das Album „Measuring the Abstract“ einer Band namens Terminal Function. Das klingt jetzt nach Elektrokäse, es ist aber – ja, was eigentlich?

Fest steht zumindest, dass es sich um fünf Herren aus Schweden handelt, deren aktuelles Album „Clockwork Sky“ 2015 veröffentlicht wurde und das auf Amazon.de mitunter von Leuten gekauft wird, die auch die Band Animals as Leaders schätzen, was nicht nur musikalisch eine spannende Referenz ist. „Measuring the Abstract“ ist allerdings das Debütalbum, 2008 veröffentlicht, und ich mag es.

Das Dargebotene erinnert an Bands wie TesseracT und Meshuggah, laut Eigenbeschreibung – dort gibt es das Album übrigens als Komplettstream – waren aber auch Dream Theater ein Vorbild. Die Plattenfirma etikettiert fleißig mit Pseudogenres wie „Extreme Brutal Death Metal“, und hört man nicht so genau hin, wenn Frontmann Victor Larsson heiser gegen das wahre Instrumentalgewitter anschreit, dann mag man das für treffend halten; ich selbst würde aber selbst dann Psychedelic-Mathcore-Postdjent bevorzugen, denn das hier ist mehr, weit mehr als nur Brüllen, Grunz und Röcheln.

In den acht Stücken, die zwischen 1 und 7 Minuten lang sind, gibt es mehr Takt- und Stimmungswechsel als in der Politik der F.D.P.; überhaupt: immer wieder Meshuggah (gleichfalls aus Schweden; alter Schwede!). Hier wird nicht nur gebrettert, hier bleibt auch Platz für ein wenig Chorgesang:

Terminal Function – Room 101

Ein Album zum Abhotten. (Sagt man das noch, „abhotten“?)

Yeah, sozusagen.

Mir wird geschlechtPolitik
Was du wissen solltest, so lange du das Gesetz nicht kennst

(Vorbemerkung: Ich hatte folgende Kritik zuvor bereits auf anderem Weg angebracht, leider blieb sie unbeantwortet. Ich gehe also von Vorsatz aus.)

Da wir gerade bei Parteien waren: Im Januar 2016 witzelte Katharina Nocun, noch vor nicht allzu langer Zeit Repräsentantin der Piratenpartei Deutschland, seitdem aber in doch reichlich schräge Kreise („Campact“) geraten, unter der Überschrift „Was Du wissen solltest, bevor Du die AfD wählst“ und der Prämisse, dass „oft argumentiert“ werde, Kritik an der AfD werde „durch die ‚Lügenpresse‘ gesteuert“ (ebd.), gestützt von großem medialem Beifall (u.a. Huffington Post) neben einigen zweifellos richtigen Beobachtungen zum Konservativismus der ansonsten bestenfalls tragikomischen baden-württembergischen „Alternative für Deutschland“ auch über deren vermeintliche Paranoia, dass männliche Bewerber auf eine Stelle als Gleichstellungsbeauftragte (sic!) aufgrund ihres Geschlechtes diskriminiert würden.

Ein Blick ins Gesetz – die Piratenpartei rät seit jeher zum Selbstnachschlagen – hätte vielleicht Schlimmeres verhindert: § 4,2 des dortigen Landeshochschulgesetzes schreibt vor, dass die (sic!) Gleichstellungsbeauftragte nebst Stellvertreterinnen „aus dem Kreis des an der Hochschule hauptberuflich tätigen“, Obacht!, „weiblichen wissenschaftlichen Personals“ zu stammen habe.

Im paranoiaresistenten Nordrhein-Westfalen, dessen Hochschul- (§ 24 HG) und Landesgleichstellungsgesetz (§ 15,3 LGG) ähnliche Vorschriften beinhalten, wird der Landtag übermorgen einen Antrag der offensichtlich paranoiden F.D.P.-Fraktion behandeln, der zum Ziel hat, die landesweiten Richtlinien den bestehenden gesellschaftlichen Strukturen anzupassen und die Gleichberechtigung von Mann und Frau statt die bloße Gleichstellung der Frau zur Maxime zu machen. Hoffentlich werden Psychiater anwesend sein.

Ohne Lügenpresseausweis geh ich Karneval nicht aus dem Haus.
@kattascha