In den NachrichtenSpaß mit Spam
hallo geschaftsvorschlag

Auf SPIEGEL ONLINE wundert sich Christian Stöcker heute offenbar völlig unironisch:

Spam, Phishing, Überwachung – die E-Mail ist unerträglich und trotzdem immer noch da.

So geht’s mir mit Christian Stöcker zwar auch, aber mich bezahlt natürlich keiner für solche Empfindungen. Man muss sich Christian Stöcker als einen Menschen vorstellen, der ausschließlich Spam- und Phishingmails bekommt und es nicht irgendwie merkwürdig findet, sich auf einer trackingdurchsetzten Website wie SPIEGEL ONLINE über die Überwachung mittels E-Mails zu empören.

Dabei ist E-Mail auch ein Medium für das Knüpfen von Geschäftsbeziehungen. Mich erreichte zum Beispiel heute folgender Kontaktversuch:

geschaftsvorschlag

Kreative Anreden fördern die Aufmerksamkeit des Lesers. Gut gemacht!

Grüß Gott

Ah, ein Süddeutscher schreibt. Oder?

Ich bin mit diesem Medium, um Sie über die Transaktion zur Abgabe von $21.500.000 (Einundzwanzig Millionen fünfhunderttausend Euro) in meiner Bank in China, Sie als Empfänger zu informieren.

Schlimme Grammatik, merkwürdiger Umrechnungskurs, Bank im Ausland – ja, eindeutig ein Süddeutscher.

Es wird zu 100% sicher, dass der Finanzvorstand des verstorbenen Kunden.

Es ist zu 100% sicher, dass der Verfasser.

Bitte auf meine private E-Mail: sangchin24@gmail.com, für weitere
Informationen.

Ich schreibe prinzipiell niemandem an eine Google-Mail-Adresse. SPIEGEL ONLINE sagt, da werde ich überwacht.

Dann eben nicht.


Ach, die „Homo-Ehe“, also die Hochzeit zweier Menschen gleichen Geschlechts, treibt die Medien mal wieder um. Von einer „Gleichberechtigung“ sei die Rede, die gefördert werde, wenn man statt einer nun sogar zwei verschiedene Lebenspartnerschaften legalisiert. Was aber soll das für eine Gleichberechtigung sein, in der ein Mann nicht einmal seine Lokomotive heiraten darf?

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Ben Levin Group – Pulse

Kaffee?Mach‘ Sachen:

EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) rechnet damit, dass seine Kommunikation von Geheimdiensten abgehört wird.

Wenn das rauskommt! :aufsmaul:

Erst mal wach werden.

Ben Levin Group Pulse Music Video

Guten Morgen.

In den NachrichtenMusikNerdkramsPolitikWirtschaft
Nachrichtenüberblick, 23. Mai 2015

Die Friedensoffensive der Bundesregierung geht weiter: Auch das neue Leutetotschießgerät der Bundeswehr funktioniert nicht.


Mozilla sei wichtig für „unser offenes Netz“, heißt es. Wie offen? So offen:

Mozilla möchte (…) beweisen, dass relevante Werbung auch dann möglich sei, wenn die Privatsphäre der Nutzer geachtet werde (…).

Ungefragt als williger Empfänger von Produktinformationen, als Kunde statt als Nutzer angesehen zu werden fühlt sich natürlich gleich viel besser an, wenn niemand erfährt, dass man es wird.


Andererseits sind entrechtende Konzerne gerade wieder einmal im Aufwind: Der augenscheinlich Kunden verachtende Scheißkonzern Sony (der mit den Internetsperren und den Trojanern auf an Kunden ausgelieferten Tonträgern) hatte mit dem Eigentum ablehnenden Unternehmen Spotify einen zumindest von 2011 bis 2014 gültigen Vertrag abgeschlossen, dem zufolge nicht nur – wie in Firefox – vielfach Werbefläche vermietet werden sollte, sondern auch Einnahmen abgetreten werden mussten:

Als eigentliche Tantiemen musste Spotify mindestens 60 Prozent seines Bruttoumsatzes an die Label ausschütten. (…) Dabei wurden 0,225 bis 0,25 Dollar-Cent je werbefinanziertem Stream, plus drei Dollar pro Monat und normalem Abonnenten, plus sechs Dollar und Monat je Premium-Abonnenten veranschlagt. Diese Sätze galten auch dann, wenn ein Abonnent Spotify in einem Monat überhaupt nicht genutzt hatte.

Die niedrige anbieterseitige Entlohnung von Musikern, über deren Höhe seit Jahren geschimpft wird, ist also nicht einmal unbedingt primär die Schuld derer, die sich in solche Knebelverträge fügen müssen, um ihr Angebot erweitern zu können. Nichtsdestotrotz ist der tatsächliche Besitz von Musik auch aus diesem Grund eine gute Idee – es sieht nicht nur schöner im Regal aus, man trägt zudem weniger zur Ausbeutung der Interpreten bei.


Deutschland fiebert mit: Heute Abend werden wir alle wieder einmal durch einen herz- und belanglosen englischsprachigen Schlager im Ausland vertreten. Freut ihr euch auch schon so sehr wie ich?

In den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt: Das bisschen Überwachung.

Die Gewerkschaft der Lokführer, so liest man vielerorts, habe jeden Grund zu streiken, da die Deutsche Bahn AG ihre gigantischen Einnahmen für eigene Zwecke horte, statt sie unter ihren Mitarbeitern aufzuteilen. Nun verfüge die Gewerkschaft der Lokführer allerdings selbst über mehr Geld, als sich (…) die Reisenden wünschen, das für die Streiks gehortet werde (zumal’s sowieso um Schlimmeres geht), statt es unter den Mitgliedern aufzuteilen, gab ihr Vorsitzender zu Protokoll. Vielleicht ist dies ein guter Anlass, einmal die Prioritäten der Gewerkschaft zur Diskussion zu stellen.

Das muss aber noch ein wenig warten, denn eine andere Meldung erregte meine Aufmerksamkeit: Abgeordnete fürchten: Amerikanische Geheimdienste greifen uns an, was mich einerseits freut, denn zwei Jahre nach Snowden und Jahrzehnte seit Ausbruch des Kalten Krieges wäre es doch ein wenig beschämend, würde man sich im Bundestag noch immer gegen die Vorstellung wehren, ausländische Geheimdienste würden in Deutschland Geheimdienstarbeiten verrichten (einen „Fehler“ nennt man das seitens der deutschen Handlanger lapidar); andererseits hätten die Abgeordneten dann aber schon gern die Vorratsdatenspeicherung, also die anlasslose Totalüberwachung der Kommunikation ihrer Bürger, denn Aushorchen ist hier immer noch Chefsache. Der Staat vertraut euch nicht und ihr dem Staat eben auch nicht; aber was juckt es die Eiche, wenn die Sau sich an ihr scheuert? Die Revolution der leisen Töne scheitert seit ’68. Ich werde zu eurer Sicherheit videoüberwacht, verkündet ein Schild in einer Fast-Food-Filiale.

BND-Affäre drückt Vertrauen in Merkel, es mögen die Bedrückten künftig wieder SPD wählen, denn die hat ein bisschen mehr Vertrauen dringend nötig. Andererseits: Die F.D.P. ist wieder da, die in der Zeit, als der umstrittene US-amerikanische Militärstützpunkt „Dagger Complex“ gebaut wurde, den Bundespräsidenten stellte und sich über sechzig Jahre später fragte, was die da eigentlich genau machen.

Hier, dieser Amerikaner da, der irgendwas von Überwachung faselt: Lasst den mal nicht in Deutschland aussagen. Aber was ist mit unseren Computern los?

:facepalm:

Netzfundstücke
Auf den Punkt

Habt ihr morgen ab 19:30 Uhr schon etwas vor? Ansonsten hat das Magazin „Leben!“ („Fachzeitung für Gesundheit Wellness, (sic!) geistiges Heilen, Psychologie, Praxis-Informationen und Erfolgstraining“), das bereits Koryphäen wie Gesa Rusche („Ho’oponopono“, das „Vergebungsritual speziell für die Wirbelsäule“) und Anke Weimer („Übertragung der Er-Lösungs-energien aus dem Christuslichtfeld“) eine Bühne bieten durfte, ein Angebot für euch, das ihr nicht ausschlagen könnt:

Access The BARS® Alles im Leben kommt zu mir mit Freude, Leichtigkeit uns Herrlichkeit
sanfte Berührung von 32 Punkten am Kopf Blockaden lösen so einfach wie “LÖSCHEN” drücken am PC

(Rechtschreibung und kreative Zeichensetzung unverändert.)

Aus langjähriger Erfahrung mit PCs und Leuten, die einen solchen benutzen, kann ich berichten, dass das Drücken von „Löschen“ nicht nur schwer verständlich („woher weiß der denn dann, dass er nicht den ganzen Computer löschen soll?“), sondern obendrein manchmal gar nicht so einfach durchzuführen ist. Meine Tastatur hat jedenfalls keine Taste namens „Löschen“.

Aber das ist nicht genug Metaebene, denn es geht um ein hehres Ziel:

Es gibt eine Möglichkeit, die Gedanken, Vorstellungen, Standpunkte, Sichtweisen und Emotionen, die uns davon abhalten, ein Leben in Freude, Leichtigkeit und Fülle zu leben, ganz einfach zu verändern. (…) Dabei halten wir bei unseren Klienten im entspannten Liegen 32 Punkte am Kopf, die bestimmten Lebensbereichen zugeordnet sind und lösen gespeiecherte Limitierungen aus allen Lebenszeiten einfach auf.

Um nämlich Folgendes zu erreichen:

• mehr Freude und Frieden
• mehr Wohlbefinden
• gesteigertes Wohlbefinden

Freude! Frieden! Mehr Wohlbefinden, und das auch noch gesteigert! Da könnte man ja fast die Drogen weglassen, bräuchte man sie nicht, um diesen Irrsinn noch irgendwie ertragen zu können.

„Access The BARS®“. „Geht an die Bars“. Eingetragenes Warenzeichen. Prosit.

If you were a Hindu, I could aim for the dot.
Bloodhound Gang: Yummy Down On This

In den NachrichtenMusik
WiMP, TIDAL, Grooveshark: Das neue Überall?

Apropos Musik.

Letzte Woche bemerkte auch der tendenziell eher langsame Nachrichtendienst golem.de, dass die kalkulierte Entwertung von Musik durch vermeintlich attraktive Vermietung an Leute, denen der Besitz von Musik einst einiges bedeutete, ein Geschäftsmodell ist, dessen Beliebigkeit es nach und nach zerstören wird: „Spotify schreibt tiefrote Zahlen, die ersten Dienste machen dicht“ oder werden wie WiMP von skrupelllosen Unternehmern aufgekauft und mit einem hässlichen Namen neu gelauncht (üblicherweise launcht man im anglophonen Raum ja auch Raketen und ähnliche Tötungsdinge). Im Falle von WiMP – ein Dienst, um den es wirklich schade ist, immerhin gibt es dort ein Angebot zum Streamen im FLAC-Format – wurde nicht nur der Name hässlich.

TIDAL

„Available on all systems“, „verfügbar auf allen Systemen“, sei TIDAL, und während das für WiMP noch stimmte, ist das, was man bei TIDAL unter „allen Systemen“ versteht, nur ein bisschen deprimierend. Best viewed with Internet Explorer 4. Vielleicht ändert sich das ja noch. – Währenddessen trotzt der von mir bereits mehrfach erwähnte Dienst Grooveshark stürmischen Gezeiten: Nach einer Zwangsräumung hat ein angeblich ehemaliger Mitarbeiter zunächst unter altem Namen eine schreckliche Kopie mit stark eingeschränkter Funktionalität ins Netz gestellt; unklar bleibt, was folgt.

Auf golem.de wird abschließend ein Manager des längst durchkommerzialisierten Dienstes Napster zitiert:

Der Kunde möchte nicht vorgeschrieben bekommen, wie und wo er seine Musik nutzen kann.

Und das, genau das ist der Grund, warum der Besitz von Musik Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bleiben wird.

In den NachrichtenMontagsmusik
John McLaughlin & The 4th Dimension (live)

Hi.GEHEIMDIENSTE SIND MÖRDER! GEHEIMDIENSTE SIND ÜBERFLÜSSIG! GEHEIMDIENSTE GEHÖREN ABGESCHAFFT! GEHEIMDIENSTE SIND SCHEI- was?

Der Bundesnachrichtendienst soll den Amerikanern einen entscheidenden Hinweis gegeben haben, der zur Ermordung Ergreifung von Osama Bin Laden führte.

GEIL! GEHEIMDIENSTE HELFEN BEIM MEUCHELN BÖSER MENSCHEN! MEHR GEHEIMDIENSTE JETZT!

:aufsmaul:

Krisenjazz! Schnell!

John McLaughlin & The 4th Dimension FULL CONCERT 2012 – Live at 33. Leverkusener Jazztage

Guten Morgen.

In den NachrichtenMir wird geschlechtSonstiges
[TW: GNTM]

Bislang war ich der Ansicht, die grauenhafte Fernsehsendung „Germany’s Next Topmodel“, in der entgegen ihrem Namen allerlei eher mittelmäßig aussehende junge Frauen ohne Scham- oder Selbstwertgefühl darum wetteifern, sich für die maximale Dauer einer Staffel nach Kräften blamieren zu dürfen, beleidige lediglich die Intelligenz der Zuschauer, Verwandten und Teilnehmerinnen. Offensichtlich ist mir da ein wichtiger Aspekt entgangen, wie mir die Folgen der gestrigen Bombendrohung – als wäre die nicht schon bescheuert genug – aufgezeigt haben:

Die Jury – samt Thomas Hayo und Wolfgang Joop – soll an einem geheimen Ort untergebracht worden sein. (…) Zunächst sei auch ihnen von einer „technischen Störung“ berichtet worden, erst etwa 20 Minuten nach dem Abbruch sei mit der Evakuierung der Halle begonnen worden, sagt der Insider unter Berufung auf einen Publikumsgast. (…) „Wenn die 10.000 Menschen verrecken, ist es nicht so schlimm, wie wenn die Promis (sic! A.d.V.) verrecken“, sagte demnach eine 23-Jährige aus Ludwigshafen.

Zumindest kann man den Machern der Sendung nicht vorwerfen, ihren Zuschauern vorzuspielen, sie seien ihnen wichtig und kein austauschbares Element im Konzept, weil’s ja eben schon egal ist, wie die Kinder heißen, die ihr Taschengeld für den Unsinn verplempern.

Apropos verplempern: Hat Hans-Peter Uhl eigentlich schon die Vorratsdatenspeicherung gefordert?


Triggerwarnung des Tages: Lateinische Klassiker.

In den NachrichtenPolitik
Medienkritik: Daten zählen mit der ZEIT

Kai Biermann stellte auf ZEIT ONLINE gestern im Zusammenhang mit den immer sumpfigeren Untiefen der Spionage durch unsere amerikanischen Freunde (c/o SPD, schon mehrfach dabei, bitte nicht wieder wählen) die richtige Frage:

Aber wie viele Daten liefert der BND als Ergebnis an die Amerikaner?

„Wie viele?“ ist bekanntlich eine Frage nach der Stückzahl. Ein guter Journalist würde vielleicht nun in Erfahrung bringen wollen, was für Daten ausgetauscht wurden und um welches Größenverhältnis es geht; aber die Anzahl – relevant! – ist ja auch mal schön. Also, Kai Biermann, wie viele waren’s denn?

ZEIT ONLINE hatte bereits im Februar aufgedeckt, dass der BND in aller Welt ungefähr 220 Millionen Metadaten pro Tag abhört und speichert. (…) Laut (…) neuen Akten werden „bis zu 1,3 Milliarden Daten pro Monat“ weitergeschickt.

Die Zahl sieht jetzt zwar schön konkret und recherchiert aus, aber sie enthält keine tatsächliche Information. Wie viele „Daten“ enthält meine IP-Adresse, wie viele „Daten“ bilden die über mich gespeicherten Informationen ab? Sind „Daten“ Datensätze, Wörter oder Zeichen? Wie viele Gelds kostet die Übertragung einer Date den Staat pro Stück? Was Kai Biermann vermutlich ausdrücken wollte: Es sind bereits vergleichsweise viele Byte zwischen BND und NSA ausgetauscht worden. Leider schreibt er nicht auf, worauf sich dieser Vergleich bezieht, wohl aber zumindest einen vagen Anhaltspunkt:

Außerdem erstellt der BND aus abgesaugten Daten und Inhalten „Meldungen“ genannte Berichte, die er an verschiedene Stellen schickt. (…) Das wären insgesamt 1.317 Meldungen, die ebenfalls auf Selektoren basierten und 2012 an ausländische Geheimdienste oder an die Afghanistan-Truppe Isaf gesandt wurden. Für 2013 ist die Zahl ähnlich hoch.

„Meldungen“ bestehen also aus diesen vielen „Daten“ und ebenfalls unklar definierten „Inhalten“. Angenommen, die 220 Millionen „Daten“ würden zu einem großen Teil zu „Meldungen“ verarbeitet, so ist die Zahl 1.317 überraschend klein. Entweder sind „Meldungen“ sehr groß oder „Daten“ tatsächlich sehr klein. Der Leser erfährt hier also dreierlei:

  1. Der deutsche Geheimdienst BND leistet Geheimdienstarbeit.
  2. Es werden Dinge in großer Stückzahl versendet.
  3. Der Versand erfolgt in Paketen namens „Meldung“.

Wie es heißt, gehörte es einmal zum Selbstverständnis eines Journalisten, nicht vorhandene Informationen auch nicht aufzuschreiben. Aber was beklag‘ ich mich – es hätte immerhin auch in Fußballfeldern angegeben werden können.


Was machen diejenigen Piraten, die aus linken Gründen die Partei verlassen haben, inzwischen eigentlich so? Nun, einige von ihnen (etwa der hier) engagieren sich laut ihren Twitterprofilen nun in Vereinen wie der „Emanzipatorischen Linken“. Das sind die hier:

Honig im Kopf

Damit dürfte auch erklärt sein, wieso eine als Nerdpartei gegründete Gemeinschaft eigentlich plötzlich ein „bedingungsloses Grundeinkommen“ gefordert hat. Sein Geld mit Arbeit zu verdienen ist offensichtlich unemanzipatorisch. :aufsmaul:

Mir wird geschlecht
myself (Symbolcover)

Cover myself 05.15

Echte Frauen haben sexy Kurven! (Und sind fett. Bäh! Wir erklären Ihnen, wie Sie das ändern können.)

In den NachrichtenMontagsmusik
Ciccada (live)

SonnenkauzErnüchternd: Ein Montag. Die Rufe der Käuzchen heißen nicht grundlos Schreie. Apropos: Die „Schleswiger Nachrichten“ (wollen dank LSR nicht mehr verlinkt werden) berichteten am Sonnabend, die GEMA habe die Schließung eines Seniorensingkreises, in dessen Rahmen Klassiker wie „Hoch auf dem gelben Wagen“ intoniert würden, zu verantworten, da es sich um eine unerlaubte öffentliche Aufführung handle. Rechtlich gesehen ist diese Auffassung zutreffend, rechtlich gesehen ist allerdings eine angemessene Reaktion auf die Existenz der GEMA auch unzulässig.

Hören wir stattdessen lieber ein paar talentierten Griechen zu.

Ciccada live @ Music Works – 25/6/2011 – part 2

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Brem’s bessere Hälfte

Vor einigen Jahren sah ich in einer niedersächsischen Stadt das Graffito „Grün wie Gras und weiß wie Schnee / das ist der SV Werder Bremen“. In den folgenden Jahren lernte ich, dass die letzte Silbe des Namens des Landes Bremen tatsächlich eigentlich nur geschrieben existiert und ihre Aussprache quasi beliebig scheint. In diesem facettenreichen Land fand heute wieder einmal eine Bürgerschaftswahl – Landtage sind sooo Nordrhein-Westfalen – statt, an der ungefähr die Hälfte der wahlberechtigten Bürger teilnahm; die andere Hälfte ist vermutlich überwiegend diejenige, die in den kommenden vier Jahren wieder Leserbriefspalten mit dem Satz „die da ohm machen doch eh, watse woll’n“ in verschiedenen Variationen füllen wird. Dafür spricht eine aktuelle Umfrage:

TODO

„Ich gehe bewusst nicht zur Wahl, um meine Unzufriedenheit mit der Politik zu zeigen“ (jetzt haben sie es denen da oben aber mal so richtig gezeigt!) ist wahrscheinlich das Blödeste, was jemals ein Bremer in ein Mikrofon hineingesprochen hat; zudem ist es eigentlich ziemlich ärgerlich, denn wer nicht wählt, wählt Hitler oder Schlimmeres:

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stellt die SPD in Bremen den Bürgermeister – und das bleibt offenbar auch in den nächsten vier Jahren im kleinsten deutschen Bundesland so.

Von Berlin zu lernen heißt sicher auch irgendwas. In Stadtstaaten wählt man heutzutage seltsam. Die F.D.P. ist auch wieder da, was den Parteivorsitzenden zu vermuten veranlasste, die F.D.P. habe „den Nerv der Stadt getroffen“, und wer schon mal beim Zahnarzt war, der hat jetzt eine ungefähre Vorstellung davon, was Christian Lindner für wählenswert hält. Aus dem Wiedererstarken der F.D.P. zieht vor allem die AfD einen Nachteil, aus deren Dunstkreis nun vielfache Gerüchte zu hören sind, Bernd Lucke, der prominenteste verbliebene Vertreter des liberalen Parteiflügels, plane seinen Austritt oder auch nicht. Die Geschichte der Piratenpartei durchläuft die AfD im Zeitraffer.

Wir wissen, wohin das noch führen wird.

KaufbefehleMusikMusikkritik
The Hirsch Effekt: holon : agnosie / Die Devolution der Popmusik

Musik, die wir hören, Musik, die uns begeistert; je neuer sie ist, desto schlechter scheint sie zu werden. Stimmt das? Gemäß einer jüngst veröffentlichten Studie über die Entwicklung der Popmusik in der schlimmen US-amerikanischen Hitparade von 1960 bis 2010 zumindest zum Teil: Zwar scheint der New Wave endlich überwunden, aber auch der Jazz geht zurück.

Genres

Der Trend geht zur Verflachung. Der Kropf links und in den charts ist der Hip-Hop. Woher die Rettung nehmen?

The-Hirsch-Effekt-Holon-AgnosieDie Rettung kann nur in Schüben erfolgen. Auch aus Deutschland? Ach, Helene Fischer und Heino; nein, Hannover. Doch, wirklich! Das verrückte Trio The Hirsch Effekt, das hier schon häufiger Thema war, schließt in diesem Jahr mit „holon : agnosie“ („das Seiende: Erkenntnis“) seine erste Albentrilogie würdig ab. Im April 2014 kündigten die Musiker an, das dritte Album werde „eingängiger“, sie würden ja auch nicht jünger. Zum Glück haben sie ihre Drohung nur sehr kurz wahrgemacht.

Du wirst Staub / bap bap badap, bap bap badap,
wie ich auch / bap bap badap, bap bap badap
Bezoar

Es gab bei allen Ähnlichkeiten inklusive der kryptischen Liedtitel allerdings tatsächlich einige Änderungen bei The Hirsch Effekt: Philipp Wende gab kurz nach der Veröffentlichung von „holon : anamnesis“ das Schlagzeug an Moritz Schmidt ab und die Texte haben fast vergessen, dass der Ich-Erzähler 2010 noch seiner Verflossenen nachgeweint hat. Wie einst King Crimson vollziehen auch The Hirsch Effekt auf „holon : agnosie“ eine Hinwendung zur Gesellschaftskritik, exemplarisch etwa auszumachen in „Jayus“ („Statt nach links und rechts / guckt jeder nur / in seine Scheiß-Hand“, die grassesquen Zeilenumbrüche sind Teil des Konzepts). Dankbar ist man den drei Herren dann zumindest für das Textblatt, denn wo auf dem Debüt noch zu sachten Melodien geschwelgt wurde, gibt’s inzwischen das volle Brett.

Die Agnosie, gleichsam eine Erlösung, ist trotz alldem beherrschendes Thema. Genug der invertierten Trauer. Dass „Fixum“, der Abschluss des eigentlichen „Holon“-Themas, bereits seit über einem Jahr auf Konzerten zu hören war und somit wohl das älteste Lied auf dem Album ist, mag erklären, wieso es den eleganten Brückenschlag von den „alten“ zu den „neuen“ Liedern schafft:

Schau dich noch zweimal /
jetzt um und /
lass bloß nichts liegen /
wenn du gehst /
Jedes Ende /
hat seinen /
Preis

Eingängig? Ach, woher denn! Es mathrockt die Gitarre, dass man vor lauter Taktzählen vergisst, sich beim Sitztanzen nicht wehzutun. Hannover. Da kriegt man früher oder später einen Haschmich.

Die Zumutung des Jahres und schon jetzt eines der Alben desselben, aber hallo. Und das Vinyl ist auch noch hübsch. Reinhören? Reinhören!

Rockt.

In den NachrichtenNerdkrams
Abgeguc’t

1974: Das Betriebssystem Multiple Virtual Storage (MVS) für IBM-Großrechner bringt mit SMP/E eine modulare Paketverwaltung für das System mit, mit der eine Aktualisierung jeder Systemkomponente möglich ist.

1983: Das Magazin „c’t“ wird zunächst als Zeitschrift für technikbegeisterte Bastler gegründet.

1984: Der US-amerikanische Telekommunikationskonzern AT&T, Inhaber aller Rechte am Betriebssystem Unix, veröffentlicht eine frühe Version von pkgadd.

1993: Der freie Unix-Abkömmling FreeBSD erscheint in der Version 1.0, bereits einige Wochen zuvor hatte Jordan Hubbard den Grundstein für die im August 1994 begonnene „FreeBSD Ports Collection“ – eine Art quellcodebasierte Paketverwaltung – gelegt. Bereits diese erste Version lässt sich mittels einfacher Patches aktualisieren.

1994: Das im Vorjahr gegründete Debian-Projekt erhält mit dpkg erstmals eine eigene Paketverwaltung, Debian Linux springt somit auf den bereits in voller Fahrt befindlichen Zug auf.

1998: Windows 98, das erste Microsoft-Betriebssystem mit Windows Update, erscheint.

2000: Das Magazin „c’t“ hat seinen Fokus in den letzten paar Jahren vom Nerd- auf den Massenmarkt verlegt. Endnutzerthemen wie Office 2000, Freemailer und das MP3-Format zieren die Heftrücken.

2003: Microsoft stellt sein Updatesystem auf den Monatszyklus um, der „Patch Tuesday“, also ein monatlicher Dienstag, an dem Windows-Updates verteilt werden, wird eingeführt.

2010: Mit NuGet erscheint erstmals eine Windows-Paketverwaltung von Microsoft. Noch arbeitet diese nur auf Anwendungsebene. Zu den bekanntesten Paketverwaltungen für Windows gehört vier Jahre später – 2014 – neben NuGet das darauf aufsetzende chocolatey.

2015: Microsoft Windows 10 soll noch dieses Jahr erscheinen und erstmals die neue Paketverwaltung „OneGet“ an Bord haben, auch soll der monatliche „Patch-Day“ durch sofortige Sicherheitsupdates ersetzt, der Updateturnus also eigentlich auf den Stand von 1998 zurückgesetzt werden. Das Nachrichtenportal „heise online“ veröffentlicht hierzu einen Kommentar eines Redakteurs des inzwischen linuxdurchsetzten Magazins „c’t“, in dem es heißt:

Microsoft kupfert Update-Technik bei Linux ab

Nun ja; knapp daneben.


Woran erkennt man eigentlich Asylbewerber? Ganz einfach:

Diese “tragen meistens Kleidung aus zweiter Hand und sprechen nicht gut Deutsch”.

Ach so.

In den NachrichtenMontagsmusikWirtschaft
Between the Buried and Me – Astral Body

SchuhuuuuhEs ist Montag. Kaum hat man sich mühsam aus dem Bett geschält, schon prasseln die Schreckensnachrichten auf einen hernieder. Ian Anderson mag keine Hippies. Entschuldigung, das war jetzt die falsche Meldung: Die Deutsche Bahn wird bestreikt, und zwar nicht nur per Streik, sondern per „Extrem-Streik“ („SPIEGEL ONLINE“); die Züge stehen also nicht nur still, sondern äußerst still. In Teilen Norddeutschlands ist wegen des Konkurrenzkampfs auf den Nahverkehrsstrecken nur der Fernverkehr betroffen; Fernbusanbieter, die seit dem Zusammenschluss von MeinFernbus und Flixbus auch mit Vorsicht zu genießen sind, ziehen den Vorteil daraus. Ich bin so empört, ich könnte glatt SPD wählen; der es um den Arbeitnehmer ebensowenig geht wie der GDL, die schon 2014 bemerkt hat, dass es noch andere Gewerkschaften gibt, gegen die man sich nur wehren kann, indem man noch rigoroser vorgeht. Schlichtung ist was für Feiglinge.

Man könnte mit Krawallen reagieren, der Deutsche erhebt sich ja gern zum Aufstand, wenn es um Nichtigkeiten geht, während er die wirklichen Probleme des Landes durch Nichtwählen zu bekämpfen glaubt.

Man könnte auch Musik hören.

Between the Buried and Me "Astral Body" (OFFICIAL VIDEO)

Guten Tag.