ComputerIn den Nachrichten
Alles über Darknet Duck

Das Cyber-BKA cybererklärt heute anlässlich der wieder einmal aufbrandenden Diskussion darüber, ob man nicht auch als Nichtkinderficker Tor benutzen dürfen sollte, so plakativ wie blöde:

Deep Web (= Verborgenes Web): Aus gezielten Datenbankabfragen dynamisch generierte Internetseiten, durch Passwörter geschützt oder Webseiten, die eine Indexierung verhindern.

Dass Web und Internet bei den Damen und Herren von der Exekutive einigermaßen austauschbare Begriffe sind („Darknets sind Teilnetze im Deep Web”, ebd.) und die dort angegebene Größe dieser „Teilnetze” allenfalls geraten ist, möchte ich eigentlich gar nicht weiter erklären müssen; interessant ist aber die Definition:

  1. Unter „aus gezielten Datenbankabfragen dynamisch generierte Internetseiten, durch Passwörter geschützt” lässt sich mancherlei vorstellen. Die meisten Blogs, vermutlich auch sämtliche Foren und so genannte „Onlineshops” sind aus gezielten Datenbankabfragen dynamisch generierte Internetseiten, der Passwortschutz ist zumeist auch gegeben (oder habt ihr schon mal ohne Passwort was bei Amazon bestellt?). Merkwürdig, so dunkel kam es mir dort bisher gar nicht vor.
  2. Auch der zweite Teil erscheint nicht logisch: Wenn man kein Passwort davorhängt, ist man trotzdem noch Teil des „verborgenen Deep Webs”, wenn man die Indexierung verhindert, also darauf verzichtet, von Suchmaschinen erfasst zu werden? Nun besitzt zum Beispiel die Blogsoftware WordPress dafür ein einfaches Häkchen – hätte ich gewusst, wie einfach das ist, wäre ich längst nur noch in diesem „Deep Web” zu finden! Aber erst in dieser Krise wird klar, wie mächtig der Einfluss der Kinderpornoterroristen ist: Selbst angeblich renommierte Unternehmen wie Google erklären auf ihrer Website, wie man Suchmaschinen den Zutritt zu bestimmten Unterseiten strikt untersagen kann. Ich wusste schon immer, dass bei denen was faul ist.

Ob es allerdings bereits zur Anzeige bei der Terrorfahndung verpflichtet, wenn große Verlage darum bitten, nicht mehr von Google indiziert zu werden, bleibt unklar. Vielleicht sollte man das einfach mal ausprobieren.

Moss Introduces Jen To The Internet | The IT Crowd Series 3 Episode 4: The Internet

KaufbefehleMusikkritik
Musik 06/2016 – Favoriten und Analyse

Es ist ein halbes Jahr vorbei, und schon der Disziplin (eine sonst überschätzte Tugend) wegen wird es daher Zeit, einmal die ersten sechs Monate der musikalischen Neuerscheinungen – all jene also, derer ich bis Ende Juni habhaft werden konnte – Revue passieren zu lassen, wohl wissend, dass all das von vornherein von vielen Toden und mittlerweile auch der Auflösung von Beardfish überschattet wird.

In diesem für die Musik doch eher merkwürdigen Jahr gibt es auch gute Neuigkeiten: Beak> drohte es nicht mehr zu geben, aber Ende März wurde eine Neubesetzung angekündigt. Das zwischendurch erschienene Album „Couple in a Hole”, im Wesentlichen eine Skizzensammlung und deshalb hier nicht interessant, ist jedenfalls noch im alten Miteinander aufgenommen worden. Keinesfalls gesonderte Erwähnung finden hier auch die bereits anderweitig empfohlenen neuen Alben von Kula Shaker und Karokh, die allerdings weiterhin uneingeschränkt hörenswert sind.

Im Juni zweifelte Dirk Peitz auf „ZEIT ONLINE” daran, dass es eine gute Idee sei, Konzertbesucher per Beschluss davon abzuhalten, das Konzert nur durch ihre Smartphonebildschirme wahrzunehmen. Möge Dirk Peitz sich weiterhin mit seichter Popmusik herumschlagen, die ein fragwürdiges Klientel anlockt! Euch ist derweil viel Spaß mit folgenden Glanzstücken zu wünschen:

‘Musik 06/2016 – Favoriten und Analyse’ weiterlesen »

MontagsmusikNetzfundstücke
Camel – Lady Fantasy // Gigawenig!

Kaffee?Welch Gaudium, welch Montag! Was fehlt: Die Sonntage, nur die Sonntage. Die spinnen, die Menschlichen.

Anderen fehlt Einfacheres, nämlich das Einmaleins:

Vodafone bringt Dich ins Gigabit-Zeitalter

Das heißt, Vodafone bringt mir eine Internetanbindung von einem oder gar mehreren Gigabit pro Sekunde? Haha, nein:

Telefoniere und simse unbegrenzt mit unserer Allnet Flat und surf rasend schnell mit bis zu 225 Mbit/s.

„Bis zu”, weil eine Funkzelle ja blöderweise ein geteiltes Medium ist; aber wer braucht schon so genaue Zahlen? Etwas fester sind die Werte zumindest an der heimischen Netzdose:

GIGASPEED – 400 Mbit/s für Dein Zuhause

Unter einem Gigabit hab’ ich mir immer irgendwie mehr vorgestellt.

Gute Nachrichten aus den USA: Unlesbare Graffiti werden lesbar gemacht. ZOOB.

Erwähnte ich, dass Sonntage fehlen? Was bleibt: Mehr von ihnen einzufangen. Öfter mal was Altbekanntes.

Camel LIVE 2013 – Lady Fantasy – De Melkweg, Amsterdam (Andy Latimer) (Full HD Stereo)

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Kurz notiert zum Amoklauf in München

Je mehr wir wissen, desto bizarrer scheint es, was als Schnellschuss schon gestern Abend gefordert wurde, nämlich eine Verschärfung von Asyl- und ähnlichen Gesetzen. Dass auf der Festplatte des Täters gewaltverherrlichende Spiele – ich hoffe, es kommen Pokémon darin vor – gefunden wurden und der Bundesinnenminister entsprechende Vorschläge für richtig hält, ist längst Teil langweiliger Routine. Viel interessanter sind die aktuellen Erkenntnisse, nämlich, dass der Täter möglicherweise vom schiitischen zum christlichen Glauben konvertiert war und sich zuvor aus Printmedien über Amokläufe informiert hatte; woraus wir einfach einmal folgern sollten, dass Menschen, die zum christlichen Glauben konvertieren und ihre Informationen nicht wie normale Menschen aus dem Internet beziehen, grundsätzlich gefährlich sind.

Nerdkrams
Dynamische Single-Serving Sites mit OpenBSD-Bordmitteln erstellen

Unter „Single-Serving Sites” versteht man gemeinhin Websites wie IsItChristmas.com, WhatIsMyIP.org und purple.com, die als Gegenentwurf zu informationsüberladenen Webportalen meist genau eine einzige Frage beantworten. Es gibt in der Regel keine Unterseiten, keine echte Interaktivität und auch sonst sind solche Websites sehr angenehm anzusehen.

Meist ist so eine Website schlicht in statischem HTML geschrieben worden, denn serverseitige Scripts sind ebenso überflüssig wie jQuery oder andere Perversionen des Modernen. Was aber, wenn man dem Besucher etwa abhängig von seiner Browsersprache oder per Zufallsalgorithmus eine andere Ansicht präsentieren will? Natürlich könnte man auf Javascript zurückgreifen; wer das aber nicht möchte, zum Beispiel, weil er sich nicht darauf verlassen möchte, dass der Besucher Javascript aktiviert hat und einen mit dem geschriebenen Code kompatiblen Browser benutzt, dem bleibt letztlich nur die Nutzung serverseitigen Codes, etwa Perl oder PHP, übrig.

Nun gilt für Server mehr noch als für einen Laptop oder PC, dass jede zusätzlich installierte Software wegen möglicher noch unentdeckter oder unkorrigierter Fehler ein potenzielles Sicherheitsrisiko birgt, wozu auch Skriptsprachen, Webserversoftware und sogar Texteditoren zählen. Dazu kommt der Ressourcenhunger, den mancher stack mit sich bringt: Benutzt man etwa die beliebte Kombination aus dem Webserver nginx und der Sprache PHP im FastCGI-Modus (php-fcgi), ist es keine Seltenheit, dass auch im Leerlauf diverse Prozesse an den Systemressourcen knabbern.

Lässt sich eine solche Webanwendung auch programmieren, ohne den Server unnötiger Last und Gefahren auszusetzen? ‘Dynamische Single-Serving Sites mit OpenBSD-Bordmitteln erstellen’ weiterlesen »

In den NachrichtenPolitik
Sehen alle gleich aus.

Ich weiß noch nicht, was ich an dieser hierzulande nur unzureichend thematisierten gestrigen Meldung am lustigsten finde:

US-Bombenangriff tötet 85 syrische Zivilisten, nachdem sie fälschlicherweise für IS-Kämpfer gehalten worden waren. (…) Am Montag wurden 21 Menschen bei Angriffen getötet, von denen ebenfalls angenommen wird, dass sie von Flugzeugen der US-geführten Koalition durchgeführt wurden. (…) Der tragische Verlust des Lebens von Zivilisten in Syrien wird dem Pentagon, das beabsichtigt, sowohl die „Herzen und Hirne” des Volkes für sich zu gewinnen als auch den militärischen Sieg über die Terrorgruppe (hier: IS, A.d.V.) zu erringen, große Kopfschmerzen bereiten.

(Übersetzung von mir.)

Vielleicht wirkt die Pointe nur, wenn man einmal diese heutige Meldung als Kontrapunkt setzt:

Der deutsche Außenminister schloss sich in Washington den Warnungen vor allzu einfachen Antworten an. (…) Die Menschen im Irak jedenfalls hätten ein Recht darauf, aus „der Sklaverei des IS befreit zu werden”.

Glückliche Syrer: Wer tot ist, kann nicht mehr versklavt werden.


Hurra: Node.js in der JVM! Fehlt nur noch Docker für ein Sofortbingo.

ComputerIn den NachrichtenMir wird geschlechtPolitik
Liegengebliebenes vom 19. Juli 2016

Was für Leute werden in Berlin eigentlich vom Steuerzahler finanzierte Lehr- und Respektspersonen? Solche Leute:

ich kenne personen, die legen listen an mit cafès mit hollywoodschaukeln, cafès mit spreeblick ohne autos und sonnenuntergängen, cafès mit öko-zimt auf mandelmilch-lattes, cafès mit schönen trans_x_enden fotos und selbstgebackenen veganen kuchen – und cafés zum nicht-hingehen, mit rassistischen personen die dort arbeiten und rassistischen menünamen, mit genderistischen cocktailnamen und personen die dort arbeiten, mit schlechten arbeitsbedingungen, trans-diskriminierenden türpolitiken, zweigendernden genderistisch diskriminierenden toiletten, lieber gehe ich nicht mehr in cafés als

:irre:


Es wäre wirklich lächerlich, anzunehmen, dass ausgerechnet ein hochrangiger SPD-Politiker etwas mit Käuflichkeit zu tun haben könnte, sonst fiele mir zum anscheinend korrupten Sigmar Gabriel jetzt irgendwas Bissiges ein. Bekommt nicht einmal eine Supermarktfusion gebacken, will aber mit den USA TTIP verhandeln.


Warum man es tunlichst vermeiden sollte, seine Website bei einem großen Unternehmen wie WordPress oder Google statt auf einem eigenen Server zu hosten: Da wird schon mal ein 14 Jahre lang anstandslos betriebenes Kunstblog ohne ersichtlichen Grund von Googles Plattformen gelöscht.


Definiere Deutschland: Kreuzworträtsel-Kunstwerk „beschädigt”. Im Neuen Museum Nürnberg setzte eine Besucherin fehlende Lösungswörter ein.


Die großen Verlage mit einigermaßen reichweitenstarken Publikationen, darunter auch das jüngst mit einer nicht wirksamen „Paywall” ausgestattete „SPIEGEL ONLINE”, versprechen mitunter ihre baldige Pleite. Bedauerlicherweise versuchen sie auch weiterhin nicht durch Qualität ihr Fortbestehen zu sichern, sondern schreiben stattdessen so etwas:

Erst seit Anfang des Monats hat Lady Gaga einen Führerschein – und schon die erste Verkehrskontrolle hinter sich.

Hoffentlich hat der Todeskampf der Verlage bald ein Ende.

Nachtrag vom 20. Juli 2016: Hoffentlich sehr, sehr bald.

In den NachrichtenMontagsmusik
Jeremy Flower – Take // Traurige Welten

Man fühlt sich nicht immer großEs ist Montag und ich bin sehr traurig.

Ich bin sehr traurig, denn ich habe mich wieder einmal auf die unangenehme Weise daran erinnern lassen, dass es immer, immer noch ein wenig schlimmer geht; nicht nur wer mit wem, sondern auch wo, womit alle wesentlichen Fragen abgedeckt wären und das dringende Bedürfnis, für die nächste bestürzende Meldung in den Nachrichten selbst verantwortlich zu sein, um sich einfach ein bisschen abzuregen, blöderweise einfach nicht weggeht.

Ich bin sehr traurig, denn ich habe es völlig versäumt, den gestrigen Welt-Emoji-Tag angemessen zu feiern; andererseits hatte ich dazu schon im Mai alles Nötige geschrieben. Dazu passt die freitägliche Meldung, dass Google Emojis für gleichberechtigte Frauen standardisieren lässt und damit, glaubt man Facebook, Dutzende weiterer Geschlechter diskriminiert. Es kann keine Gleichberechtigung geben, so lange keine bisexuellen indianischen einbeinigen Transsexuellen ein eigenes Arzt-Emoji haben!

Ich bin sehr traurig, dass die von der CDU-geführten Regierung im Europäischen Parlament zu verantwortenden ertrunkenen Flüchtlinge – über 800 wurden vor ein paar Tagen aus dem Mittelmeer gefischt – in der Flut an Nonsensmeldungen wie der über drei tote Deutschenein, nicht auch noch Deutsche! – in Nizza völlig, hihi, untergingen. Auch andere Staaten haben es leider versäumt, ihren Teil zu einer übersichtlichen Weltlage beizutragen: Während ganz Europa noch blöde vor sich hintrauerte, putschte fast das Militär in der Türkei für mehr Frieden und Demokratie, denn so eine Militärregierung ist ja noch aus Ägypten dafür bekannt, besonders gut zur Friedenssicherung geeignet zu sein. Ihre erste Amtshandlung war das Verhängen einer Ausgangssperre. Klar: Wenn keiner mehr raus darf, kann draußen nichts mehr passieren.

Ich bin sehr traurig, aber es gibt ja Musik.

Jeremy Flower ~ Take ~ [ Chamber Rock ]

Jetzt ist es besser, glaube ich.

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Kurz notiert zum Anschlag in Nizza

Unser totalüberwachtes Nachbarland Frankreich hat wieder einmal unter Beweis gestellt, dass Vorratsdatenspeicherung, allgegenwärtige Installation von Kameras und Verhängung des Ausnahmezustands abgesehen von der Einschränkung sämtlicher relevanten Freiheitsrechte im Gegensatz zur Bombardierung Syriens gänzlich folgenlos bleiben.

ComputerIn den NachrichtenPolitik
Rechtsfreie Räume voller Hass

Was macht eigentlich das Bundesinnenministerium, dessen Errichtung eines rechtsfreien Raums durch die Freilassung eines „Staatstrojaners” vor inzwischen 1.741 Tagen vom Chaos Computer Club publiziert worden war?

Nun, es bekämpft natürlich auch weiterhin „das Böse”, behauptet es auf Twitter:

Rechtsfreier Raum

In der Theorie klingt das möglicherweise ganz nett, in der Praxis aber geht es eben nicht um die Bekämpfung rechtsfreier Räume – dafür fehlt dem Malwareministerium auch die nötige Rechtschaffenheit – und schon gar nicht um die Bekämpfung von „Hassrede”, was auch immer das genau sein soll, sondern explizit um die Rechten, wie Razzien belegen. Das Ziel dahinter: Weglöschen von allem, was nach „Hass” aussieht, was bedauerlicherweise Geschmackssache zu sein scheint, von Medien, über die ein deutsches Ministerium gar keine Entscheidungsgewalt hat. „Warum soll ein US-amerikanisches Unternehmen Dinge zum Beispiel löschen, die dort gar nicht strafbar sind? Am deutschen Gefühlswesen soll die Welt genesen? Ihr spinnt doch!”

Zur gleichen Zeit wie das Bundesinnenministerium rief auch die Amadeu-Antonio-Stiftung („Amadeu Antonio Stiftung”), zu deren namhaften Mitgliedern auch die bekannte Hassrednerin Julia Schramm zählt, dazu auf, man möge als anständiger Bürger doch etwas gegen „Hetze” unternehmen, vermied es dabei jedoch, bekanntzugeben, auf welche Weise man Julia Schramm wohl zur Ruhe bringen könnte; jedenfalls: die Twitterer beim BMI waren spontan so begeistert, dass sie die Broschüre öffentlich bewarben und sich gleichzeitig von Julia Schramm distanzierten, will heißen: wenn eine Hassrednerin Tipps gegen Hass gibt, dann disqualifiziert sie das noch nicht als „Expertin”, was bedauerlicherweise auch manches aussagt.

Um Zweifel an dem Selbstverständnis der Amadeu-Antonio-Stiftung („Amadeu Antonio Stiftung”) nachdrücklich auszuräumen, hat die Vorsitzende besagter Stiftung, im taktischen Vorteil durch jahrelange Erfahrung als Stasispitzel, dieser Tage unmissverständlich verdeutlicht, dass es ein Unding sei, wenn sie, der – wie bekannt – frühere Stasispitzel, als früherer Stasispitzel bezeichnet werde.

Die Stiftung verlangt, den Beitrag aus der Mediathek zu löschen.

So gehört sich das in einem funktionierenden Staat: Steuerfinanzierte Fernsehsender werden von Leuten, die sich von Satire, die lediglich erkennbar die persönliche Lebensleistung dieser Leute würdigt, beleidigt fühlen, um die Entfernung dieser Satire gebeten, auf dass die reine Lehre nicht geschmälert werde. Die Amadeu-Antonio-Stiftung („Amadeu Antonio Stiftung”) ermutige Initiativen vor Ort, sich für demokratische Kultur stark zu machen, tönt die Website dieser Stiftung, und vielleicht kam mir gerade ein bisschen Kotze hoch.

In der Türkei schafft man es so bis ganz nach oben.


Apropos mediale Inkompetenz: „SPIEGEL ONLINE” – wer sonst? – hat seit kurzem eine eher schlecht funktionierende Paywall. Sie funktioniert so schlecht, dass ihr, statt zu zahlen, einfach mit ein bisschen Javascript die „Verschleierung” aufheben könnt. Qualität gibt’s eben nicht umsonst.

In den NachrichtenMusik
Warum Keith Jarrett zu bejubeln ist

Gestern schrieb Clemens Setz auf „ZEIT ONLINE” über ein Konzert des unbestritten erstklassigen Jazzpianisten Keith Jarrett ungefähr dies:

Ich war aufgeregt. Ich hatte ihn nie zuvor live erlebt. Der Held meiner Jugend, noch aus jener Zeit, als ich dachte, ich könnte vielleicht selbst ein großer Jazzpianist werden. (…) Als Nächstes kam Keith Jarrett. Er sah nicht sehr glücklich aus. Er trat ans Mikrofon und sagte: „Ich spiele nicht eine einzige Note auf diesem Klavier, bis die zwei Personen, die Fotos gemacht haben, das Gebäude verlassen haben!“ (…) Jarrett setzte, mit einer Hand Schweigen gebietend, noch eins drauf. Er habe durch unsere Unverschämtheit den Kontakt mit der Musik verloren. (…) Der Künstler entzieht uns rückwirkend seine Seele! Was wir gehört haben, war nicht wirklich er. Und falls es uns gefallen hat, zeigt das nur, wie dumm wir sind. Herrje.

„Herrje”, was hat dieser Künstlerarsch doch eine völlig falsche Vorstellung von Musik! Es steckt kein Herzblut im Gehörten? Das ist egal, es ist beliebig. Der Mann kann uns doch nicht das Atmen verbieten und das fast genau so wichtige Belästigen des interessierten Publikums mit Lichtblitzen erst recht nicht, denn völlig ungeachtet der Frage, ob die Gefühlsreise geneigter Anwesender, auf die sie mit guter Musik aufzubrechen vermögen, nicht von blödem Geknipse von Banausen unsanft beendet werden könnte und man sich das vielleicht mal früher überlegen sollte, darf man nicht aus den Augen verlieren, worum es wirklich geht, wenn man ein Konzert besucht, nämlich um einen weiteren Etappensieg im ewig währenden Wettkampf um Däumchen und Sternchen. Jemand macht was, egal was: Like. Warum den Abend genießen, wenn man ihn auch hinterher auf einem Bildschirm angucken kann? Die heutige Videotechnik lässt verblüffend echtes feeling aufkommen, als wäre man bei dem aufgenommenen Konzert selbst dabei gewesen.

Krass.

Clemens Setz schrieb weiterhin:

Er schien uns zu sagen: Ihr beklatscht ohnehin alles, also was soll’s, hier ist ein Blues. Zynische Musik. Bittere Imitationen seiner selbst, virtuos hingeknallt für ein dummes Publikum, das nicht still und unsichtbar sein kann. (…) Ich stellte mir vor, wie der Künstler vor dem Konzert ins Mikrofon sagt: (…) „Und schauen Sie nicht dauernd auf die Armbanduhr. Was hat Technologie hier neben mir und meiner Kunst zu suchen?“

Wenn ich noch dringend irgendwo hin muss oder einfach nur den Moment herbeisehne, dass der Mist vorn auf der Bühne endlich endet, dann ist es nicht die Aufgabe des Künstlers, seine Arbeit so schnell wie möglich hinter sich zu bringen, denn er hat den ungeduldigen Konzertbesucher nicht darum gebeten, an einem Ort zu sein, an dem er gar nicht sein will. Wäre ich selbst Musiker, ich würde mich gleichfalls erheblich an Menschen stören, die trotz freiwilligen Beiwohnens offensichtlich nicht gewillt sind, mir zuzuhören. Ich gehe ja auch nicht in eine Metzgerei, wenn ich Lust auf Salat habe, und lasse die ausbleibende dortige Befriedigung dieser Lust schon gar nicht am anwesenden Metzgerspersonal aus.

Da ich dies gerade schreibe, fällt mir auf, wem ich sicherlich nicht hätte zuhören sollen: Clemens Setz nämlich. Allerdings tu’ ich ihm nicht den Gefallen und beschwere mich bei ihm darüber, dass ich meine Zeit damit verschwendet habe, seinen Banausenquatsch zu lesen, denn das war meine eigene und vor allem freie Entscheidung. Ich höre lieber ein wenig Jazz. Das entspannt.

Und ich brauche nicht mal ein Foto vom Klavier dafür.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
The Hirsch Effekt – Bezoar // Töten voller Ethik

Schlafen, schlafen wär' mal wasEs ist Montag und die Laune ist dermaßen gehoben, dass man es tatsächlich ein bisschen bedauert, so ein anständiger Mensch geworden zu sein und überdies in einem Land zu leben, das es gar nicht gern sähe, würde man seiner Wut allzu nachhaltigen Ausdruck verleihen. Wahrscheinlich ist das auch nicht fair und wahrscheinlich hat man das alles so was von verdient, aber der Mensch, der Mensch an sich scheitert immer schöner.

Die Ermordung von Polizisten zu verurteilen sei andererseits rassistisch, erklärt dieser Diskussionsstrang auf „Indymedia”, so leicht wie angenommen ist es also nicht, Mord blöd zu finden und trotzdem moralisch auf der richtigen Seite zu stehen. Auf „SPIEGEL ONLINE” fragt konsequent Heike Le Ker – sieht gar nicht so aus – ohne Anflug von Sarkasmus: „Die Polizei in Dallas hat Micah Johnson mit einem Roboter getötet. Hat sie damit eine ethische Grenze überschritten?” – normales Töten ist bekanntlich super, so lange es in ehrlicher Handarbeit geschieht, aber ethisch fragwürdig wird’s bei SPON erst, wenn diese vermaledeite Technik ins Spiel kommt.

Technik – ein gutes Stichwort: Derzeit ist der neue Ingress-Abklatsch „Pokémon Go” das erfolgreichste Spiel für „mobile Geräte”. Dabei profitieren die Macher wohl vor allem auch davon, dass Smartphones immer noch vorwiegend Dumbuser haben, denen Datenschutzhinweise grundsätzlich zu viel Text beinhalten, um gelesen zu werden:

Beispielsweise könnten wir Webbeacons nutzen, Cookies zu platzieren oder mit ihnen zu kommunizieren, um (…) die Wirksamkeit unserer Werbung zu überwachen.

Taubsis im Vorgarten sind eben nicht billig.

Ich bin so desillusioniert, ich hab’ sogar Musik dabei.

The Hirsch Effekt – Bezoar

Guten Morgen?

In den NachrichtenPiratenpartei
Nicht links, nicht rechts, sondern stolz auf einen Zufall

Am kommenden Wochenende findet in München der alljährliche „Christopher Street Day”, eine merkwürdige Übersetzung der anglophonen „Gay-Pride”-Veranstaltungen, statt, anlässlich dessen homo-, bi- und transsexuelle Menschen die Straßen säumen und sich darüber freuen, nicht heterosexuell zu sein, jubelnd begleitet von Teilen der linken Szene, denn selbstverständlich sind Stolz auf das Heimatland, Stolz auf die Hautfarbe und Stolz auf das Geschlecht völlig deplatziert, denn auf etwas, was man nicht selbst erreicht hat, stolz zu sein ist mindestens dämlich, aber gay pride ist natürlich etwas völlig anderes, denn bekanntlich ist die sexuelle Orientierung immer eine bewusste Entscheidung, auf die man zu Recht stolz sein kann.

Dabei kommt das zweitägige Spektakel zu einer Zeit, in der es eigentlich nicht viel zu feiern gibt: Jakob Augstein („SPIEGEL ONLINE”) verwechselt Populismus – wer nicht Populist ist, kann kein erfolgreicher Politiker sein – mit Demagogie und ganz Twitter einschließlich Anhängern der rechtspopulistischen SPD stimmt unbelesen zu. Der „Brexit” ist insbesondere an der Börse überwunden und gerät allmählich wieder in Vergessenheit, die Empörungsspanne des durchschnittlichen Bürgers beträgt nur wenige Tage und Schlandball ist trotz großem Getöse, dass man doch als klarer Sieger verloren habe, auch vorbei, das geht eben gerade vor. In den USA finden immer noch ständig Schießereien statt, wie gewohnt macht jedoch niemand, der eine politische Entscheidung treffen könnte, das Recht auf Waffenbesitz dafür verantwortlich, denn die Waffenhersteller zahlen gut, sondern den Rassismus, denn Rassisten zahlen nicht ganz so gut. In Deutschland ist derweil die Beweislastumkehr für Vergewaltigung zum Gesetz gemacht, der Bundesnachrichtendienst ermächtigt und die Nato noch etwas aggressiver geworden.

Das wären ja prima Voraussetzungen für die Piratenpartei, ihre eigentliche Wichtigkeit mal wieder ins Gespräch zu bringen. Und tatsächlich gibt es von der bayrischen Piratenpartei schon heute ein öffentlich sichtbares Bekenntnis zu den staatenübergreifenden Grundwerten, die die Piratenpartei stets zusammengehalten hat und die in diesen Tagen so wichtig geworden sind wie seit langem nicht mehr:

Sexuelle Vielfalt und Fußball.

Münchner Allianz Arena strahlt zum #CSD ab 21:30.

Das ist ja auch mal ganz schön.

NerdkramsPersönliches
Smartphoneblues

Seit ich im Jahr 2010 zufällig Androidnutzer wurde (ich berichtete), habe ich nur wenige Gedanken daran verschwendet, ob ich den eingeschlagenen Weg jemals verlassen würde. Klar, die Smartphones sind seitdem größer geworden, ihre CPUs und GPUs stärker und ihre Preise unverschämter, aber sonst ist doch alles fast wie früher.

Allein: Der derzeitige Smartphonemarkt ist geprägt von der Angst, interessant zu sein, fürchte ich.

‘Smartphoneblues’ weiterlesen »

In den NachrichtenSonstiges
Urheberrecht des Tages

Eure Rundfunkgebühren, mittlerweile wohl „Haushaltsabgaben” genannt, deren Bezahlung uns allen einen Zugang zu den grandiosen Erzeugnissen deutscher Film- und Fernsehkunst, zum Beispiel, äh, Fußball im Fernsehen, gewährt, die in der so genannten „Mediathek” für eine begrenzte Zeit abrufbar sind, weil so ein Server ja auch mal schlafen muss, bezahlen offensichtlich keine Kunst:

Prödel hat in dem zwölf Sekunden langem Video alle Elfmeter-Schüsse des deutschen Teams beim Viertelfinale gegen Italien übereinandergelegt. Bei Twitter und Facebook hat es inzwischen die Runde gemacht[.] (…) Auf Youtube, wohin Prödel sein Elfer-Video ebenfalls hochgeladen hat, ist statt des Filmchens mit den Schüssen der siegreichen deutschen Mannschaft nur noch der Text „Dieses Video enthält Inhalte von UEFA. Dieser Partner hat das Video aus urheberrechtlichen Gründen gesperrt“ zu lesen. Wo kämen wir auch dahin, wenn die kostbaren Medienrechte an der Euro 2016 von jedermann umgangen werden? (…) Am Nachmittag dann war Prödels komplette Twitter-Seite verschwunden.

Wäre ich Fußballer, würde ich jetzt, da ich sozusagen zum Urheber ernannt wurde, folgerichtig die UEFA nach meinem Anteil an den Einnahmen fragen, wie das eben so üblich ist.