NetzfundstückePolitik
Leben Rechte gesünder?

Angenommen, die Unternehmen hinter den Marken McDonald’s, Coca-Cola, Pepsi, fritz-kola und Vita Cola möchten mit ihrer öffentlichen Distanzierung erreichen, dass Linke bei aller Kritik an den teilweise fragwürdigen Geschäftsmethoden wieder ihre besten Kunden werden (was teilweise zu fruchten scheint): Was sagt das eigentlich über den Zusammenhang zwischen „Antifaschismus” einer- und Diabetes, Karies und Fettleibigkeit andererseits aus?

In den NachrichtenPolitik
Annahmen zum Linkssein (9): Jede Niederlage ist ein Grund zum Feiern.

Von einer lächerlichen Nebensache wie dem Umstand, dass der 8. Mai 1945 nicht etwa den Sieg der liberalen Demokratie über irgendetwas beinhaltete, sondern an diesem Tag vielmehr die Regierung des von Kriegsgegnern erst in einen unästhetischen Zustand versetzten, dann abschnittsweise in deren eigene Ländereien überführten deutschen Reiches infolge eines verlorenen Krieges abgesetzt wurde, lassen sich Linke doch nicht vom Feiern abhalten:

Der 8. Mai 2020 soll in Berlin ein Feiertag werden. An diesem Tag jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 75. Mal.

Hurra, wir haben verloren.

Und als sei das noch nicht absurd genug, wird neben der Kapitulation des Militärs auch die des Verstandes als behaltenswerte Tugend betrachtet:

Generell zum gesetzlichen Feiertag soll in Berlin der Frauentag am 8. März werden. Darauf hatte sich rot-rot-grün kürzlich geeinigt.

„Juhu, Frauen!” gehört nun nicht unbedingt zu den überzeugendsten Anlässen für einen dauerhaft arbeitsfreien Tag. Das muss diese Gleichberechtigung in der Stadt mit dem Exzellenzcluster sein. – Gemessen an ihrer Wirtschaftsleistung sollten Berliner vielleicht weniger freie Tage bekommen, aber Arbeit ist auch nicht links.

Dit is Balin.

Netzfundstücke
Liegengebliebenes vom 10. Dezember 2018: Liebe, Sex und Polizeigewalt

Neues aus Mainz:

Am frühen Sonntagmorgen um kurz vor 06:00 Uhr wurde die Polizeiautobahnstation Heidesheim über einen Mann informiert, welcher kurz zuvor nackt und onanierend mit seinem BMW die A 61 befahren und einen Niederländer belästigt hatte.


Neues aus Irland:

Eine Irin, die den Geist eines 300 Jahre alten Piraten geheiratet hat, behauptet, das Paar habe sich getrennt. (…) Die Trennung ist ein weiterer Tiefschlag für Jack, nachdem er angeblich im 18. Jahrhundert für Diebstahl auf hoher See mit dem Tod bestraft wurde.


Neues aus Frankreich: Im Umgang mit den „Gelbwesten” stehen jetzt gewalttätige Polizisten auf der Seite der medial Guten. Das muss diese wehrhafte Demokratie sein.

In den NachrichtenMontagsmusikPiratenpartei
Julia Holter – Feel You // Politprofis, Journalistenprofis

*schweift in die Ferne*

Es ist Montag. Danke, Merkel. Die Woche beginnt so farblos wie die vorherige endete. Ich weigere mich aber, „wenigstens schneit es nicht” zu schreiben, denn wahrscheinlich fängt es sonst umgehend damit an. Der Überdruss setzt Zeichen am liebsten mit dem Brandeisen.

Apropos Zeichen: Am vergangenen Wochenende wurde eine Prothese die neue Vorsitzende einer altersschwachen politischen Partei, was anscheinend ein relevantes Ereignis ist. Die mediale Begleitung, die zwischen „Vorsitz einer Partei” und „künftiges Kanzleramt” überwiegend keinen Unterschied mehr aufzeigen wollte (wie praktisch, dann sparen wir uns weitere Wahlen doch einfach!), hatte ihre Munition im Vorfeld aber schon so nachhaltig verschossen, dass sie sich während der Kandidatenvorstellung darauf beschränkte, Dauer und Lautstärke des jeweils entstandenen Beklatschens zu messen und stolz mitzuteilen. Wie genau wird man eigentlich noch mal professioneller Journalist?

Auch nicht besonders professionell: In Bordeaux plünderten vorgestern Bekloppte („Gelbwesten”) einen Appleladen, um gegen die Regierung Macron zu opponieren. Das hat er jetzt davon. Nachdem sehr lange Unklarheit herrschte, ob man die durch Frankreich ziehenden Banden aus der Unterschicht hierzulande gut oder nicht so gut finden sollte, hat sich wenigstens das inzwischen aufgelöst: Der Iwan war’s, damit ist alles ausreichend eingeordnet. Verdammter Putin immer.

Die Piratenpartei Baden-Württemberg bittet um Unterstüzung (sic) bei der Verteidigung von Lehrern und Lehrenden, womit sich das Thema Bildung dort endgültig erledigt zu haben scheint. Dass nördlich davon, in Hessen, am Wochenende ein Landesvorstand gewählt wurde, dessen Mitglieder den Protest gegen demokratische Veranstaltungen mit furchtbarer Musik abfeiern, tut sein Übriges zu der Feststellung, dass man bei manchen ehemaligen Vernunftparteien besser kein Kreuzlein mehr machen sollte.

Ich wähle sowieso am liebsten Musik, aber gute.

Julia Holter – Feel You (Official Video)

Guten Morgen.

In den NachrichtenWirtschaft
Die Hoffnung im Bahnstreik

Im Februar 2018 schrieb man auf „ZEIT ONLINE”, bebildert mit einem freundlich wirkenden Roboter, „Millionen Jobs” (anscheinend Arbeitsplätze eingeschlossen) seien durch die Digitalisierung gefährdet. Angesichts des Umstandes, dass morgen viele Lokführer (diesmal unter Protest seitens der Gewerkschaft der Lokführer) sich zu arbeiten weigern, als wären sie andernfalls gezwungen, als Lokführer zu arbeiten, möchte ich nochmals anregen, bei der Digitalisierung verstärkt darauf zu achten, zuerst jene Arbeitsplätze mit Robotern zu besetzen, die für die Aufrechterhaltung von Infrastruktur notwendig sind, denn Roboter streiken nicht und haben gegenüber Menschen in automatisierbaren Dienstleistungen – wozu Lokfahren zweifelsohne gehört – keinerlei Nachteil.

Ich freue mich auf die Zukunft.

Nerdkrams
Öde Events: Es droht der #35c3.

Nur noch wenige Wochen bis zum nächsten Gewaltexzess in Leipzig: Auch in diesem Jahr findet wieder ein „Chaos Communication Congress” statt, traditionell ein Treffen allerlei bunter Figuren; selbst Demonstranten, die wünschten, „Merkel” solle „weg”, tragen noch Jahre später stolz Shirts vom „Congress”. Man wird sehen, ob „Ahkahkah” (medial dümmlicher Spitzname für Annegret Kramp-Karrenbauer) von denselben Menschen hinsichtlich ihres Wegmüssens aufgeklärt werden wird. Ich würde mir ja wünschen, dass auch der eher linksgerichtete Block auf solchen Demonstrationen mal mit „Congress”-Klamotten statt im identitären Einheitsschwarz aufläuft. Das wäre witzig, wenn die dann einander vermöbeln.

Sie haben ja auch nichts gelernt, sie haben noch immer wenig Interesse daran, Menschen, die den Unterschied zwischen „Linux installieren” und „Hacker sein” verstehen, einen Mehrwert zu bieten, der über ein paar mäßig interessante Videos, die man später zu Hause durchskippen kann und danach entweder genervt oder gelangweilt ist, hinausgeht. In der Liste der „Events”Vorträge wäre wohl ein furchtbar trockenes Wort dafür, dass auf der Bühne ein Ödling mit einem MacBook steht und mit einem schrecklichen Akzent, denn die Vereinsmeier mögen lieber gebrochen englisches Genuschel als überzeugend vorgetragene Beiträge in einer flüssig gesprochenen Sprache, PDFs vorliest – stehen ohnehin wieder einmal ein paar Beispiele für schlechten Geschmack und vor allem geistige Distanz von der Hackerethik. Es sollte mich kaum wundern, bliebe der Saal, in dem diese erklärt wird, weitgehend leer.

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In den NachrichtenNerdkramsPolitik
Wie „1984”, aber zeitgemäß.

Gute Nachricht: EU-„Digitalkommissar” – drah di net um – Andrus Ansip setzt sich dafür ein, künftig noch aufmerksamer als bisher darauf zu achten, dass bei Smartphones kein Geheimdienst drin ist; jedenfalls kein chinesischer:

Europa sollte sich (…) wegen des Geschäftsgebarens von Huawei und anderer chinesischer Firmen Sorgen machen. Sie müssten mit den staatlichen Geheimdiensten ihres Landes zusammenarbeiten, meinte Ansip am Freitag in Brüssel. Von den Firmen konzipierte Chips könnten dann genutzt werden, „um unsere Geheimnisse zu bekommen”.

Diese verdammten Chinesen. Die sollten sich mal ein Vorbild an der westlichen Welt nehmen. Die macht so was nicht – jedenfalls nicht mit dem chinesischen Geheimdienst. :ja:


Schlechte Nachricht: Aus dem Süden droht Gefahr.

IT-Firmen müssen in Zukunft Polizei und Behörden unterstützen – und zwar beim Zugriff auf die elektronische Kommunikation von Verdächtigen.

Aber keine Sorge, so schlimm ist es gar nicht:

Die Regierung verteidigte ihr Gesetz und betonte, es handle sich lediglich um eine zeitgemäße Form der früheren Telefonüberwachung.

Wie man zweifelsfrei erkennen kann, ist das also gar keine neue Repression, sondern lediglich ein Update. Bis jetzt hat sich ja auch niemand beschwert!

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: CLANN – Seelie

Clann - Seelie

Lange nichts mehr über Musik geschrieben.

Die heutige Bereicherung ist ausnahmsweise mal wieder nicht 2018, sondern bereits 2017 erschienen und zählt damit zu jenen Studioalben, die ich letztes Jahr zu meinem Bedauern völlig übersehen hatte. In der musikalisch bereichernden Stadt Montreal hat sich Violinist Sebastian McKinnon unter dem Projektnamen CLANN, was angeblich „Familie” heißt, mit einigen Mitmusikern, darunter Sängerin Charlotte Oleena, mit der er schon zuvor Musik aufgenommen und veröffentlicht hatte, zusammengetan, um Filmmusik zu machen.

„Filmmusik” ist dabei nicht mal abschätzig gemeint, denn „Seelie”, das Album, um das es hier geht (Bandcamp.com), ist ein Teil des Multimediaprojekts „KIN Fables”, zu dem Kurzfilme ebenso gehören wie ein illustrierter Roman, ein Langfilm soll das Projekt irgendwann vervollständigen. Dass „Seelie”, vermutlich nicht wie ein Kosename für eine Seele ausgesprochen, schon mal klingt wie der soundtrack zu einem solchen Film, ist positiv zu begreifen.

CLANN – The Faerie Court (Under Sun)

Obwohl „Seelie” sich nicht gerade als besonders fröhliches Werk erweist, komme ich nicht umhin, eine morbide Schönheit festzustellen. Manchmal gibt es diese Momente, in denen Lärm nicht hilft, sondern Klavier und Violine. Für diese Momente ist dieses Album kaum die schlechteste Wahl. Dass es nicht als Vinyl-LP zu haben ist, ist da beinahe auch egal.

So sollte es eigentlich öfter sein.

(Danke, Herr Könich!)

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz angemerkt zur Welthandelssituation

An der zumindest ungewöhnlichen Nachricht, dass auf Geheiß desjenigen Staatenbundes, in dem auch mal Lehrer entlassen werden, weil sie sich weigern, Erstklässlern Wesen wie den Weihnachtsmann und die Zahnfee als real existierende Gestalten und nicht als alberne Lügengeschichten zu lehren, was dem unfairen Klischee vom dummen US-Amerikaner nun nicht unbedingt endgültig den Garaus zu machen vermag, der Finanzvorstand eines chinesischen Mobilfunkunternehmens, das es (angeblich) wagt, mit Bewohnern des Irans Handel zu treiben, obwohl doch besagter Staatenbund – nicht identisch oder teilidentisch mit China – ein Embargo gegen den Iran verhängt hat, damit es wenigstens für Normalgebildete so aussieht, dass der Iran der größere Arschlochstaat ist, weil er ebenfalls an Atomenergie herumforscht, was aber bekanntlich nur die Guten, die man vor fünfzig Jahren noch daran erkannt hat, nicht der Iwan zu sein, dürfen sollen, im Südwesten Kanadas festgenommen wurde, auf dass sich diese frechen Chinesen, wenn sie schon gute Argumente für niedrige Zölle (nämlich preiswerte Fertigungsstrecken) anzubieten haben, gefälligst künftig an die Handelsvorgaben der wirtschaftlichen Konkurrenz halten mögen, überrascht jedenfalls mich noch am meisten, dass der Russe mit keiner Silbe erwähnt wurde; obwohl der doch ebenfalls chinesische Smartphones verkauft und da bestimmt vorher auch nicht um Erlaubnis fragt.

Mir wird geschlechtNetzfundstücke
Tittr

In einem wirtschaftlich dummen Moment hat Tumblr, eine bekannte Plattform für Pferdchenpornos, beschlossen, Erwachseneninhalte demnächst auszusperren. Dass das ein weiterer guter Anlass sein sollte, über’s Selbsthosten nachzudenken, bedarf keiner weiteren Erläuterung.

Was soll verboten werden?

Verbannte Inhalte beinhalten Fotos, Videos und GIFs von menschlichen Genitalien, weibliche Brustwarzen und jegliche Medien, die mit Geschlechtsverkehr zu tun haben, einschließlich grafischer Darstellungen.

Das klingt doch sehr rigoros – gibt es keine Ausnahmen? Doch, natürlich:

Unter den Ausnahmen sind klassische Statuen und politische Proteste, die Nacktheit in den Vordergrund stellen.

Wenn sich eine Frau mit entblößten Brustwarzen heute als Mann fühlt und Tumblr den Beitrag sperrt, dann wird es in den geschlechtlich erhitzten Vereinigten Staaten sicherlich einen erfreulichen Rabatz geben. Genehmigt wäre auf Tumblr also eine grafische Darstellung genderfluider Nackter, die vor dem Tumblr-Hauptquartier gegen politisch motivierte Prüderie demonstrieren. Das wird schön.

Den eigenen Blogbeitrag über die Änderungen hat Tumblr übrigens als anstößig gekennzeichnet. :evil:

In den NachrichtenMontagsmusik
Kshettra – Walk Under the Moon

Es wird kalt. - Ich weiß. - Ich seh's.

Es ist Montag. Uargh! Da ist zu wenig Kaffee in meinem Kaffee und gestern war zu wenig Sonntag in meinem Sonntag. Ich kann so nicht arbeiten. Forscher, die das hingegen ganz gut können, haben herausgefunden, dass eine Blockchain bislang genau kein Prozent irgendwelcher Probleme lösen könnte. Das hätte niemand ahnen können.

Schon irritiert? Auf „ZEIT ONLINE” wird hierzu zumindest angedeutet, dass man irritierende Meinungen ja auch einfach verbieten könnte. Mich zum Beispiel irritiert Sozialdemokratie. Ich bin eindeutig dafür, so zu verfahren. In Konkurrenzzeitungen steht die geistige Sonne aber auch nicht höher: Für die „taz” darf ein Typ mit Ohrringen fordern, dass Männer für ihre Mitmänner haften. Ich finde das erstaunlich, weil mein in kleinem Kreis geäußerter Vorschlag, dass Flüchtlinge für ihre Mitflüchtlinge haften sollten, nicht übermäßig gut ankam. Vielleicht hätte ich mir ein linkes Publikum suchen sollen.

Apropos Journalismus: Ein Redakteur vom WDR („WDR Redakteur”, der Russe hat ihm wohl die Bindestriche geklaut) findet es respektlos, wenn man irgendwo etwas zu essen angeboten bekommt, wo es auch andere Speisen gibt, die man aber nicht mag. Ich finde es auch respektlos, wenn ich irgendwo essen gehe und dann steht da Altbier auf der Speisekarte. Darüber berichtet der WDR aber nie. Frechheit.

Ein kurzer Blick in die EDV: Alle 7,8 Mikrosekunden bleibt der Arbeitsspeicher stehen. Ein bisschen wie manche Frau beim Einkaufen, mag jetzt ein Teil meiner Leser denken. Das ist aber selbstverständlich kein angebrachter Scherz, meine Herren!

Auf jeden Fall angebracht ist aber Musik.

Kshettra – Walk Under the Moon

Guten Morgen.

In den NachrichtenWirtschaft
Gebt uns Geld, halleluja!

Es ist schon Anfang Dezember und ich wurde noch nicht ausreichend von Wegelagerern meiner Freizeit beraubt. Da aber jeder weiß, dass diejenigen, die nicht ohnehin schon an jedem Wohltätigkeitsding teilnehmen, besonders in der hektischen, kalten, schrillen Vorweihnachtszeit zwischen Organisation und lächerlich teurem Einkauf von Tand und Tinnef für die allenfalls gelogen ertragene Verwandt- und Bekanntschaft dazu bereit sind, dem Werben von Bettlern nachzugeben, begeben sich die Teilzeitpäderasten endlich in Gefechtsposition:

Das katholische Hilfswerk „Adveniat“ eröffnete seine Kampagne mit einem Gottesdienst in Wiesbaden. (…) Das Motto lautet „Chancen geben – Jugend will Verantwortung“.

Man muss es ja auch verstehen: Bei lächerlich niedrigen staatlichen Zuwendungen in zweistelliger Milliardenhöhe, die überwiegend für die Entschädigung von Kirchenopfern benötigt werden, kann niemand erwarten, dass davon auch noch die Last des Brotverschenkens getragen wird. Jugend will Verantwortung, das muss man doch verstehen.

Nicht auszudenken, wie viel Geld für die Entwicklungshilfe erst frei würde, entstaatlichte man endlich die Kirchen. Wer sie noch immer mit seinen Steuern fördert, der trägt eine Mitschuld. Der beste Tag für einen Kirchenaustritt war schon immer der gestrige.

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Alter!

Angenommen, in einer ansonsten völlig belanglosen Stadt – zum Beispiel Hannover – passiert etwas, was nicht unbedingt alltäglich ist; dass nämlich zwei Menschen so arg miteinander in Streit geraten, dass einer von ihnen Stichverletzungen davonträgt, wie auch immer das zusammenhängt. Berichtete ein Boulevardmedium darüber, interessierte es vermutlich vor allem die Nationalität und vielleicht noch das Geschlecht von Täter und Opfer. Die Angabe des Alters ist allerdings vorausgesetzt, denn man möchte ja nicht über das Geschehen, sondern über die Personen informiert werden. Das unterscheidet Journalismus von „Journalismus”.

Und die Polizei? Nun ja:

Ein 48 Jahre alter Mann ist am Freitag, 30.11.2018, im hannoverschen Hauptbahnhof mit einem 53-Jährigen aus bislang unbekannter Ursache in Streit geraten und hat dabei Stichverletzungen erlitten. Der 53-jährige Angreifer ist nach kurzer Flucht noch auf dem Ernst-August-Platz festgenommen worden. (…) Im weiteren Verlauf fügte der 53-Jährige dem 48-Jährigen Stichverletzungen im Bereich des Oberkörpers zu.

Je mehr Zahlen je weniger Wert haben, desto lieber lesen Menschen den sie umschließenden Text. Ob das Verlagssterben wohl auch die Polizei erreicht?

Sonstiges
Medienkritik CXIII: Sex-Hacks mit acht perfekten Augenbrauen

Oh, was haben wir denn hier? Eine „JOY”! Das wird doch wieder peinlich.

JOY Dezember 2018

Ich empfehle das Gesamtbild – mit Text – einfach mal auf sich wirken zu lassen. Wenn das noch nicht reicht, um gewaltige Kopfschmerzen zu bekommen: Auf der Ankündigung der „7 Abenteuer” klebt außerdem eine Broschüre namens „Let’s get cosy!” („Lasst uns wohnlich werden!”), in denen dem konsequent dümmlich-juvenil geduzten Leser „33 Deko-DIYs” vorgeschlagen werden, darunter eine „putzige Plätzchen-Dose”.

Let's get cosy!

Andererseits: Was möchte man auch von einem Magazin erwarten, dessen Aufmachung bis hin zur grotesken Preisauszeichnung (NUR EIN EURO! (und 99 Cent)) bereits wie ein einziger Hilfeschrei wirkt?

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