In den NachrichtenPolitik
„Stasi 2.0“ (Alternativfassung)

Oder eben auch so:

Ein gemeinsames Abhörzentrum soll die Sicherheitsbehörden in Ostdeutschland effizienter machen. (…) Es gehe nicht darum, den „rechtstreuen Bürger auszuschnüffeln“, versucht Sachsens Innenminister Ulbig zu beruhigen. (…) Das Abhörzentrum – offiziell Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) Gemeinsames Kompetenz- und Dienstleistungszentrum (GKDZ) genannt – soll Ende 2019 in Leipzig in Betrieb gehen. Darin soll die polizeiliche Kommunikationsüberwachung der fünf Länder gebündelt werden.

Niemand hat die Absicht, den Begriff der Rechtstreue besonders weit auszulegen.

Was HeidelbergCement wohl gerade macht?

NerdkramsWirtschaft
Die Strafe der Spielgeldmillionäre

Eine der wenigen unbeschränkt gültigen Börsenweisheiten lautet ungefähr so: Investiere niemals Geld, das du nicht verlieren möchtest. Das gilt vor allem dann, wenn das Ziel der Investition keinen greifbaren Gegenwert besitzt.

Bezogen auf den greifbaren Gegenwert dessen, was versierte Schwafler als „Fiatgeld“ bezeichnen und was gewöhnlichen Menschen schlicht als Geld bekannt ist, besteht zweifelsohne kein besonders großer Diskussionsbedarf: Über gedrucktes oder geprägtes Geld, längst nicht mehr von Edelmetallen gedeckt, besteht inzwischen seit Jahrhunderten ein gesellschaftlicher Konsens, der ungefähr absehbar macht, gegen welche Waren man es in vielen Geschäften eintauschen kann. Es handelt sich somit eigentlich nur um staatlich akzeptierte Äquivalente zu Muscheln und Schafen. Dass die Umsetzung dieses Konzeptes mit steigender Inflation, sinkenden Zinsen und psychologisch wirkendem Unsinn wie dem Abzug eines Cents vom Preis, damit die Zahl vor dem Komma kleiner ist, bislang mindestens etwas unglücklich verlaufen ist, halte ich auch ohne selbst vorgenommene vorherige statistische Erhebung für einen Konsens der meisten Menschen, die in der wirtschaftlichen Nahrungskette nicht ganz hinten stehen.

Um zumindest einen Teil dieser konzeptionellen Herausforderungen zu umgehen, wurde zwischen 2008 und 2009 die dezentrale Währung „Bitcoin“ ins Leben gerufen. Bei Bitcoins handelt es sich im Wesentlichen um eine Art nicht papiernes Spielgeld ähnlich dem in „Monopoly“ verwendetes, dessen realer Gegenwert in den zur Erzeugung nötigen Stromkosten, die aufgrund der Art der „Berechnung“ neuer Bitcoins fortwährend steigen, besteht; man verschwendet also elektrische Energie, um gehashte Hexadezimalwerte in eine immer größer werdende verteilte Datenbank („Blockchain“) zu schreiben. Wie zum Beweis dafür, wie egal Menschen entgegen der allgemeinen Annahme realer Besitz wirklich ist, bekommt jemand, der einen dieser Hexadezimalwerte einer Bitcoin-Tauschbörse oder einem Mitmenschen verkauft, heute deutlich über 2.000 Euro dafür. Weil dieses Konzept so schön einfach umzusetzen und zu modifizieren ist, gibt es mittlerweile über 800 miteinander konkurrierende, teilweise voneinander abstammende „Blockchains“ beziehungsweise darin gespeicherte Arten von Hashwerten („Kryptowährungen“), von denen einige nach Großinvestition durch Banken und/oder EDV-Konzerne einen höheren Europreis erzielen können als andere. Der nennenswerte Unterschied zwischen Aktionären und Kryptoinvestoren besteht also darin, dass Kryptoinvestoren nichts zum Gelingen der realen Wirtschaft beitragen, sondern ihr Geld aus dem Fenster werfen und hoffen, dass unten jemand steht, der das Geld freiwillig verdoppelt und wieder zurückwirft, statt einfach damit wegzurennen, was manchmal funktioniert und meistens eben nicht. Die eigene Sammlung an Hashwerten wird in der Regel in so genannten wallets abgelegt, was Englisch ist und „Portemonnaie“ bedeutet, aber eigentlich nur eine lokal herumliegende Datei ist. Es gibt bekanntlich kaum einen besseren Ablageplatz für „Geld“ als eine lokal herumliegende Datei.

Um das Zurückwerfen des aus dem Fenster geworfenen Geldes schmackhafter zu machen, gibt es mit „ICOs“, „Initial Coin Offerings“, eine „Blockchain“-Alternative zur Erstzeichnung an einer Börse: Jemand würde gern eine neue „Blockchain“, eine Tauschplattform für Hashwerte, eine neue Hashwertart oder sonstigen virtuellen Krempel programmieren und sammelt zur Finanzierung dieser Unternehmung irgendwelche Hashwerte (derzeit wird gern eine Bezahlung in Ethereum, der momentan zweitplatzierten Hashwährung, verlangt) ein. Die Gegenleistung besteht nach Ablauf der Erstzeichnungsfrist dann meist in Anteilsscheinen in Form von oft wiederum neuartig gehashten Hexadezimalwerten zum Vorzugspreis, die dann vielleicht im Wert steigen und vielleicht auch nicht, was, abhängig von der erfolgten Verwendung des eingenommenen echten Geldes, dann ein riesiger Verlust ist oder vielleicht auch nicht. Scheiterte etwa ein „ICO“, dessen Einkünfte in die Förderung einer Pandapopulation fließen sollten, so wäre dies sicherlich bedrückender als das Scheitern manch anderer Geschäfte. Dass die „ICO“-Idee aus wirtschaftlicher Sicht, berücksichtigt man die andauernde Hyperinflation und -deflation der Wechselkurse zwischen den Hashwerten (allein Bitcoins gewinnen oder verlieren am Tag mitunter dreistellige Dollarbeträge pro „Stück“), eigentlich nur Idioten anziehen sollte, hat bekanntlich noch fast niemanden an irgendetwas gehindert: Allein im Ankündigungsforum des virtuellen Szenetreffs bitcointalk.org nähme das Trinkspiel, für jeden neuen „Smart Contract“, was das gegenwärtige Lieblingsquatschwort der Krypteria ist und ungefähr bedeutet, dass die Hashwerte, die man irgendwo hinschickt, beim Gegenüber weniger wahrscheinlich nicht ankommen als üblich, einen Schnaps frei wählbarer Menge zu trinken, binnen erschreckend kurzer Zeit ein tödliches Ende.

Überraschenderweise ist die dezentrale Schöpfung von gegenwertloser Handelsware über ein nicht nur von wohlwollenden Asketen genutztes Netz aus modifizierbaren Maschinen gar nicht mal aus Sicherheitsgründen eine überragend gute Idee. Ein Währungssystem mit menschlicher Beteiligung kann und wird früher oder später an der fehlenden Perfektion des Menschen zugrunde gehen; und die Unperfektesten sitzen meist am langen Hebel.

Eine der beliebteren wallet-Umsetzungen für Ethereum-Hashwerte trägt den Namen „Parity“ und läuft dort, wo reale Werte am schlechtesten aufgehoben wären, nämlich innerhalb der meistangegriffenen Komponente von Desktopcomputern, d.h. im Webbrowser. Als gäbe das noch nicht genug Anlass zum Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit der Mitglieder der um „Parity“ herum entstandenen Gemeinschaft, verfügt es obendrein um eine Funktion namens „Multi-Sig-Wallets“, die im Wesentlichen das Geschehen dadurch noch spannender macht, dass mehrere Leute auf das virtuelle „Portemonnaie“ zugreifen können. Eine grandiose Idee. Was kann da schon passieren?

Ach, richtig:

Unbekannte haben eine inzwischen geschlossene Sicherheitslücke im Ethereum-Client des Unternehmens Parity genutzt, um 153.000 Ether auf ihr eigenes Konto zu überweisen. Beim aktuellen Kurs der Kryptowährung sind das umgerechnet etwa 30 Millionen US-Dollar. Der Diebstahl und die Lücke wurden sofort entdeckt. Daraufhin tat sich spontan eine Gruppe namens White Hat Group zusammen und nutzte die gleiche Schwachstelle, um weitere 377.116 Ether aus noch nicht geplünderten Konten zu sichern.

Wie hier zu sehen ist, ist eine „Kryptowährung“ viel besser als anderes Geld, denn wenn irgendjemand an mein reguläres Portemonnaie herankommt, um etwas herauszunehmen, wird sich keine Gruppe zusammenfinden, die den Rest des Geldes in meinem Portemonnaie sichert; und wenn doch, dann hießen sie gleichfalls Diebe und nicht Sicherer. – Zum Glück gibt es mit „ICOs“ eine bequeme und sehr sichere Anlagemöglichkeit für die gesammelten Hashwerte, denn wer hat schon gern ständig ein volles Portemonnaie dabei? Das endet dann manchmal aber statt mit einer Pleite des Projekts auch so:

Unbekannte Angreifer hackten die Website des Projekts Coindash und änderten dort die Kryptogeld-Adresse, an die Investoren bei einem Crowdfunding Geld schicken sollten. Die falsche Adresse war nur wenige Minuten online – genug für einen Millionen-Coup.

(Beide Meldungen sind von heute.)

Wer sein Geld auf die Fensterbank legt, der sollte eben besser nicht im Erdgeschoss wohnen.

Dass die jeweils betroffene „Währung“ Ethereum trotzdem weiter im Wert steigt, spricht zumindest nicht für ein Problembewusstsein der Anleger, denn nach wie vor sind Webbrowser nicht vom Handel mit Kryptogedöns ausgeschlossen. Werfen wir einfach mehr Geld drauf. Dass das Draufwerfen von mehr Geld auf lange Sicht mehr zerstört als repariert, ist einem Zyniker wie mir da ein schwacher Trost: Möglicherweise wird sich in wenigen Wochen die auf großes Wachstum nicht vorbereitete Problemursache Bitcoin zweiteilen, wie es bei Ethereum schon im Juli 2016 – wenn auch, hihi, aus Sicherheitsgründen – passiert ist. Wenn das eintritt, werden diejenigen, die jetzt noch viel Zeit damit verschwenden, ihren Mitmenschen ungefragt von ihrem Reichtum und/oder ihrem guten Riecher zu erzählen, was eine Art Nebenwirkung von Bitcoinbesitz zu sein scheint, möglicherweise vorübergehend ein wenig leiser sein. Das wird schön.

Erinnert sich noch jemand an „Second Life“?

(Offenlegung: Ich habe gelegentlich den einen oder anderen Cent in eine dieser weniger medial beworbenen Spielwährungen investiert, die sich nach wie vor weigert, mich zu einem arroganten reichen Schnösel werden zu lassen. Das stört mich aus vorgenannten Gründen jedoch nicht im Geringsten.)

In den NachrichtenPolitik
Medienkritik CV: Protestnazis im Wandel der „ZEIT“

Dass das mediale Bild von Kritik an staatlicher Zensur digitaler Medien sich seit den noch einigermaßen wohlwollenden Berichten über die „Zensursula“-Demonstrationen verändert hat, bedarf vermutlich keiner weiteren Belege. Seit der Flüchtlingssache – ob nun damit begründet oder nicht – ist den Medien jeder Vorstoß der richtigen politischen Seite gegen das Böse ein guter, denn als weltoffenes Land sollte man es mit der Toleranz nicht zu weit treiben.

Leider gibt es hierfür ein aktuelles Beispiel.

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In den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt: Knallkopf Neitzels ethisches Töten

Auf „SPIEGEL ONLINE“ darf heute – die nicht wirksame „Paywall“ bitte per Script umgehen – der „Militärhistoriker“ Sönke Neitzel Folgendes zu einer friedlicheren Gesellschaft beitragen:

Wir sind eine aufgeklärte Gesellschaft, in der Bundeswehr dienen fast ausnahmslos aufgeklärte Bürger. (…) Reden Sie mal mit Panzergrenadieren oder Fallschirmjägern. Die laufen nicht mit Schaumgummibällen durch die Gegend, die sollen kämpfen und töten können, und zwar weil die Bundesrepublik das von ihnen verlangt. Im Gegenzug muss ich akzeptieren, dass diese Leute, alles Freiwillige, über ein bestimmtes Ethos verfügen. Die sagen nicht: Es ist schrecklich, dass ich Scharfschütze bin. (…) Diesen Leuten kann ich doch nicht lauter nicht kämpfende Vorbilder anbieten.

Schlimm wäre das, wenn die aufgeklärten – wenigstens hat er nicht „zivilisierten“ gesagt – und ethisch zum Kämpfen und Töten verpflichteten Bürger in der Bundeswehr nur noch Vorbilder haben dürfen, die noch nie irgendwen gemeuchelt haben. Mit Weicheiern gewinnt man keinen Krieg!

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeswehr abgeschafft gehört.

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusik
Goldray – Rising // Doctress Who // Ramelows Präzision

Bitte zurück ins Nest bringen.Es ist Montag. Pünktlich zum Wochenendende hat sich auch der Kopfschmerz wieder beruhigt, auf dass man frohen Mutes zur immerhin bezahlten Tat schreiten kann. Pandabär in Berlin müsste man sein, dann bekäme man jetzt Eis mit Gemüse, aber stattdessen ist man weit von Berlin entfernt und denkt als bloßer Mensch über Pandas nach. So kann es gehen.

Und die Nachrichten so? Der seit 54 Jahren männliche Titelheld aus „Doctor Who“ ist ab Ende dieses Jahres eine Feministin, was der Serie, die in jüngerer Zeit neben dem erstmals weiblichen Antagonisten mit „Bill“ auch eine Nebendarstellerin („Companion“) bekommen hat, deren wesentliche Eigenschaft es war, eine lesbische Feministin zu sein, zwar eine gewisse Kontinuität verleiht, mich hingegen skeptisch mindestens eine Augenbraue heben lässt, denn, wenngleich die schauspielerische Leistung eines „Doctors“ bislang keineswegs geschlechtsbezogen zu beurteilen war, die Serienmacher scheinen in letzter Zeit das dringende Bedürfnis zu haben, dem verdammten Patriarchat überragend selbstsichere Frauenfiguren entgegenzustellen, die außer dem Frausein nichts wirklich gut können. Haben die „Ghostbusters“ verpasst?

Der aufgebrandete Jubel auf Twitter, endlich dürfe eine Frau mal einen sowieso unsterblichen Helden mit einer langen Vergangenheit und voraussichtlich Zukunft verkörpern, was unabhängig von der charakterlichen Entwicklung schon deshalb gut sei, weil sie kein Mann sei, ist jedenfalls ein schlechtes Zeichen, belegt er doch, dass viele der Zuschauer eine Fernsehserie nicht als Unterhaltung, sondern als politisches Mittel zur Machtverschiebung begreifen, als habe irgendeine Weltanschauung plötzlich gewonnen, nur, weil in einer Serie, in der das allerdings schon mehrfach passiert ist, eine Figur das Geschlecht wechselt. Dem Patriarchat dürfte das jedenfalls einigermaßen egal sein und den verbliebenen nicht rettungslos bescheuerten Zuschauern bleibt zu hoffen, dass es endlich mal wieder eine Neubesetzung in „Doctor Who“ gibt, die der Serie inhaltliche Tiefe zurückgibt. Apropos: In Berlin-Lichtenberg ist der antipatriarchalische Vorstoß der örtlichen „Grünen“, potenziellen Rednern im Bezirksparlament nach Geschlecht statt Inhalt das Wort zu erteilen, nun vorerst gescheitert. Wie viel wäre auf dieser Welt gewonnen, achtete man nur mehr auf die Qualität des Erbrachten statt auf das Geschlecht des Erbringers!

Während die ehemals qualitätsfokussierte Piratenpartei in Konstanz, München und Leipzig anlässlich der jeweiligen Christopher-Street-Day-Parade um netzpolitisch ebenso desinteressierte Unterstützer für die kommende Bundestagswahl warb, gingen unbemerkt zwei Nachrichten von letzter Woche fast verloren: Die CIA hackt völlig überraschend auch Linux, was ich hier nur verlinke, weil das Didi immer so schön herausfordert; schlimmer jedoch: es wurde die Nachfolgerin von Günther Oettinger, also die neue EU-Digitalkommissarin, vereidigt, die gern „schärfere Regeln gegen Hassäußerungen und Falschmeldungen“ („heise online“) durchsetzen lassen würde. In einer gesunden Gesellschaft würde sich zahlreicher Widerstand formieren, aber es ist Wahlkampf, da macht man nichts mit Politik.

Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow („Linke“), der auch nichts mit Politik macht, hat gestern vorgeschlagen, man möge, um den Erfolg von landesansässigen „Rechtsrockkonzerten“ (als seien Schlager leichter zu ertragen) einzudämmen, das Versammlungsrecht, für Ostdeutsche bekanntlich keine Selbstverständlichkeit, doch bitte „präzisieren“; mit anderen Worten: Zu viele Dinge gehen derzeit als „Versammlung“ durch. Unklar bleibt, welche Art von Konzerten künftig noch als legitime Versammlung gelten darf. Hoffentlich nichts mit Phil Collins!

Här nix Ton, nix Musik.

Goldray – Rising [Official Video]

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Ex Eye

Ex Eye (Coverbild)Fordern wir wieder einmal unseren Geist und hören wir ein wenig Musik.

Aus ausgerechnet den Vereinigten Staaten stammt das Quartett Ex Eye, dessen Schlagzeuger Greg Fox, den PopMatters mit John Bonham zu vergleichen sich nicht scheut, sich bereits bei Zs und Liturgy austoben durfte. Statt klassischer Rockbandbesetzung scharten Ex Eye, die sich selbst als Post-Alles-Band beschreiben, sich um den kanadischen Saxophonisten Colin Stetson, der bislang unter anderem mit Tom Waits, Fred Frith und Mats Gustafsson zusammengearbeitet hat und also durchaus weiß, wie gute Musik klingen sollte.

EX EYE – "Xenolith; The Anvil" (Official Music Video)

Beschreiben lässt sich das auf dem im Juni präsentierten Debütalbum Gehörte als instrumentaler Jazzmetal, mitunter lässt sich aber auch einmal New Artrock im Stile der unvergessenen Porcupine Tree ausmachen. Dass es keinen Gesang gibt, ist hier kaum ein auffälliges Kriterium, denn der würde wahrscheinlich auch nur stören.

Ex Eye — Anaitis Hymnal; The Arkose Disc

Ich bin durchaus angetan.

In den NachrichtenPolitik
Die niemals gezogene Lehre aus dem Bochumer Brüllaufstand

„Das Problem bei den Linken“, so schätzte es Christian Lindner angesichts der kürzlich erfolgten Anbrüllerei durch eine linke Studentin, die über eine Stimme, mit der sie vielleicht lieber etwas anderes machen sollte als Parolen zu brüllen, verfügte oder noch immer verfügt, ein, sei es, „dass nur sie glauben, Wahrheit zu besitzen“, und während die Medien von den Axel-Springer-Blättern über die „Huffington Post“ bis hin zu „RP ONLINE“ seine dieser Feststellung folgende souverän-lässige Reaktion auf das Gebrülle nicht zu Unrecht, wenn auch mit gewohnt schleimiger Attitüde, als souverän-lässige Reaktion auf das Gebrülle beschrieben, so fehlt es doch an einem Hinweis auf die eine wesentliche Wahrheit, die mit jedem medial rezipierten Gebrüll erneut den Fokus auf sich zu ziehen versucht und es trotzdem nicht in die Reihe der gesellschaftlich als Konsens akzeptierten Regeln für einen zivilisatorischen Mindeststandard auf allen Seiten des politischen und sozialen Spektrums geschafft hat, weil vermutlich jene, die sie vorzutragen versuchten, schlicht nicht zu Wort kamen: dass nämlich eine als sonstwie politisch missverstandene Aussage, die lauten Gebrülls bedarf, um vermittelt zu werden, niemals nämlich von Leisen und keinesfalls ohne offensichtlich mitschwingende Ausrufezeichen (oft und gern im Plural) mündlich, vorgetragen wird, einen aufmerksamen Adressaten nicht verdient haben kann.

NerdkramsNetzfundstücke
Kurz verlinkt: „Programmierer“ / Chromefox‘ Googleanalyse

Was über Python-„Programmierer“ und GitHub-Nutzer im Übrigen noch zu verlinken bleibt:

Ein Python-Modul, das automatisch den erstbesten leidlich relevanten Code von StackOverflow.com herunterlädt und einbindet – besternt von über 1.400 GitHub-Konten.

:wallbash:


Die zivilisatorische Decke unter Datenschützern wird dünner: Firefox bindet Google Analytics ein.

"Genießen Sie den Browser mit den meisten integrierten Datenschutzfunktionen" (Quelle: https://www.mozilla.org/de/firefox/new/)

Da wächst zusammen, was zusammen gehört.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Initiative D21: Eine fast richtige Pressemitteilung

Berlin, 04. Juli 2017. Die Mitglieder des Initiative D21 e. V. haben zur heutigen Mitgliederversammlung einstimmig das Außerkrafttreten der Kompetenzquote für den Gesamtvorstand beschlossen. Ab sofort darf mindestens ein Drittel der Personen des Vorstandes nicht mehr nach qualitativen Kriterien ausgewählt werden. Zusätzlich zur Einschränkung der Quote wird die Regelung des „leeren Stuhls“ eingeführt. Wenn sich nur kompetente Personen zur Wahl stellen oder gewählt werden, bleiben die entsprechenden Plätze frei.

Präsident Hannes Schwaderer begrüßt es sehr, dass die bereits seit Jahren stattfindenden Bestrebungen, den Kompetenzanteil im Vorstand zu senken, nun per Satzung festgeschrieben sind: „Zum einen soll mit der festen Höchstquote ein deutliches Signal nach außen gesendet werden und sich auch andere Verbände entsprechend festlegen. Zum anderen haben unsere Mitgliedsunternehmen und -Institutionen ausreichend Inkompetente im Kollegium und wir möchten ihre geringere Kompetenz auch für das Wirken der Initiative D21 gewinnen“.

Auch Schatzmeisterin Prof. Barbara Schwarze zeigt sich erfreut: „Noch immer ist die soziale und politische Gleichstellung von Kompetenten und Inkompetenten in Deutschland nicht erreicht. Dass nun mindestens ein Drittel der Positionen im Vorstand der Initiative D21 durch Inkompetente besetzt werden müssen, wird auch auf unsere Mitgliedsunternehmen wirken, denn schlussendlich setzt sich der Gesamtvorstand aus den Führungspositionen dieser Unternehmen und Institute zusammen“. Da die Veränderungen nur sehr langsam von allein kämen, sei die Senkung der Quoten ein erster Schritt in Richtung gesellschaftlichem Wandel, stimmt Schwaderer zu. Die Initiative D21 sei bemüht, auch über die beschlossene Inkompetenzquote hinaus, den Gesamtvorstand paritätisch zwischen Kompetenten und Inkompetenten zu besetzen.

Die Förderung der Chancengleichheit zwischen Begabt und Unbegabt ist eine der zentralen Aufgaben der Initiative D21. Bereits zur Gründung des Vereins 1999 wurde die Förderung der Gleichberechtigung von Kompetenten und Inkompetenten in der Satzung festgeschrieben. So engagiere sich die Initiative D21 gemeinsam mit den Mitgliedern u. a. im Rahmen der Auftaktveranstaltung zum bundesweiten Incompetents‘ Day speziell für Chancengleichheit von Unbegabten durch das Aufzeigen von beruflichen Alternativmodellen und erfassen und bekämpfen unablässig den digitalen Graben zwischen den unterschiedlich Begabten.

Alternative Lesart hier.

Netzfundstücke
Kurz verlinkt: Penis!

Da hatte jemand Spaß:

Zerstörter Fels „Trollpenis“: Er steht wieder (…) Er wollte – ja, es ist wirklich nicht einfach, diese ganze Sache ohne Zoten zu erzählen – er wollte also den „Trollpenis“ wieder stehen sehen. (…) Nun muss die ganze Sache – sorry auch hier für die Wortwahl – noch ein paar Tage aushärten. (…) Die Touristen können also – und das ist jetzt wirklich die letzte zweideutige Formulierung dieses Textes – kommen.

„SPON“-Redakteure. Da steckt man auch nicht drin.

In den NachrichtenMontagsmusik
Ulver – So Falls the World

Wach wie ein PandaEs ist Montag. Die Welt findet zur gewohnten Bräsigkeit zurück und dieses eigenartige Gefühl, der bei Weitem Allerbräsigste zu sein, ist vorüber wie eines dieser schwer erträglichen Liebeslieder, die man sich ausdenkt, während man so über sein Leben sinniert. Leben ist Firlefanz, aber ein immerhin notwendiger, seufzt ein Käuzchen.

Zum nunmehr endlich vergangenen Wochenende bliebe noch manches anzumerken, aber da regte man sich dann doch wieder nur unnötig auf, was selbst der staubbedeckteste Bundespräsident der letzten paar Jahre, entsäkularisierter Dodo des Monats Juni und auch sonst stets für Geschwätz zu haben, kaum zu lindern vermag. Schweifen wir also lieber in die Ferne: Die NASA hat in den Weiten des Weltraums Dinge entdeckt, die die bisherigen Vorstellungen von den Anfängen „unseres“ Universums ein wenig korrigieren. Eine realistische Möglichkeit zur schnellen Anreise ist bisher allerdings nicht enthalten.

Apropos Zukunft: In den USA sind mehrfach bluetoothfähige Handkreisel („Fidget Spinner“) explodiert, was die Vermutung, zum langfristigen Überleben müsse man nicht nur stark, sondern auch einigermaßen schlau sein, selbst heute, da der Mensch sich als weitgehend dominante Rasse erwiesen hat, noch als bedeutsam kennzeichnet. Die „Neue Zürcher Zeitung“ fragt in eigentlich nicht ausschließlich diesem Zusammenhang, ob die moderne Gesellschaft zu doof für den Fortschritt geworden ist. Dass sie nicht von den Klügsten angeführt wird, mag als Argument nicht ausreichen, und so lange sie noch wunderbare Musik hervorbringt, ist jedenfalls das Wesentliche gesichert; zum Beispiel eben so:

Ulver – So Falls the World

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Abschließende Bemerkung zu G20: Feuer und Flamme fürs Klima

Die antikapitalistische Linke, lebendes Belegexemplar der Hufeisentheorie, hat endlich neue iPhones und denkt sogar mal über Körperpflege nach. Durch die Ankurbelung der Glaserei- und Autowirtschaft mittels der Zerstörung von Schaufenstern und Dienstfahrzeugen von Krankenpflegern wurde dem Kapitalismus ein Schnippchen geschlagen und es ist sicher nur noch eine Frage der Zeit, bis die Banken freiwillig dem Freiheitsdrang der Bürger nachgeben. Die Verschonung von Geschäften, deren Besitzer rechtzeitig bekannt gegeben haben, auf der richtigen Seite zu stehen, hat in Deutschland bekanntlich eine bald achtzig Jahre alte Tradition und Tradition ist wichtig.

Dass nicht etwa die internationale Hochfinanz, sondern kleine Geschäftsleute, Journalisten und Polizisten teils ruiniert, teils schwer verletzt wurden, war auf dem Weg zu einer besseren Welt unvermeidlich, denn niemand muss Geschäftsmann, Journalist oder Polizist sein oder in Hamburg wohnen. Nachdem das Klima jetzt gerettet und der Kapitalismus endgültig besiegt ist, bleibt nur noch eine Frage ungeklärt:

Wie dumm ist Werner Rätz?

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Farflung – 5

Das englische Wort „far-flung“ bedeutet ungefähr „breitflächig“. Unter diesem sprechenden Namen wurde 1992 in Los Angeles eine Spacerockband gegründet, die aktuell als Trio musiziert und 2016 mit „5“ ihr aktuelles (nach meiner Zählung jedoch längst nicht mehr ihr fünftes) Studioalbum (Amazon.de, TIDAL) veröffentlichte.

Spacerock? Nehmen wir das mit den Genres mal lieber nicht so genau, denn was die Musik der drei Herren von Farflung ausmacht, ist nicht etwa der hundertste Aufguss von Hawkwind’schem Spiel, sondern es ist die gekonnte Einflechtung heterogenster Stile in ein von jedenfalls mir bislang noch ungehörtes musikalisches Rezept, aus dem Tanzmusik im besten Sinne entstand.

Das auf „5“ zu Hörende wird bei all seiner Heterogenität von flirrenden Klangeffekten in Form gehalten, die Musik prescht zügellos nach vorn und reißt dabei alles mit, was ihr im Weg liegt: Spacerock, Hardrock, Shoegaze, Americana, in „Being Boiled“ – hier mit besonders bemerkenswertem Bassspiel – darf es auch mal Doom sein. Das Repetitiv-Hypnotische auf „5“ ist mehr als nur Mittel zum Zweck. Das Star-Wars-Wüstencoverbild vermag das Ohr nicht zu trügen.

Ich habe keine Ahnung, was die einschlägigen Medien momentan als passendes Album zum Cocktail am Strand und/oder zum wilden Sitztanz empfiehlt. Gehört zu den üblichen Empfehlungen jedoch nicht „5“, so möchte ich es hiermit zu diesen hinzugefügt wissen.

Persönliches
Selber hygge!

Nach Sondierung des diesmonatigen Angebots an Frauenzeitschriften – regelmäßige Leser dieser Website wissen um deren humoristische Qualitäten – ließ es sich nicht vermeiden, dass auch mir als von Trends nicht viel haltendem Wirrkopf das Hyggesein als Lebensstil begegnete, immerhin gerade mal ein halbes Jahr, nachdem es die „ZEIT“ umfangreich thematisierte. Was also ist ein Hygge?

So heißt Gemütlichkeit in Dänemark. Die halbe Welt will von den Dänen lernen, wie man es sich drinnen nett macht, wenn es draußen ungemütlicher wird.

Verstehe: Weil Deutschland seine Gemütlichkeitseit 1892 auch im anglophonen Raum ein Begriff – abhanden gekommen ist, versuchen wir es stattdessen mit einem Import aus einer anderen Gesellschaft als der unseren.

Um dieser Gemütlichkeit äußeren Nachdruck zu verleihen, wird der Pressemarkt mit Erzeugnissen wie dem Magazin „hygge“ aus der Verlagsgruppe „Deutsche Medien-Manufaktur“, die sonst auch Welterfolge wie die Küchenheftchen „essen & trinken“, „essen & trinken mit THERMOMIX“ und „flow“, als „eine Zeitschrift ohne Eile, über kleines Glück und das einfache Leben“ bereits eine etablierte Konkurrenz aus eigenem Hause, in ihrem Portfolio aufführt, und jedes Mal, wenn irgendein Kackunternehmen, in dem von Handarbeit noch kaum jemand auch nur etwas gehört hat, sich „Manufaktur“ nennt, empfinde ich ein bisschen weniger Gemütlichkeit als noch zuvor. Dagegen hilft auch kein nicht alkoholhaltiges Magazin dieses Landes mehr. Hat nur noch diese Zeitschrift gefehlt, als sei turnusmäßig reproduziertes, mehrseitiges Gequatsche ein wertvollerer Ratgeber als fünf einfache Worte.

Laut Amazon.de werden seit Herbst 2016 nicht nur ungezählte Zeitschriften, sondern vor allem auch Bücher über die jeweils beste Art zu hyggen publiziert, der dortige „Bestseller“ wie auch der der „Sunday Times“ und der „New York Times“ ist derzeit „The Little Book of Hygge: The Danish Way to Live Well“, einsortiert in die Kategorie „Skandinavische Küche“, als ginge es bloß ums Essen und nicht um eine quasi vollständige Lebensanleitung.

„Hyggelig“, faselte Alix Berber für „bento“, seien „auf dem Sofa Filme schauen“, „selbst backen“ und „klare Strukturen“, und beim Gebäck sei es nicht etwa irgendein Kuchen, sondern „eigens kreierte Zimtkekse mit gesundem Vollkornmehl“, und dazu ein vermutlich entkoffeinierter Kaffee aus handgerollten Kaffeebohnen und ein „Bildband über Wälder“. Früher nannte man das spröden Waldorfcharme oder Prenzlauer-Berg-Habitus, heute ist es eben „hyggelig“. Selten fand ich mein enttrendetes Leben so interessant.

Subjektive Gemütlichkeit herzustellen, indem man Feng-Shui-mäßige Einrichtungstipps von Fremden befolgt, erscheint mir jedenfalls nicht als ein verständiger Weg zum Glück. Das hat nun immerhin auch die Lebensstilvermarktungsbranche erkannt und meldet selbst Zweifel an der von ihr geschaffenen Hyggeblase an – denn schon bald ist alles hallyu.

:irre:

In den Nachrichten
Kurz notiert zur römischen Selbstinquisition

Und siehe, Gott sandte ein Zeichen und ließ die Vertreter der Vertreter seines Vertreters auf Erden im Drogenrausch dort, wo noch bis 1908 der Name der heiligen Inquisition seine Verkörperung fand, der Unzucht frönen, als besitze das Neue Testament im Stammland der weniger antisemitischen Hälfte des europäischen Christentums nur für jene Menschen Gültigkeit, die sich mit dem Gedanken an ein konservatives Familienleben anfreunden können, und als sei ebenjene heilige Inquisition, die im Einklang mit den Glaubensnormen die beteiligten Pfaffen als Ketzer wenigstens einer göttlichen Todesstrafe hätte unterwerfen müssen, nie geschehen; und dann sei aber zu ihrer moralischen Entlastung erwähnt, dass, so wenig man auch von der katholischen oder überhaupt irgendeiner Kirche hält, diesmal nur zwar geistig unreife (denn sonst wären sie nicht katholisch), wohl aber körperlich erwachsene Menschen Teil der Ausübung der höchst unchristlichen sexuellen Freiheit waren, was, wenn die Sexualität von Katholiken in den Nachrichten ist, ja durchaus nicht als Regelfall angesehen werden sollte.

(via Schwerdtfegr)