In den NachrichtenMontagsmusik
Metaphor – The Open Road // Rückstand 2019

Montagslächeln (ca.)Es ist Montag. Immerhin: Nur noch einen halben Liter Kaffee trinken und dann ist er auch schon wieder vorüber. Man präsentiere mir ein paar Jahre zuvor, als die Welt noch eine freundliche Drehung aufwies. 2019 ist ein Ärgernis.

Neues aus dem geistigen Mittelalter: Die rechtspopulistische CDU schließt eine Zusammenarbeit mit der AfD ausdrücklich aus, woraus zu folgern ist, dass Koalitionsgespräche bereits geführt werden. Die evangelische Kirche hat auf ihrem schlimmen Kirchentag währenddessen festgestellt, dass den „smarten“ Amazon-Lauschgeräten namens Alexa die Funktion „fehlt“, ein Gebet zu sprechen. Dieses westliche Abendland, das es immer noch wagt, sich über lächerlich rückständige Vorstellungen von der Welt in anderen Religionen lustig zu machen, scheint sich mit der Aufklärung bis heute nicht so recht abgefunden zu haben.

Apropos Religion: Die fleißig twitternden Fridays-for-Future-Umweltschweine haben einen neuen Schuldigen ausgemacht, nämlich den Kapitalismus. Dass sie dennoch weder auf Smartphones noch auf Netflix zu verzichten bereit sind, ist dabei unerheblich. Do as I say, not as I do.

Was ich stattdessen tu‘, ist Musik zu konsumieren. Die Teilnahme ist gern gesehen.

Guten Morgen.

In den Nachrichten
Kein Ponyhof

Luisa Neubauer, „Klimaaktivistin“ und Mitglied der Grünen, 4. Juni 2019:

Revolution ist halt kein Ponyhof.

„Ende Gelände“, Organisation hinter den gleichnamigen Demonstrationen, in deren Verlauf „Aktivisten“ Gemüsefelder plattttreten, um gegen „das Kapital“ zu demonstrieren, FAQ:

Über unser Ziel, den Tagebau zu blockieren und die Kohleförderung und -verstromung zu verhindern, sprechen wir im Vorfeld öffentlich – auch weil wir unser Anliegen angesichts der Dringlichkeit des Klimawandels für absolut legitim halten. (…) Verpflegung wird es teilweise auf dem Camp geben, wichtig ist, dass ihr euch vor der Aktion ein Lunchpaket richtet und Wasserflaschen dabei habt.

Lisa Badum, Abgeordnete der Grünen, 23. Juni 2019:

Prognose: Noch 4 Stunden und es soll kein Essen geben. Wie ist sowas möglich?? 😠

Erik Marquardt, „Parteirat“ bei den Grünen, 23. Juni 2019:

Auf Essen mussten die Menschen im Tagebau über 13 Stunden warten.

Servicewüste Deutschland! :twisted:

In den NachrichtenWirtschaft
Marktschutzgrundverordnung

Offensichtlich endet der Wirkungsbereich der Datenschutzgrundverordnung („DSGVO“) dort, wo der Markt beginnt:

„Das Ausmaß, in dem persönliche Profile angelegt und weitergegeben werden, erscheint ausufernd, aufdringlich und unfair“. Insbesondere werde den Nutzern bei der jetzigen Praxis nicht klar, in welchem Ausmaß und zu welchem Zweck Daten freigegeben werden, wenn sie auf die überall verbreiteten Zustimmungs-Popups klicken.

Die DSGVO sehe für grobe Verstöße hohe Strafen vor, versprachen Unken noch vor dem Inkrafttreten der Verordnung. Tatsächlich aber lässt die Datenschutzbehörde natürlich Augenmaß walten:

Die Datenschutzbehörde befürchtet enorme Auswirkungen, sollte sie schnell und grundsätzlich in das komplexe Marktgeschehen eingreifen.

Man will ja nicht die Wirtschaft belästigen.

Netzfundstücke
Heroin gegen Drogentote (2): Über Süchte

Im September 2018 empfahl ich, drogenpolitisch einer weiteren Eskalation entgegenzuwirken, indem Genussmittel, die niemanden vollstinken, legalisiert würden. Auch mir selbst sind Süchte nach Genussmitteln, die niemanden vollstinken, nicht vollkommen fremd: Diejenige, der abzuschwören ich mich selbst weigerte, hätte ihr immer intensiverer Genuss schwerwiegende und nicht bloß finanzielle Folgen für mich, ist die Musik. Man mag ihr zugutehalten, dass sie trotz all ihrer Langzeitfolgen für die Psyche wenigstens Lunge, Nieren und Leber unbeeinträchtigt lässt.

Gesundheit und langes Leben sind Ideale, die in den vergangenen Jahrzehnten die öde Qualmerei aus früheren Jahren als gesellschaftlich akzeptierte Droge abgelöst haben. Eine verschwindende Zahl an Zigarettenrauchern frönt weitgehend stumm ihrer Abnutzung, auch Zigarre und vor allem Pfeife sieht man in geerdeten Kreisen nur noch selten. Unterstützt wird der Tabakausstieg von Unternehmen und staatlichen Entscheidungsträgern gleichermaßen, was unter anderem witzige Auswüchse wie die Einführung von „Schockbildern“ hatte. Als bekehrten diese einen Nikotinsüchtigen jemals zu einem völlig anderen Leben!

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In den Nachrichten
Kurz angemerkt zu Michel Platini

Es ist kein hehres Ansinnen, gegen die wiederholte Erhöhung der Rundfunkgebühren zu protestieren, denn, wie kein Deutscher jemals anzweifeln sollte, es gibt kein edleres Bestreben für einen Steuerzahler als die stufenweise erhöhte korrupter Idioten zu dem einzigen Zweck, übermäßig gut bezahlten Herren dabei zusehen zu dürfen, sich an der frischen Luft sportlich zu betätigen; den Kauf eines smarten Fernsehers, dessen Tonaufnahme die Ausgabe noch übertrifft, für wenigstens ein Monatsgehalt vorausgesetzt, versteht sich.

Netzfundstücke
Ketzer statt Vulven

In Dortmund findet vom 19. bis zum 23. Juni 2019 der Evangelische Kirchentag statt, von dem ungefähr das zu halten ist, was auch von der Kirche selbst zu halten ist. Wer des Malens von Vulven überdrüssig ist, dem steht bis zum 22. Juni 2019 das Alternativangebot des Ketzertags offen:

Der Ketzertag Dortmund 2019 richtet sich primär gegen die Privilegierung der Kirchen durch den Staat, die umfangreiche Finanzierung sowie die privilegierte Behandlung im Arbeits- und Steuerrecht, er kritisiert jedoch auch Religion und Kirche selbst.

Wahrscheinlich ist das alles eine witzig gemeinte Idee und sicherlich ist es nicht unwichtig, bisweilen darauf hinzuweisen, dass 2019 nicht unbedingt im richtigen Jahrhundert liegt, um sich mit Kirchentralala abzugeben; aber ein bisschen ermüdend ist der Aufbau der Vernunft zur Ersatzreligion dann doch.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Drahla – Silk Spirit // Was man noch nicht weiß

Es ist Montag. Dabei war doch erst letzte Woche einer! Was nicht ist, ist Zufriedenheit, aber dafür kann der Wochentag nichts. Sacra fames und so weiter und so fort.

Die Politik sei „ein verlässlicher Lieferant von gloriosem Unsinn“, schrieb Jan Fleischhauer in seiner letzten Kolumne auf „SPIEGEL ONLINE“. Das erklärt womöglich auch die Meldung, dass „SPD-Frauen“, was immer das nun wieder ist, Prostitution verbieten lassen möchten. Gefickt werden sollen Prostituierte also weiterhin, nur künftig eben von der SPD.

Apropos Bestechung: Auf „ZEIT ONLINE“ ist ein „Artikel“ über das Verschenken von Eintrittskarten zu Konzerten erschienen, dessen Überschrift lautet: „Stones-Tickets: Was man weiß, und was man noch nicht weiß“. Das kreativ gesetzte Komma ist bei Weitem nicht das einzige störende Element in dieser Überschrift. Warum zum Beispiel hat Nachrichtenwert, was man noch nicht weiß, und warum ist es von einem Leistungsschutzrecht bedeckt, wenn man es aufschreibt?

Es ist Montag und vielleicht macht Musik das alles etwas leichter.

Drahla – Silk Spirit (Official Video)

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Endlich eine Atemsteuer!

Apropos „Fridays for Future“: Je nach Körpergewicht, Körpermasse und Aktivität der Person, behauptet das Internet, atme ein Mensch jährlich zwischen 168 und 2.040 Kilogramm CO2 aus. Weil das Klima das aber zwar nicht gutheißen kann, Umbringen aber gerade nicht en vogue ist, haben SPD und Grüne, die man bisher von Hartz IV und dem ersten deutschen Angriffskrieg nach 1944 kannte, sich etwas anderes ausgedacht:

Auch deswegen hat Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) vor Kurzem gefordert, eine CO2-Steuer einzuführen. Konkret würde das bedeuten, dass der Staat einen Preis für eine Tonne CO2 festlegt.

Selbst schuld, wer sich bewegt! – Weiter geht naturellement die medial dekorierte Partnerpartei:

„Nach dem Vorbild der Schuldenbremse braucht es eine CO2-Bremse in der Verfassung“, sagte Grünen-Chefin Annalena Baerbock im Interview mit dem Tagesspiegel.

Unklar bleibt, was mit denen geschieht, die sie übertreten. Ob sie wohl künftig nur noch gesiebte Luft atmen dürfen?

In den NachrichtenMusik
Tanzverbot für Phil Collins! (2)

Ich nehme meine grundsätzliche Ablehnung der Fridays-for-Future-Demonstrationen aus aktuellem Anlass ein wenig zurück. Die „HAZ“ nämlich kündigte gestern an:

Achtung: #FridaysForFuture-Raddemo könnte Anreise zu Phil-Collins-Konzert lahmlegen.

Das Klima zu schützen und vielen Menschen sowohl den Zugang zu Hannover als auch zu Phil Collins zu erschweren: Das ist doch mal ein Doppelziel, für das es sich zu kämpfen lohnt! :ja:

In den NachrichtenNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 15. Juni 2019

Pressedienste fragen mit der DPA: Was sind die Alternativen zum Kükentöten? Küken leben zu lassen scheint kein Teil der Antwort zu sein.


Wofür wurde bisher noch zu wenig Geld ausgegeben? Richtig: Für Serien mit besonders kurzen Folgen, die man zum Beispiel auf dem Klo gucken kann, angepasst an winzige Bildschirme und kurze Aufmerksamkeitsspannen. Man fühlt sich schleichend abgehängt.


Hunger? Menschen essen eine Kreditkarte pro Woche.


Tim Wolff erklärt, warum die Hitlerwitzpartei „Die PARTEI“ keinesfalls unterstützt werden sollte: „Der Witz ist durch – schon lange.“


Huawei darf wegen vermeintlicher Spionage keine Android-Smartphones mehr bauen? Bauen sie halt „smarte“ Autos!

In den Nachrichten
Medienkritik extern: Als letztes stirbt immer der Humor.

In einem trotzdem guten Text, in dem zwischendurch die Behauptung aufgestellt wird, politische Karikaturen seien mit der Demokratie geboren worden, obwohl sie doch erst, wenn diese ausbleibt, am wirksamsten sind, informiert Patrick Chappatte den geneigten Leser zurzeit über eine merkwürdige Entscheidung der „New York Times“: Diese werde, nachdem eine anscheinend als antisemitisch missverstandene Karikatur zu internationaler Kritik führte, noch 2019 die Veröffentlichung eigener politischer cartoons einstellen.

Karikaturen, die nur geduldet sind, wenn sie keine Stereotype bedienen, sind aber keine Karikaturen, die politisch einen Wert mit sich bringen. Das Wesen der Satire ist oft auch die Überzeichnung – auf Benjamin Netanjahus politisches Wirken mit einer solchen Überzeichnung zu reagieren scheint mir durchaus angemessen zu sein, wenn die Waffe, für die man sich entschieden hat, der Stift ist.

Wer war noch mal Charlie?

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: indignu [lat.] – Odyssea

indignu [lat.] - OdysseaLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Trotz ihres Namens stammt die Postrockband indignu [lat.] – das „[lat.]“ ist anscheinend Teil des Namens – aus Portugal. Das lateinische Wort „indignu“ bedeutet „unwürdig“ und passt überhaupt nicht zu der hier gehörten Musik. Auf ihrem anscheinend zweiten Studioalbum „Odyssea“ (Amazon.de, Bandcamp.com) nämlich bietet sie Musik dar, die vor Würde geradezu strahlt.

Genrefanatiker mögen hier „Postrock“ anheften, aber mit Klavier und Streichern bekommt derjenige „Postrock“, der auf „Odyssea“ zu hören ist, eine ganz andere Wirkung als die brachialen Gitarrenwände von Stilkollegen. Im Internet liest man von einem „sanften Brodeln“ unter den Melodien, aber es herrschen klar die leisen Töne und die sonnigen Wiesenflächen. Das Album ist weitgehend instrumental gehalten, was nicht schlimm ist. Man rede nicht hinein, man genieße und sei dabei still.

Indignu – Odyssea (ALBUM STREAM)

Man nehme nicht an, der Postrock sei auserzählt. Vergäbe ich Punkte, „Odyssea“ bekäme manche. Empfehlen tu‘ ich’s sicherlich trotzdem – und zwar hiermit.