Persönliches
Warum man das hier macht

Man habe sich, teil­te man mir in unpas­sen­dem Kontext mit, mal hier umge­se­hen und sei „neu­gie­rig“, war­um ich das hier wohl mache, d.h. wel­chen Zweck die­se Publikation wohl erfül­le. Diese Frage hat mich in dem Moment über­rascht, denn noch vor weni­gen Jahren war es eigent­lich selbst­er­klä­rend, mit wel­chem Zweck man Dinge ins Internet rein­schreibt („bloggt“). Ich ant­wor­te­te, manch­mal reg­ten mich Geschehnisse in Alltag, Politik und Netzkultur - der der­zei­ti­ge Untertitel die­ses Mitteilungsportals, „Musik, Computer, Politik und so“, ist auch wei­ter­hin Programm, wenn­gleich der der­zei­ti­ge Fokus auf Politisches mir selbst nicht immer passt, aber das Leben ist nun mal momen­tan stark auf die Politik aus­ge­rich­tet und was bin ich froh, wenn die­ser Pandemiequatsch end­lich ein Ende hat; aber wei­ter mit dem Hauptsatz - auf und das müs­se ich ja irgend­wo raus­las­sen, damit war die­ses Thema dann auch schon wie­der been­det. ‘Warum man das hier macht’ weiterlesen »

In den NachrichtenMontagsmusik
Elephant9 - Chasing The Hidden // Kein Wahlrecht für Peter Altmaier

Mehr Profil als mancher Reifen.Es ist Montag. Am Wochenende fan­den die ersten bei­den Tage des ersten weit­ge­hend vir­tu­el­len Bundesparteitags der Piratenpartei statt, gemäß ersten Einschätzungen hät­te sie das las­sen wol­len. Wenden wir uns inso­fern mit Grausen ab und Sachsen zu: Ein Bischof hat ein Auto geseg­net. Chance ver­tan: Wieder kein Panda (Fiat)!

Am ver­gan­ge­nen Wochenende wur­de in Berlin und anders­wo wie­der demon­striert, weil die Kommunisten 1945 den Faschismus über­wäl­tigt hat­ten. Die Kampagne „Nationalismus ist kei­ne Alternative“ befand, „Bullenhass“ gebe es „nie zu viel“, wobei das eige­ne Streben zwei­fel­los auf Kommunismus hin­aus­lau­fen müs­se. Wissen die, dass der Kommunismus mit weni­ger Bullen kaum durch­setz­bar wäre? - Das kom­mu­ni­sti­sche Leitmedium „taz“ ver­sucht sich unter­des­sen in der Befürwortung von lin­ker Religiösität. Ich weiß nicht, was das über die „taz“ aus­sagt, aber Gedanken und Gebete sind ja neu­er­dings eine belieb­te Antwort auf vie­les, was falsch läuft. Verdammte Chinesen!

Wir blei­ben bei Dingen, die falsch lau­fen: Der SPD-Bundesparteitag hat ein Programm beschlos­sen und das Internet fragt, was es wert sei, wenn sich die SPD doch sowie­so nicht dar­an hal­te. 5 von 5 Sternen! Die Konkurrenz von der CSU ver­stößt der­weil gegen die Urheberrechtsnovelle. Mit Uploadfiltern wäre das nicht pas­siert. Der Wirtschaftsminister (CDU) ist ande­rer­seits nicht nur kon­se­quent dar­in, lie­ber über Personen als über Inhalte abzu­stim­men, son­dern anschei­nend auch zu doof zum Wählen. Vielleicht ist eine Wahlrechtsreform doch eine gute Idee, aber nicht ab, son­dern bis zu einem gewis­sen Alter.

Fundstück der Woche: Es gibt von aus­ge­rech­net Canon eine Maus mit ein­ge­bau­tem Taschenrechner. Da kann man dann direkt aus­rech­nen, was man statt die­ser Maus hät­te kau­fen kön­nen. Für 39,99 US-Dollar, den aktu­el­len Onlinepreis, könn­te man zum Beispiel mehr als eine Schallplatte kaufen.

Vielleicht die­se hier?

Guten Morgen.

Sonstiges
Klatschen für die Mütter

Heute ist Muttertag. Da drückt sogar die bay­ri­sche Landesregierung mal ein Auge zu:

„Mütter sind 365 Tage im Jahr oft rund um die Uhr ‚im Dienst‘ für die Familie. Ihr Beitrag für unser Gemeinwesen kann nicht genug wert­ge­schätzt wer­den“, so Trautner. Für den Muttertag am 9. Mai 2021 wird in Bayern auch die­ses Jahr die erwei­ter­te Öffnung von Blumenläden durch eine Allgemeinverfügung des Bayerischen Arbeitsministeriums ermöglicht.

Völlig zu Recht reagier­ten Mütter auf die­se Ankündigung ver­schnupft: Wenigstens fünf Minuten Applaus vom Balkon hät­ten doch drin sein können!

Netzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Kreatives Vergessen mit der „taz“

Wolfraum (sic! A.d.V.) Rittmeyer, Leserbrief an die „taz“, 3. Februar 1998:

Die Frage, ob ich ein Musikinstrument oder einen Computer krea­tiv nut­zen kann, ist vor allem eine Frage danach, ob ich es erstens selbst­be­stimmt mache und zwei­tens wie vir­tu­os ich mit mei­nem Instrument umzu­ge­hen verstehe.

Franziska Seng, „taz“, 16. Dezember 2008:

Im Netz hat sich eine Schreibplattform eta­bliert, auf der Jugendliche Romane, Comics und TV-Serien recy­celn. (…) Das Internet als Forum der kul­tu­rel­len Alphabetisierung?

Andererseits Emma Haverkamp, 16 Jahre alt (das scheint wich­tig zu sein), „taz“, 5. Mai 2021:

Schüler soll­ten ein Essay über ihr Leben schrei­ben. Die 16-jäh­ri­ge Emma Haverkamp fragt sich, woher die Kreativität dafür kom­men soll.

Die Diskussion dar­über, ob wir nicht frü­her allein mit unse­rer Fantasie Spaß haben konn­ten, mag hier deplatz­iert sein; allein: einen oder zwei Vorschläge hät­te ich dann doch.

In den NachrichtenPolitik
66 Jahre ver­brann­te Erde / Chaos SPD Club

Juhu, hur­ra, aber bit­te kei­ne Raketen: Heute vor 66 Jahren - zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs - hat Deutschland sich das mit der Abrüstung noch mal anders überlegt.

Obwohl Sozialdemokraten und außer­par­la­men­ta­ri­sche Gruppen gegen die Wiederbewaffnung pro­te­stier­ten, trat die Bundesrepublik am 6. Mai 1955 offi­zi­ell der NATO bei.

Dass die „Sozialdemokraten“ (gemeint ist hier die SPD) die NATO inzwi­schen als ver­läss­li­chen Partner und nicht als Gefahr begrei­fen, über­rascht den Beobachter kaum; von sich selbst distan­ziert sich die SPD ja fort­wäh­rend, was ich ihr zumin­dest nicht ver­übeln kann. (Dass aus­ge­rech­net der Chaos Computer Club sich als SPD-Werbeträger übt, indem er im Februar erst deren ver­meint­li­che Ablehnung des Staatstrojaners zufrie­den vertwit­ter­te, das kaum über­ra­schen­de Einlenken jetzt aber allein der CDU vor­wirft, lässt mich im Übrigen wün­schen, ich wäre noch CCC-Mitglied; ein­fach, um jetzt erst recht aus­tre­ten zu können.)

Und wie läuft es in der NATO so? Wohl nicht so gut:

Die NATO zieht ohne Friedensabkommen aus Afghanistan ab. Sie hin­ter­lässt Bürgerkrieg und die Herrschaft der von ihr gestärk­ten Warlords[.]

Dieses eher uner­quick­li­che Ergebnis von fast zwan­zig Jahren Krieg „Friedenseinsatz“ sorgt aber nicht etwa für ein Umdenken, was den sinn­vol­len Einsatz von Finanzen betrifft; statt­des­sen nimmt man noch mal Anlauf, um den Kopf mit noch mehr Wucht gegen die­sel­be Wand zu ram­men: „Angesichts der Forderungen (…), dass Deutschland mehr in die Verteidigung inve­stie­ren sol­le, erhöh­te die Bundesrepublik 2020 ihr Budget um 5,2 Prozent“, viel­leicht klappt es ja näch­stes Mal. Liana Fix und Bastian Giegerich quatsch­ten im Oktober 2019 für die „FAZ“ (will nicht ver­linkt wer­den), eine schwä­che­re NATO stell­te „ins­be­son­de­re für Deutschland“ eine „exi­sten­zi­el­le Sicherheitsbedrohung“ dar, schrie­ben aber nicht dazu, vor wem sich Deutschland eigent­lich schüt­zen müs­se, wenn nicht vor einem schlech­ten Einfluss der ande­ren NATO-Mitglieder, was den Einsatz für den Weltfrieden angeht.

Oft schrei­be ich an die­ser Stelle, ich sei im Übrigen der Meinung, die Bundeswehr gehö­re abge­schafft, aber die­ses Mal ist das Problem ein wesent­lich wei­ter rei­chen­des. Im September fin­det wie­der eine Bundestagswahl statt. Ich bin so unzu­frie­den, ich könn­te glatt Wahlempfehlungen abge­ben. Mach‘ ich aber nicht. Das Volk scheint ja durch­aus auch zufrie­den zu sein: Ohne NATO kommt der Iwan und das wol­len wir ja nicht.

Für das lau­fen­de Jahr 2021 hat die Bundesregierung der NATO stolz eine Kriegsausgabe von 53,03 Milliarden Euro über­mit­telt. Wie vie­le eige­ne Server nebst Administratoren für Schulen wären das eigent­lich ungefähr?

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Neurosenblüte - Hallo Frühling

Neurosenblüte - Hallo FrühlingLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Das Hamburger Trio Neurosenblüte - nach 2016 und 2018 end­lich mit einem neu­en Album am Start, bleibt kon­se­quen­ter Meister des Weglassens: Auf dem zwei­ten Album ent­fiel der Gesang, das drit­te muss auch auf die nice Kartonstecktasche des Zweitlings ver­zich­ten; vor­erst gibt es da nur einen Download. Außerdem ist Sebastian Neundorf gegan­gen, der Nachfolger an der Gitarre heißt aber eben­falls (unter ande­rem) Sebastian. Allzu viel Umbruch hat bis­her nur weni­gen Musikgruppen gut getan.

Es hat sich bei mir inzwi­schen bewährt, zur inhalt­li­chen Bewertung den Werbetext der drei Herren her­an­zu­zie­hen. Neben den „übli­chen Neurosenblüt’schen Ingredienzen“ scheint die­ses Album ein Konzept zu ent­hal­ten, näm­lich „die Jahreszeiten eines beson­de­ren Jahres“, obwohl mir noch nicht klar ist, wel­ches der zehn Instrumentalstücke - neben „Hallo Frühling“, „Fun in the Sun“, „Tschüss Dr. Sommer (Oh, na na!)“ und „Laubausfall“, deren Zuordnung eini­ger­ma­ßen offen­sicht­lich ist - sich auf den Winter bezieht. Ist es „e e eee“?

Gelegentlich lese ich von Vergleichen mit den 90er-Werken von King Crimson, also mit kom­pli­zier­ter Gitarreneskalation. Da kann ich nicht widersprechen.

In einem beson­de­ren Jahr leben wir sicher­lich; und obwohl die Pandemie nicht unbe­dingt hät­te sein müs­sen, so kann ich mei­ne anders­wo geäu­ßer­te Feststellung an die­ser Stelle nur wie­der­ho­len: Schön, dass sie dazu geführt hat, dass Künstler wie­der gemein­sam ins Studio gehen, um dort Gutes aufzunehmen.

(Trotzdem: Inzwischen wird es doch ein wenig anstren­gend. Ich möch­te emp­feh­len, bei­zei­ten die Pandemie einzustellen.)

ComputerIn den Nachrichten
Vorratsdatenzombies: Mögliches noch mög­li­cher machen.

„hei­se online“, 3. Mai 2021:

Das Bundeskriminalamt hat Strafverfahren gegen vier Verdächtige eröff­net, die eine gro­ße Kinderpornografie-Plattform im Darknet betrie­ben haben sollen.

„hei­se online“, 4. Mai 2021:

Oft ste­he der Datenschutz dem Kinderschutz Internet noch im Wege. „Wir haben zum Beispiel ein gro­ßes Problem in dem Austausch von Missbrauchsabbildungen über Messenger wie WhatsApp oder Telegram. Da ist es für die Polizei nicht mög­lich, ver­nünf­tig zu ermitteln“[.]

Forum von „hei­se online“, 4. Mai 2021:

Erfolg! Wir brau­chen mehr Rechte sonst geht nicht, was grad ging!

(via und sie­he auch Schwerdtfegr)

In den NachrichtenNerdkramsPolitik
Keine Pressefreiheit im Westen.

Es gibt schlech­te Neuigkeiten von der DSGVO: Zwar sind reli­giö­se, sexu­el­le und poli­ti­sche Einstellungen schüt­zens­wer­te per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten, aber wenn ein Schauspieler Mitglied in einer Partei mit doo­fen Ohren wer­den will, dann gibt’s Nasenring und Manege.

Immerhin küm­mert man sich wenig­stens in ande­ren Bereichen - in denen, in denen die eige­nen Kinder betrof­fen sind - um den Datenschutz und for­dert in Lehrer-, Eltern- und Schülerverbänden sowie Parteien die Abkehr von US-ame­ri­ka­ni­scher Software in Schulen; frei­lich ohne zu ver­ste­hen, dass außer den bösen Produkten von Microsoft, Google und Apple auch die Linux Foundation mit­samt Linus Torvalds selbst und die Mozilla Corporation US-ame­ri­ka­ni­schem Recht unter­ste­hen, was die ver­füg­ba­ren Alternativen doch merk­lich in der Zahl redu­ziert. Wahrscheinlich mei­nen sie „freie Software“, wenn sie „Nicht-US-Software“ schrei­ben, aber die Forderung steht erst mal im Raum. Zum Glück für sie fragt kaum jemand nach, nicht ein­mal die Politik. - Diese ist auch gera­de mit sich selbst beschäf­tigt: Die sonst eben­falls US-kri­ti­sche „Linke“ beklagt beim US-kapi­ta­li­sti­schen Twitter, dass die Bundesländer, in denen sie von 1946 bis 1989 regiert hat­te, noch immer nicht das wirt­schaft­li­che Niveau der ande­ren Bundesländer erreicht habe. Jetzt könn­te man dar­über dis­ku­tie­ren, wor­an das wohl lie­ge und wie man das behe­ben könn­te, die „Linke“ emp­fiehlt der­weil, man kön­ne doch die „Linke“ wäh­len. Humor ham’se ja.

Andererseits mutan­tur die tem­po­ra ohne­hin auch im Westen (den „alten Bundesländern“; ich bin gespannt, ob in acht Jahren, wenn die „neu­en Bundesländer“ so lan­ge zur Bundesrepublik gehö­ren, wie die DDR über­haupt exi­stiert hat, wenig­stens die­ser Name end­lich aus dem uniro­ni­schen Sprachgebrauch ver­schwin­det) in einer Weise, die nie­man­dem gefal­len sollte:

So ver­lan­gen Landesmedienanstalten in meh­re­ren Fällen von Bloggern die Angabe von Quellen für uner­wünsch­te Beiträge. Auch das rest­li­che Angebot sol­len die Betreiber auf Einhaltung jour­na­li­sti­scher Standards überprüfen.

Das bedeu­tet im Wesentlichen, dass nicht nur sati­ri­sche Beiträge, sofern sie das inhalt­li­che Missfallen der Behörden erre­gen, son­dern auch alle ande­ren Beiträge in pri­va­ten Publikationen wie der, die ihr hier gera­de lest (i.e.: mei­ner), künf­tig gefäl­ligst bequellt sein müs­sen, was bemer­kens­wer­te Wechselwirkungen mit dem Leistungsschmutzrecht hat: Zitiert man Quellen, so wol­len die Verleger Geld für das Zitat haben; zitiert man sie nicht, so wol­len die Landesmedienanstalten Geld dafür haben, dass man es lässt. Deutschland ist kein beson­ders gutes Land, um publi­zi­stisch tätig zu sein. Gestern war Welttag der Pressefreiheit (die „tages­schau“ schrieb was vom „Grundpfeiler der Demokratie“, scheint aber anson­sten zu die­sen Entwicklungen zu schwei­gen), Deutschland kam aber als schlech­tes Beispiel nur sel­ten vor.

Es wur­de schon für weit weni­ger eine Revolution begonnen.

ComputerMontagsmusikNetzfundstücke
Volvopenta - One To Five // Demokratisiert den Vatikan!

Na toll. Sonne is auch wieder.Es ist Montag. „Fridays for Future Frankfurt“ infor­miert, dass Enteignungen „ein wich­ti­ges Mittel“ zugun­sten der „Klimagerechtigkeit“ sei­en. Der Tweet wur­de von einem Smartphone ver­sen­det, es steht aber nicht dran, um wie viel Grad weni­ger sich das Klima erwärm­te, näh­me man es „Fridays for Future Frankfurt“ weg und gäbe es jeman­dem, der noch kei­nes hat. Dabei wäre die Abwendung einer Klimakatastrophe doch am ehe­sten im Sinne derer, die an der Diskussion nicht mal lesend teil­neh­men kön­nen; zum Beispiel der Pandabären.

Die höch­ste Digitalkompetenz trau­en die Deutschen laut Umfragen CDU/CSU (zen­sie­ren das Internet) und den Grünen (wol­len Schadsoftware auf mei­nem Computer instal­lie­ren) zu. Der Wert sol­cher Umfragen ist damit hin­rei­chend gut beschrie­ben. Völlig kon­se­quent gilt auch HP („High Price“, nein, „Hewlett Packard“) in Umfragen noch immer als emp­feh­lens­wer­ter Hersteller von Druckern, obwohl sie doch ihr Bestes tun, um nie wie­der auch nur einen ein­zi­gen Drucker zu ver­kau­fen. Ähnliches Sinnieren über Wahlumfragen erspa­re ich dem Publikum an die­ser Stelle; sie funk­tio­nie­ren ebenso.

Fürchterliche Frage des bis­he­ri­gen Monats: „Ist Sterben in der Mietwohnung erlaubt?“ - Jemand, der die­ses Problem zumin­dest nicht hat, hat der­weil fest­ge­stellt, dass es eigent­lich ziem­lich leicht ist, mit­ten in Europa eine abso­lu­te Monarchie zu errich­ten, ohne dabei auch nur gering­fü­gig an inter­na­tio­na­ler Beliebtheit ein­zu­bü­ßen; es genügt der Glaube an den rich­ti­gen Gott. Wenn ande­re Staaten Gottesrecht über Menschenrecht stel­len und all­ge­mein wenig von der moder­nen Welt hal­ten, dann flie­gen da manch­mal Flugzeuge hin und set­zen den Autokraten medi­en­wirk­sam ab. Hat der Vatikan eigent­lich Ölvorkommen und/oder Massenvernichtungswaffen (außer schwe­ren Büchern zum Werfen)?

Noch mal etwas EDV zum Schluss: Es hat sich über­ra­schend als schlech­te Idee her­aus­ge­stellt, in Alarmanlagen Internet rein­zu­tun. Eine gute Idee hin­ge­gen war, ist und bleibt: Musik.

Volvopenta - One To Five [Official Music Video]

Guten Morgen.

In den Nachrichten
Hinein zum 1. Mai!

Morgen - an einem Sonnabend - ist der 1. Mai. Deutsche sind in die­sem Jahr beson­ders benach­tei­ligt, denn man darf am Tag der Arbeit weder arbei­ten noch ein­kau­fen, und wenn Deutsche sonn­abends nicht ein­kau­fen kön­nen, ist die Revolution so zum Greifen nahe wie sonst nur sel­ten. Vor einem außer­or­dent­lich schlecht sor­tier­ten und viel zu engen Supermarkt sah ich heu­te eine Schlange, deren Drinsteher die Zahl derer, die gleich­zei­tig drin sein dür­fen, unge­fähr erreicht haben, wie mir schien. Anscheinend muss man sonn­abends gar nicht ein­kau­fen kön­nen, an ande­ren Abenden haben ja auch alle Zeit. Hoffentlich spricht sich das nicht herum.

Nach dem Einkaufsexzess mit vol­lem Kühlschrank kann es mor­gen dann mit den „Proteste[n] gegen Kapitalismus zum 1. Mai“ („Deutschlandfunk“) los­ge­hen; end­lich kön­nen die, die mit den Sorgen und Nöten der Arbeiter dank eines rei­chen Elternhauses wenig ver­bin­det, wie­der für ihre eige­ne Enteignung sei­tens des freund­li­chen Staates kämp­fen - gefilmt, foto­gra­fiert und auf kapi­ta­li­sti­schen sozia­len Netzwerken geteilt via Luxussmartphone, ver­steht sich. Aber Kapitalismus ist nicht das Problem.

Von den Alten ist wenig geblie­ben, denn ohne den äuße­ren Freund und inne­ren Feind erlahmt auch die Kampfeslust. Unvergessen bleibt mir dies­be­züg­lich ein Dialog mit einem Alt-68er, der sag­te, er kön­ne doch nicht mehr „Ho Ho Hồ Chí Minh“ rufen, wobei er tei­li­ro­nisch eine Faust reck­te, wor­auf­hin ich frag­te, war­um nicht, wor­auf­hin ihm kei­ne Antwort ein­fiel. Meines Wissens hat er seit­dem aber trotz­dem nicht mehr „Ho Ho Hồ Chí Minh“ gerufen.

Seine Altersgenossen, die Gewerkschaftsgreise vom DGB und ange­schlos­se­nen Sendeanstalten (DKP, ver.di und so wei­ter), wer­den es sich den­noch nicht neh­men las­sen, zumin­dest vor­über­ge­hend in den Städten zu ran­da­lie­ren Informationsmaterial zu ver­tei­len, wäh­rend die Jungen mit ihrer seit Jahrzehnten kaum ver­än­der­ten Choreographie (schlim­me Parolen, schlim­me Aktionen, schlim­me Empörung), dank­bar wie­der­ge­käut von denen, die für die­sen Zirkus den Eintritt kas­sie­ren („Journalisten“), ihren Teil dazu bei­tra­gen, ihr Andenken in gesamt­ge­sell­schaft­li­che Vergessenheit zu entsenden.

Montag kann man wie­der ein­kau­fen. Der Kampf geht weiter.

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Wohlstandskritikverwahrlosung

Der „Tagesspiegel“ fragt anläss­lich einer Reihe von Videos, in denen Schauspieler sati­risch den media­len Umgang mit den als „Maßnahmen“ ver­bräm­ten (Impfen ist eine Maßnahme, alles ande­re ist kei­ne Maßnahme, son­dern Überbrückung zur Maßnahme) und bereits ange­foch­te­nen Pandemieregelungen aufs Korn nehmen:

Ja, die Kulturbranche lei­det seit mehr als einem Jahr, etli­che ste­hen vor dem Ruin, die Hilfen sind unzu­rei­chend. Aber die­se Aufnahmen zei­gen pri­vi­le­gier­te, gut ver­die­nen­de Menschen, vie­le von ihnen sind eta­blier­te „Tatort“-Darsteller. Ist ihre Teilnahme ein Zeichen von Zivilcourage oder nicht eher von Wohlstandsverwahrlosung?

Was der „Tagesspiegel“ lei­der nicht dazu schreibt, ist wenig­stens ein grob geschätz­tes Bruttogehalt, ab dem Zivilcourage auto­ma­tisch in Wohlstandsverwahrlosung umschlägt. Das ist etwas scha­de, denn auch ich als Vertreter der finan­zi­el­len Mittelschicht habe gele­gent­lich das Ansinnen, mich kri­tisch über von mir als unge­recht emp­fun­de­ne Entwicklungen zu äußern, habe jetzt aber Angst, dass der „Tagesspiegel“ des­halb über mich schrei­ben wird, ich sol­le mich nicht so anstel­len, man­che ver­die­nen immer­hin weni­ger Geld als ich und hal­ten trotz­dem die Fresse.