Netzfundstücke
Deutschland, deine Allegorien! (9)

Aua im Kopf

(Quelle)

In den NachrichtenMir wird geschlechtNerdkramsPolitik
Kurz verlinkt: Gewalt, Google, Schokolade und Quoten

Die klare Ansage des Tages kam gestern von „der Antifa“, deren Mitideologe Horst Schöppner medial klarstellen zu müssen meinte:

Gewalt wirkt. Egal, ob es einem gefällt oder nicht. Gewalt wirkt auch gegen Nazis. Vielleicht wirkt sogar nur Gewalt gegen Nazis.

Und zwar, weil:

Wenn Sie kein Rassist, Islamhasser oder Nazis sind, wenn Sie also die Parolen von PEGIDA oder AfD nicht gut finden, dann sind Sie für Ihr Gegenüber vermutlich automatisch: dumm, Antifa, Gutmensch, Neger, Lügenpresse, Schwuchtel, Staatsbüttel oder alles zusammen.

Erst mal davon ausgehen, dass der Gegenüber einen für dumm oder – eine offensichtlich noch weit schlimmere Beleidigung – Antifa (sic!) hält, um ihm präventiv auf’s Maul hauen zu dürfen, ist eine überaus elegante Lösung. Nie habe ich mir so sehr gewünscht, auch einmal für dumm gehalten zu werden. Herr Schöppner, wie wär’s?


Google findet, Passwörter seien keine für Android zukunftstaugliche Sicherheitsvorkehrung, und möchte stattdessen eure biometrischen Daten in der cloud (also auf den Rechnern überdies US-amerikanischer Fremder) speichern.

Kotz


2005: Dunkelhäutige Schokoladenmaskottchen sind rassistisch.
2016: Sich über dunkelhäutige Schokoladenmaskottchen aufzuregen ist rassistisch.

Langweilig wird es mit diesen Leuten zum Glück nie.


Der Feminismus hat uns nun jahrelang gelehrt, dass es nicht etwa ausbildungs- oder lebensstilbedingt, sondern allein eine Diskriminierungsfolge ist, als Frau nicht auf eine Führungsposition erhoben zu werden. Folglich gibt es für die Nachricht, dass hauptsächlich Westdeutsche ostdeutsche Führungspositionen innehaben, nur einen möglichen Grund. Ich erwarte Oben-ohne-Demonstrationen beschrifteter ostdeutscher Manager in allen größeren deutschen Städten.

In den NachrichtenPolitik
Medienkritik XCIX: Alles, aber nicht die Kirche!

Endlich erklärt uns Andreas Püttmann, c/o „ZEIT ONLINE“, mal, wieso die AfD, diese einstige F.D.P. für Professoren und heutige CSU für Arbeitslose, eigentlich so schlimm und verachtenswert sei:

Wer sich als Christ nicht von Gewaltfantasien gegen Flüchtlinge und demokratische Politiker, von Rassismus, Affinitäten zu Putin-Russland und antikirchlicher Polemik abschrecken lässt, passt auch besser in die neue rechtsautoritäre Polit-Großsekte als in die Gemeinde der Jünger Jesu Christi.

Da sind alle Feindbilder versammelt, die man als moderner und aufgeklärter Leser von „ZEIT ONLINE“ so hat: Nicht nur der Iwan – gemeinsame Sache macht man im Westen gefälligst mit latent rassistischen, zumindest aber fanatischen Gotteskriegern, aber doch nicht mit dem Iwan! -, sondern auch und gerade der Säkularismus. Zweifellos sind die Grenzen da fließend („wie CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagte: ‚Das C setzt uns eine ganz klare Grenze nach rechts'“ (ebd.), denn wenn eines links und tolerant ist, dann ja wohl die katholische Kirche), aber in Zeiten wie diesen hilft nur noch ein unerschütterlicher Glaube, befeuert durch, wie sich das für einen anständigen Journalisten und Wissenschaftler („Andreas Püttmann ist ein deutscher Politikwissenschaftler, Journalist und Publizist“, Wikipedia) eben so gehört, ein passendes Bibelzitat:

Indem sich die Kirche der rechten Re-Ideologisierung durch falsche Propheten „christlicher Kultur“ entgegenstellt, leistet sie nicht nur Wiedergutmachung für ihre historischen Sünden der Kumpanei mit autoritären und faschistoiden Systemen. Sie kann ihre Anthropologie und Sozialethik jetzt auch klarer herausarbeiten. Deren Kern ist die Freiheit: „Ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder“ (Gal 5,13).

Eine andere Stelle des Galaterbriefs (Gal 6,10), dessen Verfasser noch zu Beginn klarstellt, dass Angehörige anderer Religionen grundsätzlich Sünder sind (Gal 2,15), begründet dann allerdings auch die von der AfD empfohlene Bevorzugung des Christentums – wenn auch unter falschen Bedingungen, denn das christliche Kopftuchgebot (1. Kor. 11,5) wird dort, rhetorisch nicht ungeschickt, gern ignoriert – gegenüber dem Islam („lasset uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen“), aber so genau nehmen wir es lieber doch nicht, sonst geht uns das schöne Narrativ noch verloren. Das Problem mit der AfD dürfte jedenfalls kaum ihr fehlendes Bekenntnis zum Christentum sein.

Andreas Püttmann weiter:

Ein Katholikentag mit Schaukampf „Sternberg contra Petry“ und einem selbst als Moderator: (…) Dies mag in ruhigen Zeiten saturierter Gesellschaften ein belebendes Element sein, kann aber in Krisenzeiten fatal wirken. Deshalb braucht es jetzt christliche Medienmacher, die ihr Fähnlein nicht nach dem Winde hängen oder sich bloß als Profis in der Bewirtschaftung von Aufmerksamkeitsressourcen verstehen.

Medienmacher – ich ergänze – wie Andreas Püttmann also, denen die Trennung von Staat und Kirche, die heute so dringend gebraucht wird wie schon seit Jahren nicht mehr, letztendlich so egal ist wie der Kontext, in den ihre Glaubensgrundsätze eingebunden sind.

Oh Gott.


Apropos egal bzw. Böhmermann: „Wer mit Kunst so umgeht, hält, befürchte ich, allein sich selbst für Kunst und die anderen für nützliche Narren.“ Welch treffender Schluss.

In den NachrichtenMontagsmusik
Portugal. The Man – Atomic Man

Panda zu Eule fünf bitte, Panda!Es ist – die aufkommende Trübsal lässt keinen Zweifel – Montag; ein Montag, dessen ausgestreckter Mittelfinger in der Erinnerung bohrt, wie das alles noch war, als es noch war. Hat man es wirklich so gewollt? – Statt „Schockbilder“ auf viel zu wenige potenziell tödliche Dinge zu drucken, wäre es möglicherweise ratsam, auf Kalendern das gefährlich harmlos aussehende „Mo“ durch ein geradezu grausames Bild, etwa eine Fotografie Hannovers, zu ersetzen, um die Leute zu warnen. Allwöchentlich scheint der Montag ja von einer großen Heimtücke zu sein, lauscht man einmal den Passanten, die ihr Unglück (den Montag) kaum fassen zu können scheinen.

Die wiederum, wenn’s der Markt bestimmen darf, überwiegend umgehend psychologische Hilfe benötigen: Ein eigentlich anderweitig konzipiertes Armband verteilt nun auch Elektroschocks, wenn man zu viel Geld ausgibt. Angesichts des Kaufpreises für das Gerät ist der erste Stromstoß vermutlich schon inklusive. Das merkwürdige Blog „Volksverpetzer“ hat derweil nicht verstanden, dass „Anonymous“ keine homogene Gruppe von Linken ist, wenn doch schon die Linken selbst nur so homogen sind wie die Pöstchen, die sie anstreben: Eine ehemalige Grünen- und Piratenpolitikerin möchte nun für die „Linke“ in den Bundestag, dieses Auswürfeln von Überzeugungen funktioniert halt nicht immer so gut. Wer hat da eben gesagt, Blogs seien der bessere Journalismus?

Aber was ist schon gut, wenn schon „schon gut“ meist das Gegenteil meint? Nun, zumindest Portugal. The Man.

Portugal. The Man – Atomic Man (Live at Music Feeds Studio)

After you, I don’t know what I believe in.
After you, hell should be easy.

Guten Morgen.

NerdkramsProjekte
In eigener Sache: Der blödeste Projektname der Weltgeschichte.

Was hat der Welt denn noch gefehlt? Richtig: Ein weiterer statischer Bloggenerator, und zwar von mir. Verehrtes Publikum, ich präsentiere: BlogC++. Das passiert, wenn man mich mal mit einer Tastatur allein lässt.

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ComputerIn den NachrichtenSonstiges
Qualitätsjournalismus (Digitaledition)

„SPIEGEL ONLINE“ stellte gestern vorübergehend einen Teil der Verteilung von Schadsoftware ein, rät aber nach wie vor davon ab, mittels einer Softwarelösung den Rest der verteilten Schadsoftware vom eigenen Rechner fernzuhalten.


In weiteren Nachrichten: Das Vergasen und/oder „Schreddern“ (sic!) von männlichen Küken, weil sie blöderweise keine Eier legen, ist kein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Unklar bleibt, ob das Vergasen und/oder „Schreddern“ (sic!) bestimmter Politiker, weil sie blöderweise weder Eier legen noch Milch geben und noch nicht mal besonders gut schmecken, auch weiterhin als Verstoß gegen Menschenrechte gilt.

NerdkramsNetzfundstücke
💩

Das hatte ich völlig übersehen: Irgendwo in einem kleinen Raum mit, hoffentlich, Wänden aus Gummi arbeiten Forscher am nächsten großen Ding.

Emojis mit anpassbarem Geschlecht und änderbarer Haarfarbe.
Die nächste Generation der Emojis.

Falls noch jemand versehentlich den Menschen für die intelligenteste Spezies hielt: Tschuldigung!

ComputerIn den NachrichtenPolitik
Liegengebliebenes vom 17. Mai 2016

Soll ja keiner sagen, die da oben – die Schwatten und der Sichma – tragen zum Aufbau des Sozialstaats nichts bei. Im Gegenteil, sie tun sogar was gegen Arbeitslosigkeit: Hartz-IV-Bezieher mit geringen Jobaussichten sollen länger in Ein-Euro-Jobs arbeiten und leichter in Frührente geschickt werden können. Das haben sie dann davon, sollen sie doch arbeiten, wenn ihnen das nicht passt.


„Linux ist sicher“ des Tages: The real „hard truth“ about Linux kernel security is that there’s no such thing as a free lunch.


Internettoaster? Ein batteriebetriebenes Skateboard? Alter Hut! Wisst ihr, wo unbedingt mehr Internet rein muss? In eure Vagina!

Ich wär‘ auch gerne so bekloppt.
SpongeBob Schwammkopf


Das Bild der Deutschen im Ausland, heute mal aus journalistischer Perspektive, beleuchtet die Neue Zürcher Zeitung:

Dem Wutbürger im Internet tritt in manchen Leitmedien ein Wutjournalismus gegenüber, der Schimpfen, Weghören und Kommunikationsverweigerung zu Tugenden erklärt. Eine rhetorische Hau-drauf-Mentalität gegen den Feind von rechts gilt nicht nur in Kreisen von habituellen Krawall-Kolumnisten, wie sie der «Spiegel» beschäftigt, als Gebot der Stunde.

„Wutjournalismus“. Find‘ ich gut.

MontagsmusikMusik
Bardo Pond – Aldrin

Kalenderbeschriftung (eulisch)Es ist Montag; nein, nicht bloß schon wieder der erste Montag vom Rest des Lebens, dessen Bösartigkeit durch ausgerechnet ein christliches Fest einerseits abgemildert, andererseits verdoppelt wird, weil ein Montag, der wie ein Sonntag ist, dem Sonntag, der keiner war, sozusagen den Boden ausschlägt, sondern überdies einer der wenigen Montage, an denen es von Bedeutung zu sein scheint, welcher Hanswurst am Wochenende seinem bedauernswerten Land im Wettstreit derer, die glauben, ihr Land ließe sich durch englischsprachigen Bumspop am besten repräsentieren, den Sieg einfuhr. Auch in diesem Jahr konnte dem geneigten Musikfreund ein kluger Umgang mit den Medien einen Großteil der Berichterstattung sowie die Kenntnis des vermeintlichen Siegerlandes ersparen. Deutschland scheint’s aber nicht geworden zu sein, denn bisher scholl mir kein vielstimmiges „Wir sind Grand Prix!“ entgegen. Mehr gilt es darüber aber keineswegs zu wissen, denn Wissen über Firlefanz belegt Ressourcen, die man vielleicht lieber für Sinnvolleres reservieren sollte.

Auch andere Hobbys nämlich führen zu Aufmerksamkeit: Exhibitionisten in Sauna festgenommen. Geht es nicht noch eine Nummer kleiner? Leider nicht: Schweinekopf vor Angela Merkels Wahlkampfbüro gefunden, was ja schon deshalb erstaunlich ist, weil es keinen Anlass zu der Annahme gibt, eine CDU-Vorsitzende verbinde mit Schweineköpfen etwas Schlechtes. Früher waren wenigstens politische Drohungen noch unpeinlich.

Apropos unpeinlich und unschlimme Musik: Dieser Tage erscheint das dritte Album der famosen Bent Knee. Sicherlich wird es ein großartiges Album sein, die Vorfreude darauf mag ich aber niemandem verderben, überspringen wir die Wartezeit also statt mit dem Naheliegenden mit etwas feinem Postrock.

Bardo Pond — Aldrin

Guten Morgen.

Sonstiges
Kenne dein Publikum!

Wer bisher noch keinen Anreiz hatte, die „Braunschweiger Zeitung“ zu abonnieren: Neuabonnenten erhalten als Willkommensgeschenk nun das wichtigste Utensil für jeden typischen Zeitungsleser.

Fatboy

Man beachte insbesondere auch die geradezu wie die Faust auf’s Auge passende Bezeichnung des Utensils. Ein Chapeau dem Werbetexter!

:irre:

In den NachrichtenPolitik
„Europäische Lösung“ des Tages

Man dürfe Erdoğan ja nicht zu sehr verärgern, denn wir brauchen sein Wohlwollen; lassen wir weniger Türken nach Deutschland, lässt er mehr Syrer nach Deutschland, und wenn Deutschland die Wahl zwischen mehr Syrern und mehr Türken habe, dann – das ist impliziert – sei die Entscheidung doch wohl klar. Weniger Platzprobleme in Deutschland, weniger Syrer in Europa, keine Kurden mehr in der Türkei.

Was, wer brüllt da dazwischen, man könne Flüchtlinge auch einfach erschießen? Das verbittet sich die Bundesregierung doch entschieden, Deutschland ist ein weltoffenes Land. War das etwa schon wieder so ein rechtsradikaler Rechtspopulistennazi von der rechtspopulistischen Rechtspopulismusnazi-AfD? Kein Fußbreit, dafür müssen wir Sorge tragen! – Moment, ich kriege gerade eine Eilmeldung:

Drei syrische Flüchtlinge und ein Schlepper seien im März und April von türkischen Grenzschützern erschossen worden, berichtet HRW. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach im März gar von 16 Toten.

Ach, hm, ähm. Das bedeutet jetzt aber nicht, dass –

ZDF-Störung

Seht mal, zwei Exfreundinnen von Justin Bieber haben beef miteinander!

In den NachrichtenPolitik
Die überflüssige Armee

Auf „ZEIT ONLINE“ beklagt Hauke Friederichs heute unter der ach-so-dramatischen Überschrift „Die überforderte Armee“, dass die Bundeswehr nicht ausreichend auf eine anständige Runde Realkillerspiele vorbereitet ist:

Der Wehretat wird bis 2019 von 33 auf 35 Milliarden Euro erhöht, darauf hat sich das Kabinett bereits geeinigt. Doch die größten Probleme der Streitkräfte sind damit nicht gelöst: Ihre Einsätze werden immer brisanter, die Ausrüstung dennoch immer älter. Die Bundeswehr werde überfordert, warnen Bundeswehrverband und der Wehrbeauftragte des Bundestages. (…) Zwar soll die Bundeswehr nun mehr Geld erhalten – doch die Zahl ihrer Aufträge dürfte weiterhin deutlich stärker steigen als die Mittel.

Das Erteilen von Aufträgen an Gruppen von Leuten, die zur Erfüllung dieser Aufträge bewaffnet sein müssen, nannte man früher ja noch ganz anders, aber Sprache ändert sich eben. Schlagen wir doch mal eben im Sprachkompendium „ZEIT ONLINE“ (gleicher Artikel) nach, wie man das heute so nennt, wenn ein Staat bewaffnete Milizen irgendwo, wo sie nichts zu suchen haben, hinschickt, worauf sie dort mit etwas Glück wenigstens von Bomben zerfetzt werden, bevor sie jemandem wehtun können:

„In den nördlichen Landesteilen Malis ist die Bedrohungsstufe erheblich“, sagte Staatssekretär Markus Ederer aus dem Auswärtigen Amt im Bundestag. (…) „Jüngste Vorfälle, (sic! A.d.V.) wie der Angriff auf das Hotel Radisson Blu in Bamako am 20. November 2015 zeigen, dass radikale Kräfte weiterhin versuchen, den eingeleiteten Aussöhnungsprozesses zu untergraben.“

Ach, richtig: Aussöhnungsprozess.

Das Problem der Bundeswehr ist nicht, dass sie zu wenig Geld hat.

Das Problem der Bundeswehr ist, dass sie noch immer existiert.

In den NachrichtenMontagsmusikNetzfundstückePersönliches
Van der Graaf Generator – Darkness (11/11)

Blergh.Es ist Montag. Ihr kennt das. – Etwas aber ist neu: Die Sonne ist da. Menschen in der Straßenbahn sind jetzt nicht nur laut und dumm, sie fangen endlich auch wieder an, anstrengend zu riechen. Wie längst gewohnt war das Wochenende dennoch beherrscht vom riesigen Schatten, den man selbst nachgesagt bekommt, und allerlei Geseufz. Kaum hat man den Kopf frei, denkt man ja doch nur wieder über sein Leben nach. Eine schrecklich ansteckende Witzigkeit ist und bleibt noch immer die beste Tarnung für den nagenden Selbstzweifel. Frühling ist, wenn man vermisst.

Und die Menschen lernen nichts, damit ist man wenigstens nicht allein. „t3n“ bewirbt ein Programm, das nach einer einstellbaren Zeitspanne Programme beendet, die von der Arbeit ablenken, nachdem man sie zuvor gestartet hat. Manchmal fehlt mir das Gerät, das über’s Internet Ohrfeigen verteilt, doch immens. Es darf auch gern ein großes sein; einmal per Knopfdruck jedem Dummen links und rechts eine klatschen, was zwar voraussichtlich nicht gegen dessen Dummheit hilft, aber gegen diese elende Anspannung, wenn man so etwas liest: Wissenschaftler notiert Differenzialgleichungen, US-Amerikanerin äußert Terrorverdacht. Wenn alles, was ein Dummer nicht versteht, bereits ein valider Anlass zu einer Terrorwarnung ist, dann habe ich ein paar schlechte Nachrichten für euch.

Andere Völker sind wenigstens nur liebenswert verklemmt: China untersagt erotisches Bananenessen in Livestreams. Reinschieben scheint weiterhin erlaubt zu bleiben, zumindest ist im Artikel nicht vom Gegenteil die Rede.

Dutzende Flüchtlinge lassen sich taufen. Damit erhöhen sie auch ihre Chance auf Asyl. Wenn wir eins dringend brauchen, dann ja wohl mehr Religion! Und Geld, Geld könnte helfen: Geld macht Männer attraktiver, und kaufen können sie sich dann auch ab und zu mal was.

Zum Beispiel ein gutes Musikalbum.

Van Der Graaf Generator – Darkness (11/11) – Live Rockpalast 2005

I did not choose it, I did not choose it,
I did not, no, no, I did not, I truly did not choose it.

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Hookworms – The Hum

Hookworms - The HumTief in meiner Musikkiste habe ich Hakenwürmer gefunden.

Hookworms sind eine britische Band, die 2010 gegründet wurde und gelegentlich mit den hier schon angepriesenen Wooden Shjips zu den „Neo-Psychedelic“-Bands gezählt wird. Die fünf Herren nennen sich JN, SS, MJ, MB und JW und auch sonst gilt es bei dieser Band, sich auf die Musik zu konzentrieren. 2014 erschien ihr viertes und bis heute aktuelles Studioalbum „The Hum“. In Großbritannien erreichte es Platz 22 der Albenhitparade, was über Großbritannien sicherlich manches aussagt.

„The Hum“. Das Summen. Hmm, hmm, schepper! Hier wird gerockt (Stoner, Indie) und gepunkt (Post), aber nicht gerollt. Obwohl es mit elektronischem Wabern und Schlagzeug beginnt, als hätte man es hier mit einer dieser schrecklichen Teenagerkapellen zu tun, aber das trügt, denn schnell setzt der ziemlich einmalige Gesang von „MB“ ein, bis zur Unkenntlichkeit verzerrt und kräftig hallend, angeblich, um die eigene Unsicherheit zu überspielen, aber tatsächlich wohl auch der Effekte wegen, was ich ausdrücklich gutzuheißen beabsichtige. Psychedelia in Hochform.

Hookworms – The Impasse (Official Audio)

Ich neige ja dazu, überall Musikgruppen sozusagen wiederzuerkennen, die ich sehr schätze, und auf „The Hum“ habe ich ständig die Frage im Kopf, ob die grandiosen Velvet Underground wohl heute so ähnlich klängen, wenn sie heute noch klängen und dabei von einer dieser neuen Retro-Psychedelic-Bands (ich würde Vibravoid empfehlen) gecovert, begleitet oder sonstwas würden. Das folgende orgelklanglastige „On Leaving“ setzt das insofern fort, als mir sofort Vergleiche mit den Raveonettes und ähnlichen Bands einfallen.

Bemerkenswert sind im Übrigen die drei instrumentalen Übergangsstücke „iv“, „v“ und „vi“, die das Äquivalent zu „i“, „ii“ und „iii“ vom ebenso überzeugenden Vorgängeralbum „Pearl Mystic“ (2013) bilden und im Wesentlichen aus Drones bestehen, sozusagen als Ruhe zwischen dem Sturm. Das hohe Niveau halten Hookworms bis zum letzten, nochmals druckvollen Stück „Retreat“ durch, Langeweile kommt hier nicht auf.

Hookworms – Retreat

Ihr seht mich erfreut.

The Hum. Kann man mal hören.

In den NachrichtenMusik
Vinyl <3 (3): Datenverlust ist das neue "Das muss so sein".

Was ernten Leute wie ich, die lieber ihren Wohnplatz mit tonträgerbefüllten Regalen vollstellen als das viel bessere, weil vermeintlich portablere und damit flexiblere, Musikstreaming zum Nonplusultra zu erklären und alles wegzuwerfen, was anfassbare Musik ist, nicht immer wieder für ungläubiges Kopfschütteln: Streaming nehme einem doch nichts weg!

Klar, wenn man eben 15 Jahre alt ist und sich mit den nur wenig besseren Furzgeräuschen im Radio zufrieden zeigt, dann mag das stimmen, und es gibt auf so Plattformen ja durchaus auch ein paar erträgliche Musikgruppen. Einige wenige aber, darunter King Crimson, weigern sich standhaft, den mühsam erarbeiteten kreativen output durch Qualitätsreduktion quasi zerstören zu lassen, wiederum andere sind noch gar nicht von einer großen Plattenfirma, die entsprechende Verträge schließen würde, aufgenommen worden. Natürlich könnte man das ja parallel betreiben, es gibt ja inzwischen viele Neuveröffentlichungen auch als so genannten „MP3-Download“, man könnte also seine auch haptisch wertvolle Plattensammlung durch gefühllosen MP3- und Streaming-Quatsch ersetzen und hätte ein viel einfacheres Leben, so erzählte man mir erst vor einigen Tagen wieder.

Derjenige, der solcherlei sprach, ist treuer Applekunde, weil Apple einfach alles richtig mache.

Außer natürlich, man versucht Apple Music zu nutzen, das absichtlich – das muss so – nach erfolgter Anmeldung jede Musikdatei auf der Festplatte mit dem eigenen Datenbestand abgleicht, assimiliert und von der Festplatte löscht. Man kann sich die Musik ja danach einfach wieder anhören, nur eben über Apple Music (also im Zweifel kaputtkomprimiert), und vielleicht findet es sogar die gleiche Aufnahme; Pech, wer bisher seltene Bootlegaufnahmen populärer Lieder besaß.

For about ten years, I’ve been warning people, “hang onto your media. One day, you won’t buy a movie. You’ll buy the right to watch a movie, and that movie will be served to you. If the companies serving the movie don’t want you to see it, or they want to change something, they will have the power to do so. They can alter history, and they can make you keep paying for things that you formerly could have bought. Information will be a utility rather than a possession. Even information that you yourself have created will require unending, recurring payments just to access.”

Manchmal ist es beunruhigend, Recht zu haben.


Nachtrag vom 15. Mai 2016: Apple weiß nicht, wieso iTunes Dateien löscht. Da lohnt sich doch der Umstieg gleich doppelt.