Netzfundstücke
Kurz ange­merkt zur .txt-Kon­fe­renz

Dass die Auto­ver­ba­lero­ti­ker aus dem Dunst­kreis der gänz­lich über­flüs­si­gen, weil nichts als die eige­ne Groß­ar­tig­keit im her­me­ti­schen Raum beju­beln­den Quas­sel­ver­an­stal­tung „re:publica“ sich im Rah­men ihres dies­jäh­ri­gen Sich­gut­fin­dens zu einer Ver­an­stal­tung namens „.txt“, auf der es um das geschrie­be­ne Wort, und zwar „nicht nur um ‚Hoch­li­te­ra­tur‘ “, gehen soll (wo blei­ben eigent­lich die Aktio­närs­ver­an­stal­tung „.csv“ und die Por­no­kon­fe­renz „.jpg“?), aus­ge­rech­net im „Glas­haus“ (ebd.) tref­fen wol­len, ist schon des­halb eine groß­ar­ti­ge Poin­te, weil sie stimmt.

Mir wird geschlechtNetzfundstückePersönliches
Flir­ten mit der „taz“

Kur­ze Durch­sa­ge von Lou Zucker für die „taz“:

Die Erwar­tun­gen von Frau­en an Män­nern (sic! A.d.V.) beim Daten sind so gering – der gering­ste Respekt reicht aus, um sie zum Jubeln zu bringen.

Eine kur­ze Umfra­ge unter weib­li­chen Men­schen in mei­nem Bekann­ten­kreis – ich schrieb mit Ver­weis auf den Arti­kel: „ich respek­tie­re dich ein biss­chen“ – ergab zu mei­nem Bedau­ern kei­ne Wel­le des Jubels, son­dern zahl­rei­che Aus­drücke der Ver­wir­rung, unge­fähr drei Fast­blocka­den und ein zwei expli­zit iro­ni­sche Freu­de­n­emo­jis. Lügen­pres­se!

In den NachrichtenNerdkrams
Medi­en­kri­tik CXIX: Mit der „Rhein-Neckar-Zei­tung“ das Hacken falsch lernen.

Die „Rhein-Neckar-Zei­tung“ („RNZ“) des­in­for­miert in zwei Arti­kel­se­ri­en (ver­linkt wer­den will sie aller­dings nicht – LSR) über einen „Hacker­an­griff“ auf das Rat­haus in Schries­heim, in des­sen Fol­ge per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten ins fie­se Darknet gera­ten sind:

Es ist der­zeit noch nicht bekannt, wel­ches Ein­falls­tor die Hacker nutz­ten: War es mög­li­cher­wei­se ein mit einer Schad­soft­ware infi­zier­ter Anhang?

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In den NachrichtenMontagsmusikNerdkrams
Kraut­zo­ne – Lie­be /​/​ So blöd sein (in der EDV).

Etwas MontagsflauschEs ist Mon­tag. Ich fas­se mich heu­te mal kurz. – So, ich habe mich kurz gefasst. War schön.

Die NSA, die schon mal einen Ver­schlüs­se­lungs­stan­dard mit Hin­ter­tür ver­ab­schie­den ließ, ver­spricht, dass sie das dies­mal ganz bestimmt nicht macht. Pfad­fin­der­eh­ren­wort (mit gekreuz­ten Fin­gern, weil, dann gildet’s nicht). Die Pro­gram­mier­spra­che Rust hat der­weil ihren ersten Angriff per Paket­ma­na­ger über­stan­den, indem jemand eine schad­haf­te Biblio­thek ver­öf­fent­licht hat und irgend­je­mand so blöd sein könn­te, sie zu nut­zen. Wir ler­nen es ein­fach nicht.

Was wir auch nicht ler­nen: Soft­ware, die ohne dau­ern­den Funk­kon­takt mit ihrem Ent­wick­ler nicht mehr funk­tio­niert, ist eine fun­da­men­tal schlech­te Idee. Tech­nik­blogs sind auch das vir­tu­el­le Papier nicht mehr wert, auf dem sie vir­tu­ell gedruckt wer­den; das ehe­ma­li­ge Qua­li­täts­blog „Basic Thin­king“ ließ schon im Janu­ar die­ses Jah­res eine Mari­ne­la Potor daher­quat­schen, dass iPho­nes ja auch irgend­wie „unter Linux“ lau­fen (tun sie nicht). Es war ein Feh­ler, jedem Bür­ger die Mög­lich­keit zu geben, sein man­geln­des Tech­nik­ver­ständ­nis öffent­lich kund­tun zu kön­nen. – Zitat der Woche, fast zum The­ma: „Ein Inter­net, in dem man sich an jeder Ecke aus­wei­sen muss, in dem Funk­tio­nen an Staats­bür­ger­schaf­ten, staat­li­che und sozia­le Pri­vi­le­gi­en geknüpft wer­den, wäre kein Inter­net mehr.“

Raus aus der Tech­nik, (end­lich) rein in die Aku­stik: Neu­lich hat jemand für eine pathe­ti­sche Schnul­ze irgend­ei­nen Preis erhal­ten. Mit mir wäre das nicht pas­siert, denn hier beginnt eine Woche noch immer mit guter Musik.

Kraut­zo­ne – Liebe

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenMusik
Punk zieht in den Krieg.

In Nord­rhein-West­fa­len wur­de heu­te gewählt. Lin­ke (wegen der AfD) wie Rech­te (wegen der Lin­ken) eint die Freu­de dar­über, dass es eine Fünf-Pro­zent-Hür­de für Land­tags­wah­len gibt. Ist das Punk?

Ach, die Fra­ge kommt zu spät; was Punk ist und was nicht, ist 44 Jah­re nach Sid Vicious und sei­nem Haken­kreuz-T-Shirt – Punk ist vor allem gegen die Norm – und damit in einer Zeit, in der es Lin­ken gar nicht schnell genug gehen kann mit Natio­na­lis­mus und Krieg (allein heu­te haben zwei wei­te­re Staa­ten ihre Absicht zum Bei­tritt der NATO eil­ge­mel­det ver­kün­det), ja eine nur mehr aka­de­mi­sche Dis­kus­si­on. Punk schwingt heu­te Natio­nal­flag­gen und demon­striert für den star­ken Staat.

So pas­send wie put­zig ist die­se „Nach­richt“:

In einem Inter­view erzählt Rock­sän­ger Cam­pi­no wegen des Ukrai­ne-Kriegs vie­le alte Grund­sät­ze auf den Prüf­stand stellt. So wür­de er wohl auch heu­te nicht mehr den Wehr­dienst ver­wei­gern, wie er es 1983 getan hatte.

War­um Krie­ge nur noch sel­ten von denen aus­ge­foch­ten wer­den müs­sen, die deren bru­ta­le Effi­zi­enz ins­be­son­de­re für das Wirt­schafts­wachs­tum zu schät­zen wis­sen, haben Ber­tolt Brecht und (spä­ter) Serj Tan­ki­an gefragt und kei­ne Ant­wort bekom­men. In die­ser Tra­di­ti­on ste­he auch ich, aber stolz dar­auf bin ich nur manch­mal heim­lich ein bisschen.

Cam­pi­no ver­or­te sich „poli­tisch links und als Wäh­ler bei den Grü­nen“, berich­tet das „RND“ und begreift den Witz nicht. Im Über­fluss­land sind das bür­ger­li­che Kate­go­rien, so viel ist klar, weil zu oft gehört. Punk ist nicht mehr gegen alles und vor allem gegen das System, Punk will das System jetzt mili­tä­risch ver­tei­di­gen. Die F.D.P. „ist Punk“, wahl­kämp­fer­te es noch 2020 in Sex-Pistols-Tra­di­ti­on aus der F.D.P. Fried­richs­hain-Kreuz­berg her­aus. Mich über­rascht nur noch wenig.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Mehr Abtrei­bungs­recht für Männer

Im Bun­des­tag ging es heiß her (Archiv­ver­si­on): Es sei eine „hit­zi­ge Debat­te“ dar­über geführt wor­den, ob die Ver­füg­bar­keit von Infor­ma­tio­nen zu mög­li­cher Abtrei­bung eines Kin­des recht­lich ein­ge­schränkt wer­den soll oder nicht. Nun hal­te ich nicht viel von Kin­dern und von der Fra­ge, wel­che Geschlech­ter sie krie­gen kön­nen und wel­che nicht, daher fra­ge ich statt­des­sen fol­gen­des: Wenn einer der bei­den für die Nach­wuchs­zeu­gung Ver­ant­wort­li­chen selbst dar­über bestim­men darf, ob die Zeu­gung nach­hal­tig aus­ge­tra­gen wer­den soll oder nicht, soll­te es dem ande­ren Ver­ant­wort­li­chen, womög­lich weder wis­send noch wol­lend, dann nicht auch als Opti­on frei­ge­stellt sein, jeg­li­che Rech­te (aber auch: Pflich­ten) an dem so ent­stan­de­nen Nach­wuchs per Unter­schrift abzutreten?

In den NachrichtenPolitik
Vol­ker Wis­sing hat Recht.

Das Inter­net ist amü­siert: Vol­ker Wis­sing, Bun­des­mi­ni­ster für Digi­ta­les und Ver­kehr, hält das dau­ern­de Hoch­la­den von unsin­ni­gen Essens­fo­tos für auch für das Kli­ma eher nicht för­der­lich, macht es aber selbst. Statt­des­sen, so wird vor­ge­schla­gen, soll­te er sich lie­ber für ein Tem­po­li­mit auf Auto­bah­nen ein­set­zen, das sei sinnvoller.

Hören Sie auf, Fotos von Ihrem Essen zu posten. Sie begehen eine Straftat.

Nun ver­bie­tet nie­mand – auch Vol­ker Wis­sing nicht – es einem Auto­fah­rer, auf der Auto­bahn nicht zu fah­ren wie ein Arsch­loch. Men­schen, die wol­len, dass man ihnen was ver­bie­tet, damit sie end­lich damit auf­hö­ren kön­nen, sind mir grund­sätz­lich suspekt. Rich­tig ist hin­ge­gen die Annah­me, dass die­ses stän­di­ge Foto­gra­fie­ren- und Hoch­la­den­wol­len von Belang­lo­sig­kei­ten sich auf den Aus­stoß von Koh­len­stoff­di­oxid nicht posi­tiv aus­wirkt, obwohl die­je­ni­gen, die Geld mit dem Ver­mie­ten von Com­pu­tern ande­rer Leu­te („cloud“) erwirt­schaf­ten, das anders dar­stel­len. Je mehr Byte durch die Gegend gescho­ben wer­den, desto mehr Ener­gie muss dafür ver­wen­det wer­den. Nie­man­dem ent­gin­ge etwas von blei­ben­dem Wert, wenn die Anzahl an Foto­auf­nah­men des Mit­tag­essens ande­rer Leu­te inner­halb sei­nes sozia­len Krei­ses plötz­lich stark redu­ziert würde.

Eben­so ver­hält es sich natür­lich mit Auf­nah­men der Front­ka­me­ra. (Ein Smart­pho­ne ohne Front­ka­me­ra wür­de ich übri­gens durch­aus kau­fen wol­len.) Das Bedürf­nis danach, fort­wäh­rend sein Gesicht ins Inter­net zu kle­ben, ist zwar immer­hin lebens­ge­fähr­lich, aber die Umset­zung ist immer noch zu wenig unbe­liebt. Das Use­net, in dem Bil­der allen­falls als Link zuge­las­sen waren, war für Wer­ber und ähn­li­che geschei­ter­te Exi­sten­zen zwar aus genau die­sem Grund unge­eig­net, aber sein Charme wird vie­len erst in der Zeit des Über­flus­ses (mit­hin: Über­drus­ses) bewusst.

Vol­ker Wis­sing hat also eigent­lich Recht: Bloß, weil ande­re Din­ge des All­tags noch mehr Kli­ma­scha­den anrich­ten kön­nen, soll­te man trotz­dem dar­über nach­den­ken, ob es wirk­lich not­wen­dig ist, jede All­täg­lich­keit foto­gra­fisch fest­zu­hal­ten. (Nicht, dass bald CO2-Steu­er auf Spei­cher­kar­ten erho­ben wird – obwohl, lustig wär’s.)

Aber wie viel Umwelt­prä­mie bekom­me ich eigent­lich dafür, dass mein Auto die Bahn­Card 100 ist?

In den NachrichtenNerdkrams
Ver­bes­se­rungs­idee zur Chatkontrolle

Laut einem Gesetz­ent­wurf, der hier auf dem Tisch liegt, sol­len Fotos und Mes­­sen­­ger-Nach­­­rich­­ten auf dem Smart­pho­ne auto­ma­ti­siert durch­sucht wer­den. Wenn die dafür zustän­di­ge KI den Ver­dacht hat, dass es sich um Dar­stel­lun­gen von Lob­by­is­mus oder eine Kon­takt­auf­nah­me Kri­mi­nel­ler zu Poli­ti­kern han­delt, soll der Con­tent direkt an die Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den aus­ge­lei­tet werden.

(eigent­li­che Nach­richt: Win­Fu­ture)

Sonstiges
Mit­zu­ge­hö­ren

(Immer, wenn ein Jour­na­list mit zu denen gehört, die schrei­ben, irgend­je­mand oder irgend­et­was gehö­re „mit zu den Besten“, gehört mein Kopf mit zu den Köp­fen, die gro­ße Schmer­zen erleiden.)

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
zeug – Gar­bi­no /​/​ My Litt­le Doc­tor (neu)

Moin.Es ist Mon­tag. Schles­wig-Hol­stein hat inter­es­sant gewählt, die Lin­ke ist in man­chen Gra­fi­ken inzwi­schen eine Son­sti­ge, die SPD hat zwei­stel­lig ver­lo­ren und der Süd­schles­wig­sche Wäh­ler­ver­band hat die AfD (eben­falls drau­ßen) mit gro­ßem Abstand über­holt. Aus Braun­schweig mel­de­te man mir das Bestre­ben, Sah­ra Wagen­knecht jetzt aber wirk­lich aus der Lin­ken raus­zu­wer­fen. Dann wür­de alles gut. So schwach muss eine Par­tei ja erst mal sein, dass ihr gesam­tes Wohl und Wehe an einem ein­zi­gen Mit­glied aus einem ande­ren Lan­des­ver­band hängt. Oder ist das viel­leicht gar nicht das wesent­li­che Problem?

Dazu viel­leicht auch inter­es­sant ist fol­gen­de Sta­ti­stik: Män­ner, die sich als Femi­ni­sten bezeich­nen, krie­gen ten­den­zi­ell öfter mal kei­nen hoch. Kor­re­la­ti­on und Kau­sa­li­tät bewer­te ich nicht. Ich bin kein Sexu­al­for­scher. – Ande­ren sind Geschlecht und Haut­far­be sehr wich­tig: Der Nach­fol­ger von Jodie Whit­taker – Haupt­sa­che, eine Frau – als Dar­stel­ler des Dok­tors in der BBC-Serie Doc­tor Who wird ein BBC ruan­disch-bri­ti­scher Schau­spie­ler, des­sen Namen (Ncu­ti Gat­wa) aus­zu­spre­chen mir noch nicht gelin­gen möch­te, ohne dass ich nach­gucke, wie das geht. Möge er aus cinea­stisch bes­se­ren Grün­den die Rol­le erhal­ten haben als sei­ne Vor­gän­ge­rin. Ich moch­te die­se Inkar­na­ti­on des Dok­tors gar nicht, sie hat­te mei­ner Mei­nung nach mehr mit My Litt­le Pony als mit Doc­tor Who gemein­sam. Ein Min­dest­maß an Skep­sis sei mir inso­fern gestattet.

Auch eine ande­re alte Serie kommt mal wie­der zurück: Jack­ass (die Älte­ren erin­nern sich). Irgend­was muss in den letz­ten Jah­ren mit der all­ge­mei­nen Krea­ti­vi­tät von Fern­seh­ma­chern pas­siert sein. Die Häu­fung an in den Neun­zi­gern schon mal Dage­we­se­nem fällt selbst mir auf, und mir fällt sonst nicht viel auf.

Gute Nach­rich­ten: Chri­sti­an Lind­ner hat auf Twit­ter das Wort „Bubatz“ (das ist Idio­ten­deutsch für ekli­ges Kiff­zeuch) benutzt und die Kif­fe­ria wit­zelt, dann sei Kif­fen ja dem­nächst uncool. Dan­ke, Chri­sti­an Lind­ner. Als Näch­stes bit­te irgend­was über Tabak twittern.

Ich höre der­weil etwas, was nie­mals an Cool­ness ver­lie­ren wird: Musik.

Guten Mor­gen.

Persönliches
Auto­kor­sos für alle!

Möööööp!

Uner­war­tet zer­reißt ein Röh­ren die Stil­le in mei­nem heu­ti­gen Refu­gi­um: Drau­ßen wird im Gän­se­marsch gefah­ren und gehupt. Ein Blick auf die betei­lig­ten Autos (zuge­ge­ben: das geht mit dem Fahr­rad nicht so gut) ver­si­chert: Hier hat aus­nahms­wei­se kein Pär­chen bei­der Leben zu früh weg­ge­schmis­sen und gehei­ra­tet, hier ist Fuß­ball im Spiel.

Die ört­li­che Erfolgs­mann­schaft im Her­ren­fuß­ball, in den 1960er Jah­ren ein­mal an der Tabel­len­spit­ze gewe­sen und seit­dem mit einem Selbst­be­wusst­sein wie Ger­hard Schrö­der nach der Bun­des­tags­wahl 2005 aus­ge­stat­tet, habe es wie­der in die zwei­te Bun­des­li­ga zurück­ge­schafft, erklärt ein sozia­les Medi­um das Gehu­pe hoch­er­freut, als sei das für irgend­je­man­den, der nicht gera­de finan­zi­ell von der Mann­schaft pro­fi­tiert, von Belang.

Ich hege Sym­pa­thien für Men­schen, die sich so sehr für eine Sache begei­stern kön­nen, dass sie am lieb­sten jedem unge­fragt zwei­mal davon erzäh­len wür­den. So ähn­lich geht es mir ja mit Musik, Tasta­tu­ren, Whis­ky und so. Nicht begreif­lich ist mir bis­her aber gemacht wor­den, war­um der Brauch der Auto­kor­sos (Ben­zin ist offen­sicht­lich noch zu gün­stig, da soll­te der Markt drin­gend mal regeln) mit­samt innen­städ­ti­schen Gejoh­les, in häss­li­che Schals und grel­le Tri­kots gehüllt, aus­ge­rech­net den Anhän­gern eines nicht mal beson­ders gro­ßen Fuß­ball­ver­eins exklu­siv aus­ge­übt wer­den soll­te. Mir fal­len sofort meh­re­re orts­über­grei­fen­de Inter­es­sen ein, die sich deutsch­land­weit eines grö­ße­ren Zuspruchs erfreu­en als die Spiel­ergeb­nis­se besag­ten Vereins.

Mein Ansatz, dem Möööööp! kon­struk­tiv ableh­nend zu begeg­nen, sieht daher vor, ein eige­nes Möööööp! zu eta­blie­ren. Ich schla­ge Auto­kor­sos mit Pyro­tech­nik auf allen grö­ße­ren Plät­zen vor, wenn eine neue Sin­gle von Ed Sheeran (der trotz sei­nes schreck­li­chen Musik­stils immer noch mehr Anhän­ger hat als jeder Fuß­ball­ver­ein) es in die Hit­pa­ra­de geschafft hat; und dann war­ten wir mal ab, wann der erste Fuß­ball­fan ent­rü­stet fragt, ob die Vor­lie­ben der Teil­neh­mer wirk­lich die­sen Krach rechtfertigen.

Wie ich übri­gens gera­de sehe, wur­de soeben eine neue Ver­si­on einer app auf mei­nem Smart­pho­ne ver­öf­fent­licht. Das muss gefei­ert wer­den. Möööööp!

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Ufo­mam­mut – Fenice

Ufomammut - FeniceLan­ge nichts mehr über Musik geschrieben.

Es gibt Arten von Musik, die pas­sen zu einer ganz bestimm­ten Wet­ter­la­ge. Im Herbst ist zum Bei­spiel melan­cho­li­scher Post­rock genau mein Fall, aber sobald es wär­mer wird, mag ich es auch mal etwas fröh­li­cher. Nun wird es gera­de wär­mer, ich höre aber trotz­dem (und freue mich über) das dies­jäh­ri­ge Album „Feni­ce“ von Ufo­mam­mut (Band­camp, Amazon.de). Die Ton­trä­ger kom­men erst am 23. Mai raus, aber man hat ja so sei­ne Quellen.

„Feni­ce“ ist – wie Ufo­mam­mut selbst – ita­lie­nisch und heißt Phö­nix, sym­bo­li­siert also eine Wie­der­ge­burt. In die­sem Fall scheint es vor allem um den neu­en Schlag­zeu­ger „Lev­re“ zu gehen, der das Grün­dungs­mit­glied „Vita“ nach des­sen Weg­gang 2020 ersetzt. Mit 38:19 Minu­ten Lauf­zeit ist „Feni­ce“ zwar kei­ne beson­ders mäch­ti­ge Wie­der­ge­burt, aber ein­drucks­voll ist sie den­noch: Ursprüng­lich als nur ein ein­zi­ges Stück kon­zi­piert, wirkt das Album tat­säch­lich wie aus einem Guss, obwohl sei­ne sechs Stücke jeweils unter­schied­li­che Facet­ten beto­nen. Das in der Wiki­pe­dia noch immer vor­ran­gig als Stoner-Doom-Band geführ­te Trio das Album groß­zü­gig mit Space- und Psy­che­de­lic-Rock-Zuta­ten wie aus­gie­bi­gem Gebrauch von Hall und Syn­the­si­zern bespren­kelt hat, ist eine um so erfreu­li­che­re Über­ra­schung. Immer nur den glei­chen sound zu hören ist ja auch uninteressant.

Ufo­mam­mut – Pyra­mind (Offi­cial Video)

Gesun­gen wird mit­un­ter, dann – wie bei Ufo­mam­mut trotz des ita­lie­ni­schen Albums­ti­tels üblich – auf Eng­lisch. Das sehe ich zwar fast immer skep­tisch, wenn die Musi­ker selbst nicht eng­lisch­spra­chig sind, aber ich kann den Klang der ita­lie­ni­schen Spra­che in der Musik bekannt­lich par­tout nicht lei­den. Kla­rer Vor­teil also.

Prä­di­kat: Zum Sitz­tan­zen gut geeig­net. Mög­li­cher­wei­se ist Kopf­nicken inbe­grif­fen. Bei Wei­tem nicht das Schlech­te­ste, was ich 2022 im Kopf­hö­rer hatte.

(Soll hei­ßen: Gefällt.)

In den Nachrichten
Frü­her hat’s ja auch kei­nen gestört.

Im Jahr 2002, selbst im Jahr 2012, gehör­te ich noch zu denen, die ver­gleichs­wei­se unvor­sich­tig mit ihrem Leben umge­gan­gen sind. Nach mir die Sint­flut. Die mei­sten Risi­ken, von den Schä­den an der Gesund­heit und der Psy­che bis hin zu irgend­wel­chen Daten­lecks, wur­den zugun­sten der Befrie­di­gung der Lust am Leben in Kauf genom­men, und ich wür­de lügen, behaup­te­te ich, das sei heu­te wesent­lich anders. Nur auf mei­ne Daten pas­se ich heu­te etwas bes­ser auf als früher.

Want to track some­thing in pri­va­te? Don’t use an app.
John Weir

Trotz­dem hal­te ich die­se Aus­le­gung (Archiv­ver­si­on) von Peter Hor­nung, NDR, für sport­lich:

Wir leben im Jahr 2022 – und da dürf­ten (…) Ver­brau­cher etwas ande­res erwar­ten im Umgang mit ihren Daten als noch vor zehn oder zwan­zig Jah­ren. „Sie wol­len eben nicht mehr mit uner­wünsch­ter, nicht ange­for­der­ter soge­nann­ter Ver­brau­cher­infor­ma­ti­on kon­fron­tiert und belä­stigt wer­den“, so Baden-Würt­tem­bergs Lan­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­ter Ste­fan Brink.

Auch vor zehn oder zwan­zig Jah­ren woll­te ich nicht unbe­dingt „mit uner­wünsch­ter, nicht ange­for­der­ter soge­nann­ter Ver­brau­cher­infor­ma­ti­on kon­fron­tiert und belä­stigt wer­den“ und habe das auch nicht erwar­tet. Ich bekam mehr als genug Post, um die ich nicht gebe­ten hat­te. Dass Adress­han­del künf­tig, so sug­ge­riert es der Arti­kel zu Beginn, ver­bo­ten sein soll, ist inso­fern kei­ne Nach­richt, die mich begei­stert, denn bis­her war er es auch bzw. nicht und stim­men tut’s auch nicht:

Mit Blick auf die Daten­schutz-Grund­ver­ord­nung sei es gut, wenn der Ver­kauf von Ver­brau­cher­adres­sen ein­ge­schränkt wer­de, so VZBV-Exper­te Flo­ri­an Glatzner.

Eine Ein­schrän­kung ist eben kein Ver­bot. Im Umgang mit Wer­bern, online wie off­line, emp­feh­le ich inso­fern auch wei­ter­hin, sie gesell­schaft­lich zu äch­ten und den per­sön­li­chen Umgang mit ihnen zu mei­den. Wer sei­nen Lebens­un­ter­halt damit ver­dient, ande­ren Men­schen Zeit zu steh­len, der ist nichts als ein gewöhn­li­cher Kri­mi­nel­ler, ein Zeit­dieb, eine Ner­ven­sä­ge oben­drein. Es wäre ver­fehlt, einen in der Wer­be­bran­che Täti­gen, des­sen Arbeits­grund­la­ge neben einer erkauf­ten Liste von Adres­sen von Men­schen, die über­wie­gend nicht von ihm belä­stigt wer­den möch­ten, der Quatsch ist, den Ver­käu­fer von sich geben, um ihren Plun­der ande­ren Leu­ten anzu­dre­hen, nicht als einen sol­chen zu betrach­ten und ent­spre­chend mit ihm zu verfahren.

Und das nicht erst völ­lig über­ra­schend und sehr plötz­lich seit 2022.