Politik
#fedidwgugl: Der Schlaganfall als politisches Signal.

Aufmerksamkeit erhalten junge, gut vernetzte Erstwähler seit heute von ungewohnter Seite: Die rechtspopulistische CDU springt auf den von Piraten und SPD etablierten politischen Trend des Twitterwahlkampfes auf und hat nun auch einen eigenen, keck augenzwinkernden Hashtag in den einschlägigen „sozialen Medien“. Er lautet #fedidwgugl und beweist damit nicht nur Mut und Geschmack, sondern auch Kreativität – alles Eigenschaften, die in der politischen Landschaft meist schmerzlich vermisst werden.

:ja:

Politik
Kurz notiert zur seltsamen Idee von der „Ehe für alle“

So lange der Volksmund durch zähes Wiederholen der unzulässigen Verkürzung der angestrebten Öffnung der Ehe auch für homosexuelle Paare als „Ehe für alle“ nicht einmal verstehen zu wollen angehalten wird, wieso homo- und heterosexuelle Paare eben noch lange nicht alle sind; so lange Polyamorie in der Diskussion nicht vorkommt und die Politiker zudem davon ausgehen, dass man pünktlich zu seinem achtzehnten (ausnahmsweise: sechzehnten) Geburtstag plötzlich merklich ehefähiger ist als noch am Tag zuvor; so lange den sozialromantischen „Grünen“ als Argument, diese „Ehe für alle“ unbedingt einführen zu wollen, nicht viel mehr einfällt als dass es 2017 ist; so lange abschließend diese Ehe für sehr viele Menschen eigentlich nur wegen der Steuererleichterungen interessanter ist als eine eingetragene Partnerschaft, der wiederum auch nicht der Todeshauch der Kirche anhaftet: so lange darf die Frage nicht lauten, warum nicht heterosexuelle Paare nicht heiraten dürfen, sondern, warum ein vorgeblich fortschrittlicher Staat starr an der Schaffung von Privilegien für Verheiratete festhält, die anderen einander Liebenden nicht zustehen.

Netzfundstücke
Kurz verlinkt: „Danke für unsere Überwachung, hier ist Ihr Gutschein.“

Da kommt einem direkt der Kaffee wieder hoch:

Zum 1. August 2017 startet ein sechsmonatiges Projekt zur Erprobung von intelligenter Videotechnik. (…) Wer am häufigsten durch die markierten Kamerabereiche läuft, hat die Chance, neben einem Einkaufsgutschein im Wert von 25 Euro einen von drei attraktiven Hauptpreisen zu gewinnen.

Zuckerbrot jetzt, Peitsche später.

In den NachrichtenMontagsmusikPersönliches
Porcupine Tree – Arriving Somewhere But Not Here

Montagsstimmung (Symboleule)Es ist Montag, doch die schwere Menschlichkeit des Wochenendes sitzt noch tief unter der Haut. Niveauvoller Unsinn in guter Gesellschaft und völlige Verwirrung durch sonst sicherlich Gewöhnliches; davon zehrt ein Menschenskeptiker für Wochen. Bloß nicht nachlassen und dann aber eben doch wieder an der eigenen Unzulänglichkeit fast ersticken. Hoch zu pokern verleidet einem nur das Schachspiel. Leben, du alte Knackwurst. Denken wir ratlos an Antalya und tun wir unbeeindruckt.

Gute Nachrichten: In Wien wird laut österreichischer Presse das erste Wohnhaus des Landes gebaut, in dem Menschen aller sexuellen Orientierungen gleichzeitig wohnen dürfen. Bis jetzt mussten Schwule in Österreich anscheinend außerhalb von Häusern wohnen.

Derweil auf „SPIEGEL ONLINE“: „Trump-Gegner feiern politische Ideen aus dem 19. Jahrhundert“, schreibt Benjamin Moldenhauer, als sei dies ein geradezu revolutionärer Schritt in einem Staatenbund, dessen Verfassung im 19. Jahrhundert schon alt war und der sich in Teilen auf ein politisches System aus dem vorchristlichen Athen beruft. Anderswo fliegen währenddessen Fußballtrainer raus, weil sie zu erfolgreich sind. Gegner muss man auch mal gewinnen lassen, nämlich. Sonst sind sie traurig.

Did you ever imagine the last thing you’d hear as you’re fading out was a song?

Porcupine Tree – Arriving Somewhere But Not Here (Live)

Guten Morgen.

In den NachrichtenWirtschaft
Hoffnung Dexit.

(Vorbemerkung: Wie üblich habe ich von Wirtschaft keine Ahnung und schreibe daher im Folgenden nur Quatsch.)

Die „Financial Times“ berichtete heute, dass „die EU“ harte Strafen gegen den Technikkonzern Alphabet erwägt, weil dieser es wage, innerhalb der eigenen Angebote die eigenen Produkte zu bevorzugen, was zumindest keine allzu falsche Annahme ist, denn mit Konzepten wie dem bei Nutzern eher unbeliebten AMP und der priorisierten Suche von YouTube-Videos ist die zu Alphabet gehörende Firma Google weit davon entfernt, ein neutraler Dienstleister zu sein.

Nun ist Google keine staatliche Firma, sondern Teil der „freien Wirtschaft“ und somit keineswegs dazu angehalten, seinen Mitbewerbern prominente Werbeplätze einzuräumen. Meines Wissens hat bisher selbst innerhalb der EU niemand Burger King darauf verklagt, künftig auch Produkte von McDonald’s im Sortiment zu führen, und auch Apple weigert sich so standhaft wie erfolgreich, seine Geräte optional mit Android oder Windows auszuliefern. Dagegen sollte die EU wirklich mal was tun!

Dass die EU zur eiligen Marktbereinigung sonst neigt, ist freilich keine Aufsehen erregende Feststellung (Gurkenkrümmung! Gemüsenamen! Glühbirnen! Geld!) und bedarf insofern keiner weiteren Ausführung. Über diese selektive Behinderung freien Warenverkehrs („der Wirtschaft“) hinaus hat die Europäische Union insgesamt politisch ungefähr Folgendes zu bieten:

Ich wage eine Behauptung aufzustellen: Ein Politiker, der sich als liberal und als Menschenfreund versteht, sollte aus genau diesen Gründen und in Erfüllung seiner Verantwortung gegenüber denen, deren Interessen er zu vertreten verpflichtet ist, alles daran setzen, ein baldiges Ende der Europäischen Union herbeizuführen.

Es ist nicht alles schlecht in Großbritannien.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Pontiak – Dialectic of Ignorance

Pontiak – wie die Band, nicht wie das Auto – sind seit Jahren ein Garant für mehr als bloß erträgliche Rockmusik. Auch mit ihrem diesjährigen Studioalbum „Dialectic of Ignorance“ wissen die drei Brüder aus Virginia wieder einmal zu beeindrucken, was insbesondere wenig verwundert, wenn man bedenkt, dass sie mit der Tradition, jährlich neue Aufnahmen zu veröffentlichen, für „Dialectic of Ignorance“ (Bandcamp.com, Amazon.de) gebrochen haben, da sie zwischendrin mit der Pen-Druid-Brauerei ein weiteres Standbein aufgestellt haben. Sollte es – möge dies noch in ferner Zukunft liegen! – mit der Musik einmal nicht mehr klappen, müssen sie zumindest nicht am Hunger- oder immerhin Bierdursttuch nagen.

Was mich indes annagt, ist die Neugier auf die Musik. Hören wir mal rein:

Pontiak – Ignorance Makes Me High (Official Music Video)

Aus den Elementen Stoner, Doom-Metal, Progmetal und Acid Rock rühren Pontiak einen magischen Trank an, der beim Genuss mit seinen monoton-repetitiven Mustern eine hypnotische Wirkung erzielt. Wirbelnde Gitarrensoli und harter Orgelanschlag werden auch und gerade durch ständiges Überschreiten radiokompatibler Liedlängen zu treibenden Kräften in dieser musikalischen Flut.

Ich höre mal Skeleton$, mal maudlin of the Well, mitunter etwas Colour Haze und eine Menge Pink Floyd, belegt mit einem Nebelschleier, immer wieder zerschnitten von einer wütenden Gitarre, stimmungsmäßig auf die Spitze getrieben vom hallenden, irgendwie entrückten Gesang.

Pontiak – Tomorrow Is Forgetting

Das letzte Stück auf „Dialectic of Ignorance“ trägt den Titel „We’ve Fucked This Up“. Fast möchte man ihnen zurufen: Nein, habt ihr nicht!
Gern noch etwas mehr davon.

NerdkramsNetzfundstücke
„SPIEGEL ONLINE“ weiß: Audiodateien haben häufig keine Bildsequenz.

Am Anfang, so steht es geschrieben, war das Netz kalt und grau.

Neben Mailboxen, BBSen, Gopher und dem Usenet etablierten sich allmählich erste noch recht chatlastige Vorläufer des heutigen Webs, darunter CompuServe, das heute zum damaligen Konkurrenten AOL gehört. Die Computer zur damaligen Zeit konnten wie auch die Leitungen nur vergleichsweise wenig zu einem „Multimedia-Erlebnis“, wie das Angucken von Unsinn in heutiger Werbesprache heißt, beitragen, jedes Byte war wertvoll – ein Grundsatz, der heutzutage leider ein wenig in Vergessenheit geraten ist.

Um trotzdem das eigene Netz ein wenig bunter machen zu können, entwarf man bei CompuServe Mitte der 1980-er Jahre das Grafikformat GIF (Graphics Interchange Format, also „Grafikaustauschformat“), das mit der erst 1984 veröffentlichten LZW-Kompression eine damals innovative Möglichkeit bot, auch über behäbige Leitungen recht ansehnliche Bilder zu verteilen; diese, freilich, waren zwar auf 256 Farben beschränkt, was sowohl 1987 (GIF87a) als auch 1989 (GIF89a) eine Verbesserung gegenüber den vorherigen Graustufenbildern darstellte und noch problemlos ausreichte, um auf gängigen Bildschirmen nicht blöd auszusehen, besaßen jedoch Funktionen, die erst fast zehn Jahre später mit dem PNG-Format wieder ähnlich populär werden sollten, nämlich das Festlegen von Farben als „transparent“ sowie insbesondere das Zusammenfügen mehrerer Einzelbilder zu einer Animation; eine GIF-Datei kann praktisch beliebig viele Teilbilder, mindestens aber 0, enthalten.

Obwohl das LZW-Verfahren (und damit GIF) bis ins derzeitige Jahrtausend hinein patentbehaftet war und wohl auch wegen der Dateigröße setzte sich das ansonsten funktionsreichere APNG (animiertes PNG) niemals durch, auch dann noch nicht, als die Leitungen immer schneller und die Computer immer leistungsfähiger wurden. Während die begrenzte Farbenzahl GIF für einfache Grafiken mit der Zeit gegenüber den fortgeschrittenen, mitunter sogar zu kleineren Dateien führenden Formaten JFIF („JPEG“) und PNG an Boden verlieren ließ, blieb es für einfache Animationen doch die erste Wahl, woran selbst das Aufkommen und Abebben von Flash sowie die Entwicklung von HTML5 und Webvideoformaten nicht viel änderte. Das tanzende Kleinkind symbolisiert das junge World Wide Web bis heute recht treffend.

Diese neuen Webvideoformate kamen GIF sogar entgegen: Der beliebte Bilderhoster Imgur bietet mit GIFV ein eigenes „Format“ an, das hochgeladene animierte GIF-Dateien als MPEG-Video darstellt, wobei mitunter tatsächlich Speicherplatz gespart werden kann. Im Jahr 2013 wurde mit Giphy gar eine eigene Datenbank für animierte GIF-Dateien ins Leben gerufen, die in „sozialen Netzwerken“ auch auf Smartphones einen neuen Ansturm auf witzige Animationen (leider nur noch selten das gute alte Baustellen-GIF), inzwischen von störenden Dateigrößenhemmungen befreit, aus.

Wenn man all das nicht verstanden hat, aber trotzdem im Fachmagazin „SPIEGEL ONLINE“ mit halbgarem Technikwissen reüssieren möchte, klingt obige Erklärung stattdessen ungefähr so:

Ein Gif, die Abkürzung steht für Graphics Interchange Format, ist ein meist extrem kurzes Video. Es zeigt in Dauerschleife nur einige wenige Bilder, häufig ohne Ton.

Zumindest der letzte Teil des Satzes ist ziemlich präzise. :-?

ComputerIn den Nachrichten
Wenn JavaScript Menschen zu Letzten macht

In einem inhaltlich durchaus lesenswerten Artikel über die von den technisch Zuständigen maßgeblich mitignorierte Internetanbindung auf dem Dorf (namentlich: Schlamberg, Bayern) lässt Sophie Rohrmeier das Ehepaar Hubert und Birgit Heinrich sich über die verfügbare Netzanbindung beschweren:

Von 105.912 Personen in Deutschland, die in dieser Woche den Test gemacht haben, landet Huberts Internetanschluss auf Platz 100.984. Birgit Hubert fragt: „Wie kann das sein, in einem Land wie Deutschland?“

Ja, wie denn nun: Hubert? Birgit? Heinrich? Egal, darum soll es nicht gehen, sondern darum, wie es sein könne, dass man „in einem Land wie Deutschland“ (nämlich Deutschland) in einer Rangliste der Schnellsten weit unten steht? In Deutschland sollte es keine Menschen geben, die schneller in irgendetwas sind als man selbst, und zwar für niemanden!

Was für eine Internetleitung haben die Hubert-Heinrichs denn und was haben sie damit vor?

16.000 kbit schnell sollte das Netz sein – was ohnehin nicht viel ist. Tatsächlich sind es jedoch nur 1.400 bis 1.800. (…) Wenn das Netz es zuließe, könnte [Birgit H., A.d.V.] im Homeoffice arbeiten und so langsam wieder in den Beruf finden.

Beinahe DSL 2000 (von sowas hätten wir früher ja nicht mal zu träumen gewagt) sind zweifellos nicht unbedingt eine für irgendwelchen Multimediakram geeignete Geschwindigkeit, an dieser Stelle widerspreche ich nicht. Interessant ist jedoch die Annahme, das Netz sei in der gegebenen Geschwindigkeit für „Homeoffice“ (E-Mails lesen und versenden, im Web rumsurfen, Dateien auf irgendwelche Server laden und so weiter) nicht geeignet, denn das bedeutet, dass irgendwas im Web, wo die Leute heutzutage ihre E-Mails, Dokumente und so weiter rumliegen haben, weil ihnen niemand gesagt hat, dass es sinnvollere Protokolle als das HTTP dafür gibt, plötzlich langsamer geworden ist als früher, denn in den (teilweise bis heute) auslaufenden Neunzigern hat sich kaum jemand ernsthaft beschwert, dass man mit seiner gebündelten ISDN- oder ähnlichen Leitung gegenüber anderen Marktteilnehmern ernsthaft benachteiligt sei, weil man im Gegensatz zu diesen nicht schnell genug arbeiten könne.

Könnte es womöglich daran liegen, dass die durchschnittliche Website inzwischen über zwei Megabyte groß ist (das sind fast anderthalb Disketten), von diesen ominösen, für so etwas wie „Homeoffice“ im Jahr 2017 bedauerlicherweise üblich scheinenden „Webanwendungen“, für die Webbrowser von Arschlöchern als Ersatz für ein Betriebssystem missbraucht werden und die im Wesentlichen aus ignorant großem – hat ja jeder heute zig Megabit zu Hause – JavaScript bestehen, müssen wir da gar nicht erst gesondert anfangen? Könnte es daran liegen, dass dieser geballte JavaScript-Unfug längst vor allem sich selbst dient und dass es insofern eine grauenvolle Idee ist, einen Webbrowser statt einer auf den jeweiligen Anwendungsfall optimierten Desktopanwendung zum Arbeiten zu verwenden?

Das Problem mit dem Digitalstandort Deutschland ist es nicht vorrangig, dass die Internetverbindungen immer weniger für effizientes Arbeiten tauglich wären, sondern, dass für die Datenübertragung so instinktiv wie fälschlich zu einem Protokoll gegriffen wird, das dafür nicht gedacht ist, um mit einem Programm, das dafür nicht gedacht ist, eine Website aufzurufen, die die Probleme, die das falsche Programm im falschen Protokoll notwendigerweise bei der Umsetzung bereitet, auf eine Weise, die dafür ungeeignet ist, zu umgehen („beheben“) versucht.

Aber wer weiß 2017 schon noch so genau, was ein „Hypertext“ eigentlich sein soll?

MontagsmusikNetzfundstücke
Jimi Hendrix – Hey Joe // Freiheit ist auch das Recht, Unrecht zu haben.

Es ist Montag?!Es ist Montag. Der Sommer scheint vorüber, zumindest herbstet es sehr. Die Betrübnis, die sich einstellt, auf das Wetter zu schieben wäre nicht angemessen, denn ein Blick auf den Kalender offenbart mehr. Menschlichkeit ist eine Schwäche der Evolution und sehr ärgerlich. Käuzchenwort des Tages: Ungemach.

Gegen eine etwas andere Art von Ungemach will die staatlich finanzierte Aktion „DoppelEinhorn“ (natürlich unter Missachtung geltender Schreibweisen) etwas tun, die, bebildert mit einer nicht mal ironisch interessanten und respektlos duzenden Comicfigur, zum Beispiel suggeriert, es gebe kein „Grundrecht auf Scheißelabern“, als sei nur von der Meinungsfreiheit gedeckt, was erstens wahr ist und zweitens von niemandem kritisiert wird, denn so ein Grundrecht wäre keines. Nun ist es im besten Sinne fraglich, ab welchem Beklopptheitsgrad Meinungsfreiheit aus staatlicher Sicht zum „Scheißelabern“ wird und ob es letztendlich überhaupt zielführend ist, das Reden von Stuss unter Strafe stellen zu wollen, so lange nicht klar ist, wo die Grenze zwischen erlaubter Meinung und illegalem Stuss liegt: Bei positiven Rezensionen von Musik von Phil Collins oder erst bei der Leugnung des Holocausts – und warum?

Gute Nachrichten derweil: Wissenschaftsleugnung ist jetzt ein Freiburger Studienfach. Sobald ausgependelt werden konnte, welche Sternenkonstellation daran schuld ist, wird es sicherlich eine entsprechende Onlinedemonstration geben.

Bis dahin: Musik.

Jimi Hendrix – Hey Joe

Guten Morgen.

Netzfundstücke
Warum Informatik kein Programmierunterricht ist (Nachtrag)

Das größte ungelöste Problem bei der von Kurzsichtigen angetrebten Verpflichtung zum Programmierenlernen (denn das ist das, worauf der vielstimmige Ruf, „Informatik“ möge doch bitte Grundschulfach und nicht bloß langjährige Ausbildung oder gar Studium sein müssen, im Wesentlichen hinausläuft; als würde auch nur ein einziges EDV-Netz, das nur von Programmierern betreut wird, dauerhaft halbwegs funktionieren!) ist im Übrigen auch, dass es mehr Programmierer als Aufgaben gibt. Sam Kriss schrieb zu der Utopie der Weltfremden:

Ihr Alter oder Ihre Ethnie oder Ihr Geschlecht sind egal, sie gehören in das Zeitalter der Objekte. Lernen Sie einfach zu programmieren und alles wird gut. Aber etwas fehlt: Was programmieren? Um was zu tun? Und warum? (…) Kein Startup leistet etwas neues oder interessantes. Was nicht verwundern sollte: wie oft hat irgendjemand eine wirklich gute Idee? Was Sie bekommen, ist nur Code, der herumschwappt und schließlich in der Form von Apps und Firmen erstarrt, die nur existieren, um zu existieren. (…) Es gibt Startups, die Zehntausende für Namen und Logo ausgeben, bevor sie überhaupt ein Produkt haben oder wissen, ob es irgendwer haben wollen würde. Das nennt man Innovation, aber was es eigentlich repräsentiert, ist eine Kultur, die das verstümmelte Geröll des Alten aufhäuft, um irgendetwas neues zu schaffen, und eine morbide Wirtschaftsordnung, die in ihrer eigenen überflüssigen Liquidität ertrinkt und willens ist, in jede Blase zu investieren, die ihr begegnet.

(Übersetzung wie üblich von mir.)

Die lächerliche Katja Kipping von den lächerlichen „Linken“ hat sich beschwert, dass dieses Internet einem den ganzen ruhigen Feierabend versaut. Vielleicht sollte man bei solchem grobem Unfug ansetzen, wenn es um die Definition dessen geht, was jeder Mensch als EDV-Grundbildung besitzen sollte – wenn es bei denen, die Gesetze machen wollen, schon an der Kenntnis vom Ausknopf scheitert, wie soll dann ein staatlich geregelter Informatikunterricht jemals mehr als perspektivlose Programmieraffen, überbezahlte sprichwörtliche Inder quasi, hervorbringen?

(via jwz)

In den NachrichtenPolitik
Berliner Kreuzritter

Thomas de Maizière erklärt Berliner Steuerzahlern, warum auf ihr olles Ersatzstadtschloss aller Säkularisierung zum Trotz ein Kreuz draufgeklebt werden soll:

Wer das Kreuz ablehnt, müsste dann auch dafür sein, dass die Fassade mit Putten und Engeln entfernt wird. Auch das sind christliche Symbole.

Ich bin ja kein Berliner, aber meines Dafürhaltens wäre das nicht etwa, wie Thomas de Maizière es darzustellen versucht, vollkommen überzogen, sondern nur konsequent. Gebäude, die überwiegend reichlich unchristliche Menschen bezahlt haben, sollten nicht ungefragt um des überkommenen Konzeptes des Christentums – Katholikenpack, beschämendes! – Willen, das dem geistigen Fortschritt der Menschheit bislang noch nicht besonders zuträglich war, zwecks Verzierung um ein antikes Folterinstrument erweitert werden dürfen.

Hätte ich in Berlin etwas zu sagen, würde ich noch weiter gehen; an regte ich nämlich nicht nur das Sichsparen christlicher Symbole an volkseigenen Neubauten, sondern überdies das nachträgliche Entfernen von religiösen Einflüssen im weltlich-rationalen Miteinander, wo immer dies ohne weiteren finanziellen Aufwand möglich ist.

Mit den sich als „christlich“ verstehenden Parteien, in einer aufgeklärten Gesellschaft, die funktionierte, schon thematisch eigentlich ohne Aussichten auf Gehör, würde ich anfangen wollen. Auch das „C“ ist ein christliches Symbol, selbst in seiner heutigen Rolle als Feigenblatt.

Die Welt verbessern wir nicht mit Beten.

In den NachrichtenNerdkrams
Linuxnutzer entsetzt: Von der NSA entwickelte Software ist überraschend unsicher!

Wikipedia (schon länger):

SELinux (…) ist eine Erweiterung des Linux-Kernels (…). SELinux wird maßgeblich von der NSA und von dem Linux-Distributor Red Hat entwickelt.

Nachrichten (gestern):

Das sudo-Kommando in Linux-Distributionen mit SELinux-Unterstützung enthält eine kritische Schwachstelle. Über diese können Anwender beliebige Daten auf dem System überschreiben und sich so mehr Rechte sichern, als ihnen eigentlich zustehen.

Die Einschläge kommen näher.

In den NachrichtenPolitik
Menschenrechtsextremistinnen

Die britische Premierministerin schrieb gestern:

Sofern Menschenrechte uns bei der Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus im Weg stehen, werden wir diese Rechte ändern, damit Briten sicher leben können.

(Frei übersetzt von mir.)

Dies ist offenkundig eine Reaktion auf die jüngsten Anschläge, zum Beispiel den in Manchester, zu dem sich der IS bekannt hat, der von Saudi-Arabien mit Waffen ausgerüstet wird, die wohl zu einem beträchtlichen Teil aus britischen Lieferungen stammen. Ja, Extremismus und Terrorismus bekämpft man gern, indem man den Agitatoren ein paar Waffen zur Verfügung stellt.

Die Bundeszentrale für politische Bildung erklärt dazu:

Amtlich werden als Rechtsextremismus (…) Bestrebungen verstanden, die sich gegen die (…) fundamentale Gleichheit der Menschen richten und die universelle Geltung der Menschenrechte ablehnen.

Amtlich haben wir es bei Theresa May also mit einer Rechtsextremistin zu tun, die im Begriff ist, die Rechte, die sie einem Tier oder einem Kühlschrank weltweit voraus hat, einschränken („ändern“) zu wollen. Unklar bleibt, welchen Umgang mit solchen Extremistinnen die britische Regierung künftig rechtlich vorsehen wird – Kerker oder Auslieferung in den Jemen?

Es bleibt spannend.


In weiteren Nachrichten: Die Grünen wollen, dass im Onlinehandel, der sonntags meist unbesetzt ist, sonntags nicht gearbeitet wird.

Die Grünen wollten damit „den Sonntag verteidigen“.

Nehmt dies, ihr kaufwilligen Feinde des Sonntags!

In den NachrichtenMontagsmusik
Valerinne – Solastalgia // Bitte nicht mehr muslimisch aussehen!

Es einfach mal wie diese Eule machen und sich schlafen setzen.Es ist Montag. Weil in einer alten Erzählung davon zu hören ist, dass zu Pfingsten vor langer Zeit einige Menschen plötzlich in fremden Sprachen zu reden anfingen, wird heute trotzdem nur wenig gearbeitet. Das ist nur folgerichtig und sicherlich auch sinnvoll, denn sonst würde der Gesetzgeber, dem Arbeit bekanntlich nicht völlig unwichtig ist, ja sicherlich anders entscheiden, nicht wahr? – Wenn doch nur alles so leicht wäre!

Apropos Gesetze: Die Welt ist beruhigt, in London wurden die Bösen, wie es sich für einen Rechtsstaat gehört, zeitnah gemeuchelt beziehungsweise „ausgeschaltet“, wie es bei Lichtschaltern und in der einschlägigen Berichterstattung mit ihren Livetickern und Newsblogs (was nebenbei die Frage aufwirft, was, wenn kein „Newsblog“, die beteiligten Journalisten denn sonst so zu schreiben meinen) heißt. Über die Täter war schnell alles Notwendige bekannt, denn gemäß den Nachrichten (u.a. gestrige „Sat.1-Nachrichten“) handelte es sich um „muslimisch aussehende“ Männer, denn, wie gerade wir als Deutsche ja wissen, ist es zwar völlig unangebracht, die Religion eines Menschen an seinem Aussehen zu erkennen, aber bei den Moslems macht man da in der Terrorhysterie schon mal eine Ausnahme, denn die sehen ja alle gleich aus. Jemand sollte mal etwas gegen diese Bärtigen unternehmen.

Aus der Welt der großen Überraschungen: Wer seine Passwörter auf den Computern anderer Menschen („Cloud“) ablegt, dem gehen sie auch mal verloren. Der unbedachte Umgang der Menschen mit ihren Daten war irgendwann einmal ein treibendes Thema für eine aufstrebende deutsche Partei, diese jedoch sonnte sich am Wochenende lieber auf einer Sexualitätsparade. Ich wünschte, es würden sich auch nur annähernd so viele politisch aktive Menschen für ihre digitale Freiheit wie für Sexpolitik interessieren, aber ich bin natürlich auch ein bisschen merkwürdig.

Ebenfalls merkwürdig, klingt aber wenigstens gut: Musik.

Valerinne Solastalgia Live 2017 in Fabrica

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Kurz notiert zum gestrigen Anschlag in London

Zum Glück hat London eine einjährige Vorratsdatenspeicherung und ganz viele Kameras, sonst wäre man da gar nicht mehr sicher.

(Zweitverwertet von mir selbst.)