In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Bosse - Frankfurt/Oder // Linksrausrutsch mit Ampel

Zu früh, aber Kaffee. (Bild: CC-BY Christian Wittmann)Es ist Montag. Das kur­ze Gedächtnis der Wähler hat - wie so oft - die Wahl gewon­nen und zwar vor Schwarz-Grün, kei­nes­wegs aber vor der SPD, die es ihren „Wählern“ in Berlin und anders­wo gleich­wohl wie­der schwer gemacht hat, bewahrt. Der Linksrutsch fin­det, da die Linke anstel­le von Susanne Hennig-Wellsow, bis­her vor allem mit von aus­blei­ben­dem Talent gepräg­te Aussagen und sonst mit dem Schmeißen von Pflanzen auf­ge­fal­len, lie­ber Sahra Wagenknecht, die unge­fähr ein­zi­ge Linke, die den Sinn der Partei Die Linke - alle, alle Menschen - völ­lig rich­tig ver­stan­den hat, öfter mal das Mikrofon abdreht, offen­bar bevor­zugt außer­par­la­men­ta­risch statt. Mit einer mit­re­gie­ren­den FDP, die sich jetzt kaum noch ver­mei­den lässt, wozu ich eine Meinung habe, die ich hier nicht äußern wer­de (Wahlempfehlungen gebe ich auch wei­ter­hin nicht öffent­lich ab, ich bin doch nicht der WDR), dürf­te die Opposition damit aus CDU/CSU und AfD bestehen. Hihi - die wer­den zusam­men­ar­bei­ten müssen!

Die Klimafront hat­te aller­dings ihr Bestes gege­ben, selbst die ehe­ma­li­ge „Piratenpartei“ hat ohne Rückhalt der Basis (war­um auch?) zum Hüpfen auf­ge­ru­fen. Es ist auch schwie­rig zu begrei­fen, was man mit einer „Technikpartei“ anfan­gen soll, die ihre Gründer und Stammwähler, mit­hin jede Kernkompetenz, zu Linken und FDP getrie­ben hat. Das ist durch, das kann weg. Könnte man durch eine Pandabärenpartei erset­zen. Pandabären sind pel­zig und fah­ren nicht so viel Diesel. - Zum Glück wird 2021 nicht so lang.

Kurzes aus der Technik: Etwa zehn Prozent der (gete­ste­ten) Websites, berich­tet „Golem.de“ (will nicht direkt ver­linkt wer­den, sel­ber schuld), ver­sto­ßen mit ihren däm­li­chen Cookiebannern gegen das Telemediengesetz und/oder die DSGVO; im zuge­hö­ri­gen Forum wird ange­merkt, dass dazu wohl auch „Golem.de“ zäh­le. Ich wie­der­ho­le mich ja bei­na­he ungern, aber es gibt nun mal kei­ne Pflicht dazu, ein kosten­lo­ses „Angebot“ im Web bereit­zu­stel­len. Wer sich das Pflegen einer Website nicht lei­sten kann, der möge sie depu­bli­zie­ren und fort­an weni­ger stören.

Am Wochenende ver­se­hent­lich (weil spon­tanst) live gese­hen: Atomic Peat (als Vorband von Skraeckoedlan, die ich eben­so wenig kann­te). Gar nicht mal so schlecht, wenn auch schei­ße gemischt. Naja, Hannover halt. Eigentlich woll­te ich die­se Gelegenheit nut­zen, um hier einen „Ampel/Ampl.“-Witz zu rei­ßen, aber das wäre nicht dis­rup­tiv genug. Ich mag Disruption.

Bosse feat. Anna Loos (SILLY) - „Frankfurt Oder“ (Official Video)

Guten Morgen.

In den Nachrichten
Twitter darf nicht Kanzler werden

„T-Online“ hat sich mit Putin und Erdoğan gegen die Grünen ver­schwo­ren und „berich­tet“, dass auf Twitter momen­tan der hash­tag „Laschet darf nicht Kanzler wer­den“ tren­det, was Anhänger besag­ter Grünen als gro­ßen Erfolg betrach­ten, erfüll­te es sie doch mit Sorge, dass die völ­li­ge Untauglichkeit für das Amt des Bundeskanzlers nur bei ihrer eige­nen Kandidatin eine Rolle spielt:

„Der Gedanke ist bei mir aus spon­ta­ner Frustration ent­stan­den, dass Leute immer noch Laschet wäh­len wol­len, obwohl er nach­ge­wie­sen hat, dass er nicht qua­li­fi­ziert ist.“

Nun bie­tet sich die Frage an, ob die­je­ni­gen, die „immer noch Laschet wäh­len wol­len“, sich aus­ge­rech­net von ein paar Lästertweets davon abbrin­gen las­sen. Es mag ange­sichts der Berichterstattung über hash­tags, als sei­en irgend­wel­che vor­über­ge­hen­den Twitteraktionen gleich­be­deu­tend mit inter­es­san­tem Weltgeschehen (es sei aber auch zu beach­ten: #sexo­derw­lan), bei­na­he ent­täu­schen, aber ich hal­te es zumin­dest für mög­lich, dass am Wahlabend die Anzahl an Tweets für oder gegen einen Kandidaten kaum Einfluss auf das Wahlergebnis haben wird - man mun­kelt, es gebe sogar Wahlhelfer, die Tweets über­haupt nicht zäh­len.

Verrückte Welt.

Sonstiges
Medienkritik in Kürze: Mehr kommt später.

Die aktu­el­le Ausgabe der „Cosmopolitan“ („Parfüm hat einen Rhythmus“, ebd.), aus­nahms­wei­se kor­rekt „Oktober 2021“ beti­telt, denn die näch­ste Ausgabe erscheint vor­aus­sicht­lich erst nach Oktoberbeginn, geht mit unfai­ren Mitteln gegen lee­re Titelseiten vor:

Cosmopolitan Oktober 2021

Gekommen, um zu blei­ben - Denn das Beste kommt (hihi! A.d.V.) jetzt nach dem Sex

Wenn aber nach dem Sex noch etwas kommt (lmao), ist es nur logisch, dass „ein Seitensprung nicht das Ende bedeu­ten muss“; und schlimm­sten­falls weicht man halt aus:

Cara Delevingne (ich muss­te den Namen aus­gie­big abtip­pen; A.d.V.) … über ihr neu­es (Sextoys) Business

(Fehlende Durchkopplung wie im Original.)

Im Artikel zu dem, was nach dem Höhepunkt „KOMMT …“, rofl, ist davon die Rede, das Zauberwort hei­ße „Aftercare“. Nur Menschen wie ich den­ken jetzt an Gleitcreme. Ich weiß nicht, wor­über das was aussagt.

„Kohle und Selbstbewusstsein“, lässt die „Cosmopolitan“ „Geldcoach Dani Parthum“ auf Seite 163 sagen, „hän­gen direkt mit­ein­an­der zusam­men“ und das stimmt sogar: Diese Ausgabe der „Cosmopolitan“ - so rich­tig auf schlimm rie­chen­dem Papier - hat mich 2,40 Euro geko­stet. Ich füh­le mich schlecht.

MontagsmusikPolitik
Underworld - Cowgirl // Keine Koalition für niemand

"Wach".Es ist Montag. Die Briten krie­gen mög­li­cher­wei­se wit­zi­ge Maßeinheiten zurück, Unzen zum Beispiel. Wie viel Fußballfelder oder Saarländer 1 Fuß sind, müss­te ich aber nach­gucken. Und wie viel ist das in Pandabären?

Politik, nutzt ja nix: Vor der Wahl wird noch schnell Geld ver­teilt. Nach der Wahl ist sowie­so unklar, wer über­haupt noch koalie­ren will: Die Grünen wol­len kein Schwarz-Grün, das über­dies dazu füh­ren wür­de, dass „JRehborn“ (wer?) die Grünen ver­las­sen wür­de, und kein Rot-Rot-Grün, die Linke wie­der­um, Heimstatt eines Altnazis, will eben­falls nicht mit den Grünen zusam­men regie­ren, so lan­ge die­se die Förderung der NATO zur Voraussetzung machen; aller­dings will die Linke ohne­hin kein Parlament mehr. FDP und Grüne kön­nen ein­an­der aus Freiheitsgründen auch nicht lei­den, was aber vor­aus­sicht­lich erst Ende September Konsequenzen haben wird, eine „Ampel“ ist aber schon des­halb undenk­bar, weil die FDP ein ande­res Steuersystem zur Voraussetzung zu machen behaup­tet. Immerhin: Sämtliche rele­van­ten Parteien for­dern (von wem?), dass ich nach der Wahl weni­ger Steuern zah­len soll. Ich bin schon sehr gespannt, wie das ausgeht.

Die Grünen revol­tie­ren gegen Wahlplakate, die MLPD gegen Satire und die Überwachungspartei SPD gegen sich selbst. „Die jun­ge Generation“, schwätzt aus­ge­rech­net Tilman Kuban von der CDU und meint damit wahr­schein­lich sogar sich selbst (Jahrgang 1987, somit für die CDU noch fast ein Kind), brau­che „im Bundestag eine noch stär­ke­re Stimme“. Warum das Alter eine bedeu­ten­de Rolle spie­len soll und was die anschei­nend durch­schnitt­lich älte­ste Partei im Bundestag selbst mit ein paar jün­ge­ren Neuzugängen zu einer Änderung der Situation bei­tra­gen soll, weiß ich auch nach dem Lesen des Textes nicht. Politiker halt.

Elektronik möge den Tag erhellen.

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Upsi.

Ich emp­fin­de mitt­ler­wei­le Sympathie für die­je­ni­gen, die for­dern, Terrorstaaten mit allen Mitteln zu zer­bom­bar­die­ren:

Die US-Streitkräfte haben ein­ge­räumt, bei einem Drohnenangriff in der afgha­ni­schen Hauptstadt Kabul Ende August meh­re­re Unschuldige getö­tet zu haben. „Ich bin inzwi­schen davon über­zeugt, dass bis zu zehn Zivilisten, dar­un­ter bis zu sie­ben Kinder, bei die­sem Angriff auf tra­gi­sche Weise ums Leben gekom­men sind“[.]

Kann ja mal passieren.

Die Bundeswehr will auch bewaff­ne­te Drohnen haben. Wird schon gut gehen. Wir sind ja die Guten.

In den Nachrichten
Endlich mal ein Sport für mich

Es ist schon selt­sam: Da lernt man auf dem Weg zum Erwachsenwerden, dass Urkunden über die „erfolg­rei­che Teilnahme“ an irgend­was kein Qualitätskriterium sind und dass ins­be­son­de­re im Sport blo­ße Anwesenheit nicht zu Ruhm und Ehre führt, und dann guckt man aus Versehen beim „rbb“ rein und der sagt, Bezug neh­mend auf die 2023 mög­li­cher­wei­se statt­fin­den­den­de Sonderolympiade („Special Olympics“), was ande­res.

„Die Menschen und Athleten ste­hen kom­plett im Vordergrund bei der Veranstaltung“ (…). Es sol­len Spiele von Athleten für Athleten sein. Und es soll ein Signal sein, dass Sport nicht „höher, schnel­ler, wei­ter“ bedeu­ten muss. Sondern, dass er es tat­säch­lich voll­bringt, alle Menschen einzubeziehen.

Wenn es beim Wettkampfsport aber nicht mehr dar­um geht, wer am Ende die beste Leistung voll­bracht haben wird, könn­te es sein, dass ich mei­ne kri­ti­sche Haltung gegen­über Sportveranstaltungen noch mal über­den­ke. Eine nicht beson­ders über­ra­gen­de kör­per­li­che Leistung voll­brin­gen kann ich eigent­lich ziem­lich gut.

Für Angebote bin ich aufgeschlossen.

In den NachrichtenMontagsmusik
Die Goldenen Zitronen - Raus aus der Klasse, zurück in die Klasse // Ersatzflüssigkeiten

Man soll ja viel trinken.Es ist Montag. Niedersachsen hat kom­mu­nal gewählt, mich jedoch nur mit küm­mer­li­chen Stimmanteilen, was mei­nen Plan der Weltherrschaft kom­pli­zier­ter gestal­tet als erhofft. Na gut, ich arbei­te daran.

Immerhin the­ma­tisch pas­send „berich­tet“ „Werben und Verkaufen“ („W&V“) dar­über, dass der ehe­ma­li­ge Punk Bela B., (ehe­ma­li­ges?) Mitglied der KPD/RZ und der PARTEI, zusam­men mit ande­ren schlim­men Menschen wie Sven Regener dazu auf­ge­ru­fen hat, dem­nächst die Lehrerkinderpartei „Grüne“ zu wäh­len. Ist das sub­ti­le Etablissementkritik, die ich nicht ver­ste­he? Und war­um ist das eine Meldung? Immerhin: Jetzt ist Scholz auch mal dran.

Hacker des Tages: Menschen, die E-Mails ver­schicken. Eher kei­ne Satire auch: Das US-ame­ri­ka­ni­sche Außenministerium ist betrübt - es gebe „zu weni­ge“ Frauen in der Talibanregierung. Da haben Frauen in Deutschland es merk­lich bes­ser; ihr Blut wird in so Werbung künf­tig rot statt blau simu­liert. Adel ist abgeschafft!

Es ist ja auch okay so. Okay?

Die gol­de­nen Zitronen - Raus aus der Klasse zurück in die Klasse

Guten Morgen.

Politik
Grünwählengrünwählengrünwählenfresse

Je inten­si­ver mir irgend­wel­che „Aktivisten“ erzäh­len wol­len, wen ich gefäl­ligst aus völ­lig beklopp­ten Gründen zu wäh­len habe, desto mehr Lust habe ich, am 26. September eine Partei zu wäh­len, die ihnen die Zukunft so unan­ge­nehm gestal­tet wie möglich.

In den Nachrichten
Höhere Mächte als Volkswagen

Dass Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident des bedau­erns­wer­ten Bundeslandes Niedersachsen, den Volkswagenkonzern „sei­ne“ Reden schrei­ben lässt, ist ein Vorwurf, der nach fast sechs Jahren zwar immer noch bemer­kens­wert, aber nicht mehr drin­gend beach­tens­wert ist, denn längst hat eine höhe­re Macht Volkswagen als rele­van­tes Gremium abge­löst:

Es ist schon Tradition, dass wir uns von der Landesregierung mit der katho­li­schen Kirche zum Austausch treffen.

Ob ich nun lie­ber von Volkswagen oder von der katho­li­schen Kirche mit­re­giert wer­den möch­te, las­se ich hier bewusst offen, wei­se aber vor­sich­tig auf eine drit­te Möglichkeit hin. Ob die­se wohl jemals herauskommt?

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Heimat

HeimatLange nichts mehr über Musik geschrieben.

2021 ver­öf­fent­lich­te die Gruppe Heimat ihr zwei­tes Album „Zwei“ (Amazon.de und so wei­ter). Mehrere Jahre waren seit dem titel­lo­sen Debüt ver­gan­gen, das 2016 raus­kam (nicht bei Amazon.de, dafür bei Bandcamp und TIDAL). Die ent­hal­te­nen Stücke tra­gen Titel wie „Dein Architekt“, „So trau­rig“ und „Tot und hoch“, wenn­gleich gele­gent­lich auf Italienisch gesun­gen wird. An die­ser Stelle soll­te es offen­sicht­lich sein: Die Heimat von Heimat ist Frankreich.

Den Stil ein­zu­sor­tie­ren wei­ge­re ich mich. Die zwei Musiker (Armelle Oberle, die auch singt, sowie Olivier Demeaux) bedie­nen sich recht frei an Neuer Deutscher Welle, Kinderliedern sowie der deut­schen Elektronik der 1970er Jahre (erst­mals deut­lich in „Tot und hoch“), blei­ben dabei aber auf mini­ma­le Ausdrucksformen beschränkt, was das Album wie­der­um der zeit­ge­nös­si­schen Tanzmusik näher bringt. Die ande­re Gesangssprache sei, behaup­tet das Internet, im Übrigen nicht Deutsch, son­dern Lothringer Platt. Klingt trotz­dem ganz gut.

Was ich davon hal­ten soll, weiß ich noch nicht; da feh­len mir noch ein paar Hördurchläufe, wür­de ich behaup­ten wol­len. Wer Obskures eben­so schätzt wie ich, dem dürf­te „Heimat“ aber des­sen unge­ach­tet eine Bereicherung für den Platten- oder wenig­stens CD-Schrank sein. Bereicherung ist wichtig.