ComputerIn den Nachrichten
Apples iDrone: Bald noch interaktiver!

Prima Technikidee, übrigens:

Apple erwägt ein Sicherheitssystem, das biometrische Daten von Gerätedieben sammelt und an den Besitzer übermittelt. (…) Zu den gesammelten Daten zählen laut Apple zum Beispiel Fingerabdrücke, Fotos und Videos des nicht autorisierten Nutzers, Audioaufnahmen der Umgebungsgeräusche sowie Informationen über die Aktionen, die auf dem Gerät ausgeführt werden.

Die so gesammelten Daten soll das gestohlene Gerät dann an einen Server sowie andere Geräte des Nutzers übermitteln, um die Identifizierung des Diebes zu ermöglichen.

(Hervorhebungen von mir.)

Selbstverständlich sind Softwarefehler sowie Missbrauch des erwogenen Sicherheitssystems von vornherein ausgeschlossen. Sicherheit kennt kein Pardon.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Kurz und abschließend notiert zum Fall #GinaLisa

Dass eine – das harte Los der Berufsblondinen – in der Öffentlichkeit stehende Frau dadurch, dass sie einvernehmlichen Sex hinterher blöd fand, das Sexualstrafrecht in Deutschland dahingehend beeinflusst hat, dass ein Nein jetzt auch als ein Nein und nicht etwa, wie bisher, als ein Nein aufgefasst wird, sei mal geschenkt, die Einflüsse auf unser zivilisiertes Miteinander sind doch absehbar gering und die Frau hat unter Gezeter ihrer Sympathisantinnenschnipp schnapp, Gerechtigkeit, wissenschon – und gegen den Willen der auf rechtsstaatliche Prinzipien nicht viel Wert legenden Familienministerin (SPD, versteht sich) ihre gerechte Strafe erhalten; entschiedener Widerspruch sei an dieser Stelle allerdings gegen ihre ausgerechnet RTL gegenüber geäußerte und medial vielfach zitierte Vermutung eingelegt, all das geschehe ihr nicht etwa wegen ihrer Freude daran, mal wieder vor einer Kamera zu stehen (was andererseits ihr Dasein als wiederkehrender Gast in ausgerechnet dem „Frühstücksfernsehen”, das sich für die Befassung mit gesellschaftlich bedeutsamen Diskussionen nicht deutlich besser eignet als ein durchschnittlicher Werbeblock auf Pro Sieben, erklären könnte), sondern nur, „weil sie aussehe, wie sie aussehe”, denn richtig wäre allenfalls, dass es geschieht, obwohl sie, legt man leidlich normale oder wenigstens feministische (i.e. chirurgiekritische) Maßstäbe an, aussieht wie jemand, der mit seinem Aussehen (vgl. u.a. Plastikenten bei Schmelztemperatur) eigentlich schon genug gestraft wäre, das jedoch zum Leidwesen der Ästhetik unverändert straffrei bleibt.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Wassermanns Fiebertraum – Jetzt oder nie // Mänbäng!

Die Bahn kommtEs tagt der Mond, es klagt der Kauz; Montag, Mist. Dabei hat sich das Wochenende schon länger angefühlt als nötig und man war selbst schuld daran. Andererseits: Hurra – ein gefühlt langes Wochenende! Die Kunst besteht darin, umzuschalten und Störungen als Angebot aufzufassen.

Weil man ja eigentlich doch schon gern mal wieder lachen würde, zum Beispiel über Nordkoreas „Netflix”-Konkurrenten, der lustigerweise Manbang heißt, was man doch bitteschön nicht unbedingt englisch aussprechen sollte (gesellschaftliche Unart auch: „Mänbäng” lesen). Fast genau so lustig: Twitter hat jetzt einen Qualitätsfilter, was ungefähr gleichbedeutend mit einem Schönheitsfilter für Hannover wäre, er ließe nämlich nur noch vereinzelte Ruinen durch; einstellbar, jaja, aber wer würde das wollen?

Die Bundesregierung hat angekündigt, dass es demnächst ratsam sein könnte, Vorräte angelegt zu haben. Wie damals im Krieg, die Älteren erinnern sich wahrscheinlich noch. Habt Angst! Hört ihr? Angst! Nach der Burka sollen jetzt auch Rucksäcke auf öffentlichen Plätzen verboten werden. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis endlich auch mal jemand das terroristische Essen von Leberwurstbrot im Zug verbietet. Das wäre schön.

Noch schöner, allerdings: Musik.

Hier.

Wassermanns Fiebertraum – Jetzt oder Nie (Official Music Video)

Guten Morgen.

Sonstiges
Medienkritik CI: Woohoo, „Mädchen”!

MÄDCHEN August 2016Ich bin aber auch wirklich nachlässig manchmal, die Zeitschrift „Mädchen” war mir bisher als eher langweilig in Erinnerung. Vor einigen Tagen allerdings nahm ich erstmals ihren Untertitel – „Entdecke, was du liebst!” – wahr und verspürte sofort den Drang, mir die aktuelle Ausgabe einmal zuzulegen. Wer würde nicht entdecken wollen, was er liebt? Eben.

Die Entscheidung wurde versüßt durch mein Geschenk („DEIN GESCHENK: TRAUM HAAR (sic!), ZOPFBAND IN EINER VON 3 FARBEN”). So was wollte ich schon immer mal haben. ‘Medienkritik CI: Woohoo, „Mädchen”!’ weiterlesen »

In den NachrichtenPolitik
Terrorabwehr des Tages: Kleidungsvorschriften gegen das Böse

Endlich tut mal einer was:

Die Innenminister der Union haben sich darauf geeinigt, die Vollverschleierung in bestimmten Bereichen zu verbieten. Dies betreffe beispielsweise Einrichtungen des öffentlichen Dienstes, im Straßenverkehr oder bei Demonstrationen, erklärte Lorenz Caffier, Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern am Nachmittag vor Journalisten.

Wofür soll das denn gut sein? Etwa schon wieder für mehr Sicherheit („Wichtig sei es, (…) die Befugnisse der Nachrichtendienste zu stärken”, ebd.; denn nichts löst Sicherheitsprobleme so effizient wie ein völlig frei drehen dürfender Geheimdienst)? Mitnichten:

Die Ablehnung der Burka habe nichts mit Sicherheit zu tun, sondern mit gesellschaftlichem Zusammenhalt, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière. (…) Deutschland sei eines der sichersten Länder der Welt, so solle es auch bleiben, sagte der Minister.

Sicherlich werden Übeltäter sich auch künftig nicht trauen, beim Übeltun eine Burka zu tragen. Jetzt müsste nur noch jemand Terrorismus verbieten und schon ist der Frieden gesichert, zumindest unsererseits. Bewaffnete Milizen mit staatlichem Auftrag laufen, fahren und fliegen stattdessen im Ausland herum, zum Beispiel, wie gewohnt im Widerspruch zum Völkerrecht, in Syrien.

Hat alles nichts mit nichts zu tun.

Nerdkrams
Total vernetzt: Xanadus langer Atem

Im Jahr 2016 feiern nicht wenige Aktivisten ein Jubeljahr des Webs als technische Revolution, oft, weil sie sich gar nicht dessen bewusst sind, was für ein eigentlich nebensächlicher Aspekt des Internets das Web eigentlich ist, oft auch nur in dem Irrglauben, das Web sei im Gegensatz zum Usenet endlich und allein eine brauchbare Art, Informationen vernetzt dauerhaft darzustellen.

Dabei ist das Web eigentlich nicht viel mehr als ein spät geborener Krüppel, dem allein seine reichen Eltern zugute kommen.

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Sonstiges
Kurz verlinkt: Bildung für alle, Bildung für nichts

Nach der Promotion erst mal in den Niedriglohnsektor, dann hilfsweise zum Ackerbau:

Der Herr im Jobcenter – mein „Arbeitsvermittler“ – schüttelt mir freundlich-abwartend die Hand. Möglicherweise ist er etwas nervös angesichts meines Doktortitels, den er auch sofort pflichtschuldig ausspricht (woran mir überhaupt nichts liegt). Er weiß, dass er mir außer Zwangsmaßnahmen, Callcenter und Saisonarbeit (Erdbeeren pflücken) nichts zu bieten hat.

Wenn der Bildungsstandort Deutschland schneller wächst als die Gehaltskassen auf dem Arbeitsmarkt Deutschland, ist es offensichtlich eher hinderlich, qualifiziert zu sein. Im Nachfolger des Arbeiter- und Bauernstaats mit dem real existierenden Studienproblem ist man Gleicher unter Gleichen.

Der Held im Erdbeerfeld ist selten der Sieger.

(via Schwerdtfegr)

Sonstiges
Bei uns heißt das immer noch „Sie Arschloch”!

(Vorbemerkung 1: Ich hatte bisher selten das Vergnügen, beruflich mit Sies zu arbeiten, ich bin meist von Dus umgeben.
Vorbemerkung 2: Folgende Hinweise gelten nur für Sie, nicht jedoch für euch.)

Apropos Stil. In der „Süddeutschen Zeitung” vom 13. August d.J. berichtete Angelika Slavik von der „neuen Coolness”, die in deutschen Unternehmen Einzug gehalten habe:

Deutschlands Unternehmen liefern sich gerade einen Wettbewerb in demonstrativer Coolness. Elmar Degenhart etwa, der Chef des Autozulieferers Continental, erschien im März erstmals ohne Krawatte zur Bilanzpräsentation seines Unternehmens und ließ dazu wissen, man passe sich nun „den Gegebenheiten der Industrie“ an. Siemens-Chef Joe Kaeser zeigt sich ebenfalls gern leger, seit er dem Unternehmen „Start-up-Spirit“ verordnet hat, den gleichen Esprit verspricht auch der VW-Chef Matthias Müller künftig in Wolfsburg. Der Allianz-Chef Oliver Bäte präsentierte sich den Aktionären jüngst in knallroten Turnschuhen. Und bei Otto, da wird nun eben geduzt.

Diese crazy Kids mit ihren hippen Klamotten! Keine Krawatte, rote Turnschuhe, jetzt auch noch die Abkehr von sprachlichen Respektsbekundungen, ergo coolness statt Manieren, denn wenn es eins gibt, was in mir sofort eine Vision von geradezu blendender Lockerheit hervorruft, dann sind es duzende Endfünfziger in roten Turnschuhen.

Nun ist es ja weder bei IKEA noch im Beruf so, dass das olle Geduze irgendwie aufgeweichte Hierarchien signalisiert, denn bei Gehalts- und sonstigen Vertragsverhandlungen ist man schnell mit dem kumpelhaft agierenden Vorgesetzten per Sie und bei der Rollenverteilung gibt es hier auch nicht unbedingt einen nennenswerten Gestaltungsspielraum. Anweisungen vom Scheff bleiben Anweisungen vom Scheff, und niemand, der nicht gerade ein Diplom in sozialer Arbeit oder sonstigem Kram als höchsten Abschluss vorzuweisen hat, der nur für diejenigen Memmen eine gute Wahl sein kann, die gegen harte Arbeit nichts einzuwenden haben, so lange man ihnen dabei dreimal täglich Kekse und ein Plüschkaninchen aushändigt, sollte es für eine gute Idee halten, wenn diese Anweisungen als allzu jovial anbiederndes „könnteste mal…?” statt „erledigen Sie…” übermittelt werden, weil dieses oft kalkuliert einseitige Gefühl der Vertrautheit keineswegs ein besseres Miteinander schafft, weil der Riss zwischen vermeintlicher Kumpanei und tatsächlicher Hierarchie eben im Zweifel nur um so tiefer wieder aufreißt. So lange man mit dem Vorgesetzten, ja, auch mit dem Arbeitskollegen weder Bett noch Betäubungsmittel geteilt hat, ist es in der Regel unangebracht, sich über den gegenseitigen Distanzverlust zu freuen. Jemandem das Du anzubieten ist zweifellos eine Möglichkeit der stilvollen Klärung des zumindest sprachlichen gegenseitigen Vertrautheitsgrades, allerdings gerät die Angebotskomponente offensichtlich zusehends in Vergessenheit. Wir duzen uns jetzt, ob es dir passt oder nicht; beinahe hätte ich angefügt: so befehlen Wir es.

Monika Scheddin, „Coach für Führungskräfte”, offensichtlich also mitschuld an dieser unfeinen Situation, und laut ihrer Website „Speaker, Coach und Autorin”, also vermutlich beruflich nicht in irgendein ernstzunehmendes Vertragsverhältnis eingebunden und somit wie so viele andere Frauen, die Wohlfühlkäse auf Totholz stempeln lassen, höchstens indirekt mit dem Objekt ihrer phrasenhaften Betrachtungen vertraut, wird im gleichen Artikel mit Unverständnis zitiert:

Dennoch gebe es auch heute noch, trotz des allgemeinen Trends zu Coolness und Freundlichkeit, Führungskräfte mit harschem Tonfall und einer Begeisterung für streng hierarchische Strukturen. „Den klassischen General, der Angst und Furcht als Führungsinstrumente versteht, wird es immer geben“, sagt Scheddin. „Kein Wunder, es funktioniert ja auch.“

Für Frau Scheddin ist die auch sprachliche Einhaltung der tatsächlich existenten und sonst allenfalls verschwiegenen beruflichen Distanz, mithin die Einhaltung der vertraglich geregelten Hierarchien, folglich ein Vehikel zur „Verbreitung von Angst und Furcht” – als hätte Angst oder Furcht nicht schon gereicht – und der Fahrer dieses Vehikels ein „klassischer General” und damit, das steht da allerdings nicht, fast wie Hitler, nur ohne den albernen Schnurrbart.

Kein Wunder.

Montagsmusik
Oranssi Pazuzu – Tyhjä Temppeli // Mehr Roboter wagen.

Urlaubsvertretung (flauschig)Es ist Montag, es gibt wahrlich Schöneres und das ist noch nicht einmal allzu lange her, aber man macht eben auch beim Dummsein nur ungern halbe Sachen. Als wär’s gestern gewesen, einander im Arm habend die Zeit zu vergessen und des Mondes tadelndem Blick keine Beachtung zu schenken, weil, als es perfekt schien, man doch selbst missachtet zu haben weiß. Wenn schon blöde, dann wenigstens mit Anlauf.

Apropos Anlauf. Neues aus Olympia: Deutschland ist erwartungsgemäß ganz gut im Schießen. In Syrien kommt ihm das zugute: In Aleppo kämpft Al Qaida, unterstützt von den USA, Deutschland, Türkei, Saudi-Arabien und Katar; die zahlen eben gut, muss man ja verstehen.

Bei allen Problemen, die ein Computer so hat (wusstet ihr zum Beispiel, dass euer Flachbildschirm gekapert werden kann?), wünscht man sich manchmal doch weniger Menschlichkeit in all dem Tohuwabohu. Man wies mich vor einigen Tagen darauf hin, dass selbst Roboter menschlicher seien als manche Menschen, wie ein Experiment von vor einigen Jahren beweise: Nach einer Weile entwickeln sie, die Roboter, einen eigenen Altruismus und lernen dessen Vorzüge zu schätzen. Und die Menschen? Sie füttern Enten mit ihren Kindern. Was ja, andererseits, auch irgendwie wieder niedlich ist.

Was allerdings keinesfalls niedlich ist, sind Montage, aber dagegen kann man etwas machen, nämlich die Musik an.

Oranssi Pazuzu – Tyhjä Temppeli

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Kurz notiert zu den grotesken Plänen Bernard Cazeneuves

Ach, Frankreich:

Wenn es nach dem französischen Innenminister geht, wird eine Initiative mehrerer Staaten zur Bekämpfung verschlüsselter Kommunikation zustande kommen. Hintergrund ist der Umstand, dass es bislang für Ermittlungsbehörden kaum möglich ist, verschlüsselte Nachrichten auszuwerten, die im Zuge der Vorbereitung von Terrorattentaten ausgetauscht werden.

Hintergrund hierfür dürften unter anderem die zahlreichen Attentate in Frankreich binnen der letzten paar Jahre sein, in deren Vorfeld die jeweiligen Täter (auch in Nizza und Paris) zuvor französische SMS-Nachrichten ausgetauscht haben, was offensichtlich nicht rechtzeitig ausgewertet werden konnte; woraus sich zweifellos ableiten lässt, dass der Austausch französischsprachiger Mitteilungen über ein bereits jetzt vorratsdatenspeicherndes öffentliches Netz Ermittlungsbehörden derart überfordert, dass es dringend anzuraten ist, den Gebrauch der französischen Sprache zwecks Terrorabwehr künftig europaweit zu verbieten.

KaufbefehleMusikkritik
Katie Dey – Flood Network

katie dey - Flood NetworkIm Juni 2015 freute ich mich über das Debütalbum der australischen Künstlerin Katie Dey im Fazit folgendermaßen:

Ein Musik gewordenes WTF, das im noch vergleichsweise unverbrauchten 2015 bisher eine Ausnahmeerscheinung darstellt.

Nachdem es einige Tage lang für symbolische 1.000 US-Dollar zu haben war, erschien gestern (mitsamt erheblicher Preissenkung) endlich das Nachfolgealbum namens „Flood Network”, weiterhin mit merkwürdigem artwork und Bandcamp-Stream.

Mit 17 Titeln und insgesamt 32:12 Minuten Laufzeit ist „Flood Network” erneut recht kurz ausgefallen. Den roten Faden stellen acht Instrumentalstücke namens „(F1)” bis „(F8)” dar, die sich mit den übrigen Stücken abwechseln. Keineswegs sollte allerdings davon ausgegangen werden, dass ein stilistischer Zusammenhang besteht. Frau Dey macht auch weiterhin unter Missachtung konservativer Vorstellungen von einem musikalischen Rahmen, wonach ihr der Sinn steht, was „Flood Network” schon in der Theorie an Wert gewinnen lässt. Und die Praxis?

Katie Dey – Fleas (Official Music Video)

„Flood Network” ist die irgendwie konsequente Weiterentwicklung von „asdfasdf”. Bereits das eröffnende „All” stolpert in gerade mal anderthalb Minuten mit Sigur-Rós-Stampfrhythmus, psychedelischer Akustikgitarre und brüchigem Gesang aus dem Lautsprecher in die weit offenen Ohren und Arme des Rezensenten und geht ausnahmsweise dann doch über in das fast halbminütige Intermezzo „(F1)”, das mit einem Hilferuf allerdings nichts zu tun zu haben scheint, sondern ein wenig Elektronik für das folgende „Fleas” vorbereitet, das überhaupt in den seltsamen Radioclubbeats von 2016 aufgewachsen zu sein scheint. Spulen wir mal ein bisschen vor und bemerken wir eine Steigerung, denn natürlich gibt es dann doch noch so was Ähnliches wie einen longtrack, das Duo aus „Debt” und „(F8)” nämlich, das eine gemeinsame Melodie vereint; und natürlich, schon wieder, Sigur Rós zu guter Letzt, in „It’s Simpler To Make Home on the Ground” nämlich, wenn auch abermals nur instrumental.

So I sit around / making animal sounds out of cutlery.
Fear o’ the Light

Gesang ist Nebensache. Die Frau macht Musik nur für sich und lässt uns an sich teilhaben. Musik für die Leute machen andere Leute schon genug. Stagnation? Na, meinetwegen, denn das bedeutet immerhin, dass die Qualität nicht nachlässt. „Flood Network” ist so undurchdringlich wie sein Vorgänger, ich wage nicht einmal zu ahnen, ob es mich bei all seiner Schräge absichtlich melancholischer stimmt.

„Flood Network” ist die musikalische Begleitung für das Gefühl nach einem vertanen Tag, einem verlorenen Wochenende, einem verregneten Urlaub am Meer, nach zu viel Alkohol und zu viel Chemie, der Ton zum Film im Kopf nach dem Schrei der Natur – ein in Gänze wundervolles Album also. Nehmt euch die Zeit, es ist sie wert.

Nerdkrams
„Sicherer als Windows” des Tages (3)

Na, auch Linux statt Windows zu Hause?

Dann habt ihr ein Problem.

Netzfundstücke
Liegengebliebenes vom 10. August 2016

Und das alles von meinen Steuern!!1!: Chinesischer Tourist wird aus Versehen in ein Flüchtlingsheim gesteckt.


Vor wenigen Tagen, am 6. August, wurde das World Wide Web als einer der jüngeren Internetdienste 25 Jahre alt. Die ehemalige Netzkompetenzpartei würdigte das mit einem angemessenen Tweet:

25 Jahre #Internet. Für die einen immer noch #Neuland, für uns #Piraten ein natürlicher Lebensraum. :)

Da war wohl jemand lange nicht vor der Tür.


Apropos Twitter: Eine geistig 108-jährige genderfluide Eule hat herausgefunden, dass der Feminismus der Welt innerhalb der letzten zehn Jahre das Frauenwahlrecht beschert hat. Früher hätte man solchen Leuten, äh, Eulen noch versucht zu helfen, statt sich lustige Worte für sie auszudenken.


Wisst ihr, wer dringend in Sexualtherapie gehört? Britische Fünfjährige!


Bei BMW fängt Fahren auf dem Smartphone an. An gleicher Stelle hört allerdings auch die Sicherheit auf, aber das verkauft sich nicht so gut.


Da wir gerade bei Internet sind: Wo muss denn unbedingt mehr Internet rein? Richtig: In den Toaster!

In den NachrichtenMontagsmusik
Yezda Urfa – Cancer of the Band

Ich seh dichMontag. Android ist kaputt, aber der Sommer ist zurück. Er kommt ganz schön oft in diesem Jahr. Da kann man sich ja gar nicht mehr auf den Herbst freuen, wenn es endlich wieder normal wird.

Andererseits: Normalität 2016? Wer Argumente mag, wählt CDU. Keine Experimente! Die Hunde. Das Land davor. Hurz? In Olympia haben die Apotheker mal wieder Bestzeiten geschafft, Tausende jubeln mit Chips auf dem Sofa. Prekariats-TV für Gesportetwerdende.

Weniger zu bejubeln: Israel will Ausländer, die es nicht so gern sehen, wenn israelische Raketen Palästinenser zerfetzen, künftig nicht mehr ins Land lassen. Das ist immerhin besser als in anderen Unrechtsstaaten, da kommt man dann zwar noch rein, aber nicht mehr lebend raus. Den Guten, bewaffnet mit Parolen, Palästinensertuch und Israelfahne, gefällt das. Alle bekloppt, alle restlos bekloppt.

Was macht man eigentlich, wenn man einen überzähligen Behinderten hat? Ab damit!

Apropos ab: Musik ab!

Yezda Urfa – Cancer of the Band

Guten Morgen.

NetzfundstückePersönliches
Anzüglichkeiten

(Vorbemerkung: Ich sehe im Anzug scheiße aus und trage trotzdem gern mal einen, und zwar aus freien Stücken.)

Im Unterblog kommentierte Dr. Horst Lüning, hauptberuflich Whiskytrinker und -verkäufer, vor einer Weile sein Verhältnis zu Herrenanzügen sinngemäß dergestalt, dass er nichts von ihnen halte, weil ihm ein Smoking für die meisten Anlässe zu förmlich erscheine; weil’s zwischen Polohemd und Smoking oder Frack anscheinend keine nennenswerten Abstufungen gibt.

Es dauerte selbstredend nicht lange, bis die ersten zustimmenden Kommentare zu lesen waren:

wer anzug trägt hat die kontrolle über sein leben verloren

Dabei hat, wer sich nicht nur einen Anzug leisten kann, sondern auch noch eine Gelegenheit findet, ihn zu angemessenem Anlass zu tragen, keineswegs die Kontrolle verloren; im Gegenteil: es bedarf einiger Lebenskontrolle, um an diesen Punkt zu gelangen und dort zu bleiben. Ein Anzug ist oft Resultat, nicht Auslöser, und längst nicht immer Ausdruck ausdrücklicher Bekleidungsvorschriften. Kleider machen Leute ist eben auch nur so halbrichtig, das Gegenteil ist das entscheidende Aber.

Aber so ganz ernst zu nehmen sind derlei Flapsigkeiten ja nur bedingt, springen wir also amüsiert zum nächsten bemerkenswerten und geringfügig durchdachteren Kommentar:

Krawatten tragen heute doch nur noch Vertreter (Vertreterschal) und verfilzte Politiker. Kenne kaum noch gestandene GF die sich diese Folter antun.

Nun, der Vorwurf der Verfilztheit ist ein beliebter, impliziert er doch, dass das, was die der Verfilztheit beschuldigte Person repräsentiert, regressiv und nicht mehr zeitgemäß sei, in diesem Fall also, dass jemand, der vom Volk gewählt wurde, damit gefälligst aufzuhören habe, weil das sooo letztes Jahrhundert sei; aber Mode allein nach Trends zu bewerten (dazu gleich noch mehr) ist doch etwas kurzsichtig. Wer sieht schon gern wie eine Vagina aus? – Es gilt, die zeitlose Mode zu finden, und dazu gehören zweifellos auch Anzüge, zumindest die normal und nicht trendig geschnittenen, gefärbten und sonstwie gefertigten.

Weiter: „Gestandene GF” (Geschäftsführer, nicht Girlfriends, nehme ich an) tun sich also die „Folter” einer Krawatte nicht mehr an. Leider verschweigt der Kommentator, woran man einen „gestandenen” Geschäftsführer erkennt (vielleicht an der löchrigen Jeans?) und wie eng man seine Krawatte wohl binden muss, um sie als Folter auszumachen. Es gibt tatsächlich auch Mode, die ich als Folter empfinde, versehentlich bauchfreie Oberteile und Phil-Collins-Fanshirts gehören dazu. Ansonsten bin ich davon überzeugt, dass es eine Menge Dinge gibt, die auch körperlich mehr foltern als eine Krawatte: Nasenringe; Tätowierungen; Ohrentunnel, durch die man durchgucken kann; …

Eine Krawatte ist da doch deutlich ästhetischer. Vor allem eine mit Entchen drauf.

Was haben wir noch? Ach ja, einen Kommentator namens „AsgaiaMetal”, offenbar eine ganze Band voller mitteljunger Herren in schwarzen Shirts, was die Individualität der Bandmitglieder vermutlich gerade auf der Bühne auch optisch unterstreichen soll:

Im Anzug ist man ein grauschwarzes nichts. Unifomiert, der Individualiät, der Persönlichkeit beraubt.

Monty Python das Leben des Brian Individualität

Beziehungsweise (gleicher Autor):

Anzug sieht allgemein nicht gut aus. Es ist letztendlich Altherrenkleidung, die häßliche alte fette Körper kaschieren sollen.

Unabhängig von der Frage, ob ein Mädchen in einem dieser Länder, das als Schuluniform so was Ähnliches wie einen Anzug zu tragen hat, dadurch nun zu einem hässlichen alten fetten Altherrn wird: Das nehme ich als zumindest nicht übermäßig dicker Mann jetzt doch ein bisschen persönlich.

Dabei ist man in einem Anzug, wenn schon kein Nichts, nicht mal unbedingt grauschwarz. Dass man schwarze Anzüge nur als Kellner, Trauergast oder Zyniker tragen sollte, vermögen wenige Minuten Webrecherche einleuchtend zu erläutern; aber wie einfallslos muss man sein, um sich beim Anzugkauf ausgerechnet einen grauen auszusuchen? Natürlich gibt es Vorkommnisse wie die furchtbare PARTEI, deren gemeinsame Uniform nun mal ein billiger grauer Anzug ist, aber an Farb- und Stilauswahl mangelt es in der Anzugwelt wahrlich nicht.

Seine individuelle Persönlichkeit zeigt man durch den Einkauf von Massenware allerdings nur unzureichend, das gilt für Anzüge ebenso wie für schwarze Shirts, hoodies, bunte Haarfarbe vom Rossmann oder DM an der nächsten Straßenecke und für das iPhone in einer von vier Farben. Wer sich nur durch Dinge, die er kaufen muss, von seinen Mitmenschen abzuheben weiß, der hat vielleicht auch einfach einen entscheidenden Punkt nicht so richtig verstanden; den nämlich, dass Kleider zwar Leute machen, dass aber, wer überhaupt gemacht werden muss, in jedem Kleid nur ein graues, schwitzendes Nichts bleibt.

Es sind die Details.

(In T-Shirt und dreckiger Hose von der Stange geschrieben.)