NerdkramsNetzfundstücke
Kurz verlinkt: In einem Neuland vor unserer Zeit

Ich fand im Internet zufällig dieses ursprünglich interne Memorandum aus der inzwischen von Hewlett Packard Enterprise übernommenen Firma SGI, die damals (1993) gerade IRIX 5.1 veröffentlicht hatte. In ihm werden die Probleme mit der Geschwindigkeit und Größe des Systems unter anderem wie folgt angesprochen (übersetzt von mir):

Innerhalb einer Woche wuchs mein neu gestartetes IRIX 5.1 auf mehr als 13,8 Megabyte [Arbeitsspeicher] an – einen großen Teil eines 16-Megabyte-Systems. (…) Das Fenstersystem (Xsgi + 4Dwm) wuchs von 3,2 auf 3,6 MB an und der Rest ist auch gewachsen. (…) Die gesamte Speichernutzung beträgt 21,9 Megabyte, und das nur, weil ich IRIX gestern Abend neu gestartet habe, um die Kernelgröße zu reduzieren.

Seitdem frage ich mich: Was genau können typische Desktopcomputer im Jahr 2020, das Hochleistungsrechner 1993 nicht konnten, was nicht in 32 Megabyte RAM passen kann?

ComputerIn den NachrichtenMontagsmusik
Estampie – Reis glorios // Nu sker det!

zzzzzzEs ist Montag. Diese verdammte Sonne ist schon wieder da und immer noch wachsen beim hiesigen Spätsommerwetter (Regen und Sonne im steten Wechsel) bloß irgendwelche ollen Blumen, aber keine Pandabären am Wegesrand. Ich prangere das an.

Ausnahmsweise mal gute Nachrichten am Anfang: Auch der Südschleswigsche Wählerverband wird bei der nächsten Bundestagswahl wählbar sein, wenn auch nur in Schleswig-Holstein. Als Minderheitenpartei stehen seine Chancen, in den Bundestag einzuziehen, gar nicht schlecht. Wenn wir eins aus Thüringen gelernt haben, dann, dass man sich gerade vor der kleinsten Partei in Acht nehmen sollte. Warum nicht mal ein dänischer Bundespräsident? Andere Parteien möchten – gleichfalls seit Thüringen – lieber niemandem mehr vor den Kopf stoßen und bevorzugen das Schlingern im Feld des Austauschbaren. Um die F.D.P. ist es wirklich, wirklich schade. Liberalismus war eigentlich eine ganz gute Grundidee. – Zur offen verfassungsfeindlichen SPD andererseits hat ausgerechnet Fabio de Masi am 9. September etwas von Zitatwert gesagt: „Herr Scholz führte aus, dass Herr Olearius ein Mann sei, der sich über die Jahrzehnte große Anerkennung in Hamburg erworben habe. Er hat Hamburg jedoch um mindestens 160 Millionen Euro Steuergelder betrogen.“ Was darf Satire und warum führt sie eine ehemalige Volkspartei?

Das FreeBSD-Projekt steigt von Subversion ausgerechnet auf Git um. Ein längerer Blogartikel fasst die Gründe so zusammen, dass Subversion zwar technisch auch weiterhin das bessere System sei, aber man es vom Nachwuchs nicht mehr verlangen könne, etwas anderes als Git zu lernen. Dafür gebe man dann auch gern enorme Vorteile wie Schlüsselwörter im Code auf. Ich meine mich an eine Zeit erinnern zu können, in der man technisches Können noch als Voraussetzung und nicht als auszuräumende Hürde betrachtet hat, aber ich erinnere mich auch noch an eine Zeit vor Git und weiß daher das Für und Wider von Alternativen abzuwägen. Der vermeintliche Fortschritt der Softwareentwicklung erinnert mich zusehends mehr an ein enger werdendes Korsett. Ich freue mich auf den Tag, an dem das Material nachgibt.

„heise online“ berichtete dieser Tage von der Verleihung der Big Brother Awards, mit denen Überwachungsdeppen geehrt werden, bindet im dazugehörigen Artikel allerdings unzählige Fremdquellen, darunter mancherlei Reklame und sonstiger Googlemist, ein. Mich wundert, dass dafür noch kein Preis vergeben wurde. Apropos: Software habe einen Menschen umgebracht und irgendwelche Hacker seien daran schuld, quatscht der gehackte Administrator, dessen Arbeit anscheinend auch besser von einem Roboter erledigt werden sollte. Es ist grauenvoll.

Ich beginne die Woche lieber etwas schöner, zum Beispiel mit Musik.

Estampie - Reis Glorios

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Shem – No Songs, Just Sound

Shem - No Songs, just SoundLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Ich mag es ja ein bisschen, wenn ich von einem Musikalbum nicht negativ überrascht werde. "No Songs, Just Sound", drei Jahre nach den ersten Aufnahmen dieses Jahr endlich erschienen, vom Stuttgarter Quintett Shem (Amazon.de, Bandcamp.com), bildet da keine Ausnahme: Lieder gibt es hier nicht, wohl aber eine Vielzahl an Klängen.

Shem spielen einen instrumentalen psychedelic rock mit deutlichem Kraut-Anstrich, der sich sowohl in der atmosphärischen Weite, die besonders gut erstmals im zweiten Stück "Konvoi" (mit fast acht Minuten Spielzeit noch der kürzeste track) zu spüren ist, als auch im motorischen Spiel des Schlagzeugers "Benjamin" – Nachname unbekannt – ausmachen lässt. Gelegentlich ("Säure") versuchen sich die beiden Gitarristen auch an punkorientierten Jams, was nicht mal einen Stilbruch darstellt, sondern sich prima ins Gesamtbild einfügt, indem elektronisches Wabern und Zirpen das Gespielte zu Spacerock werden lässt. Geschrieben klingt das furchtbar, gehört klingt es famos.

Von wegen nur Klang!

Mir wird geschlecht
Kurz angemerkt zur Bundesfrauenkonferenz

Jedes Mal, wenn eine vermeintlich moderne Partei wie die „Grünen“ in alte Muster zurückfällt und zwar nicht mehr von „Schwarzgast“ und „Schriftstellerjude“ spricht, wohl aber eine andere angeborene biologische Eigenschaft zur Kategorisierung von Menschen missbraucht, indem sie zu einigen ihrer Treffen nur diejenigen einlädt, die nicht mit dem Makel „Mannsein“ behaftet sind, fällt es mir ausgesprochen schwer, mir nicht bildlich vorzustellen, ob Männer wie Cem Özdemir und Robert Habeck, die freiwillig Geld dafür zahlen, aufgrund ihres Penisses benachteiligt zu werden, nicht mit einer preiswerten Domina besser bedient wären.

Mir wird geschlechtNetzfundstücke
💩 (8)

Puh, na „endlich“:

Das derzeitige Emoji für einen bärtigen Mann wird 2021 eine genderinklusive Überarbeitung erfahren.

(Übersetzung von mir.)

Endlich gehört das lästige alltägliche Problem, die Emotion einer Frau mit Bart nicht richtig darstellen zu können, der Vergangenheit an!

Ist dieses UTF-16 nicht irgendwann mal voll?

Politik
Hoffnung Dexit (4): Bürgernah woanders sein.

Die von keinem Volk gewählte EU-Kommissionspräsidentin hat diesmal sogar die ARD irritiert, als sie unter anderem mitteilte, dass es vielleicht eine gute Idee sei, alle Bürger anlasslos überwachen zu lassen. Die sonst von Seltsamen wegen ihrer Staatsnähe angeprangerten Öffentlich-Rechtlichen fassen die doch recht lange Rede so zusammen:

Wenn es noch eines Beweises bedurfte, wie weit die Europäische Kommission mittlerweile von den realen Problemen ihrer Bürger entfernt ist, hat Ursula von der Leyen den heute erbracht.

Haha, diese Briten. Die wissen ja gar nicht, was ihnen entgeht.

Es ist nicht alles schlecht in Großbritannien.

In den Nachrichten
Drei Viermal die Christen

Eins:

„Deshalb nochmal besonders in die Ohren von ‚Christ‘-Demokraten gesprochen: Der barmherzige Samariter, der hat auch seinen Mantel geteilt und nicht erst gewartet, bis irgendjemand gekommen ist und gesagt hat: Ich wäre auch noch bereit.“ Mit diesen Worten forderte die Grünenpolitikerin Katrin Göring-Eckardt im Interview mit dem ZDF Hilfe für die in Not geratenen Menschen des (mutmaßlich durch Brandstiftung) niedergebrannten Flüchtlingslagers Moria.

Der heilige Martin hingegen war der mit dem Fass um den Hals, oder?


Zwei:

Der Gesetzentwurf zum Lobbyregister von CDU/CSU und SPD macht Ausnahmen für kirchliche Lobbybüros (…) und islamische Religionsgemeinschaften (…)

Säkularismus? Aber doch nicht jetzt!


Drei:

Die Katholische Studierende Jugend (KSJ) schreibt "Gott" ab sofort mit einem Genderstern. Mit einer neuen Kampagne wolle man sich für ein anderes Gottesbild starkmachen, "weg von dem strafenden, alten, weißen Mann mit Bart hin zu einer Gottesvielfalt", teilte die KSJ am Freitag mit.


Vier, einen noch fürn Weg:

Ein Unternehmer aus Aichach bei Augsburg hat sich laut Medienberichten vom Dienstag den als Jesu Kreuzesinschrift bekannten Begriff "INRI" als EU-weite Marke gesichert. Die Eintragung gilt demnach für die vier Nutzerklassen Lederwaren, Textil, Kosmetika und Getränke.

Ein Teil davon verstört mich. Es sind nicht die Getränke.

In den NachrichtenMontagsmusik
Beardfish – Until You Comply (live) // Hurra: Platten endlich teuer!

War nie wirklich weg, hab mich nur versteckt.Es ist Montag. Corona macht vieles zurzeit schwer umsetzbar, aber das, was 2020 wirklich zählt, bleibt ungebrochen: Es werden wieder Exorzisten ausgebildet. Wieder ein Problem, das man gar nicht hätte, wenn man Menschen durch Pandabären ersetzte.

Satire gefällig? Postillon. Nebenbei sieht man wieder, woran Kabarett in Deutschland scheitert: Menschen johlen, klatschen, gehen nach Hause und wählen dann doch bei der nächsten Gelegenheit wieder die schreckliche väterkritische SPD irgendwohin, etwa gestern wieder in Nordrhein-Westfalen. Schrecklich, schrecklich.

Bei Amazon sitzt jetzt die NSA im Vorstand. Was hat Bill Gates denn jetzt schon wieder vor?

Ein ehemaliges EDV-Magazin aus Hannover berichtete, dass in den Vereinigten Staaten erstmals wieder mehr Umsatz mit Schallplatten als mit CDs erzielt wurde, was ja eigentlich nur bedeutet, dass Vinyl teurer ist als CDs, aber Gewinn und Umsatz auseinanderhalten zu können ist eben nicht mehr zeitgemäß; fast wie EDV-Magazine, möchte ich hinzufügen.

Immer aktuell und niemals anachronistisch hingegen: Musik.

Beardfish - Until You Comply [Live]

Guten Morgen.

NetzfundstückePiratenparteiWirtschaft
Bedingt bedingungslos (Nachtrag).

2018 nannte ich die Verfechter eines bedingungslosen Grundeinkommens die sozialistische Nachhut der Piratenpartei. Gestern aber las ich in einer zu langen Verlautbarung der sozialistischen DKP, ein solches Grundeinkommen sei vielmehr ein Vehikel des Kapitals, um den eigenen Status weiterhin halten zu können.

Erstaunlich, wo heute überall der Neoliberalismus lauert.

NetzfundstückePolitik
Annahmen zum Linkssein (10): Erfolg gibt der Selbstaufgabe Recht.

Ich, 2018:

Das Konzept einer „Arbeiterpartei“ ist im 21. Jahrhundert aufgrund des im Alltag weitgehend abgeschafften sozialen Klassensystems bei gleichzeitiger Vorherrschaft reicher Taugenichtse in ebensolchen Parteien gegenstandslos geworden und sein allmähliches Vergehen für eine vorwärtsgewandte Gesellschaft unbedingt notwendig.

Inge Hannemann, 2020:

Ich habe keine Antworten mehr, wenn mich auf der Straße, wenn mich bundesweite Emails, Anrufe oder Nachrichten via Soziale Netzwerke erreichen, die nach dem verlorenen gegangen Engagement der Linken gegenüber Erwerbslosen, prekär Beschäftigten, Menschen mit Behinderung, Sozialleistungsberechtigten oder Erwerbsunfähigen suchen und fragen.

Der Elfenbeinturm derer, die sich mit den Parolen der Armen ein gesundes Auskommen vom Einkommen erwirtschaftet haben, verfügt inzwischen über beeindruckende Selbstschussanlagen.

Es ergebe keinen Sinn, die DKP oder die MLPD zu wählen, wenn man sich für die niederen Schichten einsetzen möchte, weil doch Die Linke™ bereits über all deren Positionen verfüge und eine starke Linke wichtig sei, las ich dieser Tage. Unklar bleibt, für wen.