In den NachrichtenMontagsmusik
Architects - Discourse Is Dead // W�rdPress

Grrrrrrrrr!Es ist Montag. Mit etwas Glück stirbt zum Jahreswechsel eine Scheißbranche. Jump, you fuckers, und nehmt die Bitcoinpfeifen mit. Oder schult um. Pandabärenzüchter wer­den zum Beispiel drin­gend gesucht, zum Beispiel von mir.

Sterbehilfe gibt es künf­tig nur noch für Geimpfte und Genesene. Nicht, dass man stirbt und dann fällt plötz­lich das Atmen schwer. Sarah Bosetti - finan­ziert von mei­nen Gebühren!!11! - befand, das ZDF-Logo stolz tra­gend, Ungeimpfte sei­en rechts unten und letzt­end­lich einem Blinddarm gleich. Zu der neu­er­dings vor­herr­schen­den Sprache in der „Comedy“, wie dum­me Menschen das Kabarett nen­nen, könn­te ich sicher­lich man­cher­lei sagen und schrei­ben, aber Brandrede lässt sich mit einem Gegenfeuer sel­ten löschen. Stattdessen scheint mir der Hinweis gebo­ten, dass Privatisierung und damit ver­bun­de­ne Überführung in den frei­en Markt, der sich qua­li­ta­tiv bewei­sen muss, nicht immer schlecht sein muss. In Berlin darf man noch in Tanzclubs gehen, aber nur sit­zend. Das kommt mei­ner Art zu tan­zen durch­aus entgegen.

Ein Blick in den Maschinenraum: Dieses WordPress, das wei­ter­hin ein­zu­set­zen ich Gründe habe, kann seit gestern Abend auch Emojis in den Kommentaren anzei­gen. Das ist wahr­schein­lich scha­de, weil es den Ausdruckswillen mei­ner geschätz­ten Kommentatoren mög­li­cher­wei­se min­dert, aber tat­säch­lich auch in mei­nem Sinne. Trotzdem habe ich gegen ein wenig Prosa nichts ein­zu­wen­den. Dass WordPress zwar häu­fi­ger mal in der Datenbank her­um­fuhr­werkt, kei­nes­falls jedoch utf8mb4 als kor­rek­ten Zeichensatz ver­steht und dann nicht mal eine Warnung anzeigt, wenn man einen ande­ren Zeichensatz ein­setzt, gleich­zei­tig aber dar­auf beharrt, dass man gefäl­ligst den beklopp­ten Scheiß-„Gutenberg“-„Editor“ ein­set­zen möge, der zum Gestalten gut geeig­net sein mag, zum ein­fa­chen Insinternetreinschreiben jedoch nicht, spricht im Übrigen für sich.

Apropos: Hacker hacken Bondrucker. Ein schö­nes Gegengewicht zum fürch­ter­li­chen rC3, also der jähr­li­chen Sozialarbeiterkonferenz, die eine CCC-nahe Firma die­ses Jahr schon wie­der online aus­rich­tet. Die haben ja Zeit, die müs­sen ja nichts arbei­ten. Anderswo wird sich über ande­re Hacker empört: Die Hardware von Staatsbedienstete der USA wird zurück­ge­hackt. Hihi. Ich hat­te schon fast an der Existenz des Karmas gezwei­felt. Irgendwelche Reklamekasper pro­pa­gie­ren der­weil ein „Web3“, also den Nachfolger von Webzweinull. Warum die­ser Terminus als fal­sche Dichotomie so Quatsch ist wie sein ver­meint­li­cher Inhalt, möge ein Klügerer (zum Beispiel Stephen Diehl) erläu­tern. Man muss ihn sich nicht mer­ken und schon gar nicht reproduzieren.

Medial scheint anson­sten Ebbe zu herr­schen: Es wird schon wie­der eine Meldung her­um­ge­reicht, die über ein Jahr alt ist. Zum Glück ist’s mit den Medien ohne­hin bald vor­bei: Deutschland - viel bes­ser als China - setzt die Schaffung eines eige­nen Internets, in dem nicht mehr alles jeder­zeit ver­füg­bar ist, kon­se­quent fort. Da muss man sich ja beei­len, wenn man noch lizenz­be­haf­te­te Musik strea­men möchte.

Zum Beispiel diese.

Architects - „Discourse Is Dead“ (Full Album Stream)

Guten Morgen.

Sonstiges
Kurz ange­merkt zum Weihnachtsmann

Weihnachten ist, wenn ich die sozia­len Medien, in denen unter ande­rem dar­über dis­ku­tiert wird, ob es mora­lisch rich­tig sei, das lang­wei­li­ge Fest mit mög­li­cher­wei­se unge­impf­ten Kindern und älte­ren Verwandten zusam­men zu ver­brin­gen, wobei über­wie­gend Trotzreaktionen die Meinung bestim­men, der­zeit rich­tig ver­ste­he, die eine Zeit im Jahr, in der Eltern ihre Kinder hin­sicht­lich der Bestimmung des für die Geschenke Zuständigen inten­si­ver belü­gen als die SPD ihre Wähler hin­sicht­lich nahe­zu jeder poli­ti­schen Forderung, als wäre ein Kind, das von vorn­her­ein mit dem Wissen auf­wächst, dass sei­ne Verwandten ihm jähr­lich teu­ren Kram kau­fen und nicht etwa ein toter Bischof („Nikolaus“), ein Kleinkind („Christkind“) oder eine Coca-Cola-Werbefigur („Weihnachtsmann“) in merk­wür­di­gen Klamotten, der, die oder das anschei­nend zu viel Geld und unge­zähl­te Zwillingsbrüder hat, in sei­ner Seele unheil­bar ver­letzt, wenn man es nicht anlügt, und als lern­te das­sel­be Kind nicht erst durch sol­cher­lei, dass Lügen mit wirk­li­chem Vorteil für weder Lügner noch Belogenen das ist, was Erwachsene eben so machen, und als wür­de es dar­aus nicht mit für mich als zu hoch erschei­nen­der Wahrscheinlichkeit die­ses Gelernte spä­ter selbst anwen­den.

Politik
Medienkritik in Kürze: Keine Preußen für Jana Hensel

Jana Hensel („ZEIT ONLINE“ sowie „DIE ZEIT“; Hauptsache, Großbuchstaben) ist empört: Über 30 Jahre nach dem Ende Ostdeutschlands als eigen­stän­di­ges poli­ti­sches Gebilde „sind die Namen von 20 Parlamentarischen [Staatssekretären] (…) bekannt: eine Frau mit Migrationsgeschichte ist dar­un­ter, ein Ossi“. „Dieses Signal“ sei „ernüch­ternd“. (Zitate, sofern nicht anders gekenn­zeich­net, wur­den unver­än­dert übernommen.)

Keinesfalls erwähnt Jana Hensel jedoch, wie vie­le die­ser Staatssekretäre eine preu­ßi­sche Geschichte haben, obwohl Preußen auch erst vor fünf sozio­lo­gi­schen Generationen zu exi­stie­ren auf­ge­hört hat, was nicht deut­lich vor den drei Generationen, die die DDR dem­nächst nicht mehr erlebt haben wer­den, liegt. Ab wie vie­len Generationen ist eines ehe­ma­li­gen Staates Volk nicht mehr als rele­van­te gesell­schaft­li­che Gruppe zu verstehen?

KaufbefehleMusikkritik
Kürzestkritik: Kim Gordon - Grass Jeans

Lange nichts mehr über Musik geschrieben.

Kim Gordon (Sonic Youth, Body/Head usw.) hat eine neue „Single“ (Quellen: Stereogum, Guitar World, Apple Music, FLOOD u.v.m.) raus­ge­bracht, die aber gar kei­ne Single ist, weil es kei­nen ent­spre­chen­den Tonträger gibt, son­dern nur ein Lied.

Und es gefällt mir.

Wenn man das Lied kauft, wird das Geld dem Vernehmen nach ins­ge­samt an die Initiative Fund Texas Choice gespen­det, die zum Ziel hat, dass Frauen in Texas ihren Nachwuchs abtrei­ben dür­fen. Weil ich als Vinyl- und Musikmöger aber kei­nes­falls dazu rate, ver­gäng­li­chen Tand wie irgend­wel­che Dateien zu kau­fen, emp­feh­le ich statt­des­sen den vor­über­ge­hen­den Konsum über einen der offi­zi­el­len Vertriebskanäle - etwa YouTube -, bis das Lied eines Tages auf einem rich­ti­gen Tonträger zu fin­den ist, den ich dann auf­grund mei­ner bis­he­ri­gen Erfahrungen mit der Musik Kim Gordons bereits jetzt zu kau­fen wärm­stens emp­feh­le. Man spa­re auf die­se Weise ein biss­chen Geld und spen­de die­se Ersparnis für einen wohl­tä­ti­gen Zweck sei­ner Wahl.

Notfalls eben auch an die Initiative Fund Texas Choice.

Politik
Schönwetteranarchisten

Über Sozialismus ken­ne ich ein paar Volksweisheiten, eine davon geht so: Die glück­lich­sten Sozialisten leben alle­samt in kapi­ta­li­sti­schen Ländern. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber es erscheint mir nicht ganz welt­fern, hat doch zum Beispiel das nicht beson­ders sozia­li­sti­sche Deutschland immer­hin ein halb­wegs funk­tio­nie­ren­des Sozialsystem.

Heute hat die bis­her lang­wei­lig­ste kom­mis­sa­ri­sche Bundesregierung beschlos­sen, dass am kom­men­den Silvester so wenig Feuerwerk wie mög­lich statt­fin­den soll­te. Man könn­te sich ja was weg­spren­gen und damit die Krankenhäuser unnö­tig bela­sten. Weiterhin erlaubt blei­ben lei­der die poten­zi­ell lebens­ge­fähr­li­chen Aktivitäten Autofahren, Bergsteigen und die Nutzung einer Badewanne.

Ich fand Feuerwerk schon immer däm­lich und bin von dem Verbot inso­fern nicht betrof­fen. Interessant ist aber ange­sichts vol­ler Fußballstadien und geöff­ne­ter Schulen (wür­de es inso­fern nicht auch rei­chen, beim Feuerwerkabbrennen eine Maske zu tra­gen?) die Konnotation, man wol­le zu gro­ße Menschenansammlungen ver­mei­den. Völlig fol­ge­rich­tig inkon­se­quent ist daher auch die Absicht, den Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit ein­zu­schrän­ken, kei­nes­wegs aber das Wegqualmen von Zigaretten und ähn­li­chem eke­li­gem Kram, denn wäh­rend Trinker nicht unbe­dingt eine Traube bil­den müs­sen, sind Raucher gehal­ten, die weni­gen Aschenbecher zu nut­zen, denen sie unter­wegs begeg­nen. Der fort­ge­setz­te Einfluss der Tabaklobby auf die Entscheidungen der Legislative beun­ru­higt mich.

Ohnehin kom­me ich in ein Alter, in dem der mir inne­woh­nen­de Minarchismus gemäch­lich einem Anarchismus weicht. Von der eini­gen­den Fähigkeit einer Mehrheitsregierung mit wenig poli­ti­scher Gewalt bin ich nicht mehr unbe­dingt über­zeugt. In die­sem Zusammenhang amü­siert mich, dass die­sel­ben, die beim all­jähr­li­chen Schrei in den Mai („Erster-Mai-Demos“) die Abschaffung staat­li­cher Gewalt her­bei­zu­kra­kee­len ver­su­chen, sich die­ser Tage dar­in gefal­len, den Staat dazu bewe­gen zu wol­len, ihnen und allen ande­ren mög­lichst viel zu ver­bie­ten. Was ist das denn für ein Verständnis von einer „Herrschaft von unten“, wenn man dann doch wie­der die Verteilung der Macht nach „mora­lisch gut“ und „mora­lisch schlecht“ sor­tiert? Wie viel ist ein Anarchismus wert, der um sei­ne Ablösung bit­tet, wenn in der Gemeinschaft (i.e.: dem Volk) ver­meint­lich zu vie­le ande­re Menschen ande­rer Meinung sind?

Kann Anarchismus ohne Gewalt von oben funktionieren?

NerdkramsNetzfundstücke
Smartphonepflicht in Baden-Württemberg

Ich möch­te ja nicht unken, aber dass man in den Bussen und Bahnen im Raum Stuttgart neu­er­dings anschei­nend raus­ge­schmis­sen wird, wenn man sei­nen Impfnachweis nur auf Papier und nicht in digi­ta­ler Form mit­führt, kommt ver­mut­lich nicht gera­de den Schwächsten der Gesellschaft - den Armen, Alten und Datenschützern - zugu­te; son­dern mehr so im Gegenteil.

In den Nachrichten
Jessas, Maria und Juliko!

Die Europäische Kommission hat­te die­ser Tage den Vorschlag unter­brei­tet, in der inter­nen Kommunikation möge man nicht mehr so tun, als ob die ori­en­ta­li­sche Religion „Christentum“, die bis vor etwa 1.000 Jahren in oft krie­ge­risch geführ­ten „Missionen“ die euro­pä­isch-heid­ni­sche Kultur weit­ge­hend ver­trie­ben und ihre Anhänger gemeu­chelt hat, die Standardreligion jedes Einwohners der Europäischen Union wäre. Man möge nicht als gesetzt anneh­men, dass jeder Weihnachten feie­re, und nicht ein­mal, dass Weihnachten von denen, die es fei­ern, am sel­ben Tag gefei­ert wer­de; sofern im Übrigen Beispielnamen (hier­zu­lan­de hat man mit Max Mustermann das Problem ja gelöst) irgend­wo ver­wen­det wer­den, soll­ten die­se nicht aus­schließ­lich bibli­schen Ursprungs sein, son­dern auch mal ein Juliko oder eine Malika Pate sein dürfen.

Das klingt erst mal eini­ger­ma­ßen ver­nünf­tig, aber weil in die­sem Vorschlag „Weihnachten“ und „Maria“ in einem um Weltoffenheit bit­ten­den Kontext vor­kom­men, hat­te es das Übliche zur Folge. Neben den gewohnt kurzlun­ti­gen Versprengten, die die Trennung von Staat und Kirche bis heu­te nicht akzep­tie­ren wol­len - dar­un­ter natür­lich wie­der viel zu vie­le Twitternutzer aus den sowie­so schon unap­pe­tit­li­chen Reihen der AfD und der CDU/CSU -, war auch die katho­li­sche Kirche däm­lich genug, sich dar­über zu empö­ren: „Natürlich“, quatsch­te Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin in die Presse sein, sei es selbst im Vatikan bekannt, dass „Europa“ (gemeint ist wohl nicht der Kontinent) „sei­ne Existenz und sei­ne Identität vie­len Beiträgen“ ver­dan­ke, deren viel­leicht wich­tig­ster jedoch „das Christentum selbst“ gewe­sen sei.

Die inter­es­san­te Vorstellung, „Europa“ „ver­dan­ke“ sei­ne Jahrtausende alte „Identität“ einer vor­der­a­sia­ti­schen Glaubensgemeinschaft, die Kultur und Werte sei­ner Ureinwohner, eben der indi­ge­nen Völker, bin­nen weni­ger Jahrhunderte mit psy­chi­scher und zu oft auch phy­si­scher Gewalt durch die eige­nen ersetzt hat, klingt für mich jetzt eher unge­sund, aber ich bin auch kein Arzt. Die Europäische Kommission hat die Verlautbarung jeden­falls vor­erst zur spä­te­ren Überarbeitung zurück­ge­zo­gen. Ich bin nun nicht gera­de als Freund der momen­ta­nen Europäischen Union und ihrer Organe bekannt, aber ich wünsch­te, die Wutbürger aus dem ver­meint­lich tra­di­tio­nel­len gesell­schaft­li­chen Lager wür­den das auch tun.

In den NachrichtenNerdkrams
Warum zahlt die Telekom nicht für mei­ne Schreibtischkante?

Das Internet hat wie­der eine Meinung: Eine Werbefamilie, die aus Möhren besteht, dis­kri­mi­nie­re Schwule, weil Mama Möhre augen­schein­lich eine Frau sei und kein Mohrrübenmann. Wissenschaftler haben her­aus­ge­fun­den, dass es da drau­ßen womög­lich meh­re­re Milliarden außer­ir­di­scher Zivilisationen gibt, die nur lei­der alle­samt inzwi­schen von Gammastrahlen dahin­ge­rafft wor­den sind. Die Menschheit hin­ge­gen lebt noch. Schade eigentlich.

Die ein­schlä­gi­gen Medien berich­te­ten die­ser sowie­so schon gebeu­tel­ten Menschheit (die neue­ste über­ra­schend wahr gewor­de­ne „Verschwörungstheorie“ ist die abseh­ba­re Einführung einer Impfpflicht, aber der Yeti wur­de immer noch nicht gefun­den; scha­de) gestern über eine gemein­sa­me Stellungnahme - „Joint (hihi) CEO Statement“ - von den Vorstandsvorsitzenden meh­re­rer euro­päi­scher Telekommunikationskonzerne, in der sie in drei Punkten mehr Geld, mehr Geld sowie mehr Geld for­dern. Das ist an sich wenig über­ra­schend, bemer­kens­wert ist aber, dass zu denen, die zah­len sol­len, auch „glo­ba­le Technikriesen“ gehö­ren. Damit meint die Telekom natür­lich nicht sich selbst, son­dern zum Beispiel Amazon und ande­re „Anbieter“ von so Streaming. Die Argumentation dahin­ter ist: Gäbe es kei­ne ver­kehrs­in­ten­si­ven Dienste, müss­te man auch das Netz nicht dau­ernd für viel Geld aus­bau­en, wes­halb besag­te Dienste sich gefäl­ligst betei­li­gen sol­len. Die hal­ten die Netzbetreiber sonst nur unnö­tig vom Geldzählen ab.

Das ist eine nur kon­se­quen­te Forderung, immer­hin zahlt auch Volkswagen für den Ausbau der Autobahnen, Nestlé für den Ausbau von Supermärkten und Sony für den Ausbau von Plattenläden, denn sie alle sind wesent­li­che Nutzer die­ser dann bes­se­ren Vertriebsinfrastruktur. Oder ist das womög­lich gar nicht der Fall?

Ohne die­se Forderungsliste der Telekom et al. hät­te mei­ne Schreibtischkante jetzt jeden­falls eine Bissspur weni­ger. Ich erwar­te, dass sich „Timotheus Höttges, CEO, Deutsche Telekom“ (ebd.) ange­mes­sen an mei­nen hier­durch gestie­ge­nen Möbelkosten betei­ligt. Sonst petz‘ ich das den ein­schlä­gi­gen Medien.

In den NachrichtenPolitik
Si vis pacem, para bel­lum. (21)

Corona ein­fach abknallen:

Den ange­kün­dig­ten Corona-Krisenstab der zukünf­ti­gen Bundesregierung soll ein Bundeswehrgeneral lei­ten. (…) Der 56-Jährige ist Kommandeur des Kommandos Territoriale Aufgaben der Bundeswehr, das für Einsätze der Streitkräfte im Inland zustän­dig ist.

Nichts an und in die­sen bei­den Sätzen beun­ru­higt mich in irgend­ei­ner Weise nicht.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeswehr abge­schafft gehört.

In den NachrichtenMontagsmusik
Náttúra - Out of the Darkness // Die Hoffnung gegen Weihnachtsmärkte

Eule mit Weihnachtsmütze. Gewöhnt euch dran. (Ich mag nicht mehr.)Es ist Montag. Der Sinn des Lebens wur­de ermit­telt: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Schön, dass die Wissenschaft das geklärt hat. Da möch­te ich natür­lich nicht den Widerstand mimen. Weniger Menschen, mehr Pandabären. Das wär’s.

Apropos „weni­ger Menschen“: Der SPAR-Markt - lie­be Grüße an die Ilse an die­ser Stelle - in Esslingen trei­be zwei­er­lei erstaun­li­che Dinge, teilt man im Internet mit, näm­lich sowohl immer noch exi­stie­ren als auch eine „stil­le Stunde“ haben, anläss­lich derer „Autist/-innen und alle“ (also sowohl alle als auch man­che Individuen, die dann also dop­pelt) ohne blö­des Gedudel, Flutlicht und Reklamedurchsagen ein­kau­fen kön­nen. Mich stört dar­an zwei­er­lei: dass die­se „stil­le Stunde“ näm­lich zwi­schen 90 und 120 Minuten lang ist und „Autist/-innen und alle“ außer­halb die­ser „Stunde“ auch wei­ter­hin mit Kram belä­stigt wer­den sol­len, von denen der SPAR-Markt offen­sicht­lich weiß, dass Kunden trotz­dem und nicht des­halb dort sind.

Viele Menschen tum­meln sich inzwi­schen außer beim Fußball (50.000 geneh­mig­te Zuschauer auf engem Raum, aber eine Kneipentour in Bayern ist gera­de nicht drin, ver­ste­he) auch auf den lästi­gen Weihnachtsmärkten. Bisher konn­te ich mich in die­sem Jahr ganz gut davor schüt­zen, zwi­schen generv­ten Familien mit krei­schen­dem Nachwuchs neben häss­li­chen Bretterbuden mit unnüt­zem Plunder bil­lig­sten Alkohol für zu viel Geld in mich rein­zu­schüt­ten, man­che Städte fin­den das gut. Gleichwohl: Eine mög­li­che Schließung der momen­tan geöff­ne­ten häss­li­chen Bretterbuden wäre „der finan­zi­el­le Todesstoß der Branche“, lässt der „NDR“ die Branche mit­tei­len. Da ist er, das ist der Moment: Ich möch­te einen lock­down haben. Ein sol­cher wäre ein ver­gleichs­wei­se klei­nes Opfer dafür, dass die­se ver­damm­ten Weihnachtsmärkte mit ihrem kit­schi­gen Geblinke und fürch­ter­li­chen Lärm end­lich alle plei­te sind. Allerdings besteht eine gerin­ge Wahrscheinlichkeit, dass das Virus sich gera­de selbst ver­drängt. Die Entscheider soll­ten sich also ein biss­chen beeilen.

Da wir gera­de bei häss­li­chen Bretterbuden sind: Hannover ist anschei­nend nur die zweit­lang­wei­lig­ste Hauptstadt Deutschlands. Ich bin ent­setzt. Kann jemand nach den Einwohnern von Saarbrücken sehen? Geht es ihnen gut? - Der ande­re öde Landstrich des Tages: In Kasachstan bau­en sie jetzt wie­der ein Atomkraftwerk hin, damit Spielgeldirre in Ruhe spie­len kön­nen. Ich wünsch­te, mei­ne spon­ta­ne Reaktion wäre „immer­hin etwas Gutes von denen“ gewesen.

So, Musik.

Nattura-Out Of The Darkness.wmv

Guten Morgen.

In den Nachrichten
Leihmumien-Analsex hat sei­nen Meister gefunden

Max Goldt („Intaktes Abdomen dank coo­lem Verhalten“):

Gibt es noch gar­sti­ge­re Vorstellungen, noch gar­sti­ge­re Wörter als Seepockensperma und Spinnenabdomensalat? Aber ja! Leihmumien-Analsex.

„Kieler Nachrichten“:

Von Weihnachtsmarkt zu Weihnachtsmarkt – und das mit dem Schiff: In Kiel hat am Freitag die „Amadea“ ange­legt, um Passagieren ein Weihnachtsmarkt-Hopping in Deutschland und Dänemark zu ermöglichen.

(Hervorhebung von mir.)

Kann ich die­ses Aussterben der Menschheit infol­ge einer Katastrophe noch mal sehen?

In den NachrichtenPolitik
102 Jahre Freiheitsentzug (und Schluss)?

Apropos Schutzgeldzahlung. 

Ich muss soll­te der SPD mei­nen Dank aus­spre­chen. Selten ist mir ein poli­ti­scher Satz schwe­rer gefallen. 

Im August 2018 beklag­te ich, dass auch die 24. Nachkriegsbundesregierung, die erst jetzt in Auflösung befind­lich ist, kei­nen Anreiz sieht, die 1919 beschlos­se­ne und seit­dem nicht auf­ge­kün­dig­te Ablösung der Staatsleistungen - dass also die mei­sten Einwohner Deutschlands als Strafe dafür, hier zu woh­nen, unab­hän­gig von ihrer Konfession oder -slo­sig­keit einen Teil ihrer Einnahmen per Steuern an die bei­den rele­van­ten christ­li­chen Kirchen abtre­ten müs­sen - von gedul­di­gem Papier in tat­säch­li­che Taten zu über­tra­gen und die mehr­heit­lich nicht christ­li­che Gesellschaft so frei­zu­kau­fen.

Times, a-chan­gin’ und so wei­ter:

Noch in die­ser Legislaturperiode müs­se die Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen ein­ge­lei­tet wer­den, meint SPD-Religionsexperte Lars Castellucci.

Auch im auch sonst - dafür, dass SPD und Grüne mit­schrei­ben durf­ten - erstaun­lich wie erfreu­lich hoff­nungs­voll stim­men­den Koalitionsvertrag hat die geplan­te Ablösung Erwähnung gefun­den, was gewiss zwar eine Absichtserklärung, jedoch nicht bin­dend ist. Da’s aber die CDU war, die seit ihrer Gründung vehe­ment die Kirche als Ministerium miss­ver­steht und (wie frei­lich auch die SPD) wenig dazu bei­trägt, dass die wirt­schaft­li­che Trennung zwi­schen Staat und anti­kem Totenkult vor­an­ge­trie­ben wird, scheint das regie­rungs­be­zo­ge­ne Ersetzen der CDU durch die wenig­stens reli­gi­ons­li­be­ra­le FDP trotz hoch­ran­gi­ger Kirchenzöglinge in der Koalition den ent­schei­den­den Funken gezün­det zu haben.

Erstaunlich scheint mir die Annahme zu sein, es gehe um eine „Ablösesumme von meh­re­ren Milliarden Euro“, wie es im ver­link­ten Artikel heißt, denn seit 1919 dürf­ten die bis­her gezahl­ten Staatsleistungen längst ein Vielfaches von dem betra­gen, was damals für ange­mes­sen gehal­ten wor­den ist. Wahrscheinlich schul­den uns die Kirchen sogar noch Geld. (Wie vie­len Obdachlosen könn­te man damit eigent­lich Kost und Logis bezah­len, wie vie­le Familien in Armut aus der Armut heben?) 

Der Gottlose bor­get und bezah­let nicht[.]
Psalmen 37:21

Aber es geht auf das Jahresende zu; da ste­hen in der Kälte die kirch­li­chen Vereine und sam­meln Spenden für die Hungerleidenden, denn bekannt­lich haben Menschen am Jahresende im Weihnachtstrubel am aller­mei­sten Lust auf und freie Finanzen für der­lei Tun. Im Sommer lei­det offen­sicht­lich nie­mand Hunger, nir­gend­wo. Wie ich jedoch von die­ser Beobachtung den Bogen zurück zu mei­nem Dank an die SPD zie­hen soll, weiß ich nicht. 

Netzfundstücke
„… von MEINEN Gebühren!“ (8)

Der öffent­lich-recht­li­che Deutschlandfunk, zugun­sten jour­na­li­sti­scher Qualität finan­zi­ell bis zum Zäpfchen ali­men­tiert, berich­tet:

Gut vier Monate nach der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands kann die Bevölkerung vor Gefahren künf­tig auch per Anruf gewarnt wer­den. Der Bundesrat stimm­te einer Regierungsverordnung zum soge­nann­ten Cell Broadcast zu.

Ach nein, ver­le­sen. Richtig ist natürlich:

Gut vier Monate nach der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands kann die Bevölkerung vor Gefahren künf­tig auch per Telefax gewarnt wer­den. Der Bundesrat stimm­te einer Regierungsverordnung zum soge­nann­ten Cell Broadcast zu.

Quatsch:

Gut vier Monate nach der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands kann die Bevölkerung vor Gefahren künf­tig auch per SMS gewarnt wer­den. Der Bundesrat stimm­te einer Regierungsverordnung zum soge­nann­ten Cell Broadcast zu.

Das steht da wirk­lich, ist aber falsch. Egal - ist ja alles Telefon.

Gut ange­leg­te 86 Cent ins­ge­samt; aller­dings tei­le ich die Auffassung, die ich auf Twitter gele­gent­lich lese: Der öffent­lich-recht­li­che Rundfunk gehört in Grund und Boden pri­va­ti­siert. Vielleicht geben sie sich dann mehr Mühe.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Electric Orange - psi-hybrid

electic orange - psi-hybridLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Electric Orange aus Aachen oder so sind regel­mä­ßi­gen Lesern mei­ner Rückschauen nicht unbe­kannt, geben sich aber auch nicht viel Mühe, unbe­kannt zu blei­ben; seit ihrer Gründung im Jahr 1992 haben sie unge­fähr zwei Dutzend Tonträger ver­öf­fent­licht, die alle­samt inzwi­schen weit­ge­hend stimm­freie Musik ent­hal­ten, die in bester orgel­do­mi­nier­ter 70er-Tradition steht und die sti­li­stisch irgend­wo im Psychedelic-Krautrock-Regal zu fin­den ist. Bediente man sich anfangs natür­lich noch bei Pink Floyd, so ist Eigenständigkeit längst gegeben.

Drogenmusik halt, dem Koalitionsvertrag sei’s angedient.

Auf ihrem dies­jäh­ri­gen, unter Pandemiebedingungen (also nicht aus­schließ­lich gemein­sam im Studio) ent­stan­de­nen Album „psi-hybrid“ (Bandcamp.com) bleibt’s dabei, stark ver­zerr­te Sprache („Shingle Robe“) inklu­si­ve; neu sind Saxophon und Bassflöte (bei­de gespielt von Gastmusiker Harald Königs), die ins­be­son­de­re in der zwei­ten Hälfte des Albums sanft bro­deln­den Jazz untermengen.

Electric Orange - Psi-Hybrid (Full Album 2021)

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