Es ist Montag. Passend dazu gibt es einen Trauerfall zu verkünden: ICQ wird demnächst abgeschaltet. Das ist schade. Ich mag ICQ. Andererseits bin ich auch der ungefähr Vorletzte, den ich persönlich kenne, der seinen Account nie gelöscht hat und sogar noch manchmal reinguckt. Wo treffen sich die cool kids dann jetzt eigentlich künftig online? Gibt es Habbo Hotel noch?
Zum Thema „cool Kids“ habe ich auch sogleich ein Gegenbeispiel zu bieten: „Tief bewegt sind die Menschen nach dem Todesfall einer 13-jährigen Schülerin aus dem Landkreis Kassel. Ein Tiktok-Trend endete für sie tödlich“ (via, Archivversion). Bei näherer Betrachtung der Todesumstände – anscheinend habe ich den Trend, sich selbst bewusstlos zu würgen, und zwar mehrfach, falls beim ersten Mal das entstandene Video nicht gut genug war, bisher völlig zu Unrecht vollkommen zu beachten vernachlässigt – bewegt indes auch mich etwas tief. (Schallendes Lachen. Es ist schallendes Lachen.)
Ich glaube ja, die „verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates“ ist Selbstverteidigung, aber ich bin ja auch nicht beim Verfassungsschutz. (Einwand zum Kursiven: Bei Jan Assmann las ich in einem ansonsten sehr langweiligen Buch die Feststellung, der Glaube sei etwas zutiefst Unreligiöses. Gläubige glauben ja nicht an ihren Gott, sondern sie wissen von ihm. Ich werde mir diese Unterscheidung zueigen machen.)
Apropos Staat: Beim digitalcourage e.V. gibt es eine Petition für ein Recht auf ein Leben ohne Digitalzwang, also etwa ohne vorgeschriebene app für jeden Aspekt des Lebens. Diese Petition muss soll man online ausfüllen oder herunterladen und ausdrucken (an dieser Stelle meinen Dank dem Kommentator hier unten drunter – es gibt Gründe, warum ich den Kommentarbereich offen lasse). Ich wünschte, das könnte mich noch amüsieren.
In letzter Zeit lese ich immer wieder irgendwas über „prowestliche“ Akteure. Verstehe ich nicht. Ich bin ja eher pronördlich. „Akteure“ mag ich auch am liebsten, wenn man sie Akteure nennt, weil sie Musik machen; zum Beispiel die folgende.
Guten Morgen.


Petition von Digitalcourage: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. „Unsere Petition kann auch auf Papier unterzeichnet werden. Dafür haben wir ein PDF erstellt, das Sie ausdrucken, unterschreiben und an uns zurücksenden können.“ Und ja, ja, das PDF kann auch der Nachbar oder meinetwegen dessen Kind ausdrucken, die einen Computer haben.
Sehr viel relevanterer Aufreger ist eigentlich der Umstand, daß der Souverän a) als Bittsteller bei der Nomenklatura anzutreten hat und b) diese das Flehen geflissentlich ignorieren kann und wird, weil es kein imperatives Mandat gibt.
Früher hieß das „eine Eingabe machen“. Aber wie dem auch sei: meine Ausführungen oben waren tatsächlich etwas verkürzt. Ich ergänze.
Für die ganz schweren Fälle: „Sie haben keine Möglichkeit zu drucken? Kein Problem! Gerne senden wir Ihnen einige Exemplare zu. Schicken Sie uns dazu eine E‑Mail mit gewünschter Anzahl und dem Betreff „Vordruck zur Petition“ an […] oder einen Brief an Digitalcourage […]“
Ich halte die ganze Unternehmung für konzeptionell verfehlt und aussichtslos, aber man muß Digitalcourage bei allen sonstigen Beanstandungen zugestehen, daß sie nicht völlig auf den Kopf gefallen sind. Das unterscheidet sie von den Adressaten der Petition.
Zu Digitalcourage habe ich ganz allgemein so meine Meinung, fürchte ich. Die haben meine Skepsis über Jahre hinweg redlich erarbeitet.
Ich kenne die noch als FoeBuD und hänge noch an dem Gedanken, daß die eigentlich Gutes wollen. Aber irgendwie sind die auch nicht mehr die von früher. D‘ accord.
Das hatte ich spätestens 2018 festgestellt. Im FoeBuD wäre ich, hätte ich damals Bock auf Vereinsmeierei gehabt, vermutlich Mitglied geworden. Bei Digitalcourage ganz sicher nicht.
Ich weiß, ich weiß. Seufz.
Hahaha, Rena Tangens und Padeluun hatten wir seinerzeit auf dem European Software Festival in München an einem Tapeziertisch im Foyer des Gasteig. Distant Past: „On February 19–20, 1991, Borland collected, on the occasion of its 10th anniversary, a rare collection of gurus, experts, engineers, artists in Munich (Title: European Software Festival)“. Da war Padeluun noch mehr Anhängsel an die doch sehr geerdete, gut vernetzte, klug präsentierende Rena Tangens, später dann das, was alle hier herumseufzen. Ich auch. Josi