In den NachrichtenMir wird geschlecht
Mehr Jans für Deutschland! (3): Justizquotiert.

Eine Frauenquote muss nicht bedeu­ten, dass dar­un­ter die viel not­wen­di­ge­re Kompetenz lei­det. Gerade in Berufen, in denen eine fach­lich unfä­hi­ge Person gro­ßen Schaden anrich­ten kann, wird man ja wohl im Zweifel dar­auf ach­ten, dass ein Mindestmaß an Verständnis vor­han­den ist. Man lässt ja auch kei­nen Autohersteller Radwege entwerfen.

Außer, man ist bei den Grünen:

Für Überraschung sorgt, dass Grünen-Chefin Anna Gallina künf­tig das Justizressort lei­ten soll, obwohl sie kei­ne Juristin ist. Gallina hat Politikwissenschaft, Philosophie und Öffentliches Recht an der Universität Hamburg stu­diert. Vorgänger Till Steffen hat­te den Posten auf­grund der Grünen-Frauenquote freigemacht.

Immerhin: Das Philosophiestudium könn­te dabei hel­fen, poli­ti­sche Zusammenhänge in Hamburg bes­ser zu ver­ste­hen; zum Beispiel, war­um wel­che Anwärter mit wel­chen Posten aus­ge­stat­tet werden.

(Zuvor in die­sem Kino.)

In den NachrichtenWirtschaft
Der neue Mehrwertgewinnsatz ist da.

Letzten Monat äußer­te ich mein Unverständnis dar­über, dass die Bundeswehr (die abge­schafft gehört) 137 Milliarden Euro für Dinge aus­ge­ben darf, mit denen man Menschen umbrin­gen soll. Der Staat hat wegen Corona immer­hin erkannt, dass das eine Summe ist, die unver­hält­nis­mä­ßig erscheint, und beschlos­sen, finan­zi­el­le Mittel in Höhe von fast einer Bundeswehr - näm­lich 130 Milliarden Euro - dafür bereit­zu­stel­len, dass die Bürger wie­der mehr unnüt­zen Krempel kau­fen. Die Wirtschaft, Sie ver­ste­hen; die eben auch fast eine Lufthansa weni­ger wert ist als die Armee. Irgendwelche Prioritäten muss man eben haben.

Fünf von den 137 Milliarden Euro sol­len an die Deutsche Bahn gehen, die bekannt­lich drin­gend mehr Geld braucht. Aber auch der Bürger soll es gut haben:

Ein „Herzstück“ des Paketes ist nach den Worten des CSU-Vorsitzenden Markus Söder eine Senkung der Mehrwertsteuer. Vom 1. Juli an bis zum 31. Dezember 2020 soll der Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf 16 Prozent und für den ermä­ßig­ten Satz von 7 Prozent auf 5 Prozent gesenkt wer­den. Um rund 20 Milliarden Euro wer­den die Verbraucher ent­la­stet, wenn die Preise ent­spre­chend sinken.

Neulich las und hör­te ich ver­schie­den­fach, Markus Söder habe sich in der Coronazeit bereits jetzt als erstaun­lich klu­ger Politiker erwie­sen. Erstaunlich, dass er jetzt aus­ge­rech­net am Grundwissen der Zusammenhänge in der Wirtschaft scheitert.

Ich möch­te aber nicht immer nur nör­geln, füge mich der Empfehlung und freue mich schon auf die Preisanpassungen. Schade eigent­lich, dass ich von ihnen erst im Januar 2021 etwas mit­be­kom­men werde.


Inzwischen bei den Grünen: Ein ille­gal besetz­tes Haus soll geräumt wer­den? Das ist gera­de ganz blöd, das muss ver­hin­dert wer­den wegen… Moment… wegen der Rassisten!

In den NachrichtenNerdkrams
(Micky-Maus-Stimme:) „Keine Panik!“

Was kann da schon passieren?

Durch KI lässt sich die mensch­li­che Stimme bereits klo­nen und ver­än­dern. Eine neue Software geht nun einen Schritt wei­ter und bie­tet Nutzern an, die eige­ne Stimme zu lizen­zie­ren und zu verkaufen. (…)

In sei­ner Datenschutzerklärung behält sich das austra­li­sche Unternehmen aller­dings vor, per­sön­li­che Informationen wie Name, Mailadresse, Alter, Kreditkarteninformationen und den Ort zu spei­chern und Dritten bereit­zu­stel­len. Dazu gehö­ren neben Regierungsbehörden auch poten­zi­el­le Geschäftspartner von Replica Studios.

Ach so, ja: Alles. Mein Fehler.

In den Nachrichten
Beischlafkriterien uner­wünscht

Über die Ursachen dafür, dass man eine ande­re Person (oder gleich meh­re­re) kör­per­lich attrak­tiv fin­det, ist bereits man­ches geschrie­ben wor­den. Für das Phänomen, dass man­che Menschen sich von man­chen Ethnien stär­ker ange­zo­gen füh­len als von ande­ren, wur­de in den ohne­hin prü­de­rie­do­mi­nier­ten Vereinigten Staaten gar der Begriff des sexu­el­len Rassismus geprägt.

Da neu­lich, wie zuvor erwähnt, in besag­ten Vereinigten Staaten ein Inhaber einer ande­ren Hautfarbe als der sei­nes Gegners mit der Konsequenz gro­ßer Erregung in so Medien umge­bracht wur­de, erhielt eines der Kollektive, die die Relevanz eines Lebens an der Hautfarbe fest­ma­chen, aber­mals gro­ßen Zuspruch, indem Deutsche schwar­ze Vierecke in sozia­le Medien hin­ein­lu­den. Damit gilt der Rassismus end­lich als so gut wie über­wun­den. Sogar Barack Obama sieht jetzt die Zeit für eine ech­te Veränderung gekom­men. Ich fin­de ja, er soll­te sich mal als Präsident bewer­ben. Da könn­te er rich­tig was erreichen!

Natürlich hat die­se Welle der Solidarität auch in der Welt der mobi­len Geräte etwas ver­än­dert: Grindr, eine Plattform zur Schnackselanbahnung, ermög­licht es sei­nen Kunden künf­tig nicht mehr, nur Angehörige der sexu­ell bevor­zug­ten Ethnie anzei­gen zu las­sen, um ras­si­scher Diskriminierung ent­ge­gen­zu­wir­ken. Ich fin­de, die­ses Konzept soll­te wie so vie­le Konzepte vor ihm auch hier­zu­lan­de end­lich in die Politik Einzug hal­ten. Lassen wir doch künf­tig die SPD ent­schei­den, mit wem wir schla­fen! Ein Filtern unse­rer­seits ist immer­hin immer mit Vorurteilen verbunden.

Ich selbst zum Beispiel wür­de sehr ungern Verkehr mit ande­ren Herren prak­ti­zie­ren, aber die­se Ansicht benach­tei­ligt aus­schließ­lich Homosexuelle - gera­de im Pride Month Juni eine mehr­fa­che Kränkung gegen­über einer welt­of­fe­nen Gesellschaft. Beischlafkriterien sind dis­kri­mi­nie­rend und daher unerwünscht.

Hoffentlich erle­di­gen auch das bald Roboter für uns.


In wei­te­ren Nachrichten: Berlin kann kei­ne Flughäfen eröff­nen? Pah, Schnee von gestern: Berlin kann näm­lich Flughäfen auch nicht schlie­ßen!

In den Nachrichten
Clubbesuchersterben

In den Vereinigten Staaten wur­de irgend­wer von einem Menschen mit ande­rer Hautfarbe umge­bracht, wor­auf­hin die als gut zu ver­ste­hen­den Gegner des amtie­ren­den Präsidenten plün­der­ten und brand­schatz­ten, wes­halb die Regenten Berlins sich spon­tan mit der­je­ni­gen lose orga­ni­sier­ten Gruppe soli­da­risch zeig­ten, die vor ein paar Jahren wie­der­um in Hamburg Brände ver­ur­sacht und Läden ver­wü­stet hat­te. So weit die Nachrichten von heu­te, so weit viel zu nied­rig­schwel­lig irre für einen Kommentar meinerseits.

Berlin war die­ser Tage selbst auf viel inter­es­san­te­rem Niveau irre, wie Medien, die nicht mehr ver­linkt wer­den möch­ten (LSR), berichteten:

400 Boote, 3.000 Menschen, die am Berliner Landwehrkanal oder auf dem Wasser eine Techno-Party fei­er­ten: Die Veranstalter der Demo am Sonntag gegen das Sterben der Clubkultur beka­men die Lage nicht unter Kontrolle.

Gegen das Clubsterben zu demon­strie­ren, indem man sich dem Risiko einer töd­li­chen Krankheit aus­setzt, ist mal wie­der genau mein Humor. Mehr noch, weiß ein ande­res Medium, das nicht ver­linkt wer­den möch­te (LSR):

Über den Landwehrkanal ging die Tour bis zum Urbanhafen, genau vor das dor­ti­ge Krankenhaus, in dem Covid-19-Patienten behan­delt werden.

Dass ich das mal in Bezug auf Berlin schrei­ben wür­de, ent­täuscht mich selbst ein wenig, aber: Passt!

In den NachrichtenMontagsmusik
Kjellvandertonbruket - Yacht in the Fog // Bekanntmachungen verbieten!

Apropos Verrückte: Beim „SPIEGEL“ - Ressort „SPIEGEL Wissenschaft“ - wur­de neu­lich einem Virologen erklärt, dass Gandalf gar nicht kämp­fe, und auf die Frage, wer das sei, ant­wor­te­te der Journalist, ob das der Ernst des Virologen gewe­sen sei. Welche Wissenschaft das abbil­den soll, weiß ich lei­der nicht.

Neues aus der Welt der Politik: Die Länder, mit­hin die sie regie­ren­den Parteien, von denen ich daher bit­te nie wie­der etwas über EDV hören möch­te, wür­den gern gesetz­lich erzwin­gen, dass Betriebssystemhersteller die Jugendschutzmaßnahmen in Telemedien (lies: Pornhub) gefäl­ligst zu prü­fen hät­ten. Ich bin schon sehr gespannt, was die Länder tun wer­den, wenn Microsoft, Google und Apple die­ses Ansinnen zurück­wei­sen. Etwa Smartphones verbieten?

Ich habe neu­lich zufäl­lig her­aus­ge­fun­den, dass das hie­si­ge Landesamt für Soziales, Jugend und Familie sei­ne Verlautbarungen - man scrol­le ein wenig hin­un­ter - unter ein Urheberrecht gestellt sieht, dem­zu­fol­ge jene nicht etwa dem Steuerzahler, son­dern nur der Behörde gehö­ren, auf dass man sie nur mit Genehmigung bekannt­ma­che. Ich möch­te obi­ge Anmerkung zum Thema Länderkompetenz noch­mals betont wissen.

Ganz ohne Einholung einer aus­drück­li­chen Genehmigung mache jeden­falls ich wie­der bekannt: Musik.

Guten Morgen.

Sonstiges
Kurz ange­merkt zur täg­li­chen Schreibfaulheit

Menschen, für die die wich­tig­sten Eigenschaften der schrift­li­chen Kommunikation die Verfügbarkeit von mög­lichst vie­len Emojis, eine mög­lichst treff­si­che­re auto­ma­ti­sche Korrektur und eine jeder­zeit ver­füg­ba­re Editierfunktion sind, so dass sie nicht nur schnell und gedan­ken­los kom­mu­ni­zie­ren, son­dern die dabei unwei­ger­lich gemach­ten Tippfehler auch spä­ter noch kor­ri­gie­ren kön­nen, ohne dabei unnö­tig viel Sprache ver­wen­den zu müs­sen, sind immer auch Menschen, denen ich mit gro­ßem Respekt begeg­ne, denn eine der­art offen dar­ge­bo­te­ne Missachtung des Gegenübers, dass es nicht ein­mal mehr für die Mühe reicht, sich selbst um Verständlichkeit des eige­nen Anliegens zu küm­mern, fin­det man heut­zu­ta­ge lei­der nur noch sel­ten in der Misanthropie.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: le_mol - White Noise Everywhere

le_mol - White Noise EverywhereLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Da sich die dies­jäh­ri­ge Halbjahresrückschau aus orga­ni­sa­to­ri­schen Gründen abseh­bar ver­zö­gern wird, las­se ich es mir nicht neh­men, statt­des­sen schon frü­her eini­ge der ange­nehm­sten Musikalben des Jahres 2020 zu ver­bra­ten, wie man so schön sagt. Heute befas­sen wir uns mit le_mol und ihrem dies­jäh­ri­gen her­vor­ra­gen­den Album „White Noise Everywhere“ (Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL).

Eine Furcht ein­flö­ßen­de Gitarrenband ist das Wiener Shoegazeduo le_mol ent­ge­gen mei­ner Vermutung bis­her nicht gewor­den, obwohl es auf sei­nem vier­ten Album mit­un­ter doch recht bedroh­lich zugeht: Bereits das eröff­nen­de „Mdme Psychosis“ kün­digt ein Donnergrollen an, das sich im anschlie­ßen­den Titelstück aber doch in ein­la­dend melo­disch-rhyth­mi­schen Postrock auf­löst. Gesang, der über elek­tro­nisch über­la­ger­te Sprachsamples (etwa im krau­ti­gen „1/f bruo“) hin­aus­geht, gibt es auch wei­ter­hin kaum, Gesang will ich aber auch nicht haben. Dass der kla­gend vor­ge­tra­ge­ne Text von „Hands“ trotz­dem gut ins Gesamtgefüge passt, sei hier­bei nicht ver­schwie­gen. Das Gefühl der see­li­schen Enge, das sich von innen her­aus aus­brei­tet, hilft dabei, le_mol zu ver­ste­hen, und fügt dem Albengenuss das gewis­se Etwas hin­zu, das in postrock­na­hen Hervorbringungen zu oft ver­misst wird.

Postrock, apro­pos: Dass le_mol das gro­ße Vorbild Mogwai immer noch nicht zu leug­nen ver­su­chen, wenn etwa Raimund Schlager die Gitarrenloops unver­mit­telt breit­wan­dig auf­baut und nur weni­ge Sekunden spä­ter wie­der über dem Hörer ein­stür­zen lässt, trägt zur Qualität von White Noise Everywhere bei. Dass die bei­den Herren zudem auch ohne Text einen gran­dio­sen Humor in ihre Musik ein­flie­ßen las­sen, beweist das abschlie­ßen­de, unge­wöhn­lich ent­spann­te Instrumentalstück „Por que está todo en Español?“ - „Warum ist alles spanisch?“.

Empfehlung hier­mit erteilt, es möge Freude bereiten.

In den Nachrichten
Säkularismus wann anders. (5)

Berlin, die Stadt der Bauvorhaben, hat jetzt end­lich genug von die­ser Vielfältigkeit und beruft sich wie­der dar­auf, dass man etwas ja schon immer so gemacht habe:

Wenn Wind und Wetter gün­stig sein soll­ten – vor allem der Wind –, wird am Freitag die­ser Woche das Kreuz auf die Kuppel der Schloss-Rekonstruktion geho­ben. (…) Wenn schon histo­ri­sche Kuppel, dann mit dem histo­ri­schen Kreuz, wink­ten des­sen Befürworter ab.

Es ist immer­hin undenk­bar, wenn man irgend­was wie­der auf­baut, aus der Zeit gefal­le­ne Zeichen (Religionsinsignien, Hakenkreuze und der­glei­chen) schlicht weg­zu­las­sen. Das wäre histo­risch unan­ge­mes­sen. Macht man nicht. Geht nicht.

Aber kei­ne Sorge, das­je­ni­ge Gerät, an das vor vie­len Jahrhunderten reli­gi­ös Aufmüpfige zwecks Ermordung gehängt wur­den, ste­he seit­dem bekannt­lich nicht für Folter, Krieg und Hexenprozesse, son­dern nur für Gutes:

Das Kreuz als Symbol für das Christentum steht für Nächstenliebe, Freiheit, Weltoffenheit und Toleranz.

Westliche Zivilisation ist, wenn unter dem Beifall einer Großstadt gol­de­ne Folterinstrumente auf Dächer geschraubt wer­den. Ob aus­ge­rech­net Berlin ein Symbol für Nächstenliebe tra­gen soll­te, ist frei­lich eine ganz ande­re Diskussion.

Wie man es auch nimmt: Kann ich die­sen Säkularismus noch mal sehen?

Mir wird geschlechtNerdkrams
Noch hacker als die Jungs

Der i3 e.V. aus Hamburg betreibt unter ande­rem ein Projekt, das sich als Hackerschule aus­gibt. Über EDV-Sicherheit lernt man dort zwar eben­so wenig wie über Platinenlöten, aber immer­hin darf man sich aus­su­chen, ob man in der schreck­li­chen Lernsprache Python - Konzept: BASIC mit Zwangseinrückung - oder in der schreck­li­chen Lernsprache Scratch - Konzept: BASIC ohne Code - ein Spiel, eine App oder eine Website (seit wann pro­gram­miert man eigent­lich Textanzeige?) in einem natür­lich bin­de­strich­frei­en Hacker School Kurs pro­gram­mie­ren darf:

Wir leben in einem digi­ta­len Zeitalter. Schon für Kinder und Jugendliche ist es wich­tig zu ler­nen, wie Computer, Programme und Codes auf­ge­baut sind.

Ich fürch­te, Projekte wie die­ses sind der Grund, war­um das Niveau in der EDV immer wei­ter sinkt. Klar bin ich Hacker, ich habe immer­hin eine Website!

Zurück zum Zitat: Über die Definition eines digi­ta­len Zeitalters zu dis­ku­tie­ren ist hier nicht nötig, denn in einem sol­chen leben wir tat­säch­lich seit über fünf­zig Jahren. Interessanter ist die Nebeneinanderstellung die­ser bei­den Sätze, die eine Art Zusammenhang sug­ge­riert. Aber ist das so?

Zum Vergleich hier ein ähn­li­cher kur­zer Text, dies­mal von mir:

Wir leben in einem Zeitalter des elek­tri­schen Lichts. Schon für Kinder und Jugendliche ist es wich­tig zu ler­nen, wie Strommasten, Lichtschalter und Energiesparlampen auf­ge­baut sind.

Nein, offen­bar fehlt da noch ein ent­schei­den­des Kriterium. In der Liste der Partner des Projekts glau­be ich das feh­len­de Glied - hihi, Glied - gefun­den zu haben: Mercedes-Benz, Lufthansa, Telekom und irgend­wel­che IT-Unternehmensberater stecken mit im Boot. Man schel­te mich einen Zyniker, aber ich wür­de anneh­men wol­len, dass es die­sen Partnern dar­um geht, mög­lichst früh­zei­tig neu­es Humankapital zu gene­rie­ren. Programmierer wer­den wohl mehr gesucht als Elektriker, da kommt so ein Verein, der das Erlernen markt­taug­li­cher Fähigkeiten mit­tels des Bearbeitens vor­ge­ge­be­ner Aufgaben als „Hacken“ ver­brämt, gera­de recht.

Und weil im Jahr 2020 nicht nur die Fähigkeit, blö­de vor­ge­ge­be­ne Aufgaben run­ter­pro­gram­mie­ren zu kön­nen, son­dern auch die Fähigkeit, kei­nen Penis zu tra­gen, auf dem Arbeitsmarkt von ent­schei­den­der Bedeutung ist, wur­de das Portfolio des Projekts eigens sowohl um einen sprach­li­chen Unfall als auch um eine Sondersparte erwei­tert:

Gemeinsam mit Frauen-Verbinden haben wir Anfang Mai die erste GIRLS Hacker School @home für euch durch­ge­führt. In 12 Kursen konn­ten Girls im Alter von 11 bis 99 Jahren erste Schritt im Programmieren machen. Die Girls konn­ten sich zu zweit als Tandem-Partnerinnen anmel­den – aber wir hat­ten auch was für Singles. Die Kursthemen reich­ten von Scratch und Python über Webprogrammierung mit HTML/CSS bis hin zu Datenschutz/SQL und Bilderkennung mit Künstlicher Intelligenz.

Was es über jeman­den aus­sagt, Elfjährige als Singles und 99-Jährige als Girls zu bezeich­nen, möge bit­te ein ande­rer Leser der ver­link­ten Seite aus­for­mu­lie­ren. Dass hin­ter „Frauen ver­bin­den“ aber­mals die Wirtschaft steckt, sei mei­ner­seits hier aber kei­nes­wegs verschwiegen.

Zum Inhalt: Dass „Datenschutz/SQL“ hof­fent­lich „Datenbanken/SQL“ hei­ßen soll, las­se ich als Flüchtigkeitsfehler durch­ge­hen, aber bei „HTML/CSS“, also einer Sprache, die (ähn­lich einem Worddokument) Text struk­tu­riert, und einer Sprache, die (ähn­lich einer Stilangabe in Word) die­sem struk­tu­rier­ten Text Form und Farbe ande­fi­niert, von „Programmierung“ zu reden ist ein Ärgernis, das immer­hin einen spä­te­ren Satz auf der­sel­ben Seite beweist:

Informatik- und Technik-Skills sind so wich­tig, (sic! A.d.V.) wie nie zuvor und soll­ten in jedem Alter geför­dert werden[.]

Vielleicht soll­te man die Werbeabteilung vom i3 e.V. mal in so einen Kurs setzen.

Die Intention die­ser geschlech­ter­ge­trenn­ten Kurswochenenden ist die­sel­be wie sonst auch:

Die IT-Branche braucht mehr Frauen.

Hier geht es eben nicht um empower­ment für girls, son­dern dar­um, dass die Partner spä­ter auf mög­lichst vie­le mög­lichst preis­wer­te Arbeitskräfte zurück­grei­fen kön­nen. Ich war erst ein wenig erstaunt, dass die­se „Schule“ sogar in kapi­ta­lis­mus­kri­ti­schen Kreisen bewor­ben wird, aber dann fiel mir wie­der ein, dass Kapitalismus ja nur dann eine schlim­me Sache ist, wenn man selbst weni­ger Vorteile davon hat als ande­re. Hat man hier nicht, wenn man eine Frau ist, also ist die Versöhnung nur konsequent.

Nächster Satz:

Der Frauenanteil in der IT liegt unter 20 % – und dabei war die erste Programmiererin, Ada Lovelace, eine Frau!

Was natür­lich nicht nur eine Nichtnachricht ist (ich bin davon über­zeugt, dass es eben­so unver­schul­det ent­stan­de­ne Gruppen gibt, denen noch weni­ger EDV-Arbeitskräfte ange­hö­ren), son­dern auch histo­risch falsch: Ada Lovelaces Verdienst war es, lan­ge vor der Existenz eines Computers im heu­ti­gen Sinn einen Algorithmus für einen sol­chen auf­ge­schrie­ben zu haben, aber das hat mit Programmieren an sich erst mal nicht beson­ders viel zu tun; anson­sten wäre ver­mut­lich irgend­ein Grieche der Antike die erste Programmiererin gewe­sen. Erschwerend kommt hin­zu: Die unvoll­endet geblie­be­ne Analytical Engine, für die Ada Lovelace besag­ten Algorithmus ent­wor­fen hat, wur­de nicht nur von einem Mann ent­wickelt und gebaut, auch stamm­ten wohl alle auf der (nie­mals pro­gram­mier­ba­ren) Maschine jemals aus­ge­führ­ten Berechnungen nicht von ihr. Ihre Pionierarbeit in der Algorithmik unge­ach­tet: Hinsichtlich der Entwicklung von Computern müss­ten eigent­lich Charles Babbage und sein Sohn wenig­stens einen Teil des Ruhms ern­ten, der heu­te in Gänze Ada Lovelace zuteil wird.

Eine wei­te­re, etwas weni­ger schlech­te Ausrede, den Kurs für den Geschlechterkampf zu nut­zen, steht wei­ter unten und befasst sich mit dem image der Informatik oder, wie der i3 e.V. sie nennt, der Welt der ein­zel­nen und der grup­pier­ten Zustände:

[N]och immer hat die Welt der Bits und Bytes das Image, sie wäre eher etwas für die Jungs. (…) Damit sich in den Köpfen der jun­gen Menschen hier etwas ändert, braucht es am besten prak­ti­sche Beispiele und geschütz­te Räume. Das hat auch die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin erkannt und bie­tet seit rund zehn Jahren ein Bachelorstudium für Informatik und Wirtschaft als rei­nen Frauenstudiengang an.

Ich hal­te es ja für eine inter­es­san­te Folgerung, man kön­ne jun­gen Menschen (wir erin­nern uns: 11 bis 99 Jahre) am besten auf­zei­gen, dass es kei­ne fach­li­chen Unterschiede zwi­schen den Geschlechtern gibt, indem man sie ein­mal im Monat räum­lich von­ein­an­der trennt. Auf Twitter teil­te man mir mit, nor­ma­ler­wei­se fän­den Klassen geschlechts­un­ab­hän­gig statt, nur die monat­li­chen Mädchenkurse sei­en hier­von aus­ge­nom­men. Handelt der i3 e.V. also mit den anschei­nend häu­fi­ge­ren gemisch­ten Klassen ohne geschütz­te Räume sei­nem eige­nen Ziel zuwi­der? Witzig wär’s.

Hacken bedeu­te, tei­len die FAQ mit, ein­fach nur, ein System „bis ins Detail zu ver­ste­hen, es zu ver­än­dern und zu ver­bes­sern“. Das ist nicht völ­lig ver­kehrt, aber mich ärgert es wirk­lich gera­de ein biss­chen, dass ich alters­mä­ßig nicht mehr in die Zielgruppe passe.

Ich wür­de näm­lich gern was am System verändern.


Gute Nachrichten auf einem ganz ande­ren Gebiet: In Österreich darf man end­lich wie­der außer­halb der eige­nen Familie heiraten.

In den NachrichtenPolitik
Si vis pacem, para bel­lum. (10)

Das Internet:

Die Lufthansa soll mit 9.000.000.000 Euro geret­tet wer­den. (Die Lufthansa ist eine Fluggesellschaft, die enorm zu der Zerstörung unse­rer Umwelt bei­trägt und allein im Jahr 2018 für über 32,6 Millionen Tonnen CO2 ver­ant­wort­lich war.) Stattdessen könn­ten wir auch (…) ein Fünftel aller Schulen Deutschlands sanieren[.]

Die Nachrichten:

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung beläuft sich die Summe der im Finanzplan ver­an­schlag­ten Rüstungsprojekte der näch­sten Jahre auf 137 Milliarden Euro.

Keineswegs aber das Internet:

Stattdessen könn­ten wir auch jede Schule Deutschlands drei­mal sanie­ren und/oder jedem Schüler eine anstän­di­ge EDV-Ausrüstung bezahlen.

Wie ein­fach es doch ist, den Deutschen ein Unternehmen, das für zu viel Geld Menschen rum­fliegt, madi­ger zu reden als eine staats­na­he Organisation, die für zu viel Geld über gefahr­lo­ses Meucheln referiert!

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeswehr abge­schafft gehört.

Nerdkrams
Chromefox‘ neu­es Passworteinfügen

Ganz tol­le Idee vom Hersteller eines ehe­mals erträg­li­chen Webbrowsers, die da durchs Web gespült wird:

Mozilla gedenkt sich in Firefox 77 eines ner­vi­gen Problems in Zusammenhang mit dem Einfügen auf Seiten, die ein maxlength-Attribut set­zen, anzu­neh­men, um das Beschneiden von Passwörtern beim Übermitteln von Formulardaten zu ver­hin­dern. (…) Firefox wird das Formularfeld als ungül­tig kenn­zeich­nen, wenn eine in es ein­ge­füg­te Zeichenkette das Maximale-Länge-Attribut (sofern gesetzt) über­schrei­tet. Der Benutzer wird hier­über infor­miert, so dass die Eingabe kor­ri­giert wer­den kann, bevor die Daten an den Server geschickt werden.

(Freie Übersetzung von mir.)

Ich fin­de, die­ses fea­ture ist noch aus­bau­fä­hig. Es macht Brute-Forcing von Passwörtern immer noch nicht ein­fach genug. Neben dem Höchst- soll­te es auch ein Mindestlängenattribut sowie eines, das die erlaub­ten Zeichen ent­hält, geben. Da geht noch was, Mozilla!

ComputerIn den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Charivari - When Leviathan Dreams (live) // Sigmar Gabriel ausstopfen!

Kawaii!Es ist Montag. Eine Kolumnistin beru­higt mich, dass ich kein Fleisch essen müs­se. Danke, das ist sehr nett, aber ich hät­te trotz­dem gern das Internet der Hochschulen anstel­le des Internets der Kolumnistinnen zurück. Oder wir machen statt­des­sen ein Internet der Pandabären auf, das wäre auch eine Option.

Ich habe schwin­den­des Interesse an Nachrichten, faseln irgend­wel­che Datenerhebungen ins Internet rein, aber ich habe eigent­lich ein stei­gen­des Interesse an Nachrichten. Nur bescheu­ert sol­len die dann halt nicht sein. Da wäre etwa die Nachricht von Sigmar Gabriel, der gesagt habe, man sol­le ihn nach sei­nem Tod aus­stop­fen und immer raus­ho­len, wenn man wen brau­che, der schuld sei. Das hal­te ich für eine gute Idee, denn es ist wahr­schein­lich rich­tig. Im glei­chen Artikel wird der­sel­be mit dem Hinweis zitiert, er habe sich der Deutschen Bank statt der Automobilbranche ange­dient, weil er kein Lobbyist wer­den wol­le. Hoffentlich fan­gen Banken nicht auch irgend­wann mit Lobbyismus an. Das wäre ja fatal für sein (und ihr) Ansehen.

Ein Blick in die EDV: Überraschend hat jemand her­aus­ge­fun­den, dass Webbrowser, die immer mehr Möglichkeiten bie­ten, inter- und pro­ak­tiv Code aus­zu­füh­ren, dazu miss­braucht wer­den kön­nen, auf dem eige­nen Rechner nach offe­nen Ports zu suchen. Wer jetzt noch kei­ne JavaScript-Blockade initi­iert, ist selbst schuld. Da lobe ich mir doch das Web der spä­ten 90er!

Falls abschlie­ßend noch jemand ange­nom­men hat­te, aus­ge­rech­net die Craftbier- sei die mutig­ste Branche der Getränkeindustrie: Es gibt jetzt Whisky aus dem Grünteefass. Sláinte mhaith!

Und dazu passt am besten: Musik.

Charivari - When Leviathan Dreams (Live)

Guten Morgen.

In den NachrichtenWirtschaft
Kapitalistische Überwachungsstrukturen weg­mas­ken dank Corona

Gute Nachrichten gibt es aus der Wirtschaft zu ver­mel­den: Das, was von dem Virus gera­de am här­te­sten bedroht ist, scheint die mil­lio­nen­schwe­re Überwachungsindustrie („Gesichtserkennungsindustrie“) zu sein. 

Gesichtsmasken ver­decken einen wesent­li­chen Teil des­sen, was Gesichtserkennung braucht, um Menschen zu iden­ti­fi­zie­ren und zu erken­nen - damit bedro­hen sie im Kern die Zukunft einer Multimillion-Dollar-Industrie, sofern die Technik nicht ler­nen kann, Menschen hin­ter der Verdeckung zu erkennen. 

(Miese Übersetzung von mir.)

Das scheint mir unse­re Chance zu sein. Es wäre jetzt grund­falsch, auf das Tragen von Gesichtsmasken aus den mora­lisch rich­ti­gen Gründen zu ver­zich­ten (an die­ser Stelle alles Gute zum 71. Geburtstag, Grundgesetz!; scha­de, dass die Trennung von Staat und Kirche immer noch ein Lippenbekenntnis bleibt). Vielmehr gilt es jetzt bis noch weit nach Corona, so oft und so viel einer Maskierung der wenig­stens unte­ren Gesichtshälfte nach­zu­ge­hen, wie es die jeweils gel­ten­den Regeln erlau­ben. Tragt Guy-Fawkes-Masken beim Einkaufen, tragt Schnabelmasken in der Apotheke, tragt Schals im Bus - und gern so oft eine ande­re Verhüllung wie möglich. 

Hätten wir nur viel frü­her gewusst, wie leicht es sein wür­de, die­ser Industrie den Nährboden zu entziehen! 


Kasper des Tages: Jan Böhmermann (ZDF, nicht wit­zig) fin­det, Unternehmen, die auf dem frei­en Markt ohne staat­li­che Zuwendungen nicht über­le­ben kön­nen, soll­ten ein­fach geschlos­sen wer­den. Gute Idee: Tschüss, ZDF!

In den NachrichtenPolitik
Wahlschuld

Ich wür­de ja echt gern nicht mehr über die SPD lästern müs­sen, aber war­um eine Partei, die das Thüringer Problem der­ge­stalt zu lösen ver­sucht, dass sie einen der Ihren, der es - zumal aus­ge­rech­net im feind­li­chen Bayern - in einer gehei­men Wahl mit den Stimmen der Falschen™ auf einen eini­ger­ma­ßen ega­len Kommunalposten schafft, direkt raus­zu­wer­fen beab­sich­tigt, als sei es ein gro­ber Verstoß gegen die Satzung der SPD, in einer Wahl auch mal irgend­was zu gewin­nen, poli­tisch mit der Zeit gegan­gen sein wird, her­aus­zu­fin­den, scheint eine Aufgabe zu sein, mit der die Politikwissenschaft als „unter­for­dert“ noch grob ver­harm­lo­send beschrie­ben wäre.