In den NachrichtenMusik
Vinyl 3 (9): Schallplatten als Bestandsschutz

Wie fän­det ihr es, kämt ihr eines Tages nach Hause, lie­ßet euch in euren Ohrensessel fal­len und woll­tet bei einem guten Glas Whisky eure Lieblingsplatte genie­ßen, aber in eurer Abwesenheit hät­te jemand auf die­ser Platte meh­re­re Stücke aus­ge­kratzt, weil es in ihnen um den Beischlaf geht?

Nicht gut? Ihr wür­det dem­je­ni­gen, der sich erdrei­stet, eure Platten unan­ge­kün­digt ganz oder teil­wei­se eurem Zugriff zu ent­zie­hen, gern hand­fe­ste Kritik zukom­men las­sen und ihn auf kei­nen Fall auch noch für die­se Entmündigung bezah­len wollen?

Warum wer­det ihr dann Kunde von Streamingdiensten?

In den NachrichtenPolitik
Kurz ange­merkt zur Situation an der grie­chisch-tür­ki­schen Grenze

Unter dem hier bewusst nicht unnö­tig ver­link­ten Suchbegriff „Stück Scheiße“ - über die mensch­li­che Qualität der Verwender die­ses Ausdrucks gibt der Ausdruck selbst hin­rei­chen­de Auskunft - wird aus­ge­rech­net auf Twitter zur­zeit von den­je­ni­gen, die in guter alter Kolonialtradition „EU“ und „Europa“ syn­onym ver­wen­den und seit zu vie­len Jahren laut­stark die Ansicht ver­tre­ten, man sol­le die Europäische Union („häss­li­ches Stück Scheiße Europa“, cf.; weg­zie­hen möch­ten die sol­ches Sprechenden aber anschei­nend trotz­dem nicht) nach US-ame­ri­ka­ni­schem Vorbild im besten supra­na­tio­na­li­sti­schen Sinne in ein Großreich, das kei­ne Nationalstaaten mehr, dafür aber eine rie­si­ge Armee „zur Verteidigung“ (gegen wen eigent­lich?) haben sol­le, umwan­deln, beklagt, dass der von der rechts­po­pu­li­sti­schen CDU und ihren Schwesterparteien im EU-Parlament instal­lier­te Vorläufer die­ser rie­si­gen Armee „zur Verteidigung“ (gegen wen eigent­lich?), näm­lich Frontex, mit­hin der exe­ku­ti­ve Arm der Identitären, sei­ner Aufgabe, die dar­in besteht, den unkon­trol­lier­ten Grenzübertritt grö­ße­rer bewaff­ne­ter Menschenmassen aus Nicht-EU-Staaten zu ver­hin­dern, bereits mit Wasserwerfern nach­kommt, was vor allem des­halb zu kri­ti­sie­ren sei, weil unter denen, die nicht gefragt haben, ob sie rein dür­fen, auch Kinder sei­en, wobei unklar bleibt, bis zu wel­chem Alter und aus wel­chem Grund das Alter eines Menschen in sol­chen Situationen über­haupt von Belang ist, und wie­der ein­mal wer­den weder die Verantwortlichen für die Existenz von Frontex (die rechts­po­pu­li­sti­sche CDU) noch die auf­grund ihrer Waffenlieferungen Verantwortlichen für die Notwendigkeit einer Flucht (die rechts­po­pu­li­sti­sche SPD) als die eigent­lich Ursächlichen aus­ge­macht, denn Symptome zu bekämp­fen liegt den Deutschen seit jeher näher als ihr erneu­tes Ausbrechen zu ver­hin­dern, denn dafür müss­te man ja mal eine völ­lig neue Regierung ohne SPD-, Grünen- und CDU-Beteiligung wäh­len, aber lei­der gibt es, wie eine schnel­le Umfrage unter allen gera­de greif­ba­ren Personen ergab, ja nur ins­ge­samt vier Parteien auf dem Stimmzettel; scha­de, schade.

MontagsmusikNetzfundstücke
Garage a Trois - Shooting Breaks // Ein Sträußchen für die Unholde

Es droht ein Montag!Es ist Montag. In Berlin, teil­te die „Berliner Morgenpost“ mit, wur­den wäh­rend fünf­tä­gi­ger Verkehrssicherheitstage Hunderte Fahrzeughalter als zu unge­stüm fest­ge­stellt und ent­spre­chend belangt. Die Kontrollen wer­den lei­der nicht bis Jahresende auf­recht­erhal­ten. Einmal im Jahr nicht über Fußgänger zu bret­tern muss ja auch reichen.

Eine bay­ri­sche Landtagsabgeordnete unter­drückt in meh­re­ren Tweets das drit­te Geschlecht, indem sie sei­ne Existenz schlicht nicht akzep­tiert. Typisch AfD Grüne! „Die Hälfte der Macht“ gehö­re „den Frauen“, Ausrufezeichen. Nur wenig mehr als 40 Prozent ihrer Parteikollegen sind Frauen. Lassen wir das mit den Wahlen doch dann ein­fach ganz sein. Im Internet lern­te ich die­ser Tage den eng­li­schen Begriff eines insult bou­quets, also eines Beleidigungsblumenstraußes. Ein Gentleman, wer sich das lie­ber nicht merkt. - Das wit­zi­ge Petitionsportal „Campact“ fin­det, Politiker soll­ten weni­ger rei­sen und mehr Onlinekonferenzen abhal­ten. Das ist zwar - unge­ach­tet des Umstands, dass über das­sel­be „Campact“ der so redu­zier­te CO2-Ausstoß über „Seenotrettung“ wie­der rein­ge­holt wer­den soll, wofür es viel­leicht auch bes­se­re Lösungen gibt - eine erst mal gute Idee, die aber am tech­ni­schen Sachverstand der Beteiligten und am sau­mä­ßi­gen Internetzugang in Deutschland schei­tern dürf­te. Die Frage, war­um immer noch sechs Ministerien in Bonn statt in Berlin sind, wäre trotz­dem die inter­es­san­te­re. Natürlich stellt die kei­ner. Interessante Fragen stellt nie­mand. 2020 regt mich auf.

Schönes aus der Welt des Juristischen: Die Auffassung von Verlagen, „Plattformanbieter“ (etwa Google, Facebook und ich) sei­en gesetz­lich dazu ver­pflich­tet, Lizenzen für ihren Unsinn zu erwer­ben und ihn danach zu ver­lin­ken, wur­de kor­rek­ter­wei­se nicht geteilt. Da hät­te ja mal jemand war­nen kön­nen. Hat mal wie­der kei­ner. Oder zumin­dest kei­ner, dem man zuge­hört hätte.

Lesenswert: Anmerkungen zur deut­schen Erregungsgesellschaft. Hörenswert: Musik.

Garage A Trois - „Shooting Breaks“ - Brooklyn Bowl 05.21.2011

Guten Morgen.

ComputerIn den NachrichtenPolitik
Beugehaft für Florian Post!

SPD-Bundestagsfraktion:

Wir spre­chen uns in aller Deutlichkeit gegen eine Ausweitung der Überwachung und die Beschränkung von Ende-zu-Ende-Verschlüsselungsverfahren aus. (…) Zugleich sol­len die Anbieter von Mobilfunk- und Messengerdiensten ver­pflich­tet wer­den, Daten auf Anforderung unver­schlüs­selt aus­zu­lei­ten. Das stellt die siche­re Ende-zu-Ende-Verschlüsselung grund­sätz­lich in Frage. Diese ist aber Grundvoraussetzung für ver­trau­li­che, digi­ta­le Kommunikation und IT-Sicherheit.

SPD-Bundestagsfraktion (auch):

Kritikern der Initiative, wonach Anbieter von Telemediendiensten wie WhatsApp, Gmail, Facebook und Tinder sen­si­ble Daten von Verdächtigen wie Passwörter und IP-Adressen an Sicherheitsbehörden her­aus­ge­ben müss­ten, wirft [Florian Post (SPD)] man­geln­des Verständnis für die Opfer von Verbrechen und einen „Hang zum Täterschutz“ vor.

Ich habe noch immer einen Punkt erreicht, an dem ich mich von jedem SPD-Wähler durch sei­ne Wahlentscheidung per­sön­lich belei­digt fühle.

In den Nachrichten
Daxinfektion (2)

Im Bewusstsein ihrer Verantwortung vor den Menschen und hof­fent­lich ein­ge­deckt mit Globuli haben die Verantwortlichen der Nürnberger Messe („NürnbergMesse“) wegen „der neu­en Sachlage in Bezug auf die Verbreitung des Coronavirus“ beschlos­sen, zwei Messen für Jagdwaffen bezie­hungs­wei­se Morddrohnen vor­erst zu verschieben.

Nicht, dass noch jemand dort gesund­heit­lich zu Schaden kommt!


Wenigstens der Schuldige ist gefun­den: Die FDP.

In den Nachrichten
Si vis pacem, para bel­lum. (8)

Was darf Satire? Nicht mehr so viel:

Danach haben sich das Bundesamt für Verfassungsschutz und der Militärische Abschirmdienst syste­ma­tisch mit die­sen Adbusting-Aktionen befasst. So liste­te der MAD seit 2015 drei­zehn Fälle von bun­des­wehr­kri­ti­scher Plakatverfremdung im gan­zen Bundesgebiet auf. Unter der Rubrik „Thema“ wird das Delikt als „Überkleben eines Plakats der Bundeswehr mit einem anti­mi­li­ta­ri­sti­schen, die Bundeswehr dif­fa­mie­ren­den Slogan“ beschrieben.

Allmählich ist ohne­hin der Punkt erreicht, an dem ich mir wün­sche, dass Deutschland mal wie­der einen Krieg ver­liert, damit nicht nur weni­ger ein­hei­mi­sche Soldaten hier auf Bahnhöfen blö­de im Weg rum­ste­hen, son­dern ihm auch die Vorwärtsverteidigung wie­der mal ein paar Jahre lang ver­bo­ten wird:

Der für kom­men­de Woche anvi­sier­te Syrien-Gipfel mit Deutschland, Frankreich, Russland und der Türkei sei noch nicht sicher, sag­te Präsident Erdoğan.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeswehr abge­schafft gehört.

NetzfundstückePolitik
Wahl, wahler, am wahlsten.

Wie Vertreter einer Partei, die seit 1949 im Bundestag sitzt, es nen­nen, wenn ein Konsenskandidat Stimmen bekom­men soll:
„Wählen“.


Wie das „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ es nennt, wenn es bei einer Wahl mehr als nur einen Kandidaten gibt:
„Zerreißprobe“.


Wie ein Vertreter einer Partei, auf die fast 70 Prozent der Wähler kei­nen Bock hat­ten, die­ses Ergebnis nennt:
„Wahlsieg“.

ComputerNetzfundstücke
Neu ist das neue alt

Bevor ich die­se Website hier betrieb, hat­te ich eine ande­re, deut­lich weni­ger gut besuch­te Website unter einer inzwi­schen ega­len Domain. In Webarchiven ist sie noch zu fin­den, aber ich rate davon ab. Diese ent­hielt genau das, was anzu­neh­men ist: GIFs, ein Gästebuch, Liedtexte, gele­gent­lich etwas Prosa, Downloads, Inflektive („*g*“) und so wei­ter. Für alles, was schnel­ler gehen soll­te, hat­te ich einen Newsletter.

Newsletter, „um 2001 her­um“ und somit vor min­de­stens drei Internets ein popu­lä­res Vermarktungsinstrument gewor­den, waren im Wesentlichen Blogs, die man per E-Mail ver­schick­te, gern und bis heu­te ange­rei­chert durch Reklame. (Auf sol­che ver­zich­te­te wenig­stens ich natür­lich.) Bald schon ging die Zahl der Newsletter aller­dings zurück: Nach einem kur­zen Aufflammen von RSS ver­stän­dig­te man sich dar­auf, dass, wer Neuigkeiten lesen wol­le, halt bei Facebook oder beim son­sti­gen „sozia­len Netzwerk“ du jour zu sein hatte.

Wie ich jetzt dar­auf kom­me? Nun, gestern schrieb Dirk von Gehlen in einem Artikel, in dem er E-Mail als „Email“ fehl­über­setzt, es gebe eine neue Entwicklung:

„Email hat die klas­si­sche Zeitung ersetzt und aus einer digi­ta­len Perspektive ist Email die neue Homepage“, zitiert digi­day den Marketingchef von Morning Brew[.] (…) Newsletter sind nicht nur ein Kommunikationstool um mit Lesern in Kontakt zu blei­ben, Newsletter kön­nen auch Leser zu Werbenden für den Inhalt machen[.] (…) Ich fin­de das aus einer jour­na­li­sti­schen Perspektive äußerst span­nend. Es öff­net den Blick auf die Möglichkeiten, die sich abseits des Inhalts erge­ben, wenn man das ver­netz­te Umfeld des Internet ernst nimmt.

Das tan­zen­de Baby gibt es jetzt auch in HD. Ich habe Angst.

In den Nachrichten
Nachtrag (2) zur Arbeitsweise deut­scher Medien nach Anschlägen

„ZEIT ONLINE“, Januar 2020:

„Autonomes Fahren macht das Leben bes­ser. Und alles, was das Leben bes­ser macht, setzt sich durch“, sagt Elmar Kades, Autoexperte bei der Beratungsfirma AlixPartners.

So?

Ein Auszug aus der heu­ti­gen Presseberichterstattung:

Auto fährt in Menschenmenge
„ZDF“

Auto rast in Karnevalsumzug – Innenministerium schließt Anschlag nicht aus
„WELT“

Auto fährt in Karnevalsumzug – meh­re­re Verletzte
Im hes­si­schen Volkmarsen ist ein Auto in einen Rosenmontagszug gefah­ren. (…) Wie der Hessische Rundfunk unter Berufung auf Augenzeugen berich­te­te, sei das Auto etwa 30 Meter weit in die Menge gefahren.
„ZEIT ONLINE“

Ein Auto ist am Rosenmontag beim Karnevalsumzug in Volkmarsen (Waldeck-Frankenberg) in eine Menschenmenge gefah­ren. (…) Ein sil­ber­far­be­ner Mercedes-Kombi war nach Augenzeugenberichten gegen 14.30 Uhr in eine Gruppe von Menschen gefah­ren. Wie ein Augenzeuge dem hr berich­te­te, fuhr das Auto etwa 30 Meter weit in die Menge, bis es zum Stehen kam.
„hes­sen­schau“

Auto fährt in Karnevalsumzug - meh­re­re Verletzte
Im nord­hes­si­schen Volkmarsen ist ein Mercedes in einen Rosenmontagsumzug gefah­ren. (…) Der Wagen war laut der „Waldeckischen Landeszeitung“ in der Nähe eines Supermarkts in die Menge gefahren.
„SPIEGEL“

(Alle Hervorhebungen von mir.)

Nun wäre ich nie­mand, der der Presse ein Verzerren von Tatsachen vor­wer­fen wür­de. Das wäre heut­zu­ta­ge auch ein beden­kens­wer­ter Schritt. Daher muss ich davon aus­ge­hen, dass der Pressetenor stimmt.

Ich sehe das auto­no­me Fahren inso­fern doch eher kritisch.

(sie­he auch 2018.)

NerdkramsNetzfundstücke
Medienkritik in Kürze: F1, F1!

Inzwischen teilt die Deutsche Presse-Agentur lei­stungs­schutz­rechts­ge­schütz­ten Qualitätsmedien wie der „ZEIT“ mit, wie man online am besten Eintrittskarten kau­fen kann:

Um bei der Jagd nach beson­ders begehr­ten Tickets nicht leer aus­zu­ge­hen, sind Timing, etwas Vorbereitung und ein schnel­ler Rechner gefragt, wie die Stiftung Warentest erklärt. (…) Nun gilt es, die Seite immer wie­der zu aktua­li­sie­ren. Dafür drücken Windows-Nutzer die F5-Taste. Den Warentestern zufol­ge gehen Tickets manch­mal eini­ge Minuten frü­her als ange­kün­digt in den Verkauf. Wer stets die Seite neu lädt, läuft nicht Gefahr, die­sen Moment zu ver­pas­sen und am Ende ohne Karten dazustehen.

Ich wür­de ja eine schnel­le Internetverbindung anstel­le eines schnel­len Rechners wäh­len, aber ich bin auch kein Qualitätsjournalist. - Jedenfalls: Wenn man eine Website recht­zei­tig auf­ruft und fort­wäh­rend aktua­li­siert (Hacker benut­zen dafür sogar Automatismen), dann kann man schnell auf Änderungen auf die­ser Website reagie­ren. Die fin­den so was raus. Alles fin­den die raus!

In den NachrichtenMontagsmusik
Faust - Krautrock // Betrügerbetrügen mit Google

Seufz!Es ist Montag. In Hamburg wur­de gewählt, die SPD ist immer noch in der dor­ti­gen Bürgerschaft ver­tre­ten und somit hat mal wie­der nie­mand gewon­nen. Ich mag heu­te gar nicht in die Zeitung gucken. Weiß Bodo Ramelow eigent­lich, dass sei­ne Partei sozia­li­stisch ist? Man möch­te es ihm fast wünschen. 

Gemäß Apple sind „asia­tisch“ und „Teen“ Begriffe, die höchst­wahr­schein­lich was mit Schnackseln zu tun haben. Nun gibt es ja durch­aus Anlass zu der Behauptung, Essen sei fast wie Sex, aber so war das wahr­schein­lich nicht gemeint. Mich über­rascht aller­dings die Vermutung, „pro­ble­ma­ti­sche Internetinhalte“ („hei­se online“) sei­en über­haupt mit Wortfiltern weg­mach­bar. Was ist über­haupt „pro­ble­ma­tisch“? Hätte ich Kinder, so wür­den mir poli­ti­sche Foren kei­nes­wegs deut­lich Sorgen um ihre see­li­sche Entwicklung berei­ten als irgend­wel­cher Schmuddelkram.

Apropos Suchmaschinenoptimierung mit gezielt platz­ier­ten Begriffen: Es gibt eine neue Erpressungswelle, die dar­in besteht, dass Werber Bitcoins zah­len sol­len, wenn sie nicht wol­len, dass ihre Reklamebanner bei Google mit­tels zahl­rei­cher Anfragen als Betrug gekenn­zeich­net wer­den. Das fin­de ich selt­sam: Ist nicht das gan­ze Wesen der Onlinewerbung, die ich nicht als Spam zu bezeich­nen mich grund­sätz­lich wei­ge­re, das Schönfärben von Betrügerei?

Egal: Musik.

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Gewalt - 2016 - 2018

Gewalt 2016 - 2018Lange nichts mehr über Musik geschrieben.

Vor lan­ger Zeit, eini­ge mei­ner Leser waren damals noch nicht gebo­ren, schlief die her­aus­ra­gen­de Noiserockgruppe Surrogat ein­fach ein. Sänger Patrick Wagner hat­te eini­ge Jahre spä­ter in einem Interview mit­ge­teilt, dass er die Musik zwar nicht ver­misst habe, aber künf­tig doch wie­der etwas mit ihr anfan­gen möchte.

Zusammen mit wech­seln­den Musikerinnen wie Yelka Wehmeier, Jasmin Rilke (Aivery), Helen Henfling und dem ein­zi­gen kon­stan­ten ande­ren Bandmitglied, dem Drumcomputer DM1, hat er die­se Ankündigung wahr gemacht, ver­schie­de­ne Besetzungen ver­öf­fent­li­chen seit 2016 unter dem Bandnamen Gewalt immer mal wie­der EPs. Dabei fol­gen die Musiker absicht­lich kei­ner der übli­chen Veröffentlichungsstrategien. Eine Art Werkschau erschien 2019 unter dem Titel „Gewalt 2016 - 2018“ (Bandcamp.com) auf Kassette und auf Internet, im kom­men­den Mai wird jedoch erneut getourt. Weitere Veröffentlichungen sind daher wahrscheinlich.

An Surrogat erin­nern nicht nur Textzeilen wie „Wir waren schön wie Gott“ („Limiter“), son­dern auch die Musik selbst. Stilverwandte Gastmusiker wie Nina Walser („Pawlow“) zei­gen bereits beim Lesen, wo Gewalt zu suchen ist sind: Erneut gibt es „immensen Krach“ („SPIEGEL ONLINE“), also Noiserock, mit einem wohl auch schlag­zeu­gersatz­be­ding­ten Industrialeinschlag zu hören.

Gewalt - Kein Mensch (offi­cial Video)

Das Deklamieren exi­stenz­fra­gen­der, eher öfter als sel­te­ner auch des­il­lu­sio­nie­ren­der Texte („So geht die Geschichte“, „Kein Mensch“) hat Patrick Wagner zu mei­ner Freude auch nicht ver­lernt. In den­sel­ben blitzt, wenn mich mein Urteilsvermögen nicht täuscht, gele­gent­lich ein wenig Blumfeld auf, was gut ist.

Das abschlie­ßen­de (inso­fern wohl neue­ste), bedroh­lich ruhi­ge „Wir sind sicher“ fällt musi­ka­lisch aus dem sowie­so eher iro­nisch gege­be­nen Rahmen, ver­hin­dert aber, dass man sich nach Abschluss des Albums wüten­der fühlt als nötig. Ob aber die Melancholie die bes­se­re Stimmung ist? Ich weiß es nicht.

Gewalt - Wir Sind Sicher (Video Official)

Manchmal ist Gewalt doch eine Lösung.

In den Nachrichten
Kurz ange­merkt zu Morden (zum Beispiel in Hanau)

So lan­ge das Wer und das Wen das Was und das Warum in der media­len, poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Betrachtung eines oder meh­re­rer Morde jedes Mal über­wie­gen, so lan­ge ist zwi­schen den Guten und den Bösen, die jeweils dar­auf hof­fen, es möge der Richtige jeman­den von den Richtigen gemeu­chelt haben, nur wenig Unterschied feststellbar.


Nachtrag: Überraschend stellt sich her­aus, dass die stän­di­ge Überwachung aller Lebensbereiche gar nicht hilft.

Netzfundstücke
Eimerfraß

Bei „Nordsee“ - Werbespruch: „Wir sind Fisch.“ - scheint man sich des Rufs, den fast food wenig­stens hier­zu­lan­de hat, bewusst zu sein: Man kann dort neu­er­dings stil­echt aus dem Eimer fressen.

Eimerfraß

Pardon: Aus dem bucket. :irre: