In den NachrichtenMir wird geschlecht
Liegengebliebenes vom 26. Juni 2016 (Feminismus-Spezialausgabe)

Es gibt Grund zu feiern:

Das Plus-Size-Model Ashley Graham hat mit einem Instagram-Foto Millionen Frauen begeistert. Auf einem Fahrrad fliegt ihr Rock so hoch, dass man einen Großteil ihrer Cellulite sieht.

Das nächste große Ding: Models mit einem Hautproblem. Gibt’s schon welche mit Schuppen?


Gina-Lisa Lohfink, derzeit in allen Klatschspalten zu Hause und mir bis dato unbekannt, nach kurzer Recherche allerdings auch nicht für kennenswert befunden, muss sich, meint Bundesrichter Thomas Fischer, zumindest nicht vorwerfen lassen, wie all die anderen Kurzzeitbekanntheiten aus dem Arbeitslosenfernsehen nichts Sinnvolles gelernt zu haben:

Das (stark heruntergerechnete) Nettoeinkommen dieser Beschuldigten müsste demnach bei etwa 400 Euro pro Tag (= 12.000 Euro pro Monat) liegen, was plausibel ist, denn als Mensch mit dem Beruf „Vorzeigen-von-dicken-Silikonbrüsten“ sollte man schon deutlich mehr verdienen als der Präsident eines Obersten Bundesgerichts.

Gibt ja sowieso zu viele von denen.


Sowieso und immer lesenswert:

Und ich finde es seltsame Zeiten, in denen eine Gesellschaft Millionen über Millionen für eine ihrer Gruppen aufbringt, deren in Talkshows herumgereichte Vertreter eben diese Gesellschaft zugleich ein Patriarchat nennen, das sie unterdrückt.


Die Neue Zürcher Zeitung findet in einem Text, in dem sie durchweg das schauderhaft klingende und überdies falsche „Studierende“ statt „Studenten“ verwendet, die political correctness in den USA übertrieben.


Ihr seid Männer und wolltet schon immer mal wissen, woher die für die angebliche Lohnlücke zwischen Männern und Frauen verantwortliche ungleiche Verteilung von Arbeitszeiten stammt? Ganz einfach: Wenn Frauen so lange arbeiten würden wie ihr, protestierte ihr Körper dagegen. Bei Männern ist das natürlich etwas völlig anderes, ein Büro fernab von Hobbys, Freunden und Familie ist schon evolutionär bedingt ihr natürliches Terrain.

In den NachrichtenPolitik
Morgen erst mal schön Anschlag. LOL :-)

Solche Überschriften solltet ihr möglicherweise vorerst vermeiden. Die USA nämlich haben, glaubt man ausnahmsweise „heise online“, eine prima Möglichkeit gefunden, die Einreise von Terroristen erheblich zu erschweren:

Gibt es in den nächsten 60 Tagen keinen Einspruch, sollen Einreisende zukünftig (…) freiwillige Angaben zu ihrer Social-Media-Präsenz machen können. (…) Im vergangenen Jahr war Kritik laut geworden, als klar wurde, dass Details über eine Schießerei bereits im Vorfeld über Privatnachrichten über Facebook ausgetauscht wurden.

Denn wie ja jedes Kind weiß, erkennt man einen Terroristen problemlos und vor allem fehlerfrei daran, dass er seine Pläne im Voraus in sozialen Medien bekanntgibt. Sicherheit durch Datensammlung!

Facepalm

(via Schwerdtfegr)

In den NachrichtenPolitik
Drei Thesen zum Austritt „Großbritanniens“ aus der EU

Union Flag, ca. 2020Erstens:

Der seitens der EU-Verfechter geäußerte Ruf nach dem Weiterbestehen eines stramm durchbürokratisierten starken Überstaates, der doch bitteschön zusammenzuhalten hat, weil er nur so seine Rolle als Weltmacht gegenüber den Anderen behaupten kann, ist nicht wesentlich mehr als Ausdruck des Wunsches nach einem Großeuropa, dem nur mehr die charismatische Führerfigur fehlen möge. Befeuert wird dies durch das fortwährende Streben, den kalten Krieg mit dem verhassten Nachbarn im Osten („dem Iwan“) keinesfalls abkühlen zu lassen. Es mutet wenigstens seltsam an, dass es Menschen zu geben scheint, die wie selbstverständlich nationalstaatliches Begehren für sonstwie rechts statt für natürlich gegeben halten und als Gegenentwurf ausgerechnet die Institution EU präsentieren.

Zweitens:

Wenn, wie es den medialen Anschein hat, das wesentliche Problem der EU mit einem Austritt eines Mitgliedsstaates darin besteht, dass die Börsen („der Markt“, „die Wirtschaft“, niemals aber „der Mensch“) darunter leiden, dann hat dieser Mitgliedsstaat zweifelsohne die richtige Entscheidung getroffen.

Drittens:

Es ist für die Attraktivität der Europäischen Union für die übrigen oder gar potenzielle neue Mitgliedsstaaten und somit für ihre weitere Stabilität sicherlich nicht von Vorteil, wenn ihre Vertreter der Umsetzung eines demokratischen Referendums so viele Stöckchen in die Speichen halten wie nur irgendwie möglich. „EU-Vertreter haben bereits angekündigt, dass sie an den Briten ein Exempel statuieren werden[,] um andere Staaten abzuschrecken“, schreibt Christoph Sydow auf „SPIEGEL ONLINE“ und ahnt selbst wohl nicht, wie klug diese Wortwahl war.

In den NachrichtenPersönliches
Neues vom Anfasszwang

Den Brauch, einander die Hand zu reichen, um einander zu beweisen, dass man zumindest in einer Hand keine Waffe trägt, kann ich zumindest historisch verstehen, wenngleich ich es aus hygienischen Gründen (ich fasse die meisten Menschen nur ungern an) selbst so häufig zu vermeiden versuche wie möglich, ihm nachzukommen. Selten traf ich bei begründet verweigerter Entgegennahme der so lax wie künstlich entgegengestreckten schweißnassen Hand auf Unverständnis, niemals allerdings traf ich bislang auf Spießer wie diese Lehrerin:

Vier Mal soll die Pädagogin der Schule in Berlin-Pankow den Geistlichen unter Hinweis auf deutsche Gebräuche nachdrücklich aufgefordert haben, ihr die Hand zu reichen. Der Imam legte stattdessen die Hand aufs Herz – dies sei die höchste in seiner Religion mögliche Respektbezeugung bei der Begrüßung einer Frau. Das habe der Lehrerin jedoch nicht ausgereicht, sie habe daraufhin das Gespräch abgebrochen.

Wer einander anzufassen sich weigert, verhalte sich frauenfeindlich, lautet die Argumentation; was in einer Zeit, in der der Feminismus gewohnt laut krakeelend versucht, nicht explizit genehmigte Berührungen zur Beinahevergewaltigung umzudefinieren, so manches aussagt. Wer eine Lehrerin nicht anfassen will, der verwirkt dadurch sein Recht darauf, dass sie ihren Pflichten nachkommt. Ist schließlich Deutschland hier. Hier wird gefälligst konservativ gewählt, Trottelsport bejubelt und einander bei jeder sich bietenden Gelegenheit angefasst. Da muss man sich schon integrieren oder man fliegt raus aus der Gesellschaft. So geht das ja nun nicht.

Bei Bonobos ist es übrigens Teil des sozial erwünschten Verhaltens, Spannungen durch Penisfechten abzubauen. Wir können viel von Bonobos lernen.


Apropos Beknackte: Nach der Räumung eines widerrechtlich besetzten Gebäudes zur Schaffung von Wohnraum für Flüchtlinge haben Linksextreme in Berlin mehrere Autos in Brand gesteckt. Das hat die Polizei jetzt davon.

Nerdkrams
„Sicherer als Windows“ des Tages (2)

Na, auch Linux statt Windows zu Hause?

Dann patcht mal schön euren Kernel!

In den NachrichtenMontagsmusik
Holy Esque – Strange

Ausschau nach dem PandaEs ist Montag. Nicht vor dem ersten Kaffee ansprechen. Das macht doch alles keinen Spaß mehr. Früher war mehr Unbeschwertheit, allerdings war früher auch mehr zu zweit. Früher war alles besser.

Andererseits: Endlich ist mal Schluss mit dem Patriarchat! Straffrei das Leben von Menschen zu zerstören ist Frauensache, was immer eine Frau jetzt eigentlich ist. Die ewige Stadt Rom wird künftig von der italienischen Partei der EU-Gegner regiert, aber vom nahe liegenden Etikett „Rechtspopulismus“, das medial längst der Standardwert für alles ist, was sich nicht ins Getriebe einfügen möchte, redet hier keiner, weil der neue Bürgermeister eine Frau ist, was bekanntlich immer und grundsätzlich höher wiegt als das, was sie zu sagen hat. Gestern hat kein ARD-Redakteur seine Kinder geschlagen. Alles unter Kontrolle, Situation normal.

Ihr allerdings gehört geschlagen: Emojis sind aus eurem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch, doch, das ist erwiesen. Die Sprache der Zukunft sind bunte Bildchen, digitale Höhlenmalereien ohne dauerhaften Wert. Schreiben ist eine verlorene Errungenschaft. Andererseits: Sollte die Jugend so schreiben wie sie spricht, ist das wahrscheinlich auch besser so.

Ein kurzer Blick in’s Föjetong. Wenn Taylor Swift (Popmusik, schlimm) einen neuen Partner hat, drängt sich natürlich vor allem eine Frage auf: Wie soll man die beiden nennen? Bedauerlicherweise ist „Dumm und Dümmer“ schon vergeben.

Beneidenswert, eigentlich.

Holy Esque – Strange

Oh I cried / cried cried cried.

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Ernste Bedenken

Apropos Krieg (kalter); wisst ihr, wer sich über militärische Interventionen in Syrien ärgert? Richtig: die USA.

In Syrien habe sich, berichtet man auf ausgerechnet „SPIEGEL ONLINE“, Folgendes zugetragen:

Russland hat in der Nähe der syrisch-irakischen Grenze Rebellen attackiert. Doch bei den Luftangriffen der Kampfflugzeuge in der Nähe des Ortes Al-Tanf wurden offenbar Verbündete der USA bombardiert.

Es wird also wieder einmal Angst vor dem Iwan und dessen Bewaffnung geschürt, damit auch ja niemand auf die Idee komme, die moralische Abgrenzung sei künstlich und mediengemacht. Da wird auf Menschen („Rebellen“, was in der Sprache des „SPIEGELs“ offensichtlich „nicht ganz so lebenswerte Menschen“ bedeutet) geschossen und es fliegen Bomben auf sie, was ja grundsätzlich anscheinend niemanden der dort Stationierten aus dem Westen wirklich stört.

Was machen die Amerikaner eigentlich in der Nähe der syrisch-irakischen Grenze? Na, das Gleiche, was sie schon zwecks militärischen Aufbaus von Saddam Hussein und Osama bin Laden gemacht haben, bevor ihre Zöglinge ihnen plötzlich untreu wurden:

Flugzeuge hätten in der Region am Donnerstag Kämpfer der Neuen Syrischen Armee beschossen, die von den USA und ihren Verbündeten in Jordanien ausgebildet werden.

Ach so: „Die USA und ihre Verbündeten“ – offensichtlich nicht Russland – bilden Terroristen („Milizen“) aus, um in einem fremden Land andere Terroristen („Milizen“) zu bekämpfen, und finden es nun unangemessen, dass im Zielgebiet geschossen wird? Nein, natürlich nicht:

Ein Pentagonsprecher erklärte, das Verteidigungsministerium wisse von Berichten über Angriffe auf moderate Oppositionelle. (…) „Sollte diese Aktion tatsächlich von den Russen ausgeführt worden sein, dann hätten wir ernste Bedenken“, sagte er.

Keinerlei ernste Bedenken hat das US-amerikanische Verteidigungsministerium beim Ausbilden von Terroristen und bei der Einmischung in fremde Innenpolitik, insbesondere dann nicht, wenn die USA die Folgen (u.a. Flüchtlingsansturm in Europa, unzählige zivile Kollateralschäden und so weiter) nicht selbst tragen müssen. Ernste Bedenken gibt es allerdings, wenn sich herausstellen sollte, dass ein Land, das seitens des Westens mit allerlei Falschmeldungen als Aggressor stilisiert wird, beim Mitmorden versehentlich auch mal die falschen Terroristen trifft. Ich habe ja ernste Bedenken wegen ganz anderer Aspekte dieses Vorgehens, aber ich bin auch ein entschiedener Gegner von militärischer Intervention in irgendwelchen Ländern und sollte mich deswegen aus der Außenpolitik mal gepflegt raushalten. Was weiß ich schon von der Notwendigkeit des Meuchelns?

Nicht einmal zwei Stunden vor oben zitierter Meldung erschien gleichfalls auf „SPIEGEL ONLINE“ die Ankündigung, dass US-amerikanische „Diplomaten“ den direkten Einsatz des US-Militärs gegen die Regierung von Syriens Präsident Baschar al-Assad fordern. Wenn denen doch nur jemand gesagt hätte, wie gefährlich so ein Krieg ist!

Wer sich in Gefahr begibt, der kommt darin um, und ein starrköpfiger Mensch nimmt zuletzt ein schlimmes Ende.
Sirach 3,27

ComputerIn den NachrichtenPolitik
Cyberbewaffneter Cyberkonflikt!

Hurra, na endlich:

Die Nato hat den Cyberraum zu einem eigenständigen Operationsgebiet erklärt. Angriffe über Datennetze werden nun wie solche durch Land-, See- oder Luftstreitkräfte behandelt, sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Einerseits würde ich das Zwangsdemokratisieren (bekanntlich in der Regel ein recht destruktiver Prozess) von E-Mail-Spammern begrüßen, andererseits bedeutet das im Wesentlichen: Die NATO hat dem Internet den Krieg erklärt. Wie schnell landet man doch auf der falschen Seite, denn welcher Cyberkrieger kämpft schon mit offenem Visier?

Euer Browser? In den Händen der Falschen eine gefährliche Waffe. Laut dem Hackerparagraphen macht euch ein einfacher Ping schon terrorverdächtig, künftig wohl auch mit Folgen. Passt lieber auf, wo ihr hinklickt, hier ist alles vermintes Gelände. Keine Sorge aber, wenn morgen die Cyberwehr vor eurer Tür steht: Die schießen bekanntlich immer daneben.

(via Schwerdtfegr)

Sonstiges
Medienkritik C: Erschreckende Schockfotos: Beziehung ohne Kinder? Lass stecken.

Wenn die Jessica-Alba-Dichte auf dem Titelbild von Frauenmagazinen abnimmt, bedeutet das nicht automatisch mehr Vielfalt: Unisono berichten die aktuellen Ausgaben von „Cosmopolitan“ und „myself“, beides merkwürdige Heftchen für die Frau über Normalirre, über ein schier unglaubliches Phänomen, das die „Cosmopolitan“ nur halbherzig hinter Schlüpfrigkeiten versteckt:

Cosmopolitan - Lass stecken!

Des Rätsels Lösung ist übrigens: Cunnilingus. Man solle als Frau doch den Vibrator oder eine Hand bevorzugen, denn so ein Mann habe es, statistisch gesehen, nicht drauf. Moritz Pontani (!) fragt in derselben Ausgabe der „Cosmopolitan“:

Alle reden darüber, dass wir es bald mit Robotern, Avataren und Bluetooth-gesteuerten Dildos treiben. Was ist da dran?

Womit Moritz Pontani (!) es so treibt und inwiefern ein Dildo da involviert ist, habe ich mich lieber nicht getraut nachzulesen. Ich wollte auch eigentlich auf etwas ganz anderes hinaus, nämlich auf eine Frage, die das Titelblatt der „myself“ („Wir machen Frauen stark“), in der die Kolumnistin Constanze Kleis (57) bezeichnender fragt, ob man „den Mann“ nach zwanzig Jahren Ehe „immer noch“ lieben „müsse“, gleichermaßen thematisiert wie die schlimme „Cosmopolitan“:

„Wie wir ein Paar blieben, obwohl wir kein Kind bekamen“

Beziehungsweise („Cosmopolitan“) eben:

Eine erfüllte Beziehung führen, auch ohne Kinder – das würden diese beiden Paare sofort unterschreiben.

Ich bin mir nicht ganz sicher, wann das klassische Bild von einer Beziehung ihren Sinn verloren hat, aber es mag manches erklären.

Abschließend wagen wir noch einen kurzen Blick in die gleichfalls aktuelle „OK!“ (Titelthema: „Schlimmer Unfall!“, Titelbild: Sarah Lombardi; sagen wir es mal so: ja, das trifft es), die großspurig warnt:

Schock-Fotos

Pah, uns gestählte Mannsbilder weiß so leicht nichts zu erschrec-

Kreisch

Wah! 8O

In den NachrichtenPolitik
Medienkritik in Kürze: Non scholae sed moriando discunt.

Auf „SPIEGEL ONLINE“, dessen Social-Media-„Team“ mittlerweile eine derartige Enthirnung vorzuweisen hat, dass es ihm geradezu wie eine postrevolutionäre Freiheit erscheint, wenn im schlimmen Großbritannien Schuluniformen nicht etwa abgeschafft, wie es sich für moderne und aufgeklärte Staaten inzwischen erfreulicherweise geziemt, sondern geschlechtsneutralisiert werden, wundert sich Matthias Gebauer heute:

Mit einem Tag der offenen Tür wollte die Bundeswehr am Wochenende für mehr Akzeptanz in der Öffentlichkeit werben. Doch dann ließen Soldaten kleine Kinder an Gewehren hantieren.

Was hat der denn gedacht, wofür Mitglieder eines staatlich geförderten Waffenträgerhaufens an einer Schule werben sollten – für den Mathematikunterricht?

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeswehr abgeschafft gehört.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
The Dandy Warhols – Valerie Yum

Hunger!Es ist endlich wieder Montag, der Schlendrian hat ein Ende, und man hat es doch noch gut, andere müssen heucheln für Geld, nichwahr; und ausnahmsweise viel mehr als nach dem Sinn des Ganzen fragt man sich heute mal, wieso immer von „freier Bildung“ die Rede ist, wenn man doch kaum etwas anderes tut als Lehrgeld zu zahlen und das, was der Staat „Förderung“ nennt, nicht viel mehr ist als eine Leihgabe zu restriktiven Konditionen. Die Dummgebliebenen haben leichtes Feiern in diesen Tagen. Denen fehlt nichts in dem, was sie für ein Leben halten. Nicht einmal sie.

Genug davon. Penis! Na, alle wach? Dann habe ich gleich noch einen zweiten Kracher: Ich hätte fast der Grünen Jugend zugestimmt. – Aber eben auch nur fast: Während ich die einigermaßen feste Position (Allergikerwarnung: Genderei) über das saublöde EM-Gebrüll durchaus teile, ist die Einschränkung auf inländische Fahnen eher merkwürdig. Wie prima wäre es doch, hielte niemand auf der Welt seine Nationalität für beschreienswert! Andererseits möchte die Grüne Jugend ja sicherlich ihren Mutterverein, die Angriffskriegspartei „Die Grünen“, nicht allzu sehr verärgern, die gegen bestimmte Flaggen durchaus nichts einzuwenden hat, ukrainische Hakenkreuzflaggen zum Beispiel möchten sie niemandem nehmen, so lange es gegen den Iwan geht. Für die gute Sache ist jeder Verbündete rechts recht.

Ein Blick nach Düsseldorf: Flüchtlingsheim brennt nach Streit über religiöse Essensvorschriften. Wenn sich jetzt noch herausstellt, dass Veganer beteiligt waren, haben wir genug Klischees beisammen.

Ach, apropos Schland. Was für eine furchtbare Zeit.

the dandy warhols valerie yum

I just don’t care no more, I got valium. Hilft ja alles nichts.

Guten Morgen.

In den NachrichtenNetzfundstückePolitik
Liegengebliebenes vom 10. Juni 2016

Wisst ihr, was unbedingt mehr WLAN braucht? Autoalarmanlagen! Freuen wir uns also schon heute auf die ersten Straßen-Botnetze aus selbst fahrenden Autos.


Gute Nachrichten für den Bildungsstandort Berlin: Die Englischklausur kann man zumindest auf dem Niveau der Berufsbildungsreife bestehen, ohne ein Wort Englisch zu können. Für Gender Studies reicht’s wahrscheinlich.


Klopfer hat sich mit dem Galaktischen Gesundheitsrat beschäftigt. :irre:


Alles, was in der Demokratie schiefläuft, in einem Satz:

Offenbar als Zeichen der Unterstützung war auch Bundeskanzlerin Merkel im Parlament.

Wenn sogar die Kanzlerin mal an der Demokratie teilnimmt, dann ist die Kacke aber echt am Dampfen!!1!


Ihr habt Cyberfeuer zu Hause? Keine Angst: Die Cyberfeuerwehr kommt!

Persönliches
Kurz angemerkt zur diesjährigen Europameisterschaft im Männerfußball

Bei allem Zynismus, den ich bei Themen wie diesem zur Schau zu stellen pflege: Mein Wunsch nach frühzeitigem – hihi – Ausscheiden der Mannschaft, die unsere Fußballfreunde zum Sieg grölen zu wollen scheinen, hat nicht im Geringsten etwas damit zu tun, dass ich deren hobby nicht teile. Ich teile auch das hobby des Musikmachens nicht und wünsche einigen meiner favorisierten Musiker dennoch noch eine lange weitere Karriere. Mein Wunsch hat vielmehr mit dieser Regelung zu tun:

Die Ordnungsämter wägen (…) für jeden Einzelfall zwischen dem besonderen öffentlichen Interesse an den Fußballspielen und dem Schutz der Nachtruhe ab.

Die Freizeitgestaltung einer bedauerlicherweise viel zu lauten Minderheit bekommt somit einen rechtlichen Sonderstatus, der es dieser Minderheit erlaubt, entgegen jedem Anstandsgebot Unbeteiligten nach Herzenslust – im Rahmen der Gesetze und sonstigen Verordnungen abzüglich des Grölverbots – aus Frust (Spiel verloren), Freude (Spiel gewonnen) oder sonstiger Stimmung (Alkohol) in ihrem persönlichen Lebensbereich (nicht schalldichte Wohnung) auch zur Schlafenszeit auf die Nerven zu gehen. Wenn das alle machen würden! Stundenlange Autokorsos mit Hupkonzerten nach gewonnenen Schachturnieren. Vielstimmige „Poooooooost!“-Chöre aus betrunkenen Kehlen auf nahezu allen inländischen Fernsehkanälen bei Erscheinen einer neuen Sonderbriefmarke. Dämliches Glockengebimmel im ganzen Ort, weil das heilige Buch einer kleinen Gruppe sektierender Spinner vorschreibt, dass sie bitteschön jetzt ihrem Herrn für die Ermordung seines Sohnes danken sollen. Moment, entschuldigt – ich bin in der Zeile verrutscht.

Mir wurde mitgeteilt, es sei asozial von mir, den Sportsfreunden den ausgelebten Spaß an ihrem gemeinsamen Interesse nicht zu gönnen. Aber das ist nicht wahr, eine solche Freude gönne ich jedem. Was ich aber nicht jedem gönne, ist es, mir mit seinem Nischeninteresse nachhaltig die Ruhe zu nehmen. Ich finde Fußball mindestens überflüssig, das macht mich aber noch nicht asozial; sobald ich mich einer größeren Menschengruppe anschließe und mit dieser gemeinsam mit der Straßenbahn fahre, beim Zusteigen von Fußballfans „Fußball ist scheiße“ brülle und dazu völlig taktfremd klatsche, während einer aus der Gruppe ihnen vor die Füße kotzt, dann können wir über das mit der Asozialität gern noch einmal sprechen.

Das hobby der meisten Menschen ist mir egal. Meinetwegen können sie, bei aller Tierliebe, in ihrer Freizeit Schweinen die Haut abziehen und eine Sexpuppe daraus nähen. Ich kann nur ganz gut darauf verzichten, dass sie nachts vor meinem Fenster laut und schief „Sex mit Schweinehaut, schalalalala!“ singen. Nicht, weil ich sexuelle Merkwürdigkeiten aus konservativen Erwägungen heraus doof fände, sondern, weil ich es für eine Tugend halte, ab und zu auch mal die Fresse zu halten, und Menschen, die diese ihnen fehlende Tugend überkompensieren, nicht zu den mir liebsten zählen.

Der Fußball, die Verbände, die Mannschaften und die Meisterschaft an sich sind mir herzlich egal. Es ist die Aura an menschlicher Debilität, die sie umgibt, die sich ohne merkliche Einbußen an Lebensqualität entbehren ließe.

Freut euch leise, ihr Pflaumen.

In den NachrichtenMontagsmusikWirtschaft
Pure Reason Revolution – The Bright Ambassadors of Morning // Bedingungslose Grundaufregung

Was fehltEs ist, juchhei!, Montag; damit sind es nur noch fünf Tage bis zum Wochenende, was noch ein wenig schöner wäre, wäre sie auch da. Ein Käuzchen nickt verständnisvoll.

Weniger Verständnis weckt wie üblich die Wirtschaft: Das Schweizer Volk hat sich am Wochenende überwiegend gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen entschieden, bei der „ZEIT“, die ihren Lesern offenbar extra erklären muss, dass ein Ganzes 100 Prozent sind („entschieden sich 78 Prozent der Teilnehmer (…) dagegen. 22 Prozent stimmten demnach dafür“, das gibt ein Fleißbienchen im Klassenbuch), und in anderen Medien bis hin zum virtuellen Boxsack Twitter ist man natürlich weitgehend fassungslos darüber, dass das kommunistische Ideal sich noch nicht mal in der Schweiz durchsetzen kann, obwohl doch die Schweiz in den vergangenen Jahrzehnten stets ein verlässlicher Partner oder so bei der Durchsetzung der einzig richtigen Politik war. Aus den Reihen der SPD wird die Schweiz für die Volksentscheidung beklatscht, was in mir durchaus Zweifel reifen lässt, ob meine Skepsis bezüglich eines „bedingungslosen“ (sprich: leistungslosen) Grundeinkommens nicht vielleicht doch voreilig ist. Was die SPD gut findet, ist meist gar nicht so gut.

Der Ruf nach einem „bedingungslosen Grundeinkommen“ ist verständlich, aber kurzsichtig: Wird der Gegenwert des Satzes „ich habe kein Geld“ von (wie bislang) 0 auf, sagen wir mal, 800 Euro angehoben, besitzt also jeder plötzlich einfach so 800 Euro, so verliert das Geld relativ dazu an Wert. Ein Beispiel: Im November 1923 betrug das Briefporto 10 Milliarden Mark, weil Geld wegen seiner übermäßigen Herstellung quasi nichts mehr wert war, was letztlich zu Hitler und ein paar sehr unangenehmen Zwischenfällen führte. Ein übertriebener Vergleich, sagt ihr? Vielleicht habt ihr damit sogar Recht. Wenn’s keiner weiß, kann keiner jubeln.

Woher, apropos, kommt es eigentlich, dass Nachrichtenartikel über Kinderpornografie überdurchschnittlich oft mit einem MacBook bebildert werden? Ted Unangst geht von einem Zusammenhang aus.

Kapellmeister, kapellmeistere!

Pure Reason Revolution- Bright Ambassadors Of Morning

Guten Morgen.

Nerdkrams
Der Tor fällt nicht weit vom Appelbaum

Alter Hut: Knallbunte Websites mit eigener Domain und Logo für Sicherheitslücken in Software.
Das neue große Ding: Knallbunte Websites mit eigener Domain (ob da wohl noch ein Logo kommt?) für private Fehden unter Open-Source-Entwicklern. Das muss dieser Geist des Open Source sein, von dem immer die Rede ist.

Worum es geht? Ein mittlerweile ehemaliges, allerdings recht engagiertes Mitglied der Tor-Kernentwicklergruppe hat blöderweise einen Nachnamen, der recht weit vorn im Alphabet steht, weshalb es seine Teamkollegen natürlich ganz besonders stört, wenn er, um niemandes Arbeit wichtiger erscheinen zu lassen als die eines Anderen, bei der Verschriftlichung um eine alphabetische Reihenfolge der Verantwortlichen bittet. „Der da hat einen Namen, der vor meinem erscheinen würde, das belästigt mich!“

Ach, nein – eigentlich geht es ja tatsächlich um Belästigung. Bei Tor scheint Homo- oder wenigstens Bisexualität ein wichtiges Thema zu sein, was auch schon die einzig nennenswerte Erkenntnis aus dem ganzen Bohei ist; ein Rosenkrieg zwischen Menschen, die verglichen damit, dass sie sich aufführen wie eine Horde pubertierender Teenager, zuvor offensichtlich für erschreckend erwachsen gehalten wurden.

Ein Opfer des Beschuldigten gibt etwa zu Protokoll:

I didn’t know until very recently that nonconsensual sex, by a friend, is rape. It is for this reason that I am writing this account.

Mit anderen Worten: Eigentlich hielt das Opfer einen offenbar sexuell motivierten Zwischenfall für nicht sonderlich schlimm oder auch nur bedeutsam, bis jemand ihm mitteilte, dass es unangemessen sei, sich darüber nicht zu viele Gedanken zu machen. Wer Kompromat sucht, ist über jeden, den er dazu überreden kann, glücklich.

Das Gros der Erfahrungsberichte allerdings befasst sich damit, dass der Täter ungefragt in kleinem Kreis über die Sexualität der Opfer sprach; darüber beklagen sich Letztere auf der Website, indem sie selbst darüber und über die seine sprechen, und zwar in einem weit größeren Rahmen als es zuvor je geschehen wäre. Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Schnell, schieß mir ins Gesicht!

(via @andreasdotorg)