Mir wird geschlechtPolitik
Was du wissen solltest, so lange du das Gesetz nicht kennst

(Vorbemerkung: Ich hatte folgende Kritik zuvor bereits auf anderem Weg angebracht, leider blieb sie unbeantwortet. Ich gehe also von Vorsatz aus.)

Da wir gerade bei Parteien waren: Im Januar 2016 witzelte Katharina Nocun, noch vor nicht allzu langer Zeit Repräsentantin der Piratenpartei Deutschland, seitdem aber in doch reichlich schräge Kreise („Campact“) geraten, unter der Überschrift „Was Du wissen solltest, bevor Du die AfD wählst“ und der Prämisse, dass „oft argumentiert“ werde, Kritik an der AfD werde „durch die ‚Lügenpresse‘ gesteuert“ (ebd.), gestützt von großem medialem Beifall (u.a. Huffington Post) neben einigen zweifellos richtigen Beobachtungen zum Konservativismus der ansonsten bestenfalls tragikomischen baden-württembergischen „Alternative für Deutschland“ auch über deren vermeintliche Paranoia, dass männliche Bewerber auf eine Stelle als Gleichstellungsbeauftragte (sic!) aufgrund ihres Geschlechtes diskriminiert würden.

Ein Blick ins Gesetz – die Piratenpartei rät seit jeher zum Selbstnachschlagen – hätte vielleicht Schlimmeres verhindert: § 4,2 des dortigen Landeshochschulgesetzes schreibt vor, dass die (sic!) Gleichstellungsbeauftragte nebst Stellvertreterinnen „aus dem Kreis des an der Hochschule hauptberuflich tätigen“, Obacht!, „weiblichen wissenschaftlichen Personals“ zu stammen habe.

Im paranoiaresistenten Nordrhein-Westfalen, dessen Hochschul- (§ 24 HG) und Landesgleichstellungsgesetz (§ 15,3 LGG) ähnliche Vorschriften beinhalten, wird der Landtag übermorgen einen Antrag der offensichtlich paranoiden F.D.P.-Fraktion behandeln, der zum Ziel hat, die landesweiten Richtlinien den bestehenden gesellschaftlichen Strukturen anzupassen und die Gleichberechtigung von Mann und Frau statt die bloße Gleichstellung der Frau zur Maxime zu machen. Hoffentlich werden Psychiater anwesend sein.

Ohne Lügenpresseausweis geh ich Karneval nicht aus dem Haus.
@kattascha

In den NachrichtenWirtschaft
Fachkräftebezahlungsmangel

Auf WELT.de (möchte aufgrund des Leistungsschutzrechts hier nicht verlinkt werden) ist seit heute neben allerlei weiteren Geschichten auch diese zu lesen:

Deutschland ist immer stärker auf Zuwanderer angewiesen, um seine wachsende Fachkräftelücke zu schließen. (…) Dies zeigt eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). IW-Direktor Michael Hüther fordert deshalb ein Punktesystem nach kanadischem Vorbild, damit gut qualifizierte Arbeitsmigranten unbürokratischer als bisher nach Deutschland kommen können.

Dabei liegt im Interesse der deutschen Wirtschaft (lies: von Arbeitgebern) oft primär die Gewinnmaximierung: „Hunderttausende Akademiker arbeiten zu Niedriglöhnen“ („WELT am Sonntag“, 2014). Gut ausgebildete einheimische Fachkräfte sind sich ihres Wertes auf dem Arbeitsmarkt oft bewusst und sind nicht bereit, sich unter Wert zu verkaufen.

Ist ja alles nicht so schlimm: Arbeitslosenzahl steigt im Januar weniger als üblich, irgendwann ist halt jeder Markt mal gesättigt; „danach gab es zum Jahresbeginn so viele freie Stellen wie nie zuvor“ (aus dem gleichen Artikel), was merkwürdig anmutet, bedenkt man, dass es für immer mehr freie Stellen auch immer mehr Entlassungen zu geben scheint.

Oder Menschen, die gar nicht erst eingestellt werden. Es gab laut „taz“ vor einem Jahr etwa 2,4 Prozent arbeitslose Akademiker in Deutschland, bereits bereinigt um die Zahl derer, die Praktika, Volontariate und ähnliche Umwege beschreiten, um nicht auf der Straße zu sitzen. Dabei trage der ach so soziale Mindestlohn nicht unbedingt zu einer Besserung bei:

[E]in Absolvent darf ab 2015 nur noch unter bestimmten Bedingungen ein Praktikum absolvieren, nämlich dann, wenn es der berufsqualifizierenden Weiterbildung dient, die bis dahin noch nicht abgeschlossen sein darf.

Und so kommt es, dass ich einen Anruf einer renommierten Tageszeitung aus dem hessischen Raum erhalte, die mir versichern, mein Fall sei eingehend beraten worden, aber man müsse mir mitteilen, mein Praktikumsvertrag, abgeschlossen für 2015, werde aufgelöst.

Der hiesige Arbeitsmarkt leidet nicht unter einem „Fachkräftemangel“, der sich nur mit oft schlecht ausgebildeten, aber dafür günstigen ausländischen Arbeitern mildern ließe. Er leidet an wirtschaftlichen Erwägungen (lies: am Geiz) derer, die ihn beklagen.

Und, wie immer, an der SPD.

In den NachrichtenMontagsmusikPiratenparteiPolitik
Jane Getter Premonition – Surprised // Tortenpolitiker

Alles schläft, Eulchen wachtHurra, ein Schaltmontag! Nichts, was wir heute tun, wird Konsequenzen haben; um so wichtiger ist es, den Tag so zu beginnen, wie es kaum richtiger sein könnte, satt und zu zweit nämlich. Romantisch und doof wie Käuzchen und Mond.

Selbstverliebtheit überlassen wir also getrost denen, die sie verdienen. Donald Trump zum Beispiel gehe es – huch! – nur um Donald Trump, lässt Martin Klingst Leser von „ZEIT ONLINE“ wissen, schreibt aber leider nicht dran, was trotz des Überangebots an medial verwertbarer heißer Luft, die offensichtlich raus muss, einen Nicht-US-Amerikaner außer bloßer Lust am Nonsens eigentlich an dieser Wahl interessieren sollte. Als hätte das Inland nicht genug Ärger!

Andererseits ist die Kindisierung der Politik auch hier ein Problem: Beatrix von Storch mit einer Torte beworfen, haha, „getortet“, roflol, sozusagen; das Netz sitzt deswegen seit gestern im Stuhlkreis und klatscht jauchzend, denn so etwas ist gut für den politischen Diskurs: Die Frau wähl‘ ich nicht, die hat Torte im Gesicht. Hat die nicht auch irgendwas mit Ausländern gesagt? Haha, Torte! Die Piratenpartei als einstiges Sinnbild des politischen Hedonismus hat ihre Tortigkeit derweil vorübergehend ausgesetzt und das sei, so heißt es aus ihren Reihen, wahlweise schlecht oder gut für sie. Vielleicht lässt sich das mit einer Kuchenschlacht beilegen.

Was wir nun aber erst einmal beilegen, ist die Erinnerung daran, dass das Wochenende vorüber ist. Denken wir an etwas Schönes, denken wir an Musik.

Jane Getter Premonition featuring Corey Glover "Surprised" Live at the Iridium

Guten Morgen.

In den NachrichtenMusik
Zur Einweihung von Möbelhäusern braucht man kein Abitur

Diejenigen, die, wie ich, aus Medienkompetenzgründen Fernsehgroßereignisse samt und sonders zu meiden pflegen und deswegen selten rechtzeitig zur Stelle sind, um deren Abstimmungen überhaupt mitzubekommen, seien an dieser Stelle gewarnt: In – relativ zum gemachten Aufhebens – wenigen Wochen wird die „deutsche Björk“ („STERN“), ein derzeit noch siebzehnjähriges Allerweltsmädchen mit einem furchtbaren Vornamen, von dem die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ noch im Dezember 2015 annahm, es würde auf eine Teilnahme an dem Wettstreit verzichten, nach einem Achtungserfolg in der ebenso überflüssigen Fremdschamsendung „The Voice of Germany“ in Stockholm mit, wie es sich für Germany eben so gehört, weiterem englischsprachigem Dudelpop versuchen, anlässlich des diesjährigen schrecklich bedeutsamen „Eurovision Song Contests“ Deutschland wieder einmal zu einer Siegernation zu machen.

Inwiefern „ganz Deutschland“ sich darüber nun freuen sollte oder nicht, möchte ich hier eigentlich nicht weiter diskutieren, weil ich mich wohl nur wiederholte; allein sah ich heute im lokalen Quatschblatt ein paraphrasiertes Gespräch mit dem Leiter der Schule der designierten Enttäuschenden, denn natürlich ist ein solcher Schulleiter geradezu als Koryphäe zu begreifen, wenn man etwas über eine Person herausfinden möchte, der also brav solches sprach:

[Sie] könne selber entscheiden, ob sie sich weiterhin beurlauben lassen wolle, sagte der Schulleiter. Alternativ könne sie, wann immer möglich, im Unterricht erscheinen und versuchen, das Abitur zu bestehen.

Natürlich gibt es Gegenbeispiele, der Frontmann von Scooter etwa – die Kirschen sind nicht wichtig – hatte einst sogar ein Studium begonnen. Aber was genau nehmen oft ganz gut ausgebildete Flüchtlinge diesem Land eigentlich weg?

ComputerIn den Nachrichten
Differenzierte Reaktionen

2014:

Bei Facebook haben auch Nutzer aus Deutschland nun 60 Möglichkeiten, Angaben zu ihrem Geschlecht zu machen – zum Beispiel „geschlechtslos“, „intersexuell“ oder „genderqueer“. (…) „Für viele ist es extrem wichtig, ihre Identität darzustellen“, erklärt Facebook-Sprecherin Tina Kulow die neue Funktion in einem „Welt“-Interview.

2016:

Ab sofort können [Facebook-]User nicht nur ihre Zustimmung, sondern auch Zuneigung, Erstaunen, Belustigung, Trauer oder Wut zu den Posts ihrer Freunde per Mausklick ausdrücken.

Denn wer hat schon mehr als sechs Emotionen?

ComputerIn den Nachrichten
Hacker, Cracker, Bauernfänger: Mein Freund, der Baum.

Eine schnelle Recherche in meinen eigenen Archiven ergab, dass ich bereits 2010 den „Bundestrojaner“ für unprima hielt; der dann aber auch bald verschwand, was mich seitdem immer wieder rhetorisch fragen ließ, was eigentlich die für ihn Verantwortlichen heute machen.

Inzwischen weiß ich es: Er ist wieder da, und wie durch einen merkwürdigen Zufall erschien gleichzeitig auch Gerhart Baum (F.D.P.; fragt mal eure Eltern) wieder im kollektiven Bewusstsein, um seine Meinung dazu kundzutun:

Der Staat wird ja hier zum Hacker. Das ist das Problem.

Das „Problem“ sehe ich persönlich nicht darin, dass der Staat „zum Hacker“ wird. Hacker tun niemandem etwas, Hacker geben sich mit Fertigsoftware auch eher ungern ab. Hacker gehen kreativ mit Technik um, um der Gesellschaft im Bestfall nützlich zu sein. Ein Staat, der aus alten Panzern digital beleuchtbare Whiskeyregale zimmerte, wäre ein Staat, der zum „Hacker“ wird. Ein Staat, der Trojaner einsetzt, wie es zu meiner Zeit picklige Fünfzehnjährige getan haben, um damit aus bloßer Freude am Destruktiven Schaden anzurichten, ist wie auch jeder andere Staat, der irgendwelche Vorkehrungen trifft, um zu verhindern, dass seine Einwohner Geheimnisse vor ihm zu haben versuchen, kein Hacker, sondern ein Unrechtsstaat.

Hacker sind diejenigen Menschen, an denen es nun ist, ihrerseits Abwehrmaßnahmen zu entwickeln.

Weiter im Text:

Hat er eine eigene Hacker-Technologie, oder kauft er sie von Kriminellen, um Sicherheitslücken auszunutzen, oder fordert er sogar Unternehmen auf, wie jetzt Apple unter Druck ist, diese Hintertüren zu offenbaren, die dann allerdings nicht nur dem Staat offen stehen, sondern auch anderen, zum Beispiel Kriminellen.

Oh, so eine (vorausgesetzt: funktionstüchtige) Überwachungssoftware ermöglicht es auch „zum Beispiel“ Kriminellen, mein Recht auf Datenschutz und Privatsphäre zu missachten? Jetzt mal rein aus Jux: Wem denn sonst?

Wer nun annimmt, dass Gerhart Baum eigentlich gar nicht verstanden hat, was so ein Trojaner mit Bürgerrechten zu tun hat: Doch, das hat er. Er gibt sogar einen guten Ratschlag:

Ich möchte genau wissen, dass mit diesem Trojaner kein Missbrauch getrieben werden kann, und das ist mein Grundrecht auf Gewährleistung und Vertraulichkeit der Integrität informationstechnischer Systeme. (…) Ich, der Bürger, muss mich darauf verlassen können, dass die Technik einwandfrei funktioniert und nicht gegen mich arbeitet.

Will heißen: Gerhart Baum als Bürger möchte von einer Software, die einzig dem Zweck dient, seine Grundrechte einzuschränken, die Sicherheit haben, dass sie nicht gegen ihn arbeitet.

Den Herrn sollte man tunlichst genau im Auge behalten, wie mir scheint.

ComputerIn den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusikPolitik
Jethro Tull – Bourée

MontagskauzMontag. Nein, Moment: Montag! Welch famoser Kontrast ein verregneter Montag doch ist, wenn man das Wochenende stattdessen zu zweit verbrachte! Dieses Unterangebot an Sonntagen, übrigens, gilt es vom freien Markt baldmöglichst zu korrigieren.

Apropos Sonntag: Auf dem Bundesparteitag der Piratenpartei Deutschland, der gestern endete, hatte ein Organisator der AG SingleMalt einen Antrag eingereicht, der prompt angenommen wurde: Die Parteiprogramme sollen künftig geschlechtersensible Sprache berücksichtigen. Schade, dass der gute Ruf von Whiskey darunter leiden muss, denn nüchtern kommt hoffentlich niemand auf so eine beknackte Idee. Und die Netzpolitik? Nun ja: Über 5.000 Menschen in Deutschland sind stündlich so doof, dass sie alles anklicken, was wie eine Datei aussieht. „heise online“ rät zu mehr Sicherheitsupdates, ich rate unverändert zu einem Pflichtführerschein für das Internet.

Keine Sorge, es gibt Schüsslersalze gegen Leichtgläubigkeit. Wenn es schon anderweitig an Sicherheitsmaßnahmen gegen Idiotie mangelt: Jeb Bush, weder klügerer noch talentierterer ehemals potenzieller Nachfolger des Nachfolgers von George W. Bush, twitterte vor nicht allzu langer Zeit ein Symbolbild für Amerika, namentlich eine Waffe mit seinem Namen darauf, denn wenn so ein Amerikaner etwas wählen kann, was tötet, dann macht er das auch, weshalb die dortige „Cosmopolitan“ ihren Leserinnen nicht etwa dazu rät, von Waffenträgern fernzubleiben, sondern sich nur auf solche einzulassen, die einen Waffenschein besitzen. Die meucheln nicht, die wollen nur spielen.

Die deutsche „JOY“ indes – die mit Emma Watson vorne drauf – stellt fest: „Fell-Klamotten machen Männer verrückt!“ (Seite 52). Ob ich mich über eine Frau mit Plüschpantoffeln nicht eher köstlich amüsierte als dadurch verrückt zu werden, möchte ich nicht klar beurteilen können, beschränke mich somit auf die Feststellung, dass ich Informationen über die Männer total stier („kann je nach Kontext entweder supergut oder superblöde bedeuten“, Seite 49) finde.

Ebenfalls total stier: Jethro Tull.

Jethro Tull – Bourée, TV Broadcast 1999 HD

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Kula Shaker – K 2.0

Kula Shaker - K 2.0Ein Jahr kann anscheinend gar nicht so jung sein, dass es nicht schon musikalisch zu begeistern wüsste. Nach dem etwas mauen Anfang des Jahres 2016 mit dem schnarchlangweiligen Sternenalbum des grotesken Popstars David Bowie kommt aktuell aus, immerhin, Großbritannien etwas Abwechslung ins Heim, namentlich das neue Album „K 2.0“ des Quartetts Kula Shaker.

Man möge sich nicht täuschen lassen: Die angebliche Magie des Buchstaben „K“, die die Bandgeschichte seit der frühen Umbenennung in „The Kays“ begleitet, mag in diesen Titel eingeflossen sein, eine bloße Fortsetzung oder gar Neueinspielung des nunmehr zwanzigjährigen Debütalbums „K“ aber ist hier nicht erfolgt. Das wäre auch zu einfach. Alte Stärken aber bleiben bestehen.

Mit „Infinite Sun“ eröffnen indische Klänge wie einst bei den Beatles das Album, ein Chor singt indianische Weisen und neuheidnisches Liedgut: We are one in the infinite sun / fly like an eagle // She changes everything she touches / and everything she touches changes. Esoterisch? Nein. Abgedreht? Natürlich!

Die Beatles, apropos, sind hier ohnehin allgegenwärtig, vielleicht auch, weil Crispian Mills mitunter gesanglich nicht allzu weit von John Lennon entfernt ist. Von Eintönigkeit auszugehen täte Kula Shaker trotzdem Unrecht: Auf „K 2.0“ stehen Psychedelic Rock („Infinite Sun“), Funkrock („Get Right Get Ready“), Country („Death Of Democracy“, trotzdem ganz in Ordnung) und der beinahe unvermeidliche Britpop („Mountain Lifter“) harmonisch nebeneinander wie sonst nur weniges.

Kula Shaker – Infinite Sun

Jetzt bloß nicht nachlassen, 2016.

Nerdkrams
„Sicherer als Windows“ des Tages (1)

(Vorbemerkung: Dies ist der Auftakt zu einer losen Reihe, die wieder einmal nur meinem kindischen Vergnügen dient.)

Na, auch Linux statt Windows zu Hause?

Dann patcht mal schön eure glibc!

In den NachrichtenMontagsmusik
Maserati – Monoliths

Nicht im Bild: KäuzchenWelch ein Montag, welch ein Fest. Valentin hieß Karl und mehr möchte man nicht wissen müssen. Zu zweit ist Tristesse fast auszuhalten und Verliebtheit sowieso.

Das Fernsehen aber nur schwerlich. Laut den Nachrichten, die ja gelegentlich ihre eigene Metaebene bilden, diskutierten kürzlich diverse Berufsschwätzer bei einer Frau Anne Will – von meinen Gebühren!!1 – ebendort über die Frage, ob Großmächte moralisch handelten. Ganz schön viel Sendezeit für ein einfaches „Nö, lol“. Andererseits scheint anlässlich der dortigen Kämpfe zwischen Sympathisanten der Leute mit prima Bomben („dem Westen“) und Sympathisanten der Leute mit weniger prima Bomben („den Russen“) manchmal nicht völlig klar, wer nun eigentlich für das Gute demonstriert.

Früher hatte das, was mancher unter einer Demonstration verstehen mag, wenigstens noch einen klangvollen Namen, heute heißt eine solche, wie jüngst in Augsburg, zum Beispiel Amore statt Peng Peng. Glotz glotz, nix kapier. Sackhüpfen gegen Rechts. Sollte sich bis dahin noch ein halbwegs Erwachsener unter den Anwesenden befunden haben, so hat man danach vermutlich nie wieder etwas von ihm gehört.

Von wem man übrigens allerdings wirklich mal wieder mehr hören sollte, sind Maserati. Fangen wir doch gleich heute damit an.

Maserati – Monoliths (Live on KEXP)

Guten Morgen.

Sonstiges
Medienkritik in Kürze: Huiiiiiii!

Kühe machen „muuuuuuuuh“, Enten machen „naaaaaaak“, Pinguine machen „quäääääk“.

Und Sterne?

Richtig, „SPIEGEL“ (7/2016):

SPIEGEL 7-2016

Brummmm!

(Abt.: „Was kennt ihr für Sternbilder?“ – „Großer Bär!“ – „Perfekt!“)

In den NachrichtenNerdkramsWirtschaft
Tweetwachstum / Schrödingers Boolean

Und dann war da noch Twitter.

Das damalige Nebenprodukt einer eigentlich ganz anderen Software, das 2006 als eine Art „SMS fürs Web“ entwickelt wurde, fand mit seinem simplen Konzept sehr schnell Abnehmer, also Nutzer; dies wohl auch, weil es ein einigermaßen eigenständiges Ziel verfolgte und nicht versuchte, ein besseres MySpace, StudiVZ, Friendster oder mittlerweile Facebook zu sein. Offene APIs sorgten für eine ungeahnte Vielzahl an „alternativen“ Twitterclients (zum Beispiel für meinen), das Echtzeitmodell ließ Twitter mitunter zu einem wichtigeren Nachrichtenportal werden als Nachrichtenportale selbst.

Ärgerlich am „Wachstum“ eines solchen Dienstes aber sind, von den Folgen für potenzielle Konkurrenz wie GNU Social – Kennt ihr nicht? Seht ihr! – einmal abgesehen, für ihn selbst zwei Faktoren: Zum Einen ist exponenzieller Zuwachs an Benutzern irgendwann unrealistisch bis unmöglich, was ein Problem ist, das sich Twitter immerhin mit den Herstellern von Mobiltelefonen teilt, es hat eben kaum ein Mensch mehr als nur zwei Ohren; zum Anderen kann ein Unternehmen mit solchem Personal und solcher technischer Infrastruktur nicht beliebig lange damit rechnen, dass man von gutgläubigen Investoren leben kann. Gerade, wenn man wie Twitter ohne ein funktionierendes Geschäftsmodell den Börsengang wagt, wird die Lage mit der Zeit selten entspannter.

Nun hätte Twitter einfach den logischen Schritt vollziehen und bezahlte Konten einführen können, die dann zum Beispiel animierte Avatare oder sonstige für die meisten Menschen völlig egale Extras als Belohnung bekommen hätten. Stattdessen hat man sich bei Twitter angesehen, was (erster Fehler) der Marktführer Facebook so anders macht als man selbst, und (zweiter Fehler) beschlossen, dass einiges dort genau das ist, was Twitter, das überhaupt nicht versucht hatte, ein „soziales Netzwerk“ zu sein, dringend brauche. Anstupsen war es bedauerlicherweise nicht.

Twitter bekam also ein neues Aussehen, geschwätzigere Benutzerprofile, die Möglichkeit, sich in Direktnachrichten ohne die übliche Begrenzung auf 140 Zeichen auszudrücken, und nun endlich auch die Funktion, kein Echtzeitmedium mehr zu sein: Man kann Tweets jetzt nach Relevanz sortieren, wohlgemerkt: nach der von Twitter geschätzten Relevanz, was ungefähr „je mehr Leute einem Benutzer folgen, desto relevanter ist sein Sermon“ bedeutet. Dass diese Option nicht nur abschaltbar, sondern auch standardmäßig deaktiviert ist, sich für bestehende Nutzer also bis auf Weiteres nichts ändert, milderte die Protestwelle kaum ab. Wieder einmal ist Twitter „endgültig“ gestorben, wieder einmal werden obskure Alternativen als die künftige Heimat ganz Twitters angepriesen; beginnend mit nächster Woche werden diese Alternativen dann allesamt wieder Staub ansetzen, weil ein Nichttwitter eben keinen Spaß macht, wenn man dort ganz allein lustig ist.

Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte: Die Nutzerzahl von Twitter stagniert, und das hat durchaus Gründe, die nichts damit zu tun haben, dass Twitternutzer eigentlich lieber bei Facebook wären.

Warum führt Twitter nicht endlich auch Glücksnüsse ein? :motz:


Apropos :motz::

Computer sind prima, weil sie binär funktionieren und es nur richtig und falsch gibt, richtig?

Falsch!

Ein Programm hat, grob zusammengefasst, zwei mögliche Zustände beim Beenden, nämlich true (alles hat funktioniert) oder false (irgendwas lief beim Ausführen schief), dabei entspricht der Rückgabewert 0 oder „gar nichts“ in der Regel true und jede größere Zahl false. Das true-Programm (true.c) aus dem GNU-Projekt – das ist das, mit dem sich Linuxnutzer angeblich herumärgern müssen – lässt das aber offen:

true ist unter handelsüblichem Linux also entweder true oder false, das ist Definitionssache. :mrgreen: Dass für eine derartige Aufgabe 80 Zeilen nötig sind, erklärt sich überwiegend daraus, dass ja Versions- und Hilfeausgaben nötig sind, falls der Benutzer mal nicht weiß, welche Version von „gib 0 zurück“ er nun eigentlich verwendet.

Falls sich das mal ändert oder so.

(teilweise via @ixception)

In den Nachrichten
Christliche Pappnasen (Nachtrag): Nous sommes le carnaval!

Erinnert sich noch jemand an das witzige Komikerduo „Erkan und Stefan“, das vor nicht besonders langer Zeit – also vor ungefähr 34 Jugendsprachen – die so genannte „Kanak-Sprak“ zum witzigen Stilmittel erhob und damit durchaus vergleichsweise erfolgreich war?

Erkan und Stefan – Respektive Berufe – Türsteher

Florian „Stefan“ Simbeck macht inzwischen etwas Seriöseres, er regt sich zum Beispiel im Web über Karnevalswagen auf:

Der Faschingsumzug im oberbayerischen Steinkirchen beschäftigt nun auch die Ermittlungsbehörden in Oberbayern: Sie ermitteln wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Bei dem Umzug fuhr auch ein als Panzer dekorierter Wagen mit den Aufschriften „Ilmtaler Asylabwehr“ und „Asylpaket III“.

Die Botschaft hinter dem Wagen wie auch hinter vielen ähnlichen – Mario Sixtus, der vom Charliesein nichts hält, verteilte erstaunlich wenig wortreich Inflektive darüber – ist offensichtlich eine Satire auf die gegenwärtige Entwicklung hin zu einer restriktiveren Asylpolitik. Das hätte Mario Sixtus und den Ermittlungsbehörden natürlich mal jemand sagen können, dass Karnevalsumzüge oftmals bissige Kritik an der Politik des Landes thematisieren und nicht nur allenfalls für sehr betrunkene Menschen gerade noch mittellustige Furzwitzfeiern sind. Was Satire davor schützt, zum Instrument irgendeiner Herrschaft zu werden, ist ja gerade ihr pubertär-anarchistischer Geist, der über alles seine Witze reißen will. Ein anderes Medium empfiehlt scheinironisch die Einrichtung eines Satireministeriums, um erlaubte (also solche, an der sich niemand stößt) von unerlaubter Satire zu trennen, was es immerhin von der Ägide des bisher letzten Reichspropagandaministers („Der politische Witz wird ausgerottet“, Februar 1939) unterscheidet, der das offensichtlich auch nicht besonders ironisch gemeint hat.

Nein, vom Terrorismus lassen „wir“ – der Westen – uns die Späße nicht verbieten. Wir bringen die Späße schon vorher in Sicherheit.

Montagsmusik
3epkano – Here’s Hoping

Und die Eule blickte stumm...Es ist Montag und so fühlt er sich auch an, was aber nicht so sehr ins Gewicht fällt, da man seinen Sonntag schon am Sonnabend hatte und überhaupt gerade alles durcheinander scheint, insbesondere der Kopf. Visionen retten nicht alles, oft nicht einmal ihren Besitzer. Letzte Ausfahrt: Anschmiegen mit Fingerspitzen(-)gefühl. (Und dann: Wohnmobil einparken und nicht mehr wegfahren.) Welch feine Narretei. Alaaf, helau!

Aus der Welt der Computerei gibt es derweil Folgendes zu vermelden: In einen Lenovo-Laptop einen Drittanbieter-Akku einzubauen ist nur so lange eine gute Idee, bis man ihn laden möchte; das geht nämlich nicht, ohne den Akkucontroller zu patchen. Offensichtlich werfen Lenovo-Akkus derart hohe Gewinne ab, dass eine Aufrechterhaltung der Verkaufszahlen auch zu Ungunsten der bereits zahlenden Kunden geboten ist. Vielleicht sollte man sich von Lenovo sowieso fernhalten. Wer nun aber stattdessen zu einem Apple-Gerät greifen möchte, der sollte auch lieber spendabel sein: Nicht autorisierte Reparaturen werden bestraft.

Anderes bestraft indes der Weltgeist: In Pisa starb der Schauspieler Raphael („Michael“, faz.net) Schumacher, indem er sich in einer inszenierten Erhängen-Szene tatsächlich selbst erhängte. Es hätte schlimmer kommen können: Das ursprüngliche Skript sah Tod durch Erschießen vor.

Draußen und in Livemedien tobt der Karneval, aber das Alternativangebot für diejenigen, die nicht mittoben möchten, könnte gar nicht groß genug sein. Ich trage mein Scherflein bei. Die Kopfhörer auf dem Kopf, den Partner zur Seite, die Augen geschlossen und die Klappe einfach auch mal.

Here's Hoping – 3epkano

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitikWirtschaft
Terrorgeld

Das hat Allzwecklosminister Schäuble schon richtig erkannt: Wer in diesem Land trotz der horrenden Steuern, der Inflation und der Mietpreise noch über eine nennenswerte Summe Bargeldes verfügt, der macht bestimmt was Anrüchiges.

Nur solle die Geldwäsche besser bekämpft werden. Und deshalb erwägt das Ressort von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), eine Obergrenze für Bargeldgeschäfte von 5.000 Euro einzuführen. (…) Bei dem Vorstoß, Zahlungen oberhalb einer gewissen Grenze verpflichtend per Überweisung vorzunehmen, gehe es nicht um die Abschaffung des Bargeldes, sondern um die Bekämpfung von Geldwäsche und Steuerbetrug im großen Stil.

Geldtransfers mit größeren Beträgen sind also künftig bevorzugt virtuell vorzunehmen. Angst vor Überwachung? So ein Quatsch. Die USA haben doch versprochen, in Zukunft ein bisschen reuiger zu gucken, wenn ihre Geheimdienste bei der Arbeit ertappt werden. Auch eine Art von Moral.

Seid erkennbar; wichtiger noch: seid verfolgbar! Es ist ja zu unser aller Wohl. Es wird die meisten Verbrechen effizient verhindern, wenn etwa durch unsaubere Geschäfte erworbenes Geld nur noch in Koffern ausgetauscht werden kann, die höchstens 5.000 Euro beinhalten. Mehr geht nicht, mehr ist ja verboten.

So viel Geld lässt sich, weiß Gott, nicht mit etwas Gutem verdienen.
Friedrich Schiller: „Kabale und Liebe“