In den NachrichtenPolitik
Kurz angemerkt zur #noNPoG-Demonstration

Dass nur wenige Tage nach der enttäuschenden Demonstration „Save Your Internet“, bei der deutschlandweit eigentlich peinlich kleine Gruppen gegen die geplanten „Uploadfilter“ der EU protestierten, heute allein ausgerechnet in Hannover sowohl 12.000 oder 13.000 als auch 15.000, auf jeden Fall aber recht viele Menschen gegen eine Ausweitung der niedersächsischen Polizeibefugnisse oder, wie es erfahrene Teilnehmer in hoffentlich konstruktiver Absicht formulierten, sowohl „gegen Bullen“ als auch „für Kommunismus“ (denn wenn eins die Demokratie retten kann, dann ja wohl Kommunismus) ihre Stimme bei sehr anstrengender Musik zu sehr anstrengenden Parolen erhoben, ist so beängstigend, denn es zeigt, dass es um die Netzpolitik noch übler steht als bisher angenommen, wie verständlich, denn gegen „das Polizeigesetz“ – Jura zu verstehen hätte wohl die Stimmung gestört – können auch jene auf die Straße gebracht werden, deren einzige politische Motivation Hass („Ganz Niedersachsen hasst das Polizeigesetz“, so ähnlich dröhnte es vom Lautsprecherwagen der Parteien) und Gewalt sind und die Ursache und Wirkung lieber gar nicht begreifen wollen, was erklärt, warum ein großer Block der wiederholt als wenig verständig aufgefallenen „Jusos“ unter den Protestanten war, die so eigentlich gegen etwas protestiert haben, was sie selbst zu verantworten haben, aber eine Distanzierung von der SPD wäre ja mit Rückgrat verbunden und das würde sicherlich zu einer Störung im Raum-Zeit-Kontinuum führen; allerdings zeigte sich abermals, wie viel doch verloren geht, indem man niemanden mehr fragt, der sich auskennt, denn von denen, die die lautesten Parolen gegen „den Niedersachsentrojaner“ brüllten, wüsste vermutlich nicht einer, wie er sich gegen eine Infektion mit demselben schützen könnte, weil die EDV-Kompetenz im gemeinen Volk höchstens noch zum Treppenwitz genügt – und das ist ein bildungspolitisches Problem, das mit Flaggen und Pyrotechnik doch merklich weniger effizient zu lösen ist als mit Aufklärung, Geduld und Willenskraft, insbesondere mit der unseren, denn es reicht nicht, etwas zu verbergen zu haben: man sollte es auch können wollen.

NetzfundstückePersönliches
Heroin gegen Drogentote

In der leidigen Diskussion über ein Für und Wider der Freigabe von wirksamem Cannabis für die rezeptlose Allgemeinheit möchte ich es mir oft nicht nehmen lassen, den Gegenvorschlag einzubringen, dass eine vernünftige Drogenpolitik eine solche wäre, die alles erlaubt, was nur dem Konsumenten schadet, also keinen Passivkonsum durch Passanten legitimiert. Das Recht auf Selbstbestimmung muss immer auch ein Recht auf Selbstzerstörung sein, jedoch dort enden, wo Unbeteiligte einen Schaden nehmen.

Demzufolge befürworte ich, Steuergewinne hin oder her, dass erstens in den eigenen vier Wänden, Publikum natürlich als abwesend vorausgesetzt, erlaubt sein möge, was Freude macht, und zweitens, dass, wenn man schon unbedingt (worüber zu sprechen sein wird) irgendwas gesetzlich unterbinden will, Cannabis (und dieses eklige Zeug in diesen Shishabars) durchaus mit Tabak gleichgestellt werde, indem der Besitz und öffentliche Konsum von Tabak (und diesem ekligen Zeug in diesen Shishabars) nämlich gleichermaßen verboten sei, während Heroin und Kokain, die sich dadurch auszeichnen, keinen Umstehenden vollzustinken, den gleichen rechtlichen Stand zu haben haben wie Alkohol: so lange die Leute ihren Müll (Glas hier, Spritzen dort) wieder wegräumen, tut’s keinem weh.

Normalerweise werde ich dann als Spinner belächelt. Künftig wird man mich vermutlich eher einen Schweizversteher nennen: Auf Twitter (hier besser lesbar) wurde gestern Abend darüber berichtet, dass, seit die Schweiz Heroinsüchtigen den Konsum von Heroin erlaubt, die Anzahl der Herointoten deutlich zurückgegangen sei. Ob ein Überleben von noch mehr Menschen aus Naturschutzsicht wünschenswert sei, bleibt an dieser Stelle absichtlich ungefragt.

Jedenfalls bis auf Weiteres.

Politik
CSU warnt erschrocken: Liberale Parteien sind nicht konservativ!

Und dann war da noch die traditionell christlich-soziale Partei CSU, der in etwas über einem Monat überraschend eine Landtagswahl droht, weshalb sie hektisch nach Gründen sucht, warum man sie anstelle anderer Parteien wählen sollte.

Ihr Hauptkonkurrent scheint die bayrische F.D.P. zu sein. Über welche Partei das was aussagt, weiß ich nicht. Die CSU jedenfalls hat sich hierfür einen „Arguliner“, also einen Spickzettel mit prima Argumenten, falls man mal selber keine mehr weiß, zusammentippen (lokale Kopie) lassen. In diesem Arguliner steht manch konservatives Geschwall, etwa:

Die Abschaffung des Sonntagsschutzes widerspricht der bayerischen Lebensart.

Und:

Die FDP lehnt den Begriff der Leitkultur ab. Als Bündnispartner von NoPAG demonstriert sie mit linksradikalen Multikulti-Fans gegen die Ordnung und Begrenzung der Zuwanderung.

In diesem Arguliner stehen außerdem Dinge, die erst dann ihre volle Wirkung entfalten, wenn man das Beziehungsleben einiger bekannter CSU-Politiker wenigstens oberflächlich verfolgt, darunter:

Die FDP wertet die klassische Familie ab und wendet sich gegen die Mehrheit unserer Gesellschaft.

Bis jetzt könnten einige unbelehrbare Wähler Bayerns noch der Ansicht sein, die F.D.P. sei also eigentlich gar nicht so schlimm. Aber halt: Nicht nur demonstriert diese mit Linksradikalen zusammen gegen Dinge, sondern außerdem nehmen die da alle Drogen!

Die FDP ist für die Legalisierung von Cannabis und somit für die Legalisierung einer Einstiegsdroge.

Und bei Einstiegsdrogen hört der Spaß für die CSU au-

Foto: Peter Kneffel dpa/lby

ach, schon gut.


Die Konkurrenzgruppe „Jusos in der SPD“ teilt derweil mit: „Linke Politik beginnt immer mit einer Haltung und niemals mit der Frage, welche Haltung gerade mehrheitsfähig sein könnte.“ Diese Information sollte man stets griffbereit haben, wenn wieder jemand von der SPD behauptet, sie sei links.

In den NachrichtenPolitik
Annahmen zum Linkssein (6): Das Volk sind andere.

Ab wie vielen potenziellen Wählern, denen man die Partei entzieht, die parlamentarische Demokratie nicht mehr gerettet, sondern entwertet ist, ist angesichts des sonstwie begründbaren Verbots von bisher zwei nachkriegsdeutschen Parteien, beide eher von der außenrandigen Sorte, leicht beantwortet: Ihre Zahl ist die Eins. Wem nur zur Wahl steht, was er nicht wählen möchte, der hat keine Wahl.

Unklar bleibt derweil, wer nun eigentlich das Volk ist. Die sterbende Sozialdemokratie (16 Prozent) behauptet jedenfalls emsig, die mit den 17 Prozent seien’s keinesfalls. Im „nachträglichen Widerstand“ (D. Wegner) sind sie einander die Nächsten. Einig sind sich alle: Keineswegs ist unter dem Volk die Gesamtheit der Wahlberechtigten zu verstehen. Mit denen da will man kein Volk sein.

Die Kapitulation hat nicht bloß begonnen, sie ist vollendet. Eine postweimarsche Revolution – Korrelation, nicht Kausalität – blieb aus. Deutschland geht es gut. 54, 74, 90, 14. In Chemnitz singen sie schon wieder.

In den NachrichtenMontagsmusik
Jaguwar – Crystal

Wie man sich halt so fühlt.Es ist Montag. Orrr! Auf der Habenseite steht, dass es nur noch vier volle Tage bis zum nächsten Wochenende sind. In Ermangelung eines Pandabären: Endlich ausschlafen!

Auch woanders ist man ausgeschlafen: In Chemnitz etwa scheint eine Veranstaltung namens „Frieden wahren“ selbigen bewaffnet durchsetzen wollen zu haben. Schlechtes Vorbild SPD. – Die es ethisch gerade auch nicht leicht hat: Wie „SPIEGEL ONLINE“ berichtete (Vorsicht: Archivversion von „SPIEGEL ONLINE“!), erwägt ein SPD-Minister das von ihr und den schrecklichen „Grünen“ eingeführte Arbeitslosengeld „Hartz IV“ in Bayern im Streit mit der CSU zu einem noch größeren Problem zu machen als bisher. Die san die, ich war’s nicht.

Die Suche nach einem Schuldigen ist wenigstens medial schnell geklärt: Vorsicht vor tödlichen Autos! Die sich in letzter Zeit häufiger mit Reklame in Verbindung bringende Mozilla-Stiftung macht derweil eine Rolle rückwärts, wenn auch nur virtuell und nicht tatsächlich, was sicherlich lustig aussähe, und wird demnächst noch etwas mehr gegen Reklame tun. Schade um das schöne Geschäftsmodell.

Was zwar keine Werbung braucht, von mir aber trotzdem mit Vergnügen bekommt: Musik.

JAGUWAR – Crystal (official video)

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Emma Ruth Rundle – Marked for Death

Emma Ruth Rundle - Marked for DeathLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Gelegentlich hat auch ein durchweg als witzig auftretender Mensch, wie ich es bin, so seine Momente. Manchmal entstehen dann bedauerliche Prosatexte, dumme Tweets oder ärgerliche Exzesse, meist aber ist die gute, alte Musik da. Musik lässt nie allein, Musik fragt nicht, Musik stellt keine unangenehmen Fragen. Ich würde Musik heiraten, wenn ich das Konzept der Heirat nicht für eine Verzweiflungstat hielte. „Marked for Death“ (Amazon.de, TIDAL, Bandcamp) gäbe andernfalls eine gute Ehemusik ab.

Die Interpretin besagten Albums, 2016 erschienen (das Album, nicht die Interpretin), ist Emma Ruth Rundle, eine demnächst 35-jährige „US-amerikanische Sängerin, Songschreiberin und Gitarristin“, wie die deutschsprachige Wikipedia zu vermelden hat. Unter anderem ist sie Mitglied der Red Sparowes, einer Postrockband, die vor allem mit recht langen Albumstiteln auf sich aufmerksam macht. Privat macht sie ähnlich dichte, jedoch stimmungsvollere Musik mit einerseits sakralen Titeln, andererseits jedoch einer Atmosphäre, die ein Ignorieren der Texte sowieso bewusst oder unbewusst herbeiführt. Es geht um das Überhaupt und nicht um das Wie.

Emma Ruth Rundle – Heaven (Official Audio)

Keine Band, nur Gesang und Gitarre. Braucht man mehr? Ich brauche nicht mehr. Auf dem Coverbild sieht die Musikerin so aus wie sie hier klingt. Das liegt schwer im Magen und das soll es auch. Das Leben ist ja kein Pferdedingsbums.

Emma Ruth Rundle – Furious Angel (Official Audio)

Kaufen und Hören sind somit empfohlen. Und dazu: Atmen, unbedingt.

Netzfundstücke
Die neuen Lauchwörter sind da!

Vor über zehn Jahren, als ich selbst noch nicht so ein abgeklärter alter Sack war wie heute, konnte ich es nicht immer verhindern, mit der jeweils aktuellen Jugendsprache konfrontiert zu werden. In den Kreisen, in denen ich mich damals bewegte, war gerade ein türkisches Lehnwort im Kommen: „tschüüsch“, eigentlich wohl „çüş“ geschrieben (aber wer kann schon Türkisch schreiben?), hieß so viel wie „huch!“, „echt wahr?“ oder – leider viel zu oft – „erzähle uns mehr darüber!“.

Warum ich das ausgerechnet heute erzähle? Nun, der Langenscheidt-Verlag, zuverlässiger Garant für Stuss, hat wieder „ein Voting“, so die Website (aus Archivgründen archivierte Version), „am Start“, mithilfe dessen bis zum 16. November das „Jugendwort des Jahres 2018“ ermittelt werden soll. ‘Die neuen Lauchwörter sind da!’ weiterlesen »

In den NachrichtenNerdkrams
Als „ZEIT ONLINE“ einmal nicht verstand, wie Suchmaschinen funktionieren

Und dann war da noch das ehemals in europäischem, inzwischen jedoch US-amerikanischem Sinne liberale Onlinemagazin „ZEIT ONLINE“, das sich über den US-amerikanischen Präsidenten folgendermaßen beömmelte:

US-Präsident Donald Trump wirft dem Internetkonzern Google vor, konservative Medien und damit positive Berichte über ihn zu unterdrücken. (…) Beweise für seine Vorwürfe nannte Trump nicht. (…) Google dementierte die Angaben des Präsidenten. „Wir stufen Suchergebnisse niemals ein, um die politische Stimmung zu manipulieren“, teilte der im kalifornischen Mountain View ansässige Konzern mit. (…) Experten legten nahe, dass Trump möglicherweise nicht verstehe, wie Suchmaschinen funktionieren.

Haha, dieser Trottel. Der versteht einfach nicht, dass Goog-

Eric Schmidt, Chef der Google-Holding Alphabet, möchte auf das zu häufige Auftauchen der russischen News-Seiten Russia Today (RT) und Sputnik bei Suchanfragen mit einem niedrigeren Ranking antworten.

Das ist aber dumm jetzt.

Sonstiges
Medienkritik in Kürze: Wer hat sich auf der Uhr gedreht?

Ach, „Cosmopolitan“!

Cosmopolitan September 2018

Ich bin dir und deiner Redaktion (14 Instagramfotos in den letzten zwei Tagen) sehr dankbar für den von dir zitierten Hinweis von Christian Weilmeier („Social-Media-Experte“, hat also wahrscheinlich ein Konto bei Facebook oder so), wer Zeit habe, „15 Insta-Storys zu machen“ (was immer das jetzt wieder ist), könne „keinen echten Spaß haben“ (Seite 40). Auch habe ich herzlich über den Artikel „Wellness für die Vagina“ (Seiten 93 bis 95) gelacht, denn nicht nur die Überschrift ist lächerlich, auch die vorgeschlagenen Übungen erscheinen mir als Nichtvaginabesitzer wie ein absurdes Theaterstück:

Auf dem Bauch liegend eine gemütliche Position finden und sich vorstellen, dass die Hüfte auf einer Uhr liegt. Dann geht’s im Uhrzeigersinn zur Eins, Zwei, Drei, (sic! A.d.V.) usw. Danach gegen den Uhrzeigersinn.

Bzw.:

„Das Programm mit ‚Pussy fühlen‘ starten“, rät Coco Berlin. Also gemütlich hinlegen, Moment genießen und mit etwas Gleitgel oder Öl den Zeigefinger in Ihre Vagina führen. Spüren, was sich im Inneren tut und wie man sich dabei fühlt. Nach 10 bis 15 Minuten (erst dann!) rausnehmen.

Und überhaupt:

Beim Vajacial handelt es sich um ein Facial für die Vagina. Die Beauty-Behandlung beinhaltet Reinigung, Peeling und Maske. Optional gibt’s eine Bleichcreme auf die dunkle Partie der Schamlippen.

Aber ist es dann noch sonderlich klug von dir, deinen Autor Max König (Seite 104) vorschlagen zu lassen, man solle, statt „den Kindern“ die „Sache mit dem Sex“ zu erklären, dies doch lieber die (womöglich dich, „Cosmopolitan“, lesende) Mutter erledigen lassen?

KaufbefehleMontagsmusik
Kurzkritik: Cojones – Sunrise

Cojones - SunriseLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Cojones, wir brauchen Cojones! Trotz des Namens stammen Cojones aus Kroatien und haben mit dem Jahresbeginn 2010 ihr Vollzeitdebüt „Sunrise“ (Bandcamp.com) vorgelegt. Mittlerweile sind sie mit „Resonate“ (2016) beim dritten Album angekommen, aber darum soll es gerade mal nicht gehen. Es scheint sich um ein Quartett mit wechselnden Mitgliedern – lediglich Sänger Bojan Kocijan und Gitarrist Nenad Mandić scheinen seit 2006 dabei zu sein – zu handeln. Bassist Gordan Tomić ist sonst unter anderem bei den ungleich bekannteren Seven That Spells, ebenfalls aus Kroatien, am Werk. Das klingt, als wüsste die Band, was sie tut.

Und das scheint sie tatsächlich zu wissen: Unpeinlicher, obwohl englischsprachiger Gesang – etwas rauh, auch mal gebrüllt („Dreamlounge“) – begleitet voranstrebenden Stoner Rock mit angenehm brummenden Gitarren und selbstredend nur schwer zu bemängelnder Bassarbeit.

Cojones – Superskunk

So lange es noch kühler werden kann, so lange ist es für eine Portion Stoner Rock noch nicht zu spät. Die beste Zeit ist jetzt.

In den NachrichtenPolitik
Rechtfertigende Abgründe

Über den Fakt, dass in Chemnitz seit gestern offensichtlich manches nicht besonders friedlich bleibt, ließe sich sicherlich manches böse und nicht so böse Wort schreiben. Leider übernehmen dies zurzeit andere Medien schon in mehr als hinreichendem Umfang. Mir also bleibt einzig eine Frage zur Reuters-Meldung:

Den beiden Männern werde vorgeworfen, in der Nacht zum Sonntag “ohne rechtfertigenden Grund” mehrfach auf einen 35 Jahre alten Deutschen eingestochen zu haben, teilte die Behörde am Montag mit.

Wie sieht denn in Chemnitz ein rechtfertigender Grund für derlei Tun aus? Gibt es da einen Katalog? Ich meine, manchmal möchte man ja schon mal nach Chemnitz oder muss da durchfahren, da bietet es sich an, alles zu vermeiden, was ein Eingestochenwerden rechtfertigt.

Wer weiß etwas?

In den NachrichtenMontagsmusikPiratenpartei
There’s A Light – We Choose To Go To The Moon // #SaveYourInternet

Manchmal hat man eine Frisur. Es ist Montag. Der elende Idealismus treibt auch einen Freund der Ruhe gelegentlich unter Menschen, um nämlich, eine Fahne schwenkend (denn ein politisches Ziel, das sich nicht parteipolitisch vereinnahmen lässt, scheint eines zu sein, das nicht gewollt ist), Grünen und „Linken“ bei der Selbstdemontage zuzusehen, während man mit Augenmaß und Schalk im Nacken genau das rechte Maß an Zwietracht sät. Es wurde also sonntags vor einem weitgehend verlassenen Verlagsgebäude in Berlin, einer schrecklich anstrengenden Stadt, dagegen demonstriert, dass in Brüssel und Straßburg ein Gesetz erlassen werden soll. Haare sind DSGVO-relevant. Die Zukunft der Politik ist eine Zukunft der Enttäuschung. Eine Pandabärenpartei würde ich freilich wählen, aber Pandabären bewerben sich so selten als Kandidaten.

Überraschung: Auch Tesla baut keine fehlerfreien Autos, sondern welche mit Softwareproblemen. Jemand sollte mal einwandfreie Software entwickeln. Der Papst, Arbeitgeber ungezählter Herren mit Pädophilehintergrund, tut derweil endlich was gegen den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche: Er belästigt eine Heilige damit. Gedanken und Gebete, Kinder. Gedanken und Gebete.

Apropos Einwände: Während in Deutschland die Strompreise begrünt werden, sind andere Länder nicht mehr allzu weit von einem eigenen Kernkraftwerk im Garten entfernt. Die haben bestimmt nur keine Ahnung. – Andere US-Amerikaner aber auch nicht: „An der Universität Wisconsin gilt die Aussage „Ich finde, dass die qualifizierteste Person den Job bekommen sollte“ als rassenbezogene Mikroaggression und damit als rassistischer Übergriff.“

In Berlin soll entgegen früherer Planung jetzt doch keine gute Musik dazu missbraucht werden, Obdachlosen das Leben noch ein wenig schwerer zu machen. Geräusche als Waffe zu benutzen bleibt aber im Gespräch. Aus jahrelanger, schmerzvoller Erfahrung möchte ich hierzu anregen, dass sich Musik von Phil Collins als Folter durchaus eignet.

Ich selbst höre aber lieber etwas anderes und lasse gern daran teilhaben.

There's A Light – We Choose To Go To The Moon

Guten Morgen.

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Wahrheit ist irrelevant.

Donald Trump, keineswegs der schlechteste denkbare US-Präsident, hat festgestellt, dass in Südafrika offensichtlich Rassismus gegen die weiße Minderheit betrieben wird. Deutsche Medien muss man zu so etwas grundsätzlich nicht unbedingt konsultieren, der österreichische „Standard“ hat aber einen angemessenen Artikel darüber.

Jennifer Williams vom Incelblog „Vox“ findet die Sorge Donald Trumps jedenfalls ebenso wie die Redaktion der „Huffington Post“ („krude“, ebd.) ganz schlimm:

Der Präsident der Vereinigten Staaten hat gerade den Außenminister angewiesen, sich über eine Verschwörungstheorie zu informieren, die er auf Fox News gesehen hat – eine Verschwörungstheorie, die ein wesentlicher Gesprächspunkt für weiße Nationalisten und Neonazis ist.

Ob sie überhaupt wahr ist oder nicht, ist irrelevant.

(Übersetzung und Hervorhebungen von mir.)

Ach so, na dann.

MusikNetzfundstücke
Kurz angemerkt zu Eloy de Jong

Seit der ehemalige Band- und heutige Solojammerlappen Eloy de Jong („Caught in the Act“) sich in einschlägigen Quatschheftchen mit der originellen Begründung, er sei „seit 25 Jahren auf der ganzen Welt“ unter seinem Vornamen als Musiker bekannt, gegen die deutsche Psychedelic-Rock-Band Eloy, die seit 49 Jahren auf der ganzen Welt und bislang allein unter diesem Namen bekannt ist, argumentativ zu wehren versucht hat, kann ich es kaum erwarten, bis sich endlich eine mittelmäßige Schlagergruppe namens „Velvet Underground“, „Rolling Stones“ oder wenigstens „Beatles“ gründet, die bereit ist, diesen Namen vor Gericht einklagen zu wollen, denn die allgemeine Reaktion auf die zu erwartende Argumentation, man sei immerhin schon seit drei Monaten auf der ganzen Welt unter diesem Namen bekannt, wird mich sicherlich merklich amüsieren.