In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Plündern ist auch bloß Pogo.

Die scheuß­li­che „taz“, Fachmagazin für die Unkenntnis von der Funktionsweise eines Katalysators, brüllt wegen Stuttgart:

Katalysator für die Gewalt ist wohl die Tatsache, dass die Clubs in Stuttgart wegen Corona geschlos­sen sind und man­che, die man frü­her wohl Halbstarke genannt hät­te, in die­ser par­t­y­ar­men Zeit nicht wis­sen, wohin mit ihrer Körperlichkeit. 

Kennt man ja: Da lädt man drei Freunde aus einem Wohnwagen mal nicht zum Feiern ein und schon grün­den sie eine Terrororganisation. Und wie viel Tote man hät­te ver­hin­dern kön­nen, hät­te Afghanistan 2001 nur einen Tanzclub gehabt!


Trauer beim WDR: Die Vielfalt der Sprache auch im Ausdruck von Missfallen mache …

[…] es für Netzwerke wie Facebook schwer, mit „künst­li­cher Intelligenz“ dage­gen vorzugehen.

Da hilft nur noch Newspeak! :ja:

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Friends of Gas - Kein Wetter

Friends of Gas - Kein WetterLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Da ich gera­de bei 2020 war: Auch das neue Album der Friends of Gas (nach 2016) ist da (Amazon.de, Bandcamp, TIDAL) und es ist gran­di­os. Nina Walser, mitt­ler­wei­le auch als Gastsängerin bei Gewalt auf­ge­taucht, ver­leiht der gewohnt repe­ti­ti­ven Lyrik zu unge­wohnt druck­vol­lem Instrumentarium ihre ganz eige­ne Würze, die auch vier Jahre danach nichts von ihrem Reiz ver­lo­ren hat.

Textlich bleibt es im wei­ten Feld zwi­schen Existentialismus („Im Bad“) und Revolution der Psyche mit gele­gent­li­chen Ausflügen in die Liebe („Stechpalmenwald“), kei­ne Sekunde lang beglei­tet von musi­ka­li­scher Tristesse, selbst im im eigent­lich gut abge­han­ge­nen Postpunk noch­mals ein Ausrufezeichen set­zen­den „Teilchen“ über­wiegt der Bewegungsdrang des Hörers. Wie ärger­lich. Das geht doch wie­der auf die Gelenke.

Das letz­te Stück „Selber Keine“ ist über zehn Minuten lang und basiert auf der ener­gisch vor­ge­tra­ge­nen und zu sehr gei­lem Gitarrengeflimmer wie­der­hol­ten Feststellung, man sei eben­dies, näm­lich sel­ber kei­ne.

Ein Album wie „ein Waldbrand, ein Waldbrand, ein Waldbrand“ („Waldbrand“). Da wird, wie in den besun­ge­nen sozia­len Medien, nicht gelöscht. Da wird nur noch bewun­dert. Meinen Glückwunsch und mei­nen Dank.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: T E S A - C O N T R O L

TESA - CONTROLLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Dass ich tesa - inzwi­schen mit einer stei­gen­den Zahl an Leerzeichen unge­fähr „T E S A“ geschrie­ben - nach ihrem wun­der­vol­len Album „G H O S T“ ein biss­chen ver­nach­läs­sigt habe, tut mir selbst ja auch leid. 2020 - in dem Jahr, in dem sogar mei­ne Halbjahresrückschauen lei­den müs­sen - kamen sie mit „C O N T R O L“ (Amazon.de, Bandcamp, TIDAL) jeden­falls zurück in mei­ne Aufmerksamkeitssphäre und spie­len immer noch einen „groß­ar­tig groo­ven­den Postrock“ (ich wie­der­ho­le mich, wo es ange­bracht ist), der vor­he­ri­gen Alben in nichts nachsteht.

Ich hat­te ja vor zwei Wochen schon eines der Stücke hier, hier ist der Rest:

T E S A - C O N T R O L (Full Album 2020)

Endlich kann ich mir den Namen erklä­ren: Was hier gespielt wird, lässt sich Zeit und bleibt doch hän­gen. Hübsch, das.

In den NachrichtenWirtschaft
Mehrfleischsteuer

Neulich:

Um den Konsum anzu­kur­beln, hat die Bundesregierung beschlos­sen, die Mehrwertsteuer vor­über­ge­hend zu sen­ken. (…) Sie ruft die Händler dazu auf, die gesenk­te Mehrwertsteuer eins zu eins an die Verbraucher weiterzugeben.

Aber:

Einige Unternehmen haben bereits ange­kün­digt, die Senkungen nicht oder nur teil­wei­se an Verbraucher wei­ter­zu­ge­ben und den ver­rin­ger­ten Steuersatz nur auf aus­ge­wähl­te Produkte anzuwenden.

Vorgestern:

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat den Preiskampf bei Fleisch kri­ti­siert[.] „Fleisch ist zu bil­lig“, sag­te die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. (…) Konkret schla­gen die Experten dabei einen Preisaufschlag von 40 Cent pro Kilo Fleisch, zwei Cent pro Kilo Milch und pro Ei sowie 15 Cent für ein Kilo Käse oder Butter vor.

Bestimmt läuft es dies­mal ganz anders!

In den NachrichtenMontagsmusik
Spoon - Inside Out (live) // Kiffen macht wütend.

Wie, Montag?!Es ist Montag. Die cloud macht das Leben mal wie­der lie­bens­wert: Blu-ray-Spieler könn­ten mög­li­cher­wei­se nach einem Update nicht mehr so recht funk­tio­nie­ren, was sie natür­lich gegen­über dem guten, alten Videorekorder klar als Fortschritt aus­weist. Im Forum zum Artikel schrieb jemand, das sei alt­be­kannt, auch bei ihm habe ein teu­er gekauf­tes Abspielgerät irgend­wann auf­ge­hört, man­che Dinge abspie­len zu kön­nen, und er habe sich damit abge­fun­den. Ist ja auch bloß Geld und nichts von Bedeutung (zum Beispiel ein Pandabär).

Am Wochenende wur­de Stuttgart geham­burgt. Polizeiberichten zufol­ge führ­te eine Kontrolle wegen eines Joints zu einer spon­ta­nen Solidarisierung der städ­ti­schen Partyszene, und selbst unter der Annahme, dass die Existenz einer Partyszene in aus­ge­rech­net Stuttgart mehr als ein blo­ßes Hirngespinst ist, bleibt die Frage: Wenn Kiffer wegen einer Kontrolle bereits eine Stadt demo­lie­ren, soll­te man dann nicht über die Legalisierung von Cannabis, weil Kiffen psy­chisch viel unge­fähr­li­cher sei als Alkohol, noch mal kri­tisch nachdenken?

Wenige Stunden zuvor frag­te jeden­falls die „taz“, über deren künf­ti­ge Verlinkbarkeit wie­der­um ich mich kri­tisch nach­zu­den­ken ver­an­lasst sehe, wie viel Polizeigewalt ver­hin­dert wer­den könn­te, wenn Polizisten nur end­lich zwecks Kommunikation mit typi­schen Tätern Arabisch sprä­chen. Wie viel Prozent der Vorfälle die­se Ergänzung des poli­zei­li­chen Handwerkszeugs abdecken wür­de, steht sicher­heits­hal­ber aber nicht dran.

Neues vom Sturm auf die Statuen: In Gelsenkirchen habe aus­ge­rech­net die MLPD gera­de jetzt eine Leninstatue errich­tet, wird berich­tet; damit wol­le sie den Wegbereiter für „Freiheit und Demokratie für die Massen“ (MLPD) ehren. Das ist aller­dings auch das gute Recht der MLPD: Die Statue wur­de auf ihrem Privatbesitz errich­tet. Prima Sache, die­ser Privatbesitz.

Was man drin­gend auch pri­vat besit­zen soll­te: Musik.

Spoon per­for­ming „Inside Out“ Live on KCRW

Guten Morgen.

Netzfundstücke
Antifa gegen Bürgerräte

So moral­fle­xi­bel muss man sich ja als Guter auch erst mal ver­bie­gen kön­nen, dass einem als Antwort auf den Einwand, es sei womög­lich unan­ge­mes­sen, Menschen auf­grund ihres Berufs mit Abfall gleich­zu­set­zen, sofort ein­fällt, dass die Gewerkschaft der so Gescholtenen, histo­risch alles ande­re als ein Vehikel der dem Nazismus Nahestehenden, eine rech­te sei; hier­für im Übrigen mein Respekt.

In den Nachrichten
Feiertage für alle!

Im Theravada-Buddhismus gibt es einen etwa mit dem hie­si­gen Sonntag, dem jüdi­schen Sabbat und dem nud­li­gen Freitag ver­gleich­ba­ren unge­fähr wöchent­lich abge­hal­te­nen Ruhetag namens Uposatha. Wenn ich die heu­ti­gen Nachrichten rich­tig verstehe…

„Es wäre eigent­lich Zeit, dass die jüdi­schen Feiertage in den Feiertagsgesetzen aller 16 Länder auf­ge­führt wer­den und dass klar­ge­stellt wird, dass nie­mand am Schabbat und an die­sen Tagen Prüfungen able­gen muss“, sag­te Beck dem Tagesspiegel.

…, feh­len nur noch drei Religionen bis zum arbeits­frei­en Jahr. Gibt es Freiwillige?

Mir wird geschlechtPolitik
Guter-Wumms-Gesetz

Beim „SPIEGEL“ - will nicht ver­linkt wer­den - inter­viewt­wur­de Katrin Göring-Eckardt immer­hin nicht völ­lig falsch:

„Bazooka“, „Kraftpaket“, „Wumms“: Schon an der Sprache wer­de klar, für wen in der Coronakrise Politik gemacht wird, sagt die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt.

Ich fän­de das aller­dings weit bedrücken­der, wenn außer­halb der Coronakrise eine ande­re Sprache gewählt wür­de als aus­ge­rech­net der weib­li­che Gegenpart:

Nach Ansicht von Bundesfamilienministerin Giffey tref­fen das „Gute-Kita-Gesetz“ und das „Starke-Familien-Gesetz“ genau den Bedarf der Eltern.

Erstaunlich, dass im Kraftpaket kei­ne Lutschergarantie zuge­si­chert wurde.

(sie­he auch: Feynsinn)


Nachtrag vom 28. Juni 2020: Siehe auch RND.

In den NachrichtenNerdkramsWirtschaft
Open Source (Symbolmeldung)

Warum Deutschland nicht selbst über ein gro­ßes Unternehmen zur Herstellung von Smartphones ver­fü­ge, wur­de ich heu­te gefragt, und was ich gegen Open Source hät­te, frag­te man mich zuvor.

Beides beant­wor­tet zufrie­den­stel­lend Golem.de:

Die Corona-App soll bei ledig­lich 80 Prozent aller Begegnungen die Abstände kor­rekt mes­sen. (…) SAP und die Deutsche Telekom haben die App für einen Nettopreis von 20 Millionen Euro in den ver­gan­ge­nen Wochen ent­wickelt. (…) Sowohl die Vertreter der Bundesregierung als auch die betei­lig­ten Unternehmen lob­ten dabei den Open-Source-Ansatz bei der Entwicklung der App.

Nun ist natür­lich eine von T-Systems und SAP ent­wickel­te Software, die in 80 Prozent der Fälle rich­tig funk­tio­niert, trotz­dem eine erst mal erfreu­li­che Nachricht. Aber wie vie­le Schüler hät­te man eigent­lich mit 20 Millionen Euro aus 20 Prozent Fehlerquote her­aus­leh­ren können?

Doch immer­hin:

Datenverkehr, der durch die Nutzung der neu­en Corona-Warn-App anfällt, wird von deut­schen Providern nicht vom Kontingent abge­zo­gen. Das teil­te die Telekom mit.

Erstaunlich, für wel­chen Quatsch (Podcasts, Musikvideotheken, Bewegungsverfolgung) der Datenverkehr plötz­lich belie­big umfang­reich sein kann und nichts mehr kostet. Warum zahlt eigent­lich noch jemand für mehr Gigabyte mehr Geld?

In den NachrichtenMontagsmusik
Volaré - …In Two Seconds Of Time… // Vom Bachelor zum Sklavenhalter

Immer noch ein besserer Präsident als SteinmeierEs ist Montag. Die geplan­te „Corona-App“ fällt bereits jetzt dadurch auf, dass man sie sicher­heits­hal­ber nicht ein­set­zen soll­te - wie immer gut ange­leg­te Steuern also. Was man von dem Geld alles für die Pandabären hät­te tun können!

Apropos EDV: Bei Tails, einer Linuxdistribution für ver­meint­lich Sicherheitsbewusste, wur­de 2017 von Facebook eine Sicherheitslücke raus­ge­tra­gen, wonach ein Nutzer ein­ge­sperrt wur­de. Keine Sorge, es traf zum Glück nur einen Bösen und dage­gen kann ja nie­mand etwas haben, oder? Oder? - Dasselbe Facebook hält sich aber wenig­stens sonst an bekann­te Regeln einer wech­sel­haf­ten Zeit: Ein Foto von ange­ket­te­ten austra­li­schen Ureinwohnern darf dort nicht gezeigt wer­den. Wegen Sklaverei? Nein, natür­lich nicht: Wegen Nacktheit.

Wir blei­ben beim Thema: Um Rassismus zu besie­gen (oder so ähn­lich), wür­de GitHub künf­tig gern - unge­ach­tet der Tatsache, dass black­lists und white­lists mit der Hautfarbe von irgend­je­man­dem noch nie etwas zu tun hat­ten - white­lists in Erlaubelisten umbe­nen­nen und auch das Konzept eines master-Zweigs in der Entwicklung in irgend­was blö­des umbe­nen­nen, denn Sklaverei sei abge­schafft und daher ist allein die Erwähnung eines Meisters zu ver­mei­den. Ich wuss­te doch, die­se Bolognareform hat einen Haken! Man füh­re das Diplom wie­der ein und kom­me künf­tig nicht mehr auf sol­che Ideen.

In meh­re­ren deut­schen Städten demon­strier­ten gestern zahl­rei­che Menschen unter dem Motto der Unteilbarkeit für alles Mögliche, für Feminismus, gegen Rassismus, Bürgerräte in Betrieben und irgend­was mit grie­chi­schen Lagern; lei­der auch dies­mal nichts gegen Erdbeben. Auf Twitter wur­de die­ses Durcheinander als der Bauchladen unter den Demonstrationen bezeich­net und das trifft es ganz gut. Albatross!

Auch für alle Gelegenheiten geeig­net, aber wesent­lich weni­ger bescheu­ert: Musik.

Volaré - …In Two Seconds Of Time…

Guten Morgen.

In den Nachrichten
Bilderstürmer

Ich bin sehr dank­bar dafür, dass wegen der Rassismussache die­ses blö­de Corona end­lich vor­bei ist. Vorbei? Zumindest scheint es so zu sein, denn man ist (inzwi­schen ach­sel­zuckend mas­kiert und ent­da­ten­ge­schützt, es ist ja nur zu unse­rem Besten) bereits beim über­näch­sten Thema ange­langt und die Teilnehmer kra­kee­len­der Menschenansammlungen sind end­lich wie­der links und nicht alu­be­hü­tet. Zum Glück pas­siert immer nur eine Sache gleich­zei­tig auf der Welt, sonst wäre es ja total lächer­lich, ein Thema fal­len zu las­sen, bloß weil es ein neu­es Thema gibt.

Dieses neue Thema scheint die Renaissance des Bildersturms zu sein: Weltweit wer­den Kulturgegenstände zer­stört oder beschä­digt, deren Abgebildete sich der Sklaverei ver­däch­tigt gemacht haben und nicht Karl Marx sind. Ich höre den Islamischen Staat aus Palmyra feixen.

Und weil sie mit Kulturgegenständen ohne­hin wenig anfan­gen kön­nen, mit Streamingquatsch aber um so mehr, pip­pi­l­ang­strump­fen sie jetzt auch die Filmhistorie, wie ein Medium, das ver­linkt zu wer­den rigo­ros ablehnt, beschreibt:

Nach Protesten wegen „ras­si­sti­scher Beleidigungen“ hat der bri­ti­sche Streaming-Dienst UKTV die Folge „The Germans“ (Die Deutschen) der Kultserie „Fawlty Towers“ aus dem Programm genom­men. Der Streamingdienst der BBC erklär­te am Freitag, die Folge wer­de „geprüft“. (…) Der Sender teil­te dar­auf­hin mit, die Episode sol­le dem­nächst zusam­men mit „zusätz­li­chen Hinweisen“ wie­der online gestellt wer­den. Ältere Beiträge wür­den regel­mä­ßig geprüft, um zu garan­tie­ren, dass Zuschauererwartungen erfüllt wer­den. Dabei wer­de beson­ders auf „ver­al­te­te Sprache“ geachtet.

Auch ande­re Filme hat es erwischt:

Eine Streaming-Plattform nimmt “Vom Winde ver­weht” vor­läu­fig aus dem Programm, weil der Anbieter befürch­tet, die Darstellung der Sklaverei in dem Film sei verletzend.

Nun bin ich ja immer sehr dank­bar dafür, dass man mich an die Hand nimmt und mir mit zusätz­li­chen Hinweisen erklärt, dass Satire sati­risch gemeint sein könn­te und die Darstellung von Sklaverei in einem in der Sklavereizeit spie­len­den Film als akzep­tier­ter Alltag im gege­be­nen Kontext nicht als Aufforderung zu ver­ste­hen ist. Auch dass die­ser eine Schinken von dem Österreicher mit dem Chaplinbart nur in einer kom­men­tier­ten Ausgabe zu haben ist, ist erleich­ternd. Ohne die Kommentare käme da sonst sicher­lich noch jemand auf komi­sche Ideen. Mich über­rascht, dass „1984“ noch unkom­men­tiert ver­kauft wer­den darf, denn immer­hin wirft es einen selt­sa­men Blick auf eine Gesellschaft, die ihre Geschichte als sol­che nicht mehr zu akzep­tie­ren bereit sein darf.

Als man uns ver­sprach, das Internet schenk­te uns das Wissen der Welt direkt ins Wohnzimmer, ver­schwieg man wohl nicht grund­los, dass mit ihm auch die schlech­ten Eigenschaften ihrer Bewohner aus­ge­lie­fert würden.