In den NachrichtenMontagsmusik
END - Alaska // Kein Wahlrecht für Kindsköpfe

In Ermangelung von Eulen: Darf es eine Ente sein?Es ist Montag. Die Online-„FAZ“ titel­te gestern auf­grund der der­zei­ti­gen Coronasituation, der November daue­re län­ger. Na gut, also wenig­stens kein Nikolaus die­ses Jahr; als Christentumsskeptiker nimmt man ja jede gute Nachricht, die man krie­gen kann. Auch gut: In einem Frankfurter Lokal wer­den die der­zeit aus­blei­ben­den Gäste durch Pandabären ver­tre­ten. Wie viel Geld kann man eigent­lich für ein paar Stangen Bambus verlangen?

Man möch­te, ent­neh­me ich den Nachrichten, sowohl die AfD ver­bie­ten als auch das Wahlrecht für Unter-18-Jährige ein­füh­ren, was mich amü­siert, denn man­cher­orts wäre die AfD bei Unter-18-Jährigen stärk­ste Kraft. Vielleicht doch nicht so klug, die Idee? - Was anson­sten pas­siert, wenn man Kindsköpfen das Wahlrecht gibt, hat man gestern in Berlin gese­hen: Manche demon­strier­ten gegen die als zu scharf emp­fun­de­nen Coronamaßnahmen, ande­re reck­ten ihre Mittelfinger und tril­ler­pfif­fen, denn eine inhalt­li­che Auseinandersetzung ist nicht jeder­manns Sache. Es ist schon selt­sam, dass Coronaleugner so viel Zulauf fin­den, obwohl die Gegenseite sie doch so über­zeu­gend niveau­arm belei­digt. Man könn­te fast mei­nen, ein aus­ge­streck­ter Mittelfinger eig­ne sich gar nicht zur Meinungsänderung. Seltsam. Was genau war noch mal das Problem mit Donald Trump: dass er zu plump war?

Apropos: Daniela Dahn beant­wor­tet unge­fragt, ob wir die USA noch brau­chen, und bejaht, weil ein schlech­tes Vorbild immer­hin auch ein Vorbild sei, ver­wech­selt dabei aber die USA mit Amerika. Ist nur Journalismus, da muss man das nicht unterscheiden.

Bei „ZEIT Campus“ schließ­lich wird man gewarnt: Menschen wer­den zu Massenmördern oder Musikgenies, wenn sie sich lang­wei­len, weil das Gehirn um eine ande­re Beschäftigung bit­te. Da ent­ge­he ich ja regel­mä­ßig haar­scharf einem inter­es­san­ten Hobby, wie mir scheint. Gegen Langeweile hilft mir trotz­dem: Musik.

Guten Morgen.

In den NachrichtenMir wird geschlechtWirtschaft
#WirSindDie70Prozent

Endlich hat die lästi­ge Notwendigkeit des Hocharbeitens und der Erlangung von Beliebtheit bei den Kollegen in Unternehmen ein Ende:

Die Große Koalition hat sich grund­sätz­lich auf eine ver­bind­li­che Frauenquote in Vorständen geei­nigt. (…) Für die Unternehmen mit Mehrheitsbeteiligung des Bundes wur­de eine Aufsichtsratsquote von min­de­stens 30 Prozent (…) vereinbart.

Ich erwar­te noch heu­te einen scharf for­mu­lier­ten offe­nen Brief der Intersexuellengemeinschaft, denn im Vergleich zu ihnen wer­den Frauen in Vorständen bereits jetzt deut­lich bevor­zugt. Im Übrigen bin ich jetzt schon sehr gespannt auf die wei­te­re Entwicklung der Deutschen Bahn, bekannt­lich ein Unternehmen mit Mehrheitsbeteiligung des Bundes: Jetzt wird sicher alles gut.

Noch vor kur­zem skan­dier­ten Demonstranten Plakate und Banner hashtag­gend, sie sei­en mehr. Was sagt das eigent­lich über die 70 Prozent aus?

NerdkramsPersönliches
Team Ruheraum

Fefe hat Recht:

Inzwischen ist die­ses „mehr Kommunikation“ zu einem der­ar­ti­gen Selbstläufer gewor­den, dass das nie­mand mehr in Frage stellt, ob wir nicht viel mehr einen Ruheraum brau­chen, in dem unse­re Entwickler auch mal zehn Minuten am Stück Zeit haben, um unge­stört Code schrei­ben zu können.

Sicher: In einem Ruheraum, in dem (wie Fefe vor­schlägt) ich auch kei­ne Musik („Berieselung“) hören soll­te, weil das nur ablen­ke, fän­de ich per­sön­lich kei­ne Ausgeglichenheit. Das Wesentliche aber stimmt: Ständig über irgend­wel­che Ereignisse infor­miert zu wer­den, die wenig­stens kurz­zei­tig audio­vi­su­ell die Aufmerksamkeit auf sich zu zie­hen ver­su­chen, trägt eher nicht dazu bei, dass die fokus­sier­te Beschäftigung mit einem kon­kre­ten Problem sinn­voll mög­lich ist.

Zu der auch hier gele­gent­lich bemän­gel­ten Dauerbeschallung mit für unser Leben völ­lig uner­heb­li­chen innen­po­li­ti­schen Nachrichten aus dem fer­nen Ausland kommt inso­fern erschwe­rend der fak­ti­sche Überfluss an für Teams hilf­reich gemein­ten Programmierwerkzeugen hin­zu. Ich habe schon Gründe, war­um ich ein­fa­che Texteditoren weit lie­ber ein­set­ze als moder­nen IDE-Schnickschnack.

Um beim Programmierthema zu blei­ben, obwohl das zwei­fels­oh­ne auch für ande­re Professionen gilt: Ich mag es, wenn alles, was in den von mir zur Programmierung ein­ge­setz­ten Programmen auf­blinkt und vom Tippen ablenkt, der Hinweis ist, dass ich gera­de Unsinn pro­gram­mie­re. Mir geht selbst farb­li­che Syntaxkennzeichnung vor allem auf den Sack.

Keine Chats, kei­ne Popups, kein um Aufmerksamkeit bet­teln­des Ticketsystem, kein hek­ti­sches Geblinke. Der Code, Musik und ich.

Ich bin stol­zes Mitglied im Team Ruheraum. Jeder nur einen!

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Convulsif - Extinct

Convulsif - ExtinctLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Bock auf Jazz? Natürlich habt ihr Bock auf Jazz! Dass ich dem Schweizer Quartett Convulsif, das sich unter ande­rem auf Merzbow beruft und behaup­tet, es wür­de Doom-Metal spie­len, die­ses Etikett anhef­te, ist viel­leicht zum Teil der Instrumentierung (Geige, Klarinette, Schlagzeug, Bass) geschul­det, teil­wei­se aber sicher­lich auch dem, was die vier Herren musi­ka­lisch her­vor­brin­gen. Ihr fünf­tes Album „Extinct“ (Amazon.de, nur unphy­sisch auch Bandcamp) eröff­nen sie jeden­falls mit „Buried Between one“, einem zwei­fel­los tief im Free Jazz ver­wur­zel­ten Instrumentalstück. Das gan­ze Album kommt ohne Gesang aus. Genau so muss es bei die­ser Art von Musik auch sein.

Schon das näch­ste Stück, das fast zwölf­ein­halb­mi­nü­ti­ge „Five Days of Open Bones“, spricht aber eine etwas ande­re Sprache, indem es eben doch gemüt­lich ein aus­gie­bi­ges Instrumentenbrummen ertö­nen lässt, bevor es, wie ein schie­fes Sprachbild es nennt, ans Eingemachte geht. Blackjazzmetal? Doompostjazz? Ich neh­me mei­ne erste Einschätzung wenig­stens teil­wei­se zurück; gar nicht übel, die­se Mischung. In ande­ren Stücken (etwa „Surround the arms of revo­lu­ti­on“) kom­men auch unbe­nann­te Elektronika zum Einsatz, deren Klang mich an Atari Teenage Riot den­ken lässt, was ande­rer­seits hane­bü­chen scheint und wäre. Ein biss­chen Morphine ist aber frag­los dabei.

Convulsif - Five days of open bones (offi­cial audio)

Das läng­ste und letz­te Stück auf der regu­lä­ren Version von „Extinct“, „The Axe Will Break“, hier bereits gestern die Woche ein­ge­läu­tet habend, baut sich um ein sich wie­der­ho­len­des rol­len­des Bassmotiv her­um auf und über­rascht schon wie­der musi­ka­lisch, denn obwohl die Musiker es sich nicht neh­men las­sen, in der zwei­ten Hälfte wie­der die Freiform über die­sem Bassmotiv erklin­gen zu las­sen, höre ich hier vor allem Postrock (den guten mit den vie­len Gitarren), aber auch ein wenig Psychedelisches (zudem nicht ganz so zäh wabernd wie Pink Floyd) her­aus. Hat was!

Ich war mir schon vor Monaten ziem­lich sicher, dass 2020 ein sehr gutes Jahr für die Musik sei. Inzwischen kann ich das „ziem­lich“ guten Gewissens streichen.

NerdkramsNetzfundstücke
Tore zum Mistmachweb (8): Mit ille­gi­ti­mem Interesse zum Profil

Eine ganz tol­le Idee hat das Interactive Advertising Bureau, schon vom Namen her ein Unternehmen, mit des­sen Mitarbeitern man sich nicht mal eine Welt tei­len müs­sen soll­te, da gehabt, um den jün­ge­ren Änderungen der EU-Cookierichtlinien zu ent­spre­chen: Es wur­de eine Software geschrie­ben und ver­öf­fent­licht, deren Zweck es sei, „die not­wen­di­gen Benutzerabfragen zu ver­ein­heit­li­chen“, was bedeu­tet, dass Werber, deren gesell­schaft­li­ches Ansehen zu mei­nem Bedauern noch immer gering­fü­gig höher ist als das von Darmkrebs, mir und ande­ren Teilnehmern des Webs auch künf­tig trotz der Notwendigkeit der Einhaltung grund­le­gen­der Datenschutzregeln ekli­ge Trackingscheiße („Drittanbieter“) rein­drücken dür­fen, ohne dafür jemals ein Gefängnis von innen zu sehen.

Aber immer­hin:

Hat sich ein Vendor bezie­hungs­wei­se Drittanbieter dem Framework ange­schlos­sen (…), kann er Daten nur ver­ar­bei­ten, wenn der Publisher hier­für über eine Consent-Management-Platform (CMP) eine rechts­gül­ti­ge Einwilligung ein­ge­holt hat.

Bei „hei­se online“ sieht das zum Beispiel so aus:

Ich wünsch­te, das hät­te ich mir aus­ge­dacht: Es gibt tat­säch­lich einen stan­dard­mä­ßig akti­vier­ten Schalter, der bewirkt, dass jemand mit „legi­ti­mem Interesse“ mir per­so­na­li­sier­te (also zwangs­läu­fig tracken­de) Reklame in den Browser schie­ben darf.

Der „Duden“, das Standardwörterbuch all jener Menschen, die nie etwas von Prof. Gerhard Wahrig gehört haben, meint dazu, dass das ent­we­der ein „gesetz­lich aner­kann­tes“ oder ein „vertretbar[es], vernünftig[es]“, gar „mora­lisch einwandfrei[es]“ Interesse bedeu­te. Beides bezweif­le ich, denn, wie ich heu­te schon an ande­rer Stelle wit­zel­te, andern­falls setz­ten auch Einbrecher per Diebstahl ledig­lich ihr legi­ti­mes Interesse an Juwelen um.

Formulierungen wie die­se tra­gen jeden­falls nicht dazu bei, dass das Web - vor allem bunt statt inter­es­sant - sich end­lich zu einem Dienst ent­wickeln kann, den zu nut­zen lang­fri­stig Freude berei­tet. Es ist eine Tortur.

In den NachrichtenWirtschaft
Fridays For Zu Spät (2)

Unser Nachwuchs ist ’ne alte Umweltsau…

Alte Umweltsau gegen jun­gen Klimaschützer? Von wegen: In einer Studie des Wuppertal Instituts zei­gen sich die Älteren durch die Bank umwelt­be­wuss­ter als die jun­ge Generation. (…) So gibt jeder fünf­te jun­ge Mensch offen zu, für Umwelt und Klima kei­ner­lei Abstriche an sei­nem Konsum zu machen.

(Quelle: FAZ.net - will nicht direkt ver­linkt wer­den [LSR])

In den NachrichtenWirtschaft
Das Auto zum Jet

Na - die Hoffnung, dass aus 2020 doch noch etwas wer­den könn­te, bereits auf­ge­ge­ben? Fürchtet euch nicht, es geht aufwärts!

An Privat-Jet-Terminals kann man oft beob­ach­ten, wie schwar­ze Limousinen vor wei­ßen Flugzeugen hal­ten. Porsche und Embraer brin­gen jetzt ein farb­lich har­mo­nie­ren­des Auto-Flugzeug-Paket.

„Zug zum Flug“ war gestern. Nie wie­der pein­li­che Momente am Privat-Jet-Terminal! :ja:

Und mehr noch:

Zudem erhal­ten die maxi­mal zehn Käufer des Duets ein spe­zi­el­les Lederkofferset sowie eine spe­zi­ell gestyl­te Weltzeituhr 1919 Globetimer UTC von Porsche Design.

Wer da nicht zugrei­fen kann, ist sel­ber schuld. Hätte ja auch reich sein können.

In den NachrichtenMontagsmusik
Convulsif - The Axe Will Break // Devolution auf Bäumen

Man versprach mir WinterEs ist Montag. Die AfD hat inzwi­schen mehr Rechtsradikale vor die Tür gesetzt als die CDU. Ist das die­se Antifa, von der immer alle reden?

Das Web, der schlimmst­mög­li­che Internetdienst des 21. Jahrhunderts, beschert uns im November eine Liste der best­be­zahl­ten Toten des Jahres. Falls noch wer ein Lebensziel brauch­te: Hier ist eins (wenn auch viel­leicht nicht das beste). - Apropos EDV: Derjenige Dienst, der auf Applesystemen dafür sorgt, dass bestimm­te Anwendungen sich am Paketfilter (eine „Firewall“ ist, auch wenn das spä­te­stens seit ZoneAlarm zu erwäh­nen ver­ge­bens scheint, etwas völ­lig ande­res) vor­bei­sch­lei­chen dür­fen, heißt aus­ge­rech­net trustd. Nicht schlecht, so ähn­lich hei­ßen ja auch SPD-Gesetze. Durchaus schlecht hin­ge­gen: Die „Aktivisten“, die Bäume im Dannenröder Forst („Danni“, für mehr Silben reicht das Sprachverständnis eben nicht mehr) beset­zen, bewer­fen neu­er­dings Polizisten mit Kot. Vor etli­chen Jahren las ich anders­wo etwas über das bio­lo­gi­sche Konzept der mensch­li­chen Devolution, also der Rückentwicklung des Menschen in eine pri­mi­ti­ve­re Lebensform. Dieses Konzept ist seit sei­ner Entstehung umstrit­ten, aber ich ver­mu­te inzwi­schen, hier liegt noch eini­ges Forschungspotenzial brach.

Ebenfalls bei den west­li­chen Werten: Zwei Mörder haben einen ande­ren Mörder auf offe­ner Straße gemeu­chelt, fol­ge­rich­tig freu­en sich alle über die­se Verbesserung des Weltfriedens. Ich hat­te ja ange­nom­men, besag­ter Friede wür­de uns nicht aus­ge­rech­net von der Mafia gebracht, aber es ist 2020, da nimmt man, was man krie­gen kann: Den Weltfrieden, ein hal­bes Dutzend flau­schi­ger Pandabären und natür­lich Musik.

Convulsif - „The Axe Will Break“ (offi­cial video)

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Schummlerpartei Deutschlands

SPD, 2011:

Minister Guttenberg hat getäuscht und gelo­gen. Die Kanzlerin muss sich jetzt fra­gen, ob ein Lügner im Kabinett blei­ben darf. Mit den Werten unse­rer Verfassung und dem Prinzip der Wahrhaftigkeit ist das nicht ver­ein­bar. Ein Lügner im Kabinett wür­de die poli­ti­sche Demokratie in Deutschland verändern.

SPD, 2013:

„Frau Schavan hat nicht so dreist getäuscht wie zu Guttenberg. Aber geschum­melt ist geschum­melt“, erklär­te SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. Als Vorbild für jun­ge Doktoranden, die die wis­sen­schaft­li­chen Regeln unbe­dingt ein­hal­ten wol­len und müs­sen, sei Frau Schavan denk­bar ungeeignet.

„Tagesspiegel“, 2020:

Neue Wendung im Plagiatsfall von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD): (…) Ein exter­nes von der CDU in Auftrag gege­be­nes Gutachten war zu dem Schluss gekom­men, dass Giffey der Doktortitel aberkannt wer­den sollte.

SPD, 2020:

Wir ste­hen soli­da­risch an dei­ner Seite!

Jetzt mal die Frage außer Acht gelas­sen, wie­so ein aka­de­mi­scher Grad im poli­ti­schen Alltag über­haupt irgend­ei­ne Rolle spie­len soll­te: Was genau ist jetzt noch mal das Problem mit ver­meint­li­chen Populisten - dass sie unauf­rich­tig sind?

In den Nachrichten
Fridays For Zu Spät

Was ist eigent­lich das emp­foh­le­ne Vorgehen, wenn man zur Organisation sei­nes Aktivismus auf die Wissenschaft hören will, aber die Wissenschaft dann sagt, für irgend­wel­che Erdabkühlungsaktionen sei man inzwi­schen eh zu spät dran und eigent­lich kön­ne man die ver­blie­be­nen Jahrhunderte auch dem Hedonismus wid­men, das lie­fe im Wesentlichen aufs sel­be hinaus?

In den NachrichtenMir wird geschlechtNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 12. November 2020

Wisst ihr noch, damals, als die Medien nach der Claas-Relotius-Sache vor­über­ge­hend auf­hö­ren woll­ten, ein­an­der Preise zu ver­lei­hen? Damit ist jetzt Schluss!


Ich habe kei­ne Ahnung, wel­che Browser die Qualitätsjournalisten von der „tages­schau“ so nut­zen, aber in ihren gän­gi­gen Browsern ist die Nutzung von Proxyservern anschei­nend nicht mög­lich. Mich über­rascht die tech­ni­sche Unbelecktheit der ange­schlos­se­nen Verantwortlichen täg­lich ein biss­chen weniger. 


Die hes­si­schen „Grünen“ sind jetzt pro Gentechnik ein­ge­stellt, indem sie eine Impfung gegen Coronaviren befür­wor­ten. Man behal­te die­se Aussage in Erinnerung, wenn es wie­der an die Schaffung neu­er Wahlkampfparolen geht. 


Smartes Dingsbums des Tages: Eine Türklingel, die brennt, wenn man die fal­schen Schrauben zur Montage nutzt. 


Markus Söder, behaup­ten so Medien, set­ze sich jetzt auch für eine Frauenquote ein, räumt sei­nen Posten aber trotz­dem lie­ber nicht zugun­sten einer Frau. Zu einem ähn­li­chen Thema „berich­tet“ die „FAZ“, dass in der Arbeitswelt „die sexu­el­le Orientierung noch oft ein Tabu-Thema“ sei, aber Arbeitgeber das gern zugun­sten irgend­ei­ner Diversität ändern wol­len. Wir suchen noch eine Lesbe für den Aufsichtsrat. 2020 regt mich auf. 


Kurze Durchsage von Joe Biden: Die USA sei­en bald wie­der im Spiel. Ich bin geneigt, die­ses Wort für zynisch zu halten. 

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Kurzkritik: Rïcïnn - Nereïd

Rïcïnn - NereïdLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Rïcïnn ist das Soloprojekt von Laure Le Prunenec, Sängerin diver­ser Gruppen aus dem Krachumfeld (u.a. Igorrr), in des­sen Rahmen sie mal etwas ande­res macht als Krach, näm­lich vor allem Stimmarbeit. Ich sehe mich beim ersten Reinhören ins dies­jäh­ri­ge Album „Nereïd“ (Amazon.de, Bandcamp.com) an Janet Jackson, Evangelista und Neneh Cherry erin­nert. Das ist eine wit­zi­ge Kombination.

Wer jetzt erwar­tet, die Künstlerin brin­ge eh immer die glei­che Musik raus, der wird sich bereits in den ersten andert­halb Stücken, die über­wie­gend a cap­pel­la statt­fin­den, wun­dern. Das zwei­te Stück „Doris“ prescht jedoch plötz­lich mit­ten­drin mit wir­beln­den Trommeln los, bevor das Thema vom Anfang wie­der auf­ge­grif­fen wird; und wer (wie ich) glaub­te, das war es jetzt, der wird in der letz­ten Minute (wie ich) eines Besseren belehrt. Hat da jemand „Metal“ gesagt? Nein, nicht ganz, aber es kommt schon recht nah ran. Lauter wird es auf „Nereïd“ aber nicht.

Das Titelstück des Albums ent­hält Streicher und ist eben­falls von recht stil­ler, gera­de­zu sakra­ler Natur; es klingt, als hät­te Enya die hypo­the­ti­schen Sedativa abge­setzt. Man mag den Stil des Albums Artpop, moder­ne Klassik oder bei­des nen­nen. Das noch stil­le­re „Missäe“ erschließt sich mir nicht, so weit reicht mein Kunstverständnis ver­mut­lich ein­fach nicht. Das fol­gen­de „Artäe“, ein Wechselspiel aus sanf­ten Streichern und bedroh­li­cher Perkussion, über dem der zwei­fel­los traum­haf­te Gesang Laure Le Prunenecs schwebt wie ein Damoklesschwert. „Nereïd“ sei ein ver­ton­tes Begräbnis für die Welt, schrieb jemand anders­wo. Ich hät­te es nicht bes­ser for­mu­lie­ren können.

„Ëön“ ist mit sei­nem aus­nahms­wei­se männ­li­chen Gesang aber­mals eine Zäsur, die hier auch gut passt, denn das fol­gen­de „Psamatäe“ führt den Synthesizer als füh­ren­des Instrument ein, eben­falls unter­stützt von pracht­vol­len Trommeln. Beschwörend into­niert Laure Le Prunenec dazu Texte, die ich nicht ver­ste­he. Schade eigent­lich. Mitten im Stück wird aber­mals das Tempo ange­zo­gen, das Stück ver­harrt zwi­schen der „Batman“-Titelmelodie, Pop Will Eat Itself und God Is An Astronaut. Eine schö­ne Kombination, die lei­der nicht lan­ge genug durch­ge­hal­ten wird. - Die Melodie von „J-C“ klingt anfangs nach Spieluhr oder Game Boy, abhän­gig davon, wie alt man ist. Streicher und Perkussion erle­di­gen das aber schnell und ele­gant, obwohl mir auch hier wie­der auf­fällt, dass die besten Momente auf „Nereïd“ immer zu kurz sind. Das macht die Frau doch mit Absicht!

Rïcïnn „Psamatäe“ [„Nereïd“ - 2020 - Track Premiere]

Während „Thaliäe“ läuft, stel­le ich neben­bei wei­te­re Recherchen zum Album an. „Experimental Folk“ soll das hier sein. Ja, das kann stim­men. Ist Folk auch immer zu kurz? Beschließe, das irgend­wann her­aus­zu­fin­den. Das vor­vor­letz­te Stück heißt „Ele“, aber das vor­letz­te nicht „Fant“, son­dern „Söre“. Mir fällt ein, dass ich „Nereïd“ vor allem des­halb in die Hörliste auf­ge­nom­men hat­te, weil irgend­wer behaup­tet hat­te, dass es wie etwas von der fan­ta­sti­schen Anna von Hausswolff klin­ge. Ich tei­le die­se Einschätzung nicht, neh­me wohl aber zur Kenntnis, dass die Stimmung - Begräbnis, man erin­nert sich - durch­aus eine ähn­li­che ist. „Erani“ schließ­lich muss­te ich etwas lau­ter dre­hen, denn es ist das intim­ste (also das lei­se­ste) Lied auf „Nereïd“, aus kaum mehr als Laure Le Prunenecs Gesang bestehend.

Seltsames Album, das. Aber schlecht ist es nicht.

In den Nachrichten
Fernsehen ist der Rückweg des Menschen in sei­ne selbst ver­schul­de­te Unmündigkeit

Die „Süddeutsche Zeitung“ (will nicht ver­linkt wer­den, LSR) informiert:

Gerade in Frankreich sei tra­di­tio­nel­ler Fernsehkonsum sehr beliebt, heißt es in einem Statement, Zuschauer schätz­ten dort ein gestal­te­tes Programm, „das ver­mei­det, dass sie sel­ber aus­su­chen müs­sen, was sie sehen werden.“

An man­chen Menschen wirkt ein frei­er Wille wie ein Hühnerkostüm.