In den NachrichtenWirtschaft
Kurz angemerkt zur Welthandelssituation

An der zumindest ungewöhnlichen Nachricht, dass auf Geheiß desjenigen Staatenbundes, in dem auch mal Lehrer entlassen werden, weil sie sich weigern, Erstklässlern Wesen wie den Weihnachtsmann und die Zahnfee als real existierende Gestalten und nicht als alberne Lügengeschichten zu lehren, was dem unfairen Klischee vom dummen US-Amerikaner nun nicht unbedingt endgültig den Garaus zu machen vermag, der Finanzvorstand eines chinesischen Mobilfunkunternehmens, das es (angeblich) wagt, mit Bewohnern des Irans Handel zu treiben, obwohl doch besagter Staatenbund – nicht identisch oder teilidentisch mit China – ein Embargo gegen den Iran verhängt hat, damit es wenigstens für Normalgebildete so aussieht, dass der Iran der größere Arschlochstaat ist, weil er ebenfalls an Atomenergie herumforscht, was aber bekanntlich nur die Guten, die man vor fünfzig Jahren noch daran erkannt hat, nicht der Iwan zu sein, dürfen sollen, im Südwesten Kanadas festgenommen wurde, auf dass sich diese frechen Chinesen, wenn sie schon gute Argumente für niedrige Zölle (nämlich preiswerte Fertigungsstrecken) anzubieten haben, gefälligst künftig an die Handelsvorgaben der wirtschaftlichen Konkurrenz halten mögen, überrascht jedenfalls mich noch am meisten, dass der Russe mit keiner Silbe erwähnt wurde; obwohl der doch ebenfalls chinesische Smartphones verkauft und da bestimmt vorher auch nicht um Erlaubnis fragt.

Mir wird geschlechtNetzfundstücke
Tittr

In einem wirtschaftlich dummen Moment hat Tumblr, eine bekannte Plattform für Pferdchenpornos, beschlossen, Erwachseneninhalte demnächst auszusperren. Dass das ein weiterer guter Anlass sein sollte, über’s Selbsthosten nachzudenken, bedarf keiner weiteren Erläuterung.

Was soll verboten werden?

Verbannte Inhalte beinhalten Fotos, Videos und GIFs von menschlichen Genitalien, weibliche Brustwarzen und jegliche Medien, die mit Geschlechtsverkehr zu tun haben, einschließlich grafischer Darstellungen.

Das klingt doch sehr rigoros – gibt es keine Ausnahmen? Doch, natürlich:

Unter den Ausnahmen sind klassische Statuen und politische Proteste, die Nacktheit in den Vordergrund stellen.

Wenn sich eine Frau mit entblößten Brustwarzen heute als Mann fühlt und Tumblr den Beitrag sperrt, dann wird es in den geschlechtlich erhitzten Vereinigten Staaten sicherlich einen erfreulichen Rabatz geben. Genehmigt wäre auf Tumblr also eine grafische Darstellung genderfluider Nackter, die vor dem Tumblr-Hauptquartier gegen politisch motivierte Prüderie demonstrieren. Das wird schön.

Den eigenen Blogbeitrag über die Änderungen hat Tumblr übrigens als anstößig gekennzeichnet. :evil:

In den NachrichtenMontagsmusik
Kshettra – Walk Under the Moon

Es wird kalt. - Ich weiß. - Ich seh's.

Es ist Montag. Uargh! Da ist zu wenig Kaffee in meinem Kaffee und gestern war zu wenig Sonntag in meinem Sonntag. Ich kann so nicht arbeiten. Forscher, die das hingegen ganz gut können, haben herausgefunden, dass eine Blockchain bislang genau kein Prozent irgendwelcher Probleme lösen könnte. Das hätte niemand ahnen können.

Schon irritiert? Auf „ZEIT ONLINE“ wird hierzu zumindest angedeutet, dass man irritierende Meinungen ja auch einfach verbieten könnte. Mich zum Beispiel irritiert Sozialdemokratie. Ich bin eindeutig dafür, so zu verfahren. In Konkurrenzzeitungen steht die geistige Sonne aber auch nicht höher: Für die „taz“ darf ein Typ mit Ohrringen fordern, dass Männer für ihre Mitmänner haften. Ich finde das erstaunlich, weil mein in kleinem Kreis geäußerter Vorschlag, dass Flüchtlinge für ihre Mitflüchtlinge haften sollten, nicht übermäßig gut ankam. Vielleicht hätte ich mir ein linkes Publikum suchen sollen.

Apropos Journalismus: Ein Redakteur vom WDR („WDR Redakteur“, der Russe hat ihm wohl die Bindestriche geklaut) findet es respektlos, wenn man irgendwo etwas zu essen angeboten bekommt, wo es auch andere Speisen gibt, die man aber nicht mag. Ich finde es auch respektlos, wenn ich irgendwo essen gehe und dann steht da Altbier auf der Speisekarte. Darüber berichtet der WDR aber nie. Frechheit.

Ein kurzer Blick in die EDV: Alle 7,8 Mikrosekunden bleibt der Arbeitsspeicher stehen. Ein bisschen wie manche Frau beim Einkaufen, mag jetzt ein Teil meiner Leser denken. Das ist aber selbstverständlich kein angebrachter Scherz, meine Herren!

Auf jeden Fall angebracht ist aber Musik.

Kshettra – Walk Under the Moon

Guten Morgen.

In den NachrichtenWirtschaft
Gebt uns Geld, halleluja!

Es ist schon Anfang Dezember und ich wurde noch nicht ausreichend von Wegelagerern meiner Freizeit beraubt. Da aber jeder weiß, dass diejenigen, die nicht ohnehin schon an jedem Wohltätigkeitsding teilnehmen, besonders in der hektischen, kalten, schrillen Vorweihnachtszeit zwischen Organisation und lächerlich teurem Einkauf von Tand und Tinnef für die allenfalls gelogen ertragene Verwandt- und Bekanntschaft dazu bereit sind, dem Werben von Bettlern nachzugeben, begeben sich die Teilzeitpäderasten endlich in Gefechtsposition:

Das katholische Hilfswerk „Adveniat“ eröffnete seine Kampagne mit einem Gottesdienst in Wiesbaden. (…) Das Motto lautet „Chancen geben – Jugend will Verantwortung“.

Man muss es ja auch verstehen: Bei lächerlich niedrigen staatlichen Zuwendungen in zweistelliger Milliardenhöhe, die überwiegend für die Entschädigung von Kirchenopfern benötigt werden, kann niemand erwarten, dass davon auch noch die Last des Brotverschenkens getragen wird. Jugend will Verantwortung, das muss man doch verstehen.

Nicht auszudenken, wie viel Geld für die Entwicklungshilfe erst frei würde, entstaatlichte man endlich die Kirchen. Wer sie noch immer mit seinen Steuern fördert, der trägt eine Mitschuld. Der beste Tag für einen Kirchenaustritt war schon immer der gestrige.

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Alter!

Angenommen, in einer ansonsten völlig belanglosen Stadt – zum Beispiel Hannover – passiert etwas, was nicht unbedingt alltäglich ist; dass nämlich zwei Menschen so arg miteinander in Streit geraten, dass einer von ihnen Stichverletzungen davonträgt, wie auch immer das zusammenhängt. Berichtete ein Boulevardmedium darüber, interessierte es vermutlich vor allem die Nationalität und vielleicht noch das Geschlecht von Täter und Opfer. Die Angabe des Alters ist allerdings vorausgesetzt, denn man möchte ja nicht über das Geschehen, sondern über die Personen informiert werden. Das unterscheidet Journalismus von „Journalismus“.

Und die Polizei? Nun ja:

Ein 48 Jahre alter Mann ist am Freitag, 30.11.2018, im hannoverschen Hauptbahnhof mit einem 53-Jährigen aus bislang unbekannter Ursache in Streit geraten und hat dabei Stichverletzungen erlitten. Der 53-jährige Angreifer ist nach kurzer Flucht noch auf dem Ernst-August-Platz festgenommen worden. (…) Im weiteren Verlauf fügte der 53-Jährige dem 48-Jährigen Stichverletzungen im Bereich des Oberkörpers zu.

Je mehr Zahlen je weniger Wert haben, desto lieber lesen Menschen den sie umschließenden Text. Ob das Verlagssterben wohl auch die Polizei erreicht?

Sonstiges
Medienkritik CXIII: Sex-Hacks mit acht perfekten Augenbrauen

Oh, was haben wir denn hier? Eine „JOY“! Das wird doch wieder peinlich.

JOY Dezember 2018

Ich empfehle das Gesamtbild – mit Text – einfach mal auf sich wirken zu lassen. Wenn das noch nicht reicht, um gewaltige Kopfschmerzen zu bekommen: Auf der Ankündigung der „7 Abenteuer“ klebt außerdem eine Broschüre namens „Let’s get cosy!“ („Lasst uns wohnlich werden!“), in denen dem konsequent dümmlich-juvenil geduzten Leser „33 Deko-DIYs“ vorgeschlagen werden, darunter eine „putzige Plätzchen-Dose“.

Let's get cosy!

Andererseits: Was möchte man auch von einem Magazin erwarten, dessen Aufmachung bis hin zur grotesken Preisauszeichnung (NUR EIN EURO! (und 99 Cent)) bereits wie ein einziger Hilfeschrei wirkt?

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ComputerIn den Nachrichten
Netze sind vor allem aneinandergereihte Löcher.

Der Digitalstandort Deutschland mit Stand vom 26. November:

Ein flächendeckendes 5G-Netz werde es auf lange Sicht mit den Frequenzen nicht geben, meint der Bitkom.

Der Digitalstandort Deutschland mit Stand vom 28. November:

Bis Mai 2019 sollen die Prinzipien zu einem Vertrag ausgearbeitet werden, hieß es weiter. Die Grundlagen dafür lege der Koalitionsvertrag, demzufolge bis 2025 ein Rechtsanspruch auf flächendeckenden Zugang zu schnellem Internet geschaffen werden soll.

Da bin ich ja jetzt schon unfassbar gespannt.


In weiteren Nachrichten: Bei Twitter werden jetzt Satirekonten weggelöscht.

In den Nachrichten
Liegengebliebenes vom 28. November 2018

Es wird ja als eher falsch wahrgenommen, journalistische Arbeit als „Meinungsmacherei“ zu bezeichnen. Dessen ungeachtet teilte Anja Reschke (NDR) mit, die Aufgabe eines Journalisten sei es, Fakten einzuordnen. Im mehr oder weniger deutschsprachigen Ausland klingt das ähnlich: „Journalistinnen und Journalisten haben die Aufgabe, (…) das Berichtete auch zu interpretieren und zu kommentieren.“ Bloß nicht zu viel Freiraum lassen.


Man sollte sowieso viel mehr miteinander reden.


Linux ist sicher vor Viren!!111!


Im „Guardian“ empfiehlt Esther Betts, mit Genderkritikern zu reden statt sie zu blockieren. Ich finde es befremdlich, wenn Menschen ihre Sexualität zu ihrem maßgeblichen Hobby erklären, aber ich schreibe auch nicht für den „Guardian“.


Dazu passt irgendwie ein Text von 2016: Der Personenkult um Ada Lovelace wächst unaufhaltsam – was hat aber sie wirklich geleistet?


Es wird keine weitere CeBIT-Messe geben. Für die Jüngeren: Eure Eltern und Großeltern werden jetzt nicht mehr über Produkte informiert, die ihr seit Monaten kennt.

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Metallene Bescherung

Zwei Jahre danach ist wenigstens auf Weihnachtsmärkten wieder die Normalität eingekehrt:

Beton-Absperrungen sowie miteinander verschraubte Metallgitter-Körbe gefüllt mit Sand stehen ringsum dem Markt, in den am 19. Dezember 2016 der vom Verfassungsschutz beobachtete Islamist Anis Amri mit einem gestohlenen 40-Tonner gezielt hineinraste.

Um die Stimmung soll ja auch niemand gebracht werden. Auf „WELT ONLINE“ (möchte wg. LSRs nicht verlinkt werden) spricht daher ein Herr zu einem Bild von mit Sternen beklebten Mauern:

Nun muss trotz aller Zäune, Poller und Polizisten aber auch noch weihnachtliche Stimmung aufkommen; so manche der Absperrungen sind deshalb zumindest schon ein wenig aufgehübscht worden.

Ich fühle mich schon ganz festlich.

In den NachrichtenMontagsmusik
Art Against Agony – Coffee for the Queen

(Pandasuchgeräusch)Es ist Montag. Nur noch vierhundertzweiunddreißig Ochnös bis Neujahr, man hat sich ja einen gewissen Fatalismus angewöhnt. Wenn schon die Sonntage nichts mehr hergeben, dann sollte man wenigstens den Montag noch angemessen abhalten.

Nicht abgehalten wurde vor einiger Zeit ein dummer US-Amerikaner, der festgestellt hatte, dass die Einwohner von North Sentinel Island, einer zu Indien gehörenden Insel, immer noch nicht die good news (in den USA ist das mit den Neuigkeiten ja immer so eine Sache) vom Christentum gehört haben, und darum unbedingt da hinfahren und die Einwohner bekehren wollte. Die Einwohner wiederum haben das gemacht, was jeder vernünftige Mensch machen würde, wenn man ihm ungebeten das Leben mit Geistlichkeit versalzen möchte, nämlich den „Abenteurer“ (CNN) seinem Gott zukommen lassen. Wenn das alle Völker so machen würden, wäre die Welt eine so viel angenehmere. Demnächst ist wieder „Weihnachten“, da könnte man das ja ergebnisoffen ausprobieren. – Manchmal ist „keine Experimente“ allerdings die bessere Idee: „Digitalisierung ist jetzt sicher nicht mein Spezialbereich, aber ein absolutes Zukunftsthema.“ Dieses Internet wird sich wohl nie so recht durchsetzen.

Mit dem Web geht es auch immer weiter bergab: Firefox 64, heißt es, werde mit einer eingebauten Prozessverwaltung ausgeliefert, mithilfe derer man noch einfacher sehen könnte, warum das Ding so elend langsam reagiert. Wenn die Entwicklung in diesem Tempo voranschreitet, werden wir noch 2019 einen kleinen, schnellen Webbrowser erleben, der als Prozess in Firefox gestartet werden kann. Ein eigenes Bewusstsein erlangt Firefox dann ungefähr 2029, den Rest könnte man später sicher sehenswert verfilmen.

Käffchen?

ART AGAINST AGONY – Coffee For The Queen (official video)| www.pitcam.tv

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Träden

Träden (2018)Im Sommer 1967 gründete der schwedische Musikstudent Bo Anders Persson, angeblich beeindruckt von einem Besuch von Terry Riley, die generationstypisch psychedelische Musikgruppe Pärson Sound, die sich mehrfach umbenannte und schließlich jahrzehntelang Träd, Gräs och Stenar („Baum, Gras und Steine“) hieß. 2009 veröffentlichte diese Gruppe ihr letztes reguläres Album „Hemlösa katter“, von der Gründungsbesetzung waren außer Bo Anders Persson (Gesang, Gitarre) noch Torbjörn Abelli (Bass) und Thomas Mera Gartz (Schlagzeug) dabei, die 2010 (Abelli) beziehungsweise 2012 (Gartz) starben, während der Bandgründer sich nach diesem letzten Album endlich zur Ruhe setzte. Übrig gebliebene Aufnahmen von 2006 bis 2012 wurden 2017 als „Tack för kaffet / So long“ veröffentlicht.

Die überlebenden Musiker, allesamt erst nach dem Debütalbum von Träd, Gräs och Stenar zur Band gestoßen, beschlossen, dass Musik ihnen trotzdem immer noch Spaß macht, und gründeten die wenig überraschend benannte Nachfolgegruppe Träden („Bäume“), deren Debütalbum (Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL), langweilig nach dem Bandnamen betitelt, nun vorliegt.

Nun soll niemand annehmen, dass sich seit 1967 in der Musik der wechselnden Herren nichts verändert habe, konsequent beginnt das Album, das ich fortan „Träden“ nennen möchte, daher mit „När lingonen mognar“. Dieses Stück, seinerzeit deutlich kürzer, spielte die Band, die damals gerade Harvester hieß, bereits auf ihrem 1970 veröffentlichten Album „Hemåt“ und es war wohl am ehesten dem heute von jedenfalls mir als staubig wahrgenommenen Folk zuzuordnen. Wie viel frischer doch die Version von 2018 klingt!

När lingonen mognar (Lingonberries Forever)

Den elektrischen Instrumenten sei’s gedankt, dass diese Weiterentwicklung möglich war: Statt öder Hippiemusik dringt psychedelische Rockmusik, gar Postrock aus dem Kopfhörer, es wird in die Breite gegangen und gitarrt, gern auch dreckig verzerrt. Die Hälfte der Stücke auf „Träden“, mit Ausnahme der Eröffnung anscheinend neu, ist über neun Minuten lang. Fein.

Gitarrist und Sänger Jakob Sjöholm, seit 1970 gelegentlich und seit 1995 festes Bandmitglied, leistet gute Arbeit, fehlt aber in Stücken wie dem effektgeladenen „OTO“ auch nicht unbedingt. Träden kriegen beides hin und das ist mindestens bemerkenswert.

Genres sind und bleiben Pipifax. Das Internet möchte trotzdem „Jam-Psych-Prog“ anetikettieren. Ich habe keine weiteren Einwände.

MusikPersönliches
Mein Musikfaschismus: Die Vierzehn überwinden

In der „New York Times“ wurde im Februar 2018 eine Kolumne veröffentlicht, der zufolge sich eines Mannes Musikgeschmack im Alter von 14 Jahren für endgültig erklärt. Es ist insofern denkbar, dass ich eines fernen Tages – vor meinem Ableben – noch einmal erklären soll, warum ich damals außer meinen ersten zaghaften Gehversuchen mit den Ärzten, den Toten Hosen, den Fantastischen Vieren und ein paar Punk- und Neopunkbands zweifelhafter Qualität vor allem Funktionsmusik für die für mich geeignete hielt; unter meinen ersten gekauften CDs (das kennen die Jüngeren ja gar nicht mehr, „CDs“ und „kaufen“) befanden sich mehrere von Künstlern, die sich DJ nannten oder wenigstens einen solchen zur Aufführung ihrer Werke benötigten.

Dass ich vieles, was ich heute für unverzichtbare Musik halte, mit 14 Jahren als störendes Relikt aus Nachkriegszeiten wahrgenommen habe, ist mir heute nicht einmal peinlich, sondern vielmehr ein Zeichen für den Willen zur Selbstverbesserung. Ich weiß nicht, ob ich dereinst, wenn mein schon jetzt gelegentlich Dummheiten ausheckender Verstand sich aufs Altenteil zurückgezogen haben wird, plötzlich wieder großes Interesse an der aus wenigstens qualitativer Sicht einigermaßen schlimmen Musik aus den Neunzigern haben werde, wahrscheinlich wird mich aber auch das dann nicht mehr besonders stören. Allein: Ist es nicht wundervoll, dass es so viel zu entdecken gibt? Und sollten nicht diejenigen, die gelegentlich feststellen, dass mein Musikgeschmack nicht der ihre ist, sich vielmehr darüber freuen, dass ich nur anstrengende Rock- anstelle blöder Stampfmusik für fantastisch halte?

Der Autor der „New York Times“, Seth Stephens-Davidowitz, ungefähr in meinem Alter, schließt seinen Text mit der nahe liegenden Frage: Wenn die Zahlen stimmen – warum hat er sich nur so abnormal entwickelt? Eigentlich ist das ein prima Ziel für jeden, dem der große Plan noch fehlt: Die Vierzehn überwinden und sich abnormal entwickeln. Man bekommt so ein angenehmes Lebensgefühl dadurch.