Netzfundstücke
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Die Ver­kehrs­wen­de nimmt den Autos die Geh­we­ge weg!!1!

Auf „ala­my”, also in einer gro­ßen Daten­bank für Agen­tur­fo­tos, gibt es eine prall gefüll­te Kate­go­rie vol­ler Indi­vi­du­al­ver­kehr, der auf Geh­we­gen her­um­steht. Ich möch­te nicht aus­schlie­ßen, dass die­se Beob­ach­tung etwas mit die­sem merk­wür­di­gen Satz von „SPIE­GEL ONLINE” zu tun hat:

Lasten­rä­der boo­men – und neh­men in Städ­ten recht viel Platz weg.

Böse Lasten­rä­der.

MontagsmusikNetzfundstücke
Soft Grid – Corol­la // DuckDuckGone

Hi, na?Es ist (recht­lich gese­hen) Mon­tag. End­lich mal eine frie­dens­po­li­ti­sche For­de­rung, die dis­kus­si­ons­wür­dig ist: Poli­ti­ker an die Front! „Why do we always send the poor?” (System of a Down, ähn­li­cher Kontext).

Ein Blick in die Tech­nik: Die als Web­brow­ser getarn­te Wer­be­platt­form Goog­le Chro­me hat jetzt einen eige­nen Comic bekom­men, der erklärt, war­um man sie lie­ber nicht nut­zen soll­te. Die deut­sche Über­set­zung des Comics hat Stern­chen mit­ten im Wort, aber die eng­li­sche Ver­si­on ist ja auch erfri­schend gut zu lesen. Das kann man von tech­ni­schen Aus­füh­run­gen die­ser Tage lei­der nicht immer behaupten.

Hier, gran­di­os komi­sche Fel­sen­kunst aus Austra­li­en zum Aus­gleich: Zwei tan­zen­de Frau­en beim Menstruieren.

Felsenkunst

Angeb­lich steht das Bild unter einer Crea­ti­ve-Com­mons-Lizenz, aber das glau­be ich nicht. Das Motiv ist ja doch schon ein biss­chen älter als die CC-Lizen­zen. Zuge­ge­ben: Die Wahr­schein­lich­keit, dass sich die Urhe­ber über die­se Aneig­nung beschwe­ren, ist gering.

Statt­des­sen beschwe­ren sich Lin­ke über Lin­ke: „Queer­po­li­tik” sei „frau­en­feind­lich”, da kann man sich ja eigent­lich auch bloß mit einem Bier an den Rand set­zen und zugucken. Die­se Art von Zwist ist wit­zi­ger als Fuß­ball und geht einem nicht so sehr auf den Sack; schon, weil die Teil­neh­mer einen nicht in der Stra­ßen­bahn voll­grö­len. Ich hof­fe, das bleibt so. Fan­schals von sozio­lo­gi­schen „Mann­schaf­ten”, die sau­fend queer­theo­re­ti­sche Hym­nen brül­len, hät­ten im Super­markt gera­de noch gefehlt.

Noch vor einer Wei­le emp­fahl ich gern die Such­ma­schi­ne Duck­Duck­Go, die – als „Such­ma­schi­ne für Hacker” bekannt gewor­den – eine akzep­ta­ble Ergeb­nis­qua­li­tät mit eini­gen sehr nütz­li­chen Zusatz­funk­tio­nen ver­band. Bes­ser wird sie aber nicht; (am ver­gan­ge­nen Sonn­abend war übri­gens Welt­tag des Semi­ko­lons) neu­er­dings, behaup­tet „hei­se online” ent­ge­gen der Dar­stel­lung des Duck­Duck­Go-Grün­ders, wür­den dort neben all­zu rus­si­schen auch raub­mord­ent­füh­rungs­freund­li­che Web­sites wie The Pira­te Bay zen­siert. Das scheint nicht zu stim­men, aber selbst, wenn’s so wäre: unser­eins hat nicht nur einen Plat­ten­spie­ler, son­dern auch so sei­ne Quel­len für, ähem, aus­gie­bi­ge Hörproben.

So eine Rei­se durch den Hör­pro­ben­sta­pel bringt den der­art reich aus­ge­stat­te­ten Kon­su­men­ten gele­gent­lich und bekann­ter­ma­ßen zu sehr far­ben­fro­hen Land­schaf­ten. Bei Soft Grid muss­te ich lan­ge über­le­gen, mit wel­chem Stück vom Album „Corol­la” ich die Woche ein­läu­te. Es ist das Titel­stück geworden.

Soft Grid – Corol­la (Offi­cial Video)

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Medi­en­kri­tik XCII (Nach­trag): Kokos-Nüs­se mit der „Cos­mo­po­li­tan”.

Was hab’ ich im Juni 2015 gelacht, als die Redak­ti­on der „JOY” allen Ern­stes einen „Grape­fruit-Blo­wjob” emp­fahl. Die­ses Lachen habe ich seit­dem mit eini­gen ande­ren Men­schen geteilt, sie alle hal­ten allein den Gedan­ken dar­an schon für vor­ran­gig klebrig.

Ich habe ja ange­nom­men, seit 2015 habe sich wenig­stens die Welt der Sex­trends wei­ter­ge­dreht. Nichts Übles ahnend schau­te ich gera­de bei der „COS­MO­PO­LI­TAN” nach dem Rech­ten und fand die­se Annah­me bestä­tigt vor – Grape­fruits sind jetzt out, in hin­ge­gen ist das Mastur­bie­ren mit Kokosnüssen:

Spä­ter wur­de auch ein Name für die­se Vor­lie­be erfun­den. Ein Neo­lo­gis­mus wur­de geschaf­fen. Eine Wort­kom­bi­na­ti­on aus Coco­nut und „to nut“ was so viel wie eja­ku­lie­ren bedeu­tet. Gebo­ren wur­de das Coco Nut­ting – nach­ma­chen auf eige­ne Gefahr!

Aus gesell­schafts­theo­re­ti­scher Sicht fän­de ich es ja durch­aus ange­nehm, wür­den die Mache­rin­nen von Frau­en­ma­ga­zi­nen end­lich damit auf­hö­ren, Lebens­mit­tel über Penis­se stül­pen oder stül­pen las­sen zu wollen.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Mehr Jans für Deutsch­land! (8): Das Kompetenzchromosom.

Jah­re­lang reg­te ich mich dar­über auf, dass die Poli­tik Kom­pe­tenz als eine über­haupt nicht rele­van­te Qua­li­tät eines Mini­sters aner­kennt, son­dern Exper­ti­se eher für einen tak­ti­schen Nach­teil zu hal­ten scheint, aber das ist jetzt vor­bei:

Par­tei­che­fin Lang hat­te klar gemacht, dass eine Frau auf Spie­gel fol­gen sol­le und Kom­pe­tenz eine wich­ti­ge Vor­aus­set­zung sei. Für die Grü­nen ist aller­dings auch die Zuge­hö­rig­keit zu einem der Flü­gel, Rea­los oder Lin­ke, ein wich­ti­ges Kriterium.

Neue Fami­li­en­mi­ni­ste­rin gewor­den ist daher Lisa Paus, stu­dier­te Volks­wirt­schaft­le­rin und Poli­tik­wis­sen­schaft­le­rin und auch sonst bis­her nicht fami­li­en­po­li­tisch in Erschei­nung getre­ten. (Man könn­te dar­über strei­ten, ob es im Jahr 2022 noch zeit­ge­mäß ist, dass das Fami­li­en­mi­ni­ste­ri­um immer vom sel­ben der drei Geschlech­ter besetzt wer­den soll, aber das will ich gera­de nicht.)

Zuge­ge­ben: Ricar­da Lang hat­te nicht „klar gemacht”, dass die wich­ti­ge Vor­aus­set­zung Kom­pe­tenz sich unbe­dingt auf den kon­kre­ten Posten bezie­hen müs­se. Jemand, der mal was stu­diert hat, ist ja durch­aus mög­li­cher­wei­se in den Stu­di­en­fä­chern kom­pe­tent. Trotz­dem hät­te ich lie­ber eine Exper­to­kra­tie, eine Herr­schaft derer, die wis­sen, wovon zur Höl­le sie über­haupt reden.

Das dür­fen dann gern auch Frau­en sein.

(Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7)

Netzfundstücke
💩 (10)

Puh, na „end­lich”:

Neu­es Paper: Vor­schlag für ein Impf-Emo­ji, um die digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­on zu verbessern.

Als ich noch jung weni­ger alt war, gab es exakt drei Emo­ti­cons (so hei­ßen „Emo­jis”, die meist um 270 Grad [die deutsch­spra­chi­ge Wiki­pe­dia faselt der­zeit irgend­was von „90 Grad”, aber das wäre anders­rum] gedreht wor­den sind und aus­schließ­lich den ASCII-Zei­chen­satz ver­wen­den), die uns voll­kom­men gereicht haben, um alle rele­van­ten Ergän­zun­gen zu text­li­chen Aus­füh­run­gen vor­neh­men zu kön­nen: :-), :-( und ;-). Ich fin­de nicht, dass uns damals ein Impf-Emo­ji gefehlt hat.

Aber wir haben ja Platz für so was. Den müs­sen wir voll­ma­chen. Aus Gründen.

Wirtschaft
Stellt euch den Genuss ein­fach vor.

Die Bren­ne­rei Ard­beg, bekannt für zwar viel zu teu­re, aber doch recht köst­li­che rau­chi­ge Whis­kys, hat­te, lässt sie über einen News­let­ter ver­mel­den, eine ganz tol­le Idee:

Ard­beg Fon Fhòid ist ein limi­tier­ter Release mit 456 vir­tu­el­len Fla­schen, der ab dem 19. April welt­weit und exklu­siv auf BlockBar.com erhält­lich sein wird. Block­Bar han­delt NFTs (Non-Fun­gi­ble Token) als digi­ta­le Ver­mö­gens­wer­te für eine Viel­zahl beson­de­rer Destil­la­te auf sei­ner Platt­form. (…) Die­ser kann auf­be­wahrt, gehan­delt oder in eine phy­si­sche Fla­sche getauscht werden.

Zur Unsin­nig­keit von NFTs – also von vir­tu­el­len Anteils­schei­nen an eben­so vir­tu­el­len Gütern, d.h. belie­big und frei kopier­ba­ren Waren – ist anders­wo schon hin­rei­chend aus­führ­lich refe­riert wor­den, daher erlau­be ich mir statt­des­sen fol­gen­den Kom­men­tar: Sei­ne Kun­den für eine sehr limi­tier­te Abfül­lung (erfah­rungs­ge­mäß sind das bei Ard­beg sol­che, die auf kei­nen Fall jemals jemand trin­ken wür­de, weil: ist ja teu­er, ist ja Wert­an­la­ge) bren­ne­rei­üb­li­che Prei­se – zur­zeit liegt der „Preis” für die „Fla­sche”, eti­ket­tiert als 1 Ethe­re­um, bei etwa 3.000 US-Dol­lar – zah­len zu las­sen und ihnen dann mit ihrem Ein­ver­ständ­nis bloß ein vir­tu­el­les Irgend­was zu schicken, das sie sich dann „auf­be­wah­ren” (also hübsch ins digi­ta­le Whis­ky­re­gal) legen sol­len, aber sich dann nicht mal, fru­striert über die­se unglaub­lich dum­me Idee, mit dem Neu­erwerb einen rein­lö­ten kön­nen; Respekt, Ard­beg – die Nische der­je­ni­gen, die ich auf gar kei­nen Fall jemals auf einem Whis­ky­ta­sting sehen woll­te, habt ihr ziel­si­cher ent­deckt und besetzt.

Gut, Rum ist ja auch mal ganz schön.

Nerdkrams
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Wer­be­blocker gegen den Frieden

Auch die Soft­ware­welt ist seit der Ukrai­ne­sa­che – die ande­ren Krie­ge sind hier­zu­lan­de ja weit­ge­hend egal, sie tref­fen ja nur Frem­de – nicht frei von andau­ern­der poli­ti­scher Ansichts­äu­ße­rung. Mei­ne Beach­tung erfährt der­zeit fol­gen­der Hin­weis von der Web­site des Musik­spie­lers foobar2000:

Die Wer­be­ein­nah­men auf foobar2000.org der ver­gan­ge­nen zwei Mona­te wur­den zwecks Unter­stüt­zung ukrai­ni­scher Kriegs­flücht­lin­ge gespendet.

(Über­set­zung von mir.)

Nun ist’s natür­lich die per­sön­li­che Vor­lie­be jedes Wer­be­trei­ben­den, was er mit dem Geld anzu­fan­gen gedenkt, und wenn er’s halt nicht ver­sau­fen, son­dern ver­schen­ken will, bleibt’s ihm unbe­nom­men; allein: Wer­be­blocker waren, sind und blei­ben digi­ta­le Selbst­ver­tei­di­gung, ihre Nut­zer (dar­un­ter auch ich) sehen auf foobar2000.org ledig­lich den Text „adver­ti­se­ment”, jedoch kei­ne Werbung.

Da die Poli­tik aber gera­de alles weg­ver­bie­ten zu kön­nen prüft, was irgend­wie nach ange­wand­ter mili­tä­ri­scher Ukrai­ne­kri­tik aus­sieht (vom Buch­sta­ben Z bis hin zur rus­si­schen Flag­ge), kommt mir als altem Netz­po­li­ti­ker völ­lig unab­hän­gig von mei­ner per­sön­li­chen Hal­tung in vor­be­zeich­ne­ter Ange­le­gen­heit ins­be­son­de­re fol­gen­de Sor­ge in den Sinn: Zwar schei­tert das BWL-Geschmeiß seit Jahr und Tag am Ver­such, die Selbst­be­stim­mung des Rezi­pi­en­ten in Form des lokal wer­be­frei­en Webs gericht­lich ver­bie­ten zu las­sen, aber wird das auch noch so lau­fen, wenn irgend­ein fin­di­ges Arsch­loch aus dem Rekla­me­ge­schäft Wer­be­blocker unter Bezug­nah­me auf Bei­trä­ge wie den oben zitier­ten des foo­bar2000-Ent­wick­lers als gegen ukrai­ni­sche Flücht­lin­ge gerich­tet anprangert?

Persönliches
Lie­be ohne Maske

(Aber es ist ande­rer­seits auch ganz inter­es­sant, die selt­sa­me neue Halb­masken­halb­welt aus dem Auge – eins muss rei­chen – des schel­mi­schen Beob­ach­ters zu sehen, denn die Wie­der­kehr von Mimik und Gestik macht Gesprä­che nicht nur leb­haf­ter, sie fügt über­dies auch alte Ebe­nen wie­der ein, die man ver­lo­ren wähn­te; zwar steigt wie­der die Gefahr, ein­fach mal unver­mit­telt eine rein­zu­be­kom­men [hab’ ich neu­lich gete­stet, mach’ ich nicht mehr, war nicht gut], doch steigt mit ihr auch der Reiz der Konfrontation.

Liebe ohne Maske

„Wer auf­gibt, ver­liert” funk­tio­niert als Ver­spre­chen auch nur so lan­ge, bis man’s aufgibt.)

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusik
Mes­sa – Pil­grim // End­lich mal ein Mann für Frankreich.

Schöne Rücken können auch entzücken.Es ist Mon­tag. Oh Gott­plus! Das Umwelt­bun­des­amt möch­te jetzt doch lie­ber wie­der Koh­le­strom erzeu­gen, um es Putin mal so rich­tig zu zei­gen. Zit­tert er schon?

Deut­sche Medi­en erschau­dern (Archiv­ver­si­on): Statt des Put­in­ver­ste­hers Emma­nu­el Macron könn­te die Put­in­ver­ste­he­rin Mari­ne Le Pen künf­tig Prä­si­den­tin von Frank­reich sein. Es ist bemer­kens­wert, wie vor­bild­lich unwich­tig das Geschlecht eines Bewer­bers um das höch­ste Staats­amt plötz­lich sein kann, wenn der Mann am Ende doch der medi­al sym­pa­thi­sche­re Kan­di­dat ist als die Frau. Beim „Tages­spie­gel” berich­ten sie in der Spar­te „Poli­tik” im sel­ben Kon­text von fünf Fran­zo­sen, die vor dem Fern­se­her die Wahl­be­richt­erstat­tung anguck­ten. Man ver­sprach mir (Femi­nis­mus und) Verlagssterben.

Kauf dich glücklich

Die lang­wei­li­ge Musik­grup­pe Pink Floyd hat ihre ver­spro­che­ne end­gül­ti­ge Auf­lö­sung noch mal rück­gän­gig gemacht, wie der „Rol­ling Stone” in einem gram­ma­ti­ka­lisch frag­wür­di­gen Arti­kel erzählt. Der Aus­lö­ser ist irgend­was mit der Ukrai­ne, aber ich fin­de ja, das hat die Ukrai­ne nicht ver­dient. Dort ist es doch gera­de schon furcht­bar genug.

Weni­ger furcht­bar als Musik für die Ukrai­ne: Musik aus Italien.

MES­SA – Pil­grim (OFFI­CIAL VIDEO)

Guten Mor­gen.

Persönliches
Die neue, merk­wür­di­ge Halbmaskenhalbwelt.

Gestern ging ich erst­mals seit nach Coro­na in eine Bar. So könn­te ein Witz begin­nen, aber so beginnt jeden­falls jetzt nur eine Alltagsbeobachtung.

Begrüßt wur­de ich, die Usus gewor­de­ne FFP2-Mas­ke noch am Hand­ge­lenk befe­stigt, schon am Ein­gang mit dem erfreu­ten Hin­weis, die Mas­ke kön­ne ja jetzt end­lich weg, was zumin­dest inhalt­lich stimm­te. Es trug in der Bar daher auch nie­mand mehr eine, weder beim Gehen noch beim Sit­zen. Nut­zer sozia­ler Medi­en kri­ti­sie­ren gera­de, dass der Bun­des­tag sich eine gesetz­li­che Impf­pflicht zu instal­lie­ren gewei­gert hat, als wäre es dar­um jetzt ver­bo­ten, sich imp­fen, boo­stern und sonst­wie schüt­zen zu las­sen; und auch das Mas­ken­tra­gen ist nicht ver­bo­ten. Es gibt im Super­markt ja auch kei­ne Hosen­pflicht, ich tra­ge trotz­dem lie­ber eine. (Vor­stel­lun­gen davon, was ich sonst so tra­ge und was nicht, sind hier­aus übri­gens kei­nes­falls abzuleiten.)

Super­markt­be­su­che sind gera­de aller­dings aus ande­ren Grün­den merk­wür­dig. Heu­te sah ich mich aus orga­ni­sa­to­ri­schen Grün­den genö­tigt, eine Ein­kaufs­pas­sa­ge mit ver­schie­de­nen dar­in ent­hal­te­nen Geschäf­ten auf­zu­su­chen. Fast jeder trug eine Mas­ke, jeder eine Hose; wäh­rend aber die Hosen augen­schein­lich an der eini­ger­ma­ßen rich­ti­gen Stel­le saßen, sah ich Men­schen mit Kinn­mas­ken und Men­schen mit Mund­schutz, aber frei­er Nase. Es ist nicht mei­ne Art, mich in die Mode­vor­stel­lun­gen ande­rer Leu­te ein­zu­mi­schen, aber dass das Ende der Mas­ken­pflicht dazu füh­ren wür­de, dass Men­schen jetzt mit bescheu­ert sit­zen­der Mas­ke ein­kau­fen gehen, kommt doch etwas unerwartet.

Der Vor­sit­zen­de der F.D.P., deren Schuld das ist, übt sich in ande­ren Belan­gen in Auto­me­ta­phern: Man habe, die Ener­gie­prei­se betref­fend, einen „wirt­schafts­po­li­ti­schen Stoß­dämp­fer” vor­ge­stellt, ver­kün­de­te Chri­sti­an Lind­ner heu­te. Ver­ta­ne Chan­cen: den Fall der Mas­ken­pflicht als „gesell­schafts­po­li­ti­sches Anti­blockier­sy­stem” und die Gas­lie­fe­rungs­ver­hand­lun­gen mit dem Unrechts­staat Katar eine „ener­gie­po­li­ti­sche Ser­vo­len­kung” zu nen­nen. Viel­leicht ja näch­stes Mal!

In den NachrichtenWirtschaft
Kreisch.

Auch Japans Wirt­schaft dürf­te schwer unter den Fol­gen des Ukrai­ne-Kriegs lei­den, sagt der Inter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds IWF vor­aus. Die­ses Jahr sei nur noch mit einem Wachs­tum von 2,4 Pro­zent zu rech­nen, teil­te der IWF mit.
„ZEIT ONLINE”

Ich würd’ mich ja über 2,4 Pro­zent Lohn­wachs­tum pro Jahr freu­en, ne.

(Wo bleibt eigent­lich die Revolution?)

NetzfundstückePolitik
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 6. April 2022

Gei­le Idee der Deut­schen Bahn des Monats: Digi­ta­li­sie­rung fin­den wir so gut, wir las­sen Men­schen ohne Smart­pho­ne bald ein­fach kei­ne Bonus­punk­te mehr sam­meln. Nehmt dies, ihr Omas!


Die USA sind auf­ge­schreckt: Chi­na (350 Nukle­ar­spreng­köp­fe, erklär­ter Ver­zicht auf den Erst­ein­satz) bedro­he ihre (3.750 Nukle­ar­spreng­köp­fe, kein Ver­zicht auf den Erst­ein­satz) „Sicher­heit”. Da muss mal einer, muss mal wer. – Die­sel­ben USA haben einen Teil ihrer Sank­tio­nen gegen Russ­land im Übri­gen zurück­ge­nom­men. Kann man da nicht mal irgend­wen can­celn oder ist das schon in Ord­nung so?


Auch die „taz” hat Angst und repro­du­ziert daher das Nar­ra­tiv der „Beson­der­heit der Mut­ter-Kind-Bezie­hung”. Väter sind über­be­wer­tet. Direkt ver­bie­ten, sag’ ich.


Had­mut Danisch (All­er­gi­ker­war­nung: Had­mut Danisch) fragt zu Recht: War­um schrei­ben Men­schen eine E‑Mail, um dar­um zu bit­ten, dass man Whats­App instal­liert, damit sie eine Bot­schaft über­mit­teln können?


Hihi: „Bei den aktu­el­len Heiz­öl­prei­sen ist es ver­mut­lich bil­li­ger, den Win­ter auf Tene­rif­fa zu verbringen.”

In den NachrichtenMontagsmusik
Sarah Lesch – Das mit dem Mond // Por­no­wahl­kampf in Nordrhein-Westfalen

Manche Tage sind Zwei-Pandas-Tage.Es ist Mon­tag. Die Online-„FAZ” schwa­fel­te gestern etwas von „Blut­dia­man­ten aus Russ­land”. Es ist ja immer alles Blut neu­er­dings. Blut­mond ist aber erst im Mai wie­der. So lan­ge muss der Rus­se noch warten.

Die Ber­li­ner DKP beklagt, dass jemand ein Sowjet­denk­mal mit einer ukrai­ni­schen Flag­ge zuge­deckt habe. Dabei war die Ukrai­ne doch eine Sowjet­re­pu­blik; passt also. Unter­des­sen boy­kot­tiert man deut­sche Scho­ko­la­de, weil die auch in Russ­land ver­kauft wird. So lan­ge das Leid syri­scher, ukrai­ni­scher und afgha­ni­scher Men­schen dar­an gemes­sen wird, unter wel­cher Flag­ge sie zer­fetzt wer­den, sehe ich ja noch Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al in ganz ande­ren Struk­tu­ren, aber dafür kriegt man nun mal weni­ger Herz­chen auf Twit­ter. Wir lei­den an Zuvie­li­sa­ti­on, fürch­te ich.

Coro­na ist rum, Wahl­kampf geht wei­ter. Der Kada­ver der ehe­ma­li­gen Pira­ten­par­tei möch­te in Nord­rhein-West­fa­len gewählt wer­den und fasst sei­ne Inhal­te daher auf einem Bild auf Twit­ter zusam­men: Kon­do­me mit pro­gress flag und Pira­ten­lo­go drauf. Es geht nur noch ums Bum­sen. Erstaun­lich, dass Por­noweb­sites trotz­dem gesperrt wer­den, obwohl eine Par­tei sich so auf die­ses The­ma kon­zen­triert. Die vier „Pira­ten” im Euro­päi­schen Par­la­ment freu­en sich unter­des­sen: Die dor­ti­gen Par­la­men­ta­ri­er fin­den die Idee von Mes­sen­ger-Inter­ope­ra­bi­li­tät über­wie­gend gut. Wie ein Ende-zu-Ende-ver­schlüs­sel­ter Mes­sen­ger aller­dings sei­ne Cha­tin­hal­te über das Pro­to­koll eines ande­ren Mes­sen­gers frei­ge­ben soll, ohne sei­ne Ver­schlüs­se­lung fak­tisch auf­zu­ge­ben, steht da nicht. Ich ahne, war­um es für die­sen Vor­schlag eine Mehr­heit zu geben scheint. Jemand soll­te mal eine Par­tei grün­den, die sich mit dem Inter­net und sei­nen Frei­hei­ten beschäf­tigt. Viel­leicht ja jemand aus der CSU?

Apro­pos: In Mün­chen hat ein „E‑Scooter” wie­der jeman­den fast umge­bracht, betei­ligt war Alko­hol. Da ich noch nie jeman­den auf einem die­ser Gefähr­te gese­hen habe, der nüch­tern gewe­sen wäre, hal­te ich es inzwi­schen für der All­ge­mein­heit dien­lich, wenn Fah­rer eines sol­chen „Scoo­ters” sicher­heits­hal­ber ihren Füh­rer­schein abge­ben müs­sen, bevor sie ihn über­haupt bewe­gen. Dann ste­hen die (die Gerä­te, nicht die Fah­rer; obwohl, hihi) viel­leicht auch nicht mehr ganz so oft blö­de im Weg rum.

Als der All­ge­mein­heit dien­lich erach­te ich auch Musik. Im Juni 2018 schrieb ich dies­be­züg­lich, ich kön­ne der Lie­der­ma­che­rin Sarah Lesch „etwas abge­win­nen”, aber bis­her blieb die­se Fest­stel­lung – ent­ge­gen mei­nen Gewohn­hei­ten – ohne Nen­nung eines Bei­spiels. Weil ich jedoch am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de das mich selbst über­ra­schen­de Ver­gnü­gen hat­te, mir ihre Kunst mal live und in (zu viel) Far­be anzu­gucken, und auf­grund welt­po­li­ti­scher Ent­wick­lun­gen bie­tet es sich tat­säch­lich musi­ka­lisch und text­lich an, das jetzt nach­zu­ho­len. Nicht, dass es wie­der heißt, ich höre immer nur so unan­ge­neh­men Kram.

All das gab es schon einmal.

Sarah Lesch – Das mit dem Mond (Offi­zi­el­les Video)

Guten Mor­gen.