In den NachrichtenPolitik
Eine gute und eine schlechte Nachricht zum Überwachungsstaat

Gute Nachricht:
Der totalitäre Unrechtsstaat USA darf künftig nicht mehr ohne einen (notfalls frei erfundenen) personenbezogenen Anlass die Laptops und Smartphones von Einreisenden durchsuchen.

Schlechte Nachricht:
Der totalitäre Unrechtsstaat Deutschland darf vielleicht bald aus einem weiteren Anlass die Computer von Einwohnern mit Schadsoftware infizieren.

Zu wenige Menschen werden aus Notwehr politisch.

ComputerIn den Nachrichten
Wer sich in die „Cloud“ begibt, der kommt darin um (5).

Es macht ja schon gar keinen Spaß mehr, zu dieser gestrigen Meldung noch gesondert etwas zu schreiben:

Aktuell melden Nutzer dem netzwelt-Störungsmelder vermehrt Probleme mit diversen Cloud-Diensten wie Netflix, Amazon Video, Amazon Alexa oder YouTube. Die Probleme liegen aber offenbar nicht bei den Anbietern selber, sondern könnten mit einem Problem bei den Cloud-Plattformen Google Cloud und Amazon Web Services zusammen hängen.

Na, auch keine große Festplatte im Haus, weil die cloud ja sowieso immer verfügbar und so praktisch sei? :ja:

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: bensnburner – noclip

bensnburner - noclipLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Weil ein Stück dieses Albums mir zur Montagsmusik taugte, habe ich mir mal das ganze Album angesehen. Es stammt von bensnburner aus Freiburg, das ein Einmannprojekt zu sein scheint (also bensnburner, nicht Freiburg), und heißt, benannt nach einem Cheatcode aus dem Spiel Doom, „noclip“ (Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL). Dennoch hat Bandchef Ben Krahl sich hier mit fünf anderen Musikern zusammengetan, darunter Harald Kimmig an der Violine und -- wie schon zuvor -- Bene Abert an Hammondorgel, Perkussion und special FX, was immer das für ein Instrument sein soll. Das verspricht Abwechslung.

Die enthaltenen Stücke sind mal der instrumentalen Rockmusik („blush response“), mal den Experimenten der frühen Krautrocker („#FFFFFF“, „do we give a damn?“) nahe, aber auch Tanzmusik („ITSTANTRUM“) wird gespielt. Die Reihe „routing retirement of a replicant“ wird in Teil 3 ambient fortgesetzt:

Routine Retirement of a Replicant, Pt. 3

In „SUCKMYROCKET“ hat schließlich auch die Violine Platz für ein ausgedehntes Solo.

In den selbst auferlegten Etiketten zu dem Album ist von Postrock und Free Jazz die Rede, aber der Rest passt: Electronic, experimental, ambient, doom, Freiburg. Ja, verdammt. Nettes Album und trotz seiner etwas inkonsistent wirkenden Stilmischung immerhin beachtlich für Freunde der Elektronik.

ComputerIn den Nachrichten
Deutsch verbieten!: Das NetzDG in Babel

Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz („NetzDG“), das die rechtspopulistische SPD unter großem Jubel der sozial Korrekten installiert hat, ist ein großer Erfolg: Endlich wird Hassrede konsequent und automatisiert aus dem Internet ferngehalten. Da Algorithmen bekanntlich auch keine Fehler machen, ist die Wahrscheinlichkeit, damit mehr Schaden anzurichten als nötig, schlicht zu vernachlässigen. Wir reinigen das Netz von allem Schmutz!

Selbst schuld, wer Deutsch spricht:

Weil der deutsche Artikel „die“ von englisch trainierten Algorithmen als „stirb“ gelesen wird, kann es einem passieren, dass Twitter einen blockt, wenn man „die Boomer“ schreibt.

Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz muss dringend um einen Zusatz erweitert werden, der die Verwendung von Anglizismen untersagt. :ja:

The Simpsons - Die Bart Die (English)

Und obwohl ich als Sprachpurist einen solchen Vorstoß für einen amüsanten hielte: Mir ist wirklich unklar, warum jemand etwas dagegen haben sollte, dass deutsche Politiker aus stolz uralten Parteien sich in Netzpolitikfragen legislativ äußern. Man kann doch so etwas nicht dem Pöbel überlassen!

Netzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Warum ist t3n so doof?

Unter der an sich schon beknackten Überschrift „Warum ist das Netz so rechts?“ lässt Jan Vollmer auf „t3n“ eine „Extremismus-Forscherin“ Unsinn reden:

Die Rechten haben sich sehr geschickt als Gegenkultur zum Status quo inszeniert. (…) Es gibt auch Studien, die zeigen, dass selbst das Empörungs-Emoji schneller viral geht als andere Emojis.

Da hilft nur mehr Geld für die Amadeu-Antonio-Stiftung! :ja:

Kann ich diesen Journalismus noch mal sehen?


Inzwischen woanders: Golem.de bittet darum, nicht mehr verlinkt zu werden.

MontagsmusikPiratenpartei
bensnburner – do we give a damn? // #bpt192 (Nachlese)

😒Es ist Montag. Das Datum weist im Schrieb gehäufte Wiederholungen auf. In ganz Deutschland drehen alberne Schüler heute bestimmt wieder durch. Manchmal wäre ich auch gern wieder so, aber eigentlich bin ich allgemein sehr ungern.

Apropos: Am jüngst vergangenen Wochenende hielt die Piratenpartei Deutschland einen ihrer skurrilen Parteitage ab. Dort wurde unter anderem einer der seltsamen Klimanotstände beschlossen, wobei die Antragstellerin argumentierte, dass man das Klima am besten retten könnte, indem man Rechenzentren runterfährt. Die Digitalisierung hat es 2019 nicht leicht mit der Politik. Außerdem wurde aber ein neues Bundesvorstand gewählt, darunter ein politischer Geschäftsführer, der gar keine Zeit für seine Aufgabenerfüllung hat, und eine unreife Siebzehnjährige, die für den Hinweis auf ihr Alter bereits hinreichend viel Applaus erhalten hatte, so dass irgendwelche störenden Qualifikationen gar nicht mehr gefragt waren. Das wäre weniger traurig, wenn es stattdessen eine andere netzpolitisch interessierte Partei gäbe, die nicht pünktlich am Wahlabend ihr Programm umdreht.

Der „Guardian“ empfiehlt, freudig allein zu sterben. Finde ich nicht gut, aber mit Musik ist man ja auch nie allein.

Zum Beispiel mit dieser.

bensnburner - do we give a damn?

Guten Morgen.

In den NachrichtenNerdkrams
Zwei tolle Datenschutzideen

Die erste tolle Idee kommt von der SPD:

Der Generalsekretär der SPD, Lars Klingbeil, fordert, Unternehmen wie Facebook, Amazon oder Google die alleinige Kontrolle über Nutzerdaten zu entziehen. (…) Klingbeil fordert vor diesem Hintergrund eine „Pflicht für marktbeherrschende Unternehmen auf datengetriebenen Märkten, ihre Sachdaten und anonymisierten Daten über Nutzerpräferenzen zu teilen“. (…) Der SPD-Politiker plädiert daher für die Errichtung einer „staatlichen Agentur“, die definieren solle, was datengetriebene Märkte seien, „und den Datenzugang und Datenaustausch organisieren und überwachen“.

Übersetzt in eine vernünftige Sprache bedeutet das: Der Generalsekretär der SPD, Lars Klingbeil, fordert, dass der Staat jemanden damit beauftragt, Dienste wie zum Beispiel Messenger wie Threema und ICQ, deren Fokus im Bestfall darauf liegt, dass möglichst viele Metadaten möglichst das Gerät des Nutzers nicht verlassen, mit wachsamen Augen dabei zu begleiten, diese Metadaten pflichtgemäß „anonymisiert“ in die Cloud zu kippen. Der Zweck dahinter sei es, vermeintliche Datenmonopole aufzubrechen, denn private Daten gehören gefälligst – wie früher – in die öffentliche Hand und nicht in die Hand von ebenfalls privaten Unternehmen. Die Nutzerpräferenzen von Facebookteilnehmern muss auch Google bekommen dürfen. Wegen der Marktmacht.

Ich wünschte, es gäbe eine Pointe. Zum Glück ist die SPD bald vorbei.

Die zweite tolle Idee kommt aus Baden-Württemberg, wo die Datenschutzgrundverordnung Kommunen – wie überall sonst – zur Datenverschlüsselung zu überreden versucht.

Verschlüsselung? Was war das noch mal? Ach ja:

[Die Datenaufsichtsbehörde] weist darauf hin, dass einige Gemeinden die Frage nach der Verschlüsselung von Datenträgern offensichtlich nicht verstanden haben. Denn es kam mehrfach zu Antworten wie diesen: „Alle Datenträger befinden sich in mit Schlüsseln abschließbaren Räumen. Zudem wird der Eingang des Rathauses mit einem Zugangscode gesichert.“

Da kommt kein Hacker rein: Die Tür ist zu! :ja:

In den NachrichtenPolitik
Grünes Vergessen

Ich, gestern, zum Verbot zu harter Hartz-IV-Sanktionen:

Die verfassungsfeindlichen Parteien SPD und Die Grünen wurden heute vom Bundesverfassungsgericht abermals eines verfassungsfeindlichen Gesetzes überführt.

Die Grünen, auch gestern, zum selben Thema:

Es ist menschenunwürdig, mit Druck und Zwang zu erziehen. Die Regierung muss das Urteil schnellstmöglich umsetzen.

Mit den Grünen in der Regierung wäre so ein Erziehen niemals passiert! :ja:

Netzfundstücke
Magazin-Wahl-O-Mat und anderes

Was für eine großartige Idee aus der Redaktion des sowieso erfrischenden Magazins „Katapult“:

Finden Sie heraus, welches journalistische Produkt zu Ihnen passt.

Dass sowohl „Katapult“ als auch der es werbend unterstützende „Postillon“ in der Auswahl der zurzeit fünfzig gewerteten Magazine vorkommen, überrascht kaum, ist aber auch kein Grund zur Kritik, denn beide empfehle ich zumindest zu kennen. Dem Stil des Magazins angemessen sind die Fragen: Möchte man am liebsten etwas lesen, worin halbnackte Menschen vorkommen? Ist journalistischer Ethos wichtig? Sind Verschwörungstheorien Humbug?

Ob das design, das nicht zufällig an den Wahl-O-Maten erinnert, als künstlerische Adaption oder als Urheberrechtsverletzung gilt, mag sich noch herausstellen. Bis wenigstens dann ist der „Les-O-Mat“ eine Website, auf die hingewiesen zu haben ich wenigstens mal möchte. Hiermit getan.


In weiteren Nachrichten: Die verfassungsfeindlichen Parteien SPD und Die Grünen wurden heute vom Bundesverfassungsgericht abermals eines verfassungsfeindlichen Gesetzes überführt. Plötzlich finde ich die Idee, Parteien, die sich nicht an das Grundgesetz halten möchten, schnell zu verbieten, erstaunlich charmant.

In den NachrichtenMontagsmusikNetzfundstücke
The Comet Is Coming – Summon The Fire

Schon wieder Montag‽Es ist Montag. Die Bahn solle ja, heißt es, demnächst die Preise steuerbedingt senken. Dann ist ja noch Geld für saftige Lohnerhöhungen übrig! Ich habe den Beruf verfehlt. Skrupelloser Verwaltungsposteninhaber hätte ich werden sollen.

Linus Torvalds ist inzwischen in Bill Gates‘ Sphären vorgerückt, wie das Netz verrät, denn er sei der Ansicht, er sei kein Programmierer mehr. Ich wünschte, seine Anhänger höben ihn auf dieselbe Art vom Podest. Wer nur noch E-Mails bearbeitet und keinen Code mehr schreibt, der ist den Arbeitleistenden nur noch wenig mehr als ein Sekretär. Die Welt der open source scheint nicht die Welt derer zu sein, die sich noch um Leistungen scheren, was sicherlich vieles erklärt.

Auch in den Medien: Carola Rackete, prominentes Mitglied derer, die zwecks missverstandener „Seenotrettung“ weder die Souveränität eines Staates noch internationales Recht anerkennen, hat ein Buch namens „Handeln statt Hoffen“ schreiben lassen. Es trägt den Untertitel „Aufruf an die letzte Generation“, was das ungefähr Einzige ist, was zum Nicken veranlasst, denn allein das baldige Aussterben der Menschheit kann den Planeten dauerhaft erhalten. Wenn ich jetzt zum Thema -- also zur Buchkritik -- auf „Tichys Einblick“ verlinke, kriege ich hier bestimmt wieder blöde Kommentare, die sonst ausbleiben, wenn ich nur auf die blöde „taz“ verweise. Damit beginne ich eine Woche doch herzlich gern.

Nur geringfügig gerner aber beginne ich sie mit Musik. Jazz, nämlich.

The Comet Is Coming - Summon The Fire

Guten Morgen.

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: „Was soll der Quatsch?“

Auf Netflix, der Videothek für Menschen, denen langfristige Investitionen zuwider sind, scheint es eine politische Serie zu geben, deren Protagonisten Daniel Gerhardt („ZEIT ONLINE“) schrecklich missfallen:

Was soll der Quatsch?

Beworben wird die „Kritik“ ausgerechnet auf Twitter mit einem Unverständnis über die gewählte Ausdrucksform:

Die Radikalen in der Netflix-Adaption von „Die Welle“ sind auf einmal Globalisierungskritiker, Klimaschützer und Rassismusgegner. Das zeugt von mangelndem Fingerspitzengefühl.

Denn, ein Sprung zurück in den Artikel:

Die Bedrohung durch Rechtsextremismus und -terrorismus ist akut, die AfD quer durch alle Parlamente präsent. Im Osten gibt es No-Go-Areas für Menschen mit nicht weißer Hautfarbe. Jugendlicher Aktivismus gegen die Klimapolitik der Regierung wird vor allem in konservativen Kreisen zunehmend zynisch abgekanzelt. (…) Wir sind die Welle darf trotzdem über die vermeintliche Radikalität von fünf Schülern aus der Provinz sinnieren, die sich vage im linken Spektrum verorten.

In Deutschland ist die Realpolitik von gegensätzlichen Lagern geprägt, von denen eindeutig eine Seite die Guten und eine die Bösen stellt, und trotzdem werden die Figuren in einer fiktiven Serie als unsympathische Linke dargestellt. Wie unrealistisch! Buuuuh!

Zum Glück haben wir mutige Journalisten, die über unser mediales Wohl wachen. :ja:

In den NachrichtenPolitik
Neues von der Hasskriminalität

50 Jahre Internet und sie machen es kaputt.

Dem Wesen des Internets nämlich innewohnend ist neben seiner Grenzenlosigkeit, die implizit bedeutet, dass Landesgesetze seine Freiheit schon technisch nicht beschneiden können, auch das Versprechen, eine Art Apfelsinenkiste für jeden zu sein, dessen Anschluss qualitativ besser ist als die hiesigen Anschlüsse. Danke auch, Telekom.

Die bei der rechtspopulistischen SPD, aus Schrödergründen ursächlich für vielerlei Missmut, beheimatete Bundesjustizministerin erhebt aber Einwände:

Wer im Netz hetzt und droht, wird künftig härter und effektiver verfolgt.

Wie es von Ministerien zu erwarten ist, deren Vorstehende der Ansicht ist, Effektivität sei kein binärer Zustand, sondern steigerbar, wird das – einen Tag vor Halloween – gruselig verpackt:

Bundesregierung beschließt Maßnahmenpaket gegen Hasskriminalität und Rechtsextremismus[.]

Ob diese Verpaarung anderen Extremismen nicht einen unverdienten Vorteil verschafft, muss sich noch herausstellen. Stellenswert ist aber die Frage, was Hasskriminalität, ein juristisch seltsamer Begriff, umfasst. Ist es Hasskriminalität, dass die EVP, der auch die rechtspopulistische CDU angehört, im Mittelmeer Boote kentern lässt? Ist es Hasskriminalität, dass die SPD Waffen in die Türkei und nach Israel verschickt, damit die jeweiligen Despoten ihre Nachbarn noch etwas schneller dezimieren können? Ist ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg wie etwa im Kosovo ein Beispiel für Hasskriminalität? Wenn nicht: Warum soll es dann besonders hart bestraft werden, es in der virtuellen Welt an Manieren mangeln zu lassen?

Ein SPD-Gesetz regle das, schwätzt das Ministerium:

es werden Straftatbestände erfasst, wie z.B. öffentliche Aufforderung zu Straftaten, Volksverhetzung, Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung, Gewaltdarstellung, u.a.

Die Straftat Gewaltdarstellung ist im gegebenen Kontext nicht ohne Witz, bedeutet sie doch, dass man letztendlich die Verbrechen der Bundesregierung im Ausland nicht bildlich oder gar filmisch dokumentieren darf. Ist ja Gewalt drauf dann. 4 Twitternutzern gefällt das.

Das muss dieser rechtsfreie Raum sein. Kann ich die direkte Demokratie noch mal sehen?


Apropos gruselig: Das schreckensreichste Halloweenkostüm ist gefunden!