In den NachrichtenPolitik
Hoffnung Dexit (2): Terroristen! Kriminelle! Werber!

Im Juni 2017 schrieb ich:

Ein Politiker, der sich als liberal und als Menschenfreund versteht, sollte aus genau diesen Gründen und in Erfüllung seiner Verantwortung gegenüber denen, deren Interessen er zu vertreten verpflichtet ist, alles daran setzen, ein baldiges Ende der Europäischen Union herbeizuführen.

Sollte dieser Text plötzlich ebenso verschwinden wie ich, dann könnte es an den Plänen der Europäischen Union liegen, die Grenzen der Meinungsfreiheit geradezuziehen:

Die EU-Kommission will Online-Plattformen künftig auch in anderen Fällen als Urheberrechtsverstößen allgemein zum Einsatz von Upload-Filtern zwingen. Mit solchen „proaktiven Maßnahmen“ soll die Verbreitung illegaler und auch legaler, angeblich „schädlicher Inhalte“ verhindert werden. Außerdem könnten unerwünschte Veröffentlichungen mit der Sperrung von Online-Konten bestraft werden.

Wörtlich ist auf Seite 94 des Dokuments (lokale Kopie hier), die sich unter anderem damit befasst, dass auch „Terroristen und Kriminelle“ einfach so ohne Aufsicht ins Internet dürfen, als sei das bereits eine unzumutbare Gefahr, außer vom Feigenblatt der „child pornography“ von fake news und disinformation die Rede, was ich einerseits gut finde, weil es wohl jede Wahl- und sonstige Werbung unter Strafe stellt, andererseits aber aufgrund seiner sehr freien Formulierung gewisse Fallstricke birgt. Ab wann ist ein Ausdruck des Missfallens eine „hatred speech“ (ebd.)? Wie weit lässt sich „harmful content“ (abermals ebd.) fassen? Ich halte zum Beispiel „SPIEGEL ONLINE“ für einen solchen. Dreht die EU dem „SPIEGEL“ nach Beschluss das Internet ab oder gibt es da einen gewissen Ermessensspielraum?

So oder so – ich wiederhole mich: Es ist nicht alles schlecht in Großbritannien.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: glistening leotard – six butterflies slightly moving an elephant in a theatre

glistening leotard - six butterflies slightly moving an elephant in a theatreLange nichts mehr über Musik geschrieben.

glistening leotard -- „glitzernder Gymnastikanzug“ -- ist ein seit 2007 bestehendes Quintett aus Duisburg, das gelegentlich mal einen Tonträger in physikalischer oder virtueller Form veröffentlicht. Album/EP/Veröffentlichung Nummer 6, zurzeit aktuell, erreichte die Öffentlichkeit im November 2018 und heißt nach dem Vorgänger „GL5“ erneut durchnummeriert, nämlich „six butterflies slightly moving an elephant in a theatre“ (Bandcamp.com).

Die natürlich sechs Stücke heißen „butterflies“, „slightly“, „six“, „in a theatre“, „an elephant“ und „moving“ und werden keineswegs in der zu erwartenden Reihenfolge gespielt, denn das wäre ja langweilig. Bezüglich „six butterflies slightly moving an elephant in a theatre“ sollte allerdings jeder Anflug von Langeweile bereits beim Hören vergehen. Ich höre Post- („moving“) und Mathrock („butterflies“) ebenso wie diejenige Form der Popmusik, die bestimmt irgendeinen blöden Genrenamen bekommt, wenn ein Journalist sich an ihr versehentlich den Horizont stößt. „Lounge Metal“ nennt die Band das. Was für Metal hört man in so einer Lounge?

Die Kirsche auf dem Albenpudding ist der herrlich melodische Gesang Jessica Näsers. Gehört eine Kirsche eigentlich auf einen Pudding? Gehört irgendwas auf irgendwas?

Mainstream, befand das Internet zu diesem Album, „sei anders“. Mögen glistening leotard niemals den Weg des Andersseins gehen. Wir haben doch sonst nichts.

Netzfundstücke
Soylent Green for Future

Am 21. August 2019 vermeldete „Deutschlandfunk Nova“:

In unseren Flüssen schwimmen eingewanderte Krabben und Fische, die heimische Arten bedrohen. Bisher werden sie vernichtet. Wir könnten sie aber essen. Sollten wir sogar. Es sind nämlich richtige Delikatessen.

Einen Scherzbold – nämlich mich – verleitete das dazu, ausgerechnet auf Twitter zu fragen, warum der Mensch bei Tieren auf die einfachste Lösung komme, während ihm der richtige Umgang mit von anderen Menschen verursachte Probleme viel schwerer fällt. Nach den Flüchtlingen kam das Klima, und da kommt man mit „einfach alle aufessen“ nicht weiter.

Oder doch?

Ein schwedischer Verhaltensforscher hat vorgeschlagen, dass es notwendig sein könnte, sich dem Kannibalismus zuzuwenden und anzufangen, Menschen zu essen, um den Planeten zu retten.

(Blöde Übersetzung von mir.)

Albernes Land da oben. So dick sind Schweden doch oft gar nicht.

Wohl bekomm’s.

Netzfundstücke
Ketzer!

Auf der Website „schoenerlieben.de“ finden sich allerhand Sexspielzeuge sowie Drogerieartikel und Literaturtipps rund um das Thema Erotik. (…) Bei einer Diskussion über mögliche Geschäftsideen habe der Vorschlag zu dem Shop plötzlich im Raum gestanden, erinnern sich die Mitglieder evangelischer Freikirchen. (…) Zwei von ihnen sind verheiratet, einer hat eine Freundin, der vierte im Bunde ist Single.

(evangelisch.de)

Niemand erwartet die spanische Inquisition!

MontagsmusikNetzfundstücke
The Quiet Temple – Shades of Gemini // Montagsüberraschungen

#montagslächelnEs ist Montag. Die im Internet sind heute komisch, das schließt mich ein. Gestern Wahl, nächsten Monat wieder Wahl. Anstrengend, dauernd zu sehen, dass irgendwo irgendwer schon wieder darum gebeten wird, aus dem Haus zu schlurfen, um nichts zu ändern. Jemand sollte das mal abschaffen. Stattdessen vielleicht Hauspandabären einführen.

Apropos Dinge, die man einführt: Bei Microsoft gibt es jetzt Überraschungsspeichern, jedenfalls im hauseigenen „Office“. Computer, die genau das tun, was man ihnen zu sagen meint, wenn man eine Schaltfläche betätigt, auf der etwas draufsteht, wären ja auch viel zu langweilig. Wo bliebe denn da das Abenteuer?

Positive Neuigkeiten: Ein Blogger, den ich für verschollen gehalten hatte, ist wieder aufgetaucht und findet Berliner Fahrradfahrer und gesamtdeutsche Nervensägen weiterhin eindrucksvoll grauenhaft. Ich weide mich an derart kunstvoll verschriftlichter Fassungslosigkeit, aber ich bin auch ein Fiesling, jedenfalls montags.

Als kleine Entschuldigung kredenze ich etwas Musik.

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Kurz angemerkt zu den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen

Da zu meinem Entsetzen sowohl in Brandenburg (SPD) als auch in Sachsen (CDU) die Rechtspopulisten gemäß aktuellen Hochrechnungen jeweils die stärkste Kraft vor der AfD geworden sind, beginne ich – gewohnt spät – zu verstehen, warum es unter Umständen eine gute Idee ist, sonstwie politisch orientierten Wählern von der Wahl der AfD („hat offenbar ein Angebot für Leute, die sich bislang ignoriert fühlten“) grundsätzlich abzuraten: Wer die AfD wählt, der erhöht damit offenbar die Gefahr einer notdürftig zusammengeflickten rot-rot-grünen Koalition, und eine weitere solche hat wirklich niemand verdient, nicht einmal der Ossi, der so is.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Penisnobelpreis

Wer in seinem Leben eine so gründliche Ausbildung genossen hat, dass er anschließend die Zeit bis zum Beginn seiner Vergreisung mit Forschung und Entdeckung verbringt, dem wird vielleicht ein Nobelpreis zuteil, hierzulande außerhalb von Physik und Literatur leider kaum beachtet. Selbstverständlich sehen die Hochschulen, an der der Geehrte einst studiert hat, einen Teil dieses Ergebnisses auch in der eigenen Lehrweise und hängen ihn daher als Beispiel dafür, was man als Student im eigenen Haus einmal erreichen könne, an eine Ehrenwand, jedenfalls als Foto, selten als Person.

Obwohl Wissenschaftler, deren Forschung preis- und wandwürdig ist, sehr viele interessante Eigenschaften an sich tragen, etwa das Feld und das Ziel dieser Forschung, gehört ihr Geschlechtsteil nach meinem Verständnis nicht dazu. Zudem ist das Wesen der Forschung ein zutiefst meritokratisches: Geehrt wird, wer Ergebnisse vortragen kann. Entgegen der momentanen medialen Erzählweise, die es bevorzugt, eine möglichst fotogene Frau in den Mittelpunkt zu stellen, ist oft leider ein Mann an Entwicklungen beteiligt. Historische Gründe bin ich auszuschließen gewillt, eine Geschlechtertrennung an Hochschulen ist schon länger nicht mehr en vogue.

Die Meritokratie anzuerkennen ist jedoch nicht jedermanns Sache, was dazu führt, dass mitunter Fachkonferenzen abgesagt werden, weil nur Männer interessante Beiträge eingereicht haben und das natürlich nicht divers sei. Jetzt könnte man anregen, dass, wenn man die Art der Fortpflanzung eines Wissenschaftlers für mindestens so interessant hält wie das, was er zu sagen hat, es empfehlenswert sei, den Anteil an Forschern ohne Penis mittels Werbung zu erhöhen zu versuchen.

Oder man macht es wie US-amerikanische Hochschulen und entfernt erfolgreiche Wissenschaftler, die mit dem Makel eines Penisses geboren sind, wie einst die alten Römer aus dem Gedächtnis:

An der Yale School of Medicine hängen in den Fluren eines Gebäudes zum Beispiel 55 Porträts: Drei Frauen und 52 Männer. Sie sind alle weiß. (…) Eine Option ist, sie woanders hinzuhängen.

(Schlechte Übersetzung von mir.)

Da möchte man von den anderen Optionen lieber gar nichts wissen. Oh, Sie haben Krebs geheilt? Blöd – jetzt ist erst mal eine Frau dran. Kommen Sie später wieder.

Wann genau haben Hochschulen ihr Ziel verloren?

Netzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Emissionen einfach wegrollern!

Warum statt Brummkreiseln, Dreirädern und Windeln ausgerechnet Tretroller es in die Welt der vermeintlich Erwachsenen geschafft haben, erklärt Ben Schwan („heise online“):

Die Untersuchung kam weiterhin zu dem Schluss, dass die Scooter bis zur die Hälfte der Emissionen eines Standardautos verbrauchen, rund 200 Gramm CO2 pro Meile[.]

Wenn also künftig auf jedes Standardauto zwei Tretroller („Scooter“) kommen, ist es nicht mehr weit, bis auch Dieselmotoren endlich emissionsfrei fahren: Die angefallenen Ausstöße werden offensichtlich grammweise einfach wegverbraucht. Es könnte so einfach sein!

Wo bleibt eigentlich das verdammte Verlagssterben?

(via Schwerdtfegr)

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Black Midi – bmbmbm (live)

Jetzt-schon-keine-Lust-Kauz.Es ist Montag. Ich finde das nicht gut, möchte es aber vorerst auch dabei belassen. Dem Montag schlägt man vielleicht ein Schnippchen, wenn man so tut, als gäbe es ihn gar nicht.

Stattdessen gibt es ein wenig Politik: Weltweit wird die freie Rede bekämpft, oft gerade von denen, die sich als Bewahrer der vermeintlich vernünftigen Demokratie aufspielen. Linksflucht, nicht Rechtsruck. Das sei alles weit weg? Nein, nein -- in Deutschland bzw. wenigstens in Dresden haben Boten obskurer Kleinparteien wie der SPD eine Demonstration „für das Gute“ abgehalten, deren antideutscher Unterbau selbst der grünen „taz“ ein erstauntes Artikelchen entlockt hat. Der offensichtliche Widerspruch zwischen „wir müssen ein offenes Deutschland sein“ und „Deutschland ist eh scheiße“ erreicht inzwischen Stellen, da kommt man mit der Klobürste gar nicht erst hin. -- Apropos Klobürste: Olaf Scholz fände es „absurd“, im Falle der SPD-Vorstandsübernahme den Posten als Bundesminister zurückzugeben. Ich persönlich finde es absurd, dass jemand von der SPD ein Bundesministerium leitet, aber das ist ja bekanntlich nicht mehr von langer Dauer.

Es gibt jetzt Steckdosen, die zuhören. In dieser schönen, neuen Welt gibt es nur noch wenig Entlastung. Aber dann sollen die Steckdosen wenigstens nicht leiden -- sie bekommen gute Musik zu hören.

black midi - bmbmbm (Live on KEXP)

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Föllakzoid – I

Föllakzoid - ILange nichts mehr über Musik geschrieben.

Zu den Ländern, aus denen es vergleichsweise wenig neue Musik zu geben scheint, die mir als beachtenswert erscheint, gehört Chile. In dessen Musikantenwelt tummeln sich auch Föllakzoid, eine ulkig heißende Musikgruppe zurzeit unbekannter Besetzung, deren selbst gestecktes Ziel, so weit es das Internet zu wissen behauptet, es sei, mit jedem neuen Album noch mehr Platz mit noch weniger Elementen zu füllen. Was schriftlich wie die (sehr gute) Endphase von Talk Talk klingt, hört sich aber noch ganz anders an.

Auf ihrem vierten Album, das nach „Föllakzoid“, „II“ und „III“ folgerichtig „I“ heißt (TIDAL, Bandcamp, Amazon.de), spielen Föllakzoid vielmehr eine Art „Kraut-Trance“. Man verzeihe mir das Erfinden lächerlicher Genrebezeichnungen ausnahmsweise. Es wird elektronische Musik gespielt, die Chilenen lassen dabei von EBM über Shoegaze bis hin zur Berliner Schule nur wenig aus, Ausflüge in den Krautrock von Can und Faust nicht ausgeschlossen.

Föllakzoid - I (Full Album)

Das Album bestehe, weiß der Pressetext, aus mehr als 60 verschiedenen, einzeln aufgenommenen Bestandteilen. Offensichtlich gab es genug Zeit für ausgedehnte Experimente. „I“ ist fast instrumental, nur eine filmroboterartig verzerrte ertönt in „I“, „III“ und „IIII“, das eigentlich „IV“ heißen müsste.

„I“ ist tanzbar, aber das ist ja eigentlich jede Art von Musik, wenn man es nur versucht. Ich sitztanze und spreche eine Empfehlung aus.

Politik
Medienkritik in Kürze: So isser, der „SPIEGEL“.

„ZEIT ONLINE“, 23. August 2019:

In einer Mediengesellschaft wirken Medien an der Schaffung und Festigung kollektiver Identitäten mit. Die überregionalen Medien in Deutschland verfestigen heute vor allem eine positive Identität des ehemaligen Westdeutschlands in Abgrenzung zu den Gebieten der ehemaligen DDR.

Aber keine Sorge, die kollektive Demokratie kämpft mit großem Erfolg gegen diejenigen, die den Totalitarismus bedeuten, obwohl es immer mal wieder Rückschläge gibt:

Marius Lange war nicht das erste Mal als Wahlhelfer im Einsatz. Doch betrogen habe er zuvor nie.

Die im Osten bedrohen unsere Demokratie! Verdammte Neona- was?

Als Motiv nennt er seine politische Überzeugung: „Mein Herz schlägt links.“ Deshalb habe er nicht hinnehmen wollen, dass die rechtspopulistische Partei so starken Zuspruch durch die Wähler erfahre.

Ach so. Weiter so, Genosse! Das Geld gibt’s an der Kasse:

Marius Lange sagt, dass er vor allem wegen der Aufwandsentschädigung Wahlhelfer geworden sei und dass er dabei zuvor nie betrogen habe. (…) Marius Lange ist bewusst, dass er sich mit der Wahlfälschung strafbar gemacht hat, aber er würde es wieder tun.

Das alles hat natürlich nichts mit der Stimmung in Ostdeutschland zu tun. Die ist in Ordnung. Und wir wollen, dass es so bleibt.

So isser, der Ossi.

So isser. Kann man nichts machen. Wie, der wählt falsch? Na, dem zeigen wir’s!

Vorwärts immer.

MusikNetzfundstücke
Vinyl <3 (7): Platten fürs Wendland.

Es klagt Inga „Hoeltmann“ Höltmann“:

Es ist mir einfach komplett schleierhaft, warum man im Jahr 2019 mitten in Deutschland nicht einmal ein Lied über Spotify abspielen kann, weil die Internetverbindung zu schwach ist.

So richtig die Beobachtung aber auch ist, dass es auch und gerade im Vergleich mit den uns umgebenden Staaten um die Qualität des hiesigen Mobilfunknetzes nicht gut bestellt ist: Mir ist es einfach komplett schleierhaft, warum man im Jahr 2019 mitten in Deutschland auf die Verfügbarkeit sowohl einer andauernden Internetverbindung als auch der Server eines kommerziellen Musikverleihs angewiesen ist, wenn man ein Lied hören möchte.

Smartphones überbieten einander darin, noch mehr Platz für Lieder zu haben, und selbst jedes verdammte Autoradio der letzten paar Jahre weist längst mindestens eine Möglichkeit auf, statt des Achtzigergedudels selbst den „besten Mix“ (ebd.) zusammenzustellen. Die „selbst gewählte Unmündigkeit“ (anderswo), die Freiheit des Alles-jederzeit-Hörens irgendwelchen streams zu opfern, nötigt mir wenig Bedauern ab.

Etwas besserer Empfang an weniger belebten Orten wäre mir trotzdem mitunter willkommen. Ich möchte darüber dann auch kein Lied hören – ich möchte mir darüber dann eine Schallplatte bestellen.