KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: indignu [lat.] – Odyssea

indignu [lat.] - OdysseaLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Trotz ihres Namens stammt die Postrockband indignu [lat.] – das „[lat.]“ ist anscheinend Teil des Namens – aus Portugal. Das lateinische Wort „indignu“ bedeutet „unwürdig“ und passt überhaupt nicht zu der hier gehörten Musik. Auf ihrem anscheinend zweiten Studioalbum „Odyssea“ (Amazon.de, Bandcamp.com) nämlich bietet sie Musik dar, die vor Würde geradezu strahlt.

Genrefanatiker mögen hier „Postrock“ anheften, aber mit Klavier und Streichern bekommt derjenige „Postrock“, der auf „Odyssea“ zu hören ist, eine ganz andere Wirkung als die brachialen Gitarrenwände von Stilkollegen. Im Internet liest man von einem „sanften Brodeln“ unter den Melodien, aber es herrschen klar die leisen Töne und die sonnigen Wiesenflächen. Das Album ist weitgehend instrumental gehalten, was nicht schlimm ist. Man rede nicht hinein, man genieße und sei dabei still.

Indignu – Odyssea (ALBUM STREAM)

Man nehme nicht an, der Postrock sei auserzählt. Vergäbe ich Punkte, „Odyssea“ bekäme manche. Empfehlen tu‘ ich’s sicherlich trotzdem – und zwar hiermit.

Netzfundstücke
💩 (5)

Puh, na „endlich“:

Nach dem Willen der orthodoxen Organisation soll es künftig Emojis geben, die eine Torah-Rolle darstellen sowie Männer und Frauen mit jüdischen Kopfbedeckungen.

Angesichts der unüberschaubaren Anzahl an Religionen und passender Darstellung kommt da einige Arbeit auf Emojidesigner zu. Begründet wird das mit einem „kleinen Zeichen“ gegen Antisemitismus, was ich gut finde. Tatsächlich finde ich, man sollte noch weiter gehen: Erst, wenn Emojis ein Nudelsieb tragen, ist Gleichberechtigung erreicht. :ja:

Montagsmusik
PinioL – Pogne (live)

Montag (heute)Es ist Montag. Zum vorerst letzten Mal in diesem Jahr bedarf das einer kalendarischen Überprüfung, denn gestern war eigentlich kein Sonntag und heute muss man eigentlich nicht aufstehen, tut es aber voraussichtlich doch irgendwann. Die Blase, das Alter. Kein Pandabär. – Apropos „das Alter“: Die Partei Angela Merkels kritisiert weiterhin, dass man nicht überall seinen echten Namen dranschreiben muss, die Partei „Willy Brandts“ hält sich diesbezüglich ausnahmsweise aber noch bedeckt. Wahrscheinlich ist das besser so.

Ein Blick in die Technik. Da der skrupellose Konzern Mozilla offensichtlich noch nicht genug Geld damit verdient, seinen Abnehmern Reklame reinzudrücken, erwägt man jetzt direkt den Einstieg in das Verkaufsgeschäft: „Also werden wir einen Abo-Service ausrollen und eine Premium-Ebene anbieten“, das wird bestimmt ein großer Erfolg. Ein Mehrangebot weisen auch die USA auf, wo seit 2018 neue Häuser entweder von Amazon oder von Google vorverwanzt werden. Wahrscheinlich hat das was mit nationaler Sicherheit zu tun. Weniger anbieten wird dafür künftig Tesla, dessen Model 3 per „Update“ etwas weniger weit fahren können wird als bisher. Um das deutsche Wort „verschlimmbessern“ beneiden uns sicherlich viele Länder.

Ich für meinen Teil beneide inzwischen die Franzosen um ihre Musik.

PinioL – Pogne – Live at Ca fait zizir festival – 2016

Guten Morgen.

Netzfundstücke
Medienkritik extern: Die Revolution scheitert am Kabarett. (2)

Im Februar 2013 regte ich mich über das Publikum des Fernsehkabaretts auf: „Ist eben Kabarett, da wird gejohlt und geklatscht.“ Meine Klagen blieben unbeantwortet, es wurde nicht besser. Im Gegenteil: Selbst die vergleichsweise gut gemachte „Anstalt“ fällt noch nach sechs Jahren vor allem dadurch auf, dass diejenigen Beiträge, die eigentlich zornig machen statt unterhalten sollten, von Gejohle und Geklatsche begleitet werden.

Es wurde nicht besser.

Es wurde so schlimm. dass die Protagonisten sich zu einer Rechtfertigung hinreißen ließen:

So schwach unsere Wirkung in letzter Konsequenz auch sein mag, so wichtig ist es uns, diese Form einer Gegenkultur unbeirrt und unbeugsam durchzuziehen.

Die Gegenkultur – tiefer ging’s wohl nicht – der Komik aber ist zwar keine, die Dinge bewegt, jedoch eine, die die Quoten sichert:

In diesem Sinne bot das Thema Gerechtigkeit für Dieter Nuhr und seine Scherzkeksfamily ein monströses Spielfeld: Wohnungsnot, Millionen prekärer Jobs, Altersarmut, Bildungszerfall, krankes Gesundheitswesen, Energiedebakel, staatlich geförderter Cum-Ex-Crime und den alltäglichen Irrsinn in dieser Bananen-Groko. Stattdessen johlten Nuhrs Claqueure über doofen Kommunismus, über doofe Falschpinkler, doofe Arbeitslose, von Neid zerfressene Zukurzgekommene, Bucklige, Zahnlose, Zwerge, doofe Alt 68iger, frustrierte Populisten und doofe Kinder von doofen Eltern. (…) Das hyperventilierende Verspotten der immer gleichen Schießbudenfiguren kompensiert das Abducken bei den Themen des mafiosen Brüssel-Theaters, der digitalen Krake, den ungeklärten Fällen NSU und Amri und dem Wüten der Geheimdienste, der importierten Kriminalität, dem brandgefährlichen NATO-Treiben und vor allem dem medialen Komplettversagen in dieser durch und durch formatierten Republik.

Man lese den „Telepolis“-Artikel und zeige sich nicht nur entsetzt, sondern so ergriffen, dass man künftig das Johlen einstelle und stattdessen die Revolution beginne. Wo bleibt die eigentlich?

In den NachrichtenPiratenparteiPolitik
Hambacher Stolz

Apropos Piratenpartei.

Diese trägt zurzeit auf Twitter ein recht eigenartiges Signet in Regenbogenfarben, was vieles bedeuten kann, hier aber offensichtlich für den pride month steht, denjenigen Monat also, „in dem alle die, die nicht der Heteronormativität entsprechen, ihre Diversität feiern“ (ausgerechnet „WELT.DE“), was ein sehr umständlicher Begriff für den Juni („Juno“) ist. Das muss diese Netzpolitik sein. Teil der in diesem Monat üblichen Feierlichkeiten ist die Teilnahme an örtlichen „CSDs“, also Christopher Street Days. Heute fand ein solcher sogar in Hannover statt, was unter anderem Auswirkungen auf den Nahverkehr hatte, wodurch das dortige Wohnen sicherlich noch anstrengender wurde als sowieso schon.

Mir sei ein Szenenwechsel gestattet. Vom 27. Mai bis zum 1. Juni 1832 fand das Hambacher Fest statt, das als Geburtsimpuls für die Demokratie in Deutschland gilt. Festredner, zumeist aus bürgerlichen Kreisen, hielten flammende Appelle an den Patriotismus der Teilnehmer, man beschenkte einander mit Gravuren wie „Vaterland – Ehre – Freiheit“. Man kann von diesem Bestreben nach einem einigen deutschen Volk aus heutiger Perspektive halten, was man möchte, es als besonders links darzustellen täte ihm aber Unrecht. Man würde, fände es 2019 statt, vermutlich von Rechtspopulisten sprechen.

Dieser Fakt hinderte Vera Schmidberger (SWR) selbstverständlich nicht daran, von meinen Gebühren diese hässlichen Sätze zu publizieren:

Das Hambacher Schloss ist eines der wichtigsten Symbole der Demokratie in Deutschland. Jetzt versuchen Rechtspopulisten, den Ort für sich zu instrumentalisieren.

Das Hambacher Schloss kann sich gegen diese Für-sich-Instrumentalisierung durch Vera Schmidberger (SWR) ja nun leider nicht selbst wehren. Der Auslöser für den so überschriebenen Bericht ist, dass ein CDU-Politiker mit einem Gefolge, dem auch Mitglieder der AfD angehörten, eine „Patriotenwanderung“ zu ebendiesem Schloss unternahm. Gleichzeitig versuche er die Aufnahme in die Hambach-Gesellschaft zu erstreiten, der „an die Werte und Ziele des Hambacher Festes“ erinnere. Diese Gesellschaft jedoch sei nicht damit einverstanden, dass Wertkonservative das tun, was Wertkonservative 1832 getan haben:

Für Kreutz aber ist klar: „Das ist eine politische Richtung, die wir nicht wollen.“

Welche politische Richtung der Gesellschaft stattdessen zusagt, ist leider nicht ersichtlich. Die ihrer historisch zu schützenden Vordenker und -arbeiter scheint es somit nicht zu sein.

Was ich insgesamt aber eigentlich wissen möchte: Wenn die sexuelle Ausrichtung, die sich auszusuchen wohl niemandem vergönnt ist, ein Grund zu einem Stolz ist, der sich offenbar bevorzugt, bejubelt von der progressiven Öffentlichkeit, in lauten, schrillen und vor allem öffentlichen Feiern ausdrücken lässt – warum ist Nationalstolz dann ein Problem?

NetzfundstückePiratenpartei
Werberelevante Zielgruppe 2.0

Der ‚Big Brother Award‘-Preisträger Facebook respektiert im Umgang mit privaten Informationen weder den Willen seiner Nutzer noch das europäische Datenschutzrecht. (…) Die Abhängigkeit von diesem Quasi-Monopolisten muss überwunden werden zugunsten nichtkommerzieller dezentraler Netzwerke.
Patrick Breyer, Spitzenkandidat zur Europawahl 2019


Als Teil der Vorbereitung zur wenig erfreulich geendeten EU-Wahl 2019 hat die Piratenpartei Deutschland auf Kosten ihrer nicht um Erlaubnis gebetenen Mitglieder unter anderem auf Facebook und ausgewählten Pornoseiten für insgesamt über 21.000 Euro Werbung geschaltet. Während ich persönlich eins davon als doppelzüngig und ein anderes als amüsant empfinde, zählt am Ende ja nur, was hinten rauskommt, also die Summe an nackten Zahlen.

Die inzwischen veröffentlichten Statistiken – oben separat als PDF-Dateien zu finden – weisen eine klare Richtung auf: Für mehr als ein Fünftel der Kosten bekam die Piratenpartei über Pornoseiten fast das Zehnfache an Aufrufen und mehr als das Doppelte an klickenden Besuchern auf ihre Website weitergeleitet als über Facebook. Als Fazit schlossen die Verantwortlichen hinsichtlich Facebooks, „normale Beiträge und Videos“ eigneten sich eher zur Generierung von Aufmerksamkeit als andere Arten der Werbung. Ein entsprechendes Fazit fehlt bei der Erfassung der Pornowerbung, was ich etwas schade finde. Das wäre eine hervorragende Gelegenheit gewesen, die eigenen Kandidaten von der grauen Masse, die sich ins EU-Parlament wählen lassen wollte, deutlich abzuheben.

Andererseits haben wir da wahrscheinlich Glück gehabt.


Je mehr sich politische und wirtschaftliche Freiheit verringern, desto mehr pflegt die sexuelle Freiheit sich kompensatorisch auszuweiten.
Aldous Huxley

In den Nachrichten
Westliche Werte des Tages (3)

Im Streit um Glaubensfragen soll der Hauptangeklagte, ein türkischer Konvertit, versucht haben, das Opfer zu erschießen. (…) Der Prozessbeginn wurde von einem „Halleluja“ singenden Damentrio, einem Schweizer Priester, der den Missbrauch des Glaubens durch die Angeklagten sieht, und einer Rangelei des Bruders des Hauptangeklagten begleitet.
hpd

ComputerIn den Nachrichten
Endlich: Politiker hören uns wieder zu!

Und zwar, ob wir wollen oder nicht:

Sprachassistenten wie Alexa oder Google Home, aber auch Fernseher und Kühlschränke, die mit dem Internet verbunden sind, sammeln permanent Daten, die nach Auffassung der Innenminister für Sicherheitsbehörden wertvoll sein könnten[.]

Warum genau stellen sich immer noch Menschen einen Spitzel ins Wohnzimmer – weil er auch den Lichtschalter bedient?

In den NachrichtenWirtschaft
Höhlenmalerei kostet künftig vier Mammuts.

Problem:

Die Haushalte in Deutschland gaben zuletzt immer weniger Geld für Porto aus – vor allem, weil sie immer weniger Briefe schreiben.

Lösung Quatsch:

Während in den vergangenen Jahren Portoerhöhungen fast ausschließlich den Standardbrief getroffen hatten, setzt die Post diesmal die Preise für alle Briefgrößen hoch.

Inflation hat bisher noch jedes wirtschaftliche Problem nachhaltig gelöst. :ja:

In den NachrichtenMontagsmusik
Lost in Kiev – Lifelooper®

Ich sehe aus, als erzählte ich eine schöne Geschichte, jedoch ist sie nicht zu hören, denn die Musik da unten ist zu laut.Es ist Montag. In Hannover wurde ein Haus besetzt, augenscheinlich von Masochisten. Wer sonst möchte denn in einer Stadt wohnen, die aussieht wie Hannover und noch nicht mal über ein Pandagehege verfügt? Niemand, der in der EU wohnt!

EU ist, wenn das Ergebnis eines Volksentscheides, dass man künftig weniger Aufwand treiben soll, wegen Diskussionsbedarfs auf unbestimmte Zeit verschoben wird. Da freut man sich doch über jede Demokratiereform. Weniger Freude gibt es im Parlament zu vermelden: Die SPD tauscht demnächst schon wieder ihre Vorsitzende aus. Ich habe allmählich den Verdacht, dass die Unbeliebtheit der Partei vielleicht gar nichts damit zu tun hat, wer ihren armenfeindlichen, aber kriegsfreundlichen Opportunismus derzeit personell repräsentiert. Olaf Scholz schließt eine weitere große Koalition aus, als würde die SPD für eine solche überhaupt noch gefragt werden.

Die SPD-geführte Stadt Kiel hat inzwischen in einem Anflug von Fatalismus den Klimanotstand ausgerufen, das Klima war nicht beeindruckt. Warum noch irgendjemand eine Partei wählt, deren Jugendorganisation den Sozialismus hochhält, erklärt ein Blick nach Venezuela: Sozialismus befriedet, denn Munition ist teuer. – Apropos Munition: Das skrupellose Unternehmen Google würde gern künftig noch mehr Geld damit verdienen, die Nutzung des Webs mit Reklame zu vergällen, und macht daher Entwicklern von Reklameblockaden das Leben schwer. Jemand sollte wirklich mal einen zweiten Browser programmieren.

Überrascht stellt das Internet fest, dass es auf Facebook keine Privatsphäre zu erwarten gibt. Was es hier und heute stattdessen zu erwarten gibt, ist Musik.

Lost in Kiev – Lifelooper® (Official Video)

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Si vis pacem, para bellum. (5)

Es begrüßen die Vereinigten Staaten den anstehenden brexit:

Der Brexit biete Großbritannien die Chance, ein „starkes und unabhängiges Land“ zu werden, sagte der Trump-Berater.

Denn wofür eignet sich ein „starkes und unabhängiges Land“ besser als ein EU-Staat? Richtig:

Bolton fügte hinzu: „Ich denke, es wird uns besonders in der Nato helfen, effektiver zu sein, und das ist ein Plus.“

Das müssen dieser Friede und diese Demokratie sein, die „unsere“ westlichen Werte ausmachen. Was die Motivation zum Meucheln („Aufklärungsarbeit“) in anderen Staaten betrifft, so bleibt jedoch das deutsche Wesen das, an dem die Welt genesen möge. Wenige Staaten beherrschen die Gewinnung neuer Berufskrieger besser als das postschrödersche Deutschland:

Im März kündigte Volkswagen an, weitere 7000 Stellen abzubauen, im Wesentlichen in Wolfsburg. Ford zog nach und kündigte den Abbau von 5000 Stellen in Deutschland in Köln, Saarlouis und Aachen an. Offenbar sahen die PR-Strategen der Bundeswehr die Chance, den Menschen, die von Entlassung bedroht sind, die Alternative eines Jobs bei der Bundeswehr vorzugaukeln[.] In Wolfsburg: „Jetzt Job fürs Volk wagen! Mach, was wirklich zählt.“

Der ganze Krieg, schrieb Carl von Clausewitz, setze menschliche Schwäche voraus. Der verbissenste Kämpfer ist derjenige, der nichts mehr hat, was ihn am Leben festhalten lässt. Die Militaristen in politisch konservativen Kreisen haben der SPD vieles zu verdanken.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeswehr abgeschafft gehört.

In den NachrichtenMusikNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 30. Mai 2019

Die überschätzte Popgruppe The Beatles wandte sich bekanntlich im letzten Drittel ihrer gemeinsamen Karriere – die Quarrymen großzügig eingerechnet – der weniger schlechten Rockmusik zu. Dafür gibt es mehrere mögliche Gründe, einige von ihnen sind belegbar. Van Badham, natürlich Feministin, fauchte in den „Guardian“ einen weiteren hinein: Die Männer haben den Frauen Computer, Bier und die Beatles weggenommen.


Litauen ist eine funktionierende Demokratie. Deutschland nicht.


Hihi: „Eigentlich kann man zu diesem Thema aktuelle (sic) gar keine Blogpostings schreiben. Denn während man schreibt und dann online stellt, blamiert sich gleich der nächste CDU’ler.“


Bei Lucas Schoppe sind die Bildunterschriften fast noch lesenswerter als die Texte, aber dieser Text ist auch gut:

Andrea Nahles verspricht der Bewegung, mehr Tempo zu machen – als wüsste sie schon ganz genau, in welche Richtung sie denn losrennen will[.]


Greta tötet Nashörner!