ComputerMontagsmusikNetzfundstücke
Volvopenta - One To Five // Demokratisiert den Vatikan!

Na toll. Sonne is auch wieder.Es ist Montag. „Fridays for Future Frankfurt“ infor­miert, dass Enteignungen „ein wich­ti­ges Mittel“ zugun­sten der „Klimagerechtigkeit“ sei­en. Der Tweet wur­de von einem Smartphone ver­sen­det, es steht aber nicht dran, um wie viel Grad weni­ger sich das Klima erwärm­te, näh­me man es „Fridays for Future Frankfurt“ weg und gäbe es jeman­dem, der noch kei­nes hat. Dabei wäre die Abwendung einer Klimakatastrophe doch am ehe­sten im Sinne derer, die an der Diskussion nicht mal lesend teil­neh­men kön­nen; zum Beispiel der Pandabären.

Die höch­ste Digitalkompetenz trau­en die Deutschen laut Umfragen CDU/CSU (zen­sie­ren das Internet) und den Grünen (wol­len Schadsoftware auf mei­nem Computer instal­lie­ren) zu. Der Wert sol­cher Umfragen ist damit hin­rei­chend gut beschrie­ben. Völlig kon­se­quent gilt auch HP („High Price“, nein, „Hewlett Packard“) in Umfragen noch immer als emp­feh­lens­wer­ter Hersteller von Druckern, obwohl sie doch ihr Bestes tun, um nie wie­der auch nur einen ein­zi­gen Drucker zu ver­kau­fen. Ähnliches Sinnieren über Wahlumfragen erspa­re ich dem Publikum an die­ser Stelle; sie funk­tio­nie­ren ebenso.

Fürchterliche Frage des bis­he­ri­gen Monats: „Ist Sterben in der Mietwohnung erlaubt?“ - Jemand, der die­ses Problem zumin­dest nicht hat, hat der­weil fest­ge­stellt, dass es eigent­lich ziem­lich leicht ist, mit­ten in Europa eine abso­lu­te Monarchie zu errich­ten, ohne dabei auch nur gering­fü­gig an inter­na­tio­na­ler Beliebtheit ein­zu­bü­ßen; es genügt der Glaube an den rich­ti­gen Gott. Wenn ande­re Staaten Gottesrecht über Menschenrecht stel­len und all­ge­mein wenig von der moder­nen Welt hal­ten, dann flie­gen da manch­mal Flugzeuge hin und set­zen den Autokraten medi­en­wirk­sam ab. Hat der Vatikan eigent­lich Ölvorkommen und/oder Massenvernichtungswaffen (außer schwe­ren Büchern zum Werfen)?

Noch mal etwas EDV zum Schluss: Es hat sich über­ra­schend als schlech­te Idee her­aus­ge­stellt, in Alarmanlagen Internet rein­zu­tun. Eine gute Idee hin­ge­gen war, ist und bleibt: Musik.

Volvopenta - One To Five [Official Music Video]

Guten Morgen.

In den Nachrichten
Hinein zum 1. Mai!

Morgen - an einem Sonnabend - ist der 1. Mai. Deutsche sind in die­sem Jahr beson­ders benach­tei­ligt, denn man darf am Tag der Arbeit weder arbei­ten noch ein­kau­fen, und wenn Deutsche sonn­abends nicht ein­kau­fen kön­nen, ist die Revolution so zum Greifen nahe wie sonst nur sel­ten. Vor einem außer­or­dent­lich schlecht sor­tier­ten und viel zu engen Supermarkt sah ich heu­te eine Schlange, deren Drinsteher die Zahl derer, die gleich­zei­tig drin sein dür­fen, unge­fähr erreicht haben, wie mir schien. Anscheinend muss man sonn­abends gar nicht ein­kau­fen kön­nen, an ande­ren Abenden haben ja auch alle Zeit. Hoffentlich spricht sich das nicht herum.

Nach dem Einkaufsexzess mit vol­lem Kühlschrank kann es mor­gen dann mit den „Proteste[n] gegen Kapitalismus zum 1. Mai“ („Deutschlandfunk“) los­ge­hen; end­lich kön­nen die, die mit den Sorgen und Nöten der Arbeiter dank eines rei­chen Elternhauses wenig ver­bin­det, wie­der für ihre eige­ne Enteignung sei­tens des freund­li­chen Staates kämp­fen - gefilmt, foto­gra­fiert und auf kapi­ta­li­sti­schen sozia­len Netzwerken geteilt via Luxussmartphone, ver­steht sich. Aber Kapitalismus ist nicht das Problem.

Von den Alten ist wenig geblie­ben, denn ohne den äuße­ren Freund und inne­ren Feind erlahmt auch die Kampfeslust. Unvergessen bleibt mir dies­be­züg­lich ein Dialog mit einem Alt-68er, der sag­te, er kön­ne doch nicht mehr „Ho Ho Hồ Chí Minh“ rufen, wobei er tei­li­ro­nisch eine Faust reck­te, wor­auf­hin ich frag­te, war­um nicht, wor­auf­hin ihm kei­ne Antwort ein­fiel. Meines Wissens hat er seit­dem aber trotz­dem nicht mehr „Ho Ho Hồ Chí Minh“ gerufen.

Seine Altersgenossen, die Gewerkschaftsgreise vom DGB und ange­schlos­se­nen Sendeanstalten (DKP, ver.di und so wei­ter), wer­den es sich den­noch nicht neh­men las­sen, zumin­dest vor­über­ge­hend in den Städten zu ran­da­lie­ren Informationsmaterial zu ver­tei­len, wäh­rend die Jungen mit ihrer seit Jahrzehnten kaum ver­än­der­ten Choreographie (schlim­me Parolen, schlim­me Aktionen, schlim­me Empörung), dank­bar wie­der­ge­käut von denen, die für die­sen Zirkus den Eintritt kas­sie­ren („Journalisten“), ihren Teil dazu bei­tra­gen, ihr Andenken in gesamt­ge­sell­schaft­li­che Vergessenheit zu entsenden.

Montag kann man wie­der ein­kau­fen. Der Kampf geht weiter.

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Wohlstandskritikverwahrlosung

Der „Tagesspiegel“ fragt anläss­lich einer Reihe von Videos, in denen Schauspieler sati­risch den media­len Umgang mit den als „Maßnahmen“ ver­bräm­ten (Impfen ist eine Maßnahme, alles ande­re ist kei­ne Maßnahme, son­dern Überbrückung zur Maßnahme) und bereits ange­foch­te­nen Pandemieregelungen aufs Korn nehmen:

Ja, die Kulturbranche lei­det seit mehr als einem Jahr, etli­che ste­hen vor dem Ruin, die Hilfen sind unzu­rei­chend. Aber die­se Aufnahmen zei­gen pri­vi­le­gier­te, gut ver­die­nen­de Menschen, vie­le von ihnen sind eta­blier­te „Tatort“-Darsteller. Ist ihre Teilnahme ein Zeichen von Zivilcourage oder nicht eher von Wohlstandsverwahrlosung?

Was der „Tagesspiegel“ lei­der nicht dazu schreibt, ist wenig­stens ein grob geschätz­tes Bruttogehalt, ab dem Zivilcourage auto­ma­tisch in Wohlstandsverwahrlosung umschlägt. Das ist etwas scha­de, denn auch ich als Vertreter der finan­zi­el­len Mittelschicht habe gele­gent­lich das Ansinnen, mich kri­tisch über von mir als unge­recht emp­fun­de­ne Entwicklungen zu äußern, habe jetzt aber Angst, dass der „Tagesspiegel“ des­halb über mich schrei­ben wird, ich sol­le mich nicht so anstel­len, man­che ver­die­nen immer­hin weni­ger Geld als ich und hal­ten trotz­dem die Fresse.

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz ange­merkt zu #ReichtumUmverteilen

„Verschiedene lin­ke Gruppen“, ent­neh­me ich den Medien, möch­ten gemein­sam mit Aktivisten, Sozialwissenschaftlern, Politikwissenschaftlern und Mitmenschen ver­gleich­bar öder Profession („Intellektuellen“, schreibt ande­rer­seits die „taz“, erklärt aber nicht, wen davon sie meint) der als Tatsache beschimpf­ten selbst auf­ge­stell­ten Behauptung, Reichtum ent­ste­he „erst durch die Arbeit ande­rer“, ent­ge­gen­wir­ken, indem sie sich nicht etwa dafür ein­set­zen, dass auch weni­ger Reiche eine Chance auf eine ver­nünf­ti­ge Altersvorsorge (mehr Geld für alle) haben, son­dern höhe­re Steuern (weni­ger Geld für eini­ge) auch für die­je­ni­gen for­dern, die es gewagt haben, sich als Arbeiterkind hin­rei­chend viel Einkommen zu erar­bei­ten, dass sie die Grenze zum „Reichtum“ (vul­go: Mittelstand) über­schrei­ten, wobei sie - die Fordernden - frei­lich Paul Kirchhof ent­we­der nicht ken­nen oder nicht ver­ste­hen, der voll­kom­men kor­rekt fest­ge­stellt hat, durch Steuern wer­de „der frem­de Erfolg zum eige­nen“, was wie­der­um bedeu­tet, dass sie das, was sie anpran­gern, mit ihren Forderungen nicht besie­gen, son­dern bekräf­ti­gen; was ihnen, wenn ich das feed­back aus den Reihen der desi­gnier­ten Regierungs- und bewähr­ten Steuererhöhungspartei „Die Grünen“ rich­tig ver­ste­he, zwar offi­zi­ell nicht bewusst ist, wohl aber in Kauf genom­men wird, denn vor­her gehen eigent­lich fast alle, die von „Reich“ nach „Arm“ umver­tei­len wol­len, davon aus, dass sie selbst auf kei­nen Fall zu denen gehö­ren, die „reich“ sind.

In den Nachrichten
Nichts gelernt: 35 Jahre Idiotie

Heute vor 35 Jahren, berich­tet unter ande­rem die „tages­schau“, …

Der GAU in Tschernobyl vor 35 Jahren bleibt als Katastrophe im Gedächtnis.

… hat im Kernkraftwerk Tschernobyl ein Idiot sei­ne Position miss­braucht, was nicht gut ausging:

Der Schichtleiter Akimow lehn­te die Durchführung des letzt­lich zum Unglück von Tschernobyl füh­ren­den Tests auf­grund des Zustands des Reaktors ab, wur­de von Djatlow als Vorgesetzten mit der Drohung einer Kündigung aber zur Fortsetzung des Tests angehalten.

Was ich dar­an nicht ver­ste­he: Zwar ist schon seit Jahren vie­ler­orts zu lesen, man habe aus dem „Unglück von Tschernobyl“ gelernt und der Vorfall sei „Mahnung und Verpflichtung zugleich“, aber nach wie vor scheint es weder poli­ti­schen noch gesell­schaft­li­chen Druck zu geben, ver­ant­wor­tungs­vol­le Positionen kei­nem Idioten zu übertragen.

In den NachrichtenMontagsmusik
Weltpinguintag - Over the Border // Nie wie­der Hamlet!

Wuscheligkeit ist keine Lösung, aber sie hilft.Es ist Montag. Das zufäl­li­ge Fundstück des Wochenendes ist Intimpflegecreme gegen so Gerüche fürs Büro. Ich weiß nicht, in was für einem Büro die­je­ni­gen arbei­ten, die sich die Werbegrafiken aus­ge­dacht haben, aber ich hof­fe, es ist weit weg von hier.

Das Zitat des Wochenendes wie­der­um las ich auf Twitter, da ich aber die Tweetkopierhistorie nicht ken­ne, ver­lin­ke ich es hier nicht; es ging jeden­falls so: Birgit Schmid stell­te in der „NZZ“ fest, dass die Forderung, homo­se­xu­el­le Figuren nur noch von homo­se­xu­el­len Schauspielern spie­len zu las­sen, die Frage nach sich zie­he, von wem dann Massenmörder und Pädosexuelle gespielt wer­den soll­ten, wor­auf­hin jemand ant­wor­te­te, Hamlet dür­fe nie wie­der auf­ge­führt wer­den, denn der Prinz von Dänemark ste­he als Darsteller „vor­aus­sicht­lich län­ge­re Zeit“ ja auch nicht zur Verfügung. Das war zwar fürch­ter­lich platt, aber es rang selbst mir - bekannt für feh­len­den Humor - einen debi­len Gesichtsausdruck („Schmunzeln“) ab. - Weniger wit­zig: CDU/CSU, SPD und AfD, also Schwarz-Rot-Blau, beschlos­sen am ver­gan­ge­nen Donnerstag, dass Saisonarbeiter noch län­ger als sowie­so ohne gül­ti­ge Sozialversicherung beschäf­tigt wer­den dür­fen. Wen wählt man eigent­lich, wenn man Arbeitnehmerrechte für habens­wert hält? (Der erste Kommentar, der die Grünen vor­schlägt, wird von mir höchst­per­sön­lich mit einem Augenrollen bedacht.)

Gestern war zwar aus­nahms­wei­se - der Zentralrat der Pandabären ist hof­fent­lich nicht all­zu empört - nichts mit Pandabären, jedoch Weltpinguintag (lang­jäh­ri­ge Leser haben schon mal davon gehört). Das hät­te ich fast vergessen.

Weltpinguintag - Over the Border

Guten Morgen.

Politik
Front: Ex.

Am Donnerstag hat die CDU-Grenzschutzorganisation Frontex unge­fähr 130 Menschen im Mittelmeer ertrin­ken las­sen. Die jet­zi­gen (SPD) und künf­ti­gen (Grüne, sie­he auch) Bündnispartner zeig­ten sich in ersten Stellungnahmen empört: Deutschland sei zwar durch­aus dar­an inter­es­siert, mit Waffenlieferungen und Soldatensendungen den Tod von Syrern zu ver­ur­sa­chen, aber im Mittelmeer sei das zwei­fel­los Umweltverschmutzung und dar­um eine Frechheit.


Apropos: Markus Söder wol­le mehr Minister aus den „neu­en Ländern“, berich­ten die Medien. Welche Länder meint er eigentlich?

Nerdkrams
Magenta Trial XL

Erstaunte Erkenntnis des Tages (zufäl­lig): Die Deutsche Telekom stellt ihren Privatkunden besten­falls den Zugang zu einem Internet, das nicht nur bloß zum Teil zugäng­lich ist, son­dern über­dies - offen­bar schon seit vie­len Jahren - ohne tech­ni­sche Notwendigkeit nicht mehr jede Nacht, son­dern alle paar Wochen kurz aus­setzt und lei­der neu gestar­tet wer­den muss, bereit.

Früher nann­te man so was eine Demoversion.

Sonstiges
Verhältnis mäßig

(Dass das zur Beschreibung des Vorhabens, den Menschen das Rausgehen zu ver­lei­den, der­zeit am häu­fig­sten genutz­te Adjektiv auch sonst die hier gezeig­ten Beziehungen ganz gut beschreibt, ist ein zumin­dest bemer­kens­wer­ter Einfall des Weltgeists; wei­te­re Wortspiele ver­bie­ten sich dem Beziehungsweisen frei­lich an die­ser Stelle schon rein ethisch.)

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Plädoyer für eine neue Stärke: Sahra Wagenknecht hat Recht.

In ihrem umstrit­te­nen Buch „Die Selbstgerechten“ ver­wen­de­te Sahra Wagenknecht, als über­zeug­te Kommunistin offen­kun­dig poli­ti­sche Gegnerin der Partei „Die Linke“, einen Satz, der nicht fol­gen­los blieb:

Die Identitätspolitik läuft dar­auf hin­aus, das Augenmerk auf immer klei­ne­re und immer skur­ri­le­re Minderheiten zu rich­ten, die ihre Identität jeweils in irgend­ei­ner Marotte fin­den, durch die sie sich von der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden.

Sofort, sogar noch vor Erscheinen des Buches, bewie­sen sich in den Medien Kommentatoren in der Disziplin, eine Feststellung zu bele­gen, indem man sich über sie empört, denn das Augenmerk wur­de viel­fach auf Vertreter skur­ri­ler Minderheiten gelegt, die dann auch brav zu ver­ste­hen gaben, dass sie als Minderheit es nicht gut fin­den, wenn eine Mehrheit sie über­stimmt. ‘Plädoyer für eine neue Stärke: Sahra Wagenknecht hat Recht.’ weiterlesen »

Netzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Journalistische Raserei

„n-tv“, 17. April 2021:

Immer wie­der hört man von schreck­li­chen Unfällen, die durch mut­maß­li­che Autorennen in Innenstädten ver­ur­sacht wer­den. Häufig wer­den dabei Unbeteiligte geschä­digt. Doch das hält vie­le Raser offen­bar nicht davon ab, auf öffent­li­chen Straßen wei­ter Gas zu geben.

Am besten natür­lich dort, wo kei­ne Verkehrskontrollen statt­fin­den. Und wo ist das?

Keine Sorge, „n-tv“ hilft:

Seit 2013 wird am Tag X nahe­zu flä­chen­deckend Jagd auf Temposünder gemacht. Heute ist die­ser Tag. Wir sagen Ihnen, wo und wann geblitzt wird.

In dem „Artikel“ kommt ins­ge­samt drei­mal die Annahme vor, man habe es mit „Temposündern“ zu tun. Wäre statt­des­sen nicht „Todsünder“ theo­lo­gisch korrekt?

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Faust - Ravvivando

Faust - RavvivandoLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Von Faust (der Gruppe, nicht dem Gelehrten) hat­te ich hier in der Vergangenheit schon gele­gent­lich ein paar Werke bewor­ben, jedoch habe selbst ich fest­ge­stellt, dass nicht jedes ihrer Alben wirk­lich gelun­gen war. Inzwischen weiß ich, wor­an es liegt: Die noch akti­ven Gründer von Faust teil­ten und - wer weiß? - tei­len sich in zwei mitt­ler­wei­le offen­bar zer­strit­te­ne Fraktionen auf, wovon eine von Hans-Joachim Irmler (Tasteninstrumente) und die ande­re von Jean-Hervé Péron (Bass und Gesang) fak­tisch gelei­tet wur­de. Die oft alber­nen Gesangsstücke des Letzteren waren und sind es, die mein Unverständnis auf sich zogen.

Dass, wäh­rend Jean-Hervé Péron sich mit dem drit­ten Ur-Faust Werner „Zappi“ Diermaier (Schlagzeug) zumin­dest vor der Pandemie noch ab und zu mal tou­rend blicken ließ, Hans-Joachim Irmler den Projektnamen Faust auf­ge­ge­ben zu haben scheint, ist daher etwas bedau­er­lich, denn wäh­rend erste­re Faust dem Freund der ersten paar Faust-Platten auch wei­ter­hin Gewohntes bie­ten, besa­ßen die Alben unter Federführung des Letzteren den Pioniergeist und den Mut, den man bei blo­ßen Nachlassverwaltern oft vermisst.

Das ver­mut­lich radi­kal­ste „Irmler-Faust“-Album - noch mit Werner Diermaier am Schlagzeug, der spä­ter das Lager wech­sel­te - ist und bleibt bis heu­te „Ravvivando“ (Amazon.de, TIDAL) von 1999. Faust haben in ihrer Karriere unter ande­rem - gera­de bei Liveauftritten - Bohrmaschinen, Betonmischer und Tonnen als Instrumente ver­wen­det, nicht unähn­lich den Einstürzenden Neubauten. Wie klingt es, wenn der lie­dori­en­tier­te Bandflügel dem fernbleibt?

Nun, unge­fähr so:

Wir brau­chen dich #6

Oder so:

Four Plus Seven Means Eleven

Wenn der­einst jemand über mein Leben refe­rie­ren wird, möge er zuvor beden­ken, dass ich die­ses Album mag. Ich weiß nicht, was das über mich aus­sagt, aber ich weiß, was es über die­ses Album aus­sagt. Avantgarde kann auch abge­hen.