Manches ändert sich nie, und „Brot und Spiele“ gleich dreimal nicht:
Die Zirkusparteien (…) waren die Rennställe und ihre Anhänger im Römischen Reich (…), die zunehmend auch politische Bedeutung hatten. (…) Die Kaiser oder, jenseits der Hauptstadt, ihre Stellvertreter mussten sich im Circus regelmäßig dem Volk (…) zeigen, dem die Zirkusparteien eine Stimme gaben: Die von ihnen orchestrierten Akklamationen waren das wichtigste Medium der Kommunikation zwischen dem spätrömischen Kaiser und seinen Untertanen.
Die SPD hat in einem Positionspapier eine nach Alter abgestufte Regelung vorgeschlagen. Demnach soll für Kinder bis 14 Jahre ein vollständiges Verbot von Social-Media-Plattformen gelten. Die Anbieter sollen verpflichtet werden, den Zugang „technisch wirksam“ zu unterbinden.
Es ist Montag und der „Tagesschau“ ist das egal. Mathematik ist frauenfeindlich und ich hatte Teile davon sogar in mehreren Semestern. Wenn das die Presse erfährt.
Apropos: Autisten seien weniger anfällig für typische Reklamebotschaften, entnehme ich einer Studie von 2015. Ich bin noch uneins mit mir selbst, ob der eingebaute Werbeblocker das alles wert ist. (via Erdrandbewohner) – Beobachtung (interessant): „Die Aufrechterhaltung eines jüdischen Staates ist eine politische Präferenz, die nicht über die grundlegenden Rechte eines ganzen Volkes gestellt werden kann.“ Ist was dran, löst aber den Nahostkonflikt auch nicht. (Muss man das eigentlich überhaupt, alle Konflikte immer lösen?)
Für Internet- statt anderer Archäologen: asdfmovie 16 ist draußen. Schon länger draußen: Musik.
Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie Microsoft das hinbekommen hat (kleiner Scherz, habe ich doch), aber ich habe höchsten Respekt vor dieser Leistung. Das hätte nicht mal ich hinbekommen.
Sachsen-Anhalts Bischöfe hatten schon länger gewarnt: Wenn die AfD in dem Bundesland in Regierungsverantwortung komme, würde das unmittelbare negative Auswirkungen auf die Kirchen haben. (…) Nun hat der AfD-Landesverband, der vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft ist, einen radikalen Wahlprogramm-Entwurf für die Landtagswahl am 6. September vorgelegt. (…) Die AfD will im Fall einer Regierungsübernahme die Staatsleistungen, die das Land jährlich an die Kirchen zahlt – derzeit rund 43 Millionen Euro, ersatzlos streichen. Ihr zufolge können die Staatsleistungen auch ohne weitere Kompensation eingestellt werden. (…) Eine Streichung der Staatsleistungen hätte laut dem katholischen Magdeburger Bischof Gerhard Feige existenzielle Folgen für die Kirchen. Beim Bistum Magdeburg machen sie rund 20 Prozent des gesamten Haushalts aus. Juristen betonten zwar, dass es rechtlich nicht möglich sei, Gelder vorzuenthalten, “aber Trump macht es gerade vor”, sagte Feige dem Berliner “Tagesspiegel”. (…) “Das Undenkbare ist jetzt zu Papier gebracht. Handschrift und Duktus des AfD-Programmentwurfs machen klar: Wer AfD wählt, wählt die Methoden Donald Trumps für Sachsen-Anhalt. (…)”
Wir lernen: Wer sich wie F.D.P., SPD und Grüne dafür einsetzt, Art. 140 GG zur Anwendung zu bringen, der wendet hierfür zwangsläufig „die Methoden Donald Trumps“ an. Bis eben dachte ich, jener Herr sei brandgefährlich für die Demokratie. Mein Fehler.
(Es ist ja nun auch nicht so, dass die Kirchen in den letzten paar Jahrhunderten als besonders herausragende antifaschistische Kampforganisationen hervorgetreten wären. Dessen ungeachtet gehört dieser Unsinn selbstverständlich umgehend beendet. Was mit „diesem Unsinn“ allerdings gemeint ist, bleibt als Aufgabe für den Leser bestehen.)
Nabelschau: Weil ich ja ganz gern mal mit obskurer Software in fast ebenso obskuren Nischen herumspiele, ist mir auch die Welt der ActivityPub-Implementierungen nicht völlig fremd. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich auf einem meiner Server eine snac-Instanz „aufgesetzt“, wie die jungen Leute (nicht) sagen, die sowohl ein Sicherheitsnetz, falls der Mastodonserver, auf dem ich mein sogenanntes Unwesen treibe, aus Gründen gerade nicht erreichbar ist und ich aber trotzdem dort Konversation zu betreiben gedenke, als auch ein ganz interessantes Testsystem ist, mithilfe dessen ich bisweilen an Diskussionen auf Lemmy teilnehme, weil die meisten Lemmyinstanzen eher lästig zu bedienen sind und ich allein die Möglichkeit, innerhalb des „Fediversums“, wie die jungen Leute (leider doch) sagen, mit nahezu beliebigen Anwendungen auf nahezu beliebige Plattformen zu „posten“, trotz aller technischer Kenntnisse einigermaßen großartig finde. Ich empfehle snac zwecks Anschauung weiter. Es ist irgendwie praktischer als die ansonsten vergleichbare Alternative Honk.
Apropos Honk: Plonk. Webbrowser hatten seit 2010 genau zwei nützliche Innovationen und beide musste es nur geben, weil das Web so ist, wie es ist. Ich bin immer noch der Ansicht, die Mehrheit der Menschen im Internet sollte sich darauf verständigen, das Web einfach den Konzernen zu überlassen, auf dass ihre Vertriebler dort mit irgendwelchen Sprachmodellen über Nonsens debattieren und uns währenddessen in Ruhe arbeiten lassen, aber jenseits des immer noch ziemlich lebendigen IRCs hört irgendwie niemand so recht auf mich. Das haben wir jetzt alle davon.
Worauf jedoch ich höre: Musik.
♫ Kraftwerk ♪ Pocket Calculator (Discoring 1981) ♫ Video & Audio Remastered HD
Eigentlich wollte ich an dieser Stelle ein wenig über die in meiner timeline in letzter Zeit vermehrt auftretende Überzeugung raisonieren, mit der Menschen gegen „Big Tech“ wettern und dann trotzdem das maßgeblich von Google und Meta entwickelte Linux empfehlen, als wäre „Big Tech“ etwas Gutes, sobald es den Quellcode rausrückt, den man dann weder lesen noch verstehen kann und/oder will. Weil ich das aber selbst für meine Verhältnisse ein bisschen zu oft mache, lege ich den Verweis auf die Statistik nur zwecks späterer Weiterverwendung hier ab und schreibe stattdessen etwas anderes.
Dieser Tage begegnete mir nämlich eine Wortfindung, die mich ins Grübeln brachte. Die von Karen Prien getroffene Wortfindung lautete, Juden (also Angehörige der Glaubens- und/oder Religionsgemeinschaft Judentum) würden „als Juden gelesen“. Man sagt mir ja (großteils zu Unrecht) manch schwierige Geisteshaltung nach, aber irgendetwas in mir sträubt sich erheblich gegen diese Formulierung.
Es ist, zugegeben, auch nicht so, dass ich besonders überragend darin wäre, Menschen zu lesen. Bisweilen behauptet man über mich, ich gehe stets mit einer übermäßigen Skepsis mit Leuten um, deren Motive nicht in einem ausführlichen Schaubild dargelegt werden, und vielleicht stimmt das auch. (Die Naivität früherer Tage hinterließ Furchen.) Dieses Lesen allerdings ist ein anderes, es taucht sonst in den nicht minder bizarren Wortkombinationen „männlich/weiblich gelesen“ auf, und zwar ist auch das eine semantisch seltsame Ausdrucksweise (man liest keine Geschlechtsteile und erst recht keine Mentalität, Menschen sind keine Bücher), doch zudem hat es nolens volens den Nebeneffekt, dass es das Judentum zur Lifestyle-Eigenschaft verkümmern lässt.
Als wäre das eine hippe Mode für die Soziale-Medien-streetcred.
Nein, Juden werden nicht gelesen. Juden sind. Und es ärgert mich, das überhaupt schreiben zu „müssen“.
Es ist bereits einige Jahre her, dass mir erstmals der (englische) Begriff des Buryings in der Bedeutung „Nachrichten hinter anderen Nachrichten verstecken“ begegnete, aber er fällt mir trotzdem immer wieder ein, wenn ich die Inlandsnachrichten – man fürchtet die Kernenergie im Inland, würde sie aber gern mal wieder auf andere Länder abwerfen, wie man liest – mit der boulevardesquen Berichterstattung über in anderen Staaten verübtes Unrecht abgleiche.
Sie, Herr Delgmann, sind ausweislich Ihrer Kanzleiwebsite „in sämtlichen Bereichen des Arbeitsrechtes“ juristisch „tätig“, und zwar als „Fachanwalt“. In dieser Rolle äußerten Sie sich für den „SPIEGEL“ („Keine Angst vor der Wahrheit“, „SPIEGEL“ über „SPIEGEL“) über ein Thema, das mit Arbeit wenig zu tun hat, nämlich über Beamte.
Sie postulierten dort, dass diesseits des Staatsdienstes die Notwendigkeit von Beamten nicht gegeben ist, da „andere Branchen, die inzwischen privatisiert sind“, zeigen, …
(…) dass es dort auch ohne Beamte geht. Bei der Bahn zum Beispiel gibt es mittlerweile keine Beamten mehr.
Folgende Frage hätte ich da allerdings jetzt doch: Sie sind länger nicht mit dem Zug gefahren, stimmt’s?
Es ist Montag. Sprachmodelle können jetzt, da selbst das sonst weitgehend unbelehrbare Microsoft vorsichtig daran zu zweifeln beginnt, dass wirklich jedes Anwendungsprogramm auf so einem Computer ganz dringend einen Chatbot braucht, einander heiraten und alles daran ist denkwürdig.
(Einschub zu einem anderen Thema: Die Braunschweiger Polizei hat schon wieder jemandes Recht auf selbstbestimmtes Ableben erfolgreich abgesprochen. Das nennen sie dann Sozialstaat. Andere erzählen mahnend von der Bürokratie des Dritten Reiches und wollen dann Tausende aus bürokratischen Gründen in den Krieg schicken. Vergesst bitte auch auf keinen Fall, Koffeinpopcorn für einen guten Freizeitsnack zu halten. Aufputschmittel machen euch arbeitsfähiger und das ist wichtig. Trotzdem wundern sich Journalisten und Wissenschaftler darüber, dass die Deutschen öfter mal depressiv sind. Versteh’ ich nicht. Einschub Ende.)
Kurze Durchsage aus der Welt der EDV: Linux ist nicht für Menschen gemacht. Alles im verlinkten Blogbeitrag stimmt. Sachdienlicher Hinweis im Übrigen von der digitalen Unabhängigkeit und für sie ebenso: Make a Fucking Website.
Und währenddessen hört und sieht am besten: Musik.
Netflix so: Eure Stimmen wären ein gutes Produkt. Sprecher so: Nein.
Kurioses Fundstück der Woche aus dem, ich lege mich fest, Buch des Jahrzehnts: In den USA hängen Menschen Smartphones in Bäume, damit sie mehr Geld bekommen, weil ihr Arbeitgeber (eine App – na, ich habe schon üblere Arbeitgeber kennengelernt) glaubt, sie seien schneller vor Ort.
Ich wiederhole mich wirklich nur außerordentlich ungern, aber eine kommende diktatorisch agierende Regierung wird der SPD für die präventive Installation eines umfassenden Überwachungsstaates später mal gar nicht dankbar genug sein können. (Zu Vergleichbarem auch: Raweel Nasir schlägt für die „taz“ vor, ungebeten erstellte Fotos von anderen Leuten in der Öffentlichkeit komplett zu verbieten. Ich teile diese Absicht, weil ich es allgemein für ein Unding halte, dass jeder immer überall zum Fotomodell zu werden hat, ohne dem Fotografen postwendend perkussive Wartung angedeihen lassen zu dürfen.)
Die öffentliche Weiterentwicklung von Rivva ist (schon wieder) am Ende und die elende Gratiskultur ist daran schuld.
Idee: Technischen Erklärungen grundsätzlich „Als KI-Sprachmodell bin ich der Ansicht, dass…“ voranstellen. Dann glauben die Leute wenigstens, was man erzählt.
Ich finde übrigens mit Blick auf verschiedenste Ereignisse in den letzten Wochen auch weiterhin nicht, dass es einem Menschen als anerkennenswerte Lebensleistung genügen sollte, umgebracht worden zu sein, erkenne aber an, dass Antipathie gegenüber dem Einen sich bisweilen als Empathie für den Anderen zu äußern versucht, wobei es in der Tat für die Ursache unerheblich und höchstens für spätere Rechtfertigung von Belang ist, wer der Andere eigentlich war oder ist; den gesellschaftskonform fühlenden Menschen erkennt man manchmal eben doch daran, dass er sich dafür schämt, allzu menschlich zu sein.
Angesichts immer neuer Vorfälle mit entzogenen Doktortiteln halte ich es inzwischen für empfehlenswert, Menschen, die einen solchen führen, grundsätzlich die Fähigkeit zu exaktem wissenschaftlichem Arbeiten nicht zuzutrauen und allem, was sie veröffentlichen, wenigstens grundlegende eigene Recherche zur Seite zu stellen. (Brauchen wir eigentlich überhaupt akademische Titel, um als Gesellschaft zu funktionieren? Beim Erbadel hat es doch auch zur Abschaffung gereicht!)
„how to piss off men“ heißt ein unnötigerweise ins Deutsche übersetztes Buch, das in der lokalen Buchhandlung heute auf dem im Übrigen als „neu“ angepriesenen Tisch für „schräge Bücher“ (sonst darauf: unter anderem Max Goldt und Oliver Kalkofe) herumlag und in dem Tipps gegeben werden, wie man „das männliche Ego“ kleinbekäme, als würde da die Wehrpflicht nicht schon reichen.
Zu den gegebenen Ratschlägen gehört derjenige, als Frau zu behaupten, man sei kleiner als man tatsächlich ist, weil immer alle Männer, so die Logik des Buches, nämlich ihre genetischen Eigenschaften für eine Art Wettbewerb halten, und während ich schon aus Niveaugründen gerade noch einigermaßen an mich halten kann und eben kein Buch schreibe, in dem ich Männern empfehle, Frauen zu erzählen, man hätte eine größere Körbchengröße als sie, um irgendwem irgendwie irgendwas zu beweisen, genehmige ich mir hier doch zumindest den Hinweis, dass Frauen, die dieses Buch für einen Volltreffer halten, und Männer, die sich von den Inhalten beeindrucken lassen, einander letztendlich vollkommen verdient haben; d.h. als Flirtutensil für eine in der Tat schräge Zielgruppe dürfte es ungeahnt gut funktionieren.
Es ist Montag. Thomas Mann, erfahre ich, sei ja vor 75 Jahren gestorben und man könne sich jetzt den ermüdendsten Wälzer, den ich jemals in Händen zu halten das Missvergnügen hatte (i.e. „Buddenbrooks“), legal im Internet runterladen, ohne dafür irgendeinem Erben auch noch Geld zahlen zu müssen. Damit ist das Werk von Thomas Mann für die einzige noch lebende Zielgruppe des Werkes von Thomas Mann, nämlich leidensfreudige Masochisten mit Einschlafproblemen, leider weitgehend unbrauchbar geworden. Ich empfehle stattdessen „Autobiografien“ von irgendwelchen RTL-Knalltüten. Die sind zwar nur in den allerseltensten (ja, Tippfehlerkontrolle, ich schriebe sehr gern „alleeseltensten“, weiß aber leider nicht, was das nun wieder sein soll) Fällen tatsächlich Autobiografien, aber dafür wird man davon nur blöd und nicht so anstrengend müde.
Habe ich mir sagen lassen.
Heute nur ein Absatz zur Politik, weil ich die Woche nicht mit ganz so schlechter Laune beginnen lassen möchte: Die unter anderem in der „FAZ“ kolportierte Feststellung seitens der beiden beteiligten Regierungsvorsitzenden, Italien und Deutschland hätten sich „noch nie so nahe wie heute“ gestanden, wäre eine interessante Antwort im Jeopardy. Eine mögliche Frage dazu hätte etwas mit dem 12. September 1943 zu tun.
Ausgerechnet in einem FreeBSD-Blog fand ich die unterhaltsame Beobachtung, dass und wie der skrupellose US-Konzern Red Hat, berüchtigt für (unter anderem) systemd, schrittweise das völlig unnötigerweise gehypte Linux zu einem Spielball kapitalistischer Interessen umformt. Viel besser als Windows. Schon verstanden.
Mein Wort der Woche: „Spültabskino“. Wusstet ihr, dass es bei Netflix, dessen Dienste zu abonnieren mir schlichtweg zu bescheuert wäre, eine Kategorie namens „Casual Viewing“ gibt, in der Machwerke zu finden sind, die einzig dem „Zweck“ dienen, dass sie im Hintergrund ein bisschen visuelles Rauschen erzeugen, während man den Abwasch erledigt, kocht oder zum Beispiel ausgiebig in der Nase bohrt? Für Menschen, die derlei Ausreizungen der Grenzen des Kunstbegriffs für habens- oder auch nur produzierenswert halten, wurde die Beschallung von Supermärkten, Hotelfluren und Fahrstühlen eingeführt. Geistige ADHS-Sympathisanten, die einen Rappel kriegten, müssten sie mal eine halbe Stunde lang wach sein, ohne dass irgendein inhaltsferner Kram ihre Augen und Ohren verklebt. Ich verstehe die Menschen nicht mehr und – doch, doch – das ist in dieser Intensität sogar für mich eine neue Erscheinung.
Apropos neue Erscheinungen: „heise online“ titelt, Angestellte nutzten „mit KI gesparte Zeit, um KI-Ergebnisse zu korrigieren“; währenddessen stellte sich heraus, dass ChatGPT völlig überraschend zwar Internetquellen durchsucht, aber schon infolge seiner Eigenschaft „stochastischer Papagei“ keine Quellenprüfung(Allergikerwarnung: golem.de) vornimmt. Passt. All das passt.