Im März 2023 gab ich hinsichtlich der Tendenz von Fußballfans, diejenige Mannschaft, deren Stadion in ihrem Wohnort steht, zu bevorzugen, zu bedenken:
Müsste ich Sportgucken irgendwie interessant finden, ich interessierte mich doch vor allem für die Geschicke derjenigen Teilnehmer, deren Leistung mich überzeugt.
Als aktuellen Datenpunkt hierfür aus meinem Wohnort liefert mir die „Sportschau“ heute folgendes (Archivversion) Ereignis: Es seien die „Braunschweiger“ Spieler nämlich, vorbereitend auf die heutige Partie gegen irgendeinen anderen Verein ohne ortsgebundene Substanz, erst einmal durch „ihre“ Stadt geführt worden und haben dort, glaubt man den Autoren Patrick Halatsch und Martin Schneider, das zu sehen bekommen, was auch sonst jeder Tourist ohne nennenswerte Führung zu sehen bekommt, nämlich „die Magni-Kirche in der Altstadt, das bunte Rizzi-Haus“ und den Altstadtmarkt.
Der Vereinskapitän sprach ins Mikrofon, dass die „Identifikation mit der Stadt sogar leistungsfördernd sein“ könne, was sein kann, aber nicht muss, weil die oberen drei Fußballligen kaum dazu neigen, für die oberen drei Fußballligen geeignete Spieler überhaupt sonderlich lange dort zu belassen, wo sie eine Identifikation haben, und daher bisweilen mehrmals im Jahr eine neue Stadt als die ihre definiert bekommen.
Regionalität und Tradition seien zwei der moralisch verpflichtenden „Kernaussagen“ Eintracht Braunschweigs, was im Übrigen auch für die Spieler gelte, quatscht man im „Leitbild“ Eintracht Braunschweigs. Nun bin ich ja selbst ein Zugezogener, bin daher vielleicht als Lokalpatriot ohnehin noch bis an mein Lebensende kaum geeignet, aber mir sei da dann jetzt schon noch folgende Frage gestattet: Macht es mich insofern zu einem Briten, wenn ich mal am London Eye entlangspaziere? (Und muss ich dann auch den jeweiligen Verein als den meinen begreifen?) Das wäre für die weitere Urlaubsplanung gut zu wissen.

Man muss kein Lokalpatriot sein, sondern kann auch Bayernfan werden.
Ganz abgesehen von der Charmeoffensive unter Olli Kahn, Nagelsmann und… Name vergessen…, den FCB auch mal als liebenswerten Loser zu präsentieren:
Gehen Sie mal in die Südkurve (zu einem Spiel) oder im Bayern-München-Trikot in eine x‑beliebige Kneipe. Sie werden feststellen, “Bayern ist Punk”.
Da ist es dann völlig egal, ob irgendwelche Söldner… ähm… Spieler Kamilllentee aus Litergläsern trinken, während sie indigene Insignien tragen. Wichtig ist nur, dass die Herrschaften dafür sorgen, dass alle, aber auch wirklich alle anderen Sie hassen. DAS schweißt auch zusammen, wenn man sich Wohnen in München nicht leisten kann.
Die ham halt einen 1100er an der heimischen Currywurstbude gelassen. Natürlich stärkt das die Community.
Patriotismus mit der orstansässigen Mannschaft stammt noch aus der Zeit, wo das nicht ein Milliardengeschäft war.