NerdkramsNetzfundstücke
So wirst du von „Perspective Daily“ überwacht

Bedauerlich: Auf „Perspective Daily“ warnt Dirk Walbrühl unter der blöd duzenden Überschrift „So wirst du im Alltag überwacht“, man werde auf sieben Arten überwacht, darunter Überwachungskameras, Kennzeichenerfassung und Drohnen. Die achte Art – die auf „Perspective Daily“ eingebundenen externen JavaScripts von Googleservern wie s.ytimg.com und ajax.googleapis.com, fehlt leider in der Liste.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Mehr Jans für Deutschland! (3): Justizquotiert.

Eine Frauenquote muss nicht bedeuten, dass darunter die viel notwendigere Kompetenz leidet. Gerade in Berufen, in denen eine fachlich unfähige Person großen Schaden anrichten kann, wird man ja wohl im Zweifel darauf achten, dass ein Mindestmaß an Verständnis vorhanden ist. Man lässt ja auch keinen Autohersteller Radwege entwerfen.

Außer, man ist bei den Grünen:

Für Überraschung sorgt, dass Grünen-Chefin Anna Gallina künftig das Justizressort leiten soll, obwohl sie keine Juristin ist. Gallina hat Politikwissenschaft, Philosophie und Öffentliches Recht an der Universität Hamburg studiert. Vorgänger Till Steffen hatte den Posten aufgrund der Grünen-Frauenquote freigemacht.

Immerhin: Das Philosophiestudium könnte dabei helfen, politische Zusammenhänge in Hamburg besser zu verstehen; zum Beispiel, warum welche Anwärter mit welchen Posten ausgestattet werden.

(Zuvor in diesem Kino.)

In den NachrichtenWirtschaft
Der neue Mehrwertgewinnsatz ist da.

Letzten Monat äußerte ich mein Unverständnis darüber, dass die Bundeswehr (die abgeschafft gehört) 137 Milliarden Euro für Dinge ausgeben darf, mit denen man Menschen umbringen soll. Der Staat hat wegen Corona immerhin erkannt, dass das eine Summe ist, die unverhältnismäßig erscheint, und beschlossen, finanzielle Mittel in Höhe von fast einer Bundeswehr – nämlich 130 Milliarden Euro – dafür bereitzustellen, dass die Bürger wieder mehr unnützen Krempel kaufen. Die Wirtschaft, Sie verstehen; die eben auch fast eine Lufthansa weniger wert ist als die Armee. Irgendwelche Prioritäten muss man eben haben.

Fünf von den 137 Milliarden Euro sollen an die Deutsche Bahn gehen, die bekanntlich dringend mehr Geld braucht. Aber auch der Bürger soll es gut haben:

Ein „Herzstück“ des Paketes ist nach den Worten des CSU-Vorsitzenden Markus Söder eine Senkung der Mehrwertsteuer. Vom 1. Juli an bis zum 31. Dezember 2020 soll der Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf 16 Prozent und für den ermäßigten Satz von 7 Prozent auf 5 Prozent gesenkt werden. Um rund 20 Milliarden Euro werden die Verbraucher entlastet, wenn die Preise entsprechend sinken.

Neulich las und hörte ich verschiedenfach, Markus Söder habe sich in der Coronazeit bereits jetzt als erstaunlich kluger Politiker erwiesen. Erstaunlich, dass er jetzt ausgerechnet am Grundwissen der Zusammenhänge in der Wirtschaft scheitert.

Ich möchte aber nicht immer nur nörgeln, füge mich der Empfehlung und freue mich schon auf die Preisanpassungen. Schade eigentlich, dass ich von ihnen erst im Januar 2021 etwas mitbekommen werde.


Inzwischen bei den Grünen: Ein illegal besetztes Haus soll geräumt werden? Das ist gerade ganz blöd, das muss verhindert werden wegen… Moment… wegen der Rassisten!

In den NachrichtenNerdkrams
(Micky-Maus-Stimme:) „Keine Panik!“

Was kann da schon passieren?

Durch KI lässt sich die menschliche Stimme bereits klonen und verändern. Eine neue Software geht nun einen Schritt weiter und bietet Nutzern an, die eigene Stimme zu lizenzieren und zu verkaufen. (…)

In seiner Datenschutzerklärung behält sich das australische Unternehmen allerdings vor, persönliche Informationen wie Name, Mailadresse, Alter, Kreditkarteninformationen und den Ort zu speichern und Dritten bereitzustellen. Dazu gehören neben Regierungsbehörden auch potenzielle Geschäftspartner von Replica Studios.

Ach so, ja: Alles. Mein Fehler.

In den Nachrichten
Beischlafkriterien unerwünscht

Über die Ursachen dafür, dass man eine andere Person (oder gleich mehrere) körperlich attraktiv findet, ist bereits manches geschrieben worden. Für das Phänomen, dass manche Menschen sich von manchen Ethnien stärker angezogen fühlen als von anderen, wurde in den ohnehin prüderiedominierten Vereinigten Staaten gar der Begriff des sexuellen Rassismus geprägt.

Da neulich, wie zuvor erwähnt, in besagten Vereinigten Staaten ein Inhaber einer anderen Hautfarbe als der seines Gegners mit der Konsequenz großer Erregung in so Medien umgebracht wurde, erhielt eines der Kollektive, die die Relevanz eines Lebens an der Hautfarbe festmachen, abermals großen Zuspruch, indem Deutsche schwarze Vierecke in soziale Medien hineinluden. Damit gilt der Rassismus endlich als so gut wie überwunden. Sogar Barack Obama sieht jetzt die Zeit für eine echte Veränderung gekommen. Ich finde ja, er sollte sich mal als Präsident bewerben. Da könnte er richtig was erreichen!

Natürlich hat diese Welle der Solidarität auch in der Welt der mobilen Geräte etwas verändert: Grindr, eine Plattform zur Schnackselanbahnung, ermöglicht es seinen Kunden künftig nicht mehr, nur Angehörige der sexuell bevorzugten Ethnie anzeigen zu lassen, um rassischer Diskriminierung entgegenzuwirken. Ich finde, dieses Konzept sollte wie so viele Konzepte vor ihm auch hierzulande endlich in die Politik Einzug halten. Lassen wir doch künftig die SPD entscheiden, mit wem wir schlafen! Ein Filtern unsererseits ist immerhin immer mit Vorurteilen verbunden.

Ich selbst zum Beispiel würde sehr ungern Verkehr mit anderen Herren praktizieren, aber diese Ansicht benachteiligt ausschließlich Homosexuelle – gerade im Pride Month Juni eine mehrfache Kränkung gegenüber einer weltoffenen Gesellschaft. Beischlafkriterien sind diskriminierend und daher unerwünscht.

Hoffentlich erledigen auch das bald Roboter für uns.


In weiteren Nachrichten: Berlin kann keine Flughäfen eröffnen? Pah, Schnee von gestern: Berlin kann nämlich Flughäfen auch nicht schließen!

In den Nachrichten
Clubbesuchersterben

In den Vereinigten Staaten wurde irgendwer von einem Menschen mit anderer Hautfarbe umgebracht, woraufhin die als gut zu verstehenden Gegner des amtierenden Präsidenten plünderten und brandschatzten, weshalb die Regenten Berlins sich spontan mit derjenigen lose organisierten Gruppe solidarisch zeigten, die vor ein paar Jahren wiederum in Hamburg Brände verursacht und Läden verwüstet hatte. So weit die Nachrichten von heute, so weit viel zu niedrigschwellig irre für einen Kommentar meinerseits.

Berlin war dieser Tage selbst auf viel interessanterem Niveau irre, wie Medien, die nicht mehr verlinkt werden möchten (LSR), berichteten:

400 Boote, 3.000 Menschen, die am Berliner Landwehrkanal oder auf dem Wasser eine Techno-Party feierten: Die Veranstalter der Demo am Sonntag gegen das Sterben der Clubkultur bekamen die Lage nicht unter Kontrolle.

Gegen das Clubsterben zu demonstrieren, indem man sich dem Risiko einer tödlichen Krankheit aussetzt, ist mal wieder genau mein Humor. Mehr noch, weiß ein anderes Medium, das nicht verlinkt werden möchte (LSR):

Über den Landwehrkanal ging die Tour bis zum Urbanhafen, genau vor das dortige Krankenhaus, in dem Covid-19-Patienten behandelt werden.

Dass ich das mal in Bezug auf Berlin schreiben würde, enttäuscht mich selbst ein wenig, aber: Passt!

In den NachrichtenMontagsmusik
Kjellvandertonbruket – Yacht in the Fog // Bekanntmachungen verbieten!

>:-(Es ist Montag. Vor langer, langer Zeit hörten Menschen in Nahost, glaubt man ahistorischen Aufzeichnungen, plötzlich Stimmen und deswegen ist heute frei. Verrückte müssen belohnt werden, so will es die Religion.

Apropos Verrückte: Beim „SPIEGEL“ – Ressort „SPIEGEL Wissenschaft“ – wurde neulich einem Virologen erklärt, dass Gandalf gar nicht kämpfe, und auf die Frage, wer das sei, antwortete der Journalist, ob das der Ernst des Virologen gewesen sei. Welche Wissenschaft das abbilden soll, weiß ich leider nicht.

Neues aus der Welt der Politik: Die Länder, mithin die sie regierenden Parteien, von denen ich daher bitte nie wieder etwas über EDV hören möchte, würden gern gesetzlich erzwingen, dass Betriebssystemhersteller die Jugendschutzmaßnahmen in Telemedien (lies: Pornhub) gefälligst zu prüfen hätten. Ich bin schon sehr gespannt, was die Länder tun werden, wenn Microsoft, Google und Apple dieses Ansinnen zurückweisen. Etwa Smartphones verbieten?

Ich habe neulich zufällig herausgefunden, dass das hiesige Landesamt für Soziales, Jugend und Familie seine Verlautbarungen – man scrolle ein wenig hinunter – unter ein Urheberrecht gestellt sieht, demzufolge jene nicht etwa dem Steuerzahler, sondern nur der Behörde gehören, auf dass man sie nur mit Genehmigung bekanntmache. Ich möchte obige Anmerkung zum Thema Länderkompetenz nochmals betont wissen.

Ganz ohne Einholung einer ausdrücklichen Genehmigung mache jedenfalls ich wieder bekannt: Musik.

Guten Morgen.

Sonstiges
Kurz angemerkt zur täglichen Schreibfaulheit

Menschen, für die die wichtigsten Eigenschaften der schriftlichen Kommunikation die Verfügbarkeit von möglichst vielen Emojis, eine möglichst treffsichere automatische Korrektur und eine jederzeit verfügbare Editierfunktion sind, so dass sie nicht nur schnell und gedankenlos kommunizieren, sondern die dabei unweigerlich gemachten Tippfehler auch später noch korrigieren können, ohne dabei unnötig viel Sprache verwenden zu müssen, sind immer auch Menschen, denen ich mit großem Respekt begegne, denn eine derart offen dargebotene Missachtung des Gegenübers, dass es nicht einmal mehr für die Mühe reicht, sich selbst um Verständlichkeit des eigenen Anliegens zu kümmern, findet man heutzutage leider nur noch selten in der Misanthropie.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: le_mol – White Noise Everywhere

le_mol - White Noise EverywhereLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Da sich die diesjährige Halbjahresrückschau aus organisatorischen Gründen absehbar verzögern wird, lasse ich es mir nicht nehmen, stattdessen schon früher einige der angenehmsten Musikalben des Jahres 2020 zu verbraten, wie man so schön sagt. Heute befassen wir uns mit le_mol und ihrem diesjährigen hervorragenden Album „White Noise Everywhere“ (Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL).

Eine Furcht einflößende Gitarrenband ist das Wiener Shoegazeduo le_mol entgegen meiner Vermutung bisher nicht geworden, obwohl es auf seinem vierten Album mitunter doch recht bedrohlich zugeht: Bereits das eröffnende „Mdme Psychosis“ kündigt ein Donnergrollen an, das sich im anschließenden Titelstück aber doch in einladend melodisch-rhythmischen Postrock auflöst. Gesang, der über elektronisch überlagerte Sprachsamples (etwa im krautigen „1/f bruo“) hinausgeht, gibt es auch weiterhin kaum, Gesang will ich aber auch nicht haben. Dass der klagend vorgetragene Text von „Hands“ trotzdem gut ins Gesamtgefüge passt, sei hierbei nicht verschwiegen. Das Gefühl der seelischen Enge, das sich von innen heraus ausbreitet, hilft dabei, le_mol zu verstehen, und fügt dem Albengenuss das gewisse Etwas hinzu, das in postrocknahen Hervorbringungen zu oft vermisst wird.

Postrock, apropos: Dass le_mol das große Vorbild Mogwai immer noch nicht zu leugnen versuchen, wenn etwa Raimund Schlager die Gitarrenloops unvermittelt breitwandig aufbaut und nur wenige Sekunden später wieder über dem Hörer einstürzen lässt, trägt zur Qualität von White Noise Everywhere bei. Dass die beiden Herren zudem auch ohne Text einen grandiosen Humor in ihre Musik einfließen lassen, beweist das abschließende, ungewöhnlich entspannte Instrumentalstück „Por que está todo en Español?“ – „Warum ist alles spanisch?“.

Empfehlung hiermit erteilt, es möge Freude bereiten.

In den Nachrichten
Säkularismus wann anders. (5)

Berlin, die Stadt der Bauvorhaben, hat jetzt endlich genug von dieser Vielfältigkeit und beruft sich wieder darauf, dass man etwas ja schon immer so gemacht habe:

Wenn Wind und Wetter günstig sein sollten – vor allem der Wind –, wird am Freitag dieser Woche das Kreuz auf die Kuppel der Schloss-Rekonstruktion gehoben. (…) Wenn schon historische Kuppel, dann mit dem historischen Kreuz, winkten dessen Befürworter ab.

Es ist immerhin undenkbar, wenn man irgendwas wieder aufbaut, aus der Zeit gefallene Zeichen (Religionsinsignien, Hakenkreuze und dergleichen) schlicht wegzulassen. Das wäre historisch unangemessen. Macht man nicht. Geht nicht.

Aber keine Sorge, dasjenige Gerät, an das vor vielen Jahrhunderten religiös Aufmüpfige zwecks Ermordung gehängt wurden, stehe seitdem bekanntlich nicht für Folter, Krieg und Hexenprozesse, sondern nur für Gutes:

Das Kreuz als Symbol für das Christentum steht für Nächstenliebe, Freiheit, Weltoffenheit und Toleranz.

Westliche Zivilisation ist, wenn unter dem Beifall einer Großstadt goldene Folterinstrumente auf Dächer geschraubt werden. Ob ausgerechnet Berlin ein Symbol für Nächstenliebe tragen sollte, ist freilich eine ganz andere Diskussion.

Wie man es auch nimmt: Kann ich diesen Säkularismus noch mal sehen?

Mir wird geschlechtNerdkrams
Noch hacker als die Jungs

Der i3 e.V. aus Hamburg betreibt unter anderem ein Projekt, das sich als Hackerschule ausgibt. Über EDV-Sicherheit lernt man dort zwar ebenso wenig wie über Platinenlöten, aber immerhin darf man sich aussuchen, ob man in der schrecklichen Lernsprache Python – Konzept: BASIC mit Zwangseinrückung – oder in der schrecklichen Lernsprache Scratch – Konzept: BASIC ohne Code – ein Spiel, eine App oder eine Website (seit wann programmiert man eigentlich Textanzeige?) in einem natürlich bindestrichfreien Hacker School Kurs programmieren darf:

Wir leben in einem digitalen Zeitalter. Schon für Kinder und Jugendliche ist es wichtig zu lernen, wie Computer, Programme und Codes aufgebaut sind.

Ich fürchte, Projekte wie dieses sind der Grund, warum das Niveau in der EDV immer weiter sinkt. Klar bin ich Hacker, ich habe immerhin eine Website!

Zurück zum Zitat: Über die Definition eines digitalen Zeitalters zu diskutieren ist hier nicht nötig, denn in einem solchen leben wir tatsächlich seit über fünfzig Jahren. Interessanter ist die Nebeneinanderstellung dieser beiden Sätze, die eine Art Zusammenhang suggeriert. Aber ist das so?

Zum Vergleich hier ein ähnlicher kurzer Text, diesmal von mir:

Wir leben in einem Zeitalter des elektrischen Lichts. Schon für Kinder und Jugendliche ist es wichtig zu lernen, wie Strommasten, Lichtschalter und Energiesparlampen aufgebaut sind.

Nein, offenbar fehlt da noch ein entscheidendes Kriterium. In der Liste der Partner des Projekts glaube ich das fehlende Glied – hihi, Glied – gefunden zu haben: Mercedes-Benz, Lufthansa, Telekom und irgendwelche IT-Unternehmensberater stecken mit im Boot. Man schelte mich einen Zyniker, aber ich würde annehmen wollen, dass es diesen Partnern darum geht, möglichst frühzeitig neues Humankapital zu generieren. Programmierer werden wohl mehr gesucht als Elektriker, da kommt so ein Verein, der das Erlernen markttauglicher Fähigkeiten mittels des Bearbeitens vorgegebener Aufgaben als „Hacken“ verbrämt, gerade recht.

Und weil im Jahr 2020 nicht nur die Fähigkeit, blöde vorgegebene Aufgaben runterprogrammieren zu können, sondern auch die Fähigkeit, keinen Penis zu tragen, auf dem Arbeitsmarkt von entscheidender Bedeutung ist, wurde das Portfolio des Projekts eigens sowohl um einen sprachlichen Unfall als auch um eine Sondersparte erweitert:

Gemeinsam mit Frauen-Verbinden haben wir Anfang Mai die erste GIRLS Hacker School @home für euch durchgeführt. In 12 Kursen konnten Girls im Alter von 11 bis 99 Jahren erste Schritt im Programmieren machen. Die Girls konnten sich zu zweit als Tandem-Partnerinnen anmelden – aber wir hatten auch was für Singles. Die Kursthemen reichten von Scratch und Python über Webprogrammierung mit HTML/CSS bis hin zu Datenschutz/SQL und Bilderkennung mit Künstlicher Intelligenz.

Was es über jemanden aussagt, Elfjährige als Singles und 99-Jährige als Girls zu bezeichnen, möge bitte ein anderer Leser der verlinkten Seite ausformulieren. Dass hinter „Frauen verbinden“ abermals die Wirtschaft steckt, sei meinerseits hier aber keineswegs verschwiegen.

Zum Inhalt: Dass „Datenschutz/SQL“ hoffentlich „Datenbanken/SQL“ heißen soll, lasse ich als Flüchtigkeitsfehler durchgehen, aber bei „HTML/CSS“, also einer Sprache, die (ähnlich einem Worddokument) Text strukturiert, und einer Sprache, die (ähnlich einer Stilangabe in Word) diesem strukturierten Text Form und Farbe andefiniert, von „Programmierung“ zu reden ist ein Ärgernis, das immerhin einen späteren Satz auf derselben Seite beweist:

Informatik- und Technik-Skills sind so wichtig, (sic! A.d.V.) wie nie zuvor und sollten in jedem Alter gefördert werden[.]

Vielleicht sollte man die Werbeabteilung vom i3 e.V. mal in so einen Kurs setzen.

Die Intention dieser geschlechtergetrennten Kurswochenenden ist dieselbe wie sonst auch:

Die IT-Branche braucht mehr Frauen.

Hier geht es eben nicht um empowerment für girls, sondern darum, dass die Partner später auf möglichst viele möglichst preiswerte Arbeitskräfte zurückgreifen können. Ich war erst ein wenig erstaunt, dass diese „Schule“ sogar in kapitalismuskritischen Kreisen beworben wird, aber dann fiel mir wieder ein, dass Kapitalismus ja nur dann eine schlimme Sache ist, wenn man selbst weniger Vorteile davon hat als andere. Hat man hier nicht, wenn man eine Frau ist, also ist die Versöhnung nur konsequent.

Nächster Satz:

Der Frauenanteil in der IT liegt unter 20 % – und dabei war die erste Programmiererin, Ada Lovelace, eine Frau!

Was natürlich nicht nur eine Nichtnachricht ist (ich bin davon überzeugt, dass es ebenso unverschuldet entstandene Gruppen gibt, denen noch weniger EDV-Arbeitskräfte angehören), sondern auch historisch falsch: Ada Lovelaces Verdienst war es, lange vor der Existenz eines Computers im heutigen Sinn einen Algorithmus für einen solchen aufgeschrieben zu haben, aber das hat mit Programmieren an sich erst mal nicht besonders viel zu tun; ansonsten wäre vermutlich irgendein Grieche der Antike die erste Programmiererin gewesen. Erschwerend kommt hinzu: Die unvollendet gebliebene Analytical Engine, für die Ada Lovelace besagten Algorithmus entworfen hat, wurde nicht nur von einem Mann entwickelt und gebaut, auch stammten wohl alle auf der (niemals programmierbaren) Maschine jemals ausgeführten Berechnungen nicht von ihr. Ihre Pionierarbeit in der Algorithmik ungeachtet: Hinsichtlich der Entwicklung von Computern müssten eigentlich Charles Babbage und sein Sohn wenigstens einen Teil des Ruhms ernten, der heute in Gänze Ada Lovelace zuteil wird.

Eine weitere, etwas weniger schlechte Ausrede, den Kurs für den Geschlechterkampf zu nutzen, steht weiter unten und befasst sich mit dem image der Informatik oder, wie der i3 e.V. sie nennt, der Welt der einzelnen und der gruppierten Zustände:

[N]och immer hat die Welt der Bits und Bytes das Image, sie wäre eher etwas für die Jungs. (…) Damit sich in den Köpfen der jungen Menschen hier etwas ändert, braucht es am besten praktische Beispiele und geschützte Räume. Das hat auch die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin erkannt und bietet seit rund zehn Jahren ein Bachelorstudium für Informatik und Wirtschaft als reinen Frauenstudiengang an.

Ich halte es ja für eine interessante Folgerung, man könne jungen Menschen (wir erinnern uns: 11 bis 99 Jahre) am besten aufzeigen, dass es keine fachlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, indem man sie einmal im Monat räumlich voneinander trennt. Auf Twitter teilte man mir mit, normalerweise fänden Klassen geschlechtsunabhängig statt, nur die monatlichen Mädchenkurse seien hiervon ausgenommen. Handelt der i3 e.V. also mit den anscheinend häufigeren gemischten Klassen ohne geschützte Räume seinem eigenen Ziel zuwider? Witzig wär’s.

Hacken bedeute, teilen die FAQ mit, einfach nur, ein System „bis ins Detail zu verstehen, es zu verändern und zu verbessern“. Das ist nicht völlig verkehrt, aber mich ärgert es wirklich gerade ein bisschen, dass ich altersmäßig nicht mehr in die Zielgruppe passe.

Ich würde nämlich gern was am System verändern.


Gute Nachrichten auf einem ganz anderen Gebiet: In Österreich darf man endlich wieder außerhalb der eigenen Familie heiraten.

In den NachrichtenPolitik
Si vis pacem, para bellum. (10)

Das Internet:

Die Lufthansa soll mit 9.000.000.000 Euro gerettet werden. (Die Lufthansa ist eine Fluggesellschaft, die enorm zu der Zerstörung unserer Umwelt beiträgt und allein im Jahr 2018 für über 32,6 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich war.) Stattdessen könnten wir auch (…) ein Fünftel aller Schulen Deutschlands sanieren[.]

Die Nachrichten:

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung beläuft sich die Summe der im Finanzplan veranschlagten Rüstungsprojekte der nächsten Jahre auf 137 Milliarden Euro.

Keineswegs aber das Internet:

Stattdessen könnten wir auch jede Schule Deutschlands dreimal sanieren und/oder jedem Schüler eine anständige EDV-Ausrüstung bezahlen.

Wie einfach es doch ist, den Deutschen ein Unternehmen, das für zu viel Geld Menschen rumfliegt, madiger zu reden als eine staatsnahe Organisation, die für zu viel Geld über gefahrloses Meucheln referiert!

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeswehr abgeschafft gehört.

Nerdkrams
Chromefox‘ neues Passworteinfügen

Ganz tolle Idee vom Hersteller eines ehemals erträglichen Webbrowsers, die da durchs Web gespült wird:

Mozilla gedenkt sich in Firefox 77 eines nervigen Problems in Zusammenhang mit dem Einfügen auf Seiten, die ein maxlength-Attribut setzen, anzunehmen, um das Beschneiden von Passwörtern beim Übermitteln von Formulardaten zu verhindern. (…) Firefox wird das Formularfeld als ungültig kennzeichnen, wenn eine in es eingefügte Zeichenkette das Maximale-Länge-Attribut (sofern gesetzt) überschreitet. Der Benutzer wird hierüber informiert, so dass die Eingabe korrigiert werden kann, bevor die Daten an den Server geschickt werden.

(Freie Übersetzung von mir.)

Ich finde, dieses feature ist noch ausbaufähig. Es macht Brute-Forcing von Passwörtern immer noch nicht einfach genug. Neben dem Höchst- sollte es auch ein Mindestlängenattribut sowie eines, das die erlaubten Zeichen enthält, geben. Da geht noch was, Mozilla!

ComputerIn den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Charivari – When Leviathan Dreams (live) // Sigmar Gabriel ausstopfen!

Kawaii!Es ist Montag. Eine Kolumnistin beruhigt mich, dass ich kein Fleisch essen müsse. Danke, das ist sehr nett, aber ich hätte trotzdem gern das Internet der Hochschulen anstelle des Internets der Kolumnistinnen zurück. Oder wir machen stattdessen ein Internet der Pandabären auf, das wäre auch eine Option.

Ich habe schwindendes Interesse an Nachrichten, faseln irgendwelche Datenerhebungen ins Internet rein, aber ich habe eigentlich ein steigendes Interesse an Nachrichten. Nur bescheuert sollen die dann halt nicht sein. Da wäre etwa die Nachricht von Sigmar Gabriel, der gesagt habe, man solle ihn nach seinem Tod ausstopfen und immer rausholen, wenn man wen brauche, der schuld sei. Das halte ich für eine gute Idee, denn es ist wahrscheinlich richtig. Im gleichen Artikel wird derselbe mit dem Hinweis zitiert, er habe sich der Deutschen Bank statt der Automobilbranche angedient, weil er kein Lobbyist werden wolle. Hoffentlich fangen Banken nicht auch irgendwann mit Lobbyismus an. Das wäre ja fatal für sein (und ihr) Ansehen.

Ein Blick in die EDV: Überraschend hat jemand herausgefunden, dass Webbrowser, die immer mehr Möglichkeiten bieten, inter- und proaktiv Code auszuführen, dazu missbraucht werden können, auf dem eigenen Rechner nach offenen Ports zu suchen. Wer jetzt noch keine JavaScript-Blockade initiiert, ist selbst schuld. Da lobe ich mir doch das Web der späten 90er!

Falls abschließend noch jemand angenommen hatte, ausgerechnet die Craftbier- sei die mutigste Branche der Getränkeindustrie: Es gibt jetzt Whisky aus dem Grünteefass. Sláinte mhaith!

Und dazu passt am besten: Musik.

Charivari - When Leviathan Dreams (Live)

Guten Morgen.

In den NachrichtenWirtschaft
Kapitalistische Überwachungsstrukturen wegmasken dank Corona

Gute Nachrichten gibt es aus der Wirtschaft zu vermelden: Das, was von dem Virus gerade am härtesten bedroht ist, scheint die millionenschwere Überwachungsindustrie („Gesichtserkennungsindustrie“) zu sein.

Gesichtsmasken verdecken einen wesentlichen Teil dessen, was Gesichtserkennung braucht, um Menschen zu identifizieren und zu erkennen – damit bedrohen sie im Kern die Zukunft einer Multimillion-Dollar-Industrie, sofern die Technik nicht lernen kann, Menschen hinter der Verdeckung zu erkennen.

(Miese Übersetzung von mir.)

Das scheint mir unsere Chance zu sein. Es wäre jetzt grundfalsch, auf das Tragen von Gesichtsmasken aus den moralisch richtigen Gründen zu verzichten (an dieser Stelle alles Gute zum 71. Geburtstag, Grundgesetz!; schade, dass die Trennung von Staat und Kirche immer noch ein Lippenbekenntnis bleibt). Vielmehr gilt es jetzt bis noch weit nach Corona, so oft und so viel einer Maskierung der wenigstens unteren Gesichtshälfte nachzugehen, wie es die jeweils geltenden Regeln erlauben. Tragt Guy-Fawkes-Masken beim Einkaufen, tragt Schnabelmasken in der Apotheke, tragt Schals im Bus – und gern so oft eine andere Verhüllung wie möglich.

Hätten wir nur viel früher gewusst, wie leicht es sein würde, dieser Industrie den Nährboden zu entziehen!


Kasper des Tages: Jan Böhmermann (ZDF, nicht witzig) findet, Unternehmen, die auf dem freien Markt ohne staatliche Zuwendungen nicht überleben können, sollten einfach geschlossen werden. Gute Idee: Tschüss, ZDF!