Wirtschaft
Stellt euch den Genuss ein­fach vor.

Die Bren­ne­rei Ard­beg, bekannt für zwar viel zu teu­re, aber doch recht köst­li­che rau­chi­ge Whis­kys, hat­te, lässt sie über einen News­let­ter ver­mel­den, eine ganz tol­le Idee:

Ard­beg Fon Fhòid ist ein limi­tier­ter Release mit 456 vir­tu­el­len Fla­schen, der ab dem 19. April welt­weit und exklu­siv auf BlockBar.com erhält­lich sein wird. Block­Bar han­delt NFTs (Non-Fun­gi­ble Token) als digi­ta­le Ver­mö­gens­wer­te für eine Viel­zahl beson­de­rer Destil­la­te auf sei­ner Platt­form. (…) Die­ser kann auf­be­wahrt, gehan­delt oder in eine phy­si­sche Fla­sche getauscht werden.

Zur Unsin­nig­keit von NFTs – also von vir­tu­el­len Anteils­schei­nen an eben­so vir­tu­el­len Gütern, d.h. belie­big und frei kopier­ba­ren Waren – ist anders­wo schon hin­rei­chend aus­führ­lich refe­riert wor­den, daher erlau­be ich mir statt­des­sen fol­gen­den Kom­men­tar: Sei­ne Kun­den für eine sehr limi­tier­te Abfül­lung (erfah­rungs­ge­mäß sind das bei Ard­beg sol­che, die auf kei­nen Fall jemals jemand trin­ken wür­de, weil: ist ja teu­er, ist ja Wert­an­la­ge) bren­ne­rei­üb­li­che Prei­se – zur­zeit liegt der „Preis” für die „Fla­sche”, eti­ket­tiert als 1 Ethe­re­um, bei etwa 3.000 US-Dol­lar – zah­len zu las­sen und ihnen dann mit ihrem Ein­ver­ständ­nis bloß ein vir­tu­el­les Irgend­was zu schicken, das sie sich dann „auf­be­wah­ren” (also hübsch ins digi­ta­le Whis­ky­re­gal) legen sol­len, aber sich dann nicht mal, fru­striert über die­se unglaub­lich dum­me Idee, mit dem Neu­erwerb einen rein­lö­ten kön­nen; Respekt, Ard­beg – die Nische der­je­ni­gen, die ich auf gar kei­nen Fall jemals auf einem Whis­ky­ta­sting sehen woll­te, habt ihr ziel­si­cher ent­deckt und besetzt.

Gut, Rum ist ja auch mal ganz schön.

Nerdkrams
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Wer­be­blocker gegen den Frieden

Auch die Soft­ware­welt ist seit der Ukrai­ne­sa­che – die ande­ren Krie­ge sind hier­zu­lan­de ja weit­ge­hend egal, sie tref­fen ja nur Frem­de – nicht frei von andau­ern­der poli­ti­scher Ansichts­äu­ße­rung. Mei­ne Beach­tung erfährt der­zeit fol­gen­der Hin­weis von der Web­site des Musik­spie­lers foobar2000:

Die Wer­be­ein­nah­men auf foobar2000.org der ver­gan­ge­nen zwei Mona­te wur­den zwecks Unter­stüt­zung ukrai­ni­scher Kriegs­flücht­lin­ge gespendet.

(Über­set­zung von mir.)

Nun ist’s natür­lich die per­sön­li­che Vor­lie­be jedes Wer­be­trei­ben­den, was er mit dem Geld anzu­fan­gen gedenkt, und wenn er’s halt nicht ver­sau­fen, son­dern ver­schen­ken will, bleibt’s ihm unbe­nom­men; allein: Wer­be­blocker waren, sind und blei­ben digi­ta­le Selbst­ver­tei­di­gung, ihre Nut­zer (dar­un­ter auch ich) sehen auf foobar2000.org ledig­lich den Text „adver­ti­se­ment”, jedoch kei­ne Werbung.

Da die Poli­tik aber gera­de alles weg­ver­bie­ten zu kön­nen prüft, was irgend­wie nach ange­wand­ter mili­tä­ri­scher Ukrai­ne­kri­tik aus­sieht (vom Buch­sta­ben Z bis hin zur rus­si­schen Flag­ge), kommt mir als altem Netz­po­li­ti­ker völ­lig unab­hän­gig von mei­ner per­sön­li­chen Hal­tung in vor­be­zeich­ne­ter Ange­le­gen­heit ins­be­son­de­re fol­gen­de Sor­ge in den Sinn: Zwar schei­tert das BWL-Geschmeiß seit Jahr und Tag am Ver­such, die Selbst­be­stim­mung des Rezi­pi­en­ten in Form des lokal wer­be­frei­en Webs gericht­lich ver­bie­ten zu las­sen, aber wird das auch noch so lau­fen, wenn irgend­ein fin­di­ges Arsch­loch aus dem Rekla­me­ge­schäft Wer­be­blocker unter Bezug­nah­me auf Bei­trä­ge wie den oben zitier­ten des foo­bar2000-Ent­wick­lers als gegen ukrai­ni­sche Flücht­lin­ge gerich­tet anprangert?

Persönliches
Lie­be ohne Maske

(Aber es ist ande­rer­seits auch ganz inter­es­sant, die selt­sa­me neue Halb­masken­halb­welt aus dem Auge – eins muss rei­chen – des schel­mi­schen Beob­ach­ters zu sehen, denn die Wie­der­kehr von Mimik und Gestik macht Gesprä­che nicht nur leb­haf­ter, sie fügt über­dies auch alte Ebe­nen wie­der ein, die man ver­lo­ren wähn­te; zwar steigt wie­der die Gefahr, ein­fach mal unver­mit­telt eine rein­zu­be­kom­men [hab’ ich neu­lich gete­stet, mach’ ich nicht mehr, war nicht gut], doch steigt mit ihr auch der Reiz der Konfrontation.

Liebe ohne Maske

„Wer auf­gibt, ver­liert” funk­tio­niert als Ver­spre­chen auch nur so lan­ge, bis man’s aufgibt.)

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusik
Mes­sa – Pil­grim // End­lich mal ein Mann für Frankreich.

Schöne Rücken können auch entzücken.Es ist Mon­tag. Oh Gott­plus! Das Umwelt­bun­des­amt möch­te jetzt doch lie­ber wie­der Koh­le­strom erzeu­gen, um es Putin mal so rich­tig zu zei­gen. Zit­tert er schon?

Deut­sche Medi­en erschau­dern (Archiv­ver­si­on): Statt des Put­in­ver­ste­hers Emma­nu­el Macron könn­te die Put­in­ver­ste­he­rin Mari­ne Le Pen künf­tig Prä­si­den­tin von Frank­reich sein. Es ist bemer­kens­wert, wie vor­bild­lich unwich­tig das Geschlecht eines Bewer­bers um das höch­ste Staats­amt plötz­lich sein kann, wenn der Mann am Ende doch der medi­al sym­pa­thi­sche­re Kan­di­dat ist als die Frau. Beim „Tages­spie­gel” berich­ten sie in der Spar­te „Poli­tik” im sel­ben Kon­text von fünf Fran­zo­sen, die vor dem Fern­se­her die Wahl­be­richt­erstat­tung anguck­ten. Man ver­sprach mir (Femi­nis­mus und) Verlagssterben.

Kauf dich glücklich

Die lang­wei­li­ge Musik­grup­pe Pink Floyd hat ihre ver­spro­che­ne end­gül­ti­ge Auf­lö­sung noch mal rück­gän­gig gemacht, wie der „Rol­ling Stone” in einem gram­ma­ti­ka­lisch frag­wür­di­gen Arti­kel erzählt. Der Aus­lö­ser ist irgend­was mit der Ukrai­ne, aber ich fin­de ja, das hat die Ukrai­ne nicht ver­dient. Dort ist es doch gera­de schon furcht­bar genug.

Weni­ger furcht­bar als Musik für die Ukrai­ne: Musik aus Italien.

MES­SA – Pil­grim (OFFI­CIAL VIDEO)

Guten Mor­gen.

Persönliches
Die neue, merk­wür­di­ge Halbmaskenhalbwelt.

Gestern ging ich erst­mals seit nach Coro­na in eine Bar. So könn­te ein Witz begin­nen, aber so beginnt jeden­falls jetzt nur eine Alltagsbeobachtung.

Begrüßt wur­de ich, die Usus gewor­de­ne FFP2-Mas­ke noch am Hand­ge­lenk befe­stigt, schon am Ein­gang mit dem erfreu­ten Hin­weis, die Mas­ke kön­ne ja jetzt end­lich weg, was zumin­dest inhalt­lich stimm­te. Es trug in der Bar daher auch nie­mand mehr eine, weder beim Gehen noch beim Sit­zen. Nut­zer sozia­ler Medi­en kri­ti­sie­ren gera­de, dass der Bun­des­tag sich eine gesetz­li­che Impf­pflicht zu instal­lie­ren gewei­gert hat, als wäre es dar­um jetzt ver­bo­ten, sich imp­fen, boo­stern und sonst­wie schüt­zen zu las­sen; und auch das Mas­ken­tra­gen ist nicht ver­bo­ten. Es gibt im Super­markt ja auch kei­ne Hosen­pflicht, ich tra­ge trotz­dem lie­ber eine. (Vor­stel­lun­gen davon, was ich sonst so tra­ge und was nicht, sind hier­aus übri­gens kei­nes­falls abzuleiten.)

Super­markt­be­su­che sind gera­de aller­dings aus ande­ren Grün­den merk­wür­dig. Heu­te sah ich mich aus orga­ni­sa­to­ri­schen Grün­den genö­tigt, eine Ein­kaufs­pas­sa­ge mit ver­schie­de­nen dar­in ent­hal­te­nen Geschäf­ten auf­zu­su­chen. Fast jeder trug eine Mas­ke, jeder eine Hose; wäh­rend aber die Hosen augen­schein­lich an der eini­ger­ma­ßen rich­ti­gen Stel­le saßen, sah ich Men­schen mit Kinn­mas­ken und Men­schen mit Mund­schutz, aber frei­er Nase. Es ist nicht mei­ne Art, mich in die Mode­vor­stel­lun­gen ande­rer Leu­te ein­zu­mi­schen, aber dass das Ende der Mas­ken­pflicht dazu füh­ren wür­de, dass Men­schen jetzt mit bescheu­ert sit­zen­der Mas­ke ein­kau­fen gehen, kommt doch etwas unerwartet.

Der Vor­sit­zen­de der F.D.P., deren Schuld das ist, übt sich in ande­ren Belan­gen in Auto­me­ta­phern: Man habe, die Ener­gie­prei­se betref­fend, einen „wirt­schafts­po­li­ti­schen Stoß­dämp­fer” vor­ge­stellt, ver­kün­de­te Chri­sti­an Lind­ner heu­te. Ver­ta­ne Chan­cen: den Fall der Mas­ken­pflicht als „gesell­schafts­po­li­ti­sches Anti­blockier­sy­stem” und die Gas­lie­fe­rungs­ver­hand­lun­gen mit dem Unrechts­staat Katar eine „ener­gie­po­li­ti­sche Ser­vo­len­kung” zu nen­nen. Viel­leicht ja näch­stes Mal!

In den NachrichtenWirtschaft
Kreisch.

Auch Japans Wirt­schaft dürf­te schwer unter den Fol­gen des Ukrai­ne-Kriegs lei­den, sagt der Inter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds IWF vor­aus. Die­ses Jahr sei nur noch mit einem Wachs­tum von 2,4 Pro­zent zu rech­nen, teil­te der IWF mit.
„ZEIT ONLINE”

Ich würd’ mich ja über 2,4 Pro­zent Lohn­wachs­tum pro Jahr freu­en, ne.

(Wo bleibt eigent­lich die Revolution?)

NetzfundstückePolitik
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 6. April 2022

Gei­le Idee der Deut­schen Bahn des Monats: Digi­ta­li­sie­rung fin­den wir so gut, wir las­sen Men­schen ohne Smart­pho­ne bald ein­fach kei­ne Bonus­punk­te mehr sam­meln. Nehmt dies, ihr Omas!


Die USA sind auf­ge­schreckt: Chi­na (350 Nukle­ar­spreng­köp­fe, erklär­ter Ver­zicht auf den Erst­ein­satz) bedro­he ihre (3.750 Nukle­ar­spreng­köp­fe, kein Ver­zicht auf den Erst­ein­satz) „Sicher­heit”. Da muss mal einer, muss mal wer. – Die­sel­ben USA haben einen Teil ihrer Sank­tio­nen gegen Russ­land im Übri­gen zurück­ge­nom­men. Kann man da nicht mal irgend­wen can­celn oder ist das schon in Ord­nung so?


Auch die „taz” hat Angst und repro­du­ziert daher das Nar­ra­tiv der „Beson­der­heit der Mut­ter-Kind-Bezie­hung”. Väter sind über­be­wer­tet. Direkt ver­bie­ten, sag’ ich.


Had­mut Danisch (All­er­gi­ker­war­nung: Had­mut Danisch) fragt zu Recht: War­um schrei­ben Men­schen eine E‑Mail, um dar­um zu bit­ten, dass man Whats­App instal­liert, damit sie eine Bot­schaft über­mit­teln können?


Hihi: „Bei den aktu­el­len Heiz­öl­prei­sen ist es ver­mut­lich bil­li­ger, den Win­ter auf Tene­rif­fa zu verbringen.”

In den NachrichtenMontagsmusik
Sarah Lesch – Das mit dem Mond // Por­no­wahl­kampf in Nordrhein-Westfalen

Manche Tage sind Zwei-Pandas-Tage.Es ist Mon­tag. Die Online-„FAZ” schwa­fel­te gestern etwas von „Blut­dia­man­ten aus Russ­land”. Es ist ja immer alles Blut neu­er­dings. Blut­mond ist aber erst im Mai wie­der. So lan­ge muss der Rus­se noch warten.

Die Ber­li­ner DKP beklagt, dass jemand ein Sowjet­denk­mal mit einer ukrai­ni­schen Flag­ge zuge­deckt habe. Dabei war die Ukrai­ne doch eine Sowjet­re­pu­blik; passt also. Unter­des­sen boy­kot­tiert man deut­sche Scho­ko­la­de, weil die auch in Russ­land ver­kauft wird. So lan­ge das Leid syri­scher, ukrai­ni­scher und afgha­ni­scher Men­schen dar­an gemes­sen wird, unter wel­cher Flag­ge sie zer­fetzt wer­den, sehe ich ja noch Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al in ganz ande­ren Struk­tu­ren, aber dafür kriegt man nun mal weni­ger Herz­chen auf Twit­ter. Wir lei­den an Zuvie­li­sa­ti­on, fürch­te ich.

Coro­na ist rum, Wahl­kampf geht wei­ter. Der Kada­ver der ehe­ma­li­gen Pira­ten­par­tei möch­te in Nord­rhein-West­fa­len gewählt wer­den und fasst sei­ne Inhal­te daher auf einem Bild auf Twit­ter zusam­men: Kon­do­me mit pro­gress flag und Pira­ten­lo­go drauf. Es geht nur noch ums Bum­sen. Erstaun­lich, dass Por­noweb­sites trotz­dem gesperrt wer­den, obwohl eine Par­tei sich so auf die­ses The­ma kon­zen­triert. Die vier „Pira­ten” im Euro­päi­schen Par­la­ment freu­en sich unter­des­sen: Die dor­ti­gen Par­la­men­ta­ri­er fin­den die Idee von Mes­sen­ger-Inter­ope­ra­bi­li­tät über­wie­gend gut. Wie ein Ende-zu-Ende-ver­schlüs­sel­ter Mes­sen­ger aller­dings sei­ne Cha­tin­hal­te über das Pro­to­koll eines ande­ren Mes­sen­gers frei­ge­ben soll, ohne sei­ne Ver­schlüs­se­lung fak­tisch auf­zu­ge­ben, steht da nicht. Ich ahne, war­um es für die­sen Vor­schlag eine Mehr­heit zu geben scheint. Jemand soll­te mal eine Par­tei grün­den, die sich mit dem Inter­net und sei­nen Frei­hei­ten beschäf­tigt. Viel­leicht ja jemand aus der CSU?

Apro­pos: In Mün­chen hat ein „E‑Scooter” wie­der jeman­den fast umge­bracht, betei­ligt war Alko­hol. Da ich noch nie jeman­den auf einem die­ser Gefähr­te gese­hen habe, der nüch­tern gewe­sen wäre, hal­te ich es inzwi­schen für der All­ge­mein­heit dien­lich, wenn Fah­rer eines sol­chen „Scoo­ters” sicher­heits­hal­ber ihren Füh­rer­schein abge­ben müs­sen, bevor sie ihn über­haupt bewe­gen. Dann ste­hen die (die Gerä­te, nicht die Fah­rer; obwohl, hihi) viel­leicht auch nicht mehr ganz so oft blö­de im Weg rum.

Als der All­ge­mein­heit dien­lich erach­te ich auch Musik. Im Juni 2018 schrieb ich dies­be­züg­lich, ich kön­ne der Lie­der­ma­che­rin Sarah Lesch „etwas abge­win­nen”, aber bis­her blieb die­se Fest­stel­lung – ent­ge­gen mei­nen Gewohn­hei­ten – ohne Nen­nung eines Bei­spiels. Weil ich jedoch am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de das mich selbst über­ra­schen­de Ver­gnü­gen hat­te, mir ihre Kunst mal live und in (zu viel) Far­be anzu­gucken, und auf­grund welt­po­li­ti­scher Ent­wick­lun­gen bie­tet es sich tat­säch­lich musi­ka­lisch und text­lich an, das jetzt nach­zu­ho­len. Nicht, dass es wie­der heißt, ich höre immer nur so unan­ge­neh­men Kram.

All das gab es schon einmal.

Sarah Lesch – Das mit dem Mond (Offi­zi­el­les Video)

Guten Mor­gen.

PersönlichesPolitik
In eige­ner Sache: Mein Staatskonzept

In bier­se­li­ger Run­de erzähl­te ich vor zwei Wochen, die mei­sten Pro­ble­me der Gesell­schaft lie­ßen sich lösen, indem man das bestehen­de Demo­kra­tie­kon­zept durch eine Mon­ar­chie nach Schwei­zer Vor­bild ersetzt. Ein zufäl­lig anwe­sen­der Radio­mo­de­ra­tor fand das The­ma noch inter­es­san­ter als ich und bat mich um genaue­re Ausführungen.

Zwar wer­den die­se kom­men­den Diens­tag irgend­wo im Inter­net zu hören sein, aber da ich mei­ne Stim­me fast noch weni­ger mag als Pod­casts (und mei­ne Zunei­gung zu die­sen ist schon sehr, sehr gering) und manch­mal – etwa jetzt – ein gutes Vor­bild sein möch­te, ver­öf­fent­li­che ich hier schon mal das Typoskript zum Gespro­che­nen. Es möge als Anre­gung, kei­nes­falls jedoch als Anlei­tung dienen.

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KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: JIRM – The Tun­nel, The Well, Holy Bedlam

JIRM - The Tunnel, The Well, Holy BedlamLan­ge nichts mehr über Musik geschrieben.

JIRM, ein mit gru­se­li­gen Fotos im Web zu fin­den­des Quar­tett aus Schwe­den, ver­öf­fent­lich­te Anfang März die­ses Jah­res sein fünf­tes Album „The Tun­nel, The Well, Holy Bed­lam” (Amazon.de, Band­camp, TIDAL). Dich­te Gitar­ren (Stoner-Freun­den mag’s gefal­len) wer­den beglei­tet von oft unauf­fäl­li­gem, mit­un­ter auch blues­rock­ge­eig­ne­tem Gesang. Ver­glei­che? Deep Pur­p­le (viel), Pink Floyd (wenig), aber jeweils nicht so schreck­lich öde.

In „You Fly”, aber auch sonst­wo höre ich (mal pro­mi­nen­ter, mal weni­ger pro­mi­nent) Blä­ser. Jazz? Viel­leicht. Hea­vy Irgend­was? Noch viel­leich­ter. Sicher scheint nur: „The Tun­nel, The Well, Holy Bed­lam” wäre ein psy­che­de­li­sches Album, wenn die Musi­ker nicht das idea­le Maß an Ener­gie in das Bestre­ben stecken wür­den, dass es das nicht wird.

Und genau des­halb fällt es aus dem Rah­men; und des­halb mag ich es.

Es muss ja nicht immer jeder das Glei­che mögen.

Sonstiges
Kurz ange­merkt: Eine Klat­sche kas­sie­ren, aber anders.

Mit­un­ter, obwohl’s die Pres­se seit Tagen bewegt, ist eine Ohr­fei­ge zwar ein unan­ge­brach­tes (weil gewalt­ge­tra­ge­nes), aber noch immer mil­des feed­back zur zu sel­ten gestell­ten Fra­ge, was man davon hält, dass fein­sin­ni­ges Kaba­rett und ele­gan­te Sati­re trotz unter­schied­li­chen Wesens ihr Feld für Gestal­ten räu­men muss­ten, deren Kar­rie­re ich mir eigent­lich nur so erklä­ren kann, dass sie irgend­wann mal ein Furz­kis­sen gese­hen haben und seit­dem eigent­lich nichts ande­res mehr zu imi­tie­ren ver­ste­hen (weil: brauchen).

ComputerIn den Nachrichten
Moder­nes Verschwinden

In Chi­na gibt es, wie ich zufäl­lig her­aus­fand, einen „smart spea­ker” für Kom­mu­ni­sten, was den Zustand des Kom­mu­nis­mus im 21. Jahr­hun­dert ganz gut zusammenfasst.

Wie ich die Über­lei­tung von Kom­mu­nis­mus zum Weg­lö­schen poli­ti­scher Kom­men­ta­re jetzt aber geschickt mei­ste­re, weiß ich nicht, daher sprin­ge ich ein­fach unüber­ge­lei­tet zum näch­sten The­ma: Der Jour­na­list und Autor Chris Hedges, Trä­ger des Pulit­zer-Prei­ses, bekannt auch aus so Gesprächs­run­den, wur­de jeden­falls in Form sei­nes bis­he­ri­gen Schaf­fens ohne vor­he­ri­ge Kon­takt­auf­nah­me von You­Tube weg­ge­löscht. Sein Ver­ge­hen, so nimmt er selbst an, besteht zum Teil in sei­ner Oppo­si­ti­on gegen die US-ame­ri­ka­ni­sche Außen­po­li­tik, zum Teil aber auch dar­in, dass sei­ne für den Emmy nomi­nier­te Sen­dung „On Con­ta­ct” nicht nur auf You­Tube, son­dern auch auf RT Ame­ri­ca und RT Inter­na­tio­nal zu sehen war, obwohl sich kei­ne ein­zi­ge Fol­ge mit Russ­land beschäftigte.

Ich war auf RT, weil ich als Kri­ti­ker des US-Impe­ria­lis­mus, des Mili­ta­ris­mus, der unter­neh­me­ri­schen Kon­trol­le der bei­den regie­ren­den Par­tei­en und vor allem, weil ich die Boykott‑, Des­in­ve­sti­ti­ons- und Sank­ti­ons­be­we­gung gegen Isra­el unter­stüt­ze, auf die schwar­ze Liste gesetzt wur­de. Ich war aus dem glei­chen Grund bei RT, aus dem der Dis­si­dent Václav Havel, den ich kann­te, wäh­rend des kom­mu­ni­sti­schen Regimes in der Tsche­cho­slo­wa­kei bei Voice of Ame­ri­ca war: Ent­we­der das – oder man wur­de nicht gehört.

(Aus dem Eng­li­schen übersetzt.)

Kann ich die­sen frei­en Westen noch mal sehen?