In den NachrichtenPersönliches
Licht aus, Licht an: 2021 (auch bloß ein Jahr).

It’s just a date, äff­te einer mei­ner Lieblingsmelancholiker in sei­nem Jahresrückblick (sich und) ande­re nach, und ich wie­der­um äffe jetzt ihn nach, indem ich selbst nicht nur auf das Jahr zurück­blicke, son­dern auch viel zu spät den Satzabschluss schaf­fe (2020 war ja auch eher ein Metajahr), aber weil uns sonst außer der Melancholie (bzw. sowie­so: dem Menschsein) vor allem ver­bin­det, dass ich 2020 unter ande­rem - büro­kra­tisch gespro­chen: just in die­ser Minute übri­gens; Konfetti! - eine Partei ver­las­sen habe, ohne aller­dings direkt in die näch­ste Selbstgeißelung mit­tels sofor­ti­gen Übertritts in „da isses auch nicht bes­ser“ ver­fal­len zu sein, kom­me ich über etwas Stiladaption kaum hin­aus. Nach dem Affenbrand zu letz­tem Neujahr ist das sowie­so dün­nes Eis. Wenn ich die Nachrichten rich­tig ver­ste­he, ging aber auch 2020 nicht gut für ein paar Affen aus. (Da: Meta! Schon wieder!)

Sicher: 2020 war auch bloß ein Jahr wie jedes ande­re - wie Jahre eben so sind, in denen man alte Mumien aus­bud­delt: Hitler hat eine Wahl gewon­nen, statt des Friedhofs der Kuscheltiere gab es den Friedhof der Krebsmutanten, Fahrräder brau­chen jetzt einen Server, auf einem neu erforsch­ten Planeten reg­net es Lava - und GruschelVZ ist auch wie­der da. Wasser ist jetzt Börsengut, aber die SPD hat 2020 kei­ne Großspenden bekom­men. Es war nicht alles schlecht. Man muss kann das Geschehene ja auch posi­tiv sehen: Die Bonpflicht erscheint plötz­lich wie das lächer­lich klei­ne Problem, das sie ist.

Ab heu­te darf man nur noch ein hal­bes Jahr lang ohne Visum im Vereinigten Königreich gastie­ren. Das reicht erfah­rungs­ge­mäß fast für eine hal­be Londonbesichtigung. Ab dem 2. August muss man dann sei­ne Fingerabdrücke mit­brin­gen, man könn­te ja ein Terrorist sein, befin­det die Bundesregierung und beschwört damit eine selbst­er­fül­len­de Prophezeiung herauf.

Das war’s, 2020!

It’s just a date. Es war ein Jahr der Shitstorms, den­noch: 2020 wur­de nicht nur Gutes ver­tieft, son­dern auch der Horizont ver­setzt. Persönlich hat­te ich schon weit schlim­me­re Jahre, viel­leicht ist 2020 sogar unter den bis­her schön­sten (gutes TODO jedes Jahr: Laune nicht vom Wetter abhän­gig machen). Das Endjahrespluseins nicht nur ins näch­ste Jahr mit­neh­men, son­dern es im über­näch­sten immer noch im Inventar haben (das ist ja auch ein schie­fes Bild, Super Mario gibt sei­nen Pluseinsen ja meist eine Kopfnuss, aber als Klempner tau­ge ich auch nicht viel): Warum gibt es für so was eigent­lich nie eine Medaille im Internet?

Wir intro­ver­tier­ten Nerds haben jeden­falls weder vom Shut- oder vom Lock- noch vom Igetknockeddown (butIgetupagain) wesent­li­che Einbußen an Lebensqualität erfah­ren müs­sen. Kommt auf die dunk­le Seite, wir löschen Cookies!

Eigentlich woll­te ich 2020 noch eine musi­ka­li­sche Jahresrückschau ver­an­stal­ten, aber die wird noch ein paar Tage war­ten müssen.

Eigentlich woll­te ich 2020 noch die­ses mir längst unan­ge­neh­me Blogsystem hier durch etwas ande­res erset­zen, aber da müss­te ich noch etwas Zeit inve­stie­ren und das Jahr ist schon rum.

Eigentlich will ich gera­de gar nicht hier sein.

Sasha - PARTY PARTY PARTY (Partyersatzsong) [Offizielles Musikvideo]

Geböllert wird nicht­doch­viel­leicht, außer in Münster. Dort machen Menschen schnell das Licht aus und an. Wenn die Leitungen dort ansatz­wei­se so gut funk­tio­nie­ren wie anders­wo, dann wird es doch noch ein klei­nes Feuerwerk geben, sogar mit Tatütata. Ich hin­ge­gen, weit weg von Münster, sit­ze drin und trin­ke Rotwein. Ich habe die­se Runde gewon­nen. Die näch­ste geht auf mich.

Das wird ein Spaß.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Kneebody - Chapters

Kneebody - ChaptersLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Was der Musikwelt in den letz­ten Jahrzehnten ja etwas gefehlt hat, war der Canterbury Style, jener wider­spen­sti­ge Ableger des Jazzrocks, der meist ober­fläch­lich leicht­fü­ßig, aber gleich­zei­tig ver­trackt daher­kam. Die Siebziger sind vor­bei, so viel habe selbst ich ver­stan­den, aber manch­mal gibt es im Jazz noch die­se posi­ti­ven Momente, die mir gute Laune und ein paar Zeilen Text abringen.

„Chapters“, ein beacht­li­ches Album des Brooklyner Quartetts Kneebody (2019, Amazon.de), ist ein Werk, das voll ist mit sol­chen Momenten; seien’s die gesun­ge­nen Skeleton$-Erinnerungen („What’s My Name“, gesun­gen von Michael Mayo), sei’s der gelun­ge­ne Instrumentaljazz. Selbst gefühl­vol­le Lieder („Wounds Let in the Light“) kom­men ohne Schmalz aus dem Kopfhörer. Das kann man nicht von allen zeit­ge­nös­si­schen Gruppen behaupten.

Wounds Let in the Light

Schönes Album eigentlich.

In den Nachrichten
Prost Neulärm

In der Geschichte des Sprengstoffs hat das Feuerwerk zu allen Zeiten eine beson­de­re Bedeutung gehabt, mal reli­gi­ös, mal reprä­sen­ta­tiv. Man wol­le böse Geister mit Lärm und Licht ver­trei­ben, behaup­te­te man, aber nach­weis­lich hat das eher mäßig gut geklappt.

Die Deutschen, ein­mal im Jahr plötz­lich gar nicht mehr so west­lich, son­dern öst­lich ori­en­tiert, emp­fan­den der­lei Folklore schon immer habens­wert, denn die eige­ne Kultur gibt nur wenig Historisches her, mit dem man den Mitmenschen mal so rich­tig auf die Nüsse gehen könn­te. Weil die­ses Jahr aber alles anders ist, fällt das gewohn­te Abbrennen hell leuch­ten­der und pfei­fen­der und/oder knat­tern­der Raketen aus­nahms­wei­se aus.

Die Stadt Münster, als welt­li­che Institution erwar­tungs­ge­mäß reli­gi­ös ori­en­tiert, hat sich einen wit­zi­gen Ersatz ausgedacht:

Um Mitternacht sol­len an Silvester die Glocken der Kirchen läu­ten. 20 Minuten lang wird auf die­se Weise statt Feuerwerk der Jahreswechsel gefei­ert. Dadurch soll den Bürgern „ein Zeichen der Kraft, Zuversicht und des Zusammenhalts“ gesen­det wer­den, wie die Verantwortlichen berichten.

Die Konnotation, dass Bürger ohne minu­ten­lan­gen Krach kei­ne Kraft, kei­ne Zuversicht und kei­nen Zusammenhalt erfah­ren dür­fen, ist hier­bei auch bemer­kens­wert. Hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem lau­te Geräusche nun nicht gera­de für Kraft und Zuversicht (wenn auch viel­leicht für Zusammenhalt) stan­den, schon jemals irgend­je­mand selbst als stär­ker, hoff­nungs­vol­ler und/oder zusam­men­hal­ti­ger emp­fun­den, wenn er aus Glockengründen sein eige­nes Wort kaum mehr verstand?

Dass Glockenläuten ein unzu­rei­chen­der Ersatz für Feuerwerk ist, ver­steht sich aller­dings von selbst, denn bun­tes Licht und Pfeifen und/oder Knattern blei­ben hier aus. Konsequent wäre es, die Kirchen statt­des­sen in Brand zu stecken. Die Chance aber wur­de vertan.

Wie bedau­er­lich.

NerdkramsNetzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Dark Süddeutsche

„Süddeutsche Zeitung“ (will nicht direkt ver­linkt wer­den, LSR):

Wenn Webseiten Bestätigungsdialoge ein­blen­den, sind die meist schwer ver­ständ­lich bis mani­pu­la­tiv: Wollen Sie alle Cookies akzep­tie­ren? Dann klicken Sie bit­te auf die­sen rie­si­gen blau­en Knopf. Sie haben etwas dage­gen? Na gut, hier sind 27 Haken, die Sie ein­zeln abwäh­len kön­nen. Solche soge­nann­ten Dark Patterns sol­len Menschen dazu brin­gen, Dingen zuzu­stim­men, die sie gar nicht wollen.

Auch „Süddeutsche Zeitung“:

„Wir verwenden Cookies“: „Akzeptieren“.

Aber immer­hin: Keine 27 Haken.

Sondern null.

In den NachrichtenMontagsmusik
Conrad Schnitzler - Die Rebellen haben sich in den Bergen ver­steckt // McDonaldi

Nur noch eine Woche... nur noch eine...Es ist Montag. Beim vir­tu­el­len Treffen der LED-Gucker („rC3“) geht nicht nur die vir­tu­el­le Treffsoftware nicht rich­tig, man kommt über­dies auch nur mit Googlecookie rein. Wenn das ein „Hackerkongress“ sein soll, ist Kurt Beck ein Pandabär. (Nichts gegen Pandabären hier!)

Die App der ARD-„Mediathek“ möch­te gern alle Links öff­nen. Das pas­siert, wenn man denen kei­ne wei­te­ren 86 Cent gewährt: Die Programmierung wird schlecht. Schnell: Rundfunkbeitrag ver­dop­peln! Das „Traumschiff“ braucht ja auch noch ab und zu mal Wartung. Lange gewar­tet (ver­stehn­se: Wartung - Warten) hat man auch in Pompeii, wo neu­lich ein anti­kes Fast-Food-Restaurant gefun­den wur­de. Berichte, dass dort ver­sucht wur­de, sei­nen „Hahn am Stock“ (ebd.) mit Fäkalnachweisen aus dem Klo neben­an zu bezah­len, erwei­sen sich aller­dings noch als unbelegt.

Bei einer grö­ße­ren Zeitungsverlagsgruppe hat man neu­lich einen Virus rein­ge­tra­gen; einen frem­den, wie es aus­drück­lich heißt. Das beru­higt mich ein biss­chen. Nicht aus­zu­den­ken, wenn die­se Heuschrecken jetzt auch noch einen eige­nen Computervirus hätten!

Apropos Virus: „Ärzte“ raten neu­er­dings davon ab, die von ihnen aus­ge­stell­ten Atteste für Maskenunverträglichkeit zu nut­zen. Die waren doch eher als Scherzartikel gedacht - genau wie die ärzt­li­che Approbation dem­nächst, ist anzunehmen.

Eh viel gesün­der: Musik.

Conrad Schnitzler - Die Rebellen haben sich in den Bergen versteckt

Guten Morgen.

Politik
Doomscrollgedanken

In Neuseeland ist das Wort des Jahres 2020 „Doomscrolling“ gewor­den, also das unab­läs­si­ge Konsumieren schlech­ter Nachrichten für zuse­hends schlech­te­re Laune. Plattformen wie Twitter sind dafür prä­de­sti­niert, denn für schlech­te Laune gibt es Zustimmung und Beifall.

Für das drin­gen­de Bedürfnis, das Jahr 2020 mal so rich­tig zu belei­di­gen, gibt es zur­zeit fast 10.000 Herzchen, wäh­rend mein Gegenvorschlag, das Jahr 2020 statt mit „Schrei nach Liebe“ mit einer ordent­li­chen Portion Death Metal zu been­den, damit es nicht belei­digt, son­dern taub wird, allen­falls für mit­lei­di­ges Schmunzeln sorg­te. Andererseits leben wir in einer Zeit, in der unter der Überschrift „Die Nachrichten“ Ergebnisse aus dem Glücksspiel vor­ge­tra­gen werden.

Selbst die­se Website hier zu lesen depri­miert - manch­mal sogar mich. Ich woll­te neu­lich mal wie­der was über Musik schrei­ben, dann ist mir auf­ge­fal­len, dass ich das gemein­te Musikalbum schon letz­tes Jahr hin­rei­chend beju­belt habe. Mich selbst zu wie­der­ho­len war noch nie mein Anliegen. Das habe ich ande­ren Insinternetschreibern vor­aus, deren Beiträge sich in ermü­den­der Regelmäßigkeit ver­meint­lich iro­nisch selbst­re­fe­ren­zi­ell auf unzäh­li­ge Male Gelesenes stüt­zen. Es gibt im Web (das die­ser Tage 30 Jahre alt gewor­den ist und somit ein Jubiläum der struk­tu­rel­len Langeweile fei­ern las­sen durf­te) wenig, was weni­ger reizt als die Verlautbarungen von Menschen, die nie­mals einen neu­en Gedanken äußern.

Das funk­tio­niert in Coronazeiten (Impfen! Maske auf! Abstand! Impfen! Maske auf! Abst-argh!) nicht anders als sonst, es fällt viel­leicht nur mehr auf, weil die Themendichte schein­bar abge­nom­men hat. Selbst Burying - das Treffen kon­tro­ver­ser poli­ti­scher Entscheidungen, so lan­ge die Welt woan­ders hin­guckt - klappt die­ses Jahr nicht schlech­ter als sonst, nur wegen des Virus statt wegen einer Fußballmeisterschaft. Heute schon Nachrichten gele­sen? Ja? Warum?

Eine Gesellschaft, deren größ­te Sorge es ist, am kom­men­den Donnerstag viel­leicht auf die gewohn­te Sprengstoffdetonation ver­zich­ten zu müs­sen (das muss auch die­se christ­lich-chi­ne­si­sche Tradition des Abendlandes sein), ist mit dem Jahreswortsieger Doomscrolling ver­mut­lich noch harm­los beschrie­ben. Die als poli­tik­be­zo­ge­ne Apathie beschö­nig­te Angst vor eige­nen Entscheidungen sorgt nicht für eine Aufrechterhaltung der Werte der Aufklärung. Die da oben tun Ungewünschtes, aber man ist ja nur hier unten. Im Kontext der lau­fen­den Krise mah­nen die da oben nun ver­stärkt zur Eigenverantwortung, was hier unten als Beleidigung ver­stan­den wird. Man kann doch nicht ver­lan­gen, dass Mitmensch Gartensprengmeister selbst ent­schei­det, was rich­tig ist. Der macht dann nur Unfug.

Es gärt etwas und das macht mich unru­hig. Zum Glück habe ich einen Twitteraccount. Ich scrol­le ein­fach ein paar Stunden. Alles wird gut.

Sonstiges
Weihnachtswunsch: Kalenderrücksicht.

Wenn man schon unbe­dingt statt der reli­gi­ons­über­grei­fen­den und wenig­stens irgend­wie sinn­voll begründ­ba­ren Wintersonnenwendfeier (21. Dezember) das­je­ni­ge Fest fei­ern möch­te, des­sen Riten das Umbringen eines Baums beinhal­ten, weil man das halt so mache, und sich dabei womög­lich auch noch dar­auf beruft, dass die Tradition das ver­lan­ge, dann soll­te man wenig­stens so tra­di­ti­ons­fest sein, den Vorabend der Weihnacht (24. Dezember), die Weihnacht (25. Dezember) und den Stephanstag (26. Dezember) von­ein­an­der unter­schei­den zu können.

Am mei­sten freue ich mich ja auf die weni­gen Stunden zwi­schen dem 26. und dem 28. Dezember, in denen an die Stelle von „frohs­fest!“ und „frohs­neus!“ ein ange­neh­mes „wie­der­sehn!“ tritt.

Nerdkrams
Kekse, Blinken und dump­fe Beats: Vier Tage vorm #rC3.

Dieser Artikel ist Teil 14 von 14 der Serie Congresskrise(n)

Die Blogbeiträge wer­den zuse­hends schwe­rer ver­ständ­lich, wenn man den Fehler macht und die deutsch­spra­chi­ge Version für deutsch­spra­chig hält. Das kann nur eins bedeu­ten: Der „Congress“ ist nahe!

Laut Fahrplan geht es bei der cha­os expe­ri­ence auch in die­sem Jahr um das, was die Zielgruppe (Menschen, die Lötanleitungen mit vie­len LEDs befol­gen, was mit Hacken unge­fähr so viel zu tun hat wie einen IKEA-Schrank wie emp­foh­len zusam­men­zu­set­zen) wirk­lich inter­es­siert, näm­lich Technik, Quatsch, Kekse und Blinken und dump­fe Beats, nein, Huren und haupt­be­ruf­li­ches Pornogucken - so stimmt’s. Was man halt so macht als Hacker. Rundmails sind zu anstren­gend, Variablen in E-Mails zu erset­zen ist Zauberei. Da kom­men ja nicht mal bun­te Blinklichter drin vor.

Während ich dies schrei­be, erhal­te ich die Information, dass der „Hackerclub“ gera­de aus­läuft, also leakt. Mich über­rascht nichts mehr. Hätten die halt wen gefragt, der sich mit die­sem Technikkram auskennt.

CCC-Leaks

Zehn Minuten nach der ver­meint­li­chen Abschlussveranstaltung endet eine Veranstaltung namens „Die Suche nach dem Alten Weißen Mann“, was iro­nisch wirkt, wenn man über die Geschichte des Hackens und ihre her­aus­ra­gen­den Heroen nach­denkt, aber Selbstironie kön­nen sie ja auch fast nicht mehr.

Schon wie­der sind im Fahrplan trotz wie­der­hol­ten Ohrenblutens mei­ner­seits meh­re­re eng­lisch­spra­chi­ge Vorträge von Menschen zu fin­den, weil ihnen irgend­wer nicht davon erzählt hat, dass es zur Übersetzung von Vorträgen ein gan­zes Übersetzungsteam geben soll. Andererseits habe ich das Verstehenwollen schon vor Jahren auf­ge­ge­ben. Ich las­se es ein­fach auf mich ein­pras­seln. Ich ver­mu­te, das ist irgend­ei­ne Schutzmaßnahme. Sie hilft.

Ich wünsch­te, ich emp­fän­de den „Congress“ nicht als eine so trau­ri­ge Veranstaltung. Ich wünsch­te, er wäre mir egal.

NerdkramsNetzfundstücke
Berlin@GMX.de

Die Digitalisierung so:

Wir bit­ten für die Antragstellung auf eine stan­dar­di­sier­te E-Mail-Adresse bekann­ter Anbieter (z.B. web.de, gmx.de etc.) zurück­zu­grei­fen. Andernfalls wird die ine­ter­net­ba­sier­te (sic! A.d.V.) Antragstellung scheitern.

Kann ich die­sen elek­tro­ni­schen Behördengang noch mal sehen?

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusikNetzfundstücke
Ingrina (live) // Minderheitendomino

MontagslächelnEs ist Montag. Das ritu­el­le Wändebeschmieren mit schie­fem Gesang ist in Österreich eine unauf­schieb­ba­re beruf­li­che Tätigkeit und mehr muss man über Österreich nicht wis­sen. Die haben ja nicht mal Pandabären dort.

Meinedamundherrn, die Inlandsnachrichten: Weil die Menschen jetzt am lieb­sten online ein­kau­fen, weil der Einzelhandel aus Pandemiegründen vor­erst nicht off­line statt­fin­den darf, haben CDU/CSU und SPD die Ansicht geäu­ßert, dass man dem Onlinehandel zur Strafe mehr Geld abneh­men soll­te. Begründet wird die­ser Quark mit „Chancengleichheit“, was die­je­ni­gen, die in sowie­so schon innen­stadt­ar­men Dörfern woh­nen, noch bizar­rer fin­den dürf­ten als ich. Der fei­ne Unterschied zwi­schen poli­ti­schen Systemen ist ja auch der, dass es in man­chen Systemen allen gleich gut, in ande­ren hin­ge­gen gleich schlecht geht. Andererseits: Deutschland holt Dschihadistinnen zurück, so mutig muss man ja auch erst mal sein. - Fast auch Politik: Michael Kellner (Grüne) hat stolz ver­kün­det, sei­ne Partei habe mit gro­ßer Mehrheit ein „Vielfaltsstatut“ ange­nom­men, das das bis­he­ri­ge „Frauenstatut“ ergänzt und unter ande­rem besagt, dass das Präsidium der Grünen und ange­schlos­se­ner Vereine künf­tig auch der­art besetzt wer­den soll, dass die Vielfalt in der Gesellschaft abge­bil­det wird; das heißt: Wenn sich irgend­wann her­aus­stellt, dass zwan­zig Prozent der Deutschen pan­se­xu­el­le ein­bei­ni­ge Autisten aus dem Volk der Sinti sind, dann muss auch der Bundesvorstand der Grünen zu einem Fünftel aus pan­se­xu­el­len ein­bei­ni­gen Autisten aus dem Volk der Sinti bestehen, und obwohl mir das bei den Grünen, bei denen ich - als wei­ßer Mann mit deut­li­cher Aversion gegen Krieg und Schwachsinn immer­hin ihr wesent­li­cher poli­ti­scher Gegner - nicht mal tot überm Zaun hän­gen wol­len wür­de, gewis­se Türen öff­nen könn­te, ist mir unklar, wie sie die nöti­gen Daten zu erhe­ben gedenkt, denn es ist zwar recht leicht, das Geschlecht eines Menschen zu ermit­teln (erbo­ste Zuschriften hier­zu bit­te direkt an den Weihnachtsmann adres­sie­ren), aber die Zugehörigkeit zu ande­ren ver­meint­lich oder tat­säch­lich benach­tei­lig­ten Gruppen wür­de ein outing jedes Bundesbürgers vor­aus­set­zen und das klingt nicht nur sehr auf­wen­dig, son­dern auch sehr kon­tra­pro­duk­tiv. Eine Nachfrage mei­ner­seits auf Twitter blieb bis­lang zu nie­man­des Überraschung unbeantwortet.

Die Schotten, noch immer nicht voll­ends als Ausland akzep­tiert, hin­ge­gen wol­len schon wie­der viel­leicht aus dem Vereinigten Königreich aus­schei­den. Deutsche Medien fin­den das groß­ar­tig, denn wenn eine natio­na­li­sti­sche Partei eine Nation wie­der gre­at maken will, dann ist das eine gute Nachricht. Außer, es sind die Deutschen. Oder Donald Trump. Dass ein Übertritt der Schotten von ihrem wich­tig­sten Handelspartner in die EU eine bescheu­er­te Idee wäre, erklärt sowohl sich selbst als auch Carsten Volkery, wenn­gleich bereits im September.

Wir kom­men zur EDV: Bei Instagram sind „Sticker“ mög­li­cher­wei­se nicht mit dem EU-Datenschutzrecht kom­pa­ti­bel. Mir ist unklar, was man in „Sticker“ rein­tun muss, damit sie mei­nen Datenschutz gefähr­den, aber ich nut­ze auch kein Instagram zum Verteilen der­sel­ben, was offen­bar eine gute Idee ist. „Wired“ wagt der­weil einen Ausblick auf die Zukunft und unkt, künf­tig fin­de sozia­les Netzwerken nur noch per Stimme statt per Tastatur statt. Dass aus­ge­rech­net die Podcaster, die­se ver­meint­lich hete­ro­ge­ne Masse von Menschen, die sich dadurch aus­zeich­nen, dass Stille sie furcht­bar ner­vös zu machen scheint (gibt es dage­gen kei­ne wirk­sa­me Therapie?), am Ende gewon­nen haben wer­den, muss unbe­dingt ver­hin­dert wer­den. Ich lösche bei­zei­ten mei­ne Webbrowser und zie­he ins Usenet um. Sollen sie doch mit sich sel­ber quatschen.

Etwas Nerdpr0n: Unter bestimm­ten Umständen kann man Arbeitsspeicher zu WLAN-Antennen umfunk­tio­nie­ren. Ich emp­feh­le jede Minute so zu ver­brin­gen, dass mög­li­che Angreifer beim Fernauslesen des Speichers zumin­dest gute Musik hören müssen.

Also:

Ingrina - Parmi les charmes (live)

Guten Morgen.

NerdkramsNetzfundstücke
#rC3: Ahistorisches für Technikfremde

Dieser Artikel ist Teil 13 von 14 der Serie Congresskrise(n)

Während die Vorbereitungen für die dies­jäh­ri­ge Studenten-CeBIT („remo­te cha­os expe­ri­ence“) anschei­nend getrof­fen wer­den, obwohl von einem Fahrplan noch immer nichts zu sehen ist, geben die Veranstalter in einer Art FAQ (Allergikerwarnung: Genderalala) ver­schie­de­ne nett gemein­te Hinweise bekannt.

Darunter auch diesen:

IRC

Einfach gesagt nicht (sic! A.d.V.) ande­res als die klas­si­chen (sic! A.d.V.) Online Chaträume (sic! A.d.V.) der 00er-Jahre. Einfach und schnell.

Nun exi­stie­ren IRC-Netze im Wesentlichen seit 1988, erleb­ten ihre Hochzeit in den Neunzigern und ihre Nutzerzahlen sind trotz eini­ger Unbelehrbarer wie mir, die von den Beglückungsideen von irgend­wel­chen Webhipstern, die glau­ben, ein Dokumentenbetrachter („Webbrowser“) sei eine gute Plattform, und dar­um auch wei­ter­hin in zuse­hends mehr IRC-Räumen rum­hän­gen, wenig hal­ten, seit spä­te­stens 2003 meist im frei­en Fall befindlich.

Allerdings ist unser­eins in den 00er-Jahren auch in klas­si­chen Online Chaträumen (mein Kopf!) unter­wegs gewe­sen. Sie hie­ßen zum Beispiel „Chat-Tempel“ und lie­fen in einem Javaapplet, was damals schon fürch­ter­lich zu benut­zen war, oder sie hie­ßen zum Beispiel ICQ und mach­ten wit­zi­ge Geräusche, wenn man eine Nachricht bekom­men hat. Ich wür­de anneh­men wol­len, dass die­je­ni­gen, denen man erklä­ren muss, was ein „IRC“ sein soll, sich genau das unter einem klas­si­chen Online Chatraum der 00er-Jahre (mei­ne Augen!) vor­stel­len und nicht etwa so was:

mIRC. Screenshot: George Araujo

Aber gut. Muss man nicht wis­sen, ist bloß Technik. Hat nichts mit blin­ken­den LEDs, schlim­mer Bumsmusik und Drogenhandel zu tun. Da kennt man sich beim CCC nicht aus.

Wen genau wol­len die Macher des Veranstaltungsblogs eigent­lich infor­mie­ren und zu wel­chem Zweck?

Persönliches
Zum Glück haben Arme nur im Winter Hunger.

Ich bewun­de­re ja jedes Jahr aufs Neue den Zynismus, mit dem irgend­wel­che Zeitungen und irgend­wel­che Kirchenvereine - die zwar selbst genug Geld hät­ten, aber der Wasserkopf braucht eben sei­ne Yacht - pünkt­lich zur aus­wär­ti­gen Abkühlung off­line und (die­ses Jahr bevor­zugt) online dar­um bit­ten, dass die­je­ni­gen Menschen, die ohne­hin gera­de so viel Geld für blö­den Krempel aus­ge­ben wie sonst nur sel­ten, weil der Kalender das für eine gute Idee hält, auch ihnen ein paar Dutzend Euros in den Becher wer­fen, damit Arme/Obdachlose/Kinder/Pandabären kei­ne über­ra­schend schlech­te Lebensqualität mehr haben; schon, weil man wäh­rend der ande­ren Monate im Jahr nur wenig von ihnen liest, sieht und/oder hört.

Offensichtlich gehö­ren Arme/Obdachlose/Kinder/Pandabären einer sel­te­nen Spezies an, die nur im Dezember arm/obdachlos/Kind/Pandabär ist und sich wäh­rend der ande­ren elf Monate bester Gesundheit und exzel­len­ter Versorgung erfreut, denn sonst wür­de das ja bedeu­ten, dass es die­sen Hilfsorganisationen gar nicht dar­um geht, das Leben die­ser Menschen/Bären wirk­lich zu ver­bes­sern - son­dern bloß um gute Presse.

Das wäre doch absurd, oder?

(Nachtrag: Wie vie­le Impfdosen könn­te man eigent­lich mit einem Jahr Kirchensteuern bezahlen?)