In den NachrichtenPolitik
Pazifisten abknal­len

Der zumin­dest nicht völ­lig unbe­kann­te Meinungshaber Eliyah Havemann, laut Eigenbeschreibung auf Twitter der­zeit unter ande­rem „modern-ortho­dox“, „Cyber-Knecht“ und „Zionist“, hat auch eine Meinung dazu, dass in Afghanistan nach dem Abzug der west­li­chen Soldaten die eben­falls ortho­do­xen Taliban bin­nen weni­ger Tage die Regierungsgewalt zurück­er­obert haben:

Afghanistan erin­nert uns dar­an: Frieden und Pazifismus schlie­ßen sich gegen­sei­tig aus. Leider.

Gemeint scheint zu sein, dass erst der Rückzug des Westens die­se Rückeroberung ermög­licht hat. Welche Konsequenzen die­se Haltung haben soll­te, wird nicht näher erläu­tert, was ich bedau­re. Über 3.500 Soldaten „der west­li­chen Allianz“ (Formulierung: Internet) wur­den in Afghanistan bis­her gemeu­chelt, die Zahl der umge­brach­ten Zivilisten beträgt unge­fähr das Zehnfache. Ist das Frieden?

Letztlich liegt die Ursache des Regierungswechsels in Afghanisten nicht in dem ver­damm­ten Pazifismus begrün­det, denn die erneu­ten Regenten sind nun mal kei­ne Pazifisten, son­dern reli­giö­se Pfeifen. Es ist dop­pel­zün­gig, wer das hier­zu­lan­de kri­ti­siert, denn die Präsidialrepublik in Afghanistan - zuvor ein Königreich - war selbst eine Folge eines christ­li­chen Kreuzzuges und nie­mand, der die Gesellschaft in den Vereinigten Staaten ober­fläch­lich zur Kenntnis nimmt und wenig­stens eini­ger­ma­ßen bei Sinnen ist, wür­de anneh­men, die Konnotation des „wir (Christen) gegen die (Moslems)“ sei ein bedau­er­li­cher Fehltritt gewesen.

Pazifismus hät­te die Eroberung Afghanistans durch die Taliban viel­leicht nicht ver­hin­dert - das hat aber auch der Krieg nicht geschafft. Allein 3.500 tote Soldaten weni­ger wären es mei­ner Meinung nach ja schon wert gewesen.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeswehr abge­schafft gehört.

In den NachrichtenMontagsmusik
Trialogos - Stroh zu Gold // Hilfe. eine Bitte!

Bald WaldEs ist Montag. Früher hat man sich mit Grog und war­men Klamotten in Herbst und Winter geschützt, heu­te halt mit noch mehr Impfungen. Ist das die­se „neue Normalität“ oder kommt noch eine mit Pandabären?

„hei­se online“ fin­det, Einwilligungen zu Verfolgung durch Reklame sei­en grund­sätz­lich der Regelfall, wenn man den Benutzer ein­fach nicht fragt. In ande­ren Artikeln wird das Empfangen von Mails und das Öffnen von deren mög­li­cher­wei­se gefähr­li­chem Anhang sei­tens eines Trottels als „Cyber-Angriff“ ver­brämt. Ich fra­ge mich, wie sie wohl reagie­ren, wenn sie nicht per Mail um das Öffnen von Dateien, son­dern in der Stadt um eine Geldspende gebe­ten wer­den. Rufen die direkt die Polizei?

Argentinien wür­de gern Dokumente zu deut­schen Kriegsverbrechern frei­ge­ben, aber die rechts­po­pu­li­sti­sche Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD ist dage­gen, zum „Wohl des Bundes“. Recht wohl mag mir dabei nicht sein. In Schottland sind der­weil Vierjährige berech­tigt, ohne elter­li­che Genehmigung Name und Geschlecht zu ändern. Zum Glück war­tet man damit, bis sie sich der Tragweite sol­cher Entscheidungen bewusst sind. Dreieinhalb Jahre wäre zum Beispiel echt zu früh!

Niemals zu früh ist es hin­ge­gen für: Musik.

TRIALOGOS - Stroh zu Gold

Guten Morgen.

Netzfundstücke
Liegengebliebenes vom 12. August 2021

Neues aus der Wissenschaft: Bäume sind super­schwul oder so. 


Nazi des Tages: Das Wort „Curry“.


Jawohl: „Wenn Menschen zusam­men­kom­men, sind ihre Gespräche sehr oft beein­flusst von der Unruhe, der Nervosität und Oberflächlichkeit unse­rer Tage, und aus die­sen Eigenschaften erge­ben sich nicht sel­ten Rechthaberei, Besserwisserei und Rauheit.“ 


Basisdemokratie, bei der jede Stimme zählt, war mög­li­cher­wei­se mal eine gute Idee. Dann kam das Internet: Eine Petition an Frankreich, Jeff Bezos die Mona Lisa mit dem Ziel zu ver­kau­fen, dass die­ser sie isst, erreicht bald 25.000 Unterschriften.


Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe wür­de ja gern Warnmeldungen über ein öffent­li­ches API zugäng­lich machen, aber, äh, geht nicht, weil *hek­tisch blät­ter* da ist Urheberrecht drin!


Auch künf­tig darf man ohne beson­de­re Coronaprävention in die Kirche gehen und dort zum Beispiel den Choral „Näher, mein Gott, zu dir“ into­nie­ren. Mich amü­siert das sehr. 

In den Nachrichten
Barmherziger Pöbel

P. Max. I. Cappabianca OP für „DW“, 25. Juni 2021:

[W]as der Islam theo­lo­gisch zum Thema Barmherzigkeit sagt, ist großartig[.]

Haroon Janjua für „The Guardian“, 9. August 2021 (übel­setzt von mir):

Ein acht­jäh­ri­ger Hindujunge steht in Ostpakistan unter Polizeischutz, nach­dem er die bis­her jüng­ste Person gewor­den war, die in dem Land der Blasphemie ange­klagt wurde.

Die Familie des Jungen ver­steckt sich und vie­le Angehörige der hin­du­isti­schen Gemeinde im kon­ser­va­ti­ven Bezirk Rahimyar Khan in Punjab haben ihre Häuser ver­las­sen, nach­dem ein mus­li­mi­scher Pöbel letz­te Woche nach der Freilassung des Jungen gegen Kaution einen Hindutempel ange­grif­fen hatte.

Hmm, groß­ar­tig.

Sonstiges
Medienkritik in Kürze: Individuell ange­passt dank „JOY“

Ich habe mir die neue „JOY“ (Ausgabe „September“ 2021, so schlimm ist’s mit dem Wetter schon!) gekauft, weil ich die Betextung der Titelseite (beklopp­te Drehung - Quelle: Internet) schon so herr­lich beknackt fand. (Immerhin: Vorn mal wie­der jemand drauf, den ich nicht ken­ne. War Scarlett Johansson krank?)

Nicht nur näm­lich möch­te die Redaktion mit „die­sem MAKE-UP-TREND“, der wohl „COLOUR Pop“ heißt, was unge­fähr „Farbplopp“ bedeu­tet, „es“ so „rich­tig KNALLEN“ las­sen, was über die Lebenserfahrung der Redaktion beredt Auskunft erteilt, außer­dem sol­le ich „mal mein Leben chil­len“. Ich hat­te bis­her ange­nom­men, so etwas wür­de nie­mand jen­seits von Wörterbuchredaktionen jemals sagen. Ich sehe mich im Irrtum.

Auch aber ist etwas ein­ge­tre­ten, das mich völ­lig uner­war­tet getrof­fen hat: Ich muss der „JOY“ und ihrer anschei­nend bera­ten­den „Expertin“ Steffi Thierheimer ein­mal zustim­men. ‘Medienkritik in Kürze: Individuell ange­passt dank „JOY“’ weiterlesen »

In den NachrichtenMontagsmusik
Oslo Tapes - Zenith // Die Regimes der Anderen

Komischer KauzEs ist Montag. Olaf Scholz, las­sen mich die Nachrichten wis­sen, koche zu Hause Königsberger Klopse. So ein Dutzendsassa! Auch sonst ist kuli­na­risch eini­ges los: Es scheint bei­zei­ten Pizza-Hawaii-Smoothies zu geben. Was ich von Pizza Hawaii hal­te, schrei­be ich hier nicht auf, denn schon in ande­ren Medien gehört die­se Frage zu den mei­st­um­kämpf­ten, viel­leicht auf einer Stufe mit der Frage nach dem gram­ma­ti­ka­li­schen Geschlecht von „Nutella“. Pandabären haben die­ses Problem nicht, Pandabären ver­spei­sen den Bambus ganz ohne Püree und schla­fen dann sehr lan­ge. Beneidenswert. (Ich hät­te Pizza Hawaii ja gern als Deodorant. Einfach des Amüsanzfaktors wegen.)

Aktuell nicht in den Medien: Bei’er ARD krie­gen zah­len­de Zuschauer, falls sie das fal­sche Empfangsgerät haben, mit­un­ter nur ein Standbild zu sehen. Ist das die­se „Grundversorgung“ und war­um kann die nicht weg? - Gute Frage auch aus dem Internet: Warum macht man bei Uncle Ben’s den schwarz­far­bi­gen Erwachsenen gegen Rassismus weg und bei Kinderschokolade dafür ein schwarz­far­bi­ges Kind gegen Rassismus hin? (Beinahe zum Thema: Die Gesellschaft für Freiheitsrechte bit­tet dar­um, ihr alle Fälle von Fehlverhalten durch „Uploadfilter“, sofern bemerkt, zu mel­den. Das fin­de ich gut und emp­feh­le es weiter.)

Moritz Tremmel von „Golem.de“ hat Recht: Natürlich könn­te man empört über Überwachungssoftware frem­der „Regimes“ (so hei­ßen Regierungen, wenn man sie nicht mag) sein, aber dann soll­te man viel­leicht die Überwachungssoftware des eige­nen „Regimes“ (so hei­ßen Regierungen, wenn man sie nicht mag) nicht für ein not­wen­di­ges Übel hal­ten. Von der Konkurrenz von „hei­se online“ ist wäh­rend­des­sen immer weni­ger zu hal­ten; Mails mit Anhang zu ver­schicken heißt dort neu­er­dings „Cyber-Angriff“. Das fin­den nicht alle Leser gut.

Jens Spahn hat get­wit­tert, sich imp­fen zu las­sen sei ein „patrio­ti­scher Akt“, als sei das neu­er­dings wie­der ein posi­ti­ver Terminus. Ich erwar­te empör­te Sprechchöre der unge­impf­ten Antifa und höre so lan­ge Musik.

Oslo Tapes - Zenith (Official Video)

Guten Morgen.

Nerdkrams
WordTsar: Mehr als genug Textverarbeitung für 2021?

Wie die mei­sten ver­meint­lich nor­ma­len Menschen nut­ze auch ich gele­gent­lich Officepakete, denn zwar schrei­be ich sel­ten Briefe, wohl aber bin ich akti­ver Nutzer von Tabellenkalkulation. Während mei­ner im Wesentlichen seit 1996 lau­fen­den Vergleichstests in die­ser Kategorie habe ich zwei­er­lei Erkenntnisse gewon­nen: dass die Platzhirsche sel­ten die besten Lösungen anbie­ten und dass es nahe­zu immer ein Programm in Officepaketen gibt, das bes­ser ist als der fürch­ter­li­che Rest, wes­halb ich es sehr bedau­re, dass man etwa Microsoft Excel (das ande­rer­seits seit der „Version“ 2007 grau­en­voll zu bedie­nen ist) nicht mehr sepa­rat erwer­ben kann. Dürfte ich ein Officepaket selbst schnü­ren, ich wähl­te WordPerfect als Textverarbeitung, PlanMaker als Tabellenkalkulation und ein Präsentationsprogramm braucht nie­mand, der einen anstän­di­gen Beruf gelernt hat.

‘WordTsar: Mehr als genug Textverarbeitung für 2021?’ weiterlesen »

Netzfundstücke
Kiemen sind die Zukunft

Das regio­na­le Informationszentrum für Westeuropa der Vereinten Nationen infor­miert auf sei­ner Website über „17 Ziele“ für eine „nach­hal­ti­ge Entwicklung“ der Menschheit: Angestrebt wer­den unter ande­rem „kein Hunger“, „kei­ne Armut“, „weni­ger Ungleichheiten“ und - viel­leicht als lang­fri­sti­ges Endziel - „Leben unter Wasser“.

Das hal­te ich für ver­nünf­tig, denn nicht erst die Fluten im Westen der Republik haben gezeigt, dass es der Menschheit von Vorteil sein könn­te, sich an eine Lebensweise unter Wasser anzu­pas­sen. Ich sage daher: Kiemen für alle!

Wählt mich!

In den NachrichtenMontagsmusik
Svartsinn - Lost in Reveries // Der gel­be Bratwurstausweis.

Liegt doch auf der Hand.Es ist Montag. Der „musik­ex­press“ hat Billie Eilish („meist­ge­hör­ter Artist beim Duschen“, wenn einem das Wort „Künstler“ halt beim Turnen nicht ein­fällt) als den „größ­ten Popstar unse­rer Zeit“ bezeich­net. Ich ken­ne bis heu­te kein ein­zi­ges Lied von der Frau und müss­te sogar ihr Gesicht erst mal in Erfahrung brin­gen. Das Leben ist zu kurz, um sich mit Popmusik aus­zu­ken­nen. Man ver­wen­de die zur Verfügung ste­hen­de Zeit statt­des­sen sinn­voll, zum Beispiel mit dem Hegen von Pandabären.

Auch gehegt wird das lang­wei­li­ge „wir gegen die“: Erdoğan pla­ne mehr staat­li­che Eingriffe in sozia­le Medien; mein­ten Sie: Landesmedienanstalten? (Der freund­li­che Blognachbar aus der unfreund­li­chen Stadt schlug vor, das sei dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz nicht unähn­lich, womit er aller­dings natür­lich eben­so Recht hat.) Verdammte Türkei. Die und ihre Internetgesetze immer. Voll der Unrechtsstaat. - Apropos Unrechtsstaat: Chinesen sind unter­des­sen unge­hal­ten, dass die Einwohner von Hongkong sich freu­en, wenn Japan China in so Sport besiegt. Ich ver­mu­te ja, das könn­te damit zusam­men­hän­gen, dass Japan sich für die Autonomie Hongkongs gar nicht beson­ders interessiert.

Die Grünen im Saarland dür­fen ver­mut­lich nicht zur Bundestagswahl antre­ten, weil sie sich bei der Wahl zwi­schen „igitt, ein Mann“ und „igitt, feh­len­de Rechtssicherheit“ falsch ent­schie­den haben. „Jeder Kreisverband der Grünen“, habe Robert Habeck gesagt, hat ein Qualitätsmedium geschrie­ben, wer­de „bes­ser geführt“ als Deutschland. Meinte er das damit? Im Osten des Landes läuft unter­des­sen ein Strafprozess lang­sam aus, der mich amü­siert: „Der Prozess habe erge­ben, dass der Mann im Mai 2020 sei­nen auf dem Sofa ver­mut­lich schla­fen­den Freund mit einem Messer, einer Schere und einer Machete so umbrin­gen woll­te, wie er es zuvor in zahl­rei­chen Gewaltvideos gese­hen hat­te“ („dpa“); Fernseher verbieten!

Ein ähn­lich inter­es­san­tes Verhältnis zu ihrem eige­nen Verstand dürf­ten die­je­ni­gen Ostdeutschen haben, die sich neu­lich eine Impfung abge­holt haben, weil’s dafür eine Bratwurst gab. Mich wür­den sie mit so was nicht locken, ich fin­de Bratwurst nicht inter­es­sant genug. Wer mir per­sön­lich etwas andre­hen möch­te, was ich nicht unbe­dingt haben wol­len wür­de, der soll­te sich ein ver­locken­de­res Angebot ausdenken.

Zum Beispiel irgend­was mit Pandabären - oder mit ein wenig ange­mes­sen fröh­li­cher Musik.

Guten Morgen.