NerdkramsNetzfundstücke
Mastodon im Weltknall

Mein vori­ger Bei­trag zu die­sem The­ma war viel­leicht etwas zu knapp gehal­ten, dar­um ver­su­che ich noch mal ein wenig aus­führ­li­cher mei­ne Sicht darzulegen.

Die Rekla­me­wel­le reißt näm­lich noch immer nicht ab: Man sei, erfah­re ich täg­lich gegen mei­nen Wil­len auf Twit­ter, jetzt auch (sel­ten: nur noch) bei Mastodon, weil Mastodon nicht von einem rei­chen Typen geführt wer­de. Sol­cher­lei schrei­ben sie in ihre Smart­pho­nes hin­ein, deren Kauf rei­che Typen noch rei­cher mach­te. War­um es erstre­bens­wert sei, sein vir­tu­el­les Dasein von Ein­zel­per­so­nen abhän­gig zu machen, die aus Lan­ge­wei­le und ohne Bestands­ga­ran­tie pri­va­te Ser­ver betrei­ben, auf denen sie ohne jede demo­kra­ti­sche Mit­be­stim­mungs­mög­lich­keit jeder­zeit die Regeln ändern und gan­ze Ser­ver mit­samt ihren Nut­zern von der Teil­nah­me aus­schlie­ßen kön­nen (und das oft auch tun), schrei­ben sie hin­ge­gen nicht.

Und wie groß­her­zig sie sich geben! Min­de­stens ein Mastodont bie­tet gar an, auf Zuruf Neu­ma­stodon­ten zu fol­gen; das scheint inso­fern eine Ehre zu sein, aber ich ken­ne die Per­son mei­nes Wis­sens nicht einmal.

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In den NachrichtenNerdkrams
Kurz ange­merkt zu Twit­ters Übernahme

Elon Musk habe, wird berich­tet, sich nun mit Twit­ter dar­auf geei­nigt, anstel­le der bis­he­ri­gen Anteils­eig­ner, mit denen Twit­ter­nut­zer mehr­heit­lich kei­ne Pro­ble­me hat­ten (dar­un­ter ein sau­di-ara­bi­scher Mil­li­ar­där), den Laden ein­fach kom­plett zu über­neh­men und da mal ein wenig feucht durch­zu­wi­schen, was die Com­mu­ni­ty mehr­heit­lich erschreckt, denn vom NetzDG hält Elon Musk dem Ver­neh­men nach nicht viel, wes­halb die gro­ße Angst umgeht, unter dem neu­en Besit­zer dürf­te Donald Trump (oh Schreck!), des­sen Twit­ter­kon­to aus Geschmacks­grün­den zwangs­ge­schlos­sen wor­den war, dort­hin zurück­keh­ren, wes­halb wie unge­fähr jedes Jahr ein gro­ßer Exo­dus – ich beschrieb einen sol­chen bereits 2014 – beginnt, also ganz Twit­ter für zwei bis drei Wochen zur jewei­li­gen Trend­al­ter­na­ti­ve (der­zeit: Mastodon) wech­selt, nur um dann fest­zu­stel­len, dass es auf Twit­ter doch gar nicht so schlimm war, weil da wenig­stens was los ist; und mich über­rascht eigent­lich nur noch, dass es dar­über noch kein Musi­cal gibt.


Nach­trag:

Mastodon sieht aus mei­ner Sicht wie ein geschei­ter­tes Expe­ri­ment aus. Die wer­den sich da jetzt alle gegen­sei­tig bekämp­fen, noch kras­ser als bis­her eh schon.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Rotor – Druck­ver­band (live) // Bei­schlaf mit Autos

Hier ist's sicher.Es ist Mon­tag. In Frank­furt kann man sich jetzt mit sei­nem Auto ein Zim­mer neh­men (Archiv­ver­si­on). Wel­che Rea­li­täts­ab­zwei­gung ist das jetzt wieder?

Apro­pos Autos: Karl-Heinz Paqué, ehe­ma­li­ger Finanz­mi­ni­ster Sach­sen-Anhalts, zeigt sich auf der Web­site der par­tei­na­hen Stif­tung der F.D.P. bestä­tigt: „Hot­spot-Maß­nah­men” sei­en „ohne Wir­kung”, also beson­de­re Ein­schrän­kun­gen der indi­vi­du­el­len Frei­heit in der Pan­de­mie nicht zweck­mä­ßig; das mag rich­tig (und/oder zumin­dest beacht­lich) sein, zumal aus Län­dern mit weni­ger Maß­nah­men auch nicht unbe­dingt von ent­völ­ker­ten Gebie­ten berich­tet wird. Auf Twit­ter quat­schen sie indes schon wie­der aus den ent­maß­ge­nom­me­nen Lan­des­tei­len, die #Mas­ke­bleib­tauf, als hät­te man irgend­je­man­dem das Mas­ken­tra­gen ver­bo­ten. Das ist aller­dings, so wit­zig ich das auch fän­de, kein Wett­be­werb. Macht’s doch!

Braucht man die NATO noch? Ich bin ja dage­gen, ande­re neh­men sie als Ver­hand­lungs­mas­se: „Fried­rich Merz hat damit gedroht, dem geplan­ten Son­der­ver­mö­gen von 100 Mil­li­ar­den Euro für die Bun­des­wehr nicht zuzu­stim­men” („FAZ.net”), jetzt droht die Oppo­si­ti­on schon mit Oppo­si­ti­on! Auch der Bahn droht Übles: Das „Neun-Euro-Ticket” dro­he die Deut­sche Bahn zu über­la­sten (Archiv­ver­si­on), erzählt die Deut­sche Bahn. Ich kann mir als lang­jäh­ri­ger Bahn­kun­de durch­aus leb­haft den Schrecken der dor­ti­gen Ange­stell­ten vor­stel­len, wenn sie dar­an den­ken, even­tu­ell noch mehr Kun­den zu bekom­men. Die wol­len dann immer irgend­wo hin­ge­fah­ren wer­den. Schrecklich.

Auch schreck­lich: Das Euro­päi­sche Par­la­ment hält auch wei­ter­hin nicht viel von digi­ta­len Grund­rech­ten. Kei­nes­falls schreck­lich hin­ge­gen: Musik.

Rotor – Druck­ver­band | LIVE Fest­saal Kreuzberg

Guten Mor­gen.

Sonstiges
Die Göt­ter hel­fen nur vor Gericht.

Als zumin­dest inter­es­sant erach­te ich es, dass § 64 Abs. 3 StPO es einem Zeu­gen vor Gericht frei­stellt, wel­che über­na­tür­li­chen Mäch­te ihm zur Sei­te ste­hen sol­len, Art. 64 Abs. 2 GG und Art. 56 GG von Bun­des­mi­ni­stern, ‑prä­si­den­ten und ‑kanz­lern aber ver­lan­gen, ent­we­der gar kei­nen Gott oder aus­schließ­lich JHWH („Gott”) zum Bei­stand zu rufen. Eine Bun­des­re­gie­rung, deren Kanz­ler sich auf Apo­phis, Nep­tun oder Aphro­di­te beruft, wäre aber mal wirk­lich witzig.

In den NachrichtenPolitik
Auto­no­me Instagramaccounts

Autos, die ganz allein Men­schen tot­fah­ren, waren gestern, heu­te sind Insta­gra­mac­counts, die ganz allein Insta­gram­din­ge tun.

So berich­tet etwa die „WAZ” (will nicht ver­linkt wer­den, LSR):

Sarah Phil­ipp (SPD) bestä­tigt, dass ihr Insta­gram-Pro­fil für den Ver­such genutzt wur­de, die Toch­ter von Ex-Mini­ste­rin Hei­nen-Esser auszuspähen.

Es ging, grob zusam­men­ge­fasst, dar­um, dass irgend­je­mand, der sich auf Insta­gram „Sarah Phil­ipp”, „Land­tags­ab­ge­ord­ne­te für Duis­burg”, nennt, offen­sicht­lich ver­sucht hat, nicht öffent­lich sicht­ba­re Strand­bil­der einer min­der­jäh­ri­gen Poli­ti­ke­rin­nen­toch­ter abzu­grei­fen.

Das Insta­gram­pro­fil von Sarah Phil­ipp ziert ein Haken­sym­bol, das zei­gen soll, dass der Betrei­ber die­ses Accounts – „Sarah Phil­ipp”, „Land­tags­ab­ge­ord­ne­te für Duis­burg” – zwei­fels­oh­ne die Per­son ist, die er zu sein vor­gibt (hier: Sarah Phil­ipp, Land­tags­ab­ge­ord­ne­te für Duis­burg). Es ist inso­fern nicht nur nir­gend­wo ersicht­lich, son­dern sogar eher unglaub­wür­dig, dass Sarah Phil­ipp, Land­tags­ab­ge­ord­ne­te für Duis­burg, nicht die­je­ni­ge Per­son ist, die über die Vor­gän­ge ihres Insta­gram­kon­tos Bescheid weiß.

Gleich­wohl teilt sie mit:

Ich bedau­re den Vor­gang sehr und hal­te das Ver­hal­ten für nicht akzep­ta­bel. Das habe ich Frau Hei­nen-Esser auch so mit­ge­teilt und dafür bei ihr um Ent­schul­di­gung gebeten.

War­um genau hiel­ten es so vie­le Wäh­ler eigent­lich für eine vor­treff­li­che Idee, einer Par­tei, die nicht mal ihre eige­nen sozia­len Kanä­le im Auge behal­ten kann, die aber gleich­zei­tig Staats­tro­ja­ner und Klar­na­men­pflicht (obwohl ihre Par­tei­zen­tra­le Wil­ly-Brandt-Haus und nicht Her­bert-Frahm-Haus heißt) befür­wor­tet, netz­po­li­ti­sche Ver­ant­wor­tung anzudienen?

KaufbefehleMusikkritik
Kür­zest­kri­tik: Zone Six – Kozmik Koon

Zone Six - Kozmik KoonLan­ge nichts mehr über Musik geschrieben.

Auf „Kozmik Koon”, dem noch aktu­el­len 2019er Stu­dio­al­bum von Zone Six (Band­camp, Ama­zon), wird fast eine Drei­vier­tel­stun­de lang fein­ste Trip­mu­sik zele­briert, musi­ka­lisch gemalt wer­den Aus­flü­ge von Welt­raum­rei­sen („Kozmik Koon”) bis hin zu Wald­spa­zier­gän­gen im Früh­som­mer („Still”). Ich bin ange­tan und rei­se mit.

ZONE SIX – kozmik koon, stu­dio, 2019

Hui.

Netzfundstücke
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Die Ver­kehrs­wen­de nimmt den Autos die Geh­we­ge weg!!1!

Auf „ala­my”, also in einer gro­ßen Daten­bank für Agen­tur­fo­tos, gibt es eine prall gefüll­te Kate­go­rie vol­ler Indi­vi­du­al­ver­kehr, der auf Geh­we­gen her­um­steht. Ich möch­te nicht aus­schlie­ßen, dass die­se Beob­ach­tung etwas mit die­sem merk­wür­di­gen Satz von „SPIE­GEL ONLINE” zu tun hat:

Lasten­rä­der boo­men – und neh­men in Städ­ten recht viel Platz weg.

Böse Lasten­rä­der.

MontagsmusikNetzfundstücke
Soft Grid – Corol­la // DuckDuckGone

Hi, na?Es ist (recht­lich gese­hen) Mon­tag. End­lich mal eine frie­dens­po­li­ti­sche For­de­rung, die dis­kus­si­ons­wür­dig ist: Poli­ti­ker an die Front! „Why do we always send the poor?” (System of a Down, ähn­li­cher Kontext).

Ein Blick in die Tech­nik: Die als Web­brow­ser getarn­te Wer­be­platt­form Goog­le Chro­me hat jetzt einen eige­nen Comic bekom­men, der erklärt, war­um man sie lie­ber nicht nut­zen soll­te. Die deut­sche Über­set­zung des Comics hat Stern­chen mit­ten im Wort, aber die eng­li­sche Ver­si­on ist ja auch erfri­schend gut zu lesen. Das kann man von tech­ni­schen Aus­füh­run­gen die­ser Tage lei­der nicht immer behaupten.

Hier, gran­di­os komi­sche Fel­sen­kunst aus Austra­li­en zum Aus­gleich: Zwei tan­zen­de Frau­en beim Menstruieren.

Felsenkunst

Angeb­lich steht das Bild unter einer Crea­ti­ve-Com­mons-Lizenz, aber das glau­be ich nicht. Das Motiv ist ja doch schon ein biss­chen älter als die CC-Lizen­zen. Zuge­ge­ben: Die Wahr­schein­lich­keit, dass sich die Urhe­ber über die­se Aneig­nung beschwe­ren, ist gering.

Statt­des­sen beschwe­ren sich Lin­ke über Lin­ke: „Queer­po­li­tik” sei „frau­en­feind­lich”, da kann man sich ja eigent­lich auch bloß mit einem Bier an den Rand set­zen und zugucken. Die­se Art von Zwist ist wit­zi­ger als Fuß­ball und geht einem nicht so sehr auf den Sack; schon, weil die Teil­neh­mer einen nicht in der Stra­ßen­bahn voll­grö­len. Ich hof­fe, das bleibt so. Fan­schals von sozio­lo­gi­schen „Mann­schaf­ten”, die sau­fend queer­theo­re­ti­sche Hym­nen brül­len, hät­ten im Super­markt gera­de noch gefehlt.

Noch vor einer Wei­le emp­fahl ich gern die Such­ma­schi­ne Duck­Duck­Go, die – als „Such­ma­schi­ne für Hacker” bekannt gewor­den – eine akzep­ta­ble Ergeb­nis­qua­li­tät mit eini­gen sehr nütz­li­chen Zusatz­funk­tio­nen ver­band. Bes­ser wird sie aber nicht; (am ver­gan­ge­nen Sonn­abend war übri­gens Welt­tag des Semi­ko­lons) neu­er­dings, behaup­tet „hei­se online” ent­ge­gen der Dar­stel­lung des Duck­Duck­Go-Grün­ders, wür­den dort neben all­zu rus­si­schen auch raub­mord­ent­füh­rungs­freund­li­che Web­sites wie The Pira­te Bay zen­siert. Das scheint nicht zu stim­men, aber selbst, wenn’s so wäre: unser­eins hat nicht nur einen Plat­ten­spie­ler, son­dern auch so sei­ne Quel­len für, ähem, aus­gie­bi­ge Hörproben.

So eine Rei­se durch den Hör­pro­ben­sta­pel bringt den der­art reich aus­ge­stat­te­ten Kon­su­men­ten gele­gent­lich und bekann­ter­ma­ßen zu sehr far­ben­fro­hen Land­schaf­ten. Bei Soft Grid muss­te ich lan­ge über­le­gen, mit wel­chem Stück vom Album „Corol­la” ich die Woche ein­läu­te. Es ist das Titel­stück geworden.

Soft Grid – Corol­la (Offi­cial Video)

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Medi­en­kri­tik XCII (Nach­trag): Kokos-Nüs­se mit der „Cos­mo­po­li­tan”.

Was hab’ ich im Juni 2015 gelacht, als die Redak­ti­on der „JOY” allen Ern­stes einen „Grape­fruit-Blo­wjob” emp­fahl. Die­ses Lachen habe ich seit­dem mit eini­gen ande­ren Men­schen geteilt, sie alle hal­ten allein den Gedan­ken dar­an schon für vor­ran­gig klebrig.

Ich habe ja ange­nom­men, seit 2015 habe sich wenig­stens die Welt der Sex­trends wei­ter­ge­dreht. Nichts Übles ahnend schau­te ich gera­de bei der „COS­MO­PO­LI­TAN” nach dem Rech­ten und fand die­se Annah­me bestä­tigt vor – Grape­fruits sind jetzt out, in hin­ge­gen ist das Mastur­bie­ren mit Kokosnüssen:

Spä­ter wur­de auch ein Name für die­se Vor­lie­be erfun­den. Ein Neo­lo­gis­mus wur­de geschaf­fen. Eine Wort­kom­bi­na­ti­on aus Coco­nut und „to nut“ was so viel wie eja­ku­lie­ren bedeu­tet. Gebo­ren wur­de das Coco Nut­ting – nach­ma­chen auf eige­ne Gefahr!

Aus gesell­schafts­theo­re­ti­scher Sicht fän­de ich es ja durch­aus ange­nehm, wür­den die Mache­rin­nen von Frau­en­ma­ga­zi­nen end­lich damit auf­hö­ren, Lebens­mit­tel über Penis­se stül­pen oder stül­pen las­sen zu wollen.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Mehr Jans für Deutsch­land! (8): Das Kompetenzchromosom.

Jah­re­lang reg­te ich mich dar­über auf, dass die Poli­tik Kom­pe­tenz als eine über­haupt nicht rele­van­te Qua­li­tät eines Mini­sters aner­kennt, son­dern Exper­ti­se eher für einen tak­ti­schen Nach­teil zu hal­ten scheint, aber das ist jetzt vor­bei:

Par­tei­che­fin Lang hat­te klar gemacht, dass eine Frau auf Spie­gel fol­gen sol­le und Kom­pe­tenz eine wich­ti­ge Vor­aus­set­zung sei. Für die Grü­nen ist aller­dings auch die Zuge­hö­rig­keit zu einem der Flü­gel, Rea­los oder Lin­ke, ein wich­ti­ges Kriterium.

Neue Fami­li­en­mi­ni­ste­rin gewor­den ist daher Lisa Paus, stu­dier­te Volks­wirt­schaft­le­rin und Poli­tik­wis­sen­schaft­le­rin und auch sonst bis­her nicht fami­li­en­po­li­tisch in Erschei­nung getre­ten. (Man könn­te dar­über strei­ten, ob es im Jahr 2022 noch zeit­ge­mäß ist, dass das Fami­li­en­mi­ni­ste­ri­um immer vom sel­ben der drei Geschlech­ter besetzt wer­den soll, aber das will ich gera­de nicht.)

Zuge­ge­ben: Ricar­da Lang hat­te nicht „klar gemacht”, dass die wich­ti­ge Vor­aus­set­zung Kom­pe­tenz sich unbe­dingt auf den kon­kre­ten Posten bezie­hen müs­se. Jemand, der mal was stu­diert hat, ist ja durch­aus mög­li­cher­wei­se in den Stu­di­en­fä­chern kom­pe­tent. Trotz­dem hät­te ich lie­ber eine Exper­to­kra­tie, eine Herr­schaft derer, die wis­sen, wovon zur Höl­le sie über­haupt reden.

Das dür­fen dann gern auch Frau­en sein.

(Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7)

Netzfundstücke
💩 (10)

Puh, na „end­lich”:

Neu­es Paper: Vor­schlag für ein Impf-Emo­ji, um die digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­on zu verbessern.

Als ich noch jung weni­ger alt war, gab es exakt drei Emo­ti­cons (so hei­ßen „Emo­jis”, die meist um 270 Grad [die deutsch­spra­chi­ge Wiki­pe­dia faselt der­zeit irgend­was von „90 Grad”, aber das wäre anders­rum] gedreht wor­den sind und aus­schließ­lich den ASCII-Zei­chen­satz ver­wen­den), die uns voll­kom­men gereicht haben, um alle rele­van­ten Ergän­zun­gen zu text­li­chen Aus­füh­run­gen vor­neh­men zu kön­nen: :-), :-( und ;-). Ich fin­de nicht, dass uns damals ein Impf-Emo­ji gefehlt hat.

Aber wir haben ja Platz für so was. Den müs­sen wir voll­ma­chen. Aus Gründen.

Wirtschaft
Stellt euch den Genuss ein­fach vor.

Die Bren­ne­rei Ard­beg, bekannt für zwar viel zu teu­re, aber doch recht köst­li­che rau­chi­ge Whis­kys, hat­te, lässt sie über einen News­let­ter ver­mel­den, eine ganz tol­le Idee:

Ard­beg Fon Fhòid ist ein limi­tier­ter Release mit 456 vir­tu­el­len Fla­schen, der ab dem 19. April welt­weit und exklu­siv auf BlockBar.com erhält­lich sein wird. Block­Bar han­delt NFTs (Non-Fun­gi­ble Token) als digi­ta­le Ver­mö­gens­wer­te für eine Viel­zahl beson­de­rer Destil­la­te auf sei­ner Platt­form. (…) Die­ser kann auf­be­wahrt, gehan­delt oder in eine phy­si­sche Fla­sche getauscht werden.

Zur Unsin­nig­keit von NFTs – also von vir­tu­el­len Anteils­schei­nen an eben­so vir­tu­el­len Gütern, d.h. belie­big und frei kopier­ba­ren Waren – ist anders­wo schon hin­rei­chend aus­führ­lich refe­riert wor­den, daher erlau­be ich mir statt­des­sen fol­gen­den Kom­men­tar: Sei­ne Kun­den für eine sehr limi­tier­te Abfül­lung (erfah­rungs­ge­mäß sind das bei Ard­beg sol­che, die auf kei­nen Fall jemals jemand trin­ken wür­de, weil: ist ja teu­er, ist ja Wert­an­la­ge) bren­ne­rei­üb­li­che Prei­se – zur­zeit liegt der „Preis” für die „Fla­sche”, eti­ket­tiert als 1 Ethe­re­um, bei etwa 3.000 US-Dol­lar – zah­len zu las­sen und ihnen dann mit ihrem Ein­ver­ständ­nis bloß ein vir­tu­el­les Irgend­was zu schicken, das sie sich dann „auf­be­wah­ren” (also hübsch ins digi­ta­le Whis­ky­re­gal) legen sol­len, aber sich dann nicht mal, fru­striert über die­se unglaub­lich dum­me Idee, mit dem Neu­erwerb einen rein­lö­ten kön­nen; Respekt, Ard­beg – die Nische der­je­ni­gen, die ich auf gar kei­nen Fall jemals auf einem Whis­ky­ta­sting sehen woll­te, habt ihr ziel­si­cher ent­deckt und besetzt.

Gut, Rum ist ja auch mal ganz schön.

Nerdkrams
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Wer­be­blocker gegen den Frieden

Auch die Soft­ware­welt ist seit der Ukrai­ne­sa­che – die ande­ren Krie­ge sind hier­zu­lan­de ja weit­ge­hend egal, sie tref­fen ja nur Frem­de – nicht frei von andau­ern­der poli­ti­scher Ansichts­äu­ße­rung. Mei­ne Beach­tung erfährt der­zeit fol­gen­der Hin­weis von der Web­site des Musik­spie­lers foobar2000:

Die Wer­be­ein­nah­men auf foobar2000.org der ver­gan­ge­nen zwei Mona­te wur­den zwecks Unter­stüt­zung ukrai­ni­scher Kriegs­flücht­lin­ge gespendet.

(Über­set­zung von mir.)

Nun ist’s natür­lich die per­sön­li­che Vor­lie­be jedes Wer­be­trei­ben­den, was er mit dem Geld anzu­fan­gen gedenkt, und wenn er’s halt nicht ver­sau­fen, son­dern ver­schen­ken will, bleibt’s ihm unbe­nom­men; allein: Wer­be­blocker waren, sind und blei­ben digi­ta­le Selbst­ver­tei­di­gung, ihre Nut­zer (dar­un­ter auch ich) sehen auf foobar2000.org ledig­lich den Text „adver­ti­se­ment”, jedoch kei­ne Werbung.

Da die Poli­tik aber gera­de alles weg­ver­bie­ten zu kön­nen prüft, was irgend­wie nach ange­wand­ter mili­tä­ri­scher Ukrai­ne­kri­tik aus­sieht (vom Buch­sta­ben Z bis hin zur rus­si­schen Flag­ge), kommt mir als altem Netz­po­li­ti­ker völ­lig unab­hän­gig von mei­ner per­sön­li­chen Hal­tung in vor­be­zeich­ne­ter Ange­le­gen­heit ins­be­son­de­re fol­gen­de Sor­ge in den Sinn: Zwar schei­tert das BWL-Geschmeiß seit Jahr und Tag am Ver­such, die Selbst­be­stim­mung des Rezi­pi­en­ten in Form des lokal wer­be­frei­en Webs gericht­lich ver­bie­ten zu las­sen, aber wird das auch noch so lau­fen, wenn irgend­ein fin­di­ges Arsch­loch aus dem Rekla­me­ge­schäft Wer­be­blocker unter Bezug­nah­me auf Bei­trä­ge wie den oben zitier­ten des foo­bar2000-Ent­wick­lers als gegen ukrai­ni­sche Flücht­lin­ge gerich­tet anprangert?