Sonstiges
Medienkritik in Kürze: Vom richtigen Umgang mit der Generation Fax

Es titelt der dieswöchige „SPIEGEL” dumm, aber glücklich:

Mein Kind, sein Handy und ich: Vom richtigen Umgang mit der Generation Smartphone

Fast hundertmal am Tag, fand man bei der Redaktion aus der Generation Fax heraus, sehe ein typischer Smartphonenutzer, zumeist natürlich jugendlich, auf das Gerät, das ihm Briefkasten, Telefon, Notizblock, Schreibmaschine, Musikspieler, Supermarkt, Spielkonsole, Fernseher, Tageszeitung und Buch zugleich ist. Worte können meine Fassungslosigkeit kaum beschreiben.

In den NachrichtenPolitik
Gute Juden, schlechte Juden

Nehmen wir an, es gebe eine einigermaßen große Gruppe von Menschen, die jahrhundertelang bloß aufgrund ihrer Weltanschauung mal mit Worten, meist aber mit Taten vom gesellschaftlichen Leben (oder: dem Leben insgesamt) ausgeschlossen wurde; nicht nur, aber vorübergehend auch und vor allem in einem bestimmten Land. Nehmen wir weiterhin an, dass, nachdem dieses bestimmte Land diesbezüglich zur Besinnung gekommen war, jahrzehntelang weitgehend Friede zwischen den Weltanschauungen herrschte.

Nun habe sich aber weiterhin in besagtem Land in den letzten Jahren eine weiterhin steigende Zahl an Menschen angefunden, deren übersteigerte Form der Weltanschauung eine Bekämpfung der zuvor verfolgten Gruppe quasi voraussetzt, und nur eine der politischen Parteien dieses Landes spreche sich kompromisslos dafür aus, diese steigende Zahl von Kämpfern wieder auf ein vernünftiges Maß zu beschränken. Teile der zuvor und nun wieder verfolgten Gruppe also fänden sich in dieser politischen Partei zusammen, um der Lebensgefahr für die Ihren etwas entgegenzusetzen; dies aber habe nicht etwa zur Folge, dass ihren Sorgen mehr Gehör geschenkt würde, sondern, dass der andere Teil der Ihren sich argumentativ den Aggressoren anschlösse, denn es sei eines Verfolgten unwürdig, sich gegen sein unweigerliches Schicksal politisch zu wehren.

Wie bizarr, peinlich gar, fänden wir es, wäre das Land nicht das unsere?

MontagsmusikPolitik
Rotor – Costa Verde

Es ist immer noch Wetter.Es ist Montag. Unter größtmöglicher Anstrengung haben die nordrhein-westfälischen Grünen herausgefunden, dass es „keinen Planeten B” gebe. Wohin man sie für solche Sätze schießen möchte, sei hier nicht weiter ausgeführt; nach China jedenfalls nicht, denn dort leben Pandabären und die haben solche Gesellschaft nun wirklich nicht verdient.

Unter medialem Beifall wird derzeit die junge „Hanfpartei”, die sich als „die wahren Sozialdemokraten” (ebd.) versteht, eilends wahlfein gemacht. Mit ihren „sozialdemokratischen Inhalten” seien sie „mehrheitsfähig”, teilte der Bundesvorsitzende in dem auch sonst für Nichtmitglieder sehr lustigen Interview mit. Da werden sich die Altparteien jetzt bestimmt Gedanken machen. – Apropos Parteien: Die „Me-Too”-Aufschreierei rettet in den USA gerade den Republikanern die Umfragewerte. Mir scheint das wie mit den Anglerfischen zu sein, die ja auch vor allem hässlich sind und sich voneinander ernähren.

In London hat sich derweil ein Kunstwerk nach dem Kauf selbst zerstört. Ich finde es bedauerlich, dass das so selten mit Musik mit Phil Collins passiert, denn andernfalls wäre in den Plattenläden mehr Platz für gute Beschallung.

Zum Beispiel für diese:

Rotor – Costa Verde, uncut (Live in Lobbese, Summer'09)

Guten Morgen.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Grüner Sexismus und Münchener Keuschheit

Die Frauenquote bei den Bundesgrünen beträgt etwa 39 Prozent. Ich finde das ziemlich sexistisch und unterdrückerisch. Bevor sich aber jemand angemessen darüber aufregen konnte, zogen die Grünen im Münchener Stadtrat – dort drittstärkste Kraft – schnell die Aufmerksamkeit auf sich:

Die Vertragspartnerin ist verpflichtet, Werbeaufträge zurückzuweisen, deren Inhalte gegen eine behördliche Anordnung, gegen allgemeine Gesetze, gegen die guten Sitten oder die Menschenwürde verstoßen. Dies gilt auch für sexistische Werbung.

Da das Belästigen mit Reklame ebenso wie die Absicht, Passanten mit plumpen Werbelügen für dumm verkaufen zu wollen, gegen gute Umgangsformen verstößt, lässt diese Formulierung nur den Schluss zu, dass nicht nur „sexistische”, sondern sämtliche Werbung in München fortan verboten sein wird; was mir, wenn das die Vertragspartnerin nur auch so sähe, einen gewissen Respekt abverlangte. Ist aber wohl leider anders gemeint.

In den NachrichtenNerdkrams
Seid Terroristen! (4)

„The Independent”, 25. September 2015:

[Der britische Geheimdienst] GCHQ hat laut Dokumenten des NSA-Whistleblowers Edward Snowden eine Übung in Massenüberwachung durchgeführt, im Rahmen derer er Informationen über „jeden sichtbaren Nutzer des Internets” gesammelt hat.

„tagesschau.de”, 4. Oktober 2018:

Die britische Regierung wirft Russland vor, großangelegte Cyberattacken in der ganzen Welt auszuführen. Der russische Geheimdienst soll hinter Angriffen auf westliche Staaten und Institutionen, wie auf den Bundestag, stecken. (…) Großbritannien und Dänemark haben demnach bereits zugesagt, dem Bündnis ihre offensiven Cyber-Fähigkeiten für Gegenschläge zur Verfügung zu stellen.

Der richtige Tag, um Terrorist zu werden, ist heute.

In den NachrichtenPolitik
Tag der deutschdeutschen Einheit

Es SPONt gewohnt bizarr:

Neben dem Tag der Deutschen Einheit sollte es nach Ansicht von Migrantenverbänden auch einen „Tag der deutschen Vielfalt” geben. Das fordern die „Neuen Deutschen Organisationen” in einem Appell. (…) „Es ist wichtig, dass die Wiedervereinigung jedes Jahr symbolisch gefeiert wird”, heißt es in dem Papier. Doch die deutsche Einheit werde üblicherweise „aus einer rein ‘weißen’ Sicht betrachtet – deutschdeutsche Ostdeutsche wiedervereint mit deutschdeutschen Westdeutschen”, kritisieren die Verbände.

Die deutsche Einheit – immerhin noch ein weniger falsches Wort als „Wiedervereinigung”, denn es wurde nichts wieder vereint, was vorher in der Form schon mal zusammen war – ist somit fraglos als Instrument rassistischer Herrenmenschen anzusehen. Der antifaschistische Schutzwall zeigt seinen Wert erst nach dem Fall. Meinen Lösungsvorschlag will wahrscheinlich aber wieder keiner hören.


Zu Recht nicht mitbekommen: „Herzogin Meghan macht selbst Autotür zu – Twitter-Nutzer flippen aus: ‘Bodenständig und bescheiden'”, die Stellvertretermonarchie stillt die Sehnsucht der Schwachen nach einem starken Führer eben immer noch hinreichend.

In den NachrichtenPolitik
Kurz angemerkt zu den Umfragewerten künftiger Europaparteien

Es wäre vermessen, eine Kausalität aus der Korrelation zu folgern, dass kurz nach einem Schaulaufen der, glaubt man ausnahmsweise dem „Neuen Deutschland”, sich selbst als zivile türkische Armee bezeichnenden rechtsradikalen Deutschtürken in Köln die Umfragewerte zur nächstjährigen Wahl des Europaparlaments die Splitterpartei SPD, von der Martin Greive und Dietmar Neuerer noch im August dieses Jahres für das „Handelsblatt” mutmaßten, sie drohe ihren „Status als Volkspartei zu verlieren”, als wären Vereine, die sich früher als Partei der Arbeiter bezeichneten, fast dreißig Jahre nach dem Ende des bislang letzten deutschen Bauernstaats (Schleswig-Holstein zählt nicht) noch zu mehr als bloß einem musealen Kuriosum geeignet, zugunsten einer Partei, deren Gegner sämtliches inhaltliche Pulver verschossen zu haben scheinen und daher um so verbissener mit der Platzpatrone um sich schießen, einfach noch ein bisschen lauter „Nazis!” zu brüllen – denn wer beleidigt wird, der braucht bekanntlich keine weitere Überzeugung -, dergestalt Federn lassen muss, dass ich schon jetzt die von ihr in scheinbarer Selbstmordabsicht veranlasste Einführung einer ausreichend hohen Hürde für den Einzug ins Parlament kaum abwarten kann; aber beachtlich ist es allemal.

ComputerIn den NachrichtenMontagsmusik
Oh Sees – Moon Bog

Endlich wieder Herbst!Es ist Montag. In sechs Jahren wird zugunsten irgendwelcher Balltreterei wieder einmal ein Teil der Grundrechte deutscher Bürger außer Kraft gesetzt. Toooor! Eigentlich ist schon wieder Mond-und-Käuzchen-Wetter, aber es ist ihnen wahrscheinlich einfach zu laut.

Der „Atlantic” hat Angst, dass der kommende Präsident der USA derselbe bleiben wird, und kleidet das in wenig verblümte Worte. Das muss dieser unaufgeregte Journalismus sein. Andererseits reden wir hier immerhin von den USA, einem Staatenbund, in dessen Hochschulen Aufklärung zu vermeiden ist. Gott will es so.

Moderne EDV verblödet. Das geht so weit, dass iPhone-Xs-Nutzer bereits über „zu schöne Selfies” klagen. Es wäre wirklich unangemessen von mir, daraus Aussagen über den typischen Applekunden herzuleiten, aber wären sie schön, bräuchten sie ja kein iPhone. – Apropos EDV-Sorgen: Tim Berners-Lee möchte nach dem umwerfenden Erfolg von DRM im Webvideostandard jetzt auch das dezentrale Web kommerzialisieren. Ab wie viel Gaga wird ein Mensch heutzutage eigentlich zwangsverrentet? Bill Gates wird Landwirt – alles richtig gemacht.

Zum Glück selten in Rente geht jedenfalls Musik.

Guten Morgen.

Fotografie
Lecker Kotze

„Wir brauchen noch einen griffigen Produktnamen.”

„Was zeichnet das Produkt denn aus?”

„Hunde sollen es fressen.”

„Wie schmeckt es?”

„Also ich musste davon kotzen.”

„Ich hab’s!”

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Diverse Iren gehen nicht zur Schule.

Während sich in Deutschland gegen Ausländer (Syrer in Chemnitz, Erdoğan in Berlin), die Politik der Grünen (Hambacher Forst) und – unter scheinbar völliger Ignoranz des unbestrittenen Fakts, dass bislang noch jeder, der behauptete, der jeweilige Nachfolger könne nicht noch schlimmer werden, seinen Irrtum schneller einsehen musste als er es gehofft hatte – die Besetzung des Innenministeriums erregt wird, ist die Insel der grünen Täler und der Kochbiere gesellschaftlich schon einen Schritt weiter:

Grundschullehrer übermäßig oft weiß, irisch und katholisch: Die National University of Ireland, Galway fand heraus, dass Lehrer mit irischer Nationalität „deutlich überrepräsentiert” sind.

(Grauenvolle Übersetzung von mir.)

Irische Lehrer raus aus Irland! :motz:

In den Nachrichten
Nippelpanik!

Als ich im pubertierenden Alter war, hätte ich auf die Nachricht, im Wald halte sich eine beinahe bis völlig nackte Frau auf, vermutlich reagiert, indem ich mit meinen damaligen Freunden selbigen durchforstet hätte. Heutigen Siebtklässlern sollte man so etwas eigentlich auch zutrauen, immerhin sitzen sie ja heute ständig nur wenige Tastendrücke von Pornografie entfernt.

War aber nix:

Die Kinder wollen nach Angaben der Feuerwehr in der Nacht zum Donnerstag eine nackte Frau im Wald gesehen haben. Daraufhin seien mehrere von ihnen panisch geworden und hätten hyperventiliert. (…) Ein Notarzt habe sich um die Schüler gekümmert.

Die müssen sich über Verhütung jedenfalls schon mal keine Gedanken machen.


Apropos Jugend: Gegen meinen Willen wurde ich heute von einem vermeintlich wohlmeinenden Menschen auf die App „Tik Tok” (früher „Musical.ly”) hingewiesen. „t3n” stellte korrekt fest, dass man in meinem Alter wohl noch nicht davon gehört hat. Offensichtlich wächst dort eine ganze „Generation” – heutzutage ist ja alles eine eigene „Generation” – heran, die sich gewaltige Anhängerscharen erarbeitet, indem sie zeigt, dass sie weder besonders begabt noch besonders kreativ ist, erklärt ein Informationsartikel von Vodafone:

Zu Full-Playback-Liedern tanzen, turnen und gestikulieren die Nutzer vor der Smartphone-Kamera, während sie zeitgleich ihre Lippen synchron zu dem jeweiligen Song oder einem sonstigen Audioclip bewegen.

Früher hat man das Publikum für so was noch entschädigt. :aufsmaul:

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Lee Bains III & The Glory Fires – Ain’t No Stranger // Eisdemokraten

Na endlich!Es ist Montag. Experten streiten über Dinge. Wenn ich mal groß bin, will ich auch Experte und/oder Pandabärenbesitzer werden, bis dahin bin ich erst mal nur ein bisschen komisch.

Auch komisch: Während deutsche „Netzpolitiker” auf Bäume klettern oder in Sachsen schlimme „Musik” hören, lässt Donald Trump („böse”) die Betreiber sozialer Netzwerke auf politische Neutralität abklopfen. So wird das nichts mit der Teufelserzählung. Gleichzeitig wird in den USA Eiscreme kreiert, die angeblich von den Demokraten inspiriert worden sei, also wahrscheinlich irgendwie falsch und abgestanden schmeckt.

Aus Twitter vorzulesen ist jetzt Journalismus. Das ist gut, denn manchmal ist Twitter die einzige verfügbare Quelle, die dem Autor nicht mit einem Leistungsschutz droht. In diesem Twitter wurde jedenfalls dieser Tage auch diese Nachricht wiedergekäut: Die AfD zu hassen ist jetzt antisemitisch. Dass Hass im Allgemeinen selten ein empfehlenswerter Gefühlszustand ist, was den politischen Umgang miteinander betrifft, steht hierbei außer Frage. Gestern haben sich mehrere tausend Menschen in Deutschland getroffen, um miteinander darüber zu plaudern. Ganz schön anstrengender Abenteuerurlaub.

Die schönste Musik der 80er waren, wie jeder weiß, die Störgeräusche in UKW. Die schönste Musik anderer Jahrzehnte jedoch läutet auch diese Woche ein.

Lee Bains III and The Glory Fires – Ain't No Stranger

Guten Morgen.