In den NachrichtenNerdkrams
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Der Deutsch­land­funk kennt Tweet­Deck nicht.

Zu dem media­len Auf­riss um das Mikro­blog­sy­stem Mast­o­don und den zahl­rei­chen Jubel­schrei­en auf eben­die­sem Mast­o­don, dort gebe es ja „kei­ne Algo­rith­men“, mich zu äußern ergibt in der der­zei­ti­gen Begei­ste­rungs­wel­le durch­aus Sinn, denn von mei­nen Gebühren!!11! hat selbst der Deutsch­land­funk, ver­stärkt durch die Repli­ka­ti­on sei­tens der Tages­schau, Mast­o­don ange­prie­sen, indem er des­sen ver­meint­li­che Vor­tei­le her­aus­ge­stellt hat – und zwar falsch (Archiv­ver­si­on):

So gibt es nicht nur eine Time­line wie bei Twit­ter, son­dern gleich drei. (…) Die Bei­trä­ge in den Mast­o­don-Time­lines wer­den zudem nicht nach einem bestimm­ten Algo­rith­mus ange­zeigt, son­dern chro­no­lo­gisch ent­spre­chend dem Zeit­punkt der Veröffentlichung.

Natür­lich wer­den auch die „Bei­trä­ge in den Mast­o­don-Time­lines“ nach einem bestimm­ten Algo­rith­mus ange­zeigt. Jedes Com­pu­ter­pro­gramm hat min­de­stens einen Algo­rith­mus zur Grund­la­ge, und sei’s nur „zei­ge Daten auf dem Bild­schirm“, aber da kann man ja schon mal durch­ein­an­der­kom­men mit den Fremd­wör­tern. Ist bloß Tech­nik, davon muss man nichts ver­ste­hen, wenn man bloß dar­über berich­ten will.

Wich­ti­ger noch: „Twit­ter“ ist nicht gleich Twit­ter. Seit inzwi­schen über 14 Jah­ren exi­stiert mit Tweet­Deck, das seit 2011 (ich berich­te­te; die Links von damals sind aller­dings groß­teils ver­al­tet) selbst zu Twit­ter gehört und momen­tan kom­plett neu gestal­tet wird, ein also offi­zi­el­ler Twit­ter­cli­ent, der belie­big vie­le Time­lines anzei­gen kann (dar­un­ter auch die „glo­ba­le“, die bei Mast­o­don „föde­rier­te Zeit­lei­ste“ heißt und eben nicht netz­werk­glo­bal funk­tio­niert), die auch genau als das funk­tio­nie­ren, näm­lich als chro­no­lo­gisch sor­tier­te Listen neu­er Tweets. Nie­mals wur­de mir dort ein „beson­ders erfolg­rei­cher“ Tweet ange­zeigt, der von nie­man­dem geschrie­ben oder geteilt wor­den wäre, dem ich selbst fol­ge, und nie­mals sah ich dort rei­ne Wer­bet­weets. (Ob Elon Musk von der Exi­stenz von Tweet­Deck weiß?)

Dass die­ses Mast­o­don somit also genau das Glei­che zu lei­sten imstan­de ist wie Tweet­Deck, nur eben auf aus­wähl­ba­ren Ser­vern („Instan­zen“), böte mir, wäre ich nicht ohne­hin seit 2018 neben­bei dort ange­mel­det, ja zu wenig Anlass zur Anmel­dung. Aber ich bin ja auch bloß jemand aus dem Inter­net und kein Journalist.

In den NachrichtenNerdkrams
Open Source bedeu­tet Kor­rup­ti­on (2): Recht behal­ten, schade.

Fefe frag­te unter ande­rem sich letz­te Woche, war­um OpenS­SL noch nicht mit der ange­kün­dig­ten kri­ti­schen Sicher­heits­lücke raus­ge­rückt ist, damit man sich ihrer anneh­men kann. Im Janu­ar 2018 schrieb ich:

Ich fra­ge mich ja, wann wohl die erste Sicher­heits­lücke nur des­halb irgend­wo absicht­lich ein­ge­baut wird, damit man auch mal so ein Logo bekommt.

Das (gewohnt kack­blö­de) Logo für die neue OpenS­SL-Sicher­heits­lücke wur­de zusam­men mit Details zu die­ser Lücke heu­te ver­öf­fent­licht, und wäh­rend irgend­wel­che Makro- und Mikro­blogs sich hyste­risch der Fra­ge anneh­men, wie man jetzt wohl am schnell­sten die Lücke behe­ben könn­te (nun, zum Bei­spiel, indem man den untaug­li­chen Linux­krem­pel weg­wirft und statt­des­sen Open­BSD nutzt, Open­BSD ver­wen­det LibreSSL, LibreSSL hat das Pro­blem nicht, LibreSSL hat all­ge­mein sel­te­ner sol­che Pro­ble­me -), kom­me ich um ein zumin­dest ent­täusch­tes Kopf­schüt­teln nicht herum.

Das wäre natür­lich auch ein gutes Logo.

PersönlichesIn den NachrichtenMontagsmusik
The Psy­che­de­lic Furs – No One // Plei­te­wel­le wegen Spotify

MontagsbärEs ist Mon­tag. Heu­te Abend zie­hen wie­der als Bat­man (gru­se­lig) und/oder Elsa (super­gru­se­lig) ver­klei­de­te Kin­der von Haus zu Haus und ver­su­chen unter der Andro­hung von Gewalt („… oder Sau­res!“) mei­ne Lebens­mit­tel­vor­rä­te zu redu­zie­ren. Zum Glück habe ich recht­zei­tig dar­an gedacht, dass ich noch Ing­wer besor­gen muss.

Es scheint eine Zeit­lang eine Hela-Gewürz­ketch­up-Fan-Trink­fla­sche gege­ben zu haben, jedoch ist sie lei­der aus­ver­kauft. Deutsch­land ist selt­sam. In Düs­sel­dorf haben sie, wie die „Süd­deut­sche Zei­tung“ schrieb (will nicht ver­linkt wer­den, LSR), ein Bild von Piet Mon­dri­an jahr­zehn­te­lang falsch­her­um auf­ge­hängt und jetzt las­sen sie es so, weil das „sei­ne Geschich­te spie­gelt“. Was das sonst noch so alles spie­gelt, über­las­se ich aller­dings – wie auch die Ver­ant­wort­li­chen – der Vor­stel­lungs­kraft des Betrachters.

Das ist auch neu: Men­schen, die nie ein Wort mit mir gewech­selt haben, raten einer Freun­din, wie mir mit­ge­teilt wur­de, auf­grund von Din­gen, die sie irgend­wann mal über mich gehört haben, davon ab, mit mir befreun­det zu sein. Auf Twit­ter wür­de man die­se Men­schen jetzt wahr­schein­lich wegen ihrer Über­grif­fig­keit can­celn, aber in ihrer eige­nen klei­nen Fil­ter­bla­se mei­nen sie’s ja nur gut. Immer. Alle. Vor allem mit sich selbst, neh­me ich an.

Apro­pos Twit­ter; kei­ne Über­ra­schung für Ken­ner der Mate­rie und Musik­freun­de im All­ge­mei­nen: Auf Twit­ter (ja, klar: da ist jetzt „kei­ner mehr“, weil es ent­we­der unter- oder über-, auf jeden Fall aber falsch „regu­liert“ wird, wes­halb sie alle zu Mut­ti umzie­hen) hat ein Musi­ker sich dar­über aus­ge­las­sen, dass Spo­ti­fy und ähn­li­che „Dien­ste“ nicht unschul­dig dar­an sind, dass sei­nes­glei­chen sich die Musik kaum noch lei­sten kann. Teu­rer soll Spo­ti­fy nun auch wer­den, aber wer blau­äu­gig annimmt, die Mehr­ein­nah­men kämen maß­geb­lich den dar­auf hof­fen­den Gestream­ten zugu­te und nicht nur den Eig­nern des Kon­zerns, der hat die Mecha­nis­men des Mark­tes noch nicht so recht ver­stan­den, fürch­te ich. – Dem­nächst wird in sozia­len Medi­en wie­der die jeweils „per­sön­li­che“ Jah­res­be­sten­li­ste von Spo­ti­fy her­um­ge­reicht. Gute Gele­gen­heit eigent­lich, um dar­über nach­zu­den­ken, ob man es nicht las­sen sollte.

Musik gibt es ja auch anders­wo, zum Bei­spiel hier – und zur aktu­el­len Welt­la­ge passt sie auch noch.

The Psy­che­de­lic Furs – No One (Offi­ci­al Lyric Video)

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
Jesus­blocker fürs Herz

Dan­ke für den Tipp, Herr Franz:

Der Papst sprach vor allem eine War­nung für ange­hen­de Prie­ster aus: Por­no­gra­fie sei eine Sün­de. (…) Dann fügt er noch hin­zu: „So tritt der Teu­fel ein!“

Und drin­nen ist kein Platz, weil der ander­wei­tig Emp­fan­ge­ne sonst nicht in Ruhe die Füße hoch­le­gen kann:

„Das rei­ne Herz, das Jesus jeden Tag emp­fängt, darf sol­che por­no­gra­fi­schen Infor­ma­tio­nen nicht empfangen.“

Wer Por­nos guckt, hält also Jesus drau­ßen. Das kommt mir gele­gen, denn ich habe äußerst ungern anspruchs­vol­len Besuch. Hier bit­te kei­nen Jesus einwerfen.

MusikFotografie
Umfas­sen­de Kon­zert­kri­tik: Sigur Rós (27. Okto­ber 2022, Köln)

Wenn­gleich ich mit den ruhi­gen Stücken – das namen­lo­se Album mit den zwei Klam­mern auf dem Titel fin­de ich fürch­ter­lich dahin­plät­schernd – von Sigur Rós nur wenig anfan­gen kann, bin ich von den enor­men Gitar­ren­aus­brü­chen auf „Kvei­kur“ wie auch von der ange­neh­men Ein­gän­gig­keit auf „Með suð í eyrum við spilum end­al­aust“ doch hin­rei­chend begei­stert, um beschlos­sen zu haben, mir das dies­jäh­ri­ge Kon­zert in Köln ein­mal zu gönnen.

Nun mag ich die Stadt Köln nicht (zu lang­wei­lig, zu ver­win­kelt, kul­tu­rell zu anstren­gend) und das Pal­la­di­um ist aku­stisch eine ziem­lich unge­eig­ne­te Hal­le für fili­gra­ne Gitar­ren­mu­sik, aber sie haben ver­mut­lich das Beste dar­aus gemacht. Vom namen­lo­sen Album wur­de auch erfreu­lich wenig gespielt.

Sigur Rós (live)

Der Wech­sel zwi­schen kra­chen­den Erup­tio­nen und ruhi­gen Stücken war gelun­gen, allein das zumin­dest in der ersten Hälf­te des Kon­zerts nicht ver­nünf­tig weg­ge­misch­te Dröh­nen hel­ler Töne ver­moch­te den Genuss zu schmä­lern. Ich ver­mu­te, von wei­te­ren Kon­zer­ten im Pal­la­di­um wer­de ich Abstand hal­ten. Kein guter Ort.

WirtschaftIn den Nachrichten
Hoff­nung Dexit (12): Zwei Zahlen

„World Socia­list Web Site“:

Die offi­zi­el­le Armuts­quo­te ist 2021 auf 16.6 Pro­zent gestie­gen, was 13,8 Mil­lio­nen Armen ent­spricht. Das heißt, schon im letz­ten Jahr hat für immer mehr Arbeits­lo­se, Allein­er­zie­hen­de, Nied­rig­lohn­ar­bei­ter, Rent­ner das Geld nicht mehr zum Leben ausgereicht

Dem gegen­über „kurier.at“:

Ukrai­ne erwar­tet von Deutsch­land 500 Mil­lio­nen Dol­lar pro Monat[.] (…) Der deut­sche Bun­des­kanz­ler Olaf Scholz gab zu beden­ken, dass das Land künf­tig EU-Mit­glied sein soll.

Haha, die­se Bri­ten. Die wis­sen ja gar nicht, was ihnen ent­geht. – Ande­rer­seits: Soll­te man Arbeits­lo­se, Allein­er­zie­hen­de, Nied­rig­lohn­ar­bei­ter und Rent­ner viel­leicht auch ein­fach in die EU auf­neh­men? Viel­leicht lässt die SPD dann mit sich reden, was das Sozi­al­sy­stem betrifft.

Es ist nicht alles schlecht in Großbritannien.

In den Nachrichten
Got­tes­leug­nung illegal

„Legal Tri­bu­ne Online“, letz­ten Freitag:

Ein neu­er Absatz § 130 Abs.5 StGB stellt künf­tig das öffent­li­che Bil­li­gen, Leug­nen und gröb­li­che Ver­harm­lo­sen von Völ­ker­mord, Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit und Kriegs­ver­bre­chen unter Stra­fe, wenn die Tat in einer Wei­se began­gen wird, die geeig­net ist, zu Hass oder Gewalt auf­zu­sta­cheln und den öffent­li­chen Frie­den zu stören.

„tagesschau.de“, heu­te (Archiv­ver­si­on):

Im Iran droht eini­gen Demon­stran­ten die Todes­stra­fe. Ihnen wird „Krieg gegen Gott“ vorgeworfen.

Sie­he auch: § 166 StGB. Dar­auf drei iro­ni­sche Vaterunser.

MontagsmusikIn den Nachrichten
My Slee­ping Kar­ma – Maya Shak­ti // Umstrit­ten siegt

Was fehltEs ist Mon­tag. Der umstrit­te­ne Ober­bür­ger­mei­ster von Tübin­gen wur­de klar im Amt bestä­tigt, was das Wort „umstrit­ten“ wun­der­voll illu­striert. Ich bin selbst umstrit­ten, ich füh­le da mit.

Es soll ja nie­mand behaup­ten, die Welt der EDV sei von feh­len­der Bestän­dig­keit geprägt: Der kom­men­de COBOL-Stan­dard nimmt For­men an. Ich mag COBOL, weil es so gut les­bar ist. Scha­de, dass die Men­schen statt­des­sen so viel in Java­Script und Python pro­gram­mie­ren. Das ist doch nicht schön! – Schon schön: Wenn die Bahn freu­dig bekannt­gibt, dass ein Zug nicht ausfällt.

Gute Nach­rich­ten aus den USA: Luft­ver­schmut­zung mache dick, ent­neh­me ich der Bericht­erstat­tung über irgend­ei­ne Stu­die. Pri­ma. Jetzt habe ich eine Ausrede.

Mit Koch­kraft durch KMA begeg­ne­te mir (vor der Büh­ne) am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de eine Musik­grup­pe (auf der Büh­ne), deren Exi­stenz ich trotz ihrer frü­he­ren Zusam­men­ar­beit mit Leit­ke­gel ganz ver­ges­sen hat­te. Zu viel Zeug, zu wenig Zeit, inso­fern schön, das nach­ge­holt zu haben. Die­se Woche beginnt trotz­dem mit ande­rer Musik. Auf ande­re Musik habe ich heu­te mal Lust.

Groo­ve gefällig?

MY SLEEPING KARMA – Maya Shak­ti (Visua­li­zer) | Napalm Records

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Der hei­ße Herbst der Anderen

Die Lin­ke, ent­neh­me ich den Nach­rich­ten vom Wochen­en­de, „strei­te“ sich um den rich­ti­gen Umgang mit Sahra Wagen­knecht, eine „selbst­zer­stö­re­ri­sche Streit­kul­tur“ wird beklagt. Da hat sich der Zuwachs um alt­ge­dien­te Pira­ten­po­li­ti­ker sei­ner­zeit ja rich­tig gelohnt. Der jüng­ste Ein­wand gegen Sahra Wagen­knecht, der aus der Par­tei her­aus­schallt, ist ein merk­wür­di­ger Wett­be­werb: Wer wohl die gefähr­lich­ste Par­tei im Bun­des­tag sei – die Grü­nen (sagt Sahra Wagen­knecht) oder die AfD (sagt Diet­mar Bartsch). Nie­mand soll behaup­ten, die ver­meint­lich poli­ti­sche Lin­ke küm­me­re sich gar nicht mehr um die wirk­lich wich­ti­gen Fra­gen der Gesellschaft.

Der „hei­ße Herbst“, der in einer Zeit rasen­der Infla­ti­on Demon­stra­tio­nen gegen die Regie­rung mit sich brin­gen soll, wird von den Demo­kra­tie­ab­ge­ge­be­nen vom WDR sicher­heits­hal­ber bereits ein­ge­ord­net (Archiv­ver­si­on): Wer die wirt­schaft­li­chen Kon­se­quen­zen aus der bemer­kens­wert treff­si­cher nichts außer dem eige­nen Fuß tref­fen­den Sank­ti­ons­pi­sto­le „gegen“ den Rus­sen anpran­gert, der muss zwei­fel­los rechts­po­pu­li­stisch sein. Frü­her hat­ten Jour­na­li­sten ja mal eine inter­es­san­te­re Auf­ga­be als die poli­ti­sche Ein­ord­nung zivil­ge­sell­schaft­li­cher Pro­te­ste, aber die Wahl­er­fol­ge der AfD schei­nen eini­ges im Wer­te­sy­stem ver­scho­ben zu haben.

So hat man als von den „Sank­tio­nen“ tat­säch­lich nega­tiv Betrof­fe­ner (es sind nie Rus­sen, es sind nie­mals Rus­sen) letzt­end­lich zwei denk­ba­re Mög­lich­kei­ten, sei­nem Unmut Aus­druck zu ver­lei­hen: Sie schwei­gend hin­neh­men – oder eben doch demon­strie­ren, dann gern im Rah­men grö­ße­rer Demon­stra­tio­nen, denn ein Kas­per mit einem Schild hat kaum eine Macht, bis er sich mit vie­len ande­ren Kas­pern mit jeweils einem Schild zusam­men­schließt. Sicher: Dies ist, allen Unken­ru­fen zum Trotz, noch immer nicht die Wei­ma­rer Repu­blik, in der die Arbei­ter­klas­se schlag­kräf­tig und oft nicht sehr fried­fer­tig für Frie­den und Gerech­tig­keit ein­trat. Stra­ßen­schlach­ten wür­den nie­man­des Pro­ble­me lösen. Neu ist aber die Äqui­di­stanz der öffent­li­chen Mei­nung zu den Lin­ken und den Rech­ten. Sie bekla­gen das Wie­der­auf­tau­chen des Huf­ei­sens und sind es selbst, die es im Mun­de füh­ren, wenn sie sozia­le Pro­te­ste ein­ord­nen. Ihnen hät­te kaum Bes­se­res als die AfD pas­sie­ren kön­nen, denn allein ihre Zustim­mung zu einem Anlie­gen genügt, um das Anlie­gen als falsch misszuverstehen.

In der Wei­ma­rer Repu­blik waren die Unzu­frie­de­nen weni­ger zöger­lich, denn das gemein­sa­me Anlie­gen von „Links“ und „Rechts“, die Über­win­dung der bestehen­den Poli­tik auf die eine oder die ande­re Wei­se, sorg­te nicht dafür, dass ihre dar­über hin­aus­ge­hen­den Unter­schie­de in der Betrach­tung negiert wur­den. Ein schlich­tes „aber die sind rechts!“ ist nur begrenzt lan­ge ein gewich­ti­ge­res Argu­ment als die Heiz­ko­sten­ab­rech­nung und soll­te aus­ge­rech­net die spä­te Nach­fol­ge­rin der USPD, die Lin­ke, nicht dazu bewe­gen, die­je­ni­gen abzu­wei­sen, die sich gera­de jetzt auf ihre poli­ti­sche Schüt­zen­hil­fe ver­las­sen kön­nen müssten.

Nichts von dem, was zu pas­sie­ren droht, löst in mir ein zufrie­de­nes Schmun­zeln aus.

Persönliches
Fah­ren­heit: Weil das metri­sche System nicht immer das beste ist.

Ein Selbst­ex­pe­ri­ment: Ich habe mei­ne Tem­pe­ra­tur­an­zei­gen – ganz ohne sie kommt ja kaum ein mobi­ler Com­pu­ter heut­zu­ta­ge noch aus – heu­te von Cel­si­us auf Fah­ren­heit umge­stellt. Der Aus­lö­ser dafür waren eine Import­do­se Dr Pep­per mit zwölf Flüs­si­gun­zen Inhalt und eine lose damit ver­bun­de­ne Dis­kus­si­on über das metri­sche System im IRC.

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Netzfundstücke
Tja.

Akt I:
Einen Labor­kit­tel anzie­hen, damit man als „Wis­sen­schaft­ler“ erkannt wird und nicht ein­fach für einen ver­wirr­ten Voll­pfo­sten gehal­ten wird.

Akt II:
Sich im Por­sche­pa­vil­lon in der Auto­stadt fest­kle­ben, um für das Kli­ma zu demonstrieren.

Akt III:
Volks­wa­gen erhöht das Fle­hen und spart im Por­sche­pa­vil­lon für die Dau­er der Beset­zung Ener­gie (Licht und Wär­me) ein.

Akt IV:
Die Fest­ge­kleb­ten im „Hun­ger­streik“ kla­gen auf Twit­ter: Es ist kalt, es ist dun­kel, es gibt an der Kle­be­stel­le kein Klo und es wird nicht mal anstän­di­ges Essen geliefert.

Ich wer­de die­ses ent­wür­di­gen­de Schau­spiel archi­vie­ren, falls ich im Aus­land mal gefragt wer­de, was das deut­sche Wort „tja“ eigent­lich bedeutet.

PolitikIn den Nachrichten
Der Antrag von links

Im deut­schen Par­la­men­ta­ris­mus fin­de ich der­zeit sol­che Nach­rich­ten am beeindruckendsten:

Der Ver­kehrs­aus­schuss des Bun­des­tags hat einen Antrag der Ver­tre­ter der Links-Frak­ti­on für ein all­ge­mei­nes Tem­po­li­mit von 130 km/h auf deut­schen Auto­bah­nen abge­lehnt. SPD und Grü­ne stimm­ten zwar eben­so wie CDU/CSU, FDP und AfD gegen den Antrag von links, stell­ten aber klar, dass sie ihn inhalt­lich unterstützen.

Wis­sen die, dass ein Klick aufs „Like“ kei­ne juri­sti­sche Rele­vanz hat?

In den Nachrichten
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 18. Okto­ber 2022

„ZDF heu­te“ bedau­ert (Quel­le): Die min­de­ste Art zu ste­hen („Min­dest­stand­art“) wer­de im „Fach Mathe“ ver­fehlt. Kein Pro­blem für das ZDF: Ein Min­dest­stan­dard im Deutsch­un­ter­richt (hier­zu sie­he auch: Text­ta­feln in der für acht­sa­mes Deutsch nicht unbe­dingt bekann­ten „heu­te-show“) ist für eine Kar­rie­re in der Nach­rich­ten­re­dak­ti­on nicht notwendig.


Gute Nach­rich­ten: An der Uni­ver­si­tät von Bos­ton wur­de eine Coro­na­va­ri­an­te gezüch­tet, die für Mäu­se mit 80 Pro­zent Wahr­schein­lich­keit töd­lich ist. Ein Hoch auf die Wissenschaft!


Wit­zi­ge Idee des Tages: Die Ukrai­ne kann den US-Ame­ri­ka­nern die gelie­fer­ten Waf­fen nicht mehr zah­len? Kein Pro­blem: Soll doch die EU zah­len. Haha, die­se Bri­ten. Die wis­sen ja nicht, was ihnen ent­geht. Hahaha.


Apro­pos: Die von der schreck­li­chen EU geplan­te Voll­über­wa­chung der intim­sten Kom­mu­ni­ka­ti­on aller Bür­ger ist völ­lig über­ra­schend rechts­wid­rig, wird also ver­mut­lich erst wäh­rend der Fuß­ball­welt­mei­ster­schaft ein­ge­führt. Da guckt kei­ner hin.


Das all­jähr­li­che Stell­dich­ein der Berufs­teen­ager mit dem frag­wür­di­gen Klei­dungs­stil und den bekleb­ten Mac­Books mit Ubun­tu drauf („Cha­os Com­mu­ni­ca­ti­on Con­gress“) fällt die­ses Jahr aus. Das ist bedau­er­lich. Ich hat­te mir doch schon fest vor­ge­nom­men, absicht­lich nicht hinzufahren!

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Yel­low Swans – Being There

Yellow Swans - Being ThereLan­ge nichts mehr über Musik geschrieben.

Von 2001 bis unge­fähr 2009 exi­stier­te das US-ame­ri­ka­ni­sche Duo Yel­low Swans, das dazu neig­te, dem eige­nen Band­na­men ein zusätz­li­ches Wort mit „D“ (Dove Yel­low Swans, Drea­med Yel­low Swans und so wei­ter) vor­an­zu­stel­len. In die­ser Zeit haben die bei­den Her­ren, weiß das Inter­net, je nach Zähl­wei­se bis zu 70 ver­schie­de­ne Ton­trä­ger (dar­un­ter auch Live­auf­nah­men und Split-EPs) auf­ge­nom­men und ver­öf­fent­licht. Respekt.

Die letz­te offi­zi­el­le Ver­öf­fent­li­chung war die des Albums „Going Places“ (2009; Amazon.de, Band­camp, TIDAL), das 2010 in einer deut­lich län­ge­ren Ver­si­on ver­öf­fent­licht wur­de, indem vier wei­te­re Stücke unter dem Titel „Being The­re“ (schö­nes Wort­spiel auch) ange­hängt wur­den. Zusam­men haben die­se vier Stücke eine Dau­er von einer Stun­de und acht­ein­halb Minu­ten. Nie­mand soll anneh­men, hier wür­de bloß der Auf­nah­me­rest verklappt.

Zumal’s eine gewis­se Strin­genz hat: „Foi­led“ (von „Going Places“) steht auf „Being The­re“ das eröff­nen­de „Foil“ ent­ge­gen und sti­li­stisch passt’s sowie­so: Noi­se („Geräusch­mu­sik“, wie es auto­ma­ti­sche Über­set­zungs­pro­gram­me auf irgend­wel­che Web­sites schrei­ben) par excellence.

Yel­low Swans – Foil

Passt.