KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: At the Drive-In – Diamanté

At the Drive-In - DiamantéVon 1993 bis 2001 bestand die texanische Post-Hardcore-Band At the Drive-In, die in einschlägigen Musikmedien als – um nicht schon wieder dieses unsägliche Wort „abfeiern“ zu verwenden – ziemlich gut beschrieben wurde. Aus Gründen wurden aus ihr dann jedoch zwei verschiedene Gruppen, nämlich die mir völlig unbekannten Sparta und die mir in recht positiver Weise bekannten The Mars Volta. Letztere Gruppe nannte ich vor ein paar Jahren „Krawallbengels“ und kurz darauf hatte ich sie dann auch verstanden.

Seit 2012 sind At the Drive-In jedoch wieder vereint, wobei mittlerweile an der Personalschraube geringfügig gedreht wurde: Mitgründer Jim Ward wurde 2016 durch Keeley Davis von Sparta ersetzt, sonst ist alles beim Alten. Nach dem ersten Studioalbum nach 16 albenfreien Jahren, dem von mir 2017 gänzlich unterschlagenen „in•ter a•li•a“, erschien noch im November 2017 der/die/das EP „Diamanté“ (Amazon.de, TIDAL) mit drei Liedern, die mich in einem Maße erfreuen, das in mir den Wunsch hervorruft, mich doch noch mal ein bisschen genauer mit dem bisherigen Werk des Quintetts auseinanderzusetzen.

At The Drive In – Amid Ethics

Garagengitarren, Mitwipprhythmus, unscheißer Gesang – so leicht ist es, mich musikalisch zu begeistern. Dass es trotzdem so wenige Gruppen schaffen, spricht nicht für die Musikszene dieses Jahrzehnts. „Diamanté“ klingt wie ein Cocktail im Sommer auf der Autobahn (natürlich auf dem Beifahrersitz) – und das bei den derzeitigen Temperaturen!

Heiße Scheibe, insgesamt.

NerdkramsProjekte
In eigener Sache: Mailadressen weniger wütend validieren mit libvldmail.

Immer nur auf Webstandards herumzuhacken ist auf Dauer etwas eintönig. Darum hacke ich heute einmal auf einer anderen Gruppe von Standards herum: Mailadressen.

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Piratenpartei
#bpt181 (i. Vorb.)

Hierzu absehbar schon jetzt:

Es ist kurzsichtig anzunehmen, dass man „Lösungen“ für Menschen hat, an deren Leben man nicht teilnimmt und deren Probleme man nicht kennt.
Paul Feyerabend

Hauptsache: „sozial“.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 23. Februar 2018

Passagier furzte: Flieger musste in Wien notlanden.


Gerhard Schröder empfiehlt der SPD, mehr zu schrödern.


Endlich tut mal einer was gegen die Gewalt in den USA (1): Parlament in Florida erklärt Pornografie für gefährlich.


Endlich tut mal einer was gegen die Gewalt in den USA (2): Kirche in Pennsylvania bittet Paare, demnächst mal ihre halbautomatischen Waffen zwecks Segnung vorbeizubringen. Gotteskrieger ohne Allah – Sachen gibt’s.


FreeBSDs neu gefundener Feminismus trägt Früchte: Die, die Software für es portieren, wollen den Mist auch nicht haben, und machen sich vom Acker.

Netzfundstücke
Lustige Berufe (3)

Heute:

Ein Interview mit dem ersten professionellen Coach für LSD-Microdosing.

:roll:

NetzfundstückeSonstiges
Medienkritik in Kürze: Erinnern an „neunzehn100“.

Am Bahnhofskiosk sah ich kürzlich ein Magazin, das mich ungewöhnlich erfreut hat. Es heißt „neunzehn100“, wurde „Magazin der Erinnerungsanlässe“ betitelt und trägt den Untertitel „Das Magazin für alle, die sich gern erinnern und Freude an schönen alten Dingen haben“. Ich erinnere mich gern und habe Freude an schönen alten Dingen, auch an solchen, deren Ursprungsjahr dem 20. Jahrhundert entstammt. Daher der Name:

Der Magazinname neunzehn100 spielt darauf an, dass die Zielgruppe (…) Erinnerungen an Erlebnisse und Ereignisse im letzten Jahrhundert hat – eben in Jahren und Jahrzehnten, die mit „neunzehnhundert…“ beginnen.

Wer jetzt Weltkriege erhofft hat, der wird enttäuscht: Diesen nahe kommt man vielleicht noch mit dem Titelthema „Der treue Kadett“ aus der zweiten und aktuellen Ausgabe, wenngleich es dort um das Auto und nicht etwa um einen Fahnenjunker geht. Stattdessen dreht sich das Erzählte um Audiokassetten, Helgoland, groteske Brillen und Fackeln. Fackeln? Fackeln!

Fackeln!
Über eine Tradition, bei der einem warm ums Herz wird

Na gut, vielleicht doch ein bisschen Weltkrieg.

Wer so was liest? Genau das scheint das Problem zu sein:

[D]ie erreichten Verkaufszahlen lassen eine Fortsetzung des Titels für einen so kleinen Verlag wie unseren einfach nicht zu. Die zum 23. Februar angekündigte dritte Ausgabe wird daher nicht erscheinen. (…) Wenn wir wissen, ob und wie es weitergeht, werden Sie es an dieser Stelle lesen können.

Das ist doch mal ein schöner Erinnerungsanlass.

In den NachrichtenMontagsmusik
Blueneck – Sirens

Montag (Symboleule)Es ist Montag und genau so fühlt es sich auch an. Man fühlt sich wie gerädert, dabei ist das Rädern völlig aus der Mode gekommen. Das hat man mit ihm gemein, nur abgeschafft ist man noch nicht. In den USA wird gegenwärtig ergebnisoffen über die Abschaffung von Waffen diskutiert, man selbst hat nur die Anschaffung von Waffeln im Sinn. Mit denen könnte man sich, wenn man gut zielen kann, sicherlich auch angemessen verteidigen.

Andere verteidigen gar nicht erst: In Berlin haben linke Aktivistin, von der Polizei nicht weiter daran gehindert, die Grundrechte demonstrierender Frauen massiv verletzt, als hießen Grundrechte nur so, weil man sie nicht grundlos ausüben darf. Ein Plakat zur Ankündigung dieser „Gegendemonstration“ hatte eine Frau in religiös erzwungenem und somit nicht gerade als Sinnbild für Freiheit geeignetem Kostüm, jedoch überdies bewaffnet mit einem Brandsatz, als Motiv, als wollte der Grafiker ausdrücken, dass man Frauen auch unterdrücken kann, ohne rechts sein zu müssen. Wenn es leicht wäre, könnte es ja auch ein Mann machen. Mir fehlt vielleicht einfach nur der Zugang zu diesem modernen „Progressivismus“, aber immer, wenn ich über solche Nachrichten stolpere, fühle ich mich gleich ein bisschen weniger links.

Die Freilassung des allseits geschätzten Boulevardkolumnisten („taz“, „WELT“) Deniz Yücel aus türkischer Haft befeuert, wie erwartet, vor allem die Wirtschaft: Die Türkei will jetzt mehr Panzer haben, um damit voraussichtlich Kurden zu meucheln. Kurden sind (wie auch Palästinenser) eher schlechte Kunden für die deutsche Rüstungsindustrie, da guckt man auch mal weg, wenn ihnen ein wichtiger Handelspartner mit deutscher Wertarbeit das Land kaputtschießt. Mir drängt sich der Eindruck auf, das sei es vielleicht doch nicht unbedingt wert gewesen.

Aus der Welt der Technik dringt folgender Wahnwitz: In einem der zahllosen Applegebäude rennen dauernd Leute gegen die Glastüren, weil diese (die Türen, nicht die Leute) so unauffällig gestaltet wurden. Function follows form.

Wo die Form allein aber auch weiterhin das einzig wichtige Kriterium bleiben soll und wird: Musik.

Guten Morgen.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
💩 (2)

Bei Unicode, diesem ursprünglich nützlichen Projekt, das irgendwo falsch abgebogen ist, kriegen sie das Kind jetzt auch nicht mehr aus dem Brunnen, möchte es mir scheinen. Was nämlich ist die einzig logische und darum vom standardisierenden Konsortium unbedingt aufzugreifende Folgerung aus dem Umstieg von generischen auf ethnisch-sexuell korrekte Emojis? Richtig: Man möge doch bitte unbedingt einen schwangeren Herrn als Genderoption einfügen.

Welches Alltagsproblem sollte Unicode doch gleich lösen?

Netzfundstücke
Gedanken und Gebete: Das Spiel.

Der landestypische Umgang mit größeren Attentaten in den USA besteht zumeist darin, dass für die Gemeuchelten fleißig gedacht und gebetet wird, auf dass sie künftig nicht noch einmal gemeuchelt werden mögen.

Wer die Absurdität dieses Tuns noch nicht verstanden hat, dem kann nun geholfen werden: Gedanken und Gebete gibt es auch als Strategiespiel.

In den NachrichtenPolitik
vice (engl.): Laster, Untugend, Unart.

In der zweiten Januarhälfte des Jahres 2018 berichtete „Techdirt“, dass Vice Media, jener US-amerikanische Medienkonzern, dem unter anderem das Klatschportal „VICE“ („Unbequemer Journalismus“, ebd.) gehört, nach der Band ViceVersa nun auch die Spielgeldfirma „Vice Industry Token“ teuer zu verklagen gedachte. Der Anlass hierfür sei es gewesen, dass „Vice“ eine Wortmarke von Vice Media gerade in digitalen Belangen sei und man eine Verwechslung doch bitteschön gern vermeiden würde. Aus rechtlicher Sicht mag das nicht zu beanstanden sein, aus moralischer Sicht ist es zumindest das Heben einer Augenbraue wert.

In Deutschland, wo die Vice Media LLC als „VICE Deutschland“ ihr Unwesen treibt, nimmt es derjenige Teil der Gesellschaft, der die Haupt- und womöglich einzige Zielgruppe der Vice-Verlautbarungen bildet, mit dem Markenrecht auch nicht immer ganz genau: Nathan Mattes etwa sammelt, wie heute in diversen Blogs aus jener Szene zu lesen ist, unter der offensichtlich namensrechtlich bewusst schwierigen Domain wir-sind-afd.de, unter der derzeit eine Website zu sehen ist, die in typischen AfD-Farben gestaltet wurde und auf der von der AfD als „wir“ die Rede ist, demokratisch und/oder pazifistisch unfeine Zitate von AfD-Abgeordneten. Während das Zitieren öffentlich gefallener Äußerungen von Politikern aber kein Problem darstellt und es vielleicht sogar nachahmenswert ist, ihnen jeweils eine Website zu widmen (tschüssi, SPD!), ist das beim Markenrecht anders – entsprechend hat die AfD anwaltlich darum gebeten, dass der Betreiber ihre Namensrechte doch bitte künftig beachten und sich für seine Recherchen eine andere Domain aussuchen möge.

Dass die Grenze zu einer Adaption einer bekannten Marke, wie sie einst die Piratenpartei ziemlich gut vorgemacht hat, hier bei Weitem überschritten sein dürfte, wäre eine juristische Nörgelei, die mich mangels Sympathie für beide beteiligte Seiten eigentlich gar nicht weiter interessieren würde, hätte sich nicht ausgerechnet Vice Media in den Disput eingemischt. Bei ausgerechnet „VICE Deutschland“ klingt die Berichterstattung über die Auseinandersetzung nämlich so:

Der Betreiber von wir-sind-afd.de soll fast 10.000 Euro zahlen. Jetzt will er sich wehren – und du kannst dabei helfen.

Ist halt eine rechte Partei und kein linker Medienkonzern. Die soll sich mal nicht so anstellen mit ihren albernen Namensrechten. :aufsmaul:

Mir wird geschlechtNerdkramsNetzfundstücke
Open Source schläft ein und der Feminismus trägt die Schuld daran.

Im August 2017 beschrieb ich unter anderem mein ausbleibendes Verständnis für große Technikkonzerne, die sich einen diversity genannten Klotz mitsamt Verwaltungsaufwand und letztendlich auch unnötigen Kosten ans Bein binden. Die Gesellschaft hat sich seitdem weiter um sich selbst gedreht, gebessert hat sie sich jedoch nicht.

In einer vernünftigen Welt (wie auch in meinen eigenen Projekten) gilt im Wesentlichen der Verdienstkodex: Wer was kann, der darf mitmachen, wer nicht, der nicht, und persönliche Wehwehchen mögen bitte irgendwo ausgelassen werden, wo es dem Rest des Projektteams nicht weiter auf die Nerven geht.

Leider ist die Welt der Open-Source-Software nicht vernünftig, sondern stark emotionsgetrieben (das mag den enormen Windowshass in einschlägigen Foren erklären, als wäre das verwendete Werkzeug für irgendeine Aufgabe ein Politikum, dessen ethisch korrekte Auswahl jede Personaldebatte in Parlamenten oder auch nur Parteien in den Schatten stellte). Infolgedessen wurde ich heute mit der Information belästigt, dass selbst das FreeBSD-Projekt, das sich vor Jahren ein besonders anstrengendes Beispiel für den Dunning-Kruger-Effekt eingetreten hatte, sich ja nun positiv durch einen neuen Verhaltenskodex bemerkbar mache.

In diesem Kodex, den das FreeBSD-Team gemäß dem Dokument selbst im Wesentlichen aus dem „Geek Feminism Wiki“ – geek feminists bilden einen Teil des Kerns jener sich gemeinhin als weiße Ritter verstehenden Krawallschachteln, die auch den Chaos Communication Congress (ich berichtete mehrfach) schon totgequatscht haben – abgetippt hat, wird in viel zu vielen Zeilen erläutert, dass es die Projektaufsicht ungern sieht, wenn Teammitglieder sich anderen Menschen gegenüber wie jemand verhalten, dem grundlegende Höflichkeitsformen fremd sind. Man sollte meinen, so etwas sei auch ohne festgeschriebene Regeln vernünftig unterbindbar, aber an der Vernunft scheitert es bei denen, die wertvolle Zeit anderer Leute mit dem Zusammenschreiben und stolzen Herumzeigen von Dingen, von denen sie sich total belästigt fühlen, verschwenden, nun mal von vornherein. Da wundert es auch nur noch wenig, dass sich ein paar der besonders bescheuerten Punkte im Kodex auch in den Verhaltenskodizes von zergenderten Plattformen wie GitHub wiederfinden, die die Idiotie mit der Feststellung, für „Privilegierte“, also für die viel zitierten „weißen Männer“, gelte der Schutz vor Belästigung aus Prinzip nicht, bislang auf die Spitze treiben. Mal gucken, wann das FreeBSD-Projekt sie überbietet.

Als strafbewehrt werden seinerseits nämlich außer Dingen, die ohnehin illegal sein dürften, unter anderem Drohung mit Gewalt, und halbwegs verdienstorientierte Dinge wie die „nachhaltige Störung von Diskussionen“ auszugsweise auch folgende Ärgernisse beschrieben (Wortnutzung wie im Original):

  • Absichtliches Fehlgendern.
  • Die absichtliche Nutzung abgelegter Namen.
  • Simulierter physischer Kontakt, etwa „*knuddel*“.
  • Kommentare, die die systemische Unterdrückung in Bezug auf das Geschlecht, Neurodiversität, Religion und so weiter (gekürzt, A.d.V.) wieder in Kraft setzen.

Vor wenigen Tagen habe ich in einem computerbezogenen Forum gelesen, dass es merkwürdig sei, dass seit Jahrzehnten, abgesehen von (und selbst nur bedingt in) Smartphones, keine nennenswerte Innovation auf dem Betriebssystemmarkt mehr gefunden werden konnte. Ich habe eine Ahnung, woran das liegen könnte: Die Innovativen sind damit beschäftigt, nicht versehentlich an der systemischen Unterdrückung teilzunehmen.

Zu meiner Zeit hätte man denen ja einfach den Computer weggenommen.

Es ist heutzutage recht üblich, Menschen sagen zu hören: „Ich fühle mich davon ein wenig verletzt“, als ob ihnen das irgendwelche Rechte einräumte. Es ist nicht mehr als Flennen. Es hat keine Bedeutung, es hat keinen Zweck, es hat keinen Grund, um als Phrase respektiert zu werden. „Ich fühle mich davon verletzt.“ Na und – was, verdammt?
Stephen Fry

In den NachrichtenMir wird geschlechtNerdkrams
Kurz verlinkt: „Halt! Algorithmenkontrolle!“ (2)

Wie nennt man das eigentlich, wenn es Menschen afroamerikanischer Abstammung und/oder weiblichen Geschlechts entweder wegen fehlender Ahnung oder fehlenden Interesses nicht gebacken bekommen, eine eigene Gesichtserkennungssoftware zu programmieren, und die vorhandene daher am besten bei denen funktioniert, die den Löwenanteil der Arbeit (einschließlich der Tests) geleistet haben?

Richtig: Rassistisch-sexistische Algorithmen!

Zum einen sind Algorithmen nur so klug wie die ihnen zur Verfügung gestellten Daten – und spiegeln deren rassistische oder sexistische Tendenzen wider. (…) Das Ergebnis: die Algorithmic Justice League, ein Projekt, das sich dem Problem widmen soll.

Die Liga der algorithmischen Gerechtigkeit, demnächst auch als Musical. :irre:

Es war im Nachhinein offensichtlich ein Fehler, Computertechnik aus dem universitären Umfeld zu extrahieren.

Mir wird geschlechtNetzfundstückePolitik
Winter abschaffen!

Zu den inzwischen nur mehr als Treppenwitz tauglichen Personalsperenzchen in der SPD mitsamt den rechtlichen und feministischen Implikationen („SPD: 16,5 Prozent“ verkündete neulich das INSA; na also, geht doch) fällt selbst mir heute nur noch ein müdes Achselzucken ein, während mir zu der Nachricht, dass der Feminismus in New York antisemitische Motive zur Demütigung von Männern verwendet, zwar durchaus etwas einfiele, der treffende Kommentar, der Mann werde hier als „Judensau der Postmoderne“ präsentiert, leider aber schon gemacht wurde.

Stattdessen sei mir ein Hinweis auf Antje Kapek gestattet. Antje Kapek sitzt für die Grünen einen Stuhl im Berliner Abgeordnetenhaus durch, retweetet neben MeToo-Fanatismen unter anderem auch Anteilnahme am Ableben von Radfahrern, die rücksichtslos und ohne Helm nah an haltenden Autos vorbeizurasen pflegen, und hat am gestrigen 12. Februar zur Veranschaulichung der Erklärung, warum man die Grünen im Jahr 2018 immer noch unbedingt wählen sollte, ein Foto getwittert, auf dem der Berliner Alexanderplatz mitsamt entlaubten Bäumen zu sehen ist. Sie schrieb dazu (mit mehreren Hashtags, die ich hier zur besseren Übersichtlichkeit weglasse):

Was auch immer für den Alexanderplatz plant, es braucht mehr grün.

Die auffallend entmenschlichende Sprache („was“ und „es“ für den zuständigen Stadtplaner jedwelchen Geschlechts) sollte selbsterklärend sein, so dass das Wesentliche herausgearbeitet werden kann: Kein Grün an den Bäumen! Im Februar! Danke, Merkel!

:wallbash:

Die Grünen sind in der oben erwähnten INSA-Umfrage als Bevorteilte des Scheiterns der SPD zu erkennen. Da wächst zusammen, was zusammen gehört.

ComputerIn den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusik
Aquaserge – Tintin on est bien mon Loulou

Flauschigkeit als Lösung für die Probleme unserer ZeitEs ist Karneval Fasching Montag. Helau! Auf Twitter trendete gestern Puddinghaut (das Lebensmittel, nicht das Schönheitsproblem), und das nur kurz, nachdem bekannt geworden war, dass die NSA über Twitter verschlüsselte Kommunikation betreibt. Verdächtig, verdächtig. Über jeden Verdacht erhaben bleiben Pandabären: Die sitzen einfach nur herum und essen. Dürfen Pandabären eigentlich Minister werden?

Verdient hätten sie es, zumal die vorhandenen Minister nicht zu klugen Entscheidungen neigen: Die bisherige und mit nur noch wenig Pech auch zukünftige Verteidigungsministerin erwägt noch ein paar Soldaten in den Angriffskrieg gegen „den Terror“ zu schicken. Dass dort außer „dem Terror“ auch zwei andere Parteien einander erbittert bekriegen, sei nicht so schlimm, sülzt „SPIEGEL ONLINE“, denn Deutschland sei „mit beiden Seiten verbündet“. Dann ist ja alles in Ordnung. – Anderswo brechen Welten zusammen: MeToo-Wortführerin der sexuellen Übergriffigkeit beschuldigt, das ist ja ungeheuerlich; man könnte meinen, Frauen seien gar nicht qua Geschlecht bessere Menschen. Wenn sich das herumspräche!

Ein Blick in die Softwarewelt: Nach OpenBSD verzichtet nun auch das illumos-Projekt dankend auf die Patenttrolle vom Pale-Moon-Browser. Freie Software mit Sternchen dran, aber moralisch hält man sich auch weiterhin für überlegen. Urheberrecht schlägt Freiheit. Zum Glück kann man heutzutage vieles per Kauf in seinen Besitz übergehen lassen und es damit zumindest weitgehend fremdem Zugriff entziehen

Zum Beispiel auch Musik.

Aquaserge – Tintin on est bien mon Loulou

Guten Morgen.

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Kurzkritik: Altare Thotemico – Sogno Errando

Wer meinen bisherigen Musikrezensionen ein paar Minuten Aufmerksamkeit geschenkt hat, dem mag aufgefallen sein, dass es bei mir sehr selten vorkommt, dass ich italienischen Gesang für erträglich halte. Die Sprache klingt gesungen einfach meist scheiße. Um so erfreulicher ist es, wenn diese Regel eine Ausnahme findet. So ist es zum Beispiel beim bolognesischen Sextett Altare Thotemico, dessen zweites Album namens „Sogno Errando“ (Amazon.de, TIDAL) 2013 veröffentlicht worden ist und so klingt, wie es heißt, nämlich nach einer Traumwanderung.

Zwar wird auf „Sogno Errando“ eine Menge gesungen und in den wenigen furchtbaren Momenten klingt es dann auch nach einer üblichen italienischen Operette, aber dieses Ächz wird schnell unter einem großen Hurra bnegraben, denn Sänger Gianni Venturi kann mit der landestypischen Knödelei offensichtlich so wenig anfangen wie ich und bietet stattdessen eine gar nicht mal allzu gewollt wirkende Interpretation Peter Hammills dar, was zur hier gehörten Musik auch deshalb gut passt, weil das Saxophon – mal melodisch singend, mal avantgardesque brodelnd bis eskalierend – hier zusammen mit dem Klavier eine führende Rolle übernimmt. Ich höre hier eine Menge Jazz, allgegenwärtig sind aber eben auch seine Zöglinge von Van der Graaf Generator, auffallend nah insbesondere in „Le Correnti Sotteranee“ und dem Titelstück „Sogno Errando“.

ALTARE THOTEMICO ' LE CORRENTI SOTTERANEE'

In erstgenanntem Stück bin ich mir zudem ziemlich sicher, die frühen King Crimson wiederzuerkennen, und auch Weltmusik und Kammerrock, wie sie unter anderem After Crying vor Jahrzehnten schon in Harmonie gebracht haben, sind den Musikern nicht fremd. Dass in den Stücken, die einen englischen Titel tragen, nämlich in „Broken Heart“ und dem angemessen verrückten „Neuro Psycho Killer“, mit für manche Ohren amüsantem Akzent auf Englisch gesungen wird, fällt tatsächlich auch nicht mehr auf: Erfreut von der jazzrockigen Wucht des Albums bemerkt man die Sprache schon längst nicht mehr.

ALTARE THOTEMICO " Broken heart" Live in studio!

Italien: Warum nicht gleich so, warum nicht immer? Perlen wie diese sind es, die mir die Musik nicht langweilig werden lassen. Gern mehr davon!