MusikNetzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Mark Hollis‘ späte Niederlage

Mark Hollis, einer der Gründer von Talk Talk und laut übereinstimmenden Medienberichten („n-tv“, „SPIEGEL ONLINE“, „Le Point“, „Le Parisienne“, „La Repubblica“, „SRF“, „Tagesspiegel“, „WELT“, „The Independent“, „The Sun“, „The Guardian“ und so weiter) allenfalls für die blöden Poplieder „Such a Shame“ und „It’s My Life“ bekannt, während sein Bestwerk oft nur einen Nebensatz füllt, sei vor ein paar Tagen gestorben, heißt es.

Ich ahne, welche Platten in Kürze überraschend neu aufgelegt in den Läden stehen werden. „Spirit of Eden“ wird nicht darunter sein. Den wahrscheinlich klügsten Kommentar über des Musikers Versterben las ich daher ausgerechnet bei Stiehl/Over, einer „Agentur für Markenkommunikation“ (Eigenbezeichnung):

Sein Tod bringt ihn zurück in die Medien – und auf den Plattenteller.

Genau das hätte er vermutlich eher nicht gewollt. Eigentlich ist es schade, dass das Andenken Verstorbener so wenig Respekt erfährt.

In den NachrichtenMontagsmusik
Sólstafir – Silfur-Refur

Lust auf Skat?Es ist Montag. Es existiert eine Liste der 100 meistüberbezahlten Vorstandsvorsitzenden und ich stehe nicht drauf. Immerhin kann man mir das nicht vorwerfen! Gleithörnchen, fand jüngst die Forschung heraus, leuchten rosa. Da lobe ich mir doch Pandabären. Pandabären tun so etwas Verwirrendes nicht.

Der Papst hat gestern mitgeteilt, dass der an den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche Schuldige gefunden wurde. Wie, welcher Kardinal? Das wäre doch Unsinn! Nein: Der Teufel war’s. Wenn der so weitermacht, fliegt er noch aus der Bibel, dieser Unhold. In Schweden wollen Feministinnen derweil Sexroboter verbieten, weil diese sich sexueller Annäherung niemals entziehen wollen. Hoffentlich gründen autonome Autos niemals eine Gewerkschaft. – Apropos Digitalquatsch: Ein Verkäufer von Wohnzimmerkameras ließ Medien unlängst wissen, dass Kameras nicht in Wohnzimmer gehören. Das mit der Werbung muss er wohl noch mal üben – ich hatte bisher angenommen, wenigstens darin sei er hinreichend erfahren.

Apropos Erfahrung: Nick Cave hat in seinem Leserbriefblog vor ein paar Wochen erläutert, dass „künstliche Intelligenz“ niemals ein wirklich großartiges Lied schreiben wird. Erfreuen wir uns daher an den Fehlern der Menschheit und beginnen die Woche mit ein wenig erbaulicher Humanmusik!

Sólstafir – Silfur-Refur (Official Music Video)

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Dead Vibrations

Dead VibrationsLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Schweden kennt man in Musikfreundeskreisen ja unter anderem als produktiven Ursprung von guter Instrumentalarbeit und schwachsinniger Politik. Im Jahr 2015 fanden sich dort vier junge Menschen mit Musikhintergrund als Dead Vibrations zusammen, was ein recht treffender Name ist. Nach dem/der Debüt-EP „Reflections“ (2016) kam es im Januar 2018 schließlich zum ersten längeren Album, das entweder gar keinen Namen trägt oder wie die Band heißt (Amazon.de, TIDAL, Bandcamp). Es ist zwar nur etwas länger als eine halbe Stunde, aber weckt schon hohe Erwartungen an künftige Alben. Ob sie das noch bereuen werden?

Ihren eigenen Stil verstehen Dead Vibrations anscheinend (Quelle: Medien) als Shoegaze und/oder Psychedelic Rock, da möchte ich ihnen auch gar nicht reinreden.

Dead Vibrations – On A Sunday Morning

Dass ich trotzdem mogwaiesque Gitarrenharmonie wahrnehme, mitunter (etwa in „Bitter Better Way“) gar meine, Dead Vibrations gerade in postpunkige Bereiche vordringen zu hören, kann auch an mir liegen, eignet sich aber nicht für ein abschließendes Werturteil. Von Stilfragen daher abgesehen lautet mein Werturteil vielmehr: Famoses Album.

Gern 2019 wieder so eines!

Netzfundstücke
Kanzlerhonig

honig-und-bienen.de:

Kehrt die Biene heim in ihren Bienenstock, liefert sie den Blaseninhalt an die Stockbienen ab, die wiederum den Inhalt weitergeben. Jedes mal wird dabei der zuckerhaltige Saft aufgesaugt und wieder abgegeben. (…) Der Wassergehalt wird reduziert, indem die Biene einen Nektartropfen über den Rüssel mehrfach herauslässt und wieder aufsaugt.

Sarah Wiener:

Politiker könnten viel von Bienen lernen, findet die Köchin Sarah Wiener. (…) Bisher sei sie „eher viel zu wenig“ gestochen worden, sagte sie der Zeitung.

Ich glaub’s auch.

(Abt.: Kontext? Welcher Kontext?)

In den NachrichtenMusik
S!sters: Hat Israel denn noch nicht genug gelitten?

Offensichtlich als einen moralischen Ausgleich zu jahrelangen Waffenlieferungen erlaubt sich Deutschland im Mai 2019 wieder einen Angriff, über dessen Konformität mit dem Völkerrecht noch zu sprechen sein wird:

Das Duo S!sters hat am 22. Februar den deutschen ESC-Vorentscheid „Unser Lied für Israel“ gewonnen.

Ihr Lied trägt den Deutschland offensichtlich hervorragend repräsentierenden Titel „Sister“ (soso) und gehört zu der Art von seelenlosem Gedudel, dessen Hervorbringung ich unter hohe Strafe stellte, wohnte mir Legislativgewalt inne:

Den Song „Sister“ für den siebten Act hat ein internationales Team gezielt für den ESC komponiert und dem NDR angeboten. (…) Daraufhin hat der NDR anhand von Bewerbungen und Empfehlungen von Musikexperten Carlotta Truman und Laurita als Interpretinnen dafür gefunden[.]

Ich bitte die Einwohner Israels trotz aller Vorbehalte gegenüber seiner Außenpolitik schon jetzt vielmals um Entschuldigung und möchte ausdrücklich versichern, dass die Entsendung der beiden Sängerinnen uns allen, die wir aus der Geschichte gelernt haben, sehr leid tut. So ein Elend hat nicht einmal Israel verdient.

In den NachrichtenPolitik
Schmalhans des Tages: Axel Voss, CDU.

Dieser Artikel ist Teil 16 von 16 der Serie Schmalhans des Tages

Es stichelte die sächsische Piratenpartei auf dem inoffiziellen Parteimedium Twitter:

Dann kann ja die Oma, die Rezepte auf ihrem Blog einstellen will, einfach ein paar Vergütungsverträge abschließen, damit sie nicht abgemahnt wird. Zum Glück wird die Rechtslage so einfach!

Der Hintergrund ist die von Axel Voss, dem dringend mal jemand einen Computer leihen sollte, zwar selbst nicht verstandene, aber im EU-Parlament durchlobbyierte Urheberrechtsreform mit der enthaltenen Pflicht zur Installation der umstrittenen „Uploadfilter“. Der BDZV weist über „Golem.de“ immerhin darauf hin, dass dessen, also Axel Voss‘, Erklärung, jeder Bürger dürfe als Privatperson künftig Presseartikel lizenzfrei weitergeben („raubkopieren“), dessen Gesetzgeberfunktion zum Trotz einer rechtlichen Prüfung nicht standhalte, was ein wenig bedauerlich ist.

Besser als Axel Voss lässt sein Gesetz die CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament interpretieren („erklären“):

Wer Vergütungsverträge schließt, auch für die von Nutzern verbreiteten Werke, muss keine Filter einsetzen.

Alle anderen dann eben schon – was immerhin auch die als eher positiv zu betrachtende Konsequenz haben müsste, dass „Nachrichten“, die darin bestehen, dass sprechende Köpfe Tweets und somit das geistige Eigentum anderer Leute vorlesen, endlich ein Ende finden, so dass Journalismus künftig wieder aus eigener Leistung bestehen möge, was mir als Kreativem einerseits gelegen kommt, andererseits aber auch mein Leben weiter erschweren wird. Wer weiß, ob schon jemand einen „Inhalt“ vor mir hatte? (Was übrigens auch viele Verlage noch nicht verstanden haben: dass es kein Recht darauf gibt, Geld mit einer Website zu verdienen; aber das ist wiederum ein anderes Thema.)

Dass das Beispiel mit dem Kochblog eher schlecht gewählt ist, möchte ich hier gar nicht weiter erörtern. Es gibt jetzt schon zu viele davon. Richtig ist jedenfalls, dass das Urheberrecht es verlangt, dass von irgendjemandem hervorgebrachte „Inhalte“ (Texte, Grafiken, sonstwas) nicht ohne dessen Einverständnis übernommen werden dürfen. Hier ist das EU-Recht von dem US-amerikanischen verschieden, das wenigstens die „public domain“ kennt, also die automatische Entlassung erstellter „Inhalte“ für die freie Verwendung, sofern man keine ausdrückliche Lizenz dranpappt. Dass automatische „Uploadfilter“, die, obwohl so nicht vom Gesetzgeber genannt, die einzige Möglichkeit sind, die Einhaltung der Verwertungsrechte wie geplant durchzusetzen, Zitatrecht und Kunstfreiheit nicht kennen, ist aber das wesentliche technische Übel, an dem Axel Voss‘ Pläne kranken. Sämtliche nicht gerade als unkommerziell erkennbaren Websites („Portale“) müssen ihnen zufolge dafür Sorge tragen und anschließend haften, dass über sie ausschließlich ehrlich erworbene „Inhalte“ freigegeben werden, was zwar immerhin den Betrieb von Facebook erschweren wird, aber die meisten Foren und vielleicht auch Verkaufsplattformen vor große Schwierigkeiten stellen wird. Zum Vergleich: Rechtlich gesehen, teilte mir das Land Niedersachsen vor ein paar Jahren mit, betreibe selbst ich hier eine kommerzielle Website. Als schwacher Trost ist zu vermelden, dass wenigstens Ein-Personen-Websites von den Änderungen kaum betroffen sein werden: Ins-Internet-Schreiben („Bloggen“) ist schon seit Jahren ein juristisch heikles Unterfangen.

Dass ausgerechnet Mitglieder der SPD sich in sozialen Medien darüber ereifern, dass „das Parlament“ – mit ausreichend großer Zustimmung der SPD – die von ihnen so genannten „Merkelfilter“ – also die außer von der SPD auch von Angela Merkel gut gefundenen Filtermechanismen – durchsetzen wolle, ist schon längst nicht mehr witzig. Ich erwäge, jedem Leser ein Getränk seiner Wahl zu spendieren, der einem SPD-Wähler Senf und/oder Nutella an mindestens eine Türklinke schmiert.

Axel Voss, weiß die Wikipedia, ist Mitglied im „cnetz – Verein für Netzpolitik e.V.“, einem Verein, der bereits im vergangenen September die damals geplanten Gesetzesänderungen abgelehnt hat, in seiner Satzung jedoch vom Teeren und Federn zuwiderhandelnder Mitglieder absieht.

So wird das nichts mehr mit der Netzpolitik.


Schrecklicher Verdacht der Woche: Sind politisch Rechte etwa berufstätig?

ComputerIn den Nachrichten
Die Reklamolution frisst ihre Kinder.

Im März 2017 fand ich es merkwürdig, dass Verleger Reklame für eine journalistische Leistung halten. Das sehen anscheinend auch andere so:

Im vergangenen Jahr wurden in der amerikanischen Medienbranche (…) 15.474 Arbeitsplätze abgebaut. (…) Wesentlicher Teil des Problems für die Medienbranche sind (…) die Tech-Konzerne Google, Facebook und Amazon, in deren Kassen in den USA mehr als 60 Prozent der digitalen Werbespendings fließen. Außerdem hätten die digitalen Medienangebote mit der zunehmenden Nutzung von Werbeblockern zu kämpfen.

Abgesehen von dem Wort „Werbespendings“ finde ich nur wenige Überraschungen in der Nachricht: Wenn Werbung zum wichtigen journalistischen Inhalt wird, ist der Teil zwischen der Werbung eben kein Geld mehr wert. – Passend dazu berichtete vorgestern „heise online“, in dessen Datenschutzerklärung allein auf 16 Partner reklamevermarkterischer Art hingewiesen wird:

Programme, die fremden Code empfangen und ausführen, können sich nicht auf Software-Schutz für Spectre-Lücken verlassen, sagen Google-Forscher. (…) Ihre Erkenntnisse sind allerdings kein Grund zur Panik, da von den Angriffen praktisch nur Programme betroffen sind, die Code aus nicht vertrauenswürdigen Quellen ausführen (…). Die wichtigste Gruppe solcher gefährdeter Programme sind Web-Browser.

Die Anzeige von Werbung war, ist und bleibt somit ein gefährliches Sicherheitsloch. Je weniger es sich nun also für das Gehalt lohnt, die Sicherheit der potenziellen Kunden (hier: Leser) zu gefährden, desto schneller werden Bedienstete der Werbebranche sich eine anständige Arbeit suchen müssen, um ihren Lebensstandard zu halten.

Ich beginne zu verstehen, warum ein Grundeinkommen in journalistischen Kreisen zusehends positiver aufgenommen wird.

(via Schwerdtfegr)

In den Nachrichten
Ihre Waffe ist die Liebe.

Was man in der evangelischen Kirche mit Kindern macht:

Was man in der evangelischen Kirche nicht gut findet:

Wann und warum ist das „aufgeklärte“ Deutschland eigentlich auf die Idee gekommen, dass Gottesglaube einen gemeinnützigen Zweck erfülle, statt sich dafür einzusetzen, ihn als schizotype Störung behandeln zu können?

In den NachrichtenMontagsmusik
Juleah – Strawberry Shake

(Montagsgesicht)Es ist Montag. Im Parallelweb hat der Schöpfer von Nerdcore die Fassung verloren und das ist eigentlich ein guter Auftakt für eine Woche, also das Verlieren der Fassung. Man sollte immer für reichlich Fremdscham sorgen.

Das klappt in der Politik viel besser: Angela Merkel fand das Abhören ihres Telefons seitens der elenden NSA, berichtet „ZEIT ONLINE“, gar nicht allzu schlimm, nur passte es ihr gar nicht so gut, dass das öffentlich bekannt wurde. Als Politiker muss man ja immer auch Verkäufer sein, und manche sind in beidem schlecht. Die „NZZ“ – und ausgerechnet deren Föjetong – ist inzwischen in Deutsch schlecht: Ihr hauseigener Simon M. Ingold nennt in einem prosaischen Lobgesang über jemanden, der die „Heldentat“ (sinng. ebd.) vollbracht habe, ein Buch voller Interviews zu schreiben, einen Sonderbeauftragten „Spezialbeauftragter“ und die Regierung von Barack Obama „Obama-Administration“, weil beides im Englischen eben auch so ähnlich heißt. Sprache wandelt sich? Von wegen.

Im Internet kann man jetzt seine eigene Braunkohlestatistik mit der von grünen Vielfliegern vergleichen. Ich verstehe, warum die Grünen das Internet von Anfang an eher kritisch gesehen haben. In einem aber muss ich den Grünen zustimmen: Die Natur ist nicht immer schlecht. Es gibt dort Pandabären und Erdbeeren.

Die Menschheit bringt derweil Lieder über Erdbeeren hervor; auch ein guter Auftakt für die Woche, finde ich.

Juleah – Strawberry Shake

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Berlin venezuelern!

Erst haben sie keinen Flughafen und kein Geld und dann werden sie auch noch von so was regiert:

Die Berliner Jungsozialisten, mit 6000 Mitgliedern größte politische Jugendorganisation Berlins, sollen das Volksbegehren „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ aktiv unterstützen. (…) „Was wir wollen, ist eine sozialistische Stadt“, so die Pankower Jusos.

Diesen Sozialismus üben wir jetzt so lange, bis er mal nicht mit Militär und Hungersnot endet! :ja:

Netzfundstücke
Klimarettung (richtig)

Angesichts der derzeitigen Klimastreiterei ist es möglicherweise erwähnenswert, dass die Erdbevölkerung ungefähr im Jahr 2100 12 Milliarden Menschen erreicht haben sollte. Die Biosphäre der Erde könnte ungefähr weltweit 1,5 Milliarden Menschen vertragen, die auf dem ökologischen Niveau eines durchschnittlichen US-Amerikaners (ohne das ständige Abknallen von Mitmenschen) ihr Dasein verbringen, bevor das Überleben schwierig wird. Daran werden Solar-, Erdgas- und Windkraftanlagen ebenso wenig ändern wie das laute Geplapper vielfliegender Problemvermehrer.

Wäre es angesichts dessen statt irgendwelcher Kerosinsteuern, Tagebaumassenentlassungen und allwöchentlicher Schulschwänzerei nicht wesentlich ratsamer, beim Räsonieren nicht erst bei der Zukunft unserer möglichen Nachfahren, deren Problem das unvermeidlich sein wird, anzufangen, sondern im Gegenteil aktiv dafür zu werben, dass der Planet sich nach ihnen wieder erholen kann?


Apropos Klima: Auf Facebook (Allergikerwarnung: Facebook) teilt der Obstpüreehersteller True Fruits zu meiner Belustigung mit, dass seine provokante Werbung, deren Prämisse es nun mal ist, möglichst auffallend zu sein, keineswegs aus Versehen die Gemüter politisch korrekter Gestalten erhitzt. Unklar bleibt auch in den daraus entstandenen Aufbereitungen der Aufgabe von Werbung in „sozialen“ Netzwerken, warum irgendjemand, der noch bei Trost ist, fast zehn Euro für einen Liter vorgequirlten Obstes bezahlen sollte.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Kavrila – Blight

Kavrila - BlightLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Nun ist es Teil des Wesens von Musik, dass ihre Rezeption dem Anlass folgt: Dummer Elektrokrach bereitet auf Tanzfesten mehr Freude als im Großraumbüro, sanfter Postrock ist an warmen Sommerabenden interessanter als zwischen Glockengebimmel unter einem Tannenbaum. Und heute – heute ist Valentinstag, der Tag der Liebe. Was passt zu so einem Tag am besten? Genau: Krachender Metal.

In Hamburg wurde 2016 die vierköpfige Band Kavrila gegründet, die außer zwei EPs („Rituals I“ und „Rituals II“) bisher ein Album veröffentlicht hat, nämlich „Blight“ (Amazon.de, TIDAL, Bandcamp). Von „laut.de“ wurde die Selbstbeschreibung der Band, sie sei „der haarige Arsch, der dir ins Gesicht springt, während du beim Frühstückstee sitzt“, weitgehend unkritisch übernommen, was nicht mal besonders falsch ist. Musikalisch wird von Doom über Sludge bis Posthardcore alles aufgeboten, was man mit einem Rest an Musikhörerehre stileinordnen kann.

Eingerahmt von den Noisespielereien in den beiden Teilen von „Each“ feuert das Quartett hier weitgehend aus allen Rohren, auch Säuselgesang ist selbstverständlich nicht zu erwarten. Das englische „blight“ bedeutet ungefähr Zerstörung und Pesthauch und genau so hört sich das auch an. Dies ist keine schlechte Musik.

„Eine Empfehlung“, schrieb Alexander Santel auf „metal.de“, erhalte dieses Album „für alle Hobbynihilisten“. Wie eingangs schon festgestellt: Es ist daher letztendlich der Tag, der zählt.

So lässt sich der Valentinstag aushalten.

Netzfundstücke
Liegengebliebenes vom 13. Februar 2019

Twitter sei als Chatmedium ungeeignet, befindet völlig zu Recht sein Gründer und Vorstandsvorsitzender. Währenddessen – wenn auch wahrscheinlich nicht deshalb – gehen dem „sozialen Netzwerk“ monatlich viele Nutzer verloren. Wie viele? Sagen sie nicht mehr. Ätsch.


Ein ehemals für Apple tätiger Anwalt, dessen Aufgabe es war, Mitarbeiter von Insiderhandel abzuhalten, wurde wegen Insiderhandels angeklagt.


Dennis Schirrmacher, der beruflich SSL nicht versteht, hat sich anscheinend inzwischen weiterbilden lassen und versteht jetzt beruflich das ganze Internet nicht mehr:

Der Marktplatz befindet sich nicht im öffentlichen Internet – er ist über das Tor-Netzwerk erreichbar.

Denn während man für den Zugang zum öffentlichen Internet nur einen Vertrag mit einem Dienstanbieter sowie ein Clientprogramm zum Verbindungsaufbau benötigt, sind die Anforderungen an den Zugang zum Tor-Netzwerk viel höher: Man braucht mindestens einen Vertrag mit einem Dienstanbieter sowie ein Clientprogramm zum Verbindungsaufbau. :ja:


Der „Paris Review“ hat einen Artikel über das Lesen in einer Zeit dauernder Ablenkung veröffentlicht. Das klingt spannend, ich würde ihn selbst gern lesen, aber irgendwas lenkt mich dauernd – oh, eine E-Mail, Moment bitte.