In den NachrichtenMir wird geschlecht
Penisnobelpreis

Wer in seinem Leben eine so gründliche Ausbildung genossen hat, dass er anschließend die Zeit bis zum Beginn seiner Vergreisung mit Forschung und Entdeckung verbringt, dem wird vielleicht ein Nobelpreis zuteil, hierzulande außerhalb von Physik und Literatur leider kaum beachtet. Selbstverständlich sehen die Hochschulen, an der der Geehrte einst studiert hat, einen Teil dieses Ergebnisses auch in der eigenen Lehrweise und hängen ihn daher als Beispiel dafür, was man als Student im eigenen Haus einmal erreichen könne, an eine Ehrenwand, jedenfalls als Foto, selten als Person.

Obwohl Wissenschaftler, deren Forschung preis- und wandwürdig ist, sehr viele interessante Eigenschaften an sich tragen, etwa das Feld und das Ziel dieser Forschung, gehört ihr Geschlechtsteil nach meinem Verständnis nicht dazu. Zudem ist das Wesen der Forschung ein zutiefst meritokratisches: Geehrt wird, wer Ergebnisse vortragen kann. Entgegen der momentanen medialen Erzählweise, die es bevorzugt, eine möglichst fotogene Frau in den Mittelpunkt zu stellen, ist oft leider ein Mann an Entwicklungen beteiligt. Historische Gründe bin ich auszuschließen gewillt, eine Geschlechtertrennung an Hochschulen ist schon länger nicht mehr en vogue.

Die Meritokratie anzuerkennen ist jedoch nicht jedermanns Sache, was dazu führt, dass mitunter Fachkonferenzen abgesagt werden, weil nur Männer interessante Beiträge eingereicht haben und das natürlich nicht divers sei. Jetzt könnte man anregen, dass, wenn man die Art der Fortpflanzung eines Wissenschaftlers für mindestens so interessant hält wie das, was er zu sagen hat, es empfehlenswert sei, den Anteil an Forschern ohne Penis mittels Werbung zu erhöhen zu versuchen.

Oder man macht es wie US-amerikanische Hochschulen und entfernt erfolgreiche Wissenschaftler, die mit dem Makel eines Penisses geboren sind, wie einst die alten Römer aus dem Gedächtnis:

An der Yale School of Medicine hängen in den Fluren eines Gebäudes zum Beispiel 55 Porträts: Drei Frauen und 52 Männer. Sie sind alle weiß. (…) Eine Option ist, sie woanders hinzuhängen.

(Schlechte Übersetzung von mir.)

Da möchte man von den anderen Optionen lieber gar nichts wissen. Oh, Sie haben Krebs geheilt? Blöd – jetzt ist erst mal eine Frau dran. Kommen Sie später wieder.

Wann genau haben Hochschulen ihr Ziel verloren?

Netzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Emissionen einfach wegrollern!

Warum statt Brummkreiseln, Dreirädern und Windeln ausgerechnet Tretroller es in die Welt der vermeintlich Erwachsenen geschafft haben, erklärt Ben Schwan („heise online“):

Die Untersuchung kam weiterhin zu dem Schluss, dass die Scooter bis zur die Hälfte der Emissionen eines Standardautos verbrauchen, rund 200 Gramm CO2 pro Meile[.]

Wenn also künftig auf jedes Standardauto zwei Tretroller („Scooter“) kommen, ist es nicht mehr weit, bis auch Dieselmotoren endlich emissionsfrei fahren: Die angefallenen Ausstöße werden offensichtlich grammweise einfach wegverbraucht. Es könnte so einfach sein!

Wo bleibt eigentlich das verdammte Verlagssterben?

(via Schwerdtfegr)

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Black Midi – bmbmbm (live)

Jetzt-schon-keine-Lust-Kauz.Es ist Montag. Ich finde das nicht gut, möchte es aber vorerst auch dabei belassen. Dem Montag schlägt man vielleicht ein Schnippchen, wenn man so tut, als gäbe es ihn gar nicht.

Stattdessen gibt es ein wenig Politik: Weltweit wird die freie Rede bekämpft, oft gerade von denen, die sich als Bewahrer der vermeintlich vernünftigen Demokratie aufspielen. Linksflucht, nicht Rechtsruck. Das sei alles weit weg? Nein, nein – in Deutschland bzw. wenigstens in Dresden haben Boten obskurer Kleinparteien wie der SPD eine Demonstration „für das Gute“ abgehalten, deren antideutscher Unterbau selbst der grünen „taz“ ein erstauntes Artikelchen entlockt hat. Der offensichtliche Widerspruch zwischen „wir müssen ein offenes Deutschland sein“ und „Deutschland ist eh scheiße“ erreicht inzwischen Stellen, da kommt man mit der Klobürste gar nicht erst hin. – Apropos Klobürste: Olaf Scholz fände es „absurd“, im Falle der SPD-Vorstandsübernahme den Posten als Bundesminister zurückzugeben. Ich persönlich finde es absurd, dass jemand von der SPD ein Bundesministerium leitet, aber das ist ja bekanntlich nicht mehr von langer Dauer.

Es gibt jetzt Steckdosen, die zuhören. In dieser schönen, neuen Welt gibt es nur noch wenig Entlastung. Aber dann sollen die Steckdosen wenigstens nicht leiden – sie bekommen gute Musik zu hören.

black midi – bmbmbm (Live on KEXP)

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Föllakzoid – I

Föllakzoid - ILange nichts mehr über Musik geschrieben.

Zu den Ländern, aus denen es vergleichsweise wenig neue Musik zu geben scheint, die mir als beachtenswert erscheint, gehört Chile. In dessen Musikantenwelt tummeln sich auch Föllakzoid, eine ulkig heißende Musikgruppe zurzeit unbekannter Besetzung, deren selbst gestecktes Ziel, so weit es das Internet zu wissen behauptet, es sei, mit jedem neuen Album noch mehr Platz mit noch weniger Elementen zu füllen. Was schriftlich wie die (sehr gute) Endphase von Talk Talk klingt, hört sich aber noch ganz anders an.

Auf ihrem vierten Album, das nach „Föllakzoid“, „II“ und „III“ folgerichtig „I“ heißt (TIDAL, Bandcamp, Amazon.de), spielen Föllakzoid vielmehr eine Art „Kraut-Trance“. Man verzeihe mir das Erfinden lächerlicher Genrebezeichnungen ausnahmsweise. Es wird elektronische Musik gespielt, die Chilenen lassen dabei von EBM über Shoegaze bis hin zur Berliner Schule nur wenig aus, Ausflüge in den Krautrock von Can und Faust nicht ausgeschlossen.

Föllakzoid – I (Full Album)

Das Album bestehe, weiß der Pressetext, aus mehr als 60 verschiedenen, einzeln aufgenommenen Bestandteilen. Offensichtlich gab es genug Zeit für ausgedehnte Experimente. „I“ ist fast instrumental, nur eine filmroboterartig verzerrte ertönt in „I“, „III“ und „IIII“, das eigentlich „IV“ heißen müsste.

„I“ ist tanzbar, aber das ist ja eigentlich jede Art von Musik, wenn man es nur versucht. Ich sitztanze und spreche eine Empfehlung aus.

Politik
Medienkritik in Kürze: So isser, der „SPIEGEL“.

„ZEIT ONLINE“, 23. August 2019:

In einer Mediengesellschaft wirken Medien an der Schaffung und Festigung kollektiver Identitäten mit. Die überregionalen Medien in Deutschland verfestigen heute vor allem eine positive Identität des ehemaligen Westdeutschlands in Abgrenzung zu den Gebieten der ehemaligen DDR.

Aber keine Sorge, die kollektive Demokratie kämpft mit großem Erfolg gegen diejenigen, die den Totalitarismus bedeuten, obwohl es immer mal wieder Rückschläge gibt:

Marius Lange war nicht das erste Mal als Wahlhelfer im Einsatz. Doch betrogen habe er zuvor nie.

Die im Osten bedrohen unsere Demokratie! Verdammte Neona- was?

Als Motiv nennt er seine politische Überzeugung: „Mein Herz schlägt links.“ Deshalb habe er nicht hinnehmen wollen, dass die rechtspopulistische Partei so starken Zuspruch durch die Wähler erfahre.

Ach so. Weiter so, Genosse! Das Geld gibt’s an der Kasse:

Marius Lange sagt, dass er vor allem wegen der Aufwandsentschädigung Wahlhelfer geworden sei und dass er dabei zuvor nie betrogen habe. (…) Marius Lange ist bewusst, dass er sich mit der Wahlfälschung strafbar gemacht hat, aber er würde es wieder tun.

Das alles hat natürlich nichts mit der Stimmung in Ostdeutschland zu tun. Die ist in Ordnung. Und wir wollen, dass es so bleibt.

So isser, der Ossi.

So isser. Kann man nichts machen. Wie, der wählt falsch? Na, dem zeigen wir’s!

Vorwärts immer.

MusikNetzfundstücke
Vinyl <3 (7): Platten fürs Wendland.

Es klagt Inga „Hoeltmann“ Höltmann“:

Es ist mir einfach komplett schleierhaft, warum man im Jahr 2019 mitten in Deutschland nicht einmal ein Lied über Spotify abspielen kann, weil die Internetverbindung zu schwach ist.

So richtig die Beobachtung aber auch ist, dass es auch und gerade im Vergleich mit den uns umgebenden Staaten um die Qualität des hiesigen Mobilfunknetzes nicht gut bestellt ist: Mir ist es einfach komplett schleierhaft, warum man im Jahr 2019 mitten in Deutschland auf die Verfügbarkeit sowohl einer andauernden Internetverbindung als auch der Server eines kommerziellen Musikverleihs angewiesen ist, wenn man ein Lied hören möchte.

Smartphones überbieten einander darin, noch mehr Platz für Lieder zu haben, und selbst jedes verdammte Autoradio der letzten paar Jahre weist längst mindestens eine Möglichkeit auf, statt des Achtzigergedudels selbst den „besten Mix“ (ebd.) zusammenzustellen. Die „selbst gewählte Unmündigkeit“ (anderswo), die Freiheit des Alles-jederzeit-Hörens irgendwelchen streams zu opfern, nötigt mir wenig Bedauern ab.

Etwas besserer Empfang an weniger belebten Orten wäre mir trotzdem mitunter willkommen. Ich möchte darüber dann auch kein Lied hören – ich möchte mir darüber dann eine Schallplatte bestellen.

NerdkramsPersönlichesProjekte
In eigener Sache: Mein Upgrade von Mercurial auf SVN und Darcs

(Vorbemerkung: Schon wieder Computerkram. Einmal geht noch!)

Wer meine Programmierprojekte aufmerksam zur Kenntnis genommen hat, der hat sicherlich bereits bemerkt, dass ich mit Git, dem derzeitigen De-facto-Standardprogramm zum Onlineverwalten von Dateiversionen (gemäß POSIX ist das jedoch SCCS), nicht viel anfangen kann.

Ich bin recht spät in die Welt der Versionskontrollsysteme – im Folgenden zwecks Lesbarkeit VCS genannt – vorgestoßen. Meine ersten so verwalteten Projekte veröffentlichte ich auf SourceForge, es kam Subversion (SVN) als VCS zum Einsatz. Das war sehr lange ausreichend, SourceForge zeigte jedoch irgendwann seine Schwächen in Bezug auf die Stabilität der Server und die Bedienbarkeit der Benutzeroberfläche, überdies ging es nicht immer achtsam mit ihm anvertrauten Projekten um.

Leider fiel mit SourceForge auch einer der beiden einzigen vernünftigen SVN-Hostinganbieter weg. Der andere – Savannah – schien und scheint sehr restriktive Regeln zu haben, welche Lizenzen man dort nutzen kann. Das finde ich nicht gut. Ich war also wieder offen für ein neues System und sondierte den Markt. Ich testete verschiedene Programme auf ihre Zuverlässigkeit und Bedienbarkeit, darunter Git, Mercurial und Darcs. Während ich Darcs inzwischen gern und überzeugt für private Projekte einsetze und Mercurial die Rolle als Alltags-VCS übernahm, fiel Git mir vor allem dadurch auf, dass andauernd irgendwelche Konflikte gelöst werden wollten und ich dafür öfter git reset --hard HEAD nutzen musste als ich es gern gehabt hätte. Dass ich mitunter trotzdem diejenigen Projekte, deren Zukunft mir völlig egal ist, zur Belustigung möglichst vieler Menschen in das open-source-feindliche, sexistische und rassistische GitHub kippe, sei dem nicht als Widerspruch entgegengestellt.

Bitbucket, diejenige Plattform, die GitHub bereits vor Jahren den großen, inzwischen immerhin eingeholten Vorteil voraus hatte, dass private Repositorys, also solche, die nicht öffentlich sichtbar sind, dort kein Geld kosteten, gefiel mir als Mercurialserveranbieter seitdem ganz gut. Bis heute.

Heute erhielt ich einen Hinweis, dass Atlassian, das skrupellose Unternehmen hinter Produkten wie Jira und eben auch Bitbucket, im kommenden Jahr die Unterstützung für Mercurial einstellen wird. Es werde nur von wenigen Menschen benutzt, so wird im Wesentlichen argumentiert, und sei daher nicht mehr wichtig genug. Dass diejenigen, die absichtlich Mercurial einsetzen, sich dabei wahrscheinlich etwas gedacht haben, scheint irrelevant zu sein. Man möge doch bitte auf Git migrieren, wird dort verlautbart. Meinen herzlichen Dank auch.

Damit bleiben als Alternativen für einen Weiterbetrieb meiner Mercurialprojekte eigentlich nur SourceForge und Savannah übrig. Beide sind, das habe ich eben noch mal überprüft, aufgrund der völlig unübersichtlichen Projektseiten leider noch unbrauchbar. Ein Wechsel zu Darcshub ist nicht für jedes meiner Projekte sinnvoll und überdies potenziell gefährlich: Meines Wissens steht wie auch hinter Sourcehut, das ich aber im Auge behalten werde, nur eine Person hinter dem Projekt, die Vorgängerseiten wurden längst abgeschaltet – die Zukunft des Portals ist also keineswegs gesichert. Was werde ich also mit den größeren Projekten machen?

Die Antwort überrascht mich selbst. Zufällig las ich bei der hastigen Recherche, dass GitHub trotz seines Namens auch eine SVN-Brücke anbietet. Diese hatte ich vorhin ausprobiert und sie scheint zu funktionieren. Zurück zu den Wurzeln also: Sobald Bitbucket keine Lust mehr hat, von mir benutzt zu werden, werden all meine bestehenden Projekte auf Darcs (kleinere Projekte) und SVN (größere Projekte) migriert. Sollen die doch in ihrer Mehrheit schwimmen!

Mal gucken, wer den längeren Atem haben wird.


Nachtrag vom 22. August 2019: Einen Teil meiner Projekte – erst mal nur eines – habe ich, wie angekündigt, bereits auf Darcshub umgezogen und bin erwartungsgemäß zufrieden. In den Kommentaren hierunter hat sich währenddessen herausgestellt, dass es durchaus noch vernünftige Alternativen zu SVN über GitHub gibt, darunter Fossil, das ich völlig vergessen hatte. Ich versuche es vielleicht noch mal damit.

In den Nachrichten
Jesus und die Esel

Sacharja 9,9:

Aber du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem Esel und auf einem jungen Füllen der Eselin.

„kath.net“:

So bekamen Bischof Georg Bätzing als auch Weihbischof Thomas Löhr jeweils einen Audi A 8 mit einem Hybrid-Diesel mit stolzen 286 PS, der Grundpreis der Autos ist dabei 90.600 Euro.

Matthäus 5,20:

Es sei denn eure Gerechtigkeit besser als der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.

(via Schwerdtfegr)


Apropos Pharisäer: McDonald’s hat in Großbritannien ein großes Umweltproblem – weil es jetzt weniger Plastik benutzt.

In den NachrichtenMontagsmusik
The Strokes – Is This It?

Herbstkauz' Stunde schlägtEs ist Montag. In den gestrigen Nachrichten war zu lesen, Diane „Krüger“ Kruger gehe kaum noch ins Kino. Diane „Krüger“ Kruger ist auch mir nicht aus dem Kino bekannt, insofern ist es schön, wie bodenständig sie ist: Belanglose Gemeinsamkeiten mit Prominenten zu haben ist bei mancherlei Volk ja positiv besetzt. Ich hätte lieber Gemeinsamkeiten mit einem Pandabären oder – noch besser – einen Pandabären. Man kann nicht alles haben.

Klingeling, Politik: Volker Beck, für für meinen Geschmack deutlich zu viele Merkwürdigkeiten in der Geschichte der Grünen verantwortlich, hat auf Twitter mitgeteilt, dass die AfD sich für ein Schächtverbot einsetze, sei eine historische Parallele zur NSDAP und Demokraten sollen daher „populistischen Versuchungen widerstehen“. Ob Schächten jetzt unbedingt eine gute Waffe im Kampf gegen Rechts ist, scheint mir weniger eindeutig ein besonders guter Einfall zu sein als ihm. Zur Person passt: In einem an Teenager gerichteten Buch über Transsexualität darf ein Sechsjähriger erzählen, wie schön er es findet, Oralverkehr mit anderen Jungs zu vollziehen. Ich halte davon vermutlich das Richtige.

Apropos: Die Faschisten kommen! Was ist moralisch gut und was ist falsch? Die über Karl Poppers Schriften bekannt gewordene Feststellung, es sei grundsätzlich gut, davon auszugehen, der Gegner könnte Recht haben, ist im universitären Diskurs einem Absolutheitsanspruch gewichen, der vielen liberal denkenden Menschen noch große Probleme bereiten wird, sobald sie in falschen Kreisen nicht falsche Überlegungen zum Besten geben. Konservativismus scheint die weniger intolerante Daseinsform geworden zu sein. Wer hat noch Fragen zur Linksflucht, die als „Rechtsruck“ verbrämt wird? Ich sehe mich inzwischen reichlich gewappnet, sie zu beantworten.

Mit einem Artikel, dessen Infokasten „VPN“ völlig falsch erklärt, berichtet Patrick Beuth („SPIEGEL ONLINE“) von seinen Erfahrungen im „feindseligsten WLAN der Welt“. Ich berichte lieber von meinen Erfahrungen mit der unblödesten Musik der Welt. Wie wäre es mit dieser hier?

The Strokes – Is This It?

Guten Morgen.

ComputerIn den Nachrichten
Google erklärt dem freien Web den Krieg

Apropos „Mistmachweb“:

Google benutzt einen Algorithmus namens Twiddler, der Inhalte, von denen sie nicht wollen, dass man sie über ihre Dienste sieht, schlechter bewertet.

Das bedeutet, dass – so weit nichts Neues – Suchanfragen über die Google-Suche und YouTube nicht vor allem nach ihrer Relevanz, sondern nach ihrer Moral sortiert werden. Zu den Begriffen, die zu einer schlechteren Bewertung führen, gehören gemäß der kolportierten Filterliste neben politischen Phrasen auch „depressed“ und „depression“. Man kann Nutzer des Webs ja nicht einfach so dem echten Leben aussetzen!

Noch amüsanter freilich:

Laut vorherigen Project-Veritas-Leaks sollte diese Informationskontrolle verwendet werden, um die Wahlen im Jahr 2020 zu beeinflussen, damit sie „keine weitere Trumpsituation“ haben werden.

(Unzureichende Übersetzungen von mir.)

Verdammter Putin mit seinen Wahlbeeinflussungen immer! :aufsmaul:

In den Nachrichten
Bahnstrafe für Soldaten

Ich habe lange ergebnislos überlegt, welche Strafe jemand verdient, der sich freiwillig zum Diener für die wirtschaftlichen Interessen von Ölindustriellen macht und für dieselben in Angriffskriege zwecks Wahrung des Friedens zieht.

Ausgerechnet die rechtspopulistische CDU/CSU hat nun einen Vorschlag gemacht, dem ich mich in seiner Perfidität nur anschließen kann: Zersetzen wir ihre Wehrkraft doch mit Bahnfahren!

„Das sind Menschen, die tagtäglich einen Dienst für uns alle leisten, und mit der kostenlosen Bahnfahrt gibt es eine Möglichkeit (…), Anerkennung und Dankbarkeit dafür zu zeigen“, sagte Seibert.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeswehr abgeschafft gehört.

NerdkramsProjekte
In eigener Sache: Tweets weniger schlimm anzeigen mit birdcries.

Als datenschutzbewusster Teilnehmer des Mistmachwebs hat man es oft nicht leicht, wenn es darum geht, auf akzeptable Weise öffentliche Mitteilungen seinen Mitmenschen zugänglich zu machen. Verweist man etwa auf ein YouTube-Video, so findet vielfach Datenaustausch mit Google statt. Zusätzlich zu Video- und Reklameinhalten werden etliche Kilobyte an JavaScript geladen und ausgewertet. Eher textlastige Medien wie Twitter haben es auch nicht viel leichter: Ein einzelner Tweet passt nur noch mit Mühe auf eine Diskette.

Immerhin: Für YouTube gibt es mit invidio.us eine akzeptable Alternative; man ersetze in YouTube-Links youtube.com durch invidio.us und veröffentliche stattdessen diese. Schwieriger scheint es bei Twitter zu sein, denn eine datenschutzfreundliche Möglichkeit, einzelne Tweets als etwas anderes als einen Screenshot mit anderen Menschen zu teilen, ist mir nicht geläufig.

Also habe ich selbst eine programmiert.

birdcries – engl. „Vogelschreie“ – ist für Twitter, was invidio.us für YouTube ist. Ich gehe noch einen Schritt weiter und verzichte absichtlich darauf, eingebettete Medien wie Videos oder Bilder anzuzeigen. Wer die unbedingt sehen möchte, der möge zum Originaltweet (selbstverständlich jeweils verlinkt) greifen. Um diejenigen Menschen ein wenig zu ärgern, die trotz allem der Meinung sind, Open Source bedeute immer auch hohe Qualität, habe ich birdcries im Quellcode veröffentlicht. Wer sich bemüßigt fühlt, selbst eine Instanz zu installieren und/oder mein Original zu ändern, der möge das somit tun.

Als nächstes größeres Feature erwäge ich oEmbed-Unterstützung, so dass die Vogelschreie wie auch Tweets einfach per URL-Nennung eingebunden werden können. Ich weiß aber noch nicht, ob sich der Aufwand lohnt.

NerdkramsNetzfundstücke
Komfortabel, sicher und gefährlich: Linux als Werbemittel für Closed Source

„heise online“, 16. Mai 2019:

Linux komfortabel und sicher entsperren

Man kann recht einfach eine Passwortabfrage durch eine Gesichtserkennung ersetzen.

„heise online“, heute:

Sicherheitsgau bei der Biometriedatenbank „Biostar 2“ der südkoreanischen IT-Firma Suprema: (…) Die Experten konnten sich nach eigenen Angaben ohne große Mühen Zugang zu 27,8 Millionen Einträgen verschaffen, die 23 Gigabyte an Daten ausmachten. Darunter waren neben unverschlüsselten Profilinformationen wie Nutzernamen und Passwörtern über eine Million Fingerabdrücke sowie eine ungenannte Zahl an Gesichtsbildern.

Jemand sollte mal eine Möglichkeit erfinden, sich in irgendeinem elektronischen System anzumelden, ohne seine Biometrie preisgeben zu müssen. Dass darauf noch niemand gekommen ist!


Zu meiner besonders ausbleibenden Überraschung ist die „Open Source Summit“ der Linux Foundation, eine Art Selbstapplaus von Firmen, die ihr Geld damit verdienen, Benutzer schlechter Betriebssysteme zu verklapsen, gar keine Open-Source-Veranstaltung, sondern eine Werbeveranstaltung für proprietäre Software. Das passt hervorragend ins Bild. Wohl dem, der seine genutzte Software nach ihrer Nützlichkeit und nicht nach ihrer Ethik bewertet!

Netzfundstücke
Medienkritik CXVI: Wasser predigen, Fleischwurst kauen

„Die Presse ist ein Erziehungsinstrument, um ein Siebzig-Millionen-Volk in eine einheitliche Weltanschauung zu bringen.“
— Adolf Hitler, 1934


Während in den USA die langweilige alte Diskussion darüber, ob man nicht fiese Mörderspiele verbieten solle, auf dass das Spielen mit den dort überall erhältlichen Waffen keine größeren Schäden anrichten möge, schon wieder ermüdend ausführlich geführt wird, sprechen Deutsche über das, womit sie sich auskennen: Schweine.

In diesem Fall die Verteuerung ihres Leibes zwecks – Moment, ich muss kurz im Ausredenkalender blättern – Klimaschutzes:

Wer Fleisch isst, belastet das Klima. So viel steht fest.

Dass bereits das Klima belastet, wer nicht augenblicklich das Atmen einstellt, und dass die Zukunft der Erde als für Menschen bewohnbarer Planet mittelfristig nur zu schützen wäre, hörten Menschen endlich mit dieser von erbärmlichem Drang danach, die eigene als die siegreiche Rasse erkennen zu dürfen, getriebenen Vermehrung auf, wird medial unverändert wenig betrachtet. Den Menschen zu verstehen zu geben, dass sie das Problem und nicht die Lösung sind, ist außerhalb feministischer Medien offenbar kein beliebtes Mittel. Vorher greifen sie lieber nach jedem Plastikstrohhalm.

Einzig der „Deutschlandfunk“ fällt aus der Reihe und klauskinskit das Publikum: Ihr seid bloß zu doof!

Angesichts der Möglichkeiten, die der Markt bietet und die Werbung nutzt, sind die Bürger als Konsumenten erkennbar überfordert – intellektuell wie moralisch.

Und natürlich müssen deshalb Verbote her[.]

Denn zwar sind diejenigen, die am lautesten den Verzicht auf vermeintlichen Luxus von ihren Mitmenschen herbeizukrakeelen versuchen, selbst diejenigen, von denen man erwarten sollte, ein Vorbild zu sein zu versuchen, aber das lässt Ulrike Winkelmann, privat gerne mal am Flughafen, nicht gelten:

Die Ökoprediger nehmen doch selbst das Flugzeug und essen Fleisch. (…) Greta Thunberg hätte auch recht, wenn sie statt im Segelschiff mit dem Flugzeug zum Klimagipfel anreisen würde. (…) Wer fordert, den Fleischkonsum einzudämmen, hat recht, auch wenn er unlängst mit einem Schnitzel in der Kantine gesehen wurde.

Ich bin davon überzeugt, dass das Klima am Ende seiner Kräfte voller Ehrfurcht auf die Prediger des Wahren zurückblicken und sagen wird: Ja, gut, die haben mir jetzt mehr geschadet als die meisten anderen Menschen, aber wenigstens haben sie unterdessen nicht die grundfalschen Dinge gesagt.

Aber schränkt ein mögliches Verbot von bestimmtem Fleisch nicht meine Freiheit ein? Ulrike Winkelmann ist für diese Frage gerüstet:

Dadurch werden Freiheiten eingeschränkt – oh ja: zum Wohle anderer. Kommt immer mal wieder vor: Es ist nicht lange her, da war es erlaubt, anderen im Restaurant Zigarrenqualm ins Essen zu pusten. Ist jetzt verboten.

Zweimal täglich Fleisch essen, anderen Gift übers Essen pusten: Alles dasselbe im Hause Winkelmann.

Wie viel Klima es wohl retten würde, schaltete man den Webserver vom „Deutschlandfunk“ – diese Geräte sind keineswegs dafür bekannt, dass sie zwischen zwei Aufrufen einen Wald aufforsten – einfach mal ab?


Schade: In Berlin war ein Autoteilehändler zu schnell, als es um das sponsoring für Warnwesten für Kinder (zum Schutz vor besagten Autos) gehen sollte. Ein Zigarettenhändler hätte es doch viel nötiger gehabt!