Netzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Mondkalb royal.

Anscheinend haben die Macher von „heise online“ („News und Foren zu Computer, IT, Wissenschaft, Medien und Politik“, ebd.) beschlossen, Martin Holland bevorzugt in Themenbereichen einzusetzen, mit denen er sich grob auskennt, und nicht mehr in physikalischen oder anderen „Nerd“-Themen.

Stattdessen durfte er gestern den Monarchisten unter den Lesern von „heise online“ eine Freude machen:

Wenn sich der britische Prinz Harry und die US-Schauspielerin Meghan Markle am Samstag das Ja-Wort geben, können Interessierte hierzulande nicht nur im Fernsehen zuschauen, sondern auch auf Youtube.

Ist auf YouTube, ist also „IT-News“. Nur noch wenige Monate bis zu den ersten Schminktipps, nehme ich an.

Müde, so müde.

In den NachrichtenPolitik
Annahmen zum Linkssein (2): Sechzehn Prozent.

Die „Splitter- und Randgruppenpartei“ (H. Danisch) SPD, eine der beiden „großen Volksparteien“ also, erreicht, wie man heute in diversen Medien, die wegen des Leistungsschutzrechts oder aus anderen Gründen nicht verlinkt werden möchten, lesen kann, zurzeit bundesweit noch 16 Prozent der Stimmen in leider nicht ergebnisrelevanten Umfragen. In Berlin, wo sie zudem einen Teil der Landesregierung stellt, ist sie nur mehr die viertstärkste Kraft. Zu meinem Bedauern reichte es noch für einen eigenen Balken auf ARD und ZDF.

Im März 2018 schrieb ich:

Parteipolitik an sich ist nicht die Politik der Zukunft.

Es steht also außer Frage, dass der Niedergang der „Volksparteien“ diejenigen Parteien am stärksten trifft, die sich durch aktive Politik hervortun. Je weniger Politik und je mehr Beliebigkeit verübt wird (wenngleich sich ausgerechnet die Bundes-SPD, wie gleichfalls heute in nicht verlinkt werden wollenden Medien zu lesen ist, von der Bundes-SPD-Forderung nach Familiennachzug für Gefährder momentan distanziert), desto weniger bemerken das Wähler. CDU und AfD sind nicht deswegen vergleichsweise stark, weil sie so schöne „Ideen“ haben, sondern, weil von ihnen kaum jemand etwas mitbekommt; und das Umfragehoch der F.D.P. fand ein eher plötzliches Ende, als klar wurde, dass die Partei außer dem Herumzeigen ihres Vorsitzenden auch politisch irgendwas mitteilen möchte.

Vielleicht ist das der wesentliche Fehler des politischen Systems: Das verbissene Festhalten an der Vorstellung, als Partei könne man eine homogene Gruppe aus von anderen Gruppen sozial weitgehend abgeschotteten Menschen zielgerichtet vertreten. Die perfekte Partei hätte alle Flügel.

In den NachrichtenPolitik
Schlimmer Verdacht: Sind bayrische Politiker politisch motiviert?

Wie schlimm steht es eigentlich um Sachsen? So schlimm:

Die Anti-Terror-Fahrzeuge verfügen bereits jetzt über modernste Videotechnik und können Reiz- sowie Nebelgas verschießen. (…) Sie sollen mit Maschinengewehren ausgestattet werden. (…) „Sind zur Erfüllung der gesetzlich definierten Aufgaben der Polizei Maschinengewehre erforderlich“, sehe der Gesetzentwurf diese Möglichkeit vor.

In Sachsen regiert seit 2014 eine Koalition aus CDU und SPD. Sofern die Bundespolitik beider Parteien etwas über ihre Landespolitik in Sachsen aussagt, möchte ich an dieser Stelle aufs Schärfste kritisieren, dass mit solchen Mitteln gegen Arbeitslose vorgegangen wird.

Dass diese Nachricht während bundesweiter Proteste gegen das bayrische Polizeiaufgabengesetz veröffentlicht wurde, ist auch Kai Kollenberg von der „Freien Presse“ nicht entgangen, und bis zum Bersten gefüllt mit Journalistik fragt er im selben Text:

Ist das bayerische Polizeigesetz politisch motiviert?

Aufmerksame Beobachter wissen, dass diese Frage nur rhetorisch gemeint sein kann: Als wäre jemals ein zu erlassendes Gesetz politisch motiviert gewesen! So ein Schlingel, der Kai Kollenberg.

Netzfundstücke
Liegengebliebenes vom 15. Mai 2018

Der Anbieter von reCAPTCHA, einem Dienst, mit dessen Hilfe man verhindern können soll, dass Maschinen sich als Menschen ausgeben, prahlt mit einer Maschine, die sich als Mensch ausgeben kann. (via webshit weekly)


Baut mehr hässliche Websites!


Die australische Armee hat 1932 einen Krieg gegen Emus verloren.


Deutsche Hochschulen, Hort der Erziehung zu selbstständigem Denken: Die Universität Köln schreibt nun dort tätigen Bauarbeitern vor, was sie anziehen dürfen.


„warum zum hackenden henker muss ein kraftwerk oder ein wasserwerk übers internetz fernadministrierbar gemacht werden?!“


GnuPG ist kaputt – Signal nutzen? Signal ist kaputt – GnuPG nutzen!

In den NachrichtenNerdkrams
Medienkritik in Kürze: E-Mails missverstehen dank „heise online“.

Irgendwelche „Forscher“ haben zu niemandes bleibender Überraschung herausgefunden, dass der bis heute nicht vernünftig standardisierte Denkunfall „HTML-Mails“ sich mit den etablierten Sicherheitskonzepten S/MIME und GnuPG nur wenig gut verträgt, und auf einer fragwürdig gestalteten Website mit einem von ganzen zwei Personen „gestalteten“ Logo dieses „Problem“ unter dem Namen „EFAIL“ beschrieben. (Vaschtehnse, „E-Mail“, „E-Fail“, tihihi.)

In den dortigen FUCK FAQ ist zu lesen, dass ein Schutz gegen die mögliche Entschlüsselung vorrangig dadurch gegeben sei, dass man in seinem Mailclient die Anzeige von HTML-Mails unterbindet, was in den meisten mir bekannten Exemplaren dieser Art Software ohne großen Aufwand möglich ist.

Oder man hält sich an die Empfehlungen vom ehemaligen Fachmagazin „heise security“:

Als grundsätzliche Alternative bietet sich die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung des Messengers Signal an. Diese setzt – anders als OpenPGP und S/MIME – Kryptografie nach aktuellen Stand der Technik um und ist vor den bei E-Mail jetzt diagnostizierten Problemen gefeit.

Messenger – vor allem Signal – sind die Zukunft, denn sie sind sicher vor Angriffen auf HTML-Mails; schon, weil sie gar keine freie Textformatierung unterstützen. Ein bisschen wie vernünftig eingestellte E-Mail-Programme also.

Aber wer benutzt schon noch E-Mail-Programme, wenn es doch Messenger gibt? :ja:

In den NachrichtenMontagsmusik
Dot Legacy – Grey Cardinal

Kann man schon Kaffee?Es ist Montag. Beleidigen will gelernt sein. Schade, dass man den Montag nicht anrufen kann. Was man, andererseits, auch nicht anrufen kann: Pandabären. So toll kann dieses Anrufen also gar nicht sein.

Auch nicht so toll ist, was über das geistige Moorhuhn „Bibi“ – sie hat ihr Studium in Firlefanz „aufgrund ihrer erfolgreichen Internetaktivitäten“, wie es in der Wikipedia zurzeit formuliert ist, abgebrochen – in den einschlägigen Medien zu lesen ist: Sie erwarte Nachwuchs, womöglich mit Absicht, und bekommt von anderen verzichtbaren „Influencern“ hierfür manchen Zuspruch. Sie wird wohl allmählich zu endezwanzig für Schminkvideos. Welche Auswirkungen diese Neuigkeit auf ihre vielen Anhängerinnen haben wird, bleibt abzuwarten. Wer, das sollte nicht ungeschrieben bleiben, seine Zukunft vorzeitig auf die Voraussetzung stellt, dass ein finanzorientierter Anbieter von Bewegtbildern noch für lange Zeit bereit ist, Reklame für abwaschbare Ersatzgesichter zu belohnen, der ist trotz allen schnellen Reichtums und sonstwie augenscheinlich glamourösen Lebens zu bedauern.

Apropos Kanaillen: Laut der CSU gibt es ein „Bayern-Gen“, das unter anderem das CSU-Wählen bedinge. Offenbar gibt es in Teilen Deutschlands tatsächlich ein Problem mit fremden Kulturen. Eine Obergrenze für Träger des „Bayern-Gens“ würde sicherlich sowohl Rassisten als auch ihre politischen Gegenspieler in Zustimmung vereinen. – Dazu passt: Die besten Teams für den Cyber-Krieg bestehen aus sozial Gestörten. Die, die nicht am Krieg teilnehmen möchten, finden sich stattdessen auf irgendwelchen Mailinglisten ein und lassen sich dort von Richard M. Stallman die Hackerkultur erklären. Soziale Gerechtigkeit macht anscheinend humorlos.

Am vergangenen Wochenende „gewann“ irgendein Land den Wettstreit der belanglosen Liebesschnulzen. Sollte unter meinen Lesern einer sein, der sich für dessen Kenntnisnahme nicht zu schade war, so möge er sich an dieser Stelle mit Spott bedacht fühlen und sein Wissen bitte keineswegs weitergeben. Uns Übrigen eröffnet sich eine weitere Woche voller großartiger Musik.

Zum Beispiel dieser:

Dot Legacy – Grey Cardinal (To The Others album 2016) – heavy progressive Stoner Rock from France

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Messa – Feast for water

Messa - Feast for waterDie Musikgruppe Messa hatte auf diesen Seiten erst Ende April den Platz als Spenderin der Montagsmusik eingenommen, ihr feines „Babalon“ gehört sicherlich nicht zu den schlechtesten Stücken italienischer Musikkunst. Im Jahr 2018 erschien ihr neues Album „Feast for water“ (Amazon.de, Bandcamp, TIDAL), das ich auf keinen Fall unempfohlen lassen möchte.

Es beginnt mit einem Plätschern: „Naunet“ könnte als Titelstück von „Feast for water“ durchgehen, denn ein Lied gleichen Namens ist auf dem Album nicht zu finden. Zu ein wenig Streichermusik wird also vorgenanntes Geräusch eingespielt. Beides zusammen wird zu einem seltsamen Lo-fi-Pfeifen und leitet so, sozusagen als intro, das erste eigentliche Stück „Snakeskin Drape“ ein, in dem zwar auch noch ein wenig Wasser zu hören ist; dann aber beginnt die Gruppe ihren schwer zu widerstehenden, sehr dunklen Postrock (oder ist das schon Postpunk?) zu Gehör zu bringen und nimmt umgehend gefangen.

MESSA "Leah" Official videoclip 2018

Auf „Feast for water“ gibt es nur wenig Eskalation („Tulsi“), jedoch immer wieder auch ruhige Momente, die ihre Stimmung daraus ziehen, dass eigentlich nichts passiert („She Knows“), aber Messa lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass das zum Konzept gehört. Das alte Laut-Leise-Spiel haben andere Bands schon zur Genüge durchexerziert, nach Perlen muss man inzwischen etwas tiefer tauchen. Wo andere Vertreter ihres Stils (um nicht schon wieder „Genres“ zu erfinden) entweder aggressiv oder weinerlich zu Werke gehen, versuchen Messa ihre ganz eigene Gefühlswelt zu erschaffen und schaffen das sogar. Sie selbst nennen das, was sie hervorbringen, „Dark Jazz“ und gegen Jazz gibt es von mir schon aus Prinzip kein böses Wort.

"The Seer" – MESSA album: Feast for water

Je mehr Musik ich höre, desto schwerer bin ich, dies hoffe ich jedenfalls, zu beeindrucken. Messa überspringen diese Hürde ohne sichtliche (hier: hörbare) Mühe. Bonuspunkte gibt es für die Unmöglichkeit, „Feast for water“ als Hintergrundmusik zu missbrauchen: Nicht hinzuhören gelingt nicht. Meinen Dank und meine Anerkennung sende ich hiermit also nach Italien und meine Empfehlung an die Leser. Möge sie zünden!

In den NachrichtenPersönliches
Kurz angemerkt zum Recht auf Rausch

Während Bierbrauer sich überrascht zeigen, dass Schriftzeichen auf Flaggen eine Bedeutung haben können, nutzten Menschen, die für das fragwürdige Recht einstehen, anderen Leuten, die sich schon am befreienden Duft von Tabak und Teer nicht so recht erfreuen können, künftig auch sonstige Substanzen in die Atemluft zu blasen, wie jedes Jahr das erschreckend erträgliche Wetter für einen ihrer Aufmärsche, und obwohl ich jedes Verständnis für die Idee habe, dass es, wenn schon die Tödlichkeit von Zigaretten bereits mit aufgedruckten Warnhinweisen politisch akzeptiert wird, eine bedauerliche Fehlentwicklung ist, dass erstens man sich und andere mit Tabakqualm, nicht aber nur sich selbst mit Heroin oder Kokain, als läge die Entscheidung über die Duldung allein in der Größe und Kaufkraft der agierenden Lobbyisten und als wäre die Besteuerung von Heroin und Kokain also alles, was sie von einer hiesigen Legalisierung trennt, umbringen darf und zweitens Herstellung und Vertrieb von hochprozentigem Fusel, der allein den Zweck der Selbstvergiftung erfüllt, was auf uns Single-Malt-Genießer ein eher schäbiges Licht wirft, obwohl wir jeweils aufzuhören zu trinken versuchen, bevor wir eine Wirkung bemerken, weil uns alles Weitere des Genusses beraubte, erlaubt bleibt, schlüge ich, würde ich gefragt, eine Ergänzung zur Forderung der Cannabisbefürworter vor, die besagte, dass erlaubt sein möge, was niemanden stört, also zunächst einmal alles, was geruchsarm zu konsumieren ist, und anschließend alles, was in den eigenen vier Wänden stattfindet, und alles Weitere in dem Moment, in dem es – nicht: der Konsument selbst, denn für dessen etwaige, legale Dachschäden sind bereits Spezialisten verfügbar – irgendeinem unbeteiligten Passanten die Lebensqualität einschränkt, mit hohen Strafen belegt werden sollte, aber aus genau diesem Grund werde ich wahrscheinlich nicht gefragt; Glück gehabt.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Medienkritik in Kürze: Vatertag gegen Muttertag, Gewalt gegen Blumen.

Der Binsenweisheit, dass der Unterschied zwischen Vater- und Muttertag vor allem der sei, dass Väter am Vatertag etwas mit ihren Kindern unternehmen und Mütter am Muttertag bloß mit Blumen und Essen beschenkt werden wollen, sei ein Überblick über die aktuellen Nachrichten hinzugefügt:

Vatertag:

  • „(…) das hier sind die abgefahrensten Bollerwagen“ („watson“)
  • „Wenn Pinkeln ohnmächtig macht“ („NDR.de“, Rubrik „Ratgeber“)
  • „Alkohol: Die Deutschen trinken nicht nur am Vatertag“ („Euronews“)
  • „Bügeleisen für die Mama und Bier für den Papa“ („Stuttgarter Nachrichten“)
  • „Vatertag startet ruhig“ („RTL Online“)
  • „Vatertag: Von Freiheit und Vögeln“ („Westdeutsche Zeitung“)
  • „Promille nach Vatertag und Biergarten: Was der Restalkohol-Test am nächsten Morgen verrät“ („stern TV“)
  • „Prügeleien am Vatertag“ („NDR.de“)
  • „Vatertag im gestohlenen Rollstuhl gefeiert“ („WELT ONLINE“)
  • „Wüste Prügelei: Polizeieinsatz am Vatertag“ („NDR.de“)
  • „33 Einsätze am Vatertag wegen Körperverletzungen“ („RTL Online“)
  • „52 Verletzte in Brandenburg“ („RTL Online“)
  • „Ausflügler feiern am Vatertag im ganzen Land friedlich“ („Antenne Niedersachsen“)
  • „Der Vatertag endet mit Gewittern“ („rbb|24“)
  • „Tipps gegen den Kater“ („SPIEGEL ONLINE“)

Muttertag:

  • „Muttertag 2018: Die schönsten Geschenkideen“ („T-Online“)
  • „Wiesenblumen zum Muttertag“ („SZ-Online“)
  • „Bügeleisen für die Mama und Bier für den Papa“ („Stuttgarter Nachrichten“, passt auch hier)
  • „Muttertag: Das Geschäft mit den Blumen“ (ZDF, „morgenmagazin“)
  • „Muttertag: 14 Last-Minute-Geschenkideen für alle, die super spät dran sind“ („ZEITjUNG“)
  • „Danke Mama! Schöne Geschenkideen zum Muttertag“ („bento“)
  • „Fünf Ideen für selbst gebastelte Geschenke zum Muttertag“ („T-Online“)
  • „Mütter fliegen am Muttertag billiger“ („Main-Post“)
  • „Leckerer Erdbeerkuchen pünktlich zum Muttertag“ („5vier.de“)
  • „Blumen und ihre Bedeutung – Welches ist der richtige Strauß?“ („Stuttgarter Zeitung“)
  • „Geschenk zum Muttertag: Das sind die besten Bücher“ („FOCUS Online“)
  • „Geschenkideen zum Muttertag aus der BRIGITTE-Redaktion“ („Brigitte“)

Lidl, heißt es beim „HORIZONT“, trete „zum Muttertag ins Klischee-Fettnäpfchen“, indem die Ladenkette „sexistische Kackscheiße“, was der brüllfeministische Begriff für „traditionelle Frauendinge“ ist, verkaufe. Die haben vielleicht einfach zu viel Zeitung gelesen.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Himmlische Körper, neue Altbauten

Entwarnung einer-, Verwunderung andererseits in New York: Bei der Gala „Himmlische Körper: Fashion und die katholische Vorstellungswelt“ gab es keinerlei nackte Knaben, sondern bloß reiche Frauen in bizarren Klamotten und damit insgesamt eher unkatholische Dinge zu sehen.


Zufallsfund der Woche: In Frankfurt am Main wird voraussichtlich noch dieses Jahr etwas offiziell „eröffnet“, das „Neue Frankfurter Altstadt“ genannt wird und aus neuen alten Häusern besteht. Unklar ist, ob es zu dieser Zeit dunkel sein wird, während der Mond hell scheint.

Nerdkrams
Ein Monat mit OmniOS: Andere sind schon mit BSD überfordert.

Wer hier regelmäßig mitliest, der hat eventuell mitbekommen, dass meine 2012 entfachte und später gelegentlich wieder thematisierte Begeisterung für das Betriebssystem FreeBSD im Februar 2018 ein jähes Ende fand.

In einem selbst für mich überraschenden Anflug von Folgerichtigkeit stellte ich mit Erscheinen des letztverlinkten Artikels jede Arbeit an FreeBSD-Unterstützung für jedes meiner Programme ein und begab mich auf die Suche nach einem geeigneten Ersatz für meinen Webserver. ‘Ein Monat mit OmniOS: Andere sind schon mit BSD überfordert.’ weiterlesen »

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Terminal Cheesecake – Blow Hound

Ich trage heute meine Montagsfrisur.Es ist Montag. Das muss doch nicht schon wieder sein. Sex mit Fischen ist das neue große Ding, selten schienen andere Tiere so wenig verstörend. Eine Ausnahme sind und bleiben allerdings Pandabären – wer könnte von ihnen verstört sein?

Verstörend ist aber auch weiterhin die Politik. Damit meine ich nicht einmal nur die CDU, deren Berliner Landesvorsitzende die wenigstens mutige Behauptung ins Web kübelte, dass das Internet in einer Demokratie nicht gut aufgehoben sei, weil es „mehr Freiraum“ biete, als Demokratie „vertrage“, weshalb ein „politisches Update“ nötig sei. Immer, wenn jemand von der CDU von einem Update redet, fällt in irgendeinem Büro der für das Ausdrucken von E-Mails zuständige Praktikant lachend vom Stuhl, vermute ich. Routine verstört nicht mehr. Viel verstörender jedoch ist ihre süddeutsche Schwesterpartei: Markus Söder empfindet es als eine Selbstverständlichkeit, dass eine Horde Fußballspieler für einen Sieg einen Staatsempfang verdient habe, obwohl das fränkische Nürnberg doch mit seinem Bundesland überhaupt nichts zu tun haben will. Im Allgemeinen scheint man in Bayern nicht mehr alle Latten am Zaun zu haben. Der Traditionspartner lässt sich da natürlich nicht lumpen: Auch die F.D.P., mir zwischendurch etwas weniger unsympathisch als noch 2013 geworden, hat es bedauerlicherweise geschafft, mich durch reine Dummheit davon zu überzeugen, dass weitere Sympathie eine beknackte Idee wäre.

Kann man denn gar nichts mehr lesen, ohne von Stuss umgeben zu sein? Doch: Die „Washington Post“ veröffentlichte am vergangenen Freitag einen Artikel, der den jahrzehntelang schwelenden Streit darüber, wie viele Leerzeichen zwischen zwei Sätzen eingefügt werden sollten, endlich und endgültig beilegt: Zwei natürlich. Hoffentlich gibt es bald eine Möglichkeit, das in HTML abzubilden, ohne sich mit unsichtbaren Sonderzeichen zu behelfen.

Dieser Sieg der WIssenschaft ruft geradezu nach ein wenig verquerer Musik. Hier mein Vorschlag:

Terminal Cheesecake – Blow Hound

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Humulus – Reverently Heading Into Nowhere

Wenn die Italiener nicht gerade merkwürdige Politik hervorbringen, machen sie stattdessen oft vernünftige Musik. Wenn sie dabei auf Gesang verzichten oder ihn in einer anderen als der Landessprache vorbringen, die beim Singen wirklich nicht mehr schön klingt, dann ist mir das mitunter eine Empfehlung wert.

Das Trio Humulus etwa, das seine Musik als eine „Kombination aus fetten Fuzzgitarren, schweren Riffs und einer Menge Bier“ bezeichnet, veröffentlichte 2017 mit „Reverently Heading Into Nowhere“ (Amazon.de, Bandcamp.com) sein zweites Vollzeitalbum und hat auf ihm nicht viel falsch gemacht.

Im Wesentlichen spielen „Humulus“ sich zwischen 70er-Hardrock und Stoner Rock eine eigene Nische heraus, nicht ohne dabei die eigentlich obligatorischen Zutaten Fuzzgitarre und ordentlich Hall bestmöglich auszunutzen.

Humulus – Anachronaut (exclusive preview/Album 2017)

Sänger und Gitarrist Andrea Van Cleef (mit der deutschen Plattenfirma gleichen Nachnamens zumindest musikalisch erfreulich unverwandt) beherrscht das entspannte Crooning („Distant Deeps Or Skies“), insoweit es in diese Art von Musik passt, mit seiner angenehmen tiefen Stimme ebenso wie die gesangliche Eskalation. Bassist Giorgio hat das Glück, auf einen verständigen Produzenten getroffen zu sein, wie sein herrlich brummender Bass, der in genau den richtigen Momenten auch einmal in den Vordergrund gespielt werden darf, beweist.

Humulus – Catskull

Mit „Rama Kushna“ gibt es am Ende von „Reverently Heading Into Nowhere“ einen glatten Stilbruch, nämlich ein elfminütiges Shoegazing, das – wie auch der Rest des Albums – bei aller begründeten Abneigung gegen diese Art von Begriffen ziemlich groovet.

Natürlich ist „Reverently Heading Into Nowhere“ letztlich auch nur eines dieser Stoner-Rock-Alben, die sich nur geringfügig von ihren Regalkollegen unterscheiden. Stoner Rock hört man nicht der Abwechslung wegen. Zweifellos aber gehört dieses Album nicht zu denen, die man sich nicht trotzdem merken sollte. Gute Arbeit.

In den NachrichtenPolitik
Soziale Gebrechlichkeit: Linke „Linke“ gegen „linke“ Linke und für gegen Israel.

Meine beiden Lieblingssätze aus diesem Artikel im sicherlich umstrittenerweise marxfreundlichen „Neuen Deutschland“ besagen, dass Linke Steine auf andere Linke geworfen hätten und es bei Sachschäden geblieben sei. Nicht klar ist, ob sie denn nun ihr jeweiliges Ziel getroffen haben oder nicht.

Im Allgemeinen ging es, behauptet der Artikel, jedenfalls darum, dass neoliberale, also antiimperialistische, Linke sich vorgestern in Bochum mit imperialistischen, also „antideutschen“, Linken darum zu prügeln suchten, ob die einzig wahren „Linken“ nun diejenigen, die das Zerfetzen von palästinensischen Zivilisten ablehnen, oder diejenigen, die das Zerfetzen von israelischen Zivilisten ablehnen, seien. Für das „Neue Deutschland“ ist der Fall, sofern man aus der Wortwahl etwas folgern sollte, offensichtlich klar, denn die Ablehnung israelischer Außenpolitik sei in toto als Antisemitismus und Israelhass zu erkennen, als müsse man immer gleich alles hassen, gegen was man demonstriert. Dass eine Demonstration gegen eine Situation im Allgemeinen einer Demonstration für eine andere Situation nicht vorzuziehen ist, habe ich anderswo schon einmal erläutert.

Bei der medialen Berichterstattung über den aus liberaler Perspektive großartigen Geschichtswitz, dass sich hier der Teil der ehemaligen Arbeiter- und Friedensbewegung, der nicht im Gefolge der CDU versumpft ist, gewaltsam darum streitet, welches Land wohl mehr Recht dazu habe, Ausländer zu meucheln, gehe es, gibt eine „Aktivistin“, wie das „Neue Deutschland“ sie nennt, zu Protokoll, „darum, die radikale Linke zu diskreditieren, indem auf linken Antisemitismus abgehoben wird“, als sei jemand, der sich selbst als Teil eines radikalen politischen Rands versteht und daran nichts ändern möchte, überhaupt noch weiter diskreditierbar.

Der verlustreiche, jahrzehntelange Krieg zwischen Israel und Palästina jedenfalls, sind sich die Kontrahenten einig, sei gut und richtig, nur über denjenigen Staat, der ihn gewinnen soll, herrscht auch weiterhin Uneinigkeit. Es scheint mir unter Berücksichtigung des Umstands, dass sowohl Palästina als auch Israel von diesem Gezeter wohl nur wenig beeinflusst werden, eine zumindest erwägenswerte Alternative zu sein, um die notwendige Entscheidung in diesem Streit einfach zu würfeln oder Strohhalme zu ziehen.

Allein die Hersteller deutscher U-Boote sollte man in diese Entscheidung nicht unbedingt einbeziehen.