KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Dry Cleaning - New Long Leg

Dry Cleaning - New Long LegLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Dry Cleaning - man hört’s: aus London - haben 2021 ihr erstes Vollzeitalbum „New Long Leg“ (Amazon.de) raus­ge­hau­en. Während die drei Musiker (Gitarre, Bass, Schlagzeug/Perkussion) einen ange­nehm trei­ben­den und moder­nen Postpunk mit Sonic Youth und den Smiths im Blut spie­len, hält Florence Shaw dazu einem stream of con­scious­ness nicht unähn­li­che Vorträge. Nein, es gibt kei­nen Gesang. Pff, Gesang. Gesang ist so gewöhn­lich. „Dry Cleaning“ heißt „Trockenreinigung“. Ich krieg‘ mich nicht mehr ein.

I think of myself as a har­dy bana­na with that waxy sur­face and the small deli­ca­te flowers,
a woman in avia­tors firing a bazooka.

Es ist außer­ge­wöhn­lich. Es ist selt­sam. Ich mag es.

Dry Cleaning - Scratchcard Lanyard (Official Video)

London, ne. Steckt man nicht drin.

In den NachrichtenPersönliches
Frohe Waffennacht

In sei­ner Weihnachtsansprache hat der Wahlmonarch („Bundespräsident“) erstaun­lich rich­tig fest­ge­stellt, dass Deutschland nicht etwa ein Ball oder eine Kuh, son­dern ein Land sei und wenig­stens das muss man aner­ken­nen: es stimmt.

Während aber unser­eins alles Nötige schon vor­ge­stern (fern­ab von gro­ßen Menschengruppen und kit­schi­gem Geblinke) erle­digt hat, tritt das Land über­wie­gend erst heu­te in drei besinn­li­che Tage ein: „Drei belieb­te Ausgehviertel in Nordrhein-Westfalen wer­den heu­te erst­mals zu Waffenverbotszonen“, also zwar wird Pfefferspray ver­bo­ten, so dass man sich nicht mehr weh­ren kann, aber Klappmesser auch, so dass man sich auch gegen weni­ger Angriffsarten weh­ren muss. Warum nicht alles immer eine Waffenverbotszone ist, fra­ge ich nicht mal mich selbst.

In sozia­len Medien wer­den Tipps her­um­ge­reicht, wie man die Feier mit anstren­gen­den Verwandten irgend­wie erdul­den kann. Hoffentlich lega­li­siert die Bundesregierung bald das Fernbleiben von Feiern mit anstren­gen­den Verwandten.

I’m In This Photo and I Don’t Like It.

Netzfundstücke
Lebenssortierung

Das Leben sei „zu kurz, um mit Missionaren abzu­hän­gen“, schreibt der welt­weit ein­zi­ge durch­weg lesens­wer­te Berliner Blogger und hat Recht. Der Wirtschafts- und Systemknall (Bitcoins kom­men mir nicht ins Haus, ich blei­be bei Aktien, da habe ich wenig­stens ver­läss­li­che Werte und kei­ne Pferdewetten als Grundlage) lässt sich erstaun­lich viel Zeit, der Knall der Menschen ist schon da. Sie tun jetzt über­all Senf rein. Neulich pro­bier­te ich einen die­ser moder­nen „Shots“ (Obstmatsch mit Senf drin, schmeck­te bemer­kens­wert), vor­ge­stern sah ich in einem Supermarkt Gin mit Senf. Da kriegt man beim Lesen schon Sodbrennen. Das Honig-Senf-Bier habe ich vor ein paar Jahren beim Bierfest lei­der ver­passt. Keine Ahnung, was die schon wie­der vor­ha­ben. Vielleicht alle vergiften.

Spart ja auch Zeit:

Mit blan­kem Entsetzen haben wir das Schreiben des Tuttlinger Kreis-Klinikums und des Landratsamts in Tuttlingen an Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe zur Kenntnis genom­men. In die­sem wer­den die Betreiber unver­blümt dazu auf­ge­for­dert dafür zu sor­gen, dass alte, behin­der­te oder erkrank­te Personen im Falle einer Corona-Infektion nicht mehr behan­delt werden.

Sozialstaat ist wie Freiheitsrechte: In Friedenszeiten ist nichts wert, was in Kriegszeiten nicht exi­stiert. Allerdings: Krieg ist ja immer irgend­wo. Gerade sehen und hören wir ihn nur nicht direkt vor dem Fenster. Diese Welt ruht in sich, denn die­se Welt schweigt. Beim Aktivistentwitter wol­len sie jetzt, dass Christian Lindners „Klöten“ (ebd.) häu­fi­ger mal Teil der Berichterstattung über irgend­wel­che sozia­len events sind, weil Annalena Baerbocks Beine auch häu­fi­ger mal Teil der Berichterstattung über irgend­wel­che sozia­len events sind. Das fän­de ich wahr­schein­lich aus genau den fal­schen Gründen lustig.

Der Film „… Jahr 2022 … die über­le­ben wol­len“ („Soylent Green“) spielt im Jahr 2022. Zu vie­le Menschen fan­den es wit­zig, dass sie die Jahre 1984 (hihi, wie das Buch, ne?) bis 2015 („Zurück in die Zukunft“) über­lebt haben. Überlebt doch mal 2022.

In den NachrichtenMontagsmusikNetzfundstücke
Pili Coït - Endless make love ever­y­whe­re // Russische Telefonate (lost in translation)

Auf diesem Bild hat sich eine Eule versteckt.Es ist - herr­je! - Montag. In Hannoveraner Kirchen kann man sich gegen Corona imp­fen las­sen. Was sagt das eigent­lich über das Vertrauen zu einem Gott, nach des­sen Willen alles (Pandemien ein­ge­schlos­sen) von­stat­ten geht, aus? Und war­um habe ich bei kei­ner mei­ner bis­he­ri­gen Impfungen ein Pandabärenpflaster bekommen?

Das Virus geht eben­so wenig weg wie die Demonstrationen gegen die mit unver­min­der­ter Kopflosigkeit getrof­fe­nen Entscheidungen der Politik, sel­bi­ges Virus betref­fend. Die „taz“ hat hier­zu her­aus­ge­fun­den, dass unter den „Querdenkern“ über­ra­schend vie­le Anhänger von Grünen und Linken sei­en. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die „taz“ in der deutsch­spra­chi­gen Wikipedia als Medium der „Neuen Rechten“ geführt wird. Die „FAZ“ ist da vor­sich­ti­ger unter­wegs, sie ließ am ver­gan­ge­nen Sonnabend Claus Leggewie in Bezug auf die­se „Querdenker“ mit­tei­len, ihr „gemein­sa­mer Kern“ sei „der poli­ti­sche Nihilismus“, indem sie vor allem grund­sätz­lich „ein kon­ver­gen­tes Nein!“ zur Maxime erhe­ben. (Meinten Sie: Anarchismus?) Je Fachbegriff, desto doof. Hierzu sta­ti­stisch inter­es­san­te Frage ohne bestimm­ten Empfänger: Lesen eigent­lich weni­ger Philosophen oder weni­ger Linke den Onlineauftritt der „FAZ“?

„Hallo Niedersachsen“ - freund­li­cher­wei­se noch bis Mitte Dezember 2022 online abruf­bar, danach ist der Platz alle, scha­de, scha­de - stell­te indes eben­falls am Sonnabend die inter­es­san­te­ste Frage des Wochenendes: „Hannover: Wie ist es um die Shopping-Lust bestellt?“. Allein die Existenz des Wortes „Shopping-Lust“ soll­te Anlass genug geben, jede Meldung über eine bal­di­ge „Katastrophe“, die das Fortbestehen der Menschheit ernst­lich gefähr­den könn­te, jubelnd zu beglei­ten. Andererseits: Auch in Hannover fah­ren neu­er­dings Autos mit ein­ge­bau­ter Fahrerflucht her­um. Vielleicht geht es ja damit.

Andere Todesarten sind aber auch noch im Rennen: „Killerroboter“, das qua­li­täts­jour­na­li­sti­sche Wort für auto­no­me Waffensysteme, wer­den auf­grund der Ablehnung „unse­rer“ trans­at­lan­ti­schen Partner vor­erst nicht inter­na­tio­nal geäch­tet. Die Wirtschaft, wis­sen­schon. Die hat doch sowie­so schon gelit­ten. Da kann man ihr doch jetzt nicht auch noch das auto­ma­ti­sier­te Meucheln ande­rer Leute ver­bie­ten. Terroristen. Wirtschaft. Corona. Schlimm. Russische und deut­sche Medien tei­len mit, Annalena Baerbock habe mit dem Iwan tele­fo­niert. Die Inhalte des Telefonats schei­nen maß­geb­lich davon abzu­hän­gen, in wel­chem Land man über es berich­tet. Bestimmt könn­te man dar­aus etwas lernen.

Etwas ler­nen könn­te man auch dar­aus, dass in den näch­sten Wochen im öffent­lich-recht­li­chen Fernsehen noch neun­mal das schnar­chi­ge Märchen von Aschenbrödel gezeigt wird. Zum Glück bekom­men die Sendeanstalten jetzt 86 Cent mehr von mir. Sonst müss­ten die noch spa­ren oder so.

Ich spa­re mir das Fernsehen ohne­hin - das Leben ist zu kurz für stän­di­ge Berieselung. Mein Augen- und Ohrenmerk gilt statt­des­sen der Musik.

Pili Coït - Endless make love ever­y­whe­re (Live session)

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Linksundrechtsrutsch: Berliner Reise nach Jerusalem

Der 20. Deutsche Bundestag, der schon dadurch beein­druckt, dass meh­re­re Parteien in den Familienausschuss nur Frauen ent­sen­det haben (wie vie­le Frauen sind eine Familie?), setzt den von SPD, Grünen und F.D.P. ver­spro­che­nen „Aufbruch und Fortschritt für Deutschland“ fort: Ein nahe­zu vol­ler Bundestag beschloss mehr­heit­lich den Linksrutsch der F.D.P. und den Rechtsrutsch der CDU/CSU, die mit­ein­an­der fort­an die räum­li­che Platzierung im Parlament tau­schen wer­den, senk­te fak­tisch den Nettowert der Hartz-IV-Regelsätze und ging dann jeden­falls im lin­ken Saalteil groß­teils nach Hause, denn das Wichtigste war ja beschlos­sen worden.

Mit etwas Glück bleibt das in den näch­sten vier Jahren so. Dann machen die wenig­stens nichts kaputt.

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Gute Drogen, schlech­te Drogen.

Die „FAZ“ (will nicht ver­linkt wer­den, LSR) „infor­miert“:

Die Pläne der Bundesregierung für eine teil­wei­se Legalisierung des Erwerbs und Gebrauchs von Cannabis sto­ßen auf den ein­hel­li­gen Widerstand der Mediziner, Psychiater und Psychotherapeuten, denen das gesund­heit­li­che Wohl von Kindern und Jugendlichen anver­traut ist. (…) Suchtprävention, so die Wissenschaftler, habe in der Vergangenheit erwünsch­te Effekte gezeigt, wenn sie mit einer strik­ten Reduzierung des Angebots ein­her­ge­gan­gen sei.

„Getränke News“, nur echt mit Idiotenleerzeichen, hält dage­gen:

Warsteiner ver­sucht mit einer Doppelkasten-Aktion mit­zu­hal­ten und erreicht dank sei­nes Six-Pack-Geschenks Weihnachtsbier umge­rech­net den dies­jäh­ri­gen Warsteiner-Sensationspreis von 7,46 Euro. (…) Nur Kaufland bleibt sei­nem Discountprinzip treu und stellt den Halbliterkasten mit dem Auerhahn für glat­te 7,- Euro ins Schaufenster. Wer im Famila Nordost bei Beck’s gleich zwei­mal zulangt, erhält den Kasten für 9,50 Euro[.]

Prost, Kinder!

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Sean Noonan Pavees Dance - Tan Man’s Hat

Sean Noonan Pavees Dance - Tan Man's HatLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Sean Noonan ist ein „umtrie­bi­ger“ (Quelle: Internet) irisch­stäm­mi­ger, jedoch selbst in oder um New York her­um ansäs­si­ger Schlagzeuger, der Mitglied eini­ger Musikgruppen aus dem Jazzumfeld war oder ist, von denen wie­der­um eini­ge sei­nen Namen im Namen tra­gen und ande­re nicht. Sean Noonan Pavees Dance ist eine die­ser Musikgruppen. Pavees sind ein iri­sches fah­ren­des Volk, aber die Gruppe spielt trotz­dem sehr viel­sei­ti­gen Jazzrock. Als Kollegen hat er sich momen­tan unter ande­rem den Bassisten Jamaaladeen Tacuma (Ornette Coleman’s Prime Time) und einen ande­ren US-Amerikaner aus­ge­sucht, mit dem er sich den mit­un­ter impro­vi­sier­ten Gesang teilt und des­sen Name allein wie Donnerhall klingt: Malcolm Mooney. Hört ihr’s schon donnerhallen?

2019 wur­de das zwei­te und bis­her letz­te Album der Gruppe, „Tan Man’s Hat“ (Amazon.de, TIDAL) ver­öf­fent­licht. Eine wich­ti­ge Rolle soll­te, so sprach oder schrieb Sean Noonan, die E-Gitarre spie­len, da ihre musi­ka­li­sche Dominanz zu Malcolm Mooneys Stimme pas­se. Stimmt.

Einige Stücke auf „Tan Man’s Hat“ sind sci­ence-fic­tion-inspi­riert; die offen­sicht­li­che Ableitung des ersten Stücks „Boldly Going“ von einem Star-Trek-Zitat fällt sogar mir, dem Star Trek, Star Wars und StarCraft völ­lig egal sind, auf. Wirklich abge­dreht ist „Tan Man’s Hat“ nur sel­ten, etwa in „Turn Me Over“, das über zehn Minuten lang ist und mich erst schrei­ben ließ, es klin­ge nach den Mitt-60er-Beatles, was ich dann aber schnell wie­der redi­giert habe, denn nach dem ein­lei­ten­den Ragtime brei­tet die Band aber­mals einen oft groo­ven­den Jazzrock aus, der spä­te­stens dann das Tempo wech­selt, wenn man sich gera­de dar­an gewöhnt hat. Vorhersehbarkeit wäre unin­ter­es­sant. Der Text zum Titelstück „Tan Man’s Hat“, aus­nahms­wei­se mal ein Blues, stammt noch aus Malcolm Mooneys Zeit bei Can, wur­de von die­sen aber bis­lang nicht ver­öf­fent­licht und mög­li­cher­wei­se pas­siert das auch nicht mehr.

Sean Noonan Pavees Dance - „Martian Refugee“ (from „Tan Man’s Hat“)

Nehm‘ ich.

In den NachrichtenNerdkramsNetzfundstücke
Höhlenmalerei ist ein sozia­les Netzwerk (2): Aufsteh’n, Aufstand, Anstand

Nicht nur im Herbert-Frahm-Haus, son­dern auch bei der F.D.P. zeigt man sich ent­setzt dar­über, dass freie, staat­lich nicht kon­trol­lier­te Kommunikation nicht immer nur Kochrezepte und Katzenbilder umfasst:

Was auf Telegram in Umlauf gebracht wird, ist teils unan­stän­dig und oft auch kriminell.

So spricht der neu­er­dings amtie­ren­de Justizminister und mag damit inhalt­lich nicht irren, es gilt aller­dings auch für WhatsApp, Threema, Signal, Matrix, ICQ, Telefon, Telefax, E-Mail und SMS - und von Direktnachrichten auf Twitter möch­te ich da noch gar nicht anfan­gen. Das sagt aller­dings über WhatsApp, Threema, Signal, Matrix, ICQ, Telefon, Telefax, E-Mail, SMS und Twitter noch gar nichts aus, son­dern bedeu­tet viel­mehr, dass Menschen teils unan­stän­di­ge und oft auch kri­mi­nel­le Gedanken haben und äußern. Kommunikation lie­ber ganz verbieten?

Besonders inter­es­sant ist, gera­de sei­tens eines „Liberalen“, das Wort „unan­stän­dig“, das auch sein Twitterteam („TB“) ohne Anführungszeichen nutzt, denn eine all­ge­mein­gül­ti­ge Definition von Anstand ist mir nicht geläu­fig. Ist die Verwendung eines Homosexuellenemojis „unan­stän­dig“? Sex vor der Ehe? Oder geht es doch bloß um eine def­ti­ge Wortwahl, wenn sich etwa über unfei­ne Zeitgenossen, ärger­li­che Musik (z.B. Phil Collins) oder blö­de Computerfehler auf­ge­regt wird; ist ein der­ber Fluch im pri­va­ten Gespräch, wie es zu über­tra­gen die übli­che Aufgabe von WhatsApp, Threema, Signal, Matrix, ICQ, Telefon, Telefax, E-Mail, SMS und Twitter-Direktnachrichten ist, schon unan­stän­dig?

Was kann eigent­lich die Autobahn dafür, dass Drogenkuriere sie benutzen?


Hihi: „Sechs Male, die ich von Disney in Grund und Boden geklagt wor­den bin, weil ich mich wei­ger­te, mein Geschäft zu schlie­ßen, in dem ich mich als Micky Maus ver­klei­de und auf Geburtstagsfeiern vor Kindern Heuschrecken esse“.

In den NachrichtenMontagsmusikNetzfundstücke
A shape - Random Error // Tooooooot, äh, Tooooooor!

Huhüchen!Es ist Montag. Entgegen den Zusagen der „Ampel“-Parteien wird jemand, der die Frechheit beses­sen hat, Kriegsverbrechen zu bege­hen auf­zu­decken, der­zeit schlei­chend umge­bracht. Pressefreiheit haben wir nicht, frei­es Internet haben wir nicht, Pandabären haben wir auch nicht. Und das soll jetzt bes­ser sein als China?

Immerhin wird das nicht freie Internet neu­er­dings gesetz­lich beschleu­nigt. 56 Kbit/s sind der Standard. Haben wir schon immer so gemacht. Muss ja alles sei­ne Richtigkeit haben. Schnell genug für Messenger soll’s aber schon noch sein; die­se will die Bundesnetzagentur viel­leicht dazu zwin­gen, mit allen ande­ren Messengern kom­mu­ni­zie­ren zu dür­fen. Die wesent­li­che Ursache, war­um Behörden in Deutschland sel­ten Kommunikation mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anbie­ten, sieht man hier ein­drucks­voll bei der Arbeit. Das erschwert nur die staat­li­che Überw-, äh, den Austausch mit ande­ren Leuten. Das geht so nicht.

Was lei­der so geht: Seit 2010 sind im nächst­jäh­ri­gen WM-Austragungsland Katar rund 15.000 „Gastarbeiter“ früh­zei­tig aus dem Leben geschie­den. Muss man teil­neh­men, an so was. Ist ja Fußball. Ist wich­tig. - Olaf „Kanzler“ Scholz, bekannt für das Totfoltern von Verhafteten, bleibt sei­ner Linie treu und ver­ab­reicht auch wei­ter­hin Brechmittel in Form von „BILD“-Interviews. Da weiß man, was man hat. (Nämlich: Selbst schuld.) Weniger gekotzt wird die­ses Jahr beim Glühweinsaufen in Käfighaltung, das sich erfreu­lich dezent hal­ten lässt. Womöglich erle­digt die Omikron-Variante den Rest, aber bis es so weit ist, blei­ben Hoffnung und Magie: „Wegen Corona haben Exorzisten in Italien Hochkonjunktur“. Ich las neu­lich, Silvio Berlusconi erwä­ge schon wie­der eine Kandidatur als ita­lie­ni­scher Staatspräsident. Könnte man da nicht auch mal einen Exorzisten drü­ber­gucken lassen?

Auch gei­ster­haft: Seltsame Funkübertragungen. Andere reflek­tie­ren dar­über, dass sie selbst in Gesellschaft von Geistern sei­en; Tony Levin etwa erzähl­te neu­lich davon, dass sei­ne Hauptband, King Crimson, nach 52 Jahren geprägt sei von den Geistern ihrer Weggefährten, ob leben­dig oder tot, und dass King Crimson womög­lich jetzt auch am Ende sei­en. Das sind auch Nachrichten, die ich in die­sem Jahr nicht mehr unbe­dingt gebraucht hätte.

Ich begin­ne die Woche trotz­dem mit einer ande­ren Musikgruppe. Ich mag kei­ne Schemata.

Guten Morgen.

Sonstiges
Medienkritik in Kürze: Frei sein, genau so zu sein.

Die aktu­el­le Ausgabe der „Cosmopolitan“ („Januar 2022“, was mal wie­der eine unglaub­lich dum­me Nummerierung ist) über­zeugt schon titel­bild­lich mit gera­de­zu bezau­bern­der Konsequenz: Man möge sich kei­nem Erwartungsdruck beu­gen, aber Müdigkeit aus dem Gesicht weg­re­tu­schie­ren, die eige­ne Beziehung auf­grund will­kür­li­cher Kriterien ande­rer Leute („Redaktion“) in Frage stel­len und sich über „die Festtage“ - unchrist­li­cher Narr, der in die Hölle kommt, wer „die Festtage“ begeht, aber Weihnachten über Ostern stellt; mei­ne Meinung - gefäl­ligst das rich­ti­ge Essen rein­zim­mern soll. Ein titel­seits bewor­be­ner Artikel im Innenteil empfiehlt:

Neben der Psyche kann auch unser Body (sic! A.d.V.) genau jetzt von einer Food-Gönnung (sic! A.d.V.) pro­fi­tie­ren. Und zwar mit „gepimp­tem“ Essen! Diese Add-ons machen unse­re Festtags-Favoriten nicht nur viiiiel (sic! A.d.V.) lecke­rer, son­dern uns neben­bei auch noch healt­hy (sic! A.d.V.) und attraktiver.

Yo, Digga. Pimp my Fraß. Und das alles, ver­steht sich, nur für das eige­ne Wohlbefinden. Man soll zwar schon sich selbst gefal­len, aber doch nicht so. Nicht so müde und mit so unge­pim­per­ter Gans. Das geht so nicht. Das gönnt doch nicht.

Die Titelseite besänftigt:

So hel­fen Ihnen 2022 auch die Sterne dabei!

Ich hab‘ Jupiter im Adstringenten oder so. Als jung­fräu­li­che Steinbockwaage fische ich mit Schützen. Dabei hel­fen auch die Sterne.
Es ist grau­en­voll. Es ist sehr 2021.

MusikPersönliches
Zu weiß

Erlebnis des Tages:
Sehr afro­ame­ri­ka­ni­scher Besucher einer Kneipe in einer nicht näher erwäh­nens­wer­ten Stadt, der sich über Angel Haze auf­regt, weil sie men­tal zu weiß sei.

In den NachrichtenNerdkrams
Höhlenmalerei ist ein sozia­les Netzwerk

Die neue Bundesregierung über­zeugt mich bereits jetzt:

Das Bundesamt für Justiz ver­tritt die Auffassung, Briefpost sei kein rei­ner Messengerdienst, son­dern ein sozia­les Netzwerk.

Quatsch::

Das Bundesamt für Justiz ver­tritt die Auffassung, Telegram sei kein rei­ner Messengerdienst, son­dern ein sozia­les Netzwerk.

Ich glau­be ja, das Bundesamt für Justiz ist kein rei­ner Messengerdienst, son­dern ein sozia­les Netzwerk.

NetzfundstückePolitik
Was hat Angela Merkel eigent­lich gegen Küchenbedienstete?

Abgrund der Woche: Anlässlich der zum Missfallen christ­li­cher Fundamentalisten gänz­lich gott­lo­sen Amtsübernahme sei­tens Olaf Scholz‘ mach­te ihm sei­ne Amtsvorgängerin mit den Worten Mut, im Kanzleramt wer­de er „eine Mannschaft vor­fin­den, die vol­ler Engagement ist“, was auch für die­je­ni­gen gel­te, „die in der Küche arbei­ten müs­sen“.

Mir war, bis ich die­sen Artikel gele­sen hat­te, nicht bekannt, wie die Arbeitsbedingungen im Kanzleramt unge­fähr aus­se­hen mögen; aber es ist denen, „die in der Küche arbei­ten müs­sen“, zu wün­schen, dass Olaf Scholz in den näch­sten vier Jahren die Ketten wenig­stens etwas lockert und ab und zu mal eine neue Schale Wasser rein­stellt. Gute Sklaven sind heut­zu­ta­ge wirk­lich schwer zu finden.