In den NachrichtenNerdkrams
Nix können, dafür mehr dürfen

Ich habe seit dem Lesen einer Nachricht eine fantastische Idee:

Im weiteren Verlauf des Prozesstages wurden fünf Zeugen angehört, die alle beim BKA mit Ermittlungen zum Online-Verhalten des Angeklagten betraut waren. Es entstanden dabei Zweifel an der Kompetenz der Polizeikräfte in diesem Bereich und an der Sinnhaftigkeit der Ermittlungsstrukturen. Mehrfach legten Fragen der Nebenklage-Vertreterinnen offen, dass vermeintliche Ermittlungsergebnisse, etwa über die Funktionsweise von Imageboards oder die dort geteilte Inhalte, lediglich aus anderen Berichten oder offen zugänglichen Artikel abgeschrieben wurden.

Geben wir dem BKA doch noch mehr Möglichkeiten, Schaden über ein ihm fremdes Medium auf ihm fremden Geräten anzurichten! Geben wir doch einem Kleinkind einen Autoschlüssel! Wird schon gut gehen. Ist ja gegen Terrorismus.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Pisse – LP

Pisse - LPLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Das in diesem Jahr rausgekommene ungefähr sechste Album „LP“ (Amazon.de) der „deutschlandweit bekannten“ (Wikipedia; siehe aber auch „heise online“) Punkband Pisse aus ausgerechnet Hoyerswerda fand seinen Weg auf den Stapel der Platten, die ich mal hören wollte, vor allem über den Bandnamen. So was bleibt hängen, da bin ich ausnahmsweise mal ganz schlicht gestrickt.

Musikalisch kommt immerhin nicht ausschließlich Rotzpunk („Feind/Fehler“) heraus, sondern die Band bedient sich, bewusst oder unbewusst, aus einem weiten Feld voller Vorbilder von Fehlfarben über Feeling B bis hin zu den Die Nerven. Das Internet freut sich darüber, dass Pisse auch ein Theremin einsetzen und mal eine Vorband namens Fickr hatten, ich wiederum lese die Texte und bin irgendwas zwischen amüsiert und entsetzt.

Pisse - LP - 05 Zu viel Speed

Und Country kommt auch drin vor!

Anders gesagt: Herrje, ist das furchtbar.

Pisse - LP - 02 Duracell

Das ist dermaßen furchtbar, dass ich fast gewillt bin, es zu empfehlen, denn wenn eins im Plattenschrank fehlt, dann ja wohl furchtbare „Pisse“! Wir sind ja nicht zum Spaß hier.

In den Nachrichten
Inzwischen beim Fußball

Nach dem 1:0-Sieg des FC Bayern gegen Paris Saint-Germain im Endspiel der Champions League in Lissabon ist es am Sonntagabend in der französischen Hauptstadt zu Ausschreitungen gekommen

Menschen, mit denen mich höchstens (und oft nicht mal) die Nationalität verbindet, haben schlechter gegen einen Ball getreten als andere Menschen, mit denen mich höchstens (und oft nicht mal) die Nationalität verbindet. Ich hau‘ alles kaputt!

Netzfundstücke
Make Them Suffer – Bones // Maskenpflicht für Trumps Schwester

^_^Es ist Montag. Gestern hörte ich ein Gespräch, in dessen Verlauf die Teilnehmer sich einig waren, dass das mit diesem Sommer jetzt endlich vorbei sei, es reiche ja auch. Selten habe ich mich verstandener gefühlt. Ich bin da wie die Bahn: Mich wirft fast nichts um, nur ein außergewöhnlich übliches Wetter kann ich nicht ausstehen. Unübliches Wetter hingegen würde ich begrüßen, etwa einen Pandaregen.

Die Schwester von Donald Trump sei nicht gut auf ihren Bruder zu sprechen, freuten sich am Wochenende Quatschnachrichten. Begierig griffen Teilnehmer sozialer Medien das auf, „Trumps Schwester“ trendete gestern gar auf Twitter. Es ist schwer geworden, in dieser Gesellschaft noch Pointen anzubringen, die klar als Satire und nicht etwa als Dokumentation zu erkennen sind. Die inländische Politik erwägt inzwischen, glaubt man den Medien, aufgrund der hohen Infektionszahlen bei Reiserückkehrern und auf Familienfeiern eine Maskenpflicht am Arbeitsplatz zu beschließen, was wenigstens die nur zweitmerkwürdigste Konsequenz ist. Ich selbst hätte ja gern eine Maskenpflicht unter der Dusche. Weiß die Bundesregierung eigentlich, wie unangenehm es ist, Wasser in die Nase zu bekommen?

Gestern las ich eine Meldung von 2011, in Berlin sorge eine Fledermaus für Schrecken, weil man annahm, sie sei tollwütig. Es hat sich nicht viel verändert, nur die Diagnose ist neu.

Auch neu, aber sehr viel angenehmer: Musik (heute mal weniger sanft).

Make Them Suffer - Bones (Official Music Video)

Guten Morgen.

In den Nachrichten
Der maskenlose Prophet gilt nichts im eigenen Land.

Bundesregierung:

Die Bundesregierung hat die Missachtung von Hygieneregeln bei der Demonstration gegen Corona-Auflagen am Wochenende in Berlin scharf kritisiert. "Die Bilder, die wir da am Wochenende sehen mussten, sind inakzeptabel", sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer. (…) [Es sei] nicht hinnehmbar, dass Demonstrierende sich ihrer Verantwortung gegenüber anderen, möglicherweise Schwächeren in der Gesellschaft, nicht bewusst sind oder diese bewusst ignorieren und deren Gesundheit und Leben riskieren.

Weißrussland:

Keine Masken in Weißrussland

Bundesregierung:

Die Bilder von den friedlichen Demonstrationen in Belarus haben uns alle in den letzten Tagen sehr bewegt. Der Mut derjenigen, die friedlich demonstriert haben, hat uns beeindruckt.

Ja, wie denn nun: Inhalt oder Form?

Sprechen die sich eigentlich auch mal ab?

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Ditz – 5 Songs (EP)

Ditz - 5 SongsLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Ditz ist eine fünfköpfige und zehnhändrige Postpunkband aus Brighton, deren Name ungefähr ein dummes Mädchen vom Dorf bezeichnet, was eigentlich gar nicht so gut passt.

Auf ihrer im Juli erschienenen EP „5 Songs“ (Amazon.de, Bandcamp.com) sind … nun ja, fünf Lieder von jeweils unter drei Minuten Spielzeit enthalten, darunter außer einer gelungenen Coverversion von Peaches‘ „Fuck the Pain Away“, das noch witziger ist, wenn es (wie hier) ein Mann singt, anscheinend ausschließlich Eigenkompositionen.

Die kurze Spielzeit wissen sie indes weise zu nutzen, indem sie sich nicht lange mit Spannungsaufbau aufhalten; dem Freund von Punkgewittern sagt’s zu. Mir zum Beispiel.

Nicht der schlechteste Zeitvertreib des Jahres.

In den Nachrichten
Danke, Corona!

Bitte kein Impfstoff vor 2050:

Muss die nächste Karnevalssaison wegen Corona komplett ausfallen? Mit entsprechenden Aussagen wird Gesundheitsminister Spahn seit Dienstag zitiert.

Hätte ich das geahnt, hätte ich schon viel früher eine Fledermaus gegessen.


Der seltsame Wunsch der Politik nach mehr Akademikern trägt Früchte:

Ein Stipendium der Hamburger Hochschule für bildende Künste (HFBK) will das Nichtstun belohnen. Als eine Art künstlerische Intervention gedacht, sollen drei Menschen je 1600 Euro bekommen und dafür … nichts tun.

Mögliche Pointen zum Selberankreuzen:

  • Haha, Politikerstipendium quasi.
  • Haha, Beamtenstipendium quasi.
  • Haha, BGE-Stipendium quasi.
  • Seit wann ist Hamburg in Berlin?

NerdkramsNetzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Fremde Firmen im eigenen Haus

„Übermedien“ fragt:

Warum wollen Online-Medien so dringend Dutzende Cookies von fremden Firmen auf unseren Geräten speichern?

Der im Tweet verlinkte, gerade mal ohne Bezahlschranke verfügbare Artikel beginnt so:

Die deutsche Verlagsbranche hat sich Jahre auf einer schlampigen Gesetzgebung ausgeruht: Auch ohne konkrete Einwilligung der Nutzer hat sie die Werbebranche Daten sammeln und auswerten lassen. Nun macht ein Gerichtsurteil dem ein Ende.

Auch richtig ist diese Feststellung:

Es reicht nicht mehr abzuwarten, ob eine Nutzerin oder ein Nutzer sich selbst kümmert, und bis dahin einfach Cookies zu setzen[.]

Inzwischen steht bei „Übermedien“ in der Datenschutzerklärung allerdings:

Wir verwenden Dienste der Fa. Steady Media UG (haftungsbeschränkt), Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin. (…) Hierfür setzt Steady Cookies auf unserer Website ein.

Und:

Wir setzen „Session-Cookies“ der VG Wort, München, zur Messung von Zugriffen auf Texten ein, um die Kopierwahrscheinlichkeit zu erfassen.

Und:

Wir benutzen Google Analytics, einen Webanalysedienst der Google Inc. („Google“). (…) Google Analytics verwendet sog. „Cookies“, Textdateien, die auf Ihrem Computer gespeichert werden und die eine Analyse ermöglicht, wie Sie unsere Webseite nutzen. (…) Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Bearbeitung der über Sie erhobenen Daten durch Google in der zuvor beschriebenen Art und Weise und zu dem zuvor benannten Zweck einverstanden.

Warum will „Übermedien“ so dringend Dutzende mehrere Cookies von fremden Firmen auf unseren Geräten speichern?

An den Finanzen mag’s nicht liegen:

Finanziert wird Übermedien von inzwischen rund 4.000 Abonnentinnen und Abonnenten.

Aber:

Das Vertrauen in Medien ist stark gesunken.

Woran indes das jetzt wieder liegt, möge „Übermedien“ in seinen Analytics ergooglen.

In den Nachrichten
Beruflich sitze ich gerne herum (2): Kleben fürs Klima.

Manchmal erübrigt sich jeder zusätzliche Kommentar:

Sie besetzten Abflughallen und wollten sich mit Sekundenkleber am Rollfeld fixieren: Aktivisten der Klimaschutzbewegung "Extinction Rebellion" haben an vier Flughäfen gegen innerdeutsche Flüge demonstriert. (…) Drei Aktivisten hatten den Angaben zufolge Flugtickets für einen Flug nach München.

Aber ein Bild könnte noch passen.

In den NachrichtenMontagsmusik
Twinkranes – Double Negative (live) // Positive Kraft ohne Glücksbärchis

Erst mal ein NickerchenEs ist Montag. Laut verschiedenen Quellen haben wir überraschenderweise wochenlang sonniges Wetter im August. Man könnte fast meinen, das wäre eine eigene Jahreszeit. Andererseits: Pandabären wohnen normalerweise in subtropischen Gebieten. Es gibt noch Hoffnung für eine Siedlung in einem Teil Deutschlands.

Mozilla hat 2018 für Entwickler nur ungefähr doppelt so viel wie für Vorstände ausgegeben. Da jetzt viele Entwickler gehen mussten, ist wenigstens noch genug Geld für das Firmenflugzeug da. Im Namen des freien Internets, nehme ich an. Eher weltlich wird die Freiheit derweil im Ausweis penetriert, indem EU-Bürger – tolle Sache, diese EU, verstehe gar nicht, wieso da so viele Leute lieber rauswollen – ab 2021 gefälligst ihre Fingerabdrücke in selbigem hinterlassen müssen. Falls sie mal kriminell werden sollten. Werden ja die meisten, sonst wäre das ja höchst unangemessen.

Irgendeine Zeitung nennt die Ernennung von Olaf Scholz zum Kanzlerkandidaten durch eine Parteielite ein Zeichen für „die positive Kraft von Wahlen“, vergisst aber zu erwähnen, dass eine Wahl wahrscheinlich ein ganz anderes Ergebnis zutage gefördert hätte.

Stets mit positiver Kraft versehen: Musik (gut).

Twinkranes - Double Negative - The Parlour

Guten Morgen.

Nerdkrams
beAchtlich unsicher

Ich wurde gebeten, ein paar Worte zum Abschlussgutachten zur Sicherheit des immerhin über 30 Millionen Euro teuren „besonderen elektronischen Anwaltspostfachs“ zu verlieren. Das System sei anscheinend erschreckend lückenhaft.

Beim Lesen des Gutachtens war mir aufgefallen, dass die meisten Sicherheitsprobleme aber bereits als behoben gelten. Daher möchte ich das Augenmerk auf diesen Abschnitt auf Seite 28 und 29 lenken:

Durch die Webanwendung werden JavaScript-Bibliotheken von Drittanbietern eingesetzt. Es wurden veraltete Bibliotheken identifiziert, die gegenüber bekannten Schwächen verwundbar sind. (…) Laut Aussage des Dienstleisters kommt die Version der Bibliothek mit der verwendeten Version des Frameworks „Primefaces“ und wird nach erfolgter Betriebsübernahme aktualisiert.

Da investiert man also mehrere Millionen Euro in die Entwicklung von Software und dann besteht die Entwicklung darin, dass ein Dienstleister Frameworks aus anderen Frameworks zusammenschraubt; mithin nicht viel mehr tut als fremden Code zu einem neuen Paket zu schnüren und die Inhalte im Bestfall nie mehr anzurühren. „Da kann ICH doch nichts für, dass die Komponente das halt so macht!1!! Für mehr hatten wir keine Zeit (oder: kein Budget)!1!!“

Ich wünschte, aus Fehlern anderer Leute würde man gerade in der EDV irgendwann lernen.

In den NachrichtenPolitik
Weißbelarussische Sanktionen aus dem Suebenland

Der Berichterstattung der letzten Tage – irgendwas ist wohl in Weißrussl… Belar… naja, im Osten passiert – ist zu entnehmen, dass in den neben politischen auch demografische Aspekte diskutiert werden. Von Weißrussland zu sprechen tue den Einheimischen Unrecht, kolportiert das ZDF:

"Spricht man von ‚Weißrussland‘, klingt das immer noch so, als wäre das Land irgendwie ein Teil von Russland." Das sei für viele Belarusen problematisch, die sich nie auf Identitätsfindung hätten begeben können[.]

Dass es insofern vielleicht auch keine gute Idee ist, von Deutschland als Germany oder – noch schlimmer – Alemania zu sprechen, als wären die Deutschen gleichzusetzen mit „den Germanen“ (mit welchen?) oder gar die momentane Inkarnation der Alamannen, ist immerhin ein Problem, das nur fremdsprachige Medien hätten, würde es sie überhaupt interessieren.

Die EU bringe „Sanktionen“ auf den Weg, schrieb der „Tagesspiegel“ in einer erst etwas unentschlossen überschriebenen, später aber vereinheitlichten Meldung:

Belarussland

Die „Sanktionen“ würden gegen „Unterstützer des Staatschefs“ verhängt, heißt es dort; immerhin mal keine „Milizen“, und auch von einem „Machthaber“ ist noch nicht die Rede. Die Wahlverliererin wird als „die eigentliche Siegerin“ angesehen, was allein an Umfragen auf der Straße liegt, denn Wahlbeobachtung fand nicht statt. Demokratische Wahlen seien in der EU ein hohes Gut, teilen Medien aus einem EU-Land unisono mit, das weder das Staats- noch das Parlaments- noch das Regierungsoberhaupt direkt vom Volk wählen lässt.

Es gehen Videos herum, auf denen unmaskierte „Protestanten“ („Focus“) – jetzt also auch noch die Kirche! – wei… bel… osteuropäische Polizisten umarmen. Corona wäre zu langweilig.

Ist nicht endlich mal wieder Fußball?

In den NachrichtenNerdkrams
Die Welt vom Sofa aus verändern (3): Apple zur Besinnung hashtaggen

Den schon jetzt traurigsten Satz des Jahres, der die digitale Gesellschaft des noch jungen 21. Jahrhunderts treffender zusammenfasst als jede mir bisher untergekommene Äußerung zeitgenössischer Philosophen, können Interessierte momentan bei „ComputerBase“ lesen:

Abseits des Rechtsweges ruft der Entwickler Fortnite-Spieler unter dem Hashtag „FreeFortnite“ offensiv zur Rebellion auf[.]

Noch etwas genauer, aber weniger theatralisch erklärt „GamesWirtschaft“, was gemeint ist:

Die Spieler werden aufgefordert, sich via Hashtag #Freefortnite auf Epics Seite zu schlagen.

Der Hintergrund sei, dass ein Spielehersteller absichtlich gegen die Hausregeln eines bekannten Downloadanbieters verstoßen hatte und dieser ihn daraufhin rauswarf.

Ich bin jedenfalls davon überzeugt, dass das zahlreiche Hashtaggen die Hausregeln nachträglich anpassen lassen wird. Sonst wäre das doch total dämlich.