In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
TesseracT – Of Matter // Christjournalismus

Wach (montags)Es ist Montag. Horst Seehofer möchte, wie verschiedene Medien berichten, 2019 von seinen verbleibenden Ämtern zurücktreten. Der Jubel hierüber übersieht, wie so oft, dass seine möglichen Nachfolger keineswegs aus dem gemäßigt konservativen Flügel stammen. Es gibt keine friedlichen Innenminister; klar, denn sonst hießen sie ja Innenpandabären.

Überraschend hat sich herausgestellt, dass Verlage lügen. Vielleicht sollten wir uns an den Gedanken gewöhnen, dass ein gewaltfreier Staat auch keine vierte mehr braucht. Andererseits hat sich das mit dem Journalismus mittlerweile ohnehin anders ergeben: Bei der „ZEIT” widmet man dem Umstand, dass über die Kleidung Angela Merkels nur noch wenig geredet wird, einen unnötig langen „Magazin”-Artikel. Von einem „Role-Model”, einem rolligen Modell also, ist die Rede. Was die sich traut! Im „SPIEGEL” steht (online) derweil, dass von der Idee einer gesamteuropäischen Armee zwar keineswegs der US-amerikanische, wohl aber der russische Präsident begeistert ist. Sind diejenigen, die dennoch diesem Plan nachgehen, jetzt eigentlich Putinversteher?

Apropos „ZEIT”: Dort weiß man, was wirklich wichtig ist; dass nämlich der nächste CDU-Vorsitzende der christlichste sein möge. Säkularismus? Ha, Ketzerei! Liberale Zeitungen habe ich mir immer ein bisschen anders vorgestellt. Im „Wall Street Journal” wird mittlerweile auch nicht mehr besonders weit gedacht: Dort darf spekuliert werden, dass Hillary Clinton sich 2020 als liberale (das ist US-Englisch und heißt so viel wie „grüne”) Fackel im Sturm beweisen könne. Tja, noch eine Amtszeit für Donald Trump.

Paul McCartney hat in einem seiner neueren Interviews gesagt, er möge Lärm. Er mag also vermutlich nicht nur Berichte wie diesen, sondern auch manche Musik, zum Beispiel die von TesseracT.

TESSERACT – Of Matter (Live at Sphere Studios)

Guten Morgen.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Annahmen zum Linkssein (8): Identitarismus schützt die Grundrechte.

Einen weiteren Beleg für meine Vermutung, die Existenz „linker” Parteien sei frei erfunden, erbrachte dieser Tage Katharina Schulze von den bayrischen Grünen, die schrieb, man möge doch das Wahlrecht ändern, denn die bestehende Gleichbehandlung aller Kandidaten bevorzuge kein Geschlecht und das sei unfair gegenüber Frauen. Wie nämlich jeder weiß, würde niemand freiwillig eine Frau wählen, es sei denn, er wird dazu gezwungen. Ansonsten wäre diese Idee doch reichlich bedenklich.

Mir hingegen scheint dieses Pochen auf eine Eigenschaft, die man sich nicht ausgesucht hat (etwa Sexualität, Herkunft, Geschlecht), keineswegs geeignet, um ein besseres Miteinander zu erzielen, sondern, um weiter zu spalten. Es lässt sich nur noch schwer leugnen, dass in weiten Teilen der Grünen ein Identitarismus (der schlechte, spaltende, nicht der gute, verteidigende) herrscht, der nicht mehr zu bändigen ist, weil das schlicht nicht gewünscht ist. Warum man ein Gesellschaftsbild, in dem Menschen nach ihren angeborenen Eigenschaften und nicht nach ihren Fähigkeiten sortiert werden, links und progressiv und nicht etwa rechts und regressiv nennt, weiß ich nicht, ist aber so:

Die deutschen Grünen haben die Europaabgeordneten Ska Keller und Sven Giegold zu ihren Spitzenkandidaten für die EU-Wahl im kommenden Mai gewählt. (…) „Wir stellen uns gegen den Rechtsruck, wir schützen unsere Grundrechte.”

Progressiver Identitarismus muss ein Grundrecht bleiben. Wir hatten ja nichts.

In den NachrichtenPolitik
Der Tod ist ein hundertjähriger Meister aus Deutschland.

9. November 1918:
Zwei Politiker der SPD, die die nötigen Anleihen für den Ersten Weltkrieg bewilligt und so sowohl viele Tode als auch den Aufstieg Adolf Hitlers begünstigt hatte, rufen unabhängig voneinander das Ende des deutschen Kaiserreichs und den Beginn einer deutschen Republik aus. 1919 wird einer von ihnen auf Befehl des Volksbeauftragten für Heer und Marine, ebenfalls Mitglied der SPD, auf unfeine Art gemeuchelt.

9. November 1938:
In der „Reichskristallnacht” kommt es infolge besagten Aufstiegs zur Zerstörung jüdischer Geschäfte und zu allerlei Verhaftungen zwecks späterer Ermordung.

9. November 1989:
Die räumliche Trennung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR, die unter der Herrschaft der als SED firmierenden Fusionspartei aus SPD und KPD ein armes, aber immerhin grausam regiertes Land geworden war, endet überraschend. Das stellt sich später als Problem heraus.

9. November 2001:
Deutschland, regiert von der SPD und den Grünen, führt die Vorratsdatenspeicherung ein.

9. November 2007:
Deutschland, regiert von der SPD und der CDU/CSU, führt die Vorratsdatenspeicherung ein.

9. November 2018:
In Berlin scheitert Innensenator Andreas Geisel (SPD) mit seinem Vorstoß, eine Versammlung zum Gedenken an die Toten zwischen 1961 und 1989 zu verbieten. In derselben Stadt schlägt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) am selben Tag vor, Deutschland solle es für „beständigen Ansporn” mit mehr Patriotismus versuchen.

Eine Pointe erübrigt sich.

In den NachrichtenPolitik
Migrationsnichtpakt

„Wir werden diesen Migrationspakt unterschreiben.”

“Unsere Nachbarländer machen aber vielleicht nicht mit.”

„Wir müssen aber mit gutem Beispiel vorangehen.”

„Ist dieser Pakt denn nötig?”

„Ja, er legt endlich Mindeststandards fest.”

„Und was ist mit den Sorgen unserer europäischen Partnerstaaten?”

„Die machen sich zu viele Gedanken, der Pakt ist sowieso nicht bindend.”

„Aber heißt das nicht, dass er eigentlich bloß heiße Luft ist und wir uns den ganzen Ärger damit auch einfach sparen könnten?”

„Nein, wir müssen ja mit gutem Beispiel vorangehen.”

(ad inf.)

In den NachrichtenMir wird geschlechtMusikNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 7. November 2018

Zu niemandes Überraschung hat sich herausgestellt, dass es, gesellschaftlich gesehen, gar keine „Generationen” gibt.


„Die Ostdeutschen stellen mit Erschrecken fest, dass das neue Deutschland der alten DDR immer ähnlicher wird, wenn die Eliten auf obrigkeitsstaatliche Mittel und Strukturen setzen, weil sie der Probleme nicht mehr Herr werden.”


Eine geradezu großartige Lösung für das Problem, dass Menschen neuerdings Plastik kacken, ist Thilo Spahl eingefallen: „Man könnte Schuhsohlen verbieten.”


Die F.D.P. hat die Nase voll von den guten Umfragewerten und versucht es wahrscheinlich darum jetzt mit Frauenförderung.


Bei „ZEIT ONLINE” ist man empört von Horst Seehofer: „Der CSU-Vorsitzende zeigt sich unbeeindruckt von einem ZEIT-Bericht über seinen Rücktritt.” Wie kann er es wagen‽


Jazz macht anscheinend wahnsinnig: „Desprez reitet die Stratocaster wie Hendrix, reißt dabei aber jede Hürde nieder.”


Ein Blick in die USA: Pfadfinderinnen verklagen Pfadfinder, weil diese sich künftig geschlechtsneutral nennen möchten.

NerdkramsNetzfundstücke
Die Siebziger sind da, sie möchten ihre Designentscheidungen mitnehmen.

Aus der Kategorie „nicht uninteressant”:

Wir leben im Jahr 2018 und unter Windows 10 kann man keine Dateien namens LPT3.txt anlegen, weil die Windows-NT-Reihe kompatibel mit möglichst viel alter Software sein möchte und der Entwickler von CP/M, dem Urahn von MS-DOS, die Idee von UNIX, dass auch Geräte (und somit auch der Parallelport) als Dateien abgebildet werden, vor 44 Jahren übernommen hat.

Das könne mit einem modernen System wie Linux nicht passieren? Stimmt, denn einer der bis heute bestehenden seltsamen Standards in der Linuxwelt, dass nämlich manche (gelegentlich: alle) Binärdateien unter /usr/bin statt, was sinnvoller erscheint, unter /bin liegen, ist noch etwas älter: Weil auf dem Systemlaufwerk der PDP-11, auf der Unix ab 1971 entwickelt wurde, der Platz ausging, wurden so lange Programme und Bibliotheken auf das „Benutzerlaufwerk” verschoben, bis wieder genug Platz war.

Sind also alle relevanten Dateihierarchien kaputt? Nein, richtig macht es neben Plan 9 und seinen Distributionen und Forks, unter denen /usr als Benutzerordner reserviert ist, ausgerechnet Apple mit macOS, dessen aus NeXTSTEP übernommenes Dateisystem wenigstens logisch aufgebaut ist.

Vielleicht sollten wir die EDV einfach ganz abreißen und noch mal von vorn anfangen.

In den NachrichtenMontagsmusik
Wang Wen – Angelo’s Portrait // Yoga für die SPD

Schneeflöckchen, Weiß- SCHUHUH!Es ist Montag. Auf nichts ist mehr Verlass, selbst ein Kilogramm ist jetzt anders. Ich kann so nicht arbeiten, aber leider akzeptieren Arbeitgeber solche Vorkommnisse selten als Grund für ein Fehlen.

Ein viel besserer Grund für ein Fehlen: Man wird erschossen. In Florida zum Beispiel ist das neulich in einem Yogastudio passiert, was wieder einmal belegt, dass Yoga nicht entspannt, sondern eher furchtbar aufregt.

SPD-Vorstand Thorsten Schäfer-Gümbel, schreibt die „ZEIT”, „führte die Probleme der Partei auf eine programmatische Leere zurück”. Es ist beruhigend, dass das Fehlen jeglicher eigener Inhalte jetzt auch den Parteimitgliedern selbst auffällt. In einer besseren Welt stimmte sie anstelle der Piratenpartei demnächst über ihre Zukunft ab.

Wer das Passwort von jemandem herausfinden möchte, der könnte versuchen, ihn einfach danach zu fragen. Dieses Recht auf einen Internetzugang ohne Nachweis grundlegender Sicherheitskenntnisse wird uns allen noch mal große Probleme bereiten. Aber das ist ja alles die Zukunft, gegen die Zukunft kann man ja nichts machen. – In der Zukunft werden alle nur noch fliegen. Vielleicht hören sie dabei, ihren Hauspandabären – denn in der Zukunft wird jeder einen Pandabären besitzen – auf dem Schoß, sogar ein wenig Musik.

Zum Beispiel diese:

Wang Wen – Angelo's Portrait

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Narcosatánicos

NarcosatánicosLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Aus Aarhus (Dänemark) stammt das wenig geheimnisvoll heißende Noiserocksextett Narcosatánicos, dessen anscheinend namenloses („selbstbetiteltes”) Debütalbum (Amazon.de, Bandcamp.com) im Mai 2014 erschienen ist und ungefähr die Art von Musik enthält, die man bei diesem Namen erwarten würde. Das klingt vorhersehbar und langweilig? Nein, mitnichten.

Von den „Noisespezialisten” (Jim Carroll) Einheitlichkeit zu erwarten hätte sich ohnehin schon nach den ersten paar Minuten des Albums erledigt, wenn das erste Erstaunen über die eigenartige Stilmischung aus Postpunk und Jazzrock verflogen ist. Die Saxophoneskapaden von Zeki Jindyl durchziehen zwar das ganze Album, aber Schubladen sind hier höchstens mit dem Brecheisen zu halten.

NARCOSATANICOS nausea █▬█ █ ▀█▀

Wenn es unbedingt ein Mehrheitsstil sein muss, wäre psychedelischer Krautrock womöglich ein vernünftiger Vergleich („Truckstop Prostitute”) – das Stück „Halluzinationsrausch” klingt auch so, wie es heißt. Aber bereits „Filth” wechselt unversehens die Spur: Ich höre Primus und Green Jellÿ, weigere mich aber auch, das Stöhnen und das berstende Glas zu kategorisieren. Begleitet wird das nicht mal schlecht klingende Crossover-Durcheinander mit einem melodischen Fundament aus Jazz. Ich mag Jazz. Das klingt verwirrend beim Lesen, aber prima beim Hören.

Es ist nicht alles schlecht in Dänemark.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: VAK – Budo

VAK - BudoLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Im Jahr 2008 gründete Schlagzeuger und Perkussionist Vladimir Mejstelman in Frankreich, dem Heimatland des Zeuhls, eine Musikgruppe namens VAK, die gelegentlich eine neue Besetzung bekam, aber wenig veröffentlichte. 2018, inzwischen als Quartett, veröffentlichte sie ihr erstes Vollzeitalbum „Budo” (Bandcamp.com). Für die drei Stücke zwischen acht und fast 28 Minuten Länge empfehle ich im Voraus etwas Geduld.

Von den Genreinitiatoren Magma, an denen Zeuhlbands teilbegründet gefälligst gemessen zu werden haben, unterscheidet VAK vor allem der Vokalteil: Sängerin Aurélie Saintecroix arbeitet weitgehend textlos und ohne mehrstimmigen Chor (den sie allerdings auch nicht nötig hat), die Instrumentalisten spielen währenddessen einen angenehm dichten Jazzrock, in den auch mal eine E-Gitarre hineinschneiden darf. Ich finde Gefallen am Gehörten.

Nichts zu meckern? Doch, klar: Bedauerlicherweise gibt es „Budo” derzeit nur als digitales Album (also ohne physischen Tonträger) zu kaufen. Wer auf diese sowieso keinen Wert legt, der möge sich schämen, aber sich „Budo” unbedingt zulegen. Ich kann mir schlechter ausgegebenes Geld vorstellen.

In den NachrichtenPolitik
Kurz angemerkt zu Friedrich Merz

Während altgediente Parteibonzen mit (nach Abzug von Steuern) deutlich fünfstelligem Monatseinkommen die SPD mit dem Vorschlag zu retten versuchen, man könne doch mal „emotionale Bürgernähe” (ebd.) vorspielen, rotiert es in der Union nach der Ankündigung Angela Merkels, dass sie keine Lust mehr auf den Mist habe, woraufhin ausgerechnet Alexander Graf Lambsdorff seine Sorge um die „Achse der Vernünftigen” aus „Deutschland, Frankreich und Spanien” – Spanien war das Land, dessen Exekutive noch vor nicht langer Zeit Katalanen wegen einer Bürgerbefragung verprügelte – bekanntgab, personell immer noch so geschwind, dass ich mir einen weiteren Satz zur Kandidatenliste dann doch nicht mehr sparen möchte, denn außer Jens Spahn, einem ausgewiesenen Experten dafür, wie man mit möglichst wenigen Worten möglichst viele Geringverdiener verabscheut, hat auch Friedrich Merz, geistiger Vater deutscher Leitkultur und grundsätzlich lobenswerter Befürworter eines Ausstiegs aus dem Ausstieg, was gerade 2018, da der Stromverbrauch von Spielgeldmachern die Nichtüberflutung des Planeten gefährdet, vielleicht nicht unbedingt als unbedachtes Ärgernis verstanden werden sollte, seine Kampfkandidatur angekündigt, um ihr – der Partei – die Würde zurückzugeben, wofür er sich als bekannt Konservativer fraglos eignen mag, denn es scheint zumindest denkbar, dass diejenigen, die sich wegen fehlenden Konservativismus von der CDU ab- und der AfD zugewandt haben, seinetwegen wieder Hoffnung in erstere Partei setzen, so schrecklich uns eher liberalen Gestalten, die wir gleichfalls die CDU nicht wegen des Vorstandes, sondern wegen der programmatischen Ausrichtung nicht wählen, das auch vorkommt, woraufhin ihm Menschen, die ohnehin niemals die CDU wählen würden, aber anscheinend dennoch sehr besorgt darum sind, wer der ihr eh egalen Partei künftig vorstehen darf, vorwarfen, dass er bislang lieber Geld verdient als sich politisch betätigt habe, als sei das in Deutschland heutzutage nicht sowieso fast nicht voneinander zu unterscheiden; dass er, Merz (63), aber mitteilte, er spreche zwecks Verjüngung der CDU bereits mit seiner Mitbewerberin Annegret Kramp-Karrenbauer (56), erklärt meines Erachtens ausreichend wortreich, worin eigentlich das Problem liegen könnte, das Parteipolitik gerade in „Volksparteien”, was auch immer das schon wieder sein soll, so rostig und alt erscheinen lässt.

In den Nachrichten
Säkularismus wann anders. (2)

Apropos Kirche; während die vorgeblich ökumenische CDU, aus dem Bundestag partout nicht wegzuoxidierende Ausgründung der katholischen Zentrumspartei und somit auf eine lange nationalistische Tradition zurückblickend, medial wie meist aus personellen statt aus programmatischen Gründen mit gehobener Augenbraue begleitet wird, reisen andere Staaten vorwärts in die gesellschaftliche Jetztzeit:

Die irische Bevölkerung hat sich mit deutlicher Mehrheit für die Abschaffung der Strafbarkeit von Blasphemie ausgesprochen. Ausgerechnet das katholisch geprägte Irland zeigt sich so fortschrittlicher als einige andere europäische Länder, in denen es noch Blasphemie-Gesetze gibt – unter anderem Deutschland.

Ist Irland jetzt eigentlich noch Teil dieses christlichen Abendlandes und nach wie vielen Jahrhunderten Wissenschaft hört das endlich auf?

In den NachrichtenMontagsmusik
Phideaux – We Only Have Eyes For You // Freiburger Folgen

Wird langsam kalt.Es ist Montag. Dieses Video aus den eher fragwürdigen Kreisen des Internets bitte keineswegs teilen, stattdessen zum Beispiel einen Pandabären adoptieren. Ein Narr, wer sie meidet.

Apropos Narren: In Hessen wurde gewählt. Andrea Nahles, berichtete die „WELT” noch am Abend, stelle Bedingungen für die Fortführung der Koalition mit der CDU/CSU. Ich vermute, wenn man diesbezüglich keine weiteren Informationen erhält, liegt es daran, dass die Adressaten sich tot gelacht haben. – Weit weniger zum Lachen scheint es zu sein, dass aus den „Simpsons”, einer Serie, deren Humor von der grotesken Überzeichnung US-amerikanischer Klischees zehrt, demnächst eine Figur entfernt werden soll, weil sie eine groteske Überzeichnung eines Klischees darstelle. Ich bin einigermaßen entsetzt.

Nicht weniger entsetzlich: Die UNICEF spricht sich auch weiterhin für die Genitalverstümmelung von Kindern aus. Allerdings sind von dieser Haltung natürlich Mädchen ausgeschlossen. Bei Mädchen macht man so was nicht. Diejenigen, die solche archaischen Riten grundsätzlich für bewahrenswert halten, haben es allerdings künftig in manchen Gegenden noch etwas schwerer: Nachdem und weil, je nach Quelle, zwischen acht und fünfzehn überwiegend aus nicht sicheren Staaten stammende Herren sich im „als linksliberal geltenden” („ZEIT ONLINE”) Freiburg an einer Achtzehnjährigen vergangen hatten und aus Protest gegen das genau Falsche umgehend eine Demonstration „gegen Rechte” (Allergikerwarnung: „Tichys Einblick”) einberufen wurde, würde der Tübinger Oberbürgermeister gern abgelegene Lager einrichten lassen. In den Geschichtsbüchern wird von der Ursache zur Wirkung voraussichtlich wieder nur wenig zu finden sein.

Andererseits ist Geschichts- auch eine Art von Bildung und steht somit auf dünnem Eis: „Für Deutschland keinen Finger krumm, 20 Semester Minimum!” Das muss dieses Akademikertum sein, von dem immer alle reden.

Dennoch sollte auch diese Woche nicht trübsinnig beginnen. Wie wäre es mit etwas Gymnasiastenmusik?

Phideaux – We Only Have Eyes For You (Single Version)

Guten Morgen.