Montagsmusik
Katie Von Schleicher – Move Through

Eines Tages.Es ist Montag. Laut einer Eilmeldung, die wohl leider nicht noch ein paar Minuten warten konnte, muss jedenfalls Jerry Lewis das nicht mehr miterleben, während man selbst gern den Tag erleben würde, an dem nur noch das eine Eilmeldung ist, was unverzügliches Handeln erfordert. Sowieso im Verzug: Man selbst. Montags ist die Melancholie meist am lautesten.

Apropos Zweisamkeit – es gibt gute Nachrichten für alle, die gefährdet sind, den Glauben an die Vernunft des Menschen zurückzubekommen: Es gibt jetzt Sexroboter, die man so einstellen kann, dass sie überhaupt keinen Sex wollen, jubelt das Genderportal „ze.tt“; so lebensecht waren die Dinger vermutlich noch nie.

Weniger lebensecht: Google lässt jetzt „künstliche Intelligenz“ auf „Hassverbrechen“ (also unhöfliche Onlinekommunikation) los, denn Computer sind bekanntlich unfehlbar. Das harmoniert prächtig mit der Forderung der Umweltwissenschaftlerin Jennifer Jacquet, die in der „Süddeutschen Zeitung“ (möchte aus Leistungsschutzgründen nicht verlinkt werden) für das US-amerikanische Verständnis von sozialer Gerechtigkeit, nämlich die namentliche öffentliche Bloßstellung („Pranger“) von Missetätern, wirbt, eingebettet in ein „Gespräch“ darüber, warum Donald Trump so ist, wie er zu sein scheint, leider jedoch ohne Referenz darauf, dass seine bisherige politische Bilanz noch immer mehr verspricht als sein Vorgänger zu halten vermochte. Die Bewertung ausländischer Präsidenten in ausgerechnet deutschen Medien, andererseits, ist des Mantels des Schweigens schon immer würdig gewesen. Wie lächerlich „der Typ“ eigentlich sei, fragt Timur Vermes auf „SPIEGEL ONLINE“ und lässt mich plötzlich genau die gleiche Frage stellen. Zufälle gibt’s!

Ganz und gar nicht lächerlich ist und bleibt: Musik.

Katie Von Schleicher | Blue Room | ThrdCoast

Guten Morgen.

Politik
Westliche Werte des Tages (2)

Im begehbaren Programmhaus der CDU hängt auch ein Kreuz. Es zeigt, welchen Werten wir verpflichtet sind!
Peter Tauber

Netzfundstücke
Liegengebliebenes vom 18. August 2017

Bei „Golem.de“ fand man überrascht heraus: Ein internetgesteuerter Garten funktioniert nicht ohne eine Verbindung.


Die kanadische Ryerson-Universität hat gegen freie Rede nichts einzuwenden, aber bitte woanders.


Der ehemalige Waffenexportminister Sigmar Gabriel findet Waffenexporte blöd, teilt sein Ministerium mit. Voraussichtlich wird sich seine Partei aus parlamentarischen Gründen jedoch auch künftig anders entscheiden.


Lustig: Lea-Verena Meingast findet in einem Artikel auf „ze.tt“, in dem sie das „Gendersternchen“ alle paar Silben dazwischenspuckt, der akademische Titel gehöre nicht auf ein Klingelschild, weil er Ausländer verwirre.


Die „c’t“-Redaktion „informiert“: Geräte physisch zu beschädigen nennt man „Hacken“.

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Polizei findet Terrorautos in Barcelona

Auf „ZEIT ONLINE“ gibt Karsten Polke-Majewski – prima Name eigentlich – anlässlich der kürzlich erfolgten Anschläge in Barcelona anderthalb gesicherte Fakten bekannt:

Ein (…) Lieferwagen ist (…) in die Fußgängerzone La Rambla in Barcelona gefahren und hat mindestens 13 Menschen getötet. (…) Die Polizei soll zudem ein weiteres Auto gefunden haben, vielleicht sollte es als Fluchtwagen dienen.

Erst fährt ein Lieferwagen von ganz allein irgendwo rein und dann steht irgendwo in Barcelona auch noch ein zweites Auto herum, das vielleicht dem Lieferwagen als Fluchtwagen dienen sollte und vielleicht auch nicht. Die Automobilindustrie schreckt auch vor nichts mehr zurück.

(via @MarvinWendland1)

ComputerIn den Nachrichten
Das Internet ist kaputt und kein Nazi trägt daran die Schuld.

Waffennarretei und Einwanderungskritik, ließ dieser Tage das Essensportal Instagram seine Benutzer wissen, seien selbstredend gern gesehen, aber Fotos fetter Igel würden keineswegs geduldet und ihre Verbreitung führe versehentlich zum sofortigen Ausschluss des Verursachers.

Ob es insofern eine besonders gute Idee ist, Algorithmen statt Menschen über richtig und falsch, über legal und illegal, über den Unterschied zwischen Igelfotos und zum Beispiel Kinderpornografie entscheiden zu lassen, ist eine Frage, die sich unkritisch technikhörige, weil klickhungrige Massenmedien bedauerlicherweise viel zu selten stellen, was nicht nur Unsinn wie Instagram betrifft, sondern auch viel weiter reichende Auswirkungen hat, was wir nicht erst seit den Gesetz gewordenen Denkfehlern von Heiko Maas wissen. Bis zur endgültigen moralischen Klärung dieses Problems verbleiben immerhin noch Menschen an den Schalthebeln, denen der Konsens, der so etwas wie eine weltweite Vernetzung überhaupt erst sinnvoll machte, nicht ganz so wichtig ist wie ihr eigener moralischer Standpunkt, weshalb sie ohne Not auch schon mal an den Grundpfeilern des Internets rütteln, um das Böse angemessen zu besiegen.

„ZEIT ONLINE“ (unisono mit anderen zeitgenössischen Publikationen) berichtet heute etwa vom Kampf „des Internets“ gegen „die Nazis“:

Wer sich als Websitebetreiber von einem (…) Unternehmen benachteiligt fühlt, kann theoretisch einfach zu einem anderen gehen. Doch faktisch werden viele dieser acht Ebenen von sehr wenigen, sehr mächtigen Unternehmen kontrolliert. Wer ihre Dienste nicht nutzen kann, ist im Netz unsichtbar, schwer erreichbar, angreifbar, geschäftsunfähig.

Der Hintergrund des Artikels ist, dass der verschlüsselungskritische Netzdienstbetreiber Cloudflare, der noch 2015 so tat, als sei ihm wichtig, dass Domänensperrungen allenfalls auf judikatives Urteil hin erfolgen müssten, auf die Eskalation der US-amerikanischen Scharmützel zwischen alternativen Rechten und regressiven Linken (irgendwas mit einem Auto) dergestalt reagierte, dass er die reißerische Website „Daily Stormer“ aus der öffentlichen Erreichbarkeit entfernte. Derjenige, der diese Entscheidung getroffen hatte, nämlich der Vorstandsvorsitzende von Cloudflare, verteidigte sie zunächst mit der Begründung, dass er die Autoren des „Daily Stormer“ für Arschlöcher halte, veröffentlichte jedoch außerdem einen doppelzüngigen Blogartikel, in dem er zwar zugab, dass Cloudflare hier eingegriffen hatte, um den Verdacht, das Unternehmen unterstütze heimlich Neonazis, zu zerstreuen, es gleichzeitig aber bedauerte, dass Cloudflare das überhaupt könne; als sei der Vorwurf, dass ein für die Neutralität des Internets nicht völlig unwichtiges Unternehmen sich nicht für die richtige politische Seite entscheidet, ein Anlass, ebendiese Neutralität über den Haufen zu werfen.

Ob man nun die Meinungsfreiheit weit genug auslegt, um ihre Ausübung auch „den Nazis“ zuzugestehen, oder nicht, spielt bei der Bewertung des bedeutsamsten Problems in dieser Sache jedenfalls keine Rolle, das da nämlich lautet: Je intensiver „die Nazis“ (oder wer auch immer die aktuell meistverachtete Gruppierung sein mag) weggelöscht werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie irgendwann eine ausreichend große Schlagkraft entwickelt haben, um ihr eigenes unzensiertes Gegennetz aufzubauen; womit sie, „die Nazis“, letztlich gewonnen hätten, denn dem gesundkonsolidierten Wohlfühlinternet, in dem es Einhornkotze und Nutella regnet, stünde ihr Abgrund entgegen, der sicherlich seine Ecken und Kanten haben dürfte, was den Humanismus betrifft, aber nichtsdestotrotz frei wäre. Anders gesagt: Unternehmen wie Cloudflare werden, wenn sich die Netzpolitik in bestehender Weise weiter entwickelt, die Schuld daran tragen, dass die Letzten, die sich noch über ein freies Internet freuen dürfen, irgendwann „die Nazis“ sein werden, während hierzulande in enger Zusammenarbeit mit Übersee die SPD, der bescheuerte Axel-Springer-Verlag und GitHub ihr bedauerlicherweise Bestes tun, um einen schon in der bloßen Theorie fatalen Kompromiss aus globaler Freiheit und kleingärtnerischem Verständnis von Recht und Unrecht zu finden und zu etablieren, notfalls mit juristischer Gewalt. Kann, wem jedes Mittel gegen das Böse Recht ist, noch der Gute sein?

Ins Darknet kann man ja auch nicht mehr. Da sind jetzt auch eure Eltern.

Netzfundstücke
Lustige Berufe (2)

Heute:

Der 27-Jährige arbeitet als erster „Emoji-Übersetzer“ weltweit.

:wallbash:

ComputerIn den Nachrichten
Kurz verlinkt: Empörend: Öffentliche Dateiablage dient der öffentlichen Dateiablage!

Applekunden in New York sind erbost:

In New York missbrauchen offenbar Exhibitionisten das AirDrop-Feature und schicken wahllos iPhone-Nutzern im Zug Penis-Fotos. (…) Um den modernen Exhibitionisten zum Opfer zu fallen, muss AirDrop so eingestellt sein, dass man Daten von jedem Nutzer empfangen kann.

Früher war ein „Opfer“ ja noch jemand, der einen tatsächlichen Schaden davontrug, und niemand, dem Fremde in einen Ordner, den er absichtlich für die ganze Welt zum Schreiben freigegeben hat, irgendwelche Bilddateien legen, aber früher hatten unsere Telefone auch noch Schnur und Scheibe.

In den NachrichtenMontagsmusik
North Sea Radio Orchestra – Vishnu Schist

Hellwach (Symbolbild)Es ist Montag, ein Tag voller Ungemach. Pandabären sind fantastisch, jedoch noch nicht ausreichend verbreitet; ein Zustand, den zu ändern es gilt, so lange das Leben noch schwelt. Zunächst jedoch ist Müdigkeit Dominanz. In der Ferne ein Schweif.

Was in der Ferne, nämlich an den USA, dem Staatenbund mit den smarten Haustüren, völlig unverständlich ist, sind ja auch die Nachrichten. Fox News zum Beispiel zeigt auf YouTube ein Video, auf dem zu sehen ist, dass ein Auto in eine Menschenmenge fährt, was also offensichtlich nicht so schlimm ist – der Ausruf „Fuck!“ hingegen, den ein Passant angemessenerweise tätigt, wurde überpiept. Tote sind schade, aber Fluchen ist tabu!

Zur gestrigen Feier des Jahrestags des Mauerbaus gab das Auswärtige Amt auf Twitter bekannt, dass es froh sei, dass wir in der EU heute ohne Mauern auskämen, und hat damit nicht einmal Unrecht, denn die Außengrenzen der EU bestehen vor allem aus Wasser und hohen Zäunen. So fortschrittlich war die DDR nicht.

Die „Frankfurter Allgemeine Woche“ titelte unlängst, keine Droge werde so sehr verharmlost wie Cannabis. Während sich die folgenden Diskutanten weitgehend darüber einig waren, dass die eigentlich furchtbarste verharmloste Droge Alkohol sei, saß ich total high mit der einzigen Droge herum, deren Glücksgefühl schon ab der Geburt legal zu erzielen ist: Musik.

North Sea Radio Orchestra: Vishnu Schist [Official Video]

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Hundredth – Rare

Zu den angenehmen Überraschungen des Jahres 2017 zählt nunmehr auch das neueste Studioalbum „Rare“ des US-amerikanischen Shoegaze-Quartetts Hundredth (Amazon.de). Im Klanggewand der 80-er Jahre entfaltet sich eine erfreulich breitwandige musikalische Landschaft, auf der das Gras nicht bloß grün, sondern auch noch voller wild sitztanzender, vielfarbener Kühe ist.

Das ist so natürlich Quatsch, geschrieben im Überschwang. Fest steht aber, dass die mir bisher unbekannten Hundredth, sich laut Internet mit „Rare“ musikalisch neu erfindend, das Kunststück schaffen, grauenhafte – ich höre tatsächlich Placebo und die Pet Shop Boys heraus – Einflüsse zu im positiven Sinne bemerkenswerter Musik zu kombinieren.

Hundredth – Youth (Visual)

Das kann daran liegen, dass die dekadenüblichen Spielzeugkeyboards auf „Rare“ keine nennenswerte Rolle spielen, denn stattdessen gibt es mal aggressive, mal überzeugt hüpfende, oft mehrschichtige Gitarrenklänge zu kraft- und damit druckvollem Rhythmus aus selbstsicherem Bass und erfreulich wenig zurückhaltendem Schlagzeug; post-hardcore nennt sich das in den einschlägigen Werbetexten und post ist oft gut. Post-Punk und New Wave kreisen hier neugierig in immer engeren Kreisen umeinander, die Stimmung ist eigenartig; die Dichte fördert Melancholie, die Darbietung jedoch animiert verschiedene Körperteile des Konsumenten zur autarken Bewegung. Kann man bedrückt sitztanzen? Ich versuche es einfach mal.

Hundredth – Neurotic (Official Music Video)

„Rare“ ist ein fraglos im dunklen Jahrzehnt verwurzeltes Album, das trotzdem modern klingt und Spaß macht – wahrlich: so was ist selten. Und deswegen ist es gut.

In den Nachrichten
Braunschweiger Neuland

Das Digitalisierungsunternehmen Deutsche Telekom macht sich um die Zukunft der Telefonzellen kaum Sorgen, denn diese haben gegenüber diesen neumodischen Mitnahmetelefonen einen wesentlichen Vorteil, wie die heutige „Braunschweiger Zeitung“ berichtet:

„Immer mehr Menschen benutzen statt Telefonzellen ihr Handy. Gerade im ländlichen Bereich verlieren viele Telefonzellen deshalb an Bedeutung“, erklärt Telekom-Sprecher McKinney. Dabei kann so eine Telefonzelle mehr als gedacht: „Unsere Münzetelefone (sic) akzeptieren noch D-Mark-Münzen.“

(via @freshmango)

MontagsmusikNetzfundstücke
Googles eingebildetes Frauenproblem (Nachtrag)

Auf den Aufregertext eines mittlerweile gefeuerten Google-Mitarbeiters über die Probleme der bestehenden Diversitätspolitik innerhalb Googles hat der Feminismus eine prima Antwort gefunden:

Hören Sie auf, „Wissenschaft“ mit Wahrheit gleichzusetzen!

Wir haben immerhin 2017 und irgendwelche Männer glauben immer noch an diesen Wissenschaftsquark!

NerdkramsNetzfundstücke
Medienkritik CVII: t3ns sieben Tipps für eine schnellere Einordnung als schändlicher Spambot

E-Mail-Signaturen – kennta? -, in der Frühzeit der Kommunikation via E-Mail ein durchaus praktisches Hilfsmittel, um nicht jedes Mal händisch „Ruhe jetzt! Herzlichst, NAME“ drunterschreiben zu müssen, sind seit dem Aufkommen von HTML-formatierten E-Mails durch irgendwelches redundantes Werbergeschmeiß eigentlich nur noch dafür da, den Spamfilter zuverlässiger konfigurieren zu können: Je bunter die Signatur, desto unerwünschter die E-Mail.

Das hat sich wenig überraschend freilich noch nicht bis zu „t3n“ (Untertitel „digital pioneers“), deren Redaktions-E-Mails ich vermutlich auch lieber niemals erhalten möchte, herumgesprochen, denn dort gibt Andreas Weck derzeit sieben Tipps für eine bessere E-Mail-Signatur, bei deren Lesen man sich einigermaßen unsicher wird, ob die Signatur jetzt der Teil über oder unter dem Strich war. (Wieso Strich? – Eben!)

Also:

Wer eine smarte E-Mail-Signatur anlegen möchte, sollte diese sieben Tipps beachten.

Ah, smart also; wie ein Auto, das nicht mehr startet, wenn dem Smartphone mal das Netz ausgeht, oder ein sprachgesteuerter Salzstreuer – kurz gesagt: so was möchte man nicht haben, wenn man keinen gewaltigen Birnenschaden hat.

Das ist Andreas Weck allerdings offensichtlich egal, denn er fährt, albern-jovial duzend, unbeirrt mit den „sieben Tipps“ fort:

1. Arbeite mit Farben

Denn es ist wichtig, dass das Auge beim ersten Erfassen der E-Mail nicht etwa Zeit mit dem Text oben drüber verschwendet, sondern von Anfang an den wichtigsten Inhalt fokussiert, nämlich die Reklame vom – zumeist – Arbeitgeber des Absenders. Wäre ja blöd sonst!

2. Arbeite mit Bildern

(…) Am besten eignet sich beispielsweise eine weiße Wand, vor der sich die Person ablichten lässt.

Oder auch ein tanzender Jesus oder eine Nahaufnahme einer Wasserleiche. Soll sich ja „visuell einbrennen“ (ebd.), die Signatur. – Dass anständige Mailprogramme (also nicht unbedingt so Browserkram) eingebundene Bilder entweder direkt als Spammerkmal markieren oder die Bilder wenigstens als Anhang statt als direkt eingebundenes Bild herunterladen, so dass der Empfänger, falls er die E-Mail überhaupt zu sehen bekommt, noch einmal zusätzlich aktiv werden muss, nur um die langweilige Fresse eines Werbers, die er, falls er gerade mobil ist, auch noch kostenintensiv herunterladen musste, sehen zu dürfen, spricht prinzipiell ja schon dagegen, aber was weiß man bei „t3n“ schon von anständigen Mailprogrammen und/oder mobilen Netzen?

3. Priorisiere die Informationen

Es gilt immer, den begrenzten Platz nicht mit nutzlosen Informationen zu verschwenden.

Das ist prinzipiell richtig und dieser Tipp hätte, wäre es nach mir gegangen, der einzige Tipp sein sollen, denn er sagt im Wesentlichen aus, dass E-Mail-Signaturen nicht der richtige Ablageort für Werbescheiße sind; aber natürlich musste Andreas Weck das präzisieren:

Die persönliche E-Mail-Adresse sollte beispielsweise schnellstens aus der Signatur verschwinden, denn die braucht der E-Mail-Empfänger nicht mehr.

Richtig, denn in einem E-Mail-Header stehen protokollbedingt alle wesentlichen Informationen zur Person, darunter die Absenderadresse (sofern nicht gefälscht), der Absendername (sofern nicht gefälscht) und das Absendedatum. Alles Informationen, die nicht überflüssigerweise nochmals separat übermittelt werden müssten, damit mehr Platz für das Wesentliche (also hochauflösende Fotos von Wirtschaftspfeifen vor noch weißen Wänden) bleibt.

Andererseits:

4. Leite visuell durch die Informationen

(…) Der eigene Name könnte sich beispielsweise durch größere oder fette Buchstaben absetzen.

Der eigene Name, der sowieso schon darüber oder daneben steht, gehört rein, die Mailadresse aber nicht, weil sie sowieso schon darüber oder daneben steht? Ja, wie denn nun?

Sinnvoll ist beispielsweise auch, dass Texte neben einer der oben genannten Bilddateien zu finden sind. Das Bild wird das Augenmerk sofort auf sich lenken und die wichtigen Informationen stehen direkt daneben.

Denn die wichtigen Informationen in einer E-Mail stehen, wie jeder weiß, in der Signatur und nicht etwa über ihr. :ja:

5. Nutze Call-to-Actions

(…) Ein CTA sollte sich entlang der aktuellen Ziele orientieren. Wollt ihr beispielsweise euren neuen Snapchat-Channel pushen? Dann fügt einen Snapcode zum Abscannen ein.

Wenn ich mal von einem großen Internetkonzern gebeten werden sollte, ein neues E-Mail-Protokoll zu entwerfen, werde ich als ersten Schritt eingebundene Bilder als ungültig kennzeichnen. :motz:

6. Sag, wo Kunden dich auch persönlich treffen können

(…) Ein Satz wie „Ich werde vom 25. bis 26. Februar auf der Online-Marketing-Rockstars in Hamburg sein. Ich freue mich, dich dort zu sehen!“ könnte der Aufmacher für ein spannendes Gespräch sein.

Der Aufmacher für ein spannendes Gespräch mit einem potenziellen Kunden oder Geschäftspartner gehört nach meinem Verständnis ja in den verdammten E-Mail-Text und nicht auf die Werbefläche unten drunter, denn der Text ist in der Regel zumindest wenigstens teilweise anlassbezogen und wird nicht einfach gedankenlos weiterverwendet. Ich meine: Ich schließe nicht aus, dass Andreas Weck („Online- und Print-Redakteur“) sein Leben lang immer nur Signaturen, aber noch keinen einzigen Mailtext geschrieben hat und nicht einmal etwas dafür kann, weil man bei „t3n“ nur noch über Snapchat und nicht mehr über E-Mail miteinander redet. Dann möchte ich diesen Einwand zurückziehen. In allen anderen Fällen gibt es für die Annahme, den Aufmacher für ein Gespräch platziere man am besten an einer Stelle, die der Empfänger mit großer Wahrscheinlichkeit höchstens noch bis zur ersten halben Zeile lesen wird, keine vernünftige Ausrede.

7. Achte auf die Pflichtangaben

So nach den ersten drei Bildschirmseiten Signatur kann man ja getrost einmal darüber nachdenken, auch noch steuerrechtliche Quatschtexte in Schriftgröße 9 unterzubringen. Dann ist der Scrollbalken auch länger und der Empfänger freut sich gleich doppelt darüber, so viel schöne Signatur lesen zu dürfen. (Ich kreide dies ausdrücklich, jedoch ausnahmsweise, nicht Andreas Weck an, halte die rechtlichen Vorgaben, sofern sie in der Tat den beschriebenen Inhalt haben, aber für riesengroße Scheiße.)

Ich vermisse die Zeit, als man für eine Signatur, die mehr als drei Textzeilen umfasste, noch umgehend auf irgendwelchen killfiles landete.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Googles eingebildetes Frauenproblem

In der Reihe der Technikorganisationen, in denen ein zersetzendes Klima herrscht, seit Krawallfeministen allerlei Geschlechts die Ansicht durchzuboxen versuchen, ein kuscheliges Miteinander sei in der EDV mindestens genau so wichtig wie, vermutlich aber noch weitaus wichtiger als Produktivität (denn gegenseitiges Verständnis dafür, wenn man sich heute geschlechtsmäßig als Apache-Kampfhubschrauber fühlt, hat einem Unternehmen gefälligst mehr zu bedeuten als dass man deswegen heute leider nicht produktiv arbeiten kann #aufschrei), steht nach dem Tor-Projekt und GitHub jetzt, wie man liest, auch Google.

Google, eines dieser Unternehmen, die stolz einen „Code of Conduct“ vor sich hertragen und natürlich eine eigens für Diversität zuständige Vizepräsidentin überbezahlen, als sei Geschäftserfolg zweitrangig, versucht gerade einen Sturm im Wasserglas zu überwinden, nachdem einer seiner Angestellten, der in einem internen Schreiben die Ansicht vertrat, dass Frauen in der EDV nicht völlig grundlos unterrepräsentiert sind, sondern womöglich einfach naturgemäß andere Interessen haben, womit der Wunsch Googles, Frauen aktiv zu fördern, letztlich Männer diskriminiere, als Beweis dafür, dass er damit völlig Recht hatte, der Arbeitslosigkeit übergeben wurde.

Ich meinerseits halte ja – anders, als der Feminismus, den andererseits eine Unterrepräsentierung in mies bezahlten Handwerksberufen augenscheinlich keineswegs zu interessieren scheint, denn „Geschlechtergerechtigkeit“, also leistungsunabhängig hohes Gehalt, soll es bitteschön nur dort geben, wo genug Nettogeld reinkommt, es gern hätte – nach wie vor sehr viel vom Verdienstprinzip. Wer scheiße programmiert, der ist auch dann jemand, der scheiße programmiert, wenn er ein gefälligst wertzuschätzendes Geschlecht hat und/oder zu haben glaubt. Daran ändert auch ein Verhaltenskodex bemerkenswert wenig. Ein Geschlecht zu haben ist noch kein sinnvoller Beitrag für die Gesellschaft. Selbstredend ist die mediale Rezeption seitens fachferner Autoren eine andere: Im „Tagesspiegel“ zum Beispiel behauptet Oliver Voss von vornherein, Informatik sei einst Frauensache gewesen, als bestehe zwischen dem Umstand, dass für das Programmieren von Computern in deren Frühzeit, also in den 1940-er Jahren, kaum lebendige, nicht gefangene und nicht anderweitig beschäftigte Männer zu finden waren, und dem Fakt, dass gerade ein Weltkrieg stattfand, keinerlei Zusammenhang. Frauen hatten eben nicht besonders viel zu tun und waren auch eher ungern an der Front.

Dabei scheint der ursprüngliche Fehler, der bei Google (und so weiter) gemacht wurde, allein der zu sein, das Geschlecht überhaupt zu einem entscheidenden Kriterium für irgendetwas gemacht zu haben. In einer Welt, die Geschlechtergrenzen einreißen soll (es gebe, sagt man, sowieso unzählbar viele Geschlechter), ist der Versuch, ein bestimmtes Geschlecht stärker aktiv einzubinden als ein anderes, ein moralischer Rückschritt, der sich ins linksregressive Narrativ der Zeit zwar harmonisch einfügt, dessen Folgeschäden jedoch unabsehbar bleiben.

Netzfundstücke
Kurz verlinkt: Nichtspielplätze

Berlin, Prenzlauer Berg:

Letzte Woche war ich auf dem Spielplatz. (…) Die Kinder wollten in Ruhe spielen, aber für sie war wenig Platz, der Sandkasten war besetzt, ein paar Elternpaare konkurrierten im Sandburgenbau. (…) Nirgends sah ich spielende Kinder.

Und die sollen später mal einen Flughafen bekommen.

In den Nachrichten
Westliche Werte des Tages

Dickere US-Amerikaner asiatischer Abstammung werden von ihren Mitbürgern eher für „echte Amerikaner“ gehalten als dünnere, ergab eine Studie[.]

(derStandard.at)