In den Nachrichten
Kurz ange­merkt zum AquaDom

Es besteht kein Anlass dazu, eine vier­stel­li­ge Anzahl an nicht ein­hei­mi­schen Lebe­we­sen in ein Aqua­ri­um in aus­ge­rech­net Ber­lin umzu­sie­deln, und zwar bin nicht mal ich zynisch genug, um jetzt zu postu­lie­ren, es gehe den Fischen dort, wo sie jetzt sind, immer noch bes­ser als in einem Aqua­ri­um in aus­ge­rech­net Ber­lin; wer aber jetzt vor allem die mensch­li­chen Schä­den beklagt (es gebe „zwei Ver­letz­te“, des­in­for­mie­ren die Nach­rich­ten, weil den­je­ni­gen Lebe­we­sen, die man nicht schrei­en hört, der Mensch par­tout nicht viel Wert jen­seits des Ein­kaufs­prei­ses bei­zu­mes­sen gewillt ist und eine Fisch­quä­le­rei eben dar­um auch nicht so schlimm fin­det) und bedau­ert, dass man für das Angucken „exo­ti­scher Tie­re“ vor­erst wie­der ins Aus­land flie­gen müs­se, weil das doch noch schlim­mer sei als die Glas­ka­sten­hal­tung, als sei das Anstar­ren anders­wo ende­mi­scher Wesen eine Not­wen­dig­keit oder auch nur ein hin­rei­chen­der Mehr­wert (ande­rer­seits: „Sea Life“ in aus­ge­rech­net Ber­lin exi­stiert wei­ter­hin), des­sen Vor­stel­lung von Mensch und Natur ist Teil des Pro­blems.

MusikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 14. Dezem­ber 2022

Goog­le hat eine neue Ziel­grup­pe für sei­ne Pla­kat­wer­bung ent­deckt: Vege­ta­ri­er, die sich noch höch­stens drei Din­ge gleich­zei­tig mer­ken kön­nen. Sicher­lich: Seit ich meist ein digi­ta­les Notiz­buch mit mir füh­re, ist auch mein Kopf etwas erin­ne­rungs­faul gewor­den; aber ob noch mehr Digi­ta­les eine Lösung für das Pro­blem von zu viel Digi­ta­lem ist?


Bemer­kens­wer­ter Satz über den Abgang eines der drei Mit­glie­der von Scoo­ter: „Er war 16 Jah­re als Syn­the­si­zer tätig“ („Ber­li­ner Mor­gen­post“), jedoch steht nicht dabei, ob er vor­her als Schlag­zeug oder als Gitar­re gear­bei­tet hat. Wie man aus­ge­rech­net zu die­sem Berufs­wunsch kommt, wür­de mich aller­dings schon mal inter­es­sie­ren. Die mei­sten Musik­in­ter­es­sier­ten möch­ten ja lie­ber das Instru­ment spie­len als das Instru­ment sein. – Ande­rer­seits: Scoo­ter / musik­in­ter­es­siert, ich mer­ke es ja schon selbst.


Kern­fu­si­on ist anschei­nend end­lich nicht mehr not­wen­di­ger­wei­se ein Ver­lust­ge­schäft. Sicher­heits­hal­ber ver­schärft Deutsch­land daher sein Des­in­ter­es­se an CO2-armer Strom­erzeu­gung: „Meh­re­re [deut­sche, A.d.V.] Bun­des­län­der leh­nen Atom­kraft­werk in Polen ab“ („ZEIT ONLINE“), sonst kommt Polen am Ende noch auf die merk­wür­di­ge Idee, ein eigen­stän­di­ger Staat zu sein, der sich von Deut­schen nichts vor­schrei­ben las­sen muss.


Olaf Scholz („Sozia­le Poli­tik für Dich“ duz­ten dumm sei­ne Wahl­pla­ka­te im vori­gen Jahr) fin­det, die Leu­te sol­len end­lich auf­hö­ren, frü­her als unbe­dingt nötig in Ren­te zu gehen. Die­ser Vor­schlag ergibt schon Sinn, denn wer län­ger arbei­tet, der kann sich auch län­ger ein kom­for­ta­bles Über­le­ben im Win­ter lei­sten. (Wor­an das lie­gen mag?) Zugleich schla­ge ich aller­dings vor, dass die Ren­te mit 67 Jah­ren kon­se­quent für Poli­ti­ker zu gel­ten hat.


„Die Deut­schen“ besit­zen „einen gigan­ti­schen Roh­stoff­schatz“ („Deutsch­land­funk“) – wenn das die USA hören (und falsch verstehen)!

NetzfundstückeIn den NachrichtenMontagsmusik
Try­on – Virall // WinRAP

So, Frühstück!Es ist Mon­tag (Quel­le: Inter­net). Es gibt ein neu­es Inter­net­ma­ni­fest, die Erschaf­fer des Quatsch­be­griffs „web0“ möch­ten mit die­sem „web0“ ein „web3“ ohne Block­chains, NFTs und son­sti­gen kom­mer­zia­li­sie­ren­den Quatsch eta­blie­ren. Bis­her ist nicht ganz klar, was die Small Tech­no­lo­gy Foun­da­ti­on damit errei­chen möch­te, aber zumin­dest wer­den seit Janu­ar schon mal Unter­schrif­ten gesam­melt. Mei­ne ist auch schon da, weil ich die Idee eines dezen­tral funk­tio­nie­ren­den Webs an sich erst mal gut fin­de. Wenn irgend­ein Schelm in näch­ster Zeit über die­se Web­site drü­ber­schreibt, dass die Unter­zeich­ner alle­samt z.B. Han­no­ve­ra­ner oder Phil-Coll­ins-Fans sind, dann gibt es zumin­dest einen Beleg, dass dem nicht so ist.

Ein Bri­te ist in Nai­ro­bi ver­schwun­den und in einer Knei­pe wie­der auf­ge­taucht. Alles rich­tig gemacht. Etwas merk­wür­di­ger erschien mir da schon die Mel­dung, Kat­jes habe jetzt auch Zahn­creme im Sor­ti­ment, bis ich begriff: die gesam­te Mund­hy­gie­ne des Vol­kes könn­te bin­nen weni­ger Jah­re in den Hän­den eines Unter­neh­mens lie­gen, des­sen Geschäfts­mo­dell des­sen Ver­nich­tung ist. Dr. Evil ist nichts dagegen!

Apro­pos evil: Das anschei­nend unver­wüst­li­che Maga­zin „Boing Boing“ (schö­ner Name auch) zitiert den Rap­per Lupe Fias­co, der gesagt hat, Rap sei sei­ner Ansicht nach ein ver­lust­frei­er Kom­pres­si­ons­al­go­rith­mus. Offen­bar hat Win­RAR end­lich wür­di­ge Kon­kur­renz bekommen.

Wäh­rend sich aber die Gelehr­ten noch dar­über strei­ten, freut sich der Drit­te (d.h. ich) und beginnt die Woche mit enorm kom­pri­mier­ter YouTube-Beschallung.

TRYON – VIRALL (OFFICIAL VIDEO)

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenNerdkrams
ChatGPT: Ver­da­ten und verkauft.

Einen „Hype“ gebe es um ChatGPT, ein kürz­lich dem öffent­li­chen Zugriff über­ge­be­nes Chat­sy­stem, das mit „künst­li­cher Intel­li­genz“ zahl­rei­che Fra­gen halb­wegs ver­nünf­tig zu beant­wor­ten weiß, schrei­ben über­ein­stim­mend tech­nik­fer­ne Medi­en wie „Wirt­schafts­Wo­che“ und „Deutsch­land­funk Kul­tur“ (Archiv­ver­si­on), wäh­rend „Busi­ness Insi­der“ des­sen „bru­ta­les Ver­sa­gen“ erwähnt und for­dert, „die Poli­tik“ müs­se sich mit ChatGPT befas­sen (ich per­sön­lich bin ja der Ansicht, wür­de man das Innen­mi­ni­ste­ri­um künf­tig mit „künst­li­cher Intel­li­genz“ statt mit irgend­wel­chen Par­tei­sol­da­ten beset­zen, wäre vie­les viel ent­span­nen­der und ent­spann­ter), und die „WELT“ die „WELT“-typischste Fra­ge stellt, die selbst mir gera­de in den Sinn käme (näm­lich: „Lässt sich mit dem KI-Hype Geld verdienen?“).

Das ehe­ma­li­ge EDV-Fach- und heu­ti­ge Sati­re­ma­ga­zin „c’t“ lässt einen vor Begei­ste­rung bei­na­he plat­zen­den Redak­teur ein paar ver­meint­li­che Begrün­dun­gen in den Raum stel­len, „[w]arum ChatGPT die Welt ver­än­dern wird“. Zu die­sen Begrün­dun­gen zählt selt­sa­mer­wei­se nicht die von mir selbst ent­deck­te: dass ChatGPT näm­lich schon beim Anle­gen eines für sei­ne Nut­zung angeb­lich not­wen­di­gen Ope­nAI-Benut­zer­kon­tos von sei­nen Nut­zern einen nega­ti­ven Intel­li­genz­test sowie die Auf­ga­be jedes grund­le­gen­den Inter­es­ses an Daten­schutz ver­langt, indem es erwar­tet, dass sie einer von Frem­den instal­lier­ten, gepfleg­ten und über­wach­ten daher­ge­lau­fe­nen Web­site mit intrans­pa­ren­ter Daten­bank ohne offen­sicht­li­che tech­ni­sche Not­wen­dig­keit und nicht mal mit guter Begrün­dung ihre nach­weis­lich gül­ti­ge Tele­fon­num­mer geben. Ohne bestä­tig­te Tele­fon­num­mer (man kriegt wohl einen Code dort­hin geschickt, aus­pro­biert habe ich das nicht) kein ChatGPT, so will es der Betreiber.

Es stimmt schon, dass „künst­li­che Intel­li­genz“ all­zu oft auf natür­li­che Dumm­heit oder wenig­stens Nach­läs­sig­keit trifft. Brot und Spie­le – nun ja, im vor­lie­gen­den Fall zumin­dest: klug schei­nen­de Chat­ant­wor­ten – haben zu allen Zei­ten die Men­schen vie­les ertra­gen lassen.

PersönlichesNetzfundstücke
Zitat des Tages: Blau­bee­ren und Traurigkeit

Jor­dan Stratton:

In die­ser moder­nen Zeit zu leben ist groß­ar­tig. Robo­ter erschaf­fen künst­le­ri­sche, see­len­lo­se Ver­sio­nen von Men­schen, ich gebe die Hälf­te mei­nes Gehalts­schecks für die Mie­te und die ande­re Hälf­te für vier Blau­bee­ren aus und bin süch­tig nach einem klei­nen Taschen­com­pu­ter, der mich jeden Tag trau­rig macht. Fantastisch.

(Über­set­zung von mir.)

Der erste Flach­wich­ser des Jah­res hat vor­hin inner­halb mei­nes Auf­merk­sam­keits­fel­des geböl­lert oder so. War­um wer­den Men­schen inzwi­schen älter als 30?

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Vor­wärts­ver­tei­di­gung (7)

Die Bun­des­re­gie­rung, derer zwei grö­ße­re Par­tei­en schon 1999 ein Land gemein­sam mit der kur­den­feind­li­chen NATO unter Zuhil­fe­nah­me eines Angriffs­krie­ges ver­tei­digt haben, teilt in Bezug auf die Ermor­dung drei­er Rus­sen in Russ­land sei­tens der Ukrai­ne nun­cha­lant mit (Archiv­ver­si­on):

Die Ukrai­ne hat nach Ansicht der Bun­des­re­gie­rung das Recht, sich auch außer­halb ihres eige­nen Staats­ge­biets zu verteidigen.

Es ist zumin­dest erfri­schend zu sehen, dass die Bun­des­re­gie­rung die außen­po­li­ti­sche Hal­tung der rus­si­schen Regie­rung wür­digt, indem sie deren Argu­men­ta­ti­on über­nimmt, auch Russ­land betrei­be seit dem Über­schrei­ten der Gren­ze zur Ost­ukrai­ne ja ledig­lich Lan­des­ver­tei­di­gung. Aber was sol­len dann die „Sank­tio­nen“?


Ande­rer­seits, „Sank­tio­nen“: Lebens­mit­tel zu teu­er? Ein­fach Deutsch­land­flag­gen essen!

Persönliches
„Wo ist denn euer Stift?“

Mit jeman­dem einen abend­li­chen Spa­zier­gang zu machen, der gern auf beschla­ge­ne Schei­ben von Autos ande­rer Men­schen mit dem Fin­ger sub­ti­le Bot­schaf­ten („ARSCHLÖCHER!“) schreibt, führt zu unter­halt­sa­men Gesprä­chen mit Bal­kon­in­sas­sen, etwa folgendem:

„WAS MACHT IHR DA MIT DEM AUTO???“
„Wir schreiben.“
„WO IST DENN EUER STIFT???“
„Wie­so Stift?“
„ICH RUF DIE POLIZEI!!!!“

Der wei­se Zeit­ge­nos­se weiß: wenn Kin­der am Auto rum­ma­len, ruft nie­mand eine Poli­zei. Daher:

„Haben Sie Kinder?“
„… (Pau­se) IHR SEID KEINE KINDER!“

Es kam übri­gens kei­ne Poli­zei. Scha­de. Das wäre eine inter­es­san­te Dis­kus­si­on gewesen.

Ich befür­wor­te nun übri­gens eben­falls eine auto­freie Innen­stadt – ein­fach sol­cher Men­schen wegen.

NetzfundstückeIn den NachrichtenMontagsmusik
Poly-Math – Can­ti­cum II // Die Feh­ler der Alten in neu­em Gewand

Ich möchte das geneigte Publikum auf diese plüschigen Ohren hinweisen.Es ist Mon­tag. im Jahr 2014 schrieb eine Knall­tü­te in der „Washing­ton Post“, lang­fri­stig mach­ten Krie­ge „uns“ siche­rer und rei­cher. Mit Blick auf mein Kon­to gestat­te ich mir an die­ser Stel­le selbst die Fra­ge: Wann ist das denn end­lich so weit?

Das „sozia­le Netz­werk“ Mast­o­don scheint aus den Feh­lern von Use­net und Mail­bo­xen nichts gelernt zu haben, schreibt der gewohnt lesens­wer­te Iso­topp. Ein Vor­teil des Alt­s­eins: ver­meint­lich neue Ent­wick­lun­gen beob­ach­tet man gütig lächelnd und weiß, wann es klü­ger ist, die Jun­gen die­sel­ben Feh­ler in Ruhe selbst machen zu lassen.

Hüb­scher Bug: Wer in zeit­re­le­van­ten Steam­spie­len schum­meln will, der hat plötz­lich die fal­sche Schrift­art auf dem Bild­schirm. Das Jahr 2038 wird groß­ar­tig. – Fast eben­so groß­ar­tig: Deutsch­land­weit strei­ten sich Mini­ste­ri­en über die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung. Ich emp­feh­le inzwi­schen ent­spann­te Erwar­tung der Implosion.

Das lässt an die­sem Mon­tag auch noch Zeit für etwas Rhythmus.

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Si vis pacem, para bel­lum. (22)

Im Fuß­ball hat es nicht gereicht, im Tod bleibt Deutsch­land Meister:

NATO-Gene­ral­se­kre­tär Jens Stol­ten­berg hat Deutsch­land auf­ge­for­dert, den Weg einer Stär­kung sei­ner Streit­kräf­te kon­se­quent wei­ter­zu­ge­hen. (…) „Wir brau­chen eine star­ke und berei­te Bun­des­wehr“, sag­te der Nor­we­ger, der dabei auch die Bedeu­tung der Ver­tei­di­gungs­in­du­strie in Deutsch­land beton­te. „Das ist wich­tig für Deutsch­lands Sicher­heit. Es ist wich­tig für Euro­pas Sicher­heit, und es ist wich­tig für die welt­wei­te Sicherheit.“

Deut­sche Pan­zer für den Frie­den in der Welt. Sonst über­fällt uns mor­gen ein feind­li­ches (d.h. nicht in der NATO orga­ni­sier­tes) Land, zum Bei­spiel Österreich.

Im Übri­gen bin ich der Mei­nung, dass die Bun­des­wehr abge­schafft gehört.

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Pro­te­stie­rer pro­te­stie­ren, Hydra wächst nach

Wis­sen­schaft­ler, so erfah­re ich aus den Nach­rich­ten, haben eine Tabak­pflan­ze gene­tisch dazu gebracht, Koka­in zu erzeu­gen. Sich eine Tabak­pflan­ze zu hal­ten ist ver­mut­lich legal und gene­ti­sche Expe­ri­men­te mit Pflan­zen weit­ge­hend auch, was viel­leicht – viel­leicht aber auch nicht – die­sen schö­nen Anrei­ßer­text von „t‑online“ erklärt:

Weil sie einen Vor­trag über bio­lo­gi­sches Geschlecht nach Pro­te­sten abge­sagt hat, steht die Hum­boldt-Uni in der Kri­tik. Sogar die Pro­te­stie­rer pro­te­stie­ren jetzt.

So weit ist es schon: Sogar Pro­te­stie­rer pro­te­stie­ren jetzt! :motz:


Die „tages­schau“ (Archiv­ver­si­on) „infor­miert“: Der „Isla­mi­sche Staat“ hat­te kurz­zei­tig kei­nen Anfüh­rer mehr, jedoch wur­de der Nach­fol­ger des zuvor Ver­stor­be­nen bereits ernannt, bevor die­se Mel­dung publik gemacht wur­de. Man könn­te fast mei­nen, einer in meh­re­ren Län­dern akti­ven Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on kön­ne man nicht bei­kom­men, indem man alle paar Mona­te mal einen Men­schen umbringt. Dar­aus könn­te man viel­leicht etwas ler­nen, muss man aber nicht.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Cary Grace – Per­pe­tu­al Motion

Cary Grace - Perpetual MotionLan­ge nichts mehr über Musik geschrieben.

Cary Grace – mei­ne Fin­ger wei­gern sich noch, nicht gedan­ken­los „Cary Grant“ zu schrei­ben, so viel dann auch zu mei­nem Alter – ist eine US-ame­ri­ka­ni­sche, seit 2005 jedoch in Eng­land wohn­haf­te Musi­ke­rin mit eige­ner Band, die seit 2004 Ton­trä­ger raus­bringt, was ich aber erst 2022 bemerkt habe. Ihr Stil ist hör­bar geprägt vom Psy­che­de­lic Rock der 70er einer- und Folk­mu­sik ande­rer­seits, ins­ge­samt sehr berau­schend (also das, was Musik­freun­de sich dar­un­ter vor­stel­len, nicht das mit den Dro­gen; obwohl…), wozu sicher­lich auch bei­trägt, dass die dar­ge­bo­te­nen Lie­der gern mal über 20 Minu­ten lang sind. Auf „Per­pe­tu­al Moti­on“ (2009; Amazon.de, Band­camp, TIDAL) hat­te sie die­sen Stil bereits „gefun­den“, wie man heut­zu­ta­ge wohl sagt. Als wür­de Stil irgend­wo runterfallen!

Das Album hat eine Lauf­zeit von etwas über 83 Minu­ten, vier der zehn Stücke sind über 10 (zwei gar über 20) Minu­ten lang. Das vor­letz­te Lied „Hel­le­bo­rus“ hat es mir beson­ders ange­tan. Es ist tat­säch­lich ein Lied, denn es wird gesun­gen. Vie­len zeit­ge­nös­si­schen Text­ar­bei­tern ist die­se Nuan­ce ja längst abhan­den gekom­men, auch Instru­men­tal­stücke hei­ßen bei ihnen manch­mal „Lied“ oder gar song, aber gera­de „Song“ trägt die Not­wen­dig­keit von Gesang ja bereits im Namen. Ich wür­de mich wirk­lich manch­mal gern weni­ger auf­re­gen. „Hel­le­bo­rus“ jeden­falls paart den bemer­kens­wert guten Gesang Cary Graces mit inter­es­san­ten Wider­klän­gen an uner­war­te­ter Stelle.

Natür­lich ist nicht das gesam­te Album in die­sem Stil gehal­ten: Das abschlie­ßen­de Titel­stück „Per­pe­tu­al Moti­on“ etwa bie­tet blech­in­stru­men­tier­ten Coun­try und blub­bern­den Spa­ce­rock, ein­ge­bet­tet aller­dings in aus­ge­dehn­te far­bi­ge Land­schaf­ten. Das Inter­net zieht Ver­glei­che mit Pink Floyd, aber Pink Floyd fin­de ich inzwi­schen ziem­lich unin­ter­es­sant und Cary Grace nicht. Wenig­stens Letz­te­res kann auch gern noch eine Wei­le so bleiben.

NetzfundstückeIn den NachrichtenMontagsmusik
Dauf­ødt – Idealtid // Schnörps.

Stapf.Es ist Mon­tag. Über­spitz­te War­nung: Jemand im Inter­net könn­te Din­ge sagen, zum Bei­spiel „schnörps“, aber auch Ver­bo­te­nes. Das könn­te man der Straf­ver­fol­gung zur Lösung über­las­sen, man könn­te aber auch ein Stopp­schild davor­hän­gen (oder zumin­dest die App weni­ger ein­fach zu bezie­hen machen). Juri­sti­sche Pro­ble­me lösen, indem man sich bei Tech­nik­kon­zer­nen beschwert – das war schon immer eine ganz her­vor­ra­gen­de Idee.

Dem­nächst geht das Schnörps­sa­gen zumin­dest etwas siche­rer: Das „tote“ Twit­ter kriegt dem­nächst ver­schlüs­sel­te Direkt­nach­rich­ten mit­hil­fe des Signal-eige­nen Pro­to­kolls. Einer­seits wird Twit­ter sich damit von, räus­per, der Kon­kur­renz posi­tiv abhe­ben, ande­rer­seits wer­den die­se Anwen­dun­gen in der Regel über die offi­zi­el­le Web­an­wen­dung genutzt und Web­an­wen­dun­gen, die zumal wenig mehr sind als Ober­flä­chen für eines Drit­ten Daten­bank­ser­ver, eig­nen sich nicht zum son­der­lich ver­trau­ens­wür­di­gen Medium.

Schö­ne Idee für Team­buil­ding­maß­nah­me: Einer kriegt ein Löwen­ko­stüm, der Rest kriegt ein Nar­ko­se­ge­wehr. Nicht an Spaß teil­zu­neh­men ist zumin­dest in Frank­reich end­lich legal.

In Bra­si­li­en sind iPho­nes der­zeit sozu­sa­gen ille­gal. Man hät­te damit gar nicht erst anfan­gen sol­len. Es war so schön ent­schleu­nigt, bevor alle jeder­zeit über­all erreich­bar sein müs­sen woll­ten. Die Neun­zi­ger waren in man­cher Wei­se anstren­gend, aber zumin­dest waren sie jen­seits der Tech­no­par­tys lei­se. Will man wirk­lich sonn­tags im Park beruf­li­che E‑Mails lesen können?

Hier bleibt’s indes bei Gitar­ren. Ist ja 2022. Da macht man das so.

Guten Mor­gen.

PersönlichesNetzfundstückeIn den Nachrichten
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 25. Novem­ber 2022

Mari­na Weis­band (Bünd­nis 90/Die Grü­nen) erläu­tert auf You­Tube die Gewalt­spi­ra­le Gewalt­py­ra­mi­de: Ein­stel­lun­gen und Über­zeu­gun­gen → Humor, Wor­te → Ver­ba­le Gewalt → Phy­si­sche Gewalt → Geno­zid. Bes­ser gar nicht erst anfan­gen mit die­sem Humor. Heu­te früh habe ich nur kurz geschmun­zelt. Alles Wei­te­re mor­gen in der Tagesschau.


Die Regie­rung des Ver­ein­ten König­reichs möch­te bis zu 60 Pro­zent ihrer öffent­lich auf­ge­häng­ten Über­wa­chungs­ka­me­ras erset­zen las­sen, weil sie von den Chi­ne­sen gebaut wor­den sind. Mit die­sem Über­wa­chungs­staat will das Land, des­sen Geheim­dienst GCHQ das gan­ze Inter­net über­wa­chen möch­te, ja nichts zu tun haben.


Irgend­wann dre­he ich eine Doku­men­ta­ti­on über Deutsch­land und nen­ne sie „Kaf­fee aus unzu­rei­chen­den Täss­chen: Ein Deutsch­land­por­trait.“. Soll­ten sich unter mei­nen Lesern Men­schen befin­den, die hin und wie­der Kaf­fee an ande­re Leu­te aus­schen­ken: Nie­mand, der nicht nur aus rei­ner Höf­lich­keit am Kaf­fee­kon­sum teil­nimmt, ist mit Tas­sen unter 300 Mil­li­li­tern Fas­sungs­ver­mö­gen ein­ver­stan­den. Wer so etwas her­stellt, der stellt bestimmt auch die­se däm­li­chen Milchöff­nungs­pla­stik­rin­ge her, die beim Auf­ma­chen immer kaputt­ge­hen, wor­auf­hin man ein Mes­ser zu Hil­fe neh­men muss und danach selbst vol­ler Milch ist. Klei­ne Kaf­fee­tas­sen sind so nütz­lich wie ein Farb­fo­to von Zebras.

Wenn ich mal Regie­rung wer­de, ver­bie­te ich Kaf­fee­tas­sen, in die nicht mal eine hal­be nor­ma­le Men­ge an Kaf­fee rein­passt. Ehrenwort.


Der­weil auf Tik­Tok: Dies ist mein „Mein Mann wur­de ermordet“-Tanz. :)


Die schot­ti­sche Regie­rung gedenkt Whis­ky­wer­bung zu ver­bie­ten. Soll­te die­ses Gesetz tat­säch­lich in Kraft tre­ten, sehe ich eigent­lich nur Vor­tei­le für mich – Whis­ky­ge­nie­ßer – und mei­nes­glei­chen; Whis­ky könn­te zum Bei­spiel end­lich wie­der den Sta­tus als Trend­ge­tränk ver­lie­ren, der (auch in Ver­bin­dung mit den noch gewal­ti­gen Aus­ga­ben für Wer­bung) seit fast zehn Jah­ren die frü­her ein­mal ver­gleichs­wei­se nied­ri­gen Prei­se in Höhen treibt, die mir nicht so recht gefal­len wol­len. Dass sich die Gin Guild über das Gesetz beschwert, macht es mir unfai­rer­wei­se noch sym­pa­thi­scher: Gin ist ein wirk­lich schlim­mes Getränk und die Ginsnobs, die in eini­gen von mir geteil­ten Krei­sen ein mir völ­lig über­trie­ben schei­nen­des Bohei jenes Getränk umge­ben las­sen, las­sen die­se Beob­ach­tung kei­nes­wegs schwinden.

Ande­rer­seits: Das sagen die über uns wahr­schein­lich auch.

WirtschaftPersönliches
Basti, ich wür­de mal sagen, du warst auch nahe der Fassungslosigkeit.

Aus Ver­se­hen befand ich mich vor­hin in einem Eta­blis­se­ment, das auf so vie­len stra­te­gisch plat­zier­ten Fern­se­hern, dass Weg­gucken nicht ging, das anschei­nend ver­lo­re­ne Fuß­ball­spiel der bei­den Her­ren­mann­schaf­ten von Deutsch­land und Japan sowie die anschlie­ßen­de „Ana­ly­se“ im Ersten zeig­te. Die Bericht­erstat­te­rin frag­te einen Herrn Basti: „Basti, ich wür­de mal sagen, du warst auch nahe der Fas­sungs­lo­sig­keit. Wie erklärst du dir die Nie­der­la­ge?“, wor­auf­hin Herr Basti ant­wor­te­te: „Ich erklär’s mir damit, dass wir eigent­lich – wie auch in den ver­gan­ge­nen Spie­len – wir hat­ten Chan­cen, ein Tor zu machen, haben des nicht gemacht, haben das 2:0 heu­te nicht gemacht und auch die tak­ti­sche Umstel­lung von Japan, äh, in der Halb­zeit auf ’nen 3–5‑2-System (oder man kann auch 5–2‑3-System sagen) haben wir kei­nen Zugriff gehabt.“ – Ich errei­che ja hier durch­aus ein ver­meint­li­ches „Publi­kum“, daher fra­ge ich mal so in den Raum rein: Wäre es, wovon ich aus­ge­he, bei min­de­stens gleich­blei­ben­dem Gewinn nicht wesent­lich preis­wer­ter, statt­des­sen eine hal­be Stun­de lang ein Test­bild aus­zu­strah­len und in der Zeit kann der Wirt schon mal kas­sie­ren und auch mal aufs Klo gehen oder so?

Zwar ist allein die­ses Ereig­nis dar­an schuld, dass mir das heu­ti­ge Fuß­ball­spiel über­haupt bekannt wur­de (vgl. Fefe), aber ich ver­su­che ja auch in lästi­gen Situa­tio­nen oft noch etwas für mei­nen Geist zu tun. Mein „Japan!“-Ruf nach dem „Werder!“-Ruf am Neben­tisch – offen­sicht­lich begin­nen Fuß­ball­fans ein Gespräch gern mit dem In-den-Raum-Rufen zufäl­lig aus­ge­wähl­ter Fuß­ball­ver­ei­ne und ich woll­te kei­nes­falls als Laie erschei­nen – wur­de lei­der nicht mit einer ergie­bi­gen Dis­kus­si­on quit­tiert. Ich bin ein biss­chen enttäuscht.


In Bezug auf die zu heu­ti­ger Ver­mitt­lung geführt haben­de Bür­ger­geld­dis­kus­si­on vor über einer Woche fand sei­tens Huber­tus Heil (SPD) fol­gen­de (Archiv­ver­si­on) inter­es­san­te Fest­stel­lung den Weg ins Freie: dass es „zen­tral“ sei, „dass Arbeits­lo­se wie­der in Arbeit kämen“. Ach so; und ich dach­te schon, es gehe dar­um, dass Arbeits­lo­se im Win­ter was essen kön­nen. Mein Fehler.