KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Monophonist – Über die Freiheit der praktischen Unvernunft

Monophonist - Über die Freiheit der praktischen UnvernunftLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Langjährige Leser und persönliche Bekannte haben meine Freude an Jazz einer-, schrägem Lärm andererseits sicherlich bereits in der Vergangenheit bemerkt. (Ich bitte um Vergebung.) Jetzt ratet mal, was ich im Internet gefunden habe! – Richtig: Das diesjährige Album des Kölner Quartetts Monophonist, das den philosophisch wertvollen Titel „Über die Freiheit der praktischen Unvernunft” (Amazon.de, Bandcamp.com) trägt und ungefähr wie ein spannendes crossover von The Hirsch Effekt mit Panzerballett (oder wenigstens Weltpinguintag) klingt.

Der Gesang, mit seinem Wechsel zwischen heiseren Rufen und harmonischen Melodien eher an ersterer Band orientiert, steuert Texte bei, die trotz der deutschen Sprache, sonst oft ein Warnsignal, sich nicht durch Peinlichkeit hervortun:

Wir haben die Wahl und manchmal ein gutes Bier.
Des Trebers Abschied

Bzw.:

Konzerne könnten handeln mit Herz und Verstand
Wieso steckt die Wut meins in Brand?
Der Preis der Freiheit

Und dann klingt das auch noch nicht schlecht!

Der Grenzstein ist kein schöner Anblick

Es soll ja niemand behaupten, die deutsche Musikszene – allein das Wort schon! – habe außer sterbenden Altrockern, Scooter und Helene Fischer nichts mehr zu bieten. :ja: Däumchen hoch, gefällt mir.

NerdkramsPolitik
Tore zum Mistmachweb (4): Gebt den Verlagen das Web zurück!

Zu Axel Voss, der unironisch auf Facebook (Link geht aus moralischen Gründen zu Twitter) schrob, er habe den Schutz von geistiger Leistung im Sinn, als habe ausgerechnet er etwas mit geistiger Leistung zu tun, geht in den „sozialen Medien” (i.S.v. Kommentarfeldern auf so Websites und Twitter) gerade die fantastische Lösung herum, man möge doch das Web künftig nur noch hinter Proxyservern oder komplett Tor-verschleiert benutzen und so der Zensiererei ein Schnippchen schlagen. Wenig beachtet wird dabei, dass das das Problem keineswegs löst, denn auch das Recht auf Privatkopie ist noch nicht allein dadurch gelockert worden, dass die Leute ihre Tauschbörse nur noch hinter Fremdcomputern betreiben.

Das Kernproblem, dass das Mistmachweb mit seinen Werbeflächen ein Dienst derer ist, die etwas verkaufen wollen, nicht derer, die etwas mitzuteilen haben, wird auf keinem der vorgeschlagenen Wege gelöst. Es genügt nicht, sich im Web besser zu verstecken; das Web muss vollständig überwunden werden.

Gebt den Verlagen das Web zurück!

Vor dem Web gab es das Usenet statt Webforen, Gopher statt Websites und das IRC-Protokoll statt Chats und Messengern. Ihnen allen ist gemein, dass sie für Reklame nicht zu gebrauchen sind und die Einstiegshürde für Politiker von der Qualität eines Axel Voss zu hoch sein dürfte. Da ist ja so viel Text, da sind ja keine Bildchen! – Völlig unabhängig davon, wie die Gesetzesänderungen sich nun konkret auf uns als Deutsche auswirken werden: Sie werden es wieder und wieder versuchen. Sie wollen uns auf unserer Party ihre Reklame verkaufen, sie wollen das Web nach ihrer Vorstellung formen.

Was spricht eigentlich dagegen, ihnen das, was aus dem Web geworden ist, nämlich eine gigantische Werbetafel mit schrecklichen Fanfaren, einfach zu überlassen und uns woanders eine schönere, bessere, reklamefreie Party zu suchen?

Netzfundstücke
Liegengebliebenes vom 12. September 2018

Bescheuerte Überschrift in der „Washington Post”:

Another hurricane is about to batter our coast. Trump is complicit.

„Der US-Präsident ist schuld” scheint die US-amerikanische Version von „Putin ist schuld” zu sein. Jetzt auch an Naturgewalten.


Viel bessere Überschrift beim „Nieman Journalism Lab”:

Why people are turning from Facebook to…other Facebook-owned things for news

Nimm dies, Facebook!


Apropos Donald Trump: Professor schießt sich in den Arm, um gegen Trump zu protestieren. Davon wird sich Trump nicht so schnell erholen! :aufsmaul:


Gute Nachrichten aus der Welt des Digitalen: Das JPEG-Komitee würde gern DRM in JPEGs reinmachen und forscht dafür an Blockchains herum. Wenn man nur genug Cyber reinmacht, wird das Problem, dass JPEG-kodierte Dateien zu frei sind, schon irgendwie weggehen.


Eine gute Nachricht schließlich vom europäischen Gerichtshof:

Der EuGH hat in einem Grundsatzurteil zum kirchlichen Arbeitsrecht entschieden, dass die Kündigung eines katholischen Chefarztes durch ein katholisches Krankenhaus wegen erneuter Eheschließung nach Scheidung eine verbotene Diskriminierung wegen der Religion darstellen kann.

Christentum ist strafbar. :ja:

In den NachrichtenNerdkramsPolitik
Axel Voss zensieren!

Wie er sich freut! Axel Voss, Europaabgesandter der supranationalistischen CDU (na, immer noch am meisten Angst vor der AfD?) und politischer Arm des Axel-Springer-Verlages, hat unter Zuhilfenahme einer sehr ärgerlichen Abstimmung im Europäischen Parlament dafür gesorgt, dass die umstrittenen Uploadfilter ebenso wie das selbst Überschriften unter Zitatverbot stellende „Leistungsschutzrecht” für Verleger, mithin also eine Entrechtung von Kreativen, künftig auch für Deutschland endlich Folgen haben werden. Wir wissen, was zu tun ist.

Es sei, heißt es, wirklich wichtig, dass Deutschland ein Mitglied der Europäischen Union bleibe. Damit die da nicht gewinnen.

In den NachrichtenNerdkramsPolitik
Wohlstandskinder googlen gegen Gentrifizierung

Den alten Witz von dem antikapitalistischen Kommunisten, der seinen Hass auf das Schweinesystem im McDonald’s von seinem iPhone raustwittert, herauszukramen liegt mir auch heute mangels Pointe fern, aber nach Konsum dieser Meldung …

Durch das Projekt des Internetriesen steigen im Umfeld des Campus die Mieten weiter. Aus diesem Grund haben an diesem Freitag rund 100 Mistreiter des linksradikalen Bündnisses »Besetzen« den Google-Campus in Beschlag genommen. Die Forderung: Google solle sich unverzüglich zurückziehen.

… haben mich die Hintergründe doch schon interessiert.

Und ich wurde natürlich nicht enttäuscht. Denn mit welcher Hardware protestiert man, „#fuckoffgoogle” trompetend, gegen „den Internetriesen” und den verdammten Kapitalismus? iPhones? Haha, natürlich nicht:

#fuckoffpeng

Da macht nicht mal mehr das Aufregen noch Spaß.


Aus der Reihe „Vergessene Hobbys”: Durch einen Computer schlendern.

In den NachrichtenMontagsmusik
Childrenn – Where’s The Door?

Eule halb und halbEs ist Montag. Stirbt der Mensch, stirbt auch der Panda, ein Überlebenswille aus Putzigkeitsgründen ist somit besser als gar keiner. Wir hatten ja nichts außer fortwährend schlechter Laune und zu wenig Pandabären, insbesondere montags.

Keine guten Zeiten auch für den Fernverkehr in Deutschland: Ein Teil des BER ist fertig – seine Nutzer aber nicht. Leider muss man also dorthin weiterhin mit der Bahn reisen, was sich gut trifft, denn das Unternehmen, dessen Vorstandsvorsitzender in einem Jahr mehr Geld verdient als andere ihr ganzes Leben lang, braucht dringend Geld. „Ausdrücklich klar”, immerhin, sei, „dass an Maßnahmen für Qualität und Kundenzufriedenheit nicht gespart wird.” Zum Glück werden im Dezember endlich wieder die Preise erhöht werden.

Apropos „endlich wieder”: Endlich wieder ist „Knuddels” in den Nachrichten. Das habe ich gleich mal all meinen Freunden auf ICQ geschickt. Andere lebende Tote kassieren derweil nicht nur belustigende Umfrageergebnisse, sondern auch politische Schlappen: Meinungsfreiheit schlägt NetzDG. Das wird Folgen haben. – Nicht, dass die im Ausland weniger bescheuert wären, was die Politik angeht: Im „The Independent” fordert die Vorsitzende der landeseigenen Women’s Equality Party eine erneute „Brexit”-Abstimmung, denn beim letzten Mal seien weibliche Stimmen vom Patriarchat unterdrückt worden. Brite möchte man wirklich nicht sein müssen.

Was man aber gern ist, gerade auch an einem Montag: Musikhörer.

Childrenn – "Where's The Door?" (Official Video)

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Kurz angemerkt zur #noNPoG-Demonstration

Dass nur wenige Tage nach der enttäuschenden Demonstration „Save Your Internet”, bei der deutschlandweit eigentlich peinlich kleine Gruppen gegen die geplanten „Uploadfilter” der EU protestierten, heute allein ausgerechnet in Hannover sowohl 12.000 oder 13.000 als auch 15.000, auf jeden Fall aber recht viele Menschen gegen eine Ausweitung der niedersächsischen Polizeibefugnisse oder, wie es erfahrene Teilnehmer in hoffentlich konstruktiver Absicht formulierten, sowohl „gegen Bullen” als auch „für Kommunismus” (denn wenn eins die Demokratie retten kann, dann ja wohl Kommunismus) ihre Stimme bei sehr anstrengender Musik zu sehr anstrengenden Parolen erhoben, ist so beängstigend, denn es zeigt, dass es um die Netzpolitik noch übler steht als bisher angenommen, wie verständlich, denn gegen „das Polizeigesetz” – Jura zu verstehen hätte wohl die Stimmung gestört – können auch jene auf die Straße gebracht werden, deren einzige politische Motivation Hass („Ganz Niedersachsen hasst das Polizeigesetz”, so ähnlich dröhnte es vom Lautsprecherwagen der Parteien) und Gewalt sind und die Ursache und Wirkung lieber gar nicht begreifen wollen, was erklärt, warum ein großer Block der wiederholt als wenig verständig aufgefallenen „Jusos” unter den Protestanten war, die so eigentlich gegen etwas protestiert haben, was sie selbst zu verantworten haben, aber eine Distanzierung von der SPD wäre ja mit Rückgrat verbunden und das würde sicherlich zu einer Störung im Raum-Zeit-Kontinuum führen; allerdings zeigte sich abermals, wie viel doch verloren geht, indem man niemanden mehr fragt, der sich auskennt, denn von denen, die die lautesten Parolen gegen „den Niedersachsentrojaner” brüllten, wüsste vermutlich nicht einer, wie er sich gegen eine Infektion mit demselben schützen könnte, weil die EDV-Kompetenz im gemeinen Volk höchstens noch zum Treppenwitz genügt – und das ist ein bildungspolitisches Problem, das mit Flaggen und Pyrotechnik doch merklich weniger effizient zu lösen ist als mit Aufklärung, Geduld und Willenskraft, insbesondere mit der unseren, denn es reicht nicht, etwas zu verbergen zu haben: man sollte es auch können wollen.

NetzfundstückePersönliches
Heroin gegen Drogentote

In der leidigen Diskussion über ein Für und Wider der Freigabe von wirksamem Cannabis für die rezeptlose Allgemeinheit möchte ich es mir oft nicht nehmen lassen, den Gegenvorschlag einzubringen, dass eine vernünftige Drogenpolitik eine solche wäre, die alles erlaubt, was nur dem Konsumenten schadet, also keinen Passivkonsum durch Passanten legitimiert. Das Recht auf Selbstbestimmung muss immer auch ein Recht auf Selbstzerstörung sein, jedoch dort enden, wo Unbeteiligte einen Schaden nehmen.

Demzufolge befürworte ich, Steuergewinne hin oder her, dass erstens in den eigenen vier Wänden, Publikum natürlich als abwesend vorausgesetzt, erlaubt sein möge, was Freude macht, und zweitens, dass, wenn man schon unbedingt (worüber zu sprechen sein wird) irgendwas gesetzlich unterbinden will, Cannabis (und dieses eklige Zeug in diesen Shishabars) durchaus mit Tabak gleichgestellt werde, indem der Besitz und öffentliche Konsum von Tabak (und diesem ekligen Zeug in diesen Shishabars) nämlich gleichermaßen verboten sei, während Heroin und Kokain, die sich dadurch auszeichnen, keinen Umstehenden vollzustinken, den gleichen rechtlichen Stand zu haben haben wie Alkohol: so lange die Leute ihren Müll (Glas hier, Spritzen dort) wieder wegräumen, tut’s keinem weh.

Normalerweise werde ich dann als Spinner belächelt. Künftig wird man mich vermutlich eher einen Schweizversteher nennen: Auf Twitter (hier besser lesbar) wurde gestern Abend darüber berichtet, dass, seit die Schweiz Heroinsüchtigen den Konsum von Heroin erlaubt, die Anzahl der Herointoten deutlich zurückgegangen sei. Ob ein Überleben von noch mehr Menschen aus Naturschutzsicht wünschenswert sei, bleibt an dieser Stelle absichtlich ungefragt.

Jedenfalls bis auf Weiteres.

Politik
CSU warnt erschrocken: Liberale Parteien sind nicht konservativ!

Und dann war da noch die traditionell christlich-soziale Partei CSU, der in etwas über einem Monat überraschend eine Landtagswahl droht, weshalb sie hektisch nach Gründen sucht, warum man sie anstelle anderer Parteien wählen sollte.

Ihr Hauptkonkurrent scheint die bayrische F.D.P. zu sein. Über welche Partei das was aussagt, weiß ich nicht. Die CSU jedenfalls hat sich hierfür einen „Arguliner”, also einen Spickzettel mit prima Argumenten, falls man mal selber keine mehr weiß, zusammentippen (lokale Kopie) lassen. In diesem Arguliner steht manch konservatives Geschwall, etwa:

Die Abschaffung des Sonntagsschutzes widerspricht der bayerischen Lebensart.

Und:

Die FDP lehnt den Begriff der Leitkultur ab. Als Bündnispartner von NoPAG demonstriert sie mit linksradikalen Multikulti-Fans gegen die Ordnung und Begrenzung der Zuwanderung.

In diesem Arguliner stehen außerdem Dinge, die erst dann ihre volle Wirkung entfalten, wenn man das Beziehungsleben einiger bekannter CSU-Politiker wenigstens oberflächlich verfolgt, darunter:

Die FDP wertet die klassische Familie ab und wendet sich gegen die Mehrheit unserer Gesellschaft.

Bis jetzt könnten einige unbelehrbare Wähler Bayerns noch der Ansicht sein, die F.D.P. sei also eigentlich gar nicht so schlimm. Aber halt: Nicht nur demonstriert diese mit Linksradikalen zusammen gegen Dinge, sondern außerdem nehmen die da alle Drogen!

Die FDP ist für die Legalisierung von Cannabis und somit für die Legalisierung einer Einstiegsdroge.

Und bei Einstiegsdrogen hört der Spaß für die CSU au-

Foto: Peter Kneffel dpa/lby

ach, schon gut.


Die Konkurrenzgruppe „Jusos in der SPD” teilt derweil mit: „Linke Politik beginnt immer mit einer Haltung und niemals mit der Frage, welche Haltung gerade mehrheitsfähig sein könnte.” Diese Information sollte man stets griffbereit haben, wenn wieder jemand von der SPD behauptet, sie sei links.

In den NachrichtenPolitik
Annahmen zum Linkssein (6): Das Volk sind andere.

Ab wie vielen potenziellen Wählern, denen man die Partei entzieht, die parlamentarische Demokratie nicht mehr gerettet, sondern entwertet ist, ist angesichts des sonstwie begründbaren Verbots von bisher zwei nachkriegsdeutschen Parteien, beide eher von der außenrandigen Sorte, leicht beantwortet: Ihre Zahl ist die Eins. Wem nur zur Wahl steht, was er nicht wählen möchte, der hat keine Wahl.

Unklar bleibt derweil, wer nun eigentlich das Volk ist. Die sterbende Sozialdemokratie (16 Prozent) behauptet jedenfalls emsig, die mit den 17 Prozent seien’s keinesfalls. Im „nachträglichen Widerstand” (D. Wegner) sind sie einander die Nächsten. Einig sind sich alle: Keineswegs ist unter dem Volk die Gesamtheit der Wahlberechtigten zu verstehen. Mit denen da will man kein Volk sein.

Die Kapitulation hat nicht bloß begonnen, sie ist vollendet. Eine postweimarsche Revolution – Korrelation, nicht Kausalität – blieb aus. Deutschland geht es gut. 54, 74, 90, 14. In Chemnitz singen sie schon wieder.

In den NachrichtenMontagsmusik
Jaguwar – Crystal

Wie man sich halt so fühlt.Es ist Montag. Orrr! Auf der Habenseite steht, dass es nur noch vier volle Tage bis zum nächsten Wochenende sind. In Ermangelung eines Pandabären: Endlich ausschlafen!

Auch woanders ist man ausgeschlafen: In Chemnitz etwa scheint eine Veranstaltung namens „Frieden wahren” selbigen bewaffnet durchsetzen wollen zu haben. Schlechtes Vorbild SPD. – Die es ethisch gerade auch nicht leicht hat: Wie „SPIEGEL ONLINE” berichtete (Vorsicht: Archivversion von „SPIEGEL ONLINE”!), erwägt ein SPD-Minister das von ihr und den schrecklichen „Grünen” eingeführte Arbeitslosengeld „Hartz IV” in Bayern im Streit mit der CSU zu einem noch größeren Problem zu machen als bisher. Die san die, ich war’s nicht.

Die Suche nach einem Schuldigen ist wenigstens medial schnell geklärt: Vorsicht vor tödlichen Autos! Die sich in letzter Zeit häufiger mit Reklame in Verbindung bringende Mozilla-Stiftung macht derweil eine Rolle rückwärts, wenn auch nur virtuell und nicht tatsächlich, was sicherlich lustig aussähe, und wird demnächst noch etwas mehr gegen Reklame tun. Schade um das schöne Geschäftsmodell.

Was zwar keine Werbung braucht, von mir aber trotzdem mit Vergnügen bekommt: Musik.

JAGUWAR – Crystal (official video)

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Emma Ruth Rundle – Marked for Death

Emma Ruth Rundle - Marked for DeathLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Gelegentlich hat auch ein durchweg als witzig auftretender Mensch, wie ich es bin, so seine Momente. Manchmal entstehen dann bedauerliche Prosatexte, dumme Tweets oder ärgerliche Exzesse, meist aber ist die gute, alte Musik da. Musik lässt nie allein, Musik fragt nicht, Musik stellt keine unangenehmen Fragen. Ich würde Musik heiraten, wenn ich das Konzept der Heirat nicht für eine Verzweiflungstat hielte. „Marked for Death” (Amazon.de, TIDAL, Bandcamp) gäbe andernfalls eine gute Ehemusik ab.

Die Interpretin besagten Albums, 2016 erschienen (das Album, nicht die Interpretin), ist Emma Ruth Rundle, eine demnächst 35-jährige „US-amerikanische Sängerin, Songschreiberin und Gitarristin”, wie die deutschsprachige Wikipedia zu vermelden hat. Unter anderem ist sie Mitglied der Red Sparowes, einer Postrockband, die vor allem mit recht langen Albumstiteln auf sich aufmerksam macht. Privat macht sie ähnlich dichte, jedoch stimmungsvollere Musik mit einerseits sakralen Titeln, andererseits jedoch einer Atmosphäre, die ein Ignorieren der Texte sowieso bewusst oder unbewusst herbeiführt. Es geht um das Überhaupt und nicht um das Wie.

Emma Ruth Rundle – Heaven (Official Audio)

Keine Band, nur Gesang und Gitarre. Braucht man mehr? Ich brauche nicht mehr. Auf dem Coverbild sieht die Musikerin so aus wie sie hier klingt. Das liegt schwer im Magen und das soll es auch. Das Leben ist ja kein Pferdedingsbums.

Emma Ruth Rundle – Furious Angel (Official Audio)

Kaufen und Hören sind somit empfohlen. Und dazu: Atmen, unbedingt.

Netzfundstücke
Die neuen Lauchwörter sind da!

Vor über zehn Jahren, als ich selbst noch nicht so ein abgeklärter alter Sack war wie heute, konnte ich es nicht immer verhindern, mit der jeweils aktuellen Jugendsprache konfrontiert zu werden. In den Kreisen, in denen ich mich damals bewegte, war gerade ein türkisches Lehnwort im Kommen: „tschüüsch”, eigentlich wohl „çüş” geschrieben (aber wer kann schon Türkisch schreiben?), hieß so viel wie „huch!”, „echt wahr?” oder – leider viel zu oft – „erzähle uns mehr darüber!”.

Warum ich das ausgerechnet heute erzähle? Nun, der Langenscheidt-Verlag, zuverlässiger Garant für Stuss, hat wieder „ein Voting”, so die Website (aus Archivgründen archivierte Version), „am Start”, mithilfe dessen bis zum 16. November das „Jugendwort des Jahres 2018” ermittelt werden soll. ‘Die neuen Lauchwörter sind da!’ weiterlesen »

In den NachrichtenNerdkrams
Als „ZEIT ONLINE” einmal nicht verstand, wie Suchmaschinen funktionieren

Und dann war da noch das ehemals in europäischem, inzwischen jedoch US-amerikanischem Sinne liberale Onlinemagazin „ZEIT ONLINE”, das sich über den US-amerikanischen Präsidenten folgendermaßen beömmelte:

US-Präsident Donald Trump wirft dem Internetkonzern Google vor, konservative Medien und damit positive Berichte über ihn zu unterdrücken. (…) Beweise für seine Vorwürfe nannte Trump nicht. (…) Google dementierte die Angaben des Präsidenten. „Wir stufen Suchergebnisse niemals ein, um die politische Stimmung zu manipulieren”, teilte der im kalifornischen Mountain View ansässige Konzern mit. (…) Experten legten nahe, dass Trump möglicherweise nicht verstehe, wie Suchmaschinen funktionieren.

Haha, dieser Trottel. Der versteht einfach nicht, dass Goog-

Eric Schmidt, Chef der Google-Holding Alphabet, möchte auf das zu häufige Auftauchen der russischen News-Seiten Russia Today (RT) und Sputnik bei Suchanfragen mit einem niedrigeren Ranking antworten.

Das ist aber dumm jetzt.