Netzfundstücke
Medienkritik CXII: Beschränktes Horizont.

Der weltgrößte Vermarkter von Onlinereklame befand nun, dass ein „sicheres Web“ gekommen sei, um zu bleiben, was auch immer das nun heißen mag: Dass Werbung eine Website auch mit Schlösschen dran schnell in glühende Kohlen verwandeln kann, sollte inzwischen bekannt sein.

Dass die Welt der Werber eine ganz eigene ist, erfährt man kaum irgendwo besser als auf „Horizont“, einer übrigens problemlos via klassischem HTT-Protokoll erreichbaren Nachrichtenseite für derlei Gestalten, die es offenbar seit inzwischen über dreißig Jahren auch in einer Druckausgabe gibt. Wer würde nicht auch gern am Frühstückstisch die neuesten Nachrichten aus der Welt der Werbung lesen können? Eben.

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In den NachrichtenNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 8. Februar 2018

Deutschland hat die Türkei im Zensieren überholt.


Der teure „elektronische Personalausweis“ ist ein Wahnsinnserfolg: 2017 wurde er allein in Berlin ganze 516-mal benutzt.


Die geplante und offensichtlich sexistische „große Koalition“ – warum auch immer die immer noch so heißen darf – würde gern verhindern, dass Frauen unnötigerweise danach beurteilt werden, was sie können.


Unter dem Titel „do not track“ gibt es „eine personalisierte Web-Serie über das Geschäft mit unseren Daten“. Diese „Web-Serie“ verwendet Google Analytics zur Besuchererfassung. :wallbash:


Ein Firefoxentwickler entschuldigt die inkonsequente Sicherheit des neuen Firefox mit den Bedürfnissen der Reklameindustrie.


Es gibt 157 neue Emojis, bei der Verwendung im Umgang mit Chinesen sollte man jedoch vorsichtig sein.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Oh, Kanada.

Andere Länder, andere Ministerpräsidenten (Allergikerwarnung: „bento“):

Trudeau hat extra eine junge Frau in ihrer Rede unterbrochen – um ihr zu sagen, wie sie ihre Sprache weniger frauenfeindlich gestalten kann.

Dagegen ist der Krieg in Syrien eine Lappalie!

In den Nachrichten
Alles, was man über den „Super Bowl“ wissen muss.

In den NachrichtenMontagsmusik
Constantines – Shine A Light // Friendly Auto-Fire!

Nur noch fünf Minuten!Es ist Montag. Neue Woche, neues Achduschreck. Es scheint geschneit zu haben, die paar Sonnenstrahlen waren aber auch wirklich genug Sommer für dieses Jahr. Wohl dem, der ein dickes, schwarzweißes Fell hat.

Klingeling, die Nachrichten. Schlappe neun Jahre, nachdem im Rahmen einer Veranstaltung der „taz“ das Anzünden von teuren Autos unter lautem Beifall als angemessen bezeichnet wurde, worauf allerlei Brandanschläge gegen „die da oben“ wie auch gegen „rechte“ Politiker folgten, wird in Berlin dieser Tage um Solidarität gebeten: Sobald Autos von „Linken“ brennen, hält sich ihr Jubel doch sehr in Grenzen. Zu jubeln gibt es auf anderen Ebenen schon etwas: Christopher Lauer hat sich aus der „Politik“ verabschiedet, lässt aber eine Rückkehr offen – leider auch, bei welcher Partei. Fest steht inzwischen wenigstens: Pflanzen haben mehr Bewusstsein als die SPD.

In den USA verschwinden gerade Musik-CDs aus den Läden. Das ist, obwohl auf einschlägigen Kanälen von einer „Bedrohung“ gesprochen wird, gut, denn dann ist mehr Platz für Schallplatten.

Zum Beispiel für solche von den Constantines.

Constantines – Shine A Light (Live)

Guten Morgen.

Netzfundstücke
Wie man Netzneutralität nicht erklärt

Ein Teil der vermeintlich technikerfreuten Bloggeria freut sich: Vor dem Gebäude der US-amerikanischen Rundfunkkommission hat ein Aktivist den Verkehr aufgehalten und Geld dafür verlangt, den Weg freizugeben. Die Intention dahinter sei es gewesen, aufzuzeigen, wieso Netzneutralität wichtig sei, weshalb er fehlende Netzneutralität vom Internet- auf den Straßenverkehr abbilde.

So weit, so lustig, die Reaktionen der Betroffenen sind auch ausreichend entzückend. Das Blöde an der Sache ist aber, dass sie dem guten und richtigen Anliegen, Netzneutralität durchzusetzen, im Prinzip einen Bärendienst erweist, denn der Vergleich, den Rob Bliss hier zu ziehen versucht, ist ein falscher. Fehlende Netzneutralität besagt eben nicht, dass irgendein Paket den ganzen Verkehr aufhält, bis man noch ein paar Groschen in den Schlitz wirft: Die anderen Pakete (hier: die Fahrzeuge hinter ihm) kämen nämlich nicht langsamer, sondern vor ihm an.

Realistischer wäre es, würde stattdessen Geld dafür verlangt, überholen zu dürfen, denn darum geht es bei der Netzneutralität: Bestimmte Dienste würden ohne sie Vorrang vor anderen bekommen. Mir scheint fast, das Problem der Verfechter freier Kommunikation sei ihre fehlende Expertise.

Aber Hauptsache, der Witz funktioniert.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Sonar – Black Light

Cuneiform Records kennen regelmäßige Leser meiner Musikbesprechungen möglicherweise als die Plattenfirma von Thinking Plague. Wer – wie ich – auf diese Angabe üblicherweise kaum achtet, falls nicht eine bemerkenswerte Verpackung um den Tonträger drumrum ist oder der Verlag wie einst Charisma Records sein auffälliges Logo raumgreifend direkt auf die Platten stempelt, dem sei zumindest subjektiv versichert, dass sich in der bisherigen Liste der Künstler, die vertraglich an Cuneiform gebunden sind, kein einziger Totalausfall finden lässt, stattdessen sieht man dort unter anderem Bent Knee, Gilgamesh, Art Zoyd und Miriodor.

Das lässt das Vorurteil gegenüber Musik aus der Schweiz – außer Monkey3 und Patrick Moraz fiele mir gerade kein positives Beispiel ein – immerhin ausreichend schwinden, dass ich an das ebenfalls von Cuneiform verlegte Schweizer Quartett Sonar mit der gleichen Erwartung herangehen kann wie an jeden anderen act – das heißt doch heute noch act, oder? – auch: Hauptsache, klingt geil.

Sonar – Black Light

Und das tut es wahrlich: Auf ihrem 2015 veröffentlichten dritten und bisher anscheinend letzten Studioalbum „Black Light“ (Bandcamp.com) spielen die vier Musiker einen herrlichen Mathrock, der kühle Präzision mit einem gefährlich grollenden und gerade deshalb bewegenden Bass.

Sonar featuring Andi Pupato – Orbit 5.7 Andi Pupato Remix (Official Music Video)

Im Internet wird das hier zu Hörende beschrieben, es klinge, als nähme man einen Topf immer wieder kurz vor dem Kochen vom Herd und stellte ihn anschließend wieder auf die heiße Platte, was ein treffendes Bild ist, denn „Black Light“ brodelt, ohne jemals unnötig auszubrechen.

Musik für untenrum.

In den NachrichtenWirtschaft
Unverschuldet verprasst

28. Januar 2018: Deutsche Bank zahlt offenbar mehr als eine Milliarde Boni
2. Februar 2018: Deutsche Bank macht halbe Milliarde Euro Verlust

„Hilfe, wir sind unverschuldet in Not geraten!“

:wallbash:

Fast hätte ich mich schon darüber geärgert, absehbar bald abermals eine Bank retten zu dürfen, und das Geschehen entsprechend vorgeblich kapitalismuskritisch kommentiert, aber zum Glück quakte Claudia Roth heute wieder einmal einen der zahlreichen Belege dafür heraus, warum man Linken lieber keine größeren Geldsummen anvertraut, sondern denen mal schön ihre Bitcoins lässt:

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) hat die Einrichtung eines staatlichen Hilfsfonds für Flüchtlingshelfer gefordert, die wegen ihrer Bürgschaften in Finanznöte geraten sind.

Ach, ja, Mensch, Bürgschaften bedeuten, dass man finanziell in Gänze für den Verbürgten haftet?

„Wir bürgen mit unserem Geld für diesen Herrn.“
„Dann bekommen wir nun Geld von Ihnen.“
„Hilfe, wir sind unverschuldet in Not geraten!“

:wallbash:

Hoffentlich sind das wenigstens zum Teil dieselben Leute, die auch ihr Haus gegen Bitcoins eingetauscht haben. Sonst wäre ich vom Karma ein bisschen enttäuscht.

In den NachrichtenMir wird geschlechtPolitik
Kurz angemerkt: Wie viele Kriege braucht das Nobelpreiskomitee?

Die sich allzu aufreizend anbietende Möglichkeit, den „#MeToo“-Unsinn, dessen einzige spürbare und langfristige Auswirkungen weitere Verleihungen schwachsinniger Medienpreise für das Erfinden von Wörtern mit einer Raute vornedran sind und bleiben werden, lakonisch zu kommentieren, indem ich in gebotener Kürze darauf hinweise, wie sprechend eine der Initiatorinnen dieser beispiellosen Schmutzkampagne darauf reagiert hat, dass sie mittlerweile von nicht ganz so hitzigen Gemütern als Lügnerin entlarvt wurde, hätte ich heute gern zum eigentlichen Thema gemacht, stattdessen beschränke ich mich auf einen nicht weiter kommentierten Verweis auf den Artikel im Online-„Musikexpress“, den soeben getätigten nämlich, und stelle mit ähnlicher Genugtuung fest, dass zum inzwischen dritten Mal der amtierende Nachfolger desjenigen US-amerikanischen Präsidenten, der allein im Jahr 2016 über 26.000 Bomben irgendwo draufwerfen ließ, auch für eine weitere, wenn auch nicht direkte Nachfolge, nämlich die im Tragen des Friedensnobelpreises, vorgeschlagen wurde, und während sich die sozialen Medien und pflaumige „Qualitätszeitungen“ darüber auslassen, dass der Trump doch ein sonstwie gefährlicher Typ sei, fände ich persönlich die Wahl nur angemessen, denn wie auch der vorherige Präsident der Vereinigten Staaten ist er mit versöhnlichen Worten gegenüber dem Feind nicht ungeschickt, während in Somalia, Libyen, Syrien, Pakistan, Afghanistan und im Jemen die Friedenspanzer unter der Flagge seines Landes zum Tanz bitten; mit dem Unterschied allerdings, dass keiner dieser laufenden Friedenseinsätze von ihm befohlen wurde – wenn er es also wieder nicht schafft, dann ist es immerhin offensichtlich, woran es wohl liegt.

Wirtschaft
6 Prozent Profitdenken

Die IG Metall plakatiert derzeit manche Plakatwand plakativ mit ihren Plakaten voll. Das bietet Gelegenheit, sich einmal kurz anzusehen, worum es in ihrer aktuellen „Tarifrunde“ (also: in ihren jährlichen Nötigungsversuchen gegenüber Arbeitgebern) eigentlich geht; die Antwort ist erstaunlich:

Profitdenken

„Die Arbeitgeber denken nur an Profit – wir denken an die Menschen: sechs Prozent mehr Geld“ (Satzzeichen von mir), diese sechs Prozent hätten die Arbeitgeber zwar auch gerne zusätzlich, aber die sind halt nicht in einer zäh verhandelnden Gewerkschaft. Schön blöd!

In den NachrichtenPolitik
Das Wesen einer Wahl (2): Jedes Recht des Kandidaten.

Was dem einen sein Schulz, ist dem anderen sein Puigdemont, weiß „ZEIT ONLINE“:

In Katalonien ist die Wahl eines neuen Regierungschefs im Regionalparlament verschoben worden. Carles Puigdemont soll aber der einzige Kandidat bleiben. (…) Der 55-Jährige habe „jedes Recht“, erneut Regionalpräsident zu werden.

So will es das Gesetz!

Worum genau ging es im vergangenen Jahr bei der Diskussion um die katalanische Unabhängigkeit? Dazu stand doch mal was in der „ZEIT“:

Für Katalonien zu stehen heißt, für die Demokratie zu stehen.

Wenn nicht gar: zur Sozialdemokratie.

MontagsmusikSonstiges
Bent Knee – Terror Bird // Lügenhumanismus

Montag (Symboleule)Es ist Montag. Kein Panda, stattdessen Präsidenten: Donald Trump hat in Davos von „Lügenpresse“ gesprochen und die öffentlich-rechtliche ARD hat diesen Vorwurf für sich selbst sogleich bestätigt. Das ist angesichts der horrenden Gebühren für diesen Fernsehstuss immerhin angemessen ehrlich.

Spannender ist allerdings das Inland: In Berlin haben ein paar geschichtsvergessene Schwachköpfe beschlossen, dass eine Auflistung von Personen und Dingen sexistisch sei und daher getilgt gehöre. Eine Zeitlang habe ich mich gefragt, wieso ausgerechnet in Berlin offenbar so viel Idiotie auf so engem Raum zu finden ist, auf „WELT ONLINE“ fand ich jedoch vorgestern einen eher berlinzentrischen Artikel, in dem der wahre Satz steht, für „Mainstream“ bekomme man „keine Retweets, keine Hashtags, keine Demonstrationen“ und müsse schon deswegen die Welt mit Dingen nerven, die an irgendeinem soziokulturellen Rand liegen, um aufzufallen. Lästigkeit als Antwort auf nicht gestellte Fragen unserer Zeit – prima Stadtmotto eigentlich.

Eine Lösung für das Langeweileproblem könnte man unbedarft in der Politik suchen, aber die Politik redet sich mit Humanismus heraus. Es gibt mittlerweile tatsächlich mehrere miteinander konkurrierende Parteien, die den Humanismus als Leitlinie übernommen zu haben behaupten. Das ist selbstverständlich Unsinn: Parteipolitik widerspricht Humanismus schon aufgrund ihres taktisch fraglos sinnvollen Anspruchs auf Allgemeingültigkeit, denn zu gelebtem Humanismus gehört immer auch die Frage, ob nicht vielleicht der Gegner weniger Unrecht hat als man selbst. Eine politische Partei, die sich in einem Wahlkampf, in dem sie ihre eigenen Ideen als die einzig sinnvollen herauszustellen versucht, humanistisch nennt, belügt diejenigen, die sie wählen sollen, von vornherein entweder aus Dummheit oder mit Absicht und sollte sich schämen.

Dummheit erklärt in der Politik aber manches: Seitens der EU sollen demnächst Uploadfilter vorgeschrieben werden, auf dass das Hochladen von vermeintlich urheberrechtlich geschütztem Zeug automatisiert abgewiesen werden kann. Ich halte das für eine gewohnt seltsame Idee und empfehle eine Unterstützung gegnerischer Aktionen. Während man dies tut, kann man ja Musik hören.

Zum Beispiel diese:

BENT KNEE – Terror Bird (Live at The Record Co.)

Guten Morgen.

Sonstiges
Medienkritik CXI: „Jolie“ und der Fickverdienst

Der Zufall und mein wahrscheinlich erschreckendes, wenn auch zynismusgetriebenes Vergnügen an dem, was Zeitschriftenmacher offensichtlich für frauentypische Zerstreuung halten, ließen die noch aktuelle Februarausgabe der selten langweiligen Zeitschrift „Jolie“ in meinen Besitz geraten.

Passend zum aktuellen Weltgeschehen beschäftigt sich diese Ausgabe des Magazins mit sexuell motivierter Unterdrückung von Menschen, was auf dem Titelbild, das ich aus Pointengründen diesmal erst später hier zu zeigen beabsichtige, jedoch nicht sofort zu erkennen ist: Die sich räkelnde, erschreckend unbekleidete Dame namens Rita Ora, über deren Tun ich mich zu informieren gerade nicht ausreichend interessiert bin, wird vor allem von den Schriftzügen „Happy Fashion – 351 Teile, die sofort glücklich machen“, „Der Detox Guide (sic!) 2018″ und „Alles, was schlank & schön macht“ umweht. Dass zu letzteren Dingen auch die „Hollywood-Methode“ (ebd.) zählt, hat damit auch noch nichts zu tun: Es geht natürlich um Essen.

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In den NachrichtenNetzfundstückePolitikWirtschaft
Liegengebliebenes vom 27. Januar 2018

Die University of Oxford hat herausgefunden, dass auch längere Prüfungsdauern nichts daran ändern, dass Frauen – statistisch gesehen – schlechter in Mathematik und EDV als Männer und dafür vermutlich besser in Kuschelwuschel und Knuddelwuddel sind. Vielleicht könnte man das mit einer Quote lösen.


Christopher Lauer hat was in Medien reingevloggt und Hadmut Danisch platzt der Kragen: „Bedingungsloses Grundeinkommen, freie Drogen und Pornos von ARD und ZDF? Wozu sollt Ihr noch gut sein?“


Dazu (irgendwie) auch Jan Fleischhauer, der auf „SPIEGEL ONLINE“ feststellt, dass die Linken die Nähe zu denen, für deren Rechte sie zu streiten behaupten, vollends verloren haben.


Was wir von anderen Staaten lernen können: In Indien ist das Internet verstopft, weil dort einander jeder einen guten Morgen wünschen möchte.


Lesenswert: „Wie die FAZ im redaktionellen Gewand die Botschaften ihrer Auftraggeber an den Leser bringt“.

Nerdkrams
„Sicherer als Windows“ des Tages (8)

Na, auch Linux statt Windows zu Hause?

Dann patcht mal schön euren Virenscanner!