In den NachrichtenNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 6. September 2017

Angenommen, dass die explizit wie implizit geäußerte Gleichsetzung von AfD und NSDAP sowie von Mitgliedern der jeweiligen Partei mit Schlägern der SA/SS durch irgendwas auch nur im Ansatz moralisch zu rechtfertigen und nicht von vornherein ein Grund ist, jedwelches Gespräch mit dem Gleichsetzer umgehend abzubrechen und ihn unter dringenden Verdacht des Wahnsinns zu stellen: Dass der abscheuliche Fernsehkasper Jan Böhmermann Altnazis wie den ehemaligen Bundespräsidenten Karl Carstens einfach wegleugnet, passt bis jetzt ganz gut in mein Bild von seinem Publikum.


Dreiste Solarstromlobbyisten frohlockten Ende August ins Internet rein, dass bald die Energiekapazitäten für Solarenergie diejenigen für Kernkraft übersteigen würden. Was freilich nicht im Artikel steht, ist, dass auch ein großes leeres Fass eine große Kapazität hat, nur drin ist dann halt nichts. Eine leere Batterie treibt unabhängig von ihrer Größe („Kapazität“) nun mal keine Großstadt an.


ZOMG H4Xx0rZ! (1): Werbebanner schürfen Bitcoins. Es gibt keine Entschuldigung mehr, Werbung nicht zu blockieren.


ZOMG H4Xx0rZ! (2): Wenn Computerlaien im Landtag von Sachsen-Anhalt auf alles klicken, was wie ein Verweis aussieht, und dadurch Schadsoftware ins Netzwerk holen, nennt man das offenbar einen „Hackerangriff“. Verdammter Putin!


Sowohl Angela Merkel als auch Martin Schulz wollen nicht, dass die Türkei in die EU kommt, behaupteten sie. Es ist also nicht davon auszugehen, dass die Türkei kein EU-Mitgliedsstaat wird.


Toxische Männlichkeit ist aberkanntes Heldentum.

Mir wird geschlechtNetzfundstücke
Wahl-Schwach-o-Mat (2): Qualifikationssexismus

Wie schon vor vier Jahren ist der „Wahl-O-Mat“ auch 2017 wieder ein schmerzhafter Anblick. Die SPD zum Beispiel hat zum Thema „Frauenquote“ Folgendes anzubringen:

Mit der Frauenquote für Führungspositionen in Wirtschaft und im öffentlichen Dienst sorgen wir dafür, dass bei der Besetzung von Top-Jobs die Qualifikation zählt und nicht das Geschlecht.

Denn was gäbe es für eine bessere Qualifikation für „Top-Jobs“ – warum auch immer nur für diese, nicht aber zum Beispiel im Bereich der Abfallentsorgung, eine Quote gelten sollte – als Frau zu sein? :ja:

(via @Schwulemiker)

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Current 93 – I Remember the Berlin Boys

Was blüht denn da?Es ist Montag, schon jetzt nur schwer zu ertragen. Hier kommt man nur mit Kaffee raus. Der alte Trott muss dennoch wiedergefunden werden, sonst glauben die Leute noch, hier gäbe es immer nur so geilen Scheiß wie vorgestern. Hausgemachte Enttäuschungen sind die besten, das kennt man hier, man will es so.

Wenigstens politisch ist alles in diesem Land im Lot: Teile der deutschen Bundesregierung denken darüber nach, ob es vielleicht allmählich mal Zeit werden könnte, eine etwas weniger nachgiebige Haltung gegenüber der türkischen Innenpolitik – als ginge diese die deutsche Bundesregierung etwas an – walten zu lassen. Wenn es in dieser Geschwindigkeit weitergeht, erhält vielleicht der übernächste türkische Präsident einen vorsichtig formulierten Brief mit der leisen Bitte um Mäßigung.

Der linken Twitteria geht inzwischen, salopp gesagt, voll einer ab, weil Vertreter der lustigen PARTEI das Grundrecht auf Privatheit und informationelle Selbstbestimmung des politischen Gegners missachteten und sich unerlaubt in deren Facebookgruppen ausbreiteten. Andersherum wäre das vermutlich gemeinhin als Protofaschismus und/oder als sonstwie ungut wahrgenommen worden, aber wenn man „Satire“ draufklebt, wird es zum Witz. Es ist beängstigend, wer heutzutage alles wählen darf. Die gerechte Strafe allerdings lässt nicht lange auf sich warten: „Klar bürgen wir für jemanden. Was? Dann haben wir Pflichten?“

Was jedenfalls ich noch immer lieber wähle als Parteien: Musik.

Current 93 – I Remember the Berlin Boys

Guten Morgen.

Piratenpartei
Medienkritik CVIII: Neuländer Würstchen

Neuland ist nicht nur ein Hamburger Stadtteil, sondern erlangte auch als geflügeltes Wort, selbst in englischsprachigen Medien zum Mem avanciert, traurige Berühmtheit, als die amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahr 2013 auf einer Pressekonferenz bekanntgab, das Internet sei für uns alle eben dies, nämlich Neuland. Es dauerte lediglich vier Jahre, bis die quirlige Piratenpartei, für die das Internet in ihrer Gründungszeit Motor und nicht Wüste war, sich von diesem Schock erholt hatte und eine Antwort auf diese Anmaßung fand. Seitdem beeilt sich die Partei, der die Netzpolitiker mittlerweile weitgehend abhanden gekommen sind, die verpasste Außendarstellung nachzuholen (es ist Wahljahr, da darf man auch mal politisch wirken), und erzielt damit ungefähr den Erfolg, der abzusehen war.

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In den NachrichtenPolitik
Vorwärtsverteidigung (2)

Ah, die schrecklich bedrängte NATO wird endlich konkret, was ihre Verteidigung betrifft:

Die USA werfen Russland den Bruch eines wichtigen Abrüstungsabkommens vor[.] (…) Die USA vermuten dem Bericht nach, dass Russland schon seit 2008 gegen das Abkommen verstößt – doch auch Russland erhebt solche Vorwürfe gegen die USA. (…) Nach den Medieninformationen herrsche bei der Nato „ernste Besorgnis“.

Da helfe, glaubt man den Guten, nur (u.a.) das:

Ausbau der nuklearen Abschreckungskraft der Nato

Verdammter Putin. Erst lässt er Russland nicht unwidersprochen militärisch umzingeln und jetzt zwingt der einen auch noch zu mehr Atomwumms.

Wofür brauchen wir die NATO noch mal?

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Grüne Armee Fraktion

Das, freilich, kommt mir durchaus bekannt vor:

Ich fand die Sprache unserer Erklärungen sehr schwer verständlich und kritisierte das auch. Aber Brigitte meinte nur: „Wer sich wirklich für unseren Kampf interessiert, versteht das auch.“

Darauf einen Genderstern.

NetzfundstückePolitik
Martin Schulz‘ Lieblingsemoji

„ZEIT ONLINE“, 16. August 2017:

In einer Fragestunde mit prominenten YouTubern verriet Merkel am Mittwoch, dass das lächelnde Gesicht ihr Lieblings-Emoji sei.

„SPIEGEL ONLINE“, 30. August 2017:

Nächste Woche wird nun auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz von vier Webstars befragt, darunter zwei Neulinge.

Ist mir ein Rätsel, woher diese Politikerverdrossenheit kommt.


Apropos „Politiker“: Mutige, aufrecht kämpfende „Linke“ – die Partei, nicht die Karottenköpfe, die den Staat nur so lange ablehnen, bis sie mal seine Hilfe brauchen – behaupten gegenüber der AfD, „FCK AFD“ hieße gar nicht „Fuck AfD“. WS FR KNLLTTN.

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt: Lautsprecher, aber Leishörer

Da es noch immer Menschen für eine großartige Idee halten, sich vom eigenen Ersparten Dinge ins Schlafzimmer zu stellen, die menschliche Geräusche durch das Internet an irgendwelche Server zur Auswertung schicken können, sei vielleicht noch auf diese großartige Zusatzfunktion verwiesen:

Sprachgesteuerte digitale Assistenten lassen sich kapern, ohne dass der rechtmäßige Nutzer es hören kann.

Neu: Nichtsprachsteuerung! Selbstverständlich ist nicht davon auszugehen, dass diese Funktion einen Nutzen für irgendwem außer dem rechtmäßigen Besitzer des Geräts haben könnte, denn sonst wäre es ja ein geradezu rekordverdächtig dämliches Tun, sich einen solchen Assistenten ins Haus zu holen, nicht wahr?

Bonuspointe:

Diese Verzerrungen können Hacker ausnutzen, um Befehle auszulösen, die für Menschen (…) wie sinnloses Geplapper klingen (…).

Jetzt verstehe ich den Wahlkampf der Grünen!

MontagsmusikNetzfundstücke
Slowdive – Sugar for the Pill

Man kann nicht genug Käuzchen haben.Es ist Montag. Noch alle Tassen im Schrank zu haben klingt wie eine Drohung, kein Buch im Haus zu haben wie Ungemach. Ist dies das echte Leben oder ist das Kunst? Computerspiele sind Kulturgut, kommen gegen Pandabären aber trotzdem nicht an.

Tüdeldü, die Nachrichten: Die Welt ist verrückt geworden. Wer braucht fliegende Autos, wenn er stattdessen auch Personen über das Internet elektrokutieren kann? Die Visionäre von einst stellen gleichfalls ungern fest, dass das Netz überrannt wird von Trotteln, Deppen, bärtigen Hipstern. Schön und gut, dass Sie Krebs geheilt haben, aber ohne Verhaltenskodex bleiben Sie draußen!

Der stellvertretende rechtspolitische Sprecher der „Union“ findet derweil, die Warnungen George Orwells vor einem allsehenden Überwachungsstaat ängstigten nur die Richtigen. Genau so habe ich mir Rechtspolitik – also die rechte Politik von CDU/CSU – immer vorgestellt.

Musik ist heute völlig überzogen, völlig überreizt.

Slowdive – Sugar for the Pill (Official Video)

Guten Morgen.

NetzfundstückePolitik
Kurz verlinkt: Rheumapolitik

Es stellt sich heraus, dass in die Rentenkasse vor allem von denjenigen hineingegriffen wird, die, wären sie nicht in der Politik, selbst etwas davon hätten:

Das Durchschnittsalter der Wahlberechtigten liegt bei knapp 53 Jahren. Das Durchschnittsalter der Mitglieder von SPD und CDU liegt noch darüber, nämlich bei 60. (…) Die Parteien sind daher nicht die treibende Kraft der Gesellschaft, sondern ihr Bremsklotz. Leidenschaftliche (enthusiastische oder gar mitreißende) Auseinandersetzungen darf man von ihnen nicht erwarten.

Vielleicht ist diese Zwangsverrentung ab einem bestimmten Alter in bestimmten Berufen doch gar keine so schlechte Idee.

(via Schwerdtfegr)

In den NachrichtenPolitik
Kurz notiert zum „linksunten“-Verbot

Während man auf „SPIEGEL ONLINE“ lesen kann, dass es offenbar „linksextreme Internetseiten“ gibt, die also nachts vermutlich heimlich Steindateien auf Naziserver schmeißen, schwelt in den sozialen Netzwerken unter bedauerlicher Ausblendung der Frage, ob die unbedingte Freiheit des Internets nicht vielleicht auch irgendwas mit der unbedingten Freiheit, Blödsinn in es hineinzuschreiben, zu tun hat, die Diskussion darüber, warum der Staat in seinem traditionellen linken Halbjahr vor einer Wahl jetzt zur Abwechslung mal etwas gegen Linksextremismus tue, denn so sei der Wunsch nach der Löschung von Hass im Netz doch bitteschön nicht gemeint gewesen; und warum denn so Naziseiten immer noch online seien, obwohl jene doch viel schlimmer seien, denn „linksunten“ habe ja nicht nur zur Gewalt angeleitet und aufgerufen, sondern auch etwas zur Aufklärung von NSU- und ähnlichen Fällen beigetragen, als würde das jede Begeisterung für die Gefährdung eines unbeschadeten Lebens von Zivilisten und Polizisten invalidieren und als setze unter anderem die Störung des zivilen Bahnverkehrs in Deutschland ein merkliches Zeichen gegen das Unrecht im Nahen Osten, was jedenfalls mir nicht wesentlich schmerzärmer aufstößt als die Wiederholung der so alten wie dummen Geschichte, die Regierung des Dritten Reichs habe immerhin auch Arbeitslosigkeit ab- und Infrastruktur aufgebaut, so schlimm könne sie also gar nicht gewesen sein.

PersönlichesPiratenpartei
Warum Basisdemokratie kein Blankoscheck sein darf

Davon, dass die zeitliche Nähe zwischen dem Niedergang der Hackerkultur und dem gesellschaftlichen Aufstieg von Leuten, deren wesentliches Interesse der Neudefinition ihres Geschlechts gilt, war hier bereits 2016 die Rede, ich stellte hierfür einen Zusammenhang zwischen dem Chaos Computer Club und der Piratenpartei her, wobei ich insbesondere die Folgen für ersteren Verein thematisierte. Aus aktuellem Anlass möchte ich heute einmal die andere Seite geringfügig genauer beleuchten.

Es gibt nämlich gute Gründe, dass es mehrere Parteien gibt, und diese liegen nicht nur darin, dass die Existenz nur einer Partei dem jedenfalls papiernen Anspruch der Repräsentation des ganzen heterogenen Volks zuwiderliefe, weswegen im Übrigen auch eine prozentuale „Hürde“ für den Einstieg in irgendein Parlament meiner Auffassung von Volksvertretung nicht entspricht. Es gibt, bewusst griffig verkürzt, mit den „Grünen“ eine Ökopartei, es gibt mit der SPD eine ehemalige Arbeiterpartei, es gibt eine BGE-Partei dieses Namens, es gibt eine erschreckend apolitische „Partei“ namens PARTEI, es gibt mit der „Union“ sogar zwei Parteien für den politisch apathischen Durchschnittsbürger; es gibt außerdem eine Partei, die sich für netzpolitische Belange einzusetzen pflegte, und ihr Name ist Piratenpartei.

Die Piratenpartei, aufgebaut in und dank der Annahme, jeder Beitrag sei eine große Hilfe bei der Umsetzung der politischen Pläne, was später als „Basisdemokratie“ zusammengefasst wurde, kämpfte überzeugend dafür, dass die Belange derer, die 2017 kollektiv beleidigend als „die Netzgemeinde“ bezeichnet werden, als sei das Netz eine abweichlerfreie Sekte und kein Kommunikationsmedium, eine größere Rolle in der Bundespolitik spielen sollten. Bedauerlicherweise wurde die Bereitschaft, keinen am Thema Interessierten abzuweisen, bald dergestalt fehlinterpretiert, dass davon ausgegangen wurde, dass jede noch so bescheuerte Idee, der in anderen Parteien nicht genug zugehört wurde, bei der Piratenpartei gut aufgehoben sei, von Kernkraftkritik über Radikalfeminismus bis hin zum leistungslosen Gratisgeld („BGE“).

Dass das klare und von allen anderen deutschen Parteien weit entfernte, somit einmalige Profil der Partei, die sich für eine politische Integration des Internets in gesellschaftliche Fragen einsetzt, seit 2011 zusehends mehr verwässert wurde, ist Teil des Problems, dessen Folgen sich in perverser Gesetzgebung und Vermehrung von Überwachungsmechanismen zeigen, und es gibt gute Gründe, daran denjenigen eine persönliche Schuld zu geben, die den Unterschied zwischen der Hilfe beim Aufbau einer schlagkräftigen Parteibasis und der Möglichkeit, seine eigene Agenda zu publizieren, nicht verstanden haben.

Ich erkläre das Problem einmal mit einer Analogie: Nehmen wir an, es gibt jemanden, der zu Hause „kein Internet“ hat und dessen Hobbys Rübenzucht und Taubenjagd sind. Welche Partei vertritt seine persönlichen Interessen am besten, in welcher würde er sich willkommen fühlen und gar mit seiner Expertise diese Partei voranbringen? In einer netzpolitischen, einer wirtschaftsorientierten gar?

Eine Partei, man verzeihe mir den Zirkelschluss, heißt Partei, weil sie Partei für eine bestimmte Gruppe (ihre Klientel, ihre Stammwählerschaft eben) ergreift, nicht aber zwangsläufig für jeden geistigen Totalausfall, der gerade was sagen will. Offene Arme für jeden Fantasten haben schon ganz andere Projekte als bloß eine Partei zerstört. Wenn jemand offensichtlich völlig andere politische Vorstellungen als ich selbst habe, dann nehme ich das zur Kenntnis, weiß aber auch, dass ein Konsens nicht funktionieren kann, weshalb ich diesen Jemand auch nicht „einzubinden“ und „teilhaben“ zu lassen versuche. Es ist ein gewaltiger Fehler, als Partei anzunehmen, dass jeder Knallkopf Gehör finden sollte, wofür Zeit geopfert werden müsste, die stattdessen auch in sinnvollere Tätigkeiten, zum Beispiel für den Kampf für anständige Netzpolitik, investiert werden könnte. Parteien sind keine Buchklubs.

Die Piratenpartei – Offenlegung: noch immer mit meiner Mitgliedschaft ausgestattet – ist konzeptionell eine netzpolitische Partei, zusammengesetzt zweifellos aus Menschen verschiedenster Art. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden. Wer jedoch zwar vor vielfältigen Ideen nur so überschäumt, jedoch keinerlei Interesse an einer modernen Netz- oder wenigstens Urheberrechtspolitik hat, der ist in einer politischen, innerparteilichen Diskussion mit mir persönlich nicht willkommen, weil er anders als diejenigen, die wenigstens in den Themen, die der Piratenpartei überhaupt einen Grund zum Fortbestand verleihen, eine diskussionswürdige Meinung vertreten, lediglich ein Klotz am Bein wäre, denn er hat zur Umsetzung der Ziele, für die diese Partei überhaupt existiert, nichts beizutragen, was es wert wäre, gehört zu werden.

Eine Partei muss auch mal sagen: Leute, ihr seid uns hier echt im Weg.

(Zweitverwertet aus einer Diskussion auf Twitter.)

ComputerIn den Nachrichten
Das Internet ist kaputt und kein Nazi ist daran schuld (Nachtrag).

Ein Gedankenspiel: In naher Zukunft wird ein Rechtsaußen mit der Absicht, einen von ihm ungeliebten, weil provokanten linken Benutzer loszuwerden, eine Spendenkampagne eröffnen, um das führende soziale Netzwerk – der Einfachheit halber nehmen wir an, es sei Facebook – zu kaufen. Befeuert von einem weltweiten überwiegend positiven Medienecho wird das ein riesiger Erfolg: Binnen weniger Wochen ist das übernommene Facebook nicht nur um einen, sondern um viele Benutzer ärmer, denn wenn man schon mal einen Sperrknopf gekauft hat, dann will man ihn auch nutzen. Sehr bald ist freie Rede nur noch eine schwächer werdende Erinnerung in diesem Netzwerk, die verbleibenden Benutzer akzeptieren das aber, denn es war ja immerhin auch ein Provokant unter den Entfernten.

Will man das?

Will man das?

Die ehemalige CIA-Agentin Valerie Plame Wilson hat eine Crowfunding-Kampagne gestartet, um genügend Aktien des Unternehmens Twitter zu kaufen, und so Einfluss nehmen zu können. Ihr Ziel: Donald Trump zu verbannen.

Stille wird unterschätzt.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Skinny Puppy – VIVIsectVI

Skinny Puppy - VIVIsectVIIch höre aber auch immer einen Scheiß.

Auf einem meiner Streifzüge durch die Wikipedia wegen eines eigentlich ganz anderen Themas – ich kann niemandem empfehlen, die Wikipedia zu durchstreifen – stieß ich aus Versehen auf die kanadische Post-Industrial-Band Skinny Puppy und bekam urplötzlich Lust, die Tauschbörse meines Vertrauens nach ihr zu fragen. Das erstbeste Ergebnis war deren Album „VIVIsectVI“ (Amazon.de), was, vermutlich, irgendwas mit „666“ zu tun hat, von 1988, und es ist so grauenhaft, dass es mir schon wieder erschreckend gut gefällt.

VX Gas Attack – Skinny Puppy

Tonband- und effektlastige elektronische Tanzmusik, von beteiligten Musikern selbst als „Psychedelic Industrial“ bezeichnet, mit verzerrt vorgetragenen Texten über Naturschutz, Vergewaltigung und Chemiewaffen, als hätten Throbbing Gristle versehentlich mal die falschen Drogen genommen, bricht hier über den sonst jazzumschmeichelten Rezensenten herein.

Was ist das und warum kann ich es nicht einfach wegmachen?

Human Disease (S.K.U.M.M.) – Skinny Puppy

All is a disease. Die Texte, angeblich via Bewusstseinsstrom und somit eigentlich unabsichtlich entstanden, sind mindestens so verstörend wie ihre Verpackung und vielleicht ist das ein Teil der Anziehungskraft, die „VIVIsectVI“ ausübt. Man sollte ja stets den Horizont, den Tellerrand und so weiter zu weiten bereit sein, bis nur noch ein großes Loch übrig bleibt. In so Serien kommt aus großen Löchern ja gern einmal allerlei Ungemach.

Dreams amaze me, time escapes me („Dogshit“).

Man wird ziemlich blöd davon. Auch mal schön.

FotografieMir wird geschlecht
Wenn Sie arbeiten, will ich das Gehalt.

Feminismus in einem Bild:

Gleicher Lohn für keine Arbeit.