KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Leitkegel – Wir sind für dich da

Leitkegel - Wir sind für Dich daLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Aber was kann man empfehlen in dieser Zeit? In Würselen, der Heimat einer politischen Null, brechen die Menschen inzwischen Autos auf, weil Klopapier darin ist. Das ist so verrückt, da müssen deutsche Texte her, am liebsten mit ordentlich Krach.

Da kommt die Post-Hardcore-Band Leitkegel gerade recht, die zwar nicht Fjørt ist (schade!), aber bereits im Dezember 2019 mit „Wir sind für Dich da“ (Bandcamp, TIDAL, Amazon.de) trotzdem einen Rechtschreibfehler und ein beachtliches Album veröffentlicht hat.

Leitkegel - Spiegelbild

In der nicht sonderlich ansehnlichen Verpackung wurden Textzitate aus der Popkultur ebenso eingeflochten wie ein wenig Kritik an derselben: Ein Stück heißt „Tocotronic darf niemals siegen“ und amüsiert mich schon deshalb. Recht haben sie. Ansonsten natürlich: Gitarren und -- wie gewünscht -- ordentlich Krach.

O.J. Simpson (Waffen töten keine Menschen)

Ein Leitkegel für die Musik des Jahres 2020, steht zu hoffen. Wir warten es mal ab.

Netzfundstücke
„… von MEINEN Gebühren!“ (2)

Neulich:

ARD und ZDF werden teurer: Ab 2021 werden monatlich wohl 86 Cent mehr fällig.

Gestern:

Zu euren Kommentaren wegen der Werbeeinblendung vor der Ansprache der Kanzlerin: Das war ein Fehler, der nicht hätte passieren dürfen. Wir bedauern das sehr!

Allmählich scheint der Unterschied zwischen den öffentlich-rechtlichen und den privaten Fernsehsendern ein ähnlicher zu sein wie der zwischen Netflix und russisch-chinesischen Raubkopierwebsites; nur, dass die usability privater Fernsehsender immer noch scheußlich ist.

Die besorgte Nachfrage jüngerer Fernsehgeräte, ob man wohl noch am Leben sei, weil man in den letzten Minuten nicht blöde auf der Fernbedienung rumgedrückt hat, gewinnt humorbezogen durch solche Vorfälle sehr an Qualität.

In den NachrichtenMir wird geschlechtNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 18. März 2020

Bill Gates hat 2015 gemahnt, dass eine Pandemie die vorhersehbarste Katastrophe der Menschheit sei. Zum Glück hat die Bundesregierung rechtzeitig reagiert und erwogen, jede zweite Klinik zu schließen. Sonst wäre das jetzt sehr gefährlich geworden.


Geht es nach Lenz Jacobsen („ZEIT ONLINE“), so eigne ich mich nicht zum vollwertigen Mitglied der Corona-geplagten Gesellschaft, denn ich habe dieses Jahr noch keine Frau vermöbelt:

Denn neben den medizinischen Risikogruppen müssen wir uns auch um die sozialen Risikogruppen kümmern. Alleinerziehende, Arme, Obdachlose, Alte, Pflegebedürftige, Frauen, denen jetzt häusliche Gewalt droht.

Ein Mann zu sein war mal so viel intuitiver als heute.


Es ist nicht lange her, dass die neue finnische Regierung für ihre Weiblichkeit bejubelt wurde. Überraschend stellt sich jetzt im „Kampf“ gegen ein Virus heraus, dass Frauen auch nicht besser staatenlenken können als andere Menschen. Erstaunlich: Als wäre das Geschlecht völlig unerheblich!


Ich drucke mir morgen ein T-Shirt mit der Aufschrift „Corona-Fanclub 2020“: Der Eurovision Song Contest fällt dieses Jahr aus. Hurra!


Die „Rhein-Neckar-Zeitung“ – will nicht verlinkt werden (LSR) – schreibt: „Die Arbeitsagenturen wollen in Corona-Zeiten flexibel und unbürokratisch agieren“. Warum eigentlich nur jetzt?


Hochzeitsgeschenk gesucht? Klopapier für über 3.000 Euro, Ring gibt’s dazu. Romantik ist nicht tot!

In den NachrichtenPolitik
Niemand hat die Absicht.

Es teilte das Bundesministerium für Gesundheit am 14. März dieses Jahres mahnend mit, man möge nicht auf „Fake News“ hereinfallen:

Es wird behauptet und rasch verbreitet, (…) die Bundesregierung würde bald massive weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens ankündigen. Das stimmt NICHT!
Bitte helfen Sie mit, ihre Verbreitung zu stoppen.

Vielmehr möge man:

besonnen bleiben und einander auch unter Stress vertrauen.

Und siehe, man blieb besonnen, vertraute unter Stress und fiel herein:

Die Bundesregierung und die Regierungschefs der Bundesländer haben am 16. März 2020 folgende Leitlinien zum einheitlichen Vorgehen zur weiteren Beschränkung von sozialen Kontakten im öffentlichen Bereich angesichts der Corona-Epidemie in Deutschland vereinbart:

(…) Für den Publikumsverkehr zu schließen sind
– Bars, Clubs, Diskotheken, Kneipen und ähnliche Einrichtungen
– Theater, Opern, Konzerthäuser, Museen und ähnliche Einrichtungen (…)
– Spielplätze.

Ehrlichkeit ist im Jahr vor so einer Bundestagswahl ja auch deutlich überbewertet.

Dass nun aber Händeschütteln und Gottesdienste gleichermaßen unerwünscht sind, gefällt mir gut. Ich würde dazu gern eine Petition zur dauerhaften Aufrechterhaltung einreichen. Wer würde mitmachen?

In den NachrichtenMontagsmusik
Insect Ark – Philae // Afrika ist wie Autobahn.

Kaffee?Es ist Montag. Die diesjährige re:publica wird verschoben, was ärgerlich ist. Die paar Tage Ruhe vor der Alphabloggeria, die einige Tage lang um sich selbst kreist und mit sich selbst spricht, waren immer wieder etwas, worauf man sich freuen könnte.

Corona? Corona. Ich lasse mal ein paar Anmerkungen hier, weil mehr als Anmerkungen ja auch keiner (mich eingeschlossen) mehr lesen oder hören kann und/oder will; beziehungsweise wenigstens zwei: Mexiko erwägt, die Grenze zu den Vereinigten Staaten zu schließen, um die Virusausbreitung zu verlangsamen. Wer dafür wohl bezahlen wird? Andererseits: In Los Angeles wollen sie das Virus anscheinend einfach abknallen. Land of the free, home of the brave. Die besten Witze über die USA schreibt ein Tag in den USA.

Unterdessen hat die „NZZ“ herausgefunden, wieso das Virus sich in Deutschland so plötzlich so schnell ausbreiten konnte: Karneval ist schuld. Sofort verbieten. Gern noch ein paar Jahrzehnte lang, nur so zur Sicherheit. Wir wollen ja kein Risiko eingehen.

Aus einem ähnlichen Grund wurde bei Bahlsen neulich „entschieden“, den Keks „Afrika“ nicht mehr wie einen Kontinent zu nennen. Das sei rassistisch, wurde argumentiert. Afrika sagt man nicht mehr. Das ist wie Autobahn. Sagt man „Afrika“ und isst dabei einen überdies dunklen Keks, dann ist man schlimmer als Hitler. Und wir wissen ja, was mit Menschen passiert, die schlimmer sind als Hitler.

Besser als Hitler ist unterdessen: Musik.

INSECT ARK - Philae (official audio)

Guten Morgen.

Sonstiges
Abschließend angemerkt zur Coronasituation

Sollte die Menschheit wegen der Coronasituation tatsächlich nennenswerte Verluste erleiden, dann hängen diese mit großer Wahrscheinlichkeit damit zusammen, dass auf die Mitteilung, dass Mundschutz und Desinfektionsmittel weniger nützlich sind als Seife, weltweit reagiert wurde, indem als Vorbereitung auf eine Quarantäne aufgrund einer Atemwegserkrankung ganze Autos mit Klopapier beladen werden, bis einer heult – und wie auch immer das ausgeht: Ich freue mich auf die Verfilmung.

In den NachrichtenPolitik
Sozialdemokratisch einbrechen zur Sicherheit

Es ist doch erstaunlich, …

Mit den Stimmen der (rechtspopulistischen, A.d.V.) Regierungsfraktionen von SPD und CDU sowie der oppositionellen AfD hat der Landtag Mecklenburg-Vorpommerns am Mittwoch die lange umstrittene Novelle des Sicherheits- und Ordnungsgesetzes (SOG) verabschiedet. Die Polizei kann damit künftig mit Richtergenehmigung IT-Systeme wie Computer oder Smartphones präventiv heimlich online durchsuchen. Auch eine Befugnis zur Quellen-Telekommunikationsüberwachung (TKÜ) ist enthalten. (…) Für beide Szenarien greifen die Behörden in der Regel auf sogenannte Staatstrojaner zurück und nutzen dafür Sicherheitslücken aus. Für die Online-Durchsuchung räumen die Abgeordneten den Ordnungshütern nun auch das Recht ein, Wohnungen mit richterlicher Erlaubnis heimlich betreten und durchsuchen zu können.

… wie treffend das einzige Max-Goldt-Zitat, dessen regelmäßiges Auftauchen sogar mich allmählich langweilt, bleibt, wenn man den Antagonisten austauscht:

Die SPD ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu wählen. Jemand, der zu dieser Partei beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Mitglieder freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zulässt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.

Und die erdreisten sich, in Netzpolitikdingen Opposition zu spielen. :zensur:

Unlängst wurde ermittelt, dass die AfD eine Strömung besitze, der ein Gesellschaftskonzept verfolge, „dessen zugrundeliegenden Punkte im Widerspruch zum Grundgesetz (…) stünden“ und der „die demokratische Ordnung [verachte]“ und „offensiv einen ‚Systemumsturz‘ [fordere]“, weshalb der Verfassungsschutz sich zuständig sehe. Was das über die SPD, deren Vertreter offensiv den Sozialismus und eine Frauenquote fordern, aussagt, obliegt ebenso zu entscheiden nicht mir.


In weiteren Nachrichten: Des Verkehrsministers Telefonsicherung ist verschwunden. Mit der Vorratsdatenspeicherung wäre das nicht passiert.

MusikNetzfundstücke
Hirnfick 2.0 streamt abgesagte Veranstaltungen

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg teilt unter der Überschrift „Events zum Publikum bringen“ mit:

rbb streamt abgesagte Veranstaltungen

Nach Rücksprache mit meinem Einpersonenteam (bestehend aus mir) habe ich beschlossen, meinem Bildungsauftrag nachzukommen, indem auch ich ausgewählte abgesagte Veranstaltungen streame. Die Reihe beginnt mit diesem Beitrag, ich zeige einen vollständigen Stream des abgesagten gestrigen Konzerts von Johannes Oerding in Rostock:

Vor allem der Ton war sensationell. Das könnte an der Technik liegen. Von dieser Art Konzert darf es künftig gern noch viele weitere geben. :ja:

Netzfundstücke
Panische Gelassenheit

Den Klügeren unter den Panischen (ist Greta jetzt zufrieden?) genügt der Hinweis, dass Seife das beste Desinfektionsmittel für nicht Todkranke ist. Die anderen Panischen sind insgesamt beruhigt:

Bereits um 6.45 Uhr standen rund 10 Kunden vor der Tür der Aldi Filiale Bardowicker Straße in Linden-Mitte. (…) Eine Mitarbeiterin übergab die Desinfektionssprays, Desinfektionsgele und Hygienetücher einzeln durch die Tür des Lagerraums an jeden Kunden, der sich davor in einer Warteschlange angestellt hatte. (…) Offensichtlich gehen die Menschen in Linden verhältnismäßig gelassen mit Gefahr (sic! A.d.V.) der Virusverbreitung um.

Früher war sogar die Gelassenheit weniger voll.

In den NachrichtenMontagsmusik
Misuse – While it lasts // Antwortgeschosse

Pah - ich geh nach Hause!Es ist Montag. Laut der „Tagesschau“ wurde Frank-Walter Steinmeier in Publikum gesichtet, als Frank-Walter Steinmeier sprach. Ich befürworte es, Frank-Walter Steinmeier als Publikum für Frank-Walter Steinmeier zwangszuverpflichten. Dann redet er vielleicht mal weniger dummes Zeug.

„Mädchen würden nie gewinnen, sagten die Jungs“ überschrieb Matthias Dell einen Artikel über eine Dokumentation über die nie gewinnende Hillary Clinton. Offenbar sind Jungs manchmal gar nicht so doof, wie alle behaupten. -- Apropos doof: Die „Linke“ hat auf ihrer „Strategiekonferenz“ unter anderem festgestellt, dass die „Schüsse an der Grenze“ die „Antwort auf die Politik der BRD“ waren, „die DDR durch die Abwanderung vieler ihrer Bürger auf die Knie zu zwingen“ (Seite 556). In Einheit mit dem Umstand, dass der parteieigene Thüringer Wiederministerpräsident neulich ein Mitglied der AfD öffentlichkeitswirksam zu irgendwas wählte, ist die Aussicht auf „rot-rot-grün“ in noch mehr Ländern als bloß dem blöden Berlin eine zwar witzige, aber doch irgendwie unbehagliche. Was die F.D.P. wohl gerade macht?

Jens Spahn rät von „nicht notwendigen Reisen“ nach (unter anderem) Nordrhein-Westfalen ab. Schade, dass er wohl nicht die Architektur und die Kultur der Einheimischen meinte, sondern so ein blödes Virus. Das Robert-Koch- und irgendein anderes Institut arbeiten aber bereits gemeinsam an der Ausrottung desselben: Smartphoneüberwachung gegen Krankheit! Hat Horst Seehofer eigentlich schon Video- und Desktopüberwachung gegen das Coronavirus in Erwägung gezogen?

Am MIT wird momentan mal wieder Unix neu geschrieben. Ein nicht völlig uninteressantes Projekt, sieht man von der aus heutiger Sicht natürlich völlig veralteten Architektur ab.

Noch zeitloser aber ist: Musik.

Misuse live: While it lasts @ gagarin

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Todesdiener gegen Parolen (Nachtrag): … aber bitte nur gute!

Was sagt es eigentlich über eine Gesellschaft, die trotz seit inzwischen dreißig Jahren fehlender äußerer Feinde ihre vermeintliche „Verteidigungsarmee“ überwiegend ganz gut findet, aus, wenn ihre laut Medienberichten derzeit größte Sorge in Bezug auf diese Armee diejenige ist, dass einige dieser Menschen, deren steuerlich bezahlter Beruf das Töten ist, womöglich gar keine anständigen Sozialdemokraten, sondern rechtsextrem sind?

(via Schwerdtfegr)

In den NachrichtenPolitik
Was kostet ein Wertekanon?

Was macht man eigentlich, wenn man es als „sozialdemokratischer“ (Quelle: verschiedene) Politiker zum Fraktionsvorsitzenden und Oppositionsführer für eine „sozialistische“ (Quelle: Parteidokumente) Partei gebracht hat, aber eines Tages überrascht feststellt, dass weite Teile dieser Partei, von der Basis bis hin zum Bundesvorstand, „inakzeptable“ politische Ansichten bejubeln, die dem eigenen „Wertekanon“ widersprechen?

Richtig: Man tritt aus tritt zurück lässt sich von ihr einen Posten geben – wird ja gut bezahlt.

Und wie teuer ist euer Wertekanon?


Nachtrag: Bei der FDP zu sein und von der AfD gewählt zu werden geht gar nicht. Man muss gefälligst bei der „Linken“ sein und die AfD wählen!

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Zwinkersmiley (anzüglich)

Politik zum AnfassenNa, auch bei der letzten EU-Wahl nicht die Piratenpartei gewählt, weil Julia Reda gesagt hat, da sei zu viel Sexismus drin? Stattdessen doch lieber für die „witzige“ „Satirepartei“ mit dem Neonazifimmel entschieden, in die erst neulich nach Thüringen unzählige „Progressive“ eingetreten sind, um es der AfD mal so richtig zu zeigen? Gar selbst Mitglied geworden, weil das so links und anders ist?

Dann habe ich schlechte Nachrichten:

Der Brief, der Die-PARTEI-Chef Martin Sonneborn im März 2019 erreicht, hat es in sich. In der Partei würden sich Personen breitmachen, die sich sexistisch äußerten und „genauso handeln“, heißt es in dem Schreiben. Ein Mitglied habe etwa bei einer Parteiveranstaltung eine Kellnerin in die Küche verfolgt und ihr „angeboten“, ihr seinen Penis zu zeigen. (…) Zwei Monate später holt Die PARTEI sensationelle 2,4 Prozent bei der Europawahl, kurz darauf tritt das 40.000. Mitglied ein. Die PARTEI feiert. Doch intern prangern weitere Mitglieder mutmaßliche Übergriffe durch Genossen an. (…) Einige wollen deshalb ausgetreten sein. Ein Mann, der öffentlich bekannt hat, die Grenzen einer Genossin überschritten zu haben, soll zudem vom Vorstand weiter geschützt werden.

Nur die AfD, schreiben die Autoren für „VICE“, habe noch weniger weibliche Mitglieder als die PARTEI. Das ist mir wirklich ein Rätsel.