KaufbefehleMusikkritik
Musik 12/2022 – Favo­ri­ten und Analyse

Die­ser Arti­kel ist Teil 26 von 26 der Serie Jah­res­rück­blick

Lan­ge nichts mehr über Musik geschrieben.

Es hat end­lich ein neu­es Jahr begon­nen. Der frü­he­ste Zeit­punkt für Jah­res­rück­blicke ist jetzt. Wer schon im Okto­ber sei­nen Jah­res­rück­blick fer­tig­ge­stellt hat­te, dem fehlt in die­sem ein Sech­stel­jahr. Noch bis Sil­ve­ster hät­ten theo­re­tisch wun­der­ba­re Musikal­ben raus­kom­men kön­nen und die haben die ande­ren Rück­schau­er euch allen unter­schla­gen. Ich nicht! Daher bekommt ihr den ersten zuver­läs­si­gen musi­ka­li­schen Jah­res­rück­blick 2022 der­je­ni­gen Alben, die hörens­wert sind, exklu­siv hier auf die­ser bezau­bern­den Web­prä­senz (und spä­ter viel­leicht auch woan­ders). Ist das nicht nett von mir?

Wie fast immer hat­te ich mehr­mals eine musik­theo­re­ti­sche eiacu­la­tio prae­cox (hehe, cocks) und konn­te hin­sicht­lich der jeweils aktu­el­len Alben von Faust, Empath, JIRM, Ufom­am­mut, Hiroe, Motor!k und Nǽnøĉÿb­bŒrğ VbëřřĦōlö­kääv­sŦ („Nano­cy­borg Uber­ho­lo­kaust“) nicht an mich hal­ten. Der Rest folgt unten. Das viel­ge­rühm­te Rück­kehr­al­bum von Por­cupi­ne Tree – ihr „In Absen­tia“ ist immer­hin seit weit über zehn Jah­ren mein bevor­zug­tes Ava­tar­bild in man­chen sozia­len Medi­en – wuss­te mich dabei nicht zu begei­stern, wes­halb es hier nicht vor­kommt. Das Leben ist zu kurz für (gleich­wie gut gemach­ten) Kuschelrock.

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PersönlichesNetzfundstücke
1773 – 2023 – 2273

Eil­mel­dung: Ein neu­es Jahr beginnt. Wel­co­me back, my fri­ends, / to the show that never ends. Die Men­schen in mei­nem Taschen­recht­eck sind schon wie­der skurril.

Ein Tri­vi­um für den All­tag, falls man mal wie­der in einer noch lang­wei­li­ge­ren Dis­kus­si­on fest­steckt: Am 16. Dezem­ber 1773 war­fen Ein­woh­ner Bos­tons 342 Kisten bri­ti­schen Tees ins ört­li­che Hafen­becken, was bis heu­te als bedeut­sa­mes zeit­ge­schicht­li­ches Ereig­nis ver­stan­den wird. Ich muss­te an das dama­li­ge Zeit­ge­sche­hen den­ken, als ich mir irgend­wann im nun ver­gan­ge­nen Jahr 2022 die Fra­ge stell­te, war­um es eigent­lich eine christ­li­che, eine isla­mi­sche, eine chi­ne­si­sche, eine jüdi­sche und eine bud­dhi­sti­sche Zeit­rech­nung gibt, aber kei­ne heid­ni­sche. Etwas Recher­che füh­re mich auf merk­wür­di­ge Web­sites, die zumin­dest mei­ne Fra­ge beant­wor­te­ten: Man füge hier­für dem „christ­li­chen“ Jahr 250 Jah­re hin­zu. Hät­te die­se Zeit­rech­nung sich anstel­le dem kei­nes­wegs ver­nünf­ti­ger begrün­de­ten gre­go­ria­ni­schen Kalen­der durch­ge­setzt, begin­gen wir heu­te also den Jah­res­be­ginn 2273. Im Film flie­gen 2273 bereits Raum­schif­fe her­um und bei uns kommt bloß der Zug zu spät.

Im jüngst abge­lau­fe­nen Jahr habe ich zwar nicht mei­nen Kalen­der, aber zumin­dest mei­ne Tem­pe­ra­tur­mes­sung umge­stellt, meh­re­re Musik­grup­pen und ein wei­te­res Mal den groß­ar­ti­gen Max Goldt live gese­hen, einen Dach­scha­den publik gemacht sowie meh­re­re einst lebens­re­le­van­te Per­so­nen durch ande­re mitt­ler­wei­le lebens­re­le­van­te Per­so­nen (die erfolg­reich­ste dating-app ist für uns Men­schen mit frag­wür­di­ger Fri­sur, frag­wür­di­gem Gesicht und frag­wür­di­gem Humor anschei­nend, ganz unab­hän­gig vom letzt­end­li­chen Vor­ha­ben, das War­ten, was pas­siert; nimm dies, Tin­der bzw. Wer-kennt-wen bzw. kleb­ri­ge Knei­pe im kleb­rig­sten Stadt­vier­tel, je nach Ver­an­la­gung) aus­ge­tauscht, mit Letz­te­ren teils ver­däch­tig viel (hier das groß- oder wenig­stens irgend­wie müt­ter­li­che „naaaaa?“ ein­fü­gen, das Groß- oder wenig­stens irgend­wie Müt­ter so von sich geben, wenn ihr Kind erst­mals „ich mag ein ande­res Kind“ sagt, als wäre „mögen“ nur zwei­ein­halb Stun­den von „mit­ein­an­der Nach­wuchs krie­gen“ ent­fernt und als hät­te der Be-naaaaa?-te nicht bei man­chen Men­schen jed­wel­chen Geschlechts auch mal ande­re Gedan­ken als bloß so Gedan­ken) gemein­sam unter­nom­men und bin ent­ge­gen mei­ner eige­nen Erwar­tun­gen an mich selbst schon wie­der in eine Par­tei ein­ge­tre­ten, weil ich nicht nur ein biss­chen blöd bin, son­dern auch mich selbst gern fürch­ter­lich auf­re­ge. Wenn ich jemals wie­der aus der Par­tei raus­ge­hen soll­te, erzäh­le ich viel­leicht auch irgend­wem, wel­che es dann gewe­sen sein wird. Ich bin ja nicht zum Spaß hier. „Der Geist der Lie­be erfüllt den Kos­mos“ (Tan­ge­ri­ne Dream, „Alpha Cen­tau­ri“), die dunk­le Mate­rie wäre damit auch geklärt.

Irgend­wann dem­nächst soll­te die Liste mei­ner meist­ge­hör­ten Musik des Jah­res jen­seits mei­nes Plat­ten­spie­lers publik wer­den, mei­ne Jah­res­be­sten­li­ste dau­ert wahr­schein­lich nicht ganz so lan­ge, wird mir aber auch weni­ger pein­lich sein. Vie­le Musi­ker hat es 2022 dahin­ge­rafft, eini­ge von ihnen moch­te ich. Je älter ich wer­de, desto schlim­mer wird das. Hof­fent­lich besteht da kei­ne Kau­sa­li­tät, sonst bit­te ich um Ent­schul­di­gung. – In ihrer nächst­ge­le­ge­nen „Lounge“ hat die Deut­sche Bahn die Pan­de­mie­schlie­ßung genutzt, um zwar ein schö­ne­res Klo ein­zu­bau­en, aber dafür die Kaf­fee­tas­sen durch Che­mie­be­cher mit fie­sem Eigen­ge­ruch zu erset­zen. Scha­de, aber dann trin­ke ich dort halt kei­nen Kaf­fee mehr. Eine knapp ent­ron­ne­ne Kon­stan­te des neu­en Jah­res, immer­hin, gleich zu Beginn: Es wären just in die­sem Moment die­sel­ben Irren im sel­ben Dorf gewe­sen, aber ich woll­te nicht.

Drau­ßen spie­len sie schon wie­der Welt­krieg oder jeden­falls Rake­ten­schlacht. Die Lust an der Deto­na­ti­on bleibt so unge­bro­chen wie die Erwar­tung, im neu­en Jahr wer­de man alles viel bes­ser machen als im alten, als ände­re der Mensch mit dem Umblät­tern des Kalen­ders sei­ne selbst­zer­stö­re­ri­sche Art. Mein guter Vor­satz ist, die­ses Jahr kein ein­zi­ges Mal „frohs­neus“ zu sagen, weil ich Men­schen, die „frohs­neus“ für eine anstän­di­ge Begrü­ßung hal­ten, für schreck­li­che Zeit­ge­nos­sen hal­te. Prost Mahl­zeit. Prost Neujahr.

Sonstiges
Medi­en­kri­tik CXXI: Ster­ne sehen mit der „emo­ti­on“

emotion 01/02 2023„Hur­ra: Es wird ein Kraft­jahr!“ Wie könn­te ich einem Maga­zin wider­ste­hen, das sol­che voll­mun­di­gen Ankün­di­gun­gen in mein Blick­feld setzt? Daher griff ich zu und bin daher nun im Besitz der aktu­el­len Aus­ga­be des Maga­zins „emo­ti­on“ – Unter- bzw. Über­ti­tel: „Für Frau­en, die ihren Weg gehen“. Hurra.

Im Leit­ar­ti­kel führt „Chef­re­dak­teu­rin und Löwe“ Frie­de­ri­ke Trud­zin­ski aus, dass eine desi­gnier­te Astro­nau­tin ihr Heft im Wesent­li­chen bescheu­ert genannt habe, weil es Horo­sko­pe ent­hal­te, aller­dings kom­men „die mei­sten von uns“, wie sie wei­ter schreibt, „den Ster­nen nie näher als beim Horo­sko­pe­le­sen“. Ich habe schon Schnaps getrun­ken, der mich den Ster­nen näher gebracht hat­te als jedes Horo­skop, aber ich bin auch kein Idi­ot und somit nicht unbe­dingt Teil der klas­si­schen Ziel­grup­pe der „emo­ti­on“.

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NetzfundstückeIn den NachrichtenMontagsmusik
Unru – Der Hauch der Frei­heit // Fats­ha­ming beim SPIEGEL

Auf diesem Bild hat sich ein Pandabär versteckt.Es ist Mon­tag, der letz­te des Jah­res immer­hin. Ich hab‘ Urlaub, mein näch­ster Mon­tag steht erst nach Neu­jahr auf der Agen­da. Erst mal ein Känn­chen Kaf­fee, direkt intra­ve­nös. Platz ist ja, die besten Dro­gen (mein­ten Sie: Musik?) gehö­ren eigent­lich nicht in eine Kanüle.

Apro­pos unge­sun­de Ernäh­rung: Der gräss­li­che „SPIEGEL“ ver­sucht sich ange­sichts sin­ken­der Abon­nen­ten­zah­len in Wit­zen über dicke Men­schen (Archiv­ver­si­on). Ich ver­ste­he nicht, war­um „Redak­teu­re“ des „SPIEGEL“ noch irgend­wie anders behan­delt wer­den als Ange­stell­te der „BILD“, ande­rer­seits ist das viel­zi­tier­te „Print“ ohne­hin ein ster­ben­der Anachronismus.

Posi­ti­ves: Der fabel­haf­te Herr L., des­sen Stil (groß­ar­tig) und Sujets (bemer­kens­wert) zu imi­tie­ren ich in die­sem Jahr tat­säch­lich mal nicht depri­miert genug bin, hat trotz­dem eine musi­ka­li­sche Jah­res­rück­schau ver­öf­fent­licht, bevor das Jahr vor­bei ist. Mutig! Sei­ne vor­zei­ti­gen Emp­feh­lun­gen sind jeden­falls augen­schein­lich bzw. ohren­hö­rig ziem­lich gut und ich würd‘ sie wei­ter­emp­feh­len, zum Bei­spiel das dort auf­ge­führ­te Album von Unru.

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenNerdkrams
Wer sich in die „Cloud“ begibt, der kommt dar­in um (8).

Seit dem 11. August 2015 spei­che­re ich mei­ne Pass­wör­ter bereits in einer auf mei­nem Com­pu­ter ver­schlüs­sel­ten Daten­bank, deren Sicher­heit und Ver­füg­bar­keit nicht vom Wohl­wol­len eines Drit­ten abhängt. Mit gopass schickt sich der­zeit – in abseh­ba­rer Zeit, betrach­tet man die geplan­ten Funk­tio­nen – eine Alter­na­ti­ve an, von mir emp­foh­len zu wer­den, aber an ver­füg­ba­ren Pro­gram­men für die­sen Zweck man­gelt es schon jetzt nicht.

Die­ser Tage unter­hielt ich mich mit einem Kun­den von Last­Pass, einem „Dienst“, des­sen Geschäfts­mo­dell es ist, die Pass­wör­ter ande­rer Leu­te auf den Com­pu­tern des Anbie­ters zu spei­chern. Das sei, wur­de mir mit­ge­teilt, kein Pro­blem, denn man habe ja einen Ver­trag abge­schlos­sen, der besa­ge, dass das Unter­neh­men dafür haf­te, wenn jemand mit den Daten Scha­den anrich­tet. (Das steht in die­sem Ver­trag übri­gens aus­drück­lich nicht drin, vgl. etwa Punkt 8.1.) War­um ich das jetzt erwäh­ne? Nun, bei Last­Pass haben sie die Pass­wör­ter der Kun­den bezie­hungs­wei­se jeden­falls deren Streu­wert („Hash“) in Kopie raus­ge­tra­gen. Ange­sichts der belieb­te­sten Pass­wör­ter der Deut­schen ist der Hin­weis, dass man für eine Ent­schlüs­se­lung der gespei­cher­ten Pass­wör­ter ja das „Master­pass­wort“ (darf man das eigent­lich noch so nen­nen?) brau­che, ein eher schwa­cher Trost für die Betroffenen.

Aber sie haben ja einen Ver­trag. Dann ist ja alles in Ordnung.

In den Nachrichten
„Jetzt ist sogar der Baum umsonst gestorben.“

Akt I:
Zum Zwecke der Bewah­rung irra­tio­na­ler Tra­di­tio­nen eines reli­giö­sen Kul­tes wird in Thü­rin­gen ein Baum gefällt, auf dass die­ser inmit­ten der chro­nisch defek­ten Bun­des­haupt­stadt Ber­lin mit Glit­zer- und Blink­be­hang die Stadt famos reprä­sen­tie­re. Ein ster­ben­der, kit­schig geschmück­ter Baum sei immer­hin „eine tol­le Wer­bung für [ihren] Wald“, teil­te Thü­rin­gens Forst­mi­ni­ste­rin Susan­na Kara­wans­kij (Lin­ke) froh­lockend mit; und für die Stadt Ber­lin selbst ja auch irgend­wie ein hin­rei­chend gutes Wahrzeichen.

Akt II:
Drei bis dahin Unbe­tei­lig­te schnei­den oben an dem ster­ben­den, kit­schig geschmück­ten Baum die Spit­ze ab, um irgend­was zu for­dern oder auf irgend­was hin­zu­wei­sen oder so. Die Straf­ver­fol­gung wird sich bei­zei­ten damit beschäf­ti­gen oder auch nicht.

Akt III:
Die drei nun nicht mehr Unbe­tei­lig­ten wer­den unter ande­rem auf Twit­ter des Extre­mis­mus in Form schlich­ter Dop­pel­zün­gig­keit beschul­digt, denn jetzt, so die Argu­men­ta­ti­on, sei „sogar der Baum umsonst gestor­ben“. Ob das über­haupt eine Rol­le spie­le, denn die Abschnei­der haben ihn ja nicht selbst getö­tet? Natür­lich, heißt es ent­rü­stet und aus vie­len Mün­dern, die alle­samt zu ver­lin­ken mei­nem Magen miss­fal­len wür­de, denn der Baum sei ja nicht aus nie­de­ren Moti­ven gefällt wor­den, son­dern, damit er, kit­schig geschmückt, vor den Augen des Lan­des lang­sam ver­dor­ren möge.

Ach so – na dann!

In den Nachrichten
Auf­guss vor Stalingrad

Ich bin ja nun wahr­lich kein Freund eines gesun­den Mili­tärs, aber allein die inzwi­schen offen­bar gege­be­ne Exi­stenz mobi­ler Mili­tär­sau­nen – der Ori­gi­nal­text ist Est­nisch, Über­set­zungs­pro­gram­me exi­stie­ren jedoch – lässt es mich zumin­dest in humo­ri­sti­scher Hin­sicht bedau­ern, dass die Wehr­macht ihrer­zeit kei­ne ent­spre­chen­de For­schung betrie­ben hat; deut­sche Sol­da­ten („hart wie Krupp­stahl“), die zwi­schen zwei Schar­müt­zeln erst mal einen schö­nen Euka­lyp­tus­auf­guss genie­ßen, gäben doch immer­hin ein ange­mes­sen put­zi­ges Bild in die Geschichtsbücher.

(via Fefe)

In den NachrichtenMontagsmusik
CKRAFT – Epic Dis­cordant Visi­on // Trau­ri­ge Wurst ist nicht mehr bei Minderheitenplattform.

FlauschbärEs ist Mon­tag und ich habe pas­sen­der­wei­se im wei­te­ren Ver­lauf des Tages zwei „Mee­tings“, wie gemein­sa­mer Kof­fe­in­kon­sum zu pro­duk­ti­ven Zwecken heut­zu­ta­ge wohl heißt. Nach­her bie­te ich mei­nen noch zu schrei­ben­den Arti­kel dar­über, dass und war­um ich den euIRC-Ser­ver ver­las­sen habe, sämt­li­chen Zei­tun­gen an. Anschei­nend ist „trau­ri­ge Wurst ist nicht mehr bei Min­der­hei­ten­platt­form“ ja gera­de ein bedeut­sa­mes The­ma.

Die schwe­di­sche Regie­rung ist der Ansicht, wer in einem Land, aus dem er geflo­hen ist, Urlaub mache, der sei dort wohl nicht gefähr­det genug. Die künf­ti­ge NATO ist wie­der voll in ihrem Element.

Mein Ele­ment hin­ge­gen: Musik.

CKRAFT – Epic Dis­cordant Visi­on [OFFICIAL VIDEO]

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
Kurz ange­merkt zum AquaDom

Es besteht kein Anlass dazu, eine vier­stel­li­ge Anzahl an nicht ein­hei­mi­schen Lebe­we­sen in ein Aqua­ri­um in aus­ge­rech­net Ber­lin umzu­sie­deln, und zwar bin nicht mal ich zynisch genug, um jetzt zu postu­lie­ren, es gehe den Fischen dort, wo sie jetzt sind, immer noch bes­ser als in einem Aqua­ri­um in aus­ge­rech­net Ber­lin; wer aber jetzt vor allem die mensch­li­chen Schä­den beklagt (es gebe „zwei Ver­letz­te“, des­in­for­mie­ren die Nach­rich­ten, weil den­je­ni­gen Lebe­we­sen, die man nicht schrei­en hört, der Mensch par­tout nicht viel Wert jen­seits des Ein­kaufs­prei­ses bei­zu­mes­sen gewillt ist und eine Fisch­quä­le­rei eben dar­um auch nicht so schlimm fin­det) und bedau­ert, dass man für das Angucken „exo­ti­scher Tie­re“ vor­erst wie­der ins Aus­land flie­gen müs­se, weil das doch noch schlim­mer sei als die Glas­ka­sten­hal­tung, als sei das Anstar­ren anders­wo ende­mi­scher Wesen eine Not­wen­dig­keit oder auch nur ein hin­rei­chen­der Mehr­wert (ande­rer­seits: „Sea Life“ in aus­ge­rech­net Ber­lin exi­stiert wei­ter­hin), des­sen Vor­stel­lung von Mensch und Natur ist Teil des Pro­blems.

MusikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 14. Dezem­ber 2022

Goog­le hat eine neue Ziel­grup­pe für sei­ne Pla­kat­wer­bung ent­deckt: Vege­ta­ri­er, die sich noch höch­stens drei Din­ge gleich­zei­tig mer­ken kön­nen. Sicher­lich: Seit ich meist ein digi­ta­les Notiz­buch mit mir füh­re, ist auch mein Kopf etwas erin­ne­rungs­faul gewor­den; aber ob noch mehr Digi­ta­les eine Lösung für das Pro­blem von zu viel Digi­ta­lem ist?


Bemer­kens­wer­ter Satz über den Abgang eines der drei Mit­glie­der von Scoo­ter: „Er war 16 Jah­re als Syn­the­si­zer tätig“ („Ber­li­ner Mor­gen­post“), jedoch steht nicht dabei, ob er vor­her als Schlag­zeug oder als Gitar­re gear­bei­tet hat. Wie man aus­ge­rech­net zu die­sem Berufs­wunsch kommt, wür­de mich aller­dings schon mal inter­es­sie­ren. Die mei­sten Musik­in­ter­es­sier­ten möch­ten ja lie­ber das Instru­ment spie­len als das Instru­ment sein. – Ande­rer­seits: Scoo­ter / musik­in­ter­es­siert, ich mer­ke es ja schon selbst.


Kern­fu­si­on ist anschei­nend end­lich nicht mehr not­wen­di­ger­wei­se ein Ver­lust­ge­schäft. Sicher­heits­hal­ber ver­schärft Deutsch­land daher sein Des­in­ter­es­se an CO2-armer Strom­erzeu­gung: „Meh­re­re [deut­sche, A.d.V.] Bun­des­län­der leh­nen Atom­kraft­werk in Polen ab“ („ZEIT ONLINE“), sonst kommt Polen am Ende noch auf die merk­wür­di­ge Idee, ein eigen­stän­di­ger Staat zu sein, der sich von Deut­schen nichts vor­schrei­ben las­sen muss.


Olaf Scholz („Sozia­le Poli­tik für Dich“ duz­ten dumm sei­ne Wahl­pla­ka­te im vori­gen Jahr) fin­det, die Leu­te sol­len end­lich auf­hö­ren, frü­her als unbe­dingt nötig in Ren­te zu gehen. Die­ser Vor­schlag ergibt schon Sinn, denn wer län­ger arbei­tet, der kann sich auch län­ger ein kom­for­ta­bles Über­le­ben im Win­ter lei­sten. (Wor­an das lie­gen mag?) Zugleich schla­ge ich aller­dings vor, dass die Ren­te mit 67 Jah­ren kon­se­quent für Poli­ti­ker zu gel­ten hat.


„Die Deut­schen“ besit­zen „einen gigan­ti­schen Roh­stoff­schatz“ („Deutsch­land­funk“) – wenn das die USA hören (und falsch verstehen)!

NetzfundstückeIn den NachrichtenMontagsmusik
Try­on – Virall // WinRAP

So, Frühstück!Es ist Mon­tag (Quel­le: Inter­net). Es gibt ein neu­es Inter­net­ma­ni­fest, die Erschaf­fer des Quatsch­be­griffs „web0“ möch­ten mit die­sem „web0“ ein „web3“ ohne Block­chains, NFTs und son­sti­gen kom­mer­zia­li­sie­ren­den Quatsch eta­blie­ren. Bis­her ist nicht ganz klar, was die Small Tech­no­lo­gy Foun­da­ti­on damit errei­chen möch­te, aber zumin­dest wer­den seit Janu­ar schon mal Unter­schrif­ten gesam­melt. Mei­ne ist auch schon da, weil ich die Idee eines dezen­tral funk­tio­nie­ren­den Webs an sich erst mal gut fin­de. Wenn irgend­ein Schelm in näch­ster Zeit über die­se Web­site drü­ber­schreibt, dass die Unter­zeich­ner alle­samt z.B. Han­no­ve­ra­ner oder Phil-Coll­ins-Fans sind, dann gibt es zumin­dest einen Beleg, dass dem nicht so ist.

Ein Bri­te ist in Nai­ro­bi ver­schwun­den und in einer Knei­pe wie­der auf­ge­taucht. Alles rich­tig gemacht. Etwas merk­wür­di­ger erschien mir da schon die Mel­dung, Kat­jes habe jetzt auch Zahn­creme im Sor­ti­ment, bis ich begriff: die gesam­te Mund­hy­gie­ne des Vol­kes könn­te bin­nen weni­ger Jah­re in den Hän­den eines Unter­neh­mens lie­gen, des­sen Geschäfts­mo­dell des­sen Ver­nich­tung ist. Dr. Evil ist nichts dagegen!

Apro­pos evil: Das anschei­nend unver­wüst­li­che Maga­zin „Boing Boing“ (schö­ner Name auch) zitiert den Rap­per Lupe Fias­co, der gesagt hat, Rap sei sei­ner Ansicht nach ein ver­lust­frei­er Kom­pres­si­ons­al­go­rith­mus. Offen­bar hat Win­RAR end­lich wür­di­ge Kon­kur­renz bekommen.

Wäh­rend sich aber die Gelehr­ten noch dar­über strei­ten, freut sich der Drit­te (d.h. ich) und beginnt die Woche mit enorm kom­pri­mier­ter YouTube-Beschallung.

TRYON – VIRALL (OFFICIAL VIDEO)

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenNerdkrams
ChatGPT: Ver­da­ten und verkauft.

Einen „Hype“ gebe es um ChatGPT, ein kürz­lich dem öffent­li­chen Zugriff über­ge­be­nes Chat­sy­stem, das mit „künst­li­cher Intel­li­genz“ zahl­rei­che Fra­gen halb­wegs ver­nünf­tig zu beant­wor­ten weiß, schrei­ben über­ein­stim­mend tech­nik­fer­ne Medi­en wie „Wirt­schafts­Wo­che“ und „Deutsch­land­funk Kul­tur“ (Archiv­ver­si­on), wäh­rend „Busi­ness Insi­der“ des­sen „bru­ta­les Ver­sa­gen“ erwähnt und for­dert, „die Poli­tik“ müs­se sich mit ChatGPT befas­sen (ich per­sön­lich bin ja der Ansicht, wür­de man das Innen­mi­ni­ste­ri­um künf­tig mit „künst­li­cher Intel­li­genz“ statt mit irgend­wel­chen Par­tei­sol­da­ten beset­zen, wäre vie­les viel ent­span­nen­der und ent­spann­ter), und die „WELT“ die „WELT“-typischste Fra­ge stellt, die selbst mir gera­de in den Sinn käme (näm­lich: „Lässt sich mit dem KI-Hype Geld verdienen?“).

Das ehe­ma­li­ge EDV-Fach- und heu­ti­ge Sati­re­ma­ga­zin „c’t“ lässt einen vor Begei­ste­rung bei­na­he plat­zen­den Redak­teur ein paar ver­meint­li­che Begrün­dun­gen in den Raum stel­len, „[w]arum ChatGPT die Welt ver­än­dern wird“. Zu die­sen Begrün­dun­gen zählt selt­sa­mer­wei­se nicht die von mir selbst ent­deck­te: dass ChatGPT näm­lich schon beim Anle­gen eines für sei­ne Nut­zung angeb­lich not­wen­di­gen Ope­nAI-Benut­zer­kon­tos von sei­nen Nut­zern einen nega­ti­ven Intel­li­genz­test sowie die Auf­ga­be jedes grund­le­gen­den Inter­es­ses an Daten­schutz ver­langt, indem es erwar­tet, dass sie einer von Frem­den instal­lier­ten, gepfleg­ten und über­wach­ten daher­ge­lau­fe­nen Web­site mit intrans­pa­ren­ter Daten­bank ohne offen­sicht­li­che tech­ni­sche Not­wen­dig­keit und nicht mal mit guter Begrün­dung ihre nach­weis­lich gül­ti­ge Tele­fon­num­mer geben. Ohne bestä­tig­te Tele­fon­num­mer (man kriegt wohl einen Code dort­hin geschickt, aus­pro­biert habe ich das nicht) kein ChatGPT, so will es der Betreiber.

Es stimmt schon, dass „künst­li­che Intel­li­genz“ all­zu oft auf natür­li­che Dumm­heit oder wenig­stens Nach­läs­sig­keit trifft. Brot und Spie­le – nun ja, im vor­lie­gen­den Fall zumin­dest: klug schei­nen­de Chat­ant­wor­ten – haben zu allen Zei­ten die Men­schen vie­les ertra­gen lassen.

PersönlichesNetzfundstücke
Zitat des Tages: Blau­bee­ren und Traurigkeit

Jor­dan Stratton:

In die­ser moder­nen Zeit zu leben ist groß­ar­tig. Robo­ter erschaf­fen künst­le­ri­sche, see­len­lo­se Ver­sio­nen von Men­schen, ich gebe die Hälf­te mei­nes Gehalts­schecks für die Mie­te und die ande­re Hälf­te für vier Blau­bee­ren aus und bin süch­tig nach einem klei­nen Taschen­com­pu­ter, der mich jeden Tag trau­rig macht. Fantastisch.

(Über­set­zung von mir.)

Der erste Flach­wich­ser des Jah­res hat vor­hin inner­halb mei­nes Auf­merk­sam­keits­fel­des geböl­lert oder so. War­um wer­den Men­schen inzwi­schen älter als 30?