In den NachrichtenMir wird geschlechtPiratenpartei
Mehr Jans für Deutschland! (2): Diverse ohne Wahl

Im Dezember 2017 schrieb ich:

Statistisch gesehen heißen derzeit die meisten Menschen Jan oder Anna. Wäre es dann nicht nur fair, man führte eine Jan-und-Anna-Quote ein?

Seitdem ist nichts dergleichen passiert, die lächerliche SPD hat ihren Willen aber doch noch bekommen: In Brandenburg, dem einzigen Argument dafür, dass Hannover gar nicht so trostlos ist, wie ich es immer beschreibe, ist zu ihrer Freude ein Paritätsgesetz erlassen worden, dem zufolge künftig Kandidatenlisten gefälligst zu jeweils der Hälfte aus Männlein und Weiblein zu bestehen hätten. Erfreulich daran ist, dass es die bisher Frauen bevorteilenden Grünen und Linken gleichermaßen dazu zwingen wird, Männern eine gerechte Chance zur Aufstellenlassung zu geben, wogegen zu meinem großen Erstaunen von ausgerechnet ersterer Partei noch keine Beschwerde erscholl, sondern nur Jubel, denn sie hatte das Gesetz selbst befürwortet. Wie die Piratenpartei das findet, ist noch unklar: Der Brandenburger Landesverband hat bereits eine Verfassungsbeschwerde angekündigt, aus Hessen hingegen kommen eher positive Kommentare.

Dass das Gesetz das von „linken” Parteien erfolgreich installierte dritte Geschlecht („Diverse”) benachteiligt, wie von der Brandenburger Piratenpartei ebenso wie „ironischerweise” (taz) von der AfD festgestellt wurde, stört die Vorsitzende der hessischen Piratenpartei jedenfalls nicht, denn man könne ja, wie sie gedankenlos heraustwitterte, im Idealfall noch nachbessern. Bis dahin haben die Diversen die Ausnahmeoption, sich zu entscheiden, ob sie zur Wahl entweder als männlich oder als weiblich gelten möchten. Wenn dieser Idealfall allerdings nicht eintreten sollte und das, wie von ostdeutschen „Linken” gewohnt, freien Wahlen kritisch gegenüberstehende Gesetz überdies als nicht grundgesetzwidrig anerkannt werden sollte, dann bleibt die Möglichkeit für die Empfehlung bestehen, dass diese Diversen einfach ein für allemal festlegen, was sie gern sein würden, um weitere Situationen dieser Art zu vermeiden.

Manchmal vermute ich, progressive Ideen zur vermeintlichen Verbesserung der Gesellschaft werden meist nur umgesetzt, um die Zeit zu messen, die vergeht, bevor ihre Opfer den Fehler bemerken.

Netzfundstücke
Das Facep-Wort.

Wie man bei „Motherboard” heißen darf:

  • Bimbo
  • Ficker
  • Gaylord
  • Heil
  • Möse
  • Pimmel
  • Schwanz
  • Ständer
  • Titte

Wie man bei „Motherboard” nicht heißen darf:

Nie wieder darf das Wort über eine deutsche Tastatur usw.! :wallbash:


In weiteren Nachrichten: Am 4. Mai 2019 wird der diesjährige March for Science stattfinden. Unter den Unterstützern sind derzeit unter anderem die CVJM-Hochschule in Kassel, die evangelische Hochschulgemeinde an der Hochschule München, die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, der Präsident der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin und drei weitere Vertreter evangelischer Schulen zu finden. Genau so habe ich mir Menschen mit Interesse an Wissenschaft immer vorgestellt.

Netzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Ein umstrittenes Werturteil

Der umstrittene „Deutschlandfunk” desinformiert:

Der Medienpreis des Bundestages gehört zu den renommierten Auszeichnungen für Journalisten. In diesem Jahr hat er jedoch ein umstrittenes neues Jurymitglied: den Blogger Rainer Meyer alias „Don Alphonso“.

Ein Medienpreis, unabhängig vom Preisträger, hat offenbar nur dann einen Anspruch auf Renommiertheit, wenn keines seiner Jurymitglieder umstritten ist. Umstritten wird man zum Beispiel, indem man als Journalist über politische Vorkommnisse berichtet:

Das Thema Migration treibt ihn in vielen seiner Veröffentlichungen um, mal mehr, mal weniger kritisch. Für viele Linke ist er damit zu einer Art Hassfigur geworden.

Konsequent lässt der „Deutschlandfunk” eine umstrittene linke Hassfigur zu Wort kommen:

Aus Sicht der Grünen-Politikerin Claudia Roth geht Meyer mit seiner Kunstfigur „Don Alphonso“ regelmäßig zu weit[.]

An ihren Adjektiven sollt ihr sie erkennen.

(siehe auch)

In den NachrichtenWirtschaft
Preise, völlig Bahnane.

Bürger: „Die Bahn ist unzuverlässig!”

Bahn: „Ja, uns fehlen Personal und Züge.”

Bürger: „Dann ändert das doch!”

Bahn: „Dann müssen wir unsere Preise aber erhöhen, Personal und Züge sind sehr teuer.”

Bürger: „Na gut, so lange es dann besser wird.”

Bahn: „Hier, höhere Preise!”

Bürger: „Hier, weniger Passagiere!”

Bahn: „Mit weniger vollen Zügen können wir aber weder Instandhaltung noch Personal bezahlen.”

Bürger: „Wir nehmen jetzt trotzdem den Fernbus.”

Bahn: „Na gut, Zugfahren kostet jetzt manchmal und mit etwas Glück nur noch doppelt so viel wie eine Fernbusstrecke.”

Bundesregierung: „Also das ist jetzt aber viel zu wenig, macht das mal wieder teurer.”

(ad inf.)

In den NachrichtenMontagsmusik
enob – Amour

Es ist Montag. Heute darf man sich getrost wie die Deutsche Bahn fühlen: Es ist kalt und eigentlich hat man überhaupt keine Lust, sich dessen bewusst zu werden. Stattdessen stellt man vorsorglich den Betrieb ein. Früher war sogar das Bloggen interessanter. Es ist ja doch kein Sonntag mehr zu erwarten. Positiv allerdings: Europaweit findet heute der diesjährige Datenschutztag statt. Während ich ganzjährig einen sorgsamen Umgang mit den eigenen Daten empfehle, sei ein Hinweis darauf gestattet, dass auch 2019 der Zugang zu global verfügbaren Informationen niemals bedeuten kann und soll, dass jeder, der „Internet” buchstabieren kann, es leicht haben darf, irgendetwas über uns als Personen zu erfahren. Der Widerstand wird täglich wichtiger, möchte mir scheinen.

Zu der quietschblöden Idee der „Stadt” Hannover, künftig noch schwerer lesbare Texte zu produzieren, fand Daniel Haas in der „NZZ” die richtigen Worte: „Der Eingriff in den Sprachgebrauch gehört ins Repertoire autoritärer Regime, nicht in das einer liberalen Gesellschaft.” Ob sie es jemals verstehen werden? Seitens des Konkurrenzmediums „taz” darf inzwischen wieder ungestört Gewalt empfohlen werden. Das muss diese moderne, aufgeklärte Gesellschaft sein.

Apropos modern: Einheitliche Tarife zwischen Nah- und Fernverkehr bekomme, behauptet die Deutsche Bahn, selbiges Bahnunternehmen leider nicht eingerichtet, weil das zwar alles „DB” heiße, aber voneinander unabhängige Unternehmen seien, wobei DB Regio leider nur Auftragsnehmer sei; schade, schade. In Niedersachsen kreisen währenddessen die Medien um die Gründung eines weiteren Islamverbandes. Das Schöne an deutscher Vereinsmeierei ist es ja, dass die Vereinenden wenigstens ausgiebig beschäftigt sind und so weniger Zeit haben, uns mit ihrer ollen Religion zu belästigen.

Dieses Plus an Zeit können wir sinnvoll nutzen und zum Beispiel Musik hören.

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Liegengebliebenes vom 25. Januar 2019

Überraschenderweise hat sich die Hamburger SPD als käuflich herausgestellt.


Israel schießt schon wieder auf Verdacht.


Gute Nachrichten: Uns allen gehört jetzt ein Stück eines Flüchtlings. Das nennt der Deutschlandfunk zwar anders, dass nämlich „Bund und Länder die Kosten übernehmen”, aber die bekommen ihr Geld ja auch nicht von niemandem. Ich empfehle, zeitnah den eigenen Anteil an einem Flüchtling farblich zu kennzeichnen. Claimräuber finden sich überall.


“Die schwedische Öko-Kartoffel steht gerade überall in der Presse, weil sie nicht fliegt, sondern mit dem Zug fährt. Aus ökologischen Gründen. Hat das mal irgendwer gegengerechnet, wieviel Energie verbraten wird, um online darüber zu berichten? Würde mich nicht wundern, wenn die ökologisch bessere Variante gewesen wäre, einfach in den Flieger zu steigen und die Klappe zu halten. Wozu wird die überhaupt gerade in die ganze Welt eingeladen, wenn sie doch eh nur vom Blatt abliest? Die lassen sich eine 15-Jährige aus Schweden in die ganze Welt kommen, damit die vom Blatt abliest und sagt, wir sollen die Umwelt schonen? Geht’s noch?”


Wissenschaft des Tages: Forscher haben einen Steinkreis aus den 1990er Jahren in die Bronzezeit hineindatiert. Was soll’s – die paar Jahre!

Nerdkrams
Chromefox’ Einheitsproblem

Mozilla, dessen sterbender Browser ganz bestimmt nicht Chrome zu sein versucht, ist von den vermuteten Plänen des Reklamemarktführers Google, das Wegmachen von Werbung im hauseigenen Browser zu erschweren, wenig begeistert:

Einen anderen Vorwurf erhebt Daniel Glazman, ein bekannter Entwickler aus dem Mozilla-Umfeld: Die Erweiterungsschnittstellen der unterschiedlichen Browser haben sich weitgehend angeglichen – Googles einseitiger Vorstoß würde die Bemühungen um eine Standardisierung zurückwerfen.

Jetzt zwingt Google Mozilla auch noch dazu, einen eigenen Erweiterungsstandard zu schaffen. Un-er-hört! :aufsmaul:

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Tangents – New Bodies

Tangents - New BodiesLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Nach einer Tour, auf der unter anderem Auftritte mit den angesehenen Postrockgrößen Mono und Tortoise stattfanden, fand sich das australische „Post-alles”-Quintett Tangents 2018 zusammen, um ein neues Studioalbum aufzunehmen, das im Juni unter dem Namen „New Bodies” (Amazon.de, TIDAL, Bandcamp.com) erschien.

Aus dem Jazz haben Tangents sich die Leichtigkeit und das Gespür für feine Nuancen abgeschaut, ihre Instrumentalmusik schwingt meist zwischen Weltmusik und gelegentlich („Lake George”) groovendem „Postrock”, dessen ungewöhnliche Gestaltung Erinnerungen an Tangerine Dream und Neu! weckt, hin und her, ohne dabei allzu offensiv in das alte Laut-Leise-Muster zu verfallen. Cellist Peter Hollo setzt hier mehr als nur ein kleines Zeichen. Im Internet ist stilistisch von „electro-noir” die Rede, was ich bislang noch nie gelesen hatte, aber eigentlich spricht auch nichts dagegen.

Tangents – Lake George

„New Bodies” ist vor allem ein überaus entspannendes Album, daran ändern die Stilwechsel – in „Immersion” meine ich gar Fernöstliches auszumachen – nichts. Die Bandcampseite beschränkt sich auf das Attribut „alternative”, was einer dieser Begriffe ist, die, spricht man von Musik, gar nichts auszusagen imstande sind. Lassen wir stattdessen schweigend die Musik sprechen und freuen uns leise.

Morgen noch nichts geplant? Einfach mal „New Bodies” hören. Gefällt.

In den NachrichtenMir wird geschlechtPiratenparteiPolitik
Kurz angemerkt zu Tempo 130 // Die zwei Paritätsgeschlechter

Einige Jahre, bevor Schweden es – wie so oft – übertreiben muss, indem es den Verkauf von nicht elektrischen Automobilen gänzlich verbietet, wird im Autofahrerland Deutschland wieder einmal darüber diskutiert, ob Schnellfahren auf Schnellfahrstraßen nicht zu gefährlich sei, weil es dort zu viele Unfälle gebe, als seien diese unbedingt von der Geschwindigkeit abhängig, jedoch findet zu meinem Unverständnis mein parallel geäußerter Vorschlag, dass, wenn aufgrund vergleichsweise weniger Personenschäden die abgesicherten Schnellfahrzonen zu Mittelschnellfahrzonen reduziert werden sollen, auch in Raucherzonen maximal zwei Zigaretten pro Person erlaubt werden sollten, denn im Vergleich mit Automobilen ist Tabakrauch mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit für alle Umstehenden schädlich bis tödlich, nur wenige Befürworter, was ich mir nur so erklären kann, dass der Tabaklobby ein ordentlicher Dieselskandal fehlt; oder dass Schnellfahren einfach zu wenig Steuern einbringt.


Was passiert eigentlich, wenn trotz großen Jubels der „Grünen Jugend”, die sich in solchen Fällen dann doch lieber wieder auf die Existenz nur zweier Geschlechter beruft, ausgerechnet die sonst eher unaufrichtige Brandenburger Piratenpartei medial dadurch auffällig wird, dass sie eine Klage gegen das beabsichtigte Brandenburger Paritätswahlgesetz anstrebt? Genau: Das „Neue Deutschland” gräbt die einst bei den Piraten von der Bühne gebuhte und heute von den „Linken” besoldete Anke Domscheit-Berg als Zitatgeberin aus und zieht Parallelen zur AfD. Alles richtig gemacht.

In den NachrichtenNerdkramsPolitik
Gehwegparker fordern besseres Cyber

CDU zum Ersten:

CDU und CSU wollen Bürger, Unternehmen und Staat mit einer länderübergreifenden Strategie für mehr Internet-Sicherheit besser gegen die wachsende Bedrohung durch Cyberangriffe schützen. (…) In dem Entwurf, der an diesem Montag beschlossen werden soll, werden auch härtere Strafen für Cyberkriminelle verlangt.

Was ironisch wirkt, denn der Cybertrojaner, der vor bald acht Jahren blöderweise aus CDU und CSU herausgesickert ist, erfüllt alle Cyberkriterien für Cyberangriffe durch Cyberkriminelle, ist aber angeblich gar keiner, sondern eine Schutzmaßnahme.

In dem Entwurf für die am Montag endende zweitägige Konferenz der Fraktionschefs von CDU und CSU in Brüssel werden bundeseinheitliche gesetzliche Mindeststandards für die Sicherheit informationstechnischer Geräte verlangt. (…) Anbieter von Online-Diensten und Hersteller von Geräten, die mit dem Internet vernetzt sind, sollen ihre Angebote so gestalten, „dass ausreichend starke Passwörter von den Benutzern gewählt und diese regelmäßig geändert werden müssen”.

Man kann nicht behaupten, überrascht zu sein: Das fortwährende Nerven von Benutzern und das gesetzliche Vorschreiben unzureichender Mindeststandards fasst die bisherige Netzpolitik besagter Parteien schon ganz gut zusammen.

Die Union verlangt auch neue Straftatbestände etwa für das Betreiben krimineller Infrastrukturen.

Allmählich halte ich den Bundestag für eine kriminelle Infrastruktur, aber ich glaube, die meinen das Internet. :wallbash:

Nach Ansicht von Unionspolitikern sei beispielsweise eine Einführung des Tatbestands des digitalen Hausfriedensbruchs notwendig. Um den Ermittlern bessere Instrumente an die Hand zu geben, sollten Online-Durchsuchungen eingeführt werden.

Um den Ermittlern bessere Instrumente – Trompete? Posaune? Tuba? – gegen digitalen Hausfriedensbruch an die Hand zu geben, sollte digitaler Hausfriedensbruch legalisiert werden. Genau so habe ich mir das vorgestellt. Da fühlt man sich doch gleich viel sicherer – wenn auch nur im Ausland. :ja:


CDU zum Zweiten: Wie nennt die Karlsruher CDU es eigentlich, wenn die Stadt Karlsruhe Falschparken als Falschparken ahndet? Richtig: Parkraumreduzierung!

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Die Goldenen Zitronen – Mila // Datenschutz und andere Probleme

>:(Es ist Montag, aber es könnte auch jeder andere Tag sein. Fast bin ich willens, den ollen Spruch mit dem Leben und den Plänen auszugraben, aber John Lennon lässt man besser da, wo er ist. Es reicht ja auch, selbst nicht da zu sein, wo man wirklich lieber wäre. Montage fühlen sich nicht richtig an, wenn alles in Ordnung ist. Es ist alles deprimierend.

Reden wir über was anderes, reden wir über Politik: Die Freien Wähler, seit einer Weile bayrische Mitregenten, haben laut Medienberichten mit Wertpapierhandel hohe staatliche Zuschüsse ergattert, was anscheinend nur dann ein Problem ist, wenn es nicht die Deutsche Bank macht. Politisch etwas zum Besseren bewegt hat derweil Julia Reda, die für die Piratenpartei im europäischen Parlament rumsitzt und trotz größerer Widerstände eine für den Großteil der europäischen Internetnutzer unvorteilhafte Gesetzesänderung zumindest verzögert hat, womit abzuwarten bleibt, ob diese nicht vielleicht einfach versanden wird.

Gute Nachrichten auch aus der Neustädter Stadtvermarktung, wo Facebook aus Datenschutzgründen endlich nicht mehr aktiv genutzt wird, stattdessen greift man zu, äh, WhatsApp. Datenschutzaktivist Max Schrems hat währenddessen überrascht festgestellt, dass kaum ein Dienst in der cloud sich an die DSGVO zu halten pflegt. Man kann und sollte europäischer Bürokratie im Umgang mit dem Internet manches vorwerfen – das Pochen auf die Einhaltung von Datenschutzregeln gehört nicht dazu.

Man kann jetzt online beten. Ich habe keine Lust mehr auf dieses Web.

Ich werde keine Informationen mehr annehmen in den nächsten Jahren.

Die Goldenen Zitronen – Mila

Guten Morgen.

In den NachrichtenNerdkrams
Netzverfettung dank AMP

„Webmaster aufgepasst!”, warnte gestern das reklamelastige „GoogleWatchBlog”, denn einer der zahlreichen Versuche Googles, Menschen das Leben zu erschweren, erreicht abermals einen Tiefpunkt:

Google hat nun die Richtlinien für Titelbilder von AMP-Artikeln aktualisiert. Bilder müssen nun mindestens eine Breite von 1.200 Pixeln haben und sollten in der Multiplikation von Breite und Höhe auf mindestens 800.000 Pixel kommen.

AMP, im Wesentlichen dafür geeignet, vendor lock-in im Web zu etablieren, solle mobile Seiten beschleunigen, stand 2016 in der c’t, indem es die geladenen Ressourcen zwangsweise verringert. Grafiken von mindestens 800.000 Pixeln – eine nicht unwesentliche Vergrößerung – stellen aber auch in kleiner Zahl bereits eine Belastung für handelsübliche deutsche Mobilverbindungen dar. Wahrlich erschwerend kommt hinzu, dass Googles notwendiges „AMP-Script” in der heutigen Fassung mehr als 270 Kilobyte groß ist – zusätzlich nötige Scripts und anderen Boilerplate-Müll habe ich noch gar nicht mitgezählt. Das ist, als würde die Müllabfuhr die Tonnen erst füllen, damit die Trägheitskräfte zum Leeren besser wirken.

Dieses Web erscheint mir als eine zusehends schlechtere Idee.


Apropos „schlechte Ideen”: Im kommenden Februar, heißt es, solle in Visual Studio Code, einem beliebten Texteditor, der fast ein halbes Gigabyte RAM beim Nichtstun belegt, weil er auf Googles Webbrowser basiert, das bald drei Jahre alte Problem gelöst werden, dass das Programm ohne eine aktive Internetverbindung nicht benutzt werden kann. Das muss diese Zukunft sein.

Netzfundstücke
Vom Recht auf Hühnersuppe

Zwielichtige Gestalten wiesen mich gestern auf das Onlinemagazin „Supernova” hin, das eine Art „Spex” für Berliner Wohlstandskinder zu sein scheint und unter bizarren Überschriften („Katern für den Kommunismus”) wunderliche Texte zwischen „Leftstyle” und „Feminismus” ergießt. Auslöser für den Hinweis war ein neuer Text über die Herausforderungen, die jemanden erwarten, der sich einem dieser neumodischen polyamoren Pärchen anzuschließen vorhat. In dem Text hat Caren Miesenberger – guter Name auch – bereits in den ersten drei Absätzen Formulierungen wie „edgy Selbstbild”, „eine Dyade zum Kern [haben]” und „in the first place” benutzt, aber darüber ließe sich allenfalls mild schmunzeln.

Unkritisch zitiert sie aber zu meiner weit größeren Belustigung ein olles Büchlein bzw. anscheinend PDF-Dingsbums:

Die Bibel der Polyamorie (…) widmet Singles nur ein einziges, eigenes Kapitel . Darin steht zum Beispiel, dass (…) diejenigen, die einen sexpositiven Lebensstil ohne feste*n Partner pflegen, auch ein Anrecht darauf haben, von denjenigen, mit denen sie sich involvieren, Hühnersuppe gekocht zu bekommen, wenn sie krank sind.

Denn das war bekanntlich eine der größten Errungenschaften der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: Es gibt jetzt ein Recht auf körperliche Unversehrtheit, auf Gewissens- und Informationsfreiheit sowie auf Hühnersuppe. :ja:


Und dann wäre da noch die „Cosmopolitan”, auf deren diesmonatiger Titelseite eine Erläuterung der Frage, warum die fürs Überleben recht nützlichen Poren („ihr nervt!”) so sichtbar seien, ebenso angekündigt wird wie „10 clevere Strategien”, am Ende des Monats mehr Geld zu haben. Dass „Ohlala”, eine Art Tinder für Bezahlnutten, entwickelt von der sehr angenehm heißenden „Start-up-Unternehmerin” Pia Poppenreiter, auf Seite 86 und folgenden eine große textliche Werbefläche erhält und allein die 24 „Beauty”-Produkte auf Seite 101 zusammen gerade mal 718 Euro kosten, lässt in mir die Frage reifen, wie viel Geld man als „Cosmopolitan”-Leserin denn so im Durchschnitt monatlich überhaupt zur Verfügung hat – und ob das Nichtlesen der „Cosmopolitan” nicht überhaupt ein ausgezeichneter Spartipp wäre.