In den NachrichtenNerdkrams
Liegengebliebenes vom 22. Oktober 2020

Schritt 1: Eine gute Software schrei­ben, die für Privatanwender eben­so nütz­lich ist wie für Unternehmen.
Schritt 2: Diese Software unter eine per­mis­si­ve Lizenz stel­len, weil man das ethisch total super fin­det.
Schritt 3: Nicht Twitter unter gro­ßem Beifall - über 3.000 Gefälltmirs - bejam­mern, dass ein grö­ße­res Unternehmen sich an die per­mis­si­ve Lizenz hält und man selbst dann gar nichts davon hat.

Da ich selbst meist die MIT-0-Lizenz oder ver­gleich­ba­re Nichtlizenzen ein­set­ze, weil es mir voll­kom­men egal ist, ob jemand mei­nen Code teu­er ver­scher­belt, bin ich ver­mut­lich ein unge­eig­ne­ter Ratgeber in die­ser Angelegenheit, aber es gäbe durch­aus Alternativen. Die sind dann nur schlecht für die Ethik.


Aus dem Recht auf Vergessen wird dem­nächst die Pflicht zu ver­ges­sen: Google, aus mir unbe­kann­tem Grund die wei­ter­hin meist­ge­nutz­te Suchmaschine, wirft ohne tech­ni­sche Notwendigkeit vor­aus­sicht­lich kom­men­den März die Desktopversionen von Websites aus dem Index, falls die­se auch in einer mobi­len Variante mit - war­um auch immer - ande­rem Inhalt vor­lie­gen. Ich bin ja mit einem Web auf­ge­wach­sen, des­sen Produzenten dar­auf hin­wie­sen, dass ihre jewei­li­ge Website am besten mit einem bestimm­ten Browser besucht wer­den sol­le. Da bekommt man direkt nost­al­gi­sche Gefühle.

Hoffentlich bringt bald jemand eine Suchmaschine ohne Googlebasis raus.

Nachtrag: Man wies mich per Kommentar auf ein inhalt­li­ches Missverständnis hin, oben ste­hen­der Kommentar wur­de inso­fern geändert.


Ein unge­wöhn­li­cher Neuzugang in der sowie­so schon prall gefüll­ten Reihe der links­li­be­ra­len Parteien: Die F.D.P.

Aber wen wählt man jetzt eigent­lich als kern­li­be­ral ein­ge­stell­ter Wähler?


Ein Mitgründer der Wikipedia stellt fest, dass das Neutralitätsgebot in der ehe­ma­li­gen Enzyklopädie nicht mehr gilt, was sich in der eng­lisch­spra­chi­gen Wikipedia unter ande­rem in Artikeln über US-Präsidenten zei­ge. Als jemand, des­sen frü­he­re Arbeit zugun­sten des Neutralitätsgebots in der deutsch­spra­chi­gen Wikipedia schon mal die „EMMA“ zu einer Kampagne ver­lei­tet hat, ent­hal­te ich mich eines wei­te­ren Kommentars.


In weni­gen Tagen wird die Dichte an irgend­wie christ­li­chen Vereinen an beleb­ten Einkaufsstraßen wie­der zuneh­men, denn noch immer scheint irr­tüm­lich davon aus­ge­gan­gen zu wer­den, dass Menschen wäh­rend ihrer Weihnachtseinkäufe mehr Geld haben als sonst. Ich fin­de es selt­sam, dass Arme anschei­nend nur im Winter Solidarität aus­lö­sen; sind die im Sommer nicht arm?

Das besag­te Geld jeden­falls emp­feh­le ich sinn­vol­ler anzu­le­gen: Italienisches Erzbistum ver­zockt 616.000 Euro.


Ich wie­der­ho­le mich ungern: Ich habe jetzt einen Punkt erreicht, an dem ich mich von jedem SPD-Wähler durch sei­ne Wahlentscheidung per­sön­lich belei­digt fühle.

In den NachrichtenWirtschaft
Berlin vene­zue­lern! (3)

Habe mich geirrt:

Demnächst hat Klein-Venezuela (…) immer noch teu­re Wohnungen und kein Geld[.]

Wohnungen hat Berlin jetzt auch nicht mehr.

Allerdings ist das Gesamtangebot der zur Verfügung ste­hen­den Mietwohnungen um 41,5 Prozent zurückgegangen.

Überraschend stellt sich her­aus, dass Verkaufen in Berlin inzwi­schen viel weni­ger nach­tei­lig ist als Vermieten, weil Berlin Vermieter gern dafür bestraft, eine Wohnung anzu­bie­ten. Dieses Rot-Rot-Grün auf Bundesebene, von dem alle reden: Wo genau zieht man danach eigent­lich hin?


Na, noch Freunde? „ZEIT ONLINE“ hilft gern!

In den NachrichtenPolitik
Haltet das Opfer!

Die Politik

Radfahrerin mit Kind (2) in Hellersdorf von Lkw erfasst – schwer verletzt!

soll­te wirk­lich mal

In Karlshorst hat ein Lastwagen eine Radfahrerin erfasst. Das 30 Jahre alte Unfallopfer wur­de schwer verletzt.

etwas gegen die­se

LKW über­rollt Radfahrerin in Bernöwe bei Oranienburg

ver­damm­ten Fahrräder

Der Fahrer des Jeeps erfass­te den Radfahrer, der in der­sel­ben Richtung unter­wegs war, nach einem Überholmanöver beim Wiedereinscheren.

in Berlin und Brandenburg

Beim Abbiegen über­rollt ein Lkw-Fahrer an der Alexanderstraße eine 37-jäh­ri­ge Radlerin.

unter­neh­men!

Angesichts einer hohen Zahl von Unfällen und auch Fahrerfluchten denkt Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik über eine Kennzeichnungspflicht für Fahrräder nach.

:facepalm:

In den NachrichtenPolitik
Si vis pacem, para bel­lum. (12)

Gute Nachrichten, Krieg bringt bald weni­ger Menschen um!

Werden Kriege etwa end­lich enden? Nein, nur digi­ta­li­siert:

Die Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD, A.d.V.) ist zwar noch kei­ne fünf Monate im Amt, hat sich aber im Grunde vom ersten Tag an mit der hoch­um­strit­te­nen Frage befas­sen müs­sen, ob Deutschland eine bewaff­ne­te Drohne braucht. (…) „Ich bin nach inten­si­ver Beratung, Information und Diskussion zu dem Ergebnis gekom­men, dass die Einsätze siche­rer wer­den für die Soldaten, weil die Drohnen fle­xi­ble­re Möglichkeiten bie­ten, auf Bedrohungen zu antworten.“

Wenn man zum Umbringen selbst­ge­mach­ter Feinde künf­tig also nur noch einen Knopfdruck braucht, womit man das Leben von Arschlöchern, die frei­wil­lig für den Krieg bezahlt wer­den, siche­rer macht: Wofür genau bezahlt man dann noch so vie­le Arschlöcher?

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeswehr abge­schafft gehört.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: B R I Q U E V I L L E - Quelle

Briqueville - QuelleLange nichts mehr über Musik geschrie­ben. Wie ist die Aktenlage?

Nun, unge­fähr so: Seit das bel­gi­sche Quintett B R I Q U E V I L L E - die Leerzeichen gehö­ren zum Namen - mit ihrem zwei­ten Album „II“ (2017) ange­fan­gen hat, ihren bis dahin durch­num­me­rier­ten Stücken das Wort „Akte“ vor­an­zu­stel­len, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch ein Stück namens „Akte X“ erschei­nen wür­de. B R I Q U E V I L L E - die Leerzeichen gehö­ren zum Namen - haben das auf ihrem drit­ten Album „Quelle“ (Amazon.de, Bandcamp) end­lich geschafft, die Zahlen gehen von „Akte VIII“ bis „Akte XV“.

Der Name ist trotz des Zufalls - Akte X (die Serie) heißt auf Belgisch gar nicht Akte X - gut gewählt, denn das 14:32 Minuten lan­ge Stück, das deut­lich läng­ste auf „Quelle“, wird von einer düste­ren Atmosphäre getra­gen. B R I Q U E V I L L E - die Leerzeichen gehö­ren zum Namen - kön­nen hier so aus­schwei­fend wie an kei­ner ande­ren Stelle auf „Quelle“ einen Kontrast zwi­schen bra­chia­len Metalriffs und bedroh­lich bro­deln­dem Doom-Irgendwas auf­bau­en, der schon in „Akte XI“ wie­der gänz­lich den Gitarren weicht. „Akte XII“ spinnt die­se Metalriffs um eine Art ori­en­ta­li­sche Grundmelodie. Das Internet ver­sucht die­ses Album als Post-Metal zu kate­go­ri­sie­ren, aber das wäre zu ein­fach, das haben Genres nun mal so an sich.

B R I Q U E V I L L E - die Leerzeichen gehö­ren zum Namen - haben in dem an inter­es­san­ten Alben nicht armen Jahr 2020 (so eine Pandemie scheint doch Vorteile zu haben) ihrem Anspruch, ein „instru­men­ta­les Mantra“ aus „gru­se­li­gen Gitarren“ (Quelle: B R I Q U E V I L L E - die Leerzeichen gehö­ren zum Namen) zu erzeu­gen, so viel sei gesagt, mehr als bloß Genüge getan.

Wieder so eine Gruppe, die ich im Auge behal­ten soll­te. So lang­sam wird es voll in mei­nen Augen.

In den Nachrichten
Kurz ange­merkt zur Köpfung eines Lehrers

Der Meldung, dass sich Franzosen zum Gedenken an den neu­lich umge­brach­ten Pädagogen ver­sam­melt haben, ent­neh­men zu vie­le Menschen das schö­ne Zeichen, dass die Gesellschaft sich mehr­heit­lich - wenn auch nicht in Gänze - gegen die Auffassung stellt, dass reli­giö­se Gefühle eines Idioten kör­per­li­che Gewalt gegen den ver­meint­li­chen Aggressor recht­fer­ti­gen, und zu weni­ge die Meldung, dass es in Paris bereits einen „zen­tra­len Ort der Anteilnahme nach Terroranschlägen“ gibt, als sei die­se Anteilnahme längst Teil der fran­zö­si­schen Kultur gewor­den und kei­ner beson­de­ren Rede mehr wert.

In den NachrichtenMontagsmusikNetzfundstücke
Boston Manor - Monolith // Heh heh, „bone“!

Ich hab Rücken!Es ist Montag. In Frankreich wur­de jemand in einem Angriff mit einem Messer ent­rübt, weil er Karikaturen her­um­ge­zeigt hat, die einem nun toten Idioten miss­fal­len haben. Eigentlich wür­de ich an die­ser Stelle anmer­ken, dass eine Welt ohne Religion eine fried­li­che­re wäre, aber Frankreich ist nun nicht für sei­ne Nähe zu einer Kirche bekannt und trotz­dem nicht gera­de ein fried­li­ches Land. Gibt es eigent­lich eine Pandabärenkirche? Ich fra­ge für einen Beitritt.

In den Vereinigten Staaten wer­den Journalisten inzwi­schen dafür bestraft, Unschönes über einen Herausforderer des amtie­ren­den Präsidenten ver­öf­fent­licht zu haben. Gleichzeitig wird die Wiederwahlkampagne des­sel­ben Präsidenten medi­al als die größ­te Bedrohung für die Demokratie seit dem Zweiten Weltkrieg bezeich­net. Die abwer­ten­de Bewertung der dor­ti­gen Presse sei­tens besag­ten Präsidenten mag etwas zu ver­all­ge­mei­nernd gehal­ten sein, aber sie in Gänze als fake news zu beur­tei­len erscheint mir nicht ange­bracht. - Wenigstens die Techniknachrichten von drü­ben sind noch lesens­wert: Ein Teslabesitzer hat aus Versehen über vier­tau­send US-Dollar mit sei­nem Po aus­ge­ge­ben. Dieses auto­no­me Fahren ist, wenn­gleich gefähr­lich für den Straßenverkehr, zumin­dest eine reich­hal­ti­ge Quelle für Amusement.

Kennt ihr eigent­lich Beavis und Butt-Head? In die­sem Fall könn­te die­se Nachricht noch eine Bonuspointe erhal­ten: Vulgaritätswächter lässt Paläontologen nicht „bone“ schrei­ben. Man füge hier ange­mes­se­ne Lachgeräusche ein. Von sol­chen Besonderheiten in den Tücken der Technik abge­se­hen gilt (nach Blick in die Techniknachrichten) mehr denn je die Regel: Wer immer noch Electronanwendungen ein­setzt, ist selbst schuld.

Neues aus der Wirtschaft: Das grün regier­te Hannover schließt pünkt­lich zum Wetterwechsel eine Obdachlosenunterkunft. Draußen kön­nen sie auch viel bes­ser Abstand hal­ten. Das habe, heißt es, vor allem finan­zi­el­le Gründe, denn zum Weiterbetrieb sei­en kei­ne Mittel mehr übrig. Ich ver­mu­te, das Geld wird für die Bewerbung als Kulturhauptstadt 2025 gebraucht.

Wer es sich lei­sten kann, der kommt jeden­falls gut über den Winter mit: Musik.

Boston Manor „Monolith“

Guten Morgen.

In den NachrichtenWirtschaft
Aus Tradition Wohlstandskind

Im zwei­ten Jahrhundert vor Beginn der hier­zu­lan­de zur­zeit gül­ti­gen Zeitrechnung leb­ten und wirk­ten Gaius und Tiberius Gracchus, Söhne römi­schen Adels, die ver­geb­lich ver­such­ten, das ein­fa­che­re Volk - die dama­li­ge Arbeiterklasse - an den öffent­li­chen Gütern teil­ha­ben zu las­sen. An dem übli­chen set­ting des mild­tä­ti­gen Reichen, der die Armen beglückt, hat sich seit­dem eigent­lich nur geän­dert, dass die­ser Reiche nicht nur nicht irgend­wann erschla­gen wird, son­dern auch nach sei­nem Tod noch als mora­li­sche Instanz gel­ten darf.

Der heu­te bekann­te­ste Vertreter die­ser Gruppe scheint der Anwaltssohn Karl Marx zu sein, über des­sen (in lin­ken Kreisen ohne­hin nicht unge­wöhn­li­chen) Antisemitismus man­cher gern hin­weg­sieht, denn er führ­te nicht den Krieg, son­dern die Verteilung von Finanzen im Mund. Wer hat schon etwas dage­gen, nicht mehr zu den Armen zu gehö­ren? Krieg war den Seinen ande­rer­seits in der Realpolitik auch sel­ten gänz­lich zuwi­der, stimm­te doch sogar die sich noch vier­zig Jahre spä­ter vor­geb­lich weit­ge­hend an den Lehren Karl Marx‘ ori­en­tie­ren­de SPD aus hei­mat­ver­bun­de­nen Gründen mehr­fach mit gro­ßer Mehrheit für eine Finanzierung der deut­schen Teilnahme am Ersten Weltkrieg, was sie trotz der Beliebtheit der sich abspal­ten­den USPD (spä­ter: KPD) um Hugo Haase nicht grund­le­gend über­den­ken wollte.

Welche Arbeiterklasse davon pro­fi­tie­ren soll­te, scheint unklar, aber für mög­li­che sozia­le Reformen nahm man schon damals not­falls auch Tod und Elend in Kauf, was sich bis zur Wahl der sozia­len Reformer um Gerhard Schröder kaum nega­tiv auf die Wahlergebnisse der SPD aus­ge­wirkt hat. Ob die Installation von Hartz IV unter Führung der ehe­ma­li­gen Marxisten ihren Angriff auf den Kosovo wie­der gut­ma­chen konn­te, ist indes fast eben­so umstrit­ten wie die Frage, ob der letz­ten Endes ver­lo­re­ne Erste Weltkrieg es wirk­lich wert war, anschlie­ßend in einer zer­ris­se­nen Gesellschaft auf dem Weg in den Zweiten zu leben.

Dass auf Marx und Haase in der Politik gera­de mal 102 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs die Neogracchisten der Grünen Jugend fol­gen soll­ten, die mit hohen BAföG-Schulden - muss man ja erst spä­ter zurück­zah­len und zählt des­we­gen nicht - iro­nisch teu­re Hardware kau­fen, um sich unter Zuhilfenahme der­sel­ben über den ver­damm­ten Kapitalismus auf­zu­re­gen, belegt, dass die Warnung vor der sich wie­der­ho­len­den Geschichte kei­ne poli­ti­sche Richtung kennt. Leider spie­gelt die Kombination aus nied­ri­gem Alter, finan­zi­el­len Reserven unkla­ren Ursprungs und teu­rem Besitz die gewünsch­te und/oder tat­säch­li­che Lebenswirklichkeit vie­ler Jungwähler aus der Mittelschicht wider, so dass man von ihnen dafür nicht aus­ge­buht, son­dern gewählt wird. Ich ahne, war­um man das Wahlalter sen­ken möchte.

Entsprechend wird mit Luisa Neubauer (zwei Stipendien, kaum Geldsorgen), die die bekann­te­ste deut­sche Sprecherin von „Fridays for Future“ ist, auch in umwelt­po­li­ti­schen Themen ein Mitglied der Grünen für eine geeig­ne­te Vertreterin der Jugend gehal­ten, als bestün­de die größ­te Sorge der Jugend dar­in, ihren künf­ti­gen Wohlstand auf der Erde genie­ßen zu kön­nen. Arbeits- oder gar Obdachlose kom­men in die­ser Welt offi­zi­ell gar nicht mehr vor. Sie lei­den mit den Armen, lei­hen ihnen aber nicht ihre Brieftasche, son­dern ihren geöl­ten Sprachapparat; was sie mora­lisch im Übrigen mit der Kirche ver­gleich­bar macht, die sich seit 1933 ihre gedro­sche­nen Phrasen end­lich auch steu­er­lich ver­gü­ten las­sen kann. Die Heimatliebe war es den Herrschenden alle­mal wert, ihren Untergebenen eine finanz­star­ke Religion auf­zu­drücken. Daran, zuge­ge­ben, war die SPD aus­nahms­wei­se mal unschuldig.

In der­sel­ben Lebenswirklichkeit der ver­meint­li­chen typi­schen Jugend treibt sich schließ­lich auch der Westdeutsche Rundfunk her­um, der heu­te dumm twit­ter­te:

Wächst eine „Generation Corona“ her­an? Das befürch­ten Experten. Sie sehen lang­fri­sti­ge Folgen für eine Generation mit ver­pass­ten Gelegenheiten: Keine aus­gie­bi­gen Reisen, kein Auslandsjahr, kein Nachtleben und ein schwie­ri­ger Studien- oder Berufseinstieg.

Zu mei­ner Zeit und in der Lebenswirklichkeit mei­ner Generation, womög­lich auch bedingt durch die Herkunft (rei­che Eltern waren damals noch nicht üblich), war nichts davon bemer­kens­wert: Für Reisen abseits von Ost- und Nordsee oder gar Auslandsjahre haben die Geldreserven kaum gereicht, ein Nachtleben fand im wei­te­ren Umkreis des Wohnorts schlicht nicht statt und der Studien- oder Berufseinstieg bedeu­te­te Opfer, denn Arbeiterfamilien zähl­ten auch damals noch nicht zur Gruppe derer, denen dank guter Vernetzung und hohen Kontostandes alle Türen offen­stan­den. Anscheinend blü­hen ähn­li­che Schwierigkeiten jetzt wegen Corona auch der Zeit- und Geldelite.

Ganz schön unfair von Corona.

In den NachrichtenNerdkrams
Wer hat uns gefiltert?

SPD:

Uploadfilter müs­sen ver­hin­dert werden.

Auch SPD:

Bis Sommer 2021 muss Deutschland die Richtlinie umset­zen, jetzt ver­öf­fent­lich­te Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) ihren Referentenentwurf, der noch nicht in der Bundesregierung abge­stimmt ist. Darin sind Uploadfilter vorgesehen.

Dass ich per­sön­lich den in sozia­len Medien geäu­ßer­ten Gewaltfantasien gegen man­che Gruppen nichts abge­win­nen kann, habe ich schon mal ange­deu­tet; aber war­um SPD-Wähler nicht viel öfter ver­mö­belt wer­den und/oder Hausverbot bekom­men, ist mir auch wei­ter­hin nicht klar.

In den Nachrichten
Die neu­en Leekwords sind da! (2020-Edition)

„NZZ“:

Der Pons-Verlag hat am Donnerstag in Stuttgart das Jugendwort des Jahres bekannt­ge­ben: «Lost». Das eng­li­sche Wort wer­de heut­zu­ta­ge in der deut­schen Jugendsprache in ver­schie­de­nen Situationen genutzt, schreibt der Verlag. Eine Person, die «lost» sei, sei «ahnungs­los, ver­lo­ren oder hat ein­fach kei­nen Plan, was eigent­lich gera­de abgeht».

Die eigent­li­che Meldung dahin­ter scheint zu sein, dass Jugendliche eng­li­sche Begriffe end­lich so benut­zen, wie sie gemeint sind, statt zwei Sprachen gleich­zei­tig zu miss­han­deln; aber wenn sie einen davon beson­ders gern benut­zen, war­um nicht? Verloren aber hat aus­ge­rech­net „crin­ge“ („etwas Peinliches (…), das man bei sich oder ande­ren beob­ach­tet“), obwohl das auf der Metaebene auch ganz pas­send gewe­sen wäre:

Wie der Pons-Verlag schreibt, passt das dies­jäh­ri­ge Jugendwort ganz gut in die aktu­el­le Situation mit dem Coronavirus. «Womöglich sind wir durch Corona so ‹lost›, wie noch nie zuvor.»

Womöglich ist die Wahl des Jugendworts in die­sem Jahr so „crin­ge“ wie sonst nur wenig.

Unklar ist mir aber die­se Nuance:

Jugendliche sagen «Wyld» oder «Wild», wenn sie etwas Krasses und Besonderes umschrei­ben wollen.

Wann benut­zen sie beim Sprechen wel­che Schreibweise und wie unter­schei­det man die phonetisch?

Einen posi­ti­ven Aspekt kann ich dem voting trotz­dem noch abge­win­nen: Nachdem 2018 manch tür­ki­scher Begriff zur Auswahl stand und in die­sem Jahr wie­der das Englische domi­nier­te, wer­den die kom­men­den Jahre viel­leicht doch noch interessant.

Warum nicht mal Japanisch?

Netzfundstücke
Statistisch bin ich super.

WDR, auto­ero­tisch erfah­ren, über den WDR:

Nur noch ein Drittel der Deutschen glaubt den Nachrichten kein Wort.

Ach nein, falsch:

Insgesamt hal­ten zwei Drittel die Informationen in deut­schen Medien für glaub­wür­dig - so vie­le wie noch nie. (…) Das ist das Ergebnis einer reprä­sen­ta­ti­ven Studie von Infratest dimap im Auftrag des WDR.

Eine reprä­sen­ta­ti­ve Studie von mir im Auftrag von mir beschei­nigt mir selbst eine Glaubwürdigkeit von annä­hernd acht­zig Prozent. Dem Zweitplatzierten inso­fern mei­nen mit­lei­di­gen Glückwunsch.

(Welche Nachricht der letz­ten fünf Jahre war eigent­lich wirk­lich ken­nens­wert?)