Sonstiges
Worüber man halt so redet.

Ein Blick in die Schweiz offen­bar­te mir heu­te eine selt­sa­me Mitteilung:

Dass sich in der Schweiz nur so weni­ge LGBTQI+-Menschen am Arbeitsplatz outen wol­len, kann Jan Müller (23) ver­ste­hen. Denn es gebe Bereiche und Arbeitskulturen, die ein Outing schwie­rig und unan­ge­nehm machen.

Mir feh­len genü­gend Anhaltspunkte, um sicher anneh­men zu kön­nen, bei wel­chem Unternehmen und als was Jan Müller (23, Schweiz) arbei­tet, jedoch ken­ne ich eigent­lich nur eine Branche, in der die sexu­el­len Vorlieben unmit­tel­bar mit dem Beruf zu tun haben. ‘Worüber man halt so redet.’ weiterlesen »

NerdkramsNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 29. Juli 2021

Schon vor meh­re­ren Jahrzehnten gab es den Chatbot Eliza und des­sen betrun­ke­ne Variante, der heu­te als erste erfolg­rei­che digi­ta­le Simulation mensch­li­cher Konversation gilt. Man soll­te mei­nen, die „künst­li­che“ „Intelligenz“ habe sich seit­dem wei­ter­ent­wickelt. Leider gibt es IBM: „Chatbot soll Impfskeptiker über­zeu­gen“ - wäre ein Podcast nicht sinnvoller?


Zum Thema und völ­lig kor­rekt: Wenn ich mir etwas bei­brin­gen möch­te, gibt es unzäh­li­ge Darreichungsformen des Lehrmaterials; eini­ge davon sind bes­ser geeig­net als ande­re. Ganz oben steht Text (gern auf einer Website oder auf Papier), an vor­letz­ter Stelle Sprühfarbe auf einer Kuh. Erst, wenn auch die nicht mehr in Frage kommt, den­ke ich dar­über nach, mir die Informationen per Video (oder, noch schlim­mer, per Podcast) lei­ernd vor­le­sen zu lassen.

Mir ist unklar, was die­se Verrücktheit nach spre­chen­den Köpfen soll. Vielleicht soll das eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Leute sein, die Mediendesign oder son­sti­ge Professionen ohne prak­ti­schen Mehrwert „stu­diert“ haben und die man nicht dem Sozialsystem anver­trau­en möch­te. Wenn hier jeden­falls Menschen mit­le­sen, die ihr Geld damit ver­die­nen, ande­ren Leuten Dinge bei­zu­brin­gen: Schreibt’s gefäl­ligst auf!


Die katho­li­sche Kirche gibt bekannt: Ein Stück trocke­ner Teig kön­ne aus­schließ­lich dann als Teil eines toten Wanderpredigers ange­se­hen wer­den, wenn es vor­her ein Pfarrer ange­fasst hat. Die Verabreichung per Onlinekonferenz sei nicht hei­lig.


Kommunist pro Umverteilung des Tages: Christian Lindner (FDP).


Fefe und Elias schla­gen uni­so­no vor, die Sicherheit von EDV-Systemen nicht etwa dadurch, dass man „Angreifer“ stär­ker ver­folgt und här­ter bestraft, zu erhö­hen, son­dern, indem man die­je­ni­gen, die die­se EDV-Systeme ent­wor­fen und/oder umge­setzt haben, dafür in die Pflicht nimmt, nicht gepfuscht, son­dern ihre Arbeit gut gemacht zu haben. Fehlerbehaftete Systeme, also sol­che, die einen Angriff über­haupt zulas­sen, sind Systeme, bei denen nur noch Abreißen und Neumachen hilft. Ich habe schon Gründe, war­um ich Soft- und Hardware aus den 1970er Jahren sehr schät­ze: Man hat damals noch nicht ver­sucht, die Entwicklung per Inkaufnahme neu­er Angriffsvektoren zu erleich­tern. Es gibt Menschen, die das beruf­lich machen. Es muss nicht jeder pro­gram­mie­ren können.

In den Nachrichten
K-Wort a-Wort z-Wort N-Wort

Hihi, B-Wort hat das N-Wort gesagt und völ­lig zu Recht ver­langt der wüten­de Mob mit geteer­ten und gefe­der­ten bren­nen­den Fackeln und Mistgabeln jetzt unter­wür­fi­ge Buße, nach­dem er eilends drü­ber­ge­piept hat, womit er immer­hin eine gewis­se Standfestigkeit in der puri­ta­ni­schen Tradition der ekli­gen Vereinigten Staaten unter Beweis gestellt hat, der zufol­ge man im Fernsehen und in der Öffentlichkeit eigent­lich jeder­zeit bis hin zur Holocaustleugnung unge­fähr alles sagen, tun und sonst­wie kund­tun darf, so lan­ge kein derb for­mu­lier­ter Beischlaf in der Rede vor­kommt, denn dann wird inzwi­schen nicht nur das Wort, son­dern auch die Darstellung des Sprechakts ver­pi­xelt und aste­ris­ki­siert, denn Elfjährige, die drei­fa­che Mütter sind und sich Heroin rein­pfei­fen, sind zwar bedau­er­lich, aber man will ja nicht, dass sie schlim­me Wörter dabei sagen, wor­un­ter (um zum B-Wort zurück­zu­kom­men) in der Geschmack(losigkeit)srichtung der vor­ran­gig deutsch­spra­chi­gen Länder eben auch des­halb, weil die west­eu­ro­päi­schen Neopuritaner der Ansicht sind, die US-ame­ri­ka­ni­sche „Kultur“ sei in Gänze - so spre­chen sie etwa uniro­nisch von „BIPoC“, also „Black, Indigenous, People of Color“ als den auch in Deutschland beson­ders zu schüt­zen­den Minderheiten, bemer­ken aber natür­lich nicht, dass die indi­ge­nen Menschen („mein­ten Sie: Einheimische?“) in Deutschland doch eher hel­le Haut und kei­nen ulki­gen Federkopfschmuck haben und im Wesentlichen die­je­ni­gen sind, die sie selbst als Gegner aus­ge­sucht haben - auch im Inland anzu­wen­den, inzwi­schen aller­lei fällt; und völ­lig ver­ges­sen scheint die noch vor weni­gen Jahren wit­zig geführ­te Diskussion dar­über, ob übli­che Umgangssprache nicht drin­gend ent­a­b­lei­siert wer­den müss­te, denn das Wort „N-Wort“ ent­hält nicht nur den „Ort“ und dis­kri­mi­niert damit Menschen mit schwe­ren kör­per­li­chen Beeinträchtigungen, son­dern begreift Lesekompetenz dar­über hin­aus als den Normalfall, was für Analphabeten (die, was viel­leicht das Problem ist, auf­grund ihrer zahl­rei­chen Hautfarben mög­li­cher­wei­se schlicht über­se­hen wer­den) natür­lich ein Schlag ins Gesicht sein muss und die Forderung gera­de­zu auf­nö­tigt, die Verwender des Wortes „N-Wort“ mal in ein Seminar in einer belie­bi­gen Berliner Hochschule zu stecken, damit sie end­lich mal sen­si­bel sind.


Gute Nachrichten in der Online-„FAZ“ (will nicht ver­linkt wer­den, LSR):

Der „Beitragsservice“ von ARD, ZDF und Deutschlandradio teilt mit, dass Flutopfern unter Umständen der Rundfunkbeitrag erlas­sen wird.

Ja, genau das wäre auch mei­ne erste Sorge. (Können wir den Laden nicht ein­fach privatisieren?)

In den NachrichtenMontagsmusik
Misty Range - 19:23:00 // Alärmchen!

Bald, bald!Es ist Montag. Och nö! Notfallpanda? Ist hier irgend­wo ein Notfallpanda?

Apropos „och nö“: Die Enteigner deut­schen Wohnens (oder so) stel­len sich völ­lig über­ra­schend als über­ge­setz­li­che Inquisitoren her­aus. Ist das links? Kann das weg? - Hinter einem ande­ren Links Link fand ich eine hin­rei­chend gut illu­strier­te Erklärung, war­um das Domain Name System in der bestehen­den Form mög­li­cher­wei­se drin­gend einer Überarbeitung bedarf. Wir haben ein Internet, das für Reklamekasper vor­teil­haft und für deren Opfer kom­pli­ziert zu ver­ste­hen ist. So war das nicht gedacht.

Die isher schön­ste mir begeg­ne­te Hochwasserüberschrift, wenn auch im Kontext sinn­voll: Alarmsirenen sei­en nicht aus­ge­löst wor­den, um Panik zu ver­mei­den. Die Aufgabe von Alarmsirenen ver­ste­he ich nur schein­bar nicht.

Als Norweger wird man bestraft, wenn man beim Handballspielen nicht sexy genug geklei­det ist. Norweger zu sein wäre ein ganz schön teu­er für mich.

Andererseits: In Norwegen gibt’s gute Musik.

Guten Morgen.

NetzfundstückePolitik
Plakat: non placat.

Man möcht‘ ja fast nicht raus­ge­hen in Niedersachsen, die Wahlen im September flie­gen tief.

Andreas CDU

Das Plakat zeigt dreierlei:

  • Das Gesicht eines Herrn von der CDU.
  • Den Namen eines Herrn von der CDU.
  • Die Aufforderung, den Herrn von der CDU mit dem Namen und dem Gesicht zu wählen.

Es erfährt der Betrachtenmüssende nicht:

  • Qualifikation des Herrn von der CDU.
  • Politische Ziele des Herrn von der CDU.
  • Überhaupt irgend­was über die CDU.

Hier, mein Name.
Hier, mei­ne Fresse.
Wählen Sie’s.

Das reicht - mit Stand von letz­tem Freitag - für einen Wahlsieg und die CDU weiß das. Es ist 2021 und die Namen irgend­wel­cher Kommunalkasper sind aus­rei­chend viel Wahlprogramm.

Bzw.:

Politik ist böse,
aber ding ding
ding ding ding ding
ding ding ding ding
ding ding ding ding
ding ding ding ding

Neulich sah ich auf Twitter ein Mem (für CDU-Wähler: das sind so Witzbildchen, deren Produktion unbe­dingt ver­bo­ten wer­den muss), über das ich unge­fähr vier­ein­halb Stunden lang schal­lend gelacht habe und das unge­fähr so aussieht:

Ich Kranich Meer meine Kraft ist am Ente Tröte mich Quitte

Ich wünsch­te, es gäbe kei­ne gute Überleitung zwi­schen dem Plakat und dem Mem.

In den Nachrichten
Ægir eska­liert, JHWH räumt auf.

Die „FAZ“ - will nicht ver­linkt wer­den (LSR) - ließ „Korrespondent/in“ (ebd.) Jonas Jansen mit einem Baggerfahrer spre­chen, der anläss­lich der Wassersache neu­lich dazu bei­getra­gen habe, dass nicht noch mehr Schaden ent­stan­den sei als ohne­hin. Dieser aber wies jede Verantwortung von sich:

Wissen Sie, ich bin ein gläu­bi­ger Mensch. Ich habe mich zwei Mal geseg­net als ich run­ter gefah­ren bin. ‚Du Herr, musst wis­sen, was pas­siert‚, habe ich gesagt. Und ich hat­te kei­ne Sekunde Angst.

(Kreative Zeichensetzung aus dem Original.)

Wenn er, der Herr, jetzt aber (und immer­hin erwie­se­ner­ma­ßen) beschlos­sen hat­te, dass eine grö­ße­re Überschwemmung mit Todesfolge genau das sei, was die­ser Planet gera­de brau­chen kön­ne: wes­sen Werk tut dann eigent­lich der, der sie mildert?

In den NachrichtenMontagsmusik
Weston Super Maim - 180-Degree Murder // Bürgerlos in den Wahlkampf schwimmen

Nachrichten lesen vor dem ersten Kaffee. Großer Fehler.

Es ist Montag. Irgendwo ist irgend­wer ertrun­ken und nie­mand trägt dar­an die Schuld. An den Straßen hän­gen die ersten dum­men Gesichter von dum­men Kandidaten für dum­me Ämter, sel­ten flan­kiert von irgend­ei­nem Anhaltspunkt, was die pro­gram­ma­ti­sche Ausrichtung angeht, als wähl­te der Wähler Menschen wegen ihrer tol­len Photoshopkünste und nicht wegen ihrer über­zeu­gen­den Argumente. Von mir hängt die­ses Jahr auch eins. Da ist weder Gesicht noch Name drauf. Nimm dies, Erwartungshaltung! Dennoch gilt auch dies­mal: Einen Politiker, der mir einen Pandabären ver­spricht, wür­de ich viel­leicht bei­na­he wäh­len wollen.

Armin Laschet (CDU) und Frank-Walter Steineimer Steinmeier (SPD), der den unschul­di­gen Murat Kurnaz in einen US-ame­ri­ka­ni­schen Folterknast hat ent­füh­ren las­sen - bei­de, Laschet und Steineimer Steinmeier, wür­den gern dem­nächst mal wie­der wohin gewählt wer­den -, hiel­ten in Nordrhein-Westfalen einen Bürgerdialog ohne Bürger ab. Niemand soll hin­ter­her sagen, er habe von nichts gewusst. Olaf Scholz (eben­falls SPD), der am wenig­sten uner­träg­li­che der drei schreck­li­chen Kandidaten für das lächer­li­che Kanzleramt, hat „mehr als 300 Millionen Euro“ an Hilfsgeld ver­spro­chen, aber nicht dran­ge­schrie­ben, an wel­che Faxnummer man sich mit drei­fa­chem Antrag wen­den muss, um die abge­lehn­te Zahlung auch ord­nungs­ge­mäß bestä­tigt zu krie­gen. Die SPD freut sich, dass er so spen­da­bel ist (ist ja nicht sein Geld und auch kaum das ihre), und auch Fernsehkameras zeig­ten sich begei­stert. Tom Buhrow vom WDR bekommt über 400.000 Euro „Gehalt“. Die „Berliner Zeitung“ fin­det, es gebe kei­nen Grund für Neiddebatten dar­über. Da stim­me ich zu. Ich bin nicht nei­disch, ich bin so wütend, dafür fin­de ich nicht mal einen geeig­ne­ten Buchstabenersatz.

Zum Glück gibt es auch dafür Musik.

Guten Morgen.

Persönliches
Wer soll spä­ter die Pfleger pflegen?

Zu vor­ge­rück­ter und bier­se­li­ger Stunde über­rasch­te mich ein Chatfenster mit der Frage, wer mich denn spä­ter mal pfle­gen sol­le, denn immer­hin habe ich sowohl kei­ne Kinder als auch nicht vor, dar­an etwas zu ändern. Diese Frage hat mich über­rascht, denn der Fragesteller, selbst Elternteil, offen­bar­te damit in aller Deutlichkeit sein eige­nes Verständnis von den gesell­schaft­li­chen und wirt­schaft­li­chen Implikationen der Fortpflanzung. ‘Wer soll spä­ter die Pfleger pfle­gen?’ weiterlesen »

Netzfundstücke
Männlicher fah­ren mit Ford

Der Autohersteller Ford hat mit „Mach-Eau“ ein Parfüm ent­wickelt bzw. ent­wickeln las­sen, das in E-Fahrzeugen einen dezen­ten Benzingeruch ver­strö­men soll. (…) [L]aut Ford habe eine Umfrage des Unternehmens erge­ben, dass 70 % der Fahrer ange­ben, sie wür­den den Benzingeruch ver­mis­sen, soll­ten sie zu einem E-Auto wechseln.

(Quelle)

Brumm-brumm aller­seits!

Netzfundstücke
Liegengebliebenes vom 16. Juli 2021

Auf der Macquarieinsel wur­den zeit­wei­se bis zu 3.500 Pinguine pro Tag vom Menschen auf­grund ihres Öls gemeu­chelt. Warum genau soll aus­ge­rech­net die­se Art über­le­ben und nicht zum Beispiel jede andere?


In Nordrhein-Westfalen ereig­net sich gera­de ein Wasserreichtum. In sozia­len Medien wird spe­ku­liert, wor­an das wohl lie­gen möge (zum Beispiel am Klima, wobei vie­le miss­ver­ste­hen, dass „Klima“ gar kein eige­nes Phänomen ist, son­dern ledig­lich das Wetter über einen län­ge­ren Zeitpunkt zusam­men­fasst); nur weni­ge haben dabei aller­dings berück­sich­tigt, dass dabei nicht nur der Mensch eine Rolle spielt, son­dern auch ein über­ir­di­sches Phänomen: Der Mond.


Der aktu­el­le Stand der gesell­schaft­li­chen Betrachtung von Autismus (ob nun des recht bekann­ten Asperger-Syndroms oder ande­rer Autismen) ist kei­ner, der einen Betroffenen beson­ders fröh­lich stim­men soll­te. Aleksander Knauerhase, hin­rei­chend bekann­ter Autor und eben­falls Betroffener, hat in immer noch genutz­tem Lehrmaterial hier­zu die Formulierung „sozi­al gerich­te­ter Gesichtsausdruck“ aus­ge­gra­ben und fragt zu Recht, was das über­haupt sein sol­le und ob die­je­ni­gen, die einen „sozi­al gerich­te­ten Gesichtsausdruck“ (lies u.a.: „den Gegenüber beim Gespräch anstar­ren“) für wesent­lich hal­ten, nicht gut dar­an täten, die­se Erwartungen nicht bloß ver­nünf­tig zu for­mu­lie­ren, son­dern auch sinn­voll zu begrün­den oder andern­falls zu akzep­tie­ren, dass Dinge, die „man“ nun mal „so macht“, einen untaug­li­chen Konsens darstellen.

Als nicht unbe­dingt völ­lig neu­tra­ler, weil sowie­so mensch­lich­keits­kri­ti­scher Beobachter tei­le ich die geäu­ßer­te Ansicht und ins­be­son­de­re den Kernsatz: „Regeln sind künst­li­che Grenzen oder Erwartungen“; wes­sen Problem ist deren Durchsetzung und gehört es wirk­lich zu den Pflichten eines Anderen, die eige­nen künst­li­chen Erwartungen zu erfüllen?


Gute Frage: Warum kann man mit nicht mehr brand­ak­tu­el­len Browsern eigent­lich nicht mehr WordPress ohne grö­ße­re Verrenkungen als Blogsystem benutzen?

NerdkramsNetzfundstücke
Zoom (1995).

Jetzt weiß ich, was ich mit einer Zeitmaschine machen wür­de:

Eventually, there’s a good chan­ce that tele­pho­ne and TV will be digi­tal. Imagine tele-con­fe­ren­cing from your dorm room.

Mit dem­je­ni­gen ein ern­stes Gespräch über die nega­ti­ven Konsequenzen sol­chen Tuns ein Vierteljahrhundert spä­ter füh­ren - bevor es zu spät ist.

(Bzw.: „Dieses Meeting hät­te auch eine E-Mail sein kön­nen.“ - „Aber das wäre doch ohne Bild!“)

In den Nachrichten
„… von MEINEN Gebühren!“ (7)

Woher mag die­ser Satz stammen?

Die Eroberer wol­len, dass die Kolonisierten sie imi­tie­ren, ihre Gebräuche, Glaubenssätze und Gesetze annehmen.

Womöglich aus einer bemer­kens­wer­ten Dokumentation über die jahr­hun­der­te­lan­gen Schwertfechtereien, mit denen die inhalt­lich unter­le­ge­ne Kirche dem Westen schließ­lich den Glauben an einen unsicht­ba­ren Metaphysischen ein­ge­prü­gelt hat, bis der Westen schließ­lich bereit war, ihn als sei­ne „eige­ne Tradition“ zu begrei­fen? (Wie fried­lich die­se Welt wohl wäre, fän­de der Westen zu sei­nem natür­li­chen Glauben an ein Pantheon zurück?)

Mitnichten, es bril­liert statt­des­sen die Grundversorgung:

Mit „Asterix“ wur­de der Kampf um Dekolonisation, der 1961 süd­lich des Mittelmeers tob­te, zu einer rein inner­eu­ro­päi­schen Angelegenheit: Hier kämp­fen „Weiße“ gegen „Weiße“. In die­se eth­no­zen­tri­sche Logik passt, dass die Darstellung afri­ka­ni­scher Menschen sich groß­zü­gig aus dem Fundus ras­si­sti­scher Stereotype bedient.

Lange nichts mehr gecan­celt in der Comicwelt, jetzt geht es Asterix an den Helm. Dass dabei unver­blümt her­umspe­ku­liert wird, passt zum Thema:

Vor allem aber erlaubt es die „Asterix“-Reihe euro­päi­schen Lesern, sich selbst mit den Opfern einer Kolonialgeschichte zu iden­ti­fi­zie­ren, bei der sie eigent­lich auf der Täterseite waren. Über den Appeal die­ses Rollenwechsels lässt sich nur spekulieren.

Was man eben so in einer gesell­schafts­um­la­ge­fi­nan­zier­ten Publikation an jour­na­li­sti­schen Standards erwar­tet: Mitmensch Rechercheur sieht ein ver­meint­li­ches Problem, wüss­te aber nicht, war­um es über­haupt exi­stie­ren soll­te, und ver­liert sich in Floskeln, die in eine bestimm­te Richtung schub­sen sol­len. Dass die Leser - jeden­falls die euro­päi­schen (sind ja alle die­sel­ben, ist alles ein Haufen, Sack zu, Knüppel drauf; divers sind immer nur die ande­ren) - alle­samt, auch mich hier­bei offen­sicht­lich mit­ge­meint, auf „der Täterseite waren“, obwohl die mei­sten von ihnen Afrika bis­her noch nicht mal aus der Nähe gese­hen haben, ist dabei eine eben­so bemer­kens­wer­te Feststellung wie die Implikation, dass nie­mand jemals die Europäer (alles eins, bloß nicht unter­schei­den) zu kolo­nia­li­sie­ren ver­sucht hät­te, denn meh­re­re Weltreiche waren eigent­lich durch­aus wil­lens dazu; nach dem weit­ge­hen­den Zerfall des Römischen Reiches war auch die Zeit der Völkerwanderung bis hin zur oben schon erwähn­ten Zwangsübertragung des histo­risch doch sehr uneu­ro­päi­schen Christentums nicht unbe­dingt davon geprägt, dass man die Kultur der­je­ni­gen, die schon da waren, als beson­ders erhal­tens­wert begrif­fen hat.

Aber gut, ist bloß Kultur. Da braucht man das nicht so genau zu nehmen.

Die spin­nen, die Öffentlich-Rechtlichen.