In den Nachrichten
Europäische Kirchen erleichtert: Kinderschändung endlich Menschenrecht!

„Der Bote Allahs heiratete mich, als ich sieben Jahre alt war. Der Erzähler Sulaiman sagte: oder sechs Jahre. Er schlief mit mir, als ich neun Jahre alt war.”
— Aischa bint Abi Bakr, dritte und jüngste Frau Mohammeds, zitiert im Buch der Ehe


Unter meinem gestrigen Text über die lustigen Satiriker des Landes und ihr fehlendes Verständnis für eine gesunde Bewältigung der Vergangenheit, insbesondere aber in den Kommentaren unter demselben war ich versehentlich davon ausgegangen, dass dies hier immerhin Deutschland und damit Europa sei und eine gewisse Kunstfreiheit, über deren Grenzen lediglich zu wenige Diskussionen geführt würden, damit gewährleistet sei. Gerade wegen der Vorfälle um Charlie Hebdo sollte man zumindest davon ausgehen, dass eine „wehrhafte Demokratie” (BVerfG) das Recht auf den ganz persönlichen Irrsinn nicht der Pflicht zur Nutzung des gesunden Menschenverstandes überordnen werde.

Aber, ach, nous ne sommes plus Charlie:

Den Propheten Mohammed zu diffamieren „gehe über die zulässigen Grenzen einer sachlichen Debatte hinaus” und „könnte Vorurteile anfachen und religiösen Frieden riskieren” und überschreite daher die zulässigen Grenzen der Freiheit des Ausdrucks, entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte am Donnerstag, womit er sich der Entscheidung eines niedrigeren Gerichts anschloss. (…) Einer Stellungnahme zufolge, die der Gerichtshof am Donnerstag veröffentlicht hat, sei das Wiener Landesgericht für Strafsachen der Ansicht, dass [ihre Äußerungen] den Eindruck erweckten, dass Mohammed pädophile Neigungen gehabt habe, und verurteilte Frau S. im Februar 2011 für das Verunglimpfen religiöser Doktrinen.

(Abscheuliche Übersetzung von mir.)

Wenn nun aber nur mehr gelehrt werden darf, was keinem Religiösen missfällt, dann steht es um die Rechte Homo- und Mehrsexueller, die Lehre von der Genderei, die Evolutionstheorie und überhaupt die Möglichkeit eines Austritts aus einer Kirche, in die man meist hineingesteckt wird, ohne zunächst seine Zustimmung erteilen zu können, demnächst nicht mehr ganz so gut. Nicht alles davon bereitet mir Sorge; dennoch empfinde ich das Gerichtsurteil als Verletzung meiner wissenschaftlichen Gefühle und verlange Genugtuung. Ich weiß nur noch nicht, welches Gericht dafür zuständig wäre.

Vermutlich ein kirchliches.


„Man muss auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen.”
— Carlo Schmid

In den Nachrichten
Gute Juden, schlechte Juden (2): Weltverschwörung royale

Nach meinen Ausführungen zu den „#unteilbar”-Demonstrationen (ohne Raute keine Demonstration, so will es das Gesetz) wurde ich gelegentlich entrüstet gefragt, wie ich denn darauf komme, dass dort, bei der ausgerechnet von Jan Böhmermann, dem nicht gerade als rechts geltenden Mario Barth für Twitternutzer, beworbenen Demonstration, in nennenswertem Umfang Antisemitismus zu finden sei.

Nun wäre es sicherlich allzu naiv, einer Gesellschaft, die Martin Sonneborn witzig findet, zu unterstellen, sie verfüge über Reflexion und Einsicht. Und siehe, die Welt ist klein:

Oliver Polak beschreibt, wie er nach einem Stand-up-Auftritt einmal „ironisch“ von drei Kollegen von der Bühne gejagt wurde. Während er abging, spielten die anderen, wie sie sich vor ihm ekelten. Einer holte ein offenbar zu diesem Zweck hinter einem Sofa platziertes Desinfektionsmittel hervor und fragte die anderen: „Habt ihr ihm die Hand gegeben?“ Dann besprühte er ihre Hände, um sie zu desinfizieren. (…) Böhmermann ist der Mann mit dem Desinfektionsspray.

Wenn der Faschismus wiederkommt, wird er sich nicht als Faschismus oder als Antifaschismus vorstellen. Er wird sagen: „Ich bin die lustige linke Satire.”

In den NachrichtenWirtschaft
Wohlstandskinder googlen gegen Gentrifizierung (2): Linke, ganz progressiv das Bestehende bewahrend.

Wie ich fast ohne eigenes Zutun erfahren konnte, haben die Bewahrer des Kiezes in Kreuzberg gewonnen, denn Google werde nun doch kein eigenes Projekt im Umspannwerk installieren, wie es heißt. Stattdessen werden dort zwei innovative Unternehmungen einziehen, nämlich der Sozialarbeiterverein „KARUNA” und die Bettelorganisation „betterplace.org”, deren Name den kreativen Gestaltungswillen ihrer Häuptlinge vermutlich ganz richtig wiedergibt.

Auf Twitter, wo man das eben so macht, freut sich nur die F.D.P. nicht so recht, ansonsten ist weithin Jubel zu vernehmen, dass man es wieder einmal geschafft hat, ein Unternehmen fernzuhalten, das keines der Ihren ist. Dass die beiden Nichtgoogles für eine Verbesserung der sozialen Situation ihrer neuen Nachbarn kaum kämpfen können und sich somit allenfalls als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme eignen, ist wohl auch genau so gewünscht. Dass das linksradikale Bündnis „Besetzen” – noch so’n Kreativitätssieger – mit seinem Sieg der konservativen Spießigkeit über Fortschritt und Veränderung so nebenbei mal wieder belegt hat, dass die Hufeisentheorie stimmen könnte, ist ein Aspekt, der medial zu wenig Aufmerksamkeit erfährt.

Wenn das links ist, überraschen mich meine Wahl-O-Mat-Ergebnisse noch ein bisschen weniger als sowieso schon.

In den NachrichtenMir wird geschlechtPolitik
Liegengebliebenes vom 22. Oktober 2018

FDP-Männer wollen gegen den Willen der meisten FDP-Frauen eine Frauenquote in Erwägung ziehen. Ich würde darüber gern einen Witz machen, aber es steht noch keine Frau abwechselnd am Mikrofon.


Ein schlimmes Medium, das ich hier absichtlich nicht nennen werde, hat herausgefunden, dass Menschen, die sich mit Whisky beschäftigen, gebildeter wirken. Auf dem Symbolfoto ist ein Herr abgebildet, der einen „Tumbler”, also ein Glas für Whisky mit Eis und/oder Cola, in der Hand hält. Ich finde das zumindest respektabel bizarr.


Apropos Stil: Eine bisher nicht durch herausragende Leistungen aufgefallene natürlich in der SPD tätige Dame hat eine teure Armbanduhr und bittet hierfür um Verständnis, denn sie habe als Kind Holz gehackt. Vermutlich habe ich nur deshalb keine teure Armbanduhr: Ich habe noch nie Holz gehackt.


Im Auftrag der Regierung von Saudi-Arabien ist versehentlich ein Mensch getötet worden, seine Leiche ist verschwunden. Da passt man nur mal kurz nicht auf und dann passiert so etwas. Schlimm, schlimm.


Warum müssen Wirtschaftsredakteure noch arbeiten?


Zu meiner ausbleibenden Überraschung könnte Harvey Weinstein, trotz seines zerstörten Lebens und seiner zerstörten Karriere natürlich, sich als unschuldig herausstellen. Wäre es nicht einfacher und kostengünstiger für die Filmindustrie, sie setzten die Klägerinnen anstatt seiner vor die Tür?

In den NachrichtenMontagsmusik
Keine Zähne im Maul aber La Paloma pfeifen – Leb so, dass es alle wissen wollen

Seufz.Es ist Montag. Niemals kann man so wunderbar melancholisch sein wie an einem Montag. Schnell ein paar Muppets! Auch der schlechte Ersatz kann zur Manier gehören. Die Sinnsuche ist eine von fraglichem Zweck.

Irgendwo wird dauernd irgendwas gewählt und die Pointen bleiben im Hals stecken. Wer Komiktoleranz mit Interesse an seiner Umwelt verwechselt, der hat es nicht besser verdient. Nicht mal folgerichtig hassen darf man noch. Eine mögliche Ursache für das Ungemach ist schnell entdeckt: Muslime beteten 37 Jahre lang in die falsche Richtung. So wird das nichts mit der Erlösung, allenfalls noch durch Full Spectrum Cyber.

Es ist Montag und alles scheint schrecklich verzichtbar. Dem Hass der Welt und ihrer Dummheit mit Zynismus zu begegnen hat zum Leben nicht gereicht. Was bleibt?

Keine Zähne im Maul aber La Paloma pfeifen – Leb so, daß es alle wissen wollen

Guten Morgen.

Netzfundstücke
Annahmen zum Linkssein (7): Lange Rede ersetzt kurzen Sinn.

Und:

Was das Kritisieren von ökonomischen und ökologischen Schieflagen betrifft: der gute Wille genügt. Er ist mit wenigen Klicks in der Welt, ändert in seiner Tatenlosigkeit nur nichts an den bemängelten Zuständen. Da die Realität sich weigert, sich von selbst zu verbessern, bleibt uns nur die verbale Nachrüstung. So beginnt der Wettstreit um den empörtesten Aufschrei und die umfassendste Liebesbekundung.

Man ist gewillt, von Schreibürgern zu sprechen.

In den NachrichtenPolitik
Vorsicht: SPD droht mit Politik.

Und dann, nur wenige Monate vor einer Wahl, in deren Verlauf die bemerkenswert unzufriedenen Bürger des demokratischen Überstaats EU selbigen vermutlich mehrheitlich nochmals daran erinnern werden, dass Supranationalismus kein besserer Nationalismus ist, war da noch Berufsfliege Karl Lauterbach, der anlässlich des drohenden Untergangs der Volksparteien aufgrund gegenseitiger Ignoranz dies mitzuteilen hatte:

Er droht laut der FAZ „mit einem Rückzug aus der großen Koalition”. Der Mann mit der Fliege versucht sich dabei in lockerem, modernen, jungen(?) Ton: „Wenn es nicht besser wird, hallo, dann machen wir auch nicht weiter.”

Das haben wir dann alle davon. Bätschi.

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Schweizer Käseblatt

In Ermangelung eines eigenen starken Führers blickt die „Neue Zürcher Zeitung” sehnsüchtig nach Großbritannien, wo angeblich der nach aktueller Zählung siebte chancenlose Thronfolger unterwegs ist:

Bereits vor Tagen hatten britische Medien spekuliert, Meghans Kleiderwahl könnte ein versteckter Hinweis auf eine Schwangerschaft sein und tippten auf einen Jungen: Sie trug oft weit geschnittene Kleidungsstücke, auffällig oft in blau. So zum Beispiel am vergangenen Freitag bei der Hochzeit von Harrys Cousine Prinzessin Eugenie in Windsor.

Kaum war die Nachricht raus, überschlugen sich die Spekulationen, wie das neue Royal-Baby heissen wird. Als heisse Kandidaten bei den Buchmachern für ein Mädchen gelten Alice, Diana, Elizabeth oder Victoria. Als Jungennamen werden Arthur, James, Philip und Edward gehandelt.

Wann ist endlich wieder Fußball?

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
The Re-Stoned – Space

Leck mich, Montag. Ich geh nach Hause.Es ist Montag. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die zählen, manchmal die großen, schwarz-weißen. Leider ist man auch heute wieder aufgewacht, um eine neue aufregende Woche zu erleben; also eine, die aufregt.

Apropos „leider”; leider war am vergangenen Wochenende schon wieder „Politik” dran: In Bayern sind die, die glaubten, sie seien mehr, nur mehr fünftstärkste Partei geworden. Anscheinend ist das Beschimpfen von Wählern selten ein Garant für Stimmzuwachs. Allein die Wähler der bayrischen Grünen haben aus Berlin nichts gelernt. Die san die. Heute die „Nachrichten” zu lesen stelle ich mir jedenfalls wenig magenschonend vor. Martin Sonneborn verkleidete sich derweil als NSDAP-Größe, was im Föjetong versehentlich „lustige Satire” heißt. Deutscher Humor ist, wenn man sich totlacht.

Gute Nachrichten inzwischen aus der Welt der deutschen Staatsunternehmen: Diesmal ist die Bahn auf den Winter vorbereitet, die Heizungen funktionieren gut. Dass 2019 das Jahr der Bauarbeiten bei höheren Preisen werden soll, ist man da fast bereit zu vergessen. Das Irre erfasst selbst Supermärkte: Entspannte Überwachung bei völligem Fotografieverbot. Wer zurückfilmt, fliegt raus. Diese Zukunft ist verwirrend.

Verwirrende Entwicklungen hat auch der Feminismus vorzuweisen: Überraschenderweise hat sich herausgestellt, dass Frauen manchmal lügen. Wenn sich das bloß nicht herumspricht! Herum spricht sich währenddessen die bevorstehende Revolution der Briten: Möglicherweise werden mit einem Austritt Großbritanniens aus der EU auch Spotify und Netflix ausgesperrt.

Andererseits gibt es gute Musik längst nicht mehr nur bei einem einzigen Anbieter, das sei der Digitalisierung positiv anzurechnen. Beginnen wir also auch diese Woche ohne Spotify und trotzdem mit Musik!

The Re-Stoned – Space

Guten Morgen.

In den Nachrichten
Kia am Steuer

Hihi:

Nvidia baut einen Führerschein für fahrerlose Automobile auf

(Schlimme Übersetzung von mir.)

Die Autos der Zukunft müssen also erst eine theoretische und eine praktische Prüfung ablegen, bevor sie sich ans Steuer eines anderen Autos setzen dürfen. Finde ich gut. :ja:

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Kurz angemerkt zu #unteilbar

Dass am kommenden Sonnabend ein unter anderem vom sich sichtlich längst über jede Besonnenheit erhaben fühlenden Fernsehkasper Jan Böhmermann sowie von Protagonisten kruder „Parteien” am jeweiligen Rand des politischen Wahnsinns beworbenes Bündnis aus Menschen, die noch nie im Leben wirkliche Not erleiden mussten und daher bis auf Weiteres als mittelständische Wohlstandskinder anzusehen sind, seine jüngste Suche nach Problemen, die man ja mal haben könnte – denn anders als wirklich notleidende Menschen, denen fortwährend irgendwelche Diplomatie Haus und Familie ferngesteuert wegsprengt, gilt es bei den Unteilbaren schon als mikroaggressive Zerstörung des eigenen Lebensraums, wenn bei Starbucks der vegane Kaffeeersatz mal versehentlich den falschen Namen trägt, weshalb der Hunger nach mehr sozialem Überfluss in Ermangelung von dem Mitleid anderer Leute sicher förderlichen, jedoch leider ausbleibenden Krieg im eigenen Land gelegentlich einer aktiven Motivation bedarf -, in der Form zu einer Lösung zu bringen versucht, dass es „für eine offene und freie Gesellschaft” solidarisch und miteinander in Berlin herumstolpert, entfaltet seine komödiantische Durchschlagskraft ja erst in der Totalen, wenn sich der freie Blick auf die teilnehmenden Blöcke, darunter neben diversen „linken” und religiotischen Antisemiten, mithin an dem Leid zu vieler Menschen Mitschuldigen, auch ein „feministischer Block” (meinten Sie: Blöck*in?), dessen Betreten ein Eintreten ausschließlich und unsolidarisch für die Rechte derer, die als Frau durchgehen, bedingt, nicht mehr mit liebevoll ausgekotzten Emojis und vielen Ausrufezeichen verstellen lässt.