In den NachrichtenMusik
Kein Wort zu Patrick Gensings Musikgeschmack.

Moritz Tschernak vom ansonsten oft zumindest lehrreichen Metablog „BILDblog“ hat, möchte man beim Blick in die einschlägigen sozialen Netzwerke beinahe annehmen, einen Coup gelandet, indem er festgestellt hat, dass Julian Reichelt („BILD“) einen Tweet eines rechten Twitterers mit seinen Followern teilte, der hämisch (sinngemäß) kommentierte, dass es nicht unbedingt für Patrick Gensing („faktenfinder“, tagesschau.de) spreche, dass dieser bereits 2016 der vom mecklenburg-vorpommerischen Verfassungsschutz 2011 als „explizit anti-staatlich“ deklarierten Combo Feine Sahne Fischfilet eine gewisse Stilsicherheit nicht absprechen wollte, ohne sich dabei unbedingt auf die Texte zu beziehen.

Infolge der Veröffentlichung des Artikels entwickelte sich eine ziemlich langweilige und vorhersehbare Diskussion, die vor allem auf Twitter geführt wurde und sich darum drehte, ob man zum Gutfinden einer Musikgruppe deren vorrangig ausgedrückte Weltanschauung unbedingt teilen müsse; als wäre ein Hörer der Toten Hosen automatisch auch ein Partylöwe mit Affinität zu Bioläden, Alkohol und Reimverlust, als wäre ein Hörer von Philipp Poisel automatisch auch ein trauriger Langweiler, als wäre ein Hörer von Sebkha-Chott automatisch auch ein geisteskranker Franzose. Ich kann auch der einigermaßen linken Band FJØRT etwas abgewinnen und habe bisher dennoch noch nicht das Bedürfnis verspürt, ein (zumal in fremdem Besitz befindliches) Automobil in Flammen aufgehen zu lassen.

Nicht, dass die Gegenseite weniger kurz dächte: Moritz Tschernaks Artikel dreht sich maßgeblich um die Frechheit, dass ein hochrangiges Redaktionsmitglied eines Revolverblattes sich weigert, rechten Twitterern nicht allein deswegen keine weitere „Reichweite“ zu verschaffen, weil sie rechte Dinge, mitunter gar die Unwahrheit, publizieren. Leider schreibt der Autor nicht in seinen Artikel hinein, wessen Tweets stattdessen „geteilt“ werden dürfen – die vom „BILDblog“ und die von Feine Sahne Fischfilet vermutlich schon, aber welche noch? Zählt der Bote vor der Botschaft, ist der Himmel also grün, wenn ein Rechter ihn blau nennt, wie es tatsächlich aus linken Kreisen seit Jahren vorgeschlagen wird? Ist, was fast noch interessanter zu erfahren ist, der Musikgeschmack endlich erlaubterweise ein wesentlicher Faktor bei der Bewertung eines Menschen? Über wen sagt dieser Faktor was aus?

Fest steht: Weniger Wie und mehr Was täte dem politischen Diskurs in den „sozialen Medien“ mitunter gut. 2019 ist wieder ein bundesweites Wahljahr. Welche Musik hört eigentlich Andrea Nahles am liebsten? Ist das wichtig und wofür?

Ich warte einfach, bis die beiden sich für irgendwas entscheiden,
und solang hör ich Musik.
Die Ärzte: Worum es geht

In den NachrichtenPolitik
Si vis pacem, para bellum. (2)

Eine einzige Nachricht, zwei gegensätzliche Informationen:

Der Ausbildungseinsatz im Irak zur Unterstützung des Kampfes gegen die Terrororganisation Islamischer Staat soll auf das ganze Land ausgeweitet werden. (…) Bundesverteidigungsministerin von der Leyen sagte im ARD-Fernsehen, es gelte, den Irak zu einem stabilen Land zu machen.

Denn wo man viele Soldaten hinschickt, da ist bald auch viel Frieden. Das kennen wir aus Afgh-

In Afghanistan will die Bundesregierung die Obergrenze des deutschen Kontingents von 980 auf 1.300 Soldaten anheben. Dort gilt die Sicherheitslage als zunehmend schlechter.

Ach, schon gut.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeswehr abgeschafft gehört.

In den NachrichtenPolitik
Italien: Maus mit Speck bedroht

Wohlüberlegte Protestform des Tages: Aktivistin beschimpft Berlusconi unter Zuhilfenahme ihrer Brüste. Das ist kein erfreutes Lächeln, das ist Schockstarre!

In den NachrichtenMontagsmusik
Mogwai – Don’t Believe the Fife

Frühling (Symboleule)Es ist Montag. Es wird Frühling, die Russen kommen raus. Der beliebteste Pandabär sitzt in Berlin, was über Pandabären, die bekanntlich über jeden Zweifel erhaben sind, wie gewohnt mehr aussagt als über die schäbigste Stadt östlich von Hannover.

Andere Städte tun ihr Bestes, den Wettbewerb um die berlinigste Stadt wenigstens als Zweitplatzierte abzuschließen: Wer in Mannheim künftig hinfällt, der wird überwacht, berichteten schon im Februar verschiedene Medien. Endlich tut der Staat mal was! Der allerdings hat gerade ganz andere Sorgen: Geht es nach der SPD, dann ist bald Schluss mit der lästigen Männlichkeit in der Nationalhymne. Deutschland, einig Muttererde. Mondgefülltes Ohmwasser für alle!

Der S.-Fischer-Verlag („S. Fischer Verlag“, Deutsch war aus) hat ein ähnliches Problem mit dem verflixten Urheberrecht wie die so genannten „Raubkopierer“, nur andersrum. Da freut sich Heinrich Mann bestimmt, dass seine Rechte in Deutschland noch lange genug gewahrt bleiben, um über ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod noch jemandem ohne geistige Gegenleistung das Konto vollzumachen.

Fast bin ich versucht, zivilen Ungehorsam mittels Musikhörens auf YouTube gutzuheißen. Die Musik macht es mir leichter, denn sie ist viel zu gut, um ungehört zu bleiben.

Mogwai – Don't Believe the Fife live at the BBC Glasgow Quay 2017

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Treudoof bis in den Tod.

Es wäre vermessen, anzunehmen, die Partei des Hungerns habe mit ihrer beinahe erreichten Zweidrittelmehrheit zugunsten weiterer dreieinhalb Jahre des Sozialabbaus bei regelmäßiger Gehaltserhöhung der Schuldigen nun den Bogen endlich so weit überspannt, dass die Verfechter einer eigenständigen Politik ihr den Rücken kehren würden.

Es spricht der Hoffnungsträger der anderen SPD, der medial für seinen Idealismus bewundert wurde und noch immer wird, wie folgt:

Übrigens: Aus der #SPD tritt man nicht aus, aus der SPD stirbt man raus. (…) Es gibt keine Reserve-SPD. Es gibt diese, (sic! A.d.V.) oder keine.

Der Treueeid wird nicht gebrochen. Unpolitisch zu sein ist eine Pflicht und eine Ehre zugleich. Verstand ist zwecklos.

Zum Glück haben die nicht auch noch eine Reserve.

ComputerIn den Nachrichten
Ministerium für Computergedöns

Im Land der staatlich gewünschten Infektion von privaten Computern bei gleichzeitiger durch die aus mir unbekanntem Grund noch immer nicht aufgehobene Teilverstaatlichung des tragikomischen Konzerns Deutsche Telekom verursachter Abwesenheit von Bandbreite, die diesen Namen auch verdient, verkündet die EDV-Presse ohne jedes sichtbare Anführungszeichen:

Wie das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet, soll CSU-Chef Horst Seehofer bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) durchgesetzt haben, dass seine Partei den Posten eines Staatsministers für Cyber Digitales im Kanzleramt erhält.

Um die Eignung der momentan favorisierten Kandidatin für diesen Posten soll es mir nicht gehen, geeignete Minister wählt man hierzulande sowieso nirgendwo hin; spannender ist die Frage, wofür nun eigentlich ein „Staatsminister für Digitales“ in einer Zeit und Gegend, in der selbst Klodeckel versmartet und damit digital sind, genau zuständig sein soll: Für alles mit Computer drin oder wieder nur für programmierende Sechsjährige?

Und warum kann das eigentlich kein Roboter übernehmen?

In den NachrichtenPolitik
Medienkritik in Kürze: Dschungelkönig erteilt Putin Befehle

Naja, fast:

Deutsche TV-Journalisten fordern Österreichs Kanzler mit offenem Brief zum Eingreifen auf

Sie bitten nicht höflich, sie fragen nicht nett nach, sie fordern auf. Ist nur so ein schäbiges Oberhaupt einer ausländischen Regierung, da stehe man als deutscher Journalist doch drüber, so moralisch, impliziert „Meedia“ ebenso wie „WELT ONLINE“, der Deutschlandfunk sowie „Die Presse“, die das allesamt ähnlich blöd formulieren, nämlich ungefähr so:

Deutsche Journalisten fordern Kurz zum Handeln auf

Nun verfügt letztere Publikation über eine Kopie des fraglichen Dokuments, in der nicht von einer Aufforderung, sondern in der Tat nur von einer Bitte um Befassung mit dem als gegenwärtig empfundenen Problem die Rede ist. Richtig macht es ausgerechnet „SPIEGEL ONLINE“, das eine Forderung von Nobelpreisträgern an den türkischen Präsidenten völlig zutreffend als „Forderung“ beschrieb.

Aber warum sollte jemand, der Menschen Nachrichten aufschreibt, sich auch Gedanken über Wortbedeutungen machen wollen?

NerdkramsPersönliches
Vero: Früher hieß unser soziales Netzwerk noch „rausgehen“.

Erinnert sich noch jemand an Minds?

Minds ist, ruft eine kurze Recherche zum Beispiel beim ebenfalls zu Recht wieder vergessenen Magazin „WIRED“ in Erinnerung, zwar „ein Social Network wie viele andere auch“, aber „etwas ist anders als bei Facebook oder Google+. Denn Minds wendet sich vor allem an Online-Aktivisten – und wird sogar von Anonymous unterstützt“, wer auch immer „Anonymous“ in diesem Fall jetzt eigentlich war. Das klingt interessant, ist aber egal: Wie auch bei Ello, GNU Social und Diaspora, wobei sich wenigstens Ello inzwischen eines zweiten Lebens als modernere Alternative zu DeviantArt erfreut, blieb auch für es der dauerhafte Zuspruch merklich geringer als der für das anfangs belächelte und zu spät entstandene, in der Androidwelt aber erstaunlich dominante Google+ es bis heute geblieben ist.

Man hätte daraus lernen können, dass es für nur wenige Menschen sinnvoll ist, das „soziale Netzwerk“, in dem sie sich einmal häuslich eingerichtet haben, ohne Not durch ein anderes zu ersetzen oder auch nur zu erweitern. Wer schon unbedingt Wildfremde damit belästigen möchte, welchen zuckrigen Kaffeeersatz er sich gerade reinpfeift oder in welcher Trendfarbe er sich heute angemalt hat (das nennt man dann „Influencer“, wenn ich das so weit richtig verstanden habe), der tut das zumeist dort, wo man mit dem geringsten Aufwand das Profitmaximum erreichen kann. Aktuell scheinen das Instagram und YouTube zu sein.

Ein tritt Vero. Vero, tippt man auf „heise online“ aus dem Waschzettel ab, ist ein nur auf Smartphones verfügbares und somit für die meisten normalen Menschen nur zeitweise brauchbares „soziales Netzwerk“, das drei Jahre lang unbeachtet herumlag, bis irgendwelche Lautsprecher („Influencer“) es auf Instagram plötzlich zu einem „Hype“ machten. Wenn etwas ein „Hype“ ist, nimmt man das einfach hin und fragt nicht mehr als nötig nach, wie es sich für ein gutes EDV-Fachmagazin gehört. Der Mehrwert liege, behauptet man dort, darin, dass angeblich keine intransparenten Algorithmen für die Sortierung der Inhalte sorgten, woran freilich gezweifelt wird, sondern der Nutzer sich wie einst bei Diaspora und Google+ en detail aussuchen könne, wer welchen seiner Beiträge sehen darf. Auf der Website von Vero faselte eine Vermarktungsnull gar etwas davon, dass überhaupt keine Algorithmen zum Einsatz kämen, was mich daran zweifeln lässt, dass die Macher von Vero überhaupt so genau wissen, was ein Algorithmus eigentlich ist.

Natürlich hat Vero auch eines dieser „Manifeste“ veröffentlicht, das dem Besucher in Majuskeln entgegenbrüllt, dass Vero das „natürliche Bedürfnis“ der Menschen zu stillen versuche, alles, was in ihrem Leben geschieht, mit allen anderen Menschen zu „teilen“, wie man das im echten Leben halt auch so mache, wofür aber diese allen anderen Menschen, anders als im echten Leben, auch mit einem Smartphone ausgestattet und auf Vero angemeldet sein müssen. Wie Leben, nur beschränkt. Vero selbst wirbt so konsequent wie dumm mit hipstergefilterten Fotos von zu teurer Hardware auf rustikalen Möbeln, damit auch diejenigen, die bisher gar kein Interesse an so einem Kram hatten, verstehen, worin der Einsatzzweck von Vero liege: im Teilen von hipstergefilterten Fotos von zu teurer Hardware auf rustikalen Möbeln natürlich. Dit is Berlin bzw. Libanon.

Vielleicht habe ich inzwischen das Alter erreicht, in dem mich solche Erfindungen nicht mehr locken, vielleicht hat mir aber auch einfach ohnehin immer schon das Mitteilungsbedürfnis gefehlt, um mich virtuell besser zu vernetzen als bloß meinen Stuss wie bisher einbahnstraßig ins Web zu kippen: Ich habe noch nie ein Foto auf Instagram hochgeladen, noch nie eine Website auf Knuddels gepflegt, noch nie ein Konto bei Ello besessen, und das bis heute Letzte, was mir in „sozialen Netzwerken“ einigermaßen nachhaltig Freude gemacht hat, war Gruscheln auf studiVZ, denn das war zwar damals eine schlecht gemachte Kopie des „Stupsens“ auf dem in Deutschland noch nicht verbreiteten Facebook, aber da war man halt, wenn man Langeweile zu vertreiben hatte. Da hing man aber auch nicht den ganzen Tag vor seinem Telefon ab und fotografierte mit ihm sein Essen, sondern schrieb – nicht einmal in Echtzeit – einander auf vernünftigen Tastaturen Nachrichten mit richtiger Grammatik und ohne Emojis, denn Emojis gab es auf vernünftigen Tastaturen noch nicht und ein Smartphone hatte allgemein noch kaum jemand – wofür auch? Den Sprung in die Zeit des ständig verfügbaren Taschengesprächs hätte studiVZ allerdings sicherlich geschafft, wenn es das nur gewollt hätte. Dass Dienste dieser Art nicht unsterblich sind, hatte noch vor der Gründung von studiVZ schon uboot.com (für Internetarchäologen vielleicht interessant) unter Beweis gestellt, das von den drei „VZs“, MySpace und schließlich auch Facebook selbst so nachdrücklich ausgepresst wurde, dass es vor fünf Jahren vollständig zu existieren aufhörte, obwohl dort auch irgendwann einmal jeder sein musste. Dass die Jugendlichen von damals – jedenfalls: ich – sich heute zu alt für Vero fühlen, gibt diesem Monolog eine bittere Note.

Aber zurück zu Vero: Der Wildwuchs an „sozialen Netzwerken“, den ein Einsteiger heute vorfinden kann, untergräbt die vollmundige Behauptung, Vero erfülle das „natürliche Bedürfnis“ der Menschen, alles ungefragt für ein erwähnenswertes Erlebnis zu halten, denn während diese Behauptung eigentlich von mir bisher nur aus Zügen und Bussen bezeugt werden kann, wiesen auch die bezeugten Ereignisse bislang die Eigenheit auf, dass der Adressat stets eine handverlesene Auswahl an Personen war, oft sogar nur eine einzige. Die Menschen – bezahlte Reklameschergen auf Instagram und YouTube einmal ausgenommen – teilen gern Dinge, die ihnen wichtig sind oder wenigstens zu sein scheinen, mit den Menschen, die ihnen wichtig sind oder wenigstens zu sein scheinen. Die Menschen teilen nicht gern irgendwelchen Firlefanz mit fremden Schuften. Bei Edeka am „schwarzen Brett“ hängt ja auch selten ein Foto von einem Gänseblümchen am Wegesrand. Man ist vielleicht manchmal auch einfach gern allein mit seiner Welt.

Früher hieß unser soziales Netzwerk noch „rausgehen“.

In den NachrichtenWirtschaft
Klauen gegen Enteignung, Tasern für die Bürgerrechte

Es tut sich was in armen Regionen.

Am Tag nach der fremdenfeindlichen Enteignung weißer Bauern in Südafrika berichtete auch „SPIEGEL ONLINE“ über die Probleme in einer anderen armen Region, nämlich in Berlin, und ließ ein paar Aktivisten gleich eine unter dem Eindruck der antikapitalistischen iPhone-Demonstrationen in Hamburg geradezu vernünftig wirkende Lösung vorschlagen:

Mit dem Slogan „Deutschland geht klauen“ ruft [ein Werbespot] zum Diebstahl bei den Lebensmittelhändlern Edeka, Rewe, Lidl und Aldi auf, die rund 80 Prozent des Marktes abdecken. Das nicht bezahlte Geld sollen die Diebe über eine Internetseite direkt an Gewerkschaften spenden, die Produzenten der Lebensmittel vertreten. Begründung: Wenn Discounter und Supermärkte nicht selbst für faire Löhne sorgen, müssen es die Konsumenten tun.

Die Freude in den Augen der Supermarktangestellten, wenn ihre Löhne entsprechend umverteilt werden, wird umwerfend sein.

Ich nehme noch heute Abend einen Werbespot namens „Deutschland geht tasern“ auf, in dem zu sehen ist, wie ein paar von diesen Witzbolden im „schwarzen Kostüm mit Waschbären-Logo“ (ebd.) bis zum Eintreffen der Polizei vom Ladenbesitzer mit ein paar gezielten Stromstößen daran gehindert werden, vorzeitig den Discounter oder Supermarkt zu verlassen. Begründung: Wenn die Polizei nicht selbst für die Gewährleistung unternehmerischer Rechte sorgt, müssen es die Unternehmer tun.

In den Nachrichten
Stinken gegen Rechts!

Eine fantastische Statistik hat der Guardian heute gefunden:

Menschen mit einem größeren Hang dazu, die Nase vom Geruch nach Urin, Schweiß und anderen Körpergerüchen abzuwenden, haben wahrscheinlicher eine rechtsautoritäre Weltanschauung, vermutet die Forschung. (…) Die Ergebnisse [der Studie] decken auf, dass rechter Autoritarismus mit einem Gefühl der Abstoßung gegenüber Körpergerüchen verbunden sei und dass diese Verbindung auch einen schwachen Zusammenhang zwischen solchen Gefühlen des Angewidertseins und der Unterstützung für Donald Trump untermauere.

(Übersetzung von mir.)

Was bedeutet, dass die eher „linke“ Teilgruppe der Studienteilnehmer gleichzeitig auch die ist, der Gestank nicht so viel ausmacht, was dem erfahrenen Fahrgast von so Zügen einiges erklären könnte oder auch nicht. Eine mögliche Lesart wäre dann auch diese: Duschen ist nicht progressiv und Deodorants sind, statistisch gesehen, wahrscheinlicher ein Erkennungszeichen neuer Rechter als linker Kampfgenossen. Da hilft auch eine Anbiederung an „linke“ Gendersperenzchen nichts mehr: Ihr seid enttarnt, ihr Seifennazis!

Die Ärzte – Deutschland verdrecke

:aufsmaul:

Netzfundstücke
Deutschland, deine Allegorien! (12)

Ein neuer Aufbruch (ca. 1095)

(Quelle)

In den NachrichtenMontagsmusik
People of the North – Over Me // Was kostet Fahrtgeld?

Vielleicht findet mich der Montag ja nicht.Es ist Montag. Freu wie blöd! Es ist kalt, das Selbst ist beschwerlich und die Menschen sind zumeist sehr unerfreulich. Man könnte Bus fahren vor Vergnügen.

Busfahren, apropos, ist ja inzwischen, gerade mal sechs Jahre, nachdem der Autor dieser Zeilen selbst in eine Werbekampagne für den fahrscheinfreien Nahverkehr hineingezogen wurde, auch zu einer Forderung geworden, die die oft gescholtenen Mainstreammedien befürworten. Und sie machen es – Trommelwirbel! – erwartungsgemäß falsch: Auf dem ehemaligen EDV-Fachportal „heise online“ fragt etwa Dusan Zivadinovic, wer denn bei „Gratis-Nahverkehr“ zahle, und bemerkt selbst nicht, dass es eben nicht um Kosten-, sondern um Fahrscheinfreiheit geht. Zu zahlen hätten es alle; die Forderung nach einem fahrscheinfreien (also kollektiv finanzierten) Nahverkehr stammt eben aus derselben Hirnschmiede wie die nach kollektiv finanziertem Geld für alle („BGE“), denn wenn man allen gleichviel wegnimmt und jedem etwas von der Beute abgibt, ist Fairness endlich hergestellt. Fast wie früher. Ochs und Esel ahnen, wie das ausgeht.

In den USA tobt derweil immer noch der Bürgerkrieg der Guten: Mal lassen sie schwarze Köche entfernen, weil diese es wagten, im „Black History Month“ – als wäre dessen bloße Existenz noch nicht bekloppt genug – Dinge auf die Speisekarte zu schreiben, die ihnen auch schmecken, aber leider Klischeeschwarzen eben auch, mal sind sie zu blöd für Mathematik: Schüler findet, Wurzelzeichen sehe aus wie Handfeuerwaffe, Polizei tritt auf den Plan. Ich möchte vorsichtig anregen, die Zivilgesellschaft in den USA bis auf Weiteres allein zu lassen und zu warten, bis sich das Problem von selbst löst.

Dann bleibt auch mehr Zeit für Musik.

People of the North – Over Me

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: At the Drive-In – Diamanté

At the Drive-In - DiamantéVon 1993 bis 2001 bestand die texanische Post-Hardcore-Band At the Drive-In, die in einschlägigen Musikmedien als – um nicht schon wieder dieses unsägliche Wort „abfeiern“ zu verwenden – ziemlich gut beschrieben wurde. Aus Gründen wurden aus ihr dann jedoch zwei verschiedene Gruppen, nämlich die mir völlig unbekannten Sparta und die mir in recht positiver Weise bekannten The Mars Volta. Letztere Gruppe nannte ich vor ein paar Jahren „Krawallbengels“ und kurz darauf hatte ich sie dann auch verstanden.

Seit 2012 sind At the Drive-In jedoch wieder vereint, wobei mittlerweile an der Personalschraube geringfügig gedreht wurde: Mitgründer Jim Ward wurde 2016 durch Keeley Davis von Sparta ersetzt, sonst ist alles beim Alten. Nach dem ersten Studioalbum nach 16 albenfreien Jahren, dem von mir 2017 gänzlich unterschlagenen „in•ter a•li•a“, erschien noch im November 2017 der/die/das EP „Diamanté“ (Amazon.de, TIDAL) mit drei Liedern, die mich in einem Maße erfreuen, das in mir den Wunsch hervorruft, mich doch noch mal ein bisschen genauer mit dem bisherigen Werk des Quintetts auseinanderzusetzen.

At The Drive In – Amid Ethics

Garagengitarren, Mitwipprhythmus, unscheißer Gesang – so leicht ist es, mich musikalisch zu begeistern. Dass es trotzdem so wenige Gruppen schaffen, spricht nicht für die Musikszene dieses Jahrzehnts. „Diamanté“ klingt wie ein Cocktail im Sommer auf der Autobahn (natürlich auf dem Beifahrersitz) – und das bei den derzeitigen Temperaturen!

Heiße Scheibe, insgesamt.

NerdkramsProjekte
In eigener Sache: Mailadressen weniger wütend validieren mit libvldmail.

Immer nur auf Webstandards herumzuhacken ist auf Dauer etwas eintönig. Darum hacke ich heute einmal auf einer anderen Gruppe von Standards herum: Mailadressen.

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Piratenpartei
#bpt181 (i. Vorb.)

Hierzu absehbar schon jetzt:

Es ist kurzsichtig anzunehmen, dass man „Lösungen“ für Menschen hat, an deren Leben man nicht teilnimmt und deren Probleme man nicht kennt.
Paul Feyerabend

Hauptsache: „sozial“.