In den NachrichtenMir wird geschlecht
Quote / Keine Quote

Die Forderung nach einer geschlechterparitätischen Verteilung von Strafgefangenen war bisher ein, wie ich finde, durchaus gelungener Witz. Die Pointe hat offenbar nicht jeder verstanden: Eine Frauenquote soll es tatsächlich künftig in britischen Gefängnissen geben, und zwar nach oben statt nach unten. Für nicht besonders schwere Vergehen sollen künftig nur noch Männer weggesperrt werden.

Währenddessen erhebt sich in Deutschland ein Widerstand gegen die Geschlechterparität: In Hamburg wettern Frauen und Artverwandte gegen die Gleichstellung von Männern in Berufen, in denen diese unterrepräsentiert sind, weil dies gegen das Grundgesetz verstoße, so lange Frauen keinen Nutzen daraus ziehen. Ich beginne zu verstehen, warum eine Kompetenzquote aus diesen Kreisen so vehement bekämpft wird.

KaufbefehleMusikkritik
Musik 06/2018 – Favoriten und Analyse

Kaum ist es mal schier unerträglich warm geworden, schon ist wieder ein halbes Jahr vorbei. Das kann nur eines bedeuten: Es ist wieder Zeit für die besten Musikalben des ersten Halbjahres 2018. Dass seit der letzten Rückschau sowohl Mark E. Smith und mit ihm wohl auch The Fall als auch Dennis Edwards (The Temptations) und Jon Hiseman (Colosseum, Colosseum II, JCM) sich für immer aus der Musik und voraussichtlich auch aus der Welt der Lebenden verabschiedet haben, mahnt zur Eile. Wer weiß, wie viele Künstler sterben, während ich dies hier schreibe?

Sicherheitshalber griff ich der Liste bereits vor: Die aktuellen Studioalben von awakebutstillinbed, Messa und den beiden Davids Cross und Jackson bleiben Teil der diesjährigen Empfehlungen, auch das Debütalbum „Danger Dance” von Noseholes, deren titellose EP mich Anfang Januar zu einer Rezension veranlasste, ist erwartungsgemäß gut geworden.

Was sonst noch los war, folgt sofort.

‘Musik 06/2018 – Favoriten und Analyse’ weiterlesen »

NetzfundstückePolitikWirtschaft
Annahmen zum Linkssein (4): Wohlstand ist linksextrem.

Manchmal ist es magenschonend, nicht alle Nachrichten zeitnah, wie man auf Neudeutsch sagt, zu verfolgen. Zu meiner nachträglichen Freude hatte ich bis gestern völlig verpasst, dass Yanis Varoufakis, ehemaliger griechischer Finanzminister, bereits 2016 eine „linke paneuropäische politische Bewegung” (Wikipedia) unter dem bemerkenswerten Titel „Democracy in Europe Movement 2025”, kurz: „DiEM25”, gegründet hatte.

Es geht den Organisatoren darum, mittels der Förderung des starken Überstaates „Europa”, also dem altbekannten Supranationalismus, die totale Demokratie zu erreichen. Natürlich existiert ein „Manifest”, das den Aufruf enthält, Europa sei bis spätestens 2025 zu „demokratisieren”, und viel zu lang ist. Wenn ich einen Aufruf zur Demokratisierung irgendwelcher Staaten – und ein solcher ist Europa in den Augen der Supranationalisten – lese, habe ich immer ein bisschen Angst um seine Einwohner. Afghanistan steckt tief.

Für den Fall, dass jemand, etwa ich, keine Lust haben sollte, den ganzen Senf bis zum Ende durchzulesen, haben die Verfasser in „Kürze” in ihr Manifest hineingeschrieben, was sie eigentlich wollen:

Unsere vier Grundsätze lauten:

Kein Land kann frei sein, wenn die Demokratie eines anderen verletzt wird.
Kein Land kann in Würde leben, wenn einem anderen die Würde vorenthalten wird.
Kein Land kann auf Wohlstand hoffen, wenn ein anderes in permanente Zahlungsunfähigkeit und wirtschaftliche Depression gedrängt wird.
Kein Land kann wachsen, ohne dass seine schwächsten Bürger Zugang zu grundlegenden Gütern haben, ohne das Ziel menschlicher Entwicklung, ökologischen Gleichgewichts und der Überwindung der Ära der fossilen Brennstoffe.

(Unterstreichungen von mir.)

Freiheit, Würde, Wohlstand, Wachstum und Windkraft für Europa. Fedidwgugl. Wenn das links ist, färbe ich mir gleich morgen die Haare rot und ramme mir eine Sicherheitsnadel ins Gemächt. Zum Glück scheinen die Noch-nicht-Macher sich selbst noch nicht ganz sicher zu sein, was sie eigentlich sind: „Wir wollen (…) ein realistisches Europa, das sich radikale, aber erreichbare demokratische Reformen vornimmt” (ebd.), also radikal erreichbare Demokratie für die realistische Übernation. Ich habe mir Radikalismus immer irgendwie anders vorgestellt.

Wer steckt denn nun dahinter? Natürlich ein „Kollektiv”:

DiEM25 ist eine europaweite, grenzüberschreitende Bewegung von Demokraten.

Und die Demokraten stecken voller Furcht, denn sie sehen Nationalismus und finden diesen nur gut, wenn es der eigene ist, und sonst eher nicht:

Zur gleichen Zeit wie das Vertrauen in die EU schwindet, sehen wir einen Anstieg von Menschenverachtung, Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus. Wenn diese Entwicklung nicht beendet wird, befürchten wir eine Rückkehr zu den 1930er Jahren.

Wie schon in „den 1930er Jahren” hilft es bei der Wahrheitsfindung, die beiden Jahrzehnte davor nicht gänzlich zu ignorieren: In der „Weimarer Republik” genannten Phase der deutschen Geschichte, die 1933 endete, war die SPD, ob nun mehrheitlich oder unabhängig, trotz (oder wegen?) der Zustimmung zu den Krediten für den Ersten Weltkrieg und des anschließenden Meuchelns von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg eine ähnlich einflussreiche Partei wie sie es heute seit inzwischen fast zwanzig viel zu langen Jahren ist. Wie aber (außer, indem man nicht die SPD wählt) kann man die Zeitreise denn verhindern?

Na, indem man Profis fragt!

Deshalb sind wir (…) zusammen gekommen, – Grüne, radikale und liberale Linke, – um die EU zu reparieren. Die EU muss wieder eine Gemeinschaft für gemeinsamen Wohlstand, Frieden und Solidarität für alle Europäer werden.

So geht die neue demokratische Revolution: Gemeinsam mit Grünen und Linksradikalen für gemeinsamen Wohlstand in einem neuen, noch besseren, weil größeren und damit solidarischeren Nationalstaat.

Ich wünsche mir manchmal, es wären noch mehr Leute politikverdrossen. Zum Beispiel jetzt gerade.

Jeder war einmal Sozialdemokrat.
Adolf Hitler, 1922

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusik
Pond – Eye Pattern Blindness

Hellwach (Vorher-Bild)Es ist Montag. Dennoch ist eine ausgelassene Stimmung zu spüren, als wären alle schlimmen Dinge, die auf der Welt passieren, über Nacht einfach verschwunden. Ein Blick in die Medien bestätigt: Hunger und Elend sind vergessen, denn in Russland wird Fußball gespielt. Dann fehlt ja nicht mehr viel für eine perfekte Welt, allenfalls ein Pandabär.

Mit dem Recht auf freie Rede ist es in den USA, glaubt man Fefe, bald auch außerhalb von Universitäten vorbei. Klar: Meinungsfreiheit, die Befindlichkeiten im Weg steht, muss aus selbigem geräumt werden. Wir leben in einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft und sind nicht mehr wie früher. Sogar unser Krieg hat keine Lootboxen mehr. Sobald ich herausgefunden habe, was eine Lootbox ist, kann ich mich vielleicht sogar qualifiziert dazu äußern. – Apropos Qualifikation: Was macht man eigentlich als Frau, wenn man einen der begehrten, weil besser bezahlten Führungspositionen in einer Behörde oder einem Unternehmen zugewiesen bekommen möchte? Härter dafür arbeiten? Haha, nein, natürlich nicht: Man schreibt seinem Vorgesetzten einen Brief, in dem steht, dass man wegen seines Geschlechts doch bitte eine Führungsposition verdient habe. Sich die erarbeiten zu müssen ist sexistisch und frauenfeindlich, darunter machen sie’s nicht.

Vielen Arbeitslosen fehlt das Geld für eine warme Mahlzeit. Toooor!; beziehungsweise: Mahlzeit.

Wohl bekommt dann doch eher Musik.

Pond – Eye Pattern Blindness (Live on KEXP)

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Medienkritik in Kürze: Sachsen auf Italienisch

Es spekuliert wenige Wochen nach dem Zustandekommen des Bündnisses aus „Linkspopulisten” und „Rechtspopulisten” das Qualitätsmedium „ZEIT ONLINE” aufgrund der aktuellen Umfragewerte der sächsischen AfD:

Die Rede ist von einem Bündnis der CDU mit der Linken. Was heute fast jedes Mitglied der beiden Parteien als Absurdität wegstreiten würde, wäre im Lichte so eines Wahlergebnisses die wahre Vernunftentscheidung.

Was könnte da schon schiefgehen? :ja:

In den NachrichtenPolitik
Kurz angemerkt zum EU-Leistungsschutzrecht

Ob diejenigen, die lautstark beklagen, dass Großbritanniens Austritt aus der EU den weiteren Zusammenhalt „Europas” (hier: der in der Europäischen Union zusammengeschlossenen Staaten) gefährde, und weiterhin behaupten, dass, wer an der EU zweifelt, unbedingt in die Gruppe der „Rechtsextremisten und Linksradikale, Populisten aller Couleur, Putin-Verteidiger, Stalin-Nostalgiker, Erzkonservative und Abendland-Klerikale, Antikapitalisten und Befreiungsschwärmer” gehören müsse, wohl die gleichen sind wie diejenigen, die jetzt lautstark beklagen, dass ein marodierender Einzeltäter aus der rechtspopulistischen CDU das in Deutschland gescheiterte „Leistungsschutzrecht” – ohne Anführungszeichen täte das Wort noch mehr im Kopf weh als sowieso schon – jetzt in verschärfter Form auf gesamteuropäischer Ebene einführen zu lassen beabsichtigt und daran kaum mehr gehindert werden kann, weil die Bürgerbewegung, die noch vor wenigen Jahren schlagkräftig genug schien, um das Internet fast im Alleingang vor Politpflaumen zu retten, nämlich die Piratenpartei, aufgegeben hat, mehr als die sonstwievielte Kopie sozialdemokratischer Jugendbewegungen sein zu wollen, und die Bereitschaft und/oder Fähigkeit der Bürger auch und gerade während der lästigen Fußballzeit, über das Schicksal des Internets noch selbst entscheiden zu wollen, nach der unsäglichen „Hatespeech”-Kampagne der damaligen Bundesregierung, angespielt über Bande von bizarrfeministischen Zirkeln, in Verbindung mit immer niedrigeren geistigen Hürden zur Benutzung von EDV-Hardware, was nicht selten mit der wiederholten Verbreitung von Schadsoftware aufgrund schierer Naivität einen weiteren Höhepunkt erklimmt, eine schwächer werdende Erinnerung ist?

In den NachrichtenPolitik
Wochentagsbronx Berlin

Wie geht es eigentlich der rot-rot-grünen Modellstadt Berlin? Nun, ungefähr so:

Für das kommende Wochenende hat die Berliner Bundespolizei ein Verbot zum Mitführen von gefährlichen Werkzeugen (…) an verschiedenen Bahnhöfen erlassen (…). Auf Grund der Zunahme der Gewaltintensität hat die Bundespolizeidirektion Berlin eine Ordnungsverfügung erlassen und weist in diesem Zusammenhang auf das Verbot des Mitführens von gefährlichen Werkzeugen (Messer jeglicher Art, Reizgas, Schlaggegenstände usw.) hin.

Unklar ist, ob ein Schraubenzieher nun als Schlaggegenstand oder allgemein als gefährliches Werkzeug gilt. Dauert aber auch nicht lange: Ab Montag dürfen an Berliner Bahnhöfen wieder nach Herzenslust Klappmesser und Baseballschläger benutzt werden. Das ist ja noch kein Zeichen von Gewaltgeneigtheit, vielleicht ist man ja auch einfach nur ein Hobbysportler, der sich unterwegs gern mal ein Brötchen schmiert.

In den NachrichtenMontagsmusik
Aesthesys – Decipimur Specie Recti // Sportnichtnachrichten.

Fußball (Symboleule)Es ist Montag. Kamele sind keine Haustiere. So traurig beginnt eine Woche nur selten. Was wollen die da oben wohl noch alles verbieten – etwa Hauspandas?

Wenigstens führte das vielleicht zu angemessener Aufmerksamkeit. Dieselbe wird, wirft man einen Blick in die Medien, momentan nur irgendwelchem Sportkram zuteil, als passierte auf der Welt sonst gerade nichts von Belang, als würde in keinem Krieg gemordet, als sei die Bundesregierung im Urlaub und die der EU sowieso. Dabei ist es offensichtlich völlig egal, wie gut gespielt wird; ein 0:1 gegen irgendeine Quatschmannschaft wird da schon mal als „historische Niederlage” (Aylin Güler) bezeichnet. Dabei lädt doch der Umstand, dass Deutschland in Russland verliert, zu viel lustigeren Vergleichen ein! Aber das ist Sport-„Journalismus”, da wird nicht viel gescherzt. „Thomas Müller fand offensiv nicht wie gewohnt statt” bildunterschrieb ein Unmensch auf „WELT ONLINE” ein Foto von einem Wasser trinkenden Fußballer, auf „FAZ.net”, einer ehemaligen Nachrichtenseite, die 2018 für die von ihr „kuratierten Tweets” über denselben Quatsch wirbt, heißt es gleichzeitig, hinter dem Torwart „standen einige Fragezeichen”. Man empfindet an dieser Stelle großes Unbehagen und würde auch lieber nicht stattfinden, bis der Unsinn vorbei ist. Einzig Christian Spiller von „ZEIT ONLINE” fand die richtigen Worte („Selbstgefällig, behäbig und fast ein wenig dumm”), meinte damit aber augenscheinlich leider irgendwelche überbezahlten Sportkasper und nicht etwa die Journaille. In Mexiko-Stadt gab es zum Tor ein Erdbeben. Ich hätte lieber Erdbeeren gehabt.

Von der Fraktion aus CDU und CSU ist allerdings zumindest kurzfristig nicht viel Unheil zu erwarten, denn ein „erbitterter Streit” („WELT ONLINE”) über die Dublin-III-Verordnung und ihre Folgen ist, glaubt man den Medien, derzeit ihre größte Sorge und damit im Fokus der Medien. Wer braucht Politik, wenn er stattdessen auch solchen Firlefanz haben kann?

Was ein Montag auf jeden Fall braucht, ist zumindest keine Politik, sondern Musik. Zum Beispiel diese:

Aesthesys – Decipimur Specie Recti (Live)

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Liegengebliebenes vom 16. Juni 2018

Twittervorstand soll sich entschuldigen, weil er im Monat des Schwulenstolzes im falschen Lokal gegessen hat. :wallbash:


Wissenschaftler haben herausgefunden, dass bereits 100 Atombomben sehr tödlich sein können, und raten daher von dem Besitz derart vieler Atombomben ab.


Als hätte nicht vor Jahrzehnten ihr bis dato einflussreichster Turnschuhträger den Bundestagspräsidenten ein Arschloch genannt und damit den Ruf der Partei in einschlägigen Kreisen sichtlich gemehrt, weiß die Vizepräsidentin des aktuellen Bundestags, Claudia Roth (Grüne), was sich gehört und was nicht: Dass ein Rechter aufzeigt, dass ein Teil ihrer Karriere vermutlich auch von korrupten Freunden gefördert wurde, möchte sie nicht hinnehmen und verlautbart

…, dass hier mit voller Absicht gegen die Geschäftsordnung und die im Bundestag üblichen Verfahren verstoßen wurde, um (…) die Würde des Bundestages zu beschädigen.

So eine Frechheit von der AfD.


Die „Tagesschau”, deren RSS-Feed kaputt ist, findet, viel mehr Leute sollten einen kaputten RSS-Feedleser („Feedly”) benutzen.


Im ehemaligen Fachmagazin „heise online” wird freudig beschrieben, auf welche Weise man anlässlich der laufenden Weltmeisterschaft im Herrenfußball noch schneller jubeln könne, als sei Jubeln bereits ein Leistungssport und als sei Jubel überhaupt und unbedingt anzustreben. Dass noch während der interessanten Phase dieser Meisterschaft die elende Europäische Union, die zu meinem völligen Unverständnis noch immer nicht ihre fällige Auflösung beschlossen hat, schlimme Filter beschließen könnte, lässt derweil hoffen: Wenigstens im Fußballsommer kann niemand der Politik vorwerfen, sie sehe dem Weltgeschehen nur untätig zu. Toren, Toren allerorten.