In den NachrichtenNerdkrams
Tore zum Mistmachweb (3): Hundekot gehört zum Vorgarten dazu!

Pünktlich zur Feier des Tages – heute vor 40 Jahren wurde die erste Spammail versandt – quatschte Torsten Kleinz auf der „re:publica“, dem alljährlichen Pimmelfechten von hauptberuflichen Reklamenullen, in seinem sog. „Vortrag“ darüber, warum man im Zeitalter von allgegenwärtigem Schutz gegen Webmüll auch weiterhin seinen Besuchern (mithin: Kunden) mit Reklame auf den Sack gehen sollte, angeblich dies:

Wir müssen Werbung verstehen, denn sie gehört zum Internet.

Wenn ich einen Vorgarten hätte und es würde jemand seinen Hund dort hineinkacken lassen, dann würde ich ihm möglicherweise eher wenig Verständnis entgegenbringen, sondern unter Vorbringung überzeugender Argumente erwarten, dass er sich in möglichst kurzer Zeit vom Acker machen möge, nicht ohne die hinterlassene Scheiße in einem möglichst peinlichen Tütchen mit sich zu führen. – Was höre ich da: Das Internet sei gar nicht mein Vorgarten? Noch weniger aber ist es der ihre!

Als für jeden ersichtliche positive Aspekte der Plakatierung, bevor er auf die vermeintlich wesentlichen Kehrseiten von Onlinewerbung zu sprechen kommt, nennt Torsten Kleinz in seiner Vortragsbeschreibung, dass es immer mehr Podcasts, in denen zwei oder mehr Menschen in leierndem Tonfall stundenlang und ohne vernünftige Möglichkeit, ein Äquivalent zu einem Lesezeichen an einer geeigneten Stelle einzufügen, Blogartikel und Tweets zusammenfassen, und Videobeiträge auf vielen Websites, in denen unsichtbare „Journalisten“ ohne vernünftige Möglichkeit, ein Äquivalent zu einem Lesezeichen an einer geeigneten Stelle einzufügen, Nachrichten vorlesen, gibt. Was Torsten Kleinz („Journalist“, u.a. „ZEIT ONLINE“) gegen Schrift hat, weiß ich leider nicht mit Sicherheit, aber ich habe eine Vermutung („ZEIT ONLINE“).

Ich fühle mich, das sei gesagt, im Usenet fast täglich ein bisschen wohler.

(Teil 1, Teil 2)

ComputerIn den Nachrichten
Glasfaserabbau mit der Großen Koalition

Da die deutsche Alphabloggeria gerade drei Tage lang damit beschäftigt ist, voreinander blogzuwichsen, gibt uns dies Gelegenheit, zur Abwechslung mal über wichtige Themen zu sprechen, ohne in einer Welle aus Sascha-Lobo-Rabulistik und „Netzpolitik“-Eigenliebe völlig übersehen zu werden.

Hat zum Beispiel jemand mitbekommen, dass im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung im vierten Kapitel („Offensive für Bildung, Forschung und Digitalisierung“, Seite 11 unten ff.) versprochen wurde, dass Deutschland, wenn es schon zu blöd für Flughäfen ist, wenigstens in Sachen Breitbandausbau nicht mehr das Gespött Europas sein sollte?

Digitalpakt Schule mit 5 Milliarden in fünf Jahren für starke Digital-Infrastruktur an allen Schulen[.] (…) 10 bis 12 Milliarden Euro für flächendeckende Glasfaser-Netze, möglichst direkt bis zum Haus.

Noch im Februar wurde dieser Glasfaserausbau als gegeben hingenommen. Aber ein bisschen beeilen, weiß heute „ZEIT ONLINE“, muss sich die Bundesregierung mit diesen Plänen schon, denn Olaf Scholz (SPD, wie sich das für einen Politiker ohne Sachverstand eben gehört) hat ab übernächstem Jahr was vor:

Der Bund will seine öffentliche Investitionen in den kommenden Jahren zurückfahren. Die Ausgaben dafür sollen von 37,9 Milliarden Euro im kommenden Jahr auf 33,5 Milliarden Euro im Jahr 2022 sinken.

Verstehe schon: Die Bundeswehr ist eben teuer.

Sonstiges
Kurz angemerkt zum 1. Mai: Alles wie immer.

Wenn militante Horden, deren Diskurspraxis selbst die CDU fürchtet und deren Wappen „niemand ist illegal“ sagt, aber eigentlich niemanden außer „dem Gegner“ meint, der nur allzu gern als Illegaler begriffen und behandelt wird, am Feiertag der nationalen Arbeit wie früher zwecks Machtdemonstration durch zerstörte (Berlin) oder noch nicht wieder wenigstens gesellschaftlich aufgebaute (Hamburg) Städte ziehen, laut furchtbare Musik hörend und Parolen brüllend, die selbst im seltenen Fall grammatikalischer Einwandfreiheit inhaltlich von einer Qualität sind, deretwegen man versucht wäre, von erschreckender Dummheit zu sprechen, wenn man nach unzähligen Jahren noch fähig wäre, davon noch in irgendeiner Weise überrascht zu sein, und sich dabei ausgerechnet auf eine klassistische Kommunistin aus dem ersten Weltkrieg berufen, als sei die Überwindung des Kaiserreichs noch heute das vorrangige Ziel eines jeden anständigen Demokraten und als profitierte ein irgendwie nennenswerter Teil der Gesellschaft von den unbedingten Gewaltfantasien dieser Banden und als sei Solidarität mit „Revolutionären“, deren mutige und visionäre Umsturzpläne anscheinend vor allem die Abschaffung von unbeschmierten Wänden (denn es sind ja nicht ihre Wände), Geld (denn sie haben ja keines, weil man dafür ehrlich arbeiten und dafür wiederum irgendwas gelernt haben müsste, und sei es nur Geschichte) und der Exekutive (denn ein Schutz vor ihren Umtrieben ist in ihren Plänen selbstredend nicht vorgesehen) beinhalten und die also als „Revolutionäre“ fast so untauglich sind wie als Demokraten, sowohl mit Gebrüll und Zerstörung am einfachsten zu erreichen als auch nur irgendwie erstrebenswert, dann fühlt man sich in einer parlamentarischen (also: repräsentativen) Demokratie wenigstens einen Tag lang so heimisch wie sonst eher selten; und möchte sich bei den Aufständischen beinahe für dieses Lebensgefühl bedanken, lässt es dann aber doch lieber sein.

In den NachrichtenMontagsmusikNetzfundstücke
Messa – Babalon

Das Eulenorakel sagt den Montag voraus.Es ist Montag. Britische Schüler sind zu doof, die Uhrzeit abzulesen, ich beneide sie darum. Sogar Mond und Käuzchen (hier rechts im Bild) schlafen noch. Schnell, ein Notfallpanda!

Wenden wir uns nun frohgemut den Nachrichten zu. NBC San Diego berichtet, dass es im Ort eine Gruppe gebe, die wie Frauen für Gleichheit kämpften, „aber für Männer“, als sei Gleichheit „für Männer“ eine ganz besondere Gleichheit. Frauen haben ihnen freilich zumindest voraus, dass sie – anders als Männer – in ihrem Geschlechtsteil eine geladene Waffe verstecken können. Münchener Kolumnisten dürfen inzwischen ungeniert fordern, dass man Heranwachsenden mal wieder ein wenig Wehrpflicht schenkt, damit sie endlich aufhören, Polizisten anzugreifen, jedenfalls die im Inland (hier: Bayern).

Apropos hier: Sie seien „hier, weil es Zeit ist aufzustehen“, befand eine Demonstration am vergangenen Sonnabend in Karlsruhe, aber es handelte sich nicht um Studenten, sondern um Hartz-IV-Empfänger und sonstige Aktivisten. Auch für mich ist es Zeit aufzustehen, jedoch mache ich das am liebsten mit Musik.

Etwa mit dieser hier:

Guten Morgen.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Incelbegabung (Presseschau)

Wer Sex haben will, jedoch wegen Hässlichkeit, Dummheit und/oder bescheuerter Hobbys keinen wenigstens vorübergehend interessierten Partner dafür findet, hieß volkstümlich früher, oft spöttisch gemeint, „Nerd“ oder wenigstens „ewige Jungfrau“. Inzwischen wurde dafür der Begriff „Incel“, was die englischsprachige Abkürzung für „unfreiwillig zolibatär“ ist, etabliert und gilt in den Kreisen, in denen man nur mit „Allys“ (also vorgeblich feministischen Männern, die auch bloß einen wegstecken wollen) verkehrt, endlich wieder als Schimpfwort.

Auf dem Hassportal „Twitter“ ist von einer ekelhaften Kultur derer, die keinen Sex bekommen, die Rede und davon, dass es sich um fehlgeleitete Frauenhasser handle. Feministinnen stellen fest, Frauen schuldeten Männern keinen Sex, und verstehen dabei nicht einmal, dass schon diese Formulierung erklärt, warum sie selbst laut eigener Aussage im selben Kontext noch immer Single sind. Angela Gruber, Fachfrau für das Nichtverstehen von Computertechnik bei „SPIEGEL ONLINE“, sifftwitterte, bei Männern, die unfreiwillig zolibatär leben, handle es sich um eine „Netzbewegung, mit der wir leider noch viel Ärger haben werden“, verweigerte sich aber im Folgenden der Lösungsfindung: Sollte man Hässlichkeit, Dummheit und bescheuerte Hobbys bei Männern sicherheitshalber ganz verbieten?

Und geht es überhaupt nur um Männer? Beim feministischen „Freitag“ fragt Elsa Koester, ob es sich um „maskulinistischen Terror“ handle, bemerkt aber noch rechtzeitig vor dem Textende nach ausgiebiger Herumfragerei, dass Spekulationen der guten Journalisten Art noch niemals waren, und „stellt“ stattdessen „fest“, dass alles letztendlich bei „Sexismus“ zusammenlaufe, der jeden außer „Alphamännern“ benachteilige. Diese Auffassung überschreitet Ländergrenzen: Auch beim Meinungsmedium „Vox“ kennt man „Incels“ vor allem als männliche On- und Offlineterroristen. Ausgerechnet das Frauenfabrikat „Elle“ weiß zur Identität der Erfinderin der „Incel“-„Bewegung“ allerdings dies beizutragen:

1993 erhielt sie ihren Bachelor-Abschluss in Statistik an der Carleton-Universität in Ottawa und sie hatte bis dahin niemals Geschlechtsverkehr oder auch nur etwas ähnliches wie einen festen Freund. Manchmal gab sie ihrem Aussehen die Schuld: klein, etwas übergewichtig, Hautausschlag.

(Frei übersetzt von mir.)

Leider aber schuldeten ihr die Männer keinen Sex.

Die Frau, bislang nur als „Alana“ bekannt, berichtete der „Elle“ weiterhin, sie habe in den folgenden Jahren ein wenig Selbstvertrauen entwickelt, sich Sexcliquen angeschlossen und irgendwann den Punkt erreicht, an dem sie nicht mehr mit Leuten herumhängen wollte, die weniger cool waren als sie selbst, woraufhin sie mit den „Incels“ nichts mehr zu tun haben wollte. Diesen Teil der Geschichte haben die Kommentatorinnen bedauerlicherweise nicht aufgegriffen, denn er enthält den Schlüssel zur Lösung des Problems mit „dieser Netzbewegung“: Die müssen einfach nur mal flachgelegt werden, dann geht’s wieder.

Gern geschehen!

In den NachrichtenMusik
Abba Nord und Abba Süd: Discounter endlich wieder vereint

Kaum sind Helene Fischer und Campino die anscheinend letzten verbliebenen Preisträger des hoffentlich letzten „Echo“-Preises, werden die Musiker übermütig: Nord- und Südkorea nehmen nach 35 Jahren des Krieges wieder gemeinsam neue Lieder Friedensverhandlungen auf. Sie kamen nicht mit leeren Händen:

​„Ich habe aus der Hauptstadt Naengmyeon Pjöngjanger Art mitgebracht. Es wäre gut, wenn Sie die Nudeln beim Bankett heute Abend kosten würden“, zitiert die Nachrichtenagentur RIA Novosti den nordkoreanischen Staatschef.

Eigentlich blöd, dass es in der DDR nur Gurken gab.

NerdkramsNetzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Golems Headless Editors sind live

Und dann war da noch dieser „Bericht“ mit der Überschrift „Microsofts Serverless Container gehen live“, in dem eine neuartige Idee angepriesen wird:

Azure Container Instances ist Microsofts neuer Cloud-Dienst. Das Besondere: Kunden sollen sich nicht um Server oder das Verwalten virtueller Maschinen kümmern müssen. Stattdessen zahlen sie für (…) Container in der Cloud (…).

Ach so – keine Server, nur Container in einer Cloud? Das ist natürlich etwas ganz anderes.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: The Brian Jonestown Massacre – Don’t Get Lost

The Brian Jonestown Massacre - Don't Get LostDas US-amerikanische Septett The Brian Jonestown Massacre – ein nicht unkluges Wortspiel unter Einbeziehung von Brian und Jim Jones – ist seit Jahren eine feste Instanz, wenn es um die musikalische (wenn auch nicht kulturelle) Nachfolge der unvergesslichen Velvet Underground geht. Außer schlechter Musik ist ihnen aber auch eine Pause fremd: 2017 erschien schon wieder ein Studioalbum von ihnen. Wer erwartet hat, dass ihnen wenigstens dieses misslungen sein könnte, der irrt.

Schleppenden Psychedelic Rock („Dropping Bombs On The Sun“) und Krautiges („Throbbing Gristle“, vermutlich benannt nach der leider aufgelösten Band gleichen Namens) gibt es auf „Don’t Get Lost“ (Amazon.de, TIDAL), eine Aufforderung, deren Befolgung angesichts des Coverbildes und der Liedtitel keine leichte Aufgabe ist, ebenso zu hören wie Shoegaze und den guten, alten Lo-Fi-Garagenpunk („Nothing New To Trash Like You“).

Dropping Bombs On The Sun

Auf die schlimme Früh-90er-Tanzmusik „Acid 2 Me Is No Worse Than War“ hätte die Band meinetwegen gern verzichten können, jedoch stimmt der Ausklang des Albums, „Ich bin Klang“, wieder versöhnlich: „Am Anfang war Ton“ erzählt eine in sich selbst verschränkte Frauenstimme, unterlegt mit schwappender 60er- und 80er-Elektronik, und dass die schönsten Muster die Musik male.

Wie wahr.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 25. April 2018

Bande benutzt den Finger eines toten Mannes, um dessen Smartphone zu entsperren.


Andreas Kemper „erklärt“, was Männerrechtler mit der NPD zu tun haben:

Und da gibt es ganz deutlich NPD-Positionen. Dazu gehört (…) ein illegaler Internet-Auftritt ohne gültiges Impressum usw.

Kein gültiges Impressum zu haben ist rechts! :hitler:


Die unfassbare PETA findet, dass man in Meuchelspielen angeln kann, sei Tierquälerei.


Andere Länder, andere Sitten: In Kanada wurde ein Amokfahrer von einem Polizisten zur Aufgabe gequatscht, weil dieser ihn nicht erschießen wollte.


Paul Ingedaay merkt zur Auflösung der Eta im Feuilleton der „FAZ“ (möchte wegen LSR nicht verlinkt werden) an:

Besonders zynisch ist die Unterscheidung zwischen zufälligen Todesopfern und denen, auf die Eta-Attentate tatsächlich zielten. Deren Angehörige werden nämlich nicht um Verzeihung gebeten, denn in den Augen der Terroristen richtete sich der „bewaffnete Kampf“ ja völlig zu Recht gegen die Urheber des „politischen Konflikts“.

Nur ein noch besondererer Zyniker würde ergänzen wollen, dass sich das ja eigentlich auch nicht wesentlich von der Vorgehensweise der Scheiß-NATO unterscheidet, deren „Krieg gegen den Terror“ ja auch das Umbringen der Urheber des „politischen Konflikts“ zum Ziel hat und manchmal halt aus Versehen Kollateralschäden anrichtet. Selbstverständlich ist dieser Vergleich aber unangemessen: Die sind, wissen Qualitätsmedien, nun mal „böse“.


In bayrischen Behörden sollen künftig noch mehr Kreuze hängen als bisher. Das soll wahrscheinlich die Begeisterung der dortigen Beamten für einen langen, schmerzhaften Leidensweg signalisieren.

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Royal mit Käse.

Der Wirbel (Vorsicht: Google!) um die scheinbar bedeutsame Geburt des dritten Kindes eines monarchistischen Britenpärchens nebst ausführlicher Würdigung der dortigen Nahrungskette lässt zwar nicht nur, aber durchaus auch den Schluss zu, dass die Sehnsucht nach einem starken, jungen, charismatischen Führer auch ein Jahrhundert nach dem Ende des bislang letzten deutschen Kaiserreichs noch mehrheitstauglich ist, so lange nur die Regenbogenpresse (u.a. „WELT“ und „Süddeutsche Zeitung“) hinreichend entzückt von ihm berichtet.

In den NachrichtenMontagsmusik
Shob – Except I’m 65 // Eine Partei wie ein Unfall.

Heute mal nur eine kurze.Es ist Montag. Dem Internet sei es gedankt, dass der Weg hierher gesäumt war von Musik, die miteinander zu teilen letztlich alles ist, was bleibt. Klang gewordenes Glück ist die zweitbeste Art von Glück, die beste jedoch trägt zweifarbiges Fell.

Völlig internet- wie glücksfern hingegen sind ganz andere Gestalten: Den gestrigen SPD-Parteitag, in dessen Verlauf zwecks „Erneuerung“ der Partei eine alte Funktionärin an die Spitze gewählt wurde, was allein deshalb bereits als ein gutes Zeichen gilt, weil sie keinen Penis, sondern eine Vagina trägt, haben zu viele Menschen in meinem Umfeld aktiv verfolgt; die gleichen Leute regen sich über Gaffer bei einem Autounfall auf, obwohl ein Autounfall doch noch weniger Schaden anrichtet.

Am vergangenen Dienstag sabbelte Hannes Stein für das Medium „WELT ONLINE“ ins Web hinein, dass „die Medien“ sich mit den Pulitzer-Preisen selbst „feiern“, und zwar „zu Recht“. So reflektiert muss man ja auch erst mal sein. Noch weniger reflektiert allerdings der Betreiber eines anderen großen Webportals, der Facebook heißt und auf den öffentlichkeitswirksamen „Datenskandal“ folgendermaßen reagiert: Das soziale Netzwerk hat jetzt eine automatische Gesichtserkennung. – In einem wiederum anderen Medium empfahl der als „Erfinder des iPods“ (laut „heise online“ aber auch einfach nur des iPod) gescholtene Tony Fadell der Firma Apple, künftig etwas mehr dagegen zu tun, dass iPhones so viel benutzt würden. Eine Reaktion von Apple ist nicht überliefert, vermutlich lachen sie immer noch. Auch etwas zu lachen hatte ein unbekannter Bankkunde – die Deutsche Bank hatte ihm aus Versehen 28 Milliarden Euro irgendwohin überwiesen. Das sind Fehler, die unsereins gar nicht machen kann. Ich weiß aber noch nicht, ob mich das freuen sollte.

Beim Osterhasen und/oder beim Meucheln von Predigern handelt es sich, glaubt man dem „Christlichen Medienverbund KEP“, um einen Glaubensinhalt, über den man sich nicht lustig machen dürfe. Es bleibt unklar, warum sich ein vermeintlich aufgeklärtes Land noch immer eine Steuer zugunsten dieser fröhlichen Gesellen leistet. Man könnte das Geld doch viel sinnvoller anlegen, zum Beispiel in gute Musik.

Wie wäre es mit dieser hier?

SHOB – Except i'm 65 (feat Laurène P Magnani)

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Sperrklauselfantasie

Wäre es im Schein der Pläne, abermals bestimmten Parteien aufgrund einer willkürlich gezogenen Grenze die Wahrnehmung ihres Wählerauftrags zu verwehren, nicht eigentlich ratsam, diese willkürlich gezogene Grenze nicht etwa auf zwei bis fünf, sondern auf fünfzig Prozent der erhaltenen Stimmen festzusetzen, woraufhin wenigstens eine einzige Partei sich darum bemühen müsste, die meisten Bürger inhaltlich zu überzeugen?

In den NachrichtenPolitik
Gefasel lesen gegen Rechts!

Was haben die SPD und der Axel-Springer-Verlag eigentlich außer einer Vergangenheit mit Christopher „Knaller“ Lauer noch gemeinsam? Darüber geben die heutigen Nachrichten Aufschluss.

Die eyeo GmbH nämlich, die auf ihrer Website gegenwärtig einen Graffiti sprühenden Ninja zeigt und damit offensichtlich zum Ausdruck bringen möchte, dass sie die coole Firma ist, die ungefragt bunte Bildchen auf fremde Wände schmiert, hat vom Bundesgerichtshof bestätigt bekommen, dass es im Ermessen der Nutzer liegt, ob sie Werbung sehen möchten oder nicht. Der Dadaverlag Axel Springer hat daraufhin eine Verfassungsbeschwerde angekündigt, da „Programme wie Adblock Plus die freiheitliche Medienordnung gefährdeten“, als zwinge eine „freiheitliche Medienordnung“ den Konsumenten zu bestimmtem Konsum und nicht etwa den Anbieter zu einem bestimmten Angebot.

Geht es nach Katarina Barley, Nachfolgerin Heiko Maas‘ im Justizministerium und zugleich eines meiner lebenden Lieblingsargumente gegen die Frauenquote, dann ist eine solche „Medienordnung“, wenn ich sie gerade nicht völlig falsch verstehe, schon bald Gesetz: Um die Bildung von „Filterblasen“, in denen Menschen nur noch mit Nachrichten umgeben sind, die sie auch interessieren, zu erschweren, sollen „soziale Netzwerke“ wie Facebook dazu angehalten werden, pluralistisch zu agieren, indem es seine „Programme“ (hier wohl: Algorithmen) anpasst, denn diese sollten „nicht allein darauf ausgerichtet sein, was einem gefällt“. Als führte es unvermeidlich zu einer Radikalisierung des Volkes, wenn es keine Wahl mehr hat, ob es mit Nachrichten über Sport, Phil Collins oder zum Beispiel die SPD beschallt werden möchte! Dabei hat mich politisch bisher kaum etwas so nachdrücklich bewegt wie die Ergüsse von Ministern aus dem Analogland.

In jüngeren Umfragen gewinnt die SPD im Übrigen wieder neuen Zuspruch. Wäre ich AfD-Mitglied, auch ich würde in diesen Umfragen angeben, dass ich natürlich die SPD wähle. Eine bessere Werbung als deren Personalentscheidungen könnte ich selbst für die Oppositionsführerin niemals machen.

Immer noch tönten die frei erfundenen Statistiken aus dem Televisor. Im Vergleich zum vergangenen Jahr gab es mehr zu essen, mehr Kleidung, mehr Hauser, mehr Möbel, mehr Kochtöpfe, mehr Heizmaterial, mehr Schiffe, mehr Flugzeuge, mehr Bücher, mehr Neugeborene – mehr von allem außer Krankheit, Verbrechen und Wahnsinn.
George Orwell: 1984

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Was man noch sagen darf.

In der medialen Diskussion über den MDR Sachsen, der gestern eine Diskussionsrunde über „politische Korrektheit“ – also das vermeintliche Schönformulieren von grobem Unfug – abhalten wollte, scheint es einen Konsens zu geben, der mit dem erfolgreichen Wegbrüllen der Sendung seine endgültige Form erreicht zu haben scheint. Dieser Konsens lautet offenbar, dass man selbstverständlich „Neger“ nicht mehr sagen dürfe, weil sich davon unter Umständen irgendein Anwesender verletzt fühlen könnte.

Nun leben wir in einer Zeit, in der eine größer werdende Gruppe eine ständige Verletztheit zum Lebensstil erhoben hat und diese, von US-amerikanischen Hochschulen ausgehend, auch in Deutschland zu kultivieren versucht, was vor nicht allzu langer Zeit einen sehr anstrengenden Streit über ein Gedicht an einer Wand anfeuerte, der mit der Entfernung des Gedichts endete und viele Menschen als erschreckend dumm entlarvte. Insofern scheint es nicht immer die richtige Entscheidung zu sein, in jeden Sprechakt möglicherweise verletzte Gefühle einzubeziehen; zumal die Empörung oft eine Stellvertreterempörung ist: Dem MDR Sachsen wurde eine gewaltige Welle an Aufregung entgegengespült, weil man doch „Neger“ nicht sagen dürfe, weil dunkelhäutige Mitmenschen das bestimmt nicht gut finden. Keiner der Aufgeregten war selbst betroffen. Der Volkssport des vertretenden Beleidigtseins erscheint mir gegenüber den angeblich Betroffenen unverschämt, weil entmündigend, und ist damit eine Herabwürdigung dieser angeblich Betroffenen, die doch gerade angeprangert werden sollte.

Ansonsten ist die Frage falsch formuliert: Selbstverständlich darf man „Neger“ sagen und sogar schreiben, wie ich es hier gerade erst getan habe, und „Zigeuner“ sowie „Fettwanst“, der Fett-ist-schön-„Bewegung“ (als ginge es ihnen um Bewegung!) zum Trotz, ebenso. Kein Gesetz verbietet die Verwendung von einzelnen Wörtern unter allen Umständen, was gut und richtig so ist. Man darf auch Phil Collins hören, was wahrscheinlich niemanden unglücklicher macht als mich. Nicht alles, was man darf, ist jedoch auch empfehlenswert, und sobald eine nicht allzu persönlich vertraute und nicht unsympathische Person der Adressat ist, ist ein gewisses Grundniveau empfohlen. Es besteht ein nicht nur oberflächlicher Unterschied zwischen der Anrede eines alten Schulfreunds und eines Fremden als „du Neger“. Man darf also, wenngleich mit begründeter Ausnahme des ollen Hitlergrußes, beinahe alles sagen, nur nicht zu jedem.

Aber das passt so natürlich nicht in einen Tweet.