Es ist Montag. Thomas Mann, erfahre ich, sei ja vor 75 Jahren gestorben und man könne sich jetzt den ermüdendsten Wälzer, den ich jemals in Händen zu halten das Missvergnügen hatte (i.e. „Buddenbrooks“), legal im Internet runterladen, ohne dafür irgendeinem Erben auch noch Geld zahlen zu müssen. Damit ist das Werk von Thomas Mann für die einzige noch lebende Zielgruppe des Werkes von Thomas Mann, nämlich leidensfreudige Masochisten mit Einschlafproblemen, leider weitgehend unbrauchbar geworden. Ich empfehle stattdessen „Autobiografien“ von irgendwelchen RTL-Knalltüten. Die sind zwar nur in den allerseltensten (ja, Tippfehlerkontrolle, ich schriebe sehr gern „alleeseltensten“, weiß aber leider nicht, was das nun wieder sein soll) Fällen tatsächlich Autobiografien, aber dafür wird man davon nur blöd und nicht so anstrengend müde.
Habe ich mir sagen lassen.
Heute nur ein Absatz zur Politik, weil ich die Woche nicht mit ganz so schlechter Laune beginnen lassen möchte: Die unter anderem in der „FAZ“ kolportierte Feststellung seitens der beiden beteiligten Regierungsvorsitzenden, Italien und Deutschland hätten sich „noch nie so nahe wie heute“ gestanden, wäre eine interessante Antwort im Jeopardy. Eine mögliche Frage dazu hätte etwas mit dem 12. September 1943 zu tun.
Ausgerechnet in einem FreeBSD-Blog fand ich die unterhaltsame Beobachtung, dass und wie der skrupellose US-Konzern Red Hat, berüchtigt für (unter anderem) systemd, schrittweise das völlig unnötigerweise gehypte Linux zu einem Spielball kapitalistischer Interessen umformt. Viel besser als Windows. Schon verstanden.
Mein Wort der Woche: „Spültabskino“. Wusstet ihr, dass es bei Netflix, dessen Dienste zu abonnieren mir schlichtweg zu bescheuert wäre, eine Kategorie namens „Casual Viewing“ gibt, in der Machwerke zu finden sind, die einzig dem „Zweck“ dienen, dass sie im Hintergrund ein bisschen visuelles Rauschen erzeugen, während man den Abwasch erledigt, kocht oder zum Beispiel ausgiebig in der Nase bohrt? Für Menschen, die derlei Ausreizungen der Grenzen des Kunstbegriffs für habens- oder auch nur produzierenswert halten, wurde die Beschallung von Supermärkten, Hotelfluren und Fahrstühlen eingeführt. Geistige ADHS-Sympathisanten, die einen Rappel kriegten, müssten sie mal eine halbe Stunde lang wach sein, ohne dass irgendein inhaltsferner Kram ihre Augen und Ohren verklebt. Ich verstehe die Menschen nicht mehr und – doch, doch – das ist in dieser Intensität sogar für mich eine neue Erscheinung.
Apropos neue Erscheinungen: „heise online“ titelt, Angestellte nutzten „mit KI gesparte Zeit, um KI-Ergebnisse zu korrigieren“; währenddessen stellte sich heraus, dass ChatGPT völlig überraschend zwar Internetquellen durchsucht, aber schon infolge seiner Eigenschaft „stochastischer Papagei“ keine Quellenprüfung (Allergikerwarnung: golem.de) vornimmt. Passt. All das passt.
Passt auch: Musik.
Das, was du forderst, verträgt sich
Nicht im geringsten mit deinem Konsumverhalten
So lässt sich keine neue Welt gestalten
(Via Schwerdtfegr, meinen Dank.)
Guten Morgen.















