NetzfundstückePolitik
Wahl-Schwach-o-Mat (3)

In sozia­len Medien und Alphablogs wer­den zur­zeit Auswertungen des „Wahl-o-Maten“ wie Siegerurkunden prä­sen­tiert. Das scheint eine Art visua­li­sier­ter Gutgläubigkeit hin­sicht­lich der Parteiprogramme zu sein, genau die­se näm­lich wer­den dort blö­de abge­fragt. Dass die mei­sten eher lin­ken Parteien nach einer Wahl nicht mehr viel davon hal­ten, was sie vor­her ver­spro­chen haben, soll­te aber bekannt sein, eben­so auch, dass man sich wün­schen wür­de, die CDU/CSU ver­zich­te­te viel häu­fi­ger dar­auf, ihren Drohungen Taten fol­gen zu lassen.

Im August 2013 schrieb ich zum sel­ben Thema:

Ein Wahl-O-Mat, der Parteien anhand ihres Abstimmungsverhaltens und nicht anhand gedruck­ten Papiers bewer­ten lässt, wür­de sich womög­lich tat­säch­lich dazu eig­nen, wil­li­gen Wählern die rich­ti­ge Entscheidung vorzuschlagen.

Ein sol­cher exi­stiert inzwi­schen, er heißt (nicht unul­kig) „Dein Wal“ und ist seit kur­zer Zeit auch für die dies­jäh­ri­ge Europawahl ver­füg­bar. Zu nie­man­des Erstaunen weist das Abstimmverhalten der Parlamentarier mit dem Programm ihrer Bundespartei näm­lich nur sel­ten Übereinstimmungen auf, selbst die Abgeordnete der Piratenpartei igno­rier­te gele­gent­lich die Mehrheitsmeinung der Piratenpartei Deutschland.

Unverändert sei dar­auf hin­ge­wie­sen, dass, wer nicht weiß, wer zu wäh­len ist, sich nicht unbe­dingt im Internet einen Rat holen soll­te; der „Wal“ scheint den­noch die deut­lich weni­ger beknack­te Alternative zum Wahl-Schwach-o-Maten zu sein.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Tittr (2)

„hei­se online“, 4. Dezember 2018:

Ab 17. Dezember ver­bit­tet sich der Blogging-Dienst Tumblr sexu­el­le Darstellungen. Das hat die Verizon-Tochter am Montag mitgeteilt.

„hei­se online“, 6. Dezember 2018:

Zahlreiche Tumblr-Nutzer berich­ten, dass plötz­lich völ­lig unver­fäng­li­che Inhalte mar­kiert wor­den sind. Darunter etwa nied­li­che Cartoons (mit Kulleraugen), Fotos von Strick-Kerzen oder Bleistiftzeichnungen von Dinosauriern.

(Das müs­sen die­se „intel­li­gen­ten Algorithmen“ sein, die künf­tig urhe­ber­rechts­ge­schütz­tes Material zuver­läs­sig erken­nen kön­nen sol­len. Axel Voss ist ein wah­rer Visionär!)

„hei­se online“, 3. Mai 2019:

Verizon sucht offen­bar nach einem Käufer für die Blogging-Plattform Tumblr. (…) Unter den Tumblr-Interessenten befin­det sich auch Pornhub.

Der freie Markt regelt alles! :ja:

In den NachrichtenNetzfundstückePolitik
Kurz ange­merkt zum 1. Mai

Wenn in einer dop­pelt siche­ren Stadt dazu auf­ge­ru­fen wird, sel­bi­ge zu zer­le­gen, als sei weni­ger intak­ter Wohnraum plötz­lich doch ein guter Zustand, anders­wo gesichts­lo­se Nichtsnutze femi­ni­stisch gegen Deutschland vor­zu­ge­hen pro­pa­gie­ren, als sei ein staa­ten­lo­ser Feminismus einer fried­li­chen Gesellschaft zuträg­li­cher als ein ande­rer, und schließ­lich Kevin Kühnert in einem gewohnt wir­ren Interview den Vorschlag vor­bringt, man sol­le es doch mal mit Sozialismus pro­bie­ren, denn bis­her am Sozialismus geschei­ter­te Staaten sei­en gar nicht sozia­li­stisch gewe­sen, dann möch­te ich lei­se Zweifel an der Vermutung anbrin­gen, dass das schwe­len­de Problem der all­jähr­li­chen Demonstrationen die Schwäche der Gewerkschaften sei - es ist viel­mehr die Schwäche des libe­ra­len Souveräns.


Demnächst bei Amazon: Cyberblockchains in der Cloud!

In den NachrichtenMusikWirtschaft
Spotify: Mit frem­der Kunst in die Pleite

„för­der­land“, 22. August 2012:

Im ver­gan­ge­nen Jahr hat der bekann­te On-Demand-Musikdienst Spotify 188 Millionen Euro Umsatz erwirt­schaf­tet - aber auch sei­nen Verlust deut­lich gestei­gert. (…) 188 Millionen Dollar ein­ge­sam­mel­tem Risikokapital ste­hen etwa 90 Millionen Dollar (610 Millionen Kronen) Nettoverlust in den ver­gan­ge­nen zwei Geschäftsjahren gegenüber.

Sachdienlicher Hinweis aus dem Internet, 22. August 2012:

Pro Lied bekom­men die Rechteinhaber 0,41 Cent (also 0,0041 Euro) von Spotify, die sie sich dann irgend­wie mit den Interpreten, also den eigent­lich Kreativen, tei­len dür­fen.

„hei­se online“, 29. April 2019:

Der Musikstreaming-Dienst Spotify hat die Marke von 100 Millionen zah­len­den Abo-Kunden geknackt. Allerdings weist das Unternehmen im ersten Quartal einen Verlust von 142 Millionen Euro aus. (…) Im Vorjahresquartal hat­te Spotify noch einen Verlust von 169 Millionen Euro bei etwa 75 Millionen Premium-Abonnenten eingefahren.

Ich könn­te Spotifys Aktionäre, die sich von der Investition in die wei­te­re Ausbeutung von Kreativen eine Erhöhung ihres Kontostandes erhof­fen, für den bis­he­ri­gen wirt­schaft­li­chen Werdegang des Unternehmens bedau­ern, aber ich will nicht.


Für Freunde histo­ri­scher Ärgernisse noch ein wei­te­rer Schuldner: Die DDR kostet den deut­schen Steuerzahler im kom­men­den Jahr Partygebühren in Höhe von 61 Millionen Euro. Wehe, es gibt kei­nen Schnaps!

In den NachrichtenMontagsmusik
The Atomic Bitchwax - No Way Man

Es ist Montag. Endlich wie­der Woche, end­lich wie­der aus­se­hen (und zwar schlecht)! Gelegentlich ist die Reflektion das Letzte. „Appetit gut, aber immer müde, müde…“ (Dorette Duck, ganz ande­rer Zusammenhang).

Apropos ande­rer Zusammenhang: Greenpeace sorgt sich um die Schadstoffe von Kreuzfahrtschiffen. Die eige­nen Kampagnenschiffe wer­den ein wenig rup­pi­ger behan­delt. Containerschiffe schließ­lich schei­nen nicht so bedeut­sam - die haben zwar kei­ne Schadstofffilter, aber brin­gen immer das neue iPhone, wie man auf Twitter spe­ku­liert. Ohne Schadschiffe kei­ne Tweets und das wol­len wir ja nicht. Der Hersteller des iPhone-Konkurrenten Galaxy, Samsung, sorgt inzwi­schen dafür, dass sei­ne Fertigkeiten bei der Herstellung falt­ba­rer Mobiltelefone nicht all­zu wei­te Kreise unter Kritikern zie­hen: „Samsung habe über einen Partner gefor­dert, den Teardown zu lösch­ten (sic! A.d.V.), teil­te iFixit mit“, obwohl es dies­mal gar nicht um Explosionen, son­dern ledig­lich um Schmutz ging.

Zum Thema Schmutz viel­leicht noch so viel: In Österreich „hei­ra­ten“ katho­li­sche Priester sym­bo­lisch Mädchen aus ihrer Verwandtschaft, weil das ein sehr schö­ner alter Brauch sei. Keine wei­te­ren Fragen, vie­len Dank.

Es ist Montag. Ersma Gitarren.

The Atomic Bitchwax „No Way Man“ Official Video 2015

Guten Morgen.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Mit dem Geschlecht in Amt und Würde

Letzte Woche frag­te ich hin­sicht­lich vager Andeutungen aus der post­de­mo­kra­ti­schen F.D.P., ob auch sie jetzt die­je­ni­ge Stufe der Degeneration erreicht hat, auf der Herkunft und Geschlecht bereits als Qualifikation gelten.

Tja, scheint so:

Auf dem FDP-Bundesparteitag in Berlin haben die Delegierten kon­tro­vers über Geschlechtergerechtigkeit dis­ku­tiert. (…) [V]orgesehen sind Zielvorgaben für eine Mindestanzahl von Frauen in den Gremien auf allen Ebenen der Partei.

Das Vorhaben zeig­te Erfolg: Eine Mehrheit der Stimmberechtigten nahm den Vorschlag an. Diese Aufgabe eines wei­te­ren ehe­ma­li­gen Parteiideals - Leistung wird belohnt - zugun­sten eines schrä­gen Zeitgeistes, dem­zu­fol­ge man für ange­bo­re­ne Merkmale, die nicht der Kontostand der Eltern sind, bes­ser oder schlech­ter behan­delt wird als ande­re Menschen, über­rascht kaum, fiel doch in der zuvor geführ­ten Debatte („Aussprache“) von einer Delegierten, die anschei­nend außer ihrem Geschlecht kei­ne wei­te­ren Vorteile auf­zu­bie­ten weiß, der Satz:

Vielleicht müs­sen wir Frauen in der F.D.P. ein­fach zwin­gen, zu kan­di­die­ren und Führungsaufgaben zu übernehmen.

Wenig wird die­se elen­de Unterdrückung der Frauen, die sich zur­zeit noch lästig hoch­ar­bei­ten müs­sen, schnel­ler been­den als sie zu einer Kandidatur für das Amt als Frau zu zwin­gen. Wenn das Liberalismus, „freie Demokratie“ gar, ist, dann steht es um sel­bi­gen noch schlech­ter als befürchtet.

Man sol­le jetzt, beschied Dr. Tina Pannes, „Idealismusverteidigungsmädchen“ (Twitter), „die Wut“ wie­der in „Politikliebe“ ver­wan­deln. Wenn das Kartenhaus des Idealismus kra­chend zu Boden fällt, hilft viel­leicht ein Biene-Maja-Pflaster.

Es ist Wahlkampf, die „Idealismusverteidigungsmädchen“ (Twitter) flie­gen tief.

Piratenpartei
Medienkritik CXV: Freiheit. Würde. Katastrophen.

Im September 2017 ver­üb­te die Piratenpartei Deutschland einen alber­nen Imagefilm, der sie zu alter Beliebtheit zurück­füh­ren soll­te. Bekanntlich hat das nicht beson­ders gut funk­tio­niert, die Piratenpartei blieb bis 2018 erst weit­ge­hend unsicht­bar und lan­de­te dann qua­si gleich­zei­tig einen uner­war­te­ten Erfolg und einen erwart­ba­ren Misserfolg, indem sie gegen die EU-Politik von CDU, CSU, SPD und Grünen pro­te­stier­te und Querelen mit ihrer Kandidatenliste ange­tra­gen bekam.

Aus den drei Darstellern des Videos ist trotz­dem etwas gewor­den: Sebastian Alscher ist inzwi­schen Bundesvorsitzender der Partei, Anja Hirschel ist zum bekann­ten Plakatmotiv avan­ciert und René Pickhardt ist René Pickhardt. Leider steht aber schon wie­der eine Wahl an, wes­halb ein wenig Öffentlichkeitsarbeit gera­ten schien. Um die zahl­rei­chen Fehler vom letz­ten Mal - vom erschos­se­nen Drogenvogel bis hin zur Massage-mit-Happy-End-Musik - nicht zu wie­der­ho­len, hat man vie­les anders gemacht.

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In den NachrichtenMir wird geschlechtNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 25. April 2019

Künstliche Intelligenz ist echt eine fei­ne Sache zur Terrorabwehr: In drei Promille der Fälle tippt sie nicht daneben.


Beim ZDF gibt es auch eng­li­sche Untertitel. Hoffentlich ist das Untertitelungsteam bes­ser qua­li­fi­ziert als das Twitterteam.


Ungewöhnliche mora­li­sche Unterstützung für Edward Snowden, der sich seit sechs Jahren vor der NSA ver­steckt: Eigentlich habe er ja Recht gehabt, befin­det die NSA.


Die Grünen, deren Leitbild, das Frauen qua Geschlecht in Vorstände rein­drücken möch­te, gegen Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG ver­stößt, fin­den, dass einer ihrer erfolg­reich­sten Politiker, der tref­fend fest­ge­stellt hat, dass ein Großteil der tat­säch­li­chen Bahnpassagiere eben aus alten wei­ßen Menschen und nicht aus Integrierten besteht, gefäl­ligst aus der Partei gewor­fen wer­den müs­se, weil das gegen „das grü­ne Leitbild“ und das Grundgesetz ver­sto­ße. Ich habe gar nicht genug Stirne für mei­ne Hände.


Eine kuwai­ti­sche Ärztin hat ein Mittel gegen Homosexualität gefun­den: Einfach etwas in den Hintern schie­ben und dabei Zwiebeln essen.


Fefe fasst das Treiben von Mozilla gut zusam­men: „Was die immer alle mit ihrem Python haben!“

Mir wird geschlechtNetzfundstücke
Medienkritik extern: Ein Foto ist kein Foto.

Auch:

Das Bild des schwar­zen Lochs von M87 ging um die Welt. Aber es ist kein Foto. (…) Mathematisch kann gezeigt wer­den, dass es eine unend­lich gro­ße Anzahl mög­li­cher Bilder gibt. Schlimmer noch: Wenn nur ein Teil der Fouriertransformation vor­liegt, gibt es immer auch fal­sche Bilder, die sogar bes­ser zu den vor­lie­gen­den Daten pas­sen als das ech­te Bild!

Aber das empowert eben nicht so schön.

Netzfundstücke
Du bist, was du isst

In den Kolumnen bei SPARGEL „SPIEGEL ONLINE“ wur­de die­ser Tage nicht nur fest­ge­stellt, dass Spargel men­schen­ver­ach­tend sei, son­dern auch unter Zuhilfenahme eines Deppenkommas rich­tig erkannt:

„Zigeunerschnitzel“ zu essen, ist kein Menschenrecht.

So viel Weisheit hät­te ich Ferda Ataman („lebt in Berlin“, aber als Diagnose) auf­grund des publi­zie­ren­den Mediums gar nicht zuge­traut: Es gibt kein Menschenrecht dar­auf, einem Fleischgericht nicht nur einen bestimm­ten Namen zu geben, son­dern es über­dies zu verspeisen!

Und wei­ter:

Politisch kor­rekt zu sein, steht für die grund­sätz­li­che Haltung, respekt­voll mit­ein­an­der umzugehen.

Und mit sei­nem Mittagessen, ver­steht sich.


Inzwischen bei der SPD: Katarina Barley, Spitzenkandidatin ihrer „Partei“ für die kom­men­de Europawahl und somit viel­leicht knapp im näch­sten euro­päi­schen Parlament, erklärt Physik.

Ich fin­de es gut, dass auch für E-Books bald der ver­min­der­te Mehrwertsteuersatz gilt. Meine Lieblingsbücher (…) las­sen sich so auch leich­ter auf Reisen mitnehmen.

Man kennt das ja: Frustrierte Gesichter beim Aufgeben von Koffern - die Mehrwertsteuer ist zu schwer und kann lei­der nicht mit­kom­men. Endlich gehört die­ses Problem bald der Vergangenheit an!

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusik
Циолковская - Про Господа и Будду (live)

D̲̬̲̹̹ͥ͌ͯͩ̉̈͡ḭ̠̗̞͕̜̯̓ͭe̛̠̓͋ ̵̖̹̦̹S͙͐ͧọ̗͊͐ͪ̅͟n͖͖̺͔̙̑͡n̫̗͖̠̰͓̩e̴ͥͧ̀̓ͫ̑ ̻̼̮̹̎ͅs͒̄͆̆̏ͧc̹̙͉̥͉͍ͭ̓ͤͩ͜h͈̹̟̝̫̳̝ͨ͂̔̌̓e͔͉̥͞ͅǐ̫͉̮̥͊͒ͧ̂̐nͫ̒ͧ̿t͎̹̗͇̐ͤ..̷̮͓̟͎ͯ̈́ͦ̓ͮ̏.̬̬̗̘͚̒̾̿̾̎͠Es ist Montag. Es ist doch Montag, oder? Hunde sind sau­be­rer als Menschen mit Bart, über Pandabären fällt bei „ze.tt“ natür­lich wie­der kein Wort.

Die AfD, wuss­te am Sonnabend „Emnid“ zu ver­mer­ken, sei in Neufünfland der­zeit - ein Schock! - die umfra­gen­stärk­ste Partei. Ich bin davon über­zeugt, dass das mit der bis­he­ri­gen Politik in den betref­fen­den Regionen über­haupt nichts zu tun hat. In Berlin ver­sucht man es trotz­dem auf bekannt plum­pe Weise: Den rich­ti­gen Sozialismus habe es bis­her ja auch noch gar nicht gege­ben. Sozialismus ohne eine demo­kra­ti­sche Organisation der Gesellschaft gebe es nicht, hei­ße es dort, berich­tet Johannes C. Bockenheimer. Eine demo­kra­tisch orga­ni­sier­te Gesellschaft, die im rich­ti­gen Sozialismus leb­te, wähl­te die­sen aber wahr­schein­lich schnellst­mög­lich ab. In Sri Lanka nimmt die Regierung den Bürgern Twitter und Facebook weg, weil dort - in Sri Lanka, nicht auf Twitter und Facebook - Bomben deto­nier­ten. Das haben sie jetzt davon. Die katho­li­sche Kirche för­dert wäh­rend­des­sen den Wiederaufbau der abge­brann­ten Teile der Notre Dame. Finanziell? Haha, natür­lich nicht!

Apropos Finanzen: Bei Microsoft wer­den alte wei­ße Männer offen dis­kri­mi­niert. Mich über­rascht nicht, dass das Presseecho nebst femi­ni­sti­schem Geplärre auf allen Kanälen dies­mal eher lei­se aus­fällt. - Ärgerlich ist es, sich nicht ent­schei­den zu kön­nen, ob man eher „Uploadfilter“ oder das Handelsabkommen mit Kanada ablehnt. Drei Jahre nach der Dauerbeschallung mit Demonstrationen „gegen CETA“ stellt sich jetzt her­aus, dass die­ses CETA uns noch mal nütz­lich wer­den könn­te: Uploadfilter kol­li­die­ren mit CETA. Es gibt kei­ne Überlebenden.

Zu phi­lo­so­phi­schen Themen etwa bei „SPIEGEL ONLINE“ lesen zu wol­len berei­tet Kopfpein. Gegen Kopfpein hilft aller­dings auch heu­te garan­tiert: Musik.

Ciolkowska - Про Господа и Будду (udUbrenje cover) // 18. 11. 2018 // live @ Сердце

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Merzbow, Keiji Haino, Balázs Pándi - An Untroublesome Defencelessness

Merzbow, Keiji Haino, Balazs Pandi - An Untroublesome DefencelessnessLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Zu den hier wie­der­keh­ren­den Musikern der letz­ten Zeit zählt der Gitarrist Keiji Haino, von dem ich inzwi­schen bei­na­he anneh­men möch­te, dass es phy­si­ka­lisch unmög­lich ist, ihn auf einem schlech­ten Musikalbum spie­len zu las­sen. Seit 2016 kann man ihn auch auf „An Untroublesome Defencelessness“ (Amazon.de, TIDAL) hören, auf dem er an der Seite des her­vor­ra­gen­den Noisemusikers Merzbow sowie des Schlagzeugers Balász Pándi musiziert.

Das Album besteht aus zwei Stücken, die in drei bezie­hungs­wei­se vier parts auf­ge­teilt sind. Ein Genre ist zu mei­ner Freude nicht aus­zu­ma­chen. Das erste der bei­den Stücke, „Why Is the Courtesy of the Prey Always Confused with the Courtesy of the Hunters…“, klingt unge­fähr so: Wuschhhhh PIU wrrrrrrrrrrrrrr NIUNIU! Da kann man mit­sin­gen. - Merzbow erzeugt einen wal­len­den Klangteppich, dazu spielt Balász Pándi eine Vielzahl an Rhythmen, immer wie­der lässt Keiji Haino sei­ne Gitarre und/oder Synthesizer hoch­tö­nig dazwi­schen­ru­fen. Als Schulklasse müss­ten sie alle nach­sit­zen, als Musikgruppe ist es ein Gedicht. Vergleiche? Pff!

Das fast genau so grif­fig hei­ßen­de zwei­te Stück, „How Differ the Instructions of the Left from the Instructions of the Right?“ (gute Frage auch), nimmt, viel­leicht etwas deut­li­cher von einer unge­dul­di­gen Gitarre getrie­ben, die­ses Muster auf und spinnt es wei­ter. Immer wie­der glau­be ich in den Einwürfen der Gitarre Wörter zu erken­nen: sie rifft nicht, sie erzählt eine Geschichte.

Merzbow / Keiji Haino / Balázs Pándi ‎– An Untroublesome Defencelessness (Full Album)

Der drit­te part die­ses Stücks beginnt mit akzent­hal­ti­gen eng­li­schen vocals, die Keiji Haino, einem enga­gier­ten Politiker ähn­lich, wie von einem Podest her­un­ter­schreit. Es geht unter ande­rem um das Buch der Ewigkeit, aber wer gute Texte hören möch­te, der hört ver­mut­lich schon seit min­de­stens zwei Absätzen lie­ber etwas ande­res als die­ses Album. Während einer Redepause inten­si­viert sich ein Fabrikhallen-indu­stri­al, wie ich ihn unter ande­rem bei Plurals schon zu hören das Vergnügen hatte.

Dass ich melo­die­frei­en Lärm mag, hat­te ich hier in der Vergangenheit ja bereits durch­schei­nen las­sen. „An Untroublesome Defencelessness“ ist inso­fern eines die­ser Alben, die lang­jäh­ri­gen Lesern viel­leicht ein ähn­li­ches Vergnügen berei­ten wie bereits die vor­he­ri­gen. Wie dem auch sei: Mir gefällt’s.

ComputerIn den Nachrichten
„Alexa, siche­re mein Kraftwerk!“

Richtiges Problem, fal­sche Lösung:

Es ist der Beginn einer ganz neu­en Qualität von Cyberangriffen. So zumin­dest schät­zen Experten einen Hackerangriff in Saudi-Arabien ein. Eine Gruppe hat dabei einen Computervirus in das System eines Kraftwerks ein­ge­schleust und hät­te es damit zer­stö­ren kön­nen[.] (…) [I]n der glo­ba­li­sier­ten Welt, in der immer mehr Dinge mit dem Internet ver­netzt sind, gibt es kein „weit weg“ mehr[.]

Kraftwerke sind also ver­gleichs­wei­se leicht angreif­bar, weil irgend­ein Hipsterdödel sie „mit dem Internet ver­net­zen“ muss. Macht man halt so. Das Problem wäre, meint Eva Wolfangel von „ZEIT ONLINE“, daher ein­fach aus der Welt zu schaf­fen: Man möge ein­fach die­se Totalvernetzung sein las­sen ein TÜV-Siegel drankleben:

Rossow ist über­zeugt, dass es in Zukunft mög­lich sei, einen völ­lig feh­ler­frei­en Code zu garan­tie­ren und eine ent­spre­chen­de Zertifizierung für kri­ti­sche Infrastrukturen einzuführen.

Bis dahin dürf­te es genü­gen, ein­fach mehr Code auf das Problem zu schmei­ßen, bis man es nicht mehr sieht:

Bis dahin müs­sen Unternehmen ande­re Sicherheitsmechanismen ein­bau­en, um Angriffe zumin­dest zu erschweren.

Ob es schon eine „Alexa“ mit Türsteherfunktion gibt?