In den NachrichtenPolitik
Das hal­be Prozent aus Neoweimar

Hinab mit dem Geschmeiß!Auf Twitter ist die­ser Tage wie­der Radau, denn auf Twitter ist der Wunsch nach Gewalt nicht gern gese­hen. Folgerichtig unter­nimmt Twitter Anstrengungen, Blödsinn wie „Faschos aufs Maul“ aus dem eige­nen Netzwerk fern­zu­hal­ten. Trotzig geben die Sanktionierten bekannt, sich von so etwas nicht auf­hal­ten zu las­sen, obwohl Twitter ein „nazi­freund­li­cher Scheißhaufen“ (ebd.) sei. Warum man unbe­dingt wei­ter­hin einem „nazi­freund­li­chen Scheißhaufen“ ein Kunde sein will, bleibt frei­lich uner­klärt. Denjenigen, denen jede wei­ße Wand nur Recht ist, um ihre Schnappatmung drauf­zu­sprü­hen, sind sol­che Details ver­mut­lich aber auch egal. Dort hört ihnen wenig­stens mal jemand zu.

Dass die Sperren zumin­dest bedeu­ten, dass Twitter das Recht des Einzelnen dar­auf, nicht von einem auf­ge­brach­ten Pöbel ver­mö­belt zu wer­den, in Ehren hält, kommt in der Welt der Guten nicht als Bewertungskriterium vor. Auge um Auge. Der Verrückte mit den mei­sten Fähnchen ent­schei­det über Gut und Böse, flei­ßig befeu­ert von grund­sätz­lich an „Haltung“ inter­es­sier­ten Medienschaffern. Nun ist ein gebeug­ter Rücken nun mal auch eine Haltung, was zu Ausfällen wie dem führt, was die „Braunschweiger Zeitung“ gestern ver­zapf­te: Anlässlich einer Demonstration gegen Rechtspopulismus, an der trotz­dem die rechts­po­pu­li­sti­sche SPD teil­neh­men durf­te, hat­ten sich in Braunschweig „über tau­send Menschen“ ver­sam­melt. Die Stadt Braunschweig, Umland nicht ein­ge­rech­net, hat zur­zeit etwa eine Viertelmillion Einwohner, aber das steht da nicht.

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In den NachrichtenPolitik
Das Internet ist an allem schuld: Nachtrag.

Da nun auf bei­den Seiten des poli­tisch rech­ten Spektrums, bei den Grünen und der CSU näm­lich, wie­der ein­mal die Killerspiele - mit­hin also: die Gamingszene - als Ursache aller Übel von Weltkrieg über die Architektur Hannovers bis hin zu Fußpilz und Zahnbelag aus­ge­macht wor­den sind, der Attentäter von Halle das Schießen aber bei der Bundeswehr und nicht etwa in Transport Tycoon gelernt hat: Wäre es dann nicht an der Zeit, noch­mals dar­über nach­zu­den­ken, ob der ver­meint­li­che Mehrwert der Bundeswehr ihre Nachteile wirk­lich übersteigt?

Das ganze Leben ist ein Spiel

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeswehr abge­schafft gehört.


Vor Wahlen, las ich, gel­te in Polen ein Verbot der poli­ti­schen Meinungsäußerung. Ich wür­de mir so was auch für deut­sche Politiker wünschen.

In den NachrichtenPolitik
Das Internet ist an allem schuld.

Ich war bereits in Sorge, dass Pawlow wider­legt wor­den ist, aber end­lich erlö­ste mich das Fernsehen:

Horst Seehofer will nach Halle den Sicherheitsbehörden mehr Kompetenzen einräumen:

„Deshalb brau­chen wir drin­gend die Befugnisse, dass wir auch das Internet überwachen“[.]

Und das Schlimmste dar­an ist, dass jetzt schon fest­steht, dass, wer immer Horst Seehofer im Innenministerium nach­fol­gen wird, uns Horst Seehofer noch schmerz­lich ver­mis­sen las­sen wird.

In den NachrichtenNerdkrams
Hackertum: Schachmatt.

Apropos gestern.

Während die hal­be Medienwelt die lang­wei­li­ge Stadt Halle auf­such­te, befass­ten sich EDV-Kundige damit, dass ein uraltes Passwort von Ken Thompson, Initiator des Unix-Projekts, deko­diert wor­den war. Hinreichend viel Rechenaufwand habe genügt, so ist zu lesen. Das durch­aus bemer­kens­wer­te Passwort, hier absicht­lich nicht refe­ren­ziert, fand schnell eine wei­te Verbreitung in Blogs und Fachpresse.

Als sei es eine Nachricht, wel­ches Passwort ein zwei­fels­oh­ne talen­tier­ter Hacker um 1980 her­um ver­wen­det hat!

Entsprechend wäre zu wün­schen, statt die­ser ver­meint­li­chen Neuigkeit ver­brei­te sich viel­mehr die Reaktion Rob Pikes auf die Veröffentlichung:

Das [Passwort] hät­te ich euch auch sagen kön­nen. Man neigt dazu, (ver­se­hent­lich) Passwörter zu ler­nen, wenn sie kurz sind und neben­an oft genug ein­ge­ge­ben wer­den. (…) So inter­es­sant es aber auch ist, so fin­de ich die­ses Hacken doch wider­lich. Es war damals wider­lich und es ist es immer noch. (…) Heutzutage scheint die Position zu sein, dass, wenn die bösen Jungs es tun, die guten Jungs dafür belohnt wer­den soll­ten, es zuerst zu tun. Das ist besten­falls unauf­rich­tig und schlimm­sten­falls gefährlich.

(Miese Übersetzung von mir.)

Sie ver­ste­hen es nicht. Sie wer­den es nicht ver­ste­hen. Sie wer­den nicht dafür bezahlt, es zu verstehen.

Und des­we­gen wird es nie­mals bes­ser werden.

In den NachrichtenPolitik
Hallehölle: Frank-Walter Steinmeier über Geschichte und Gegenwart im Geschwätz von gestern

Ab 2001, 56 Jahre nach der Räumung der bis­her letz­ten gesamt­deut­schen Folterlager und immer­hin elf Jahre nach dem vor­läu­fi­gen Aus des Staates mit dem uner­war­te­ten Nahschuss, beging der Kanzleramtschef eini­ge legen­dä­re Fehler:

Kurnaz war Ende 2001 in Pakistan ver­schleppt und von Januar 2002 bis August 2006 ohne Anklage im US-Folterlager Guantánamo fest­ge­hal­ten wor­den. Kurnaz und sein Anwalt wer­fen Steinmeier vor, sich als dama­li­ger Kanzleramtschef einer Auslieferung des Inhaftierten in den Weg gestellt zu haben (…). Zudem ließ Steinmeier Kurnaz in dem Folterlager in einer Geheimaktion ver­hö­ren, setz­te sich offen­bar aber – anders als sein Amtsvorgänger Joseph „Joschka“ Fischer – nicht für Kurnaz’ Freilassung ein.

Wie man es von einem Staat mit histo­ri­scher Verantwortung erwar­ten kann, ver­lor Frank-Walter Steinmeier nach die­ser Remineszenz an die gute alte Zeit sei­nen Posten im Kanzleramt und wur­de bereits 2005 zum Außenminister degra­diert. Wie zum Trotz ließ er erst im November 2016 hin­sicht­lich der ollen Kamellen ausrichten:

„Die Geschehnisse um Herrn Kurnaz lie­gen vie­le Jahre zurück“, sag­te Schäfer am Mittwoch in Berlin.

Nach drei bis vier Jahren ist es dann auch mal gut mit den lästi­gen Vorwürfen; und nach fünf­zehn doch erst recht! Man kann von einem deut­schen Politiker doch nicht erwar­ten, dass er sich län­ger als nötig für eine sol­che Lappalie schämt! - Es sei denn, den Fehler hat nicht man selbst began­gen, denn dann ist die Geschichte als Lehrmeister gesetzt. Gestern etwa wur­den in Halle eine Frau vor dem jüdi­schen Friedhof und einen Mann in einem Döner-Imbiss erschos­sen, nach­dem der Schütze es nicht geschafft hat­te, eine Synagoge zu betre­ten. Folgerichtig quatsch­te Frank-Walter Steinmeier, als Bundespräsident (SPD) inzwi­schen ganz unten ange­kom­men, zeit­ge­nös­sisch umju­belt und stil­kon­se­quent in die erst­be­ste (ZDF) Kamera rein:

Die Geschichte mahnt uns, die Gegenwart for­dert uns.

Deutsche, die sich erdrei­sten, dar­über zu urtei­len, was für ein Staatsoberhaupt sich ande­re Staaten erlau­ben, regen mich zuse­hends enor­mer auf.

NetzfundstückePolitikWirtschaft
Liegengebliebenes vom 10. Oktober 2019

Gute Nachrichten: Der Klimawandel ist so gut wie besiegt!

Eben wur­den die ersten fest­ge­kleb­ten Aktivisten vom Konrad-Adenauer-Haus gelöst. Sie hat­ten sich mit Sekundenkleber an den Händen an die Fensterfront geklebt.

Die tun wenig­stens was! :ja:


Aktuell knapp vor Deutschland, was die Digitalisierung betrifft: Ruanda.


Neues von der Demokratie: Die rumä­ni­sche Regierung wird unter ande­rem wegen Inkompetenz abgesetzt.


Saufen ist gut fürs Klima: Hunderte Oktoberfestbesucher sind wegen E-Scooter-Missbrauchs ent­füh­rer­scheint worden.


„Politische“ Protestbewegung des Tages: Menschen, die ihren geld­ori­en­tier­ten Spieleanbieter ver­las­sen und statt­des­sen zu einem ande­ren geld­ori­en­tier­ten Spieleanbieter wech­seln, um für Hong Kong zu demonstrieren.


Wikipedia:

Von Befürwortern von Unisex-Toiletten wird auch ange­führt, dass auch indi­rekt über die „Toiletten-Apartheid“ ein Zwei-Klassen-System erzeugt wer­den wür­de, indem Frauen von wich­ti­gen Networking-Prozessen auf Männertoiletten aus­ge­schlos­sen werden.

Anscheinend habe ich Männertoiletten bis­her immer falsch benutzt.

In den Nachrichten
Die Verweichlichung des Kinobesuchers am Beispiel des neu­en Films über den „Joker“

Wir schrei­ben, erst mal nur gedank­lich, das Jahr 1929. Zusammen mit Salvador Dalí ent­wirft und dreht der spa­nisch-mexi­ka­ni­sche Regisseur Luis Buñuel den Film „Un chien anda­lou“, der ihre sur­rea­len Träume in Bewegtbilder fasst. In der heu­te berühm­te­sten Szene aus die­sem Film - die Pixies nah­men ein Lied dar­über auf - ist in Nahaufnahme zu sehen, wie ein Herr das lin­ke Auge einer Dame durchtrennt.

Für Menschen mit schwa­chem Magen ver­gleich­bar unan­ge­nehm ist der Genuss des Films „Braindead“ (1992), den Peter Jackson ent­ste­hen ließ, bevor er lang­wei­li­gen Fantasyscheißdreck ver­fil­men zu müs­sen mein­te. Es han­delt sich um eine Splatterpersiflage, in der mei­ne Lieblingsszene die­je­ni­ge ist, in der die Figur des Lionel etli­che Zombies zer­mahlt, indem sie sich einen lau­fen­den Rasenmäher vor den Bauch hält.

Einige Zeit spä­ter, ab 2004, fand die Filmreihe „Saw“ ein regel­mä­ßi­ges Publikum. Bereits im ersten Teil sind diver­se sehr unschö­ne Todesarten in Szene gesetzt wor­den, in Gang gesetzt von einem psy­cho­pa­thi­schen Mörder. Die nach­fol­gen­den Teile änder­ten die­ses Konzept nur unwesentlich.

Irgendwas muss seit­dem pas­siert sein, denn welt­weit bre­chen Journalisten in Keuchkreischen aus:

„Joker“ hat hier­zu­lan­de eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren erhal­ten, in Amerika ver­lie­ßen man­che Zuschauer gera­de­zu in Panik das Kino. „Bild“ hat eini­ge Tweets von erschrocke­nen Kinogängern gesam­melt. „Bin aus dem Film gegan­gen. Ich konn­te es nicht durch­hal­ten“, schreibt einer auf Twitter, „ich bin sprach­los und zit­te­re“, ein ande­rer. (…) Gerade jün­ge­re Zuschauer sei­en über­for­dert: „Ich sah, wie eine gan­ze Familie den Saal ver­ließ, als der Joker die erste Person ermordete.“

„Folgerichtig“ ver­un­fallt der „Tagesspiegel“ die nicht sofort erkenn­ba­re Frage:

Der „Joker“ legt einen Rekordstart an den US-Kinokassen hin und ent­facht in Amerika eine Debatte: Wie nah an der Realität dür­fen Gewaltbilder sein.

Ich möch­te anneh­men wol­len, das hier impli­zier­te Problem hat weni­ger mit der auf der Leinwand dar­ge­stell­ten Gewalt als mit den Waffeneskalationen der US-Amerikaner zu tun. Eine beson­ders neue Art der Filmgewalt ist jeden­falls nicht aus­zu­ma­chen. Ein Problem scheint zu sein, dass der Film mit dem Klischee des Guten, das immer sie­ge, bricht:

Die bri­san­te Frage: Bringt der Film zu viel Empathie für das Böse auf?

Ein Wunder, dass die olle Pokémon-Zeichentrickserie noch immer nicht zen­siert ist: Wer könn­te kein Mitleid mit Jessie und James, den trau­ri­gen Verlierern, emp­fin­den? Auch sonst ist die Implikation, dass jemand, der einen Film sieht und den Bösewicht nicht umfas­send ver­ab­scheut, direkt nach abge­schlos­se­nem Filmkonsum eine Waffe erwirbt und irgend­wen meu­chelt, außer­halb der repu­bli­ka­nisch wert­vol­len Bundesstaaten der Vereinigten Staaten doch recht weit her­ge­holt. Man kann fast froh sein, dass auf dem Film noch kein groß bewor­be­nes Computerspiel basiert, denn die Debatte über Killerspiele ist gera­de auf einem ange­nehm nied­ri­gen Geräuschniveau angelangt.

Worauf ich hin­aus woll­te: Wenn 90 Jahre nach „Un chien anda­lou“ tage­lang media­le Besorgnis herrscht, sobald ein erfolg­rei­cher Film , denn heut­zu­ta­ge darf jedes zar­te Pflänzchen ohne erwach­se­ne Aufsicht ins Kino gehen und immer­hin sei sich nicht jeder, der da frei­wil­lig rein­geht, vor­her im Klaren dar­über gewe­sen, dass „Joker“ kei­ne lau­schi­ge Familienkomödie sei, dann ist das Fach der Medienkunde nicht etwa wich­ti­ger als je zuvor gewor­den, son­dern es ist, ganz im Gegenteil, kon­zep­tio­nell geschei­tert. Für die Forderung nach einem mün­di­gen Konsumenten fehlt es den Konsumenten viel zu oft an der Bereitschaft zur Mündigkeit.

„My Little Pony“ tut den Menschen echt nicht gut.

Spaß mit Spam
Es wird grö­ßer: du kannst mit dem Zaubergel um meh­re­re cm vergrößern

Frisch aus dem Postfach habe ich die­ses Meisterwerk an Poesie gefischt:

Klein, weich? Reib die­ses Gel ein und ver­zau­be­re dei­ne Partnerin!

Das ist tat­säch­lich anfangs der voll­stän­di­ge Reintext - dar­un­ter befin­det sich eine Grafik mit noch mehr Text, anschlie­ßend noch­mals etwas Reintext. Ich wer­de im Folgenden etwas im Text springen.

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In den NachrichtenNerdkrams
Kurz ange­merkt zur Nello-Insolvenz

Ein Gerät, das aus nicht viel mehr als einem tri­via­len Alltagsgegenstand - etwa einer Türklingel - besteht, als Zusatzfunktionen jedoch sowohl, dass das eta­blier­te Sicherheitskonzept „Türschloss“ zwein­ull auf­ge­cy­bert wird, als auch, dass es eine stän­di­ge Verbindung mit einem an unbe­kann­tem Ort ste­hen­den Computer ande­rer Leute („Cloud“) vor­aus­setzt, um über­haupt irgend­was ande­res zu tun als ein Dingdong-Geräusch zu erzeu­gen, auf­weist, mit­hin nicht viel mehr als eine teu­re und gro­ße Wanze, ist in mei­nem Verständnis das genaue Gegenteil eines Geräts, das irgend­je­mand in sei­nem per­sön­li­chen Lebensbereich ein­ge­schal­tet haben wol­len sollte.

In den NachrichtenMontagsmusik
Lightning Born - Renegade

Eule mit Weule!Es ist Montag. Unlängst fand Ginger Baker in hohem Alter sein Ende, was ein biss­chen scha­de, aber es mit­zu­tei­len die­sem Tag sicher­lich ange­mes­sen ist.

Boris Johnson beharrt dar­auf, dass Großbritannien sich schleu­nigst aus der Europäischen Union ver­drückt. Ich fin­de das gut und benei­de die Briten auch wei­ter­hin. In Tunesien, ein paar Länder dane­ben, hat wäh­rend­des­sen eine wis­sen­schafts­feind­li­che Partei, also eine, die Religion als Politik miss­ver­steht, die Parlamentswahl gewon­nen. Verrückt: Das ist ja fast wie in Deutschland!

Greta Thunberg zu unter­stüt­zen sei ras­si­stisch, weil sie ein wei­ßes Mädchen sei, so lässt sich ein gegen­wär­ti­ger #auf­schrei lesen. Ich mag es, wenn Nervensägen an ihrem Duktus zer­bre­chen. Schwarz sein für’s Klima! Ihre extre­mi­stisch-dümm­li­chen Fahrwasserbegleiter von Extinction Rebellion haben vor Monaten schon alles Nötige mit­ge­teilt: „Wenn eine Gesellschaft so unmo­ra­lisch han­delt, wird Demokratie irrele­vant.“ Jetzt kann uns nur noch ein star­ker Klimaführer retten.

Oder viel­leicht doch lie­ber Musik. Musik hilft eigent­lich immer.

Lightning Born - Renegade (Music Video) | Ripple Music - 2019

Guten Morgen.

Sonstiges
Medienkritik in Kürze: Fünf Titelseiten

Ich habe mal wie­der einen Blick ins Zeitschriftenregal gewor­fen. Leider blieb kaum Gelegenheit für einen Zeitschriftenkauf, aber die Titelseiten allein sind ja auch schon sehenswert.

Erstens:

Die Zeitschrift „emo­ti­on“ lässt Collien Ulmen-Fernandes, erfolg­rei­che Schauspielerin und Immobilieninvestorin, trot­zig mit­tei­len:

Ich hät­te es leich­ter, wenn ich kei­ne Frau wäre[.]

Ich hät­te ver­mut­lich über­haupt kein Problem damit, nach eines guten Gentlemans Art mein Dasein mit dem von Collien Ulmen-Fernandes zu tau­schen. Ich bin ja nicht so.

Zweitens:

Ungewöhnlich reflek­tiert brüllt das Quietschbuntmagazin „InTouch“ („Das Original!“) anläss­lich der „DIÄT-LÜGEN der Stars“:

Unglaublich, wie Heidi & Co. alle für dumm ver­kau­fen wollen …

Zum Glück gibt es noch muti­ge Investigativjournalisten wie die Redakteure der „InTouch“ („Exklusiv! [Mark Forster] lästert über The Voice“), die sich allein der Wahrheit ver­pflich­tet füh­len. Sagen, was ist! :ja:

Drittens:

Das Altdamenmagazin „Petra“, erstaun­li­cher­wei­se noch immer in der Oktoberausgabe vor­lie­gend, obwohl doch schon Oktober ist, ver­sucht sich an einem Oxymoron:

Keine Frage des Alters: tol­le Haut mit 30, 40, 50
Model-Make-up für den Alltag nachschminken

Vermutlich hilft es der Haut bereits, die „Petra“ ein­fach nicht zu lesen.

Viertens:

„MADAME“, ein Heft, des­sen Titel bereits ein­drucks­voll pas­siv-aggres­siv ist, macht mich hungrig:

POWER dres­sing

Es geht dann aber doch bloß um Klamotten und nicht um Salat.

Fünftens:

Abschließend rät „GEO PERSPEKTIVE“, nicht unbe­dingt ein Magazin von Kindern für Kinder, mun­ter drauflos:

Die Jugend der Welt: Was sie will, wie sie fühlt

Man könn­te die Jugend der Welt mal mit die­ser Ausgabe kon­fron­tie­ren. Ich bin schon jetzt gespannt auf die Reaktionen.

NerdkramsNetzfundstücke
„Ok Google, ver­kauf mich!“

Der Google Assistant, ein Programm zur Aufzeichnung, Verfolgung und Internetfreigabe der Gespräche sei­ner Besitzer (vul­go „smar­ter Lautsprecher“), hat eine neue Funktion bekommen:

Auch in Google Assistant möch­ten wir euch noch bes­se­re Möglichkeiten bie­ten, Einblick in eure Daten zu erhal­ten und sie zu verwalten.
Auf die Frage hin “Ok Google, wie schützt du mei­ne Daten?” wird Assistant euch Auskunft über unse­re Maßnahmen zum Schutz und zur Sicherheit eurer Daten geben.

Der komi­sche Klangeffekt, mit dem der Google Assistant die Frage quit­tiert? Das ist das Prusten des Mitarbeiters am ande­ren Ende. Das muss so.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Morgen

Morgen (1969)Lange nichts mehr über Musik geschrieben.

In der flo­rie­ren­den US-Musikszene des Jahres 1969 - das ist jetzt genau 50 Jahre her - war es ver­gleichs­wei­se leicht, als Musikgruppe kaum auf­zu­fal­len. Zu den­je­ni­gen Gruppen, die bis­lang nicht mal einen Artikel in der deutsch­spra­chi­gen Wikipedia bekom­men haben, gehört Morgen. Morgen war ein von 1968 bis 1969 bestehen­des Quintett, einer derer Mitgründer Steve Morgen hieß oder viel­leicht noch heißt, was den Namen erklä­ren kann. 1969 fand das ein­zi­ge, anschei­nend namen­lo­se Studioalbum von Morgen (Amazon.de, TIDAL) den Weg aus einem Studio her­aus und in Plattenläden hinein.

Natürlich atmet es auch noch den Geist der spä­ten 60er und war­tet mit bei­na­he gewöhn­li­chem Psychedelic Pop/Rock („She’s The Nitetime“) auf, dar­über hin­aus, behaup­tet das Internet, ist es jedoch auch ein Pionieralbum des Heavy Metals. Auf dem Coverbild ist „Der Schrei“ abge­bil­det. Ich mag das Bild.

Morgen - Welcome To The Void

Mit Pantera und Iron Maiden hat es frei­lich kaum Gemeinsamkeiten, viel­mehr höre ich Blues- („Love“) eben­so wie Hippierock, der zu die­ser Zeit längst aus der Mode gekom­men war, was die ver­gleichs­wei­se Unbekanntheit von Morgen viel­leicht erklärt, viel­leicht aber auch nicht. Als Einflüsse der betei­lig­ten Musiker wur­den unter ande­rem Pete Townshend, Jimmy Page und die Rolling Stones genannt. Das merkt man. Das ist gut.

Wie man es auch immer gen­risch ein­zu­ord­nen gewillt ist: Ich mag’s aus dem glei­chen Grund, war­um ich das umstrit­te­ne „Their Satanic Majesties Request“ der damals schon ollen und bereits erwähn­ten Rolling Stones mag. In irgend­wel­chen Zeitschriften und Onlineshops stün­de über/unter/neben die­sem Album so was wie „für Fans von …“. Aber ich mag kein Fantum. Ich mag nur ein­fach gute Musik. Dies hier ist gute Musik.

Hört’s!