ComputerIn den Nachrichten
Das Internet ist kaputt und kein Nazi trägt dar­an die Schuld.

Waffennarretei und Einwanderungskritik, ließ die­ser Tage das Essensportal Instagram sei­ne Benutzer wis­sen, sei­en selbst­re­dend gern gese­hen, aber Fotos fet­ter Igel wür­den kei­nes­wegs gedul­det und ihre Verbreitung füh­re ver­se­hent­lich zum sofor­ti­gen Ausschluss des Verursachers.

Ob es inso­fern eine beson­ders gute Idee ist, Algorithmen statt Menschen über rich­tig und falsch, über legal und ille­gal, über den Unterschied zwi­schen Igelfotos und zum Beispiel Kinderpornografie ent­schei­den zu las­sen, ist eine Frage, die sich unkri­tisch technik­hö­ri­ge, weil klick­hung­ri­ge Massenmedien bedau­er­li­cher­wei­se viel zu sel­ten stel­len, was nicht nur Unsinn wie Instagram betrifft, son­dern auch viel wei­ter rei­chen­de Auswirkungen hat, was wir nicht erst seit den Gesetz gewor­de­nen Denkfehlern von Heiko Maas wis­sen. Bis zur end­gül­ti­gen mora­li­schen Klärung die­ses Problems ver­blei­ben immer­hin noch Menschen an den Schalthebeln, denen der Konsens, der so etwas wie eine welt­wei­te Vernetzung über­haupt erst sinn­voll mach­te, nicht ganz so wich­tig ist wie ihr eige­ner mora­li­scher Standpunkt, wes­halb sie ohne Not auch schon mal an den Grundpfeilern des Internets rüt­teln, um das Böse ange­mes­sen zu besiegen.

„ZEIT ONLINE“ (uni­so­no mit ande­ren zeit­ge­nös­si­schen Publikationen) berich­tet heu­te etwa vom Kampf „des Internets“ gegen „die Nazis“:

Wer sich als Websitebetreiber von einem (…) Unternehmen benach­tei­ligt fühlt, kann theo­re­tisch ein­fach zu einem ande­ren gehen. Doch fak­tisch wer­den vie­le die­ser acht Ebenen von sehr weni­gen, sehr mäch­ti­gen Unternehmen kon­trol­liert. Wer ihre Dienste nicht nut­zen kann, ist im Netz unsicht­bar, schwer erreich­bar, angreif­bar, geschäftsunfähig.

Der Hintergrund des Artikels ist, dass der ver­schlüs­se­lungs­kri­ti­sche Netzdienstbetreiber Cloudflare, der noch 2015 so tat, als sei ihm wich­tig, dass Domänensperrungen allen­falls auf judi­ka­ti­ves Urteil hin erfol­gen müss­ten, auf die Eskalation der US-ame­ri­ka­ni­schen Scharmützel zwi­schen alter­na­ti­ven Rechten und regres­si­ven Linken (irgend­was mit einem Auto) der­ge­stalt reagier­te, dass er die rei­ße­ri­sche Website „Daily Stormer“ aus der öffent­li­chen Erreichbarkeit ent­fern­te. Derjenige, der die­se Entscheidung getrof­fen hat­te, näm­lich der Vorstandsvorsitzende von Cloudflare, ver­tei­dig­te sie zunächst mit der Begründung, dass er die Autoren des „Daily Stormer“ für Arschlöcher hal­te, ver­öf­fent­lich­te jedoch außer­dem einen dop­pel­zün­gi­gen Blogartikel, in dem er zwar zugab, dass Cloudflare hier ein­ge­grif­fen hat­te, um den Verdacht, das Unternehmen unter­stüt­ze heim­lich Neonazis, zu zer­streu­en, es gleich­zei­tig aber bedau­er­te, dass Cloudflare das über­haupt kön­ne; als sei der Vorwurf, dass ein für die Neutralität des Internets nicht völ­lig unwich­ti­ges Unternehmen sich nicht für die rich­ti­ge poli­ti­sche Seite ent­schei­det, ein Anlass, eben­die­se Neutralität über den Haufen zu werfen.

Ob man nun die Meinungsfreiheit weit genug aus­legt, um ihre Ausübung auch „den Nazis“ zuzu­ge­ste­hen, oder nicht, spielt bei der Bewertung des bedeut­sam­sten Problems in die­ser Sache jeden­falls kei­ne Rolle, das da näm­lich lau­tet: Je inten­si­ver „die Nazis“ (oder wer auch immer die aktu­ell meist­ver­ach­te­te Gruppierung sein mag) weg­ge­löscht wer­den, desto wahr­schein­li­cher ist es, dass sie irgend­wann eine aus­rei­chend gro­ße Schlagkraft ent­wickelt haben, um ihr eige­nes unzen­sier­tes Gegennetz auf­zu­bau­en; womit sie, „die Nazis“, letzt­lich gewon­nen hät­ten, denn dem gesund­kon­so­li­dier­ten Wohlfühlinternet, in dem es Einhornkotze und Nutella reg­net, stün­de ihr Abgrund ent­ge­gen, der sicher­lich sei­ne Ecken und Kanten haben dürf­te, was den Humanismus betrifft, aber nichts­de­sto­trotz frei wäre. Anders gesagt: Unternehmen wie Cloudflare wer­den, wenn sich die Netzpolitik in bestehen­der Weise wei­ter ent­wickelt, die Schuld dar­an tra­gen, dass die Letzten, die sich noch über ein frei­es Internet freu­en dür­fen, irgend­wann „die Nazis“ sein wer­den, wäh­rend hier­zu­lan­de in enger Zusammenarbeit mit Übersee die SPD, der bescheu­er­te Axel-Springer-Verlag und GitHub ihr bedau­er­li­cher­wei­se Bestes tun, um einen schon in der blo­ßen Theorie fata­len Kompromiss aus glo­ba­ler Freiheit und klein­gärt­ne­ri­schem Verständnis von Recht und Unrecht zu fin­den und zu eta­blie­ren, not­falls mit juri­sti­scher Gewalt. Kann, wem jedes Mittel gegen das Böse Recht ist, noch der Gute sein?

Ins Darknet kann man ja auch nicht mehr. Da sind jetzt auch eure Eltern.

ComputerIn den Nachrichten
Empörend: Öffentliche Dateiablage dient der öffent­li­chen Dateiablage!

Applekunden in New York sind erbost:

In New York miss­brau­chen offen­bar Exhibitionisten das AirDrop-Feature und schicken wahl­los iPhone-Nutzern im Zug Penis-Fotos. (…) Um den moder­nen Exhibitionisten zum Opfer zu fal­len, muss AirDrop so ein­ge­stellt sein, dass man Daten von jedem Nutzer emp­fan­gen kann.

Früher war ein „Opfer“ ja noch jemand, der einen tat­säch­li­chen Schaden davon­trug, und nie­mand, dem Fremde in einen Ordner, den er absicht­lich für die gan­ze Welt zum Schreiben frei­ge­ge­ben hat, irgend­wel­che Bilddateien legen, aber frü­her hat­ten unse­re Telefone auch noch Schnur und Scheibe.

In den NachrichtenMontagsmusik
North Sea Radio Orchestra - Vishnu Schist

Hellwach (Symbolbild)Es ist Montag, ein Tag vol­ler Ungemach. Pandabären sind fan­ta­stisch, jedoch noch nicht aus­rei­chend ver­brei­tet; ein Zustand, den zu ändern es gilt, so lan­ge das Leben noch schwelt. Zunächst jedoch ist Müdigkeit Dominanz. In der Ferne ein Schweif.

Was in der Ferne, näm­lich an den USA, dem Staatenbund mit den smar­ten Haustüren, völ­lig unver­ständ­lich ist, sind ja auch die Nachrichten. Fox News zum Beispiel zeigt auf YouTube ein Video, auf dem zu sehen ist, dass ein Auto in eine Menschenmenge fährt, was also offen­sicht­lich nicht so schlimm ist - der Ausruf „Fuck!“ hin­ge­gen, den ein Passant ange­mes­sen­er­wei­se tätigt, wur­de über­piept. Tote sind scha­de, aber Fluchen ist tabu!

Zur gest­ri­gen Feier des Jahrestags des Mauerbaus gab das Auswärtige Amt auf Twitter bekannt, dass es froh sei, dass wir in der EU heu­te ohne Mauern aus­kä­men, und hat damit nicht ein­mal Unrecht, denn die Außengrenzen der EU bestehen vor allem aus Wasser und hohen Zäunen. So fort­schritt­lich war die DDR nicht.

Die „Frankfurter Allgemeine Woche“ titel­te unlängst, kei­ne Droge wer­de so sehr ver­harm­lost wie Cannabis. Während sich die fol­gen­den Diskutanten weit­ge­hend dar­über einig waren, dass die eigent­lich furcht­bar­ste ver­harm­lo­ste Droge Alkohol sei, saß ich total high mit der ein­zi­gen Droge her­um, deren Glücksgefühl schon ab der Geburt legal zu erzie­len ist: Musik.

North Sea Radio Orchestra: Vishnu Schist [Official Video]

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Hundredth - Rare

Zu den ange­neh­men Überraschungen des Jahres 2017 zählt nun­mehr auch das neue­ste Studioalbum „Rare“ des US-ame­ri­ka­ni­schen Shoegaze-Quartetts Hundredth (Amazon.de). Im Klanggewand der 80-er Jahre ent­fal­tet sich eine erfreu­lich breit­wan­di­ge musi­ka­li­sche Landschaft, auf der das Gras nicht bloß grün, son­dern auch noch vol­ler wild sitz­tan­zen­der, viel­far­be­ner Kühe ist.

Das ist so natür­lich Quatsch, geschrie­ben im Überschwang. Fest steht aber, dass die mir bis­her unbe­kann­ten Hundredth, sich laut Internet mit „Rare“ musi­ka­lisch neu erfin­dend, das Kunststück schaf­fen, grau­en­haf­te - ich höre tat­säch­lich Placebo und die Pet Shop Boys her­aus - Einflüsse zu im posi­ti­ven Sinne bemer­kens­wer­ter Musik zu kombinieren.

Hundredth - Youth (Visual)

Das kann dar­an lie­gen, dass die deka­den­üb­li­chen Spielzeugkeyboards auf „Rare“ kei­ne nen­nens­wer­te Rolle spie­len, denn statt­des­sen gibt es mal aggres­si­ve, mal über­zeugt hüp­fen­de, oft mehr­schich­ti­ge Gitarrenklänge zu kraft- und damit druck­vol­lem Rhythmus aus selbst­si­che­rem Bass und erfreu­lich wenig zurück­hal­ten­dem Schlagzeug; post-hard­core nennt sich das in den ein­schlä­gi­gen Werbetexten und post ist oft gut. Post-Punk und New Wave krei­sen hier neu­gie­rig in immer enge­ren Kreisen umein­an­der, die Stimmung ist eigen­ar­tig; die Dichte för­dert Melancholie, die Darbietung jedoch ani­miert ver­schie­de­ne Körperteile des Konsumenten zur aut­ar­ken Bewegung. Kann man bedrückt sitz­tan­zen? Ich ver­su­che es ein­fach mal.

Hundredth - Neurotic (Official Music Video)

„Rare“ ist ein frag­los im dunk­len Jahrzehnt ver­wur­zel­tes Album, das trotz­dem modern klingt und Spaß macht - wahr­lich: so was ist sel­ten. Und des­we­gen ist es gut.

In den Nachrichten
Braunschweiger Neuland

Das Digitalisierungsunternehmen Deutsche Telekom macht sich um die Zukunft der Telefonzellen kaum Sorgen, denn die­se haben gegen­über die­sen neu­mo­di­schen Mitnahmetelefonen einen wesent­li­chen Vorteil, wie die heu­ti­ge „Braunschweiger Zeitung“ berichtet:

„Immer mehr Menschen benut­zen statt Telefonzellen ihr Handy. Gerade im länd­li­chen Bereich ver­lie­ren vie­le Telefonzellen des­halb an Bedeutung“, erklärt Telekom-Sprecher McKinney. Dabei kann so eine Telefonzelle mehr als gedacht: „Unsere Münzetelefone (sic) akzep­tie­ren noch D-Mark-Münzen.“

(via @freshmango)

NerdkramsNetzfundstücke
Medienkritik CVII: t3ns sie­ben Tipps für eine schnel­le­re Einordnung als schänd­li­cher Spambot

E-Mail-Signaturen - kenn­ta? -, in der Frühzeit der Kommunikation via E-Mail ein durch­aus prak­ti­sches Hilfsmittel, um nicht jedes Mal hän­disch „Ruhe jetzt! Herzlichst, NAME“ drun­ter­schrei­ben zu müs­sen, sind seit dem Aufkommen von HTML-for­ma­tier­ten E-Mails durch irgend­wel­ches red­un­dan­tes Werbergeschmeiß eigent­lich nur noch dafür da, den Spamfilter zuver­läs­si­ger kon­fi­gu­rie­ren zu kön­nen: Je bun­ter die Signatur, desto uner­wünsch­ter die E-Mail.

Das hat sich wenig über­ra­schend frei­lich noch nicht bis zu „t3n“ (Untertitel „digi­tal pioneers“), deren Redaktions-E-Mails ich ver­mut­lich auch lie­ber nie­mals erhal­ten möch­te, her­um­ge­spro­chen, denn dort gibt Andreas Weck der­zeit sie­ben Tipps für eine bes­se­re E-Mail-Signatur, bei deren Lesen man sich eini­ger­ma­ßen unsi­cher wird, ob die Signatur jetzt der Teil über oder unter dem Strich war. (Wieso Strich? - Eben!)

Also:

Wer eine smar­te E-Mail-Signatur anle­gen möch­te, soll­te die­se sie­ben Tipps beachten.

Ah, smart also; wie ein Auto, das nicht mehr star­tet, wenn dem Smartphone mal das Netz aus­geht, oder ein sprach­ge­steu­er­ter Salzstreuer - kurz gesagt: so was möch­te man nicht haben, wenn man kei­nen gewal­ti­gen Birnenschaden hat.

Das ist Andreas Weck aller­dings offen­sicht­lich egal, denn er fährt, albern-jovi­al duzend, unbe­irrt mit den „sie­ben Tipps“ fort:

1. Arbeite mit Farben

Denn es ist wich­tig, dass das Auge beim ersten Erfassen der E-Mail nicht etwa Zeit mit dem Text oben drü­ber ver­schwen­det, son­dern von Anfang an den wich­tig­sten Inhalt fokus­siert, näm­lich die Reklame vom - zumeist - Arbeitgeber des Absenders. Wäre ja blöd sonst!

2. Arbeite mit Bildern

(…) Am besten eig­net sich bei­spiels­wei­se eine wei­ße Wand, vor der sich die Person ablich­ten lässt.

Oder auch ein tan­zen­der Jesus oder eine Nahaufnahme einer Wasserleiche. Soll sich ja „visu­ell ein­bren­nen“ (ebd.), die Signatur. - Dass anstän­di­ge Mailprogramme (also nicht unbe­dingt so Browserkram) ein­ge­bun­de­ne Bilder ent­we­der direkt als Spammerkmal mar­kie­ren oder die Bilder wenig­stens als Anhang statt als direkt ein­ge­bun­de­nes Bild her­un­ter­la­den, so dass der Empfänger, falls er die E-Mail über­haupt zu sehen bekommt, noch ein­mal zusätz­lich aktiv wer­den muss, nur um die lang­wei­li­ge Fresse eines Werbers, die er, falls er gera­de mobil ist, auch noch kosten­in­ten­siv her­un­ter­la­den muss­te, sehen zu dür­fen, spricht prin­zi­pi­ell ja schon dage­gen, aber was weiß man bei „t3n“ schon von anstän­di­gen Mailprogrammen und/oder mobi­len Netzen?

3. Priorisiere die Informationen

Es gilt immer, den begrenz­ten Platz nicht mit nutz­lo­sen Informationen zu verschwenden.

Das ist prin­zi­pi­ell rich­tig und die­ser Tipp hät­te, wäre es nach mir gegan­gen, der ein­zi­ge Tipp sein sol­len, denn er sagt im Wesentlichen aus, dass E-Mail-Signaturen nicht der rich­ti­ge Ablageort für Werbescheiße sind; aber natür­lich muss­te Andreas Weck das präzisieren:

Die per­sön­li­che E-Mail-Adresse soll­te bei­spiels­wei­se schnell­stens aus der Signatur ver­schwin­den, denn die braucht der E-Mail-Empfänger nicht mehr.

Richtig, denn in einem E-Mail-Header ste­hen pro­to­koll­be­dingt alle wesent­li­chen Informationen zur Person, dar­un­ter die Absenderadresse (sofern nicht gefälscht), der Absendername (sofern nicht gefälscht) und das Absendedatum. Alles Informationen, die nicht über­flüs­si­ger­wei­se noch­mals sepa­rat über­mit­telt wer­den müss­ten, damit mehr Platz für das Wesentliche (also hoch­auf­lö­sen­de Fotos von Wirtschaftspfeifen vor noch wei­ßen Wänden) bleibt. 

Andererseits:

4. Leite visu­ell durch die Informationen

(…) Der eige­ne Name könn­te sich bei­spiels­wei­se durch grö­ße­re oder fet­te Buchstaben absetzen.

Der eige­ne Name, der sowie­so schon dar­über oder dane­ben steht, gehört rein, die Mailadresse aber nicht, weil sie sowie­so schon dar­über oder dane­ben steht? Ja, wie denn nun?

Sinnvoll ist bei­spiels­wei­se auch, dass Texte neben einer der oben genann­ten Bilddateien zu fin­den sind. Das Bild wird das Augenmerk sofort auf sich len­ken und die wich­ti­gen Informationen ste­hen direkt daneben.

Denn die wich­ti­gen Informationen in einer E-Mail ste­hen, wie jeder weiß, in der Signatur und nicht etwa über ihr. :ja:

5. Nutze Call-to-Actions

(…) Ein CTA soll­te sich ent­lang der aktu­el­len Ziele ori­en­tie­ren. Wollt ihr bei­spiels­wei­se euren neu­en Snapchat-Channel pushen? Dann fügt einen Snapcode zum Abscannen ein.

Wenn ich mal von einem gro­ßen Internetkonzern gebe­ten wer­den soll­te, ein neu­es E-Mail-Protokoll zu ent­wer­fen, wer­de ich als ersten Schritt ein­ge­bun­de­ne Bilder als ungül­tig kenn­zeich­nen. :motz:

6. Sag, wo Kunden dich auch per­sön­lich tref­fen können

(…) Ein Satz wie „Ich wer­de vom 25. bis 26. Februar auf der Online-Marketing-Rockstars in Hamburg sein. Ich freue mich, dich dort zu sehen!“ könn­te der Aufmacher für ein span­nen­des Gespräch sein.

Der Aufmacher für ein span­nen­des Gespräch mit einem poten­zi­el­len Kunden oder Geschäftspartner gehört nach mei­nem Verständnis ja in den ver­damm­ten E-Mail-Text und nicht auf die Werbefläche unten drun­ter, denn der Text ist in der Regel zumin­dest wenig­stens teil­wei­se anlass­be­zo­gen und wird nicht ein­fach gedan­ken­los wei­ter­ver­wen­det. Ich mei­ne: Ich schlie­ße nicht aus, dass Andreas Weck („Online- und Print-Redakteur“) sein Leben lang immer nur Signaturen, aber noch kei­nen ein­zi­gen Mailtext geschrie­ben hat und nicht ein­mal etwas dafür kann, weil man bei „t3n“ nur noch über Snapchat und nicht mehr über E-Mail mit­ein­an­der redet. Dann möch­te ich die­sen Einwand zurück­zie­hen. In allen ande­ren Fällen gibt es für die Annahme, den Aufmacher für ein Gespräch platz­ie­re man am besten an einer Stelle, die der Empfänger mit gro­ßer Wahrscheinlichkeit höch­stens noch bis zur ersten hal­ben Zeile lesen wird, kei­ne ver­nünf­ti­ge Ausrede.

7. Achte auf die Pflichtangaben

So nach den ersten drei Bildschirmseiten Signatur kann man ja getrost ein­mal dar­über nach­den­ken, auch noch steu­er­recht­li­che Quatschtexte in Schriftgröße 9 unter­zu­brin­gen. Dann ist der Scrollbalken auch län­ger und der Empfänger freut sich gleich dop­pelt dar­über, so viel schö­ne Signatur lesen zu dür­fen. (Ich krei­de dies aus­drück­lich, jedoch aus­nahms­wei­se, nicht Andreas Weck an, hal­te die recht­li­chen Vorgaben, sofern sie in der Tat den beschrie­be­nen Inhalt haben, aber für rie­sen­gro­ße Scheiße.)

Ich ver­mis­se die Zeit, als man für eine Signatur, die mehr als drei Textzeilen umfass­te, noch umge­hend auf irgend­wel­chen kill­files landete.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Googles ein­ge­bil­de­tes Frauenproblem

In der Reihe der Technikorganisationen, in denen ein zer­set­zen­des Klima herrscht, seit Krawallfeministen aller­lei Geschlechts die Ansicht durch­zu­bo­xen ver­su­chen, ein kusche­li­ges Miteinander sei in der EDV min­de­stens genau so wich­tig wie, ver­mut­lich aber noch weit­aus wich­ti­ger als Produktivität (denn gegen­sei­ti­ges Verständnis dafür, wenn man sich heu­te geschlechts­mä­ßig als Apache-Kampfhubschrauber fühlt, hat einem Unternehmen gefäl­ligst mehr zu bedeu­ten als dass man des­we­gen heu­te lei­der nicht pro­duk­tiv arbei­ten kann #auf­schrei), steht nach dem Tor-Projekt und GitHub jetzt, wie man liest, auch Google.

Google, eines die­ser Unternehmen, die stolz einen „Code of Conduct“ vor sich her­tra­gen und natür­lich eine eigens für Diversität zustän­di­ge Vizepräsidentin über­be­zah­len, als sei Geschäftserfolg zweit­ran­gig, ver­sucht gera­de einen Sturm im Wasserglas zu über­win­den, nach­dem einer sei­ner Angestellten, der in einem inter­nen Schreiben die Ansicht ver­trat, dass Frauen in der EDV nicht völ­lig grund­los unter­re­prä­sen­tiert sind, son­dern womög­lich ein­fach natur­ge­mäß ande­re Interessen haben, womit der Wunsch Googles, Frauen aktiv zu för­dern, letzt­lich Männer dis­kri­mi­nie­re, als Beweis dafür, dass er damit völ­lig Recht hat­te, der Arbeitslosigkeit über­ge­ben wurde.

Ich mei­ner­seits hal­te ja - anders, als der Feminismus, den ande­rer­seits eine Unterrepräsentierung in mies bezahl­ten Handwerksberufen augen­schein­lich kei­nes­wegs zu inter­es­sie­ren scheint, denn „Geschlechtergerechtigkeit“, also lei­stungs­un­ab­hän­gig hohes Gehalt, soll es bit­te­schön nur dort geben, wo genug Nettogeld rein­kommt, es gern hät­te - nach wie vor sehr viel vom Verdienstprinzip. Wer schei­ße pro­gram­miert, der ist auch dann jemand, der schei­ße pro­gram­miert, wenn er ein gefäl­ligst wert­zu­schät­zen­des Geschlecht hat und/oder zu haben glaubt. Daran ändert auch ein Verhaltenskodex bemer­kens­wert wenig. Ein Geschlecht zu haben ist noch kein sinn­vol­ler Beitrag für die Gesellschaft. Selbstredend ist die media­le Rezeption sei­tens fach­fer­ner Autoren eine ande­re: Im „Tagesspiegel“ zum Beispiel behaup­tet Oliver Voss von vorn­her­ein, Informatik sei einst Frauensache gewe­sen, als bestehe zwi­schen dem Umstand, dass für das Programmieren von Computern in deren Frühzeit, also in den 1940-er Jahren, kaum leben­di­ge, nicht gefan­ge­ne und nicht ander­wei­tig beschäf­tig­te Männer zu fin­den waren, und dem Fakt, dass gera­de ein Weltkrieg statt­fand, kei­ner­lei Zusammenhang. Frauen hat­ten eben nicht beson­ders viel zu tun und waren auch eher ungern an der Front.

Dabei scheint der ursprüng­li­che Fehler, der bei Google (und so wei­ter) gemacht wur­de, allein der zu sein, das Geschlecht über­haupt zu einem ent­schei­den­den Kriterium für irgend­et­was gemacht zu haben. In einer Welt, die Geschlechtergrenzen ein­rei­ßen soll (es gebe, sagt man, sowie­so unzähl­bar vie­le Geschlechter), ist der Versuch, ein bestimm­tes Geschlecht stär­ker aktiv ein­zu­bin­den als ein ande­res, ein mora­li­scher Rückschritt, der sich ins links­re­gres­si­ve Narrativ der Zeit zwar har­mo­nisch ein­fügt, des­sen Folgeschäden jedoch unab­seh­bar bleiben.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Bask - Shake The Soot // Christian Lindners ita­lie­ni­sche Bewegung

Ob dort draußen wohl ein Panda ist?Es ist Montag. Penis! Was tut man nicht alles zur Stimmungsaufhellung an einem Tag wie die­sem (näm­lich: Montag)? Das Sommerloch ist da und es lang­weilt mich. Es geht mit gro­ßen Schritten auf diver­se Wahlen zu und da redet man nicht mehr so gern über wich­ti­ge Themen, obwohl das Reden wahr­lich fehlt (auch: syn­onym). Das Käuzchen ver­zwei­felt leise.

Das ist auch wenig über­ra­schend, die Verdrossenheit hat Gründe; wel­cher Automobilkonzern auch immer - in Niedersachsen vor­aus­sicht­lich Volkswagen, wis­sen die unse­riö­sen Journalisten von „SPIEGEL ONLINE“ - die näch­sten paar Wahlen gewin­nen wird, sei­ne Partei macht sich sicher­heits­hal­ber schon vor­her lächer­lich. Berliner wis­sen nicht erst jetzt: SPD, Linke und Grüne sind ein Griff ins Klo.

Andere Parteien, ande­re Sitten: Nach der CDU, Italien und der EU spricht sich nun auch Christian Lindner dafür aus, dass Deutschland die euro­päi­sche Flüchtlingspolitik anwen­det. Postwendend fan­den sich auf Twitter Schreihälse, die die­se Forderung mit denen der „Identitären Bewegung“ gleich­setz­ten, ver­säum­ten dabei aber zu erklä­ren, was sie en detail dar­an stö­re; klar: wenn die medi­al aus­er­ko­re­nen Bösewichte etwas gut fin­den, dann kann das, was sie gut fin­den, gar nicht gut sein. Niemals nicht.

Was aber unbe­streit­bar gut ist und bleibt: Musik.

Bask - Shake The Soot

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: OHHMS - The Fool

OHHMS - The FoolOHHMS! Endlich mal wie­der eine Band, deren Musik so klingt, wie sie heißt.

Nach immer­hin drei Jahren und eini­gen EPs ver­öf­fent­lich­te die bri­ti­sche Metalband OHHMS mit „The Fool“ (Bandcamp, Amazon.de) 2017 end­lich ihr Debütalbum.

Die sechs ent­hal­te­nen Stücke sind bis zu 21 Minuten („The Hierophant“) lang, Radiohörer sind hier also nicht unbe­dingt die Zielgruppe. Zu hören gibt es das, was wohl anders­wo „Sludge“ genannt wird, bei mir indes als ordent­lich dröh­nen­de psy­che­de­li­sche Doom-Musik („The Hierophant“) und ange­nehm ent­schlos­se­ner Hardrock („The World“) ankommt.

Ohhms - The Hierophant (Official audio)

Das aggres­si­ve, aber rhyth­mi­sche Klanggewitter auf „The Fool“ wird von Paul Wallers durch­aus varia­bler Stimme beglei­tet, zwi­schen lieb­li­chem Säuseln („The Lovers“) und hef­ti­gem Niederschlag („The Hanged Man“) sind man­che Graustufen aus­zu­ma­chen - immer nur zu dröh­nen und zu pol­tern lie­ße „The Fool“ auch schnell lang­wei­lig werden.

Ohhms - The World (Official audio)

Zu die­sem Album jedoch ist Langeweile kei­ne gute Beilage, denn es reizt viel­mehr zur Kanalisation von Wut; hört man „The Fool“, so kann man sich dabei her­vor­ra­gend über die Welt auf­re­gen. Es gibt sol­che Momente im Leben, und sie ver­lan­gen nach sol­cher Musik. Kein Narr ist, wer sie ein­mal hören möchte.

Nur zu!

In den NachrichtenNerdkrams
Der mensch­li­che Android-Trojaner

In den frü­hen 1990er Jahren mach­te sich im Usenet - für die Jüngeren: wie Chat, nur ohne Emojis, dafür mit rich­ti­ger Grammatik - der zur dama­li­gen Zeit noch als Ausdruck von Kreativität gel­ten­de „Signaturvirus“ breit, der dar­in bestand, dass man zwecks des­sen Ausbreitung einen Text, der über­setzt unge­fähr „ich bin ein manu­el­ler Virus, bit­te kopie­ren Sie mich“ lau­te­te, in sei­ne eige­ne Signatur über­neh­men soll­te. Wie die mei­sten eini­ger­ma­ßen amü­san­ten Meme aus der dama­li­gen Zeit schaff­te auch die­ser „Signaturvirus“ per Mutation die Ausbreitung ins Web und tauch­te in den fol­gen­den Jahren - oft erwei­tert um „bit­te löschen Sie eine oder meh­re­re Dateien“, denn das Web war von Anfang an reich an Benutzern, die fein­sin­ni­gen Humor lie­ber mit dem Holzhammer ein­ge­prü­gelt bekom­men woll­ten - als afgha­ni­scher, elbo­ni­scher, iri­scher, alba­ni­scher, schwe­di­scher, pol­ni­scher, mexi­ka­ni­scher oder sonst­wo­her stam­men­der „Virus“ immer mal wie­der auf.

Es ist schön, dass die­se Tradition nicht ver­ges­sen wird:

Eine (…) Variante das Banking-Trojaners Svpeng hat es auf Android-Geräte abge­se­hen und soll seit Juli auf der Jagd nach Banking- und Kreditkarten-Daten sein. (…) Eine Infektion ist nicht ohne wei­te­res mög­lich: Svpeng lau­ert als Flash Player getarnt auf Webseiten. Ein Opfer muss dem­zu­fol­ge gezielt eine der­ar­ti­ge Seite auf­ru­fen, den Schädling her­un­ter­la­den und instal­lie­ren. Anschließend muss es sogar noch den Zugriff auf die Accessibility Services des Android-Systems erlau­ben. (…) Erst wenn das alles erfüllt ist, kann Svpeng Daten abgreifen.

27 Prozent der erkann­ten Infektionen, heißt es, sei­en in Deutschland gefun­den wor­den, was wie­der ein­mal dafür spricht, dass es eine ziem­lich bescheu­er­te Idee ist, hier­zu­lan­de jedem ohne vor­he­ri­ge Reifeprüfung einen Internetzugang zu verkaufen.

Vielleicht soll­ten wir ein­fach abwar­ten, bis die Evolution die­ses Problem gelöst hat.