Netzfundstücke
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Krea­ti­ves Ver­ges­sen mit der „taz“

Wolf­raum (sic! A.d.V.) Ritt­mey­er, Leser­brief an die „taz“, 3. Febru­ar 1998:

Die Fra­ge, ob ich ein Musik­in­stru­ment oder einen Com­pu­ter krea­tiv nut­zen kann, ist vor allem eine Fra­ge danach, ob ich es erstens selbst­be­stimmt mache und zwei­tens wie vir­tu­os ich mit mei­nem Instru­ment umzu­ge­hen ver­ste­he.

Fran­zis­ka Seng, „taz“, 16. Dezem­ber 2008:

Im Netz hat sich eine Schreib­platt­form eta­bliert, auf der Jugend­li­che Roma­ne, Comics und TV-Seri­en recy­celn. (…) Das Inter­net als Forum der kul­tu­rel­len Alpha­be­ti­sie­rung?

Ande­rer­seits Emma Haver­kamp, 16 Jah­re alt (das scheint wich­tig zu sein), „taz“, 5. Mai 2021:

Schü­ler soll­ten ein Essay über ihr Leben schrei­ben. Die 16-jäh­ri­ge Emma Haver­kamp fragt sich, woher die Krea­ti­vi­tät dafür kom­men soll.

Die Dis­kus­si­on dar­über, ob wir nicht frü­her allein mit unse­rer Fan­ta­sie Spaß haben konn­ten, mag hier deplat­ziert sein; allein: einen oder zwei Vor­schlä­ge hät­te ich dann doch.

PolitikIn den Nachrichten
66 Jah­re ver­brann­te Erde / Cha­os SPD Club

Juhu, hur­ra, aber bit­te kei­ne Rake­ten: Heu­te vor 66 Jah­ren – zehn Jah­re nach dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs – hat Deutsch­land sich das mit der Abrü­stung noch mal anders über­legt.

Obwohl Sozi­al­de­mo­kra­ten und außer­par­la­men­ta­ri­sche Grup­pen gegen die Wie­der­be­waff­nung pro­te­stier­ten, trat die Bun­des­re­pu­blik am 6. Mai 1955 offi­zi­ell der NATO bei.

Dass die „Sozi­al­de­mo­kra­ten“ (gemeint ist hier die SPD) die NATO inzwi­schen als ver­läss­li­chen Part­ner und nicht als Gefahr begrei­fen, über­rascht den Beob­ach­ter kaum; von sich selbst distan­ziert sich die SPD ja fort­wäh­rend, was ich ihr zumin­dest nicht ver­übeln kann. (Dass aus­ge­rech­net der Cha­os Com­pu­ter Club sich als SPD-Wer­be­trä­ger übt, indem er im Febru­ar erst deren ver­meint­li­che Ableh­nung des Staats­tro­ja­ners zufrie­den vert­wit­ter­te, das kaum über­ra­schen­de Ein­len­ken jetzt aber allein der CDU vor­wirft, lässt mich im Übri­gen wün­schen, ich wäre noch CCC-Mit­glied; ein­fach, um jetzt erst recht aus­tre­ten zu kön­nen.)

Und wie läuft es in der NATO so? Wohl nicht so gut:

Die NATO zieht ohne Frie­dens­ab­kom­men aus Afgha­ni­stan ab. Sie hin­ter­lässt Bür­ger­krieg und die Herr­schaft der von ihr gestärk­ten War­lords[.]

Die­ses eher uner­quick­li­che Ergeb­nis von fast zwan­zig Jah­ren Krieg „Frie­dens­ein­satz“ sorgt aber nicht etwa für ein Umden­ken, was den sinn­vol­len Ein­satz von Finan­zen betrifft; statt­des­sen nimmt man noch mal Anlauf, um den Kopf mit noch mehr Wucht gegen die­sel­be Wand zu ram­men: „Ange­sichts der For­de­run­gen (…), dass Deutsch­land mehr in die Ver­tei­di­gung inve­stie­ren sol­le, erhöh­te die Bun­des­re­pu­blik 2020 ihr Bud­get um 5,2 Pro­zent“, viel­leicht klappt es ja näch­stes Mal. Lia­na Fix und Basti­an Gie­ge­rich quatsch­ten im Okto­ber 2019 für die „FAZ“ (will nicht ver­linkt wer­den), eine schwä­che­re NATO stell­te „ins­be­son­de­re für Deutsch­land“ eine „exi­sten­zi­el­le Sicher­heits­be­dro­hung“ dar, schrie­ben aber nicht dazu, vor wem sich Deutsch­land eigent­lich schüt­zen müs­se, wenn nicht vor einem schlech­ten Ein­fluss der ande­ren NATO-Mit­glie­der, was den Ein­satz für den Welt­frie­den angeht.

Oft schrei­be ich an die­ser Stel­le, ich sei im Übri­gen der Mei­nung, die Bun­des­wehr gehö­re abge­schafft, aber die­ses Mal ist das Pro­blem ein wesent­lich wei­ter rei­chen­des. Im Sep­tem­ber fin­det wie­der eine Bun­des­tags­wahl statt. Ich bin so unzu­frie­den, ich könn­te glatt Wahl­emp­feh­lun­gen abge­ben. Mach‘ ich aber nicht. Das Volk scheint ja durch­aus auch zufrie­den zu sein: Ohne NATO kommt der Iwan und das wol­len wir ja nicht.

Für das lau­fen­de Jahr 2021 hat die Bun­des­re­gie­rung der NATO stolz eine Kriegs­aus­ga­be von 53,03 Mil­li­ar­den Euro über­mit­telt. Wie vie­le eige­ne Ser­ver nebst Admi­ni­stra­to­ren für Schu­len wären das eigent­lich unge­fähr?

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Neu­ro­sen­blü­te – Hal­lo Früh­ling

Neurosenblüte - Hallo FrühlingLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Das Ham­bur­ger Trio Neu­ro­sen­blü­te – nach 2016 und 2018 end­lich mit einem neu­en Album am Start – bleibt kon­se­quen­ter Mei­ster des Weg­las­sens: Auf dem zwei­ten Album ent­fiel der Gesang, das drit­te muss auch auf die nice Kar­ton­steck­ta­sche des Zweit­lings ver­zich­ten; vor­erst gibt es da nur einen Down­load. Außer­dem ist Seba­sti­an Neun­dorf gegan­gen, der Nach­fol­ger an der Gitar­re heißt aber eben­falls (unter ande­rem) Seba­sti­an. All­zu viel Umbruch hat bis­her nur weni­gen Musik­grup­pen gut getan.

Es hat sich bei mir inzwi­schen bewährt, zur inhalt­li­chen Bewer­tung den Wer­be­text der drei Her­ren her­an­zu­zie­hen. Neben den „übli­chen Neurosenblüt’schen Ingre­di­en­zen“ scheint die­ses Album ein Kon­zept zu ent­hal­ten, näm­lich „die Jah­res­zei­ten eines beson­de­ren Jah­res“, obwohl mir noch nicht klar ist, wel­ches der zehn Instru­men­tal­stücke – neben „Hal­lo Früh­ling“, „Fun in the Sun“, „Tschüss Dr. Som­mer (Oh, na na!)“ und „Laub­aus­fall“, deren Zuord­nung eini­ger­ma­ßen offen­sicht­lich ist – sich auf den Win­ter bezieht. Ist es „e e eee“?

Gele­gent­lich lese ich von Ver­glei­chen mit den 90er-Wer­ken von King Crims­on, also mit kom­pli­zier­ter Gitar­ren­e­s­ka­la­ti­on. Da kann ich nicht wider­spre­chen.

Mei­ster Bart-Uhr

In einem beson­de­ren Jahr leben wir sicher­lich; und obwohl die Pan­de­mie nicht unbe­dingt hät­te sein müs­sen, so kann ich mei­ne anders­wo geäu­ßer­te Fest­stel­lung an die­ser Stel­le nur wie­der­ho­len: Schön, dass sie dazu geführt hat, dass Künst­ler wie­der gemein­sam ins Stu­dio gehen, um dort Gutes auf­zu­neh­men.

(Trotz­dem: Inzwi­schen wird es doch ein wenig anstren­gend. Ich möch­te emp­feh­len, bei­zei­ten die Pan­de­mie ein­zu­stel­len.)

In den NachrichtenComputer
Vor­rats­da­ten­zom­bies: Mög­li­ches noch mög­li­cher machen.

„hei­se online“, 3. Mai 2021:

Das Bun­des­kri­mi­nal­amt hat Straf­ver­fah­ren gegen vier Ver­däch­ti­ge eröff­net, die eine gro­ße Kin­der­por­no­gra­fie-Platt­form im Dark­net betrie­ben haben sol­len.

„hei­se online“, 4. Mai 2021:

Oft ste­he der Daten­schutz dem Kin­der­schutz Inter­net noch im Wege. „Wir haben zum Bei­spiel ein gro­ßes Pro­blem in dem Aus­tausch von Miss­brauchs­ab­bil­dun­gen über Mes­sen­ger wie Whats­App oder Tele­gram. Da ist es für die Poli­zei nicht mög­lich, ver­nünf­tig zu ermit­teln“[.]

Forum von „hei­se online“, 4. Mai 2021:

Erfolg! Wir brau­chen mehr Rech­te sonst geht nicht, was grad ging!

(via und sie­he auch Schwerdt­fe­gr)

PolitikIn den NachrichtenNerdkrams
Kei­ne Pres­se­frei­heit im Westen.

Es gibt schlech­te Neu­ig­kei­ten von der DSGVO: Zwar sind reli­giö­se, sexu­el­le und poli­ti­sche Ein­stel­lun­gen schüt­zens­wer­te per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten, aber wenn ein Schau­spie­ler Mit­glied in einer Par­tei mit doo­fen Ohren wer­den will, dann gibt’s Nasen­ring und Mane­ge.

Immer­hin küm­mert man sich wenig­stens in ande­ren Berei­chen – in denen, in denen die eige­nen Kin­der betrof­fen sind – um den Daten­schutz und for­dert in Lehrer‑, Eltern- und Schü­ler­ver­bän­den sowie Par­tei­en die Abkehr von US-ame­ri­ka­ni­scher Soft­ware in Schu­len; frei­lich ohne zu ver­ste­hen, dass außer den bösen Pro­duk­ten von Micro­soft, Goog­le und Apple auch die Linux Foun­da­ti­on mit­samt Linus Tor­valds selbst und die Mozil­la Cor­po­ra­ti­on US-ame­ri­ka­ni­schem Recht unter­ste­hen, was die ver­füg­ba­ren Alter­na­ti­ven doch merk­lich in der Zahl redu­ziert. Wahr­schein­lich mei­nen sie „freie Soft­ware“, wenn sie „Nicht-US-Soft­ware“ schrei­ben, aber die For­de­rung steht erst mal im Raum. Zum Glück für sie fragt kaum jemand nach, nicht ein­mal die Poli­tik. – Die­se ist auch gera­de mit sich selbst beschäf­tigt: Die sonst eben­falls US-kri­ti­sche „Lin­ke“ beklagt beim US-kapi­ta­li­sti­schen Twit­ter, dass die Bun­des­län­der, in denen sie von 1946 bis 1989 regiert hat­te, noch immer nicht das wirt­schaft­li­che Niveau der ande­ren Bun­des­län­der erreicht habe. Jetzt könn­te man dar­über dis­ku­tie­ren, wor­an das wohl lie­ge und wie man das behe­ben könn­te, die „Lin­ke“ emp­fiehlt der­weil, man kön­ne doch die „Lin­ke“ wäh­len. Humor ham’se ja.

Ande­rer­seits mutan­tur die tem­po­ra ohne­hin auch im Westen (den „alten Bun­des­län­dern“; ich bin gespannt, ob in acht Jah­ren, wenn die „neu­en Bun­des­län­der“ so lan­ge zur Bun­des­re­pu­blik gehö­ren, wie die DDR über­haupt exi­stiert hat, wenig­stens die­ser Name end­lich aus dem uniro­ni­schen Sprach­ge­brauch ver­schwin­det) in einer Wei­se, die nie­man­dem gefal­len soll­te:

So ver­lan­gen Lan­des­me­di­en­an­stal­ten in meh­re­ren Fäl­len von Blog­gern die Anga­be von Quel­len für uner­wünsch­te Bei­trä­ge. Auch das rest­li­che Ange­bot sol­len die Betrei­ber auf Ein­hal­tung jour­na­li­sti­scher Stan­dards über­prü­fen.

Das bedeu­tet im Wesent­li­chen, dass nicht nur sati­ri­sche Bei­trä­ge, sofern sie das inhalt­li­che Miss­fal­len der Behör­den erre­gen, son­dern auch alle ande­ren Bei­trä­ge in pri­va­ten Publi­ka­tio­nen wie der, die ihr hier gera­de lest (i.e.: mei­ner), künf­tig gefäl­ligst bequellt sein müs­sen, was bemer­kens­wer­te Wech­sel­wir­kun­gen mit dem Lei­stungs­schmutz­recht hat: Zitiert man Quel­len, so wol­len die Ver­le­ger Geld für das Zitat haben; zitiert man sie nicht, so wol­len die Lan­des­me­di­en­an­stal­ten Geld dafür haben, dass man es lässt. Deutsch­land ist kein beson­ders gutes Land, um publi­zi­stisch tätig zu sein. Gestern war Welt­tag der Pres­se­frei­heit (die „tages­schau“ schrieb was vom „Grund­pfei­ler der Demo­kra­tie“, scheint aber anson­sten zu die­sen Ent­wick­lun­gen zu schwei­gen), Deutsch­land kam aber als schlech­tes Bei­spiel nur sel­ten vor.

Es wur­de schon für weit weni­ger eine Revo­lu­ti­on begon­nen.

NetzfundstückeMontagsmusikComputer
Vol­vopen­ta – One To Five // Demo­kra­ti­siert den Vati­kan!

Na toll. Sonne is auch wieder.Es ist Mon­tag. „Fri­days for Future Frank­furt“ infor­miert, dass Ent­eig­nun­gen „ein wich­ti­ges Mit­tel“ zugun­sten der „Kli­ma­ge­rech­tig­keit“ sei­en. Der Tweet wur­de von einem Smart­phone ver­sen­det, es steht aber nicht dran, um wie viel Grad weni­ger sich das Kli­ma erwärm­te, näh­me man es „Fri­days for Future Frank­furt“ weg und gäbe es jeman­dem, der noch kei­nes hat. Dabei wäre die Abwen­dung einer Kli­ma­ka­ta­stro­phe doch am ehe­sten im Sin­ne derer, die an der Dis­kus­si­on nicht mal lesend teil­neh­men kön­nen; zum Bei­spiel der Pan­da­bä­ren.

Die höch­ste Digi­tal­kom­pe­tenz trau­en die Deut­schen laut Umfra­gen CDU/CSU (zen­sie­ren das Inter­net) und den Grü­nen (wol­len Schad­soft­ware auf mei­nem Com­pu­ter instal­lie­ren) zu. Der Wert sol­cher Umfra­gen ist damit hin­rei­chend gut beschrie­ben. Völ­lig kon­se­quent gilt auch HP („High Pri­ce“, nein, „Hew­lett Packard“) in Umfra­gen noch immer als emp­feh­lens­wer­ter Her­stel­ler von Druckern, obwohl sie doch ihr Bestes tun, um nie wie­der auch nur einen ein­zi­gen Drucker zu ver­kau­fen. Ähn­li­ches Sin­nie­ren über Wahl­um­fra­gen erspa­re ich dem Publi­kum an die­ser Stel­le; sie funk­tio­nie­ren eben­so.

Fürch­ter­li­che Fra­ge des bis­he­ri­gen Monats: „Ist Ster­ben in der Miet­woh­nung erlaubt?“ – Jemand, der die­ses Pro­blem zumin­dest nicht hat, hat der­weil fest­ge­stellt, dass es eigent­lich ziem­lich leicht ist, mit­ten in Euro­pa eine abso­lu­te Mon­ar­chie zu errich­ten, ohne dabei auch nur gering­fü­gig an inter­na­tio­na­ler Beliebt­heit ein­zu­bü­ßen; es genügt der Glau­be an den rich­ti­gen Gott. Wenn ande­re Staa­ten Got­tes­recht über Men­schen­recht stel­len und all­ge­mein wenig von der moder­nen Welt hal­ten, dann flie­gen da manch­mal Flug­zeu­ge hin und set­zen den Auto­kra­ten medi­en­wirk­sam ab. Hat der Vati­kan eigent­lich Ölvor­kom­men und/oder Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen (außer schwe­ren Büchern zum Wer­fen)?

Noch mal etwas EDV zum Schluss: Es hat sich über­ra­schend als schlech­te Idee her­aus­ge­stellt, in Alarm­an­la­gen Inter­net rein­zu­tun. Eine gute Idee hin­ge­gen war, ist und bleibt: Musik.

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
Hin­ein zum 1. Mai!

Mor­gen – an einem Sonn­abend – ist der 1. Mai. Deut­sche sind in die­sem Jahr beson­ders benach­tei­ligt, denn man darf am Tag der Arbeit weder arbei­ten noch ein­kau­fen, und wenn Deut­sche sonn­abends nicht ein­kau­fen kön­nen, ist die Revo­lu­ti­on so zum Grei­fen nahe wie sonst nur sel­ten. Vor einem außer­or­dent­lich schlecht sor­tier­ten und viel zu engen Super­markt sah ich heu­te eine Schlan­ge, deren Drin­ste­her die Zahl derer, die gleich­zei­tig drin sein dür­fen, unge­fähr erreicht haben, wie mir schien. Anschei­nend muss man sonn­abends gar nicht ein­kau­fen kön­nen, an ande­ren Aben­den haben ja auch alle Zeit. Hof­fent­lich spricht sich das nicht her­um.

Nach dem Ein­kaufs­exzess mit vol­lem Kühl­schrank kann es mor­gen dann mit den „Proteste[n] gegen Kapi­ta­lis­mus zum 1. Mai“ („Deutsch­land­funk“) los­ge­hen; end­lich kön­nen die, die mit den Sor­gen und Nöten der Arbei­ter dank eines rei­chen Eltern­hau­ses wenig ver­bin­det, wie­der für ihre eige­ne Ent­eig­nung sei­tens des freund­li­chen Staa­tes kämp­fen – gefilmt, foto­gra­fiert und auf kapi­ta­li­sti­schen sozia­len Netz­wer­ken geteilt via Luxuss­mart­phone, ver­steht sich. Aber Kapi­ta­lis­mus ist nicht das Pro­blem.

Von den Alten ist wenig geblie­ben, denn ohne den äuße­ren Freund und inne­ren Feind erlahmt auch die Kamp­fes­lust. Unver­ges­sen bleibt mir dies­be­züg­lich ein Dia­log mit einem Alt-68er, der sag­te, er kön­ne doch nicht mehr „Ho Ho Hồ Chí Minh“ rufen, wobei er teil­i­ro­nisch eine Faust reck­te, wor­auf­hin ich frag­te, war­um nicht, wor­auf­hin ihm kei­ne Ant­wort ein­fiel. Mei­nes Wis­sens hat er seit­dem aber trotz­dem nicht mehr „Ho Ho Hồ Chí Minh“ geru­fen.

Sei­ne Alters­ge­nos­sen, die Gewerk­schafts­grei­se vom DGB und ange­schlos­se­nen Sen­de­an­stal­ten (DKP, ver.di und so wei­ter), wer­den es sich den­noch nicht neh­men las­sen, zumin­dest vor­über­ge­hend in den Städ­ten zu ran­da­lie­ren Infor­ma­ti­ons­ma­te­ri­al zu ver­tei­len, wäh­rend die Jun­gen mit ihrer seit Jahr­zehn­ten kaum ver­än­der­ten Cho­reo­gra­phie (schlim­me Paro­len, schlim­me Aktio­nen, schlim­me Empö­rung), dank­bar wie­der­ge­käut von denen, die für die­sen Zir­kus den Ein­tritt kas­sie­ren („Jour­na­li­sten“), ihren Teil dazu bei­tra­gen, ihr Andenken in gesamt­ge­sell­schaft­li­che Ver­ges­sen­heit zu ent­sen­den.

Mon­tag kann man wie­der ein­kau­fen. Der Kampf geht wei­ter.

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Wohl­stands­kri­tik­ver­wahr­lo­sung

Der „Tages­spie­gel“ fragt anläss­lich einer Rei­he von Vide­os, in denen Schau­spie­ler sati­risch den media­len Umgang mit den als „Maß­nah­men“ ver­bräm­ten (Imp­fen ist eine Maß­nah­me, alles ande­re ist kei­ne Maß­nah­me, son­dern Über­brückung zur Maß­nah­me) und bereits ange­foch­te­nen Pan­de­mie­re­ge­lun­gen aufs Korn neh­men:

Ja, die Kul­tur­bran­che lei­det seit mehr als einem Jahr, etli­che ste­hen vor dem Ruin, die Hil­fen sind unzu­rei­chend. Aber die­se Auf­nah­men zei­gen pri­vi­le­gier­te, gut ver­die­nen­de Men­schen, vie­le von ihnen sind eta­blier­te „Tatort“-Darsteller. Ist ihre Teil­nah­me ein Zei­chen von Zivil­cou­ra­ge oder nicht eher von Wohl­stands­ver­wahr­lo­sung?

Was der „Tages­spie­gel“ lei­der nicht dazu schreibt, ist wenig­stens ein grob geschätz­tes Brut­to­ge­halt, ab dem Zivil­cou­ra­ge auto­ma­tisch in Wohl­stands­ver­wahr­lo­sung umschlägt. Das ist etwas scha­de, denn auch ich als Ver­tre­ter der finan­zi­el­len Mit­tel­schicht habe gele­gent­lich das Ansin­nen, mich kri­tisch über von mir als unge­recht emp­fun­de­ne Ent­wick­lun­gen zu äußern, habe jetzt aber Angst, dass der „Tages­spie­gel“ des­halb über mich schrei­ben wird, ich sol­le mich nicht so anstel­len, man­che ver­die­nen immer­hin weni­ger Geld als ich und hal­ten trotz­dem die Fres­se.

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz ange­merkt zu #Reich­tu­mUm­ver­tei­len

„Ver­schie­de­ne lin­ke Grup­pen“, ent­neh­me ich den Medi­en, möch­ten gemein­sam mit Akti­vi­sten, Sozi­al­wis­sen­schaft­lern, Poli­tik­wis­sen­schaft­lern und Mit­men­schen ver­gleich­bar öder Pro­fes­si­on („Intel­lek­tu­el­len“, schreibt ande­rer­seits die „taz“, erklärt aber nicht, wen davon sie meint) der als Tat­sa­che beschimpf­ten selbst auf­ge­stell­ten Behaup­tung, Reich­tum ent­ste­he „erst durch die Arbeit ande­rer“, ent­ge­gen­wir­ken, indem sie sich nicht etwa dafür ein­set­zen, dass auch weni­ger Rei­che eine Chan­ce auf eine ver­nünf­ti­ge Alters­vor­sor­ge (mehr Geld für alle) haben, son­dern höhe­re Steu­ern (weni­ger Geld für eini­ge) auch für die­je­ni­gen for­dern, die es gewagt haben, sich als Arbei­ter­kind hin­rei­chend viel Ein­kom­men zu erar­bei­ten, dass sie die Gren­ze zum „Reich­tum“ (vul­go: Mit­tel­stand) über­schrei­ten, wobei sie – die For­dern­den – frei­lich Paul Kirch­hof ent­we­der nicht ken­nen oder nicht ver­ste­hen, der voll­kom­men kor­rekt fest­ge­stellt hat, durch Steu­ern wer­de „der frem­de Erfolg zum eige­nen“, was wie­der­um bedeu­tet, dass sie das, was sie anpran­gern, mit ihren For­de­run­gen nicht besie­gen, son­dern bekräf­ti­gen; was ihnen, wenn ich das feed­back aus den Rei­hen der desi­gnier­ten Regie­rungs- und bewähr­ten Steu­er­erhö­hungs­par­tei „Die Grü­nen“ rich­tig ver­ste­he, zwar offi­zi­ell nicht bewusst ist, wohl aber in Kauf genom­men wird, denn vor­her gehen eigent­lich fast alle, die von „Reich“ nach „Arm“ umver­tei­len wol­len, davon aus, dass sie selbst auf kei­nen Fall zu denen gehö­ren, die „reich“ sind.

In den Nachrichten
Nichts gelernt: 35 Jah­re Idio­tie

Heu­te vor 35 Jah­ren, berich­tet unter ande­rem die „tages­schau“, …

Der GAU in Tscher­no­byl vor 35 Jah­ren bleibt als Kata­stro­phe im Gedächt­nis.

… hat im Kern­kraft­werk Tscher­no­byl ein Idi­ot sei­ne Posi­ti­on miss­braucht, was nicht gut aus­ging:

Der Schicht­lei­ter Aki­mow lehn­te die Durch­füh­rung des letzt­lich zum Unglück von Tscher­no­byl füh­ren­den Tests auf­grund des Zustands des Reak­tors ab, wur­de von Djat­low als Vor­ge­setz­ten mit der Dro­hung einer Kün­di­gung aber zur Fort­set­zung des Tests ange­hal­ten.

Was ich dar­an nicht ver­ste­he: Zwar ist schon seit Jah­ren vie­ler­orts zu lesen, man habe aus dem „Unglück von Tscher­no­byl“ gelernt und der Vor­fall sei „Mah­nung und Ver­pflich­tung zugleich“, aber nach wie vor scheint es weder poli­ti­schen noch gesell­schaft­li­chen Druck zu geben, ver­ant­wor­tungs­vol­le Posi­tio­nen kei­nem Idio­ten zu über­tra­gen.

MontagsmusikIn den Nachrichten
Welt­pin­guin­tag – Over the Bor­der // Nie wie­der Ham­let!

Wuscheligkeit ist keine Lösung, aber sie hilft.Es ist Mon­tag. Das zufäl­li­ge Fund­stück des Wochen­en­des ist Intim­pfle­ge­creme gegen so Gerü­che fürs Büro. Ich weiß nicht, in was für einem Büro die­je­ni­gen arbei­ten, die sich die Wer­be­gra­fi­ken aus­ge­dacht haben, aber ich hof­fe, es ist weit weg von hier.

Das Zitat des Wochen­en­des wie­der­um las ich auf Twit­ter, da ich aber die Tweet­ko­pier­hi­sto­rie nicht ken­ne, ver­lin­ke ich es hier nicht; es ging jeden­falls so: Bir­git Schmid stell­te in der „NZZ“ fest, dass die For­de­rung, homo­se­xu­el­le Figu­ren nur noch von homo­se­xu­el­len Schau­spie­lern spie­len zu las­sen, die Fra­ge nach sich zie­he, von wem dann Mas­sen­mör­der und Pädo­se­xu­el­le gespielt wer­den soll­ten, wor­auf­hin jemand ant­wor­te­te, Ham­let dür­fe nie wie­der auf­ge­führt wer­den, denn der Prinz von Däne­mark ste­he als Dar­stel­ler „vor­aus­sicht­lich län­ge­re Zeit“ ja auch nicht zur Ver­fü­gung. Das war zwar fürch­ter­lich platt, aber es rang selbst mir – bekannt für feh­len­den Humor – einen debi­len Gesichts­aus­druck („Schmun­zeln“) ab. – Weni­ger wit­zig: CDU/CSU, SPD und AfD, also Schwarz-Rot-Blau, beschlos­sen am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag, dass Sai­son­ar­bei­ter noch län­ger als sowie­so ohne gül­ti­ge Sozi­al­ver­si­che­rung beschäf­tigt wer­den dür­fen. Wen wählt man eigent­lich, wenn man Arbeit­neh­mer­rech­te für habens­wert hält? (Der erste Kom­men­tar, der die Grü­nen vor­schlägt, wird von mir höchst­per­sön­lich mit einem Augen­rol­len bedacht.)

Gestern war zwar aus­nahms­wei­se – der Zen­tral­rat der Pan­da­bä­ren ist hof­fent­lich nicht all­zu empört – nichts mit Pan­da­bä­ren, jedoch Welt­pin­guin­tag (lang­jäh­ri­ge Leser haben schon mal davon gehört). Das hät­te ich fast ver­ges­sen.

Welt­pin­guin­tag – Over the Bor­der

Guten Mor­gen.