Sonstiges
Medienkritik CXI: „Jolie“ und der Fickverdienst

Der Zufall und mein wahr­schein­lich erschrecken­des, wenn auch zynis­mus­ge­trie­be­nes Vergnügen an dem, was Zeitschriftenmacher offen­sicht­lich für frau­en­ty­pi­sche Zerstreuung hal­ten, lie­ßen die noch aktu­el­le Februarausgabe der sel­ten lang­wei­li­gen Zeitschrift „Jolie“ in mei­nen Besitz geraten.

Passend zum aktu­el­len Weltgeschehen beschäf­tigt sich die­se Ausgabe des Magazins mit sexu­ell moti­vier­ter Unterdrückung von Menschen, was auf dem Titelbild, das ich aus Pointengründen dies­mal erst spä­ter hier zu zei­gen beab­sich­ti­ge, jedoch nicht sofort zu erken­nen ist: Die sich räkeln­de, erschreckend unbe­klei­de­te Dame namens Rita Ora, über deren Tun ich mich zu infor­mie­ren gera­de nicht aus­rei­chend inter­es­siert bin, wird vor allem von den Schriftzügen „Happy Fashion - 351 Teile, die sofort glück­lich machen“, „Der Detox Guide (sic!) 2018“ und „Alles, was schlank & schön macht“ umweht. Dass zu letz­te­ren Dingen auch die „Hollywood-Methode“ (ebd.) zählt, hat damit auch noch nichts zu tun: Es geht natür­lich um Essen.

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In den NachrichtenNetzfundstückePolitikWirtschaft
Liegengebliebenes vom 27. Januar 2018

Die University of Oxford hat her­aus­ge­fun­den, dass auch län­ge­re Prüfungsdauern nichts dar­an ändern, dass Frauen - sta­ti­stisch gese­hen - schlech­ter in Mathematik und EDV als Männer und dafür ver­mut­lich bes­ser in Kuschelwuschel und Knuddelwuddel sind. Vielleicht könn­te man das mit einer Quote lösen.


Christopher Lauer hat was in Medien rein­gev­loggt und Hadmut Danisch platzt der Kragen: „Bedingungsloses Grundeinkommen, freie Drogen und Pornos von ARD und ZDF? Wozu sollt Ihr noch gut sein?“


Dazu (irgend­wie) auch Jan Fleischhauer, der auf „SPIEGEL ONLINE“ fest­stellt, dass die Linken die Nähe zu denen, für deren Rechte sie zu strei­ten behaup­ten, voll­ends ver­lo­ren haben.


Was wir von ande­ren Staaten ler­nen kön­nen: In Indien ist das Internet ver­stopft, weil dort ein­an­der jeder einen guten Morgen wün­schen möchte.


Lesenswert: „Wie die FAZ im redak­tio­nel­len Gewand die Botschaften ihrer Auftraggeber an den Leser bringt“.

ComputerMusik
Medienkritik in Kürze: The Fall - an Brotkrumennavigation verschluckt.

Zwecks - immer für Suchmaschinen, nie­mals für Menschen - bes­se­rer Strukturierung bil­den vie­le Nachrichtenportale im Web auf der Einzelartikelansicht mit­un­ter eine Strukur ab, der gemein­hin als „Brotkrumennavigation“ bekannt ist: Es wird sozu­sa­gen der „Pfad“ zum aktu­el­len Artikel dar­ge­stellt. Wenn in den Medien davon die Rede ist, dass irgend­ei­ne pop­li­ge Sportlerin einen Ball schnel­ler auf die ande­re Seite geschla­gen hat als ihre Gegnerin, dann fin­det man sol­che Meldungen zumeist in einem „Pfad“, der unge­fähr wie „Startseite > Nachrichten > Sport > Tennis > Dingsda hat gewon­nen“ aus­sieht. Der Vorliebe von dem weit­läu­fi­gen Ressort der Unterhaltung zuge­wie­se­nen Journalisten für Schubladisierung aller ver­wert­ba­ren Informationen kommt das zupass.

Schubladisierung ist auch in der Musik lei­der nicht unbe­liebt, was eine unvor­ein­ge­nom­me­ne Bewertung von Musikalben gele­gent­lich erschwert: Was etwa als „Schlager“ bewor­ben („rezen­siert“) wird, das ruft in mir auch dann kei­nen Kauf-, son­dern einen Laufwunsch, näm­lich: weg, her­vor, wenn es eigent­lich gar nicht so schlimm ist. Hinzu kommt, dass die besag­te Schubladisierung ihre Grenzen nicht nur bei der Motivation des Einordnenden, son­dern auch bei der Technik hat. Eine ein­zei­li­ge Navigationshilfe auf Websites ist nun ein­mal nur zwei­di­men­sio­nal. Ein aktu­el­les Beispiel prä­sen­tier­te gestern „SPIEGEL ONLINE“.

Denn wohin muss man navi­gie­ren, um dort den Artikel dar­über zu fin­den, dass der fan­ta­sti­sche Mark E. Smith von den kaum weni­ger fan­ta­sti­schen The Fall gestern ver­starb? Die kor­rek­te Antwort ist ver­blüf­fend offen­sicht­lich: 1996 ver­öf­fent­lich­te die Schrammelband - nicht, dass ich was gegen Schrammeln hät­te! - Tocotronic auf ihrem drit­ten Studioalbum „Wir kom­men um uns zu beschwe­ren“ das Lied „Ich habe geträumt, ich wäre Pizza essen mit Mark E. Smith“. Das war anschei­nend die Rettung für „SPIEGEL ONLINE“, denn für The Fall hat­te man dort zuvor sel­ten ein paar Zeilen übrig und daher auch noch kei­ne Schublade vor­be­rei­tet, für Tocotronic aber schon:

Hauptsache, das SEO stimmt.

In den NachrichtenPolitikWirtschaft
Annexion bit­te nur gegen Bares

Im August ver­gan­ge­nen Jahres nör­gel­te die dama­li­ge Bundesregierung anläss­lich der Übereignung der Krim an Russland fol­gen­der­ma­ßen herum:

Danach wer­de die rus­si­sche Annexion der ukrai­ni­schen Krim als ein Bruch des Völkerrechts betrach­tet, der die euro­päi­sche Friedensordnung infra­ge stel­le. (…) Staatliche Grenzen müss­ten akzep­tiert werden.

Warum das von der ekli­gen NATO sicher­heits­hal­ber bedroh­te Russland fort­an über­mä­ßig sank­tio­niert wur­de, wird klar, wenn man aktu­el­le Nachrichten liest, zu deren Zustandekommen es sei­tens der Bundesregierung allen­falls ein ent­rü­ste­tes Schütteln des Zeigefingers zu lesen gab, näm­lich zum Beispiel die­se:

Israel erwei­tert laut meh­re­ren orts­an­säs­si­gen Quellen sei­nen Einfluss auf das von der Opposition besetz­te süd­li­che Syrien. (…) Die Erweiterung der Sicherheitszone kenn­zeich­net eine Bewegung hin zu einer tie­fe­ren Einmischung Israels in Syriens Bürgerkrieg. (…) Israel macht sich nicht nur Sorgen wegen des Irans und des­sen Allierten im Libanon, son­dern auch um sei­ne Kontrolle über die Golanhöhen. Israel hat das 1.200 km² gro­ße Gebiet 1967 ein­ge­nom­men und hält es seit­dem besetzt. Anders als die ande­ren von ihm besetz­ten Gebiete hat Israel die Golanhöhen 1981, von der inter­na­tio­na­len Gemeinschaft ver­ur­teilt, offi­zi­ell annektiert.

(Nicht beson­ders text­na­he Übersetzung von mir.)

Während Fefe noch rhe­to­risch spe­ku­liert, ob die amtie­ren­de Bundesregierung wenig­stens dies­mal auch das israe­li­sche Verschieben frem­der staat­li­cher Grenzen sank­tio­nie­ren wür­de, habe ich eine Vermutung, war­um bei völ­ker­rechts­wid­ri­gen Abscheulichkeiten sei­tens der Türkei und eben Israels von spür­ba­ren Strafen sei­tens der inter­na­tio­na­len Gemeinschaft abge­se­hen wird: Anders als Russland sind die­se Staaten zwar nur mit­tel­mä­ßig zuver­läs­si­ge Verbündete, aber wenig­stens leid­lich zah­lungs­kräf­ti­ge Kunden.

Daran, dass Deutschland Israel zwecks effi­zi­en­ter Vorwärtsverteidigung auch noch mit Kriegswaffen belie­fert, stört die Politik daher auch nicht, dass damit Kriegsdinge getan wer­den, son­dern, was die Innenpolitik des Empfängers sonst so macht: „Es gibt nach wie vor Korruptionsvorwürfe gegen Benjamin Netanjahu und sein Umfeld. Das ist nicht aus­ge­räumt.“ Seine eige­nen Grenzen auf der Landkarte her­um­zu­schie­ben wäre unter der Bedingung, dass die deut­sche Rüstungswirtschaft davon finan­zi­ell pro­fi­tiert, ja völ­lig legi­tim, aber bei Korruption hört das Verständnis auf. Da geht es immer­hin um Geld!

Braucht Russland eigent­lich noch ein paar Panzer?

NerdkramsNetzfundstücke
Datengefährdung dank Digitalcourage

Was macht eigent­lich der digi­tal­cou­ra­ge e.V. (Themen: EU-Datenschutz, Vorratsdatenspeicherung, Feminismus usw.) gera­de so? Nun, er wird mal wie­der durch die Medien getrie­ben, weil er trotz allem noch immer als in Datenschutzdingen halb­wegs stand­fest gilt. Der aktu­el­le Anlass scheint eine zwei Jahre alte Pressemitteilung zu sein, der zufol­ge noch 2018 in Wolfsburg Grundschüler ver­wanzt wer­den sol­len, um nicht über­fah­ren zu werden.

Für den soeben ver­link­ten Artikel wur­den zwei Auskenner aus dem „Verein, der sich seit 1987 für Grundrechte und Datenschutz ein­setzt“ (ebd.), nach ihrer Meinung zu die­sem Projekt gefragt. Um den Inhalt soll es mir hier aber nicht gehen, son­dern um den Verein selbst. Diesen hat­te ich vor etwa einem Jahr zum letz­ten Mal wirk­lich bewusst zur Kenntnis genom­men - damals emp­fahl der Verein auf sei­ner Website, man möge die Installation von Ubuntu, das gera­de erst wegen mas­si­ver Datenschutzärgernisse, näm­lich ein­ge­bau­ter Amazon-Spyware, in die Kritik gera­ten war, anstel­le von Windows in Erwägung zie­hen. Es han­delt sich also frag­los um einen Verein, der mit­un­ter popu­li­sti­schen Aktionismus (was auch sei­ne medi­al beach­te­te Verleihung der „Big Brother Awards“ belegt) über­leg­tem Raisonnement vor­zieht und dabei auch Schaden im eige­nen Lager in Kauf nimmt. Kurz gesagt: Was den Datenschutz betrifft, traue ich dem digi­tal­cou­ra­ge e.V. (der mir unter dem alten Namen „FoeBuD“ wenig­stens klang­lich sym­pa­thi­scher war) nicht über den Weg und wür­de dies auch nie­man­dem empfehlen.

Aufgrund des Artikels begut­ach­te­te ich die inzwi­schen - offen­bar nach „mobi­le first“, auf einem ver­nünf­ti­gen Bildschirm sieht sie also zum Speien aus - neu gestal­te­te Website aller­dings doch noch ein­mal, um mich zu ver­ge­wis­sern, dass mei­ne Vorbehalte nicht plötz­lich ver­al­tet sind; das Gute im Menschen bezie­hungs­wei­se im Verein sei ja nicht gänz­lich in Abrede gestellt. Natürlich war das ein Fehler.

Denn zwar wird nun die weni­ger grund­fal­sche Linuxdistribution Tails statt Ubuntu emp­foh­len und auch an ande­ren Stellen zeigt der Verein zumin­dest, woher sein weit­ge­hend guter Ruf eigent­lich ursprüng­lich ein­mal stamm­te, aber eine kon­se­quen­te Umsetzung der eige­nen Empfehlungen ist dem digi­tal­cou­ra­ge e.V. auch wei­ter­hin nicht gege­ben. Wasser pre­di­gen, Cognac saufen.

Auf der Seite über „Anti-Tracking-Tools“ wird näm­lich zu Recht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es eine sau­däm­li­che Idee ist, Websites ohne ver­nünf­ti­gen Grund das Ausführen von Code auf dem eige­nen Rechner („JavaScript“) zu erlau­ben. Leider wird jemand, der sich des­sen bewusst ist, die­sen Hinweis nicht so leicht fin­den wie etwas düm­me­re Menschen, denn wenn man mit aus­ge­schal­te­tem JavaScript auf der auf ver­nünf­ti­gen Bildschirmen gro­tesk gigan­ti­schen „Menü“-Schaltfläche her­um­drückt, pas­siert genau gar nichts, denn das „Menü“ (im Wesentlichen aus dem unte­ren Teil der Seite bestehend) wird nicht etwa mit CSS oder einem ein­fa­chen HTML-Verweis auf eben die­sen unte­ren Teil, son­dern per JavaScript ein­ge­blen­det. Das mag auf mobi­len Geräten, auf denen die Aktivierung grund­le­gen­der Sicherheitsmaßnahmen oft nicht ein­mal vor­ge­se­hen ist, kein gro­ßes Problem dar­stel­len, wenn man auf die Datensicherheit sei­ner Besucher kei­nen beson­de­ren Wert legt; aber eben auch nur dann. Dass vor die­sem Hintergrund die voll­mun­di­ge Behauptung aus der Datenschutzerklärung, in der unter ande­rem auch steht, der Server spei­che­re mei­ne Browserversion (wofür eigent­lich?), dass „grund­sätz­lich“ weder „Tracking“ noch „akti­ve Inhalte“ (ver­ste­he schon: JavaScript ist eben nicht aktiv genug) ver­wen­det wer­den, sich als hei­ße Luft ent­puppt, spielt da schon fast kei­ne Rolle mehr.

Vielleicht ist es aber auch nur Unfähigkeit und nicht etwa Unwissen:

Eine Ausnahme stellt das has_­js-Cookie dar, mit dem wäh­rend der Sitzung fest­ge­hal­ten wird, ob im Browser „Javascript“ ein­ge­schal­tet ist. Diese Information wird von unse­rem Content Management System „Drupal“ genutzt, um die Seiten-Darstellung in Ihrem Browser zu optimieren.

Mensch, das mit der Optimierung funk­tio­niert ja rich­tig klas­se! Inwiefern es die Seitendarstellung zu ver­bes­sern ver­mag, wenn man statt­des­sen JavaScript akti­viert, steht natür­lich nicht dabei. Bis auf eine Sammlung dann beweg­ter Bilder und einer end­lich mal funk­tio­nie­ren­den Navigationsleiste unter der dafür vor­ge­se­he­nen Schaltfläche konn­te ich jeden­falls gera­de kei­nen Unterschied erken­nen. Mir wäre es das ja nicht unbe­dingt wert.

An ver­schie­de­nen Stellen auf sei­ner Website ver­kün­det der Verein:

Digitalcourage setzt sich für Ihre Privatsphäre und Grundrechte ein. Unterstützen Sie unse­re Arbeit mit einer Spende oder mit einer Fördermitgliedschaft.

Ich hat­te noch nie so wenig Lust, einem Verein beizutreten.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Half Past Four - Land of the Blind

Half Past Four - Land Of The BlindUm halb fünf Im Jahr 2016 ver­öf­fent­lich­te die fünf­köp­fi­ge kana­di­sche Band Half Past Four ihr drit­tes und bis­lang letz­tes Studioalbum „Land of the Blind“ (Amazon.de, Bandcamp). Von sich selbst behaup­ten die Musiker, sie sei­en „eine der besten Progressive-Rock-Bands aus Kanada“, was zumin­dest eine muti­ge Behauptung ist, wenn man sowohl Rush als auch die diver­sen Sprosse von Godspeed You! Black Emperor dem Progressive Rock zurech­net, denn dann wird es knapp mit der Bewertung.

Stilistisch sehen sich Half Past Four aller­dings sowie­so anderswo:

Seit nahe­zu zwei Jahrzehnten haben sie einen ein­ma­li­gen Klang ent­wickelt, der tra­di­tio­nel­len Progrock neben ande­ren mit Folk, Country, Jazz und klas­si­schen Genres verbindet.

In der Tat ist Eintönigkeit hier nicht gege­ben. Schon im eröff­nen­den „Mathematics“ wird die Retroprog-Schiene von Beardfish bis echo­lyn auf- und abge­wan­dert, von einem offen­sicht­li­chen Rückgriff auf Genesis und die unver­ges­se­nen Gentle Giant unter­schei­det Half Past Four hier fast nur Sängerin Kyree Vibrant, deren Kunst ich aller­dings für beacht­lich halte.

Half Past Four - Mathematics (Official Video)

Während in „Toronto Tontos“ die Exzentriker von Primus wahl­wei­se zitiert oder per­si­fliert wer­den, ver­mag ich das text­lich bemer­kens­wer­te „Mood Elevator“ kei­ner ande­ren Band zuzu­ord­nen. Sommerlicher Bluesrock’n’Roll, wenn’s denn ein Genre sein muss.

Half Past Four - Mood Elevator (Official Video)

Mit dem Stimmungsfahrstuhl fah­re ich erst ein­mal nach oben. Ich bin erfreut und hof­fe auf Fortsetzung.

In den NachrichtenPolitik
Punk ist nicht tot, Punk ist jetzt Sozialdemokrat.

Aus dem trotz der femi­ni­sti­schen Grundüberzeugung männ­li­chen Vorsitzenden des Vereins des älte­sten Mädchens Berlins, das in kind­lich-pat­zi­gem Tonfall von sich behaup­tet, es kön­ne schon des­halb kein Mädchen sein, weil es immer­hin seit einer Vierteldekade einer Jugend- und nicht etwa einer Kinderorganisation vor­ste­he, näm­lich der „Jusos“, spru­delt seit gestern wie­der­holt eine total tol­le Idee heraus:

Wer jetzt in die #SPD ein­tritt, kann in eini­gen Wochen #Groko oder #NoGroko sagen. Ein schö­ner Anlass, sich einen Ruck zu geben.

Denn wenn eins die SPD-Führung davon über­zeu­gen wird, dass es eine wenig ertrag­rei­che Idee war, in offen­bar selbst­mör­de­ri­scher Absicht den Ausstieg vom Ausstieg zu voll­zie­hen, dann ja wohl eine Schar neu­er Beitragszahler infol­ge die­ser Idee!

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Hammock - Clarity // 44 Prozent rational.

EulmeldungEs ist Montag. Durch Deutschland soll­te etwas gehen, am besten ein Pandabär, denn Pandabären sind eine wert­vol­le Ergänzung für jede Gesellschaft; zumal eine Gesellschaft, der der kri­ti­sche Rationalismus völ­lig fehlt, den Menschen kein Gewinn sein kann. Mehr Karl Popper (und mehr Pandabären) wagen!

Kein Wochenende ohne Politikschmerzen: Die SPD hat „gewählt“ und zu 56 Prozent kein Interesse mehr an ihrem eige­nen Geschwätz von gestern. Wenn die 44 Prozent Restbehirnten in der SPD zur näch­sten Bundestagswahl eine eige­ne Partei grün­de­ten, könn­ten sie, wie ich ver­mu­te, anschlie­ßend ohne Zweifel die Regierung füh­ren. Tun sie das nicht, dann sind auch sie schuld an dem, was kommt. Dass Martin Schulz zwecks Anregung von Zugehörigkeitsgefühl irgend­was über ein „sozi­al­de­mo­kra­ti­sches Europa“ deli­rier­te und dabei igno­rier­te, dass „Sozialdemokratie“ in ganz Europa nie­mand mehr so wirk­lich irgend­wo hin­wäh­len will, ist ziem­lich spre­chend. - Es ist erwie­sen: Berlin macht doof. Ob da ein Zusammenhang besteht?

Ein Blick ins Ausland: In Großbritannien ist die beim Bumsen meist­ge­nann­te Person angeb­lich Donald Trump. Die Menschen haben Geschmack. Im ande­ren Ausland, in Thüringen, sind sich Medien der­weil unsi­cher, ob man bei einem Verhältnis von 76 zu 75 nun von einer Mehrheit oder einer Gleichheit reden soll­te; ent­schie­den hat man sich über­wie­gend für zwei­te­re Formulierung, was jour­na­li­stisch bestimmt irgend­wie begründ­bar ist.

Es ist Montag und damit ist es Zeit für Musik. Döpdapdöpdöppieps! Ansonsten hören wir doch ein­fach ein wenig Hammock.

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Parlamentarische Rachedemokratie

Woher kommt es eigent­lich, dass die AfD immer noch nicht ver­schwun­den ist, son­dern auch wei­ter­hin Zuspruch erhält? Nun, vor allem an der Irrationalität, mit der ihre Gegner ihr eige­nes Verhalten einschätzen.

Dass der Bundestag ein Arbeitsparlament ist, aus­blei­ben­de Anwesenheit also nicht zwin­gend etwas mit feh­len­dem Arbeitswillen zu tun hat, weil die wesent­li­che Arbeit, die über Abstimmungen hin­aus­geht, ohne­hin in anders­wo tagen­den Gremien statt­fin­det. Die land­läu­fi­ge Vermutung, dass Politiker sich erst selbst das Gehalt erhö­hen und dann nicht mal etwas dafür tun wol­len, weil sie im Bundestag häu­fi­ger mal feh­len, ist also nicht zwin­gend zutref­fend. Trotzdem wäre es ver­fehlt, sie hier vor der Skepsis ihrer Bürger zu bewah­ren, denn abge­se­hen von ihren all­täg­li­chen Verfehlungen, näm­lich zum Beispiel der, dass sie es für irgend­wie wäh­ler­ge­wollt hal­ten, wenn sie sich nicht für die Interessen ihrer Wähler, son­dern für ganz ande­re Dinge ein­set­zen (ehe­ma­li­ge Piratenwähler, die mit ihrer Stimme statt zur Verbesserung deut­scher Netzpolitik Ressourcen für Pamphlete zugun­sten von Gratisgeld und Posexparaden ver­schwen­det haben, ken­nen das zur Genüge), was mich fra­gen lässt, ob der Verbraucherschutzbund sich nicht bei Gelegenheit mal mit den Werbeversprechen von Parteien befas­sen soll­te, gibt es manch­mal auch die­se ganz kon­kre­ten Ärgernisse des poli­ti­schen Alltags, die dar­an zwei­feln las­sen soll­ten, ob eine Expertokratie nicht doch die bes­se­re Staatsform wäre.

Gestern näm­lich „berich­te­te“ unter ande­rem „SPIEGEL ONLINE“, dass die AfD sich des seit über einem hal­ben Jahrhundert SPD-erprob­ten „Tricks“ bedien­te, die Geschäftsordnung des Bundestages gele­sen zu haben:

Eine Sitzung des Bundestags muss­te am spä­ten Donnerstagabend abge­bro­chen wer­den. Grund war ein AfD-Antrag.

Nein, der Grund war, dass die anwe­sen­den Parlamentarier gegen die Geschäftsordnung ver­sto­ßen woll­ten, der Auslöser war ein Antrag; aber Sprache liegt nun ein­mal nicht jedem, der was in Qualitätsmedien rein­schrei­ben darf. Der Antrag bat eigent­lich nur um Verifikation:

Der Bundestag muss­te am spä­ten Donnerstagabend eine Sitzung abbre­chen, weil das Plenum wegen zu wenig anwe­sen­der Abgeordneter nicht beschluss­fä­hig war. Die Nachzählung, den soge­nann­ten Hammelsprung, hat­te die AfD-Fraktion verlangt.

Dass der Fraktionsvorsitzende der AfD den Antrag als „Rache“ für eine zuvor erfolg­te Nichtwahl eines AfD-Mitglieds in irgend­ein Gremium, war zwar ein rhe­to­ri­scher Schuss in den eige­nen Fuß, aber wenn der Bundestag aus Rache nach Geschäftsordnung und nicht regel­wid­rig arbei­tet, dann soll­te das eigent­lich für nie­man­den ein Problem dar­stel­len, was vor allem dadurch bestä­tigt wird, dass eini­ge unan­ge­neh­me Gesetze - zuletzt das „NetzDG“ - bei Anwesenheitsprüfung ver­mut­lich nicht so schnell Realität gewor­den wären.

Tut es aber doch. Beispielhaft grei­fe ich mir Thomas Mockenhaupt, sonst nicht wei­ter bemer­kens­wer­ter SPD-Mitarbeiter, her­aus, der die­se „Rache“ fol­gen­der­ma­ßen bet­wit­ter­te, wor­auf­hin in eben­je­nem Medium eine erhitz­te Debatte ent­brann­te, die im Konsens aus­blei­ben­de Anwesenheit bei Abstimmungen mit Arbeitsverweigerung gleich­setz­te, wes­halb sie hier nicht wei­ter von Belang sein soll:

Dieser bil­li­ge Kirmestrick der Rechtsextremen ist ein guter Beweis, dass es denen nicht um ernst­haf­te Politik, son­dern nur um Klamauk und das Untergraben der Demokratie geht.

Mit einer Demokratie, die „unter­gra­ben“ wird, indem ihre Legislative sich an ihre selbst auf­er­leg­te Geschäftsordnung zu hal­ten gebe­ten wird, ist es nicht weit her, möch­te man mei­nen. Wir sind der Souverän, wir haben die da hingesetzt.

Wo bleibt eigent­lich die Revolution?

ComputerIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Kurz ver­linkt: „Alexa, mach etwas völ­lig anderes!“

Unhörbare Sprachsteuerung war gestern, heu­te ist Sprachmodifikation:

Aus einer vor­han­de­nen Audiowellenform kön­nen Forscher jetzt eine qua­si iden­ti­sche Version erzeu­gen, die Spracherkennungsprogramme etwas völ­lig ande­res tran­skri­bie­ren lassen.

(Übersetzung von mir.)

Was könn­te da schon passieren?


Nachtrag vom 21. Januar: Amazons Sprachassistentin gibt jetzt Widerworte und bezeich­net sich als Feministin. So was stellt man sich doch gern ins Wohnzimmer.

In den NachrichtenWirtschaft
Spielgeld IV: Wie Geld, nur defekt.

Am 2. Januar 2018 ver­öf­fent­lich­te Pseudonymus „Mr. Money Mustache“ einen trotz des Namens recht lesens­wer­ten kri­tisch-ana­ly­ti­schen Blogartikel, in dem er wie vie­le ande­re vor ihm schlüs­sig auf­zeig­te, wie­so der frei erfun­de­ne „Wert“ eines Bitcoins schon daher über­zo­gen ist, weil der Betrag, der neben „BTC in USD“ steht, erst mal von irgend­wem bezahlt wer­den müss­te, um nicht bloß in einer Sackgasse zu enden. (Dass der Autor bei der Bildbeschreibung Twitter und red­dit mit­ein­an­der ver­wech­selt, sei ihm ver­zie­hen.) Es sei der Neid der Besitzlosen der Antrieb des Autors und sei­ner Mitmeiner, unk­te es hier­auf in den Kolumnen, denn wenn Bitcoin wirk­lich eine sol­che Blase wäre, wäre es längst geplatzt.

Zur all­ge­mei­nen Überraschung stell­te sich nur weni­ge Tage spä­ter her­aus, dass der frei erfun­de­ne „Wert“ eines Bitcoins auch nach unten gehen kann. Das Wehklagen war groß, man­che setz­ten für die­ses Spielgeld immer­hin ihre Existenz aufs Spiel, ver­bit­ten sich aber auch aus der Gosse her­aus noch die Behauptung, sie hät­ten sich „ver­zockt“: Auf red­dit wird seit Tagen gemahnt, dass, wer ver­kauf­te, das schon bald bereu­te. Das kennt man noch von der Immobilienblase vor ein paar Jahren: Alles Feiglinge, das. HODL, prost! Dass mit dem Bitcoin, für des­sen Fall wirt­schaft­lich nai­ve Meinungsmedien unter ande­rem China ver­ant­wort­lich machen, das das „Schürfen“ von Spielgeld angeb­lich erheb­lich zu sank­tio­nie­ren gedenkt, auch alter­na­ti­ve „Währungen“ wie Ripple gro­ße Kursverluste hin­neh­men muss­ten und müs­sen, die man über­haupt nicht „gene­rie­ren“ kann, weil es alle „ver­füg­ba­ren“ Einheiten bereits gibt, sagt über das Finanzverständnis derer, die das Spiel begei­stert mit­ge­spielt haben, mehr aus als über die­je­ni­gen, die als Ewiggestrige und als Büttel des Finanzsystems ver­schrien werden.

Es sei, befand der Nachtwächter, sehr spre­chend, dass die­je­ni­gen, die das Geldsystem erset­zen wol­len, sich vor allem Sorgen dar­über machen, dass ihr Spielgeld nicht mehr so viel rück­stän­di­ges Echtgeld „wert“ ist. Die Revolution will heim zu Mutti.

Es nennt sich Kommunist, wer kämpft, damit der Staat ihm eine bür­ger­li­che Existenz sichert.
Nicolás Gómez Dávila

In den Nachrichten
Was am Wochenende nicht pas­siert ist.

Auf „T-Online“ wird „berich­tet“:

Ein Passagierflugzeug der tür­ki­schen Fluglinie Pegasus ist bei der Landung im nord­tür­ki­schen Trabzon von der Piste abge­kom­men und fast ins Schwarze Meer gestürzt. (…) Auch Pegasus teil­te mit, die 162 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder sei­en bei dem Vorfall am Samstagabend nicht ver­letzt wor­den. Der Sender CNN Türk berich­te­te: „In Trabzon fehl­ten 25 Meter bis zur Katastrophe.“

Mir fehl­ten indes­sen noch unge­fähr 25 Hände und Stirnen für eine ange­mes­se­ne Reaktion. Wieder knapp am Rekord vor­bei - fast!

:irre:

In den NachrichtenMontagsmusik
Black Bombaim & La La La Ressonance - Kin

Ich seh schwarzEs ist Montag. Bim bim bim! Für ein paar Lacher eig­net sich jeder Philosoph, tie­fer muss man ja nicht boh­ren. Gott ist tot und man selbst kommt heu­te auch nicht so recht aus dem Bett.

In ande­rer Hinsicht soll­te man wachen Auges sein: Antivirusfirmen haben Microsoft ver­klagt, weil die Sicherheitsmaßnahmen von Windows Vista sie nicht mehr in den Kernel gelas­sen haben. Das Problem mit der Computersicherheit, das sei ergeb­nis­of­fen fest­ge­stellt, ist offen­sicht­lich nicht, dass die Leute kei­nen Virenscanner ein­set­zen, son­dern, dass sie die­sen Firmen immer noch Geld (oder wenig­stens Reklameeinnahmen) bezah­len wollen.

Zu jeder­manns Lieblingsthema, der Innenpolitik, gibt es lei­der Neuigkeiten zu ver­mel­den: „CSU-Landesgruppenchef Dobrindt“, heißt es beim Deutschlandfunk, habe den SPD-Vorsitzenden auf­ge­for­dert, „die Kritik an den Sondierungsergebnissen zu been­den“ - die sol­len froh sein, über­haupt mit­re­gie­ren zu dür­fen! Gute Nachrichten der­weil aus Großbritannien: Die Insel wird Europa geo­gra­fisch nicht ver­las­sen, ver­sprach Minister David Jones.

Gibt’s doch nicht? Doch, es gibt anschei­nend alles schon: Um ein Problem zu lösen, habe ich am Wochenende ein Programm geschrie­ben. In einem Forum wur­de ich sodann dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die­ses Problem schon vor Jahren viel bes­ser gelöst wur­de. Bestimmt gibt es dafür auch eine Moral oder dergleichen.

Was es aber nie­mals zu geben auf­hö­ren soll­te: Musik.

Black Bombaim & La La La Ressonance - „Kin“ (B1)

Guten Morgen.