In den NachrichtenMontagsmusik
My Solid Ground – The Exe­cu­tio­ner // Waf­fen fürs Kli­ma

Moin.Es ist Mon­tag. Futura­ma kommt zurück. Alles wird gut.

Aus der Rei­he „kul­tu­rel­le Aneig­nung und ihre Fol­gen“: Die US-ame­ri­ka­ni­sche Gesichts­ver­zie­rungs­mar­ke Kosas („visio­nä­re Kol­lek­ti­on“, Quel­le: Inter­net) nann­te sich zwi­schen­zeit­lich „Kuh­sauce“. Ich wäre ein schlech­ter Mensch, wür­de ich behaup­ten, der Name wäre immer noch gar nicht so falsch. Frau­en zu belei­di­gen über­las­se ich aber lie­ber irgend­wel­chen Jour­na­li­sten; neu­er­dings erdrei­sten sich etwa eini­ge von ihnen, jun­ge Frau­en „jun­ge Dame“ zu nen­nen, was selbst­ver­ständ­lich eine Unver­schämt­heit ist. Ich kann den Furor der alten Schnep­fe voll und ganz ver­ste­hen.

Die EU „droht“ Russ­land damit, künf­tig mehr Geld für Gas bezah­len zu wol­len. Die­se Schlitz­oh­ren! Immer­hin hat die­ses Gemen­ge posi­ti­ve Kon­se­quen­zen für die Umwelt. Krieg ist sicher­lich nach­hal­tig und gut für die Umwelt, jaja. Klar: Weni­ger Men­schen, weni­ger Dreck. Guter Ansatz eigent­lich.

Noch wei­ter west­lich hat sich über­ra­schend her­aus­ge­stellt, dass Geheim­dien­ste Men­schen über­wa­chen. Die Men­schen machen es ihnen aber auch sehr leicht, tra­gen sie doch stets frei­wil­lig ein Gerät zur stän­di­gen phy­si­ka­li­schen Ver­fol­gung mit sich her­um. Frü­her war das nicht so leicht, frü­her hat­ten die Men­schen noch Fern­schrei­ber und die stan­den woan­ders als sie selbst. Bei RevK las ich die­ser Tage, dass von die­sen Gerä­ten auch der Zei­len­um­bruch „CR LF“ – unter Win­dows noch immer der Stan­dard – stammt. Das scheint eine Spe­ku­la­ti­on zu sein, ist jedoch auch schlüs­sig begrün­det. Bei „Hacker News“ indes wird das eher skep­tisch gese­hen.

Apro­pos USA: Ein US-ame­ri­ka­ni­scher Erfolgs­au­tor ist acht Jah­re alt und hat sein Buch mit­tels social hackings unter die Leu­te gebracht. Ich hät­te eine Über­lei­tung, aber ich will nicht: Die katho­li­sche Kir­che hat beschlos­sen, dass katho­li­sche Prie­ster nicht nur pädo­phil, son­dern künf­tig auch ver­hei­ra­tet sein dür­fen. Ein Sit­ten­ver­fall ist das, sag‘ ich. Noch zwei, drei Jahr­hun­der­te und es gibt weib­li­che Bischö­fe. Furcht­ba­re Vor­stel­lung.

Schö­ne Vor­stel­lung hin­ge­gen: Ein Wochen­be­ginn mit Musik.

The Exe­cu­tio­ner

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Revo­lu­ti­on auf Deutsch

Für die­se Woche ist jetzt erst ein­mal Ruhe bei Poli­zei und Akti­vi­sten. Gear­bei­tet und pro­te­stiert wird in Deutsch­land eben schön anstän­dig an einem Wochen­tag.
„Ber­li­ner Zei­tung“ (will nicht ver­linkt wer­den, LSR)


Ande­rer­seits braucht der Deut­sche anschei­nend immer eine gewis­se Grund­men­ge an Bedro­hungs­si­tua­tio­nen, sonst wird er nicht glück­lich: Frank-Wal­ter Stein­mei­er, den ich schon für eine sehr unap­pe­tit­li­che Per­son hielt, bevor man ihn online nicht mehr so nen­nen durf­te, was dar­an liegt, dass er den unschul­di­gen Murat Kur­naz in ein US-ame­ri­ka­ni­sches Fol­ter­ge­fäng­nis hat ent­füh­ren las­sen, um zu bele­gen, was er von Demo­kra­tie und Rechts­staat hält, ist als Bun­des­prä­si­dent unter des fal­schen Got­tes Auf­sicht (Archiv­ver­si­on) „wie­der­ge­wählt“ wor­den und hat in sei­ner ersten Rede sei­ner zwei­ten Amts­zeit erst mal den Iwan bedroht, um die­sem dar­zu­le­gen, dass Bedro­hung unde­mo­kra­tisch sei. Dann kön­nen ja die jähr­li­chen „Defender“-Missionen der elen­den NATO end­lich auf­hö­ren.

In Par­tei­en reicht es oft, wenn sich irgend­wer öffent­lich von irgend­was distan­ziert, um die Mit­ver­ant­wort­lich­keit für des­sen Geschwall abzu­ge­ben. Ich gebe inso­fern an die­ser Stel­le mei­ne außer­or­dent­lich gro­ße men­ta­le Distanz zu Frank-Wal­ter Stein­mei­er bekannt. Der Herr ist mir mit­samt sei­nem ver­meint­lich staats­män­ni­schen Duk­tus über­aus pein­lich.

Pro­blem gelöst?

Fotografie
Prag.

Gewitz­te Ein­rei­se­be­schrän­kung: Wenn man momen­tan nach Tsche­chi­en rei­sen möch­te, muss man ein For­mu­lar aus­fül­len, in das man Buch­sta­ben ein­ge­ben muss, die auf der Tasta­tur gar nicht drauf sind. Für mich sind das ja böh­mi­sche Dör­fer.

Prager Formular

Die wesent­li­che auf dem Weg dort­hin – also zu den böh­mi­schen Dör­fern – unter dem Ein­druck eines anschei­nend nicht funk­tio­nie­ren­den Kopf­hö­rer­ad­ap­ters gewon­ne­ne Erkennt­nis ist, dass die Deut­sche Bahn in künf­ti­gen Umge­stal­tun­gen ihrer Züge drin­gend die Grö­ße eines übli­chen Plat­ten­spie­lers berück­sich­ti­gen soll­te. Nur weni­ge Zen­ti­me­ter mehr wür­den die Abteil­ti­sche im Inter­Ci­ty von einer Kaf­fee­um­kipp­flä­che zu einem ner­ven­ret­ten­den Ort der Ruhe refor­mie­ren, aber auch ande­ren Zug­ar­ten fehlt eine sol­che eigent­lich simp­le Vor­rich­tung; eini­ge Sitz­plät­ze müs­sen gar gänz­lich ohne ebe­nen Stell­platz aus­kom­men. Der neu­mo­di­sche Spo­ti­f­y­un­sinn funk­tio­niert in so einem Zug ja ohne­hin nicht. Das mobi­le Netz ist auf der deut­schen Sei­te der Lan­des­gren­ze ein­fach schlecht. Wie die deut­schen Netz­be­trei­ber das durch­aus nicht ganz leich­te Unter­fan­gen, das sehr gute tsche­chi­sche Netz die Lan­des­gren­ze kaum über­schrei­ten zu las­sen und ihm statt­des­sen abso­lut nichts ent­ge­gen­zu­set­zen, phy­si­ka­lisch und öko­no­misch voll­bracht haben, ohne bin­nen weni­ger Jah­re vom Markt weg­ge­re­gelt zu wer­den, soll­te auch mal jemand unter­su­chen. Klingt preis­wür­dig.

Prag. Ganz hübsch.

In Prag selbst sind Fuß­gän­ger offen­sicht­lich nicht vor­ge­se­hen. Scha­de eigent­lich.

Prager Fußweg

Sonst geht es aber eigent­lich mit dem Wohl­be­fin­den, ins­be­son­de­re men­tal. Es heißt, hier gebe es exakt drei Beru­fe: Irgend­was mit EDV, Por­no und den drit­ten habe ich ver­ges­sen. Für aus­ge­schlos­sen hal­te ich das nicht. Wahr­schein­lich ist der drit­te Beruf der des Bier­brau­ers.

Und in die­ser Pro­fes­si­on sind die Tsche­chen – das soll­te man ihnen auch als Deut­scher zuge­ste­hen kön­nen – wirk­lich nicht schlecht.

In den NachrichtenNerdkrams
Dezen­tra­li­sier­te Erd­fer­kel

Unter­neh­men, die ihr Geld (und das von uns Aktio­nä­ren) unter ande­rem mit Block­chains – aber auch mit sinn­vol­len Din­gen – ver­die­nen, so:

Daten spei­chert eine Block­chain gesam­melt und dezen­tral in ver­schlüs­sel­ten Blöcken. (…) Man kann Daten auf der Block­chain also nicht ohne Wei­te­res löschen oder nach­träg­lich ver­än­dern.

Die Rea­li­tät so:

Die Zeug­nis-Block­chain der Bun­des­drucke­rei ist off­line. (…) Dar­über hin­aus ist es wohl auch gelun­gen, fal­sche Daten in die angeb­lich fäl­schungs­si­che­re Block­chain zu schrei­ben. (…) Die Web­sei­te zu dem Dienst der Bun­des­drucke­rei zeig­te zwi­schen­zeit­lich ein Erd­fer­kel.

(All­er­gi­ker­war­nung: Der Link führt zu Golem.de.)

Ich habe mei­ne Kopf­schmer­zen dezen­tral ver­teilt. Die gehen nicht mehr weg.

In den Nachrichten
Der Duden und das J‑Wort

Eine außer­or­dent­lich lang­wei­li­ge Debat­te hat aus­ge­rech­net die Redak­ti­on des bis zur Unkennt­lich­keit ber­li­ni­sier­ten Duden-Wör­ter­buchs aus dem mit­tels Umzugs von Mann­heim nach Ber­lin eben­so bis zur Unkennt­lich­keit ber­li­ni­sier­ten Duden­ver­lag ange­sto­ßen (Archiv­link): Es gebe, heißt es dort, Men­schen, die sich von der blo­ßen Ver­wen­dung des Wor­tes „Jude“ der­ma­ßen auf den Thlip­th getre­ten füh­len, dass man in ihrer Gegen­wart lie­ber von „jüdi­schen Men­schen“, „Men­schen jüdi­schen Glau­bens“ oder so ähn­lich reden soll­te. Selt­sa­me Zeit­ge­nos­sen wie­sen auf Twit­ter dar­auf hin, dass es außer­dem nicht nicht „Juden“ hei­ßen müs­se, son­dern statt­des­sen nicht „Jüd Stern­chen innen“ hei­ßen dür­fe. Das wäre aller­dings auch ohne die­sen ver­meint­lich sozio­lo­gi­schen Kon­text eine fal­sche Plu­ral­bil­dung, denn „Jüden“ gibt es nicht.

Der Umstand, dass die umstrit­te­ne „Jüdi­sche All­ge­mei­ne“ das eben­so beknackt fin­det wie ich, lässt mich anneh­men, dass die zar­ten Pflänz­chen, die hier emo­tio­nal vor einer Kon­fron­ta­ti­on mit ihren tief­sten Äng­sten geschützt wer­den sol­len, vor allem die­je­ni­gen sind, die das Wort „Jude“ gar nicht mehr in einer nicht als Schimpf­wort gemein­ten For­mu­lie­rung ken­nen. Wer Glau­bens­aus­prä­gun­gen, mit­hin eine der intim­sten (wenn auch oft belä­chelns­wer­te­sten) Eigen­schaf­ten eines Men­schen, gegen­ein­an­der auf­wiegt, der sagt damit aller­dings ohne­hin mehr über sich aus als über den Glau­ben des Adres­sa­ten.

Nicht beant­wor­tet wird in der längst ins Öffent­li­che aus­geu­fer­ten Dis­kus­si­on über Für und Wider der Bezeich­nung von Juden als Juden die sich mir pro­mi­nent und sofort stel­len­de Fra­ge, unter wel­chen Umstän­den sich die­se Anre­de jen­seits irgend­wel­cher Wikin­ger­dra­men über­haupt anbie­tet.

„Hei­de! 😡“
„Christ! 😁“

Ich hat­te noch in kei­nem Gespräch, das füh­ren zu dür­fen und/oder müs­sen ich bis­lang das manch­mal zwei­fel­haf­te Ver­gnü­gen hat­te, jemals das Bedürf­nis, mei­nen Gesprächs­part­ner unter Nen­nung sei­ner Glau­bens­ge­mein­schaft anzu­re­den. Mög­li­cher­wei­se bin ich ein­fach nicht doof genug, da kei­ne Aus­nah­men vor­zu­se­hen. Ein Mensch ist nahe­zu immer mehr als die Sum­me sei­ner Dai­mo­noi. (Damit ist mei­ner­seits frei­lich kei­ne qua­li­ta­ti­ve Ein­schät­zung ver­bun­den. Ich ken­ne selbst man­chen Men­schen, der quan­ti­ta­tiv aus vie­lem besteht, jedoch gefüllt mit kei­ner­lei Sub­stanz.)

Natür­lich nennt man einen Chri­sten einen Chri­sten, einen Mos­lem einen Mos­lem, einen Sci­en­to­lo­gen einen Idio­ten Sci­en­to­lo­gen und einen Juden einen Juden. Nie­mand, des­sen Äuße­run­gen ich bis­lang hören oder lesen konn­te und/oder woll­te, spricht von „Men­schen bud­dhi­sti­schen Glau­bens“, kei­ner von „quä­ke­ri­schen Men­schen“. Den­noch sehe ich per­sön­lich die vor­lie­gen­de Ange­le­gen­heit wie folgt: Wer sich von der Nen­nung sei­ner Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit in Ver­bin­dung mit sei­ner Per­son belei­digt fühlt, der hat womög­lich ein­fach nur die fal­sche Reli­gi­on gewählt.

In den NachrichtenWirtschaft
Fach­kräf­te­be­zah­lungs­man­gel (3)

Das unver­schäm­te Neo­li­be­ra­lis­mus­fach­ma­ga­zin „n‑tv“ gibt stolz bekannt: Die Zahl der arbeits­lo­sen Aka­de­mi­ker wur­de auf Null gesenkt. Dan­ke, SPD!

Denn das ist die ein­zig denk­ba­re Erklä­rung für den schon jetzt wahr­schein­lich frech­sten Satz das Jah­res:

Ob Infor­ma­tik oder Alten­pfle­ge – in immer mehr Berei­chen gibt es offe­ne Stel­len und kei­ne ent­spre­chend aus­ge­bil­de­ten Arbeits­lo­sen.

Man ver­sprach mir Ver­lags­ster­ben.

In den NachrichtenMontagsmusik
Venom Pri­son – Jud­ges of the Under­world // Bank­räu­ber droht mit frei­wil­li­gem Abzug

MontagslächelnEs ist Mon­tag. Jeff Bezos will unter eine Brücke oder so; auch mal schön.

Die „tages­schau“ quatscht (Archiv­link), dass Men­schen mit „extre­men Mei­nun­gen“ in gro­ßem Stil öffent­li­che Umfra­gen „mani­pu­lie­ren“, indem sie in ihren jewei­li­gen sozia­len Krei­sen dazu auf­ru­fen, an ihnen teil­zu­neh­men. Offen bleibt sei­tens der „tages­schau“ die Fra­ge, wie vie­le Teil­neh­mer eine Umfra­ge höch­stens haben darf, bevor sie lei­der als ungül­tig gewer­tet wer­den muss.

Wenn der Stal­ker mit sei­nem Ruhe­stand „droht“ und kaum jemand sich fürch­tet: Meta, das Unter­neh­men hin­ter der Web­ver­fol­gungs­wan­ze Face­book, „droht“ damit, im „euro­päi­schen Markt“ sei­ne „Dien­ste“ nicht mehr anzu­bie­ten, wenn „Euro­pa“ ihm wei­ter­hin ver­bie­te, die hal­be Mensch­heit durch’s Inter­net zu ver­fol­gen. Ich sag‘ Tschüss mit Üss, Tschö mit Ö und Tschau mit Au, erwar­te aber trotz­dem nicht, dass Meta, das Unter­neh­men hin­ter dem Daten­schutz­un­fall Whats­App, aus­nahms­wei­se mal nicht die gro­be Unwahr­heit über sei­ne Plä­ne erzählt. – Apro­pos: Eine dra­ma­ti­sier­te Dar­stel­lung eines der inter­es­san­te­ren Ideen­ge­ber eines „geein­ten Euro­pas“ nach 1945, der Faschist Oswald Mos­ley, wird in der letz­ten und vor­aus­sicht­lich der fol­gen­den Staf­fel der Serie „Peaky Blin­ders“ als Ant­ago­nist prä­sen­tiert. Ich bedau­re, dass das so sel­ten zum Anlass genom­men wird, sich mit der Fra­ge zu beschäf­ti­gen, war­um die schreck­li­che EU gera­de Faschi­sten und Natio­na­li­sten nütz­lich sein kann.

Dabei wäre gera­de jetzt, da zula­sten des Iwans um Sym­pa­thie für ukrai­ni­sche Neo­na­zis gewor­ben wird, ein guter Zeit­punkt dafür. Omid Nou­ri­pour, neu­er­dings Vor­sit­zen­der der digi­tal black­fa­cen­den Grü­nen, gefällt das mög­li­cher­wei­se. Aus dem Westen: Schwe­rer Regen und Nazi­gei­ster. (Was hat die Stadt Darm­stadt eigent­lich gegen Kur­den?)

Die Deut­sche Bahn lei­stet sich unter­des­sen ein wag­hal­si­ges Ver­spre­chen: Noch in die­sem Jahr – 2022 – soll die Pünkt­lich­keit (wir erin­nern uns: das sind Züge, die höch­stens eine Vier­tel­stun­de Ver­spä­tung haben) ihrer Fern­zü­ge unglaub­lich schei­nen­de 80 Pro­zent errei­chen. Das ist erfreu­lich, denn so kann man nun, da die pri­vat­sphä­ren­kri­ti­sche Coro­na­pan­de­mie anschei­nend end­lich vor­bei ist, Groß­ver­an­stal­tun­gen mit bis zu 10.000 Zuschau­ern (Archiv­link) end­lich zu vier Fünf­teln noch recht­zei­tig errei­chen. Mei­ne näch­ste Knei­pen­tour mel­de ich jeden­falls als Fuß­ball­spiel an. Dann darf ich wie­der fast alles.

Bei tan­te gibt’s einen lesens­wer­ten Text über das neu­ar­ti­ge Phä­no­men der „NFTs“ und des­sen Irra­tio­na­li­tät. Bei mir gibt’s jetzt statt­des­sen: Pan­da­bä­ren Musik.

VENOM PRISON – Jud­ges Of The Under­world (OFFICIAL VIDEO)

Guten Mor­gen.

Fotografie
Bie­le­feld hin­ge­gen.

Dass Han­no­ver auf den mei­sten Land­kar­ten getrost in „Bit­te wen­den“ umbe­nannt wer­den kann, ist eine Weis­heit, die ich mir erstens gera­de selbst aus­ge­dacht habe und die zwei­tens eigent­lich trotz­dem nie­man­dem mehr erläu­tert wer­den muss. Die­se städ­te­bau­li­che Grau­sam­keit, die­se Lan­des­haupt­stadt gewor­de­ne Zement­wü­ste, die­se graue Ödnis, nur sel­ten auf­ge­lockert durch Bau­stel­len, die wenig­stens manch­mal inter­es­san­te Umlei­tun­gen durch ande­re graue Ödnis mit sich brin­gen, spie­gelt Nie­der­sach­sen bedau­er­li­cher­wei­se eigent­lich ganz gut wider.

Bie­le­feld hin­ge­gen.

auffeBurch

(2019, prä-Coro­na.)

MusikIn den NachrichtenComputer
Vinyl <3 (14): Mili­tärstrea­ming zula­sten jun­ger Musi­ker

Obwohl der End­geg­ner Vor­stands­vor­sit­zen­de von Spo­ti­fy, Dani­el Ek, neu­lich stolz bekannt­gab, ein wenig Klein­geld aus der mit­hil­fe von Idio­ten, die immer noch Geld für den Zugang zu Spo­ti­fy bezah­len, „erar­bei­te­ten“ Por­to­kas­se – 100 Mil­lio­nen Euro – in „künst­li­che Intel­li­genz“ für mili­tä­ri­sche Zwecke, also letzt­lich in auto­ma­ti­sier­tes Meu­cheln, zu inve­stie­ren, haf­tet Spo­ti­fy auch wei­ter­hin der Ruf an, vor­ran­gig eine Platt­form zum Musik­hö­ren zu sein.

Pye Hastings, häu­fi­ge­ren Lesern mei­ner Her­vor­brin­gun­gen bereits als Front­mann von Cara­van bekannt, fin­det das scha­de:

Das Strea­men von Musik ist für die Künst­ler des­halb kata­stro­phal, weil die Unter­neh­men rie­si­ge Gewin­ne anhäu­fen und den Künst­lern gera­de mal Almo­sen zah­len. Wor­in besteht der Anreiz für jun­ge Leu­te, an Bord zu kom­men, wenn all das Geld von Unter­neh­men, die Mil­lio­nen kas­sie­ren und denen, die es erwirt­schaf­ten, kei­nen gerech­ten Anteil abge­ben, abge­schöpft wird?

(Übel­set­zung von mir.)

Ich kann mich nur wie­der­ho­len: Wer Musik mag, Künst­ler wert­schätzt und gern etwas von Bestand erwirbt, der soll­te nicht nur Kon­zer­te besu­chen, son­dern auch und vor allem Schall­plat­ten kau­fen. Hat ein Künst­ler kei­ne Schall­plat­ten im Ange­bot, dann ist es manch­mal sinn­voll, ihn dies­be­züg­lich zu kon­tak­tie­ren. Ohne Nach­fra­ge gibt es kein Ange­bot.

Vor allem aber muss gel­ten: Wer Spo­ti­fy bezahlt, der bezahlt nicht nur eine Kon­so­li­die­rung (lies: Aus­dün­nung) der Künst­ler­viel­falt, son­dern er bezahlt auch den Krieg. Nich machen. Is nich gut.


Tol­le Idee des Monats: Den öden Zeit­ver­treib Word­le, der anschei­nend einen Mil­lio­nen­be­trag „wert“ ist, kann man jetzt auch mit Com­pu­ter­hil­fe lösen las­sen. Wir haben jetzt also den Punkt in der Digi­ta­li­sie­rung erreicht, an dem Com­pu­ter gegen Com­pu­ter spie­len kön­nen, damit Men­schen end­lich wie­der Zeit haben, wäh­rend­des­sen pro­duk­tiv zu sein.

Irgend­et­was läuft hier falsch.

NerdkramsIn den Nachrichten
Tore zum Mist­mach­web (9): Ille­gi­ti­mes Inter­es­se ille­ga­li­siert

Ein Vor­teil davon, sich nicht nur etap­pen­wei­se, son­dern fort­wäh­rend über die fürch­ter­li­che Ent­wick­lung des zeit­ge­nös­si­schen Webs zu infor­mie­ren und die­se Ent­wick­lung gele­gent­lich schrift­lich fest­zu­hal­ten, ist, dass man manch­mal sogar posi­tiv über­rascht wird; so berich­te­te ich Ende 2020:

Es gibt tat­säch­lich einen stan­dard­mä­ßig akti­vier­ten Schal­ter, der bewirkt, dass jemand mit „legi­ti­mem Inter­es­se“ mir per­so­na­li­sier­te (also zwangs­läu­fig tracken­de) Rekla­me in den Brow­ser schie­ben darf.

In Bel­gi­en hat man jetzt über­ra­schend fest­ge­stellt, dass das gar nicht erlaubt ist.

Aber immer­hin:

Unter­des­sen arbei­tet die Wer­be­bran­che bereits dar­an, das Geschäfts­mo­dell zu ret­ten.

Man hört doch neu­er­dings recht viel von Insol­ven­zen und lei­der geschei­ter­ten Unter­neh­men, deren Mit­ar­bei­ter jetzt lei­der alle­samt auf eine anstän­di­ge Arbeit umschu­len müs­sen. War­um gönnt man die­sen wirt­schaft­li­chen Kreis­lauf nicht auch mal den­je­ni­gen Per­so­nen, die gesell­schaft­lich noch unbe­lieb­ter sind als Anwäl­te? War­um soll­te sich aus­ge­rech­net die Bran­che derer, deren Unter­neh­mens­ziel es ist, ande­ren Leu­ten den digi­ta­len All­tag mit Pro­dukt­emp­feh­lun­gen zu ver­un­schö­nern, über die Kri­se hin­aus ret­ten kön­nen?

Jump, you fuckers!


Das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz teilt mit: Die Auf­ga­be der Wiki­pe­dia ist nicht die sach­li­che, unver­zerr­te Wie­der­ga­be von Fak­ten. Gut zu wis­sen.

In den Nachrichten
Ganz nor­ma­le Kli­ma­schüt­zer

„ZEIT ONLINE“:

Jana Mestmäcker (…) ist Psy­cho­lo­gin. (…) Sie hasst Belang­lo­sig­keit und sagt Din­ge gern direkt. (…) Mit ihrer Che­fin hat sie gespro­chen. Mestmäcker habe geweint und ihr gesagt: Jede Arbeit füh­le sich falsch an, nur die Kli­ma­ka­ta­stro­phe zäh­le. (…) Wenn sie es nicht ver­su­che, kön­ne sie ihr gan­zes Leben kei­nen Tag mehr fröh­lich sein.

Ich mag kei­ne Fern­dia­gno­sen, aber.


Ich bin ver­wirrt: Darf man eigent­lich noch für Amne­sty Inter­na­tio­nal spen­den, jetzt nicht mehr oder jetzt erst recht?

KaufbefehleMusikkritik
Kür­zest­kri­tik: District 97 – Screens

District 97 - ScreensLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Habe ich die Groß­ar­tig­keit von District 97 schon erwähnt? Ah, sagt ein Blick ins Archiv: Ja, habe ich, 2014, und zwar mit der gebo­te­nen Lob­hu­de­lei in mei­nen Wor­ten.

Seit­dem kam unter ande­rem „Screens“ (2019; Band­camp, Amazon.de) raus.

Geschmacks­ar­mer Narr, wer nicht Gefal­len fin­det.

DISTRICT 97-Bread & Yarn (OFFICIAL VIDEO)

Bit­te, ger­ne.

Netzfundstücke
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Ver­lin­ken ver­bo­ten!

Der „Tages­spie­gel“, den ich dies­mal nur des­halb nicht ver­lin­ke, damit sei­ne Redak­teu­re mal sehen, wie däm­lich das ist, gab gestern bekannt:

Tübin­gens lang­jäh­ri­ger Ober­bür­ger­mei­ster Boris Pal­mer (Grü­ne) will bei der OB-Wahl im Herbst als par­tei­lo­ser Kan­di­dat antre­ten. Das teil­te er am Sonn­tag auf sei­ner Home­page mit. Mehr als 800 Wahl­be­rech­tig­te hät­ten einen Auf­ruf unter­zeich­net, der ihn unter­stüt­zen wol­le, erneut für das Amt zu kan­di­die­ren, schrieb Pal­mer auf borispalmer.de. (…) ​„Mei­ne poli­ti­sche Hei­mat sind und blei­ben die Grü­nen in Baden-Würt­tem­berg“, schrieb er.

In die­sem Zitat sehe ich – aber ich bin natür­lich auch kein Qua­li­täts­jour­na­list – min­de­stens drei ver­nünf­ti­ge Mög­lich­kei­ten, die Web­site von Boris Pal­mer und damit die Quel­le für den „Arti­kel“ zu ver­lin­ken.

Kei­ne davon wur­de genutzt; nein, nicht ein­mal hin­ter dem Text „borispalmer.de“ liegt ein anklick­ba­rer Ver­weis:

Nichtverlinkung beim Tagesspiegel

Haben Medi­en­ma­cher heut­zu­ta­ge Angst, dass ihnen die Eier abfal­len, wenn ihre Besu­cher die mehr­fach erwähn­te Quel­le auch mal selbst lesen? :motz: