Es ist Montag. Die Online-“FAZ” schwafelte gestern etwas von “Blutdiamanten aus Russland”. Es ist ja immer alles Blut neuerdings. Blutmond ist aber erst im Mai wieder. So lange muss der Russe noch warten.
Die Berliner DKP beklagt, dass jemand ein Sowjetdenkmal mit einer ukrainischen Flagge zugedeckt habe. Dabei war die Ukraine doch eine Sowjetrepublik; passt also. Unterdessen boykottiert man deutsche Schokolade, weil die auch in Russland verkauft wird. So lange das Leid syrischer, ukrainischer und afghanischer Menschen daran gemessen wird, unter welcher Flagge sie zerfetzt werden, sehe ich ja noch Verbesserungspotenzial in ganz anderen Strukturen, aber dafür kriegt man nun mal weniger Herzchen auf Twitter. Wir leiden an Zuvielisation, fürchte ich.
Corona ist rum, Wahlkampf geht weiter. Der Kadaver der ehemaligen Piratenpartei möchte in Nordrhein-Westfalen gewählt werden und fasst seine Inhalte daher auf einem Bild auf Twitter zusammen: Kondome mit progress flag und Piratenlogo drauf. Es geht nur noch ums Bumsen. Erstaunlich, dass Pornowebsites trotzdem gesperrt werden, obwohl eine Partei sich so auf dieses Thema konzentriert. Die vier “Piraten” im Europäischen Parlament freuen sich unterdessen: Die dortigen Parlamentarier finden die Idee von Messenger-Interoperabilität überwiegend gut. Wie ein Ende-zu-Ende-verschlüsselter Messenger allerdings seine Chatinhalte über das Protokoll eines anderen Messengers freigeben soll, ohne seine Verschlüsselung faktisch aufzugeben, steht da nicht. Ich ahne, warum es für diesen Vorschlag eine Mehrheit zu geben scheint. Jemand sollte mal eine Partei gründen, die sich mit dem Internet und seinen Freiheiten beschäftigt. Vielleicht ja jemand aus der CSU?
Apropos: In München hat ein “E‑Scooter” wieder jemanden fast umgebracht, beteiligt war Alkohol. Da ich noch nie jemanden auf einem dieser Gefährte gesehen habe, der nüchtern gewesen wäre, halte ich es inzwischen für der Allgemeinheit dienlich, wenn Fahrer eines solchen “Scooters” sicherheitshalber ihren Führerschein abgeben müssen, bevor sie ihn überhaupt bewegen. Dann stehen die (die Geräte, nicht die Fahrer; obwohl, hihi) vielleicht auch nicht mehr ganz so oft blöde im Weg rum.
Als der Allgemeinheit dienlich erachte ich auch Musik. Im Juni 2018 schrieb ich diesbezüglich, ich könne der Liedermacherin Sarah Lesch “etwas abgewinnen”, aber bisher blieb diese Feststellung — entgegen meinen Gewohnheiten — ohne Nennung eines Beispiels. Weil ich jedoch am vergangenen Wochenende das mich selbst überraschende Vergnügen hatte, mir ihre Kunst mal live und in (zu viel) Farbe anzugucken, und aufgrund weltpolitischer Entwicklungen bietet es sich tatsächlich musikalisch und textlich an, das jetzt nachzuholen. Nicht, dass es wieder heißt, ich höre immer nur so unangenehmen Kram.
All das gab es schon einmal.
Guten Morgen.

