KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Somali Yacht Club - The Sea

Lange nichts mehr über Musik geschrieben.

Manchmal durch­schrei­ten Musikalben mein Radar, die zwar alt­be­kann­ten Mustern fol­gen und dar­um nicht erwäh­nens­wert genug für Bestenlisten sind, aber trotz­dem posi­tiv auf­fal­len. „The Sea“ ist so ein Musikalbum. Die Urheber des­sel­ben sind die drei Musiker vom Somali Yacht Club, einer ukrai­ni­schen Post-Metal-Kapelle, die seit 2010 exi­stiert und bis­her erst zwei Studioalben in LP-Länge ver­öf­fent­licht hat, eines davon - näm­lich „The Sea“ (Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL) - erst Anfang 2018.

„You got what you wan­ted - isn’t it enough?“ (Blood Leaves a Trail); aber so böse die Texte zum Teil auch sind, die Musik kümmert’s nicht: Weitgehend höre ich sicher­lich gut gemach­ten Postrock mit trei­ben­dem Bass und schwe­ben­dem Gesang.

Besonders auf­fäl­lig erschien mir das für die­ses Album ziem­lich tref­fend benann­te „Hydrophobia“, was nicht nur Griechisch ist und die Angst vor Wasser bezeich­net, son­dern auch ein Stück auf „The Sea“ ist und die Brücke zum Postpunk schließt. Genres, Rhabarber.

Kein unge­wöhn­li­ches Album - aber sicher auch kein schlech­tes. Nehme ich mit.

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Musik 12/2018 - Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 21 von 23 der Serie Jahresrückblick

Ach je, schon wie­der haben wir es mit einem Jahresende zu tun! In einer Zeit schwin­den­der Gewissheiten bleibt jeden­falls die, dass dies eine gute Gelegenheit ist, um zum zwei­ten Mal in die­sem Jahr auf die emp­feh­lens­wer­te­sten Musikalben 2018 zurück­zu­blicken. Während die Jugend immer noch Podcasts hört, die doch heut­zu­ta­ge eigent­lich Phonecasts hei­ßen müss­ten, gebe ich mich lie­ber der wah­ren Kultur hin. „Nicht jedes Gequiek“, befand ein­mal Ulrich Erckenbrecht, „ist Musik“. So hal­te ich es selbst­ver­ständ­lich ebenfalls.

Der Kalender hin­der­te mich erneut nicht dar­an, im ver­ge­hen­den Halbjahr unge­dul­dig und dar­um vor­zei­tig auf die aktu­el­len Studioalben von Abraham, Árstíðir, Monophonist, VAK und Träden hin­zu­wei­sen. Kunden, die das kauf­ten, kauf­ten auch…

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In den NachrichtenWirtschaft
O du fröh­li­che: Zwei Meldungen.

„tagesschau.de“, 24. Dezember 2018, 10:42 Uhr:

Seit Oktober sind laut der Wohnungslosenhilfe neun Menschen, die auf der Straße leb­ten, ver­mut­lich durch die nied­ri­gen Temperaturen ums Leben gekom­men. 2017 wur­den im sel­ben Zeitraum nur drei Kältetote erfasst.

„tagesschau.de“, 24. Dezember 2018, 15:39 Uhr:

Das Weihnachtsgeschäft hat nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland in der ver­gan­ge­nen Woche deut­lich ange­zo­gen. Jeder drit­te Händler in den Metropolen zeig­te sich zufrie­den mit den Umsätzen.

Hauptsache, das Wachstum stimmt.

In den NachrichtenMontagsmusik
Greta Van Fleet (live) // Frohes Fest, hier kei­ne Daten!

"Laaaaast Christmas, I gaaaaave you..."

Es ist Montag. Zumindest wäre das eine logi­sche Erklärung für das mil­de Unwohlsein, das sich gera­de („krat“, wie jun­ge Menschen oft sagen) ein­stellt, ganz sicher bin ich mir aber nicht. Wer weiß mehr? Weiß jemand mehr? Wo bleibt mein Kalenderpanda?

Mir war jeden­falls, als fin­de heu­te „Heiligabend“ statt, tra­di­tio­nell ja eines die­ser Feste, auf die man auf mehr als nur eine Ebene viel­leicht manch­mal lie­ber gern ver­zich­ten wür­de. Manche Blogger ver­su­chen sich in Kompensation dank „guter Ratschläge“: Wenn man schon der Computerheini auf der Familienfeier ist, dann kann man sich doch auch gleich nütz­lich machen und das uncoo­le Windows durch den Linuxplunder erset­zen. Da freu­en sich dann hin­ter­her aber sicher alle, wenn der Computer zwar wie­der funk­tio­niert, aber alle Daten weg sind. Wenn man aber ganz beson­ders gründ­lich ist und auch die Mobiltelefone opti­miert, hat man danach wenig­stens eine Weile sei­ne Ruhe. So ähn­lich scheint auch die Deutsche Bahn zu ticken, deren Vorstand im Sinn hat, Fahrkarten für Fernzüge künf­tig nur noch „digi­tal“ - das ist das Trottelwort für „übers Internet“ - zu ver­scher­beln. Es gibt ohne­hin zu vie­le Rentner in die­sen Abteilen. Andererseits berich­tet das der „Tagesspiegel“, der sich nicht unbe­dingt dadurch her­vor­tut, gele­sen wol­len zu wer­den: „Trump muss weg!“, denen kann das Verlagssterben auch nicht mehr schnell genug gehen.

Apropos „digi­tal“: Warum man Slack (eine Art IRC mit mehr bun­ten Bildchen für Computerilliteraten) lie­ber nicht nut­zen soll­te, näm­lich unter ande­rem wegen der elen­den JavaScript-Basis und der Tatsache, dass es auch für „Teams“ auf zen­tra­le Server setzt, die wohl US-ame­ri­ka­ni­scher Gesetzgebung unter­lie­gen, habe ich in man­chen Gesprächen bereits in der Vergangenheit ange­merkt, den­noch hat es sich in man­chen Unternehmen als Kommunikationswerkzeug durch­ge­setzt. Überraschend stell­te sich jetzt her­aus, dass Slack Menschen raus­wer­fen kann, von denen es fälsch­li­cher­wei­se glaubt, sie hät­ten irgend­was mit dem Iran zu tun, womit ihre Nutzung eines in den USA behei­ma­te­ten Onlinedienstes gegen Handelsbeschränkungen ver­sto­ßen täte. („Handel“ habe ich mir ja auch immer anders vor­ge­stellt.) Tut ihnen jetzt ja auch leid, das alles. Warum genau will man so was noch mal haben?

Popkultur kriegt man ja auch nicht mehr tot; Rock’n’Roll aller­dings auch nicht. Ist dafür noch ein Beleg not­wen­dig? Na gut - hier, bitteschön:

Greta Van Fleet - Lover, Leaver (Taker, Believer) (Live in LA / 2018)

Guten Morgen.

Persönliches
Saisonchristen

Es erscheint mir, vor­sich­tig aus­ge­drückt, als bizarr, wenn Menschen, die man im Alltag als ver­nünf­ti­ge Personen wahr­nimmt, wegen der Kinder

  • wenig­stens ein­mal jähr­lich in die Kirche gehen und sich einem „Schöpfer“ andie­nen, als lern­ten Kinder dort wert­vol­le Lektionen,
  • (wel­che zumeist aus­ge­rech­net die­je­ni­ge Kirche ist, der man jeden­falls männ­li­che Kinder nur aus­set­zen soll­te, wenn man eine Videokamera hat und Geld braucht,)
  • nach­dem sie zuvor wochen­lang unter Ignoranz „ihres Glaubens“ (Mt 6,24) von Geschäft zu Geschäft geha­stet sind, um Krempel zu kau­fen,
  • was sie auf­grund völ­li­ger Missachtung der Tatsache, dass Germanien nicht frei­wil­lig mit der Vielgötterei auf­hör­te, mit der „abend­län­di­schen Tradition“ begründen,
  • die sie dar­über hin­aus frei­lich nur aus­zugs­wei­se inter­es­siert, wes­halb sie mit den mei­sten Dingen, die ihre Tradition tra­di­tio­nell bestra­fen las­sen wür­de, nicht mal an Weihnachten ein Problem haben,
  • und, als sei das nicht schlimm genug, sel­bi­gen Kindern eine krea­ti­ve Form von Umweltschutz vor­le­ben, indem sie Nadelbäume ins Wohnzimmer stel­len. Jesus hät­te das so gewollt.

Manchen Eltern soll­te man aus Jugendschutzgründen die Religion entziehen.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Was es zum „SPIEGEL“ noch zu sagen gibt

Einen gün­sti­ge­ren Zufall als die „plötz­li­che“ Entdeckung jah­re­lang erzeug­ter und ver­brei­te­ter fake news und deren Aufbereitung in einer grö­ßer wer­den­den Reihe an eigen­lo­ben­den Artikeln (hier: durch Text unter­bro­che­nen Werbeflächen) in Druck- und Digitalform bei gleich­zei­tig kal­ku­lier­bar stei­gen­der Interessenten- und damit Geldbringerzahl konn­te es für das Magazin mit den undif­fe­ren­zier­ten Hass- und Hetztitelseiten im für die mei­sten Zeitschriften sehr unge­müt­li­chen Jahr 2018 kaum geben.

In den NachrichtenNerdkramsWirtschaft
Trollstufe: Amazon

Hihi:

Auf die Nachfrage eines Echo-Nutzers nach den von ihm gespei­cher­ten Daten hat Amazon ihm rund 1.700 Audiodateien einer völ­lig frem­den Person aus­ge­hän­digt. (…) Der betrof­fe­ne Echo-Nutzer bekam als Entschädigung eine kosten­lo­se Prime-Mitgliedschaft und zwei Echo-Lautsprecher.

Man kann Amazon - gele­gent­lich zu Recht - man­ches vor­wer­fen - für humor­lo­sen Kapitalismus steht der Konzern aber nach­weis­lich nicht.

NetzfundstückeWirtschaft
Kurz ange­merkt zu Pascal Meiser

„Es ist doch obszön“ (P. Meiser), dass Pascal Meiser, Bundestagsabgeordneter für die „Linke“ (die Anführungszeichen kann ich gar nicht groß genug set­zen), auf des­sen Website zur­zeit unter ande­rem meh­re­re Verweise auf sein Facebookprofil - Facebook, des­sen Gründer zur­zeit die dritt­reich­ste Person des Planeten ist, ist das­je­ni­ge US-ame­ri­ka­ni­sche Unternehmen, das unter ande­rem Netflix, Spotify und Banken (Banken!) in den „pri­va­ten“ Nachrichten sei­ner Kunden her­um­le­sen, -schrei­ben und -löschen lässt - zu fin­den sind, als sei die Förderung von Kapitalismus aus Gründen der con­ve­ni­ence plötz­lich nicht mehr erwäh­nens­wert, gleich­zei­tig auf Twitter, des­sen Erfinder eben­falls mehr­fa­cher Milliardär ist, dar­über klagt, dass „Amazon-Chef Bezos“ (ebd.) zum reich­sten Mann „der Welt“ gewor­den sei, wäh­rend des­sen Angestellten zum Fest des Geldverschleuderns nicht mal Geschenke kau­fen könn­ten, aber die Transferleistung, dass das Konzept des Geschenkekaufens aus kalen­da­ri­schem und nicht etwa herz­li­chem Anlass all­ge­mein nicht als gege­ben hin­ge­nom­men, son­dern täg­lich wie­der hin­ter­fragt wer­den soll­te, nein: muss, zu erbrin­gen nicht imstan­de und/oder wil­lens ist; als wäre es not­wen­dig, dass man am Jahresende über­durch­schnitt­lich viel Geld für irgend­wel­chen Trödel aus­gibt, den man dann Menschen schen­ken wird, denen man außer­halb sol­cher ter­min­li­cher Verpflichtungen kei­nes­wegs irgend­ei­ne geld­wer­te Freude machen möch­te, denn sonst bräuch­te man die­se Tradition ja nicht.


Hässlicher Begriff des Tages: Kriminelle Cyberinfrastruktur.

Sonstiges
Medienkritik CXIV: Vier Titelblätter zwi­schen Glitzer und Gesetzeshorst

Bei einem Gang in den ört­li­chen Kiosk lässt sich ein Blick ins Zeitschriftenregal sel­ten ganz ver­mei­den. Oft ver­spre­chen bereits die Titelseiten der aus­lie­gen­den Zeitschriften kaum enden wol­len­de Unterhaltung im Mittelteil, erzäh­len aber auch schon ohne einen Kauf ihre ganz eige­nen Geschichten.

So titelt etwa die Redaktion der „myself“ („Wir machen Frauen stark“) auf der Januarausgabe:

Wie aus einer Party ein Ereignis wird

Im Duden, dem all­ge­mein akzep­tier­ten abbil­den­den Wörterbuch der gegen­wär­ti­gen deut­schen Sprache, ist ein Ereignis als „beson­de­rer, nicht all­täg­li­cher Vorgang“ defi­niert, womit jeden­falls mir auch ohne Reingucken die Antwort klar ist: Einfach nicht jeden Tag feiern!

Aber wenn, dann rich­tig, fin­det die Titelredaktion der „Jolie“ (Januar/Februar 2019), deren Fabrikat zumeist in Spuckweite der „myself“ liegt, näm­lich mit ordent­lich Glitzer!

Party! Mit Glitzer!

Ob es etwas mit dem Glitzern zu tun hat, dass auch erfolg­rei­che Frauen manch­mal trau­rig sind?

Auch glitzernde Frauen weinen manchmal.

Man stel­le sich eine star­ke Frau in Businessklamotten vor, die schil­lernd fun­kelnd im Büro sitzt und weint. Das macht doch gar nicht rich­tig traurig.

Selbstverständlich ist das aber ein nicht sehr femi­ni­sti­scher Umgang mit die­sem Thema, wie das drit­te Magazin in die­sem Beitrag jeder­zeit zu behar­ren bereit sein dürf­te: Das noch aktu­el­le „Missy Magazine“ - immer noch nicht plei­te - über­zeugt neben einem wun­der­schö­nen Titelbild, das ein gera­de­zu ver­füh­re­risch gucken­des Wesen zeigt, mit einem Namenswitz („Ein Horst von Gesetz“, haha, weil, hihi, prust, nur Dumme hei­ßen so, löl­chen) eben­so wie mit dem Modetrend für 2019:

Brustkrebs - Flat & Fabulous

„Brustkrebs - Flat & Fabulous“, da möch­te man doch glatt auch wel­chen haben.

Überzeugt hat mich in die­sem Monat aber ein­zig das Magazin „BROT“, das auf sei­ner Januarausgabe zutref­fend fest­stellt: „Traditionell lecker - Das Bauernbrot ist Brot des Jahres 2019“.

Traditionell lecker

Mahlzeit.

ComputerIn den NachrichtenMontagsmusik
Art Brut - Kultfigur

"Guck nicht. Bring mir Kaffee!"

Es ist Montag. Das ging aber wie­der schnell! Andererseits ist wahr­schein­lich die „Digitalisierung“ nicht ganz unschul­dig, wie Scott Adams schon 2010 fest­stell­te: „Wir“ wer­den immer mehr zu pas­si­ven Konsumenten, weil „uns“ die Geduld fehlt, selbst etwas bei­zu­steu­ern. Warum dann trotz­dem jeder Tag sich seit Jahren zu zie­hen scheint, kann nicht ein­mal mehr Stephen Hawking beant­wor­ten. Mit 3D-Köpfen kann man Gesichter simu­lie­ren. Wir leben in wech­sel­haf­ten Zeiten.

Andere bewe­gen sich hin­ge­gen weni­ger: Politiker von CDU und CSU sind auch wei­ter­hin gegen die Forderungen von CDU und CSU. Das kann ich einer­seits ver­ste­hen, ande­rer­seits wür­de ich damit wahr­schein­lich etwas kon­se­quen­ter umge­hen, aber ich bin auch Idealist und kein Vollidiot. CDU, F.D.P. und SPD („Opposition“) stimm­ten letz­te Woche in Nordrhein-Westfalen auch dafür, dass jeder Passant anlass­los kon­trol­liert wer­den darf. Das muss die­ser „Linksruck“ sein, den die erneu­er­te SPD zu ihrem Markenkern gemacht zu haben glaubt.

Apropos „digi­tal“: Vor ein paar Jahren war das schwäch­ste Glied in der Kette „Mensch - Haustiere - Haushaltsgeräte“ noch das Haushaltsgerät. Inzwischen scheint es der Mensch zu sein. Bei der Vorbereitung auf die sich so abzeich­nen­de Apokalypse hilft viel­leicht ein wenig von ihr ablen­ken­de Musik.

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Medienkritik in Kürze: „Meucheln“ klingt so subjektiv.

Nachdem sich anschei­nend her­um­ge­spro­chen hat, dass „Ausschalten“ als Euphemismus für das Kaltmachen von Menschen nicht mehr so gern gese­hen ist, fällt den Medien wie­der ein, dass fran­zö­si­sche Lehnwörter frü­her en vogue waren, und spre­chen fol­ge­rich­tig vom „Neutralisieren“, wenn sie dar­stel­len möch­ten, dass ein Bösewicht abmurk­sen­der­wei­se um die Ecke gebracht wurde.

NetzfundstückePolitik
Leben Rechte gesünder?

Angenommen, die Unternehmen hin­ter den Marken McDonald’s, Coca-Cola, Pepsi, fritz-kola und Vita Cola möch­ten mit ihrer öffent­li­chen Distanzierung errei­chen, dass Linke bei aller Kritik an den teil­wei­se frag­wür­di­gen Geschäftsmethoden wie­der ihre besten Kunden wer­den (was teil­wei­se zu fruch­ten scheint): Was sagt das eigent­lich über den Zusammenhang zwi­schen „Antifaschismus“ einer- und Diabetes, Karies und Fettleibigkeit ande­rer­seits aus?

In den NachrichtenPolitik
Annahmen zum Linkssein (9): Jede Niederlage ist ein Grund zum Feiern.

Von einer lächer­li­chen Nebensache wie dem Umstand, dass der 8. Mai 1945 nicht etwa den Sieg der libe­ra­len Demokratie über irgend­et­was beinhal­te­te, son­dern an die­sem Tag viel­mehr die Regierung des von Kriegsgegnern erst in einen unäs­the­ti­schen Zustand ver­setz­ten, dann abschnitts­wei­se in deren eige­ne Ländereien über­führ­ten deut­schen Reiches infol­ge eines ver­lo­re­nen Krieges abge­setzt wur­de, las­sen sich Linke doch nicht vom Feiern abhalten:

Der 8. Mai 2020 soll in Berlin ein Feiertag wer­den. An die­sem Tag jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 75. Mal.

Hurra, wir haben verloren.

Und als sei das noch nicht absurd genug, wird neben der Kapitulation des Militärs auch die des Verstandes als behal­tens­wer­te Tugend betrachtet:

Generell zum gesetz­li­chen Feiertag soll in Berlin der Frauentag am 8. März wer­den. Darauf hat­te sich rot-rot-grün kürz­lich geeinigt.

„Juhu, Frauen!“ gehört nun nicht unbe­dingt zu den über­zeu­gend­sten Anlässen für einen dau­er­haft arbeits­frei­en Tag. Das muss die­se Gleichberechtigung in der Stadt mit dem Exzellenzcluster sein. - Gemessen an ihrer Wirtschaftsleistung soll­ten Berliner viel­leicht weni­ger freie Tage bekom­men, aber Arbeit ist auch nicht links.

Dit is Balin.

Netzfundstücke
Liegengebliebenes vom 10. Dezember 2018: Liebe, Sex und Polizeigewalt

Neues aus Mainz:

Am frü­hen Sonntagmorgen um kurz vor 06:00 Uhr wur­de die Polizeiautobahnstation Heidesheim über einen Mann infor­miert, wel­cher kurz zuvor nackt und ona­nie­rend mit sei­nem BMW die A 61 befah­ren und einen Niederländer belä­stigt hatte.


Neues aus Irland:

Eine Irin, die den Geist eines 300 Jahre alten Piraten gehei­ra­tet hat, behaup­tet, das Paar habe sich getrennt. (…) Die Trennung ist ein wei­te­rer Tiefschlag für Jack, nach­dem er angeb­lich im 18. Jahrhundert für Diebstahl auf hoher See mit dem Tod bestraft wurde.


Neues aus Frankreich: Im Umgang mit den „Gelbwesten“ ste­hen jetzt gewalt­tä­ti­ge Polizisten auf der Seite der medi­al Guten. Das muss die­se wehr­haf­te Demokratie sein.

In den NachrichtenMontagsmusikPiratenpartei
Julia Holter - Feel You // Politprofis, Journalistenprofis

*schweift in die Ferne*

Es ist Montag. Danke, Merkel. Die Woche beginnt so farb­los wie die vor­he­ri­ge ende­te. Ich wei­ge­re mich aber, „wenig­stens schneit es nicht“ zu schrei­ben, denn wahr­schein­lich fängt es sonst umge­hend damit an. Der Überdruss setzt Zeichen am lieb­sten mit dem Brandeisen.

Apropos Zeichen: Am ver­gan­ge­nen Wochenende wur­de eine Prothese die neue Vorsitzende einer alters­schwa­chen poli­ti­schen Partei, was anschei­nend ein rele­van­tes Ereignis ist. Die media­le Begleitung, die zwi­schen „Vorsitz einer Partei“ und „künf­ti­ges Kanzleramt“ über­wie­gend kei­nen Unterschied mehr auf­zei­gen woll­te (wie prak­tisch, dann spa­ren wir uns wei­te­re Wahlen doch ein­fach!), hat­te ihre Munition im Vorfeld aber schon so nach­hal­tig ver­schos­sen, dass sie sich wäh­rend der Kandidatenvorstellung dar­auf beschränk­te, Dauer und Lautstärke des jeweils ent­stan­de­nen Beklatschens zu mes­sen und stolz mit­zu­tei­len. Wie genau wird man eigent­lich noch mal pro­fes­sio­nel­ler Journalist?

Auch nicht beson­ders pro­fes­sio­nell: In Bordeaux plün­der­ten vor­ge­stern Bekloppte („Gelbwesten“) einen Appleladen, um gegen die Regierung Macron zu oppo­nie­ren. Das hat er jetzt davon. Nachdem sehr lan­ge Unklarheit herrsch­te, ob man die durch Frankreich zie­hen­den Banden aus der Unterschicht hier­zu­lan­de gut oder nicht so gut fin­den soll­te, hat sich wenig­stens das inzwi­schen auf­ge­löst: Der Iwan war’s, damit ist alles aus­rei­chend ein­ge­ord­net. Verdammter Putin immer.

Die Piratenpartei Baden-Württemberg bit­tet um Unterstüzung (sic) bei der Verteidigung von Lehrern und Lehrenden, womit sich das Thema Bildung dort end­gül­tig erle­digt zu haben scheint. Dass nörd­lich davon, in Hessen, am Wochenende ein Landesvorstand gewählt wur­de, des­sen Mitglieder den Protest gegen demo­kra­ti­sche Veranstaltungen mit furcht­ba­rer Musik abfei­ern, tut sein Übriges zu der Feststellung, dass man bei man­chen ehe­ma­li­gen Vernunftparteien bes­ser kein Kreuzlein mehr machen sollte.

Ich wäh­le sowie­so am lieb­sten Musik, aber gute.

Julia Holter - Feel You (Official Video)

Guten Morgen.