KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Träden

Träden (2018)Im Sommer 1967 grün­de­te der schwe­di­sche Musikstudent Bo Anders Persson, angeb­lich beein­druckt von einem Besuch von Terry Riley, die genera­ti­ons­ty­pisch psy­che­de­li­sche Musikgruppe Pärson Sound, die sich mehr­fach umbe­nann­te und schließ­lich jahr­zehn­te­lang Träd, Gräs och Stenar („Baum, Gras und Steine“) hieß. 2009 ver­öf­fent­lich­te die­se Gruppe ihr letz­tes regu­lä­res Album „Hemlösa kat­ter“, von der Gründungsbesetzung waren außer Bo Anders Persson (Gesang, Gitarre) noch Torbjörn Abelli (Bass) und Thomas Mera Gartz (Schlagzeug) dabei, die 2010 (Abelli) bezie­hungs­wei­se 2012 (Gartz) star­ben, wäh­rend der Bandgründer sich nach die­sem letz­ten Album end­lich zur Ruhe setz­te. Übrig geblie­be­ne Aufnahmen von 2006 bis 2012 wur­den 2017 als „Tack för kaf­fet / So long“ veröffentlicht.

Die über­le­ben­den Musiker, alle­samt erst nach dem Debütalbum von Träd, Gräs och Stenar zur Band gesto­ßen, beschlos­sen, dass Musik ihnen trotz­dem immer noch Spaß macht, und grün­de­ten die wenig über­ra­schend benann­te Nachfolgegruppe Träden („Bäume“), deren Debütalbum (Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL), lang­wei­lig nach dem Bandnamen beti­telt, nun vorliegt.

Nun soll nie­mand anneh­men, dass sich seit 1967 in der Musik der wech­seln­den Herren nichts ver­än­dert habe, kon­se­quent beginnt das Album, das ich fort­an „Träden“ nen­nen möch­te, daher mit „När lin­go­nen mognar“. Dieses Stück, sei­ner­zeit deut­lich kür­zer, spiel­te die Band, die damals gera­de Harvester hieß, bereits auf ihrem 1970 ver­öf­fent­lich­ten Album „Hemåt“ und es war wohl am ehe­sten dem heu­te von jeden­falls mir als stau­big wahr­ge­nom­me­nen Folk zuzu­ord­nen. Wie viel fri­scher doch die Version von 2018 klingt!

När lin­go­nen mognar (Lingonberries Forever)

Den elek­tri­schen Instrumenten sei’s gedankt, dass die­se Weiterentwicklung mög­lich war: Statt öder Hippiemusik dringt psy­che­de­li­sche Rockmusik, gar Postrock aus dem Kopfhörer, es wird in die Breite gegan­gen und gitarrt, gern auch dreckig ver­zerrt. Die Hälfte der Stücke auf „Träden“, mit Ausnahme der Eröffnung anschei­nend neu, ist über neun Minuten lang. Fein.

Gitarrist und Sänger Jakob Sjöholm, seit 1970 gele­gent­lich und seit 1995 festes Bandmitglied, lei­stet gute Arbeit, fehlt aber in Stücken wie dem effekt­ge­la­de­nen „OTO“ auch nicht unbe­dingt. Träden krie­gen bei­des hin und das ist min­de­stens bemerkenswert.

Genres sind und blei­ben Pipifax. Das Internet möch­te trotz­dem „Jam-Psych-Prog“ ane­ti­ket­tie­ren. Ich habe kei­ne wei­te­ren Einwände.

MusikPersönliches
Mein Musikfaschismus: Die Vierzehn überwinden

In der „New York Times“ wur­de im Februar 2018 eine Kolumne ver­öf­fent­licht, der zufol­ge sich eines Mannes Musikgeschmack im Alter von 14 Jahren für end­gül­tig erklärt. Es ist inso­fern denk­bar, dass ich eines fer­nen Tages - vor mei­nem Ableben - noch ein­mal erklä­ren soll, war­um ich damals außer mei­nen ersten zag­haf­ten Gehversuchen mit den Ärzten, den Toten Hosen, den Fantastischen Vieren und ein paar Punk- und Neopunkbands zwei­fel­haf­ter Qualität vor allem Funktionsmusik für die für mich geeig­ne­te hielt; unter mei­nen ersten gekauf­ten CDs (das ken­nen die Jüngeren ja gar nicht mehr, „CDs“ und „kau­fen“) befan­den sich meh­re­re von Künstlern, die sich DJ nann­ten oder wenig­stens einen sol­chen zur Aufführung ihrer Werke benötigten.

Dass ich vie­les, was ich heu­te für unver­zicht­ba­re Musik hal­te, mit 14 Jahren als stö­ren­des Relikt aus Nachkriegszeiten wahr­ge­nom­men habe, ist mir heu­te nicht ein­mal pein­lich, son­dern viel­mehr ein Zeichen für den Willen zur Selbstverbesserung. Ich weiß nicht, ob ich der­einst, wenn mein schon jetzt gele­gent­lich Dummheiten aus­hecken­der Verstand sich aufs Altenteil zurück­ge­zo­gen haben wird, plötz­lich wie­der gro­ßes Interesse an der aus wenig­stens qua­li­ta­ti­ver Sicht eini­ger­ma­ßen schlim­men Musik aus den Neunzigern haben wer­de, wahr­schein­lich wird mich aber auch das dann nicht mehr beson­ders stö­ren. Allein: Ist es nicht wun­der­voll, dass es so viel zu ent­decken gibt? Und soll­ten nicht die­je­ni­gen, die gele­gent­lich fest­stel­len, dass mein Musikgeschmack nicht der ihre ist, sich viel­mehr dar­über freu­en, dass ich nur anstren­gen­de Rock- anstel­le blö­der Stampfmusik für fan­ta­stisch halte?

Der Autor der „New York Times“, Seth Stephens-Davidowitz, unge­fähr in mei­nem Alter, schließt sei­nen Text mit der nahe lie­gen­den Frage: Wenn die Zahlen stim­men - war­um hat er sich nur so abnor­mal ent­wickelt? Eigentlich ist das ein pri­ma Ziel für jeden, dem der gro­ße Plan noch fehlt: Die Vierzehn über­win­den und sich abnor­mal ent­wickeln. Man bekommt so ein ange­neh­mes Lebensgefühl dadurch.

ComputerIn den Nachrichten
DrosselOn

Die Deutsche Telekom, die­se Deutsche Bahn unter den Telekommunikationsunternehmen, die­ser Schrecken der Aktionäre, die­se Post ohne Rechtsanspruch, ver­sucht auf dem frei­en Markt der Mobilfunknetze ihr eige­nes Angebot seit lan­ger Zeit mit­tels ver­meint­li­cher Vorzüge von der Konkurrenz abzu­he­ben. Seit eini­ger Zeit ist auch in Deutschland alles inklu, nur die Netzneutralität nicht: YouTube, Spotify und noch man­cher Schwachsinn fließt bei Telekomkunden nicht in den ver­brauch­ten „Traffic“ ein. Wenn man stän­dig sein Volumen sprengt, weil man zu gei­zig für Schallplatten ist, dann ist man bei der Telekom mög­li­cher­wei­se genau rich­tig. Dass das bestimm­te Dienste bevor­zugt, näm­lich die „Partner“ der Telekom, hat bis­her nur weni­ge gestört.

Darunter auch die Richter vom Verwaltungsgericht Köln, die nicht nur irgend­was zum Thema EU-Ausland fest­ge­stellt haben, son­dern auch, dass Netzneutralität anders aussieht:

Außerdem hat die Telekom in eini­gen Tarifen die Übertragungsrate für Streamingdienste auf maxi­mal 1,7 Mbit/s gedros­selt, zu wenig für Videos in HD-Qualität. Das ver­sto­ße gegen den Gleichbehandlungsvorgabe für den gesam­ten Datenverkehr.

Jetzt könn­te man anneh­men, dass die Telekom das Problem ein­fach lösen könn­te, indem sie die­se Drosselung ein­fach sein lässt, wohl wis­send, dass dann erst mal mehr Infrastruktur her­müs­se; oder man macht es wie die Telekom und denkt lie­ber über die Einstellung der Vorteile als über nach­hal­ti­ge Investitionen nach:

Im Interesse unse­rer Kunden wer­den wir wei­ter­hin alle recht­li­chen Möglichkeiten aus­schöp­fen, damit StreamOn wei­ter­hin ange­bo­ten wer­den kann.

(Schreckliche Übersetzung von mir.)

Die Bundesrepublik Deutschland besitzt 14,5 Prozent der Unternehmensanteile an der Deutschen Telekom AG. Nur, falls noch jemand Fragen dazu hatte.

In den NachrichtenPolitik
Annegret Kramp-Karrenbauer hört zu.

Es sprach die - ver­mut­lich aus Angst, dass das Internet sonst kei­nen Platz mehr hat - von Qualitätsmedien grund­sätz­lich als „AKK“ abge­kürz­te Hoffnungsträgerin der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer, vol­ler Tatendrang:

Ergebnis der Zuhör-Tour: Allgemeine Dienstpflicht. Brauchen einen Dienst der deut­lich macht, dass Staatsbürger nicht nur Rechte, son­dern auch Pflichten haben.

Der Pöbel wird schon wie­der lästig.

In den NachrichtenMontagsmusik
WIVE - Lazarvs and Dives // Berufungen und Berufe

Kuckuck! Ach, nee... (REUTERS/Ilya Naymushin)Es ist Montag. Naturgemäß dau­ert alles ein biss­chen län­ger, aber die Arbeit macht ja auch kei­nen Urlaub; nicht ein­mal dann, wenn man ein Pandabär ist - Bambusessen und Schlaf sind eine Ganztagsaufgabe. Falls noch jemand nicht wuss­te, was er ein­mal wer­den möchte.

Andere wer­den Expertasteriskin und sagen dann unter ande­rem, dass der „Genderstern“ vor­erst kein Teil des Dudens wird, denn man sol­le bis auf Weiteres „zunächst den Sprachgebrauch wei­ter (…) beob­ach­ten“, was mich hof­fen lässt, dass die Dudenverantwortlichen nie­mals spät­abends oder bei Schulschluss mit dem Bus fah­ren, denn sonst wird der Duden dem­nächst noch grau­en­vol­ler als bis­lang („Känguru“, „Portmonee“).

Wer kei­ne Probleme (außer einer lächer­lich klin­gen­den Sprache) hat, der macht sich wel­che: „In meh­re­ren Städten pro­te­stier­ten Dutzende Menschen bei Umzügen gegen den „Zwarte Piet“ („Schwarzer Peter“). Die Helfer des Nikolaus sei­en ein ras­si­sti­sches Symbol.“ Gegen die Verkleidung als alter wei­ßer Mann („Nikolaus“) hat aber nie­mand was ein­zu­wen­den, old­white­mal­e­facing ist allen­falls ein gelun­ge­ner Witz. Ich wer­de schon ganz grün im Gesicht.

Apropos alte wei­ße Männer: Der Kölner Erzbischof, Kardinal Woelki, hat die Musik und das Engagement der Punkrock-Band „Die Toten Hosen“ gelobt. Punk ist nicht tot, Punk ist jetzt Pfaffenmusik. Echte Ehrenmänner eben. Zum Glück gibt es noch ehr­li­che Musik.

Wie wär’s damit? 

WIVE - Lazarvs and Dives

Guten Morgen.

ComputerIn den Nachrichten
Von Samsung zu ler­nen heißt das Explodieren zu lernen

Neues von Apple, der Firma mit dem unfrei­wil­lig komi­schen Assistenten Siri: Nachdem unter Häme sei­tens app­le­naher Blogger immer mal wie­der Samsung-Geräte explo­dier­ten, hat man dem Gesetz von Angebot und Nachfrage - Samsung ist immer­hin Marktführer in Smartdingsbums - end­lich nach­ge­ge­ben und selbst ein Explosionsupdate für iOS 12 freigegeben.

Da das nicht Teil der Liste an Standardfunktionen eines iPhones ist, könn­te die­se Neuigkeit die Kunden den­noch über­ra­schend tref­fen. Bedeutet das, dass man künf­tig häu­fi­ger damit rech­nen muss? Nein:

Das ist ein­deu­tig kein erwar­te­tes Verhalten.
Apple-Support auf Twitter

Ach so!

Schade eigent­lich.

Piratenpartei
Vorüberlegungen zum #BPT182

Bereits zum zwei­ten Mal - zuvor im März 2017 - trifft sich die Piratenpartei Deutschland am kom­men­den Wochenende in der Heinrich-Heine-Gesamtschule („Heinrich Heine Gesamtschule“, war wohl ein Budgetname) in Düsseldorf, um über Ferkelpenisse, Lizenzen und Ackerbau zu dis­ku­tie­ren. Dass unter den ein­ge­reich­ten Anträgen eini­ge sind, denen ein libe­ral den­ken­der Mensch unmög­lich guten Gewissens zustim­men kann, etwa die Forderung nach einer supra­na­tio­na­li­sti­schen EU, steht, wie von die­ser Partei gewohnt, außer Frage. Zuvor muss jedoch ein völ­lig neu­er Bundesvorstand gewählt wer­den, da der bis­he­ri­ge heil­los zer­strit­ten ist. Das geht so weit, dass erst vor weni­gen Wochen das Bundesschiedsgericht und, wie man andern­orts lesen konn­te, ein ordent­li­ches Berliner Gericht den amtie­ren­den Bundesvorstand dazu zwin­gen muss­ten, der gewähl­ten poli­ti­schen Geschäftsführerin die wei­te­re Erfüllung ihrer Aufgaben zu ermög­li­chen, was eines sei­ner Mitglieder zu der Äußerung (loka­le Kopie) ver­an­lass­te, man wer­de mal sehen, ob man Lust dar­auf habe, sich an Satzung und Parteiengesetz zu hal­ten. Inmitten die­ses Brimboriums nahm der stell­ver­tre­ten­de Bundesvorsitzende, ein „Zahlen- und Zukunftsexperte“, sei­nen Hut - nur um in der aktu­el­len Kandidatenliste, als wäre nichts gewe­sen, als mög­li­cher neu­er Bundesvorsitzender wie­der auf­zu­tau­chen. Auch das Generalsekretariat wird ver­mut­lich man­gels Kandidaten nicht völ­lig anders besetzt wer­den, wor­aus man fol­gern könn­te, dass die Achtung vor demo­kra­ti­schen Grundregeln beim Aufstieg in der Piratenpartei eher hin­der­lich ist.

Worüber ich mich aber eigent­lich aus­las­sen woll­te, ist, dass die­sel­be Partei, deren Lieblingsthemen gera­de Geldgeschenke für Faulpelze ein bedin­gungs­lo­ses Grundeinkommen, Alten- und Krankenpflege, Poposex, AfD-Wähler-Beleidigen und die Freigabe von Stinkdrogen zu sein schei­nen, wenn ich mir die­sen Querschnitt durch das Material typi­scher „Infostände“ erlau­ben darf, sich zur­zeit in den sozia­len Netzwerken selbst dafür fei­ert, dass die tsche­chi­sche Piratenpartei ähn­lich erfolg­reich ist wie vor noch nicht lan­ger Zeit die islän­di­sche; in Prag näm­lich ist sie zweit­stärk­ste Partei gewor­den. Warum? Nun, das steht eigent­lich im Artikel:

Sie ist eine moder­ne libe­ra­le Partei, die (…) ein hohes Maß an inner­par­tei­li­cher Demokratie durch­setzt. Ihre poli­ti­schen Schwerpunkte sind poli­ti­sche Transparenz, per­sön­li­che Verantwortung der Politiker, e-Government, Unterstützung der klein- und mit­tel­stän­di­schen Unternehmen. (…) Einen wich­ti­gen Punkt stel­len die Finanzierung der regio­na­len Entwicklung, sowie die Teilnahme der Öffentlichkeit am demo­kra­ti­schen Entscheidungsprozess dar.

„Der Wähler“, heißt es in der deut­schen Piratenpartei mit erschrecken­der Mehrheit, habe gar kein Interesse an einer libe­ra­len Partei, die bloß die blö­den Ideen von 2006 bis 2009 ver­tritt. Die Piratenpartei müs­se lin­ker wer­den, teil­ha­ben­der, gegen­rechtser. Niemand wäh­le mehr eine Partei, die so rück­stän­dig auf weni­ge gemein­sa­me Ideale setzt.

Lernen durch Schmerz, dann aber das Lernen weglassen.


Apropos Schwachsinn: Rassistisches Yoga zur Dekolonalisierung der Weißen.

In den NachrichtenPolitik
Darwin hat jetzt WhatsApp: Wahlrecht für Todgeweihte

Mehr Demokratie e.V. Thüringen, 4. September 2018:

So soll es mög­lich sein, das Wahlalter bis auf 14 Jahre abzusenken.

„Merkur.de“, 12. November 2018:

Suizid wegen „Momo-Challenge“ bei WhatsApp: Ein 14-Jähriger hat sich in Frankreich im Zuge des Spiels erhängt. (…) Seit Monaten gei­stert das Phänomen der „Momo-Challenge“ durch die Medien. (…) Demnach wer­den Telefonbenutzer über WhatsApp auf­ge­for­dert, einen Benutzer namens „Momo“ zu kon­tak­tie­ren. Wenn sie dies machen, sol­len sie ver­stö­ren­de und grau­si­ge Bilder von „Momo“ erhal­ten. Mit Drohungen sol­len sie auf­ge­for­dert wer­den, eine Reihe gefähr­li­cher Aufgaben aus­zu­füh­ren. Bei der letz­ten die­ser Aufgaben soll es sich um den Selbstmord des Spielers bzw. der Spielerin handeln.

Einige Eltern möch­ten jetzt Facebook dafür haft­bar machen, dass ihre Kinder ein biss­chen dumm waren:

Der Vater des ver­stor­be­nen Jungen hat auch eine Klage gegen Youtube, Whatsapp und gegen den fran­zö­si­schen Staat ein­ge­reicht. Er meint: Die sozia­len Netzwerke und der Staat schüt­zen Jugendliche nicht gut genug.

Das wird lustig mit dem Wahlrecht ab 14 Jahren.

(sie­he auch, sie­he auch)

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
TesseracT - Of Matter // Christjournalismus

Wach (montags)Es ist Montag. Horst Seehofer möch­te, wie ver­schie­de­ne Medien berich­ten, 2019 von sei­nen ver­blei­ben­den Ämtern zurück­tre­ten. Der Jubel hier­über über­sieht, wie so oft, dass sei­ne mög­li­chen Nachfolger kei­nes­wegs aus dem gemä­ßigt kon­ser­va­ti­ven Flügel stam­men. Es gibt kei­ne fried­li­chen Innenminister; klar, denn sonst hie­ßen sie ja Innenpandabären.

Überraschend hat sich her­aus­ge­stellt, dass Verlage lügen. Vielleicht soll­ten wir uns an den Gedanken gewöh­nen, dass ein gewalt­frei­er Staat auch kei­ne vier­te mehr braucht. Andererseits hat sich das mit dem Journalismus mitt­ler­wei­le ohne­hin anders erge­ben: Bei der „ZEIT“ wid­met man dem Umstand, dass über die Kleidung Angela Merkels nur noch wenig gere­det wird, einen unnö­tig lan­gen „Magazin“-Artikel. Von einem „Role-Model“, einem rol­li­gen Modell also, ist die Rede. Was die sich traut! Im „SPIEGEL“ steht (online) der­weil, dass von der Idee einer gesamt­eu­ro­päi­schen Armee zwar kei­nes­wegs der US-ame­ri­ka­ni­sche, wohl aber der rus­si­sche Präsident begei­stert ist. Sind die­je­ni­gen, die den­noch die­sem Plan nach­ge­hen, jetzt eigent­lich Putinversteher?

Apropos „ZEIT“: Dort weiß man, was wirk­lich wich­tig ist; dass näm­lich der näch­ste CDU-Vorsitzende der christ­lich­ste sein möge. Säkularismus? Ha, Ketzerei! Liberale Zeitungen habe ich mir immer ein biss­chen anders vor­ge­stellt. Im „Wall Street Journal“ wird mitt­ler­wei­le auch nicht mehr beson­ders weit gedacht: Dort darf spe­ku­liert wer­den, dass Hillary Clinton sich 2020 als libe­ra­le (das ist US-Englisch und heißt so viel wie „grü­ne“) Fackel im Sturm bewei­sen kön­ne. Tja, noch eine Amtszeit für Donald Trump.

Paul McCartney hat in einem sei­ner neue­ren Interviews gesagt, er möge Lärm. Er mag also ver­mut­lich nicht nur Berichte wie die­sen, son­dern auch man­che Musik, zum Beispiel die von TesseracT.

TESSERACT - Of Matter (Live at Sphere Studios)

Guten Morgen.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Annahmen zum Linkssein (8): Identitarismus schützt die Grundrechte.

Einen wei­te­ren Beleg für mei­ne Vermutung, die Existenz „lin­ker“ Parteien sei frei erfun­den, erbrach­te die­ser Tage Katharina Schulze von den bay­ri­schen Grünen, die schrieb, man möge doch das Wahlrecht ändern, denn die bestehen­de Gleichbehandlung aller Kandidaten bevor­zu­ge kein Geschlecht und das sei unfair gegen­über Frauen. Wie näm­lich jeder weiß, wür­de nie­mand frei­wil­lig eine Frau wäh­len, es sei denn, er wird dazu gezwun­gen. Ansonsten wäre die­se Idee doch reich­lich bedenklich.

Mir hin­ge­gen scheint die­ses Pochen auf eine Eigenschaft, die man sich nicht aus­ge­sucht hat (etwa Sexualität, Herkunft, Geschlecht), kei­nes­wegs geeig­net, um ein bes­se­res Miteinander zu erzie­len, son­dern, um wei­ter zu spal­ten. Es lässt sich nur noch schwer leug­nen, dass in wei­ten Teilen der Grünen ein Identitarismus (der schlech­te, spal­ten­de, nicht der gute, ver­tei­di­gen­de) herrscht, der nicht mehr zu bän­di­gen ist, weil das schlicht nicht gewünscht ist. Warum man ein Gesellschaftsbild, in dem Menschen nach ihren ange­bo­re­nen Eigenschaften und nicht nach ihren Fähigkeiten sor­tiert wer­den, links und pro­gres­siv und nicht etwa rechts und regres­siv nennt, weiß ich nicht, ist aber so:

Die deut­schen Grünen haben die Europaabgeordneten Ska Keller und Sven Giegold zu ihren Spitzenkandidaten für die EU-Wahl im kom­men­den Mai gewählt. (…) „Wir stel­len uns gegen den Rechtsruck, wir schüt­zen unse­re Grundrechte.“

Progressiver Identitarismus muss ein Grundrecht blei­ben. Wir hat­ten ja nichts.

In den NachrichtenPolitik
Der Tod ist ein hun­dert­jäh­ri­ger Meister aus Deutschland.

9. November 1918:
Zwei Politiker der SPD, die die nöti­gen Anleihen für den Ersten Weltkrieg bewil­ligt und so sowohl vie­le Tode als auch den Aufstieg Adolf Hitlers begün­stigt hat­te, rufen unab­hän­gig von­ein­an­der das Ende des deut­schen Kaiserreichs und den Beginn einer deut­schen Republik aus. 1919 wird einer von ihnen auf Befehl des Volksbeauftragten für Heer und Marine, eben­falls Mitglied der SPD, auf unfei­ne Art gemeuchelt.

9. November 1938:
In der „Reichskristallnacht“ kommt es infol­ge besag­ten Aufstiegs zur Zerstörung jüdi­scher Geschäfte und zu aller­lei Verhaftungen zwecks spä­te­rer Ermordung.

9. November 1989:
Die räum­li­che Trennung zwi­schen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR, die unter der Herrschaft der als SED fir­mie­ren­den Fusionspartei aus SPD und KPD ein armes, aber immer­hin grau­sam regier­tes Land gewor­den war, endet über­ra­schend. Das stellt sich spä­ter als Problem heraus.

9. November 2001:
Deutschland, regiert von der SPD und den Grünen, führt die Vorratsdatenspeicherung ein.

9. November 2007:
Deutschland, regiert von der SPD und der CDU/CSU, führt die Vorratsdatenspeicherung ein.

9. November 2018:
In Berlin schei­tert Innensenator Andreas Geisel (SPD) mit sei­nem Vorstoß, eine Versammlung zum Gedenken an die Toten zwi­schen 1961 und 1989 zu ver­bie­ten. In der­sel­ben Stadt schlägt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) am sel­ben Tag vor, Deutschland sol­le es für „bestän­di­gen Ansporn“ mit mehr Patriotismus versuchen.

Eine Pointe erüb­rigt sich.

In den NachrichtenPolitik
Migrationsnichtpakt

„Wir wer­den die­sen Migrationspakt unterschreiben.“

„Unsere Nachbarländer machen aber viel­leicht nicht mit.“

„Wir müs­sen aber mit gutem Beispiel vorangehen.“

„Ist die­ser Pakt denn nötig?“

„Ja, er legt end­lich Mindeststandards fest.“

„Und was ist mit den Sorgen unse­rer euro­päi­schen Partnerstaaten?“

„Die machen sich zu vie­le Gedanken, der Pakt ist sowie­so nicht bindend.“

„Aber heißt das nicht, dass er eigent­lich bloß hei­ße Luft ist und wir uns den gan­zen Ärger damit auch ein­fach spa­ren könnten?“

„Nein, wir müs­sen ja mit gutem Beispiel vorangehen.“

(ad inf.)