(Man lebe dort Krankenhaus, erzählt die Sana Kliniken AG über die Sana Kliniken AG und reiht sich so ein in eine schon jetzt zu lange Liste derjenigen Unternehmen, die alles Mögliche leben wollen, von mir über Schlaf, Büro, Küche, Handwerk, Ideen, Nähe und Marken bis hin zur Logistik. Ausgerechnet sie, die Deutschen, leben nur keine Autos mehr. Was für ein trauriges Leben, denkt der schreibende Beobachter, muss es sein, wenn man es über Produkte definiert und letztendlich nur seinen Arbeitsplatz damit zu füllen gewillt ist?)
Liegengebliebenes vom 14. März 2023
Gute Frage: Fluchen gute Programmierer mehr oder regt C gute Programmierer mehr auf?
Aus dem Selbstverständnis des 1. FC Nürnberg und seiner Fans: „Wir setzen voraus, dass … keinerlei Form von Gewalt … strikt abgelehnt wird.“ Klingt nach einem vernünftig-realistischen Weltbild.
Nachtrag vom 18. März 2023: Der Satz wurde inzwischen grammatikalisch korrigiert. Soll ja keiner sagen, diese Website hier wäre ohne Mehrwert für die Welt.
Wie viele Weltreligionen wohl entstanden sind, indem ein Scherz unter Freunden ein wenig ausgeufert ist?
All meine Freunde sind größer als ein Haus. Doch, doch, das steht so in der Zeitung.
Außerordentlich erfreuliche Meldung: Der Digitalcourage e.V., den ich unter seinem alten Namen FoeBuD wesentlich sympathischer fand, hat trotzdem vor dem Europäischen Gerichtshof so gut wie gewonnen, was den Kampf gegen die Pflicht zur Fingerabdruckabgabe beim Ausweisverlängern angeht (der Verein ist dagegen). Die deutsche Bundesregierung hat sicherheitshalber nicht an der Anhörung teilgenommen. Sie hatte sicher gerade einfach nur viel zu tun.
Kurzkritik: PoiL Ueda
Lange nichts mehr über Musik WTF geschrieben.
Anfang März 2023 warfen die verrückten Franzosen PoiL in Zusammenarbeit mit der japanischen Sängerin und Biwaspielerin Junko Ueda ein Album (TIDAL, Bandcamp.com, Amazon.de) auf den Markt (als gäb’s dafür einen Markt!), das schon 2021 auf seine Livetauglichkeit getestet worden war. Darauf zu hören sind zwei Stücke, derer erstes („Kujô Shakujô“) ein dreiteiliger buddhistischer Shōmyōgesang ist, der, sich langsam steigernd, in einen (wenn auch verhaltenen) Avantgardeausbruch steigert, und derer zweites („Dan no ura“) in zwei Teilen die, nun, Seeschlacht von Dan-no-ura thematisiert, sofern ich die Informationen im Internet richtig verstehe. Mein Japanisch ist noch etwas unausgereift.
Live klingt diese Seeschlacht ungefähr so:
Für europäische Ohren, sofern nicht im Japanischen geübt, klingt das womöglich komisch (geht mir ja nicht anders), aber das ist wahrscheinlich gar nicht mal ungewollt. Zum unangefochtenen Lichtblick des Jahres reicht es nicht, denn weniger als tollen Lärm hätte ich von PoiL auch nicht erwartet; aber meine krachfreudigen Synapsen geben’s der Dopaminproduktion weiter. Ich bin angetan und ärgere mich, für die einschlägigen Festivals meist zu faul zu sein. Eventuell sollte ich das beizeiten ändern.
Epica – Beyond The Matrix // Berliner Mopsjagd
Es ist Montag. Schönes Fundstück: Vor etwa zehn Jahren haben Menschen in diesem Internet unironisch darüber debattiert, welche Version von memcpy die am besten klingende Audioausgabe ermögliche oder so. Es ist ja immer auch alles etwas Esoterik, witzeln diejenigen, die von außen auf die Audiophilieszene gucken und sich über vermeintliche Geheimtipps wie „vergoldete Kabel“ beömmeln; und das nicht mal zu Unrecht.
General Motors möchte, dass Autos künftig den Fahrer auch mit Gequatsche vom Verkehr ablenken. Ich begrüße diesen Beitrag zum Abbau der Überbevölkerung und ‑befahrzeugung ausdrücklich. Einen zusätzlichen Beitrag zur nachdrücklichen Verhütung leistet der Feminismus: „Das intersektional-feministische Craft Bier aus Wien. Ein köstliches Bier für viele Geschmäcker und alle Geschlechtsidentitäten!“ Darauf erst mal ein schönes männliches Jever. Sicherheitshalber male ich vorher noch zwei Penisse auf die Flasche. Man weiß ja nie.
Andererseits lockt das wiederum andere Zielgruppen an, die für jeden in überraschendem Kontext klar erkennbar scheinen. So postuliert etwa das ZDF, die World Bank Group zitierend, neuerdings die Theorie, homosexuelle Männer benutzen (etwa im Auto) den „öffentlichen Raum“ auf andere Weise als heterosexuelle Männer, weshalb dieser sie benachteilige. Eine flink angefügte Frechdachsmeinung dazu war die Vermutung, diese legten es vermutlich darauf an, dass ihnen einer, hehe, hinten reinfährt, aber das ist natürlich nicht sehr nett und der Frechdachs sollte sich sehr schämen. – Auch schämen sollte man sich in Berlin: Wird dort eine Frau dabei erwischt, es zu wagen, ihre Brüste beim Schwimmen nicht vor den Augen anständiger moderner Christen zu schützen, rufen diese umgehend die Polizei. Falls noch jemand fragte, warum in Berlin die Kriminalität blüht: Die Ordnungshüter sind mit Möpsejagd beschäftigt.
Gestern Abend sah ich die mir bis dahin sträflich unbekannte Musikgruppe Epica live. Ich bin ziemlich angetan und das liegt nicht mal an den beknackten Texten.
Guten Morgen.
Unter Fußballfans: Wie ich aus Versehen eine Fußballmannschaft gut fand.
Das hatte ich nun davon, dass mir nach nur wenigen Jahren des Hierwohnens zufällig aufgefallen war, dass sich direkt um die Ecke meines Wohngebäudes außer einem freundlichen Fußballkiosk, wo man Bier kaufen kann, außerdem eine Trinkhalle, wo man es trinken kann, befindet, wovon ich überrascht anderen Menschen erzählte: „Ich möchte“, paraphrasiere ich einen ansonsten meist angenehmen Menschen, „Fußball gucken und du kommst mit“. Also kam ich mit.
‘Unter Fußballfans: Wie ich aus Versehen eine Fußballmannschaft gut fand.’ weiterlesen »
Sich beleidigen lassen as a Service
Volkswagen-Stiftung („VolkswagenStiftung“):
Im Innern der Künstlichen Intelligenz begegnen wir uns selbst.
Hallo zusammen. Ich bin hier, um euch zu rösten.
Man versprach uns fliegende Autos.
Hä? (März-2023-Edition)
Im Rahmen des allgemeinen Bildungs- und Erziehungsauftrags (…) leistet [der Mathematik-Unterricht] weitere Beiträge zu fachübergreifenden Querschnittsaufgaben (…), hierzu zählen u. a. Menschenrechtsbildung, Werteerziehung, (…) geschlechtersensible Bildung[.]
(„Wie viel sind eintausend Mädchen plus eintausend Mädchen?“)
Es ist nicht auszuschließen, dass es sich bei der Aktion um einen aktuellen negativen TikTok-Trend handelt. Hierbei zeigen einige Personen ein derart asoziales Verhalten, welches dazu führen soll, einen Kinofilm abbrechen zu lassen.
Klimaaktivisten der Letzten Generation wurden zu mehrmonatigen Haftstrafen verurteilt. (…) Die Verurteilten gingen unmittelbar nach dem Urteil erneut auf eine Straße in Heilbronn, um den Verkehr zu blockieren.
MSPAINT – Delete It // Computerdigga weiß, wer der Bahnbabo ist
Es ist Montag. In mehreren deutschen Städten fanden oder finden demnächst Bürgermeisterwahlen statt, in Frankfurt kandidierte ein Herr namens Bahnbabo gar nicht mal allzu erfolglos für das Amt. Ich habe diese Künstlernamenssache völlig falsch gemacht, stelle ich dabei fest. Als tux0r wird man kein Bürgermeister in Frankfurt, nur als – keine Ahnung – Whiskydude vielleicht. Computerbrudi. Musiklauch. Gut, vielleicht nächstes Mal.
In den USA ist Linuxnutzung jetzt eine anerkannte Religion. Wo sind die Exorzisten, wenn man sie mal braucht? – Dieselben USA allerdings, deren Regierung davor warnt, dass die Chinesen das Gleiche machen könnten wie sie selbst: „Tiktok ist ein modernes trojanisches Pferd der Kommunistischen Partei Chinas, das dazu verwendet wird, persönliche Informationen von Amerikanern zu überwachen und auszunutzen“, das anerkennende Nicken höre ich bis nach Niedersachsen. Derjenige Journalist, der 1971 die Pentagon-Papiere veröffentlichen lassen hatte, blickt unterdessen seinem krebsbedingten Ableben entgegen, seine vermutlich letzte Kolumne ist um so lesenswerter. Es mangelt ja an Lebensfreude neuerdings. Die Straße, an der die russische Botschaft in Westminster sich befindet, heißt jetzt Kyiv Road. Damit Putin erzittert, nehme ich an. Inzwischen sollten Satiriker Abgaben für die Friedensaktionen des „Westens“ verlangen, finde ich. Verdient hätten sie es und Kultur ist ja immer noch restgeschädigt.
Apropos Krieg; nicht uninteressant: Im 19. Jahrhundert verfügte der Papst anscheinend über Kriegsschiffe. Ich fand die Vorstellung kurz lustig, dann fiel mir die Inquisition wieder ein.
Auch lustig, aber anders: Es gibt eine Musikgruppe namens Microsoft Paint oder so. Die Musik ist aber auch ganz gut.
Guten Morgen.
Lord of the Todeslost
Ich könnte jemanden tottwittern vor ausbleibender Begeisterung (Archivversion):
Das Publikum hat gesprochen: Deutschland wird beim ESC 2023 von den Düster-Rockern Lord Of The Lost vertreten.
Nun sind die „Düster-Rocker“ Lord Of The Lost, diese Tokio Hotel für besonders böse Emos, mir persönlich zwar eine willkommenere Wahl (an der ich indes gar nicht teilgenommen habe) als manche „Vertreter Deutschlands“ in den vergangenen Jahren es waren, doch halte ich es für eine wenigstens bedenkenswerte Idee, einen Titel namens „Blood & Glitter“ („Blut und Glitzer“) als „stellvertretend für Deutschland stehend“ in einen Wettstreit der Kulturen zu schicken, aber das Föjetong frohlockt, denn die Kür veranlasste eine ehemalige Politikerin zum Wassersport, indem sie nämlich „zurückruderte“:
Deutscher ESC-Sänger legt sich mit Frauke Petry an (…) Seine Fans danken es ihm, schreiben in die Kommentare: „Normal ist langweilig, ich freue mich auf euch“, oder „großartig reagiert, Jungs“.
Selbst Menschen, die ich sonst eigentlich ganz in Ordnung finde, beschlossen daraufhin, Lord Of The Lost öffentlich als ihre „Lieblingsband“ zu bezeichnen, weil „Rechte“ sich davon reizen ließen. Meine Entgegnung, nicht alles im Leben sei eine Bundestagswahl und das Leben selbst überdies zu kurz, um all das eigene Streben daran zu messen, dass man die Richtigen damit auf eine möglichst hohe Palme bringen möge, traf nicht auf warmen Empfang.
Hätte man dann nicht wenigstens WIZO schicken können?
Ganz normales Schlossleben
Schön, dass es noch solche Menschen gibt:
Seit 1997 lebt Enya in Dublin in einem kleinen Schloss. Trotz ihrer Karriere als Sängerin hat es Enya stets vorgezogen, ein normales Leben zu führen.
Klares Vorbild, ich sag’s, wie’s ist.
daſz
Zu den beklopptesten schriftlichen Diskussionsbeiträgen, auf die ich in den letzten Jahren in verschiedensten Zusammenhängen (immerhin: künstliche Intelligenz scheitert am Kontext) traf, gehört der Rückzug auf Rechtschreibhinweise, seit einigen Jahren gern in der Geschmacksrichtung „aber die Reform von 1996“.
Ich befinde mich zu meinem Bedauern in einem Alter, in dem ich nur wenig zu jung war, um mir nicht das eiserne „es heißt jetzt ‚dass‘, ‚daß‘ ist falsch!“ anzugewöhnen, obwohl ich „daß“ und „muß“ schriftbildlich wesentlich attraktiver finde als „dass“ und „muss“. Oft begegne ich im echten und auch im virtuellen Leben Menschen, denen das Vergnügen vergönnt war, die schöneren Schreibweisen verwenden zu können, ohne dass jemand mit Rotstift an den Rand des Geschriebenen gemalt hat, weshalb sie auch heute noch auf eine Anpassung ihrer Rechtschreibung an irgendwelche Änderungen seitens des Rates für deutsche Rechtschreibung verzichten. Was sollte ihnen auch zustoßen, wenn sie auch weiterhin so schreiben, wie es vor 1996 üblich war? Die Gefahr, dass ihre Deutschlehrer sie eines Abends zu Hause besuchen und ihnen dort eine Sechs geben, halte ich für – obwohl nicht völlig ausgeschlossen – doch zu vernachlässigen.

Schriftsprache dient der Kommunikation. Was leicht verstanden werden kann, ist nur „falsch“, wenn man ohne unbedingte Notwendigkeit auf die Einhaltung eines von irgendeiner als solche anerkannten Autorität verfasstes Regelwerkes beharrt. Meine Ausfertigungen eines Deutschdiktates zur Schulzeit waren meist tadellos, stets tadelarm, und dennoch vertrete ich nicht die Ansicht, es sei der Entwicklung eines Schülers zu einem vollwertigen Menschen dringend zuträglich, jedes Wort der Alltagssprache exakt so schreiben zu können, wie es anlässlich der jeweils jüngsten Revision dieses Regelwerkes als korrekt definiert worden ist.
Ob nun jemand in einem Brief, einem Blog, einem sozialen Netzwerk oder auch in einem beliebigen Webforum „das“, „daß“ oder gar „daſz“ schreibt, wenn er das meint, was der Rat für deutsche Rechtschreibung momentan als „dass“ definiert, ist nur in dem (selbst dann vor allem der Komik nützlichen) Fall von Belang, dass der solches Schreibende zuvor zum Beispiel die vermeintlich schlechte Schulbildung eines thematischen Kontrahenten belächelt hat. Ich wünschte, es würden noch mehr Menschen „total veraltet“ schreiben. Dann könnte ich mir das „dass“ vielleicht endlich auch abgewöhnen.
Yo La Tengo – This Stupid World // Akuter Bockverlust
Es ist Montag. Meine Pronomen sind gerade zu Tisch. Der Sohn von Paris Hilton, erfahre ich gegen meinen Willen aus dem Internet, trage ebenfalls den Namen einer Stadt. Ich habe jetzt nicht nachgesehen: Ist es Düsseldorf? Ich hoffe, es ist Düsseldorf!
Arbeitgebervertreter Steffen Kampeter (CDU) schießt einen Bock und befindet, es gebe keinen Fachkräfte- (stimmt), sondern einen Bockmangel. Was potenziellen Arbeitnehmern fehle, sei insofern nicht ein gutes Gehalt oder erträgliche Arbeitspensen (das ist nicht der Plural von Arbeitspenis), sondern Bock. Vielleicht sollte er es mit einer Bocktransplantation versuchen.
Die Gründer von Google hatten 1998 eine gemeinsame Veröffentlichung rausgebracht, in der sie feststellten, dass reklamefinanzierte Suchmaschinen die Interessen von Werbetreibenden über die der Nutzer stellen. Anscheinend war das als Kompliment gemeint. – Googles Software wird immer schlechter. Google findet das gut. Mein Ziel beim Codeschreiben ist es ja, dass möglichst wenige Fehler behoben werden müssen, aber ich bin ja auch kein reicher Konzern, sondern bloß ein Blödmann mit einem Texteditor. (Na gut: ein Blödmann mit ziemlich vielen Texteditoren.) Da fragt man mich natürlich auch nicht.
Die Bayernpartei nölt auf Twitter, es habe einen „Ethnozid an Bayern“ mit einem „Verbot kultureller Gegenstände und Bräuche“ und der Auferlegung einer neuen kulturellen Identität gegeben. Tapfere Worte aus einem Land, dessen politischer Gefechtsführer überall Kreuze hinhängen will. Im weiteren Verlauf meiner Recherchen erfuhr ich, dass es anscheinend auch eine Südtiroler Partei ähnlicher Zielrichtung gibt. Der Schelm in mir hofft auf gute Wahlergebnisse. Einfach, weil Chaos lustig ist.
Lustige Chaosidee auch von „Funk“, einem öffentlich-rechtlichen „Angebot“: Auf der Liste der witzigsten Filme stehen nur Filme von Männern? Kein Problem: Dann gibt es einfach eine zweite Liste mit den witzigsten Filmen von Frauen. Ihr wisst schon: weil Frauen nicht im eigentlichen Sinne witzig sind. Bestimmt diskriminiert das wieder irgendwen.
This stupid world, / it’s killing me.
Guten Morgen.
Artverein DKLI (oder so)
Yo, „Kunstverein DALI e.V.“, wobei „DALI“ nicht nur so ähnlich klingt wie der Name eines verstorbenen Surrealisten, sondern auch für „Darstellung, Art [sic! A.d.V.], Literatur, Inspiration“ stehen soll,
wenn ihr schon unbedingt einen Namen haben wollt, der „irgendwas mit Kunst“ ist, auch wenn ihr dafür mehrsprachig zu sein bereit seid: Wäre eine Umbenennung in KLIMT – Kunst, Literatur, Inspiration, Modellierung, TLS auf unserer Website leider kaputt – nicht ein irgendwie weniger seltsamer Name?
Schenk‘ ich euch!
Eulenspiegel und ich
Meine Dualidentität lasse mich mittlerweile schizophren werden, erzählte ich letzte Nacht dem großartigsten der Freunde. Das ist nicht klinisch gemeint.
Amyl and the Sniffers – Snakes // Klobige Omas.
Es ist Montag. Laut einer Studie werden Penisse immer länger, aber auch immer weniger fruchtbar. Ich bin von einem dieser beiden Probleme nicht betroffen, halte die Entwicklung aber insgesamt für löblich. Bitte nichts dagegen unternehmen.
Letzte Woche wollte mir schon wieder jemand weismachen, Demokratie, Wohlstand und Friede seien wesentliche Errungenschaften des Westens, und wahrlich, Demokratie und Wohlstand erreichen wieder ungeahnte Höhen: Wenn man in Berlin SPD und Grüne abwählt, dann bekommt man halt stattdessen SPD oder Grüne. In Nürnberg wiederum starben allein in diesem Winter mehrere Obdachlose; ganz schön undankbar von ihnen, immerhin ist Wohlstand. Nur der Friede hielt mich, zugegebenermaßen, davon ab, dem gestrigen „viertgrößten Karnevalszug Deutschlands“ (Presse), der blöderweise ausgerechnet hier stattfinden muss, einen deutlichen Ausdruck des Missfallens auf den Weg zu geben. Erschreckend viele Harry Potters säumten jedenfalls am Abend die Straßen. Herauszufinden, ob „avada kedavra!“ bei ihnen wirklich funktioniert, war mir allerdings zu doof. – Zufallsfund: Die Jugendorganisation der MLPD hat was gegen Kiffen. Keine Ahnung, was stattdessen ihre Ausrede dafür ist, so zu sein.
Jahrelang wies ich an verschiedenen Stellen zu verschiedenen Gelegenheiten darauf hin, dass die Kostenloskultur in der EDV gar keine so überzeugende Idee ist, weil Qualitätssicherung was kostet und Entwickler ihre Miete auch gern bezahlen würden. Es beruhigt mich, dass auch das offenbar zur Besinnung gekommene Linuxbejubelungsmagazin „heise online“ mir mittlerweile zustimmt, indem es Martin Holland fordern lässt, die Nutzung von Mastodon solle endlich auch die einfachen Nutzer ordentlich Asche kosten. Spreu und Weizen, man kennt es.
Für das bizarre öffentlich-rechtliche „Angebot“ „Funk“ hat „Coldmirror“, deren früheres Schaffen mich bis heute eher irritiert, die Titel irgendwelcher Pornospams ins Deutsche übersetzen lassen und vorgelesen. Das Ergebnis ist, wie ich trotz der vergleichsweise geringen Eigenleistung zugeben muss, ziemlich lustig. – Anderswo im Web hat jemand „abgelehnte Emojivorschläge“ gesammelt, also diejenigen Emojis, die nicht in den jeweiligen Standard aufgenommen worden sind. Am meisten freut mich die Nichtzulassung vom „Frowning Face with Lowered Eyebrows“. Ich würde sonst wahrscheinlich viel häufiger Emojis benutzen (oder zumindest dieses); etwa, wenn ich solche Meldungen lese: Zwei Geschichten von Don Rosa – dem einzigen ehemaligen Disneyzeichner, dessen Werk im Schrank zu haben eine Bereicherung ist – wurden vom skrupellosen Disneykonzern in den Giftschrank geschoben, weil in ihnen ein von einem ziemlich überzeichneten afrikanischen Medizinmann beschworener Zombie auftaucht. Kann man nicht mehr machen. Dagobert Duck ist jetzt eine Nazicomicfigur. Die Einschläge kommen näher.
Und was machen wir, wenn die Einschläge näher kommen? Richtig: Wir hören Punk.
Guten Morgen.









