Unter den Kaufempfehlungen in der aktuellen Ausgabe des Magazins “Couch” befindet sich keine einzige Couch. Das ist dermaßen enttäuschend, dass ich keinesfalls das neue “eisenbahnmagazin” gekauft (obwohl: gibt es im “eisenbahnmagazin” überhaupt Kaufempfehlungen?), sondern stattdessen drei Frauenmagazinen — jeweils in der “Mai” heißenden Ausgabe, obwohl der April noch stattfindet — Kopf schüttelnd (also meinen) auf die Titelseite geguckt habe, um mich abzureagieren.
Das Magazin “Maxi” (“steht für… …Lebensfreude und Neugier”, originalorthographiert sein Verlag) beginnt mit einer schönen Dichotomie:
Ewig verliebt? Ja, das geht! Wir kennen die Geheimnisse von glücklichen Paaren
Nämlich vermutlich:
Solo? Logo! Warum es so gut tut, auch mal Dinge allein zu machen
Die Frau auf der Titelseite streckt den links von ihr stehenden Lesern (Quatsch: Leserinnen, wir wissen’s doch alle) die Zunge raus. Das ist aber kein gutes Benehmen, Frollein.
Gute Nachrichten, Männer! Die “Cosmopolitan” bestätigt: Lieber widerlich als wieder nicht.
Kaum Lust? Bitte kein Frust! Denn wenig Sex ist besser als gar keiner — sagen Deutschlands beste Therapeuten
Bei welcher Kasse man das abrechnen kann, steht aber nicht drin. Ich habe eigens nachgesehen. — Immerhin musste ich nicht auch noch die Antwort auf die größtgeschriebene Titelfrage nachlesen:
Ich fühl mich[.] Welche Art Selfcare wirklich zu Ihnen passt — der Cosmo-Test verrät’s
Es ist vermutlich Onanieren. Denn wenig Sex ist besser als gar keiner — sagen Deutschlands beste Therapeuten.
Was kann nach so viel Emotion noch kommen? Natürlich die “emotion”, das Heftlein “für Frauen, die ihren Weg gehen” (oder halt “Ihren”, das ist so der Nachteil an dem allgegenwärtigen Schriftgebrüll), die einerseits offenbar Stress mit der “Cosmopolitan” will, indem sie die Titelseitenredaktion “Wird Sex überschätzt?” fragen und “Düfte, die beflügeln” ankündigen lässt, andererseits jedoch Hannah Herzsprung, offenbar die abgebildete Frau, mit den Worten zitiert, sie “gebe nicht viel auf die Meinung anderer”. Hannah Herzsprung wäre ein weniger dankbarer Kunde der “emotion”-Redaktion als ich. Ich mache ja hier sogar indirekt Werbung für den Kram.
Zum Glück geben meine Leser oft auch nicht viel auf die Meinung anderer.
