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Medienkritik in Kürze: Drei Titelseiten für den “Mai” 2023

Unter den Kaufempfehlun­gen in der aktuellen Aus­gabe des Mag­a­zins “Couch” befind­et sich keine einzige Couch. Das ist der­maßen ent­täuschend, dass ich keines­falls das neue “eisen­bah­n­magazin” gekauft (obwohl: gibt es im “eisen­bah­n­magazin” über­haupt Kaufempfehlun­gen?), son­dern stattdessen drei Frauen­magazi­nen — jew­eils in der “Mai” heißen­den Aus­gabe, obwohl der April noch stat­tfind­et — Kopf schüt­tel­nd (also meinen) auf die Titel­seite geguckt habe, um mich abzureagieren.


Das Mag­a­zin “Maxi” (“ste­ht für… …Lebens­freude und Neugi­er”, orig­i­nalorthogra­phiert sein Ver­lag) begin­nt mit ein­er schö­nen Dichotomie:

Ewig ver­liebt? Ja, das geht! Wir ken­nen die Geheimnisse von glück­lichen Paaren

Näm­lich ver­mut­lich:

Solo? Logo! Warum es so gut tut, auch mal Dinge allein zu machen

Die Frau auf der Titel­seite streckt den links von ihr ste­hen­den Lesern (Quatsch: Leserin­nen, wir wissen’s doch alle) die Zunge raus. Das ist aber kein gutes Benehmen, Frol­lein.


Gute Nachricht­en, Män­ner! Die “Cos­mopoli­tan” bestätigt: Lieber wider­lich als wieder nicht.

Kaum Lust? Bitte kein Frust! Denn wenig Sex ist bess­er als gar kein­er — sagen Deutsch­lands beste Ther­a­peuten

Bei welch­er Kasse man das abrech­nen kann, ste­ht aber nicht drin. Ich habe eigens nachge­se­hen. — Immer­hin musste ich nicht auch noch die Antwort auf die größt­geschriebene Titel­frage nach­le­sen:

Ich fühl mich[.] Welche Art Self­care wirk­lich zu Ihnen passt — der Cos­mo-Test verrät’s

Es ist ver­mut­lich Onanieren. Denn wenig Sex ist bess­er als gar kein­er — sagen Deutsch­lands beste Ther­a­peuten.


Was kann nach so viel Emo­tion noch kom­men? Natür­lich die “emo­tion”, das Heftlein “für Frauen, die ihren Weg gehen” (oder halt “Ihren”, das ist so der Nachteil an dem all­ge­gen­wär­ti­gen Schrift­ge­brüll), die ein­er­seits offen­bar Stress mit der “Cos­mopoli­tan” will, indem sie die Titel­seit­enredak­tion “Wird Sex über­schätzt?” fra­gen und “Düfte, die beflügeln” ankündi­gen lässt, ander­er­seits jedoch Han­nah Herzsprung, offen­bar die abge­bildete Frau, mit den Worten zitiert, sie “gebe nicht viel auf die Mei­n­ung ander­er”. Han­nah Herzsprung wäre ein weniger dankbar­er Kunde der “emotion”-Redaktion als ich. Ich mache ja hier sog­ar indi­rekt Wer­bung für den Kram.

Zum Glück geben meine Leser oft auch nicht viel auf die Mei­n­ung ander­er.