KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Pain­Kil­ler – Samsa­ra

PainKiller - SamsaraLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Im Jahr 1991 ver­öf­fent­lich­te der Jazz­sa­xo­pho­nist John Zorn (zuvor unter ande­rem Band­chef von Naked City und bis heu­te eben­sol­cher von Masa­da) gemein­sam mit dem Bas­si­sten Bill Las­well (zuvor unter ande­rem bei Mate­ri­al und Last Exit) und dem Schlag­zeu­ger Mick Har­ris (zuvor bei Napalm Death) unter dem Pro­jekt­na­men Pain­Kil­ler den eini­ger­ma­ßen kur­zen und kom­plett impro­vi­sier­ten Ton­trä­ger („EP“) „Guts of a Vir­gin“. Bis 2008 spiel­te die­ses Trio, zwi­schen 2003 und 2006 mit wech­seln­den Schlag­zeu­gern, fünf wei­te­re Ton­trä­ger ein, die laut Wiki­pe­dia sowohl „Avant­gar­de-Jazz“ als auch „Grind­core“ beinhal­te­ten, was ange­sichts der musi­ka­li­schen Her­kunft der hier Täti­gen nicht über­ra­schen soll­te, und löste sich nach einem letz­ten Kon­zert am 23. Juni 2008, bei dem Mike Pat­ton (der Mike Pat­ton!) und Fred Frith (der Fred Frith!) gastier­ten, vor­erst auf.

John Zorn tauch­te in mei­nem so genann­ten Dunst­kreis in den letz­ten Jah­ren vor allem als Kom­po­nist, Text­schrei­ber und Arran­geur auf. Ich fin­de das ja immer etwas scha­de, wenn gute Musi­ker ihre akti­ve Mit­ar­beit (sach­dien­li­cher Hin­weis aus dem Inter­net: selbst zu hören sei er auf über 400 Musikal­ben; das kann gut sein) auf die Theo­rie redu­zie­ren. Mein Bedau­ern war von kur­zer Dau­er, stell­te ich unlängst erfreut fest, denn bereits im Novem­ber 2024 erschien unter dem Titel „Samsa­ra“ (Amazon.de, TIDAL) ein neu­es Stu­dio­werk der Urbe­set­zung, John Zorn am Alt­sa­xo­phon inklu­si­ve. Saṃsāra bezeich­net unter ande­rem in eini­gen indi­schen Reli­gio­nen den Kreis­lauf von Leben und Tod. Von Bill Las­well ist bekannt, dass es um sei­ne Gesund­heit nicht zum Besten steht, gar nicht all­zu selt­sam erscheint da die Wahl die­ses Titels für das Reuni­ons­al­bum. Die genau­en Beweg­grün­de für die Rück­kehr sind mir unbe­kannt, aber eigent­lich auch egal.

Zu hören gibt es das unge­fäh­re Gegen­teil von Schmerz­stil­len und indisch reli­giö­ser Aus­ge­gli­chen­heit. Wer dar­aus jetzt einen Kom­men­tar zur Zeit ablei­ten möch­te, der gibt sich als Wirr­kopf zu erken­nen. Ein Gegen­teil besteht auch zu frü­he­ren Alben, denn die drei Musi­ker nah­men ihre jewei­li­gen Bei­trä­ge zu „Samsa­ra“ in ihrem Heim­stu­dio auf, ohne ein­an­der dabei zu begeg­nen, über­dies hat Mick Har­ris das ana­lo­ge Schlag­zeug­spie­len auf­ge­ge­ben. Elek­tro­ni­sches Schlag­zeug und eben­sol­cher Bass, zwecks Schmerz­lin­de­rung (ha!) effekt­reich ver­ziert, stamp­fen, pol­tern und zischen, was anfangs nach zeit­ge­nös­si­scher Tanz­mu­sik klingt, doch das sel­ten („Samsa­ra II“) nor­mal gespiel­te, ruhe­los solie­rend umher­sprin­gen­de Saxo­phon, das mal ori­en­ta­lisch, mal ita­lie­nisch klingt (beim Hören und Schrei­ben klang das irgend­wie rich­ti­ger als beim Lesen), kippt jede Klas­si­fi­zie­rung ins Unge­fäh­re. Eine Art Indu­stri­al-Jazz wird mit Ein­flüs­sen von RIO und Dub­step ver­mählt. Gesun­gen und (anders als auf dem Debüt) gekreischt wird nicht. Das ist in Ord­nung.

Samsa­ra V

„Samsa­ra“ strahlt eine eigen­tüm­li­che Ener­gie aus, die auch in John Zorns übri­gen Pro­jek­ten nicht unbe­dingt üblich ist. Nach Alters­werk klingt all das aus gutem Grund nicht: Kom­men­den Febru­ar kommt das Nach­fol­ge­al­bum „The Equin­ox“ (ein „masterful blend of jazz, metal, noi­se, and more“, wie ein Pres­se­text vor­aus­ei­lend lob­hu­delt) raus.

Ich fürch­te, ich freue mich dar­auf.

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Senfecke:

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