In den NachrichtenPolitik
Christlich-Digitale Union

Apropos Netzpartei.

Dass aus­ge­rech­net die Technikverhinderungspartei CDU Deutschlands erste Partei sein wird, die ihren Vorstand fak­tisch online wäh­len lässt (die anschlie­ßen­de „Briefwahl“ ist nach den Zusicherungen der Kandidaten, eine Niederlage im Onlinevotum als final zu akzep­tie­ren, kaum als sol­che zu bezeich­nen), hät­te eine ganz ande­re Wirkung, lie­fen nicht unter dem Tweet zum Thema Wähler und Mitglieder ande­rer Parteien, die schon vor vie­len Jahren irgend­was über’s Internet beschlos­sen haben, schäu­mend Sprechamok, weil sie den Unterschied zwi­schen einer Programmkonferenz (da beschließt man das Programm) und einem Parteitag (da beschließt man alles) nicht ver­stan­den haben.

Andererseits hat­te ich neu­lich noch anders­wo die Frage gestellt, was eigent­lich aus der schrä­gen Partei Volt gewor­den sei. Frage beant­wor­tet: Die sind alle auf Twitter und belei­di­gen dort die CDU.

Was macht eigent­lich die Piratenpartei gerade?

In den NachrichtenMontagsmusikNerdkrams
Flying Moon In Space - The Observer // Coleslaw 2021

Panda statt Eule!Es ist Montag. Wenig über­ra­schend wird die Amadeu-Antonio-Stiftung von einer Dame Frau gelei­tet, die in der besten ost­deut­schen Demokratie, die es zwi­schen dem Zweiten Weltkrieg und der Deutschen Einheit je gab, Juden denun­ziert hat. Von die­ser Stiftung lässt man sich doch ger­ne was über Hassrede erzählen.

Der Netscape Communicator ist jetzt ein Standard. Es könn­te schlim­mer sein. Da kriegt man wenig­stens die­sen neu­mo­di­schen Reklamemist nicht feh­ler­frei angezeigt.

In eige­ner Sache: Ich hat­te eigent­lich vor eini­gen Tagen nur wis­sen wol­len, ob Coleslaw, eine durch­aus gute in Common Lisp geschrie­be­ne Blogsoftware, noch aktiv ent­wickelt wür­de, denn Anfragen für Codeänderungen blie­ben oft län­ge­re Zeit unbe­ant­wor­tet. Das Ergebnis die­ser Frage war aber zu mei­ner Überraschung, dass ich zum Maintainer ernannt wur­de, was ich eigent­lich gar nicht vor­hat­te (schon wegen GitHub). Na gut, dann mache ich das halt. Ich kann Coleslaw (zwar auch den Salat, aber hier die Software) inso­fern wie­der guten Gewissens empfehlen.

Auch guten Gewissens zu emp­feh­len: Musik.

Flying Moon In Space - The Observer (Official Video)

Guten Morgen.

In den NachrichtenNerdkrams
CSU: Digital belastend.

Es wird berich­tet, die CSU wol­le nicht nur „flä­chen­deckend die Fächer Programmieren und digi­ta­le Wirtschaft“ ein­füh­ren las­sen, um die Schüler zu nütz­li­chen Arbeitnehmern fit für die digi­ta­le Welt zu machen (denn genau dar­an denkt man, wenn man an die CSU denkt), son­dern auch das Surfen im Web, die­sem schreck­li­chen Fehler in der Geschichte des Internets, beschleunigen.

Wie? Nein, nicht mit schnel­le­ren Leitungen auch in dörf­li­chen Regionen, das wäre ja teuer:

Die Pflicht, bei jedem Besuch einer neu­en Homepage nach der Zustimmung zu Cookies gefragt zu wer­den, soll­te aus Sicht der CSU ent­fal­len. Sie sei eine „Belastung für schnel­les Surfen“.

Endlich pro­te­stiert mal jemand gegen die Politik der CDU/CSU. Aber muss es aus­ge­rech­net die CSU sein?

Ich habe ja die­se Pflicht auf mei­nen Geräten längst ent­fal­len las­sen. Die von mir ein­ge­setz­ten Webbrowser ver­wer­fen Cookies auto­ma­tisch und blen­den auch den Nachfragebanner in der Regel auto­ma­tisch aus bezie­hungs­wei­se zei­gen sie gar nicht erst an.

Vielleicht soll­te die CSU doch mal ihren Netscape Communicator aktualisieren.

In den NachrichtenNerdkrams
Public Domain Day 2021

Wie in jedem Jahr sind auch in die­sem Jahr wie­der eini­ge Werke gemein­frei gewor­den, dank der Intervention skru­pel­lo­ser Großkonzerne wie der Walt Disney Company in eini­gen Ländern spä­ter als in anderen.

Weil die EU (haha, die­se Briten, so doof) zum Beispiel Werke erst 70 Jahre nach dem Tod des jewei­li­gen Urhebers in die Gemeinfreiheit ent­lässt, sind heu­te zum Beispiel die­je­ni­gen Bücher hier­zu­lan­de gemein­frei gewor­den, deren Autor 1950 gestor­ben ist; zum Beispiel die von Heinrich Mann und George Orwell.

Nach den Bürgern Russlands, Kanadas und Australiens kön­nen also auch die Deutschen end­lich „1984“ im eng­lisch­spra­chi­gen Originaltext legal aus so Quellen her­un­ter­la­den und es wenig­stens mal über­flie­gen, bevor sie es in irgend­wel­chen selt­sa­men poli­ti­schen Kreisen als Argument benut­zen. Das ist sehr nett, denn das Herunterladen aus so Quellen ist eines mei­ner Spezialgebiete.

Hier, bit­te­schön.

In den NachrichtenPersönliches
Licht aus, Licht an: 2021 (auch bloß ein Jahr).

It’s just a date, äff­te einer mei­ner Lieblingsmelancholiker in sei­nem Jahresrückblick (sich und) ande­re nach, und ich wie­der­um äffe jetzt ihn nach, indem ich selbst nicht nur auf das Jahr zurück­blicke, son­dern auch viel zu spät den Satzabschluss schaf­fe (2020 war ja auch eher ein Metajahr), aber weil uns sonst außer der Melancholie (bzw. sowie­so: dem Menschsein) vor allem ver­bin­det, dass ich 2020 unter ande­rem - büro­kra­tisch gespro­chen: just in die­ser Minute übri­gens; Konfetti! - eine Partei ver­las­sen habe, ohne aller­dings direkt in die näch­ste Selbstgeißelung mit­tels sofor­ti­gen Übertritts in „da isses auch nicht bes­ser“ ver­fal­len zu sein, kom­me ich über etwas Stiladaption kaum hin­aus. Nach dem Affenbrand zu letz­tem Neujahr ist das sowie­so dün­nes Eis. Wenn ich die Nachrichten rich­tig ver­ste­he, ging aber auch 2020 nicht gut für ein paar Affen aus. (Da: Meta! Schon wieder!)

Sicher: 2020 war auch bloß ein Jahr wie jedes ande­re - wie Jahre eben so sind, in denen man alte Mumien aus­bud­delt: Hitler hat eine Wahl gewon­nen, statt des Friedhofs der Kuscheltiere gab es den Friedhof der Krebsmutanten, Fahrräder brau­chen jetzt einen Server, auf einem neu erforsch­ten Planeten reg­net es Lava - und GruschelVZ ist auch wie­der da. Wasser ist jetzt Börsengut, aber die SPD hat 2020 kei­ne Großspenden bekom­men. Es war nicht alles schlecht. Man muss kann das Geschehene ja auch posi­tiv sehen: Die Bonpflicht erscheint plötz­lich wie das lächer­lich klei­ne Problem, das sie ist.

Ab heu­te darf man nur noch ein hal­bes Jahr lang ohne Visum im Vereinigten Königreich gastie­ren. Das reicht erfah­rungs­ge­mäß fast für eine hal­be Londonbesichtigung. Ab dem 2. August muss man dann sei­ne Fingerabdrücke mit­brin­gen, man könn­te ja ein Terrorist sein, befin­det die Bundesregierung und beschwört damit eine selbst­er­fül­len­de Prophezeiung herauf.

Das war’s, 2020!

It’s just a date. Es war ein Jahr der Shitstorms, den­noch: 2020 wur­de nicht nur Gutes ver­tieft, son­dern auch der Horizont ver­setzt. Persönlich hat­te ich schon weit schlim­me­re Jahre, viel­leicht ist 2020 sogar unter den bis­her schön­sten (gutes TODO jedes Jahr: Laune nicht vom Wetter abhän­gig machen). Das Endjahrespluseins nicht nur ins näch­ste Jahr mit­neh­men, son­dern es im über­näch­sten immer noch im Inventar haben (das ist ja auch ein schie­fes Bild, Super Mario gibt sei­nen Pluseinsen ja meist eine Kopfnuss, aber als Klempner tau­ge ich auch nicht viel): Warum gibt es für so was eigent­lich nie eine Medaille im Internet?

Wir intro­ver­tier­ten Nerds haben jeden­falls weder vom Shut- oder vom Lock- noch vom Igetknockeddown (butIgetupagain) wesent­li­che Einbußen an Lebensqualität erfah­ren müs­sen. Kommt auf die dunk­le Seite, wir löschen Cookies!

Eigentlich woll­te ich 2020 noch eine musi­ka­li­sche Jahresrückschau ver­an­stal­ten, aber die wird noch ein paar Tage war­ten müssen.

Eigentlich woll­te ich 2020 noch die­ses mir längst unan­ge­neh­me Blogsystem hier durch etwas ande­res erset­zen, aber da müss­te ich noch etwas Zeit inve­stie­ren und das Jahr ist schon rum.

Eigentlich will ich gera­de gar nicht hier sein.

Sasha - PARTY PARTY PARTY (Partyersatzsong) [Offizielles Musikvideo]

Geböllert wird nicht­doch­viel­leicht, außer in Münster. Dort machen Menschen schnell das Licht aus und an. Wenn die Leitungen dort ansatz­wei­se so gut funk­tio­nie­ren wie anders­wo, dann wird es doch noch ein klei­nes Feuerwerk geben, sogar mit Tatütata. Ich hin­ge­gen, weit weg von Münster, sit­ze drin und trin­ke Rotwein. Ich habe die­se Runde gewon­nen. Die näch­ste geht auf mich.

Das wird ein Spaß.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Kneebody - Chapters

Kneebody - ChaptersLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Was der Musikwelt in den letz­ten Jahrzehnten ja etwas gefehlt hat, war der Canterbury Style, jener wider­spen­sti­ge Ableger des Jazzrocks, der meist ober­fläch­lich leicht­fü­ßig, aber gleich­zei­tig ver­trackt daher­kam. Die Siebziger sind vor­bei, so viel habe selbst ich ver­stan­den, aber manch­mal gibt es im Jazz noch die­se posi­ti­ven Momente, die mir gute Laune und ein paar Zeilen Text abringen.

„Chapters“, ein beacht­li­ches Album des Brooklyner Quartetts Kneebody (2019, Amazon.de), ist ein Werk, das voll ist mit sol­chen Momenten; seien’s die gesun­ge­nen Skeleton$-Erinnerungen („What’s My Name“, gesun­gen von Michael Mayo), sei’s der gelun­ge­ne Instrumentaljazz. Selbst gefühl­vol­le Lieder („Wounds Let in the Light“) kom­men ohne Schmalz aus dem Kopfhörer. Das kann man nicht von allen zeit­ge­nös­si­schen Gruppen behaupten.

Wounds Let in the Light

Schönes Album eigentlich.

In den Nachrichten
Prost Neulärm

In der Geschichte des Sprengstoffs hat das Feuerwerk zu allen Zeiten eine beson­de­re Bedeutung gehabt, mal reli­gi­ös, mal reprä­sen­ta­tiv. Man wol­le böse Geister mit Lärm und Licht ver­trei­ben, behaup­te­te man, aber nach­weis­lich hat das eher mäßig gut geklappt.

Die Deutschen, ein­mal im Jahr plötz­lich gar nicht mehr so west­lich, son­dern öst­lich ori­en­tiert, emp­fan­den der­lei Folklore schon immer habens­wert, denn die eige­ne Kultur gibt nur wenig Historisches her, mit dem man den Mitmenschen mal so rich­tig auf die Nüsse gehen könn­te. Weil die­ses Jahr aber alles anders ist, fällt das gewohn­te Abbrennen hell leuch­ten­der und pfei­fen­der und/oder knat­tern­der Raketen aus­nahms­wei­se aus.

Die Stadt Münster, als welt­li­che Institution erwar­tungs­ge­mäß reli­gi­ös ori­en­tiert, hat sich einen wit­zi­gen Ersatz ausgedacht:

Um Mitternacht sol­len an Silvester die Glocken der Kirchen läu­ten. 20 Minuten lang wird auf die­se Weise statt Feuerwerk der Jahreswechsel gefei­ert. Dadurch soll den Bürgern „ein Zeichen der Kraft, Zuversicht und des Zusammenhalts“ gesen­det wer­den, wie die Verantwortlichen berichten.

Die Konnotation, dass Bürger ohne minu­ten­lan­gen Krach kei­ne Kraft, kei­ne Zuversicht und kei­nen Zusammenhalt erfah­ren dür­fen, ist hier­bei auch bemer­kens­wert. Hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem lau­te Geräusche nun nicht gera­de für Kraft und Zuversicht (wenn auch viel­leicht für Zusammenhalt) stan­den, schon jemals irgend­je­mand selbst als stär­ker, hoff­nungs­vol­ler und/oder zusam­men­hal­ti­ger emp­fun­den, wenn er aus Glockengründen sein eige­nes Wort kaum mehr verstand?

Dass Glockenläuten ein unzu­rei­chen­der Ersatz für Feuerwerk ist, ver­steht sich aller­dings von selbst, denn bun­tes Licht und Pfeifen und/oder Knattern blei­ben hier aus. Konsequent wäre es, die Kirchen statt­des­sen in Brand zu stecken. Die Chance aber wur­de vertan.

Wie bedau­er­lich.

NerdkramsNetzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Dark Süddeutsche

„Süddeutsche Zeitung“ (will nicht direkt ver­linkt wer­den, LSR):

Wenn Webseiten Bestätigungsdialoge ein­blen­den, sind die meist schwer ver­ständ­lich bis mani­pu­la­tiv: Wollen Sie alle Cookies akzep­tie­ren? Dann klicken Sie bit­te auf die­sen rie­si­gen blau­en Knopf. Sie haben etwas dage­gen? Na gut, hier sind 27 Haken, die Sie ein­zeln abwäh­len kön­nen. Solche soge­nann­ten Dark Patterns sol­len Menschen dazu brin­gen, Dingen zuzu­stim­men, die sie gar nicht wollen.

Auch „Süddeutsche Zeitung“:

„Wir verwenden Cookies“: „Akzeptieren“.

Aber immer­hin: Keine 27 Haken.

Sondern null.

In den NachrichtenMontagsmusik
Conrad Schnitzler - Die Rebellen haben sich in den Bergen ver­steckt // McDonaldi

Nur noch eine Woche... nur noch eine...Es ist Montag. Beim vir­tu­el­len Treffen der LED-Gucker („rC3“) geht nicht nur die vir­tu­el­le Treffsoftware nicht rich­tig, man kommt über­dies auch nur mit Googlecookie rein. Wenn das ein „Hackerkongress“ sein soll, ist Kurt Beck ein Pandabär. (Nichts gegen Pandabären hier!)

Die App der ARD-„Mediathek“ möch­te gern alle Links öff­nen. Das pas­siert, wenn man denen kei­ne wei­te­ren 86 Cent gewährt: Die Programmierung wird schlecht. Schnell: Rundfunkbeitrag ver­dop­peln! Das „Traumschiff“ braucht ja auch noch ab und zu mal Wartung. Lange gewar­tet (ver­stehn­se: Wartung - Warten) hat man auch in Pompeii, wo neu­lich ein anti­kes Fast-Food-Restaurant gefun­den wur­de. Berichte, dass dort ver­sucht wur­de, sei­nen „Hahn am Stock“ (ebd.) mit Fäkalnachweisen aus dem Klo neben­an zu bezah­len, erwei­sen sich aller­dings noch als unbelegt.

Bei einer grö­ße­ren Zeitungsverlagsgruppe hat man neu­lich einen Virus rein­ge­tra­gen; einen frem­den, wie es aus­drück­lich heißt. Das beru­higt mich ein biss­chen. Nicht aus­zu­den­ken, wenn die­se Heuschrecken jetzt auch noch einen eige­nen Computervirus hätten!

Apropos Virus: „Ärzte“ raten neu­er­dings davon ab, die von ihnen aus­ge­stell­ten Atteste für Maskenunverträglichkeit zu nut­zen. Die waren doch eher als Scherzartikel gedacht - genau wie die ärzt­li­che Approbation dem­nächst, ist anzunehmen.

Eh viel gesün­der: Musik.

Conrad Schnitzler - Die Rebellen haben sich in den Bergen versteckt

Guten Morgen.

Politik
Doomscrollgedanken

In Neuseeland ist das Wort des Jahres 2020 „Doomscrolling“ gewor­den, also das unab­läs­si­ge Konsumieren schlech­ter Nachrichten für zuse­hends schlech­te­re Laune. Plattformen wie Twitter sind dafür prä­de­sti­niert, denn für schlech­te Laune gibt es Zustimmung und Beifall.

Für das drin­gen­de Bedürfnis, das Jahr 2020 mal so rich­tig zu belei­di­gen, gibt es zur­zeit fast 10.000 Herzchen, wäh­rend mein Gegenvorschlag, das Jahr 2020 statt mit „Schrei nach Liebe“ mit einer ordent­li­chen Portion Death Metal zu been­den, damit es nicht belei­digt, son­dern taub wird, allen­falls für mit­lei­di­ges Schmunzeln sorg­te. Andererseits leben wir in einer Zeit, in der unter der Überschrift „Die Nachrichten“ Ergebnisse aus dem Glücksspiel vor­ge­tra­gen werden.

Selbst die­se Website hier zu lesen depri­miert - manch­mal sogar mich. Ich woll­te neu­lich mal wie­der was über Musik schrei­ben, dann ist mir auf­ge­fal­len, dass ich das gemein­te Musikalbum schon letz­tes Jahr hin­rei­chend beju­belt habe. Mich selbst zu wie­der­ho­len war noch nie mein Anliegen. Das habe ich ande­ren Insinternetschreibern vor­aus, deren Beiträge sich in ermü­den­der Regelmäßigkeit ver­meint­lich iro­nisch selbst­re­fe­ren­zi­ell auf unzäh­li­ge Male Gelesenes stüt­zen. Es gibt im Web (das die­ser Tage 30 Jahre alt gewor­den ist und somit ein Jubiläum der struk­tu­rel­len Langeweile fei­ern las­sen durf­te) wenig, was weni­ger reizt als die Verlautbarungen von Menschen, die nie­mals einen neu­en Gedanken äußern.

Das funk­tio­niert in Coronazeiten (Impfen! Maske auf! Abstand! Impfen! Maske auf! Abst-argh!) nicht anders als sonst, es fällt viel­leicht nur mehr auf, weil die Themendichte schein­bar abge­nom­men hat. Selbst Burying - das Treffen kon­tro­ver­ser poli­ti­scher Entscheidungen, so lan­ge die Welt woan­ders hin­guckt - klappt die­ses Jahr nicht schlech­ter als sonst, nur wegen des Virus statt wegen einer Fußballmeisterschaft. Heute schon Nachrichten gele­sen? Ja? Warum?

Eine Gesellschaft, deren größ­te Sorge es ist, am kom­men­den Donnerstag viel­leicht auf die gewohn­te Sprengstoffdetonation ver­zich­ten zu müs­sen (das muss auch die­se christ­lich-chi­ne­si­sche Tradition des Abendlandes sein), ist mit dem Jahreswortsieger Doomscrolling ver­mut­lich noch harm­los beschrie­ben. Die als poli­tik­be­zo­ge­ne Apathie beschö­nig­te Angst vor eige­nen Entscheidungen sorgt nicht für eine Aufrechterhaltung der Werte der Aufklärung. Die da oben tun Ungewünschtes, aber man ist ja nur hier unten. Im Kontext der lau­fen­den Krise mah­nen die da oben nun ver­stärkt zur Eigenverantwortung, was hier unten als Beleidigung ver­stan­den wird. Man kann doch nicht ver­lan­gen, dass Mitmensch Gartensprengmeister selbst ent­schei­det, was rich­tig ist. Der macht dann nur Unfug.

Es gärt etwas und das macht mich unru­hig. Zum Glück habe ich einen Twitteraccount. Ich scrol­le ein­fach ein paar Stunden. Alles wird gut.

Sonstiges
Weihnachtswunsch: Kalenderrücksicht.

Wenn man schon unbe­dingt statt der reli­gi­ons­über­grei­fen­den und wenig­stens irgend­wie sinn­voll begründ­ba­ren Wintersonnenwendfeier (21. Dezember) das­je­ni­ge Fest fei­ern möch­te, des­sen Riten das Umbringen eines Baums beinhal­ten, weil man das halt so mache, und sich dabei womög­lich auch noch dar­auf beruft, dass die Tradition das ver­lan­ge, dann soll­te man wenig­stens so tra­di­ti­ons­fest sein, den Vorabend der Weihnacht (24. Dezember), die Weihnacht (25. Dezember) und den Stephanstag (26. Dezember) von­ein­an­der unter­schei­den zu können.

Am mei­sten freue ich mich ja auf die weni­gen Stunden zwi­schen dem 26. und dem 28. Dezember, in denen an die Stelle von „frohs­fest!“ und „frohs­neus!“ ein ange­neh­mes „wie­der­sehn!“ tritt.

Nerdkrams
Kekse, Blinken und dump­fe Beats: Vier Tage vorm #rC3.

Dieser Artikel ist Teil 14 von 14 der Serie Congresskrise(n)

Die Blogbeiträge wer­den zuse­hends schwe­rer ver­ständ­lich, wenn man den Fehler macht und die deutsch­spra­chi­ge Version für deutsch­spra­chig hält. Das kann nur eins bedeu­ten: Der „Congress“ ist nahe!

Laut Fahrplan geht es bei der cha­os expe­ri­ence auch in die­sem Jahr um das, was die Zielgruppe (Menschen, die Lötanleitungen mit vie­len LEDs befol­gen, was mit Hacken unge­fähr so viel zu tun hat wie einen IKEA-Schrank wie emp­foh­len zusam­men­zu­set­zen) wirk­lich inter­es­siert, näm­lich Technik, Quatsch, Kekse und Blinken und dump­fe Beats, nein, Huren und haupt­be­ruf­li­ches Pornogucken - so stimmt’s. Was man halt so macht als Hacker. Rundmails sind zu anstren­gend, Variablen in E-Mails zu erset­zen ist Zauberei. Da kom­men ja nicht mal bun­te Blinklichter drin vor.

Während ich dies schrei­be, erhal­te ich die Information, dass der „Hackerclub“ gera­de aus­läuft, also leakt. Mich über­rascht nichts mehr. Hätten die halt wen gefragt, der sich mit die­sem Technikkram auskennt.

CCC-Leaks

Zehn Minuten nach der ver­meint­li­chen Abschlussveranstaltung endet eine Veranstaltung namens „Die Suche nach dem Alten Weißen Mann“, was iro­nisch wirkt, wenn man über die Geschichte des Hackens und ihre her­aus­ra­gen­den Heroen nach­denkt, aber Selbstironie kön­nen sie ja auch fast nicht mehr.

Schon wie­der sind im Fahrplan trotz wie­der­hol­ten Ohrenblutens mei­ner­seits meh­re­re eng­lisch­spra­chi­ge Vorträge von Menschen zu fin­den, weil ihnen irgend­wer nicht davon erzählt hat, dass es zur Übersetzung von Vorträgen ein gan­zes Übersetzungsteam geben soll. Andererseits habe ich das Verstehenwollen schon vor Jahren auf­ge­ge­ben. Ich las­se es ein­fach auf mich ein­pras­seln. Ich ver­mu­te, das ist irgend­ei­ne Schutzmaßnahme. Sie hilft.

Ich wünsch­te, ich emp­fän­de den „Congress“ nicht als eine so trau­ri­ge Veranstaltung. Ich wünsch­te, er wäre mir egal.

NerdkramsNetzfundstücke
Berlin@GMX.de

Die Digitalisierung so:

Wir bit­ten für die Antragstellung auf eine stan­dar­di­sier­te E-Mail-Adresse bekann­ter Anbieter (z.B. web.de, gmx.de etc.) zurück­zu­grei­fen. Andernfalls wird die ine­ter­net­ba­sier­te (sic! A.d.V.) Antragstellung scheitern.

Kann ich die­sen elek­tro­ni­schen Behördengang noch mal sehen?