Heute in einer Woche „wählt“ das Volk sich schon wieder irgendeinen Unsinn zusammen, weil es sich von den Antworten der Parteien im „Wahl-O-Maten“, im „WahlSwiper“ oder sonstigen wohlfeilen Lügen derer, deren Geschäft die Selbstvermietung ist, blenden ließ. Ich frage mich, wie viele SPD-Regierungen ein durchschnittlicher Wähler erleben muss, bevor er den Unterschied zwischen Wahlprogramm und Politik begreift.
Messermorde seien ein wichtiges Thema im Wahlkampf, verkünden „die rechten Parteien“, beschränken sich aber auf Pfeifenforderungen wie Vorratsdatenspeicherung (die nichts verhindert), Kameraüberwachung (die keine neuen Erkenntnisse bringt) und Messerverbotszonen. In Magdeburg und München wurden vor nicht allzu langer Zeit Menschen aber nicht gemessert, sondern totgefahren, mithin mit steigender Frequenz nicht etwa das Apfelmesser, sondern das Automobil zur Terrorwaffe erkoren. Warum darf ich an manchen Orten in der Stadt kein zu großes Taschenmesser mit mir führen, aber ein Auto?
Rettet Symbolpolitik womöglich gar kein Leben, sondern ist nichts als Blenderei?
Nein, widersprechen da „die linken Parteien“ (es gibt bekanntlich nur drei politische Lager: „links“, „rechts“ und Wikinger), das wichtigste Thema sei das Klima, denn wenn wir alle in wenigen Jahren Hitze, Dürre und Flutwellen haben (man sollte ja meinen, dass die Kombination aus Dürre und Flut beides irgendwie aufhebt, aber gehen wir mal freundlich von Abwechslung aus), dann werde das die einzige Sorge sein, die noch relevant sei. Die kommenden Generationen (als sei es dringend notwendig, dass von den Lebewesen auf der Erde ausgerechnet der Mensch noch ein paar Jahrhunderte lang nicht ausstirbt) seien wichtiger als das Hier und Jetzt. Ich bin davon überzeugt, dass sich auf diese Weise die Arbeits- und Obdachlosen, denen fortwährend Verhungern, Verdursten und/oder Erfrieren droht, davon überzeugen lassen, sie zu wählen, denn sonst wäre es ja außerordentlich ungeschickt von „den linken Parteien“, diejenigen, die ihre angestammte Zielgruppe sind, für nicht so wichtig zu erklären.
Die Angst vor Krieg ist im Wahlkampf jenseits von MLPD (die DKP macht diesmal wohl freiwillig nicht mit) und BSW nur noch dergestalt wahrzunehmen, dass es einigen Parteien gar nicht schnell genug gehen kann, das deutsche Wesen an den Grenzen Russlands und darüber hinaus zu verteidigen. Das lässt sich leicht fordern, wenn man es nicht selbst ist, der dort schießen müsste. Ich schreibe es nicht gern, aber um so dringlicher: Wer nach 1945 immer noch der Meinung ist, dass das, wofür Deutschland trotz der wirtschaftlichen Situation seiner Bürger jetzt am allerdringendsten mehr Geld ausgeben muss, ausgerechnet Mordwerkzeug ist, der ist, und das schreibe ich so höflich wie es mir gerade noch eben möglich ist, eine dumme Pottsau.
Gestern befand ich mich auf einer Veranstaltung „für die Demokratie“, in deren Rahmen eine Dame energisch von der Bühne herabsprach, man solle die Meinungsfreiheit „der Guten“ gegen „die Bösen“ mit Wort und Tat verteidigen. Damit schloss sie sich den übrigen Wortbeiträgen des Abends an, deren Konsens war, dass Demokratie nur ist, was nicht AfD ist. Man stehe hier auf der Bühne für „das ganze Volk“ zum Schutze der Demokratie, doch sei das gemeinte Volk nur derjenige Teil, der nicht blöd wählt. Das Publikum klatschte und johlte, denn die AfD war nicht eingeladen. Es ist immer so leicht, Dinge einzufordern, die sowieso schon jeder macht, der es hört. Politische Diskussionen sind so schön friedlich, wenn niemand mit einer Gegenthese stört. – Man solle dringend wählen gehen, wurde des Weiteren berichtet, als wäre eine Wahl in einem System, das nicht zuletzt am Parteiwesen krankt, die revolutionärste Lösung. Es ist nicht das Was. Es ist das Wie. Und sie verstehen es nicht.
Ich gebe auch in diesem Jahr keine Wahlempfehlung ab, weil ich von Menschen, die so etwas tun, jedes Mal das dringende Bedürfnis bekomme, mich gründlich zu waschen, und wenn man das zu oft macht, kriegt man Probleme mit der Haut oder so. Ich gebe nur zu bedenken: Wenn man sich selbst nur die Wahl zwischen den Übeln lässt und sich dann für „das kleinste Übel“ entscheidet, dann bekommt man hinterher keine bessere Welt.
Sondern eine üble.

Guter Text. War gestern auch auf einer Demo gegen eine AfD-Kundgebung. Die meisten Demonstrierenden standen am Absperrgitter und skandierte alle möglichen Antifa-Parolen – „Alerta.….!“. Im toten Winkel, ca. 100 m Luftlinie davon hatten die „Omas gegen Rechts“ einen eigenen Stand aufgebaut um sich nicht mit den Protestierenden identifizieren zu müssen. Dort wurde ein großes Happening gefeiert. Motto: „Wir feiern Demokratie!“. Es wurde meistens gesungen, nachdem die Texte (auch deutsche Schlager) an das Publikum der Perückenschafe verteilt waren. Meine Aufforderung, sich doch bitte in die DemonstrantInnen an der Absperrung einzureihen und ebenfalls laut zu protestieren, wurde mit der Aufforderung quittiert, ich möge doch dorthin zurückgehen und verschwinden. In einer Mischung aus fehlenden analytischen Fähigkeiten, einer gewissen Denkträgheit und gutmenschlicher Naivität sind sie klassische Mitläuferinnen, staatstragend und systemstabilisierend, die dann, wenn’s dann schief gelaufen sein wird, das alles „so“ nicht gewollt hatten. Biederfrauen eben, eigentlich liebenswert, aber tatsächlich intellektuell überfordert. Lasst sie singen und lasst uns sie nicht überbewerten.
„Dumme Pottsau“ find ich nun doch ein bisschen zu unhöflich und gruppenbezogen schweinefeindlich noch dazu, Schweine sind nämlich sehr kluge Tiere. Ein simples „Schwachkopf“ hätte es auch getan, oder?
PS.
Meine Wahlempfehlung für kommenden Sonntag: „Lillifee statt AfD!“ (Hab ich jüngst auf einem selbstgemalten Plakat auf einer Kundgebung gegen Steuerbord gelesen.) Wem die Prinzessin Lillifee zu alert bzw. zu aktionistisch bzw. zu toxisch-weiblich ist, der kann seine Stimme auch dem Schweinchen Pupsi geben, denn das hat ein Schwänzchen und liebt Ruhe und Gemütlichkeit.
Das haste wieder schön geschrieben, musste so lachen!
„Haha, alles ist im Arsch, LOL.“
„Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“
Das freut mich. Wie immer gern geschehn!
Ich will keine Partei wählen, aber auch kein Nichtwähler sein. So, und nun?
Revolution.
Als ich das letzte Mal gewählt habe, waren das „Die Unregierbaren – autonome Liste“!. Später mal die APPD. Leider stehen die heute nicht mehr auf der Speisekarte.