In den Nachrichten
Der mas­ken­lo­se Prophet gilt nichts im eige­nen Land.

Bundesregierung:

Die Bundesregierung hat die Missachtung von Hygieneregeln bei der Demonstration gegen Corona-Auflagen am Wochenende in Berlin scharf kri­ti­siert. „Die Bilder, die wir da am Wochenende sehen muss­ten, sind inak­zep­ta­bel“, sag­te die stell­ver­tre­ten­de Regierungssprecherin Ulrike Demmer. (…) [Es sei] nicht hin­nehm­bar, dass Demonstrierende sich ihrer Verantwortung gegen­über ande­ren, mög­li­cher­wei­se Schwächeren in der Gesellschaft, nicht bewusst sind oder die­se bewusst igno­rie­ren und deren Gesundheit und Leben riskieren.

Weißrussland:

Keine Masken in Weißrussland

Bundesregierung:

Die Bilder von den fried­li­chen Demonstrationen in Belarus haben uns alle in den letz­ten Tagen sehr bewegt. Der Mut der­je­ni­gen, die fried­lich demon­striert haben, hat uns beeindruckt.

Ja, wie denn nun: Inhalt oder Form?

Sprechen die sich eigent­lich auch mal ab?

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Ditz - 5 Songs (EP)

Ditz - 5 SongsLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Ditz ist eine fünf­köp­fi­ge und zehn­händ­ri­ge Postpunkband aus Brighton, deren Name unge­fähr ein dum­mes Mädchen vom Dorf bezeich­net, was eigent­lich gar nicht so gut passt.

Auf ihrer im Juli erschie­ne­nen EP „5 Songs“ (Amazon.de, Bandcamp.com) sind … nun ja, fünf Lieder von jeweils unter drei Minuten Spielzeit ent­hal­ten, dar­un­ter außer einer gelun­ge­nen Coverversion von Peaches‘ „Fuck the Pain Away“, das noch wit­zi­ger ist, wenn es (wie hier) ein Mann singt, anschei­nend aus­schließ­lich Eigenkompositionen.

Die kur­ze Spielzeit wis­sen sie indes wei­se zu nut­zen, indem sie sich nicht lan­ge mit Spannungsaufbau auf­hal­ten; dem Freund von Punkgewittern sagt’s zu. Mir zum Beispiel.

Nicht der schlech­te­ste Zeitvertreib des Jahres.

In den Nachrichten
Danke, Corona!

Bitte kein Impfstoff vor 2050:

Muss die näch­ste Karnevalssaison wegen Corona kom­plett aus­fal­len? Mit ent­spre­chen­den Aussagen wird Gesundheitsminister Spahn seit Dienstag zitiert.

Hätte ich das geahnt, hät­te ich schon viel frü­her eine Fledermaus gegessen.


Der selt­sa­me Wunsch der Politik nach mehr Akademikern trägt Früchte:

Ein Stipendium der Hamburger Hochschule für bil­den­de Künste (HFBK) will das Nichtstun beloh­nen. Als eine Art künst­le­ri­sche Intervention gedacht, sol­len drei Menschen je 1600 Euro bekom­men und dafür … nichts tun.

Mögliche Pointen zum Selberankreuzen:

  • Haha, Politikerstipendium quasi.
  • Haha, Beamtenstipendium quasi.
  • Haha, BGE-Stipendium quasi.
  • Seit wann ist Hamburg in Berlin?

NerdkramsNetzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Fremde Firmen im eige­nen Haus

„Übermedien“ fragt:

Warum wol­len Online-Medien so drin­gend Dutzende Cookies von frem­den Firmen auf unse­ren Geräten speichern?

Der im Tweet ver­link­te, gera­de mal ohne Bezahlschranke ver­füg­ba­re Artikel beginnt so:

Die deut­sche Verlagsbranche hat sich Jahre auf einer schlam­pi­gen Gesetzgebung aus­ge­ruht: Auch ohne kon­kre­te Einwilligung der Nutzer hat sie die Werbebranche Daten sam­meln und aus­wer­ten las­sen. Nun macht ein Gerichtsurteil dem ein Ende.

Auch rich­tig ist die­se Feststellung:

Es reicht nicht mehr abzu­war­ten, ob eine Nutzerin oder ein Nutzer sich selbst küm­mert, und bis dahin ein­fach Cookies zu setzen[.]

Inzwischen steht bei „Übermedien“ in der Datenschutzerklärung allerdings:

Wir ver­wen­den Dienste der Fa. Steady Media UG (haf­tungs­be­schränkt), Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin. (…) Hierfür setzt Steady Cookies auf unse­rer Website ein.

Und:

Wir set­zen „Session-Cookies“ der VG Wort, München, zur Messung von Zugriffen auf Texten ein, um die Kopierwahrscheinlichkeit zu erfassen.

Und:

Wir benut­zen Google Analytics, einen Webanalysedienst der Google Inc. („Google“). (…) Google Analytics ver­wen­det sog. „Cookies“, Textdateien, die auf Ihrem Computer gespei­chert wer­den und die eine Analyse ermög­licht, wie Sie unse­re Webseite nut­zen. (…) Durch die Nutzung die­ser Website erklä­ren Sie sich mit der Bearbeitung der über Sie erho­be­nen Daten durch Google in der zuvor beschrie­be­nen Art und Weise und zu dem zuvor benann­ten Zweck einverstanden.

Warum will „Übermedien“ so drin­gend Dutzende meh­re­re Cookies von frem­den Firmen auf unse­ren Geräten speichern?

An den Finanzen mag’s nicht lie­gen:

Finanziert wird Übermedien von inzwi­schen rund 4.000 Abonnentinnen und Abonnenten.

Aber:

Das Vertrauen in Medien ist stark gesunken.

Woran indes das jetzt wie­der liegt, möge „Übermedien“ in sei­nen Analytics ergooglen.

In den Nachrichten
Beruflich sit­ze ich ger­ne her­um (2): Kleben fürs Klima.

Manchmal erüb­rigt sich jeder zusätz­li­che Kommentar:

Sie besetz­ten Abflughallen und woll­ten sich mit Sekundenkleber am Rollfeld fixie­ren: Aktivisten der Klimaschutzbewegung „Extinction Rebellion“ haben an vier Flughäfen gegen inner­deut­sche Flüge demon­striert. (…) Drei Aktivisten hat­ten den Angaben zufol­ge Flugtickets für einen Flug nach München.

Aber ein Bild könn­te noch passen.

In den NachrichtenMontagsmusik
Twinkranes - Double Negative (live) // Positive Kraft ohne Glücksbärchis

Erst mal ein NickerchenEs ist Montag. Laut ver­schie­de­nen Quellen haben wir über­ra­schen­der­wei­se wochen­lang son­ni­ges Wetter im August. Man könn­te fast mei­nen, das wäre eine eige­ne Jahreszeit. Andererseits: Pandabären woh­nen nor­ma­ler­wei­se in sub­tro­pi­schen Gebieten. Es gibt noch Hoffnung für eine Siedlung in einem Teil Deutschlands.

Mozilla hat 2018 für Entwickler nur unge­fähr dop­pelt so viel wie für Vorstände aus­ge­ge­ben. Da jetzt vie­le Entwickler gehen muss­ten, ist wenig­stens noch genug Geld für das Firmenflugzeug da. Im Namen des frei­en Internets, neh­me ich an. Eher welt­lich wird die Freiheit der­weil im Ausweis pene­triert, indem EU-Bürger - tol­le Sache, die­se EU, ver­ste­he gar nicht, wie­so da so vie­le Leute lie­ber raus­wol­len - ab 2021 gefäl­ligst ihre Fingerabdrücke in sel­bi­gem hin­ter­las­sen müs­sen. Falls sie mal kri­mi­nell wer­den soll­ten. Werden ja die mei­sten, sonst wäre das ja höchst unangemessen.

Irgendeine Zeitung nennt die Ernennung von Olaf Scholz zum Kanzlerkandidaten durch eine Parteielite ein Zeichen für „die posi­ti­ve Kraft von Wahlen“, ver­gisst aber zu erwäh­nen, dass eine Wahl wahr­schein­lich ein ganz ande­res Ergebnis zuta­ge geför­dert hätte.

Stets mit posi­ti­ver Kraft ver­se­hen: Musik (gut).

Twinkranes - Double Negative - The Parlour

Guten Morgen.

Nerdkrams
beAchtlich unsi­cher

Ich wur­de gebe­ten, ein paar Worte zum Abschlussgutachten zur Sicherheit des immer­hin über 30 Millionen Euro teu­ren „beson­de­ren elek­tro­ni­schen Anwaltspostfachs“ zu ver­lie­ren. Das System sei anschei­nend erschreckend lückenhaft. 

Beim Lesen des Gutachtens war mir auf­ge­fal­len, dass die mei­sten Sicherheitsprobleme aber bereits als beho­ben gel­ten. Daher möch­te ich das Augenmerk auf die­sen Abschnitt auf Seite 28 und 29 lenken: 

Durch die Webanwendung wer­den JavaScript-Bibliotheken von Drittanbietern ein­ge­setzt. Es wur­den ver­al­te­te Bibliotheken iden­ti­fi­ziert, die gegen­über bekann­ten Schwächen ver­wund­bar sind. (…) Laut Aussage des Dienstleisters kommt die Version der Bibliothek mit der ver­wen­de­ten Version des Frameworks „Primefaces“ und wird nach erfolg­ter Betriebsübernahme aktualisiert. 

Da inve­stiert man also meh­re­re Millionen Euro in die Entwicklung von Software und dann besteht die Entwicklung dar­in, dass ein Dienstleister Frameworks aus ande­ren Frameworks zusam­men­schraubt; mit­hin nicht viel mehr tut als frem­den Code zu einem neu­en Paket zu schnü­ren und die Inhalte im Bestfall nie mehr anzu­rüh­ren. „Da kann ICH doch nichts für, dass die Komponente das halt so macht!1!! Für mehr hat­ten wir kei­ne Zeit (oder: kein Budget)!1!!“

Ich wünsch­te, aus Fehlern ande­rer Leute wür­de man gera­de in der EDV irgend­wann lernen. 

In den NachrichtenPolitik
Weißbelarussische Sanktionen aus dem Suebenland

Der Berichterstattung der letz­ten Tage - irgend­was ist wohl in Weißrussl… Belar… naja, im Osten pas­siert - ist zu ent­neh­men, dass in den neben poli­ti­schen auch demo­gra­fi­sche Aspekte dis­ku­tiert wer­den. Von Weißrussland zu spre­chen tue den Einheimischen Unrecht, kol­por­tiert das ZDF:

„Spricht man von ‚Weißrussland‘, klingt das immer noch so, als wäre das Land irgend­wie ein Teil von Russland.“ Das sei für vie­le Belarusen pro­ble­ma­tisch, die sich nie auf Identitätsfindung hät­ten bege­ben können[.]

Dass es inso­fern viel­leicht auch kei­ne gute Idee ist, von Deutschland als Germany oder - noch schlim­mer - Alemania zu spre­chen, als wären die Deutschen gleich­zu­set­zen mit „den Germanen“ (mit wel­chen?) oder gar die momen­ta­ne Inkarnation der Alamannen, ist immer­hin ein Problem, das nur fremd­spra­chi­ge Medien hät­ten, wür­de es sie über­haupt interessieren.

Die EU brin­ge „Sanktionen“ auf den Weg, schrieb der „Tagesspiegel“ in einer erst etwas unent­schlos­sen über­schrie­be­nen, spä­ter aber ver­ein­heit­lich­ten Meldung:

Belarussland

Die „Sanktionen“ wür­den gegen „Unterstützer des Staatschefs“ ver­hängt, heißt es dort; immer­hin mal kei­ne „Milizen“, und auch von einem „Machthaber“ ist noch nicht die Rede. Die Wahlverliererin wird als „die eigent­li­che Siegerin“ ange­se­hen, was allein an Umfragen auf der Straße liegt, denn Wahlbeobachtung fand nicht statt. Demokratische Wahlen sei­en in der EU ein hohes Gut, tei­len Medien aus einem EU-Land uni­so­no mit, das weder das Staats- noch das Parlaments- noch das Regierungsoberhaupt direkt vom Volk wäh­len lässt.

Es gehen Videos her­um, auf denen unmas­kier­te „Protestanten“ („Focus“) - jetzt also auch noch die Kirche! - wei… bel… ost­eu­ro­päi­sche Polizisten umar­men. Corona wäre zu langweilig.

Ist nicht end­lich mal wie­der Fußball?

In den NachrichtenNerdkrams
Die Welt vom Sofa aus ver­än­dern (3): Apple zur Besinnung hashtaggen

Den schon jetzt trau­rig­sten Satz des Jahres, der die digi­ta­le Gesellschaft des noch jun­gen 21. Jahrhunderts tref­fen­der zusam­men­fasst als jede mir bis­her unter­ge­kom­me­ne Äußerung zeit­ge­nös­si­scher Philosophen, kön­nen Interessierte momen­tan bei „ComputerBase“ lesen:

Abseits des Rechtsweges ruft der Entwickler Fortnite-Spieler unter dem Hashtag „FreeFortnite“ offen­siv zur Rebellion auf[.]

Noch etwas genau­er, aber weni­ger thea­tra­lisch erklärt „GamesWirtschaft“, was gemeint ist:

Die Spieler wer­den auf­ge­for­dert, sich via Hashtag #Freefortnite auf Epics Seite zu schlagen.

Der Hintergrund sei, dass ein Spielehersteller absicht­lich gegen die Hausregeln eines bekann­ten Downloadanbieters ver­sto­ßen hat­te und die­ser ihn dar­auf­hin raus­warf.

Ich bin jeden­falls davon über­zeugt, dass das zahl­rei­che Hashtaggen die Hausregeln nach­träg­lich anpas­sen las­sen wird. Sonst wäre das doch total dämlich.

Nerdkrams
Chromefox‘ Kampf gegen die Sicherheit geht weiter

Wie kommt es eigent­lich, dass immer mehr Menschen auf irgend­wel­che schä­bi­gen Phishingseiten rein­fal­len? Nun, viel­leicht hilft die neue­ste Änderung aus dem Hause derer, die den Namen Mozillas fast ärger beschmutzt haben als Linux den von Unix, beim Verständnis:

Die Neuauflage von Firefox für Android ist zwar als sta­bi­le Version ver­füg­bar, es feh­len jedoch noch Funktionen. Zudem zeigt der Browser Teile der URL nicht mehr an.

Klar: Wer eine Alternative zum Marktführer von Google eta­blie­ren will, der muss die­se Alternative exakt nach­bau­en. Sonst will sie ja kei­ner haben.

Auch ande­re Browser gehen so vor, etwa Chrome und Chromium-basier­te Browser. (…) Googles Argument ist, dass die mei­sten Nutzer sich nicht mit der Subdomain befas­sen wür­den und kom­plet­te URLs zu lang und kom­pli­ziert seien.

Hoffentlich erfin­det bald jemand eine Lesezeichenleiste.

Was genau war noch mal der gro­ße Vorteil von Firefox?


Nachtrag vom 12. August 2020: Wie man anders­wo lesen kann, hat sich das Problem bald von selbst erle­digt - das Unternehmen Mozilla, für das „der Mensch bei allem, was wir sagen, ent­wickeln und tun, über dem Profit“ ste­he (gele­sen auf mozilla.org), schmeißt gan­ze Abteilungen raus, weil zu wenig Profit rein­kommt. Viel bes­ser als Google, man las­se sich da nichts einreden.

In den NachrichtenPolitik
Wumms ist auch ein Aufprallgeräusch.

Olaf Scholz (wer?), Juni 2016, „WELT am Sonntag“:

Der stell­ver­tre­ten­de SPD-Vorsitzende Olaf Scholz sieht das Potenzial sei­ner Partei bei der Bundestagswahl 2017 bei über 30 Prozent und damit erheb­lich über den Werten in aktu­el­len Umfragen.

Olaf Scholz (bekannt für sei­nen Knall), August 2020, Pressekonferenz:

„Wir trau­en uns zu, dass wir deut­lich über 20 Prozent abschneiden[.]“

Da geht noch was!

MontagsmusikNetzfundstücke
Farin Urlaub Racing Team - Zu heiß // Wanzen wan­zen überraschend.

Zu warm für einen AlternativtextEs ist Montag. Die Zeit der nied­ri­gen Mehrwertsteuer wird, wie man die­ser tage erfährt, end­lich sinn­voll genutzt: Fußballchöre wer­den pro­fes­sio­nell pro­du­ziert, weil Stadien gera­de eher lei­se sind. Ich befür­wor­te es ja, dass man den lästi­gen Fußball zum künst­li­chen Gegröle gleich ganz weg­lässt. Das dann frei wer­den­de Geld könn­te man sinn­voll in (zum Beispiel) Pandabären investieren.

Nur min­der gut war bis­her eine Investition in Googles smar­te Lautsprecher, die sich dadurch aus­zeich­nen, dass ihre wesent­li­che neue Funktion eben nicht die der Wiedergabe, son­dern die des Aufnehmens ist. Völlig über­ra­schend hat sich näm­lich her­aus­ge­stellt, dass die­se auch dann den Umgebungston auf­neh­men, wenn sie nicht per Spracheingabe dar­um gebe­ten wer­den. Zum Glück hat nie­mand etwas, das in sei­nem Wohnzimmer vor sich geht, zu ver­ber­gen. Sonst wäre es doch total däm­lich, sei­ne eige­nen vier (oder mehr) Wände mit so einem Gerät auszustatten.

Auch woan­ders ist man nicht klug: Bei Doppelzüngigkeit ertappt? Kein Problem, die Kritiker sind eh alle rechts. (Kontext.) Das Schöne an sol­chen Bewegungen ist ja, dass man ihnen bequem zurück­ge­lehnt beim Zerfall zugucken kann. Implosion durch rei­nes Rechthaben. Man soll­te mei­nen, der Effekt nutzt sich irgend­wann ab, aber er ent­lockt mir immer noch ein lei­ses Schmunzeln.

Zu mehr reicht das Wetter heu­te aber auch nicht. Naja, zu Musik vielleicht.

Farin Urlaub - Zu Heiss Offizielles Musikvideo - LIVE

Guten Morgen.