Netzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Kein Stern weiter!

An die­sem Titelbild der ehe­ma­li­gen Hitlerzeitung stört mich tat­säch­lich der auf­ge­druck­te hash­tag - jedes Mal, wenn ein Möchtegern ver­sucht, einen hash­tag, der in sonst beschränk­ten Onlinemedien wie Twitter als Kategorisierung dient und anders­wo nichts tut außer den Verursacher als einen Vollidioten zu iden­ti­fi­zie­ren, außer­halb dafür geeig­ne­ter Medien zu ver­wen­den, stirbt irgend­wo ein nied­li­ches Kätzchen und/oder ein nied­li­cher Pandabär, daher bit­te ab sofort sein las­sen - aus­nahms­wei­se nicht ein­mal mehr als der gan­ze Rest. Auch mal eine schö­ne Erfahrung.


Rechtsradikaler Nazivordenker des Monats: Karl Marx.

Nerdkrams
Datenhehler droht mit Rente

Europäische Union:
„Bitte nicht mehr ein­fach so alle Kundendaten zwi­schen EU und USA austauschen.“ 

Microsoft:
„Na gut, wir las­sen die Daten in der EU.“

Amazon:
„Unsere Daten sind eh schon seit Jahren in der EU.“ 

Google:
„Lasst eure Daten doch, wo ihr wollt, unse­ret­we­gen auch in der EU.“

Facebook:
„Nehmt das sofort zurück, oder ich schie­ße mir in den Fuß. In den Fuß! GANZ DOLLE!“ 

:irre:

NerdkramsNetzfundstücke
Kurz ver­linkt: In einem Neuland vor unse­rer Zeit

Ich fand im Internet zufäl­lig die­ses ursprüng­lich inter­ne Memorandum aus der inzwi­schen von Hewlett Packard Enterprise über­nom­me­nen Firma SGI, die damals (1993) gera­de IRIX 5.1 ver­öf­fent­licht hat­te. In ihm wer­den die Probleme mit der Geschwindigkeit und Größe des Systems unter ande­rem wie folgt ange­spro­chen (über­setzt von mir):

Innerhalb einer Woche wuchs mein neu gestar­te­tes IRIX 5.1 auf mehr als 13,8 Megabyte [Arbeitsspeicher] an - einen gro­ßen Teil eines 16-Megabyte-Systems. (…) Das Fenstersystem (Xsgi + 4Dwm) wuchs von 3,2 auf 3,6 MB an und der Rest ist auch gewach­sen. (…) Die gesam­te Speichernutzung beträgt 21,9 Megabyte, und das nur, weil ich IRIX gestern Abend neu gestar­tet habe, um die Kernelgröße zu reduzieren.

Seitdem fra­ge ich mich: Was genau kön­nen typi­sche Desktopcomputer im Jahr 2020, das Hochleistungsrechner 1993 nicht konn­ten, was nicht in 32 Megabyte RAM pas­sen kann?

ComputerIn den NachrichtenMontagsmusik
Estampie - Reis glo­ri­os // Nu sker det!

zzzzzzEs ist Montag. Diese ver­damm­te Sonne ist schon wie­der da und immer noch wach­sen beim hie­si­gen Spätsommerwetter (Regen und Sonne im ste­ten Wechsel) bloß irgend­wel­che ollen Blumen, aber kei­ne Pandabären am Wegesrand. Ich pran­ge­re das an.

Ausnahmsweise mal gute Nachrichten am Anfang: Auch der Südschleswigsche Wählerverband wird bei der näch­sten Bundestagswahl wähl­bar sein, wenn auch nur in Schleswig-Holstein. Als Minderheitenpartei ste­hen sei­ne Chancen, in den Bundestag ein­zu­zie­hen, gar nicht schlecht. Wenn wir eins aus Thüringen gelernt haben, dann, dass man sich gera­de vor der klein­sten Partei in Acht neh­men soll­te. Warum nicht mal ein däni­scher Bundespräsident? Andere Parteien möch­ten - gleich­falls seit Thüringen - lie­ber nie­man­dem mehr vor den Kopf sto­ßen und bevor­zu­gen das Schlingern im Feld des Austauschbaren. Um die F.D.P. ist es wirk­lich, wirk­lich scha­de. Liberalismus war eigent­lich eine ganz gute Grundidee. - Zur offen ver­fas­sungs­feind­li­chen SPD ande­rer­seits hat aus­ge­rech­net Fabio de Masi am 9. September etwas von Zitatwert gesagt: „Herr Scholz führ­te aus, dass Herr Olearius ein Mann sei, der sich über die Jahrzehnte gro­ße Anerkennung in Hamburg erwor­ben habe. Er hat Hamburg jedoch um min­de­stens 160 Millionen Euro Steuergelder betro­gen.“ Was darf Satire und war­um führt sie eine ehe­ma­li­ge Volkspartei?

Das FreeBSD-Projekt steigt von Subversion aus­ge­rech­net auf Git um. Ein län­ge­rer Blogartikel fasst die Gründe so zusam­men, dass Subversion zwar tech­nisch auch wei­ter­hin das bes­se­re System sei, aber man es vom Nachwuchs nicht mehr ver­lan­gen kön­ne, etwas ande­res als Git zu ler­nen. Dafür gebe man dann auch gern enor­me Vorteile wie Schlüsselwörter im Code auf. Ich mei­ne mich an eine Zeit erin­nern zu kön­nen, in der man tech­ni­sches Können noch als Voraussetzung und nicht als aus­zu­räu­men­de Hürde betrach­tet hat, aber ich erin­ne­re mich auch noch an eine Zeit vor Git und weiß daher das Für und Wider von Alternativen abzu­wä­gen. Der ver­meint­li­che Fortschritt der Softwareentwicklung erin­nert mich zuse­hends mehr an ein enger wer­den­des Korsett. Ich freue mich auf den Tag, an dem das Material nachgibt.

„hei­se online“ berich­te­te die­ser Tage von der Verleihung der Big Brother Awards, mit denen Überwachungsdeppen geehrt wer­den, bin­det im dazu­ge­hö­ri­gen Artikel aller­dings unzäh­li­ge Fremdquellen, dar­un­ter man­cher­lei Reklame und son­sti­ger Googlemist, ein. Mich wun­dert, dass dafür noch kein Preis ver­ge­ben wur­de. Apropos: Software habe einen Menschen umge­bracht und irgend­wel­che Hacker sei­en dar­an schuld, quatscht der gehack­te Administrator, des­sen Arbeit anschei­nend auch bes­ser von einem Roboter erle­digt wer­den soll­te. Es ist grauenvoll.

Ich begin­ne die Woche lie­ber etwas schö­ner, zum Beispiel mit Musik.

Estampie - Reis Glorios

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Shem - No Songs, Just Sound

Shem - No Songs, just SoundLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Ich mag es ja ein biss­chen, wenn ich von einem Musikalbum nicht nega­tiv über­rascht wer­de. „No Songs, Just Sound“, drei Jahre nach den ersten Aufnahmen die­ses Jahr end­lich erschie­nen, vom Stuttgarter Quintett Shem (Amazon.de, Bandcamp.com), bil­det da kei­ne Ausnahme: Lieder gibt es hier nicht, wohl aber eine Vielzahl an Klängen.

Shem spie­len einen instru­men­ta­len psy­che­de­lic rock mit deut­li­chem Kraut-Anstrich, der sich sowohl in der atmo­sphä­ri­schen Weite, die beson­ders gut erst­mals im zwei­ten Stück „Konvoi“ (mit fast acht Minuten Spielzeit noch der kür­ze­ste track) zu spü­ren ist, als auch im moto­ri­schen Spiel des Schlagzeugers „Benjamin“ - Nachname unbe­kannt - aus­ma­chen lässt. Gelegentlich („Säure“) ver­su­chen sich die bei­den Gitarristen auch an pun­k­ori­en­tier­ten Jams, was nicht mal einen Stilbruch dar­stellt, son­dern sich pri­ma ins Gesamtbild ein­fügt, indem elek­tro­ni­sches Wabern und Zirpen das Gespielte zu Spacerock wer­den lässt. Geschrieben klingt das furcht­bar, gehört klingt es famos.

Von wegen nur Klang!

Mir wird geschlecht
Kurz ange­merkt zur Bundesfrauenkonferenz

Jedes Mal, wenn eine ver­meint­lich moder­ne Partei wie die „Grünen“ in alte Muster zurück­fällt und zwar nicht mehr von „Schwarzgast“ und „Schriftstellerjude“ spricht, wohl aber eine ande­re ange­bo­re­ne bio­lo­gi­sche Eigenschaft zur Kategorisierung von Menschen miss­braucht, indem sie zu eini­gen ihrer Treffen nur die­je­ni­gen ein­lädt, die nicht mit dem Makel „Mannsein“ behaf­tet sind, fällt es mir aus­ge­spro­chen schwer, mir nicht bild­lich vor­zu­stel­len, ob Männer wie Cem Özdemir und Robert Habeck, die frei­wil­lig Geld dafür zah­len, auf­grund ihres Penisses benach­tei­ligt zu wer­den, nicht mit einer preis­wer­ten Domina bes­ser bedient wären.

Mir wird geschlechtNetzfundstücke
💩 (8)

Puh, na „end­lich“:

Das der­zei­ti­ge Emoji für einen bär­ti­gen Mann wird 2021 eine gen­der­in­k­lu­si­ve Überarbeitung erfahren.

(Übersetzung von mir.)

Endlich gehört das lästi­ge all­täg­li­che Problem, die Emotion einer Frau mit Bart nicht rich­tig dar­stel­len zu kön­nen, der Vergangenheit an!

Ist die­ses UTF-16 nicht irgend­wann mal voll?

Politik
Hoffnung Dexit (4): Bürgernah woan­ders sein.

Die von kei­nem Volk gewähl­te EU-Kommissionspräsidentin hat dies­mal sogar die ARD irri­tiert, als sie unter ande­rem mit­teil­te, dass es viel­leicht eine gute Idee sei, alle Bürger anlass­los über­wa­chen zu las­sen. Die sonst von Seltsamen wegen ihrer Staatsnähe ange­pran­ger­ten Öffentlich-Rechtlichen fas­sen die doch recht lan­ge Rede so zusammen:

Wenn es noch eines Beweises bedurf­te, wie weit die Europäische Kommission mitt­ler­wei­le von den rea­len Problemen ihrer Bürger ent­fernt ist, hat Ursula von der Leyen den heu­te erbracht.

Haha, die­se Briten. Die wis­sen ja gar nicht, was ihnen entgeht.

Es ist nicht alles schlecht in Großbritannien.

In den Nachrichten
Drei Viermal die Christen

Eins:

„Deshalb noch­mal beson­ders in die Ohren von ‚Christ‘-Demokraten gespro­chen: Der barm­her­zi­ge Samariter, der hat auch sei­nen Mantel geteilt und nicht erst gewar­tet, bis irgend­je­mand gekom­men ist und gesagt hat: Ich wäre auch noch bereit.“ Mit die­sen Worten for­der­te die Grünenpolitikerin Katrin Göring-Eckardt im Interview mit dem ZDF Hilfe für die in Not gera­te­nen Menschen des (mut­maß­lich durch Brandstiftung) nie­der­ge­brann­ten Flüchtlingslagers Moria.

Der hei­li­ge Martin hin­ge­gen war der mit dem Fass um den Hals, oder?


Zwei:

Der Gesetzentwurf zum Lobbyregister von CDU/CSU und SPD macht Ausnahmen für kirch­li­che Lobbybüros (…) und isla­mi­sche Religionsgemeinschaften (…)

Säkularismus? Aber doch nicht jetzt!


Drei:

Die Katholische Studierende Jugend (KSJ) schreibt „Gott“ ab sofort mit einem Genderstern. Mit einer neu­en Kampagne wol­le man sich für ein ande­res Gottesbild stark­ma­chen, „weg von dem stra­fen­den, alten, wei­ßen Mann mit Bart hin zu einer Gottesviel­falt“, teil­te die KSJ am Freitag mit.


Vier, einen noch fürn Weg:

Ein Unternehmer aus Aichach bei Augsburg hat sich laut Medienberichten vom Dienstag den als Jesu Kreuzesinschrift bekann­ten Begriff „INRI“ als EU-wei­te Marke gesi­chert. Die Eintragung gilt dem­nach für die vier Nutzerklassen Lederwaren, Textil, Kosmetika und Getränke. 

Ein Teil davon ver­stört mich. Es sind nicht die Getränke.

In den NachrichtenMontagsmusik
Beardfish - Until You Comply (live) // Hurra: Platten end­lich teuer!

War nie wirklich weg, hab mich nur versteckt.Es ist Montag. Corona macht vie­les zur­zeit schwer umsetz­bar, aber das, was 2020 wirk­lich zählt, bleibt unge­bro­chen: Es wer­den wie­der Exorzisten aus­ge­bil­det. Wieder ein Problem, das man gar nicht hät­te, wenn man Menschen durch Pandabären ersetzte.

Satire gefäl­lig? Postillon. Nebenbei sieht man wie­der, wor­an Kabarett in Deutschland schei­tert: Menschen joh­len, klat­schen, gehen nach Hause und wäh­len dann doch bei der näch­sten Gelegenheit wie­der die schreck­li­che väter­kri­ti­sche SPD irgend­wo­hin, etwa gestern wie­der in Nordrhein-Westfalen. Schrecklich, schrecklich.

Bei Amazon sitzt jetzt die NSA im Vorstand. Was hat Bill Gates denn jetzt schon wie­der vor?

Ein ehe­ma­li­ges EDV-Magazin aus Hannover berich­te­te, dass in den Vereinigten Staaten erst­mals wie­der mehr Umsatz mit Schallplatten als mit CDs erzielt wur­de, was ja eigent­lich nur bedeu­tet, dass Vinyl teu­rer ist als CDs, aber Gewinn und Umsatz aus­ein­an­der­hal­ten zu kön­nen ist eben nicht mehr zeit­ge­mäß; fast wie EDV-Magazine, möch­te ich hinzufügen.

Immer aktu­ell und nie­mals ana­chro­ni­stisch hin­ge­gen: Musik.

Beardfish - Until You Comply [Live]

Guten Morgen.

NetzfundstückePiratenparteiWirtschaft
Bedingt bedin­gungs­los (Nachtrag).

2018 nann­te ich die Verfechter eines bedin­gungs­lo­sen Grundeinkommens die sozia­li­sti­sche Nachhut der Piratenpartei. Gestern aber las ich in einer zu lan­gen Verlautbarung der sozia­li­sti­schen DKP, ein sol­ches Grundeinkommen sei viel­mehr ein Vehikel des Kapitals, um den eige­nen Status wei­ter­hin hal­ten zu können.

Erstaunlich, wo heu­te über­all der Neoliberalismus lauert.