Wie bislang exakt drei (soweit mir bekannt) und künftig ungefähr alle Leser meiner irregulären Mitteilungen wissen, habe ich mein Soll an Parteien – seit 2009 war ich Mitglied dreier Parteien, keine davon habe ich im Streit mit der Parteibasis, jede davon aus Gründen des Rückgrats verlassen oder verlassen lassen – mittlerweile übererfüllt. Die meisten schaffen es ja nur zur Karteileiche in irgendeinem Nonsensverein.
Vor diesem Hintergrund finde ich es zumindest bemerkenswert, dass auch 2025 noch Menschen in Parteien eintreten und mir gegenüber zu verstehen geben, dass ihr Beweggrund sei, die Gegebenheiten in ihrem Sinne zu verändern. Aber was bedeutet es denn, wenn man „politisches Interesse“ gleichsetzt mit der Mitgliedschaft im kleinsten Übel? (Wer das kleinste Übel stärkt, der stärkt damit eben ein Übel.) Natürlich stärken Parteien die Aussichten ihrer Mitglieder darauf, ein richtiges Leben im valschen (R. Gernhardt) zu führen und so im falschen Apparat an die richtige Stelle zu gelangen. Aber was bedeutet es, 106-und-ein-bisschen Jahre nach Ende des Kaiserreichs und damit auch nach Ende einfacher Antworten auf schwierige Fragen, noch, sich mit Parteien zu arrangieren? Man fördert für – je nach Finanzordnung – vergleichsweise viel oder wenig Geld eine elitäre Vereinigung, die sich (bei Linken) auf eine seit einem Jahrhundert nicht mehr aufgetretene Weltordnung oder (bei Rechten) auf seit einem Jahrhundert nicht mehr relevanten gesellschaftlichen Konsens beruft. Ist es das, wo die Zukunft des Volkes zu suchen ist?
Sind Marx/Engels, Lenin, Stalin, Trotzki (je nachdem, wen man fragt), von Mises, von Papen, Brüning, Adenauer die Zukunft oder gilt es, sie zu überwinden?
Unser Staatsapparat ist (…) noch so wenig eingespielt und gefestigt, daß die militärische Macht nahezu unvermeidlich wieder eine eigene politische Willensbildung entfalten wird. (…) Es wird deshalb nicht abzuwenden sein, daß die antidemokratischen Neigungen gestärkt und die Remilitarisierung die Renazifizierung nach sich ziehen wird.
Gustav Heinemann, 1950
Wer das System verändern will, indem er im System Farbe bekennt, der will das System behalten.












