PersönlichesFotografie
Lon­don, tags­über

Neben­an las ich die Anek­do­te, in Lon­don kön­ne man Bett­lern auch per Kre­dit­kar­te ihre Ein­künf­te auf­bes­sern. Ich hat­te sowie­so vor, mal wie­der – zum ersten Mal seit 2019, zum zwei­ten Mal über­haupt – dort hin­zu­rei­sen.

Viel­leicht begeg­net mir ja ein Bett­ler.

Über­haupt rei­se ich in die­sem Jahr öfter als sonst in Städ­te im Aus­land: in Kopen­ha­gen war schon (erst­mals), seit letz­tem Jahr habe ich außer­dem Kar­ten für eine Whis­ky­mes­se in Lon­don. Weil ich aber im Okto­ber wegen die­ser Mes­se und des geplan­ten Rah­men­pro­gramms – mei­ne Rei­se­grup­pe zieht über­wie­gend einen vier­tä­gi­gen Dau­er­ge­nuss in aller­lei Eta­blis­se­ments in Erwä­gung – wohl kaum etwas von der zwar an Über­wa­chungs­ka­me­ras rei­chen, doch trotz­dem schö­nen Stadt selbst mit­be­kom­men wer­de, bin ich zwecks Kom­pen­sa­ti­on und men­ta­ler Vor­be­rei­tung vor­her schon mal da. Fast allein.

(Ich rei­se außer­or­dent­lich ungern allein, aller Men­schen­scheu zum Trotz.)

Die Beglei­tung, mir bis dahin zwar seit Jah­ren bekannt, aber jen­seits des Inter­nets nur ein­mal kurz begeg­net, war ein Zufall, das Zustan­de­kom­men der­sel­ben wäre selbst mir zu pein­lich hier zu berich­ten. Ich kann jedoch berich­ten, dass ich das jeder­zeit wie­der so machen wür­de. Eine Leh­re: Öfter mal Din­ge machen, die eigent­lich wie etwas klin­gen, das man lie­ber nicht tun soll­te. Könn­te ja gut wer­den. Oder wenig­stens inter­es­sant schei­ße.

Anzeige ist raus

Dass ich am Flie­gen am wenig­sten die Flug­hä­fen mag, ist davon unbe­nom­men. Zwar wird man an deut­schen Flug­hä­fen bis­her nur wie ein poten­zi­el­ler und – anders als in noch ekli­ge­ren Staa­ten – nicht schon wegen blo­ßen Ein­rei­se­wun­sches wie ein tat­säch­li­cher Ter­ro­rist behan­delt, doch fin­de ich unver­än­dert nur wenig noch bescheu­er­ter als die Annah­me, Zahn­creme­tu­ben mit 101 Mil­li­li­tern Rest­men­ge sei­en brand­ge­fähr­lich und somit bei­na­he mit Spreng­stoff gleich­zu­set­zen. Dass die EU die­se Regel kurz­zei­tig lockern woll­te und es dann trotz­dem nicht gemacht hat, aus Angst vor unzu­rei­chen­der Flüs­sig­keits­er­ken­nung, wird spä­te­ren Gene­ra­tio­nen viel­leicht eine Leh­re sein oder auch nicht.

Die Bie­re in Lon­don haben auch nach „dem Brexit“ noch eine schö­ne Grö­ße, und weil es in Lon­don nicht so leicht ist wie anders­wo, ein­fach nur einen schwar­zen Kaf­fee zu trin­ken, pro­bie­re ich man­ches. Eng­li­sches Bier schmeckt gewohnt künst­lich süß und irgend­wie nicht gut. Es ist wich­tig, in die­sen Zei­ten etwas zu haben, wor­auf man sich ver­las­sen kann. Ich habe in Lon­don an einem Tag zwei Füch­se und einen Rad­fah­rer gese­hen. Das ist ein gutes Ver­hält­nis. Im Hotel unweit der Füch­se, in dem ich über­nach­te, sind die Kaf­fee­tas­sen nicht nur viel zu klein, son­dern haben über­dies Hen­kel, die so beschaf­fen sind, dass man sich beim Trans­port der­sel­ben unver­meid­lich den Mit­tel­fin­ger ver­brennt. Ich über­le­ge, ob ich das in die Bewer­tung schrei­ben soll.

Fuchs (unschaf)

Apro­pos Bier: Die ange­bots­mä­ßig groß­ar­tig­ste Bier­bar Lon­dons bie­tet die Inhal­te ihrer Vin­ta­ge­bie­re (fass­ge­reift, wun­der­sa­me Prei­se zwi­schen „echt gün­stig“ und „man­che müs­sen dafür ein paar Wochen arbei­ten“ pro Fla­sche) nicht zum Mit­neh­men feil. Ich pran­ge­re das an. Und da ich kei­nes­wegs vor­ha­be, aus­ge­rech­net in Lon­don mein Urteils­ver­mö­gen zu trü­ben, las­se ich das Bier unge­trun­ken im vin­ta­ge cel­lar. Vin­ta­ge bin ich ja inzwi­schen auch sel­ber.

In – genau­er: über – Lon­don gibt es ein Restau­rant namens Duck & Waff­le, des­sen Spe­zia­li­tät zu mei­ner völ­lig aus­blei­ben­den Über­ra­schung Waf­feln mit Enten­tei­len sind. Man möge dort wie auch bei der SMWS bit­te kei­ne Flip­flops tra­gen. Crocs wären viel­leicht erlaubt, aber danach zu fra­gen wäre sogar mir zu blöd gewe­sen. Im 40. Stock­werk über Lon­don wird man dort von Per­so­nal bedient, das anstän­dig ange­zo­ge­ne Leu­te, die nicht bloß blö­de aufs Smart­phone star­ren, deut­lich herz­li­cher bedient als Insta­gr­amtou­ri­sten. Ich möch­te, dass das an wesent­lich mehr Orten so ist.

London von oben

Den letz­ten Abend vor der Abrei­se ver­brach­te ich am Pic­ca­dil­ly Cir­cus, weil ich blö­der­wei­se ver­spro­chen hat­te, dass man dort immer etwas erle­ben kann und ein Lon­don­be­such sonst nicht voll­stän­dig wäre, wie jeder weiß. (Am Pic­ca­dil­ly Cir­cus kann man abends ja auch nicht sit­zen, ohne dass sich ein schlech­ter Stra­ßen­mu­si­ker für einen hörens­wer­ten Stra­ßen­mu­si­ker hält. Lon­don halt.) Aber einen gewis­sen Charme kann ich die­sem Platz nicht abspre­chen. Der Trick zum Genuss besteht dar­in, am Rand zu sit­zen und schwei­gend den Moment auf­zu­sau­gen, wäh­rend das Publi­kum eska­liert.

Übri­gens: Einen Bett­ler mit Kar­ten­le­se­ge­rät habe ich nicht gese­hen, doch hät­te ein Schlag­zeug spie­len­der Herr, der ein biss­chen aus­sah wie Har­ry Rowohlt vor dem ersten Kaf­fee, auch PayPal als Spen­de akzep­tiert. Ich las­se das gel­ten.

Senfecke:

  1. Whis­key pro­bie­ren in der Haupt­stadt des Gins?was kann da schon schief lau­fen. ;)
    Das erste Mal in Lon­don war ich 1988. Due Lost streik­te, auf der so renom­mier­ten Oxford Street liefst Du knie­tief durch Fast­foodabfäl­le. Nach Son­nen­un­ter­gang, sofern der mal erkenn­bar war, sta­pel­ten such due Rent­ner mit Zei­tun­gen in den Haus­ein­gän­gen. Das war in Bonn und selbst in West­ber­lin damals noch anders.

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