In den NachrichtenPolitik
Berlin vene­zue­lern! (4)

Es gab einen her­ben Rückschlag beim Versuch, den letz­ten ver­blie­be­nen Vermietern in Berlin das Interesse dar­an zu ver­lei­den, über­haupt noch Mietwohnungen anzubieten:

Klare Niederlage für Rot-Rot-Grün: Das Bundesverfassungsgericht hat den Mietendeckel für „ins­ge­samt nich­tig“ erklärt.

Das bedeu­tet nicht, dass es ver­fas­sungs­wid­rig wäre; es ist sogar der­ma­ßen miss­ra­ten, dass es nie­mals Bestand hat­te. Das Verfassungsgericht zeig­te immer­hin die Milde, der Berliner Legislative die rele­van­te Grundlage des Jurastudiums gra­tis zusammenzufassen:

Die Entscheidung des Zweiten Senats fiel klar aus, wie die Begründung zeigt. Sie kommt wie ein Repetitorium im Staatsorganisationsrecht daher.

Berliner Vermieter dürf­ten nun Mietnachzahlungen for­dern, eini­ge haben aber bereits ver­spro­chen, davon abzu­se­hen. Verdammter Raubtierkapitalismus!

Die Schuldfrage immer­hin war in sozia­len Medien schnell geklärt: Journalisten sowie Vertreter von Grünen und SPD befan­den, das Gesetz sei völ­lig in Ordnung gewe­sen, hät­ten CDU und F.D.P. bloß nicht geklagt. Das ist ähn­lich wie bei Corona. Das hat man auch nicht, wenn man sich nicht testen lässt.

Die SPD hat bereits dar­auf hin­ge­wie­sen, dass man das Gesetz, das nur auf Bundesebene ein­ge­bracht wer­den dür­fe, dann eben auf Bundesebene ein­brin­gen müs­se. Mensch, die­se SPD soll­te man echt mal wäh­len. Die wür­de ja alles anders machen, wenn sie nur mal regie­ren dürfte.

Kurt Tucholsky, heißt es, habe ein­mal gesagt, in Deutschland gel­te der, der auf den Schmutz hin­wei­se, als gefähr­li­cher als der, der den Schmutz ver­ur­sacht habe. Meinte er das damit?

In den NachrichtenPolitik
Hoffnung Dexit (6): Das Tätervolk.

Dass die AfD am ver­gan­ge­nen Sonntag das - hu! hu! so was sagt man doch nicht - Hufeisen kom­plet­tiert hat, indem sie sich der Überzeugung der DKP ange­schlos­sen hat, dass näm­lich die Europäische Union gar nicht so gut sei, hat erstaun­li­cher­wei­se medi­al nicht dazu, dass man der AfD Nähe zu Kommunisten unter­stellt hät­te, son­dern zu einer Welle der Solidarität mit der Europäischen Union geführt.

Das wäre weni­ger selt­sam, fie­le nicht die­sel­be Europäische Union immer mal wie­der - zuletzt mit den nicht gezo­ge­nen Konsequenzen aus den Artikel-13/17-Demonstrationen - dadurch auf, dass sie sich um die Solidarität ihrer Völker, des nomi­nel­len Souveräns, kaum schert. Dass das sein Ebenbild in natio­na­len Gesetzgebungen fin­det, die das viel gefor­der­te „Hören auf die Wissenschaft“ längst durch „YOLO!“ ersetzt zu haben scheint, ist zwar ver­meint­lich fol­ge­rich­tig, aber doch nur folgefalsch.

„Nicht gezo­ge­ne Konsequenzen“ war, zuge­ge­ben, nicht ganz rich­tig, denn die Demonstrationen gegen „Uploadfilter“ (also den Artikel 13, der irgend­wann Artikel 17 hieß) hat­ten zumin­dest auf die jewei­li­ge natio­na­le Gesetzgebung Einfluss. Zum Glück ist etwa die SPD, die sich gegen die Einführung von Uploadfiltern aus­ge­spro­chen hat­te, an der Legislative betei­ligt, denn des­halb kommt es nicht so schlimm wie befürch­tet; son­dern schlimmer:

Das Konzept der „mut­maß­lich erlaub­ten Nutzungen“ auf Plattformen wie Facebook und YouTube im Urheberrecht, mit dem laut der Bundesregierung als erlaubt gekenn­zeich­ne­te Inhalte im gering­fü­gi­gen Maß nicht schon vor­sorg­lich durch Upload-Filter blockiert wer­den dür­fen, könn­te Anwender in die Bredouille brin­gen. Der Nutzer haf­te dabei teils als Täter, gab Christian-Henner Hentsch von der Kölner Forschungsstelle für Medienrecht am Montag bei einer Anhörung im Bundestag zu bedenken.

Von der Europäischen Union, las ich heu­te ermü­dend oft, habe man als deut­scher Staatsbürger fast nur Vorteile. Welche waren das noch mal - dass schlecht bezah­len­de Unternehmen ihre Produkte für weni­ger Steuern ins Ausland ver­kau­fen können?

Es ist nicht alles schlecht in Großbritannien.

In den NachrichtenMontagsmusik
zeug - Duende // Schwarz ohne Graustufen

Erst mal Frühstück.Es ist Montag. Die Partei der Humanisten („die ratio­na­le Stimme der unauf­ge­reg­ten Fakten“) jubel­te letz­te Woche, sie habe jetzt 1.800 Mitglieder. Wenn das unauf­ge­regt sein soll, was ist dann erst ein Pandabär?

Die Überraschung des bis­he­ri­gen Monats ist, dass es gar nicht gegen Viren schützt, wenn man nur so tut, als lie­ße man sich gegen sie imp­fen. An zwei­ter Stelle der Überraschungsrangliste steht ein Wäschetrockner, der täg­lich giga­byte­wei­se Daten mit unbe­kann­ten Gegenstellen aus­tauscht. Wessen Idee war es, in einen Wäschetrockner Internet rein­zu­ma­chen, und war­um ist Teeren und Federn nicht mehr en vogue?

Anderes kommt wie­der in Mode: Marxismus ist nicht tot, Marxismus kauft sich jetzt Villen. Andererseits könn­te das ein US-ame­ri­ka­ni­sches Phänomen sein, in den Vereinigten Staaten funk­tio­nie­ren auch Naturgesetze anders; so mut­maßt etwa die „Newsweek“, ein gefun­de­ner mensch­li­cher Schädel könn­te einer ver­miss­ten Person gehö­ren und nicht etwa - das steht da nicht - vom Baum gefal­len sein. In ande­ren Bereichen möch­ten sie hin­ge­gen über­mä­ßig genau sein und regen sich zum Beispiel sehr dar­über auf, dass bei den „Simpsons“ Figuren, die nicht gelb („weiß“) sind, von Weißen syn­chro­ni­siert wer­den. Ein lös­ba­res Problem, befan­den die Macher und las­sen jetzt eine mexi­ka­ni­sche Figur statt von einem New Yorker von einem Kubaner syn­chro­ni­sie­ren. Macht ja nichts. Sind ja alle gleich, die­se Schwarzen.

Keineswegs immer gleich hin­ge­gen: Musik.

Guten Morgen.

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt: Coronakompetenzen (zwei­mal)

Die Luca-App (ich gast­ar­ti­kel­te hier­zu im Team mit der Expartei) ist in Berlin neu­er­dings ver­pflich­tend zu nut­zen. Nur scha­de, dass dort die Gesundheitsämter noch nicht ange­bun­den sind. Ist das die­ses digi­tal first?


In Hannover ist man fast so über­rascht wie ich: Wenn man Menschen dar­an hin­de­re, raus­zu­ge­hen, wäh­rend ande­re schla­fen, tra­ge das wenig zur Pandemieeindämmung bei, befand ein Gericht. Auf wel­che Wissenschaft wur­de da eigent­lich gehört - Schlafforscher?

Wirtschaft
Steuern mit einem Zweck

Vielleicht wür­de es zu mehr gesell­schaft­li­chem Frieden, auch und gera­de zwi­schen Armen und Reichen, bei­tra­gen, wür­de man das Steuerrecht dahin­ge­hend refor­mie­ren, dass man zusam­men mit sei­ner - sofern ange­fer­tig­ten - Steuererklärung ange­ben kann, wie viel Prozent der Steuerlast für das kom­men­de Haushaltsjahr in wel­chen Topf flie­ßen sollen. 

Es erstaun­te mich nicht im Geringsten, wenn das Verhältnis zwi­schen Sozialsystem und Arschlöchern mit Gewehr („Bundeswehr“) sich dann end­lich zugun­sten eines ver­nünf­ti­gen Miteinanders verschöbe. 

Sonstiges
Medienkritik in Kürze: Bingo statt Bumsen mit der „JOY“ und „Scarlett Johansson“.

Die „JOY“, mein Lieblingsmagazin für Damenbelange und als sol­ches ein Garant für über­aus preis­wer­te Unterhaltung, hat für das Titelblatt sei­ner April-2021-Ausgabe eine inno­va­ti­ve Möglichkeit gefun­den, eher nicht so toll gewor­de­ne Porträts der Titelfiguren trotz­dem ange­mes­sen zu beschriften:

JOY April 2021

Als wär‘ das über­haupt wich­tig!

Denn im Magazin geht es laut Titelseite um mehr als bloß „Scarlett Johansson“ (wenn man es dran­schrei­ben muss, ist sie es ver­mut­lich nicht; das ist wie bei miss­lun­ge­nen Witzen), und zwar um …

SOULFOOD? GÖNN DIR! Die lecker­sten Feelgood-Rezepte der Stars

… und …

THIS MAKES MY Day - 30 ein­fa­che DINGE, die uns sofort HAPPY machen

… und …

STREAM & STYLE - Die BESTEN Fashion-Hacks aus unse­ren Lieblingsserien

… - es sind übri­gens nie­mals die eige­nen Lieblingsserien -, und …

#HEADHUNTER (Hashtags auf Gedrucktem, komm­ste auch nicht hin­ter, A.d.V.) - Riccardo Simonetti zeigt die schön­sten HAIR-LOOKS zum Nachstylen

… und …

WE ❤ SPRING - COOLE MUST-HAVES UND IT-PIECES FÜR DEN FRÜHLING

… und …

Beauty-FLASHBACK (TEIL 1) - Die hei­ße­sten MAKE-UP-TRENDS der letz­ten Jahrzehnte

…, erin­nert sich noch jemand an die Rocky Horror Picture Show?, sowie zuletzt die, wie ich glau­be, abge­schlos­se­ne Kurzgeschichte (trau­rig) aus …

BEDTIME STORIES - 20 SEX-ABENTEUER FÜR EIN LIEBES-UPGRADE

… und sei­nem Gegenstück …

LET’S GET READY TO GAMBLE! - DIE 12 BESTEN GAMES für lang­wei­li­ge Nächte

(Schriftsatz ähn­lich dem Original.)

Neben den zwei Personennamen sowie dem übli­chen Strichcode-Titel-Ausgabe-Beiwerk sind auf der Titelseite somit 74 Wörter (dar­un­ter auch Komposita) und Sonderzeichen zu sehen. 42 der Wörter (sowohl aus­ge­schrie­be­ne Wörter als auch Zahlwörter) sind kei­ne offen­sicht­lich eng­li­schen Wörter, wobei ich Zahlen - opti­mi­stisch - als deut­sche Wörter (u.a. „drei­ßig“ statt „thir­ty“) ein­ge­ord­net habe.

Ein Teil davon über­rascht mich. Die Notwendigkeit, einen Plan B parat zu haben, wenn die Nächte statt eines „Sex-Abenteuers“ doch eher lang­wei­lig wer­den, weil die Leserinnen so flir­ten wie die Redaktion schreibt, gehört nicht dazu.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Kluster - Eruption

Kluster - EruptionLange nichts mehr über Musik geschrieben.

Die Rahmendaten: Kluster (Dieter Moebius, Hans-Joachim Roedelius und Conrad Schnitzler, zu einem Drittel noch musi­ka­lisch aktiv und zu zwei Dritteln tot) haben 1970 und 1971 ins­ge­samt drei Alben zusam­men raus­ge­bracht, bis Conrad Schnitzler - regel­mä­ßi­ge Leser erin­nern sich - zwecks Beginns einer Solokarriere aus­ge­stie­gen ist. Zuvor kam, aus Gründen von Conrad Schnitzler selbst finan­ziert und des­halb ursprüng­lich als des­sen Soloalbum „Schwarz“ im Handel zu fin­den, das letz­te Werk von Kluster her­aus (Folgealben tru­gen den Namen Cluster), das „Eruption“ (Amazon.de, TIDAL) heißt und eigent­lich gar kei­ne ist.

Die Aufnahmen zu „Eruption“ ent­stam­men dem letz­ten Konzert von Kluster, es han­delt sich also um ein Livealbum; jedoch, anders als heut­zu­ta­ge lei­der üblich, sind weder neben dem Takt klat­schen­de Deutsche noch über­flüs­si­ge Ansagen mit furcht­ba­rem Akzent zu hören. Was wür­de man bei zwei Stücken - bei­de namen­los - auch ansa­gen wol­len? „Eruption“ ist im Übrigen das ein­zi­ge der drei Klusteralben, auf dem auf reli­giö­se Texte ver­zich­tet wird.

Kluster - Eruption (1971) FULL ALBUM

„Proto-Industrial“ nennt das Internet die­ses Album, aber selbst der han­dels­üb­li­che Industrial folgt oft rhyth­mi­schen Mustern (oder über­haupt Mustern). Die elek­tro­ni­sche Musik aus dem Berlin der frü­hen 1970er, nicht unbe­ein­druckt von den Krautrock spie­len­den Zeit- und Landesgenossen, aber hat­te an der­lei Gewöhnlichem kein Interesse. Was auf „Eruption“ an Rhythmus aber ver­meint­lich fehlt, ist dafür an Instrumenten (echt oder simu­liert) da: Keyboard, Gitarre, Cello, Flöte und eini­ges an Schlaginstrumenten sind aus­zu­ma­chen. Schade, dass das vor mei­ner Zeit war. Ich mag ja Konzerte, auf denen man nicht bloß einem Holzfällerhemdenträger dabei zugucken kann, wie er auf einem MacBook herumdrückt.

Nicht drücken soll­te man sich auch vor „Eruption“. Sicherlich ist das kein Album für die vor­ran­gi­gen Freunde von Drei-Minuten-Popliedchen, es bedarf Zeit und Aufmerksamkeit. Diese aber wer­den belohnt; so ist das ja oft in der Musik.

In den NachrichtenMontagsmusik
Palm Squirrel - Blamalan // Mutationsmutanten mutie­ren auch in Bayern.

VERFICKTE BLUMEN! SCHEISSDRECK! LÄCHEL!Es ist Montag. Diejenigen, die aus dem Fehler ihrer Vorfahren, sich bei „Gott oder Kopf ab“ für „Gott“ ent­schie­den zu haben, der­ge­stalt gelernt haben, dass sie nicht mehr ihr Stockholmsyndrom als „abend­län­di­sche Tradition“ ver­brä­men, fei­ern heu­te nichts, son­dern haben ein­fach nur frei. Ist ja auch nicht so schlecht, den gan­zen Tag schla­fen und/oder Bambus essen. Pandabären ken­nen das.

Dieses ent­spann­te Leben lie­ße sich ohne die­se Virussache aller­dings erst so rich­tig genie­ßen, aber dar­aus wird wohl erst mal nichts, denn weil nicht geimpft, son­dern bloß ange­guckt („gete­stet“) wird, ist auch das bal­di­ge Indengriffkriegen höch­stens noch als Treppenwitz geeig­net. Und es wird nicht bes­ser: Virusmutationen haben euch noch nicht die Laune ver­ha­gelt? „T-Online“ hilft. „In Köln wur­den meh­re­re Fälle von Mutations-Mutanten nach­ge­wie­sen“, hof­fent­lich muta­ti­ons­mu­tan­tie­ren­mu­tie­ren die nicht auch noch!

Auf der Sonnenseite der Inlandsnachrichten weiß die Regierung von Oberfranken indes Erfolge bei der Digitalisierung zu ver­mel­den: Schon mor­gen stel­le sie „ihren Faxserver von bis­her vier- auf fünf­stel­li­ge Faxnummern um“, da kommt man ja gar nicht mehr hin­ter­her bei die­sem tech­no­lo­gi­schen Wettrüsten. Andererseits befin­det sich Bayern (jaja, Franken und Bayern, Schwaben und Badener, alles das­sel­be) sowie­so gera­de im nahe­zu revo­lu­tio­nä­ren Umbruch, man darf sich dort neu­er­dings sogar ohne Sarg bestat­ten las­sen. Wenn das Franz Josef noch erle­ben müsste!

Der wie­der­um ein ande­res Gesetz auch nicht mehr erle­ben muss, das in inzwi­schen bewähr­ter Kindersprache „Anti-Hass-Gesetz“ genannt wird, aber eigent­lich anders heißt, und besagt, dass „das ‚Billigen‘ oder Androhen von Straftaten etwa in sozia­len Netzwerken“ wie­der „als Verbrechen“ gel­te, „wenn ent­spre­chen­de Äußerungen geeig­net sind, den öffent­li­chen Frieden zu stö­ren“ („hei­se online“), was wie­der­um ver­mut­lich vor allem denen schnell miss­fal­len wird, die zwar der Regulierung öffent­li­cher Äußerungen prin­zi­pi­ell offen gegen­über­ste­hen, jedoch sel­ten bemer­ken, dass sol­che Regulierungen sich als Waffe für das eige­ne poli­ti­sche Lager kaum eig­nen. Schwere Zeiten bre­chen neben irgend­wel­chen Facebook- und Telegrampfeifen, den wohl vor­ran­gig Gemeinten, auch für Portale wie „Indymedia“ an, in deren Kreisen man sich immer noch nicht so recht von dem Verbot erholt zu haben scheint, die Privatwohnung miss­lie­bi­ger Politiker nebst Familie besu­chen las­sen zu dür­fen; Berliner Autobesitzer (war­um?) jedoch atmen auf.

Auch aus Berlin, aber trotz­dem nicht völ­lig schei­ße: Palm Squirrel.

Guten Morgen.

Netzfundstücke
Jetzt reicht’s, ich grün­de eine Religion in Osnabrück.

Darf ich nach 21 Uhr mit mei­nem Hund Gassi gehen?
Das Gassigehen soll­te in die­ser Zeit mög­lichst unter­las­sen wer­den. Wenn es unver­meid­bar ist, soll­te es nur durch eine Person und so kurz wie mög­lich erfolgen.

Und:

Darf ich nach 21 Uhr joggen?
Sport und Bewegung an der fri­schen Luft (…) ist nach 21 Uhr verboten.

Und:

Darf ich nach 21 Uhr ein­kau­fen gehen, Essen abho­len oder auf dem Nachhauseweg von der Arbeit nach 21 Uhr noch Lebensmitteleinkaufen, wenn ich wäh­rend des Tages auf­grund der Arbeit kei­ne Möglichkeit dazu hatte?
Nein, der Einkauf von Lebensmitteln zählt nicht als trif­ti­ger Grund, um die Wohnung ver­las­sen zu müssen.

Aber:

Darf ich an abend­li­chen Gottesdiensten bzw. reli­giö­sen Veranstaltungen teilnehmen?
Ja, der Besuch von Veranstaltungen zur Religionsausübung stellt einen trif­ti­gen Grund dar, die Wohnung bezie­hungs­wei­se die Unterkunft zu ver­las­sen - auch nach 21 Uhr.

(Quelle, archi­vier­te Version)

Haha. Diese Gottesstaaten im Nahen Osten. Hahaha. So doof.

In den Nachrichten
Buenos cis­dyas, Klima!

„Deutschlandfunk Kultur“ so im März:

Pandemiekonforme Aktionen von Fridays for Future sol­len die Klimakrise erneut ins Bewusstsein rücken. (…) Viele Menschen sei­en der­zeit ent­täuscht von der Coronapolitik – sie hät­ten das Gefühl, dass irra­tio­na­le Entscheidungen getrof­fen würden.

„Fridays For Future“ so im März:

Die Klimakrise wird und wur­de fast aus­schließ­lich von dya cis Männern ver­ur­sacht. Trotzdem wer­den FINTA*s viel stär­ker durch die Klimakrise beein­flusst. Der Fehler liegt im System.

„Die Presse“ so im März:

Eine Zukunft ohne Fridays for Future sieht düster aus

Knips!

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz ange­merkt zur Luca-App // Iwan des Tages: Faule Hacker

Dass die „Luca-App“, eine in der Probephase befind­li­che App eines deut­schen Unternehmens, zwar - anders als die Corona-Warn-App in ihrem bis­her vor­ge­se­he­nen Funktionsumfang - auch, wie bereits gestern an die­ser Stelle ange­deu­tet, ohne Smartphone genutzt wer­den kön­nen soll, aber dafür immer­hin gegen Zahlung meh­re­rer Millionen Euro Steuergeld diver­se Lizenzen ver­letzt, fän­de ich sowohl als Steuerzahler als auch als Entwickler von Software, die absicht­lich gele­gent­lich unter einer Lizenz steht, die es jeder daher­ge­lau­fe­nen deut­schen Startupklitsche theo­re­tisch gestat­ten wür­de, damit reich zu wer­den, ohne mich auch nur mal erwäh­nen zu müs­sen, wesent­lich weni­ger bedau­er­lich, wenn der Staat mich im Gegenzug unbe­hel­ligt eine Tauschbörse mei­ner Wahl zwecks Erweiterung mei­nes musi­ka­li­schen und/oder cinea­sti­schen Horizonts nut­zen lie­ße, statt Uploadfiltern, Filesharingmassenabmahnungen und neu­er­dings Domainblockaden - dazu schrieb ich am 11. März bereits hin­läng­lich Ausführliches - freie Schussbahn auf den ver­meint­lich rechts­frei­en Raum Internet zu bie­ten; bezie­hungs­wei­se: die Logik, nach der man für gro­be Lizenzverstöße hier­zu­lan­de ent­we­der viel Geld zah­len muss oder viel Geld bekommt, über­steigt mei­nen Intellekt bis­lang in nicht gerin­gem Maße und ich bin dies­be­züg­lich für Hinweise dankbar.


Ah, es ist Wahljahr, der Iwan will schon wie­der mani­pu­lie­ren, was man halt so macht in Russland:

In der ver­gan­ge­nen Woche wur­de bekannt, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) der­zeit vor Cyberangriffen der Hacker war­nen - und davon aus­ge­hen, dass der rus­si­sche Militärgeheimdienst GRU hin­ter den Attacken stecken könnte.

Nämlich hin­ter diesen:

Sieben Bundestags- und mehr als 30 Landtagsabgeordnete sol­len kürz­lich soge­nann­te „Phishing-Mails“ erhal­ten haben. Das sind harm­los wir­ken­de E-Mails, in denen oft ein Link zu einer Webseite ein­ge­fügt ist, auf der Nutzer auf­ge­for­dert wer­den, ihre Passwörter ein­zu­ge­ben. (…) Betroffen sein sol­len fast nur CDU- und SPD-Abgeordnete.

„Cyberangriff“ also nennt man bei der „tages­schau“ die „inve­sti­ga­ti­ve“ (ebd.) Nachricht, dass irgend­wer in gro­ßem Stil irgend­wen dar­um bit­tet, irgend­wo sei­ne Passwörter ein­zu­ge­ben, und der dann so blöd ist und es auch noch macht.

Und da behaup­ten die Leute immer, für erfolg­rei­ches Hacken bräuch­te man jah­re­lan­ges Training. Ich bräuch­te dafür nicht mal Umlaute:

| Wichtiger Hinweis               [_][X]|
|                                       |
| Aufgrund von Gr�nden mussten wir Ihr |
| E-Mail-Konto leider sperren. Um sich  |
| wieder anmelden zu k�nnen, geben Sie |
| bitte unter diesem Beitrag Ihren Be-  |
| nutzernamen und Ihr Passwort ein.     |
| Danke f�r Ihr Verst�ndnis.           |

Ich habe den Beruf ver­fehlt. Russischer Hacker hät­te ich wer­den sollen.

NerdkramsNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 30. März 2021

Die Piratenpartei Mainz/Rheinhessen-Nahe fragt, war­um es neben der Corona-Warn-App, die zwar quell­of­fen ist, aber ein Smartphone vor­aus­setzt, auch die Luca-App geben muss, die nicht quell­of­fen ist, aber theo­re­tisch auch ohne Smartphone funk­tio­nie­ren soll. Genau, las­sen wir die Armen, Alten und Datenschützer - die ande­rer­seits auch nicht ange­tan sind - doch ein­fach drau­ßen. Die sind eh nicht stubenrein.

Nachtrag: Etwas aus­führ­li­cher senf­te ich hier zum dau­ernd wech­seln­den Stand die­ser App. 


Schon jetzt die tol­le Idee des Jahres: Ein Vibrator, der stär­ker vibriert, wenn das bestell­te Essen gleich ein­trifft. Mir ist ja bekannt, dass gutes Essen auch Glücksgefühle aus­lö­sen kann, aber das erscheint mir doch etwas überzogen.


Woran denkt ihr, wenn ihr „Digitalpolitik“ hört? Klar: An die CDU!


Ein Nachtrag zu der Richard-Stallman-Geschichte von gestern: Die Free Software Foundation hat ihren Ruf bereits mit einem neu­en Mitglied auf­zu­po­lie­ren ver­sucht. Dessen wesent­li­cher Beitrag zu frei­er Software besteht dar­in, auf GitHub irgend­wel­che Projekte anzu­pö­beln, die nicht die GPL nut­zen. Immerhin erken­nen die­se Projekte aber neid­los sei­ne „inter­es­san­ten Beiträge zur Verbesserung“ an.


Potenzieller Fnord des Monats: An der University of Oxford flie­gen Mozart und Beethoven aus dem Curriculum, weil sich schwar­ze Studenten von ihnen mög­li­cher­wei­se unter­drückt fühlen:

Ze stel­den dat het onder­wi­j­zen van ‘kolo­nia­li­sti­sche repre­sen­ta­tie­sy­ste­men’ zoals muzie­kno­ta­tie een klap in het gezicht is voor som­mi­ge stu­den­ten. Dergelijke stel­sels zou­den hun band met het kolo­nia­lis­me nog niet van zich afge­schud hebben.

Da klap’ selbst ich mir in het gezicht. Obwohl man das gera­de nicht soll. Is’ ja Corona.


Wo muss denn unbe­dingt noch mehr Internet rein? Richtig: In euer Konto bei der Commerzbank!

In den NachrichtenMontagsmusikNerdkrams
!GeRald! - Fire in a Madhouse // Die Revolution öff­net Briefe an ihre Kinder.

Huch - zu spät!Es ist Montag. Bei H&M gibt es jetzt Klamotten, die man mehr­mals tra­gen kann. So habe ich mir den Kapitalismus nicht vorgestellt.

Gute Nachrichten aus der Weltpolitik: Das Land der Pandabären (hier: China), Russland und die USA haben sich beim Cybern auf ein gemein­sa­mes Cyber geei­nigt, schreibt die Cyber-„NZZ“ in einem Artikel, in dem 35-mal „cyber“ vor­kommt. Auf Twitter habe ich gewit­zelt, ich wür­de über ein neu­es Trinkspiel nach­den­ken, aber mei­ne Leber muss noch ein paar Jahre durch­hal­ten. Auf dem­sel­ben Twitter hat „Argonerd“, einer der weni­gen immer­hin durch­weg emp­feh­lens­wer­ten poli­ti­schen Twitteraccounts, wäh­rend­des­sen bebil­dernd fest­ge­hal­ten, dass die US-ame­ri­ka­ni­sche Vizepräsidentin sich nur weni­ge Monate nach der erfolg­ten Wahl als eine zyni­sche Ausländerabwehrkraft her­aus­stellt. Ich gebe zu, dass mir die mona­te­lan­ge Beschallung mit der Information, dass der US-ame­ri­ka­ni­sche Präsident heim­lich Kinder fres­se, all­mäh­lich ein biss­chen fehlt. Geht’s euch gut, „SPIEGEL“-Redakteure? Kann ich was tun?

Nichts mehr tun soll inzwi­schen Richard Stallman, denn Red Hat dreht der Free Software Foundation auf­grund fal­scher Vorwürfe - bei ande­ren nennt man das fake news - den Geldhahn zu, weil die­se es gewagt hat, anstel­le diver­sen Personals (also Menschen, die schon vor dem Frühstück drei Geschlechter hat­ten) aber­mals besag­ten Richard Stallman in ihre Führungsriege auf­zu­neh­men; einen Herrn mit offen­bar schlech­ten Manieren also, der für die freie Software aber als Spiritus Rector (GNU) wie auch als Entwickler (u.a. Emacs) in den letz­ten vier­zig Jahren bis heu­te mehr gelei­stet hat als die Menge derer, die sich jetzt in quietsch­blö­den Blogartikeln (beknack­tes Narrativ des Monats: wer in einem tech­ni­schen Projekt Meritokratie gegen­über flau­schi­wat­ti­gen Stuhlkreisen ohne tech­ni­schen Mehrwert bevor­zu­ge und das auch noch offen zuge­be, ste­he damit den „neu­en Rechten“ nahe), „offe­nen Briefen“ (ich emp­feh­le ja geschlos­se­ne Briefe an den Adressaten anstel­le offe­ner Briefe „an“ jeman­den, der das trau­ri­ge Gewimmer ver­mut­lich nicht mal lesen wird, wenn man wirk­lich etwas mit­zu­tei­len hat und nicht bloß Spenden sam­meln will) und unzäh­li­gen gegen­sei­ti­gen Beleidigungen in so Medien ergie­ßen. Wenn ich bei einem tech­ni­schen Projekt indes die Wahl habe, ob ich einen erfah­re­nen Entwickler oder einen erfah­re­nen Genderaktivisten (m/w/Fliewatüüt) im Team haben möch­te, dann fällt die Wahl vor­aus­sicht­lich eher nicht auf den Genderaktivisten (m/w/Fliewatüüt). Umgekehrt gehe ich ja auch davon aus, dass ein Gesprächskreis zum Thema Transsexuellenrechte nur wenig Bedarf an der Mitwirkung eines alten wei­ßen Mannes hät­te. Wenn ich die Free Software Foundation wäre, wür­de ich ja jetzt vor­schla­gen, Red Hat sol­le gern selbst eine freie Alternative zu Unix ent­wickeln, wie es das GNU-Projekt getan hat, und dafür eine eige­ne, völ­lig neue Lizenz ent­wer­fen und sich andern­falls viel­leicht etwas dank­ba­rer dafür zei­gen, dass ihnen jemand, den sie gar nicht mögen, die Möglichkeit eröff­net hat, mit GNU-Software unter einer GNU-Lizenz meh­re­re Milliarden US-Dollar im Jahr an Umsatz zu generieren.

Es ist Montag und ich höre schon wie­der nur sper­ri­ge Musik.

!GeRald! - Fire in a Madhouse

Guten Morgen.