NetzfundstückePersönliches
Heroin gegen Drogentote

In der leidigen Diskussion über ein Für und Wider der Freigabe von wirksamem Cannabis für die rezeptlose Allgemeinheit möchte ich es mir oft nicht nehmen lassen, den Gegenvorschlag einzubringen, dass eine vernünftige Drogenpolitik eine solche wäre, die alles erlaubt, was nur dem Konsumenten schadet, also keinen Passivkonsum durch Passanten legitimiert. Das Recht auf Selbstbestimmung muss immer auch ein Recht auf Selbstzerstörung sein, jedoch dort enden, wo Unbeteiligte einen Schaden nehmen.

Demzufolge befürworte ich, Steuergewinne hin oder her, dass erstens in den eigenen vier Wänden, Publikum natürlich als abwesend vorausgesetzt, erlaubt sein möge, was Freude macht, und zweitens, dass, wenn man schon unbedingt (worüber zu sprechen sein wird) irgendwas gesetzlich unterbinden will, Cannabis (und dieses eklige Zeug in diesen Shishabars) durchaus mit Tabak gleichgestellt werde, indem der Besitz und öffentliche Konsum von Tabak (und diesem ekligen Zeug in diesen Shishabars) nämlich gleichermaßen verboten sei, während Heroin und Kokain, die sich dadurch auszeichnen, keinen Umstehenden vollzustinken, den gleichen rechtlichen Stand zu haben haben wie Alkohol: so lange die Leute ihren Müll (Glas hier, Spritzen dort) wieder wegräumen, tut’s keinem weh.

Normalerweise werde ich dann als Spinner belächelt. Künftig wird man mich vermutlich eher einen Schweizversteher nennen: Auf Twitter (hier besser lesbar) wurde gestern Abend darüber berichtet, dass, seit die Schweiz Heroinsüchtigen den Konsum von Heroin erlaubt, die Anzahl der Herointoten deutlich zurückgegangen sei. Ob ein Überleben von noch mehr Menschen aus Naturschutzsicht wünschenswert sei, bleibt an dieser Stelle absichtlich ungefragt.

Jedenfalls bis auf Weiteres.

Senfecke:

  1. Ob ein Überleben von noch mehr Menschen aus Naturschutzsicht wünschenswert sei, bleibt an dieser Stelle absichtlich ungefragt.

    Und nicht vergessen: bei solchen Sprüchen immer mit gutem Beispiel vorangehen!

  2. Die Geschichte, bzw. die Theorie dazu ist ja so neu nicht (nur eben jetzt mit statistischer Untermauerung). Legale Heroinabgabe ist (imho) vergleichbar mit dem Reinheitsgebot bei Bier. Das Reinheitsgebot hatte zwar ursprünglich andere Gründe (Monopolisierung) brachte aber trotzdem als Beifang weniger Tote/”Verletzte”.

    Wegen der Selbstzerstörung noch was: (reines/sauberes) Heroin ist meines Wissens weniger gesundheitsschädlich als Alkohol.

    Interessiert nur alles kaum jemand aus hauptsächlich populistischen Gründen.

    Ach und wg dem Rumstinken nochwas: Ich verstehe und teile die Argumentation beim Rauchen (bin Raucher), allerdings, ääh, wo will oder muss/sollte man da anfangen? Warum beim Rauchen? Weil es sicht- und riechbarer ist?
    Der Schweinestall stinkt auch und der Zweitwagen genauso wie der Erstwagen, Kohlestrom usw. usf. Krank macht’s auch und die Umwelt kaputt. Nun?

    • @Mike
      Heroin in „kontrollierter Form” ist letztlich auch nur „irgendein Opioid” und in der Tat relativ un-ungersund und ungefährlich wenn korrekt (sprich vor allem in angemessener Dosierung) angewandt. Gerade bei legal und industriell hergestellten Opioiden ist ja der große Vorteil, dass man, zumindest wenn man will, exakt wissen kann wieviel Wirkstoff und vor allem welchen Wirkstoff man konsumiert. Neben der i.d.R. völlig ungewissen Dosis ist bei Straßen-Drogen ja auch der ganze zum Strecken verwendete Dreck gefährlich.
      WIe bei allem gilt halt, dass man sich nicht fremdgefährdend verhalten sollte, insbesondere Teilnahme am Straßenverkehr. Oder ein Arzt z.B. kann sich das einfach zu beschaffende Zeug gerne abends reinpfeifen, aber ungern wenn er mich operieren soll.

      Ich bin aufgrund von massiven Nervenschädigungen (Unfallfolge, auf dem Bürgersteig von einem außer Kontrolle geratenen Auto bei ca. 70 km/h umgenietet worden, soviel zur Fremdgefährdung) seit nunmehr über sechs Jahren neben einer Handvoll anderer zur klinischen Schmerztherapie gehörender Medikamenten aus unterschiedlichsten Bereichen auf Oxycodon in retardierter Form als „Basis” und für mehrmals täglich auftretende abartige Schmerz-Spitzen auf Oxycodon „akut” in jeweils extremer Dosierung angewiesen. Oxycodon gilt bei „kennern” als sowas wie „Heroin für die, die es sich leisten können”. High werde ich davon aufgrund genetisch bedingter natürlicher Toleranz im Gegensatz zu vielen Mitmenschen (glücklicherweise, es codet sich sehr schlecht wenn man komplett abgeschossen ist ;-) ) seit Beginn an kein bisschen, aber besonders schlimme Nebenwirkungen sind trotz der krassen Dosierung nicht zu spüren.

      Der Unfall war im Ausland, da wurde statt Oxycodon das gute alte Morphin verabreicht, in der Zwischenzeit habe ich zum Testen was am besten wirkt noch Methadon und diverse seiner Derivate, Hydromorphon, Hydrocodon, Fentanyl-Pflaster, und natürlich nach OPs in Deutschland Piritramid „durch”, nix davon hat mir irgendwie geschadet. Wobei ich das große Glück habe, nicht abhängig zu werden, weswegen die Absetz-Phasen zur testweisen Neu-Einstelung auf ein anderes Opioid bis auf die natürlich immer stärker werdenden Schmerzen unproblematisch waren, den berühmten Turkey kenne ich nur vom Hörensagen….

  3. Na und? Eine progressive Drogenpolitik wird es hier erst nach Beendigung des deutschen Staates geben können. Solange betätige ich mich erst mal weiter als Nikotinterrorist und qualme die Mimosen der deutschen IT voll und genieße deren angewiderten Gesichter, während sich deren Unmut gleich darauf bei Twitter breit macht. Gut, dass das Klugscheißfon ja komplett anders wirkt, als Heroin.

  4. Nur mal so als Info ein kleiner Spuck in die Suppe.
    1. Reinheitsgebot des deutschen Bieres. Haben wir gelacht.

    2. Mit jedem Zug an einer Zigarette werden über 240 Gene negativ getriggert. Schon mal einen Lungenkrebskranken (Kettenraucher) beim Erstickungstod begleitet?

    • ad 2) Nein, aber jemanden mit Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Frage ist: Warum tut man sowas, anstelle einen schönen Tag zu ermöglichen und am Ende des Tages dann etwas Cloroquin und Diazepam hinzustellen?

:) 
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