In den NachrichtenNerdkrams
Prüderie und Opera

Diese Mel­dung hat­te ich ja verse­hentlich dann auch völ­lig über­lesen, hop­pla:

Apple sorgt wieder ein­mal für Kopf­schüt­teln. Opera Mini 5 darf for­t­an nur auf dem iPhone instal­liert wer­den, wenn der Nutzer min­destens 17 Jahre ist. Apple meint, der Brows­er enthalte “Szenen mit ero­tis­chen Anspielun­gen”.

Nun mag ich ja bekan­ntlich wed­er Apple noch den vor allem für das ständi­ge Gefühl, ungerecht behan­delt zu wer­den, nur weil kein­er den eige­nen Schrott benutzen will, bekan­nten Browser­her­steller Opera son­der­lich gern, daher stört es mich nicht, wenn die bei­den Fir­men sich gegen­seit­ig bekriegen bewaffneter­auf­stän­den umgangssprach­lich bekriegen; auch wenn ich es für dur­chaus befremdlich halte, dass Opera (das Pro­dukt) außer den Inhal­ten des Inter­nets, die natür­lich auch wun­der­bar bzw. eigentlich eher einiger­maßen wenig wun­der­bar mit Safari abruf­bar sind, irgendwelch­es nicht völ­lig “jugend­freies” Mate­r­i­al bein­hal­tet. (Nicht jugend­frei sind die Flüche, die ich auszus­toßen pflege, wenn ich mal mit dem Ding arbeit­en muss, allerd­ings, aber das ist ja eine andere Sache.)

In der Mel­dung fiel mir also vor allem fol­gen­der Teil auf:

Warum Apple in Deutsch­land das Alter von 17 Jahren abfragt, bleibt unklar. Ver­mut­lich wer­den ein­fach die US-Alters­gren­zen für den gesamten Globus ver­wen­det, unab­hängig davon, wie der Jugend­schutz in anderen Län­dern gehand­habt wird.

Die USA als Welt­gericht also mal wieder, nichts anderes kann man von einem Unternehmen wie Apple erwarten; na, allzu preiswerte Polemik bei­seite: Ob nun 16, 17 oder 18 Jahre — “Szenen mit ero­tis­chen Anspielun­gen” kann man längst in jed­er BRAVO lesen, vom Nach­mit­tags-Fernseh­pro­gramm und so genan­nten “Musikvideos” mal ganz zu schweigen. Die Chance, dass ein Jugendlich­er, zu dessen kul­tureller Sozial­isierung der Kon­sum all dieser Dinge meist gehört, weniger seel­is­chen Schaden nimmt, wenn er auf seinem 500-Euro-Mobil­tele­fon ein Pro­gramm nur durch Bestäti­gen eines zusät­zlichen Dialogfen­sters instal­lieren kann, halte ich für eher ger­ing. So viel dann jeden­falls zur Jugend­frei­heit.

Facepalm.

PersönlichesMusikSonstiges
Medienkritik XXVIII: Ist das noch populär? (Werbung für Bahnfahrer, Musiktheorie für Unbedarfte)

“Die Autoren haben keine Zeit mit Recherchen ver­plem­pert”, so steht’s wörtlich in der Wer­beanzeige für das Non­sens­buch “Die sex­uellen Fan­tasien der Kohlmeisen” unter Anwen­dung ungewöhn­lich weniger Anglizis­men in der aktuellen Aus­gabe des Fer­n­reisenden­magazins “mobil”. Diese For­mulierung ließ mich schaud­ern, und als ich in der schö­nen Stadt Halle in dem lei­der ganz und gar nicht schö­nen Bun­des­land Thürin­gen dann noch ein Wer­be­plakat sah, das (gle­ich­falls wörtlich) die Auf­forderung bein­hal­tete: “Schock deine Eltern, lies ein Buch!”, ärg­erte ich mich über zweier­lei; zum Einen darüber, dass sich hier offen­bar jemand, der meint, ein sieben­teiliger Bild­band mit den schön­sten Eisen­bahn­streck­en der Welt genüge zum Lit­er­a­ten­tum, her­ablassend über Unbe­le­sene äußert, selb­st aber die feine Nuance zwis­chen schock­en und schock­ieren nicht zu begreifen imstande ist und somit eigentlich mal tüchtig mitlei­dig belächelt gehört, zum Anderen darüber, dass ich mich nicht bere­its beim Lesen oben erwäh­n­ten Mag­a­zins mit der flachen Hand an die Stirn geschla­gen hat­te, denn jet­zt müsste ich es kon­se­quent für bei­de Ent­deck­un­gen tun, und aus Rück­sicht auf Hand und Stirn verzichtete ich somit auf bei­des.

Im Zeitschriften­re­gal erblick­te ich nur wenig später zwei Mag­a­zine unter­schiedlich­ster Couleur, der­er bei­der Titel­seit­en den­noch ver­band, dass sie gle­icher­maßen Kri­tik (ob pos­i­tiv, ob neg­a­tiv, dies mag der geschätzte Leser selb­st beurteilen) an Musikschaf­fend­en übten. Es han­delte sich um das Her­ren­magazin Pent­house, das die von mir eben­falls geschätzten Fan­tastis­chen Vier auf eben sein­er Titel­seite dergestalt zitierte, dass eines der Mit­glieder dieser Com­bo zu Pro­tokoll gab, ohne Kif­f­en gehe es — gemeint waren, so nehme ich als jemand, der nur ungern einen Blick ins Innere ver­snobter Tit­ten­heftchen tut, die Auf­nah­men für etwaige neue Stu­dioal­ben, wobei deren aktuelles, ver­glichen mit den Vorgängern, ja auch eher so lala ist — im Stu­dio nicht, was mir allein als hier zitierenswert genügt, sowie das weniger geschätzte Aller­welt­spopquatschblatt musik­ex­press, auf das ich hier jedoch ein wenig aus­führlich­er einge­hen möchte, da sein Titel­blatt allein Anlass zu stun­den­langem Sin­nieren gab. Es sieht, dies weiß man im Inter­net, so aus:

Zu sehen ist, wie man leicht erken­nen kann, ein Kun­st­stoff­man­nequin, her­aus­geputzt wie ein Hybrid aus der frühen Madon­na, der mit­tleren Christi­na Aguil­era und der schreck­lichen Lady Gaga, beschriftet mit der lei­der nur rhetorischen Frage “Lohnt sich noch der Weg zum Pop­star?”, die, wie für Quatschblät­ter wie den musik­ex­press üblich, ungek­lärt lässt, ob (und warum) sich schon Pop­star nen­nen darf, wenn man ein­mal ein Lied in eine dumm herum­ste­hende Kam­era gequäkt hat, ob (und warum) Pop damit seine klare Abgren­zung als Beze­ich­nung für ein konkretes Genre (genauer: eine Gen­reklas­si­fizierung) ver­loren hat und wieso, zum Geier, aus­gerech­net das Aller­welt­spopquatschblatt musik­ex­press jet­zt seine eigene Berichter­stat­tung nicht mehr allzu leg­er akzep­tieren möchte, die (also die Frage) aber dann vom Artikel doch noch kon­terkari­ert wird. Nicht näm­lich ist die Schmähung unkreativ­er Massen­hupf­dohlen wie besagter lady das Ziel des mir mit plumpen rhetorischen Tricks schmack­haft gemacht­en Artikels, son­dern vielmehr das Gegen­teil:

Erfolg in der Musik ist heute nicht mehr als die direk­te Folge nüchtern­er Berech­nung – nicht mehr als nötig, nur der finanzielle Gewinn zählt. Sie scheinen ver­schwun­den, die wirk­lichen Stars, die Ver­rück­ten, Außen­seit­er, Aliens – die sich nicht an beste­hende Regeln hal­ten, son­dern neue auf­stellen. Doch nun macht sich eine junge Frau aus New York auf, den Gegen­be­weis anzutreten. Sie ist ver­rückt, eine Außen­sei­t­erin, sie ist bunt, laut, wild. Sie ist ein Pop­star, der größte unser­er Zeit und ein State­ment gegen die kalkulierte Langeweile der Musikin­dus­trie: Lady Gaga.

Neue Regeln also, dies behauptet der musik­ex­press, stellt Lady Gaga auf. Welche Regeln mögen das sein? Unkon­ven­tionelles Auftreten etwa? Kon­ven­tio­nen sind in der Musik bere­its seit etwa Mitte der 60-er Jahre des vorigen Jahrhun­derts keine Fixw­erte mehr, dies kann’s also nicht sein. Vielle­icht, dass man viel Geld ver­di­enen kann, wenn man nur ein­fach sich mit viel Bedacht von der Kreativ­ität der Kün­stler längst ver­gan­gener Epochen (lies hier: der 80-er Jahre) inspiri­eren lässt und die Quelle (lies hier: Gwen Ste­fani, Madon­na) weise ver­schweigt? Auch das hat man selb­st in der Com­put­er­branche längst verin­ner­licht, Apple ist auch bish­er nicht durch Inno­va­tio­nen aufge­fall­en und darf sich trotz­dem als ein an Finanzmit­teln nicht armes Unternehmen betra­chtet fühlen.

So sehr ich auch sin­niere, es fällt mir partout nicht ein, welchen beson­deren Aspekt an Lady Gaga, der nicht schon vor ihr längst etabliert war, die oben­drein auch, anders als etwa Gwen Ste­fani und Madon­na, einiger­maßen beliebig und aus­tauschbar klin­gende Verse erschallen lässt, der Zuständi­ge des musik­ex­press’, der, das kann natür­lich auch sein!, vielle­icht auch ein­fach nur trotz besseren Wis­sens ein paar Kröten mit der Hochstil­isierung abge­drosch­en­er Iko­nen zu ver­di­enen gedenkt, was immer­hin auch die wie Kar­nick­el aus dem Boden schießende bzw. wie Pilze sich ver­mehrende Vielzahl an “40-Jahre-Let-it-be”-Titelseiten inkl. der des aktuellen SPIEGELs erk­lären würde, denn nun genau meint, wenn er begeis­tert behauptet, Pop als Kul­tur der teuer verkauften Wieder­hol­ung sei zwar längst tot (für diese The­o­rie hätte ich dann übri­gens auch gern mal ein der­art anständi­ges Gehalt bekom­men, aber als ich sie jüngst ver­bre­it­ete, ern­tete ich zwar Ver­ständ­nis, jedoch kein­er­lei darüber hin­aus gehende Güter), Lady Gaga als schreck­lich inno­v­a­tive, mod­erne Form des Pop jedoch ger­adezu eine Aus­nah­meer­schei­n­ung. Ich werde mir wohl doch selb­st ein Exem­plar zule­gen müssen. Schreck­lich, schreck­lich.

(Schreck­lich übri­gens auch: Vor eini­gen Tagen sandte mir der pre­paid-Mobil­funkan­bi­eter mein­er Wahl eine Textnachricht, die da besagte, dass seine Ken­nung, die auf der Anzeige­fläche entsprechend aus­ges­tat­teter Mobil­tele­fone zu erscheinen pflegt, bin­nen weniger Tage, sollte man das Kom­mu­nika­tion­s­gerät aus- und wieder ein­schal­ten, geän­dert würde. Da ich stets den Besitz von Ungewöhn­lichem erstrebe, beschloss ich, die also durch Stromver­lust induzierte Änderung so schnell wie möglich hin­auszuzögern; und dann, um es ein­mal jovial auszu­drück­en, vergess ich Rind­vieh das Ding unbe­stromt in mein­er Hosen­tasche. Sei’s drum.)

Kaum bekan­nte Fak­ten: Wed­er in Licht­en­fels noch in Lud­wigsstadt gibt es ein Gleis 4 zwis­chen den Gleisen 3 und 5 und in Bad Harzburg ste­ht eine Fußgänger­am­pel blöd herum, die offen­bar nur mit weni­gen Aus­nah­men grün zeigt und während­dessen ständig nervtö­tend tickt.

PersönlichesSonstiges
Gastbeitrag: Dem Ingeniör ist nichts zu schwör

Es fol­gt der ange­dro­hte Gast­beitrag, ver­fasst von dem Blog­ger aus Lin­den. Für Wort­wahl und Inhalt übernehme ich keine Haf­tung. Viel Spaß.


Die Mark­thalle Han­novers ist seit mein­er Schulzeit mein zweites Zuhause. Früher war sie der Ort, an dem ich nach dem Besuch der “Bag­gi” bei ein paar Gläsern Sekt den näch­sten Schul­t­ag schwänzte. Während des Studi­ums war sie ein beliebter Anlauf­punkt in der Mit­tagspause und nach “Feier­abend”. Heute suche ich sie pri­vat min­destens 2 x pro Woche auf, um mich dort mit nahen Fam­i­lien­ange­höri­gen, meist mit meinem Vater, zu tre­f­fen. Der eine Ter­min ste­ht immer fest und zwar sam­stags nach dem Flohmark­tbe­such.

In der Mark­thalle wird Poli­tik gemacht (zweifel­hafte Promi­nenz sieht man alle Nase lang wegen der Nähe zum Land­tag). In unseren Gesprächen dreht es sich allerd­ings um alles andere als um die von mir ver­ab­scheute Poli­tik.

Zur Vorgeschichte des Gesprächs des let­zten Mark­thal­lenbe­suchs:
Meine Eltern ziehen um. Nicht, dass sie je ihren anges­tammten Wohnort ver­lassen wür­den (genau­so wenig, wie sie je ihren bish­eri­gen Inter­net­provider wech­seln wür­den; im Gegen­teil: bei dem haben sie kür­zlich den Luxus-High­speed-Sur­fen-mit-bis-zu-25 Mbit/s‑Non-Plus-Ultra-VDSL-Anschluss gebucht), nein, sie ziehen bloß einige Straßen­züge weit­er. Die neue Woh­nung ist rent­nerg­erechter als die bish­erige, die zwar mit einem neuen Fahrstuhl aus­ges­tat­tet ist, der aber nur in Anwe­sen­heit eines Tech­nikers funk­tion­iert.

Also alles easy, oder? Weit gefehlt! Denn da ist ja noch die Sache mit dem Badez­im­mer, bess­er gesagt, das Prob­lem mit dem Klo. Denn dieser Raum besitzt kein Fen­ster, son­dern einen Luftabzugss­chacht, der allein den Ansprüchen meines Vaters nicht gerecht wird. Reich­lich­es Lüften im Innen­bere­ich der Woh­nung wird dem­nach ober­ste Pflicht sein, die zumin­d­est, was allein den Wasser­dampf ange­ht, leicht zu bewälti­gen sein dürfte. Doch was geschieht mit der unver­mei­dlichen und übel­striechen­den Abluft?

Mein Vater ist Inge­nieur im Ruh­e­s­tand. Diese Leute haben die berufs­be­d­ingte Ange­wohn­heit, für jedes noch so kleine Prob­lem umge­hend eine tech­nis­che Lösung zu präsen­tieren zu wollen.
An diesem let­zten Sam­stag wurde nun das Abluft­prob­lem in allen Facetten disku­tiert. Nun soll es da eine spezielle von einem Syr­er entwick­elte Toi­let­ten­brille geben. High-Tech aus dem Ori­ent sozusagen. Einge­baut sei ein Elek­tro­mo­tor, der den Mief ansauge und ihn in einen Kohle­filter leite. Dort, so heißt es, sollen die Gerüche rest­los ver­nichtet wer­den. Mein Vater war schi­er begeis­tert. Selb­st die Kosten in Höhe von rund € 240,- schienen ihn nicht abzuschreck­en (bess­er gesagt: noch nicht; bei meinem Vater dauert nicht etwa die Umrech­nung des Euro in D‑Mark lange, dafür aber um so länger die Reg­istrierung des höheren Betrages im cere­bralen Cor­tex, was sich meist nach eini­gen Tagen in einem “Don­ner­wet­ter, da war ich platt” äußert).
Aber mein Vater ist ja “Schlau­fuchs”. Und er kann ja “Inter­net”. Deshalb hielt er mir einen Aus­druck ent­ge­gen, auf dem eine kleine Edel­stahlkugel abge­bildet war. Laut Hin­weis soll dieses lustige Kügelchen nach einem paten­tierten Ver­fahren schlecht­en Geruch ent­fer­nen. Dabei soll die Ober­fläche der ins Klo gehängten Kugel Schwe­fel und Ammo­ni­ak in Wass­er umwan­deln. Es entstün­den geruch­sneu­trale Sauer­stof­fverbindun­gen. Und der Clou: das ganze Teil koste “nur” rund € 14,-.

Eine Frage blieb noch zu klären: Woher das Teil besor­gen? Ein gebrauchter eBay-Artikel bleibt wohl aus­nahm­sweise außer Betra­cht. Es wurde der Vor­satz gefasst, in Rich­tung “Bauhaus” zu gehen, denn selb­st, wenn ein­schlägige Kaufhäuser diesen Artikel besäßen: Wie den meist unaus­ge­bilde­ten Angestell­ten klar­ma­chen, welchen beson­deren “WC-Stein” man suche? Bis zum „Kaufhof“ hat­te ich meinen Vater noch begleit­et und kon­nte mich dort über das zunächst fra­gende und sich dann in Aus­druck­slosigkeit ver­lierende Gesicht ein­er Verkäuferin der San­itärar­tike­labteilung amüsieren:” Tja, also, ähhh…wenn, dann in der Par­fümerie… .” Tschüss.

Internes
In eigener Sache: Vertretungsstunde

Nicht erschreck­en — ich wage ein­mal ein kleines Exper­i­ment: Der näch­ste Beitrag, der voraus­sichtlich am Sonnabend veröf­fentlicht wird, wurde erst­mals nicht von mir, son­dern von einem Gast­musik­er Gast­dozen­ten Gastschreiber ver­fasst, ein­fach, um mal zu guck­en, wie es ankommt. Drüben bei caschy ist das mit den Gast­beiträ­gen ja beina­he schon Tra­di­tion, und was wäre ein halb­wegs anständi­ges Nicht­blog, ohne Ideen erfol­gre­ich­er Insin­ter­netschreiber dreist auszulei­hen?

Weil Leser dieser Inter­net­präsenz bekan­ntlich die kri­tis­cheren Vertreter ihrer Zun­ft sind, ich nun aber auch nie­man­dem das Leben unnötig erschw­eren möchte, bitte ich viel­mals darum, dem Schreiber nicht allzu unflätige Kom­mentare zu spendieren. Die müsste ich dann nur wieder weg­machen, und das will ich nicht, ich bin ja nicht in der CDU.

Ich hoffe, ihr benehmt euch anständig.

PolitikNetzfundstückePiratenpartei
Wer hat uns verraten? Die wirre Lehre des Volker Beck

Schon gewusst übri­gens? Wir Pirat­en woll­ten gar nicht die Pirat­en in der nor­drhein-west­fälis­chen Regierung sehen, son­dern Rot-Grün, sagt bzw. schreibt der Volk­er Beck (Grüne), und der Volk­er Beck (Grüne) ist Poli­tik­er und weiß so was!

Die ver­schenk­ten 119.581 Stim­men für die Piraten­partei und zusät­zlichen 434.846 Stim­men für die Linke woll­ten, das unter­stelle ich ihnen nun ein­fach, lieber Rot-Grün als Rüttgers oder große Koali­tion. Sie haben es aber mit ihrem Votum ver­mas­selt. Und weil bei diesen Sätzen bei eini­gen der Blut­druck sich­er begin­nt zu steigen sei gesagt: das ist nun keine Beschimp­fung, son­dern eine strate­gis­che Auswer­tung des Wahlson­ntags. Für mich zählt in der Poli­tik am Ende das Ergeb­nis. Poli­tik um ihrer Selb­st­willen? Dafür bin ich zu sehr ein Ide­al­ist. Und da tut es mir leid, liebe Pirat­en. Aber mit euren 1,5 Prozent werdet ihr in NRW keinen poli­tis­chen Wech­sel ein­läuten. Ihr habt ihn allen­falls ver­hin­dert.

Nett, dass er nachträglich noch “Ironie” an die Zitat­mod­i­fika­tion “Wer hat uns ver­rat­en? Die Pirat­en!” schrieb; doof nur, dass auch son­st so ziem­lich alles an seinem Text schon ein übles G’schmäckle hat. Was die Glaub­würdigkeit der Grü­nen bet­rifft, so möge der geneigte Leser ein­mal ins Saar­land schauen, wo die Koali­tion mit der Atom­lob­by unauf­fäl­lig vol­l­zo­gen wurde. Ja, mit Ide­al­is­ten haben die Grü­nen nicht mehr viel gemein; kein Wun­der, dass sie die Pirat­en nicht son­der­lich mögen.

(Ich kann ihnen, Herr Beck, per­sön­lich ver­sich­ern: Wäre ich in NRW stimm­berechtigt, so hätte ich selb­st mein Möglich­stes getan, um Rot-Grün zu ver­hin­dern. Warum Rot-Grün nicht gewählt wurde? Nun, so lange ist die Regierung Schröder nun auch noch nicht her. Das Wis­sen um Hegels Dystopie, dass jed­er Fehler zumin­d­est zweimal gemacht wird, mag wertvoll sein. Wäh­ler sind aber zwar blöd, jedoch noch nicht blöd genug.)

Ach.

(Apro­pos “ach” und da ich ger­ade über drit­tk­las­siges deutsches Exportgut bzw. soeben Dystopi­en schrieb: Ste­fan Nigge­meier hat doku­men­tiert, dass Google der gefeierten Sangeskün­st­lerin Lena (inzwis­chen ohne Nach­na­men, lei­der aber auch noch immer ohne Tal­ent) bere­its im Jahr 2009 den Sieg beim Grand Prix d’Eurovision de la Chan­son weis­sagte, als jene noch anderen Tätigkeit­en nachging. So kann’s auch gehen.)

NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Michael Ballack und die anderen Pfeifen

Was außer der Causa Jörg Tauss, dessen Prozess (lesenswerte Hin­ter­gründe gibt es seit Son­ntag übri­gens hier) gestern begann, hat die Men­schen dieser Tage noch bewegt? Ach ja: Michael Bal­lack (“kann … tödlich gelang­weilt guck­en”, Frédéric Valin, Mai 2010) ver­schont uns mit sein­er Anwe­sen­heit während der kom­menden Welt­meis­ter­schaft, weil er gefoult wurde; so weit eine gute Nachricht. Weniger gut ist es, dass dem Verur­sach­er Kevin Prince Boateng nun ziel­los Beschimp­fun­gen zuteil wer­den, wie er es wagen könne, im Fußball­sport einen Gegen­spiel­er so zu berühren, dass dieser ern­sthafte Schä­den davon­trägt, und über­haupt solle er sich bitte umge­hend ausweisen lassen, das ist ja wohl nicht zu viel ver­langt!

Mal abge­se­hen davon, dass diejeni­gen, die solcher­lei schnaubend in die Welt trompe­ten, allen voran der unsägliche Franz Josef Wag­n­er (“Arschloch”, F.J.Wagner), die Fußball­welt­meis­ter­schaft 2010 auf­grund eigen­er Bewe­gung­sun­lust ohne­hin großteils von ihrem Sofa/Sessel/Computer aus ver­fol­gen wer­den und Sportarten wie Fußball (“Kon­tak­t­sport, Du Muschi!”, “freval” auf twitter.com) und Schach nur anhand der Trikots voneinan­der unter­schei­den kön­nen: Wem schadet es, wenn ein Michael Bal­lack (“ein entschei­den­der Spiel­er”, gle­ich­falls Frédéric Valin, Mai 2010) fehlt? Welche wichtige Meis­ter­schaft hat die deutsche Mannschaft mit sein­er Beteili­gung zulet­zt gewon­nen? Längst ein run­ning gag (ein laufend­er Witz also, apro­pos Michael Bal­lack) ist es, dass er mehr Zeit auf dem Boden als hin­ter dem Ball ver­bringt, weil er, haha, halt ständig hin­fällt. Im Fußball ver­let­zen sich Men­schen nun mal. Die deutsche Fußball­na­tional­mannschaft beste­ht, wie schon während der let­zten EM, aus Pfeifen son­der­gle­ichen, jet­zt immer­hin aus ein­er Pfeife weniger. Wenn diese Mannschaft über­haupt ansatzweise eine Final­runde erre­icht, gebe ich mit Vergnü­gen jedem Leser, der in annehm­bar­er Ent­fer­nung sein Dasein fris­tet, höch­st­per­sön­lich ein Kalt­getränk aus. Ist dies nicht der Fall, scheit­ert die Mannschaft mit Sicher­heit nicht daran, dass ihr ein Michael Bal­lack fehlt. Sie scheit­ert daran, dass ihr ein Kevin Kuranyi und ein René Adler fehlen. Sie scheit­ert daran, dass sie stattdessen einen Lukas Podol­s­ki und einen Mario Gomez hat, einen Bas­t­ian Schwe­in­steiger und einen Ste­fan Kießling. Es ist sich­er sehr schme­ichel­haft für eine Mannschaft, wenn ihr Land sich zu einem nicht gerin­gen Teil mit ihr sol­i­darisiert. Ich möchte denen, die ver­bis­sen an den Sieg der deutschen Mannschaft glauben, ihr Welt­bild auch nicht madig reden. Ich meine lediglich: Nutellawer­bung erset­zt kein Tal­ent. Eine Mannschaft, die schon bei ein­er EM in ähn­lich­er Zusam­men­stel­lung keinen Blu­men­topf gewin­nen kon­nte, darf sich bei ein­er WM, zudem auswärts, auf einen län­geren Urlaub freuen. (Das vor allem Schöne an der ganzen Sache ist es ja, dass wir uns oben­drein nicht auch noch auf die zweite Neuau­flage des ‑zig­mal durch­genudel­ten “54, 74, 90, 2006” der Sport­fre­unde Stiller “freuen” müssen; auf 2012 und 2014 reimt sich zum Glück nicht mehr viel, ohne das Vers­maß endgültig zu ruinieren.) Na, in Afri­ka ist es wenig­stens warm.

Neu im Vor­stand der Piraten­partei Deutsch­land ist übri­gens Wolf­gang Dud­da, seines Zeichens engagiert­er “Kämpfer” gegen die recht­skon­ser­v­a­tive Meute hier im Land und jeden­falls mir bish­er nicht ander­weit­ig aufge­fall­en. Er plakatiert “Piraten­partei gegen Recht­sex­trem­is­mus”, ein Mot­to, das das erk­lärte Ziel der Piraten­partei, sich für den Links-Rechts-Unfug manch­er Parteien nicht zu inter­essieren, unter­gräbt (immer­hin mit­tler­weile nicht mehr mit Antifa- statt Piraten­flagge!), und sol­i­darisiert sich offen mit der Antifa, deren Demokratiev­er­ständ­nis zumin­d­est in meinen Augen auch nicht ger­ade piratig erscheint, und mit den Urhe­bern ver­fas­sungs­feindlich­er Aktio­nen wie bspw. des neuerd­ings ziem­lich ver­bre­it­eten, dadurch aber keines­falls weniger wider­lichen Block­ierens legit­imer Demon­stra­tio­nen. Pirat­en sind friedlich! Auch son­st scheint sein einziges poli­tis­ches Wirken darin zu beste­hen, die NPD irgend­wie doof zu find­en und der Anfänge zu wehren. Und für so ein enges Pro­gramm bekommt man auf Bun­desparteita­gen der Piraten­partei aus­re­ichend Zus­tim­mung? Ger­ade hat sich die Parteiba­sis darüber gefreut, dass ein “Spin­ner” (Johannes B., 12. Feb­ru­ar 2010) mit zumin­d­est frag­würdi­ger poli­tis­ch­er Denkweise frei­willig aus dem Vor­stand draußen ist, jet­zt ist der näch­ste drin. (Vielle­icht, dies hoffe ich ins­ge­heim bzw. nun­mehr offen, auch nur, damit er Ruhe gibt; immer­hin ist er lediglich zum Beisitzer gewählt wor­den.) Und dann ver­linkt der gute Herr Dud­da auch noch den Piratenkodex auf sein­er Inter­net­seite, und darin ste­ht unter anderem dies: Pirat­en wehren sich entsch­ieden dage­gen, mit gewalt­bere­it­en Ran­dalier­ern in Zusam­men­hang gebracht wer­den, da sie das kom­plette Gegen­teil davon darstellen. Er hätte den Kodex vielle­icht bess­er vorher lesen sollen.

Auch, wenn ich mich wieder­hole, jeden­falls: Ich per­sön­lich betra­chte uns Pirat­en eben­so wie bspw. Anony­mus “lex­ing­ton” als Bewe­gung, die besseres zu tun hat als sich mit irgendwelchen Ewiggestri­gen um die Vorherrschaft auf der Straße zu prügeln. Pirat­en sind keine Fas, Antifas oder Antiantifas und wollen mit diesen nichts zu tun haben. Pirat­en sind nicht die Linke mit Lap­tops. Pirat­en sind wir, und das lassen wir uns nicht nehmen. Für Frei­heit und Demokratie! Aber dann bitte kon­se­quent.

Sonstiges
Ich will auch Porno sein!

Als ich heute wieder ein­mal eine Teil­strecke der wochen­täglichen Heim­fahrt mit dem Zug zurück­legte, wurde ich Ohren­zeuge eines Gespräch­es zweier Jung­damen, die ich lei­der nicht beobacht­en kon­nte; mit passenden Bildern vor Augen wäre das Amuse­ment ver­mut­lich noch erhöht wor­den.

Es sprachen die bei­den Jung­damen also aufgeregt über Klei­dungsstile, und mit­ten­drin plap­perte die eine “so” wörtlich: “Pornobrillen ste­hen mir bess­er, ne?”

Daraufhin fol­gte eine eben­falls geplap­perte Erk­lärung der Mitreisenden, die ich hier nicht wiedergeben kann — es ging ein­fach zu schnell. Was eine Pornobrille jedoch unge­fähr sein soll, erk­lärt fre­undlicher­weise das Inter­net vielfach; es han­delt sich also schlicht um einen anderen Namen der unter anderem von dem unglaublich witzi­gen Atze Schröder in den let­zten Jahren wieder pop­ulär gemacht­en Fliegerbrille, und ohne­hin: Pornobrillen sind “in”, worin auch immer, und “trendig”!

Was nun also ein­st­mals der Play­boy­hase sein durfte, ist heute die Fliegerbrille. Wer­dende Frauen also, die es spaßig find­en, sich selb­st mit Insignien männlich­er Trieb­haftigkeit zu schmück­en, sind heute an der Tage­sor­d­nung. Vor diesem Hin­ter­grund ver­wun­dert es allerd­ings auch nur wenig, wenn man mitunter Zeuge wird, wie sich zwei Exem­plare dieser Gat­tung gegen­seit­ig mit Syn­ony­men für ein leicht­es Mäd­chen begrüßen.

Saufen, kok­sen, Grup­pen­sex
Das ist unsere Welt (…)
Wir sind Schlam­p­en der Nation
Wir lieben unsere Rolle

– Tic Tac Toe: Ist der Ruf erst ruiniert…

(Und wie ich ger­ade diesen Text her­aus­suche, stelle ich fest, das Stück ist auch schon wieder 10 Jahre her; her­rje, und ich komme mir plöt­zlich wieder so schreck­lich alt vor.)

Auch mal nett: Just, als ich aus dem besagten Zug ausstieg, ertönte über­flüs­siger­weise am Bahn­steig eine Durch­sage, dass der Zug, in dem ich saß, Ver­spä­tung habe. Das erk­lärt zumin­d­est für mich ver­ständlich die eige­nar­tige Zeitrech­nung der Bahn; wenn halt der, der die Durch­sagen fab­riziert, selb­st wie einst Iusti­tia blind sein Werk ver­richtet.

KaufbefehleMusikkritik
My Own Private Alaska — Amen

Was mir übri­gens ger­ade durch die Kopfhör­er don­nert, ist das 2010 erschienene Album “Amen” des Trios “My Own Pri­vate Alas­ka”, das sich selb­st als “M.O.P.A.” abkürzt. Obwohl von melodis­chem Gesang, üblicher­weise eines mein­er wichtig­sten Kri­te­rien bei der Bew­er­tung von Musik, keine Rede sein kann, der Front­mann vielmehr eine zunächst recht wild erscheinende Melange aus heis­erem Geschrei und san­ften Emo­tio­nen, die mal an bspw. Limp Bizk­it, mal an Ville Valo erin­nert, ertö­nen lässt, hat diese Grup­pierung sich doch bere­its einen Platz auf der noch fer­tigzustel­len­den ersten Hal­b­jahres­rückschau 2010 gesichert.

Musik wie die, die My Own Pri­vate Alas­ka pro­duzieren, hat man so irgend­wo, so glaubt man, schon ein­mal gehört; irgend­wo zwis­chen Film­musik, Folk-Met­al und Klas­sik schwelt die Atmo­sphäre ent­lang. Die Beset­zung hinge­gen hat’s in sich: Auf Bass und Gitarre wird verzichtet, zum Ein­satz kom­men allein Schlagzeug und Klavier. Die Eigen­wer­bung stellt mutige Ver­gle­iche an:

Bass und Gitarre wur­den bei­seit­ege­lassen um einen ganzen neuen, musikalis­chen Stil zu kreieren: Eine unheil­volle Verbindung zwis­chen Chopin, Nir­vana, Dan­ny Elf­man und Envy, irgend­wo in Alas­ka!

Nun kenne ich, mea cul­pa, wed­er Dan­ny Elf­man noch Envy aus­re­ichend gut, um dies zu beurteilen. Fest ste­ht jedoch, dass die ungewöhn­liche Beset­zung, die beim Lesen ver­mut­lich allzu aufre­gend nun nicht klingt, indes mehr action zu erzeu­gen weiß als manche dieser lei­der noch immer im Trend liegen­den teen-pop-Murks­grup­pierun­gen.

Her­rliche Musik mit kün­st­lerischem Anspruch, ohne dabei allzu mass­eninkom­pat­i­bel zu sein. Men­schen mit New-Wave-Tick ist’s, zugegeben, mitunter ein wenig zu hek­tisch, nehme ich an. Für alle anderen, ins­beson­dere für die, die auch gegen expres­siv­en Gesang und reduzierte Instru­men­tierung keines­falls grund­sät­zlich etwas einzuwen­den haben, spreche ich hier­mit eine klare Rein­hörempfehlung aus. Wenn’s gefällt: Unbe­d­ingt kaufen!

LyrikPersönliches
Von dir, hicks. (Frei interpretierbar.)

Das trübe Wet­ter ver­mag nicht zu ver­ber­gen, dass im Herzen die Sonne scheint. Hätte ich je gel­ernt zu pfeifen, meine Lip­pen wären längst vertrock­net. “Weil wir oben auf sind und trock­en hin­ter den Ohren” (The Hirsch Effekt) bzw. eben der sehn­liche Wun­sch, bald­möglichst zurück­zukehren (lies: gar nicht erst aufzubrechen; “to leave” heißt es im Englis­chen ver­mut­lich auch nicht zufäl­lig).

Von dir bin ich betrunk­en,
weil du die Seele wärmst;
aus dir entsprin­gen Funken,
als malte dich Max Ernst.

Von dir bin ich bedröh­nt,
weil du die Droge bist,
nach der sich jed­er sehnt,
die man nicht mehr ver­gisst.

Von dir bin ich benebelt,
weil du mein Sein umgib­st,
und ob es stürmt, ob Schnee fällt,
mir geht es gut; du lieb­st.

Von dir bin ich benom­men,
weil du wie Prozac wirkst;
das Wel­tende kann kom­men,
so lange du mich birgst.

(Von dir werd ich bek­loppt,
weil ich nicht weit­er weiß,
und wenn mich kein­er stoppt,
ent­führ ich dich ins Paradeis.
Echt jet­zt und so. Ohne Scheiß.)

Beze­ich­nen­des Ereig­nis des heuti­gen Tages im ÖPNV: Ein Mann unter­hält sich mit dem Fahrzeugführer über die gestri­gen Fußball­spiele, die er im Sport­stu­dio ver­fol­gte. In der Gegen­wart begeis­tert­er Sofas­portler fühlt man sich ger­adezu welt­meis­ter­lich.

MusikSonstigesNetzfundstücke
Hol dir jetzt die trendy Scheißwindel auf dein Mobildings!

Törichter Tor, der ich bin, ver­fiel ich soeben auf die Idee, mal wieder Klin­gel­ton­wer­bung zu kon­sum­ieren, da sich schon allzu lange keine mehr wider­rechtlich in mein Gehirn zu fressen frei­willig ver­sucht hat. Das war eine gar nicht mal allzu blöde Idee, denn wie lautete der Titel des sim­pel ani­mierten Videos, das zur Unter­malung diente?

“Stin­ka Stinkesong”.

Was mir, vor Lachen nur noch eingeschränkt auf­nah­me­fähig, vom Text dann noch in den Ver­stand drang, war, dass die däm­lich ausse­hende Fig­ur darüber sang, dass sich in ihrer Windel eine beträchtliche Menge Eigen­ver­dautes befand. Ich würde dieses Video hier gern bere­it­stellen, um mein dummes Gesicht auch mit anderen zu teilen, aber ich wurde bis­lang nicht fündig; das ist allerd­ings ver­mut­lich auch bess­er so.

(Wie man halt auf so Sendern einiges als song beze­ich­net, was die mir bekan­nte Def­i­n­i­tion eines Singstück­es nicht ein­mal par­tiell erfüllt. Ein song ist ein Lied, aber ein Lied ist kein Instru­men­tal- oder Rap­stück; daher ver­mut­lich auch das Sprich­wort: “Böse Men­schen haben keine Lieder”. Hey, das klingt wie ein cool­er Song von Bushi­do, ey. Meine Fresse.)

Rein inter­esse­hal­ber gefragt: Wieso, zum Geier, zahlen Men­schen hart ergaunertes Geld dafür, dass bei jedem Anruf eine verz­er­rte Stimme irgen­deinen Unsinn von vollen Windeln singt? Ich bin besorgt.


Math­e­ma­tis­ch­er, poli­tisch inko­r­rek­ter Bild­witz zum Wochen­start:

(Und falls sich jemand über die “Like”-, also “Mög”-Grafik unter den Beiträ­gen wun­dert: Ich exper­i­men­tiere ger­ade ein wenig mit des Nachtwächters Face­book-Script. Ich hoffe, ich erzeuge damit nicht allzu viel Ver­wirrung.)

In den NachrichtenPiratenpartei
Tag der Konferenzen

“Aber Strup­pi, liest du denn keine Zeitung?” (Tim, c/o “Tim und Strup­pi”, Super RTL, etwa 20:30 Uhr); heute und mor­gen hält die Piraten­partei Deutsch­land ihren Bun­desparteitag 2010, auf Twitter.com als Tick­er hier zu find­en, ab und entschei­det der­weil über Zukun­ft und Aus­rich­tung der Partei wie auch über gestellte Anträge jed­welch­er Art. Ein, wie ich meine, gutes Zeichen ist es, dass Jens Seipen­busch, Seele und Iden­ti­fika­tions­fig­ur der Partei, in sein­er Posi­tion als Parte­ichef bestätigt wurde. Von ein­er Ten­denz der Piraten­partei zur Beliebigkeit, wie sie mitunter gewün­scht wird, ist unter sein­er Führung nicht auszuge­hen.

Amüsant indes ist neben dem merk­würdi­gen Zeit­punkt für den Rück­tritt Aaron Koenigs die Per­son­alie Andreas Popp: Ein großes Geschrei ertönte im Herb­st ver­gan­genen Jahres, als jen­er der Zeitschrift “Junge Frei­heit” ein Gespräch gewährte, sich nicht bewusst dessen, dass es sich um eine Zeitschrift des recht­en poli­tis­chen Spek­trums han­delte. “Parteiauss­chluss!”, “Pirat­en sind Nazis!”, “Nie wieder Pirat­en!” und der­lei wurde skandiert, weil es ein Pirat wagte, für seine Mei­n­ung einzuste­hen, nachzule­sen unter anderem hier. Und was ist das Ergeb­nis?

Andreas Popp mit 52,1% zum stel­lv. Vor­sitzen­den gewählt.

Dies zeigt doch zumin­d­est: Wer am lautesten schre­it, hat am wenig­sten recht, und Prog­nosen sind Fir­lefanz. Apro­pos Schrei­hälse: Lena Simon, bekan­ntlich Ini­tia­torin der unsäglichen “Piratinnen”-Kampagne, hat es sich eben­falls nicht nehmen lassen, noch mal über ihr Lieblings­the­ma, “Warum die sex­is­tis­che Piraten­partei gefäl­ligst Piratin­nen­partei heißen soll”, zu reden, was die anwe­senden Pirat­en bekan­ntlich längst satt haben; und was zitieren die üblichen Piraten­ver­riss­blogs? So etwas.

Dass Frau Simons End­losleier, es sei ein unhalt­bar­er Zus­tand, dass es in ein­er Partei keine strik­te Geschlechtertren­nung (wom­öglich also, wie etwa bei den schreck­lichen Grünin­nen üblich, eine Frauen­förderung) gibt, nach all der Vorgeschichte (wir erin­nern uns: Nicht autorisierte Pressemit­teilung, Gespräche mit taz und Spreeblick.com, nur keine kon­struk­tive Rück­sprache mit der Parteiba­sis, die ihr mehrheitlich schlicht den Vogel zeigte) nur mehr stört, löst zumin­d­est in mir keine Ver­wun­derung aus.

Auch hüb­sch ist natür­lich dies, etwa gle­ichzeit­ig geschehen:

Ärg­er auf dem Öku­menis­chen Kirchen­tag: Die evan­ge­lis­che Pfar­rerin Käß­mann hat die Antibabyp­ille als “Geschenk Gottes” beze­ich­net — und damit die katholis­chen Bis­chöfe verärg­ert. Deren Vor­sitzen­der Zol­litsch wies die Deu­tung entsch­ieden zurück.

Warum aus­gerech­net Vertreter der katholis­chen Kirche Schwierigkeit­en damit haben, Empfäng­nisver­hü­tung gutzuheißen, erscheint mir allmäh­lich nicht mehr sehr ver­ständlich, kön­nen doch ihre Part­ner ohne­hin sel­ten schwanger wer­den; sei’s drum.

NerdkramsPersönlichesIn den Nachrichten
Erlebnisse zum Wochenende aus Leben und Fernsehen (inkl. Google-Fauxpas)

Ich disku­tierte vorhin über die Rolle der ständig weinen­den Frau in der Serie “Ghost Whis­per­er”, aus­gelöst durch ihre Wort­wahl, es sei ihr “Job” (“dschooobb”, schreck­lich­es Wort eigentlich), Men­schen hin­ters, äh, “ins Licht” zu führen. Wie genau nen­nt man so einen Men­schen bzw. seinen Beruf? Ich schlug ja “Luz­ifer”, “Licht­bringer”, vor, den Witz hat aber kein­er ver­standen. (Apro­pos Witz: An ein­er Hal­testelle lag kür­zlich ein Turn­beu­tel herum. Das erste Relikt eines Turn­beutelvergessers, das mir je untergekom­men ist. Fand ich lustig.)

Ein wenig Furcht bere­it­ete mir dann übri­gens auch diese Mel­dung. Wie all­ge­mein bekan­nt sein dürfte, fährt die Fir­ma Google seit ein­er Weile mit Kam­eras durch die Straßen und filmt unge­fragt Pri­vateigen­tum; wer ein Prob­lem damit hat, so Google, darf sich gern hin­ter­her zwecks Anonymisierung melden. Sehr großzügig. Seit April wer­den neben Fotografien auch Funknet­ze erfasst, soll heißen: Wer einen Funkrouter im Haus hat, der nach draußen funkt, wird auf der Street-View-Karte entsprechend gekennze­ich­net. “Selb­st schuld, wer sich nicht absichert”, auf dass for­t­an jed­er selb­st schuld sei, wenn er nicht den ganzen Tag einen Bleiman­tel trägt.

Nun aber kam über die Erfas­sung von Funknet­zen fol­gen­des her­aus:

Nach den Angaben des Unternehmens wur­den von offe­nen WLAN-Funknet­zw­erken auch soge­nan­nte Nutz­dat­en gespe­ichert, beispiel­sweise Frag­mente von E‑Mails oder Inhalte von abgerufe­nen Web­seit­en.

Jet­zt wird es aben­teuer­lich: Darf man wild veröf­fentlichen, was eh “rum­liegt”? Google hat sich dafür entschuldigt, den­noch bleibt die Strate­gie dieselbe: Was nicht expliz­it ver­boten ist, gilt als erwün­scht. Ander­er­seits wäre so auch der “Schutz geisti­gen Eigen­tums” hin­fäl­lig, denn geistiges Eigen­tum, um es ein­mal salopp auszu­drück­en, liegt auch meist offen herum. (Es sei denn, man ist Sony, denn dort sucht man nach Geistvollem vergebens, wie es scheint.) Und dann war es aber immer­hin ein, äh, Verse­hen von Google:

In das Pro­gramm sei aus Verse­hen auch ein Code aus einem anderen Pro­jekt eines Pro­gram­mier­ers einge­flossen, (…).

Nur, damit da kein Missver­ständ­nis auftritt: Ein Code, der verse­hentlich über gefun­dene WLAN-Net­ze mit­geschnit­tene Trans­fer­dat­en verse­hentlich kopiert, ist Teil eines anderen Pro­jek­ts von Google?
Dieser Konz­ern macht mir täglich mehr Sorge.

(Was genau, Fa. Zen­tis, kennze­ich­net eigentlich die in der Fernse­hwer­bund gepriesene “samtige Marme­lade”? Muss man die mit der Hand waschen? Fra­gen über Fra­gen!)

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz verlinkt XVII: Kuscheliger Heiner Geißler, dumme Jungs

Zwei schöne Schlagzeilen, die mir heute durch den Tick­er get­ick­ert wur­den:

Erstens: Hein­er Geißler schlägt Auflö­sung der FDP vor. “Schwarz-Gelb ist völ­lig über­holt und ein Pro­jekt von vor­vorgestern”, dies sprach der CDU’ler, und da muss ich ihm zus­tim­men, aber ich bin mir nicht ganz sich­er, ob er damit eben­falls meint, dass dieser Staat kein Schwarz im Par­la­ment mehr sehen kann. Fast bezwei­fle ich es.

Ander­er­seits ist es natür­lich auch eher frag­würdig, was von Her­rn Geißlers Mei­n­ung noch zu hal­ten ist; WELT.de, anson­sten doch eher als kon­ser­v­a­tives Mei­n­ungs­blatt bekan­nt, näm­lich weit­er:

Auch an ander­er Stelle kon­nte es der 80-Jährige nicht lassen, gegen die FDP zu stänkern und kuschelte am Ende lieber mit der SPD von Hans-Jochen Vogel (84). (Ist das nicht süß?) (…) „Die Mehrheit der Men­schen wollte doch gar keine Steuersenkun­gen“, erregte sich der Christ­demokrat und tippte sich mit dem Fin­ger gegen die Stirn, um seine Mei­n­ung zu dem FDP-Vorstoß gesten­re­ich zu unter­stre­ichen.

Richtig; wer will das schon?

Zweit­ens dann aber dies:

Jun­gen stellen über 60% der Son­der­schüler. Sie haben die sig­nifikant höhere Schu­la­b­brecherquote und die sig­nifikant niedrigere Abiturquote. Der Anteil männlich­er Schüler in Gym­nasien sank von 56% im Jahr 1970 auf 43% im Jahr 2006. Der Bil­dungs­bericht der Stadt Freiburg spricht sog­ar von lediglich nur noch 40% Anteil männlich­er Schüler mit all­ge­mein­er Hochschul­reife

(via)

Man muss schon ein ziem­lich sex­is­tis­ches Arschloch sein, um angesichts dieser Zahlen noch von ein­er “Benachteili­gung von Mäd­chen” zu reden und für “gezielte Frauen­förderung” einzutreten.

Es ist zum Kotzen.

PersönlichesFotografie
Vom Bord- zum Rinnstein und zurück: Ein Reisebericht, angefordert und geliefert.

Da man mich so zahlre­ich darum gebeten hat, fol­gt die ange­dro­hte und teil­weise kor­rigierte Abschrift mein­er Reiseno­ti­zen mit weni­gen Fotografien. Wer die Sta­tio­nen, hier mit ihrer Ini­tial­ma­juskel und dem fol­gen­den Buch­staben abgekürzt, errät, bekommt ein Fleiß­bi­enchen.


Vi. bis Ha.:
Auf der Fahrt von Vi. bis Ha. sitzt eine Gruppe Senioren im Abteil, offen­bar auch in dem anliegen­den. Zwis­chen dem meinen und dem anderen wan­deln zwei nicht viel jün­gere Frauen umher und fra­gen die Senioren bisweilen, ob diese Inter­esse an einem weit­eren Keks hät­ten. (“Wie sieht’s hier aus? Noch’n Keks?”) Kein schönes Leben. (Hat eigentlich schon mal jemand einen Witz über die fränkische Schweiz und die Namen­sähn­lichkeit zu Schweiz­er Franken gemacht? Falls ja: Mist!) Je näher der Zug Ha. (mithin auch Le.) kommt, desto deut­lich­er wird der Dialekt des Zugführers. Immer­hin.

Ha. bis Le.:
Vor mir sitzt ein Mann, der einen Zun­gen­schnalztic hat. Nervt nach ein­er Weile. Ich set­ze meine Kopfhör­er auf und lausche den Klän­gen der Wise Guys. Doofe Idee — zu spät höre ich das Klin­geln des Mobil­tele­fons. Also zurückschreiben, sich viel­mals entschuldigen, die Kopfhör­er abset­zen und auf den erneuten Anruf warten. Sich­er ist sich­er.

Le. bis Pl.:
Ich müsste mich mal umziehen, das Sweat­shirt wird allmäh­lich ungemütlich. Aber hier im Abteil? Lieber nicht. Die Zug­be­glei­t­erin spricht Hochdeutsch. Uff! Dafür kann sie sich bei der Fahrkartenkon­trolle nicht zwis­chen Fränkisch und Säch­sisch entschei­den. (Vorher noch mal die Toi­lette aufge­sucht; mit T‑Shirt geht’s mir direkt viel bess­er.) Ich will einen kurzen Text, bein­hal­tend das Wort “belü­gen”, über das Mobil­tele­fon ver­schick­en, T9 schlägt stattdessen “bekuhen” vor. Schweinis­ches Gerät. Aus dem Laut­sprech­er ertönt wieder eine Stimme, und mein Magen meldet sich zu Wort. Schlechter Zeit­punkt alle­mal.

Pl. bis Nü.:
Da unten auf dem Fluss pad­deln Men­schen in Plas­tikkanus. Sieht anstren­gend aus. (Argh, ich muss noch mein Mobil­tele­fon mit Geld bestück­en. Aber erst mal Musik. Ger­ade läuft Lap­ko: A New Bohemia. Komis­ches Album.)

In Nü.:
Nü. hat mehrere Tabak- und Lot­to­geschäfte, McDonald’s, Burg­er King, diverse weit­ere Fress­bu­den, aber keine Drogerie in Sichtweite. Mis­tkaff. (Da schlen­dert ger­ade jemand an mir vor­bei, star­rt auf mein Piraten­shirt und kommt mir irgend­wie bekan­nt vor. Komisch.)

Nü. bis Tr. (kann mir den Ort­sna­men bis heute nicht merken):
Juhu, die erste Ver­spä­tung auf der Fahrt bish­er! “Die Abfahrt wird sich um unge­fähr fünf Minuten verzögern”, au weia; bei plan­mäßi­gen fünf Minuten Umstiegszeit am Zielort kön­nte das Prob­leme geben.
Ein Men­sch, nur wenige Rei­hen vor mir, tele­foniert über den Laut­sprech­er seines Mobil­tele­fons. The­ma: Die Nürn­berg­er Prozesse. Schön. Ich ver­ste­he nur Gequäke. Ah, wir sind da.

Tr. bis Au.:
Warum palavert die Bahn erst von fünf Minuten Ver­spä­tung und kommt dann eine Minute zu früh an? Mein armes Herz. Apro­pos “mein armes”: Der komis­che neue Zug piept schlim­mer als der Feuer­alarm zu Hause, sobald jemand die Tür öffnet. Also ständig. Mein armes Gehör. Gegenüber spie­len sich Dra­men ab. Ein Män­nerquar­tett fährt schwarz, weil ein Zechkumpan betrunk­en die Fahrkarte nicht an einem vere­in­barten Ort hin­ter­legt hat. Ein­er von hat eine recht imposante Stimme. Also wieder Musik an.
Hüb­sch: Die Bahn zeigt die Ausstiegs­seite mit­tels Pfeilen an. “Wir ver­ab­schieden uns von allen Fahrgästen, die wo in Au. aussteigen”, allein dieser Satz ist eine Erwäh­nung wert.


In Au.:

Das Fehlen von Prä­po­si­tio­nen sparte wom­öglich umständlich­es Nach­denken beim Entwer­fen der Hin­weistafeln, aber lädt doch zumin­d­est zum Schmun­zeln ein.


Au. bis In.:
Merk­würdi­ger Kon­trolleur. Lässt mich meinen Fahrschein unter­schreiben und kon­trol­liert ihn wenige Minuten später noch mal. Seit­dem sitzt er da und star­rt mich an. Angst. Vor oder hin­ter mir quäkt Rihan­nas unver­mei­dlich­es “Umbrel­la” aus Laut­sprech­ern, die offen­bar nicht dafür gedacht sind.

In. bis Nü.:
“Ich hab mich von ihm getren­nt, aber ich glaub, wir sind wieder zusam­men, wie’s auss­chaut”, spricht eine Frau vor mir in ihr Mobil­tele­fon; äh, aha.

In Nü.:
Auf dem Bahn­hof läuft eine alte Frau herum, fuchtelt mit den Armen und ruft: “Nein, nein, nein, …”. Selt­sam. Habe eine Drogerie gefun­den, will aber nichts mehr kaufen. Selb­st schuld, wenn sie die ver­steck­en.

Nü. bis Li.:
Mäd­chen, die andere Mäd­chen mit “Hihi­hi” (wie man’s schreibt, nicht etwa tran­skri­biert) begrüßen, wirken son­der­bar auf mich. Der Zug fährt durch die Stadt, in der ich einst ver­suchte, die Bedeu­tung der Liebe zu erfahren. Mem­o­ries.
Auch mal hüb­sch: Die Bahn­steigdurch­sage ver­sagt. Wenn mit­ten im Satz Wörter auf­tauchen, die dort nicht hinge­hören (“ztrtx”), erweckt das einen inter­es­san­ten Ein­druck.

In Li.:
Endlich raus aus diesem stink­enden Zug mit den manuell zu öff­nen­den Türen. Wobei; endlich mal wieder bewährte Tech­nik. Aber der Geruch!

Li. bis Na.:
Merke: “5 Minuten später” bedeutet “vielle­icht sind wir früher da, später weg oder bei­des, manch­mal auch nichts”. Erst mal Gum­mizeug fut­tern. Stress. Draußen hop­pelt ein Hase. (Eine halbe Stunde reg­ulär­er “Aufen­thalt” ist natür­lich auch nicht mein Fall.) Warum die Hal­testelle Je. Paradies aus­gerech­net Paradies heißt, weiß wohl auch nur die Schlange in dem­sel­ben. Auf der Saale schwimmt ein Schwan. Mis­t­wet­ter.

In Na.:
Aus 4 Minuten Ver­spä­tung sind 6 gewor­den, sprach die Stimme im Laut­sprech­er kurz zuvor. Ren­nen!

Na. bis Ha.:
Geschafft. Platz suchen. Platz gefun­den, uff. Kinderkrähen. Ich muss aufs Klo, bevorzugt schalldicht. (Oder doch wieder Musik?)

Ha. bis Vi.:
Klo gefun­den, aber ohne­hin kein krähen­des Kind mehr in Hör­weite.

In Vi.:
Etwa 50 Minuten Aufen­thalt auf einem Bahn­hof sind für mich Stöber­freudi­gen meist ein Grund zur Freude; es sei denn, es ist spätabends an einem Son­ntag und der Welt­geist find­et es lustig, mich auf einem “his­torischen” Bahn­hof in einem furcht­bar lang­weili­gen Ort auszuset­zen, der eigentlich nur seine Architek­tur, siehe Foto, und ein paar blöde his­torische Eisen­bah­nen vorzuweisen hat. Eigentlich eine Mark­tlücke: Hier einen Kiosk hin­stellen. Na, vielle­icht später. (Warum eigentlich hat mein Schat­ten, von hin­ten betra­chtet, keinen Hals?) Und schon wieder: Mem­o­ries. Erwäge Sprung von der Fußgänger­brücke, bin aber zu feige.


Einen aus­führlichen Bericht meines eigentlichen Aufen­thalts, der im Wesentlichen aus Entspan­nen, Filmguck­en und einem doofen Gesicht­saus­druck bestand und somit für Außen­ste­hende noch weniger inter­es­sant sein dürfte als die eigentliche Zug­fahrt, ers­pare ich euch, liebe Leser; ich nehme an, allzu viele Texte dieser Art wirken ohne­hin eher ein­schläfer­nd. Her­zlichst entschuldigen möchte ich mich bei allen Lesern, die von mir lieber die üblichen satirischen Analy­sen des Welt­geschehens lesen wür­den; par­don, später mehr. Ich hoffe, diejeni­gen, die an diesem Text inter­essiert waren, sind nun vol­lends zufrieden. Falls ja: Gern geschehen!

Musik
I can’t stand the cover song against my window. (Wer ist Omarion?)

Da schlen­dere ich gemütlich durch die Gänge meines favorisierten Kof­fe­in­fach­han­dels und höre erschreckt eine mir noch unbekan­nte Ver­sion des vor allem in der Inter­pre­ta­tion von Tina Turn­er bekan­nt gewor­de­nen Liedes “I can’t stand the rain”, das unge­fähr so geht: “I can’t stand the rai­i­i­i­i­in / against my win­dow / DÄÄ DÄÄ DÄ / bring­ing back sweet mem­o­ries.”

Und da ich also darüber brütete, wie ich dieses ver­meintliche Sakri­leg (dass auch Frau Turn­er das Lied nur nach­sang, habe ich erst später her­aus­ge­fun­den; mea cul­pa) vor Wut schäu­mend, aber leser­fre­undlich ver­wursten kön­nte, fiel mein Blick auf eines der Plakate, die offen­sichtlich säck­eweise an Straße­neck­en gek­leis­tert wur­den. Virales Mar­ket­ing wurde betrieben, was meist auf fehlende Bekan­ntheit des zu Ver­mark­ten­den hin­deutet, und so auch in diesem Fall.

Die Plakate bewar­ben einen Kün­stler namens Omar­i­on (“OMARION”), dessen Kon­ter­fei, das eben­falls abge­bildet war, man sich unge­fähr so vorzustellen hat wie das, was man sich ver­mut­lich spon­tan vorstellt, wenn man an einen typ­is­chen R&B‑Musiker denken soll. “Omar­i­on” (“OMARION”), denkt ihr jet­zt wahrschein­lich, “der Omar­i­on?” Ja, genau der Omar­i­on sollte es sein, und so kündigte das Plakat auch fröh­lich seine Tophits (“TOP HITS”, nur echt in Majuskeln und mit Dep­pen Leerze­ichen ca. mit­ten­drin) an, darunter so namhafte Klas­sik­er wie “ICEBOX”, “BUMP BUMP BUMP” “u.v.m.”, alle­samt also offen­bar recht laute, wom­öglich gebrüllte Musik­stücke, all dies “präsen­tiert” von 89.0 RTL, einem Sender also, der mitunter dur­chaus nicht üble Musik spielt, und dessen “Präsen­ta­tion” als solche sich, wie üblich, wohl nur in riesi­gen Wer­be­ban­nern äußern dürfte; sei’s drum.

Aber wer, ver­dammt, ist Omar­i­on?