Persönliches
Ins war­me Was­ser gesto­ßen

Von unan­ge­neh­men Zeit­ge­nos­sin­nen zu ange­neh­me­ren ist es nur ein kur­zer Schritt. Die­ser ist den­noch so ent­schei­dend, dass ich ihm einen neu­en Arti­kel wid­me.

Die Rede­wen­dung „ins kal­te Was­ser gesto­ßen wer­den“ ist längst ein­ge­bür­gert. Wenn man sich jedoch, was ihr Erfin­der wohl nicht bedach­te, erst ein­mal an das kal­te Was­ser gewöhnt hat, ist es nicht mehr unan­ge­nehm, es zu spü­ren, son­dern wird sach­te zum natür­li­chen Umfeld (um nicht das all­zu unge­nau defi­nier­te „Lebens­raum“ zu ver­wen­den) des Men­schen. Lebt der Mensch lan­ge genug ohne die Behag­lich­keit war­men Was­sers, ver­lernt er es, dar­in zu schwim­men.

Wird man also aus sei­ner qua­si­ark­ti­schen Welt nach lan­gem Dar­ben wie­der mit gro­ßen Men­gen war­men Was­sers kon­fron­tiert, pad­delt man zunächst wie ein Ertrin­ken­der dar­in her­um, panisch auf der Suche nach Halt und nach dem gewohn­ten, küh­len Umfeld. Der Anpas­sungs­fä­hig­keit des mensch­li­chen Orga­nis­mus‘ und dem Über­le­bens­in­stinkt ist es zu ver­dan­ken, dass die Kraft zu pad­deln nicht erlischt; und so fühlt man sich auch in der neu­en, unge­wohn­ten Umge­bung wie­der hei­misch, noch etwas unbe­hol­fen und unsi­cher zwar, aber doch neu­gie­rig auf kom­men­de Ereig­nis­se.

Es ist schön, wie­der behut­sam schwim­men zu ler­nen.

Und weil ich es gera­de im IRC gele­sen habe und weil es eine gro­ße Wahr­heit ist:

Wer über die Lie­be nach­denkt, der liebt nicht mehr.
– August von Kot­ze­bue