Persönliches
Kopfkino

(Wenn man dann in ein­er ruhi­gen Minute mal ein­fach still da sitzt und das Grü­beln ein­stellt, übern­immt der Kopf, angeregt von plöt­zlich nieder­pras­sel­nden Fet­zen glück­lich­er und weniger glück­lich­er Erin­nerun­gen, den Dreh des Abend­pro­gramms, und man sollte nicht allzu unglück­lich sein, wenn es dabei bleibt, dass man bunte Far­ben sieht; für das Kopfki­no gibt es kein Pro­grammheft, zwis­chen Komödie und Dra­ma liegen oft nur Nuan­cen.

Zwar ist die Gefahr, mit stören­den Schaus­piel­ern wie Til Schweiger und John­ny Depp kon­fron­tiert zu wer­den, im eige­nen Film nicht allzu groß, dafür sieht man sich selb­st und Gesichter aus Träu­men und Erin­nerun­gen; auch solche, die man manch­mal lieber vergessen möchte und es dann aber doch nicht kann, wie schon Farin Urlaub im Die-Ärzte-Lied “Nie gesagt” richtig deklamierte: “Jet­zt seh ich dein Gesicht über­all.”

Und so wartet der Men­sch behar­rlich auf die Pointe und weiß nicht, dass dieser Film kein fröh­lich­es Ende nimmt; wie auch der Film, den das Leben schreibt, immer nur tragisch enden kann. I can’t believe you’re not mine. Ach.)

PersönlichesMusikSonstiges
Medienkritik XXVIII½: Wie gewitzt!

Min­destens blöd aus­ge­drückt, Fa. Proc­ter & Gam­ble, ist auch die Fernse­hwer­bung für euer Pro­dukt blend-a-med pro expert, in der es näm­lich ca. wie fol­gt heißt:

“blend-a-med pro expert schützt die Bere­iche, die am häu­fig­sten durch Zah­närzte kon­trol­liert wer­den.”
(Aus dem Gedächt­nis aufgeschrieben, daher poten­ziell fehler­haft wiedergegeben.)

Natür­lich erläutert eure, Fa. Proc­ter & Gam­ble, zuge­hörige Inter­net­seite, welche Bere­iche gemeint sind, näm­lich Karies, Plaque et al.; indes geht dies aus der Fernse­hwer­bung eben nicht her­vor, und so klingt all das doch eher nach der vor allem Eltern bekan­nten Geschichte von dem faulen Sohn, der sein Zim­mer aufräu­men soll: Statt sich dann näm­lich um die ein­wand­freie Hygiene seines Zim­mers zu scheren, schiebt er alles, was herum­liegt, auf einen großen Haufen und bewegt diesen mit­tels sein­er Glied­maßen aus den Bere­ichen, die am häu­fig­sten von Eltern kon­trol­liert wer­den, her­aus; zum Beispiel unter sein Bett.

Her­rje.


Hmja dann übri­gens auch zu “Domed” von And Also The Trees:

(Die Sonne scheint, der Him­mel ist blau, die Vögel sin­gen. Schön.)

PersönlichesLyrik
Sie. (Fragment 3)

(Ihr gewid­met.)

… Als er erwachte, hat­te sich seine Welt verän­dert. Müh­sam öffnete er seine trä­nen­nassen Augen und blick­te sich um. Aber es war doch alles wie immer?

Nein, etwas war anders. Durch seinen Kater schien langsam die Erin­nerung. Er hat­te wieder ein­mal ver­sagt. Dabei schien zum ersten Mal in seinem Leben alles so per­fekt!

Vor Jahren noch, als er Suchen­der war, sich längst noch nicht angekom­men wäh­nte, lernte er sie ken­nen. Sie wirk­te zart, gar zer­brech­lich. Sie war auf eine geheimnisvolle Art ver­schlossen, beina­he abweisend, und den­noch zog sie ihn magisch an. Schon damals hat­te er sich in sie ver­liebt. Die Chance jedoch, die sie ihm gewährte, ver­gab er in jugendlichem Über­schwang.

Er war sich bewusst gewe­sen, dass es nicht leicht wer­den würde, ihre Liebe zu gewin­nen; den­noch hat­te es ihm einen Schlag ver­set­zt, als sie ihm zu ver­ste­hen gab, dass diese Liebe unmöglich eine Chance haben würde. Dass sie ihn nicht wollte, kon­nte er kaum glauben; zumal er in den fol­gen­den Monat­en betrübt, aber hil­f­los sehen musste, dass sie schnell Ersatz fand. Trotz alle­dem kon­nte und wollte er sie nicht vergessen, auch wenn er ihr gegenüber in der fol­gen­den Zeit seinem Miss­mut und sein­er Ent­täuschung — oder war es bloße Eifer­sucht? — deut­lich Aus­druck ver­liehen hat­te. Er hat­te nichts zu ver­lieren, er hat­te sie schon ver­loren, bevor er sie jemals gewon­nen hat­te. Wom­öglich für immer.

Über sechs Jahre waren seit­dem ver­gan­gen, in denen er sie fast aus den Augen ver­loren, nie aber vergessen hat­te. Viel hat­te sich geän­dert; nicht nur bei ihm, auch bei ihr. Dass er sie wieder­se­hen würde, kam uner­wartet, aber es stand unter einem anderen Stern. Sie bei­de waren nicht mehr auf der Suche, sie fühlten sich längst schon gefan­gen in der Leere, in der sie nun­mehr steck­ten. Was passieren würde, war ihnen vorher nicht klar. Er hat­te Angst gehabt, sich wieder auf etwas einzu­lassen, was ihn über­fordern würde. Er hat­te sie zu oft, zu lange ver­let­zt; das wollte er nicht wieder riskieren. Und doch war es schon wieder passiert: Er hat­te sich aufs Neue in sie ver­liebt. Sie war noch immer so scheu und zer­brech­lich wie damals, doch dies­mal war ein Ende nicht abzuse­hen.

Zum ersten Mal wusste er, wo er war und was er wollte; nach all den Jahren stand für ihn endlich fest, wofür er lebte. Hätte er, in irgen­deinem Dia­log nach seinem Leben gefragt, einen Zeit­punkt angeben sollen, an dem er glück­lich war, er hätte ohne Zweifel jede Minute her­aus­nehmen kön­nen, die er mit ihr ver­brachte, und er hätte seine Wahl nicht bereut. Die Aus­sicht auf ein Leben mit ihr gab ihm wieder neuen Lebens­mut. In jed­er freie Minute, in der sie nicht miteinan­der sprachen, set­zte er alles daran, sie bald wieder­se­hen zu kön­nen. Würde jemals ein Lexikon­her­steller einen Artikel über “Paar, glück­lich­es” bebildern wollen, so dachte er im Stillen, so würde ihrer bei­der Kon­ter­fei bald dort zu sehen sein.

Doch über all dem Glück prangten noch immer die Ereignisse aus der Zeit, bevor sie sich getrof­fen hat­ten. So fest er sie auch zu hal­ten ver­suchte, so nahe sie sich auch waren, so unheil­bar klafften doch die alten Wun­den, die er einst aufriss, in ihrem Herzen.

Er hat­te ihr ver­sprochen, sich nicht nur wegen längst ver­gan­gener und vergeben­er Fehler an ihr rächen zu wollen. Er wollte sie nicht ver­let­zen; das hat­te er zu lange getan. Für ihn war sie kein Spiel, sie war längst sein Leben. Nun aber hat­te sie den Spieß umge­dreht. Sachte, doch bes­timmt zog sie die Mauer zwis­chen ihnen wieder hoch, ließ ihn verzweifelt, doch let­ztlich erfol­g­los ver­suchen, eine Tür hineinzustem­men. Wäh­nte er sich soeben noch im Glück­srausch, so fiel er nun in ein nicht enden wol­len­des Loch. Sieben Worte allein ließen seine Träume zer­platzen; das Luftschloss, in dem er mit ihr leben wollte, stürzte über ihm zusam­men. All the homes that we were build­ing, we nev­er lived in, could be bet­ter, should be bet­ter lessons in love.

Das hat­te er, dessen war er sich bewusst, allein sich selb­st zuzuschreiben. Diese eine, wom­öglich let­zte Chance hat­te er sich schon Jahre zuvor zer­stört; und selb­st, wenn es noch eine geben sollte, würde auch sie an den Worten zer­schellen, die er noch in seinem alten Leben — in dem ohne sie — unbe­dacht aus­ge­sprochen hat­te. Es war sinn­los. Mit dem Stift auf seinem Schreibtisch krakelte er, ohne zu wis­sen, was er tat, einige Zeilen in sein Notizbuch:

Zer­broch­ene Träume
Ein Leben aus Glas
Jahre aus Rauch
Ver­tan, ver­passt

Zukun­fts­glück
Aus und vor­bei
Die große Liebe
Ver­pufft im Nichts

Er legte den Stift zur Seite. Vor ihm stand ihr Bild; sollte es nur noch ein Relikt bleiben? Er fühlte sich wieder leer und son­der­bar allein. Diese Schram­men wür­den ihm für den Rest seines Lebens bleiben. “Den Rest meines Lebens” dachte er und lächelte gequält. So kon­nte es nicht weit­erge­hen. Etwas musste geschehen. …

Sonstiges
Dave’s Luder

Ste­hen doch heute am Bahn­hof einige Frauen mit­tleren Alters, bewaffnet mit Getränken, Son­nen­brillen und schreck­lich falschem Lächeln, herum und grin­sen sich eins, eine von ihnen hat auch ein Kind dabei. Ihnen allen (mit Aus­nahme des Kindes) gemein ist das offen­sichtlich selb­st­gemachte Schild, dessen Inschrift mit einiger Mühe als “Dave’s Lud­er” zu entz­if­fern ist und das sie stolz in die mit­ge­führte Fotokam­era hal­ten. Als der Zug erscheint, ruft eine von ihnen in die all­ge­mein aus­ge­lassene Stim­mung hinein: “Wir müssen die Schilder hochhal­ten!”, qua­si wie ein Begrüßungskomi­tee. Ihre Mitlud­er tun wie geheißen.

Wer nun aber erwartet, der Zug gebiert einen Dave, dessen Lud­er sich mit ihm schmück­en, der hat den Welt­geist, den alten Schlaw­in­er, unter­schätzt. Zu den Wartenden gesellen sich nach Ent­ladung des Zuges näm­lich im Gegen­teil weit­ere Frauen ähn­lich­er Eigen­schaften, eben­falls beschildert. Die Freude, als man sich schreck­lich falsch lächel­nd in die Arme fällt, gipfelt in dem, was man kleinen Kindern als Indi­an­erge­heul vor­führt, jedoch eher nach Affen- bis Vogelgeschrei klingt und sich unge­fähr mit “hububububu” wiedergeben lässt.

Das sollte man sich mal vorstellen bzw. bess­er auch nicht.

Musikkritik
Für mich Fanta Sie, los!

Da “Für dich immer noch Fan­ta Sie”, das aktuelle Mach­w­erk der Fan­tastis­chen Vier, bere­its wohl aus­re­ichend ander­swo in akzept­ablem Umfang rezen­siert wurde und ich inzwis­chen auch Zeit hat­te, mich aus­re­ichend mit diesem Album zu befassen, und drit­tens, um für die anste­hende Hal­b­jahres­rückschau 2010 weniger schreiben zu müssen, fol­gt ein kurz­er Wortschwall hierzu (also zu dem Album, nicht zu der Zeit oder dem Ander­swo) mein­er­seits.

Die Fan­tastis­chen Vier leg­en seit 1991 in wech­sel­nden Abstän­den meist bril­lante, sel­ten ent­täuschende Alben vor. “Für dich immer noch Fan­ta Sie” liegt irgend­wo dazwis­chen. “Viel” hat­te noch, nun, viel zu bieten, auch das lei­der oft nur an diesem gemessene “Forni­ka”, trotz oder ger­ade wegen steigen­den Anspruchs, wusste mich zu überzeu­gen. Um aber dem Neul­ing, der wohl die Kon­se­quenz aus “Forni­ka” sein soll, ähn­lich­es abzugewin­nen, fehlt ihm das Mitreißende. Wie schon alle anderen Alben des Quar­tetts ist natür­lich auch eine Entwick­lung zu hören; die Fan­tastis­chen Vier sind elek­tro­n­is­ch­er gewor­den, vielle­icht auch wieder ein Stück erwach­sen­er, was die Texte jeden­falls implizieren. Pos­i­tiv immer­hin: Thomas D., dessen allzu eso­ter­ische Texte mich per­sön­lich meist doch eher stören, hält sich bis kurz vor Schluss (“Mantra”) weit­ge­hend zurück, den­noch bleibt auch der Rest, mit Aus­nahme der sehr gelun­genen Stücke “Smu­do in Zukun­ft”, “Kaputt” und “Gar­nich­so­toll”, von denen ger­ade let­zteres an die alt­bekan­nte Stärke der “Fan­tas”, an uner­warteter Stelle geschick­te Wort­spiele zu platzieren, wieder erin­nert, eher durch­schnit­tlich.

Zugegeben, ein “rot­er Faden”, wenn nicht gar eine “Rah­men­hand­lung”, ist, wenn ich mich nicht irre, zum ersten Mal in Form der zwei kurzen Inter­lu­di­en “Für dich immer noch Fan­ta Sie Teil 1” bzw. “Für dich immer noch Fan­ta Sie Teil 2” vorhan­den, homogen klingt das Album den­noch nicht, und immer­hin das ist gut so, denn andern­falls wäre das Album in sein­er vollen Länge auch schlimm­sten­falls über­flüs­sig. Es bleibt aber beim Gefühl, das alles schon mal irgend­wo gehört zu haben; selb­st die Sprachverz­er­rung in den bei­den Titel­stück­en ken­nt man spätestens seit “Pip­is und Popos”, das ich für deut­lich unter­be­w­ertet halte und das vor allem auf Konz­erten amüsiert. (Ich sag nur: Heli­um.) Es scheint, als wäre dieses Album die vor­läu­fige Kli­max der erneuten Selb­stfind­ung der Com­bo, mithin der Ver­such, nicht mehr wie man selb­st zu klin­gen, qua­si die Suche nach einem völ­lig anderen Ich. So lässt sich vielle­icht auch die Auf­machung des Albums, vier Comic­fig­uren, die den Vieren wenig­stens ansatzweise noch ähn­lich sehen, erk­lären und sich “Für dich immer noch Fan­ta Sie” in die Rei­he der Alben aufnehmen, die wie einst “Sgt. Pepper’s Lone­ly Hearts Club Band” nicht als Aus­drucksmit­tel ein­er bekan­nten Band, son­dern vielmehr als Aus­lo­tung der eige­nen Gren­zen ohne Rück­sicht auf Etiket­ten zu ver­ste­hen sind. Aber dieser Ver­gle­ich behagt mir selb­st nicht, und so fasse ich stattdessen zusam­men: Anspruchsvoll, aber unaus­gereift.

Dies ist dann auch bitte keines­falls als bloßer destruk­tiv­er Ver­riss zu betra­cht­en. Vielle­icht kann man sich “… Fan­ta Sie” (dreist abgekürzt) auch schön­hören, vielle­icht geht es manchen gar direkt ins Ohr wie mir damals “Lauschgift”. Klar ist: Ein Zugang zu dem Album ist nicht unbe­d­ingt leicht zu find­en, die 30-sekündi­gen Schnipsel manch­er Inter­net­plat­ten­lä­den genü­gen nicht. Die Ver­spieltheit von “Junge trifft Mäd­chen”, die Gewalt von “Kaputt”, die Direk­theit von “Schnau­ze”, zwis­chen­drin dann auch die Roman­tik (“Für immer zusam­men”) und die Eso­terik (“Mantra”) brauchen Zeit. Wer sie auf­bringt, wird vielle­icht belohnt.

Ohne Gewähr!

PersönlichesMusikLyrikSonstiges
Aus dem Postfach gefischt: Bildungssorgen ade!

Wenn solche Mails in meinem Stu­den­ten­post­fach auf­schla­gen, ver­ste­he ich die Sor­gen um das deutsche Bil­dungssys­tem nicht mehr:

(…) im Flurbere­ich vor dem Raum 180, neben dem AStA-Büro im Haupt­ge­bäude, lade ich für Don­ner­stag, den 03.06.2010, von 11.00 Uhr bis 14.00 Uhr, auf diversen Muster­stühlen zu ein­er Sitzprobe ein. Bitte geben Sie ein Votum für “Ihren Favoriten” ab.
Ich beab­sichtige, den Stuhl mit den meis­ten Stim­men zu beschaf­fen.

Apro­pos “uner­wün­schte Info­post”: Ich weiß nicht, liebe Spam­mer, was ich von ein­er Mail hal­ten soll, deren Betr­e­ff “Hast du denn keine Zeit mehr für mich?” lautet und deren Inhalt aus ein­er Liste offen­bar ero­tis­ch­er Videoti­tel beste­ht, darunter “OMAS KAFFEE-FAHRT” (nur echt in Großbuch­staben); und ob ihr das wirk­lich ernst meint mit der Erotik. Ich jeden­falls kann der Vorstel­lung von einem Bus voller Senioren in Rheumadeck­en nur wenig abgewin­nen, was anre­gend wirkt. Das kön­nte aber auch an mir liegen.

Und bevor ich es vergesse: Am heuti­gen 2. Juni find­et zum 35. Mal der inter­na­tionale Hurentag statt. Meinen her­zlichen Glück­wun­sch!


In eigen­er Sache:

Ich hab die Welt um dich gedreht,
stehl dir die Zeit, bin dein Tagedieb,
war oft genug dein Ali­bi,
was auch passiert, ich ver­lass dich nie.

– Die Toten Hosen: Ich bin die Sehn­sucht in dir

PolitikIn den Nachrichten
Beleidigter Leberhorst

Schön, dass es in den Nachricht­en endlich wieder um Poli­tik geht:

Vor etwa 24 Stun­den hat Horst Köh­ler, bis dahin umstrit­ten­er, aber zumin­d­est mir trotz CDU-Mit­glied­schaft dur­chaus sym­pa­this­ch­er Bun­de­spräsi­dent, sein Amt niedergelegt, weil, so begrün­dete er dies, Kri­tik­er den Respekt für sein Amt ver­mis­sen ließen, nach­dem er den Ein­satz der Bun­deswehr in Afghanistan zur Sicherung von Wirtschaftsin­ter­essen befür­wortet hat oder auch nicht. Vor Schreck hat sog­ar Angela Merkel vergessen, dass die Phrase “etwas aufs Aller­härteste verurteilen” keinen Sinn ergibt.

So sehr ich’s auch ver­ste­hen kann, dass ein Bun­de­spräsi­dent, der den Ein­satz der Bun­deswehr aus irgendwelchen nichti­gen Grün­den für nicht pauschal verurteilenswert befind­et, Kri­tik ein­steckt: Ich habe das nun nur im Nach­hinein mit­bekom­men, aber selb­st, wenn er tat­säch­lich gesagt haben sollte, die Auf­gabe der Bun­deswehr in Afghanistan sei es, Wirtschaftsin­ter­essen zu wahren, so ist dies zwar unan­genehm, aber zutr­e­f­fend. Nun das Amt zu räu­men, weil man etwas gesagt hat, was nicht jedem in den Kram passt, ist schade; zumal auch unter’m Köh­ler nicht alles schlecht war, man denke nur an die fehlende Bere­itschaft, kom­men­tar­los das Gesetz zur Inter­net­zen­sur zu unter­schreiben.

Horst Köh­ler hat sich angesichts widriger poli­tis­ch­er Umstände als erstaunlich stand­haft erwiesen. Die Begrün­dung für seinen Rück­tritt mutet da selt­sam, beina­he mimosen­haft an. Die Kri­tik­er jeden­falls, die diesen Bruch forciert haben, soll­ten sich gehörig schä­men. Wer auch immer der näch­ste Bun­de­spräsi­dent wird (und es ist eigentlich beruhi­gend, dass Lena Mey­er-Land­hut Maja-Lan­drut aus Han­nover noch zu jung für das Amt ist), er wird es nur schw­er­lich bess­er machen.

Schade drum.

In den NachrichtenPiratenpartei
Zum Abschied von Jörg Tauss

Was heute außer dem kün­stlichen Getue um die gestrige Musikver­anstal­tung übri­gens auch die Medi­en bewegt:

Jörg Tauss ist aus der Piraten­partei aus­ge­treten, aus freien Stück­en zwar, aber doch unter dem Ein­druck der erfol­gten Verurteilung auf immer­hin Bewährung wegen Besitzes von Kinder­pornografie; wie Fefe der­weil bemerk­te, übri­gens, weil er offen­bar schlicht zu wenig Kinder­pornografie besaß.

Ich halte seinen Aus­tritt trotz des damit ver­bun­de­nen Image­wan­dels — die absurde Diskus­sion um den “Schutz poten­ziell Pädophiler” dürfte damit endlich ein Ende find­en — für falsch. Jörg Tauss war schon Pirat, bevor irgend­je­mand auch nur an die Grün­dung dieser Partei gedacht hat. Pirat ist nicht, wer sich mit irgendwelchen Num­mern schmückt; Pirat ist, wer sich als Pirat fühlt. Nur wenige Men­schen haben die Werte der Piraten­partei jemals so verin­ner­licht wie es Jörg Tauss getan hat. Mit ihm ver­liert die Partei eine große Iden­ti­fika­tions­fig­ur; unvergessen bleibt seine Rede auf dem Pots­damer Platz.

Ein Pädophiler war er sich­er nie, geschweige denn ein Kinder­schän­der. Allein die Macht der Medi­en, die Stim­mung im Volk nach eigen­em Gus­to zu verkehren, hat die sach­liche Diskus­sion über Für und Wider im Keim erstickt. Dass jet­zt, da Jörg Tauss weg ist, plöt­zlich einige Leute darüber nach­denken, in die Partei einzutreten, zeigt, dass sie noch immer nicht ver­standen haben, was einen Pirat­en aus­macht. Es ist schäbig, der­lei als Begrün­dung vorzuschieben. Ganz richtig merkt auch Anony­mus “Black flag” an: “Mit so ner Ein­stel­lung kannst du bleiben wo du bist.”

Mit der gebote­nen jour­nal­is­tis­chen Dis­tanz und wert­neu­tral berichtet immer­hin heise.de über den Parteiaus­tritt und nimmt eine Über­schrift vor­weg, die so nahe liegt, dass ich mich wun­dere, sie noch nicht in einem der üblichen Pirat­en-Ver­riss­blogs oder wenig­stens in meinem eige­nen Hirn­port­fo­lio ent­deckt zu haben:

“Aus der Tauss”.

MusikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Gedanken angesichts des deutschen Sieges beim Grand Prix d’Eurovision de la Chanson

Wochen­lang mit all­ge­gen­wär­tiger Pro­pa­gan­da und Durch­hal­teparolen, ganz wie damals im Krieg, vor­bere­it­et wurde ganz Deutsch­land gestern Abend Zeuge eines ungewöhn­lichen Ereigniss­es, das von den Medi­en, ganz wie damals im Krieg, entsprechend gefeiert wurde (“Deutsch­land holt den Sieg!”, bei Bedarf in ein­er Such­mas­chine eur­er Wahl eingeben); wäre dieser Scherz nicht längst abgenutzt, geschmack­los und unter den Stuhl gek­lebt, würde ich fast von einem kriegsähn­lichen Zus­tand sprechen wollen. Eigentlich erhebend, ein­mal dabei zu sein, wie ganz Deutsch­land einen Krieg gewin­nt. (In Guan­tá­namo wer­den Häftlinge bis­lang unter anderem mit Metal­li­ca gefoltert. Ob sich das wohl nun ändern wird?)

Und seht mal, wie sie sich freut! Diversen Boule­vard­magazi­nen war unlängst zu ent­nehmen, Lena Ohne­nach­na­men habe erschreck­end viele inter­essierte Zuschriften von Fußfetis­chis­ten bekom­men. Dabei ist die Logik doch sim­pel: Wenn’s oben nicht gefällt, schaut man eben nach, ob’s am anderen Ende nicht schön­er ist.

(Erschreck­end auch: Ich habe ger­ade eine ziem­lich enorme Lust darauf, Aphex Twin zu hören; ist ja anson­sten nicht mein primäres Revi­er, aber zum Aus­gle­ich für wochen­lange “Satellite”-Beschallung ist das mal drin­gend nötig.)

Aus ver­mut­lich ganz anderem Anlass hat Peter dann auch das wohl passend­ste Zitat zu all dem Popquatsch, den man mit­tler­weile verk­lärend “Song Con­test” nen­nt, obwohl es doch um die Qual­ität der Lieder oder gar der Inter­pre­ta­tion schon längst nicht mehr geht, her­aus­gekramt, im Orig­i­nal von Den­nis Lyxzén, Sänger der Musik­gruppe Refused:

Ich hoffe, dass in ein paar Jahren alle ihre ver­dammten Face­book-Accounts löschen wer­den, ihre iPads weg­w­er­fen und echte Rock‘n‘Roll-Bands grün­den, mit elek­trischen Gitar­ren, Schlagzeug und Bass, ihre Syn­the­siz­er kaput­thauen, ihre “ProTools”-Programme zer­stören und Musik machen, ein­fach weil es toll ist. Das wird passieren.

So sei es.

MusikIn den Nachrichten
Ich distanziere mich von uns.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, liebe Leser: Kön­nt ihr, wie ich, diese ganze Manie um Lena Ohne­nach­na­men (“[i]ch halte mich selb­st nicht für eine große Sän­gerin”, haz.de) nicht mehr sehen und hören, allein heute schon wieder hier und hier und sich­er noch dutzend­fach ander­swo? Es lohnt sich nicht mehr, dieser Tage Schlagzeilen zu kon­sum­ieren, es scheint kein wichtigeres The­ma zu geben als ein belan­glos­es, englis­chsprachiges Dutzend­lied­chen, mit dem eine junge Frau, die jeden­falls ich nicht gewählt habe, für uns alle einen Sieg errin­gen soll, der keine weit­eren Auswirkun­gen auf unser aller Wohlbefind­en haben wird.

Lasst es mich, liebe Pressekanaillen, die mir ständig aufs Neue einre­den wollen, es sei auch in meinem Inter­esse, dass Deutsch­land bei dieser öden Trällerver­anstal­tung gefäl­ligst eine gute Platzierung bekom­men soll, so aus­drück­en: Wenn die deutsche Teil­nehmerin Lena Ohne­nach­na­men für mich singt, dann vertreten die deutschen Sol­dat­en in Afghanistan und im Irak auch eure Frei­heit mit angemesse­nen Mit­teln. Krieg und diese Stimme, dies kann man nicht ver­gle­ichen, sagt ihr? Mit­nicht­en! Wenn jeden­falls ich die Wahl hätte zwis­chen ein­er hal­ben Stunde My Cas­sette Play­er und ein­er hal­ben Stunde Kriegslärm, müsste ich nicht lange über­legen.

(Warum eigentlich kriegt es dieses kul­turell nicht eben unbe­darfte Land nicht endlich mal auf die Rei­he, seine am wenig­sten untal­en­tierten Sänger zu einem europäis­chen Gesangswet­tbe­werb mit einem doch wenig­stens deutschsprachi­gen Lied­chen zu schick­en? Guil­do Horn hat’s vorgemacht: Es funk­tion­iert!)

Und kaum ist der Wet­tkampf der Punk­teschieber vorüber, ste­ht schon das näch­ste nationale Großereig­nis bevor; Deutsch­land wird ver­suchen, mit ein­er Mannschaft aus hochqual­i­fizierten Profis­portlern den Sieg in einem inter­na­tionalen Sportwet­tkampf zu errin­gen, und wieder wird man ver­suchen, mir zu erk­lären, dass die erbärm­liche Dar­bi­etung, die diese Mannschaft liefert, auch in meinem Namen stat­tfinde. Was soll das heißen? Ich pflege allein mein­er favorisierten Mannschaft den Sieg zu wün­schen, und diese suche ich allein nach der Leis­tung aus. Es ist ja sehr löblich, dass ver­sucht wird, ein gewiss­es Gefühl der Zusam­menge­hörigkeit zu schaf­fen; aber wer sich vor inter­na­tionalem Pub­likum in meinem Namen zum Affen macht, würde ich gern selb­st bes­tim­men dür­fen.

Ist das denn zu viel ver­langt?

Sonstiges
SchülerFerienTicket: Daumen raus!

Heute hat mir zufäl­lig Wer­bung für das alljährliche Schüler­Fe­ri­enTick­et (nur echt mit Bin­nen­Ma­juskeln, jawohl!) die Sicht versper­rt, und so warf ich einen Blick auf sie. Das “Schüler­Fe­ri­enTick­et” ist, wie der Name schon sagt (oder zumin­d­est, dies unter­stelle ich gutwillig, andeuten soll), eine preis­gün­stige Fahrkarte, mit denen ihre Urhe­ber es Schülern zu ermöglichen beab­sichti­gen, während der Som­mer­fe­rien mit dem ÖPNV durch die Gegend zu fahren und Unfug zu treiben.

Nun ist der ÖPNV — ger­ade sein Schienen­vertreter! — nicht unbe­d­ingt dafür bekan­nt, allzu schüler­fre­undlich oder wenig­stens zuver­läs­sig zu sein; die Bilder von um eine Stunde ver­späteten Zügen und die Nachricht­en von während der Reise hin­aus­ge­wor­fe­nen Kindern sind als bekan­nt vorauszuset­zen. Vor diesem Hin­ter­grund erhält die Plakatwer­bung für, ich kürze das jet­zt mal ab, das SFT eine tragisch-komis­che Note:

Mehrere Kinder sind zu sehen. Sie grin­sen in die Kam­era und wer­den ver­mut­lich fürstlich dafür ent­lohnt, den Dau­men nach, nun, oben zu reck­en. Und was sieht man also?

Ich empfehle dem geneigten Leser, ein Blick auf den von mir mit­tels Umkreisung gekennze­ich­neten Bere­ich zu wer­fen. Ver­größert sieht’s so aus:

Hihi­hi. Her­rlich.

(Was damit nichts zu tun hat, aber mich heute eben­falls belustigte: Die aktuelle Aus­gabe des Musik­magazins eclipsed berichtet über die kreative Zusam­me­nar­beit eines bekan­nten Musik­er­paares: “So befrucht­en sich Lau­rie Ander­son und Lou Reed gegen­seit­ig.” Ich darf mich wieder­holen: Hihi­hi.)

Nerdkrams
Mpxplay als Alternative zur Alternative

Da es drüben bei caschy neben einem Gast­beitrag von mir nun­mehr auch einen Gast­beitrag über den Medi­en­spiel­er foobar2000 gibt und weil ich hier schon län­gere Zeit keinen neuen Nerd­krams mehr präsen­tiert hat­te, ändere ich das mal eben; zumal ich foobar2000 ohne­hin nicht beson­ders gut lei­den kann und gern Alter­na­tiv­en erwähne.

Ein­er der Vorzüge von foobar2000, die meist genan­nt wer­den, ist, dass er schlank, also, je nach Kon­fig­u­ra­tion, Ressourcen scho­nend und nicht unnötig grafisch über­frachtet ist. Da set­ze ich mal an. In let­zter Zeit ist in weblogs oft von noch schlankeren Audiospiel­ern wie etwa Winyl oder Bil­ly die Rede, nur das von mir vor einiger Zeit zufäl­lig ent­deck­te Mpx­play wird stets überse­hen. Dabei ist es mächtiger, als es zunächst den Anschein erweckt.

Mpx­play ist ein quellof­fen­er Audiospiel­er für DOS und Win­dows, der entsprechend sparsam mit Ressourcen umge­ht; er gibt sich laut Inter­net­seite bere­its mit 4 bis 8 MB Arbeitsspe­ich­er zufrieden und stellt auch son­st keine großen Anforderun­gen. Die Ober­fläche ist, da Mpx­play auch unter Win­dows im DOS-Modus (“Eingabeauf­forderung”) läuft, kom­plett aus ASCII-Zeichen zusam­menge­set­zt und ist somit nicht grafisch über­frachtet. Auf Annehm­lichkeit­en wie “Min­imieren in das Benachrich­ti­gungs­feld” muss man so zwar verzicht­en, aber dies lässt sich etwa mit­tels RBTray nachrüsten.

Die Kern­funk­tio­nen jeden­falls lassen sich sehen: Alle wichti­gen Audio- und Wieder­ga­belis­ten­for­mate wer­den unter­stützt. Fast schon selb­stver­ständlich kann dieses Pro­gramm auch Dateitags lesen und ist neben der Maus auch kom­plett mit der Tas­tatur zu steuern. Eine Über­sicht über alle ver­füg­baren Tas­tenkürzel liefert ein Druck auf F1.

Als Beson­der­heit­en hat Mpx­play zudem Unter­stützung für FTP-Verbindun­gen und (über Plu­g­ins, die auf der Inter­net­seite ver­füg­bar sind) das Umwan­deln zwis­chen Audio­for­mat­en zu bieten. (Nicht zu vergessen, ger­ade für regelmäßige Leser mein­er Pub­lika­tio­nen, ist schließlich natür­lich auch der Nerd­fak­tor dieser Anwen­dung. ;) )

Das Pro­gramm wird ständig weit­er entwick­elt, die aktuelle Betaver­sion von Mpx­play 1.57 erschien am Son­ntag. Ist die Inter­net­seite ein­mal nicht erre­ich­bar, so ist Mpx­play natür­lich auch via eMule zu beziehen.

Ich hoffe, mein­er Pflicht als Infor­mant damit aus­re­ichend nachgekom­men zu sein und dass dieser Artikel von Nutzen ist.
Nichts zu danken!

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Die B.Z. und die Demokratie

Wer mich ken­nt, der weiß, dass ich mich von Prekari­at­sun­ter­hal­tung möglichst fernzuhal­ten ver­suche. Heute stieß ich allerd­ings hier auf diesen Artikel des Schmutzblatts B.Z. (qua­si der Berlin­er BILD) und hielt ihn für so her­rlich blöde, dass er hier unbe­d­ingt erwäh­nt wer­den sollte.

Zusam­menge­fasst hat ein Karl­shorster Gym­na­si­um der Bun­deswehr Hausver­bot erteilt, weil Schüler und Eltern die Aus­sicht auf eine Wer­bev­er­anstal­tung (ja, ja: “Schießen ler­nen, Fre­unde tre­f­fen!”) als nur wenig prick­el­nd emp­fan­den. So weit ist das eine pos­i­tive Mel­dung. Was aber sen­ft der B.Z.-Schreiberling hierzu?

Jet­zt haben sie ein offizielles Hausver­bot erre­icht. Sol­dat­en unseres demokratis­chen Lan­des, die an vie­len Orten dieser Welt für Frieden und Ord­nung sor­gen, wer­den von den Lehrern ein­er Berlin­er Schule geächtet. Das ist eine Unver­schämtheit gegenüber den Ange­höri­gen der Bun­deswehr und ein schw­er­wiegen­der Bruch mit unser­er Ver­fas­sung.

Der Absatz ist so was von blöde, dass er genüsslich zerpflückt gehört. Das mache ich mal:

“Demokratisch”, ja, es sind Sol­dat­en unseres “demokratis­chen Lan­des”; was genau aber bedeutet Demokratie? Eben nicht bloße Staat­shörigkeit, son­dern Mehrheit­sentschei­dun­gen. Die Mehrheit kann der Kriegstreiberei des Staates nichts abgewin­nen, also lädt sie das Pack demokratisch aus. Unver­schämtheit!

“Frieden und Ord­nung”, vielle­icht hat sich das ja mit­tler­weile geän­dert; zu mein­er Zeit jeden­falls trug es zwar zu ein­er gewis­sen Ord­nung, nicht aber zu Frieden bei, wenn bewaffnete Trup­pen in anderen Län­dern ver­sucht­en, ein selt­sames Ver­ständ­nis von Demokratie (hierzu siehe oben) durchzuset­zen.

Eine “Unver­schämtheit”, apro­pos, ist hier tat­säch­lich erkennbar, aber ganz sich­er nicht gegenüber den Ange­höri­gen der Mördertrup­pen, son­dern gegenüber denen, die von ihnen über den Haufen geschossen wur­den, während sie damit beschäftigt waren, in Afghanistan und im Irak Ord­nung und Frieden zu sich­ern.

(Und den “Ver­fas­sungs­bruch” hätte ich auch gern mal belegt gese­hen.)

Persönliches
Ins warme Wasser gestoßen

Von unan­genehmen Zeitgenossin­nen zu angenehmeren ist es nur ein kurz­er Schritt. Dieser ist den­noch so entschei­dend, dass ich ihm einen neuen Artikel widme.

Die Redewen­dung “ins kalte Wass­er gestoßen wer­den” ist längst einge­bürg­ert. Wenn man sich jedoch, was ihr Erfind­er wohl nicht bedachte, erst ein­mal an das kalte Wass­er gewöh­nt hat, ist es nicht mehr unan­genehm, es zu spüren, son­dern wird sachte zum natür­lichen Umfeld (um nicht das allzu unge­nau definierte “Leben­sraum” zu ver­wen­den) des Men­schen. Lebt der Men­sch lange genug ohne die Behaglichkeit war­men Wassers, ver­lernt er es, darin zu schwim­men.

Wird man also aus sein­er qua­si­ark­tis­chen Welt nach langem Dar­ben wieder mit großen Men­gen war­men Wassers kon­fron­tiert, pad­delt man zunächst wie ein Ertrink­ender darin herum, panisch auf der Suche nach Halt und nach dem gewohn­ten, kühlen Umfeld. Der Anpas­sungs­fähigkeit des men­schlichen Organ­is­mus’ und dem Über­lebensin­stinkt ist es zu ver­danken, dass die Kraft zu pad­deln nicht erlis­cht; und so fühlt man sich auch in der neuen, unge­wohn­ten Umge­bung wieder heimisch, noch etwas unbe­holfen und unsich­er zwar, aber doch neugierig auf kom­mende Ereignisse.

Es ist schön, wieder behut­sam schwim­men zu ler­nen.

Und weil ich es ger­ade im IRC gele­sen habe und weil es eine große Wahrheit ist:

Wer über die Liebe nach­denkt, der liebt nicht mehr.
— August von Kotze­bue

PersönlichesSonstiges
Dr. Sommer, wo bleibst du nur?

Heute wurde ich uner­beten­er Ohren­zeuge eines Gesprächs zweier Jung­damen, die sich über die Schwanger­schaft ein­er gemein­samen Bekan­nten nicht allzu hohen Alters wun­derten; unge­fähr kreis­chte eine von bei­den dies: “Eeeeecht, die is’ schwanger? Wie geht das denn?”

Tja, wie geht das? Werte Jung­damen, ihr hal­tet euch doch selb­st in der Regel für nicht allzu doof. Wie das mit der Schwanger­schaft funk­tion­iert, hat euch vor nicht allzu langer Zeit noch Dr. Som­mer erk­lärt, und anders als wir Jungs habt ihr euch damals nicht nur für die Nackedeis inter­essiert, son­dern auch für die total span­nen­den Fra­gen (“kann man vom Sex schwanger wer­den?”), die euch neben­bei mit eigentlich jed­er erden­klichen Stel­lung und allen Even­tu­al­itäten bekan­nt gemacht haben soll­ten. Weil ihr dann aber im späteren Ver­lauf eures Lebens eure Inter­essen vom Lesen aufs Guck­en, Hören und Schreiben ver­lagert und eure Kom­mu­nika­tion nur noch aus dem Kon­sum von Sendern wie Viva sowie elo­quenten Diskus­sio­nen via SMS (“ilda <3<3<3 cui­ii gn8iiiii”) und auss­chweifend­en Erzäh­lun­gen mit der besten Fre­undin (“und er so und ich so und sie so und wir dann so und er so ey ne?”), die euch bei näch­ster Gele­gen­heit ohne­hin aus­tauschen wird (oder auch ander­sherum), weil ihr euch, wie so oft, in densel­ben süüüüßen Jun­gen verk­nallt habt, beste­ht, habt ihr alles, was nicht mit Frisuren, “Musik”, Klei­dung und Schmink­tipps zu tun hat, aus eurem Gedächt­nis ent­fer­nt und unwider­ru­flich entsorgt. Und wenn ihr dann eines Tages in aus­re­ichend gelöster Stim­mung seid und es tat­säch­lich schafft, dass so ein süüüüßer Junge euch Gehör schenkt, vergesst ihr die Welt um euch herum. Wenn’s euch zwis­chen den Zehen juckt, ist euch jedes Mit­tel recht, das zu ändern, und statt einem öden Bat­teried­ing darf’s halt manch­mal auch gern ein Junge sein. Jungs sind bekan­ntlich alle­samt “so bescheuert”, dass ihr ihnen nur irgend­was von Liebe und Ehrlichkeit vor­flunk­ern müsst, um mit ihnen machen zu kön­nen, was ihr wollt. Haupt­sache, Spaß am Leben! Und wenn ihr dann aus der Traumwelt erwacht, sich von dem selb­stin­duzierten Kater langsam erholend, und euch alles wieder ein­fällt, dann fällt es euch schw­er, euch einzugeste­hen, dass ihr euch auf­führt wie Men­schen, die ander­swo Geld für der­ar­tige Dien­ste nehmen; und das saublöde Arschloch, das ihr, bevor ihr es zur Stil­lung der eige­nen niederen Triebe miss­brauchtet, noch “süüüüßer Junge” nan­ntet, kann euch jet­zt gefäl­ligst gestohlen bleiben.

Entschuldigung, ich schweifte ab. Tja, wie kommt man als junges Mäd­chen von 16, 17 Jahren, das noch nicht allzu fest auf seinen eige­nen, viel zu dün­nen Beinen ste­ht und dessen let­zte “ewige Liebe” den Reko­rd von unglaublichen zwei Monat­en um eine Woche über­bot, auf die Idee, sich von “irgend­soeinem Arschloch”, an dem ihr natür­lich nie irgen­dein weit­er gehen­des Inter­esse hat­tet und das eure hil­flose Lage, aus irgendwelchen Grün­den betrunk­en mit ihm allein zu sein und ihm eure Zunge in diverse Öff­nun­gen zu steck­en, scham­los aus­genutzt hat, schon ein Kind einpflanzen zu lassen, das ihr nie woll­tet, aber es ging natür­lich alles viel zu schnell, um darüber nachzu­denken, usw.? Ich glaube ja, man muss ein­fach nur ein ver­dammt däm­lich­es Stück sein. (Das habe ich natür­lich nicht so gesagt.)

Ist doch wahr.