In den NachrichtenNerdkramsPersönliches
Ursache und Wirkung

So, wieder zu Hause. Einen aus­führlichen Reise­bericht kön­nte ich bei aus­re­ichend Inter­esse nachre­ichen; sofern es über­haupt jemand lesen will, wie unglaublich span­nend es ist, mit der Bahn länger als nur durch den eige­nen Land­kreis zu reisen. (Bei Inter­esse bitte einen Kom­men­tar hin­ter­lassen, dann tippe ich den mal ab.)

Genug davon; zurück zu Span­nen­derem.

Was ich let­zte Woche zufäl­lig ent­deckt, aber noch nicht hier veröf­fentlicht habe, ist fol­gen­des orig­i­nal in dem als “aus­gereift”, “sta­bil” und “fehler­frei” ver­rufe­nen Win­dows 7 enthal­tene Dialogfen­ster:

Wer find­et den Fehler?

In die Kat­e­gorie “Apro­pos Fehler” fällt dann übri­gens auch diese Mel­dung:

Der Super-Gau für tausende Mäd­chen und Frauen. Sie ver­schick­en pri­vate Bilder über eine Bil­lig­soft­ware fürs iPhone – doch die Bilder lan­den im Netz.

Und statt, dass sich die “tausenden Mäd­chen und Frauen” ein­mal Gedanken darüber machen, zu welchem Zweck sie Halb- bis Ganz­nack­ig­bilder von sich ver­schick­en, laufen lieber ihre Väter ver­bal Sturm:

Wenn ihr ne Tochter hät­tet deren oben ohne Bilder plöt­zlich für die ganze Nach­barschaft sicht­bar sind dann würdet ihr anders urteilen.…

Wenn ich eine Tochter hätte, deren Oben-ohne-Bilder von ihrem Mobil­tele­fon ins Inter­net gelangt sind, wäre meine erste Frage sich­er nicht, wie die ins Inter­net gelangt sind, son­dern vielmehr, wieso zum Geier sie Oben-ohne-Bilder von sich auf ihrem Mobil­tele­fon hat; aber jed­er set­zt nun mal seine eige­nen Pri­or­itäten.

Her­rje! (W. Puuh)

Persönliches
Denkpause

Und da ich hier ger­ade vor meinem auf dem pen-&-paper-Prinzip basieren­den Uni­ver­sal-note­book, von dessen Laufzeit sich manch­er Her­steller mobil­er Musik­spiel­geräte eigentlich auch mal inspiri­eren lassen kön­nte, sitze und, statt, wie ich es mir noch vor ein­er Stunde fest vorgenom­men hat­te, geistig den Aus­führun­gen des Dozen­ten zu fol­gen, über eine bevorste­hende län­gere Reise nach­denke, das trübe Wet­ter, dessen Auswirkun­gen mir eben­so wie die anschwellen­den Vogel­rufe seit Wochen­be­ginn den Schlaf verkürzen, im Blick, bemerke ich die Schranken des men­schlichen Denkens, indem das Gehirn eben, während es hier eigentlich einen Text über Musik oder zumin­d­est aber Kri­tik an der­sel­ben zu pro­duzieren assistieren sollte, ständig neues zu ver­ar­beit­en ver­sucht und so kein Gedanke sich klar fassen lässt; im Schlaf, heißt es, ver­ar­beit­et das Gehirn ver­gan­ge­nes und sortiert so etwa Gele­senes nach Inhalt, und wenn man zu viel liest und zu wenig schläft, führt das irgend­wann zu Infor­ma­tion­sstau, Klam­mer auf, und so vieles, was man sich selb­st zu müssen aufer­legt, muss man gar nicht, weshalb der Gedanke, ich müsse noch einen Text zur Unter­hal­tung mein­er Leser ver­fassen, eigentlich auch nur ein Ver­such ist, sich selb­st eine Ver­ant­wor­tung zu attestieren, die einen selb­st von der Ver­ant­wor­tung für das eigene Han­deln befre­it, Klam­mer zu, und wenn man Schreiben als pro­bates Mit­tel ver­ste­ht, seine Exis­tenz nicht alleim dem per se wenig pro­duk­tiv­en Ein­siedler­tum (dig­i­tal, ver­ste­ht sich, immer­hin) zu ver­schreiben, ist Ideenlosigkeit zwar unan­genehm, aber sie stellt nur eingeschränkt eine Behin­derung jedes anderen Lebens­bere­ich­es dar. Leben kann man auch ohne zu denken. (Hin­ter mir sitzt eine Frau und ver­sucht sichtlich angestrengt, aber vergebens, es sich nicht anmerken zu lassen, dass schreibende Men­schen auf sie sehr inter­es­sant wirken. Ich schreibe absichtlich noch ein wenig unle­ser­lich­er, Frech­dachs, der ich bin.)

Worauf ich eigentlich hin­aus will: Die Flut an elek­tro­n­is­ch­er Post, Schlagzeilen, Artikeln, nicht zulet­zt auch Chatwün­schen in IRC und Sofort­nachrich­t­en­di­enst, hil­ft nicht dabei, sich, wie es auch Wolf Schnei­der kür­zlich im Gespräch mit Anne Will lobend erwäh­nte, bin­nen kürzester Zeit über das Welt­geschehen in jed­welchem Inter­essens­ge­bi­et zu informieren. Was über all der Sorge um die Verblö­dung des Nach­wuch­ses, der, was auch Wolf Schnei­der kür­zlich im Gespräch mit Anne Will bedauerte, zwar all diese Möglichkeit­en hat, jedoch oft schlicht nicht zu nutzen beab­sichtigt, weil die Aktiv­itäten (vul­go “Pro­file”) der Fre­unde und der so genan­nten “Fre­unde” der einzig bedeut­same Aspekt der weltweit­en Ver­net­zung sind, vergessen wird, ist, dass es dur­chaus auch ein Zuviel an Infor­ma­tio­nen geben kann. Wer alles gle­ichzeit­ig tut, tut nichts richtig. “Infor­ma­tion over­load, com­mu­ni­ca­tion over­load” sang Bil­ly Sher­wood 2007, begleit­et von sein­er Band Cir­ca:, und meinte damit unter anderem vielle­icht dies. Eine auflad­bare Bat­terie ist bekan­ntlich auch irgend­wann voll.

Und um meine eigene Infor­ma­tions­bat­terie, um bei der Meta­pher zu bleiben, wieder auflad‑, qua­si also in vollem Umfang nutzbar, zu machen und weil mir son­st, bildlich gesprochen, der Kopf platzt, schiebe ich außer­plan­mäßig wieder ein­mal eine dies­mal kurze Pause von der Welt ein, will sagen: Hier geht es nicht vor Mon­tag weit­er.

Ich hoffe, ich darf euch anschließend erneut zu meinen treuen Lesern zählen. Bis dahin jeden­falls wün­sche ich ein erhol­sames Woch­enende mit Sonne und Spaß und, sofern ihr jew­eils betrof­fen seid, einen angenehmen Mut­tertag und einen erfol­gre­ichen Wahlson­ntag. Klar­ma­chen zum Ändern!, es kann nur bess­er wer­den.

(Ab. Tosender Applaus.)

Sonstiges
Oberflächliche Kritik an der “Kenn dein Limit”-Kampagne (II)

Die Aktion “Alko­hol? Kenn dein Lim­it.”, die ich in einem früheren Beitrag schon ob ihrer Zielset­zung kri­tisiert hat­te, hat übri­gens auch betr­e­f­fend der Gestal­tung ihrer Werbe­mit­tel ein nicht ganz aus­gereift wirk­endes Pro­fil.

Abge­se­hen von dem irgend­wie einge­froren erscheinen­den Gesicht­saus­druck der Pro­tag­o­nis­ten (“So, und jet­zt bitte mal alle fünf Minuten lang nicht atmen, der Fotograf muss noch kurz aufs Klo.”) und der befremdlichen Platzierung eines Sta­tis­ten ohne Sprechrolle, die zu aller­lei Sch­aber­nack ein­lädt, zum Beispiel diesem: …

…, will es mir auch beim wieder­holten Betra­cht­en aller ver­füg­baren Plakate nicht ein­leucht­en, nach welchem Sys­tem oder zumin­d­est nach welch­er Aus­sage einige Wörter her­vorgehoben wur­den.

Ander­er­seits war völ­lig unsin­niger Fettdruck ja auch schon immer ein Mit­tel der Ver­wirrung, so unter anderem auch vom längst leg­endären MAD-Mag­a­zin erfol­gre­ich prak­tiziert. Den­noch bleibt die Frage offen, son­der­bare Ver­mu­tun­gen sind und bleiben eben solche.

Wer­ber haben bisweilen wun­der­liche Ideen.
(Ob ich also mein Glück auch ein­mal ver­suchen sollte?)

Sonstiges
“Draußen kostet extra.”

Ahoi auch, Fa. Jäger­meis­ter,

da ste­he ich doch heute wieder mit dem mir eige­nen dümm­lichen Gesicht­saus­druck vor einem eur­er Plakate, die, kaum wird’s warm, in jed­er in eurem direk­ten Einzugs­ge­bi­et gegrün­det wor­den seien­den Kle­in­stadt zu wuch­ern begin­nen, und bin ein wenig rat­los ob eures Ange­bots.

“Jäger­meis­ter-Shots” bietet ihr feil, erdreis­tet euch aber nicht, wenig­stens einige Sil­ben der Erläuterung anzubrin­gen, so dass man nur auf­grund des eige­nen Ver­standes fol­gern muss, dass man eben nicht erschossen, son­dern mit Alko­ho­li­ka erfreut wer­den soll. Von solchen Spitzfind­igkeit­en, euer, Fa. Jäger­meis­ter, absur­des Werbe­deutsch betr­e­f­fend, ein­mal abge­se­hen erschien mir vor allem die Anpreisung des als Kulisse dienen­den Etab­lisse­ments der­art selt­sam, dass ich ihr diesen Beitrag widme.

Nicht nur näm­lich (oha, 3 “n”; war keine Absicht, ehrlich!) prieset ihr die in Mehrzahl gegebe­nen Tanzmöglichkeit­en an, son­dern auch, Achtung, jet­zt kommt’s!, den “Out­door­bere­ich”, immer­hin, inzwis­chen lei­der erwäh­nenswert, kor­rekt konkate­niert.

Ver­ste­he ich das richtig? Man zahlt anteil­sweise euch und den Betreibern des zur Ver­fü­gung gestell­ten Etab­lisse­ments Geld dafür, dass man Jäger­meis­ter trinken und — draußen ste­hen darf? Im so genan­nten “Out­door­bere­ich”?

Das klingt nach ein­er pro­bat­en Geschäft­sidee. Ich werde sie euch bei Gele­gen­heit entlei­hen.
Wer hat Lust, im Garten Cola zu trinken? Bei genü­gend Inter­essen­ten gibt’s Rabatt. :)

In den NachrichtenPiratenpartei
Medienkritik XXVII: Wir kriminelles Pack!

Liebe Leser,

ich bin Mit­glied ein­er krim­inellen Vere­ini­gung.

Dies jeden­falls behauptet die jüngst erschienene 200. Aus­gabe des Mag­a­zins “M!Games”, trotz des Namens offen­bar kein Mag­a­zin für dig­i­tale Jugend­kul­tur, indem es propagiert:

Schließlich haben sich die Raubkopierer jüngst zur Piratenpartei formiert, um ihren Lastern politischen Nachdruck zu verleihen.

Schon herumge­sprochen, so nahm ich an, hat sich die Geschichte hin­ter der Piraten­partei spätestens seit der let­zten Bun­destagswahl. Warum ein vorge­blich jour­nal­is­tis­ches Mag­a­zin den­noch solche grotesken Fehlin­for­ma­tio­nen ver­bre­it­et, ist für mich unbe­grei­flich. Ich nehme mir daher an dieser Stelle ein­mal die Frei­heit her­aus, den hol­prig for­mulierten Unsinn brauch­bar zu para­phrasieren und ihm ener­gisch zu wider­sprechen; die vage Hoff­nung, dass dieser Text über aller­lei dünkel­hafte Umwege in die Hände der zuständi­gen Schreiber­linge gelangt, allein genügt als Antrieb.

“Jet­zt hat sich eine Gruppe von Raubkopier­ern als Partei aufgestellt, um ihr ille­gales Treiben zu legal­isieren”, so lautet der zitierte Satz sin­ngemäß und weniger ver­schwurbelt, und dass es zum abschließen­den Inflek­tiv “*schnaub*” nicht mehr gere­icht hat, ist wohl ein­er glück­lichen Fügung von Zufällen zu ver­danken. Jeden­falls ist in diesem Satz, wie man ihn auch umstellt, beina­he nichts wahr:

“Jet­zt” (im Orig­inal­text “jüngst”) ist schon eine völ­lig falsche Ein­leitung. Die deutsche Piraten­partei trat im Jahr 2006 erst­mals öffentlich auf, die schwedis­che als ihr Vor­bild existiert somit auch nicht erst seit let­zter Woche. Da ist an den Redak­teuren wohl einiges vor­beige­zo­gen. Zwar ist “hat sich eine Gruppe von” wenig­stens einiger­maßen zutr­e­f­fend, aber die Grün­der der deutschen Piraten­partei pauschal als “Raubkopier­er” zu beze­ich­nen ist auch wieder ein amüsan­ter Ein­fall.

Richtig ist, dass die Idee hin­ter der schwedis­chen “Pirat­par­ti­et” auf das Tausch­por­tal “The Pirate Bay” zurück­ge­ht, das in den let­zten Jahren oft Gegen­stand von Gerichtsver­hand­lun­gen mit entsprechen­dem Medi­ene­cho war und in der Folge verkauft wurde. Hier endet die Wahrheit allerd­ings schon, denn zwis­chen den Betreibern des Por­tals und den Grün­dern der schwedis­chen Partei beste­ht per­son­ell keine Iden­tität; von der deutschen, die “M!Games” zu beschreiben vorgibt, ganz zu schweigen.

Was genau ist denn übri­gens ein “Raubkopier­er”? Das Beziehen dig­i­taler Dat­en (elek­trisch­er Impulse, Strom an und Strom aus, vul­go “1 und 0”) kann man mit ein wenig Fan­tasie tat­säch­lich als eine Art Kopie abstrahieren, aber was genau wird auf diese Weise wem ger­aubt, also gewalt­sam entris­sen? Die Def­i­n­i­tion eines Raubes oder doch wenig­stens Dieb­stahls bed­ingt einen abgeschlosse­nen Besitz-(nicht Eigentums-)transfer, will sagen: Danach ist es weg. Das wäre allerd­ings in der Tat eine tech­nis­che Rev­o­lu­tion, wäre über das Inter­net tat­säch­lich solcher­lei möglich. Die Jahrhun­derte des Ein­drin­gens in fremde Woh­nun­gen, wom­öglich mit Sach- oder gar Per­so­n­en­schaden ver­bun­den, wären endlich gezählt! So aber bleibt nur zu wieder­holen, was Beate Merk anlässlich des beab­sichtigten Ankaufs von Bank­dat­en aus der Schweiz sprach: Dat­en kann man nicht stehlen.

Weit­er im Text: “um ihr ille­gales Treiben zu legal­isieren” (resp. eben “um ihren Lastern poli­tis­chen Nach­druck zu ver­lei­hen”), nein, nein und nochmals nein. Die Nov­el­lierung des Urhe­ber­rechts, die die Piraten­partei anstrebt, hat vielmehr damit zu tun, dass jenes in seinem jet­zi­gen Zus­tand der glob­alen Ver­net­zung nicht mehr gewach­sen ist. Hierzu eine Grafik am Beispiel eines Ton­trägers:

Diese Verteilung ist wed­er im Sinne der Musikschaf­fend­en noch der Kon­sumenten, denn man zahlt als End­nutzer keines­falls für geistige Schöp­fungskraft, son­dern allein für den Prof­itwillen der­er, die auf dem teuer erwor­be­nen Ton­träger nicht ein­mal zu hören sind. Davon abge­se­hen sieht das derzeit­ige Urhe­ber­recht so etwas wie Musik­down­loads, legal oder nicht legal, nicht ein­mal vor. Jens Seipen­busch drück­te es im Gespräch mit Jan Philipp Albrecht, Chris Pial­lat und Jan Engel­mann so aus:

Wenn man sich jet­zt den Text des Urhe­ber­rechts anguckt, ist da im Grunde genom­men noch von Far­bkopier­ern die Rede. Den Fotokopier­er gibt es seit Ende der sechziger Jahre. Daran erken­nt man zum einen, dass es einen extremen Aufar­beitungsstau gibt. Zum anderen haben der Prozess der Dig­i­tal­isierung und die Ver­bre­itung des Inter­nets das Urhe­ber­recht prak­tisch über­ran­nt. (…) Die Ton­träger­branche wan­delt sich, weil träger­lose Medi­en dom­i­nant gewor­den sind. Deswe­gen ist auch die Diskus­sion um Pauscha­l­ab­gaben schwierig. Früher hat­ten wir Ton­träger, jet­zt haben wir eine Infra­struk­tur, die aber nicht exk­lu­siv von den Unter­hal­tungsme­di­en genutzt wer­den kann.

Nicht zu vergessen ist schließlich auch, dass die Piraten­partei keine bloße Einthe­men­partei war und ist. Neben der Nov­el­lierung des Urhe­ber­rechts wer­den auch ein trans­par­enter Staat, die Abschaf­fung jeglich­er Überwachungs- und Zen­sur­in­fra­struk­turen und eine Eindäm­mung des Lob­by­is­mus gefordert, darüber hin­aus viele weit­ere Aspek­te von Demokratie und Bürg­er­recht­en; kurz gesagt: Die Piraten­partei ist die F.D.P. des 21. Jahrhun­derts. Aber wir machen keine Fehler.

(Am 9. Mai ist Land­tagswahl in Nor­drhein-West­falen, wie mir kür­zlich zuge­tra­gen wurde. Nutzt die Gele­gen­heit weise!)

Um diesen Text nun also zusam­men­z­u­fassen, liebe Redak­teure von “M!Games”, falls es nur für wenige Sätze reicht:

Vorher, falsch: “Schließlich haben sich die Raubkopier­er jüngst zur Piraten­partei formiert, um ihren Lastern poli­tis­chen Nach­druck zu ver­lei­hen.”
Nach­her, richtig: “Auch die in mehreren Län­dern vertretene Piraten­partei hat sich unter anderem die längst fäl­lige Über­ar­beitung des Urhe­ber­rechts zum Ziel geset­zt.”

Bitte­sehr, nichts zu danken.

SonstigesNetzfundstücke
Der Inbegriff der Männlichkeit

Seit dem Medi­en­rum­mel um Tokio Hotel, die einst ein­er der Aus­lös­er für den Beginn dieser Net­zpräsenz waren, hat das The­ma Androg­y­nie, laut Wikipedia ein Syn­onym für die Eigen­schaft, “nicht (ein­deutig) geschlechtlich zuge­ord­net” zu sein oder sein zu wollen, in der Musik mit Glam­rock­sängern wie David Bowie schon in den 70-er Jahren pop­ulär gewor­den, nun endlich wieder den main­stream erre­icht.

Kon­nte man sich als Mann, heim­lich zwar mit den Zäh­nen knirschend, aber bis vor nicht allzu langer Zeit noch darüber freuen, dass der Titel “Inbe­griff der Männlichkeit” an immer­hin David Has­sel­hoff, dem man auch als anson­sten recht wenig an der Sex­u­al­ität von Män­nern inter­essierte Per­son eine gewisse Männlichkeit zu attestieren ver­mag, vergeben wurde, sprechen Umfra­gen unter den her­anwach­senden Gen­er­a­tio­nen eine ganz andere Sprache.

Begeis­tert geben die Jung­damen in ver­schiede­nen Inter­net­foren zu Pro­tokoll:

  • “er sieht ja echt nicht schlecht aus” (Anony­ma “SwEeDy”)
  • “Er ist ja ganz niedlich.” (Anony­ma “moon­dust”)
  • “Er ist so süß” (Anony­ma “taffy48”)
  • “Er macht tolle Musik, ist total süß und total nett.” (unbekan­nte Anony­ma)
  • “Ich bin reqel­recht süch­tiq nach ihm !” (sic!, eine weit­ere Anony­ma)
  • (Und aber immer­hin:)
    “Ein weit­er­er klein­er Hüpfkas­trat, von dem keines der kleinen Mädels (denen jet­zt ein achtel in die Wäsch’ geht, wenn sie ihn hören) mehr was wis­sen will, wenn er mal den Stimm­bruch hin­ter sich gebracht hat.” (Anony­mus “alpen­lostie”)

So weit nicht zu bean­standen; es gehört zur Entwick­lung eines Kindes, dass es sich Ziele set­zt, die nicht das eigene Wohl, son­dern nur den ver­meintlichen Neid der eben­falls ver­meintlichen Fre­unde resp. Fre­undin­nen zum Zweck haben. Nicht jedoch sprachen sie dergestalt über David Has­sel­hoff oder wenig­stens George Clooney, son­dern über diese fröh­liche Gestalt:

Justin Bieber (“wie man’s schreibt”, Dagob­ert Duck) heißt der abge­bildete Zeitgenosse und stellt, traut man den inter­polierten, von etlichen Mag­a­zi­nen kol­portierten Mei­n­ung der Befragten, die Kli­max der Anschaulichkeit dar.

Zwar ist nicht über­liefert, ob damit Erwartun­gen an etwaige Inter­essen­ten ver­bun­den sind, da die Frage nach ein­er möglichen Lebens­ab­schnittspart­ner­schaft mit diesem lusti­gen kleinen Fratz aber ger­adezu Welt bewe­gend erscheint, muss man als Mann entwed­er ver­dammt überzeu­gende Argu­mente vor­weisen kön­nen oder dürfte das Nach­se­hen haben; das ist auf lange Sicht wohl auch bess­er für alle Beteiligten.

(In diesem Zusam­men­hang vielle­icht auch inter­es­sant: Deut­lich über 10 % der Frauen, die gern mal an der­lei Befra­gun­gen teil­nehmen, hal­ten sich für bisex­uell und/oder haben schon entsprechende Erfahrun­gen gemacht.)

Vielle­icht spricht aus mir der blanke Neid ob der sex­uellen Anziehungskraft des Justin Bieber, vielle­icht hat es aber auch ganz andere, weniger prag­ma­tis­che Gründe, wenn ich nun aus­rufe: Ohgot­to­hgott!

(Ich solle mehr über Sex schreiben, forderte man. Gut so?)

PolitikIn den Nachrichten
Eklat im Sperrbezirk

Dann doch noch mal Poli­tik, um Didi zu ärg­ern:

Irans Präsi­dent Ahmadined­schad hat bei Uno-Abrüs­tungs­ber­atun­gen einen Eklat provoziert. Atom­waf­fen zu besitzen, sei “wider­lich und beschä­mend” — er warf den USA vor, andere mit ihrem Arse­nal zu bedro­hen. Delegierte ver­ließen den Saal, Außen­min­is­terin Clin­ton forderte die Welt auf, Iran Ein­halt zu gebi­eten.

(via SPIEGEL Online)

Wahrlich, “wider­lich und beschä­mend” ist da so manch­es. Nicht ein­mal primär, dass die deutschen Delegierten sich die Ohren zuhal­ten und “lalala” brüllen, weil sie es mit Kri­tik nicht so haben, son­dern vielmehr, dass aus­gerech­net die USA sich jet­zt an “die Welt” wen­den, weil ein Staat es wagt, den Ein­satz ihrer Atom­waf­fen zu kri­tisieren.

Reka­pit­u­la­tion: 1945 fie­len zwei Atom­bomben auf Japan. Es han­delte sich nicht um iranis­che (oder gar irakische) Atom­waf­fen, sie wur­den auch nicht von iranis­chen (oder gar irakischen) Flugzeu­gen abge­wor­fen. Die USA haben Atom­waf­fen, sie haben sie seit vie­len Jahrzehn­ten, und sie haben auch noch nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie sie im Zweifels­fall auch zur Lösung eines Kon­flik­ts nutzen wür­den. “Sagt der Mis­thaufen zur Fliege: ‘Du stinkst!’ ”

Wie viele Wahrheit­en muss der Irre aus Teheran (BILD) eigentlich noch aussprechen, bevor die Welt ihm endlich Ein­halt gebi­etet und alle friedlich gemein­sam am selt­sam grü­nen Lager­feuer sitzen und patri­o­tis­che Lager­feuer­lieder anstim­men kön­nen, ständig in Erwartung der näch­sten Gele­gen­heit, die Frei­heit unser­er Demokratie in irgen­dein­er Wüste vertei­di­gen zu dür­fen?

Da ver­lasse ich doch lieber vorher den Saal.

NerdkramsNetzfundstücke
Rekursiv rekursiv

Via Klopfers Web aufmerk­sam gewor­den bin ich auf und für amüsant befun­den habe ich diesen Spaß für Com­put­er­fre­unde:

Wie man spätestens im Infor­matik­studi­um lernt:
Man muss Rekur­sion ver­ste­hen, um Rekur­sion zu ver­ste­hen.

(Aus nahe liegen­den Grün­den verzichte ich auf einen Direk­tver­weis auf die entsprechende Inter­net­seite, da ich nie­man­dem dazu rat­en kann, Google.com oder eine ver­gle­ich­bare Google-Such­seite zu beliebi­gen Zweck­en ohne entsprechend abgesicherten Brows­er aufzu­rufen. Para­noid? Meinetwe­gen.)


Nach­trag vom 3. Mai 2010:
Klopfer hat, wie ich soeben zufäl­lig bemerk­te, kür­zlich zudem eine Kolumne zum The­ma “störende Mit­men­schen im ÖPNV” veröf­fentlicht, deren Kon­sum ich jedem mein­er Nutzer ans Herz leg­en möchte, bis ich selb­st neue Erken­nt­nisse gewin­nen kon­nte.

Man möge doch bitte die Tätigkeit­en, die die eigene Exis­tenz erträglich machen, auf geeignetere Zeit­punk­te ver­schieben. Ich onaniere schließlich auch nicht im Bus.

Wie wahr!

PolitikIn den NachrichtenKaufbefehlePiratenpartei
Marsch wider das Verstehen

Schon wieder ist 1. Mai, und die poten­ziell gewalt­bere­it­en Fan­ten und Antifan­ten (die belusti­gende Wort­wahl trifft’s dann auch irgend­wie), noch mit Restalko­hol Rest­tanz in den Mai verse­hen, verabre­den sich mit den poten­ziell eher fried­fer­ti­gen Vertretern der jew­eili­gen Gegen­seite zum gegen­seit­i­gen Stören — ein her­rlich­er Brauch, der immer wieder zum Amuse­ment über der­lei geballtes Missver­ständ­nis von Demokratie ein­lädt.

Es ist gut und richtig, Men­schen, die Demokratie für grundle­gend falsch hal­ten, mit verächtlichen Blick­en zu strafen. Nicht jedoch sollte man diesen Men­schen gle­ich­falls mit anti­demokratis­chen, gar geset­zwidri­gen Mit­teln begeg­nen; hierzu ver­weise ich auf Ver­sammlG § 21:

Wer in der Absicht, nicht ver­botene Ver­samm­lun­gen oder Aufzüge zu ver­hin­dern oder zu spren­gen oder son­st ihre Durch­führung zu vere­it­eln, Gewalt­tätigkeit­en vorn­immt oder andro­ht oder grobe Störun­gen verur­sacht, wird mit Frei­heitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geld­strafe bestraft.

“Sitzblock­aden”, für viele Teil­nehmer eine angemessene Hand­lung, fall­en eben­falls darunter; auch, wenn sie sich eben nur gegen “die Recht­en”, wie auch immer man sie definiert, richt­en. Wenn Nation­aldemokrat­en — eine in der Bun­desre­pub­lik trotz aller Ein­wände noch immer nicht ver­botene Bewe­gung — eine legit­ime Demon­stra­tion abhal­ten wollen, ist dies jeden­falls dur­chaus im Sinne der Demokratie, ganz gle­ich, ob man sich mit ihnen iden­ti­fizieren kann oder nicht. Den in diesem Zusam­men­hang oft erwäh­n­ten Rechtsstaat beacht­en keines­falls “die Nazis” nicht, es sind die, die sich ihnen in den Weg stellen. Es ist ziem­lich erschüt­ternd, was für Men­schen unter dem Deck­man­tel der falsch ver­stande­nen “wehrhaften Demokratie” auf die Grun­dregeln der Demokratie weit­ge­hend pfeifen. (Vor diesem Hin­ter­grund sind übri­gens auch Bilder block­ieren­der Bürg­er in Piratenkostü­men ziem­lich erschreck­end; ich hoffe, kein Außen­ste­hen­der ver­fällt jet­zt ern­sthaft dem Glauben, solcher­lei ließe sich mit dem piratis­chen Ver­ständ­nis von Demokratie vere­in­baren!)

Eine Demokratie kann nur funk­tion­ieren, wenn ihre Mit­glieder sie respek­tieren. Wer sie nicht respek­tiert, sollte sich den Mund mit Seife auswaschen gehen, wenn er das Wort “Demokratie” ver­wen­det hat; ganz gle­ich, auf welch­er Seite er ste­ht.

Wie gesagt: Es ist schön, Pirat zu sein.

Als Nach­trag zu meinem Monolog übri­gens auch ein Hin­weis auf die neue Aus­gabe des Mag­a­zins Titan­ic, die mir seit gestern vor­liegt:

Allein schon deshalb lesenswert.

PolitikIn den Nachrichten
Hellas von Sinnen

Das 13. und 14. Monats­ge­halt für Staats­be­di­en­stete und für Rent­ner, so hieß es vorhin tat­säch­lich in den Fernsehnachricht­en, sollen gestrichen wer­den; so richtig schlecht scheint es den Griechen ja dem­nach nicht zu gehen.

Nichts­destoweniger ist ihre finanzielle Sit­u­a­tion selb­st im Ver­gle­ich zu dem an Fremd­kap­i­tal ger­adezu immens reichen Deutsch­land offen­bar ziem­lich furcht­bar, und so darf sich der deutsche Steuerzahler wieder ein­mal darauf freuen, ein Land gerettet zu haben. SPIEGEL Online:

Horst Köh­ler stärkt der Bun­desregierung bei der Hil­fe für Griechen­land den Rück­en. “Deutsch­land sollte auch aus eigen­em Inter­esse seinen Beitrag zur Sta­bil­isierung leis­ten”, sagte der Bun­de­spräsi­dent laut Rede­manuskript bei ein­er Wirtschaft­sta­gung in München. Griechen­land erwarte ver­ständlicher­weise Hil­fe zur Selb­sthil­fe.

Vielle­icht fehlt mir auch ein­fach nur die aus­re­ichend Ken­nt­nis solch­er wirtschaftlich­er Zusam­men­hänge, aber zumin­d­est das Wort “ver­ständlicher­weise” will mir auch bei inten­siv­er Betra­ch­tung nicht ein­leucht­en, sind doch die für die Pleite ver­ant­wortlichen Griechen in den let­zten Tagen regelmäßig im Büßerge­wand zu sehen und zu hören, wenn sie zugeben, dass Fehler gemacht wur­den. (Die pas­sive For­mulierung erspart das Eingeständ­nis, dass sie allein die Schuld tra­gen.) Und so eine Währung­sunion bedeutet ja auch keines­falls, dass sich ihre Mit­glieder gewisse Grund­sätze zu berück­sichti­gen hät­ten, nicht also “ein­er für alle”, son­dern immer und prinzip­iell “alle für einen”:

Forderun­gen nach einem Auss­chluss Griechen­lands aus der Euro­zone lehnte [Roland] Koch ab: “Ein Zer­fall des Euro würde Europa nicht dienen — und min­destens ein Drit­tel des Schadens würde Deutsch­land bezahlen.”

So spart Deutsch­land sog­ar noch eine Menge Geld; nett. Hierzu übri­gens nochmals Horst Köh­ler, allerd­ings 1992:

Wenn sich ein Land durch eigenes Ver­hal­ten hohe Defizite zulegt, dann ist wed­er die Gemein­schaft noch ein Mit­glied­staat verpflichtet, diesem Land zu helfen. (…) Es wird nicht so sein, dass der Süden bei den soge­nan­nten reichen Län­dern abkassiert. Dann näm­lich würde Europa auseinan­der­fall­en.

Das wäre ja ger­adezu undenkbar.

Sonstiges
Fiktive Reaktion auf die Damen vom Wachturm

Eine Ansprache, die bei Gele­gen­heit noch gehal­ten wer­den muss:

“Aber natür­lich bin ich als denk­ender Men­sch an einem Gespräch über Gott inter­essiert, Gnädig­ste! Nehmen Sie doch Platz. Gott also, her­rje, was hat der alte Knabe schon wieder angestellt? Nein, Scherz bei­seite: Gott ist ger­ade in der immer hek­tis­cheren, dekaden­ten Gesellschaft dieser Tage eine wichtige Kon­stante, die zeigt, dass auch der Glaube einen nicht immer weit­er­bringt. Sehen sie, zu allen Zeit­en haben Men­schen an etwas wie eine höhere Macht geglaubt, vol­lkom­men gle­ichgültig, wie sie genan­nt oder verehrt wurde. Dieser Glaube kam stets von innen und fol­gte keinem äußeren Zwang; vielmehr ist Glaube der Ver­such des Indi­vidu­ums, in sein­er per­sön­lichen Exis­tenz so etwas wie ein Ziel zu sehen, das ihn selb­st, auf seinen eige­nen Geist abges­timmt, bekräftigt. Immer wieder sind jedoch Propheten aufge­treten, die eben­falls einen Glauben hat­ten, und haben im Namen dieses Glaubens Men­schen, die keinen Glauben benötigten, zu einem gefährlichen Welt­bild getrieben. Bis in die heutige Zeit hinein wird im Andenken an diese Propheten ver­sucht, Men­schen zu bekehren, weil der gefährliche Irrglaube noch immer nicht aus­geräumt ist, dass es wahren und viele falsche Glauben gäbe, weil nur der, der der immer gle­ichen Vorstel­lung von Gott einen bes­timmten Namen gibt, vor der unver­mei­dlichen Apoka­lypse gerettet wer­den kann. Diese Bekehrer vergessen, worum es im Glauben geht; nicht näm­lich um Massen­hys­terie und kollek­tives mea cul­pa in freudi­ger Erwartung des immer wieder unvorherse­hbar nicht ein­tre­tenden Wel­tun­ter­ganges, son­dern darum, etwas im Leben zu find­en, das ihm Sinn ver­lei­ht.

So ist auch der Satz ‘Glauben kannste in der Kirche’, der in Schulen oft erschallt, wenn ein zu Unter­rich­t­en­der eine Antwort mit ‘Ich glaube’ begin­nt, ein Zeichen dafür, dass das Wis­sen um den Wert des Glaubens noch immer der Ver­bre­itung bedarf, eine Kirche, errichtet und gewei­ht von Men­schen, die gemein­sam an etwas glauben, was ihre Propheten für gut und richtig hal­ten, nicht aber an das, was ihr Selb­st empfind­et, halte jeden­falls ich nur eingeschränkt für einen geeigneten Ort, dem eige­nen, eigentlich wahren Glauben zu frö­nen. Reli­gion ist ein anschaulich­es Beispiel dafür, wie Glaube nicht funk­tion­iert. Glaube ist ein Spiegel­bild der eige­nen Seele; ein Glaube aber, der daraus beste­ht, was Dritte vorschreiben, ist ein Aber­glaube.

‘Gott sei Dank’, so lautet ein Sprich­wort, ‘bin ich Athe­ist.’ ”

PersönlichesProjekteSonstiges
HiFi für Fortgeschrittene

Ab und zu kommt es vor, dass mir im ÖPNV Per­so­n­en den Freiraum nehmen, die sich in keine der drei Haup­tkat­e­gorien ein­deutig einord­nen lassen; die sprich­wörtlichen Aus­nah­men von der Regel sozusagen. Heute machte ich Bekan­ntheit mit ein­er auch mir noch unbekan­nten Spezies.

Der Jung­men­sch, augen­schein­lich weib­lich und etwa 17 Jahre alt, war schon zu hören, bevor er eingestiegen war. Möglich machte dies die offene Kon­struk­tion der bei­den Ohrhör­er, mit­tels der­er er, wie deut­lich ver­nom­men wer­den kon­nte, elek­tro­n­is­che Tanz­musik in unge­sun­der Laut­stärke kon­sum­ierte. Nun gehört es ja zu einem unschätzbaren Vorteil dieses Typs Schal­laus­gabe, dass man seine Mit­men­schen nicht mit seinen eige­nen musikalis­chen Vor­lieben kon­fron­tieren muss, der sich prompt ver­flüchtigt, entschei­det man sich für die offene Vari­ante; es ist schon erstaunlich, wie hochqual­i­ta­tiv Musik heutzu­tage aus diesen Geräten erschallen kann, nur lei­der auf der falschen Seite. Und man kann ja auch nur schw­er­lich etwas dage­gen unternehmen (wollen), Musik­genuss ist jedem freigestellt. Den Jung­men­schen darauf anzus­prechen ist im einiger­maßen voll beset­zten Verkehrsmit­tel und zumal qua­si als Gegen­reiz zur noch immer in ein­drucksvoller Laut­stärke flir­ren­den Tonab­folge auch nur wenig Erfolg ver­sprechend erschienen; so blieb, wie üblich, nur tapferes Augen­rollen, stets bedenk­end, ob man selb­st sich von Drit­ten vom ungestörten Musik­genuss abbrin­gen lassen würde, also eben nicht. Ich benötige unbe­d­ingt wieder brauch­bare Kopfhör­er. Mift.

(Abge­se­hen davon gehörte der Jung­men­sch übri­gens der zweit­en Kat­e­gorie an.)

Apro­pos sprich­wörtlich: Jemand sollte den Besitzern der auch nach Jahren noch immer häu­fig neu eröff­nen­den Geschäfte, deren Namen mit “Mc” oder “Mac” begin­nen, ein­mal zu ver­ste­hen geben, dass schot­tis­che Namen sprich­wörtlich zwar auf eine gewisse Sparsamkeit hin­deuten, dass es allerd­ings für die poten­ziellen Kun­den eines sparsamen Schot­ten nur wenig ein­ladend ist, wenn er sich schon vor dem ersten Betreten des Geschäfts als Geizhals zu erken­nen gibt. (Da doch “McDonald’s” auch mehr für sparsame Qual­ität als für preiswertes Ange­bot ste­ht, wie längst bekan­nt sein dürfte; aber was soll’s.)

Eine beacht­enswerte Fußnote: eMule beba 2.60 ist fer­tig.

PolitikIn den Nachrichten
Guido und der Kommunismus

(Vor­weg: Fol­gen­der Text ent­stand spon­tan und ist daher weniger pointiert, dafür ein wenig bis­siger als üblich. Für Pointen im Kom­men­tar­bere­ich bin ich daher jed­erzeit dankbar.)

Hitlerver­gle­ichen, so häu­fig sie auch vorkom­men, wohnt längst nicht mehr der Reiz des Unverzeih­lichen inne. Da ist es doch schön, dass der F.D.P.-Vorzeigeaußenminister des laufend­en Jahrzehnts eine Alter­na­tive aus der Schublade gekramt hat, ein­drucksvoll tran­skri­biert von flat­ter:

Aber was ist denn die Alter­na­tive? Rot- Rot-Grün! Da – möchte – ich – unser – Land – vor – bewahren;
Das hat unser Land nicht ver­di­ent, dass in unserem Land 20 Jahre danach Sozial­is­ten und Kom­mu­nis­ten wieder etwas zu sagen kriegen.

Natür­lich ist das nicht viel mehr als schmieriger Pop­ulis­mus, wie ihn auch die ungeliebte Gegen­seite gern prak­tiziert, und natür­lich wer­den Sätze wie diese nicht dazu beitra­gen, dass die Boule­vardme­di­en for­t­an objek­tiv über Her­rn West­er­welle, Neolib­er­al­is­mus und Wirtschaft­skrim­i­nal­ität ein­mal bei­seite geschoben, bericht­en, ohne ständig sug­ges­tiv nach der Nähe zum recht­en Rand (also, ver­mut­lich, der CSU) zu fra­gen. Mit jedem Satz dieser Art, sofern die richti­gen Schlag­wörter enthal­ten sind, beg­ibt er sich ins Abseits, nur kann man ihn nicht ein­fach rauswer­fen wie Eva Her­man ihrerzeit, son­dern muss sich damit auseinan­der­set­zen, was er sagt. Lei­der beschränkt sich das meist darauf, dass alle Lesenden ein erschüt­tertes Gesicht machen, so etwas sage man doch nicht, wehret der Anfänge und über­haupt, weil manche Anfänge eben brisan­ter sind als andere und die Linke zwar den bürg­er­lichen Sozial­is­mus pflegt, aber son­st mit der Illu­sion der sozialen Gerechtigkeit, wie sie kom­mu­nis­tis­che Regimes seit Dekaden mit bekan­ntem Erfolg predi­gen, nichts zu tun hat; nicht wahr?

Marx­is­mus jeden­falls, so scheint es, ist die neue (und bessere) Auto­bahn.

In den NachrichtenNerdkrams
Digitale Unmündigkeit im Zeichen des Apfels

Noch eine nicht unin­ter­es­sante Neuigkeit ist übri­gens die, dass Apple sich jet­zt doch noch daran erin­nert, dass sie außer dem iPod‑, iPad‑, iPhone- und iDioten-Markt auch noch einen Markt für die nicht vol­lends dem gad­get-Wahn ver­fal­l­enen Heiman­wen­der beset­zen, dem sie sich bisweilen mal wieder aus­führlich wid­men soll­ten, so lange es noch kein Ver­lust­geschäft ist. Und damit die Leute nicht aufhören, für Apples Inno­va­tions­fähigkeit zu trom­meln, genügt natür­lich keine sim­ple Ankündi­gung ein­er neuen OS-X-Ver­sion mit irgendwelchen Detailän­derun­gen (“Verbesserun­gen” ist so ein schreck­lich sub­jek­tiv­er Begriff), son­dern es muss ordentlich rumpeln, und so ver­bre­it­ete man fol­gen­des:

Devel­op­ers plan­ning on mar­ket­ing soft­ware for 10.7 will sub­mit their prod­ucts to the App Store as iPhone and now iPad devel­op­ers have already done. 10.7 will have ker­nel sup­port for (‘insis­tence on’) bina­ries signed with Apple’s root cer­tifi­cate.

No soft­ware will be able to run on Mac OS X 10.7 with­out being approved and signed by Apple, Inc.

Auf Deutsch heißt das also fol­gen­des: Da aus­re­ichend viele Per­so­n­en bere­it waren, Apple Geld zu bezahlen, um das iPhone mit neuen Anwen­dun­gen (“apps”) ausstat­ten zu dür­fen, ist dieses Konzept als erfol­gre­ich zu beze­ich­nen und wird auch auf MacOS über­tra­gen. Kün­ftige OS-X-Ver­sio­nen wer­den nur noch jene Anwen­dun­gen erlauben, die von Apple (für rel­a­tiv viel Geld) sig­niert, also abge­seg­net, wur­den.

Unter der Prämisse, das sei mehr als ein Gerücht, ste­ht zu befürcht­en, dass selb­st die der­art erfol­gte Per­ver­sion des Prinzips eines Betrieb­ssys­tems, das auf ein­er freien Basis fußt, nicht genügt, um den Mythos Apple als das zu ent­lar­ven, was die meis­ten Konkur­ren­zkonz­erne eben auch sind; nichts weit­er näm­lich als kom­mer­zori­en­tiert, stets ver­sucht, die zahlen­den Kun­den noch ein wenig mehr zu beschnei­den, so dass selb­st die von Microsoft geförderte dig­i­tale Rechtev­er­wal­tung beina­he schon wie ein Wink der Frei­heit wirkt.

Sie ler­nen es ein­fach nicht.

MusikIn den NachrichtenKaufbefehle
Deutschland sucht den zweiten Platz, Musikfreunde verzweifeln

Wie ich heute früh — also zu mein­er eigentlichen Freude noch später als üblich — und tat­säch­lich nur verse­hentlich erfuhr, ist eine weit­ere Staffel des über­flüs­si­gen Selb­st­darsteller­wet­t­laufs “Deutsch­land sucht den Super­star”, das der durch­schnit­tliche Zuschauer gern als DSDS, was er sich ger­ade noch so merken und selb­st betrunk­en (also im Ide­alzu­s­tand) noch halb­wegs fehler­frei grölen kann, abkürzt, jüngst vorüber gegan­gen, über­schat­tet von der Omnipräsenz der zwar musikalisch hochw­er­tigeren, aber auch nicht zweck­er­füll­teren Suche nach “unserem” “Star” für Oslo, von dem ich ohne­hin annehme, sie wer­den ihn nicht behal­ten wollen und post­wen­dend zurückschick­en, auf dass wir mit weit­eren hochk­las­si­gen Pophym­nen der Marke “Satel­lite” erfreut wer­den mögen. (Inwiefern ein durch­schnit­tlich­es Stück Aller­welt­spop mit anglo­phonem Text Deutsch­land, abge­se­hen von dem schreck­lichen Akzent der Inter­pretin, zu repräsen­tieren imstande ist, möge jemand Geeigneteres erforschen.)

Nun wird im Inter­net eine Aktion propagiert, die wahlweise Blüm­chens “Boomerang” von 1996 oder Led Zep­pelins “Stair­way to Heav­en” von immer­hin 1971 anstelle RTLs unsäglichen “Gewin­ners” auf Platz 1 der Hit­pa­rade zu platzieren zum Ziel hat. Ich mag Blüm­chen nicht, auch wenn ich in jun­gen Jahren auch so mancher­lei Ton­träger (wen­ngle­ich nicht von ihr) erwarb, der mich heute nurmehr gehäs­sig angrinst; ger­ade junge Leute sind oft eher der ein­fachen musikalis­chen Struk­tur und möglichst bun­ten Videos zugeneigt als wahrer Kul­tur, schade ist das schon. Blüm­chen jeden­falls ist ja auch nicht unbe­d­ingt dafür bekan­nt, ihre Beliebtheit bei jun­gen Kon­sumenten und die damit ver­bun­dene Zahl der Ton­trägerverkäufe mit bspw. hochw­er­tiger Musik ver­di­ent zu haben, so dass diese Wahl doch eher kon­trapro­duk­tiv erscheint.

Den­noch kann ich auch keineswegs den alter­na­tiv­en Kauf des Led-Zep­pelin-Stück­es empfehlen. So angenehm es auch wäre, in der Hit­pa­rade endlich wieder ein­mal etwas von tal­en­tierten Rock­musik­ern statt nur von den immer­gle­ichen Pop­mar­i­onet­ten zu sehen, so falsch ist doch der Sinn der Aktion.

In der Hit­pa­rade zählt nicht, was gut ist, son­dern allein, was neu ist. Kaum jemand würde bestre­it­en, dass zum Beispiel “The Vel­vet Under­ground & Nico” oder “Sgt. Pepper’s Lone­ly Hearts Club Band” zu den essen­ziellen Musikalben des vorigen Jahrhun­derts gehören, den­noch ste­hen die Chan­cen auf ihre Wiederkehr (im Falle von The Vel­vet Under­ground ist dies ohne­hin der falsche Begriff) in der Alben­hit­pa­rade eher ger­ing. Die Hit­pa­raden mögen ein Indiz für den Zeit­geist sein, eines für Qual­ität und Kul­tur sind sie jedoch keines­falls. Es set­zt sicher­lich ein Zeichen, wenn der ger­ade aktuelle Schnulzen­depp nur noch auf Platz 2 statt auf Platz 1 gewählt wird, aber es wird keinen der beab­sichtigten Geschädigten wirk­lich beein­druck­en. Die Pro­duzen­ten dieses Schrottes haben eben­so wie die Ver­ant­wortlichen von RTL (die das mit der “Ver­ant­wor­tung” regelmäßig missver­ste­hen) ihr Geld längst bekom­men, bevor das Pro­dukt in den Läden ste­ht, und voraus­sichtlich in der Fol­ge­woche ste­ht ohne­hin wieder ein neuer erster Platz fest, und alles ist vergessen und war, gemessen an der Nach­haltigkeit, let­ztlich vergebens. (Apro­pos Pro­dukt, “Kul­tur als Ware” ist auch schon wieder eine erschreck­ende Erschei­n­ung eigentlich, aber von “Kul­tur” mag ich dann hier doch lieber nicht reden.)

Ein wahrer Musik­fre­und weiß: Will ich wis­sen, was gute Musik ist, sehe ich in die Hit­pa­raden und kaufe, was nicht darin ist. Und so werde ich mein­er­seits es auch hal­ten:

Am 12. Mai d.J. erscheint zum Beispiel das kom­mende Album der von mir sehr geschätzten Augs­burg­er Postrock­band Dear John Let­ter. Es wird in kein­er Hit­pa­rade dieses Plan­eten Platz find­en, es wird nicht von den Massen­me­di­en, ver­mut­lich mit Aus­nahme der auch son­st sehr lobenswerten Zeitschrift VISIONS, für eine leben­snotwendi­ge Anschaf­fung gehal­ten, die Mit­glieder der Gruppe wer­den auch nicht Tag und Nacht von Jour­nal­is­ten und BILD-Schreiber­lin­gen belagert, den­noch weiß ich: Es wird ein großar­tiges Album sein.

Nur, um etwaigen Missver­ständ­nis­sen vorzubeu­gen: Ich halte es für gut und richtig, wenn die Men­schen um die musikalis­che Entwick­lung und den Ein­fluss der Prekari­atsme­di­en besorgt sind und in den Hit­pa­raden lieber Qual­itätsmusik als teuer bezahlte Kurzzeitun­ter­hal­tung sehen möcht­en. Dann bitte ich aber um Kon­se­quenz. Ich möchte nicht nur für etwas weniger als 1/52 des Jahres einen einzi­gen Hit­pa­raden­platz von wom­öglich Blüm­chen beset­zt sehen, ich möchte, dass die Hit­pa­raden als solche nicht mehr als Anzeigetafel für den höch­sten Wer­bee­tat dienen. Hat man sich zumin­d­est darauf geeinigt, bin ich selb­st gern bere­it, an der­lei Aktio­nen teilzunehmen.

Bis dahin jeden­falls wird mein Ton­träger­re­gal auch weit­er­hin auss­chließlich von Qual­ität und Jugend­sün­den bewohnt. Es scheint dort recht gemütlich zu sein.

(Apro­pos “Idioten”: 120 Kilo­me­ter lange Men­schen­kette gegen Atom­kraft, was allein die Anreise wohl an Atom­strom gekostet haben mag?)