PersönlichesPolitikIn den NachrichtenNerdkrams
Resignation grotesk

Gegeben sei ein nicht­de­ter­min­is­tis­ch­er endlich­er Automat:

Hab ich sel­ber mir aus­gedacht.
— Max Goldt: Deine Reime sind Schweine


Welt.de berichtet übri­gens bezüglich des Nichtkrieges in Afghanistan:

Merkel nimmt an Trauer­feier für Gefal­l­ene teil

Kan­z­lerin Angela Merkel (CDU) wird an der Trauer­feier für die drei am Kar­fre­itag in Kun­dus getöteten Sol­dat­en der Bun­deswehr teil­nehmen.

Ken­nt eigentlich, abge­se­hen von Welt.de, irgend­je­mand den Unter­schied zwis­chen “fall­en” und “ster­ben”?
Bitte erst selb­st über­legen, bevor zum Beispiel hier die Lösung erforscht wird.

In den Nachrichten
Kurz verlinkt XV: Wenn Löschen technisch “nicht möglich” ist.

Web­seit­ensper­ren, so heißt es immer wieder, sollen “nur dann” im “Kampf gegen Kinder­pornografie” ver­wen­det wer­den, wenn ein Löschen nicht ohne größeren Aufwand umzuset­zen wäre, wie auch immer man diesen Aufwand definiert.

Nun hat sich ein dänis­ch­er Zugangsan­bi­eter ein­mal ana­lytisch mit der ihm aufge­tra­ge­nen Sper­rliste befasst und das Ergeb­nis pub­liziert:

Abge­se­hen davon, dass fast die Hälfte der Web­sites offline ist, kommt das Zeug zu über 97% aus den USA, Wes­teu­ropa und Kana­da.

Elf Web­seit­en kom­men aus Deutsch­land. Sollte auf diesen tat­säch­lich Darstel­lun­gen sex­uellen Miss­brauchs von Kindern befind­en, muss man sich schon fra­gen warum die deutschen Ermit­tlungs­be­hör­den das dulden. Denn ange­blich ste­hen sie ja in der Zwis­chen­zeit in gutem Kon­takt mit den Dänen. Wenn dort andere Inhalte zu find­en sind, muss man sich fra­gen, warum diese auf der Sper­rliste ste­hen …

(Weil man sich ja dieser Tage ohne­hin fragt, welch­es Süp­pchen uns als näch­stes kre­den­zt wird, und darob die Reste vom Vortag ver­gisst, und weil man den Vortag dann eigentlich auch lieber vergessen würde, aber er sich jedes Mal auf­dringlich ins Blick­feld schiebt, als wüsste er nicht genau, dass man satt ist und ihn satt hat. Die Vögel brüllen eine liebliche Ode dazu.)

PersönlichesMusikSonstiges
Die Definition der Liebe aus drei Perspektiven

Liebe bedeutet, sich im Angesicht des Anderen wohlig, sich­er zu fühlen. Liebe ist das Gemein­same, nicht das Indi­vidu­elle. Indi­vidu­elle Liebe ist Selb­stliebe. Liebe ist vor allem aber auch blind, taub und naiv. Wer liebt, kann und wird ver­lieren, unver­mei­dlich und nur unter Selb­stauf­gabe auf­schieb­bar. Liebe ist die Bere­itschaft, sich selb­st überzeu­gend zu belü­gen.

(Hierzu zwei Erleb­nisse: Unter­hält sich doch heute im ÖPNV ein kreis­chstim­miges Frol­lein mit einem anderen kreis­chstim­mi­gen Frol­lein und erzählt eine Begeben­heit aus dem offen­bar näheren gemein­samen Bekan­ntenkreis; sieso, einen ihn nachäf­fend: “ ‘Oah, ja, ich ver­misse sie voll und so’, und weißte, wie oft er sie angerufen hat? Nicht ein­mal, weißte? Tolle Liebe!” — Liebe wird, scheint’s, mitunter in Worten gemessen.

Meint doch gestern im IRC ein allzu selb­st­be­wusstes gle­ich­falls Frol­lein zu mir, es sei ger­adezu unmännlich, auf den Aus­tausch jed­welch­er Kör­persekrete, ratio­nal betra­chtet, verzicht­en zu kön­nen; zumal selb­st ich, ließe sie es darauf ankom­men, nur allzu willig würde. Män­ner seien nun ein­mal bekan­nt dafür, von der bloßen Gegen­wart beton­ter weib­lich­er Kör­per­for­men in ihrer Ratio­nal­ität aus­re­ichend eingeschränkt zu wer­den und umge­hend zu lieben zu begin­nen; “sich lieben” habe nicht grund­los ver­schiedene Bedeu­tungsebe­nen, und wer jeman­den wahrhaft liebe, suche qua­si unver­mei­dlich auch die kör­per­liche Annäherung. — Das Selb­stver­ständ­nis mancher­lei mod­ern­er Frau lässt mich erschaud­ern.)

Was weißt denn du von Liebe?
Von Liebe weißt du nichts.

— Fettes Brot: Emanuela

NetzfundstückeNerdkrams
Kurz verlinkt XIV: Das iPad, ein Accessoire für Kellerbewohner

Endlich mal ein hand­fester Grund auch für iPad-Besitzer, es für ein schlecht kon­stru­iertes, über­flüs­siges Gerät zu hal­ten: Ihr teuer erwor­benes Spielzeug hält nicht nur keine Schläge aus, es hat sich auch als recht wet­ter­füh­lig erwiesen.

Apple hat das iPad für Betrieb­stem­per­a­turen zwis­chen 0 und 35 Grad Cel­sius aus­gelegt — darunter und darüber garantiert der Her­steller keinen ordentlichen Betrieb. Als ide­al beschreibt Apple eine Raumtem­per­atur von 22 Grad. Gle­ich­es gilt laut Apples Sup­port­web­seit­en auch für iPods und iPhones. Das iPhone schal­tet sich ab dem Mod­ell 3G bei Über­hitzung eben­falls ab, was allerd­ings eher sel­ten zu beobacht­en sein dürfte.

Dass vom iPad schon im Früh­ling von Über­hitzung zu lesen ist, lässt ver­muten, dass die Abwärme ins­beson­dere der CPU und das Aufheizen des Gehäus­es schneller als erwartet zum Prob­lem wer­den. Apple rät, das iPad möglichst vom war­men Son­nen­licht fernzuhal­ten und es auch nicht im aufge­heizten Auto zu nutzen — vor allem weil die Akkuleis­tung darunter nach­haltig lei­den kann.

“Wie, du hast noch kein iPad?” — Selb­st schuld, wer diese Frage stellt.


Sehr schön ist übri­gens auch der heutige heutige Titan­ic-Start­seit­en­bild­witz. Da bewaffneter Kon­flikt ich doch tat­säch­lich einen kurzzeit­ig belustigten Gesicht­saus­druck, der dann allerd­ings aus alten Grün­den auch schnell wieder ver­flog. Ach, die Men­schlichkeit.

PolitikNetzfundstücke
Kollateralmord

Passend zu Didis Über­legun­gen zu Unterzahlen und Überzahlen und zur Abwech­slung von den reflex­iv-grüb­lerischen Selb­stzweifeln der let­zten Tage mal wieder was zum Krieg kriegsähn­lichen Zus­tand:

Es wurde ein Video (auch via eMule) veröf­fentlicht, das zeigt, wie sich die demokratisch legit­imierten Befreiungstrup­pen im Irak benah­men resp. benehmen und wie egal ihnen “verse­hentlich” getötete Zivilis­ten wie Jour­nal­is­ten und Kinder sind. Mitschriften der Dialoge gibt’s auch auf Deutsch.

Fefe fasst zusam­men:

… man sieht darauf wohl, wie sie Zivilis­ten plattmachen, obwohl sie wis­sen, dass da eine TV-Crew dabei ist, dann komt ein Van mit Zivilis­ten, die Men­schen­leben ret­ten wollen, und wo auch noch Kinder an Bord sind, und den zer­schießen sie auch noch. Am Ende gibt es noch einen herzhaften Lach­er, als die Sol­dat­en merken, dass sie über eine Leiche drüberge­fahren sind.

Kann ja mal passieren.

PersönlichesLyrik
Die falschen Worte.

Es wäre auch zu schön gewe­sen, hätte die Geschichte mit der Froschle­iche kein Nach­spiel gehabt.

Das Leben mit all seinen kom­plizierten Zusam­men­hän­gen ist nicht immer ein faires, und Übereinkün­fte bedeuten nicht immer Einigkeit. Dies voraus­ge­set­zt erfüllt es, wenn ein gemütlich­es Beisam­men­sein, forciert durch die berauschende Wirkung des Alko­hols, dazu führt, dass man sich näher kommt, ohne sich im Voraus der möglichen Fol­gen bewusst gewe­sen zu sein, und nach einem Tag der Ungewis­sheit mit Vor­wür­fen kon­fron­tiert wird, gar die Schuld trägt am gemein­samen Ungewis­sen und der falschen Zweisamkeit zum wom­öglich immer­hin richti­gen Zeit­punkt, und überdies zunächst von einem unver­hofften Drit­ten, der sich als neuer (frisch­er, unver­brauchter) Lebens­ab­schnittsweg­be­gleit­er der doch eigentlich zumin­d­est und aber immer­hin ver­meintlich noch gut befre­un­de­ten Per­son gemein­samen Inter­ess­es zu erken­nen gibt, über diese Unwäg­barkeit­en informiert wird, noch bevor die Dimen­sion des Ver­gan­genen von dann allerd­ings doch let­zter­er schriftlich verdeut­licht und sub­jek­tiv (somit unver­mei­dlich ein­seit­ig) überze­ich­net erläutert und mit Ver­wün­schun­gen und Aus­drück­en der Reue für etwas verse­hen wird, was dann ja eigentlich keine Mis­se­tat, vielmehr ein bei­der­seit­iges Ungeschick war, dann ins­ge­samt auch nicht die Voraus­set­zun­gen für den sprich­wörtlichen Funken Hoff­nung in den gle­ich­falls sprich­wörtlichen schlimm­sten Alb­träu­men bzw. dann eben auch nur Befürch­tun­gen gle­ich­er Beschaf­fen­heit, son­dern bildet die Kulisse für die Sym­phonie der Zer­störung, die nun bekan­nt har­monis­chen Men­schen wie dem Schreiber dieses Textes hier wahrlich nicht zur Erheiterung beitra­gen, hinge­gen sehr wohl zu dem, was der oft zitierte Volksmund mitunter als Depres­sion beze­ich­net, aber sich eher in zeitweis­er Niedergeschla­gen­heit als in dauer­haften psy­chis­chen Schä­den man­i­festiert.

Damit ich irgend­wann sagen kann: Jed­er liebt ein Regengedicht, weil wir oben auf sind und trock­en hin­ter den Ohren und wis­sen, was es heißt, zu zweit zu sein, ganz ohne den Schat­ten eines aller­let­zten Tages, denn wir wis­sen, was es heißt, zu zweit zu sein; und zum Glück fällst du mir nicht mehr ein, wenn ich hier kotze vor Scheißglück­lich­sein. Und die Frage heißt immer nur leben mit dir im Jet­zt oder nie, und ich werde der erste sein — bes­timmt werde ich der erste sein! -, der dich ken­nt. Meine Angst, dass sich alles jet­zt ändert, schlägt meinen Tag tot. Gar nichts mehr bleibt. Das, was wir hier suchen, ist vielle­icht das, was wir schon haben und gar nicht wollen. Das, was wir hier suchen, ist vielle­icht auch gar nicht da.

- The Hirsch Effekt: Epis­tel / Cal­mo

PersönlichesNetzfundstückeFotografie
Erfolgreiche Abende sehen so aus.

Nach­mit­tags mit ein­er ver­muteten Froschle­iche im Hals und anson­sten immer­hin leichtem Unwohl­sein in einem furcht­bar ein­deutig riechen­den Zim­mer aufwachen und erle­ichtert fest­stellen, dass, eben­falls immer­hin, keine dauer­haften Gäste zurück­ge­blieben sind, die man bewirten müsste und mit denen ein Gespräch über die ver­gan­genen Stun­den, worauf in mancher­lei Sit­u­a­tion jeglich­er Kom­mu­nika­tionsver­such lei­der bzw. zum Glück hin­auszu­laufen pflegt, keine uneingeschränkt erfreulichen Resul­tate zutage förderte, ist natür­lich auch etwas, was man ab und zu mal erleben sollte.

Apro­pos erfol­gre­iche Abende bzw. so ist das in Han­nover:

  • Ich — Sor­ry, aber ich muss weg. Von Euch Gestal­ten bekomme ich Kopf­schmerzen. Das ist echt zum Schreien.
  • Sie — Wie geil! F_ckst Du mich im Kopf [sic]. Ich lutsch Dir ab [sic]. Schmerz im Kopf vom _ick sind sooo geil [sic]. Ich schreie auch, nur für Dich. Ich rieche: Spe_ma schmeckst Du gut [sic]. Bist Du leck­er im Sack [sic]. Geil! Isst Du gesund?
  • Ich — (Wort­los­er Abgang)

Mehr gibt’s, such­maschi­nen­fre­undlich unzen­siert, bei Front­bumper­stick­er.

MusikKaufbefehlePersönliches
Für dich.

Die Fan­tastis­chen Vier: “Ewig”.
Gefäl­ligst käu­flich zu erwer­ben­des Album: “Viel”.
Danke.

Wie lange ist das jet­zt her? War das ein anderes Leben?
Denn ich weiß nichts mehr von dir außer was wir erlebten.
Hab keine Ahnung, was du machst oder wo du jet­zt bist,
weiß nicht, wen du ver­misst, und war das jemals ich?
Hab noch irgend­wo ’ne Num­mer, doch was hil­ft mir die schon?
Das mit uns bei­den war noch lei­der vorm Mobil­tele­fon;
und selb­st, wär’s noch die gle­iche, ich glaub, ich würd es nie wagen,
denn wenn ich dich erre­iche, was soll ich dir denn sagen?

Dachte ehrlich, das mit uns hätt sich schon ewig erledigt,
doch jet­zt denk ich mehr denn je an dich zurück und ver­steh nicht:
War es ein wenig zu viel, oder war’s nur viel zu wenig?
Sag mal, geht das nur mir so oder geht es dir ähn­lich?

Ach.

Nerdkrams
Easterhacks?

Da man mich nun schon mehrfach darüber informierte und Fefe es noch nicht geblog­gt hat, tu ich’s jet­zt:

Sowohl grundig.de als auch blaupunkt.de scheinen ger­ade einige kleinere Prob­lem­chen zu haben; let­ztere immer­hin nur ohne WWW-Prä­fix:

Bei grundig.de sieht’s nach einem etwas ern­sthafteren Hack als nach einem Verse­hen aus. Einen Direk­tlink zu der Seite set­ze ich bewusst nicht, da man nie so genau weiß, ob da Schad­soft­ware lauert; jeden­falls: Dieser Tage ste­ht, wenn ich als Nicht-CCC-Mit­glied richtig informiert bin, das rit­uelle Oster­hack­en (“East­er­hacks” — ein grandios­es Wort­spiel eigentlich) an. Es sollte mich nicht wun­dern, wenn das miteinan­der zu tun hat, vor allem, da es in let­zter Zeit recht still war, was das Ein­drin­gen in deutschsprachige Net­zpräsen­zen bet­rifft.

(Heute ist, wie ich ger­ade noch rechtzeit­ig erfahren habe, Kar­fre­itag — will heißen: Heute ist für alle gläu­bi­gen Chris­ten Spaßver­bot. Das respek­tiere ich natür­lich und sehe daher davon ab, lustige Dinge zu for­mulieren. Nett von mir, nicht wahr?)

Lied zum Woch­enende in eigen­er Sache:
Die Toten Hosen — Depres­sion Deluxe

Es ist furcht­bar.

PolitikIn den Nachrichten
Zwecklose Enquête

Die CDU/CSU hat bekan­nt gegeben, wen sie in die Rei­he der Sachver­ständi­gen aufgenom­men hat, die kün­ftig so tun sollen, als hät­ten sie Ahnung von dig­i­taler Kom­mu­nika­tion. Wie üblich ließen die Ankündi­gun­gen auf einiges hof­fen:

Wir sind uns über das Ziel einig, aber bei der Wahl der wirkungsvoll­sten Instru­mente wollen und müssen wir das Wis­sen der Net­zge­meinde nutzen. Das gilt auch für andere Bere­iche wie etwa Medi­enkom­pe­tenz und Leis­tungss­chutzrechte.

Wer aber ern­sthaft der Mei­n­ung war, mit “Net­zge­meinde” meine die Frak­tion ihre Kri­tik­er, die seit Jahren darauf hin­weisen, dass ein wenig Experten­wis­sen der Diskus­sion sicher­lich nicht schaden würde, war schön blöd. Kein Vertreter der neti­zens (also immer­hin auch kein Sascha Lobo) ist aufge­führt, hinge­gen Men­schen eines ganz anderen Schlages:

Pro­fes­sor Dieter Gorny ist Vor­standsvor­sitzen­der des Bun­desver­bands Musikin­dus­trie e. V.

Dieter Gorny, ich erwäh­nte es bere­its, ist der fröh­lich dahin­plap­pernde Mann, der die Grauen, die die deutsche Hit­pa­rade beherrschen, mit Ange­bot und Nach­frage begrün­det und im Zweifels­fall auch kein Prob­lem damit hätte, Leuten, die ihm und seines­gle­ichen nicht in den Kram passen, das Inter­net abzu­drehen. Und die übri­gen Mit­glieder der Kom­mis­sion sind auch nicht bess­er: Vertreter von “Jugend­schutz”, BITKOM und ähn­lichen Inter­essensver­bän­den, die sog­ar schon mal einen Com­put­er gese­hen haben dürften, dür­fen sich berufen fühlen.

Was genau erwartet die CDU/CSU eigentlich von dieser Enquête-Kom­mis­sion? Offen­bar jeden­falls keine kri­tis­chen Mei­n­un­gen oder gar fundiertes Wis­sen über das, was “die Net­zge­meinde” von ihr erwartet.

Und wer dachte, noch ekliger könne es nicht mehr wer­den, hat diesen Satz noch nicht gele­sen:

Für uns ist der Bürg­er der 18. Sachver­ständi­ge unser­er Enquete-Kom­mis­sion.

So ist das, wenn man als 18. Sachver­ständi­ger irgend­wo sitzt und die anderen 17 sich einig sind, genau das Gegen­teil sei richtig. Aber nett, dass die Exis­tenz von Bürg­ern über­haupt noch zur Ken­nt­nis genom­men wird.

Ich bin ger­ade einiger­maßen unge­hal­ten.

SonstigesIn den Nachrichten
32. März 2010.

So, 1. April is’. Den jew­eili­gen Aprilscherz in den ein­schlägi­gen Wochen­zeitschriften (inkl. der c’t) haben meine geschätzten Leser sicher­lich schon zur Ken­nt­nis genom­men und, je nach Gus­to, für amüsant befun­den. Und im Laufe des Tages wer­den auch die üblichen Web­seit­en wieder zu den gewohnt witzi­gen Ideen der let­zten Jahre greifen, darunter der Dauer­bren­ner “Wir schal­ten unsere Dien­ste für immer ab” und das auch recht beliebte CSS-Spielchen “Willkom­men zu unserem neuen Ekeldesign”, und die Nachricht­en­seit­en wer­den wieder über irgendwelchen Unsinn bericht­en. Jedes Jahr bin ich wieder gewil­lt, selb­st — blöde Witze kenne ich wahrlich in nicht geringer Zahl! — mein Scher­flein zu der all­ge­meinen Blöde-Witze-Stim­mung beizu­tra­gen, allein fehlt’s mir an Moti­va­tion; und es wäre ohne­hin alles schon mal da gewe­sen.

Wen­ngle­ich dieser Scherz zwar Ner­ven raubend, aber mir dur­chaus noch neu war:

Pünk­tlich um 01:00 Uhr GMT+1 fing der in den meis­ten Chatkanälen im Quak­enet anwe­sende Ver­wal­tungs­bot “Q” an, willkür­liche Nick­na­men aus seinem jew­eili­gen Fun­dus zu ziehen und mit virtuellen Ausze­ich­nun­gen, darunter, was zu mein­er Erheiterung beitrug, auch Fer­ris Bueller, zu über­schüt­ten:

(01:00:09) (@Q) [vader[off]] has earned the achieve­ment [Leased Line]!
(01:00:12) (@Q) [k0ks] has earned the achieve­ment [Opti­cal Fibre]!
(01:00:20) (@Q) [Divu­na­tor] has earned the achieve­ment [Fer­ris Bueller]!
(01:00:38) (@Q) [Tux^verdreifelt] has earned the achieve­ment [Leased Line]!

Einige Minuten und rat­lose Äußerun­gen im IRC später fol­gte eine Erk­lärung vom Ankündi­gungs­bot “N”, der erk­lärte, dass es sich bei den achieve­ments um ein neues Punk­tesys­tem han­dle:

(N) (Broad­cast) As you may have noticed, Q is spam­ming a bit more than usu­al. This is on pur­pose, you can safe­ly ignore it. It’s part of our amaz­ing new achieve­ments sys­tem! How many points do you have?

Im weit­eren Ver­lauf wurde offen­bar, dass es zudem eine Ran­gliste gibt, in der man unter anderem durch kon­stantes Fluten der Net­zbots und Diskus­sion­skanäle auf­steigen kann. Das gefiel. Selb­st, wenn es mor­gen wieder abgeschal­tet wird, so hat­te man doch wenig­stens ein biss­chen Spaß daran. :)

Schön, wenn es noch immer eine neue hüb­sche Idee am 1. April gibt. Bevor jeden­falls ich irgen­deinen abge­drosch­enen Scherz nochmals aufwärme, lehne ich mich lieber zurück, durch­stöbere meine Feed­abon­nements nach allzu offen­sichtlichen Falschmel­dun­gen, höre ein wenig Webra­dio und freue mich über die vor­lesungs­freien Tage und auf die Umset­zung der vie­len Ideen, sie zu ver­brin­gen. (Da beschw­ert sich doch ger­ade der Didi bei mir, dass ich nicht jeden Tag zwei Beiträge abson­dere. Nein, am Ende hält man mich noch für ein Mit­glied der “Blo­gosphäre” und erwartet von mir qual­i­ta­tiv hochw­er­tige Analy­sen des gegen­wär­ti­gen Welt­geschehens und Ein­träge in irgendwelchem Web‑2.0‑Firlefanz. Das muss nicht sein, und daher schreibe ich lieber etwas weniger Masse mit etwas mehr Bedacht.)

MusikMusikkritik
Lady wer?

Als ich heute früh den Energi­etrankhändler mein­er Wahl auf­suchte, wurde ich dort zu meinem Erstaunen nicht mit dem gewohn­ten Easy-Lis­ten­ing-Klang­brei belästigt, son­dern es erschallte mit “Hey Baby” ein bekan­ntes Lied der Musik­gruppe No Doubt. Erfreut darüber beschloss ich, diesen Beitrag zu schreiben.

No Doubt, bekan­nt gewor­den mit der zweit­en Sin­gle “Don’t Speak” im Jahr 1996 und zulet­zt 2003 mit “It’s My Life”, ein­er Cov­erver­sion des gle­ich­nami­gen Liedes von Talk Talk, deren Melodie ich mir allerd­ings nicht merken kann, weil die Erin­nerung an das wiederum gle­ich­namige und bekan­ntere, aber recht unschnafte und auch son­st völ­lig andere Lied von Bon Jovi sie stets überdeckt, einen hit veröf­fentlicht habend, ist eine seit 1986 qua­si gemein­sam auftre­tende Musik­gruppe, die mehrere Stile in ihren Liedern vere­int. Ihr bekan­ntestes Mit­glied ist Sän­gerin Gwen Ste­fani, die 2004 ihr Solode­bü­tal­bum “Love. Angel. Music. Baby.” in den Hit­pa­raden posi­tion­ieren ließ und im Video zu der ersten Auskop­plung “What You Wait­ing For?” (ohne Prädikat, ver­ste­ht sich) mit aller­lei Rem­i­neszen­zen in abson­der­lichen Kostü­men Lewis Car­rolls Kinder­buch “Alice im Wun­der­land” Trib­ut zollte und, qua­si neben­bei, trotz des 2009 von der wirr benamten Dame Ke$ha, vor Kreativ­ität nur so über­schäu­mend, ver­hun­zten Intro­texts (“tick tock tick tock tick tock …”) auch gle­ich einen der tre­f­fend­sten Main­stream­pop-Lied­texte des Jahrzehnts dazu dar­bot:

“Take your chance, you stu­pid ho!”

Wer war noch mal Lady Gaga?


Nach­trag vom 31. März 2010:
Wie passend — kaum erwähne ich diese “Ke$ha”, sehe ich ihr Album schon bewor­ben; “bein­hal­tet die Hits ‘Tik Tok’ und ‘Blah Blah Blah’ ”. Danke, reicht schon.

PolitikIn den NachrichtenKaufbefehle
Europäisches Gebrabbel

Oh, nein, ooohh­hh, neeeeei­i­i­i­in:

Die Europäis­che Kom­mis­sion will alle EU-Staat­en verpflicht­en, den Zugang zu kinder­pornografis­chen Web-Seit­en zu block­ieren. Die geplanten Inter­netsper­ren sind Teil ein­er umfassenden Richtlin­ie zum Kinder­schutz, die “mit den dun­klen Eck­en des Inter­nets und den krim­inellen Bildern von Kindesmiss­brauch aufräu­men”, wie die EU-Innenkom­mis­sarin Cecil­ia Malm­ström in einem Gast­beitrag für die Online-Aus­gabe der “Frank­furter All­ge­meine Zeitung” schreibt. Den Entwurf der Richtlin­ie will Mal­ström an diesem Mon­tag in Brüs­sel vorstellen.

Wollen’s die Län­der nicht, will’s halt die EU, dann kön­nen die Län­der nichts dafür.

Gesichtspalme


Lesetipp zum nochma­li­gen The­ma Men­schen mit furcht­baren Stim­men und Kauf­be­fehl für Bücher­fre­unde:

Auf Cicero.de zitiert Max Goldt aus sein­er aktuellen Textsamm­lung “Ein Buch namens Zim­bo”, aktuell, passender­weise, einen Text zu den Topoi “Men­schen, die in der Öffentlichkeit reden, aber es bess­er bleiben lassen soll­ten” sowie “Men­schen, die nicht unbe­d­ingt so ausse­hen, wie man sie gern sehen würde”, inklu­sive Mitschrift aus ein­er Gesprächssendung, die zweit­eres betraf, aber auch zu ersterem passt:

“… Ich bin ein denk­ender Men­sch, und ein denk­ender Men­sch ändert seine Mei­n­ung, aber ich glaube, ich bin so ’n Men­sch, ich glaub, ich würde das, so viele Leute haben mich mal gefragt, also was würdest du machen, wenn ja, so, und ich habe schon immer etwas weniger Brust gehabt, hab aber da ein­fach tierisch wahnsin­nig doll Angst, daß, wenn ich da was machen würde, daß ich Angst hätte, daß ich das spüren kön­nte …”

Lesen, amüsiert wiehern und das ver­dammte Buch kaufen, s’il vous plaît!

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Medienkritik extern: Das Dilemma der Boulevardschreiberlinge

Wann immer eine noch unbescholtene Per­son das öffentliche Inter­esse gewin­nt, wie zum Beispiel jüngst Lena Mey­er-Lan­drut, dann ist es Usus, dass sich sogle­ich die Medi­en mit ihr befassen, die von sich behaupten, das öffentliche Inter­esse an ihr zu befriedi­gen (und vor Befriedi­gung mancher­lei Art tropfen diese Schmierblät­ter dann auch tat­säch­lich oft ger­adezu); und wenn man nichts find­et, was von Belang sein kön­nte, dann erfind­et man entwed­er irgen­deinen Unsinn oder denkt sich wenig­stens eine hüb­sche Über­schrift aus:

Aus der Über­schrift “Wie heil ist Lenas Welt?” tropft förm­lich die Hoff­nung auf Fam­i­lien­dra­men, Dro­gen, Sex und Schum­meln bei den Vor­a­bik­lausuren, aber nichts davon hat die Autorin gefun­den. Jet­zt muss sie unüber­prüf­bare und belan­glose Aus­sagen wie “Für 7,90 Euro ließ sie sich Spitzen schnei­den” als Sen­sa­tions-Mel­dung verkaufen. Wenn man schon son­st nichts gefun­den hat und extra hinge­fahren ist.

Mehr dazu und über die unschöne Berichter­stat­tung über Jörg Kachel­mann gibt’s bei Lukas zu lesen.

(Sehr beze­ich­nend ist übri­gens auch diese hüb­sche Bilder­strecke, die die heutige NPD-Demon­stra­tion in Duis­burg und die zahlre­ichen Gegen­demon­stran­ten pro­tokol­liert. Von wem Gewalt und Pro­voka­tio­nen aus­gin­gen, ver­mag sie nicht zu zeigen, aber gewalt­tätige Rechte kann zumin­d­est ich dort nicht erken­nen. Über die Gewalt­bere­itschaft jeden­falls gibt der zuge­hörige Artikel beredt Auskun­ft: Laut Polizei ver­sucht­en zwis­chen­zeitlich einige, aus der Gruppe auszubrechen und zu den NPD-Vertretern zu gelan­gen. Es wäre wom­öglich auch zu viel ver­langt gewe­sen, den schlim­men Recht­en mit Gle­ichgültigkeit oder friedlich­er Aver­sion zu begeg­nen. Es ist schön, Pirat zu sein.)