In den NachrichtenNerdkramsProjekte
Pi.

Pi, die Naturkon­stante mit den sehr, sehr vie­len Nachkom­mas­tellen, ist eine Zahl, der man auch als Nicht­math­e­matik­er Aufmerk­samkeit schenken sollte. Zum Einen enthält ihre Binär­darstel­lung, sofern die Zahl tat­säch­lich, wie ver­mutet, unendlich ist, sämtliche Dat­en dieser Welt (inklu­siv­er divers­er Pornografie und Hitlerre­den, ver­ste­ht sich), zum Anderen übt sie bis heute, abge­se­hen von ihrem noch immer nicht bekan­nten exak­ten Wert, eine eigen­tüm­liche Fasz­i­na­tion auf Men­schen aller Altersstufen und Bil­dungs­grade aus; der heutige 14. März (3–14, wie der US-Amerikan­er zu schreiben pflegt, also, inter­es­san­ter­weise, minus 11) ist fol­gerichtig zum Pi-Tag erk­lärt wor­den, der weltweit, ähn­lich dem 1234567890 Day, gefeiert wird; um gebührend genau zu sein, nur zum ersten von zwei “Pi-Tagen”, denn am 22. Juli find­et der Pi-Annäherungs-Tag (22/7, also unge­fähr 3,1429, gemäß Archimedes, der damit bere­its vor über 2200 Jahren ein erstaunlich genaues Ergeb­nis errech­net hat) statt.

Eine Leserin erin­nerte mich außer­dem fre­undlicher­weise daran, dass mit dem 14. März seit eini­gen Jahren ein eher weniger math­e­ma­tisch, dafür aber maskulis­tisch rel­e­van­ter Tag begin­nt:

Der 14. März ist ab sofort offiziell “Schnitzel-und-Blowjob-Tag”. Ein­fach, wirkungsvoll und selb­sterk­lärend ist dieser neue Feiertag dazu da, damit Ihr Frauen Eurem Hold­en endlich zeigen kön­nt, wie sehr Ihr ihn liebt. Keine Karten, keine Blu­men, keine tollen Nächte des Aus­ge­hens; der Name dieses Feiertags erk­lärt alles: nur ein Schnitzel (oder Steak) und ein Blowjob. Das ist alles.

Anders als dieser unsägliche Valentin­stag eine wahrlich schöne Tra­di­tion, die man opu­lent würdi­gen sollte.
Math­e­matik ist schon eine tolle Sache.

(Die Grafik stammt ursprünglich von hier, wurde dann leicht über­ar­beit­et von mir. [Reimt sich!])


Sta­tis­tik des Tages für Green­peace, PETA und Sozialar­beit­er: Wer moralisch han­delt und sich zum Wohle ander­er ver­hält, leit­et daraus häu­fig das Recht ab, gegen Nor­men zu ver­stoßen; wenn man so viel für die Gesellschaft tut, kann die Gesellschaft auch mal was zurück­geben, ver­ste­ht sich von selb­st und bedarf kein­er etwaigen Höflichkeit. Man ist ja schließlich kein warmherziger Bern­har­diner barmherziger Samarit­er, nich’ wahr?

Merke: Ego­is­t­en sind immer nur die anderen.

PolitikIn den Nachrichten
Kritik ist Diskriminierung!

Die F.D.P. hat von Islam und Frauin­nen gel­ernt:

Die Europa­poli­tik­erin Sil­vana Koch-Mehrin und der Par­la­men­tarische Geschäfts­führer der Bun­destags­frak­tion, Jörg van Essen, beschuldigen SPD-Poli­tik­er, Vor­be­halte gegen Homo­sex­uelle zu schüren, wenn sie über die Motive der Mronz-Mitreise mut­maßen.

(Sueddeutsche.de)

Lind­ner warnte am Fre­itag im ZDF vor schlim­men Fol­gen der Vor­würfe gegen West­er­welle: “Wir müssen auf­passen, dass die Demokratie ins­ge­samt nicht Schaden nimmt durch solche Vor­würfe, die da kon­stru­iert wer­den.” Er ver­langte “einen respek­tvollen Umgang von Demokrat­en miteinan­der. Dazu gehören auch min­i­male Anstand­sregeln.”

(SPON)

Das kön­nte noch zu amüsan­ten Sit­u­a­tio­nen führen, wenn zukün­ftig jed­er, der dummes tut, Kri­tik­er pauschal als Diskri­m­inier­er abtun wird; beziehungsweise käme es mir zugute. Denn wer will schon durch Nichtbe­suchen dieser Inter­net­präsenz als jemand gel­ten, der intol­er­ant gegenüber Insin­ter­netschreibern ist?

Wenn das Adjek­tiv, das Gui­do West­er­welle primär ange­heftet wird, “schwul” ist, dann hat sich “schwul” in den let­zten Jahren tat­säch­lich zum Schimpf­wort gewan­delt, und die F.D.P. tut sich seit der let­zten Bun­destagswahl durch aller­lei schwule Aktio­nen her­vor, zum Beispiel, indem sie sich zuerst über Hartz-IV-Empfänger echauffiert und ihnen dann die Beiträge kürzt.

Die bürg­er­liche Mitte macht mir, irgend­wie, Angst.

NerdkramsNetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz verlinkt X: Geolokäischen ist voll so Web 3.0, mindestens.

Da stellen die Webzwein­ull-Fachid­ioten richtig fest, dass sich aus Gratis­di­en­sten nur sel­ten Kap­i­tal schla­gen lässt, und statt sich mal mit sin­nvollen The­men zu beschäfti­gen, suchen sie nach der näch­sten Verbesserung für unser aller Leben, und sie suchen, wie üblich, an der falschen Stelle:

Über Twit­ter und Face­book sollen kün­ftig Leute mit entsprechen­den Mobil­geräten sehen, dass sie gle­ich mit einem anderen Nutzer kol­li­dieren, dann kön­nen sie gegen­seit­ig via flink aus­ge­tauschter mes­sage ihre gesunde Leben­se­in­stel­lung gut find­en und sich freuen, dass sie zu den in peo­ple und nicht zu den Lang­weil­ern gehören, die sich noch umständlich mit­tels mündlich­er Kom­mu­nika­tion ver­ständi­gen.

Don Alphon­so fasst in einem angemesse­nen Ton­fall zusam­men:

Sie wer­den ihre Mobil­geräte zück­en und check­en, ob ein ander­er Depp in der Nähe ist, der das bestätigt und sie dafür nicht aus­lacht. Sie wer­den uns vom Vergnü­gen der von der Vir­tu­al­ität über­brück­ten Real­ität erzählen, und in Rom auf ihr Dis­play star­ren, wenn andere den Vatikan betra­cht­en, und lin­sen, ob sie jemand beobachtet, dem man dann erzählen kann, wie ver­dammt cool das ist — und dabei lei­der auch noch den LKW ent­deck­en, der sie beina­he kohlen­stof­flich platt gemacht hätte. Wenn jemand ihrer Bekan­nten twit­tert, dass er ger­ade über die Device gemerkt hat, dass er in der Nähe ist, bekom­men sie einen Orgas­mus und wer­den noch ein wenig schmutziger.

Was wohl danach kom­men mag?
(Und ob ich das wirk­lich wis­sen will?)

NetzfundstückeIn den NachrichtenNerdkramsSonstiges
Die Wirbelsäule fegen — warum?

Eins dieser Sprach­wirrnisse, die mich immer wieder zu amüsieren ver­mö­gen, ist die kon­se­quente Gle­ich­set­zung von jmdm. etw. zukehren, ‑wen­den mit jmdm. etw. kehren. Wenn ich, zum Beispiel, den Nach­barn den Gehweg kehre, dann meist, weil es geschneit hat. Manch­mal kehre ich auch Dinge unter den Tep­pich oder schlicht um. Wonach mir allerd­ings auch noch nicht der Sinn stand, ist es, mit einem Kehrg­erät anderen natür­lichen oder juris­tis­chen Per­so­n­en den Kör­p­er reini­gend zu trak­tieren; um so erstaunlich­er erscheint dies angesichts des Umstandes, dass es zu den nor­malen Tätigkeit manch­er Men­schen zu gehören scheint, anderen Men­schen den Rück­en zu kehren.

Das kann unmöglich auf Dauer gut für den Rück­en sein; aber es schafft zusät­zliche Arbeit­splätze im Bere­ich des Kehrwe­sens und ander­er­seits, gle­ich­sam als Aus­gle­ich, des Kraft­sports:

Der Bun­des­gericht­shof stärkt Anlegern den Rück­en: (…).

Ha ha. Na ja.


“Ha ha” mit einem “uff” ist zudem dies:
Da bringt also ein Vater seine Tochter um, weil sie es wagt, mit einem Jugendlichen anzuban­deln, was, ver­ste­ht sich, eine furcht­bare Tragödie ist; so weit, so wun­der­lich. Das Schluss­wort des Vaters während der Gerichtsver­hand­lung hat mich allerd­ings noch mehr über­rascht:

In seinem Schluss­wort sagte der Angeklagte: “Ich habe sie getötet, um sie zu schützen.” Er habe Angst gehabt, dass Büs­ra ent­führt wer­den oder ihr son­st etwas zus­toßen könne.

Klar, der Ben­gel hat ver­mut­lich weniger Inter­esse an ihr, wenn sie tot ist. Sie sollte froh sein, dass man sich so um sie sorgt!


Son­der­lich intel­li­gent wirken auch die Ver­suche von Drehbuch­schreibern, aus nichtigem Anlass mod­erne Tech­nik in ihre Hand­lung einzuweben, nicht immer; so wurde bspw. gestern auf RTL eine Folge der Serie Law & Order aus­ges­trahlt, in der unter anderem ein Blog­ger gespielt wurde, der eine Liste aller Kom­men­ta­toren mit ihrer jew­eili­gen, aufge­merkt, Logi­nadresse führt.

Nicht online: Mit einem Stift. In einem Buch.
So richtig ana­log.

Nur so als klis­chee­hafte Frage: Wie hoch wären meine Chan­cen, wenn ich ver­mutete, der Drehbuch­schreiber ist ein Kon­ser­v­a­tiv­er über 40 Jahren, richtig zu liegen?

(Heute in’ner Uni übri­gens per Zufall bemerkt: Wer wegen der Entwick­lung kün­stlich­er Intel­li­genz bere­its jet­zt Angst um seine Zukun­ft hat, möge sich ein­mal mit Cpt. Kirk unter­hal­ten. Tipp für Gourmets: Mit Ton ist es noch ein­drucksvoller.)

FotografieMusik
Sonnen, hohe Ströme…

High vibra­tion, go on to the sun
Oh, let my heart dream­ing
Past a mor­tal as me, where can I be?

Wish the sun to stand still
Reach­ing out to touch our own being
Past a mor­tal as we, here we can be

— Yes: Awak­en

In den NachrichtenNerdkrams
Pong!

Da es, immer­hin seit min­destens Juli 2009 bekan­nt, noch immer in mancher­lei Neuigkeit­en­rubrik Erwäh­nung find­et, ist es noch nicht zu spät, wenn ich mich nun erdreiste, selb­st auch mein pikantes Gewürz einzubrin­gen.

Die Mel­dung ist ger­adezu spek­takulär: Die Uni­ver­sal Stu­dios haben die Rechte an Aster­oids zwecks Ver­fil­mung erwor­ben. Aster­oids — Vertreter mein­er Gen­er­a­tion ken­nen das wahrschein­lich noch — war, unter Vor­be­halt, der erste heim­com­put­er­taugliche space shoot­er, also das eben­solche Wel­traum­schießspiel, der seit 1979 zahlre­iche Gen­er­a­tio­nen mit seinem aus­gek­lügel­ten Spiel­prinzip und sein­er faszinieren­den Grafik an den Bild­schirm zu fes­seln weiß:

Nach Kinoerfol­gen wie Doom ist es nur logisch, dass es jet­zt auch Kult­spie­len (wobei aber doch “Kult” die Verehrung von eingeschwore­nen Gehe­im­bün­den qua­si bed­ingt und eben das Gegen­teil bedeutet, aber es verkauft sich bess­er als “abge­lutscht­es Stan­dard­spiel”) filmisch an den Kra­gen geht, und das Drehbuch ist ja eigentlich schon fer­tig. (Wird es dann eigentlich auch das Spiel zum Film zum Spiel geben, ganz in alter Cov­er­manier, und wer wird eigentlich die Aster­oiden spie­len?)

Auch eine Trilo­gie ist denkbar:

“Aster­oids — der Film”, “Aster­oids 2: Frog­ger­alarm” (die Wahl eines Haupt­darstellers wird sich­er eben­falls recht inter­es­sant) und schließlich, als Krö­nung, der Abschluss unter der Regie von min­destens Steven Spiel­berg, ein Meis­ter­w­erk des Sur­re­al­is­mus’:

PONG: Die Aster­oiden schla­gen zurück!

In den Haup­trollen kön­nten zum Beispiel Keira Knight­ley, Natal­ie Port­man und Dan­ny DeVi­to bril­lieren, die Laufzeit wird nicht unter zwei Stun­den betra­gen, aus dem Stoff lässt sich ’ne Menge machen. Wird bei den Film­fest­spie­len ordentlich abräu­men, jawoll­ja.

Apro­pos “argh”: Als ich, über diesen Beitrag sin­nierend, durch die Straßen der Stadt schlen­derte, ran­nten mir zwei Bäl­ger Jungex­em­plare Men­sch über den Weg. Das laufende Spiel hieß offen­bar Fan­gen, und so quäk­te der Flüch­t­ende der bei­den Jung­men­schen fröh­lich: “Fang mich doch, du Eier­loch!”. Ja, er sprach genau dies.

Die ver­wen­dete Beze­ich­nung für den Mit­spiel­er ist so schön doof, dass man sie for­t­an als Leser dieses Textes bitte in seinen aktiv­en Wortschatz aufnehmen möge. Besten Dank.

(Oh, heute ist übri­gens der inter­na­tionale Frauen­tag. Endlich ist die Bude mal sauber. Gute Sache, dieser Tag. Die Restzeit bis zum Schnitzel- und Blowjob-Tag 2010 beträgt, aber­mals übri­gens, nur noch etwas mehr als 5 Tage. Ich bitte um fre­undliche Beach­tung.)

In den NachrichtenNerdkrams
Einstweilige Verfügung gegen UseNeXT

Da predigt man seit Jahren, dass man als File­shar­er eine recht plat­in­far­bene Zukun­ft hat, jeden­falls ver­glichen mit denen, die aus­re­ichend leicht zu begeis­tern sind, dass sie frei­willig Geld an einen Konz­ern zahlen, nur um sich­er Schwarzkopi­en herun­ter­laden zu kön­nen, und man wird trotz aller Erfolge der Indus­trie müde belächelt. “eMule ist eh tot”, und das schon seit min­destens zehn Jahren, ver­ste­ht sich.

Zur Abwech­slung geht es jet­zt auch mal anderen Anbi­etern an den Kra­gen:

Der ‘GEMA’ ist den eige­nen Angaben zufolge erneut ein großer Erfolg gegen die Betreiber des Dien­stes UseNeXT gelun­gen. Die am 17. Feb­ru­ar dieses Jahres ver­han­delte einst­weilige Ver­fü­gung gegen den Zugangsan­bi­eter zum Usenet hat das Landgericht Ham­burg nun erlassen.

Das Urteil des Landgerichts in Ham­burg bringt eine erweit­erte Haf­tung für Zugangsver­mit­tler mit sich. Laut ein­er veröf­fentlicht­en Mit­teilung der GEMA haften diese nicht nur wenn sie expliz­it auf ille­gale Nutzungsmöglichkeit­en ihres Ange­bots hin­weisen. Auch wenn der bewor­bene Dienst nicht aus­re­ichend zum Schutz der Rechtein­hab­er mod­i­fiziert wird, ist von ein­er Haf­tung die Rede.

Ich halte üblicher­weise nicht viel von den Entschei­dun­gen des LGs Ham­burg, das bisweilen auf­grund frag­würdi­ger Entschei­dun­gen Aufmerk­samkeit von eher mod­er­nen Medi­en erlangt, aber dies­mal, aus­nahm­sweise, darf es sich beglück­wün­scht fühlen.

Einem Unternehmen, das damit wirbt, dass man über es — nach Zahlung eines gerin­gen Obu­lus’ — nahezu unbe­gren­zten Zugriff auf nicht geringe Men­gen gratis Soft­ware habe, kann man, so meine ich, dur­chaus Vor­satz unter­stellen. Wenn UseNeXT, dank deren/dessen Ange­bot das Usenet der Mehrheit der Inter­net­nutzer wohl nur mehr als Ansamm­lung frag­würdi­ger Inhalte bekan­nt ist, nun gezwun­gen ist, Inhalte her­auszu­fil­tern, dürfte dieses Ange­bot deut­lich an Attrak­tiv­ität ver­lieren. (Es erscheint mir ange­bracht, wieder ein­mal auf eMule hinzuweisen; jeglich­es Fil­tern von Inhal­ten wäre dank dezen­tralen Auf­baus wirkungs­los.)

Tat­säch­lich ähnelt das Vorge­hen von Unternehmen, die den Aus­tausch von Geld gegen Schwarzkopi­en fördern, weit eher der tra­di­tionellen Hehlerei als P2P-File­shar­ing, das ja lediglich dem unent­geltlichen Date­naus­tausch dient. Ich hoffe, das Beispiel des LGs Ham­burg macht Schule, und die Inter­essensvertreter küm­mern sich nun­mehr ver­stärkt um die kom­merziellen Anbi­eter. File­shar­ing ist kein Ver­brechen.

“UseNeXT? Ist eh tot.”

In den Nachrichten
Heilige Stoppschilder

Ich würde mich an dieser Stelle gern über die katholis­che Kirche lustig machen, aber das kön­nte teuer wer­den. Ihre Vertreter sind näm­lich zwar nicht bere­it, aufzuhören, sich an Knaben zu verge­hen, aber sie haben was dage­gen, dass man darüber berichtet:

Gestern machte die Süd­deutsche Zeitung bekan­nt, wie ein katholis­ch­er Wür­den­träger aus dem Bis­tum Regens­burg Hin­weise auf Kindsmiss­brauch mit Abmah­nun­gen erstick­te. Der Fall eines Mar­burg­er Blog­gers deutet darauf hin, dass dies kein Einzelfall gewe­sen sein kön­nte.

Ich bin bekan­ntlich ein eher fried­lieben­der Men­sch, dem es grund­sät­zlich erst ein­mal miss­fällt, mit mar­tialis­chen Phrasen seine Abnei­gung kundzu­tun, aber in diesem Fall geht mir (Peter möge mir verzei­hen, dass ich diese For­mulierung adap­tiere) das Mess­er in der Tasche auf. Kön­nte bitte endlich jemand mit aus­re­ichend Ein­fluss anre­gen, diesem Vere­in von poten­ziell gefährlichen, rück­ständi­gen Spin­nern den Sta­tus als “Reli­gion” abzuerken­nen?

Mir graust es selb­st vor Sci­en­tol­ogy weniger, die sind wenig­stens einiger­maßen harm­los.


Apro­pos grausig: Nach­dem das diesjährige “Echo”-Schaulaufen einiger­maßen unspan­nend vorüberg­ing, ste­ht nun, wie meine Schwest­er vor eini­gen Stun­den in Erin­nerung rief, die “Oscar”-Verleihung ins Haus; soll heißen: Die inter­na­tionale Geldelite lässt sich fotografieren und für die Arbeit Drit­ter rüh­men, es wer­den inhalt­sleere Reden gehal­ten, anstelle der­er auch ein schlicht­es Fresse­hal­ten keines­falls weniger Mehrw­ert ein­brächte, und die Fach­presse wird am näch­sten Tag, noch ganz aus dem Häuschen, darüber bericht­en, wie furcht­bar bzw. pri­ma eine Per­son, über die es anson­sten offen­bar also wenig zu schreiben gäbe, wieder gek­lei­det war. Die Gewin­ner — meist die mit dem ger­ing­sten kul­turellen Beitrag — wer­den ihr schiefes, kün­stlich­es Lächeln und ihre schiefen, kün­stlichen Glied­maßen bis dahin in zahlre­iche Kam­eras hal­ten, und Zehn­tausende wer­den vor dem Fernse­her sitzen und staunen, und es würde ihnen nicht ein­mal auf­fall­en, wenn man stattdessen heim­lich die Ausstrahlung von 2009, 2008 oder noch früheren Jahren vor­spielte, was ja, eigentlich, auch ein gelun­gener Scherz wäre.

(Pro Sieben ist auch so ein Sender, den man an manchen Tagen bess­er mei­den sollte.)

Internes
Ein Beitrag über Beiträge (apropos Webzweinull)

(Weil es eben den Men­schen nicht um das Was, son­dern um das Wie geht und man als Schreiber­ling so eigentlich schreiben kann, was man will; und weil es eben nicht wichtig ist, ob man öffentlich sein Herz auss­chüt­tet oder auskippt oder ein­fach nur irgendwelche Belan­glosigkeit­en nieder­schreibt, son­dern wie man es verkauft. Lei­dlich amüsant darf’s sein, muss aber nicht. Die Zeit der Twit­ter­walls und son­stiger Schnellbeschal­lung, schnell statt gedanken­voll, Sterne statt Leseze­ichen, 140 Zeichen statt 140 Sätzen. Zusam­men­fas­sung gern, mehr als einen Absatz lesen wir dann später, Zeit ist kein Geld mehr, aber lieber zehn Tweets als einen klu­gen Gedanken zitieren, ach, faven. Früher war mehr Herzblut. Banal­itäten zu Pop­kul­tur erk­lären und dabei vergessen, die Pop­kul­tur näher zu definieren, oder es ein­fach nur so unter­lassen. Gerühmt wird Präg­nantes, ignori­ert solch­es, das nicht in sein­er Über­schrift schon seine Bril­lianz ver­rät. Lesen ist was für alte Säcke, ’s Leben wird nicht länger. Ach. Vielle­icht sollte ich stattdessen mehr twit­tern.)

‘Ein Beitrag über Beiträge (apro­pos Webzwein­ull)’ weit­er­lesen »

PolitikIn den Nachrichten
Da hilft nur noch mehr Hubschraubereinsatz!

Apro­pos “Blinde sprechen über Far­ben”:

In genau ein­er Woche jährt sich der bis­lang let­zte Amok­lauf in Win­nen­den. Da liegt doch nur wenig näher, als dass mal wieder ein Kon­ser­v­a­tiv­er sein Gesicht in der Presse sehen will und ein wenig über “Killer­spiele” referiert:

“Killer­spiele halte ich für abar­tig und gefährlich. Da soll­ten wir mit einem Ver­bot ernst machen.”

Ich halte die CDU für abar­tig und gefährlich, aber ein Ver­bot würde ihre ver­quere Denkweise nicht aus den Köpfen vertreiben, also wäre es zweck­los, ein solch­es zu fordern; zumal sie oft ger­adezu pro­gres­sive Ideen hat, ohne die unser Land längst vor die Hunde gegan­gen wäre (und so):

Das Gesetz sei unter dem Ein­druck der Ereignisse von Win­nen­den und Wendlin­gen nochmals ver­schärft wor­den. “Ich meine, wir soll­ten jet­zt erst ein­mal schauen, wie sich das im Juli 2009 ver­schärfte Waf­fen­recht auswirkt”, sagte der Min­is­ter.

Und bis es so weit ist, bis man es also geschaut hat, soll es erst ein­mal den wirk­lichen Gefahren an den Kra­gen gehen. Nicht näm­lich sei die Ver­füg­barkeit von Waf­fen von Bedeu­tung, son­dern es seien die Com­put­er­spiele, die Men­schen andere Men­schen töten lassen. Ein Waf­fen­ver­bot hätte auch kein­er­lei Sinn, denn:

“Natür­lich ist die Ver­füg­barkeit von Waf­fen ein Risiko­fak­tor auch für Amok­tat­en. Aber man muss auch sehen, dass es in keinem Bere­ich hun­dert­prozentige Sicher­heit und hun­dert­prozenti­gen Schutz gibt. (…)”

Wäre der Besitz von Schuss­waf­fen straf­bar, wür­den all die Killer­spiel­er eben mit irgen­det­was anderem Amok laufen, das sagt ja das Wort “Killer­spiel­er” schon; es heißt ja aus einem ähn­lichen Grund auch nicht “Killer­waf­fen”, da beste­ht doch offen­sichtlich ein Zusam­men­hang. Außer­dem läuft nicht jed­er Amok, der eine Waffe hat, also hat das damit gar nichts zu tun; während jed­er, der am Com­put­er der Bal­lis­tik frönt, bere­its ein­er Tötungsab­sicht nachge­ht, und sei’s nur Schach, jawoll­ja.

“Waf­fen brin­gen nie­man­den um — aber ich.”
— UHF — Sender mit beschränk­ter Hoff­nung

In den Nachrichten
Da hilft nur noch Hubschraubereinsatz!

Nun, da dank der Abschaf­fung der Vor­rats­daten­spe­icherung bald wieder nahezu anar­chis­tis­che Zustände wie vor ihrer Inkraft­tre­tung 2008 (das war ja eine ger­adezu fürchter­liche Zeit damals!) herrschen, wird auch die Anzahl der virtuellen Delik­te ger­adezu explodieren!

Fol­gerichtig fordert die deutsche Polizeigew­erkschaft 3.000 neue “Cyber­cops”, was immer damit gemeint sein mag, um “rechts­freie Räume” im Inter­net einzudäm­men; wo doch dieses Ind… Inta… Inter­net selb­st schon ein rechts­freier Raum ohne Geset­ze ist, das kann so nicht bleiben! Wo bleibt eigentlich die Sendezeitregelung für’s Inter­net?

Das Jus­tizmin­is­teri­um müsse nun schnell ein Gesetz auf den Weg brin­gen, “das uns als Krim­i­nal­is­ten wieder hand­lungs­fähig macht”.

Wenn Inter­net­di­en­stleis­ter nicht mehr verpflichtet sind, Dat­en länger als nur wenige Monate zu spe­ich­ern, müssen Krim­i­nal­is­ten ja wom­öglich umge­hend auf Ver­dachtsmo­mente reagieren. Wie stellen die Leute sich das nur vor?

Das muss eine Ver­schwörung sein. Wer prof­i­tiert denn von dem Ende der Daten­spe­icherung?
Allein die islamis­che Raubkopi­er- und Kinder­schän­der­mafia!

Wo ist nur das Mil­itär, wenn man es mal wirk­lich braucht?

NetzfundstückeIn den NachrichtenMusikSonstiges
Auch Ihnen einen puten Tag.

Ach, in diesem Jahr ist ja schon wieder so eine komis­che Fußball­welt­meis­ter­schaft geplant, dies­mal erfreulicher­weise auf einem anderen Kon­ti­nent. Die Chance, hierzu­lande weit­ge­hend von grölen­den Idioten mit gestreiften und unsicht‑, dafür aber riech­baren Fah­nen ver­schont zu wer­den, bevor die deutsche National­mannschaft* ver­di­ent aus dem Spiel fliegt bzw. dann doch eher stolpert, ist den­noch lei­der einiger­maßen ger­ing, und so sollte der zynis­mus­begeis­terte Men­sch schon jet­zt mögliche Bewäl­ti­gungsarten in Erwä­gung ziehen.

Eine kün­st­lerisch wertvolle solche, die oben­drein auch unalko­holisiert einen pos­i­tiv­en Unter­hal­tungswert zu bieten ver­mag, ist diese hier:

Hihi.

(* — Memo an mich selb­st: Beizeit­en her­aus­find­en, wie eigentlich die weib­liche Fußball­staat­self von den Sex­istin­nen beze­ich­net wird.)


Die Hölle ver­liert ihren Sinn,
denn wir kom­men alle hin,
und jed­er Krieg ist Mord;
“Liebe” ist nur ein Wort.

Dies inter­pretierte die Rock­gruppe Drossel­bart 1970 auf ihrem anson­sten eigentlich viel zu sakral betex­teten un- bzw. selb­st­betitel­ten Album.

Ich sach’s mal so: Jo, passt.


Hüb­sch auch: “Puten Tag!” wün­scht die Auf­schrift eines Geflügelverkäufer­standes auf dem Wochen­markt.
Danke, lieber Geflügelverkäufer­stand!

Persönliches
Impfkreuzung. (Es erwachte die Menschlichkeit.)

Nicht ohne Belus­ti­gung wurde ich heute, in allzu gewöhn­liche Gedanken ver­sunken, mit­tels krähen­der Kon­ver­sa­tion auf die Gegen­wart deut­lich jün­ger­er Zeitgenossen aufmerk­sam gemacht, die in dem von mir benutzten Verkehrsmit­tel herum­toll­ten. (Machen die das eigentlich mit Absicht?) Das Sod­bren­nen, das sich prompt ein­stellte, hin­derte mich nicht daran, dem Spiel aufmerk­sam zu fol­gen.

Wie es hieß, brachte ich nicht in Erfahrung, aber der Zweck des Spieles schien es zu sein, dass durch Akkla­ma­tion zunächst ein Mit­spiel­er aus­gewählt wurde, der dran war. Dessen Auf­gabe war es anschließend, dieses Dran­sein durch Berühren eines Mit­spiel­ers und erstaunlich indezente Erwäh­nung des Wortes “Schweine­grippe” einem jew­eils anderen Mit­spiel­er aufzu­tra­gen, dem dann sein­er­seits die gle­iche Auf­gabe zuteil wurde.

Die Schwierigkeit dieses bis hier­hin recht sim­pel erscheinen­den Spiels war es, dass lediglich nicht geimpfte Spiel­er dran sein kon­nten. Geimpft war ein Spiel­er, wenn er beliebige Glied­maßen kreuzte, was er anscheinend jed­erzeit nach Gut­dünken tun und unter­lassen kon­nte; fol­gerichtig krähte mir ein Zweiein­hal­bkäse­hoch nach beina­her Dran­wer­dung “Ich bin geimpft, ich hab die Beine über Kreu­u­u­uz!” fast ins Ohr. Hat sich eigentlich schon ein­mal ein Medi­zin­er mit dieser alter­na­tiv­en Heilthe­o­rie befasst?

In mein­er Kind­heit, so entsann ich mich, gab es dieses Spiel auch bere­its, damals wurde noch möglichst infan­til “Pest!” statt “Schweine­grippe!” gebrüllt; was ein­er­seits mein Alter unschön betont, sich ander­er­seits aber auch weit bess­er brüllen ließ. Es erfüllte mich jeden­falls mit Freude, dass in dieser Gesellschaft, in der ich jede Hoff­nung auf eine noch nicht vol­lends dem Medi­enkon­sum zum Opfer gefal­l­ene Jugend längst ver­loren glaubte, immer noch Platz für sim­ple Unter­hal­tung dieser Art bleibt. Ist, immer­hin, bess­er als Fernse­hen.

Das zweite pos­i­tive Erleb­nis des heuti­gen Tages (was ist bloß los?) fol­gte im Super­markt. Die War­en­trennhölz­er aus Plas­tik oder anderem Kun­st­stoff (qua­si War­en­tren­nplas­tiken oder andere War­en­trennkun­st­stoffe), die in ihrem Orig­i­nalzu­s­tand den “näch­sten Kun­den” anzukündi­gen, waren dergestalt mod­i­fiziert wor­den, dass sie nun­mehr den “näch­sten Kur­den” zur Ablage der zu erwer­ben­den Waren auf­forderten, wom­öglich von einem der zahlre­ichen Ange­höri­gen jenes Volks, die, von der Beruf­ss­chule kom­mend, die auch ich zwei Jahre lang besuchte (allein das Wort schon!), bisweilen gemein­sam in diesem Super­markt anzutr­e­f­fen sind.

In der erwäh­n­ten Beruf­ss­chule wurde während mein­er Zeit dort auch erläutert, dass es selb­st im Falle eines plöt­zlich nahen­den Ablebens keines­falls genügt, “Tach, krank, tschüss!” in den Hör­er zu röcheln, um einen Fehlt­ag genehmi­gen zu lassen; und ähn­lich­es scheint auch die Kassiererin gelehrt wor­den zu sein, denn statt der lei­der dieser Tage dur­chaus üblichen gelang­weil­ten Preis­nen­nung fol­gte auf das vol­len­dete Ein­le­sen der Preisausze­ich­nun­gen ein Singsang, der außer der Gesamt­summe auch gute Wün­sche für den restlichen Tag bein­hal­tete, oben­drein vor­ge­tra­gen mit fre­undlich­er Miene.

Mit dem Schnee, so scheint es, schmilzt auch die men­schliche Kälte. Der Früh­ling naht meist son­der­bar.

PersönlichesNetzfundstücke
Zurück in der Stadt

Den Semes­ter­be­ginn erkan­nte ich daran, dass ich pünk­tlich nach etwa drei Stun­den Ruhe erwachte und partout keinen Schlaf mehr fand. Nach mehreren Monat­en zurück in der Stadt nahm ich dann wahr, dass sich fast alles verän­dert hat­te.

Die Straßen­later­nen am Omnibus­sam­melplatz taucht­en das Gebi­et in ein dun­kles Orange. Wenige Straßen weit­er hat­te die Bahn AG elek­tro­n­is­che Hin­weistafeln anbrin­gen lassen, die bere­its auf einen aus­fal­l­en­den Zug hin­wiesen; wohl nicht zufäl­lig staut­en sich noch zur Mit­tagsstunde die Auto­mo­bile auf den engen Straßen der Kle­in­stadt.

Während die Lam­p­en abends glom­men und als eins der weni­gen Relik­te des Vor­jahrs die Jugendlichen mit- wie auch gegeneinan­der rebel­lierten, warf ich, angeregt von einem, einen Blick auf den klaren Ster­nen­him­mel. Erin­nerun­gen an schöne Zeit­en durch­strömten mein Inner­stes. Hätte eine Gruppe von Geigern gespielt, ich hätte es ver­mut­lich genossen.

Ab mor­gen nehme ich wieder eine Kam­era mit. Ver­sprochen.
‘Zurück in der Stadt’ weit­er­lesen »