PiratenparteiMir wird geschlecht
Piratinnen: Klarmachen zum WAS?

Und als ich ger­ade über Gen­derei schrieb, stieß ich auf die neueste Ver­rück­theit der Sex­istin­nen:

Die “Piratin­nen” — das Wort kommt mir bekan­nt vor — sollen eine Anlauf­stelle für jene weib­lichen Mit­glieder der Piraten­partei bieten, die Angst davor haben, sich im Kreise der vorurteils­freien, nicht vom Gen­der­wahn befal­l­enen Pirat­en zu Frauen­the­men zu äußern. All dies soll auf ein­er unab­hängi­gen Mail­ingliste disku­tiert wer­den, um sicherzuge­hen, dass sich keine Män­ner ein­mis­chen, was offen­bar immens wichtig ist:

Die Pirat­en sind kein frauen­feindlich­er Haufen junger Män­ner, wie sie in dem Medi­en häu­fig dargestellt wer­den. Emanzi­pa­tion ist nicht eines unser­er Kern­the­men.

Die Pirat­en sind ein daten­schutzfre­undlich­er Haufen von Men­schen jed­welchen Geschlechts und Alters, wie sie in den Medi­en häu­fig dargestellt wer­den, und eine ihrer zen­tralen Forderun­gen ist kon­se­quente Trans­parenz. Und ger­ade deshalb ist eine offene Kom­mu­nika­tion unab­d­inglich:

Wir erwarten nicht von den Män­nern, dass sie hellse­hen kön­nen und errat­en, was wir uns wün­schen und wie wir uns fühlen. Ger­ade deshalb und für ein pro­duk­tives Miteinan­der ist es notwendig, eine offene Kom­mu­nika­tion zu ermöglichen und unan­genehme Ver­hal­tensweisen aufzuzeigen und zu spiegeln.

Unan­genehme Ver­hal­tensweisen also, wom­öglich frauen­feindlich­er Natur, sollen disku­tiert wer­den. Und eine offene Kom­mu­nika­tion über unan­genehme Ver­hal­tensweisen äußert sich wie?

Die Mail­ingliste ste­ht daher absichtlich nur Frauen zur Ver­fü­gung, lädt aber expliz­it auch die Frauen ein, die nicht Parteim­it­glied sind und es eventuell wer­den wollen oder nur auf­grund der Posi­tion der Partei zur Gen­der­frage bish­er nicht gewor­den sind.

Frauen, die auf­grund der Ablehnung des Gen­deris­mus’ noch kein Mit­glied der Piraten­partei gewor­den sind, sind nun her­zlich ein­ge­laden, dies zu ändern, was der Slo­gan “Klar­ma­chen zum Gen­dern”, also zum bewussten Erzeu­gen von Unter­schieden in der Behand­lung von Män­nern und Frauen, bere­its unmissver­ständlich zu ver­ste­hen gibt. Es ist ja auch wahrlich ein für Fem­i­nistin­nen undenkbar­er Zus­tand, dass es eine Inter­essens­ge­mein­schaft gibt, die sich strikt weigert, von “Bürg­erin­nen und Bürg­ern” zu sprechen (merke: Der Frau gebührt die Erst­nen­nung!).

Es scheint dieser Tage en vogue zu sein, die Gren­zen der Bun­dessatzung nach eigen­em Gut­dünken zu erweit­ern. Ich bin recht zuver­sichtlich, dass ein Großteil der Pirat­en gle­ich­welchen Geschlechts diesen sex­is­tis­chen Unfug ablehnen wird. Bis jet­zt sieht es gut aus.

In den NachrichtenKaufbefehleMusikkritik
Morphine, Frau Käßmann und der Genderismus

Bei Durch­sicht mein­er Musik­samm­lung fiel mir auf, dass ich hier noch gar nichts über die offen­bar wei­thin unbekan­nte Musik­gruppe Mor­phine geschrieben habe. Das hole ich doch prompt nach:

Mor­phine war eine recht possier­liche Band aus den USA, die bis zum Tod ihres Sängers Mark Sand­man im Jahr 1999 ihren ganz eige­nen “Low rock”, der Ele­mente aus Blues, Jazz und Rock verbindet, prak­tizierte. Obgle­ich es nie zu weltweit­em Ruhm kam und auch das Video zu “Ear­ly to Bed” bei den Gram­my Awards gegen Janet Jack­son ver­lor, so reichte es doch zu weit­ge­hend pos­i­tiv­en Kri­tiken in Fach­magazi­nen wie dem Rolling Stone.

Die spär­liche Instru­men­tierung — Gitar­ren ertö­nen nur sel­ten, stattdessen sind vor allem Sax­o­phone zu hören — erzielt bisweilen eine hyp­no­tis­che, meist aber min­destens beruhi­gende Wirkung. Als weit­eren Beleg ver­weise ich auf das von mir bis­lang präferierte Lied “French Fries With Pep­per”, wie “Ear­ly to Bed” auf dem 1997 erschiene­nen Album “Like Swim­ming” zu find­en.

Musik für einen Abend nach einem lan­gen, harten Tag.


Dass sich übri­gens “alle” darüber aufre­gen, dass Frau Käß­mann sich einen kleinen Faux­pas erlaubt hat, begrün­det Bär­bel Warten­berg-Pot­ter mit dem Sex­is­mus, der in Kirche und Gesellschaft noch immer vorherrsche; Gün­ther Beck­stein behauptet gar, Trunk­en­heit am Steuer wäre ihr längst verziehen wor­den, wäre sie ein Mann. (Sollte jemals jemand dem gemein­hin eher unbe­liebten, aber nicht unbe­d­ingt weib­lichen Jörg Haider, der bekan­ntlich eben­falls betrunk­en am Steuer saß, seine Tat verzei­hen und nicht noch nach Jahren “selb­st schuld!” skandieren, bin ich gern bere­it, über diese These nochmals nachzu­denken.)

Was all diese Befragten nicht zu beant­worten ver­mö­gen, ist indes, wer denn etwas zu verzei­hen hätte. Die EKD, die geschlossen hin­ter Frau Käß­mann stand, bis sie in freier Entschei­dung ihren Rück­tritt ein­re­ichte? Die Medi­en gar, die, ständig und über­all Sex­is­mus wit­ternd, lieber Dialoge mit Drit­ten führten, die dann erk­lärten, wieso sie hin­ter Frau Käß­mann ste­hen?

Es sagt mehr über diese Drit­ten als über Mar­got Käß­mann aus, wenn sie ver­suchen, deren Fall als direk­te Folge eines gesellschaftlichen Gen­deris­mus’ zu deuten. In bester Alice-Schwarz­er-Tra­di­tion fab­u­lieren sie über all­ge­gen­wär­ti­gen Sex­is­mus, ohne Belege zu nen­nen; Alice Schwarz­er selb­st hätte es auch lieber gese­hen, wäre der Rück­tritt nicht erfol­gt, denn unab­hängig von ihren Moralvorstel­lun­gen und ihrem Amt war Frau Käß­mann eben primär eine Frau und somit nur Opfer der Schein­heiligkeit ihrer Kol­le­gen, die ja über­haupt als Män­ner alle­samt viel furcht­bar­er und per se ver­acht­enswert seien, siehe die jüng­sten Miss­brauchs­fälle seit­ens der Jesuit­en. (Kein Scherz, die Frau reimt sich tat­säch­lich solche Ver­gle­iche zusam­men.)

Und so inter­essiert sich der Jour­nal­is­mus im All­ge­meinen auch und vor allem für das Geschlecht und nicht für die Geis­te­shal­tung des näch­sten EKD-Ratsvor­sitzen­den. Die Frage, wer denn nun eigentlich die zahlre­ichen Per­so­n­en seien, die Frau Käß­mann allein deshalb loswer­den woll­ten, weil sie eine Frau ist, bleibt unbeant­wortet.

Schade.

Piratenpartei
Aufrechte Demokraten

Aus “Dres­den naz­ifrei!” hat man, wie es scheint, nichts gel­ernt, und so probte man heute in Augs­burg den Auf­marsch Auf­s­tand:

Wir nutzen diesen Erfolg in Dres­den zur Moti­va­tion auch in weit­eren Städten in Deutsch­land, wie Augs­burg, Düs­sel­dorf und Gelsenkirchen, mutig den selb­sterk­lärten Fein­den der Demokratie ent­ge­gen­zutreten und diesen Auf­marsch nicht ein­fach an uns vor­beige­hen zu lassen.

Die selb­sterk­lärten Feinde der Demokratie, deren Recht auf Demon­stra­tion von einem demokratis­chen Ver­wal­tungs­gericht bestätigt wurde, kann man als wahrer Demokrat wahrlich nicht gewähren lassen. Wo kämen wir denn da auch hin, wenn jede poli­tis­che Rich­tung das Recht hätte, Gebrauch von ihrem Demon­stra­tionsrecht zu machen? Immer­hin rief man nicht zur Gewalt auf:

Friedlich­er Protest in all seinen For­men ist erwün­scht.

Haupt­sache, irgend­wie dazwis­chen­funken — das dient erwiesen­er­maßen der Deeskala­tion und hat ja auch in Dres­den so pri­ma funk­tion­iert; sehr richtig und mit ver­mut­lich unbe­ab­sichtigter Ironie frug das Piraten­weib: “Erst Dres­den, dann Augs­burg?”.

Wer ein wahrer Demokrat ist, der kann das nicht durchge­hen lassen, und schon gar nicht, wenn man Pirat ist zu sein glaubt und das mit dem Links und dem Rechts noch nicht so ganz ver­standen hat.

Ich dis­tanziere mich als Pirat sowie per­sön­lich aus­drück­lich von diesen anti­demokratis­chen “Demon­stran­ten” und gebe, Naivling, der ich bin, die Hoff­nung nicht auf, dass sie irgend­wann ein­se­hen, dass die Piraten­partei die falsche Partei für sie ist.

Wir haben wahrlich andere Sor­gen als diesen Links-Rechts-Unsinn. Die Piraten­partei ste­ht für Bürg­er­rechte, Trans­parenz und Daten­schutz. Sie ist keine zweite Antifa und soll es auch nie wer­den; denn dann wäre sie wahrlich über­flüs­sig.

In den NachrichtenPolitik
Übermenschliche Roboter (inkl. Kurzmedienkritik)

Robot­er müssen weich­er und flex­i­bler wer­den, um auch Stürze zu über­ste­hen; um eben noch zuver­läs­siger men­schliche Arbeit­skräfte erset­zen zu kön­nen, wobei der Aspekt, dem Men­schen noch ähn­lich­er zu wer­den, gar nicht mal der entschei­dende ist.

“Geschmei­di­ge Robot­er” ist eine dur­chaus amüsante Vorstel­lung. Ich frage mich, wann die ersten Kuschel­ro­bot­er in den Spiel­waren­han­del kom­men; und ob Men­schen bis dahin über­haupt noch einen prak­tis­chen Zweck erfüllen.


Schon wieder eine schreck­liche Tragödie ver­meldet SPIEGEL Online: Ein Fam­i­lien­vater habe seine Fam­i­lie aus­gelöscht. “Alles deutet auf eine schreck­liche Fam­i­lien­tragödie hin”, sagte ein Polizeis­prech­er, was jeden Leser über­raschen dürfte. Und als wäre das noch nicht genug:

“Es ist eine dop­pelte Tragödie”, sagte Polizeis­prech­er Nor­bert Schät­zle.

Ach, es ist furcht­bar.


Eher für meine schweiza­ver­siv­en Leser inter­es­sant kön­nte die Mel­dung sein, dass der libysche Kind­skopf al-Gaddafi die Schweiz gern zer­schla­gen würde:

Im Juli 2009 hat­te der libysche Staatschef beim G‑8-Gipfel gesagt, die Schweiz müsse “zer­schla­gen und auf ihre Nach­bar­län­der aufgeteilt wer­den”. Sein Sohn Han­ni­bal legte der britis­chen “Sun­day Times” zufolge nach: “Wenn ich eine Atom­bombe hätte, würde ich die Schweiz von der Land­karte fegen.”

Die Forderung nach Sank­tio­nen gle­ich­welch­er Art für gle­ich­welch­es Verge­hen der Schweiz hat dieser Tage großen Rück­halt im Volk. Vielle­icht sollte sich Libyen stattdessen mit der Anre­icherung von Uran beschäfti­gen, dann gäbe es wenig­stens mal wieder jeman­den, der sich darüber aufregt.

(*prust*: Eve­line Wid­mer-Schlumpf. Hihi­hi­hi.)

SonstigesIn den NachrichtenFotografie
Post-Aprilwetter.

Der draußen liegende Schnee hat sich endlich entschlossen, den seit Tagen drän­gen­den Son­nen­strahlen zu weichen. Der Früh­ling mit all seinen Annehm­lichkeit­en scheint in greif­bare Nähe gerückt zu sein, auch Musik­blogs wid­men sich nach der Düster­n­is des Win­ters nun der Frage nach der passenden Fußbek­lei­dung, andere haben auch in der Musik selb­st schon den Früh­ling ent­deckt.

Auch die Nachricht­en ver­melden nur mehr wenig Düster­n­is. Alice Schwarz­er kaspert zur Causa Käß­mann herum, weil Kri­tik an saufend­en, Auto fahren­den Frauen klar chau­vin­is­tisch und unange­bracht sei, und ver­gisst dabei den Hick­hack um den Tod des Her­rn Haider, über den Spott aus­geschüt­tet wurde, weil er eben kein Christ, son­dern nur ein lang­weiliger Poli­tik­er war und oben­drein den Fehler machte, bei einem Autoun­fall draufzuge­hen; aber das war es eigentlich auch schon mit novem­ber­lichen Neuigkeit­en.

Selb­st Herr West­er­welle hat statt Armut und Kap­i­tal Blüten­staub zu einem sein­er Lieblingswörter erk­lärt; was dann ja auch, irgend­wie, zur Biene-Maja-Koali­tion passt.

Die Vögel sin­gen, der Duft des mor­gendlichen Regens erfüllt noch immer die Luft.
DVD-Abende vertreiben den Gedanken daran, dass die Welt sich unbeein­druckt wei­t­er­dreht.

Das Leben ist schön.

In den Nachrichten
Kurz verlinkt IX: “Django zahlt heute nicht.”

Heute in den Nachricht­en und etwas später auch auf SPIEGEL.de fand fol­gende Nachricht aus der Welt­stadt Han­nover Erwäh­nung:

Ein T‑Shirt mit dem Schriftzug “Ich fahre schwarz” schützt einen Fahrgast ohne Tick­et nicht vor Strafe. Das Amts­gericht Han­nover verurteilte am Mittwoch den 38-jähri­gen Sil­vio B., der dreimal ohne gültiges Tick­et in der Straßen­bahn erwis­cht wor­den war.

Wen­ngle­ich ich der Argu­men­ta­tion des Verurteil­ten nur eingeschränkt zus­tim­men kann und so wenig ich auch von, so nan­nte es der unzure­ichend Anonymisierte, “zivilem Unge­hor­sam” in Form von Schwarz­fahren halte: Die Chuzpe gefällt mir. Ganz ehrlich. :)


Ganz ehrlich dreist ist natür­lich auch der Inhalt dieser Mel­dung: Der Dalai Lama war zu Besuch im Weißen Haus, und zum Abschied wurde er zum Aus­gang esko­rtiert. Natür­lich nicht zum Vorder­aus­gang, son­dern zu einem anderen, von dem man wohl annahm, dass er bess­er zu ihm passe: Vor­bei an Müll­säck­en und ähn­lichem Unrat. Pri­ma ergänzt wird das durch die Über­schrift des Artikels: “Den Dalai und den Müll raus­brin­gen”.

Der Autor beklagt, diese Behand­lung sei “unter der Würde des Staates” (zur Erin­nerung: Es geht um die USA).
Als wäre das noch nicht albern genug.


Mein­er Sta­tis­tik ent­nehme ich, dass hier tat­säch­lich jemand nach kop­ulieren­den Schlümpfen gesucht hat. Ich mag es mir, selb­st unter der Ein­beziehung von Schlumpfinchen, nicht so recht vorstellen, spare mir daher auch das Ver­linken entsprechen­der Fotografien und erwähne stattdessen mal wieder Ital­ien:

“Ölpest erre­icht Po” ist eine her­rliche Schlagzeile, noch schön­er for­muliert von Radio FFH, wo man for­mulierte:
“Nach Raf­finer­ie-Sab­o­tage dro­ht Ölpest im Po”.

Hihi.

MusikNetzfundstückeKaufbefehleNerdkrams
Gleich klatscht et, Junge.

Aus der beliebten, unregelmäßig erweit­erten Rei­he “sehr selt­same Soft­ware­pro­duk­te”:

Der Clap­Com­man­der ermöglicht die Steuerung des Betrieb­ssys­tems (Win­dows und ein funk­tion­ierend angeschlossenes Mikro­fon voraus­ge­set­zt) mit­tels Klatschens, ver­gle­ich­bar etwa mit der in der Pop­kul­tur, unter anderem in South Park (Staffel 2, Episode 10, bei etwa 5:00 Minuten), zitierten Klatschs­teuerung für Beleuch­tung­sein­heit­en. (Der genaue Fachter­mi­nus ist mir ger­ade nicht bekan­nt, inhaltliche Ergänzun­gen dies­bezüglich wer­den gern gese­hen.) Ein nettes Spielzeug ist dies alle­mal, mit 19,95 US-Dol­lar auch nicht allzu teuer.


Apro­pos “nicht allzu teuer”; bei’en Schall­gren­zen gibt’s recht pri­ma klin­gende Alter­na­tive-Pro­gres­sive-Rock-Met­al-Musik auf die Ohren:

Lupen­rein­er Alter­na­tive mit reich­lich­er Dreingabe von Pro­gres­sive und Met­al. Melan­cholisch, stil­sich­er und mit aus­ge­feil­ter Rhyth­mik. Hier ist die Intel­li­gen­zia am rock­en, hat ihren Spass und nickt anerken­nend . Sauber gezupfte Gitar­ren, fettes Schlagzeug und die aussergewöhn­liche Stimme von Sänger / Gitar­ris­ten Oliv­er Rei­necke, die den Songs die gewisse Klasse geben. Respekt nach Karl­sruhe. Zwar erin­nert der Mann tat­säch­lich ein wenig im Stil und Phrasierung an May­nard James Keenan, aber das macht nichts. Er lebt die Songs, lässt sie wach­sen und klingt außergewöhn­lich.

Die Band Futile ver­scher­belt ihr Album 7 Night­mares im MP3-For­mat für lau und für zehn Euro als Gesamtkunst­werk. eMule-Fre­unde wer­den hier fündig.

Dur­chaus empfehlenswert.

In den Nachrichten
Abzählreime leicht gemacht.

Wer sich auf Deutsch nicht aus­drück­en kann, redet lieber Englisch, so fällt es nicht mehr so schnell auf, dass die vie­len Phrasen leere Hüllen bleiben. Ein sim­ples Prinzip, hun­dert­fach bewährt, und so ist es nur kon­se­quent, dass jemand es auszureizen ver­sucht. Diese Auf­gabe haben meist irgendwelche Experten inne, und auch in diesem Fall war es nicht ein­fach irgendw­er, der grif­fig for­mulierte, was offen­bar eine kleine Sen­sa­tion darstellt und somit bei dem komis­chen Textsam­mel­suri­um SPIEGEL Online veröf­fentlicht wurde, son­dern es waren Sprach­forsch­er, und offen­bar der­art renom­mierte, dass eine Namen­snen­nung nicht ein­mal mehr notwendig erscheint:

So sehr sich amerikanis­che und europäis­che Kinder in Mathe-Tests anstren­gen — ihre Altersgenossen aus Chi­na sind bess­er. Dank eines ein­facheren Zahlen­sys­tems kön­nen sie schon früh bess­er zählen und rech­nen. Sprach­forsch­er glauben, dass die Methodik auch deutschen Kindern helfen würde.

Diese These erin­nert mich an die Rechtschreib-“Reformen”; wir müssen den Kindern weniger beib­rin­gen, wenn wir ein­fach die Norm an ihren Bil­dungs­stand anpassen. So funk­tion­iert es also natür­lich auch mit Math­e­matik:

13 heißt shisan (zehn-drei), 20 ershi (zwei-zehn), 21 ershiyi (zwei-zehn-eins).

Zu mein­er Zeit (damals vor’m Krieg) hat man das Zehn­er­sys­tem noch mit so lusti­gen Klötzchen geübt, aufgeteilt in Ein­er, Fün­fer und Zehn­er, wenn ich mich recht entsinne. (Kor­rek­turen gegebe­nen­falls bitte als Kom­men­tar hin­ter­lassen; ich bin mir tat­säch­lich nicht mehr allzu sich­er.) Als auf­fäl­lig dumm würde ich im Nach­hinein nur wenige mein­er dama­li­gen Klassenkam­er­aden beze­ich­nen, auch wenn ich später nur noch wenig mit ihnen verkehrte.

Es fügt sich zu einem dur­chaus beacht­enswerten Bild zusam­men: Eltern, die zur Erziehung ihrer Sprösslinge nicht allzu viel Zeit auf­brin­gen möcht­en, set­zen das Kind vor den Fernse­her und/oder den Com­put­er und hof­fen, dass der Staat sich darum küm­mert. Wenn das Kind dann wegen fehlen­den Inter­ess­es seit­ens der Eltern nicht richtig schreiben lernt, wird die Rechtschrei­bung angepasst, kann es nur schlecht Deutsch, bringt man ihm stattdessen schlecht­es Englisch bei, und ist es aus einem ähn­lichem Grund schlecht in Math­e­matik, denkt man sich leichtere Zahlen aus.

Ich bin nun in der glück­lichen Sit­u­a­tion, wed­er ein Kind noch ein Elter zu sein, daher zeugt es wom­öglich von Real­itäts­ferne und/oder Über­mut, wenn ich resümiere:

Kinder brauchen keine Regeln, die man an sie anpasst, nur weil man ihnen nicht beib­ringt, wie sie ein Ziel erre­ichen kön­nen. Eltern brauchen sie. Faule Eltern, deren Schulzeit selb­st längst nur noch eine schwäch­er wer­dende Erin­nerung ist, und die, wenn ihr Kind es ein­mal an ihren eige­nen selb­stver­ständlich über­ra­gen­den Fähigkeit­en mis­sen lässt, den Regeln die Schuld geben und, natür­lich, den Lehrern, aber niemals sich selb­st; schließlich haben sie teuer dafür bezahlt, dass ihr Kind kein völ­liger Ver­sager wird, also warum soll­ten sie selb­st Sorge dafür tra­gen müssen?

Kinder brauchen keine Welt, die, dem noch immer all­ge­gen­wär­ti­gen Pisa zu viel Bedeu­tung zuteil wer­den lassend, ihnen das Ler­nen erspart. Kinder brauchen Eltern, die ihre Kinder nicht maß­los über­schätzen, nur weil’s ihre eige­nen sind. Eltern brauchen keinen Staat, keine dig­i­tal­en Medi­en und keine Gesellschaft, die ihre Kinder erziehen. Eltern brauchen jeman­den, der ihnen mal gewaltig, meinetwe­gen auch nur sym­bol­isch, in den Hin­tern tritt, wenn sie sämtliche Ver­ant­wor­tung abschieben.

Wo bleibt die Eltern­l­izenz? Gern auch zum Aus­malen.

PolitikIn den Nachrichten
Springt, ihr Widerlinge!

Zum Fre­itod des Frhrn. von Graven­reuth (der ein glänzen­der Jurist war, weil er Maschi­nen­bau studiert hat­te, oder so) hat das Häkelschwein schon alles nötige geschrieben, und so verzichte ich darauf, mir irgen­deinen pietätvollen Text bezüglich “er ruhe in Frieden” aus den Rip­pen zu leiern.

Stattdessen möchte ich die Aufmerk­samkeit mein­er Leser auf diese Geschichte lenken, von der grausi­gen Ver­wech­slung von to real­ize und real­isieren aus­nahm­sweise ein­mal abge­se­hen:

Am Don­ner­stag hat ein Tex­an­er sein Kle­in­flugzeug in ein Büro des IRS, der Bun­dess­teuer­be­hörde, gelenkt, aus­re­ichend geschröpft vom Staat.

Und nach Kon­sum der deutschsprachi­gen Über­set­zung des Abschieds­briefes sind Par­al­le­len zu Deutsch­land unverkennbar:

Ich erin­nere mich, vor der “großen” Depres­sion etwas vom Börsen­zusam­men­bruch gele­sen zu haben und wie wohlhabende Bankkauf- und Geschäft­sleute aus den Fen­stern gesprun­gen sind, als sie gemerkt haben, dass sie es ver­saut und somit alles ver­loren haben. Ist es nicht iro­nisch, wie weit wir in 60 Jahren in diesem Land gekom­men sind, dass sie jet­zt auf ein­mal wis­sen, wie man dieses kleine Wirtschatf­sprob­lem löst; Sie klauen ein­fach von der Mit­telk­lasse (die dabei nichts zu sagen hat, denn Wahlen sind ein Witz), um ihre Ärsche zu schützen und es geht seinen gewohn­ten Gang. Wenn die Reichen es heute verkack­en, müssen die Armen dafür zahlen… ist das nicht eine kluge, saubere Lösung.

Bei uns hat dieses Phänomen, übri­gens, eben­falls drei Buch­staben und ste­ht auf Wahlzetteln zur Auswahl.
Manch­mal möchte man nur noch schreien.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Die verweiblichte Gesellschaft

Käpt’n Offen­sichtlich hat wieder zugeschla­gen:

Kurzum: Frauen sind die Gewin­ner, in allen Diszi­plinen. Das Prob­lem ist: Es ist ein Sieg, der, so ver­muten Sozial­wis­senschaftler, auf Kosten der Män­ner geht.

Wenn Frauen die Gewin­ner sind, sind Män­ner die Ver­lier­er. Mit der Erforschung solch­er Zusam­men­hänge kann man also seinen Leben­sun­ter­halt ver­di­enen und wird dafür auch noch auf SPIEGEL Online zitiert.

Sei’s drum; ursprünglich ging’s darum, dass wieder ein­mal irgendwelche Stu­di­en gezeigt haben, dass Män­ner selb­st eigentlich nicht ein­mal richtig über­lebens­fähig sind. Dass diese Stu­di­en unzuläs­sig pauschal­isieren, muss nicht mehr geson­dert erwäh­nt wer­den; Klaus Hur­rel­mann, Sozial- und Bil­dungswis­senschaftler an der Uni­ver­sität Biele­feld, behauptet zum Beispiel, dass Amok­läufe ein Män­ner­phänomen seien, und lässt dabei unter anderem den erst 2009 ver­hin­derten ver­mut­lich geplanten Amok­lauf in St. Augustin außer Acht; nun basiert der Bericht allerd­ings auf Zahlen aus den Jahren 2006 und 2007, und wie aktuell die Äußerun­gen des Her­rn Hur­rel­mann also sind, schreibt man bei SPIEGEL Online nicht dazu, aber dass Gewalt und Aggres­sion “typ­isch männlich” seien, stelle ich — als Mann — dann lieber doch mal in Frage.

Ein weit­er­er Geschlechter­forsch­er gibt da schon weitaus weniger Unsinn von sich:

Die Welt sei weib­lich­er gewor­den, meint Holl­stein. Das Weib­liche gelte mit­tler­weile als die Norm, das Männliche als pathol­o­gisch. “Von den Män­nern wer­den zunehmend typ­isch weib­liche Eigen­schaften ver­langt, sie sollen mehr kom­mu­nizieren, mehr Gefüh­le zeigen.”

Gle­ich­berech­ti­gung ist bekan­ntlich ein Euphemis­mus für die gezielte Bevorzu­gung von Frauen. Wer sich dem nicht unter­wirft, wer also darauf beste­ht, dass Frauen auch keine besseren Men­schen seien, der wird als männlich beschimpft und bekommt Nach­hil­fe in ange­wandter Gle­ich­stel­lung der Geschlechter nahe gelegt.

Die Pointe des Textes kommt übri­gens gegen Ende:

“Bei­de Geschlechter müssen die Möglichkeit haben, mit ihrer Geschlecht­slagerung zu spie­len und sich andere Gebi­ete jen­seits ihrer arche­typ­is­chen Lagerung zu erobern”, so Hur­rel­mann.

Anders aus­ge­drückt: Die Frauen stellen sich, den Vor­re­it­ern des Radikalfem­i­nis­mus’ sei Dank, auf die Stufe der Chau­vin­is­ten (weil bekan­ntlich alle Män­ner so sind), und um das auszu­gle­ichen, sollen Män­ner ihnen nun weichen und selb­st die Rolle des schwachen Geschlechts ein­nehmen, weil’s nicht trag­bar erscheint, dass man das mit der Gle­ich­berech­ti­gung ein­fach mal kon­se­quent im Wortsinne anwen­det, und schon gar nicht, so lange man immer nur unter­drückt wird; weil näm­lich …

“Wir Män­ner müssen mehr Empathie entwick­eln, um uns selb­st mehr zu ver­ste­hen.” Nur so kön­nten Män­ner die heuti­gen Prob­leme von Män­nern durch­schauen und Besserun­gen anstreben.

die Män­ner derzeit so etwas wie Empathie nicht ken­nen, ganz anders als die Frauen, und sich nicht mit ihres­gle­ichen iden­ti­fizieren kön­nen. Die wahren Prob­leme der Män­ner liegen nicht im Fem­i­nis­mus begrün­det, dessen Ziel es längst nur noch zu sein scheint, sie davon zu überzeu­gen, dass sie let­z­tendlich für die Gesellschaft nicht von Bedeu­tung sind, son­dern darin, dass sie es sich nicht eingeste­hen wollen, dass Frauen viel besser­er, tollerer und über­haupter­er sind; und es wird Zeit, dass klas­sis­che Män­ner­domä­nen wie bspw. EDV zu Frauen­domä­nen wer­den, der Gle­ich­berech­ti­gung zuliebe, weil es allein die Schuld des Chau­vin­is­mus’ ist, dass sich Frauen nicht über­wiegend für Com­put­erkram inter­essieren, und nicht etwa ural­ter biol­o­gis­ch­er Instink­te, und ohne gezielte Frauen­förderung Gle­ich­berech­ti­gung gäbe es nicht ein­mal einen Girls’ Day, das wäre ja ger­adezu unvorstell­bar.

Bah. Ein­fach nur bah.

Piratenpartei
“Warum ich Pirat bin”, die visuelle Kurzform

Als nicht in Nor­drhein-West­falen Ansäs­siger ist mir die Anre­gung, bloggend darzustellen, wieso man Pirat ist, erst eben ger­ade begeg­net (ich unter­stelle da mal einen Zusam­men­hang), und Wahlwer­bung ist in Nieder­sach­sen ja derzeit noch nicht unbe­d­ingt nötig. Aber es ist sehr schön, dass ich über diesen Artikel stolperte, denn so kann ich meinen im Über­schwang veröf­fentlicht­en Text bezüglich des ZugEr­schwG unauf­fäl­lig kor­rigieren, mir als jeman­dem, der nicht allzu häu­fig (genauer: fast nie) Tageszeitun­gen kon­sul­tiert und in seinem Nachrich­t­entick­er auch sel­ten mehr als die Über­schriften liest, zumal, wenn’s um dröge Poli­tik geht, ist der geplante JMStV näm­lich, Asche auf mein ergrautes, kahles Haupt!, nahezu völ­lig ent­gan­gen. Ein pri­ma Anlass, dazu auch mal Stel­lung zu nehmen; bevor die ersten Stamm­leser fra­gen, wieso aus­gerech­net ich oller Nerd bis­lang auf meinen Senf dazu verzichtet habe.

Der JMStV (is’ kürz­er als das gesamte Wor­tungetüm, Juris­ten­deutsch mag ich nicht allzu gern) ist im Wesentlichen die logis­che Kon­se­quenz der GEZ-Vorge­hensweise, die eigene Diskus­sion­splat­tform zeitlich einzuschränken, was ich, ver­mut­lich in einem Anflug von Altersmilde, noch vor einiger­maßen weni­gen Wochen belächelt hat­te, und dient, wie schon das ZugEr­schwG (ich denke da immer an Bim­mel­bah­nen), vor allem dem Zweck, faulen Eltern die Erziehung ihrer Sprösslinge zu ein­er gewis­sen Medi­enkom­pe­tenz zu ers­paren. Klar, wenn im Inter­net nachts keine Pornos mehr laufen, ist das viel beque­mer für die Erziehungs­berechtigten, die gnädig auf dieses Recht verzicht­en, als selb­st zu über­prüfen, was das Balg eigentlich so den ganzen Tag am Com­put­er treibt. Warum aus dem Haus gehen, wenn sich stattdessen auch ein­fach die Erde unter den Füßen wei­t­er­drehen kann? Man muss nur lange genug in der Luft bleiben und kommt irgend­wann an.

Chris­t­ian Schmidt schrieb schon 2007 in einem etwas anderen Zusam­men­hang:

So ruft man also nach dem Staat, der möglichst alles ver­bi­eten sollte, was der Entwick­lung eines Kindes schaden kön­nte. Die Auf­gabe der Obrigkeit ist offen­bar, dafür zu sor­gen, dass man Kinder prob­lem­los für die ersten 14 Jahre ihres Lebens vor einem Fernse­her oder einem Com­put­er parken kann, ohne als Eltern­teil aktiv in die Erziehung ein­greifen zu müssen.

Warum ich Pirat bin?
Genau deswe­gen!

In den Nachrichten
Wer will so was denn sehen?

Ich wollte eigentlich heute wieder einen län­geren Text schreiben, aber mir fehlt’s an Inspi­ra­tion; ’s passiert ein­fach zu wenig Unfug (oder er geht unbe­merkt an mir vorüber).

Stattdessen also wieder nur ein Kurz­er aus den Nachricht­en:

In Braun­lage fand heute, so berichtet SPIEGEL Online, ein ungewöhn­lich­es Wet­trodeln statt, dessen Teil­nehmer alle­samt mit freiem Oberkör­p­er antrat­en.

Die fast nack­ten Rod­lerin­nen und Rodler waren ein echter Pub­likums­mag­net. Dass noch mehr Leute gekom­men seien als bei der ersten Auflage der Spaßver­anstal­tung, sei kaum zu glauben, freute sich Klamt. Schon im ver­gan­genen Jahr war das Kle­in­städtchen angesichts von 12.000 Nack­trodel-Begeis­terten sehr voll gewe­sen.

Ja, das ist mir auch völ­lig unbe­grei­flich, dass da so viele Leute hin­wollen.


Das Ende der Geschichte mit dem Piraten­fo­rum gibt es, übri­gens, beim Piraten­weib zu lesen.

Netzfundstücke
Warum die Spieleindustrie untergeht

Fefe hat vor zwei Wochen schon ange­merkt, dass der Erfolg der “Pira­terie” wohl auch darauf begrün­det ist, dass man sich als Käufer legaler Inhalte mit Ein­schränkun­gen, minuten­lan­gen Trail­ern, DRM und son­stigem Unfug herum­schla­gen muss. Im Inter­net macht ger­ade eine Visu­al­isierung dieser Umstände die Runde:

Und da wun­dert sich noch jemand?

Netzfundstücke
Kurz verlinkt VIII: Weggetreten!

Wegge­treten wird so manch­er Unbescholtene bisweilen von Jugendlichen, und Wolf­gang Röhl hat Ver­ständ­nis dafür, dass Jens Jessen, Feuil­leton-Ver­ant­wortlich­er der Ham­burg­er “Zeit”, laut Röhl der bekan­nt sen­si­ble Ver­ste­her aus­ge­gren­zter junger Men­schen, die manch­mal gezwun­gen sind, ältere, mit aus­geprägter Rent­ner­men­tal­ität behaftete Per­so­n­en ins Koma zu befördern, mit der Sit­u­a­tion auch nicht ganz ein­ver­standen sein dürfte:

Zwei Jugendliche tram­pel­ten [in einem Metrobus] den 19jährigen Mar­cel F. um ein Haar tot. Schnell kam her­aus, dass die ange­blichen „Täter“ vom „Opfer“ dreist provoziert wor­den waren. Hat­te doch der 19jährige — inner­lich wohl schon ein faschis­toi­der Rent­ner­typ im Jessen´schen Sinn — die bei­den aufge­fordert, ihre ner­ven­den Handyk­lin­geltöne leis­er zu stellen!

Er laberte sie ein­fach so an! Früh­mor­gens im Bus!

Die fol­gende Tra­cht Prügel mit anschließen­dem Schädel-Hirn-Trau­ma sowie Gele­gen­heit, die Inten­sivs­ta­tion der Askle­pios-Klinik in Altona ken­nen zu ler­nen, hat­te sich der Jungspießer natür­lich selb­st zuzuschreiben.

Nicht allzu ironiere­sistente Zeitgenossen dür­fen sich bei der Achse des Guten über den Rest der Analyse amüsieren. Wie wahr!

Apro­pos “wahr”, Abteilung “is’ doch nich’ ”: Wer noch nicht völ­lig wegge­treten ist, der kön­nte angesichts der ständi­gen Daten­schutzprob­leme mit dem Gedanken spie­len, eben­falls zu treten, und zwar aus den diversen sozialen Net­zw­erken. Unter­stützung hier­bei bietet, hihi, aus­gerech­net eine Web­seite, die unter anderem Anleitun­gen bietet, wie man sich ein­fach aus den Fän­gen des “Mit­mach­net­zes” befreien kann; natür­lich mit einem auf­fäli­gen Ver­weis oben rechts, der es erlaubt, den Link zu dieser Web­seite mit­tels divers­er sozialer Net­zw­erke zu verteilen.

Aber manche Ausstiegs­be­grün­dun­gen, die eben­falls auf dieser Seite aufge­lis­tet wer­den, sind wahrlich lesenswert:

Fer­di ist von Face­book am 17.02.2010 aus­gestiegen, weil “weil mich meine ex fre­undin aus ihrer fre­un­desliste gelöscht hat die dumme kuh!!! voll gemein :-(“

Wie gesagt: Hihi.

PolitikIn den NachrichtenPiratenpartei
Die Resolution der Kommunarden, Strophe 1.

Draußen weigern sich die 21,6 Mil­liar­den Ton­nen Kli­maer­wär­mung behar­rlich, wegzu­tauen, und oft, wenn das Volk anderes als Poli­tik, zum Beispiel Fußball oder eben das Wet­ter, im Sinn hat, wer­den unbe­liebte Geset­ze erlassen, damit es wenig­stens nur wenige über­haupt zur Ken­nt­nis nehmen; es hat auch dies­mal funk­tion­iert:

Bun­de­spräsi­dent Horst Köh­ler hat heute das “Gesetz zur Bekämp­fung von Kinder­pornogra­phie in Kom­mu­nika­tion­snet­zen” unterze­ich­net. (…) Der Bun­de­spräsi­dent geht davon aus, dass die Bun­desregierung entsprechend ihrer Stel­lung­nahme vom 4. Feb­ru­ar 2010 nun­mehr “auf der Grund­lage des Zugangser­schwerungs­ge­set­zes” Kinder­pornogra­phie im Inter­net effek­tiv und nach­haltig bekämpft.

Eigentlich wäre dies ein Grund, erzürnt aufzus­prin­gen und/oder sich darüber zu freuen, dass diese Mel­dung der Piraten­partei, die im Über­schwang verse­hentlich mehrfach falsch zitiert wurde (zwis­chen “Löschen ist doof” und “das Löschge­setz ist doof” beste­ht eben doch ein sig­nifikan­ter Unter­schied), bei den kom­menden Wahlen in Nor­drhein-West­falen eine recht ansehn­liche Anzahl an Stim­men bescheren dürfte; die Lage ist hier aber noch ein wenig anders, wie man es aus­nahm­sweise bei SPIEGEL Online tre­f­fend auf den Punkt bringt:

An diesem Mittwoch hat der Bun­de­spräsi­dent ein durch und durch ver­murk­stes Gesetz unter­schrieben, das mit der Veröf­fentlichung im Bun­des­ge­set­zblatt in Kürze in Kraft treten wird — hin­ter dem aber keine einzige der im Par­la­ment vertrete­nen Parteien ste­ht.

Horst Köh­ler ist seit seinem Amt­santritt der einzige CDU-Poli­tik­er, der mir mit fast jed­er sein­er Entschei­dun­gen eine große Por­tion Respekt abnötigt. Mit dieser Unter­schrift unter ein Gesetz, das die, die es ihm vor­legten, selb­st nicht mehr durch­set­zen wollen, hat er vor­erst ver­hin­dert, dass sich die Koali­tion rechtzeit­ig aus der Affäre zieht; ein rev­i­diertes Gesetz, das das alte aufhebt, wird nun doch noch eine Weile dauern, und vor dem unter­schriebe­nen dro­ht in dieser Form vor­erst keine Gefahr. Zu Recht hat der­weil der AK Zen­sur eine Ver­fas­sungsklage gegen das Gesetz angekündigt und gemein­sam mit eini­gen Berlin­er Pirat­en Präsenz gezeigt. Jet­zt bleibt abzuwarten, was die Regierung mit “ihrem” Gesetz anz­u­fan­gen gedenkt — zumin­d­est der gelbe Teil der Tiger­ente hat nichts mehr zu ver­lieren.