NetzfundstückeNerdkramsPiratenpartei
Keine Identicons für Andrease!

Ger­ade schaute ich wieder ein­mal in den Ord­ner für abgelehnte Kom­mentare und Ver­weise von anderen Web­seit­en und fand so her­aus, dass ich unter anderem mehrfach von Ulf Hun­deik­er erwäh­nt wurde, der in seinem Beitrag ein wenig über das Mut­ter­söh­nchen­tum von Bushi­do referiert. Dabei ver­weist er unter anderem auch auf das Pepi­log, genauer: auf einen Artikel dort, der Sidos tat­säch­lichen Namen zum The­ma hat. (Ein Sido ist, so weit ich das mit­bekom­men habe, so was wie Bushi­do, nur anders.)

In dessen Kom­men­tar­bere­ich (also dem Pepi­log-Kom­men­tar­bere­ich, nicht dem von Sido), in dem sich die Fre­unde selt­samer Klänge bat­tleten gegen­seit­ig mit nicht unbe­d­ingt allzu fre­undlichen Namen bedacht­en, wird zur leichteren Unter­schei­dung der Nutzer die Tech­nik der Iden­ti­cons ver­wen­det.

Ein Iden­ti­con ist, kurz gesagt, eine com­put­er­gener­ierte Grafik, die aus dem Hash­w­ert (ein­er Art Quer­summe) der eige­nen IP-Adresse berech­net wird und somit jede IP-Adresse weltweit ein­deutig darstellen kann. Eine ähn­liche Tech­nik ver­wen­det auch die Net­zpräsenz, in deren Rah­men dieser Text hier erscheint; die so genan­nten “Gra­vatare”, die im Kom­men­tar­bere­ich neben dem eige­nen Namen erscheinen, sofern man die ver­wen­dete Mailadresse kosten­frei angemeldet hat, wer­den allerd­ings nicht dynamisch erzeugt, son­dern kön­nen selb­st eingestellt wer­den. (Dies auch, weil ich die möglichen Alter­na­tiv­en, unter anderem eben solche Iden­ti­cons, nicht son­der­lich hüb­sch­er als die weiße Sil­hou­ette vor grauem Hin­ter­grund, die als Stan­dard-Gra­vatar dient, finde.)

Genug des Exkurs­es. Ich besuchte also das Pepi­log und schaute gedanken­ver­loren in die Grafikspalte, weil die Kom­mentare nun wirk­lich nicht son­der­lich erwäh­nenswert schienen, bewegte mich durch die Seite, bis mein Blick an etwas haften blieb, und stutzte ein wenig, schaute noch mal hin und musste grin­sen:

Gern auch noch mal in groß:

Damit mich nie­mand falsch ver­ste­ht: Ich kenne die Swasti­ka dur­chaus auch ohne knall­roten, diag­o­nal durch sie gezo­ge­nen Strich, und ich bin wahrlich weit davon ent­fer­nt, jegliche Sym­bo­l­ik, die man revi­sion­is­tisch ver­ste­hen kön­nte, auch so zu ver­ste­hen, aber ein wenig wun­der­lich mutet mir das schon an, dass mir da noch keine empörten Auf­schreie irgendwelch­er Zen­tral­räte zu Ohren gekom­men sind; zumal doch diese Iden­ti­cons auf­grund des ver­wen­de­ten Algo­rith­mus’, also tat­säch­lich zufäl­lig und unbe­ab­sichtigt, alle recht ähn­lich ausse­hen:

Sollte jet­zt irgen­dein Leser dieses Textes und Betra­chter der einge­bun­de­nen Grafiken in Per­son­alu­nion ern­sthaft und ohne wie auch immer geart­ete Ironie entsprechende Maß­nah­men gegen jegliche Inter­net­präsen­zen erwä­gen, die Gebrauch von dieser Tech­nik machen, so bitte ich um eine kurze Mit­teilung. Eine solche Gele­gen­heit zu ein­er Gesichtspalme kann ich nicht ungenutzt ver­stre­ichen lassen.


(Im Piraten­fo­rum rollen übri­gens sozusagen Köpfe, nach­dem es kür­zlich zu eini­gen unschö­nen Macht­spielchen gekom­men war. Die Parteiführung hat die Ver­ant­wortlichen, die noch nicht frei­willig zurück­ge­treten waren, ihres Son­der­sta­tus’ enthoben und somit erste Sank­tio­nen ver­hängt. Es ist, fürchte ich, aber nur noch eine Frage der Zeit, bis auch diese dur­chaus begrüßenswerte Entwick­lung jeman­dem begeg­net, der ihretwe­gen Zeter und Mor­dio schre­it. Dabei wäre die Energie, die in solchem Kinderkram steckt, ander­swo wahrlich bess­er aufge­hoben; ander­er­seits: Wer sich mit solchen Kleinigkeit­en aufhält, stört wenig­stens nicht bei der Parteiar­beit.)

In den NachrichtenPiratenpartei
Asexuelle Schlüpfrigkeiten

Heute früh berichtete SPIEGEL Online erneut über irgend­was mit Olympia, und dies­mal hat­te es nicht ein­mal allzu viel mit Sport als solchem zu tun:

Sportlich, blond und halb­nackt zeigt sich die erfol­gre­iche US-Snow­board­erin Han­nah Teter derzeit in einem Sport­magazin. Weil das nicht jedem gefällt, muss sie sich mit harsch­er Kri­tik auseinan­der­set­zen. Und wehrt sich.

“Harsche Kri­tik” kann ich ja ver­ste­hen, son­der­lich hüb­sch ist die Frau, wie ich meine, nicht mal nicht­nackt. Die “Sit­ten­wächter” des Staaten­bun­des, in dem ständig irgendwelche Leute, die irgendw­er, der ger­ade eine Waffe griff­bere­it hat­te, nicht beson­ders lei­den kann, über den Haufen geschossen wer­den, haben vielmehr ein Prob­lem damit, dass Frau Teter oben­rum auch mal unbek­lei­det da sitzt, völ­lig unab­hängig davon, ob man die fraglichen Kör­perteile über­haupt zu Gesicht bekommt oder eben nicht. Kein Wun­der, dass katholis­che Geistliche bei all der Hyper­sex­u­al­isierung durch Frauen in Badek­lei­dung Lust auf Knaben­sex ver­spüren!

Ungeachtet der Tat­sache, dass Frau Teter meines Eracht­ens Recht hat, wenn sie die lächer­liche Prüderie in den USA beklagt, gehe ich doch zumin­d­est nicht mit ein­er ihrer Reak­tio­nen kon­form:

“Die Bilder sind ein biss­chen schlüpfrig, aber abso­lut nicht sex­uell”, sagte die Ath­letin und betonte: “Man sollte daraus kein Dra­ma machen. Die Naturvölk­er laufen in eini­gen Län­dern ständig nackt herum, und kein­er denkt an Sex­u­al­ität. (…)”

Nun, auf keinem der Bilder ist tat­säch­lich Nack­theit zu sehen, es wird vielmehr damit koket­tiert. “Würde ich mich auch nur um wenige Zen­time­ter bewe­gen, kön­ntet ihr unge­hin­dert auf meine Brüste star­ren”, scheint ihr Mienen­spiel aus­drück­en zu wollen, und so weiß sie sehr wohl um die Sex­u­al­ität, die in der­lei Auf­nah­men mitschwingt. Warum son­st nahm sie nicht ein­fach die Hände bei­seite? — Den let­zten Satz bitte ich nach dem Lesen aus dem Gedächt­nis zu stre­ichen.

Gestrichen wird endlich auch bei der Bahn, und der Pin­sel wird an den über­flüs­si­gen Anglizis­men ange­set­zt:

So wür­den Handzettel oder Broschüren nicht mehr als “Fly­er” beze­ich­net, Schal­ter nicht mehr als “Counter” und her­aus­ra­gende Leis­tungsaspek­te nicht mehr als “High­lights”. Aus “Hot­lines” seien “Ser­vice-Num­mern” gewor­den.

Wegen “Ser­vice” möchte ich da jet­zt auch keinen Auf­s­tand mehr anzetteln, aber, ganz ehrlich, aus­rufen:

Danke, Bahn! :)

(Apro­pos Piraten­fo­rum noch mal: Der umstrit­tene Admin­is­tra­tor “arvid” ist vor­erst von seinem Amt zurück­ge­treten, eine Stel­lung­nahme der AG Forum wie der Bun­des-IT ist ab heute Abend zu erwarten; auch, wenn ich es als eher unwahrschein­lich aufnehme, dass sel­bige auch von denen gele­sen wer­den wird, die min­destens den Unter­gang der Piraten­partei anhand der Quere­len bezüglich des Forums prophezeit­en, da doch selb­st die Fest­stel­lung, dass da was nicht ganz sauber abge­laufen ist, für Spott taugte.)

Nach­trag: Herr Seipen­busch höch­st­per­sön­lich hat sich zu Wort gemeldet.
Nach­trag II: Auch die AG Forum gab nun die Stel­lung­nahme ab.

PolitikIn den Nachrichten
Beschaffungsmaßnahmen

Über eine grobe Fahrläs­sigkeit des OLG Ham­burg berichtete gestern Nach­mit­tag dpa, aufge­grif­f­en unter anderem von heise online und netzpolitik.org:

Das Gericht habe, so heißt es, in einem Grund­satzurteil nach aus­führlichem Gezeter der Staat­san­waltschaft entsch­ieden, dass bere­its das Aufrufen von Kinder­pornografie im Inter­net auf­grund des damit ver­bun­de­nen Herun­ter­ladens in den Arbeitsspe­ich­er als “Beschaf­fung” gelte, auch ohne gezielt eine Spe­icherung zu bezweck­en.

Damit liegt die Beweis­last, wenn ich als Nichtjurist das richtig ver­ste­he, kün­ftig beim des Besitzes von Kinder­pornografie Angeklagten: Besucht er eine Inter­net­seite, die ohne sein Wis­sen mit kinder­pornografis­chem Mate­r­i­al bestückt wurde, so macht er sich damit, unab­hängig von sein­er tat­säch­lichen Inten­tion, straf­bar. Beson­ders brisant ist, dass es nach diesem Urteil nicht ein­mal mehr prob­lem­los möglich ist, entsprechende Inter­net­seit­en, auf die man zufäl­lig stößt, den zuständi­gen Anbi­etern zu melden, denn allein mit dem Wis­sen um eine solche Seite würde man sich qua­si automa­tisch selb­st anzeigen.

Sebas­t­ian Anders merk­te in der Zeitschrift “Gigi” bere­its Mitte 2009 an:

Ob nun jemand einen tat­säch­lichen oder soge­nan­nten sex­uellen Mißbrauch von Kindern aufze­ich­net oder nicht, ist genau­so uner­he­blich, wie wenn eine son­stige Straftat aufze­ich­net wird. Selb­st der Staat ver­ar­gu­men­tiert die öffentliche Überwachung unter anderem damit, daß Straftat­en aufgeze­ich­net und ange­blich ver­fol­gbar wür­den. Nach diesem Cre­do würde er zum Kinder­pornopro­duzen­ten wer­den, wenn er die Möglichkeit hätte, seine Kam­eras in den Schlafz­im­mern der Kinder aufzustellen. Es wäre ger­adezu lächer­lich, freie Bürg­er wegen des Besitzes eines Doku­ments zu belan­gen, das eine Straftat schildert.

Nun, im Vor­raum des OLG Ham­burg scheint diese Zeitschrift nicht auszuliegen, und so lässt es die dor­tige Juris­terei an tech­nis­chem Sachver­ständ­nis fehlen und argu­men­tiert auf der rein emo­tionalen Ebene; vielle­icht hat man den Text aber auch nur selek­tiv querge­le­sen und sich außer­halb jeglich­es Kon­textes einen anderen Satz, weit­er unten, gemerkt: “Selt­samer­weise wird nur bestraft, wer Kinder­pornogra­phie besitzt, sie aber nicht kon­sum­iert, während der­jenige straf­frei aus­ge­ht, der sie kon­sum­iert, aber nicht besitzt[…].” (Anders, ebd.)

Selt­sam ist es wahrlich, dass Geset­zge­bung und Urteilsspruch dieser Tage nicht mehr von rein ratio­nalen Ele­menten abhän­gen; Raubüber­fälle und schwere Sachbeschädi­gung sind nur inter­es­sant, wenn die Opfer dieser Tat­en ein­er nahezu beliebig definierten Min­der­heit ange­hören; wenn nicht, muss schon was schlim­meres her, zum Beispiel seien der oder die Täter der recht­en Szene zuge­hörig, schon errichtet der Boule­vard die Bar­rikaden zwecks Draufge­hens sein­er Anhänger, getra­gen von der kollek­tiv­en der Gesellschaft. Bei Sex­u­al­ität, darum ging es ja eigentlich, set­zt es entsprechend eben­falls nur aus, wenn es um Min­der­jährige geht — klar, weil sex­uelle Hand­lun­gen ohne gegen­seit­iges Ein­vernehmen, die man an erwach­se­nen Men­schen durch­führt, kein­er­lei seel­is­chen Schaden anricht­en kön­nen, vielle­icht auch nur, weil erwach­sene Men­schen nicht mehr mit unschuldigen Kinder­au­gen in die Welt glotzen und sich also kein Reibach mit dies­bezüglichen Bildern von ihnen auf der Titel­seite machen lässt -, und da ist “Sch*anz ab!” noch eine der harm­los­es­ten Forderun­gen, sofern der Täter männlich war, von “Ti*ten ab!” habe ich bis­lang indes auch noch nie lesen dür­fen. (Die erneute Wortzen­sur erfol­gte, wie üblich, auf­grund der Algo­rith­men großer Such­maschi­nen.)

Dass dieses Urteil auch ganz andere uner­wün­schte Neben­wirkun­gen haben kön­nte, ist dem Nachtwächter aufge­fall­en, der seinen Text fol­gen­der­maßen über­schreibt:

Heute ganz exk­lu­siv für die weni­gen leser dieses völ­lig unbeachteten und son­st eher etwas inhalt­sar­men blogs eine prak­tis­che und ein­fach durchzuführende anleitung, wie man jeman­den wegen “besitzes” von kinder­pornografis­chem mater­jal in den knast brin­gen kann. Diese anleitung ist prax­isori­en­tiert und lässt sich mit nur geringer mühe in eine tat umset­zen. Die tat lässt sich nahezu spur­los durch­führen, so dass kaum ein per­sön­lich­es risiko beste­ht, dabei erwis­cht zu wer­den — während das opfer dieser tat sich­er ins visi­er der staat­san­waltschaft gerät und mit hoher wahrschein­lichkeit wegen der bilder auf seinem rech­n­er verurteilt wird.

Das Ver­fahren wurde nun­mehr an das Amts­gericht Har­burg zurück­ver­wiesen. Eine pos­i­tive Entwick­lung kann jeden­falls ich, anders als ein Kom­men­ta­tor auf netzpolitik.org, lei­der nicht erken­nen. Ver­mag mir jemand Aufk­lärung zu ver­schaf­fen?

PolitikIn den Nachrichten
Ich fass’ es nacht.

Nun, da es däm­mert, lässt sich über die jährlichen Karneval­szüge bericht­en, ohne allzu viel zu ver­passen:

Nach Boni lechzende Banker, eine Merkel im Evakostüm und West­er­welle im Clowns­ge­wand: Auf den Rosen­mon­tagszü­gen in Düs­sel­dorf, Mainz und Köln nah­men die Jeck­en die Wirtschaft­skrise mit Humor.

“Cri­sis? What Cri­sis?” fragte schon 1975 die Band Super­tramp, und von ein­er Krise war auch hier nur wenig zu sehen:

Unzäh­lige Karnevals­begeis­terte hat­ten sich den Tag freigenom­men, um die Umzüge anzuschauen.

Die Aus­sicht auf Brot und Spiele bzw. eilig in die Menge gewor­fene Kamele Kamille Kamelle ist hier ver­mut­lich weniger entschei­dend als die Tra­di­tion und der Aus­bruch aus der Nor­mal­ität, die dann let­z­tendlich auch nur darin beste­ht, von Medi­en und per­sön­lichem Umfeld über Augen- und Haar­farbe von Boris Beck­ers neuestem Erzeug­nis informiert zu wer­den.

Stattdessen wurde ein wenig harm- und auch recht zahn­los über die da oben herge­zo­gen, und wirk­lich störend blieben für die weniger karneval­saffine All­ge­mein­heit, die auch ohne tägliche Berieselung durch durch das meist eher störende Fernseh­pro­gramm Spaß haben kön­nen, nur die Nar­ren mit erhöhtem Mit­teilungs­drang im per­sön­lichen Umfeld. John­ny hat eine ele­gante Lösung gefun­den:

Als notorisch­er Karnevalsver­weiger­er überkommt einen daher der Drang, die kollek­tive Absenkung der Niveau­gren­ze im rheinis­chen Raum scham­los auszunutzen.

So kann’s doch auch gehen.


Was natür­lich auch irgend­wie dazu passt wg. “wirtschaftlichen Wohl­standes”:

Das US-Jus­tizmin­is­teri­um hat Ende ver­gan­gener Woche eine Task­force für geistiges Eigen­tum ins Leben gerufen. (…) “Die Zunahme an Straftat­en an geistigem Eigen­tum in den USA und im Aus­land bedro­ht nicht nur unsere öffentliche Sicher­heit, son­dern auch unseren wirtschaftlichen Wohl­stand”, unter­strich US-Jus­tizmin­is­ter Eric Hold­er die Bedeu­tung der Task­force.

Richtig: Die öffentliche Sicher­heit. Immer diese Raub­mord­kopiert­er­ror­is­ten!

MusikNetzfundstückeNerdkrams
Google Buzz: Entschuldigung, kann ja mal passieren.

Aus aktuellem Anlass fol­gt noch ein­mal ein Beitrag zum The­ma Google, ich bitte um Nach­sicht. :-)

Google hat wieder ein­mal eine neue Nicht-Inno­va­tion zu bieten: Das soziale Net­zw­erk “Buzz”, das als Face­book-Alter­na­tive ange­priesen wird und den eben­falls umstrit­te­nen E‑Mail-Dienst GMail um “soziale” Funk­tio­nen erweit­ert, ist das derzeit­ige “kom­mende Ding” für mancher­lei Per­so­n­en, ungeachtet der Tat­sache, dass Google selb­st inzwis­chen öffentlich “schwere Patzer” einge­s­tand:

Googles direkt nach dem Start heftig kri­tisiert­er Social-Net­work­ing-Dienst Buzz wird umge­baut, zum drit­ten Mal inner­halb von vier Tagen. Vor allem die einge­baut­en Daten­schutz-Lecks sollen offen­bar gestopft wer­den — allerd­ings nicht alle. Der Buzz-Start ist ein Desaster.

Es ist wahrlich nicht so, dass diese Mel­dung son­der­lich über­raschend käme, es ist nur erschreck­end, dass aus den wieder­holten Daten­schutzprob­le­men der Google-Dien­ste kein Google-Nutzer (erst mal anmelden, ist von Google, ob wir’s brauchen, sehen wir dann) seine Kon­se­quen­zen zieht, obgle­ich es wahrlich genug Alter­na­tiv­en zu jedem von Googles Dien­sten gibt, von denen kein­er für auch nur annäh­ernd schw­er wiegende Bedenken bekan­nt ist.

Und wer ein wahrer Google­fre­und ist, der verzei­ht seinem Lieblingskonz­ern auch Aus­sagen wie diese:

Man habe “schnell erkan­nt, dass man nicht alles ganz richtig gemacht habe”, so Jack­son, “das tut uns sehr leid”.

Google ver­stößt mit jedem neuen Dienst gegen fast jede mir bekan­nte Vorstel­lung von Daten­schutz und Pri­vat­sphäre (hat eigentlich mal ein­er von euch die AGB von Google Wave gele­sen, in denen sin­ngemäß ste­ht, Google nehme sich das Recht her­aus, jedes bei Google Wave erstellte Doku­ment beliebig zu mod­i­fizieren und zu veröf­fentlichen?), und statt mal etwas daran zu ändern, ver­sich­ern sie lieber, wie Leid es ihnen tue. Unglaublich.

Man stelle sich vor, wie groß der Auf­schrei wäre, würde Microsoft ähn­lich ver­fahren; die Rufe nach Zer­schla­gung des Konz­erns trieben unüber­hör­bar durch die Net­ze. Warum Google von eini­gen Jour­nal­is­ten und den meis­ten Nutzern einen Freis­chein für gän­zlich unpiratige und somit benutzerun­fre­undliche Unternehmen­sprinzip­i­en (“Don’t be evil!” ist natür­lich auch eine Frage der Per­spek­tive) bekommt, ist für mich unver­ständlich. Kann ein­er mein­er geschätzten Leser mir da weit­er­helfen?


Nach­trag von 22:22 Uhr: Mir ist ger­ade wieder einge­fall­en, woran mich “Buzz” erin­nert.

“The toys are us, and we don’t even know.”

Piratenpartei
Meuterei im Piratenforum

Ach, du meine Güte, da lässt man sie mal einen Tag lang allein und schon richt­en sie nur Schaden an.

Die Piraten­partei, wie üblich “die Piraten­partei” genan­nt und in ihrer Gesamtheit gemeint, ste­ht derzeit wieder ein­mal in der Kri­tik für etwas, das nicht ein­mal ihr Ver­schulden ist. Im Laufe der vorigen Stun­den wurde das Forum der Piraten­partei, nach­dem es wochen­lang heftige Stre­it­ereien um den Mod­er­a­tionsstil des Benutzers “arvid” gegeben hat, von ihm und den bei­den anderen bish­eri­gen Admin­is­tra­toren trotz jeglich­er Daten­schutzbe­denken auf einen pri­vat­en Serv­er umge­zo­gen, ohne den Bun­desvor­stand oder die anderen Forenteil­nehmer darüber zu informieren, was kurze Zeit später, nach­dem erster­er im Bilde war und erste Proteste bezüglich eben des Daten­schutzes erk­lun­gen waren, wieder rück­gängig gemacht wurde.

Einige Weblogs, unter anderem das stets unsach­liche F!XMBR (Link bitte selb­st suchen) und das mir bis dahin völ­lig unbekan­nte mthie spaces, waren schnell genug zur Stelle, um darüber zu bericht­en. Wenn ich selb­st als ein Pirat, der in jen­em Forum derzeit eben­falls eine Sper­rzeit erdulden muss, aus irgendwelchen Vorgän­gen im Forum gefol­gerten Unsinn über “die Piraten­partei” lesen muss, steigt mir die Galle hoch, und wenn mir die Galle hochsteigt, ist das nicht sehr angenehm für zumin­d­est mich. Ich ver­schaffe ihr ein wenig Luft, indem ich zorner­füllt einige Dinge klarstellen möchte:

Zunächst ein­mal ist das Forum der Piraten­partei nicht “die Piraten­partei”. Seine Betreiber sind nicht der Bun­desvor­stand, ihre Mei­n­ung ist nicht die Mei­n­ung der Partei; vielmehr han­delt es sich um ein Diskus­sions­fo­rum primär für Pirat­en und ihre Sym­pa­thisan­ten, aber auch ihre Kri­tik­er. Wenn jet­zt dieses Forum von irgend­wo nach irgend­wo anders ver­schoben wird, ist dies kein Ver­rat an Partei­ide­alen, da die Übeltäter keines­falls im Sinne des Parteivor­standes, son­dern, so weit ich bis­lang mit­bekom­men habe, gegen seinen Willen und ohne sein Wis­sen gehan­delt haben. Wie eben auch — zum Glück — nicht jedes The­ma, das von irgen­deinem Wirrkopf in ebendiesem Forum eröffnet wird, einen Dog­mas­ta­tus inne hat. Noch immer ist in rot­er Schrift über den Inhal­ten des Forums fol­gen­des zu lesen:

Dies ist ein öffentliches Forum.

Die tat­säch­liche Parteiar­beit find­et zum Glück kom­plett außer­halb des Forums statt, zum Beispiel in Wiki, Tele­fonkon­feren­zen und Mail­inglis­ten. Ich kann den Kri­tik­ern, die Forum und Partei ver­men­gen, bei all ihren Äußerun­gen immer­hin insofern zus­tim­men, als die Piraten­partei, wäre das Forum tat­säch­lich in irgen­dein­er Form repräsen­ta­tiv, ver­mut­lich längst in der Bedeu­tungslosigkeit ver­schwun­den wäre, und das nicht ein­mal zu Unrecht. Während sich nun aber die geifer­nde Menge auf das Forum stürzt, um die let­ztlich völ­lig irrel­e­van­ten Vorgänge lustvoll zu zer­reißen, beschäftigt sich die Parteiba­sis neb­st jeglichen Vorstän­den längst mit wichtigeren Din­gen, zum Beispiel der Land­tagswahl in Nor­drhein-West­falen. Das ist span­nen­der und angesichts aktueller staatlich­er Ver­fehlun­gen auch brisan­ter als irgendwelche Machtkämpfe in einem Forum, die jeden­falls mich an den Film Das Exper­i­ment erin­nern.

Sollte jemand, der hier zufäl­lig vor­beis­tolpert, tat­säch­lich ein weit­er gehen­des Inter­esse an der Parteiar­beit haben, und sei es nur zu Recherchezweck­en, möge er einen Blick in das Wiki wer­fen und die Berichter­stat­tung über irgendwelche Ver­schwörun­gen in der Piraten­partei, nur weil es in einem von der Parteiar­beit völ­lig unab­hängi­gen Forum zu Kindereien kam, kühl lächel­nd ignori­eren.

NetzfundstückeNerdkrams
Knuddelt euren Entwickler!

Weil ich über den heuti­gen Auf­marsch links- und recht­sradikaler Staats­feinde schon aus­re­ichend geschrieben hat­te und ich mich über das The­ma Schweiz, das noch viel Zünd­stoff zu bieten scheint, auch schon genug echauffierte, bleibt auch der heutige Tag hier poli­tik­frei.

Stattdessen eine pri­ma Aktion, die ich als Valentin­stagverächter dur­chaus gutheißen kann:

Die FSF Europa lädt dazu ein, den morgi­gen Valentin­stag statt für Herzchen und Blu­men dafür zu ver­wen­den, dem Entwick­ler bevorzugter Grati­san­wen­dun­gen ein Dankeschön und/oder eine Spende zukom­men zu lassen oder ihn ein­fach mal zu umar­men.

Natür­lich nicht, ohne vorher zu fra­gen:

  • Send them a mes­sage thank­ing them for their work
  • Buy your favourite project some choco­lates
  • Hug a devel­op­er (ask per­mis­sion first!)
  • Buy your favourite devel­op­er a drink
  • Send a book to your favourite con­trib­u­tor

Ich habe mein Soll in diesem Jahr schon erfüllt. Für alle, die es mir gle­ich tun möcht­en:
Ich nehme auch Umar­mungen ent­ge­gen.

Aus­nahm­sweise.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Medienkritik XXII: Anachronistische Klickstrecken

Und schon haben die Olymp­is­chen Spiele wieder ihre übliche Tragödie:

Die Spiele von Van­cou­ver begin­nen mit ein­er Tragödie. Kurz vor der Eröff­nungs­feier ist der geor­gis­che Rodler Nodar Kumar­i­taschwili beim Train­ing aus der Bahn geflo­gen — und an seinen Ver­let­zun­gen gestor­ben.

All dies, ver­ste­ht sich, gar­niert mit ein­er ein­träglichen Klick­strecke mit Fotoauf­nah­men vom Unfall­her­gang; für die umfassende Berichter­stat­tung natür­lich drin­gend notwendig und nicht etwa bloßer Sen­sa­tion­sjour­nal­is­mus, doch nicht beim SPIEGEL, nein!

Wo doch son­st schon alles so schön recher­chiert wurde, so dass nicht ein­mal die diesen Text in sein­er Gesamtheit noch eben kurz hingeschlud­ert haben­den Jour­nal­is­muslehrlinge eine Diskrepanz bemerken kon­nten, zum Beispiel in den ersten Sätzen inkl. Über­schrift; ich zitiere nochmals:

Unfall bei Olymp­is­chen Spie­len

Die Spiele von Van­cou­ver begin­nen mit ein­er Tragödie. (Achtung, jet­zt kommt’s:) Kurz vor der Eröff­nungs­feier ist der geor­gis­che Rodler (…) an seinen Ver­let­zun­gen gestor­ben.

Das dürfte ein neuer Reko­rd sein: Der erste “Olympia-Tote”, der schon tot war, bevor die Olymp­is­chen Spiele über­haupt begonnen haben! Na, wenn das mal keine Medaille gibt. Klar — “Im Vor­feld der olymp­is­chen Spiele schließlich tödlich Ver­let­zter” ist keine so schön kurze Über­schrift. Kor­rek­theit wird kor­rekt hin­tan gestellt, die wesentlichen Inhalte (Sportler, Olympia, tot) ste­hen ja drin.

Wohl wis­send, dass er für Splat­ter- und Unfall­bilder seinen Inves­tiga­tivjour­nal­is­mus, wie üblich, ungeachtet dieses Textes mit zahlre­ichen neuen Besuch­ern rech­nen dürfte, bleibt mir nur noch übrig, dem SPIEGEL ein nach­haltiges “Buu­u­uh!” zuzu­rufen, wie es sich für schlechte Leis­tung gehört. Bitte näch­stes Mal bess­er machen!


Ein wenig fröh­lich­er stimmt dieser auf Spreeblick.com ent­deck­te und für gut befun­dene Ver­weis:
David Sanchez erk­lärt das mit den Bienen und den Blu­men ohne Bienen und Blu­men, dafür mit Kugelschreibern. Zum Kugeln, sozusagen.

MusikKaufbefehleNerdkrams
Höchst erfreulicher Briefwechsel wegen eines Wikipedia-Löschantrages

Für all diejeni­gen mein­er Leser, die sich für die Antwort auf die total span­nende Frage inter­essieren, wie es eigentlich in meinem Postein­gang aussieht, fol­gt hier eine kurze Antwort aus aktuellem Anlass:
Eine vortr­e­f­fliche Mail lan­dete gestern in meinem Postein­gang und ver­an­lasst mich zu ein­er Kor­rek­tur.

Während ein­er mein­er zahlre­ichen in der deutschsprachi­gen Wikipedia ver­sumpften Stun­den bemerk­te ich, eher zufäl­lig, einen Löschantrag auf das Lem­ma The Void’s Last Stand, was ein­er­seits gut war, denn son­st hätte sich die fol­gende Geschichte nicht ergeben, und ander­er­seits ger­adezu danach zu schreien schien, dass ich mir das mal anse­he.

The Void’s Last Stand, ihr erin­nert euch sich­er, ist die Aach­en­er Antwort auf The Mars Vol­ta und ihr Debü­tal­bum eine Wucht. Meine eilig hingeschmierte Lobeshymne auf diese wirre Geräuschansamm­lung wurde prompt auf der Inter­net­seite der Band zitiert, und ich werde immer noch gut unter­hal­ten, lausche ich wieder ein­mal den Klän­gen dieser Musik­er; Grund genug, mich in der Löschdiskus­sion wie auch im Artikel selb­st kreativ zu betäti­gen. Der Begriff “Löschipedia”, der gern für die deutschsprachige Wikipedia ver­wen­det wird (weil’s hier eben so etwas wie Min­destvo­raus­set­zun­gen für Artikel gibt und nicht jed­er Schmonz enzyk­lopädisch wertvoll ist), ist bei ständig steigen­den Artikelzahlen (es gibt natür­lich auch immer weniger, was noch nicht geschrieben wurde) jeden­falls besten­falls Bock­mist.

Das Ziel der de.WP (ich kürze das jet­zt mal ab) ist es keines­falls, alles nur erden­kliche Wis­sen der Men­schheit zu sam­meln, andern­falls hätte eben­so jedes Lebe­we­sen, über das irgend­je­man­dem irgen­det­was bekan­nt ist, einen eige­nen Artikel ver­di­ent, mich eingeschlossen; vielmehr geht es um den Auf­bau ein­er Enzyk­lopädie über The­men aus allen Fach­bere­ichen, sei es Recht, Biolo­gie oder Musik. Dass bloße Wer­be­texte eben­so keinen Platz in einem solchen Kom­plex bekom­men soll­ten wie Dif­famierungsauf­sätze (“Felix aus der 9b riecht nach Nil­lenkäse!”) oder nicht genehmigte Kopi­en urhe­ber­rechtlich geschützter Kolum­nen, stellt, so sollte man meinen, keine beson­dere Hürde dar, und es kann doch eigentlich auch nicht allzu schw­er sein, für zum Beispiel eine Musik­gruppe, der man über die Gren­zen des eige­nen Heimat­dor­fes hin­aus­ge­hende Bekan­ntheit unter­stellt, Nach­weise zu find­en, die ihr sel­bige bescheini­gen, und wenn doch, sollte man mal in Erwä­gung ziehen, dass man mit sein­er Ein­schätzung vielle­icht doch daneben lag. Schon toll, diese Wikipedia, so lange alles drin­ste­ht, was man sucht; und fehlt etwas, bloß nicht selb­st Hand anle­gen, lieber warten, bis es jemand anders tut, und sich der­weil darüber aufre­gen, dass man nie find­et, was man sucht, und über­haupt, warum selb­st einen Artikel schreiben, wenn keine Gegen­leis­tung in Form von min­destens aus­führlichen Dankess­chreiben von den Admin­is­tra­toren höch­st­per­sön­lich zu erwarten ist? Das ist ja wohl das Min­deste!

An dem Beispiel so ein­er gemein­schaftlich erar­beit­eten Enzyk­lopädie inklu­sive gemein­schaftlich erar­beit­etem Regel­w­erk kann man die soziale Kom­pe­tenz der Mitwirk­enden erken­nen. Die dig­i­tale Bohème als Spiegel­bild der mod­er­nen Ellen­bo­genge­sellschaft — klingt wie ein pri­ma Buchti­tel. (Eventuelle Autoren, die jet­zt auf dumme Gedanken kom­men, wer­den gebeten, sich rechtzeit­ig aus der Deck­ung zu trauen.)

Verzei­hung, mir ent­glitt das The­ma. Zeit, es wieder einz­u­fan­gen:

Als ich ger­ade an der Verbesserung und, hof­fentlich, Ret­tung des Artikels arbeit­ete, schrieb mir Sänger Jonas Win­gens, der wie ich bisweilen in der progrock-dt-Mail­ingliste mit­disku­tiert, eine Dankesmail, aus der sich ein Dia­log entwick­elte, in dessen Ver­lauf es, natür­lich, auch um das bere­its erwäh­nte Album ging. Zufäl­lig erfuhr ich so, dass es inzwis­chen eine Neuau­flage mit aus­re­ichend gut les­baren Buch­staben gibt, die, wohl weil die Pro­duk­tion so großer Buch­staben über­mäßig viel Geld und Arbeit kostet, nicht mehr im Eigen­ver­trieb für 4 Euro exkl. Ver­sand (selb­st schuld, wer meinen Kaufempfehlun­gen nicht rechtzeit­ig Folge leis­tet), son­dern für einen etwas höheren Betrag via Long Hair Music — ein CD-Ver­trieb, der auch son­st über­aus gute Musik im Kat­a­log feil­bi­etet — erhältlich ist. Sollte nun also jemand als Neuleser hier ein­tr­e­f­fen und meine Jahres­rückschau 2009 lesen: Mein dama­liger Kri­tikpunkt bezgl. der Schrift­größe ist hier­mit nichtig.

Und jet­zt bleibt zu hof­fen, dass der Löschantrag in der Wikipedia abgelehnt wird. Die Entschei­dung fällt dem­nächst.

NetzfundstückeMir wird geschlecht
Bushido und der Feminismus

Ich befürchte, mit meinem vorigen Text eine Gren­ze über­schrit­ten zu haben, die nun unabän­der­lich diese Inter­net­präsenz mit einem wei­thin sicht­baren Zeichen belegt hat. Unter anderem ver­mut­lich geschuldet dem Umstand, dass ich mit dem ver­link­ten Weibe einen gehobe­nen Diskurs über Eiskauf führte, in dessen Ver­lauf ich tat­säch­lich das Wort “süüüüüüß” (ich fasse es nicht!) zu lesen bekam, wur­den auch umstrit­tene Fem­i­nistin­nen (“Män­nerquoten sind sex­is­tisch, keine Frauen­quoten eben­falls”) aufmerk­sam und beehrten mich mit ihrem Besuch. Natür­lich macht es mir nichts aus, Inter­essen­ten zu gewin­nen; ich habe nur ein biss­chen Angst davor, wo und in welchem Kon­text ich zukün­ftig zitiert werde. Au Backe.

Während ich also furchter­füllt den Ansturm zur Ken­nt­nis nahm, ver­fol­gte ich im IRC-Kanal der Piraten­partei eine Diskus­sion über A‑cap­pel­la-Musik, die neben­bei die Kom­merzial­isierung etabliert­er Grup­pen wie der Wise Guys zum The­ma hat­te, und ent­deck­te dort dieses Video dieser Com­bo, das ich ins­beson­dere nach Genuss der Betra­chterkom­mentare als ein dur­chaus amüsantes empfehlen möchte, wen­ngle­ich dieser Ein­druck keines­falls all­ge­mein geteilt wer­den muss. Wer jeden­falls Nightwish und das Genre, dem sie ange­hören, — wie ich — nicht ausste­hen kann, der möge sein beson­deres Augen­merk auf die Instru­mente und die Diskus­sio­nen zum Video leg­en. Her­rlich!

Der­art unter­hal­ten pfiff ich mir abschließend Alice Schwarz­ers Abrech­nung mit Bushi­do rein, der, so ist aus unerfind­lichen Grün­den auf musikerpedia.de zu lesen, zu sehen und zu hören, eine Ein­ladung zu einem öffentlichen Gespräch mit ihr deshalb auss­chlug, weil er befürchtete, sie würde niveaulose Fra­gen über seine Mut­ter stellen, was, so Bushi­do, den ich vor ein­er Weile noch für men­schlich gar nicht mal allzu verkehrt hielt, völ­lig inakzept­abel sei. So was könne er keines­falls gutheißen, und auf solcher­lei plumpe Pro­voka­tio­nen würde er schlicht und sin­ngemäß mit “f*ck dich, du Fotze” reagieren. (Wortzen­sur erneut aus Grün­den der Such­maschi­neni­d­i­otie, nicht aus ver­meintlich­er Pietät; wir sind ja hier zum Glück noch nicht in den moralisch verko­rk­sten USA.)

Weil er es, so Bushi­do, schon immer so gemacht habe. Erk­lärt natür­lich einiges.

NetzfundstückeSonstiges
Leser (innen und außen)

Da fiel mir doch beim gedanken­losen Herumk­lick­en ger­ade mal wieder ein Weblog eines Mit­glieds der Piraten­partei auf, das die Satzung der Partei, die sich unter anderem die längst fäl­lige Abschaf­fung der Son­der­stel­lung von Frauen auf die Segel geschrieben hat, offen­bar noch nicht voll­ständig gele­sen hat:

Die in der Piraten­partei Deutsch­land organ­isierten Mit­glieder wer­den geschlecht­sneu­tral als Pirat­en beze­ich­net.

Und dann schauen wir mal in die Such­funk­tion des Piraten­weibes Weblogs (was schon ärg­er­lich genug klingt) und find­en erst mal mehrere Seit­en “Piratin” und, au con­traire, immer­hin ein Ergeb­nis für “unpiratig”, und das hat es in sich, betont die Ver­fasserin doch dort, dass es wichtig sei, auf die “Außen­wirkung” sein­er Wort­wahl zu acht­en, wenn man Pirat ist.

Ich möchte der Pira­ten­dame hier keine bösen Absicht­en unter­stellen, ich nehme auch an, dass sie diesen Text nicht zur Ken­nt­nis nehmen wird, aber es ist doch schon erstaunlich, mit welchem Selb­stver­ständ­nis manche Men­schen ein­er­seits (zu Recht) gegen die Grund­prinzip­i­en der Piraten­partei ver­stoßende Äußerun­gen kri­tisieren und dann aber ander­er­seits aktiv gegen die Ziele der Partei han­deln. Warum sollte man auch die eigene Son­der­stel­lung aufheben wollen?

Aber diese für Frauen lei­der keines­falls ungewöhn­liche Hal­tung ist nicht der Grund für diesen Beitrag; vielmehr kam ich ursprünglich auf diesem Beitrag an, der das Vorhaben der CDU, die deutsche Sprache endlich im Grundge­setz zu ver­ankern (was ich, anders als so manch andere Idee der CDU, aus­drück­lich für gut befinde), ordentlich durch den Kakao zieht und dabei lei­der auf dem Niveau “Microsoft heißt, haha, Klein­we­ich” bleibt.

Und dort ver­linkt die überzeugte Frau auf die Seite, die eigentlich im Zen­trum mein­er Kri­tik ste­hen sollte. Diese Seite nen­nt sich “Ceiber­Weiber”, was auch immer ein Ceib sein mag, bietet eben diesem Artikel Spe­icher­platz und schmeißt auch son­st fröh­lich mit Bin­nen­ma­juskeln um sich.

Dass es sich um ein “Frauen Onlinemagazin” (nur echt mit Dep­pen Leerze­ichen) han­delt, mag anhand des URL schon errat­en wor­den sein, und kon­se­quent wäre es somit ohne­hin, von auss­chließlich Leserin­nen auszuge­hen; aber was find­et man, klickt man auf den Ver­weis zu dem Artikel, vor? LeserIn­nen! Und, als wäre das noch nicht wun­der­lich genug, wird es wieder­holt; gle­ich dreimal ist von LeserIn­nen und immer­hin ein­mal von TürkIn­nen die Rede.

Über die inhaltliche Bedeu­tung eines Bin­nen-Is (hat diejeni­gen, die solcher­lei ver­wen­den, eigentlich schon mal jemand gefragt, ob es ihre Inten­tion war, den Frauen nur die Endung, den Män­nern aber die Bedeu­tung eines Wortes zu über­lassen?) wurde ander­swo schon aus­re­ichend geschrieben, das möchte ich — ich bin ja nicht ALF! — nicht immer wieder nur wiederkäuen, aber mir kam beim Lesen plöt­zlich die Frage in den Sinn, wie man es eigentlich “kor­rekt” ver­wen­det.

Ein ein­fach­es Beispiel: Zwei Män­ner und eine Frau betreten in beliebiger Rei­hen­folge eine Eis­diele. Han­delt es sich nun im Falle eines gemein­schaftlichen Eis­er­werbs um Eiskäufer, um Eiskäuferin­nen oder um EiskäuferIn­nen? Gemäß der all­ge­meinen Ver­wen­dung wäre let­zter­er Fall zutr­e­f­fend, es han­delt sich also um eine Gruppe von Eiskäufern, in denen min­destens ein Mit­glied männlichen Geschlechts ist. Die Endung “-innen” ist aber ein Indika­tor für die Plu­ral­form, zwei Exem­plare eines Eiskäufers sind und bleiben Eiskäufer ohne Suf­fix, es muss also mehr als nur einen weib­lichen Eiskäufer in der Gruppe geben. Wäre also “EiskäuferIn” kor­rekt — zwei Eiskäufer und eine Eiskäuferin?

Hil­fe!

Nach­trag: Lieben Dank an das Weib, allein aus dem Betreten fol­gt noch kein Kauf. Logik­fehler hier­mit beseit­igt.

PersönlichesProjekte
Protokoll einer Herzchenverschwendung (inkl. Kätzchen)

Und es begab sich aber zu der Zeit, die Zeit der Reini­gung genan­nt ward, dass sich aber­mals der Gedenk­tag des Heili­gen Kyrill von Saloni­ki jährte, im Volksmunde auch der Tag der Lieben­den genan­nt. Um auch seinen eige­nen Schafen ein wenig Liebe zu spenden, sprach der Vorste­her ein­er kleinen Gemeinde wie fol­gt:

“Ich will auch in ihnen die Freude an dieser edlen Zeit weck­en!”

Und so hin­ter­ließ er, kaum merk­lich, ein Zeichen, das zuvor nicht da gewe­sen war, um die Sinne zu ver­stören und sie zu for­men nach seinem Willen:

Ein­er aber erkan­nte die Mis­se­tat des Vorste­hers, und er trat vor das Volk und sprach: Ich will ihn lehren, unseren Geist zu ver­wirren!

Mit kundi­ger Hand nun machte er sich, geschützt von der Dunkel­heit der Nacht, daran, das Mal, das das Volk im Banne hielt, zu zäh­men. Schließlich gelang es ihm:

Und alle, die das Mal nun sahen, geri­eten in Verzück­ung, und ihre Herzen war­den beseelt, und alle freuten sich voll usw.; die Moral von dieser schö­nen Geschichte: Abge­drosch­en­er geht es immer.

(Alter­na­tive Moral für prag­ma­tis­che Per­so­n­en und die, die den Beitrag bis hier­hin nur über­flo­gen haben:
Herzchen passen nicht auf Geschäft­sko­r­re­spon­den­zen.)

(Und all diese Herzchen-, Blu­men- und Kätzchen­ver­schwen­dung ist erst Mon­tag vor­bei. Die Tage fließen zäh dahin wie Karamell. Ach, Kamelle gibt’s ja auch bald wieder. Wir leben in wahrlich tur­bu­len­ten Zeit­en!)

Musikkritik
Lesetipp für Musikfreunde: Massive Attack im Schalltest

Im Auf­trag des guten Geschmacks bzw. der Schall­gren­zen ver­fasste ich gestern einen weit­eren Beitrag für die gemein­schaftlich erar­beit­ete Musikrezen­sion­srei­he Sound­check. Dies­mal haben sie, Peter und ich das neue Album Heligoland von Mas­sive Attack in die Man­gel genom­men. Es ern­tete, anders als die Rezen­sio­nen selb­st, ins­ge­samt durch­weg Zus­tim­mung.

Mein Resümee lautet wie fol­gt:

“Heligoland” erre­icht als Trip-Hop-Album ins­ge­samt natür­lich nicht die Klasse von Archives Über­w­erken “Noise” und “Lights”, aber es wäre auch reich­lich über­flüs­sig, klänge in diesem Genre alles gle­ich. Nun kenne ich bis­lang die übri­gen Alben von Mas­sive Attack nicht (werde es beizeit­en nach­holen), bin aber dur­chaus davon überzeugt, dass es mit all seinen Stärken und Schwächen ein ins­ge­samt zwar durchwach­senes, aber handw­erk­lich solides Album ist, das für jeden aufgeschlosse­nen Musikhör­er seine indi­vidu­elle Fasz­i­na­tion ent­fal­ten kann und wird. Über­springe ich die Titel, die mir miss­fie­len, so bleibt inklu­sive des ersten und des let­zten Stücks noch immer genug Laufzeit für einen, nun, Trip übrig. Das genügt mir.

Die voll­ständi­ge Fas­sung gibt es zusam­men mit den bei­den anderen Rezen­sio­nen drüben auf Schallgrenzen.de zu lesen, wo auch weit­er­hin die bish­eri­gen Gemein­schaft­srezen­sio­nen zu find­en sind.

Guten Mor­gen und viel Spaß!

PersönlichesMusik
Schnee is in the Air. </3

Uner­betene Wer­be­post betr­e­ffs “Love is in the Air. <3”, nur echt mit “<3”, ver­an­lasste mich dazu, einen Blick hin­auszuw­er­fen. Statt der ver­sproch­enen Liebe war jedoch wie mit einem nicht justierten Fernse­hempfänger nur Schnee zu sehen:

Nicht ein­mal die Kapri­olen der Simp­sons oder som­mer­lich­er Indie-Rock kön­nen die Melan­cholie gän­zlich vertreiben, die ein Blick in ver­schneite Dunkel­heit aufkom­men lässt und die das, was gemein­hin als Seele beze­ich­net wird, mehr gefan­gen hält als jede Unternehmung mit Fre­un­den, jedes Musikalbum und jed­er Film dieser Welt.

All these places had their moments
With lovers and friends, I still can recall
Some are dead and some are liv­ing
In my life I’ve loved them all

– The Bea­t­les: In My Life