Schneewetter lädt zu Romantik ein, und die Frage, wieso eigentlich überall eine Kamera hängt, verliert an Bedeutung:
Keine Identicons für Andrease!
Gerade schaute ich wieder einmal in den Ordner für abgelehnte Kommentare und Verweise von anderen Webseiten und fand so heraus, dass ich unter anderem mehrfach von Ulf Hundeiker erwähnt wurde, der in seinem Beitrag ein wenig über das Muttersöhnchentum von Bushido referiert. Dabei verweist er unter anderem auch auf das Pepilog, genauer: auf einen Artikel dort, der Sidos tatsächlichen Namen zum Thema hat. (Ein Sido ist, so weit ich das mitbekommen habe, so was wie Bushido, nur anders.)
In dessen Kommentarbereich (also dem Pepilog-Kommentarbereich, nicht dem von Sido), in dem sich die Freunde seltsamer Klänge battleten gegenseitig mit nicht unbedingt allzu freundlichen Namen bedachten, wird zur leichteren Unterscheidung der Nutzer die Technik der Identicons verwendet.
Ein Identicon ist, kurz gesagt, eine computergenerierte Grafik, die aus dem Hashwert (einer Art Quersumme) der eigenen IP-Adresse berechnet wird und somit jede IP-Adresse weltweit eindeutig darstellen kann. Eine ähnliche Technik verwendet auch die Netzpräsenz, in deren Rahmen dieser Text hier erscheint; die so genannten “Gravatare”, die im Kommentarbereich neben dem eigenen Namen erscheinen, sofern man die verwendete Mailadresse kostenfrei angemeldet hat, werden allerdings nicht dynamisch erzeugt, sondern können selbst eingestellt werden. (Dies auch, weil ich die möglichen Alternativen, unter anderem eben solche Identicons, nicht sonderlich hübscher als die weiße Silhouette vor grauem Hintergrund, die als Standard-Gravatar dient, finde.)
Genug des Exkurses. Ich besuchte also das Pepilog und schaute gedankenverloren in die Grafikspalte, weil die Kommentare nun wirklich nicht sonderlich erwähnenswert schienen, bewegte mich durch die Seite, bis mein Blick an etwas haften blieb, und stutzte ein wenig, schaute noch mal hin und musste grinsen:
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Gern auch noch mal in groß:
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Damit mich niemand falsch versteht: Ich kenne die Swastika durchaus auch ohne knallroten, diagonal durch sie gezogenen Strich, und ich bin wahrlich weit davon entfernt, jegliche Symbolik, die man revisionistisch verstehen könnte, auch so zu verstehen, aber ein wenig wunderlich mutet mir das schon an, dass mir da noch keine empörten Aufschreie irgendwelcher Zentralräte zu Ohren gekommen sind; zumal doch diese Identicons aufgrund des verwendeten Algorithmus’, also tatsächlich zufällig und unbeabsichtigt, alle recht ähnlich aussehen:
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Sollte jetzt irgendein Leser dieses Textes und Betrachter der eingebundenen Grafiken in Personalunion ernsthaft und ohne wie auch immer geartete Ironie entsprechende Maßnahmen gegen jegliche Internetpräsenzen erwägen, die Gebrauch von dieser Technik machen, so bitte ich um eine kurze Mitteilung. Eine solche Gelegenheit zu einer Gesichtspalme kann ich nicht ungenutzt verstreichen lassen.
(Im Piratenforum rollen übrigens sozusagen Köpfe, nachdem es kürzlich zu einigen unschönen Machtspielchen gekommen war. Die Parteiführung hat die Verantwortlichen, die noch nicht freiwillig zurückgetreten waren, ihres Sonderstatus’ enthoben und somit erste Sanktionen verhängt. Es ist, fürchte ich, aber nur noch eine Frage der Zeit, bis auch diese durchaus begrüßenswerte Entwicklung jemandem begegnet, der ihretwegen Zeter und Mordio schreit. Dabei wäre die Energie, die in solchem Kinderkram steckt, anderswo wahrlich besser aufgehoben; andererseits: Wer sich mit solchen Kleinigkeiten aufhält, stört wenigstens nicht bei der Parteiarbeit.)
Asexuelle Schlüpfrigkeiten
Heute früh berichtete SPIEGEL Online erneut über irgendwas mit Olympia, und diesmal hatte es nicht einmal allzu viel mit Sport als solchem zu tun:
Sportlich, blond und halbnackt zeigt sich die erfolgreiche US-Snowboarderin Hannah Teter derzeit in einem Sportmagazin. Weil das nicht jedem gefällt, muss sie sich mit harscher Kritik auseinandersetzen. Und wehrt sich.
“Harsche Kritik” kann ich ja verstehen, sonderlich hübsch ist die Frau, wie ich meine, nicht mal nichtnackt. Die “Sittenwächter” des Staatenbundes, in dem ständig irgendwelche Leute, die irgendwer, der gerade eine Waffe griffbereit hatte, nicht besonders leiden kann, über den Haufen geschossen werden, haben vielmehr ein Problem damit, dass Frau Teter obenrum auch mal unbekleidet da sitzt, völlig unabhängig davon, ob man die fraglichen Körperteile überhaupt zu Gesicht bekommt oder eben nicht. Kein Wunder, dass katholische Geistliche bei all der Hypersexualisierung durch Frauen in Badekleidung Lust auf Knabensex verspüren!
Ungeachtet der Tatsache, dass Frau Teter meines Erachtens Recht hat, wenn sie die lächerliche Prüderie in den USA beklagt, gehe ich doch zumindest nicht mit einer ihrer Reaktionen konform:
“Die Bilder sind ein bisschen schlüpfrig, aber absolut nicht sexuell”, sagte die Athletin und betonte: “Man sollte daraus kein Drama machen. Die Naturvölker laufen in einigen Ländern ständig nackt herum, und keiner denkt an Sexualität. (…)”
Nun, auf keinem der Bilder ist tatsächlich Nacktheit zu sehen, es wird vielmehr damit kokettiert. “Würde ich mich auch nur um wenige Zentimeter bewegen, könntet ihr ungehindert auf meine Brüste starren”, scheint ihr Mienenspiel ausdrücken zu wollen, und so weiß sie sehr wohl um die Sexualität, die in derlei Aufnahmen mitschwingt. Warum sonst nahm sie nicht einfach die Hände beiseite? — Den letzten Satz bitte ich nach dem Lesen aus dem Gedächtnis zu streichen.
Gestrichen wird endlich auch bei der Bahn, und der Pinsel wird an den überflüssigen Anglizismen angesetzt:
So würden Handzettel oder Broschüren nicht mehr als “Flyer” bezeichnet, Schalter nicht mehr als “Counter” und herausragende Leistungsaspekte nicht mehr als “Highlights”. Aus “Hotlines” seien “Service-Nummern” geworden.
Wegen “Service” möchte ich da jetzt auch keinen Aufstand mehr anzetteln, aber, ganz ehrlich, ausrufen:
Danke, Bahn!
(Apropos Piratenforum noch mal: Der umstrittene Administrator “arvid” ist vorerst von seinem Amt zurückgetreten, eine Stellungnahme der AG Forum wie der Bundes-IT ist ab heute Abend zu erwarten; auch, wenn ich es als eher unwahrscheinlich aufnehme, dass selbige auch von denen gelesen werden wird, die mindestens den Untergang der Piratenpartei anhand der Querelen bezüglich des Forums prophezeiten, da doch selbst die Feststellung, dass da was nicht ganz sauber abgelaufen ist, für Spott taugte.)
Nachtrag: Herr Seipenbusch höchstpersönlich hat sich zu Wort gemeldet.
Nachtrag II: Auch die AG Forum gab nun die Stellungnahme ab.
Beschaffungsmaßnahmen
Über eine grobe Fahrlässigkeit des OLG Hamburg berichtete gestern Nachmittag dpa, aufgegriffen unter anderem von heise online und netzpolitik.org:
Das Gericht habe, so heißt es, in einem Grundsatzurteil nach ausführlichem Gezeter der Staatsanwaltschaft entschieden, dass bereits das Aufrufen von Kinderpornografie im Internet aufgrund des damit verbundenen Herunterladens in den Arbeitsspeicher als “Beschaffung” gelte, auch ohne gezielt eine Speicherung zu bezwecken.
Damit liegt die Beweislast, wenn ich als Nichtjurist das richtig verstehe, künftig beim des Besitzes von Kinderpornografie Angeklagten: Besucht er eine Internetseite, die ohne sein Wissen mit kinderpornografischem Material bestückt wurde, so macht er sich damit, unabhängig von seiner tatsächlichen Intention, strafbar. Besonders brisant ist, dass es nach diesem Urteil nicht einmal mehr problemlos möglich ist, entsprechende Internetseiten, auf die man zufällig stößt, den zuständigen Anbietern zu melden, denn allein mit dem Wissen um eine solche Seite würde man sich quasi automatisch selbst anzeigen.
Sebastian Anders merkte in der Zeitschrift “Gigi” bereits Mitte 2009 an:
Ob nun jemand einen tatsächlichen oder sogenannten sexuellen Mißbrauch von Kindern aufzeichnet oder nicht, ist genauso unerheblich, wie wenn eine sonstige Straftat aufzeichnet wird. Selbst der Staat verargumentiert die öffentliche Überwachung unter anderem damit, daß Straftaten aufgezeichnet und angeblich verfolgbar würden. Nach diesem Credo würde er zum Kinderpornoproduzenten werden, wenn er die Möglichkeit hätte, seine Kameras in den Schlafzimmern der Kinder aufzustellen. Es wäre geradezu lächerlich, freie Bürger wegen des Besitzes eines Dokuments zu belangen, das eine Straftat schildert.
Nun, im Vorraum des OLG Hamburg scheint diese Zeitschrift nicht auszuliegen, und so lässt es die dortige Juristerei an technischem Sachverständnis fehlen und argumentiert auf der rein emotionalen Ebene; vielleicht hat man den Text aber auch nur selektiv quergelesen und sich außerhalb jegliches Kontextes einen anderen Satz, weiter unten, gemerkt: “Seltsamerweise wird nur bestraft, wer Kinderpornographie besitzt, sie aber nicht konsumiert, während derjenige straffrei ausgeht, der sie konsumiert, aber nicht besitzt[…].” (Anders, ebd.)
Seltsam ist es wahrlich, dass Gesetzgebung und Urteilsspruch dieser Tage nicht mehr von rein rationalen Elementen abhängen; Raubüberfälle und schwere Sachbeschädigung sind nur interessant, wenn die Opfer dieser Taten einer nahezu beliebig definierten Minderheit angehören; wenn nicht, muss schon was schlimmeres her, zum Beispiel seien der oder die Täter der rechten Szene zugehörig, schon errichtet der Boulevard die Barrikaden zwecks Draufgehens seiner Anhänger, getragen von der kollektiven der Gesellschaft. Bei Sexualität, darum ging es ja eigentlich, setzt es entsprechend ebenfalls nur aus, wenn es um Minderjährige geht — klar, weil sexuelle Handlungen ohne gegenseitiges Einvernehmen, die man an erwachsenen Menschen durchführt, keinerlei seelischen Schaden anrichten können, vielleicht auch nur, weil erwachsene Menschen nicht mehr mit unschuldigen Kinderaugen in die Welt glotzen und sich also kein Reibach mit diesbezüglichen Bildern von ihnen auf der Titelseite machen lässt -, und da ist “Sch*anz ab!” noch eine der harmlosesten Forderungen, sofern der Täter männlich war, von “Ti*ten ab!” habe ich bislang indes auch noch nie lesen dürfen. (Die erneute Wortzensur erfolgte, wie üblich, aufgrund der Algorithmen großer Suchmaschinen.)
Dass dieses Urteil auch ganz andere unerwünschte Nebenwirkungen haben könnte, ist dem Nachtwächter aufgefallen, der seinen Text folgendermaßen überschreibt:
Heute ganz exklusiv für die wenigen leser dieses völlig unbeachteten und sonst eher etwas inhaltsarmen blogs eine praktische und einfach durchzuführende anleitung, wie man jemanden wegen “besitzes” von kinderpornografischem materjal in den knast bringen kann. Diese anleitung ist praxisorientiert und lässt sich mit nur geringer mühe in eine tat umsetzen. Die tat lässt sich nahezu spurlos durchführen, so dass kaum ein persönliches risiko besteht, dabei erwischt zu werden — während das opfer dieser tat sicher ins visier der staatsanwaltschaft gerät und mit hoher wahrscheinlichkeit wegen der bilder auf seinem rechner verurteilt wird.
Das Verfahren wurde nunmehr an das Amtsgericht Harburg zurückverwiesen. Eine positive Entwicklung kann jedenfalls ich, anders als ein Kommentator auf netzpolitik.org, leider nicht erkennen. Vermag mir jemand Aufklärung zu verschaffen?
Ich fass’ es nacht.
Nun, da es dämmert, lässt sich über die jährlichen Karnevalszüge berichten, ohne allzu viel zu verpassen:
Nach Boni lechzende Banker, eine Merkel im Evakostüm und Westerwelle im Clownsgewand: Auf den Rosenmontagszügen in Düsseldorf, Mainz und Köln nahmen die Jecken die Wirtschaftskrise mit Humor.
“Crisis? What Crisis?” fragte schon 1975 die Band Supertramp, und von einer Krise war auch hier nur wenig zu sehen:
Unzählige Karnevalsbegeisterte hatten sich den Tag freigenommen, um die Umzüge anzuschauen.
Die Aussicht auf Brot und Spiele bzw. eilig in die Menge geworfene Kamele Kamille Kamelle ist hier vermutlich weniger entscheidend als die Tradition und der Ausbruch aus der Normalität, die dann letztendlich auch nur darin besteht, von Medien und persönlichem Umfeld über Augen- und Haarfarbe von Boris Beckers neuestem Erzeugnis informiert zu werden.
Stattdessen wurde ein wenig harm- und auch recht zahnlos über die da oben hergezogen, und wirklich störend blieben für die weniger karnevalsaffine Allgemeinheit, die auch ohne tägliche Berieselung durch durch das meist eher störende Fernsehprogramm Spaß haben können, nur die Narren mit erhöhtem Mitteilungsdrang im persönlichen Umfeld. Johnny hat eine elegante Lösung gefunden:
Als notorischer Karnevalsverweigerer überkommt einen daher der Drang, die kollektive Absenkung der Niveaugrenze im rheinischen Raum schamlos auszunutzen.
So kann’s doch auch gehen.
Was natürlich auch irgendwie dazu passt wg. “wirtschaftlichen Wohlstandes”:
Das US-Justizministerium hat Ende vergangener Woche eine Taskforce für geistiges Eigentum ins Leben gerufen. (…) “Die Zunahme an Straftaten an geistigem Eigentum in den USA und im Ausland bedroht nicht nur unsere öffentliche Sicherheit, sondern auch unseren wirtschaftlichen Wohlstand”, unterstrich US-Justizminister Eric Holder die Bedeutung der Taskforce.
Richtig: Die öffentliche Sicherheit. Immer diese Raubmordkopierterroristen!
Google Buzz: Entschuldigung, kann ja mal passieren.
Aus aktuellem Anlass folgt noch einmal ein Beitrag zum Thema Google, ich bitte um Nachsicht.
Google hat wieder einmal eine neue Nicht-Innovation zu bieten: Das soziale Netzwerk “Buzz”, das als Facebook-Alternative angepriesen wird und den ebenfalls umstrittenen E‑Mail-Dienst GMail um “soziale” Funktionen erweitert, ist das derzeitige “kommende Ding” für mancherlei Personen, ungeachtet der Tatsache, dass Google selbst inzwischen öffentlich “schwere Patzer” eingestand:
Googles direkt nach dem Start heftig kritisierter Social-Networking-Dienst Buzz wird umgebaut, zum dritten Mal innerhalb von vier Tagen. Vor allem die eingebauten Datenschutz-Lecks sollen offenbar gestopft werden — allerdings nicht alle. Der Buzz-Start ist ein Desaster.
Es ist wahrlich nicht so, dass diese Meldung sonderlich überraschend käme, es ist nur erschreckend, dass aus den wiederholten Datenschutzproblemen der Google-Dienste kein Google-Nutzer (erst mal anmelden, ist von Google, ob wir’s brauchen, sehen wir dann) seine Konsequenzen zieht, obgleich es wahrlich genug Alternativen zu jedem von Googles Diensten gibt, von denen keiner für auch nur annähernd schwer wiegende Bedenken bekannt ist.
Und wer ein wahrer Googlefreund ist, der verzeiht seinem Lieblingskonzern auch Aussagen wie diese:
Man habe “schnell erkannt, dass man nicht alles ganz richtig gemacht habe”, so Jackson, “das tut uns sehr leid”.
Google verstößt mit jedem neuen Dienst gegen fast jede mir bekannte Vorstellung von Datenschutz und Privatsphäre (hat eigentlich mal einer von euch die AGB von Google Wave gelesen, in denen sinngemäß steht, Google nehme sich das Recht heraus, jedes bei Google Wave erstellte Dokument beliebig zu modifizieren und zu veröffentlichen?), und statt mal etwas daran zu ändern, versichern sie lieber, wie Leid es ihnen tue. Unglaublich.
Man stelle sich vor, wie groß der Aufschrei wäre, würde Microsoft ähnlich verfahren; die Rufe nach Zerschlagung des Konzerns trieben unüberhörbar durch die Netze. Warum Google von einigen Journalisten und den meisten Nutzern einen Freischein für gänzlich unpiratige und somit benutzerunfreundliche Unternehmensprinzipien (“Don’t be evil!” ist natürlich auch eine Frage der Perspektive) bekommt, ist für mich unverständlich. Kann einer meiner geschätzten Leser mir da weiterhelfen?
Nachtrag von 22:22 Uhr: Mir ist gerade wieder eingefallen, woran mich “Buzz” erinnert.
“The toys are us, and we don’t even know.”
Meuterei im Piratenforum
Ach, du meine Güte, da lässt man sie mal einen Tag lang allein und schon richten sie nur Schaden an.
Die Piratenpartei, wie üblich “die Piratenpartei” genannt und in ihrer Gesamtheit gemeint, steht derzeit wieder einmal in der Kritik für etwas, das nicht einmal ihr Verschulden ist. Im Laufe der vorigen Stunden wurde das Forum der Piratenpartei, nachdem es wochenlang heftige Streitereien um den Moderationsstil des Benutzers “arvid” gegeben hat, von ihm und den beiden anderen bisherigen Administratoren trotz jeglicher Datenschutzbedenken auf einen privaten Server umgezogen, ohne den Bundesvorstand oder die anderen Forenteilnehmer darüber zu informieren, was kurze Zeit später, nachdem ersterer im Bilde war und erste Proteste bezüglich eben des Datenschutzes erklungen waren, wieder rückgängig gemacht wurde.
Einige Weblogs, unter anderem das stets unsachliche F!XMBR (Link bitte selbst suchen) und das mir bis dahin völlig unbekannte mthie spaces, waren schnell genug zur Stelle, um darüber zu berichten. Wenn ich selbst als ein Pirat, der in jenem Forum derzeit ebenfalls eine Sperrzeit erdulden muss, aus irgendwelchen Vorgängen im Forum gefolgerten Unsinn über “die Piratenpartei” lesen muss, steigt mir die Galle hoch, und wenn mir die Galle hochsteigt, ist das nicht sehr angenehm für zumindest mich. Ich verschaffe ihr ein wenig Luft, indem ich zornerfüllt einige Dinge klarstellen möchte:
Zunächst einmal ist das Forum der Piratenpartei nicht “die Piratenpartei”. Seine Betreiber sind nicht der Bundesvorstand, ihre Meinung ist nicht die Meinung der Partei; vielmehr handelt es sich um ein Diskussionsforum primär für Piraten und ihre Sympathisanten, aber auch ihre Kritiker. Wenn jetzt dieses Forum von irgendwo nach irgendwo anders verschoben wird, ist dies kein Verrat an Parteiidealen, da die Übeltäter keinesfalls im Sinne des Parteivorstandes, sondern, so weit ich bislang mitbekommen habe, gegen seinen Willen und ohne sein Wissen gehandelt haben. Wie eben auch — zum Glück — nicht jedes Thema, das von irgendeinem Wirrkopf in ebendiesem Forum eröffnet wird, einen Dogmastatus inne hat. Noch immer ist in roter Schrift über den Inhalten des Forums folgendes zu lesen:
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Die tatsächliche Parteiarbeit findet zum Glück komplett außerhalb des Forums statt, zum Beispiel in Wiki, Telefonkonferenzen und Mailinglisten. Ich kann den Kritikern, die Forum und Partei vermengen, bei all ihren Äußerungen immerhin insofern zustimmen, als die Piratenpartei, wäre das Forum tatsächlich in irgendeiner Form repräsentativ, vermutlich längst in der Bedeutungslosigkeit verschwunden wäre, und das nicht einmal zu Unrecht. Während sich nun aber die geifernde Menge auf das Forum stürzt, um die letztlich völlig irrelevanten Vorgänge lustvoll zu zerreißen, beschäftigt sich die Parteibasis nebst jeglichen Vorständen längst mit wichtigeren Dingen, zum Beispiel der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Das ist spannender und angesichts aktueller staatlicher Verfehlungen auch brisanter als irgendwelche Machtkämpfe in einem Forum, die jedenfalls mich an den Film Das Experiment erinnern.
Sollte jemand, der hier zufällig vorbeistolpert, tatsächlich ein weiter gehendes Interesse an der Parteiarbeit haben, und sei es nur zu Recherchezwecken, möge er einen Blick in das Wiki werfen und die Berichterstattung über irgendwelche Verschwörungen in der Piratenpartei, nur weil es in einem von der Parteiarbeit völlig unabhängigen Forum zu Kindereien kam, kühl lächelnd ignorieren.
Knuddelt euren Entwickler!
Weil ich über den heutigen Aufmarsch links- und rechtsradikaler Staatsfeinde schon ausreichend geschrieben hatte und ich mich über das Thema Schweiz, das noch viel Zündstoff zu bieten scheint, auch schon genug echauffierte, bleibt auch der heutige Tag hier politikfrei.
Stattdessen eine prima Aktion, die ich als Valentinstagverächter durchaus gutheißen kann:
Die FSF Europa lädt dazu ein, den morgigen Valentinstag statt für Herzchen und Blumen dafür zu verwenden, dem Entwickler bevorzugter Gratisanwendungen ein Dankeschön und/oder eine Spende zukommen zu lassen oder ihn einfach mal zu umarmen.
Natürlich nicht, ohne vorher zu fragen:
- Send them a message thanking them for their work
- Buy your favourite project some chocolates
- Hug a developer (ask permission first!)
- Buy your favourite developer a drink
- Send a book to your favourite contributor
Ich habe mein Soll in diesem Jahr schon erfüllt. Für alle, die es mir gleich tun möchten:
Ich nehme auch Umarmungen entgegen.
Ausnahmsweise.
Medienkritik XXII: Anachronistische Klickstrecken
Und schon haben die Olympischen Spiele wieder ihre übliche Tragödie:
Die Spiele von Vancouver beginnen mit einer Tragödie. Kurz vor der Eröffnungsfeier ist der georgische Rodler Nodar Kumaritaschwili beim Training aus der Bahn geflogen — und an seinen Verletzungen gestorben.
All dies, versteht sich, garniert mit einer einträglichen Klickstrecke mit Fotoaufnahmen vom Unfallhergang; für die umfassende Berichterstattung natürlich dringend notwendig und nicht etwa bloßer Sensationsjournalismus, doch nicht beim SPIEGEL, nein!
Wo doch sonst schon alles so schön recherchiert wurde, so dass nicht einmal die diesen Text in seiner Gesamtheit noch eben kurz hingeschludert habenden Journalismuslehrlinge eine Diskrepanz bemerken konnten, zum Beispiel in den ersten Sätzen inkl. Überschrift; ich zitiere nochmals:
Unfall bei Olympischen Spielen
Die Spiele von Vancouver beginnen mit einer Tragödie. (Achtung, jetzt kommt’s:) Kurz vor der Eröffnungsfeier ist der georgische Rodler (…) an seinen Verletzungen gestorben.
Das dürfte ein neuer Rekord sein: Der erste “Olympia-Tote”, der schon tot war, bevor die Olympischen Spiele überhaupt begonnen haben! Na, wenn das mal keine Medaille gibt. Klar — “Im Vorfeld der olympischen Spiele schließlich tödlich Verletzter” ist keine so schön kurze Überschrift. Korrektheit wird korrekt hintan gestellt, die wesentlichen Inhalte (Sportler, Olympia, tot) stehen ja drin.
Wohl wissend, dass er für Splatter- und Unfallbilder seinen Investigativjournalismus, wie üblich, ungeachtet dieses Textes mit zahlreichen neuen Besuchern rechnen dürfte, bleibt mir nur noch übrig, dem SPIEGEL ein nachhaltiges “Buuuuh!” zuzurufen, wie es sich für schlechte Leistung gehört. Bitte nächstes Mal besser machen!
Ein wenig fröhlicher stimmt dieser auf Spreeblick.com entdeckte und für gut befundene Verweis:
David Sanchez erklärt das mit den Bienen und den Blumen ohne Bienen und Blumen, dafür mit Kugelschreibern. Zum Kugeln, sozusagen.
Höchst erfreulicher Briefwechsel wegen eines Wikipedia-Löschantrages
Für all diejenigen meiner Leser, die sich für die Antwort auf die total spannende Frage interessieren, wie es eigentlich in meinem Posteingang aussieht, folgt hier eine kurze Antwort aus aktuellem Anlass:
Eine vortreffliche Mail landete gestern in meinem Posteingang und veranlasst mich zu einer Korrektur.
Während einer meiner zahlreichen in der deutschsprachigen Wikipedia versumpften Stunden bemerkte ich, eher zufällig, einen Löschantrag auf das Lemma The Void’s Last Stand, was einerseits gut war, denn sonst hätte sich die folgende Geschichte nicht ergeben, und andererseits geradezu danach zu schreien schien, dass ich mir das mal ansehe.
The Void’s Last Stand, ihr erinnert euch sicher, ist die Aachener Antwort auf The Mars Volta und ihr Debütalbum eine Wucht. Meine eilig hingeschmierte Lobeshymne auf diese wirre Geräuschansammlung wurde prompt auf der Internetseite der Band zitiert, und ich werde immer noch gut unterhalten, lausche ich wieder einmal den Klängen dieser Musiker; Grund genug, mich in der Löschdiskussion wie auch im Artikel selbst kreativ zu betätigen. Der Begriff “Löschipedia”, der gern für die deutschsprachige Wikipedia verwendet wird (weil’s hier eben so etwas wie Mindestvoraussetzungen für Artikel gibt und nicht jeder Schmonz enzyklopädisch wertvoll ist), ist bei ständig steigenden Artikelzahlen (es gibt natürlich auch immer weniger, was noch nicht geschrieben wurde) jedenfalls bestenfalls Bockmist.
Das Ziel der de.WP (ich kürze das jetzt mal ab) ist es keinesfalls, alles nur erdenkliche Wissen der Menschheit zu sammeln, andernfalls hätte ebenso jedes Lebewesen, über das irgendjemandem irgendetwas bekannt ist, einen eigenen Artikel verdient, mich eingeschlossen; vielmehr geht es um den Aufbau einer Enzyklopädie über Themen aus allen Fachbereichen, sei es Recht, Biologie oder Musik. Dass bloße Werbetexte ebenso keinen Platz in einem solchen Komplex bekommen sollten wie Diffamierungsaufsätze (“Felix aus der 9b riecht nach Nillenkäse!”) oder nicht genehmigte Kopien urheberrechtlich geschützter Kolumnen, stellt, so sollte man meinen, keine besondere Hürde dar, und es kann doch eigentlich auch nicht allzu schwer sein, für zum Beispiel eine Musikgruppe, der man über die Grenzen des eigenen Heimatdorfes hinausgehende Bekanntheit unterstellt, Nachweise zu finden, die ihr selbige bescheinigen, und wenn doch, sollte man mal in Erwägung ziehen, dass man mit seiner Einschätzung vielleicht doch daneben lag. Schon toll, diese Wikipedia, so lange alles drinsteht, was man sucht; und fehlt etwas, bloß nicht selbst Hand anlegen, lieber warten, bis es jemand anders tut, und sich derweil darüber aufregen, dass man nie findet, was man sucht, und überhaupt, warum selbst einen Artikel schreiben, wenn keine Gegenleistung in Form von mindestens ausführlichen Dankesschreiben von den Administratoren höchstpersönlich zu erwarten ist? Das ist ja wohl das Mindeste!
An dem Beispiel so einer gemeinschaftlich erarbeiteten Enzyklopädie inklusive gemeinschaftlich erarbeitetem Regelwerk kann man die soziale Kompetenz der Mitwirkenden erkennen. Die digitale Bohème als Spiegelbild der modernen Ellenbogengesellschaft — klingt wie ein prima Buchtitel. (Eventuelle Autoren, die jetzt auf dumme Gedanken kommen, werden gebeten, sich rechtzeitig aus der Deckung zu trauen.)
Verzeihung, mir entglitt das Thema. Zeit, es wieder einzufangen:
Als ich gerade an der Verbesserung und, hoffentlich, Rettung des Artikels arbeitete, schrieb mir Sänger Jonas Wingens, der wie ich bisweilen in der progrock-dt-Mailingliste mitdiskutiert, eine Dankesmail, aus der sich ein Dialog entwickelte, in dessen Verlauf es, natürlich, auch um das bereits erwähnte Album ging. Zufällig erfuhr ich so, dass es inzwischen eine Neuauflage mit ausreichend gut lesbaren Buchstaben gibt, die, wohl weil die Produktion so großer Buchstaben übermäßig viel Geld und Arbeit kostet, nicht mehr im Eigenvertrieb für 4 Euro exkl. Versand (selbst schuld, wer meinen Kaufempfehlungen nicht rechtzeitig Folge leistet), sondern für einen etwas höheren Betrag via Long Hair Music — ein CD-Vertrieb, der auch sonst überaus gute Musik im Katalog feilbietet — erhältlich ist. Sollte nun also jemand als Neuleser hier eintreffen und meine Jahresrückschau 2009 lesen: Mein damaliger Kritikpunkt bezgl. der Schriftgröße ist hiermit nichtig.
Und jetzt bleibt zu hoffen, dass der Löschantrag in der Wikipedia abgelehnt wird. Die Entscheidung fällt demnächst.
Bushido und der Feminismus
Ich befürchte, mit meinem vorigen Text eine Grenze überschritten zu haben, die nun unabänderlich diese Internetpräsenz mit einem weithin sichtbaren Zeichen belegt hat. Unter anderem vermutlich geschuldet dem Umstand, dass ich mit dem verlinkten Weibe einen gehobenen Diskurs über Eiskauf führte, in dessen Verlauf ich tatsächlich das Wort “süüüüüüß” (ich fasse es nicht!) zu lesen bekam, wurden auch umstrittene Feministinnen (“Männerquoten sind sexistisch, keine Frauenquoten ebenfalls”) aufmerksam und beehrten mich mit ihrem Besuch. Natürlich macht es mir nichts aus, Interessenten zu gewinnen; ich habe nur ein bisschen Angst davor, wo und in welchem Kontext ich zukünftig zitiert werde. Au Backe.
Während ich also furchterfüllt den Ansturm zur Kenntnis nahm, verfolgte ich im IRC-Kanal der Piratenpartei eine Diskussion über A‑cappella-Musik, die nebenbei die Kommerzialisierung etablierter Gruppen wie der Wise Guys zum Thema hatte, und entdeckte dort dieses Video dieser Combo, das ich insbesondere nach Genuss der Betrachterkommentare als ein durchaus amüsantes empfehlen möchte, wenngleich dieser Eindruck keinesfalls allgemein geteilt werden muss. Wer jedenfalls Nightwish und das Genre, dem sie angehören, — wie ich — nicht ausstehen kann, der möge sein besonderes Augenmerk auf die Instrumente und die Diskussionen zum Video legen. Herrlich!
Derart unterhalten pfiff ich mir abschließend Alice Schwarzers Abrechnung mit Bushido rein, der, so ist aus unerfindlichen Gründen auf musikerpedia.de zu lesen, zu sehen und zu hören, eine Einladung zu einem öffentlichen Gespräch mit ihr deshalb ausschlug, weil er befürchtete, sie würde niveaulose Fragen über seine Mutter stellen, was, so Bushido, den ich vor einer Weile noch für menschlich gar nicht mal allzu verkehrt hielt, völlig inakzeptabel sei. So was könne er keinesfalls gutheißen, und auf solcherlei plumpe Provokationen würde er schlicht und sinngemäß mit “f*ck dich, du Fotze” reagieren. (Wortzensur erneut aus Gründen der Suchmaschinenidiotie, nicht aus vermeintlicher Pietät; wir sind ja hier zum Glück noch nicht in den moralisch verkorksten USA.)
Weil er es, so Bushido, schon immer so gemacht habe. Erklärt natürlich einiges.
Leser (innen und außen)
Da fiel mir doch beim gedankenlosen Herumklicken gerade mal wieder ein Weblog eines Mitglieds der Piratenpartei auf, das die Satzung der Partei, die sich unter anderem die längst fällige Abschaffung der Sonderstellung von Frauen auf die Segel geschrieben hat, offenbar noch nicht vollständig gelesen hat:
Die in der Piratenpartei Deutschland organisierten Mitglieder werden geschlechtsneutral als Piraten bezeichnet.
Und dann schauen wir mal in die Suchfunktion des Piratenweibes Weblogs (was schon ärgerlich genug klingt) und finden erst mal mehrere Seiten “Piratin” und, au contraire, immerhin ein Ergebnis für “unpiratig”, und das hat es in sich, betont die Verfasserin doch dort, dass es wichtig sei, auf die “Außenwirkung” seiner Wortwahl zu achten, wenn man Pirat ist.
Ich möchte der Piratendame hier keine bösen Absichten unterstellen, ich nehme auch an, dass sie diesen Text nicht zur Kenntnis nehmen wird, aber es ist doch schon erstaunlich, mit welchem Selbstverständnis manche Menschen einerseits (zu Recht) gegen die Grundprinzipien der Piratenpartei verstoßende Äußerungen kritisieren und dann aber andererseits aktiv gegen die Ziele der Partei handeln. Warum sollte man auch die eigene Sonderstellung aufheben wollen?
Aber diese für Frauen leider keinesfalls ungewöhnliche Haltung ist nicht der Grund für diesen Beitrag; vielmehr kam ich ursprünglich auf diesem Beitrag an, der das Vorhaben der CDU, die deutsche Sprache endlich im Grundgesetz zu verankern (was ich, anders als so manch andere Idee der CDU, ausdrücklich für gut befinde), ordentlich durch den Kakao zieht und dabei leider auf dem Niveau “Microsoft heißt, haha, Kleinweich” bleibt.
Und dort verlinkt die überzeugte Frau auf die Seite, die eigentlich im Zentrum meiner Kritik stehen sollte. Diese Seite nennt sich “CeiberWeiber”, was auch immer ein Ceib sein mag, bietet eben diesem Artikel Speicherplatz und schmeißt auch sonst fröhlich mit Binnenmajuskeln um sich.
Dass es sich um ein “Frauen Onlinemagazin” (nur echt mit Deppen Leerzeichen) handelt, mag anhand des URL schon erraten worden sein, und konsequent wäre es somit ohnehin, von ausschließlich Leserinnen auszugehen; aber was findet man, klickt man auf den Verweis zu dem Artikel, vor? LeserInnen! Und, als wäre das noch nicht wunderlich genug, wird es wiederholt; gleich dreimal ist von LeserInnen und immerhin einmal von TürkInnen die Rede.
Über die inhaltliche Bedeutung eines Binnen-Is (hat diejenigen, die solcherlei verwenden, eigentlich schon mal jemand gefragt, ob es ihre Intention war, den Frauen nur die Endung, den Männern aber die Bedeutung eines Wortes zu überlassen?) wurde anderswo schon ausreichend geschrieben, das möchte ich — ich bin ja nicht ALF! — nicht immer wieder nur wiederkäuen, aber mir kam beim Lesen plötzlich die Frage in den Sinn, wie man es eigentlich “korrekt” verwendet.
Ein einfaches Beispiel: Zwei Männer und eine Frau betreten in beliebiger Reihenfolge eine Eisdiele. Handelt es sich nun im Falle eines gemeinschaftlichen Eiserwerbs um Eiskäufer, um Eiskäuferinnen oder um EiskäuferInnen? Gemäß der allgemeinen Verwendung wäre letzterer Fall zutreffend, es handelt sich also um eine Gruppe von Eiskäufern, in denen mindestens ein Mitglied männlichen Geschlechts ist. Die Endung “-innen” ist aber ein Indikator für die Pluralform, zwei Exemplare eines Eiskäufers sind und bleiben Eiskäufer ohne Suffix, es muss also mehr als nur einen weiblichen Eiskäufer in der Gruppe geben. Wäre also “EiskäuferIn” korrekt — zwei Eiskäufer und eine Eiskäuferin?
Hilfe!
Nachtrag: Lieben Dank an das Weib, allein aus dem Betreten folgt noch kein Kauf. Logikfehler hiermit beseitigt.
Protokoll einer Herzchenverschwendung (inkl. Kätzchen)
Und es begab sich aber zu der Zeit, die Zeit der Reinigung genannt ward, dass sich abermals der Gedenktag des Heiligen Kyrill von Saloniki jährte, im Volksmunde auch der Tag der Liebenden genannt. Um auch seinen eigenen Schafen ein wenig Liebe zu spenden, sprach der Vorsteher einer kleinen Gemeinde wie folgt:
“Ich will auch in ihnen die Freude an dieser edlen Zeit wecken!”
Und so hinterließ er, kaum merklich, ein Zeichen, das zuvor nicht da gewesen war, um die Sinne zu verstören und sie zu formen nach seinem Willen:
Einer aber erkannte die Missetat des Vorstehers, und er trat vor das Volk und sprach: Ich will ihn lehren, unseren Geist zu verwirren!
Mit kundiger Hand nun machte er sich, geschützt von der Dunkelheit der Nacht, daran, das Mal, das das Volk im Banne hielt, zu zähmen. Schließlich gelang es ihm:
Und alle, die das Mal nun sahen, gerieten in Verzückung, und ihre Herzen warden beseelt, und alle freuten sich voll usw.; die Moral von dieser schönen Geschichte: Abgedroschener geht es immer.
(Alternative Moral für pragmatische Personen und die, die den Beitrag bis hierhin nur überflogen haben:
Herzchen passen nicht auf Geschäftskorrespondenzen.)
(Und all diese Herzchen-, Blumen- und Kätzchenverschwendung ist erst Montag vorbei. Die Tage fließen zäh dahin wie Karamell. Ach, Kamelle gibt’s ja auch bald wieder. Wir leben in wahrlich turbulenten Zeiten!)
Lesetipp für Musikfreunde: Massive Attack im Schalltest
Im Auftrag des guten Geschmacks bzw. der Schallgrenzen verfasste ich gestern einen weiteren Beitrag für die gemeinschaftlich erarbeitete Musikrezensionsreihe Soundcheck. Diesmal haben sie, Peter und ich das neue Album Heligoland von Massive Attack in die Mangel genommen. Es erntete, anders als die Rezensionen selbst, insgesamt durchweg Zustimmung.
Mein Resümee lautet wie folgt:
“Heligoland” erreicht als Trip-Hop-Album insgesamt natürlich nicht die Klasse von Archives Überwerken “Noise” und “Lights”, aber es wäre auch reichlich überflüssig, klänge in diesem Genre alles gleich. Nun kenne ich bislang die übrigen Alben von Massive Attack nicht (werde es beizeiten nachholen), bin aber durchaus davon überzeugt, dass es mit all seinen Stärken und Schwächen ein insgesamt zwar durchwachsenes, aber handwerklich solides Album ist, das für jeden aufgeschlossenen Musikhörer seine individuelle Faszination entfalten kann und wird. Überspringe ich die Titel, die mir missfielen, so bleibt inklusive des ersten und des letzten Stücks noch immer genug Laufzeit für einen, nun, Trip übrig. Das genügt mir.
Die vollständige Fassung gibt es zusammen mit den beiden anderen Rezensionen drüben auf Schallgrenzen.de zu lesen, wo auch weiterhin die bisherigen Gemeinschaftsrezensionen zu finden sind.
Guten Morgen und viel Spaß!
Schnee is in the Air. </3
Unerbetene Werbepost betreffs “Love is in the Air. <3”, nur echt mit “<3”, veranlasste mich dazu, einen Blick hinauszuwerfen. Statt der versprochenen Liebe war jedoch wie mit einem nicht justierten Fernsehempfänger nur Schnee zu sehen:
Nicht einmal die Kapriolen der Simpsons oder sommerlicher Indie-Rock können die Melancholie gänzlich vertreiben, die ein Blick in verschneite Dunkelheit aufkommen lässt und die das, was gemeinhin als Seele bezeichnet wird, mehr gefangen hält als jede Unternehmung mit Freunden, jedes Musikalbum und jeder Film dieser Welt.
All these places had their moments
With lovers and friends, I still can recall
Some are dead and some are living
In my life I’ve loved them all
– The Beatles: In My Life


















