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Abzähl­rei­me leicht gemacht.

Wer sich auf Deutsch nicht aus­drücken kann, redet lie­ber Eng­lisch, so fällt es nicht mehr so schnell auf, dass die vie­len Phra­sen lee­re Hül­len blei­ben. Ein simp­les Prin­zip, hun­dert­fach bewährt, und so ist es nur kon­se­quent, dass jemand es aus­zu­rei­zen ver­sucht. Die­se Auf­ga­be haben meist irgend­wel­che Exper­ten inne, und auch in die­sem Fall war es nicht ein­fach irgend­wer, der grif­fig for­mu­lier­te, was offen­bar eine klei­ne Sen­sa­ti­on dar­stellt und somit bei dem komi­schen Text­sam­mel­su­ri­um SPIEGEL Online ver­öf­fent­licht wur­de, son­dern es waren Sprach­for­scher, und offen­bar der­art renom­mier­te, dass eine Namens­nen­nung nicht ein­mal mehr not­wen­dig erscheint:

So sehr sich ame­ri­ka­ni­sche und euro­päi­sche Kin­der in Mathe-Tests anstren­gen – ihre Alters­ge­nos­sen aus Chi­na sind bes­ser. Dank eines ein­fa­che­ren Zah­len­sy­stems kön­nen sie schon früh bes­ser zäh­len und rech­nen. Sprach­for­scher glau­ben, dass die Metho­dik auch deut­schen Kin­dern hel­fen wür­de.

Die­se The­se erin­nert mich an die Rechtschreib-„Reformen“; wir müs­sen den Kin­dern weni­ger bei­brin­gen, wenn wir ein­fach die Norm an ihren Bil­dungs­stand anpas­sen. So funk­tio­niert es also natür­lich auch mit Mathe­ma­tik:

13 heißt shi­san (zehn-drei), 20 ershi (zwei-zehn), 21 ershiyi (zwei-zehn-eins).

Zu mei­ner Zeit (damals vor­’m Krieg) hat man das Zeh­ner­sy­stem noch mit so lusti­gen Klötz­chen geübt, auf­ge­teilt in Einer, Fün­fer und Zeh­ner, wenn ich mich recht ent­sin­ne. (Kor­rek­tu­ren gege­be­nen­falls bit­te als Kom­men­tar hin­ter­las­sen; ich bin mir tat­säch­lich nicht mehr all­zu sicher.) Als auf­fäl­lig dumm wür­de ich im Nach­hin­ein nur weni­ge mei­ner dama­li­gen Klas­sen­ka­me­ra­den bezeich­nen, auch wenn ich spä­ter nur noch wenig mit ihnen ver­kehr­te.

Es fügt sich zu einem durch­aus beach­tens­wer­ten Bild zusam­men: Eltern, die zur Erzie­hung ihrer Spröss­lin­ge nicht all­zu viel Zeit auf­brin­gen möch­ten, set­zen das Kind vor den Fern­se­her und/oder den Com­pu­ter und hof­fen, dass der Staat sich dar­um küm­mert. Wenn das Kind dann wegen feh­len­den Inter­es­ses sei­tens der Eltern nicht rich­tig schrei­ben lernt, wird die Recht­schrei­bung ange­passt, kann es nur schlecht Deutsch, bringt man ihm statt­des­sen schlech­tes Eng­lisch bei, und ist es aus einem ähn­li­chem Grund schlecht in Mathe­ma­tik, denkt man sich leich­te­re Zah­len aus.

Ich bin nun in der glück­li­chen Situa­ti­on, weder ein Kind noch ein Elter zu sein, daher zeugt es womög­lich von Rea­li­täts­fer­ne und/oder Über­mut, wenn ich resü­mie­re:

Kin­der brau­chen kei­ne Regeln, die man an sie anpasst, nur weil man ihnen nicht bei­bringt, wie sie ein Ziel errei­chen kön­nen. Eltern brau­chen sie. Fau­le Eltern, deren Schul­zeit selbst längst nur noch eine schwä­cher wer­den­de Erin­ne­rung ist, und die, wenn ihr Kind es ein­mal an ihren eige­nen selbst­ver­ständ­lich über­ra­gen­den Fähig­kei­ten mis­sen lässt, den Regeln die Schuld geben und, natür­lich, den Leh­rern, aber nie­mals sich selbst; schließ­lich haben sie teu­er dafür bezahlt, dass ihr Kind kein völ­li­ger Ver­sa­ger wird, also war­um soll­ten sie selbst Sor­ge dafür tra­gen müs­sen?

Kin­der brau­chen kei­ne Welt, die, dem noch immer all­ge­gen­wär­ti­gen Pisa zu viel Bedeu­tung zuteil wer­den las­send, ihnen das Ler­nen erspart. Kin­der brau­chen Eltern, die ihre Kin­der nicht maß­los über­schät­zen, nur weil’s ihre eige­nen sind. Eltern brau­chen kei­nen Staat, kei­ne digi­ta­len Medi­en und kei­ne Gesell­schaft, die ihre Kin­der erzie­hen. Eltern brau­chen jeman­den, der ihnen mal gewal­tig, mei­net­we­gen auch nur sym­bo­lisch, in den Hin­tern tritt, wenn sie sämt­li­che Ver­ant­wor­tung abschie­ben.

Wo bleibt die Eltern­li­zenz? Gern auch zum Aus­ma­len.

Senfecke:

  1. Dar­aus einen Fly­er basteln und hier in Lin­den ver­tei­len (lassen)…die gering­ste Fol­ge wäre eine Demo mit sich anschlie­ßen­der gemein­sa­mer, fröh­li­cher Stra­ßen­schlacht.

  2. Ich schrieb aus gutem Grund „lassen“…wie wäre es mit Dir als anony­mer Nicht­lin­de­ner? Sozu­sa­gen als Kano­nen­fut­ter?

  3. „Wäh­rend hier­zu­lan­de eher auf Ver­ste­hen Wert gelegt wer­de, sei im Reich der Mit­te stu­pi­des Rech­nen eine durch­aus akzep­tier­te Metho­de.“
    Ich kri­ti­sie­re schon immer die­se immer wei­ter aus­ufern­de Mei­nung, Chi­na als gro­ßes Vor­bild sehen zu müs­sen. Für mich gibt es an die­sem Land und sei­ner Men­ta­li­tät nur wenig vor­bild­li­ches.

  4. hmm komisch dass auch ame­ri­ka­nisch jugend­li­che­schlech­ter abschnei­den. Im eng­li­schen ist das Zah­len­sy­stem ja zumin­dest ähn­lich ein­fach.
    Könnt ja auch dar­an lie­gen das in chi­na die mei­sten kin­der­ein­zel­kin­der­sind und so mit mehr auf­merk­sam­keit erzo­gen wer­den kön­nen. wär auch inter­es­sant für eine sta­ti­stik.
    Was machst du eigent­lich aus mei­nem Kom­men­tar? Hab grad gele­sen:
    Daten­schutz­hin­weis: Aus sta­ti­sti­schen Grün­den wird Ihre IP-Num­mer zusam­men mit Ihrem Kom­men­tar gespei­chert.

  5. Ich baste­le mir eine Besu­cher­sta­ti­stik dar­aus. :)

    Hmm, im Eng­li­schen heißt zwei­zehn aber auch zwan­zig. Viel­leicht liegt es dar­an?

  6. ´tschul­di­gung wegen der teils recht spe­zi­el­len schreib­wei­se, ich glaub ich brauch ne recht­schreib­re­form

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