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Morphine, Frau Käßmann und der Genderismus

Bei Durch­sicht mein­er Musik­samm­lung fiel mir auf, dass ich hier noch gar nichts über die offen­bar wei­thin unbekan­nte Musik­gruppe Mor­phine geschrieben habe. Das hole ich doch prompt nach:

Mor­phine war eine recht possier­liche Band aus den USA, die bis zum Tod ihres Sängers Mark Sand­man im Jahr 1999 ihren ganz eige­nen “Low rock”, der Ele­mente aus Blues, Jazz und Rock verbindet, prak­tizierte. Obgle­ich es nie zu weltweit­em Ruhm kam und auch das Video zu “Ear­ly to Bed” bei den Gram­my Awards gegen Janet Jack­son ver­lor, so reichte es doch zu weit­ge­hend pos­i­tiv­en Kri­tiken in Fach­magazi­nen wie dem Rolling Stone.

Die spär­liche Instru­men­tierung — Gitar­ren ertö­nen nur sel­ten, stattdessen sind vor allem Sax­o­phone zu hören — erzielt bisweilen eine hyp­no­tis­che, meist aber min­destens beruhi­gende Wirkung. Als weit­eren Beleg ver­weise ich auf das von mir bis­lang präferierte Lied “French Fries With Pep­per”, wie “Ear­ly to Bed” auf dem 1997 erschiene­nen Album “Like Swim­ming” zu find­en.

Musik für einen Abend nach einem lan­gen, harten Tag.


Dass sich übri­gens “alle” darüber aufre­gen, dass Frau Käß­mann sich einen kleinen Faux­pas erlaubt hat, begrün­det Bär­bel Warten­berg-Pot­ter mit dem Sex­is­mus, der in Kirche und Gesellschaft noch immer vorherrsche; Gün­ther Beck­stein behauptet gar, Trunk­en­heit am Steuer wäre ihr längst verziehen wor­den, wäre sie ein Mann. (Sollte jemals jemand dem gemein­hin eher unbe­liebten, aber nicht unbe­d­ingt weib­lichen Jörg Haider, der bekan­ntlich eben­falls betrunk­en am Steuer saß, seine Tat verzei­hen und nicht noch nach Jahren “selb­st schuld!” skandieren, bin ich gern bere­it, über diese These nochmals nachzu­denken.)

Was all diese Befragten nicht zu beant­worten ver­mö­gen, ist indes, wer denn etwas zu verzei­hen hätte. Die EKD, die geschlossen hin­ter Frau Käß­mann stand, bis sie in freier Entschei­dung ihren Rück­tritt ein­re­ichte? Die Medi­en gar, die, ständig und über­all Sex­is­mus wit­ternd, lieber Dialoge mit Drit­ten führten, die dann erk­lärten, wieso sie hin­ter Frau Käß­mann ste­hen?

Es sagt mehr über diese Drit­ten als über Mar­got Käß­mann aus, wenn sie ver­suchen, deren Fall als direk­te Folge eines gesellschaftlichen Gen­deris­mus’ zu deuten. In bester Alice-Schwarz­er-Tra­di­tion fab­u­lieren sie über all­ge­gen­wär­ti­gen Sex­is­mus, ohne Belege zu nen­nen; Alice Schwarz­er selb­st hätte es auch lieber gese­hen, wäre der Rück­tritt nicht erfol­gt, denn unab­hängig von ihren Moralvorstel­lun­gen und ihrem Amt war Frau Käß­mann eben primär eine Frau und somit nur Opfer der Schein­heiligkeit ihrer Kol­le­gen, die ja über­haupt als Män­ner alle­samt viel furcht­bar­er und per se ver­acht­enswert seien, siehe die jüng­sten Miss­brauchs­fälle seit­ens der Jesuit­en. (Kein Scherz, die Frau reimt sich tat­säch­lich solche Ver­gle­iche zusam­men.)

Und so inter­essiert sich der Jour­nal­is­mus im All­ge­meinen auch und vor allem für das Geschlecht und nicht für die Geis­te­shal­tung des näch­sten EKD-Ratsvor­sitzen­den. Die Frage, wer denn nun eigentlich die zahlre­ichen Per­so­n­en seien, die Frau Käß­mann allein deshalb loswer­den woll­ten, weil sie eine Frau ist, bleibt unbeant­wortet.

Schade.