PolitikIn den NachrichtenPiratenpartei
Die Resolution der Kommunarden, Strophe 1.

Draußen weigern sich die 21,6 Mil­liar­den Ton­nen Kli­maer­wär­mung behar­rlich, wegzu­tauen, und oft, wenn das Volk anderes als Poli­tik, zum Beispiel Fußball oder eben das Wet­ter, im Sinn hat, wer­den unbe­liebte Geset­ze erlassen, damit es wenig­stens nur wenige über­haupt zur Ken­nt­nis nehmen; es hat auch dies­mal funk­tion­iert:

Bun­de­spräsi­dent Horst Köh­ler hat heute das “Gesetz zur Bekämp­fung von Kinder­pornogra­phie in Kom­mu­nika­tion­snet­zen” unterze­ich­net. (…) Der Bun­de­spräsi­dent geht davon aus, dass die Bun­desregierung entsprechend ihrer Stel­lung­nahme vom 4. Feb­ru­ar 2010 nun­mehr “auf der Grund­lage des Zugangser­schwerungs­ge­set­zes” Kinder­pornogra­phie im Inter­net effek­tiv und nach­haltig bekämpft.

Eigentlich wäre dies ein Grund, erzürnt aufzus­prin­gen und/oder sich darüber zu freuen, dass diese Mel­dung der Piraten­partei, die im Über­schwang verse­hentlich mehrfach falsch zitiert wurde (zwis­chen “Löschen ist doof” und “das Löschge­setz ist doof” beste­ht eben doch ein sig­nifikan­ter Unter­schied), bei den kom­menden Wahlen in Nor­drhein-West­falen eine recht ansehn­liche Anzahl an Stim­men bescheren dürfte; die Lage ist hier aber noch ein wenig anders, wie man es aus­nahm­sweise bei SPIEGEL Online tre­f­fend auf den Punkt bringt:

An diesem Mittwoch hat der Bun­de­spräsi­dent ein durch und durch ver­murk­stes Gesetz unter­schrieben, das mit der Veröf­fentlichung im Bun­des­ge­set­zblatt in Kürze in Kraft treten wird — hin­ter dem aber keine einzige der im Par­la­ment vertrete­nen Parteien ste­ht.

Horst Köh­ler ist seit seinem Amt­santritt der einzige CDU-Poli­tik­er, der mir mit fast jed­er sein­er Entschei­dun­gen eine große Por­tion Respekt abnötigt. Mit dieser Unter­schrift unter ein Gesetz, das die, die es ihm vor­legten, selb­st nicht mehr durch­set­zen wollen, hat er vor­erst ver­hin­dert, dass sich die Koali­tion rechtzeit­ig aus der Affäre zieht; ein rev­i­diertes Gesetz, das das alte aufhebt, wird nun doch noch eine Weile dauern, und vor dem unter­schriebe­nen dro­ht in dieser Form vor­erst keine Gefahr. Zu Recht hat der­weil der AK Zen­sur eine Ver­fas­sungsklage gegen das Gesetz angekündigt und gemein­sam mit eini­gen Berlin­er Pirat­en Präsenz gezeigt. Jet­zt bleibt abzuwarten, was die Regierung mit “ihrem” Gesetz anz­u­fan­gen gedenkt — zumin­d­est der gelbe Teil der Tiger­ente hat nichts mehr zu ver­lieren.