In den Nachrichten
Kurz verlinkt XVI: Der Papst warnt vor Risiken des Internets

Dann doch noch ein Brüller für’s Woch­enende:

Der Papst höch­st­per­sön­lich hält das Inter­net für gefährlich.

(…) durch den anhal­tenden Prozess der Konzen­tra­tion der Medi­en beste­he die Gefahr ein­er Kon­for­mität der Gedanken. Weit­ere Gefahren seien eine zunehmende Kon­trolle und ein moralis­ch­er und intellek­tueller Rel­a­tivis­mus, der jet­zt schon in einem Nieder­gang des kri­tis­chen Geistes spür­bar sei.

Die Konzen­tra­tion kon­formistis­ch­er Medi­en im Inter­net ist wahrlich kaum auszuhal­ten. Wie schön war es doch, als die katholis­che Kirche die Macht über die Gedanken der Men­schen innehat­te und als alleinige moralis­che und intellek­tuelle Instanz wirk­te. Gefahr vor Kon­formis­mus dro­hte damals nie! Und das Inter­net ist, abge­se­hen von der eige­nen Pädophilie, ver­ste­ht sich, ohne­hin an allem schuld:

Das Inter­net schaffe zwar die Möglichkeit für jeden, sich zu informieren und mit anderen Men­schen in Verbindung zu treten, erk­lärte der Papst, es könne aber auch die Kluft zwis­chen reichen und armen Län­dern noch weit­er ver­größern.

Das Inter­net macht nicht nur blöd, son­dern zer­stört auch noch jeglich­es gesellschaftliche Gle­ichgewicht. So sieht’s aus.

Ich bin ja eher der Ansicht, die katholis­che Kirche hält das Inter­net für wenig pri­ma, weil sich die Men­schen dort in kürzester Zeit über jegliche Ver­fehlun­gen ihrer Repräsen­tan­ten aus­tauschen und oben­drein seel­is­che Hil­fe in zahlre­ichen Foren bekom­men kön­nen, ein­mal ganz zu schweigen von der weltweit­en Ver­net­zung alter­na­tiv­er Glauben­srich­tun­gen. Hier herrscht nicht bloß schlichte Unwis­senheit und die alt­bekan­nte Rück­ständigkeit, son­dern vielmehr bewusstes (wirtschaftlich­es) Konkur­ren­z­denken; wie bspw. der Schweiz­er Pornografiehändler Patrik Stöck­li Gratispornografie im Inter­net nur aus Jugend­schutz­grün­den total ungut find­et und nicht aus eher niederen Motiv­en, niemals nicht.

(Selb­stver­ständlich kann ich damit aber auch völ­lig falsch liegen.)

NetzfundstückeNerdkramsSonstiges
364 Tage Illiteratentum

Gestern war Welt­tag des Buch­es (und zugle­ich immer­hin der deutsch­landweite Tag des Bieres), zu zumin­d­est ersterem ich mit­tels Nicht­bloggens beitrug. Ich hoffe, meine geneigte Leser­schar hat jenen Tag entsprechend sin­nvoll genutzt. Lest mehr Büch­er und weniger Blogs!

Heute jeden­falls ist der Welt­tag des Buch­es — der Tag des Bieres endet in Deutsch­land bekan­ntlich niemals — vor­bei, jet­zt darf wieder 364 Tage lang jeglich­er Gedanke an Büch­er aus euren Köpfen ver­schwinden. Zu empfehlen jedoch ist das ganz sich­er nicht. Wer immer nur Blogs, Fußballta­bellen und die Beschrif­tung von Alko­holflaschen liest, wird irgend­wann blöd und lässt sich eine Menge Leben­squal­ität ent­ge­hen, das lasst euch gesagt sein.

(Wenn ich von “Büch­ern” schreibe oder spreche, meine ich übri­gens stets diese alt­modis­chen Dinger aus Baum, nicht jene, die sich mit­tels des Plas­tik­bierdeck­els mit der ange­bis­sen ausse­hen­den Baum­frucht darauf lesen lassen. Apro­pos, wusstet ihr schon, dass man bei Apple Hausver­bot bekommt, wenn man zu viele ihrer Pro­duk­te zugle­ich erwer­ben möchte? Wenn ich Apple wäre, würde ich mich freuen, dass über­haupt jemand meinen über­teuerten (cf. bitte auch bspw. diesen Ver­gle­ich iPad ./. Eee PC) lifestyle-Unfug für kaufenswert erachtet; aber Geld scheint ja genug da zu sein. Dies als Klam­merbe­merkung auch für meine geschätzte Leserin, die sich kür­zlich fürchter­lich darüber echauffierte, dass ich nun auch (was ja schon sehr viel­sagend ist) und ständig Apple dif­famiere, was ja so auch nicht stimmt, die Mighty Mouse zum Beispiel finde ich nach wie vor beein­druck­end; gern geschehen jeden­falls.)

Eher kon­trapro­duk­tiv erscheint mir übri­gens auch das Werbeschild ein­er nahen Tis­chlerei:

möbel man­u­fak­tur
SalomoN
die cre­ative tis­chlerei

Wenn man in diesem Unternehmen so cre­ativ mit Möbeln wie mit der deutschen Sprache umge­ht, ist es ver­mut­lich tat­säch­lich ein über­aus brauch­bares. Ich mein­er­seits verzichte frei­willig auf Werkproben.

(Irgend­was ist ja immer.)

SonstigesNetzfundstückePiratenpartei
Medienkritik XXVI: Helden im Wandel

Die gestrige Fernse­hwer­bung offen­barte Ungewöhn­lich­es:

Im Inter­net, diesem selt­samen rechts­freien Raum voller Kinder­pornografie und Urhe­ber­rechtsver­stöße, von dem immer alle reden, gibt es ein Por­tal namens Helden der Liebe. Dieser annep­fir­sich recht ansprechende Titel ist Etiket­ten­schwindel, denn trotz des Namens, der Wer­bung (“ich liebe meine Frau”) und des Mot­tos auf dem Seit­en­ban­ner (“Aus Liebe zur Liebe.”) geht es eben nicht um die Liebe in ihren Facetten, son­dern allein um kör­per­liche Vere­ini­gung. Das Por­tal “Helden der Liebe” wid­met sich allein der erek­tilen Dys­funk­tion des Mannes.

Als “Helden der Liebe” beze­ich­net man dort ern­sthaft jene Paare, die nach ein­er schw­eren gemein­samen Zeit miteinan­der wieder glück­lich gewor­den sind, nach­dem der Mann seine Erek­tion­sprob­leme in den Griff bekom­men hat­te; weil Schnack­seln und Liebe eben untrennbar miteinan­der ver­bun­den sind, zumal wenn man seit Jahren ver­heiratet ist, weil man sich dann eben, so sug­geriert jenes Por­tal, gegen­seit­ig nur noch ertra­gen kann, wenn der Mann funk­tion­iert, was über die Liebe ja dann eigentlich auch schon alles Nötige aus­sagt.

Angesichts solch­er Infor­ma­tio­nen in solchen Medi­en ist es für mich schon ein wenig leichter zu ver­ste­hen, dass das, was die her­anwach­senden Gen­er­a­tio­nen unter der großen, wahren, ewigen und einzi­gen Liebe ver­ste­hen, nur mehr wie ein schlechter Scherz erscheint.

Übri­gens, sofern sich noch jemand an die Berichter­stat­tung über die total wichtige und bürg­er­na­he Enquête erin­nert: Jörg Tauss (Pirat) hat sich mit den Hin­ter­grün­den ihres desig­nierten Vor­sitzen­den beschäftigt. Ein Absatz als Vorgeschmack für den magen­starken Leser:

Im übri­gen ist Fis­ch­er der Inhalt von Zen­sur­su­la und die wichtig­ste Net­zde­bat­te der let­zten Jahre offen­sichtlich noch nicht ein­mal ansatzweise bekan­nt: Denn er spricht im Inter­view vom “Gesetz gegen die Weit­er­ver­bre­itung von Kinder­pornografie” — und meint wie sein Inter­view­er tat­säch­lich das Zugangser­schwerungs­ge­setz, das mit der längst straf­baren Weit­er­ver­bre­itung von Kinder­pornografie nun allerd­ings nicht das MINDESTE zu tun hat.

Danke, reicht schon.

NetzfundstückePiratenpartei
Copy.Right.Now!

Das möchte ich der Leser­schaft auch nicht voren­thal­ten:

Die Hein­rich-Böll-Stiftung hat ein umfassendes elek­tro­n­is­ches Büch­lein zum The­ma Urhe­ber­recht in der Zeit dig­i­taler Kopi­en veröf­fentlicht, unter anderem mit einem Inter­view mit Jens Seipen­busch, dem Vor­sitzen­den der Piraten­partei Deutsch­land.

Das gel­tende Urhe­ber­recht­sregime reibt sich zunehmend an der dig­i­tal­en All­t­agswirk­lichkeit. Während es ursprünglich als ein auf den „genialen” Schöpfer zugeschnittenes Schutzrecht gegen Miss­brauch konzip­iert war, ver­stoßen wir, ob gewollt oder unbe­ab­sichtigt, täglich gegen beste­hen­des Recht. Ver­lust­freies Kopieren gilt den einen als Zugewinn an Frei­heit, den anderen als Ein­schränkung von kün­st­lerisch­er Ver­fü­gungs­ge­walt und dro­hen­der Ein­nah­men­ver­lust. Ein Ende der „Copy­right Wars“ erfordert ein poli­tis­ches und recht­s­the­o­retis­ches Neu­denken.

Das ganze Werk ste­ht unter ein­er Cre­ative-Com­mons-Lizenz und ist hier sowie via eMule herun­terzu­laden.

Lesenswert und (lei­der) poli­tisch noch immer hochak­tuell.

Persönliches
Stehen bleiben, böse gucken, weitergehen

Ein nicht unin­ter­es­santes Phänomen, auf das man als mehr oder min­der regelmäßiger Kunde der öffentlichen Verkehrs­be­triebe mitunter stößt, bet­rifft das zuse­hends eige­nar­tigere Ver­hal­ten von Reisewil­li­gen mit steigen­dem Alter.

Die meis­ten öffentlichen Verkehrsmit­tel sind so gebaut, dass in ein­er Sitzrei­he mehrere Per­so­n­en mit­samt ihrem Gepäck Platz find­en kön­nen. Sitzt nun ein Men­sch allein in ein­er solchen Rei­he, so ist es ein Leicht­es, neben ihm und mitunter auch ihm gegenüber noch einen Sitz­platz zu find­en. Nun neigt der Jung­men­sch dieser Tage dazu, die neben ihm ggf. freien Sitz­plätze mit seinem Besitz (der Schul­tasche und/oder ähn­lichem) zu bele­gen, so dass das unkom­men­tierte Set­zen nicht mehr wie eine Selb­stver­ständlichkeit erscheint.

Drei Meth­o­d­en der Mit­men­schen, solchem zu begeg­nen, kon­nte ich bis­lang aus­machen:

Am häu­fig­sten vertreten sind diejeni­gen Per­so­n­en, die sich zu schä­men scheinen, über­haupt in näheren Kon­takt mit anderen Men­schen zu ger­at­en. Ist ein einziger Platz in ein­er zwei bis vier Plätze umfassenden Sitz­gruppe von ein­er Per­son belegt, so nehmen sie das zur Ken­nt­nis, aber sie scheuen — zumal, wenn der bere­its dort Sitzende deut­lich unter 30 Jahren alt ist — jegliche Kom­mu­nika­tion und bele­gen, sofern man ihnen nicht selb­st­tätig zu ver­ste­hen gibt, dass sie als Sitz­part­ner willkom­men wären, lieber über die gesamte Fahrt­dauer einen Steh­platz. Dies sind mir die lieb­sten Mit­men­schen: Sie belästi­gen mich nicht während der Fahrt, indem sie neben mir speisen, tele­fonieren oder ihre Zehen­nägel schnei­den.

Es gibt auch solcher­lei Gestal­ten, die zwar kommunikations‑, nicht jedoch men­schen­scheu sind. Erblick­en sie einen nicht von einem Men­schen belegten Platz, so hegen sie keine Bedenken, ob es unter Umstän­den einen Sinn hat, wenn der Platz neben ihm teil­weise zur Lagerung ein­er prall gefüll­ten Jack­en­tasche, ein­er Einkauf­stüte oder ähn­lichem ver­wen­det wird. Sie schauen verächtlich, schnaufen wie zum Beleg dafür, dass sie die Sitzgele­gen­heit drin­gend benöti­gen, damit nicht min­destens ein Unglück geschieht, und lassen sich, ohne Rück­sicht auf eventuelle Ver­luste, auf den Lager­platz fall­en, nur sel­ten begleit­et von dem eher unhöflich for­mulierten Hin­weis, dass man sich zu set­zen gedenkt; Sitze sind nur für Men­schen, man möge nur schnell genug eventuelles Gefahrgut von der Lan­de­bahn räu­men. Empirische Stu­di­en haben gezeigt, dass Men­schen, die dieser Per­so­n­en­gruppe ange­hören, sich fast durch­weg durch auf­fal­l­end viel Kör­per­masse und/oder ‑geruch ausze­ich­nen, was es ger­ade bei steigen­den Tem­per­a­turen nicht unbe­d­ingt angenehmer macht, neben ihnen sein Dasein zu fris­ten.

Gle­ich­sam zur Ver­söh­nung hat die Gesellschaft indes Per­so­n­en ein­er drit­ten Art her­anwach­sen lassen, die sich wed­er als men­schen- noch als kom­mu­nika­tion­saver­siv erweisen. Sehen sie einen freien Platz neben oder gegenüber einem Pas­sagi­er, so nehmen sie bere­itwillig das Gespräch mit ihm (dem Pas­sagi­er, nicht dem Platz) auf, indem sie den Wun­sch nach Gemein­schaft aus­drück­en. Nur wenige dieser Per­so­n­en sind mir nicht willkom­men; meist sind es jene, die, im Rentenal­ter ange­langt, ihre eige­nen kör­per­lichen Beschw­er­den für größer eracht­en als es die ander­er Men­schen je sein kön­nten. Sie bewe­gen sich betont langsam auf die eigene Sitzrei­he zu und sprechen, während sie bere­its den Set­zvor­gang ein­leit­en, etwa: “Wenn ich mich hier mal hin­set­zen dürfte…”, und bis sie aussteigen, was erfahrungs­gemäß, qua­si noch ver­stärkt durch den ver­bre­it­eten Senioren­duft nach Mot­tenkugeln bzw. Köl­nisch Wass­er, quälend lange dauern kann, schauen sie beina­he angewidert auf den Sitz­nach­barn hinab, der es tat­säch­lich gewagt hat, einen Platz belegt zu haben; wo es doch schon schw­er genug ist im Alter und die Rente und ach, die Jugend von heute. Man fühlt sich, von einem solchen Blick getrof­fen, dann doch nicht allzu schlecht, noch mit dem “die Jugend von heute”-Blick verse­hen zu wer­den, ist man erst ein­mal in einem Alter ange­langt, in dem man sich selb­st nicht mehr ohne Weit­eres zur Jugend zählen würde. Abge­se­hen von diesen welt­frem­den Greisen gehören zur drit­ten Gat­tung nahezu aus­nahm­s­los Schulkinder, junge Erwach­sene und ähn­lich unschlimme Per­so­n­en. Sie set­zen eine fre­undliche Miene auf die trüben Gesicht­szüge, wenn sie ihren Sitzwun­sch zu ver­ste­hen geben, und ver­hal­ten sich für den Rest der Fahrt meist still. Da sie, anders als Erst­ge­nan­nte, auch das eigene Gewis­sen von der quälen­den Pein, jeman­den davon abge­hal­ten zu haben, während der Fahrt ste­hen zu müssen, frei hal­ten, sind auch sie mir recht willkom­men.

Aber man kann es sich lei­der nur schw­er­lich aus­suchen.

Sonstiges
Smarsch macht Spaß! (Die Kreativität hat Urlaub.)

Das Wet­ter lässt derzeit keinen klaren Gedanken zu. Es ist zu warm und zu hell für diese Jahreszeit. Die gestreiften In-Sek­ten scharen und paaren sich dort, wo es einem am wenig­sten in den Kram passt, und sich so recht auf das Ver­fassen von Tex­ten, wie man es son­st mit Stift und Notizbuch zu tun pflegt, während man außer Haus die Natur bewun­dert, zu konzen­tri­eren fällt auch schw­er.

Da man doch ohne­hin an seinem Ver­stand zu zweifeln begin­nt, summt man im Kopf doch schon, seit man im Ver­lauf des Vor­mit­tags die gle­ich­namige Zeitschrift am Weges­rand liegen sah, das Pop­stück Vogue, das Madon­na einst sang, als sie noch Musik machte, die tat­säch­lich auffiel. (Endlich, übri­gens, mal wieder ein Musikvideo, an dem Sony keine Rechte zu haben glaubt!)

Was mir übri­gens, verur­sacht wohl durch die South-Park-Folge Ein biss­chen Tourette, auch durch den Kopf ging: Smarsch. Smarsch, Smarsch, Smarsch, Smarsch, Smarsch, Smarsch. Smarsch macht Spaß! Ach, das Wet­ter.

Qual­i­ta­tiv hochw­er­tiges, ihr seht es schon, erwartet ihr hier heute vergebens. Stattdessen also ein extern­er Ver­weis neb­st Zitat:

Felix Schwen­zel, primär Insin­ter­netschreiber auf wirres.net, hielt auf der re:publica, dieser Ver­anstal­tung für Men­schen mit Mei­n­un­gen, eine Rede, auf der ein Text basiert, der wiederum heute auf Zeit.de zu find­en ist.

Warum das Inter­net scheiße ist? Weil die Welt scheiße ist.

Guter Text. Lesen!

Nerdkrams
Warum Java eine Qual ist

Als Infor­matik­stu­dent kommt man nur schw­er­lich um die jeden­falls zeitweise Nutzung der Sprache Java herum. Fre­unde dieser Sprache beto­nen immer wieder ihre (also deren) Porta­bil­ität, behaupten gar, Javapro­gramme wür­den grund­sät­zlich unverän­dert unter allen Betrieb­ssys­te­men funk­tion­ieren (schön wär’s ja!); mit C++ oder ähn­lichen, weit reifer­en Sprachen, die eben­falls für nahezu alle Plat­tfor­men existieren und sich im Ver­gle­ich mit Java dadurch ausze­ich­nen, dass ihre Entwick­ler noch in der Lage sind, Code selb­st zu schreiben, und nicht auf ein­er virtuellen Mas­chine ohne effiziente Spe­icherver­wal­tung auf­set­zen, muss man diesen Men­schen nicht kom­men. Hat der Dozent ihnen erzählt, Java sei toll, dann ist Java auch toll, schon allein, weil man da nicht ver­ste­hen muss, wie die Sprache funk­tion­iert. Anders aus­ge­drückt: Wer keine Zeiger nutzen kann, kann sie auch nicht falsch ver­wen­den.

Die unglaubliche Idi­otie, dass man über­haupt auf die Idee kommt, dem Brows­er via Plu­g­in Zugriff auf eine einiger­maßen voll­w­er­tige Pro­gram­mier­sprache neb­st eigen­er VM (wom­öglich unter Admin­is­tra­tor­recht­en) zu gewähren, zeugt von einem einiger­maßen naiv­en Ver­ständ­nis von Com­put­er­sicher­heit. Zumin­d­est damit dürfte es bald vor­erst vor­bei sein:

Porta­bil­ität ist schon eine nette Eigen­schaft, aber auf anderen Plat­tfor­men lauf­fähige Soft­ware kann man auch in C++ entwick­eln. (Dass in ein­er Zeit, in der es den meis­ten Nutzern nur noch darauf ankommt, dass alles möglichst schnell funk­tion­iert, virtuelle Maschi­nen, denen man beim Laden zuse­hen kann, über­haupt noch eine Chance auf dem Massen­markt haben, erstaunt mich dann ja auch ein wenig.)

In den NachrichtenKaufbefehleSonstiges
Niveauloser Pornotext

Apro­pos Tit­ten dann auch mal; da stolpere ich doch verse­hentlich über einen weit­eren Artikel der Machart “Frau mit irgen­deinem Titel hat etwas her­aus­ge­fun­den”.

Pornografie habe, so besagt die vorgestellte Studie, einen neg­a­tiv­en Ein­fluss auf das Sex­u­alleben Jugendlich­er. Ich zitiere und kom­men­tiere mal wild drau­f­los (ihr wisst ja, Mei­n­un­gen und das alles), heute aus­nahm­sweise bewusst mit extra viel Augen­zwinkern und eingeklam­mertem “hähä” gewürzt, dies alles möglichst niveau­los in der Hoff­nung, nicht so bald irgendwelche Ehrun­gen als sog. “Blog­ger” zu erhal­ten, s.o.:

So erlegen sich vor allem Jun­gen ver­mehrt einen Leis­tungs­druck auf, …

Selt­sam; man sollte meinen, der Leis­tungs­druck folge allein aus der Wol­lust der Sex­u­al­part­ner­in. Wenn’s halt nicht funk­tion­iert, ist man ein Schlapp­schwanz, schnurz, ob man sich vorher die Sala­mi gerieben hat oder nicht. Leis­tungs­druck ist ein­er der man­nig­falti­gen Gründe, warum Beziehun­gen nicht oder nur unter Selb­stauf­gabe über­haupt dauer­haft funk­tion­ieren kön­nen. Auch Hochleis­tungss­portler brauchen mal Urlaub.

… wohinge­gen Mäd­chen ein falsches und zumeist unerr­e­ich­bares Schön­heit­side­al ver­fol­gen, das sie von den Pornos aufgezeigt bekom­men.

Ein Schön­heit­side­al, das sich aus Pornofil­men ableit­en lässt? So etwas wie: Max­i­mal 40 kg schw­er (um nicht zu schreiben: fett), ein Gesicht aus der Herb­st-Plas­tikkollek­tion zusam­mengestellt oder bei kleinerem Bud­get wenig­stens die wirk­lich gruselig ausse­hen­den Stellen mit fünf bis sechs ver­schiede­nen, räus­per, Pflegecremes behan­delt, nach bil­ligem Gar­di­nen­stoff oder wenig­stens gefärbtem Kun­strasen ausse­hen­des “Haar”, Lip­pen wie ein Pavia­narsch und ein selb­st unter einem Pelz­man­tel noch wie von einem blind­en, ein­armi­gen Russendok­tor angeleimt ausse­hen­der Bruster­satz?

Na, schö­nen Dank.

Viele Jugendliche ließen sich dem­nach in ihrem Wertev­er­ständ­nis bee­in­flussen und nehmen für eigene sex­uelle Kon­tak­te Drehbüch­er von Pornos als gedankliche Vor­lage.

Beim Beis­chlaf mit dem jew­eils ver­füg­baren Part­ner an Szenen aus Pornofil­men zu denken ist ja auch wahrlich erschreck­end. Zum Glück sind wenig­stens die meis­ten Mäd­chen nicht der­art fan­tasie­los und denken beim Beis­chlaf mit ihrer jew­eils großen Liebe bevorzugt an Til Schweiger, John­ny Depp, Vin Diesel und/oder George Clooney. Aber Pornos, nee. Das wäre doch nicht fair.

Und was wäre selb­st eine Studie ohne Pointe? Sie fol­gt:

Weib­liche Stu­di­en­teil­nehmer sehen Pornos hinge­gen eher als eklig an. Sie ges­tanden Jun­gen aber weitest­ge­hend den Kon­sum im Stillen zu. Während ein­er Part­ner­schaft – so die geschlecht­sun­ab­hängige Mei­n­ung – sei der Pornokon­sum aber tabu.

“Eklig” ist’s, frem­den Men­schen beim Kop­ulieren zuzuse­hen, nicht unbe­d­ingt, meist ist es eher belusti­gend. Was allerd­ings ein anständi­ges junges Frol­lein ist, das hält nicht viel von der­maßen triebges­teuert­er Drit­tun­ter­hal­tung; es legt, wie auch Hauke Brost und Marie Theres Kroetz-Relin in dem anson­sten nicht allzu über­flüs­si­gen Buch Wie Frauen tick­en vor Jahren richtig anmerk­ten, lieber selb­st Hand oder option­al bat­teriebe­triebe­nen Han­der­satz an, natür­lich nur nicht in ein­er Part­ner­schaft, egal, ob der Part­ner mal ein paar Wochen abkömm­lich ist. Man ist ja eine treue Seele und dies immer schon gewe­sen.

Wenn allerd­ings die Frau aus Grün­den ger­ade kein­er­lei Inter­esse an Zunei­gung hat, ist’s dem Part­ner nicht ges­tat­tet, es ihr gle­ichzu­tun. Schön auf das But­ter­brot spuck­en, damit nie­mand anders es bekommt. Geht ja mal gar nicht, wenn der Part­ner eigene sex­uelle Bedürfnisse hat. Ach, her­rje. Hier bitte einen passenden Pejo­ra­tiv ein­fü­gen.

Apro­pos Pejo­ra­tive, die über­flüs­sige Mel­dung des gestri­gen Tages legte SPIEGEL Online vor:

Der Tod vier deutsch­er Sol­dat­en aus­gerech­net bei einem solchen Train­ing­sein­satz zeigt: Die Mis­sio­nen sind für die Bun­deswehr in Wahrheit brandge­fährlich.

Ach?

SonstigesNetzfundstücke
Qualität statt Quantität

Eine britis­che Psy­cholo­gin hat her­aus­ge­fun­den (was eigentlich beina­he immer eher ein unheil­volles Zeichen ist), dass es, will man eine aus­re­ichende Schar an regelmäßi­gen Kon­sumenten des eige­nen Ins-Inter­net-Schmierens an sich binden, nicht darauf ankommt, aus­ge­feilte rhetorische Meis­ter­leis­tun­gen, gespickt mit gewitzten Wort­spie­len und aller­lei sprach­lichen Finessen, abzuliefern, son­dern vielmehr auf die Masse an pro­duziertem Wortschwall.

Hier­bei ist es nicht ein­mal unbe­d­ingt von Belang, was inhaltlich dabei her­auskommt. Die Haupt­sache sind Mei­n­un­gen. Leute, die außer­halb der virtuellen Welt solcher­lei fab­u­lieren, wer­den auf dem Schul­hof ver­trimmt und später besten­falls ignori­ert, aber im Inter­net ist man da als Mei­n­ung­shaber weit­ge­hend geschützt vor Leuten, denen man auf die Ner­ven geht, ihnen bleibt nur schw­er­lich anderes übrig als mit den Zäh­nen zu knirschen. Vor den Mei­n­ung­shabern hat man nicht ein­mal dann seine Ruhe, wenn man ihre primären Sen­fgläs­er weiträu­mig umkreist. Wenn sie ger­ade noch ein wenig Zeit haben, steigen sie von ihren Wolken herab und hal­ten ihr mei­n­ungsvolles Gesicht in Kam­eras für Medi­en, deren Kon­sumenten bis­lang von ihnen ver­schont blieben, und wenn es aber bspw. Tageszeitun­gen sind, fall­en sie zwis­chen all den Stammtis­chtrompetern nicht mal mehr weit­er auf, so dass es schw­er fällt, die tat­säch­lich rel­e­van­ten Infor­ma­tio­nen noch zu des­til­lieren. Und lei­der macht man es ihnen in anderen Medi­en auch nicht schw­er­er als in ihren Stammwe­blogs:

Jedes Blog­post­ing lässt sich auf vielfältige Weise wertvoll ergänzen, und wer nichts dazu zu sagen hat, hat nur noch nicht das Reiz­wort ent­deckt, an dem er andock­en kann oder zu dem er die passende Nebenbe­deu­tung assozi­ieren bzw. her­bei­hal­luzinieren kann.

Wenn man nicht aus­gerech­net zum Beispiel ich ist und seine Textsamm­lung, vul­go bisweilen auch und in meinem Fall keines­falls als “Blog” beschimpft, nur des Bloggens wegen betreibt, gibt man sich ein Ziel vor, sei’s nicht die Weltverbesserung, so sei’s doch zumin­d­est Bekan­ntheit. Den Bauch pin­selt nicht die Freude am Schreiben, ihn pin­selt die eigene Zugriff­ssta­tis­tik, hier und da gar­niert mit ein paar Ein­ladun­gen zu Selb­sthil­fe­grup­pen, betitelt “Lesun­gen” und “Kon­feren­zen”, während deren man seine Mei­n­ung, längst vielfach bekan­nt, noch mal auf­sagen darf und dafür wom­öglich reich ent­lohnt wird, und das alles nur, weil man irgend­wann ein­mal auf die Idee gekom­men ist, seine eigene Hal­tung zu jed­welchen Stammtis­chthe­men dig­i­tal­isiert auf Fest­plat­ten zu rotzen. So ein­fach funk­tion­iert das mit der langfristi­gen Leserbindung: Man muss nur das Schlüs­sel­wort ken­nen, und die Welt ste­ht offen.

Ich versuch’s mal:

Tit­ten!

Sollte ich somit nun allerd­ings in die Riege irgendwelch­er “A‑Blogger” auf­steigen und for­t­an mein Dasein in irgendwelchen Blogrollen fris­ten, umgeben von Men­schen mit Mei­n­un­gen, so entschuldige ich mich natür­lich viel­mals und ver­spreche, Ein­ladun­gen zu irgendwelchen Lesun­gen, Kon­feren­zen oder son­sti­gen muf­fi­gen Ver­anstal­tun­gen, die allein dem Zweck dienen, sich gegen­seit­ig toll und irgend­wie auch sich selb­st bess­er als die armen Nicht-“A‑Blogger” zu find­en, auch weit­er­hin auszuschla­gen. Ich habe eine Mei­n­ung, aber ich dränge sie nie­man­dem auf; das Schöne an ein­er Mei­n­ung ist, frei nach Robert Gern­hardt, die Silbe “mein”. Es zählt Qual­ität statt Quan­tität, Indi­vid­u­al­ität statt nur Fre­quenz der Wieder­hol­un­gen. Das sollte sich, eigentlich, auch mal herum­sprechen.

(Dies auch als gut sicht­bare Erläuterung, warum ich hier nicht täglich jeden Mist ver­wurste, übri­gens.)

PolitikIn den Nachrichten
“Kein Deal mit Ganoven!”

Finan­cial Times Deutsch­land, 7. Feb­ru­ar 2010:

Nach dem Auf­tauchen weit­er­er Dat­en über poten­zielle Steuer­sün­der gibt es Stre­it über den Ankauf des Mate­ri­als. Baden-Würt­tem­bergs stel­lvertre­tender Min­is­ter­präsi­dent Ulrich Goll (FDP) lehnte es ab, eine CD zu erwer­ben, die den Behör­den seines Bun­des­lan­des ange­boten wurde, soll­ten die Dat­en darauf ille­gal erlangt sein. Es dürfe keinen Deal mit Ganoven geben, sagte der Jus­tizmin­is­ter.

SWR, 14. April 2010:

Auf ein­er CD aus der Schweiz mit Dat­en ange­blich­er Steuer­be­trüger sollen sich auch Namen von FDP-Abge­ord­neten im Land­tag befind­en. Sie bestre­it­en die Vor­würfe. Promi­nen­tester Poli­tik­er ist Jus­tizmin­is­ter Ulrich Goll. Gegen die “Ver­leum­dun­gen” will er juris­tisch vorge­hen.

Ver­leum­dung! Ver­leum­dung! Ein F.D.P.-Politiker würde niemals den Staat hin­terge­hen oder gar eigen­nützig han­deln. Böswillige Ver­leum­dung!
Und wenn man nicht will, dass die Leute dieser Ver­leum­dung Glauben schenken, dann schickt man erst mal seine Anwälte los. Das hil­ft immer.

Volk­er Pis­pers, 21. März 2010:

Er ist Jurist und auch son­st von mäßigem Ver­stand.

Gesichtspalme

MusikIn den Nachrichten
Urheber Brecht

Nach­dem ich den Beitrag über die kom­merzielle Ver­w­er­tung der Werke von Kun­stschaf­fend­en fer­tiggestellt hat­te, traf eine Nachricht ein, die ich gern noch dort ver­wurstet hätte, wofür es aber zu spät war, weshalb ich das nun sep­a­rat nach­hole:

Bei YouTube gibt es eine ganze Rei­he von Videos, die nicht angezeigt wer­den, wenn der Betra­chter mit ein­er deutschen IP-Num­mer auf das Por­tal kommt. Bei manchen ist rel­a­tiv ein­deutig, warum sie nicht angezeigt wer­den — bei anderen dage­gen weniger. Eines dieser Videos enthält das von Bert Brecht und Kurt Weill geschriebene Stück Mack­ie Mess­er in ein­er Inter­pre­ta­tion der Sän­gerin Lotte Lenya. Ruft man es in Deutsch­land auf, dann erscheint statt des Stücks der Hin­weis, dass es “Con­tent von Sony Music Enter­tain­ment” enthalte und in Deutsch­land “nicht mehr ver­füg­bar” ist.

(Apro­pos “IP-Num­mer”, habt ihr mit­bekom­men, dass man im “Min­is­teri­um für das dig­i­tale Großbri­tan­nien”, also dort, wo man das mit den Inter­netsper­ren für Urhe­ber­rechtsver­let­zun­gen für eine gar nicht mal üble Idee hält, “IP” für die Abkürzung für Intel­lec­tu­al Prop­er­ty, also geistiges Eigen­tum, und nicht etwa für “Inter­net Pro­to­col” hält? Nun, “geistiges Eigen­tum” ist dann auch wieder eine gelun­gene Über­leitung zum eigentlichen Text:)

Natür­lich sper­rt YouTube nicht ein­fach so irgendwelche Videos; Sony Music Enter­tain­ment hat jedoch eine eidesstat­tliche Erk­lärung abgegeben, dass das volle Ver­w­er­tungsrecht für die Auf­nah­men bei diesem Konz­ern liege. Im Nach­hinein betra­chtet war das zwar effek­tiv, aber nicht son­der­lich klug, denn so recht zutr­e­f­fen scheint diese Behaup­tung nicht. Den­noch ist es einiger­maßen unwahrschein­lich, dass die Entschei­dung rück­gängig gemacht wird.

Der Vor­fall zeigt (…), dass man bei YouTube Medi­enkonz­er­nen weit­ge­hend auf bloßen Behaup­tungszu­ruf hin ange­bliche Rechte anerken­nt, und der gut klin­gende Begriff der Eidesstat­tliche Ver­sicherung dazu einge­set­zt wird, der Öffentlichkeit eine sorgfältige Prü­fung zu sug­gerieren, die in Wirk­lichkeit möglicher­weise gar nicht stat­tfind­et.

Gut für die Beteiligten ist es, dass YouTube LLC keine Behörde ist, son­st käme das wom­öglich bewusst täuschende Vorge­hen das elende Ver­brecher­pack die Zuständi­gen bei Sony Music Enter­tain­ment teuer zu ste­hen. Weniger gut für die deutschsprachi­gen Benutzer ist es, dass YouTube sich das gefall­en lässt. Nun, vielle­icht ändert man dort sein recht blauäugiges Vorge­hen beim The­ma Urhe­ber­recht, wenn solcher­lei nur häu­fig genug passiert. Bis dahin bleibt’s, ganz Brecht, nur, auf die für diesen Ein­griff in die Infor­ma­tions­frei­heit deutsch­er Inter­net­nutzer ver­ant­wortliche GEMA neb­st Staat, der sie gewähren lässt, zu schimpfen. Ein jed­er möge dies tun! Vielle­icht hilft’s.

(Sehr beze­ich­nend auch: Heute ver­sucht­en zwei mein­er weib­lichen Ver­wandten, die zehn Gebote des Chris­ten­tums auswendig aufzuschreiben. Zwei fehlten, darunter eines, das üblicher­weise als eines der ersten genan­nt wird: “Du sollst nicht falsches Zeug­nis able­gen”, soll heißen: “Du sollst nicht lügen”. Erwäh­nte ich schon, dass die bei­den Per­so­n­en, die trotz gemein­schaftlichen Nach­denkens nicht darauf kamen, weib­lichen Geschlechts sind? Aber das hat natür­lich nichts damit zu tun, ist nur ein neben­säch­lich­es Detail.)

Musik
Medienkritik XXV: Viva und das NATO-Alphabet

Da gucke ich mal wieder arg­los einem Geschwist beim Fernse­hen zu, und es läuft, immer­hin ohne sicht­bares Fernse­hbild, der ekel­hafte Kau­gum­misender Viva. Ger­ade ist die Blood­hound Gang mit ihrem Titel “Fox­trot Uni­form Char­lie Kilo” zu hören, und nach­dem es aus­gek­lun­gen war, ent­nahm ich dem Wortschwall des vor sich hin­brabbel­nden mod­er­at­en Tors Mod­er­a­tors unge­fähr dies:

… wenn man die Anfangs­buch­staben von “Fox­trot Uni­form Char­lie Kilo” nebeneinan­der stellt, fällt einem auf: “Oh, das heißt ja ‘Fuck’!”, aber da wir ja hier in der großen Deutschstunde sind, heißt das “Fick­en” …

Jet­zt sind wir alle sich­er sehr über­rascht; zum Einen darüber, dass es tat­säch­lich noch Flitzpiepen gibt, die den allzu offen­sichtlichen der­ben Buch­staben­scherz des Liedes nicht schon beim ersten Lesen ver­standen haben, trompetete er doch seit Jahren aus sämtlichen entsprechen­den Medi­en inkl. der grausi­gen BRAVO, vor allem aber über den zweit­en Teil des Satzes. Eine “große Deutschstunde” ist im deutschen Fernse­hen sicher­lich nicht verkehrt, aber ich zwei­fle noch daran, ob aus­gerech­net Viva der richtige Sender für der­lei Unternehmungen ist (und ob “fick­en” unbe­d­ingt gutes Deutsch ist). Eine Momen­tauf­nahme des Viva-Inter­ne­tauftrittes:

Das gibt after school einen Ein­trag ins Klassen­buch, fürchte ich.
Au, weia.

NetzfundstückeMusikSonstiges
Zufällig Superlativ

CDs, von denen ich als Musik­fre­und grund­sät­zlich die Fin­ger lasse, kom­men meist als “Box” (zu Deutsch also als Kiste) daher, sind mit dem Kon­ter­fei des/der jew­eili­gen Inter­pre­ten verziert bzw., je nach Ausse­hen, verun­stal­tet und tra­gen Namen wie “Great­est hits”, “Best of”, “The best of”, “The very best of” oder auch “Das Beste von” und “Die größten Erfolge”. Auch recht beliebt bei denen, die sich in ihrem Hirnkas­ten Namen für diese willkür­lichen Kom­pi­la­tio­nen aus­denken, sind “ulti­ma­tive”, also finale, Lied­samm­lun­gen, denen dann aber lei­der immer noch etwas fol­gt. (Immer­hin habe ich bis­lang noch keine “very ulti­mate col­lec­tion of…” gese­hen.)

All diesen Namen gemein ist die infla­tionäre Ver­wen­dung von Superla­tiv­en, die ins­beson­dere dann, wenn es mehrere ver­schiedene der­ar­tige Kom­pi­la­tio­nen eines einzi­gen Inter­pre­ten, wie etwa im Fall von Bob Dylan, gibt, ihren Zweck gän­zlich ver­fehlt und mitunter gar lächer­lich wirkt, sprach­liche Finessen wie die Tat­sache, dass “das Allerbeste” (the very best), logisch gese­hen, immer eine Teil­menge des “Besten” (the best) sein muss und ein entsprechend benan­nter Ton­träger erster­er Gat­tung nicht völ­lig andere oder noch mehr Titel enthal­ten sollte als sein großer Brud­er, ein­mal gän­zlich ignori­ert. Warum ist zum Beispiel das Lied “Pos­i­tive­ly 4th street” zwar enthal­ten in der Liste der allerbesten, nicht aber in der der besten oder anderen besten Lieder des Her­rn Dylan?

“Natür­lich”, wer­den nun die Käufer jen­er Ton­träger erwidern, “ist die Auswahl der per­sön­lichen Lieblingslieder stets eine sub­jek­tive, und wenn drei Leute eine Liste der ‘besten Lieder’ eines Inter­pre­ten zusam­men­stellen, resul­tiert dies in drei ver­schiede­nen Lis­ten”; dann sollen diese Leute aber auch bitte davon abse­hen, dieser Auswahl ein nicht halt­bares Superla­tiv als Attrib­ut aufzu­drück­en. De fac­to ist die einzig voll­ständi­ge und garantiert jeden Kon­sumenten zufrieden stel­lende Liste der “besten Lieder”, kon­se­quent fort­ge­führt, let­z­tendlich das Gesamtwerk eines Kün­stlers. Wer die Musik eines Inter­pre­ten mag, der wird entwed­er über die Jahre nach und nach die von ihm bevorzugten Alben voll­ständig erwer­ben oder eben nicht; aber dann wird er auch kein­er­lei Inter­esse an offen­bar per Wür­fel zusam­mengestell­ten, nur sel­ten in Zusam­men­hang ste­hen­den Einzel­stück­en von diesen Alben haben.

Kom­pi­la­tion, so heißt’s in der Wikipedia, stamme aus dem Lateinis­chen, genauer von dem Sub­stan­tiv “com­pi­la­tio”, das unter anderem “Plün­derung” bedeutet; und das sagt ja eigentlich auch schon wieder alles.


Zitat des Tages zum in Bau befind­lichen Free­dom Tow­er in aus­gerech­net den USA:

Als am 11. Sep­tem­ber 2001 das world trade cen­ter in New York ein­stürzte, da wurde in etlichen weniger beachteten Räu­men, die son­st stets im Schat­ten des him­mel­ho­hen Wah­n­turmes aus Geld und Lüge lagen, über­raschend die her­rliche Sonne wiederge­se­hen.

Der aus Beton auf die Leichen gegossene free­dom tow­er wird die alten Ver­hält­nisse schon wieder­her­stellen.

Wie wahr.

Nerdkrams
Undurchdachte Installationsprogramme, Teil 2

Microsoft (Fa.)!

Es ist ja nett, dass eure Instal­la­tio­nen in den let­zten Jahren deut­lich aus­sage­fre­undlich­er gewor­den sind; aber …

… wenn “alle benötigten Infor­ma­tio­nen”, welche immer dies sein mögen, erfol­gre­ich vor­liegen, ist es für den Anwen­der doch eher unvorteil­haft, wenn der näch­ste Schritt damit begin­nt, dass erst ein­mal “zusät­zliche Infor­ma­tio­nen” gesam­melt wer­den müssen, was auch nicht eben eine Sache von weni­gen Sekun­den ist.

Zurück ans Reißbrett bitte.