Eine Ansprache, die bei Gelegenheit noch gehalten werden muss:
“Aber natürlich bin ich als denkender Mensch an einem Gespräch über Gott interessiert, Gnädigste! Nehmen Sie doch Platz. Gott also, herrje, was hat der alte Knabe schon wieder angestellt? Nein, Scherz beiseite: Gott ist gerade in der immer hektischeren, dekadenten Gesellschaft dieser Tage eine wichtige Konstante, die zeigt, dass auch der Glaube einen nicht immer weiterbringt. Sehen sie, zu allen Zeiten haben Menschen an etwas wie eine höhere Macht geglaubt, vollkommen gleichgültig, wie sie genannt oder verehrt wurde. Dieser Glaube kam stets von innen und folgte keinem äußeren Zwang; vielmehr ist Glaube der Versuch des Individuums, in seiner persönlichen Existenz so etwas wie ein Ziel zu sehen, das ihn selbst, auf seinen eigenen Geist abgestimmt, bekräftigt. Immer wieder sind jedoch Propheten aufgetreten, die ebenfalls einen Glauben hatten, und haben im Namen dieses Glaubens Menschen, die keinen Glauben benötigten, zu einem gefährlichen Weltbild getrieben. Bis in die heutige Zeit hinein wird im Andenken an diese Propheten versucht, Menschen zu bekehren, weil der gefährliche Irrglaube noch immer nicht ausgeräumt ist, dass es wahren und viele falsche Glauben gäbe, weil nur der, der der immer gleichen Vorstellung von Gott einen bestimmten Namen gibt, vor der unvermeidlichen Apokalypse gerettet werden kann. Diese Bekehrer vergessen, worum es im Glauben geht; nicht nämlich um Massenhysterie und kollektives mea culpa in freudiger Erwartung des immer wieder unvorhersehbar nicht eintretenden Weltunterganges, sondern darum, etwas im Leben zu finden, das ihm Sinn verleiht.
So ist auch der Satz ‘Glauben kannste in der Kirche’, der in Schulen oft erschallt, wenn ein zu Unterrichtender eine Antwort mit ‘Ich glaube’ beginnt, ein Zeichen dafür, dass das Wissen um den Wert des Glaubens noch immer der Verbreitung bedarf, eine Kirche, errichtet und geweiht von Menschen, die gemeinsam an etwas glauben, was ihre Propheten für gut und richtig halten, nicht aber an das, was ihr Selbst empfindet, halte jedenfalls ich nur eingeschränkt für einen geeigneten Ort, dem eigenen, eigentlich wahren Glauben zu frönen. Religion ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie Glaube nicht funktioniert. Glaube ist ein Spiegelbild der eigenen Seele; ein Glaube aber, der daraus besteht, was Dritte vorschreiben, ist ein Aberglaube.
‘Gott sei Dank’, so lautet ein Sprichwort, ‘bin ich Atheist.’ ”

“Wir sind die Zeugen Jehovas!”
“So, was hat er denn angestellt?”
*prust* den kannte ich noch nicht. Klaue ich bei Gelegenheit mal.
Aber gerne doch!