SonstigesNetzfundstücke
Qualität statt Quantität

Eine britis­che Psy­cholo­gin hat her­aus­ge­fun­den (was eigentlich beina­he immer eher ein unheil­volles Zeichen ist), dass es, will man eine aus­re­ichende Schar an regelmäßi­gen Kon­sumenten des eige­nen Ins-Inter­net-Schmierens an sich binden, nicht darauf ankommt, aus­ge­feilte rhetorische Meis­ter­leis­tun­gen, gespickt mit gewitzten Wort­spie­len und aller­lei sprach­lichen Finessen, abzuliefern, son­dern vielmehr auf die Masse an pro­duziertem Wortschwall.

Hier­bei ist es nicht ein­mal unbe­d­ingt von Belang, was inhaltlich dabei her­auskommt. Die Haupt­sache sind Mei­n­un­gen. Leute, die außer­halb der virtuellen Welt solcher­lei fab­u­lieren, wer­den auf dem Schul­hof ver­trimmt und später besten­falls ignori­ert, aber im Inter­net ist man da als Mei­n­ung­shaber weit­ge­hend geschützt vor Leuten, denen man auf die Ner­ven geht, ihnen bleibt nur schw­er­lich anderes übrig als mit den Zäh­nen zu knirschen. Vor den Mei­n­ung­shabern hat man nicht ein­mal dann seine Ruhe, wenn man ihre primären Sen­fgläs­er weiträu­mig umkreist. Wenn sie ger­ade noch ein wenig Zeit haben, steigen sie von ihren Wolken herab und hal­ten ihr mei­n­ungsvolles Gesicht in Kam­eras für Medi­en, deren Kon­sumenten bis­lang von ihnen ver­schont blieben, und wenn es aber bspw. Tageszeitun­gen sind, fall­en sie zwis­chen all den Stammtis­chtrompetern nicht mal mehr weit­er auf, so dass es schw­er fällt, die tat­säch­lich rel­e­van­ten Infor­ma­tio­nen noch zu des­til­lieren. Und lei­der macht man es ihnen in anderen Medi­en auch nicht schw­er­er als in ihren Stammwe­blogs:

Jedes Blog­post­ing lässt sich auf vielfältige Weise wertvoll ergänzen, und wer nichts dazu zu sagen hat, hat nur noch nicht das Reiz­wort ent­deckt, an dem er andock­en kann oder zu dem er die passende Nebenbe­deu­tung assozi­ieren bzw. her­bei­hal­luzinieren kann.

Wenn man nicht aus­gerech­net zum Beispiel ich ist und seine Textsamm­lung, vul­go bisweilen auch und in meinem Fall keines­falls als “Blog” beschimpft, nur des Bloggens wegen betreibt, gibt man sich ein Ziel vor, sei’s nicht die Weltverbesserung, so sei’s doch zumin­d­est Bekan­ntheit. Den Bauch pin­selt nicht die Freude am Schreiben, ihn pin­selt die eigene Zugriff­ssta­tis­tik, hier und da gar­niert mit ein paar Ein­ladun­gen zu Selb­sthil­fe­grup­pen, betitelt “Lesun­gen” und “Kon­feren­zen”, während deren man seine Mei­n­ung, längst vielfach bekan­nt, noch mal auf­sagen darf und dafür wom­öglich reich ent­lohnt wird, und das alles nur, weil man irgend­wann ein­mal auf die Idee gekom­men ist, seine eigene Hal­tung zu jed­welchen Stammtis­chthe­men dig­i­tal­isiert auf Fest­plat­ten zu rotzen. So ein­fach funk­tion­iert das mit der langfristi­gen Leserbindung: Man muss nur das Schlüs­sel­wort ken­nen, und die Welt ste­ht offen.

Ich versuch’s mal:

Tit­ten!

Sollte ich somit nun allerd­ings in die Riege irgendwelch­er “A‑Blogger” auf­steigen und for­t­an mein Dasein in irgendwelchen Blogrollen fris­ten, umgeben von Men­schen mit Mei­n­un­gen, so entschuldige ich mich natür­lich viel­mals und ver­spreche, Ein­ladun­gen zu irgendwelchen Lesun­gen, Kon­feren­zen oder son­sti­gen muf­fi­gen Ver­anstal­tun­gen, die allein dem Zweck dienen, sich gegen­seit­ig toll und irgend­wie auch sich selb­st bess­er als die armen Nicht-“A‑Blogger” zu find­en, auch weit­er­hin auszuschla­gen. Ich habe eine Mei­n­ung, aber ich dränge sie nie­man­dem auf; das Schöne an ein­er Mei­n­ung ist, frei nach Robert Gern­hardt, die Silbe “mein”. Es zählt Qual­ität statt Quan­tität, Indi­vid­u­al­ität statt nur Fre­quenz der Wieder­hol­un­gen. Das sollte sich, eigentlich, auch mal herum­sprechen.

(Dies auch als gut sicht­bare Erläuterung, warum ich hier nicht täglich jeden Mist ver­wurste, übri­gens.)

Senfecke:

  1. Schöne Beobach­tung hierzu:
    Zumin­d­est halb­wegs geistre­iche oder wenig­stens etwas anspruchsvollere Beiträge in Face­book find­en meist wenig bis eher gar keine Beach­tung. Nichtigkeit­en wie “Boah, um 7 aufgewacht und kon­nte nicht mehr ein­schlafen” ziehen dage­gen meist mehrere Wort­beiträge (alle meist eben­so unwichtig) nach sich.
    Je weniger man beim Lesen denken muss, desto bess­er.

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