In den NachrichtenPolitik
Zweck­lo­se Enquête

Die CDU/CSU hat bekannt gege­ben, wen sie in die Rei­he der Sach­ver­stän­di­gen auf­ge­nom­men hat, die künf­tig so tun sol­len, als hät­ten sie Ahnung von digi­ta­ler Kom­mu­ni­ka­ti­on. Wie üblich lie­ßen die Ankün­di­gun­gen auf eini­ges hoffen:

Wir sind uns über das Ziel einig, aber bei der Wahl der wir­kungs­voll­sten Instru­men­te wol­len und müs­sen wir das Wis­sen der Netz­ge­mein­de nut­zen. Das gilt auch für ande­re Berei­che wie etwa Medi­en­kom­pe­tenz und Leistungsschutzrechte.

Wer aber ernst­haft der Mei­nung war, mit „Netz­ge­mein­de” mei­ne die Frak­ti­on ihre Kri­ti­ker, die seit Jah­ren dar­auf hin­wei­sen, dass ein wenig Exper­ten­wis­sen der Dis­kus­si­on sicher­lich nicht scha­den wür­de, war schön blöd. Kein Ver­tre­ter der neti­zens (also immer­hin auch kein Sascha Lobo) ist auf­ge­führt, hin­ge­gen Men­schen eines ganz ande­ren Schlages:

Pro­fes­sor Die­ter Gor­ny ist Vor­stands­vor­sit­zen­der des Bun­des­ver­bands Musik­in­du­strie e. V.

Die­ter Gor­ny, ich erwähn­te es bereits, ist der fröh­lich dahin­plap­pern­de Mann, der die Grau­en, die die deut­sche Hit­pa­ra­de beherr­schen, mit Ange­bot und Nach­fra­ge begrün­det und im Zwei­fels­fall auch kein Pro­blem damit hät­te, Leu­ten, die ihm und sei­nes­glei­chen nicht in den Kram pas­sen, das Inter­net abzu­dre­hen. Und die übri­gen Mit­glie­der der Kom­mis­si­on sind auch nicht bes­ser: Ver­tre­ter von „Jugend­schutz”, BIT­KOM und ähn­li­chen Inter­es­sens­ver­bän­den, die sogar schon mal einen Com­pu­ter gese­hen haben dürf­ten, dür­fen sich beru­fen fühlen.

Was genau erwar­tet die CDU/CSU eigent­lich von die­ser Enquête-Kom­mis­si­on? Offen­bar jeden­falls kei­ne kri­ti­schen Mei­nun­gen oder gar fun­dier­tes Wis­sen über das, was „die Netz­ge­mein­de” von ihr erwartet.

Und wer dach­te, noch ekli­ger kön­ne es nicht mehr wer­den, hat die­sen Satz noch nicht gelesen:

Für uns ist der Bür­ger der 18. Sach­ver­stän­di­ge unse­rer Enquete-Kommission.

So ist das, wenn man als 18. Sach­ver­stän­di­ger irgend­wo sitzt und die ande­ren 17 sich einig sind, genau das Gegen­teil sei rich­tig. Aber nett, dass die Exi­stenz von Bür­gern über­haupt noch zur Kennt­nis genom­men wird.

Ich bin gera­de eini­ger­ma­ßen ungehalten.